Chris Cagle – Back In The Saddle – CD-Review

Fünftes Studioalbum von Chris Cagle. Auch wenn Chris Cagle während seiner Jahre mit Major-Label-Vertrag immer wieder qualitativ hochwertige Alben abgeliefert hatte, merkte man ihm auf seiner letzten, im Jahr 2008 erschienen CD „My Life’s Been A Country Song„, obwohl sie ihn wieder auf Platz 1 der Country Billboard-Charts katapultierte, doch leichte Abnutzungserscheinungen an, die letztendlich auch zur Trennung von Capitol Records führten. Cagle, der auch immer wieder mit persönlichen Probleme zu kämpfen hatte, nahm sich eine Auszeit, die ihm spürbar gut getan hat.

Mittlerweile wieder verheiratet mit seiner neuen Frau Kay, die drei Töchter in die Ehe brachte und Besitzer einer Ranch in Oklahoma, scheint er nun genug Kraft geschöpft zu haben, um auf musikalischem Gebiet erneut zu alter Form aufzulaufen. Der Wechsel zum Independant Label Bigger Picture und die Zusammenarbeit mit dem neuen Produzenten Keith Stegall (Alan Jackson, Randy Travis, Zac Brown Band), scheinen ihn auch in kreativer Hinsicht enorm beflügelt zu haben, denn Chris ist diesmal entgegengesetzt zum Vorgänger (nur Fremdkompositionen) auch beim Songwriting wieder stark mit von der Partie gewesen.

Der Opener und zugleich die erste Single „Got My Country On“ päsentiert Cagle gleich voll im Saft und man fühlt sich unweigerlich an seine unwiderstehlichen Kracher wie „Country By The Grace Of God“ oder „The Chicks Dig It It“ erinnert. Chris war ja im Prinzip der erste, der Country mit harten Rock-Riffs kombinierte, ist also quasi das Original, ein Stilmittel, dessen sich heute viele Interpreten wie Brantley Gilbert, Jason Aldean oder Dry County immer wieder gerne bedienen. Überhaupt, mit den folgenden „I’ll Grow My Own“ (atmosphärisch, mit Marshall Tucker-/Skynyrd-Feeling), der traumhaften Ballade „Something That Wild“ (Steel-betont) und dem Southern-Swamper „Let There Be Cowgirls“ (satte E-Gitarren plus starkem Solo, 2. Single) legt Cagle einen derart furiosen Auftakt hin, dass man beim sanftmütigen „Dance Baby Dance“ (komponiert mit den Warren Brothers, Stratocasterbegleitung, Pianofills), regelrecht froh ist, mal kurz innehalten zu können.

Das eigenwillige „When Will My Lover Come Around“ bietet dann sofort wieder einen angriffslustigen Hauptakteur (klasse Slidegitarre, Stimmungswechsel, leicht psychedelische Note). Erst jetzt gönnt Chris seiner Hörerschaft eine über drei Songs währende Verschnaufspause (herrlich relaxt „Southern Girl“ mit etwas Eagles-Esprit und wunderschönem Mandolinen-/Steel-Wechselspiel; „Probably Just Time“ mit klasse Dobro-Performance von Dan Dugmore; „Thank God She Left The Whiskey“ eine typische, emotionale Cagle-Ballade mit weinender Steel und Streicherbegleitung). Zumindest textlich geläutert gibt sich der einstige Draufgänger bei „Now I Know What Mama Meant“, musikalisch allerdings geht hier mit Lynyrd Skynyrd-verdächtigen Slide- und E-Gitarren (Brent Mason, Tom Bukovac, dazu tolles Gitarrenfinish) so richtig die Post ab. Wow, ein fulminanter Track, der nochmal richtig aufwühlt!

Zum Abschluss setzt Chris dann mit „Just Enough“, einem von Dallas Davidson und Philipp White 2008 kreierten Mittemposong auf ländlich anmutende Country-Atmosphäre (Fiddle, Southern-trächtige E-Gutarren-Fills, emotionaler Refrain). Ein schönes, entspanntes Ende. Für den instrumentell hochwertigen Genuss sorgen, neben den bereits Genannten, solche Leute wie Bobby Terry, Stuart Duncan, Glenn Worf, Jimmy Lee Sloas, Shannon Forrest, Chad Cromwell, Gary Prim und einige hochkarätige Background-SängerInnen wie u. a. Vicki Hampton. Toll auch die in Aquarell-Optik gehaltene Coveraufmachung mit diversen Bildern von Chris bei seinem aktuellen Ranch-Leben. „Back In The Saddle“ zeigt einen nach längerer Pause wieder sehr starkten Chris Cagle, der angesichts der erbrachten, hervorragenden Leistung in Nashville wieder fester denn je im Sattel sitzen dürfte. Vielleicht so etwas wie das „New Country-Comeback des Jahres“!

