Dustin Lynch – Blue In The Sky – CD-Review

Zehn Jahre sind schon wieder vergangen, seit ich das Debütalbum von Dustin Lynch in höchsten Tönen gelobt hatte. Das erreichte auch prompt Platz 1 in den Country-Billboard-Alben-Charts und die darin enthaltene Single „Cowboys And Angels“ zwar nur Platz 2, aber immerhin Platinstatus. Ein echter Traumstart für einen jungen Künstler also.

Seitdem ist viel Wasser den Tennessee River heruntergeflossen. Sämtliche drei Nachfolgerwerke konnten die Spitze zwar nicht wieder erklimmen, landeten aber alle unter den Top-5, große Touren mit Star-Acts wie Luke Bryan, Florida Georgia Line und Brad Paisley in ausverkauften Stadien und Hallen folgten, seit September 2018 ist Dustin Lynch Mitglied der Grand Ole Opry.

Auf seinem 5. Werk „Blue In The Sky“ unter dem nach wie vor ihn unter Vertrag habenden Broken Bow Records-Label (u. a. Jason Aldean, Lainey Wilson, Craig Morgan), diesmal produziert von Zach Crowell, gibt es wieder flockige, klasse ins Ohr gehende New Countrysongs, teilweise von Dustin mit den üblichen Nashville-Songwritergrößen komponiert.

Was mir besonders neben den allesamt tollen Melodien gefällt ist, dass die Arbeit mit Saiteninstrumenten, sprich Akustik-, klasse E-Gitarren und Dobro  (dazu noch punktuell Banjo, Steel und Fiddle), im Vordergrund steht, und sehr gut mit Lynchs angenehmer Stimme harmoniert. Drei Kollaborationen mit Leuten wie Chris Lane, Riley Green und MacKenzie Porter sorgen für belebende stimmliche Abwechslung, dazu kommen schöne Feiersongs mit einfachen Mitsing-Refrains („Party Mode“, „Stars Like Confetti“, „Break It On A Beach“, „Tequila On A Boat“ – erinnert an Old Dominions „I Was On A Boat That Day“) und „Huntin’ Land“.

Auch der in den Staaten immer wichtige patriotische Bezug ist natürlich reichhaltig vorhanden, wie man es an Titeln wie „Tennessee Trouble“, „Back Road TN“ und „Pasadena“ schon erahnen kann. Und wenn man am Ende dem mit weinender Steel und Fiddle versehenen, pathosgetränkten „Not Every Cowboy“ mitfühlend seine auditorische Ehre erweist, sind knappe 40 unterhaltsame Minuten wie im Fluge vergangen.

Ich glaube, dass ich nicht das Blaue vom Himmel lüge, wenn ich behaupte, dass auch „Blue In The Sky“ von Dustin Lynch wieder ein Topranking belegen wird. Der Protagonist hat vielleicht ein nicht ganz so ein großes Ausrufezeichen wie Morgan Wallen zu Anfang des letzten Jahres gesetzt, aber immerhin eine erste hohe Benchmark aufgelegt. Für mich das bisher beste New Countryalbum in 2022.

Broken Bow Records (2022)
Stil: New Country

01. Party Mode
02. Thinking ‚Bout You (feat. MacKenzie Porter)
03. Stars Like Confetti
04. Somethin’ That Makes You Smile
05. Break It On A Beach
06. Tequila On A Boat (feat. Chris Lane)
07. Tennessee Trouble
08. Summer Never Ended
09. Back Road TN
10. Huntin’ Land (feat. Riley Green)
11. Pasadena
12. Not Every Cowboy

Dustin Lynch
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Lime Tree Music

Scotty McCreery – Same Truck – CD-Review

Es gibt Menschen, die irgendwie nicht zu altern scheinen. Der jetzt bald auf die Dreißig zugehende, ehemalige American Idol-Gewinner Scotty McCreery, sieht immer noch aus wie ein Lausbub und bringt auch diesen gewissen typischen Charme mit sich, wie wir es Ende 2019 bei seinem unterhaltsamen Konzert in Köln live erleben durften.

Der Bursche aus North Carolina ist deshalb nicht von ungefähr ein Liebling der Fans. Recht konträr dazu wirkt seine charismatische Bass-Stimme, bei der man immer meint, hier einen ganz alten Hasen aus den Anfangszeiten des New Country vor sich zu haben. Dieser ungewöhnliche Mix macht wahrscheinlich auch einen erheblichen Teil seiner Anziehungskraft aus.

McCreery besitzt aber auch ein echtes Songwriting-Talent, was sein aktuelles Album „Same Truck“ wieder einmal nachhaltig offeriert. Zehn der zwölf durchgehend radiotauglichen Stücke hat er mit Könnern der Zunft auf diesem Gebiet wie u. a. Ashley Gorley, Zach Crowell, Monty Criswell, Rhett Akins, Lee Thomas Miller kreiert, dazu kommen zwei blendend zu ihm passende Fremdkompositionen wie die perfekt gesungene Hommage „Damn Strait“ an sein großes Vorbild ‚King George‚, der Scotty bei seinem allerersten live erlebten Konzert zu einer Gesangskarriere inspirierte.

