Tammy Cochran – Life Happened – CD-Review

Für eine junge Künstlerin, die erst gerade ihr zweites Album veröffentlicht, ist Tammy Cochran ein erstaunlich reifes Werk gelungen. Wirft man einen Blick in ihre Biographie, liegen die Gründe dafür auch relativ schnell auf der Hand.

Verlust ihrer beiden Brüder krankheitsbedingt während ihrer Kindheit, eine überstürzte Heirat mit prompt folgender Scheidung, führten zu einer umso sorgfältigeren Vorbereitung auf das Musikbiz in Nashville. Der Lohn. Ein erfolgreiches Debüt und ein nahezu perfekter Nachfolger.

Das Fundament bildet, wie so oft, die Elite der New-Country-Studiomusiker. Dazu attestiere ich eine intelligente Auswahl an Fremdkompositionen; aber gerade das eigene Songwriting wertet diese Scheibe ungemein auf. Starke Texte, bei denen Leuten wie du und ich, die harten Realitäten des Lebens schonungslos vor Augen geführt werden, aber auch immer wieder das Licht am Ende des Tunnels gezeigt wird, hinterlassen eine enorme Wirkung.

Besonders klasse. „Dead Of The Night“, das mich von der Dramatik her an Garth Brooks‚ „The Thunder Rolls“ erinnert. Ein kleines Mädchen beendet die fortwährenden und gewalttätigen Auseinandersetzungen der Eltern, in dem es den angetrunkenen Vater mit einer 45er niederstreckt.

Oder mein Lieblingstitel des Albums. Das knackige „All In How You Look At Things“, das die Message transportiert, dass man, egal wie die Dinge auch sind, das Positive für sich daraus mitnehmen sollte.

Auch der Titelsong, „Life Happened“, über die vergebenen Möglichkeiten im Leben, dürfte vielen aus der Seele sprechen. Irgendwo eine sympathische CD von einer angenehm wirkenden Person, die auch sozial und politisch engagiert ist.

Sony Music Entertainment/Epic (2002)
Stil:  New Country

01. Love Won’t Let Me
02. Wanted
03. Go Slow
04. What Kind Of Woman Would I Be
05. White Lies And Picked Fences
06. I’m Getting There
07. Life Happened
08. I Used To Be That Woman
09. Dead Of The Night
10. All In How You Look At Things
11. If You Can

Tammy Cochran
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Bärchen Records

Dry County – Cowboy Up – CD-Review

Achtung! Aufgepasst! Dies ist eine CD für Männer, dementsprechend ist diese Besprechung auch nur für echte Männer gedacht. Emanzen, Frauenversteher und all die, die unserer Spezies seit Jahrzehnten ihre angeborenen Instinkte madig zu reden gedenken und an unserem unzerrüttbaren Selbstbewusstsein (inkl. unseres eigenwilligen Humors) kratzen wollen, sollten sich die vorprogrammierten Schreie der Empörung sparen. Sie sind hier fehl am Platze. Das ist Musik für uns eindimensional gestrickte Geschöpfe, die sich um Multitasking einen Dreck scheren, und, wenn überhaupt, dann höchstens für die Pams, Katies oder Lindseys & Co. dieser Erde.

Einfach herrlich diese, dank ihres charismatischen Bandleaders Jeff Gallagher, so machohaft klingende, mit viel Redneck-Flair umwobene New Country-Band (weitere Mitglieder. Randy Solski, Don Laframboise, Keith Silver, Uncle Dik) aus Toronto, Ontario in Kanada, die jetzt mit „Cowboy Up“ ihr Meisterwerk hinlegt, nachdem ihr Debüt und auch der superstarke Vorgänger „Waitin‘ On Hank“ schon nicht von schlechten Eltern waren.

AC/DC meets Alabama‘ heißt die Formel, auf die ihr bisheriges musikalisches Treiben grob reduziert wurde. Sicherlich sind all ihre Werke immer wieder mit einigen an die berühmten Australier reminiszierenden Riffs (wie „Cowboy Up“ natürlich auch) durchzogen, aber im Prinzip wird doch hauptsächlich deftiger New Country mit sattem Southern Rock auf’s Vortrefflichtste gepaart. Diese CD riecht förmlich nach schwülheißen Swamps, schlammüberzogenen, öligen Pickups, lodernder, knisternder Holzkohle, bruzzelndem Grillfleisch sowie Whiskyflaschen und Bierdosen, die es bei guter Musik in rauen Mengen zu leeren gilt.

Gallaghers Eröffnungsstatement »So turn it up and up and up, we want it louder« zeigt beim feucht-fröhlichen, rockigen Opener „Hey Hey Cheers“ direkt die Richtung an, in die der Hase in den folgenden knapp 40 Minuten läuft. Kronkorken klackern und das zischende Einfließen eines kühlen Gerstensaftes bilden den passenden Abschluss eines launigen Liedes. Ich bin mir sicher, dass Toby Keith, John Rich und Trace Adkins der Band begeistert zuprosten würden. „Cowboy Up“ und „Redneck Song“ sind zwei weitere, mit fetten Drums (grandios auftrumpfend Uncle Dik, vor allem mit seiner poltrigen Fußtrommelarbeit), klirrenden Gitarren und Gallaghers grimmigem Gesang bestückte, kompromisslose Southern-Rocker, die den (vermutlich eh schon überhöhten) Blutdruck der meisten Genre-Fans noch weiter empor schnellen lassen. Klasse!

Mit ganz dezenten Mitteln wird auch immer wieder für Abwechslung gesorgt. Für die Countrynote sorgen ab und zu schön eingeflochtene Banjopassagen in Urbanscher Manier („Hillbilly Train“, „Drunk On Yer Love“). Einmalige, weibliche Harmonies (schade, warum eigentlich nur hier?) veredeln einen weiteren Southern-Stampfer namens „Ditry Secrets“. Bläsereinsätze verleihen dem furiosen „The Way You Is“ noch mehr Volumen, als es ohnehin schon hat. Und wenn Gallagher wie ein räudiger Hund bei einer der zwei Balladen »Thank you for loving me imperfect«, frei nach dem Motto „Liebling ich habe dich zwar schon hundertmal betrogen, aber ab jetzt wird alles anders“ dahinseufzt, kann man sich ein mitleidiges Grinsen nicht verkneifen.