Bigger Picture (2012)
Stil. New Country

01. Got My Country On
02. I’ll Grow My Own
03. Something That Wild
04. Let There Be Cowgirls
05. Dance Baby Dance
06. When Will My Lover Come Around
07. Southern Girl
08. Probably Just Time
09. Thank God She Left The Whiskey
10. Now I Know What Mama Meant
11. Just Enough

Chris Cagle
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Chris Cagle – Anywhere But Here – CD-Review

„Anywhere But Here“ heißt Chris Cagles neues Album, sein mittlerweile Drittes, seit er 2001 mit seinem Debüt „Play It Loud“ die Country-/New Country-Szene in Nashville „heimsuchte“! Seine Ausbildung an der klassischen Gitarre in frühester Jugend brach er einst frustriert ab, lernte Piano-Spielen, bekam Jahre später an den 6 Saiten dann aber doch noch die Kurve, nachdem er eine E-Gitarre geschenkt bekam. Wie viele der meisten Solo-Performer war sein Gang nach Nashville zunächst nicht auf Rosen gebettet.

Die Wende kam er erst durch das Kennenlernen von Donna Duarte, die Cagle mit Produzent und Virgin Records Nashville Präsident Scott Hendricks (Trace Adkins) zusammenbrachte. Der wiederum erkannte Cagles Potential und vermittelte ihn zum Major-Label Capital Records, das Chris seitdem betreut. Der Titel des neuen Werkes entspricht, bildhaft gesehen, im Prinzip auch dem, was einen auf der CD erwartet. Neuerungen darf man überall suchen, aber nicht hier bei Chris Cagle. Warum auch? Seine musikalische Rezeptur kommt beim Großteil der New Country-Gemeinde bestens an!

Wie auf seinen beiden anderen Alben, vor allem dem Vorgänger, gibt es jede Menge melodische New Country-Musik, mal leicht poppig (aber immer country-rooted) und mal im balladesken Gewand, sowie, konträr dazu, einige Songs, bei denen richtig die Post ab geht, und die als nicht wegzudenkendes Stilmittel zu Eckpfeilern von Cagles energiegeladenen Live-Shows geworden sind. Produziert hat, wie auf den anderen beiden Silberlingen auch, wieder Robert Wright, der zudem einen Teil der Instrumente bedient. Auch beim Songwriting vertraute Chris wieder auf die Zusammenarbeit mit seinem Partner Monty Powell, diesmal allerdings nicht in so hohem Maße wie beim Zweitwerk. Vier Songs, ein gutes Drittel, aus der Feder der beiden, that’s it!

Den Rest bilden Fremdkompositionen, die aber dem Hauptakteur auf den Leib geschnitten sind, wobei der in letzter Zeit sehr umtriebig agierende Brett James mit drei Songs explizit hervorzuheben ist. Eine Coverversion gibt es zudem zu bewundern, und zwar die von Bon Jovis altem Klassiker „Dead Or Alive“, wobei es immer wieder ein Genuss ist, wenn die Studioasse Nashvilles mit ihrem filigranen Können andeuten, was man aus solchen Songs herausholen kann. Starke Nummer mit genialem, sauberem Akustikgitarrenspiel von John Willis und fetten, schwerem E-Gitarren-Solo!

Der absolute Höhepunkt allerdings ist der Opener „You Might Want To Think About It“. Da geht es direkt im Stil von „Country By The Grace Of God“ oder „The Chicks Dig It“ in die Vollen! Herrliche, leicht Southern-inspirierte Power, diese Cagle-typische, funkige Würze, die aufheulenden Fiddle-Fills, eine prima Orgel, sowie ein klasse E-Gitarren-Solo hinterher! Stark! Der dritte Reißer auf dem Album des bekennenden Lynyrd Skynyrd-Fans („Free Bird“ war sein erster Song, den er auf einem Instrument spielen lernte) heißt „Hey Ya’ll“, auf dem seine Lieblingsband auch eine kleine Widmung im Refrain erhält. Knackiges Drum-Intro, dann ein den Song begleitendes E-Riff, das sich verdächtig an AC/DC anlehnt, knackige Fiddleparts sowie Party- und Live-tauglicher Text zum Mitgrölen!