Das Album bietet perfekten Stoff, wie man ihn von den beliebten Neo-Traditionalisten a là Strait, Brooks, Black & Co. des Genres schon von Beginn an immer gerne gehört hat, natürlich auch ganz dezent an die heutige Zeit angepasst, in dem ein paar punktuelle, aber kaum merkbare Programming-Effekte  (verantwortlich Mitproduzent Aaron Eshuis und Justin Niebank) mit  eingeflochten wurden. Federführend produziert hat Frank Rogers (Trace Adkins, Brad Paisley, Josh Turner, Darius Rucker, Phil Vassar, Darryl Worley), der auch den einen oder anderen Track mitgeschrieben hat.

So gibt es vom an die Solidarität appellierenden Opener „Same Truck“ bis zum finalen, mit einem herrlich hymnischen Heartland-E-Gitarrensolo abschließenden, an Gott gerichteten „How Ya Doin’ Up There„, wunderbar gekonnt eingespielte Musik, für die sich das Who-is-Who der Nashville Studiomusiker-Gilde mit Leuten wie u. a. Ilya Toshinsky (Acoustic Guitar, Banjo, Bouzouki, Mandolin, Dulcimer), der wieder klasse Akzente setzt, den starken E-Gitarristen Derek Wells und JT Corenflos, den Rhythmusgebern Shannon Forrest und Jimmy Lee Sloas, Tastenkoryphäen wie David Dorn und Gordon Mote sowie Steel-Ikone Mike Johnson, der für viel Countryflair sorgt, verantwortlich zeigt. 

Diese Leute wissen halt ‚im Schlaf‘, wie man zu so einer markanten Stimme und den entsprechenden Songs spielen muss. Am Ende erhält man mit „Same Truck“ ein durchgehend melodisches und eingängiges Rundum-Paket auf höchstem Niveau, das man zu jeder Gelegenheit hören kann und das sich vielleicht als bisher bestes Album von Scotty McCreery herauskristallisiert. 

Triple Tigers (Membran) (2021)
Stil: New Country

01. Same Truck
02. You Time
03. It Matters To Her
04. Damn Strait
05. It’ll Grow On Ya
06. The Water
07. Why You Gotta Be Like That
08. Home
09. Carolina To Me
10. Small Town Girl
11. That Kind Of Fire
12. How Ya Doin’ Up There

Scotty McCreery
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Lime Tree Music

Jason Aldean – Macon- CD-Review

Irgendwie habe ich den Eindruck, als wenn Morgan Wallen zu Beginn des Jahres mit seinem 30 Stücke-Hammerwerk „Dangerous„, das seither ja auch so gut wie die Dauer-Pole-Position in den Billboard Country-Album-Charts belegt, seine Konkurrenz und auch deren Labels, gewaltig unter Druck gesetzt hat.

Kaum einer der ‚Rivalen‘ traut sich quasi noch mit einem ’normalen‘ Longplayer um die Ecke, auch Jason Aldean wird gleich zwei Alben in relativ kurzen Abständen veröffentlichen. Zunächst „Macon jetzt am 12. November, dann im Laufe der folgenden Monate wird Aldean dann immer mehr Songs von „Georgia“ liefern, bis am 22. April 2022 der volle Release von 30 Songs vollendet ist — zwanzig neue Songs und dazu mindestens ein Live-Hit von jedem seiner bisherigen Alben. Veröffentlicht wird das „Macon“-„Georgia“-Konvolut auch auf einem 3-LP-Vinylset. 

Doch zunächst startet jetzt „Macon“ ins Rennen. Und wer es noch nicht mitbekommen hat, mit einer sehr schönen Geste des New Country-Superstars an unser Magazin Sounds Of South, die man unter diesem Link hier nachverfolgen kann. 

Wie und warum es zu den Titeln der Werke kam, beschreibt der Protagonist so: „Wo du aufgewachsen bist, hat einen unglaublich wichtigen Einfluss darauf, zu wem du wirst. Das war bei mir ganz genauso … besonders in musikalischer Hinsicht“, erklärt Aldean. „Meine kleine Heimatstadt Macon war extrem wichtig für meinen musikalischen Background. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, die eine Art Kreuzung zwischen Country, Southern Rock, Blues und R&B war — und deswegen war es ganz logisch, diese verschiedenen Sounds in meiner eigenen Musik zu verschmelzen“.

Keine Frage, der neue Silberling spiegelt dies exakt wider und zwar auf eine extrem Stadion-taugliche Art und Weise. Bei jedem der zehn Tracks sieht man vorm geistigen Auge, wie sie mit ihren eingängigen, zum Teil hymnischen Refrains, die Massen in den proppenvollen Arenen (sofern dies Corona-bedingt wieder möglich sein wird) in Euphorie versetzen werden.