Zum Schluss erfährt man noch bei Kuhglocken-Drumming, Mariachi-artiger Bläserbegleitung und rockigen Gitarren, was Margaritas, Darth Vader, The Undertaker, Sammy Hagar und jede Menge Tequilia mit „Mexicoma“ verbindet. Ein stimmungsreiches Finale! Die herrlich fette und glasklare Produktion (großes zusätzliches Lob hierfür), macht diese Scheibe zum kurzweiligen Erlebnis. Ein perfekter Begleiter bei allen Dingen, die wir Männer gerne machen, sofern wir mal unter uns sind und uns den Fängen dieser uns zu femininen Geschöpfen abrichten wollenden Strategen/innen entziehen können.

Lasst uns von daher in Sachen Dry County auf ein weiteres Laster, das wir fortan bedingungslos unser Eigen nennen können, anstoßen. Cheers!

RS Sounds (2010)
Stil:  New Country, Southern Rock

01. Hey Hey Cheers
02. Cowboy Up
03. Hillbilly Train
04. Redneck Song
05. We Ain’t Messed
06. Imperfect
07. Drunk On Yer Love
08. Dirty Secrets
09. Little Girl Of Mine
10. The Way You Is
11. Mexicoma

Dry County
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Bärchen Records

The Delta Saints – A Bird Called Angola – EP-Review

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Ich hatte mir, als ich das Bild der fünf jungen Burschen von den Delta Saints gesehen habe und noch deren Ursprungsort Nashville zur Kenntnis genommen hatte, unter ihrer Musik, ehrlich gesagt, etwas ganz anderes vorgestellt. Ich war davon ausgegangen, dass irgendein findiger Scout, Produzent oder Labelinhaber aus Music City die Idee gehabt hatte, den Delta-Blues mittels einer frischen, unverbrauchten, dynamischen Band für die jüngere Generation zu öffnen, bzw. dadurch ein wenig massenkompatibler zu gestalten.

Eine etwas peppigere musikalische Aufmachung, vielleicht mit eingebauten Harmoniegesängen, mehr E-Gitarren, Keyboards, weiblichen Backs, ähnlich wie man das angestaubte, traditionelle Country-Genre damals in das wesentlich abwechslungsreichere New Country-Gefilde überführt hatte oder so. Passionierten Bluesern wird es allein bei diesem Gedanken vermutlich schon eiskalt den Rücken runter laufen.

Aber ich kann diese Klientel beruhigen, nichts von dem ist bei den Delta Saints, bestehend aus Ben Ringel – lead vocals / guitar, Dylan Fitch – lead guitar, David Supica – bass, Ben Azzi – drums und Greg Hommert – harp, passiert. Die gehen auf ihrer neuen EP „A Bird Called Angola“ an das Grundschema des Delta-Blues‘ zwar mit jugendlichem Elan heran, verzichten dabei aber auf jeden kommerziellen Hintergedanken.

Ganz im Gegenteil, durch das Einfließenlassen diverser Retroelemente wie psychedelische Rockanleihen à la Led Zeppelin/Doors & Co., wird die gebotene Kost sogar eher noch schwerer verdaulich. Ben Ringels aggressiver Gesang, Greg Hommerts Delta-Blues-typische Quäk-Harp und eine voluminöse, kräftige Rhythmusabteilung geben hier den durchgehend recht harsch geführten Ton an.

Blues-Freunden, die sich ja traditionell gerne an Dingen der Vergangenheit festklammern, dürfte von daher besonders diese o.a. Kombination viel Freude bereiten. Jene, da bin ich mir relativ sicher, werden sich diesen Flattermann namens Angola mit großem Genuss einverleiben.

Über die Delta Saints-Website kann man unter dem Button ‚Records‘ auf die Songs von „A Bird Called Angola“ und auch auf die der Vorgänger-EP mittels bandcamp.com in voller Länge zugreifen und sich so eine solide Grundlage für die Kaufentscheidung schaffen.

Eigenproduktion (2011)
Stil: (Delta) Blues Rock

01. Bird Called Angola
02. Good In White
03. Company Of Thieves
04. Callin‘ Me Home
05. Swamp Groove
06. Voodoo Walk

The Delta Saints
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Teenage Head Music

Mary Chapin Carpenter – Time, Sex, Love – CD-Review

Vor vielen Jahren wurde von einem RWE-Fan im Essener Georg-Melches-Stadion ein Plakat aufgehangen, auf dem stand, „Drei Dinge braucht der Mann. Sex, BAP und RWE!“. Es war die Zeit als noch ein Jürgen Röber die Richtung nach oben vorgab, als ein Ollie Grein mit seinen Haken dafür sorgte, dass den Schalker Spielern die Beine, nicht wie heute, vom Feiern wackelten, und sie statt nach Berlin zum Auskurieren ihres (Muskel-) Katers aufs Trainingsgelände zum Strafexerzieren befördert wurden, was wiederum einem Rot-Weiss-Essen-Nahestehenden eine höchstmögliche Ausschüttung von Glückshormonen bescherte. Man sieht also, es gibt Dinge – meine Ehefrau möge es mir verzeihen – also BAP mag ich wirklich nicht…, auf die man dann sogar gerne verzichten könnte.

Was hat dies alles mit Mary Chapin Carpenter zu tun, fragt sich da natürlich der geläuterte Country-Musik-Fan. Im Prinzip nichts, außer dass die Lady ihr neues Werk auch mit drei Schlagworten ins Rennen wirft und schon wieder dieses merkwürdige Wort mit den drei Buchstaben auftaucht.
Ja, bei den Amis war schon immer Gleiches noch ein bisschen anders…

Zu bestätigen scheint ihre Gewichtung allerdings der Kommentar einer PTA aus Dortmund. „Hier gehen zur Zeit so viele Viagra-Vorbestellungen und -Packungen über den Ladentisch, dass die ganze Stadt 24 Stunden unter Strom stehen müsste…“. Ja, was soll man in Dortmund nach dem Stop der Essener (Fußball-) Entwicklungshilfe auch anderes tun, könnte man jetzt gehässig fragen, aber wie wär es denn mal vielleicht zur Abwechslung mit toller New-Country-Musik? Zum Beispiel mit dieser CD!