Verstärkt wird diese Suggestion dazu noch von den fünf angehängten Live-Tracks, performt in verschiedenen Metropolen der Staaten, in denen diese typische Stimmung nochmals bestens transportiert wird. Der Kracher „My Kinda Party“, einer meiner Southern Country-Alltime-Favs, haut einen mit seiner E-Gitarrenwucht regelrecht um.

Bei den zehn Studiostücken gibt es viele Reminiszenzen an die gute alte Rockzeit wie zum Beispiel beim flockigen „Over You Again“ mit der kurzen „The Boys Of Summer“-Anspielung zu Beginn, dem starken Bryan Adams-Cover „Heaven“ (braucht sich hinter dem Original nicht zu verstecken) oder dem mit ein wenig „Purple Rain“-Flair (E-Gitarren-Intro) umwehten, herrlichen Schwofer „Watching You Love Me“ als Finalstück (der Studiotracks).

Großes musikalisches Blockbuster-Starkino vermittelt das wunderbare Duett mit Carrie Underwood bei „If I Didn’t Love You„. Jetzt müssten die Hollywood-Regisseure eigentlich nur noch einen passenden Film (a là Titanic & Co. ) darum herum produzieren….

Begeisternd, vor allem im Studioteil, auch die beiden E-Gitarristen Luther Allison (aus Aldeans Tour-Band) und Adam Shoenveld, die in der wie gewohnt transparenten Produktion von Michael Knox, immer wieder krachende Kurz-Soli einstreuen und einigen modernen Loop-Spielereien sofort den Kampf ansagen.

Mit „Macon“ gelingt Jason Aldean erneut der Spagat zwischen mainstreamigen Melodien, eingängigen Refrains und und rockigen Klängen in einer Perfektion, wie ich sie selten erlebt habe. Jedes Stück hat absolutes Hitpotential und wird in den Arenen bei den kommenden Tourneen seinen Teil zum Spektakel beitragen. Jason Aldean also, wie man ihn kennt, man darf sich auf den Nachschlag mit „Georgia“, der sich sicherlich auf gleichem Niveau bewegen wird, schon jetzt freuen.

Bmg Rights Management (Warner) (2021)
Stil: New Country

01. After You
02. Over You Again
03. That’s What Tequila Does
04. Small Town Small
05. If I Didn’t Love You
06. Story For Another Glass
07. Heaven
08. This Bar Don’t Work Anymore
09. The Sad Songs
10. Watching You Love Me
11. Amarillo Sky (Live from Nashville, TN)
12. Johnny Cash (Live from Los Angeles, CA)
13. She’s Country (Live from Las Vegas, NV)
14. Big Green Tractor (Live from Dallas, TX)
15. My Kinda Party (Live from St. Louis, MO)

Jason Aldean
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Networking Media

Stacy Mitchhart – Printers Alley – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Bourbon Street Blues and Boogie Bar, 220 Printers Alley, Nashville, Tennessee, gilt als eine der angesagtesten Blues-Club Adressen in Music City USA, mit erheblicher Anziehungskraft auf Musikinteressierte aus aller Welt. In den 26 Jahren ihres Bestehens hat vor allem ein Musiker den Ruf der „Blues-Bühne“ entscheidend mitgeprägt: Stacy Mitchhart.

Seinen Longplayer „Live at Bourbon Street Blues and Boogie Bar, 05.03.1997“ hatte der inzwischen 62-jährige zu Beginn seiner Karriere dort aufgenommen. Nun widmet er der Blues-Institution am Cumberland River mit „Printers Alley“ erneut ein besonderes Album. Das aktuelle Studio-Werk umfasst mit 15 Stücken einen Rückblick auf Mitchharts Blues-Geschichte, die eigentlich in Cincinnati, Ohio, und mit Vorbildern, wie Freddie King, Carlos Santana und B.B. King begonnen hatte.

„Printers Alley“ reflektiert diesen Weg gleich zu Beginn: auf „The Only Thing Missing“ und „She Knows What To Do“, zeigt die Stacy Mitchhart Band ihre blues-rockige Seite; und die ist nur ein kleiner Teil der großartigen musikalischen Vielfalt dieser Bluesformation. Songschreiber, Lead-Gitarrist, Sänger und Bandleader Stacy Mitchhart hat sämtliche Songs produziert und beschreibt im Booklet ausführlich zu jedem Titel Hintergründe und Infos.

Vom Soul-Blues der 60-er Jahre („Homewrecker“ und „Something So Wrong“) zum klassischen Soul-Titel „You Turn Me On“ – The Temptations „grüßen“ The Miracles! – bis zu jazzigen Varianten („I Might Be Your Husband“ und „Why Did She Have To Leave“) im swingenden Sade-Style bietet das Album mehr als einen Querschnitt durch die bluesigen Bühnenjahre der Band. Hierbei sollte der Big Band Sound der Titel „Shake“ und „What I Feel“ auf keinen Fall außer Acht gelassen werden.

Als einer der Top-Five Live Acts in Nashville’s Club Szene spielt die Stacy Mitchhart Band bis zu 200 Gigs im Jahr – auch als House-Band der Bourbon Street Blues and Boogie Bar. „Blues Doctor“ Mitchhart wurde 2003 mit dem Albert King-Most Promising Guitarist Award ausgezeichnet und beweist diese vielversprechende Ehrung nicht nur beim akustischen „Doghouse Blues“ im Jug Band Stil und herausragenden Slide-Fähigkeiten bei „Live My Life“, sondern meistert sehr eindrucksvoll den langen Guitar-Part im „Worried Mind Blues“. Mitchhart, in eigener Sichtweise „a Yankee in Nashville playing the blues“, schließt den Longplayer mit einer Cover-Version des „Basin Street Blues (1928) – den Louis Armstrong unnachahmlich berühmt machte – als eine Verneigung vor dem Sound aus New Orleans und bedankt sich damit auf seine Art für die vielen Einflüsse der Jazz-Metropole.

„Printers Alley“ von Stacy Mitchhart ist eine beeindruckende Produktion eines Blues-Begeisterten „Alleskönners“, der seine Heimat in Music-City gefunden hat und auch, trotz 16 Longplayern, leider hierzulande kaum Beachtung gefunden hat. Mitchharts Werkschau auf seine Blues-Historie und zwei Dekaden in „Printers Alley“ vermittelt in 70 Minuten eine gelungene Retrospektive, ein „bluesiges“ Synonym für eine musikalische Lebensleistung.

Eigenproduktion (2021)
Stil: Blues

Tracks:
01. Only Thing Missing
02. She Knows What To Do
03. Homewrecker
04. Something So Wrong
05. Shake
06. Feels Like I’ve Been Here Before
07. Brand New, Same Old Blues
08. Doghouse Blues
09. What I Feel
10. I Might Be Your Husband
11. You Turn Me On
12. Why Did She Have To Leave
13. Live My Life
14. Worried Mind Blues
15. Basin Street Blues

Stacy Mitchhart
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Jason Aldean – Macon + Georgia – Videobotschaft

Video-Botschaft von New Country-Superstar Jason Aldean an alle Sounds Of South-Leser als Vorbote zu seinen beiden neuen Alben „Macon“, das am 12. November erscheinen wird und „Georgia“ (VÖ vermutlich Anfang 2022), über die wir natürlich im Vorfeld ausführlich berichten werden!

Herzlichen Dank auch an Kai Manke von Networking Media, der die Sache eingefädelt hat!

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Networking Media

Lady A – What A Song Can Do – CD-Review

Das letzte Mal, als ich eine Scheibe von Lady A reviewte, firmierte das Erfolgstrio, bestehend aus Hillary Scott, Charles Kelley und Dave Haywood, noch unter dem Namen Lady Antebellum. Da südstaatliche Symbole und Bezeichnungen aus dem Dunstkreis des Bürgerkriegs aber mittlerweile öffentlich verpönt sind, blieb im zweiten Teil nur noch der Anfangsbuchstabe des Alphabets übrig. Auch wir haben seit geraumer Zeit mit dem modifizierten SoS-Logo diesem Trend Tribut gezollt.

Nun gibt es mit „What A Song Can Do“ also neuen, frischen Albumstoff von Lady A. Ja, was ein Song so mit einem machen kann, da hat wohl jeder, der Musik liebt, schon seine vielfältigen eigenen Erfahrungen und Assoziationen gehabt. „Simple Man“ von Lynyrd Skynyrd hatte für mich zum Beispiel immer einen prägenden Charakter, auf dem Boden zu bleiben.

Die neuen, von Dann Huff produzierten Stücke liefern jedenfalls den eindeutigen Beweis, dass beim seit 2008 im Nashville-Markt auftretenden Mischtrio immer noch keine Abnutzungserscheinungen erkennbar sind. Die Songs sind wunderbar arrangiert, allesamt höchstmelodisch und bieten Gesangskunst der ganz hohen Schule, die unter der vokalen Mitwirkung der Kollegen Carly Pearce, Thomas Rhett und Darius Rucker, beim launigen Kneipenschunkler „Friends Don’t Let Friends“ („…drink alone“) seinen geballten Höhepunkt findet.

Der Nashville-Dreier kann halt auf den Luxus zurückgreifen, mit Hillary Scott, im weiblichen Bereich und Charles Kelley im männlichen Sektor, mit jeweils einen der besten Akteure der zeitgenössischen New Country-Gesangskunst zu besitzen und selbst der dritte im Bunde, Dave Haywood, gibt beim 70er-Folk umwobenen „Workin‘ On This Love“ eine außerordentlich gute Figur am Mikro ab, wobei ich mich garnicht entsinnen kann, schon mehr als Harmoniegesänge von ihm gehört zu haben. Diese, wie auch viele Wechselgesänge zwischen Scott und Kelley, spielen natürlich wie gewohnt, auch wieder eine starke und intensive Rolle.