Meine erste Begegnung mit Mary Chapin Carpenter kam durch ihr Stück „Shut up and kiss me“ zu Stande, eine Honky-Tonk-Nummer, die ich im Radio hörte und mir durch Mark und Bein ging, und das noch heute zu meinen Lieblings-New-Countrystücken zählt. Kurze Zeit später lag zugehörige CD „Stones In The Road“ bei mir im Player. Das Gesamtergebnis war jedoch relativ ernüchternd. Zwei, drei ganz nette Stücke inclusive des oben angeführten Liedes, der Rest eher langweiliges Geheule. Zwischenzeitliche Videos in Country Roads hauten mich auch nicht sonderlich vom Hocker, so dass erst mal eine längere Funkstille herrschte.

Nun also das neue Album von Mary. Der Beipackzettel beschreibt die CD als sehr philosophisches und persönliches Werk (in der Tat hat Mary alle Songs selbst geschrieben), der kommerzielle Aspekt sollte diesmal außen vor bleiben. Die Beschreibung ist äußerst treffend. Nach gutem Auftakt, sofort mit dem besten Stück der CD „Whenever You’re Ready“ und einigen Aufhorchern wie „Slave to the beauty“, „This Is Me Leaving You“, „The Long Way Home“, und „In The Name Of Love“, die aber eher die Funktion eines Wieder-Wachmachers erfüllen, ist das Werk von überlangen, poetischen, teilweise melancholisch bis zu introvertierten Passagen durchzogen.

Die CD ist mir, ehrlich gesagt, besonders im Mittelteil zu ruhig geraten. Ich bevorzuge da eher, die etwas modernern und peppigeren Stücke wie zum Beispiel von Lace, SHeDAISY, Kinleys oder Alecia Elliott. Ja, liebe Mary, ‚time is a great gift, sex is a great equalizer, love is a great mystery‘, hört sich alles sehr schön an und mag auch hier und da mal stimmen, viele deiner Songs sind aber ‚great tranquilizers‘.

Ob ihr Lachanfall im recht diffusen elfminütigen Abschlussstück ein Indiz dafür war, dass einige ihrer Musiker kurz eingenickt waren? Mein Tipp wäre. Auch wenn Mary Chapin Carpenter sicherlich alles erreicht hat und ihr Erfolg, Talent und Reputation unbestritten sind, sollte sie sich mal einiger ‚Fremd-Songwriter‘ kombiniert mit dem Fingerspitzengefühl eines Tim McGraw bedienen, um etwas mehr Leben in die Bude zu bringen.

Ach übrigens, vielleicht bleibt noch zu klären, was aus dem anfangs erwähnten RWE-Fan geworden ist. Man soll ihn zuletzt in einer Dortmunder Apotheke gesehen haben…

Sony Music (2001)
Stil: Singer / Songwriter / New Country

01. Whenever You’re Ready
02. Simple Life
03. Swept Away
04. Slave To The Beauty
05. Maybe World
06. What Was It Like
07. King Of Love
08. This Is Me Leaving You
09. Someone Else’s Prayer
10. The Dreaming Road
11. Alone But Not Lonely
12. The Long Way Home
13. In The Name Of Love
14. Late For Your Life

Mary Chapin Carpenter
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Bärchen Records

Emerson Drive – What If? – CD-Review

Zweites Album der kanadischen Newcomerband unter der Regie von 80er-Jahre Mainsteam-Rock-Ikone Richard Marx, der jetzt scheinbar mehr den Fokus auf das Mischpult und das Songwriting für Fremdinterpreten legt, nachdem es um ihn selbst musikalisch doch recht ruhig geworden ist. So hat er auf „What If“ von Emerson Drive das eine oder andere Lied beigesteuert, bei dem sein Einfluss auch unüberhörbar erscheint.

Überragend, „If You Were My Girl“ mit seinem fetzigen Rhythmus der Marke „Means Nothing To You“, sogar von den Gitarren her leicht southern-angehaucht, das mit viel Power in Marx-typischer Art fröhlich dahinrockt. Dazwischen ein nettes kurzes E-Solo und Elektro-Fiddeln, wie sie bei Shania Twain meist eingesetzt werden, und auch bei diversen Stücken immer wieder sporadisch auftauchen. Wohl ein Resultat des intensiven Tourens mit der First Lady des New-Country-Pops, wobei ich mich spontan frage, warum die gute Shania nicht diese talentierten Jungs als Support ins New-Country-Entwickungsland Deutschland mitgenommen hat, sondern uns mit dieser grausigen ABBA-Revival-Band piesacken musste.

Emerson Drive verzichtet fast gänzlich auf das Mitwirken der von meinen Kollegen als Nashville-Mafia liebkosten Studiomusiker. Aus gutem Grund, denn die Kameraden beherrschen ihre Instrumente wie eine Eins. Besonders Gitarrist Danick Dupelle deutet (meist leider nur kurz) an, dass er ein richtig Guter ist, wenn man ihn denn ließe. So drückt doch Sänger Brad Mates dem Werk größten Teils seinen Stempel auf. Seine helle Stimme ist zwar nicht als unangenehm zu bezeichnen, fungiert aber irgendwie als ständiger Weichspüler der Titel, die gerade die Balladen zu reinsten Schmachtfetzen mutieren lässt.

Hier gilt es wie damals als Kind bei der berühmten Zuckerwatte auf der Kirmes. Bei maßvollem Genuss recht lecker, in hohen Dosen mächtige Magenschmerzen garantiert!
Ganz nett sind so Lieder wie das von dynamischen Rhythmus-Gitarren und heulenden Fiddeln geprägte „November“, die peppigen „Fishin‘ In The Dark“ und „Waitin‘ On Me“ mit ihrem Shania-Touch, oder das rockige „Still Got Yesterday“, das ein wenig an „Summer Of 69“ ihres anderen berühmten kanadischen Mitbürgers erinnert.

Trotzdem, so richtig wie damals Emerson Fittipaldi gehen die Burschen nicht ab! Spaß an der Sache haben dürften Käufer, die mit den bereits angesprochenen Künstlern zurecht kommen; Rascal Flatts, Keith Urban oder Rushlow sind weitere Beispiele, bei denen ich einen gemeinsamen Nenner entdecke. Aus meiner Sicht jedoch eher geeignet für die schwärmerische weibliche Klientel oder allerhöchstens was für Jung-Cowboys mit noch ganz wenigen Kerben im Colt…

Dream Works Records Nashville (2004)
Stil:  New Country

01. Last One Standing
02. Lemonade
03. If You Were My Girl
04. What If?
05. I’ll Die Trying
06. November
07. Fishin‘ In The Dark
08. You’re Like Coming Home
09. Take It From Me
10. Waitin‘ On Me
11. Running Back To You
12. Simple Miracles
13. Still Got Yesterday
14. Rescued

Emerson Drive
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Bärchen Records

John Fogerty – Wrote A Song For Everyone – CD-Review

Creedence Clearwater Revival standen mir von den designierten Supergruppen der siebziger Jahre aufgrund der Einbindung von Country-Elementen in ihren Rocksound immer schon am nächsten. Ihr unbestrittener Leader, John Fogerty, schrieb Lieder für die Ewigkeit und auch seine markante Stimme bleibt bis heute unverkennbar. Was seine Solo-Karriere betrifft, legte ich mir in gefühlt großen Abständen, immer wieder mal Werke von ihm zu. So fanden „Centerfield“ (1985) noch als LP, „Blue Moon Swamp“ (1997) und „Revival“ (2007) letztendlich in meine Sammlung, allesamt ganz ansprechende Scheiben, deren Songs aber die Ausstrahlungskraft, Wirkung und Anerkennung aus den CCR-Tagen (teilweise zu Unrecht) versagt blieben.

Jetzt machte mich sein „Wrote A Song For Everyone“-Projekt wieder neugierig, auf dem er mit vielen arrivierten Künstlerkollegen (zum Großteil aus der von mir so geliebten Nashville-Zunft) seine doch heute mittlerweile etwas angestaubt klingenden (aber immer noch faszinierenden) Hits neu eingespielt hat. Ich war gespannt, was die zum Teil höchstinteressant anmutenden Kombinationen an neuen Interpretationen hervorbringen würden. Und dazu gibt es mit „Mystic Highway“ und „Train Of Fools“ zwei neue Tracks zu begutachten.

Insgesamt ist das Werk auf jeden Fall aufgrund des hohen Abwechslungsreichtums und der durchgehend tollen Einspielungen von enormer Kurzweiligkeit gesegnet. Es macht großen Spaß, die alten Klassiker im neuen Gewand mal wieder aus den Boxen ertönen zu hören. Auch wenn die meisten Sänger gegen Fogerty relativ blass ansingen – lediglich Dave Grohl, Kid Rock und Jennifer Hudson versuchen da mal wirklich Paroli zu bieten – wobei letztgenannte als für mich als größte Überraschung des Albums auf der furiosen Gospel-, Country-, Soul-, Blues-Mix-Variante von „Proud Mary“ sämtliche Kollegen/innen (auch Fogerty) in Grund und Boden singt. Das große Highlight zum Ende der CD!

Katastrophal unglaublicher Weise die Gesangsleistung des ansonsten von mir sehr geschätzten Bob Seger. Mein Gott, was war denn mit dem los (vorm Gang ins Studio ein bisschen zu tief ins Glas geblickt…?) Selten einen Großen der Zunft so schräg nölen gehört. Man atmet regelrecht auf, wenn ihn die weiblichen Backgroundsinger mit Harmoniegesängen auffangen, bzw. Fogerty einsetzt. Dabei hat die Version von „Who’ll Stop The Rain“ mit integriertem „Against The Wind“-Flair trotzdem seine unverkennbare Handschrift. Deplatziert auch das spacig fiepende E-Solo von Rage Against The Machine-Gitarrist Tom Morello im rootsig gehaltenen Titelsong (ganz gute Vokalleistung bei diesem Lied auch von Miranda Lambert).

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen die richtig stark rockende Version von „Fortunate Son“ zum Auftakt mit den Foo Fighters (teilweise sogar richtig southern-rockig), das schön angeraut groovende, mit vielen Gitarrendetails (tolle Slide, starke Soli) gespickte „Lodi“ im Verbund mit seinen Söhnen Shane und Tyler und die herrlich relaxte Nashville-Version von „Have You Ever Seen The Rain“ mit Alan Jackson. Grandios hier die 1A-Garde der dortigen Studiomusiker wie Greg Morrow, Brent Mason, Stuart Duncan, Dan Dugmore & Co. im Hintergrund und vor allem bei der E-Gitarren-/Steel-/Fiddle-Solo-Kombination im Mittelteil des Liedes wirken zu hören. Das erklingt vielleicht zunächst unscheinbar, ist aber bei genauem Hinhören großes New Country-Kino.

Bands wie My Morning Jacket und Dawes bringen mit ihrem Indie-Einschlag zumindest einen ganz interessanten Kontrast in die Sache. Keith Urban (Ganjo, E-Gitarre) und Brad Paisley (Telecaster-Picking) überzeugen mit ihrem gewohnt fingerfertigen Saitenspiel. Die beiden neuen Stücke reihen sich aufgrund ihrer Retro-Note unmerklich in den Reigen der anderen Titel ein. „Mystic Highway“ klingt ein bisschen wie der alte Denver-Gassenhauer „Country Roads“, gebracht in einer Art wie sie wohl auch die Marshall Tucker Band bevorzugen würde. Schön hier die vielen Instrumentalfeinheiten (Mandolinenfills, Tambourine-Shaking) und -passagen (ausgedehntes Ende). Das raue „Train Of Fools“ bringt Fogerty im dezent introvertierten, gleichzeitig aber auch mahnenden Erzählstil von Johnny Cash, stark das markante E-Solo am Ende.