Einen starken Einfluss scheinen auf diesem Werk die guten alten Fleetwood Mac zu haben, nicht nur allein durch die Ähnlichkeiten von Hillary Scotts Stimme zu Stevie Nicks, sondern oft auch in der Grundmelodik. Tracks wie der Opener „Talk Of This Town“, das Titellied „What A Song Can Do“, „Fire“ und das mich ein wenig an „You Make Loving Fun“ erinnernde, herrlich relaxt groovende „In Waves“ sind hier angeführt.

Auch der gute Tom Petty, wie so oft in letzter Zeit auf New Country-Scheiben, schickt bei „Chance Of Rain“ ein paar markante Gitarrengrüße vorbei. Apropos Gitarren und Saiteninstrumente, hier sind mit Leuten wie Huff (guitars, dobro), Tom Bukovac, Derek Wells (beide electric guitar), Ilya Toshinsky (acoustic guitar, mandolin, banjo), Paul Franklin (steel guitar), und Stuart Duncan (fiddle) absolute Spitzenkönner am Werk, die wissen, wie man trotz poppiger Melodien (selbst bei einem R&B-Stück wie „You Keep Thinking That“) ein deutlich vernehmbares Countryflair aufrecht hält.

Weiterhin begeistert noch das von Scott sehr euphorisch gesungene „Like A Lady“(mit starkem E-Gitarren-Solo) und der famos, im pathos-getränkten Stimmen-Wechselspiel zwischen Scott und Kelley gebrachten Countryschwofer „Swore I Was Leaving“ zum finalen Abschluss.

Lady A zeigen sich auch mit abgespecktem Namen in Bestform. Der Titel ihres neuen Longplayers „What A Song Can Do“ bedeutet für mich, 14 mal in stilvollem New Country-Ambiente mit hoher Sangeskunst unterhalten zu werden. Top!

BMLG (Universal) (2021)
Stil: New Country

Tracks:
01. Talk Of This Town
02. What A Song Can Do
03. Like A Lady
04. Things He Handed Down
05. Fire
06. Chance Of Rain
07. Worship What I Hate
08. Where Would I Be
09. Friends Don’t Let Friends (feat. Carly Pearce & Thomas Rhett & Darius Rucker)
10. In Waves
11. You Keep Thinking That
12. Be That For You
13. Workin‘ On This Love
14. Swore I Was Leaving

Lady A
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Universal Music

Zac Brown Band – The Comeback – CD-Review

Mit dem sich anbahnenden Weihnachtsgeschäft lassen auch die großen Labels so langsam ihre großen Zugpferde aus den Startluken. Warner Music setzt dabei gerade auf einen seiner Dauerabonnementen auf die Country-Alben-Chartspitze, die Zac Brown Band. Von den bisher sechs veröffentlichten Studiowerken schafften es gleich fünf auf Platz 1 (drei davon auch in allgemeinen Billboard Top 100), lediglich das Debüt der Truppe aus Atlanta, Georgia, kam ’nur‘ auf Platz 2.

Der siebte Streich des, ähnlich wie Eric Church, für seine Experimentierfreudigkeit bekannten Zac Brown heißt nun „The Comeback“ und beinhaltet satte 15 Tracks. Der Titel erscheint mir statt einer erneuten Wiederkehr zu seinen Roots eher wie eine Kampfansage an Morgen Wallen in dem Sinne interpretiert werden zu müssen, dass dieser, seinen Dauerplatz an der Sonne in diesem Jahr, zumindest temporär, mal schön zu räumen hat.

Brown und seine Band loten zwar auch diesmal wieder einen großen Spielraum aus, den das moderne Country-Genre in Kombination mit anderen Stilen zu bieten hat, diesmal aber ohne bewusst eingeplantes Verärgerungspotential seiner Fans, wie bei den früheren Alben „Jekyll + Hide“ und „The Owl“. 

„The Comeback“ ist demnach ein selbstbewusstes kurzweiliges, abwechslungsreiches und gut zu hörendes New Country-Album geworden, das so gut wie keine Schwachstellen aufweist, und dazu einige echte Highlights bietet. 

Freunde des schwungvollen, dynamischen New Country dürfen sich am rhythmisch-tanzbaren, garnicht langsamen Opener „Slow Burn“, dem euphorisch resümierenden „Us Against The World“ und dem finalen Rausschmeißer „Don’t Let Your Heart“ erfreuen, Traditionalisten bekommen mit „Wild Palomino“ (Midland-Manier), dem Veranda-mäßigen „Same Boat“ und dem Hillbilly-Heuler „Fun Having Fun“ ihre Vorlieben erfüllt.

Southern Rocker erhalten mit dem swampigen „Out In The Middle“ und dem Kracher „GA Clay“ ihren bevorzugten Stoff. Mittendrin der Titelsong, der mal die Petty-, Springsteen-, Mellencamp-Freunde ordentlich aufhorchen lassen wird. Karibisches Party-Feeling à la Jimmy Buffett garantiert „Paradise Lost On Me“.