Aufgrund der vielschichtigen Präsentation macht John Fogertys „Wrote A Song For Everyone“ fast durchweg Spaß. Dazu gibt es ein im DigiPak eingelegtes dickes Booklet mit jeder Menge Backgroundinfos zu den Stücken und einigen schönen Fotos – von früher bis heute – von ihm (John sieht, ähnlich wie Willie Nelson mittlerweile fast aus wie ein alter Indianerhäuptling). Die Stücke demonstrieren erneut ihren zeitlosen Charakter und müssten eigentlich allen gefallen, die auf qualitative Rockmusik mit ihren angrenzenden Bereichen stehen. Somit insgesamt eine echte CD für Jedermann!

Vanguard Records, Sony Music (2013)
Stil: Country Rock

01. Fortunate Son (with Foo Fighters)
02. Almost Saturday Night (with Keith Urban)
03. Lodi (with Shane and Tyler Fogerty)
04. Mystic Highway
05. Wrote A Song For Everyone (with Miranda Lambert and Tom Morello)
06. Bad Moon Rising (with Zac Brown Band)
07. Long As I Can See The Light (with My Morning Jacket)
08. Born On The Bayou (with Kid Rock)
09. Train Of Fools
10. Someday Never Comes (with Dawes)
11. Who’ll Stop The Rain (with Bob Seger)
12. Hot Rod Heart (with Brad Paisley)
13. Have You Ever Seen The Rain (with Alan Jackson)
14. Proud Mary (with Jennifer Hudson feat. Allen Toussaint and Rebirth Brass Band)

John Fogerty
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Sony Music

Her & Kings County – Raise A Little Hell – CD-Review

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Junge, Junge! Wenn man der Frontfrau von Her & Kings County, Monique Staffile in ihrem unverschämt knappen Stofffetzen samt ihrer blonden Mähne auf dem Coverbild, geschweige, ihrem frechen Schlafzimmerblick auf der Rückseite der Promo-CD entgegenblickt, werden zunächst eher die niederen Instinkte im Sinne des Mannes geweckt, denn an das Reviewen von Musik gedacht. Was für ein heißer Feger, diese junge Dame aus New York und ich gebe es zu, auch wenn so manche(r) die Nase rümpfen wird, ich fand solche Mädels schon immer klasse! Vermutlich ein schierer Alptraum für jede gut situierte Familie aus der Upper Class, die für den geliebten Sohnemann eine Schwiegertochter aus akademischen bzw. besseren Kreisen vorgesehen hat…

Um eines vorwegzunehmen: Diese gute Dreiviertelstunde Musik der Brooklyner Bande auf „Raise A Little Hell“ ist nichts für audiophile Genussmenschen oder Liebhaber von großen weiblichen Charakterstimmen. Ein paar Dosen Bier im Vorfeld können erst mal nicht schaden. Hier sind keine Bukovacs, Greenbergs, Toshinskys, Worfs, Harrells, Motes, Suttons, Morrows und Dugmores, oder wie sie alle heißen, am Werke, geschweige denn gesangliches Format einer Wynonna, Rebecca Lynn Howard und Co. Auch findet man keinen der arrivierten Leute an den Reglerknöpfen, à la Justin Niebank aus der Nashville-Studio-Szene, hier vor.

Dennoch hat der Mann im Hintergrund, Caleb Sherman (inkl. der restlichen Mitstreiter), seine instrumentellen Hausaufgaben in Sachen New Country und Southern Rock gemacht und liefert an den verschiedenen Gitarren plus Steel und Banjo eine wahrhaft solide Leistung ab. Auch seine schroffe aber klare Produktion passt durchweg gut zum gebotenen Stil. Blickfang Her, alias Monique Staffile, beweist gerade bei den eher aus dem Rahmen fallenden Nummern, wie der episch angehauchten Melodic Rock-Ballade „Heavens Crashing Down“ oder dem Retro-Schwofer im Stile der Sixties „Oh My Darling“, dass sie durchaus mehr drauf hat, als gesangstechnisch nur auf Krawall gebürstet zu sein. Ebenfalls klasse ihr Duett mit dem Ex-Gitarristen von Tracy Lawrence, Rick Huckaby (erinnert stimmlich ein wenig an Pat Green), weiß übrigens, nur mal so als Tipp, auch als Solo-Künstler auf seinen Alben sehr zu gefallen), beim melodischen „My Heart Can’t Take Anymore“.

Der Rest ist eine Art puristischer Mix aus swampigem New Country und bekannten Southern Rock-Komponenten, angeführt von einer angriffslustigen Leadsängerin, die in den Strophen immer wieder mit schnellem Sprechgesang, ähnlich wie im Bros Country dezent punkiges und Hip Hop-Flair, mit einfließen lässt (zumindest so, dass es nicht übermäßig nervt). Am besten gefallen mir natürlich Lieder wie „Deep In The Country“, „My Backyard“, „Down In Dixie“ oder der Titeltrack (übrigens eine Abwandlung des Songs „If You Wanna Go To Heaven“ der Ozark Mountain Daredevils von ihrem Debüt aus dem Jahre 1973), die klar im Southern Rock verwurzelt sind und mit viel Slide und auch Twin-Gitarren-Tönen bestückt sind.

„Where Did All The $ Go“ (wem sagt sie das…), „Family Tree“ (ähnelt von der Mache ein wenig an „I’m Down“ von JB & The Moonshine Band) oder „Put Me In The Ground“ machen aufgrund der selbstironischen Note ebenfalls richtig Spaß; letztgenanntes Stück würde mal richtig Stimmung auf einer Beerdigung mit sich bringen… Und wenn das Ensemble zum Schluss noch live im Studio so einen herrlich stonesken Countryrocker wie „Be My Lover“ raushaut, dann denkt man am Ende mit Schweißtropfen auf der Stirn nur noch “ ja, mit größtem Vergnügen Monique…“

Das Album „Raise A Little Hell“ von Her & Kings County macht aufgrund seiner Einfachheit und seiner unverblümten Direktheit großen Spaß. Das ist kein Stoff, der auf abendlichen Veranstaltungen rund um den Parteitag der Grünen oder der Weltklimakonferenz Gehör finden wird. Das ist in den Staaten sicherlich Pflicht-Mucke für biergeschwängerte Redneck-Parties in den Swamps, die berühmt berüchtigten Spring Break-Partys oder hierzulande in jedem Fall mal eine launige Alternative zu den nervtötenden Oldies der Marke „Sweet Home Alabama“, „(I Can’t Get No) Satisfaction“ oder „Smoke On The Water“ (würg!), die man in unseren Breitengraden bei den üblichen Feier-Anlässen immer wieder vorgedudelt bekommt.

Wer mit Sachen wie Dry County, Jackson Taylor & The Sinners, Big & Rich, JB & The Moonshine Band, Kid Rock oder weiblichen Acts wie Gretchen Wilson, Stacey Collins, JaneDear Girls & Co. im weitesten Sinne was anfangen kann, der ist sicherlich auch bei Her & Kings County an der richtigen Stelle aufgehoben. Die Band hat viele der Tracks übrigens in Youtube-Clips verarbeitet, so dass man sich vorab einen recht guten Eindruck des Gebotenen machen kann. Umso schöner, dass man die Truppe in den nächsten Tagen bei uns sogar hautnah live erleben kann. Sicherlich eine Mordsgaudi, so let’s raise a little hell!

India Records, 2015
Stil: New Country

01. Deep In The Country
02. Where Did All The $ Go
03. White Trash
04. Family Tree
05. My Backyard
06. Put Me In The Ground
07. Freight Train
08. Six Figures
09. Heaven’s Crashing Down
10. My Heart Can’t Take Anymore
11. Oh My Darling
12. Young Guns
13. Down In Dixie
14. Raise A Little Hell
15. Be My Lover

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Bucky Covington – Same – CD-Review

Sehr starkes, voller Vitalität, Energie und würzigem New Country-Feuer steckendes Debut des knapp 30-jährigen jungen Mannes aus Rockingham/North Carolina, dem die amerikanische Presse attestiert. „He sounded and looks like a good old Southern boy with just the right blend of rocking Country and down-home corn“. Bucky Covington, der eigentlich aufgrund seiner eigenen Persönlichkeit und Identität kaum in den Rahmen eines solchen Formates passt, nahm zuletzt am „American Idol“-Kontest teil, belegte dort aber „nur“ den achten Platz.

Dennoch baute er sich mit seinem unwiderstehlichen „All-American charm“ und der hervorragenden, kraftvollen, eine tolle, raue Natürlichkeit bewahrenden Stimme schnell eine große Fanbase auf, machte diverse Labels auf sich aufmerksam und ergatterte so konsequenterweise auch einen Vertrag. Völlig zu Recht, denn sein Debüt kann sich ohne Frage mehr als sehen lassen. Produktionstechnisch wurde er dabei von den erfahrenen Musikern Dale Oliver (spielt zudem Gitarre, Mandoline und Dobro) und Sawyer Brown-Chef Mark A. Miller unter die Fittiche genommen, die mit einem satten Sound das große Potential Covingtons bestens auf den Punkt brachten.

Sämtliche Lieder stammen aus den Federn von arrivierten Nashville-Songwritern (u. a. Tom Douglas, Chris Stapelton, Mark Nesler, Jennifer Hanson, Tony Martin etc.), und auch an Instrumentalisten wurde natürlich auch die entsprechende Klasse aufgefahren (z. B. Dan Dugmore, Russ Pahl, Jim Scholten, Aubrey Haynie u.s.w.). Covington brachte sich bereits in jungen Jahren das Gitarre spielen selbst bei und ist von je her bekennender Country- und Southern Rock-Fan. Seine ersten Erfahrungen sammelte er als Frontmann einer Southern Rock-Coverband namens „Southern Thunder“.

Diesen Einfluß spürt man dann auch deutlich bei diversen Songs (z.B. „Ain’t No Thing“ mit Stones-like Riffs und fetten Slides, „Empty Handed“ mit starken Twin-E-Gitarren, „The Bible And The Belt“ voller kochendem Swamp-Flair), zumal sich das bei Bucky’s äußerer und stimmlicher Ähnlichkeit zu Lynyrd Skynyrd-Sänger Johnny Van Zant (man könnte fast meinen, er sei mit ihm verwandt) geradezu anbietet. Diese Stücke zählen ganz klar zu den Highlights des Albums, das ohnehin praktisch keine Durchhänger hat.

Klasse hier, wie eingangs bereits angedeutet, Covington’s angenehm rauchige Röhre. Dazu kommen fantastische, satte E-Gitarren, swampige Atmosphäre ala Lynyrd Skynyrd, sowie der begeisternde weibliche Background-Gesang von Vicki Hampton. Ebenfalls dezent Southern-inspiriert ist der Opener „American Friday Night“ (Richtung Van Zant/Warren Brothers), eine frische Uptempo-Gute Laune-Nummer mit leicht einprägsamem Refrain. Eigentlich die typische radiotaugliche Single für einen jungen, elanvollen Debütanten.

Überraschenderweise wurde aber hier das recht entspannte, allerdings nicht minder starke und sehr melodische Countrystück „Different World“ (klasse Steel- und Pianobegleitung) ausgewählt, das bereits langsam Richtung höherer Regionen der Billboard Country Singles-Charts unterwegs ist. Klasse auch der knackige Countryrocker „Back when we were Gods“, der mit viel Drive die Jugendtage dea Künstlers zu reflektieren scheint. Ein weiterer, echter Farbtupfer ist dann „I’m Good“ – in bester Jimmy Buffett/Kenny Chesney-Tradition, karibisch angehaucht, sonnendurchflutet, locker instrumentiert (feines Steel-, Electric-, Akustikgitarren-Zusammenspiel) und voller Lebensfreude. Man sieht sich quasi vorm geistigen Auge an einer Strandbar hocken und zu lockeren Klängen buntgemischte und verzierte, eiskalte Cocktails schlürfen. Dazu noch ein herrlich tanzbarer, an den Hüftspeck rangehender Sommerparty-Song.