Für die etwas zarter besaiteten Feingeister erfüllen die folkig-angehauchten „Any Day Now“ und „Love And Sunsets“ ihren Zweck, die Ohrwürmer des Werkes erhält man mit dem herrlich southern-souligen „Old Love Song“ und dem Balladen-Duett „Closer To Heaven“ mit Jazz-, Soul- und Blues-Interpret Gregory Porter.

Last but not least ist der Knaller des Albums die Kooperation mit Jung-Shooting Star Markus King bei „Stubborn Pride“. Allein schon das Akustikgitarren-Intro ist zum Niederknien, die beiden wunderbar divergierenden Stimmen, sowie zwei furios-filigrane King-E-Gitarren-Soli machen diesen 7-Minuten-Track zum krönenden Center-Song dieses Longplayers.

Mit „The Comeback“ finden Zac Brown und seine Mannen eindeutig wieder zurück in die Spur. Die Fans der frühen Jahre sollten dieses Werk erst mal genießen. Wer weiß, nach dem Gesetz der Serie, was der Protagonist als nächstes wieder im Schilde führt…

Warner Music (2021)
Stil: New Country

Tracklist:
01. Slow Burn
02. Out In The Middle
03. Wild Palomino
04. Us Against The World
05. Same Boat
06. Stubborn Pride (feat. Marcus King)
07. Fun Having Fun
08. The Comeback
09. Old Love Song
10. Any Day Now
11. Paradise Lost On Me
12. GA Clay
13. Love And Sunsets
14. Closer To Heaven (feat. Gregory Porter)
15. Don’t Let Your Heart

Zac Brown Band
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Warner Music

Toby Keith – Peso In My Pocket – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In einer anderen Liga zu spielen, ist für den Country-Mega-Star Toby Keith – nach fast 30 Jahren im Musik Business – inzwischen sicher selbstverständlich. Daher war auch die Zeit nach seinem Country-Charts Nr. 2-Album „35mph Town“ (2015) eigentlich keine Pause in seiner Karriere, sondern war gefüllt mit anderen Aktivitäten, u. a. der „Should’ve Been A Cowboy“-Tour (2018).

Rechtzeitig zur bevorstehenden Aufnahme in die „Nashville Songwriters Hall of Fame“ im November erscheint nun das neue Studio-Album „Peso In My Pocket“, Co-produziert von Kenny Greenberg. Mit „Oklahoma Breakdown“ widmet der 60-jährige Singer/Songschreiber gleich das erste Stück seiner alten Heimat, ein starker, rockiger „Aufreißer“, der bereits als Single ausgekoppelt wurde. Auch der folgende Titel-Track „Peso In My Pocket“ lässt die New Country-Gitarren in gewohnter Weise rocken, während Toby Keith einen Aufenthalt in Mexico beschreibt. Die altbewährten, musikalischen Bahnen werden bei „Old School“ mit fast rappenden Versen zwar teilweise etwas verlassen, dafür war der Song offenbar besonders geeignet als erste Single das Album zu promoten.

Seine ungewohnte Country-Seite bringt Keith zusammen mit Blues-Sänger Keb‘ Mo‘ und dessen „Old Me Better“ als New Orleans Jazz/Blues/Country-Mix durchaus originell und ausgefallen auf die Platte; eine außergewöhnliche Kooperation für den eher konservativen Entertainer. Dass die variantenreiche Song-Auswahl danach allerdings wieder auf Pedal-Steel und E-Gitarren-Sounds und herkömmlich erfolgreichen musikalischen Stilrichtung setzt, wird in den anschließenden drei Songs („Days I Shoulda Died, Growing Up Is A Bitch“ und „She’s Drinkin Again“) deutlich, die ihre New Country Muster entsprechend intensiv, in altbekannter Art, aber sicherlich erfolgreich, in die Waagschale legen. Diese wird zugunsten des volkstümlichen, schnellen Country-Songs „Thunderbird“ nochmals rockig, stilsicher und in bester Feierlaune aufgefüllt.

Zu den bemerkenswerten Stücken des Longplayers gehört ebenfalls die Version des John Prine-/John Mellencamp-Klassikers „Take A Look At My Heart“, die als Tribute an die beiden legendären Songschreiber leider vor dem letzten Titel etwas zu wenig Geltung erfährt, da zum Abschluss mit „Happy Birthday America“ ein zutiefst patriotischer Song seinen „Auftritt“ erhält und bereits passend zum Nationalfeiertag vorab veröffentlicht wurde – vielleicht eine nachträgliche Danksagung an die Verleihung der National Medal of Arts, die Toby Keith Anfang 2020 vom damaligen US-Präsidenten erhielt.

Mit „Peso In My Pocket“ etabliert sich Toby Keith erneut an der Spitze seines Genres und wird damit sicher auch die Erwartungen seiner Anhängerschaft voll erfüllen. Die New Country-Fans, nicht nur im „Herzen“ der USA, können sich nach dieser längeren Wartezeit endlich wieder über einen neuen Longplayer ihres Idols freuen.