Sein kompositorisches Talent und Gespür für Melodien zeigt Bucky beim melodischen Countryrocker „Carolina Blue“ (schöne Mandoline, Dobro-Fills), das er zusammen mit Mark A. Miller und Gregg Hubbard geschrieben hat. Insgesamt ein klasse Erstling von Bucky Covington (Zwillingsbruder Rocky spielt übrigens in Bucky’s Touring-Band), den man irgendwie im Dunstkreis solcher Kollegen wie Montgomery Gentry, den Van Zants, Jason Aldean, Trace Adkins, Eric Church & Co. ansiedeln könnte. Seine Stimme besteht sämtliche Tempovariationen/Stilarten mit Bravour, die ausgewählten Stücke wurden sehr abwechslungsreich zusammengestellt. Der Grundstein für eine vielversprechende Karriere ist mit Erfolg gelegt! Die Szene rund um Nashville darf einen weiteren jungen, voller Potential steckenden „Wilden“ in ihren Reihen begrüßen!

Lyric Street Records (2007)
Stil:  New Country

01. American Friday Night
02. A Different World
03. I’ll Walk
04. Back When We Were Gods
05. Ain’t No Thing
06. I’m Good
07. Empty Handed
08. Hometown
09. It’s Good To Be Us
10. Carolina Blue
11. The Bible And The Belt

Bucky Covington
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Bärchen Records

Bucky Covington – Good Guys – CD-Review

Ganze fünf Jahre hat es gedauert, bis Bucky Covington jetzt endlich sein zweites Album auf den Markt bringen konnte. Für den 1977 in North Carolina geborenen Sänger, Achter der 2005/06er Staffel des American Idol-Contests, lief es seit seinem Debütalbum, das damals sofort auf Platz eins der Billboard Country Album-Charts schoss und auch noch zwei Top-10 Singles generierte, so gar nicht mehr rund. Trennung von seiner langjährigen Lebensgefährtin, dazu noch die Aufhebung seines geplanten 2. Albums „I’m Alright“ wegen der Schließung des „Lyric Street“-Labels, für das bereits drei Singles, mit aber eher überschaubarem Ergebnis, veröffentlicht wurden.

Diese Zeiten sind aber nun vorbei, Bucky hat beim noch jungen „e one“-Label anheuern können und die haben ihm ein weitgehend ähnliches Team wie bei seinem Erstling anvertraut. „Good Guys“ heißt das neue Werk, erneut unter der Regie von Sawyer Brown-Frontmann Mark A. Miller und Dale Oliver, das Bucky jetzt wieder zurück in die Spur verhelfen sollte. Und dies ist, zumindest was die Qualität des CD angeht, auch blendend gelungen. Abwechslungsreicher New Country in all seinen Facetten, toller Gesang des Protagonisten, zwei Coverstücke von angesagten Interpreten der Oberklasse und eine knackige, moderne Produktion, wie sie von Miller und Oliver auch nicht anders zu erwarten war.

Die neue Scheibe beginnt direkt mit der ersten Singleauskoppelung, ein schöner, eingängiger mit flotten E-Gitarren und Steel ganierter Countrypopsong, der sofort die Laune anhebt. Auch hier spürt man direkt Millers Handschrift. Prädestiniert für Covingtons raspelige Stimme sind dann Schwofer wie „I’m Alright“ und das mit viel Southern Soul versehene, im E-Gitarren-Solo geradezu bluesige „Hold A Woman“. Mit „The Drinkin’ Side Of Country“ folgt eine weitere, richtig starke Nummer. Hier holte Bucky kein Geringeren und Verwegeneren als Shooter Jennings im Duett mit ins Boot und man merkt den beiden beim mit Honkytonk-Pianogeklimper getränkten Southern Rocker ihren Spaß förmlich an. Klasse dieser Song!

„Only Got So Much Time“ kommt mit ein wenig Van Zant-Flair, „Mama Must Be Prayin’“ rockt, von Fußtrommel getrieben, herrlich gitarrenlastig, saustark vor allem das E-Gitarren-Solo. Mit dem alten Lionel Richie-„Schmuse“-Klassiker „Sail On“ versucht das Team so ein bisschen auf der erfolgreichen „Tuskeegee“-Welle mitzuschwimmen. Bucky steht in Sachen Gesang dem Altmeister in nichts nach. Dafür geht die Post beim anschließenden „I Always Said You’d Be Back“ wieder um so mehr ab.

Eine satt rockende Nummer, irgendwo an der Schnittstelle zwischen temporeicheren Stücken der Van Zant-Country-Ära und Sawyer Brown, dazu mit sehr gitarrenlastigem Ambiente. Zum Relaxen lädt dann wieder „Mexicoma“ ein, das mit lustigem Text alle Klischees eines Mexiko-Strandurlaubs (Margaritas, Tequilla, Senoras with dark blond hair) abarbeitet und musikalisch auch dementsprechend in Szene gesetzt wurde (Steel drums, Mariachi-Trompeten). Ein Song zum genüßlichen Träumen von Urlaub mit Sonne, Sand, Meer und kühlen Getränken!

Mit „Gotta Be Somebody“ wurde Nickelbacks Top 10- Song mit Steel-Zutaten in ein Country-Gewand gepackt, Covingten punktet hier dem vielleicht etwas besseren Gesang als NB-Frontmann Chad Kroeger. Am Ende wird dann mit „I Want My Life Back“ und „A Father’s Love (The Only Way He Knew How)“ nochmal die emotionale New Country-Schiene bedient. Bucky glänzt wieder mit seiner ausdrucksstarken, angenehmen Stimme auf Ebene eines Johnny Van Zant. „Good Guys“ hat seinen Zweck erfüllt. William Joel „Bucky“ Covington meldet sich nach langer Wartezeit mit einem starken Album zurück in der Szene und beweist sein außerordentliches Talent als Sänger. Comeback gelungen – guter Junge, dieser Bucky Covington!

Entertainment One Music (2012)
Stil:  New Country

01. I Wanna Be That Feeling
02. I’m Alright
03. Hold A Woman
04. Drinking Side of Country
05. Only Got So Much Time
06. Mama Must Be Prayin‘
07. Sail On
08. I Always Said You’d Be Back
09. Mexicoma
10. I Want My Life Back
11. Gotta Be Somebody
12. A Father’s Love (The Only Way He Knew How)

Bucky Covington
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Chris Cagle – Back In The Saddle – CD-Review

Fünftes Studioalbum von Chris Cagle. Auch wenn Chris Cagle während seiner Jahre mit Major-Label-Vertrag immer wieder qualitativ hochwertige Alben abgeliefert hatte, merkte man ihm auf seiner letzten, im Jahr 2008 erschienen CD „My Life’s Been A Country Song„, obwohl sie ihn wieder auf Platz 1 der Country Billboard-Charts katapultierte, doch leichte Abnutzungserscheinungen an, die letztendlich auch zur Trennung von Capitol Records führten. Cagle, der auch immer wieder mit persönlichen Probleme zu kämpfen hatte, nahm sich eine Auszeit, die ihm spürbar gut getan hat.

Mittlerweile wieder verheiratet mit seiner neuen Frau Kay, die drei Töchter in die Ehe brachte und Besitzer einer Ranch in Oklahoma, scheint er nun genug Kraft geschöpft zu haben, um auf musikalischem Gebiet erneut zu alter Form aufzulaufen. Der Wechsel zum Independant Label Bigger Picture und die Zusammenarbeit mit dem neuen Produzenten Keith Stegall (Alan Jackson, Randy Travis, Zac Brown Band), scheinen ihn auch in kreativer Hinsicht enorm beflügelt zu haben, denn Chris ist diesmal entgegengesetzt zum Vorgänger (nur Fremdkompositionen) auch beim Songwriting wieder stark mit von der Partie gewesen.

Der Opener und zugleich die erste Single „Got My Country On“ päsentiert Cagle gleich voll im Saft und man fühlt sich unweigerlich an seine unwiderstehlichen Kracher wie „Country By The Grace Of God“ oder „The Chicks Dig It It“ erinnert. Chris war ja im Prinzip der erste, der Country mit harten Rock-Riffs kombinierte, ist also quasi das Original, ein Stilmittel, dessen sich heute viele Interpreten wie Brantley Gilbert, Jason Aldean oder Dry County immer wieder gerne bedienen. Überhaupt, mit den folgenden „I’ll Grow My Own“ (atmosphärisch, mit Marshall Tucker-/Skynyrd-Feeling), der traumhaften Ballade „Something That Wild“ (Steel-betont) und dem Southern-Swamper „Let There Be Cowgirls“ (satte E-Gitarren plus starkem Solo, 2. Single) legt Cagle einen derart furiosen Auftakt hin, dass man beim sanftmütigen „Dance Baby Dance“ (komponiert mit den Warren Brothers, Stratocasterbegleitung, Pianofills), regelrecht froh ist, mal kurz innehalten zu können.

Das eigenwillige „When Will My Lover Come Around“ bietet dann sofort wieder einen angriffslustigen Hauptakteur (klasse Slidegitarre, Stimmungswechsel, leicht psychedelische Note). Erst jetzt gönnt Chris seiner Hörerschaft eine über drei Songs währende Verschnaufspause (herrlich relaxt „Southern Girl“ mit etwas Eagles-Esprit und wunderschönem Mandolinen-/Steel-Wechselspiel; „Probably Just Time“ mit klasse Dobro-Performance von Dan Dugmore; „Thank God She Left The Whiskey“ eine typische, emotionale Cagle-Ballade mit weinender Steel und Streicherbegleitung). Zumindest textlich geläutert gibt sich der einstige Draufgänger bei „Now I Know What Mama Meant“, musikalisch allerdings geht hier mit Lynyrd Skynyrd-verdächtigen Slide- und E-Gitarren (Brent Mason, Tom Bukovac, dazu tolles Gitarrenfinish) so richtig die Post ab. Wow, ein fulminanter Track, der nochmal richtig aufwühlt!

Zum Abschluss setzt Chris dann mit „Just Enough“, einem von Dallas Davidson und Philipp White 2008 kreierten Mittemposong auf ländlich anmutende Country-Atmosphäre (Fiddle, Southern-trächtige E-Gutarren-Fills, emotionaler Refrain). Ein schönes, entspanntes Ende. Für den instrumentell hochwertigen Genuss sorgen, neben den bereits Genannten, solche Leute wie Bobby Terry, Stuart Duncan, Glenn Worf, Jimmy Lee Sloas, Shannon Forrest, Chad Cromwell, Gary Prim und einige hochkarätige Background-SängerInnen wie u. a. Vicki Hampton. Toll auch die in Aquarell-Optik gehaltene Coveraufmachung mit diversen Bildern von Chris bei seinem aktuellen Ranch-Leben. „Back In The Saddle“ zeigt einen nach längerer Pause wieder sehr starkten Chris Cagle, der angesichts der erbrachten, hervorragenden Leistung in Nashville wieder fester denn je im Sattel sitzen dürfte. Vielleicht so etwas wie das „New Country-Comeback des Jahres“!

Bigger Picture (2012)
Stil. New Country

01. Got My Country On
02. I’ll Grow My Own
03. Something That Wild
04. Let There Be Cowgirls
05. Dance Baby Dance
06. When Will My Lover Come Around
07. Southern Girl
08. Probably Just Time
09. Thank God She Left The Whiskey
10. Now I Know What Mama Meant
11. Just Enough

Chris Cagle
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