Show Dog (2021)
Stil: Country, New Country

Tracks:
01. Oklahoma Breakdown
02. Peso In My Pocket
03. Old School
04. Old Me Better
05. Days I Shoulda Died
06. Growing Up Is A Bitch
07. She’s Drinking Again
08. Thunderbird
09. Take A Look At My Heart
10. Happy Birthday America

Toby Keith
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Oktober Promotion

Old Dominion – Time, Tequila & Therapy – CD-Review

Zwei Jahre nach ihrem großartigen, nach sich selbst betitelten dritten Album (zu der Zeit hatten wir auch in Köln das Vergnügen, sie live zu erleben) sind Old Dominion zurück mit neuem Stoff. „Time, Tequila & Therapy“ heißt das neue Werk und knüpft in seiner Art an die bewährten Erfolgsrezepte der Vergangenheit an. Trotzdem verlief die Corona-Zeit alles andere als gut für das in allen Belangen hochprämierte Quintett, wenn man den Worten von Sänger Matthew Ramsey Glauben schenkt. Ja, das Fortbestehen soll sogar auf dem Spiel gestanden haben. Vor allem die monatelange physische Trennung hatte der Band wohl hart zu schaffen gemacht.

Die Lösung fand man im Song “Make It Sweet” des Vorgängerwerkes. Der wurde erstmalig direkt im Studio geschrieben und direkt danach aufgenommen. So entschied man sich, zusammen mit ihren beiden Produzenten und Co-Writern Shane McAnally und Josh Osbourne, in Ashville, North Carolina, in ein Studio einzumieten und das Schreiben und Aufnehmen dem spontanen dortigen Lauf der Dinge unterzuordnen. Morgens aufstehen, einen Song im ganzen Team ohne jegliche Vorbehalte kreieren, nachmittags dann einspielen und aufnehmen, so der Plan.

Und es hat funktioniert! Leadsänger Matthew Ramsey, Multiinstrumentalist Trevor Rosen, Gitarrist Brad Tursi, Bassist Geoff Sprung und Drummer Whit Sellers samt Osbourne und McAnally haben wieder diese wunderschöne Balance gefunden, diese unwiderstehlichen eingängigen Melodien samt guter und humorvoller Texte, mit der sanft-rauen Stimme Ramseys, vielen Band-Harmoniegesängen und einer fein akzentuierten Instrumentalisierung perfekt in Einklang zu bringen, der man sich einfach nicht entziehen kann.

Rosens Tastenspiel (Piano, Synthie, E-Piano, Orgel), teilweise mit herrlichem Akkordeon (beim Veranda-mäßigen „I Was On A Boat That Day“ und „Ain’t Nothing Wrong With Love“), Tursis E-Kurzgitarreneinlagen (manchmal auch Southern-gefärbt wie bei „I Wanna Live In A House With You Forever“ oder „Ain’t Nothing Wrong With Love“, lässig-stonesk bei „Drinking My Feelings“), klare Akustikgitarren, hier und da etwas Mandoline (klasse beim karibisch-sommerlichen „Hawaii“, „No Hard Feelings“), Dobro (bei „I Was On A Boat That Day“), mal eingestreutes Slide („I Wanna Live In A House With You Forever“) und vor allem diese oft integrierten, gut-gelaunten Harmoniegesänge aller Beteiligten, sprechen eindeutig dafür, dass in Ashville die Chemie bestens gestimmt hat.

Grandios der atmosphärisch groovende Ohrwurm „Walk On Whiskey“ (Fleetwood Mac-Note) als auch das Motown-umwehte „Lonely Side Of Town“, bei der die in Ashville lebende und kurzfristig ins Studio eigeladene Soul-Ikone Gladys Knight neben Ramsey zu vokaler Höchstform aufläuft, als auch die leicht folkig-angehauchten Gute-Launenummern „I Was On A Boat That Day“und „I Wanna Live In A House With You Forever“.

Old Dominion haben mit der Entscheidung, sich für Wochen komplett in ein Studio zurückzuziehen und die dort entstehende kreativen Kräfte walten zu lassen, alles richtig gemacht. Die Band wirkt auf „Time, Tequila & Therapy“ geschlossen wie nie, das entstandene Songmaterial ist frisch und flockiger denn je. Am Ende hinterlässt man sogar die Hypothese, dass viel Tequila zu absolut günstigen Therapieergebnissen beitragen kann. Medizin-Nobelpreis-verdächtig!

RCA Records Nashville/Sony Music(2021)
Stil: New Country

01. Why Are You Still Here
02. Hawaii
03. Walk On Whiskey
04. All I Know About Girls
05. Blue Jeans
06. No Hard Feelings
07. Lonely Side of Town (feat. Gladys Knight)
08. I Was On A Boat That Day
09. Drinking My Feelings
10. Something’s The Same About You
11. I Wanna Live In A House With You Forever
12. Don’t Forget Me
13. Ain’t Nothing Wrong With Love

Old Dominion
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Sony Music

Logan Mize – Welcome To Prairieville – CD-Review

Zweites Album von Mize Logan bereits in diesem Jahr! Das Schöne im New Country ist ja, dass es in Sachen Nachschub an guter Musik so gut wie keine Lieferengpässe gibt. Gerade in Corona-Zeiten mit dem stark eingeschränkten bis garnicht stattfindenden Konzertgeschehen scheinen sich die meisten Künstler intensiv darauf zu konzentrieren, ihre neuen Kreationen, in welcher Form auch immer, in Stellung zu bringen, um dann für die kommende, hoffentlich überwundene Pandemie-Zeit, in Sachen Touren wieder gewappnet zu sein.

Bei Logan Mize liegt das neue Werk „Welcome To Prairieville“ allerdings laut eigener Aussage schon seit gut zehn Jahren in der Schublade und hat lange auf den richtigen Moment der Veröffentlichung warten müssen. Der scheint nun gekommen zu sein. Es gibt zwar eine Stadt gleichen Namens in den Staaten und zwar in Louisiana, in diesem Fall gilt der Ort aber eher als Synonym für das typische Kleinstadtleben irgendwo im Niemandsland, deren alltägliche Thematiken in den insgesamt elf Tracks teils autobiografisch von Mize reflektiert werden.

Produziert hat, wie auch das Vorgängerwerk, erneut Daniel Agee, der instrumententechnisch ebenfalls wieder stark involviert ist (acoustic guitar, electric guitar, percussion, piano, synths, organ, background vocals). Mit Shannon Forrest (drums), Mark Wright (bass) und Dave Cohen (keys) ist weitere feine und auch prominente Musikerpräsenz gewährleistet. Die Songwriting-Credits gehen zu großen Maßen auf das Konto von Mize und Blake Chaffin mit dem einen oder anderen Co-Writer, jeweils ein Stück davon schrieben Blake („I Need Mike“) und der Protagonist („It’s About Time“) alleine.

Der melancholisch anmutende Opener „George Strait Songs“ huldigt zwar, wie man schon am Titel ablesen kann, in gewisser Weise den König der Countrymusik, musikalisch aber in einer eher nicht Strait-typischen Art. Hier erinnert vieles, trotz der Einbindung von Pedal Steel-Elementen, an den mainstreamigen New Country der 80-90er Jahre, wo unter Zuhilfenahme des Synthezisers der damaligen Trends (wie zum Beispiel auch im Southern Rock) Tribut gezollt wurde.

Ähnlich gestaltet ist der Titelsong, der mich vom Flair an Bobby Pinson erinnert, auch so ein Typ, der tolle Songs geschrieben hat, in eigener Sache aber nie, beziehungsweise nur kurz, richtig zur Geltung kam. „River Road“ und „If You Get Lucky“ hätten beide spielend auf das Petty-Album „Into The Great Wide Open“ gepasst, mit „Wine At The Church, Beer At The Bar“ (herrliches Kirchenorgel-Intro von Agee) und „We Ain’t Broke“ gibt es launigen Southern Rock-Stoff.

Die Quintessenz des für mich radiotauglichsten Songs „Follow Your Heart“ wünscht man sich für Mizes weitere Ambitionen, Musik zu machen, während das unter die Haut gehende „I Need Mike“ den Suizid junger verzweifelter Menschen in bedrückender Weise thematisiert. Der sicherlich aufwühlendste Song des Werkes.

Begeisternd auch das auf Logans reinen Gesang und Jill Martins perfekte Harmonies mit rootsiger Akustikgitarrenuntermalung und nur hauchzarten Keys und E-Gitarren reduzierte „Tell The Truth“, ein weiterer Höhepunkt dieses tollen Gesamtwerkes, das mit den beiden melodischen Midtempo-Stücken „I Still Miss You“ und „It’s About Time“ (mit schönem Akkordeon) erkenntnisreich ausklingt.

Hatte ich beim Vorgängeralbum bereits einen etwaigen kommerziellen Durchbruch von Mize gemutmaßt, wüsste ich angesichts der neuen Scheibe eigentlich nicht, was man besser machen könnte, um in den Fokus der Radiostationen, Major-Labels und auch einer größeren Klientel zu kommen. Die Songs auf „Welcome To Prairieville“ bestechen durch musikalische Qualität, kontrastreiche Gestaltung sowie einer Melodiösität und Eingängigkeit, die sich hinter niemandem der angesagten Branchen-Platzhirsche verstecken braucht. Im Prinzip fehlt jetzt eigentlich nur noch ein Quäntchen Glück. Wie dem auch sei, weiter so, Logan Mize!

Big Yellow Dog Music (2021)
Stil: New Country

01. George Strait Songs
02. Welcome To Prairieville
03. River Road
04. Wine At The Church, Beer At The Bar
05. Follow Your Heart
06. I Need Mike
07. If You Get Lucky
08. Tell The Truth
09. We Ain’t Broke
10. I Still Miss You
11. It’s About Time

Logan Mize
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