Der komplette Rest bewegt sich im sehr radiofreundlichen Balladen- oder Midtempobereich. So auch die ausgekoppelte Single „Miss Me Baby“, die recht bedächtig anfängt, dann aber durch Cagles sich emotional steigernde Gesangs-Performance, dem Streicherarrangement (verantwortlich Jonathan Yudkin) und den dezenten Synthie-Loops zunehmend an Substanz gewinnt. All diese Songs bestechen durch ihre guten Melodien und die vielen kleinen, eingestreuten Instrumentalfinessen (Fiddle, Mandoline, Akustik-, E-Gitarren, glasklares Piano, schöne Organ-Fills und zum Teil auch Steel-Passagen). Im Prinzip kann man, ohne Gefahr zu laufen „sich in die Nesseln zu setzen“, behaupten, dass der, dem Chris Cagles gleichnamig benanntes Vorwerk gut gefiel, auch hier wieder bedenkenlos  zugreifen kann. Und für die anderen gilte es, ihn zu entdecken! Ein bunt bebildertes Booklet mit allen Texten ist auch dabei!

Und so schließen wir uns dem auf dem Rücken seines schwarzen T-Shirt aufgedruckten Slogan einvernehmlich an (siehe Back-Cover), auf dem es heißt:  „Freedom, Peace, Love, Rock’N’ Roll“, und addieren einfach noch „New Country“ hinzu! Prima Job, Mr. Cagle!

Capitol Records Nashville (2005)
Stil:  New Country

01. You Might Want To Think About It
02. Wal-Mart Parking Lot
03. Miss Me Baby
04. Maria
05. Anywhere But Here
06. You Still Do That To Me
07. Hey Ya’ll
08. I Was Made For You
09. Wanted Dead Or Alive
10. When I Get There
11. I’d Find You

Chris Cagle
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Kenny Chesney – The Road And The Radio – CD-Review

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Kenny Chesney hat sich von seinen „alten blauen Stuhl“ erhoben und ist wieder in den Sattel zurückgekehrt! Die karibischen Musikträumereien (zumindestens weitgehend), wie auch seine nur vier Monate währende, medienträchtige Ehe mit Schauspielerin Renée Zellweger sind „Sonne (Schnee) von Gestern“. Der „Country-Entertainer des Jahres“ (eine seiner vielen Auszeichnungen) widmet sich mit seiner neuen CD „The Road And The Radio“ wieder dem Tagesgeschäft.

Während die Großen der Riege (und Chesney zählt schon seit einiger Zeit zum etablierten Kreis der Superstars) dies für gewöhnlich in der Art von Platzhirschen mit satten, fetten und vor Kraft strotzenden Werken, dem Führungsanspruch der Szene gerecht, zu untermauern gedenken, meldet sich Kenny diesmal mit einer angenehm unaufdringlichen Produktion zurück. Trotzdem sehr sauber abgemischt und natürlich von exzellenten Musikern eingespielt, kann man den Lautstärkeknopf auch ruhig mal etwas lauter drehen, ohne gleich erschlagen zu werden.

Grund dafür ist sicher auch die hervorragende Songauswahl, wobei, wie könnte es auch anders sein, alles vertreten ist, was in Nashville’s Schreiber-Riege Rang und Namen besitzt. Chesney hat im Gegensatz zum letzten Album nur ein Stück selbst komponiert („Beer In Mexico“), das aber mit zu den herausragenden Highlights auf diesem durchgehend starken Silberling zu zählen ist. Ein toller, schwungvoller, southern-inspirierter Uptempo-Countryrocker, mit Hornsection, Piano-Fills und jeder Menge starker Gitarrenarbeit. Die Idee zu diesem Stück kam Kenny auf einer Geburtstagsparty des „Red Rockers“ Sammy Hagar, der zu Chesneys guten Freunden gehört. (Man fragt sich da direkt in schmunzelnder Weise, ob Lemmy Kilmister eventuell auch zu Chesneys Bekanntenkreis zählt?…). Toller Song!

Übrigens gibt es im Booklet zu jedem Stück kleine Statements von Kenny selbst, die einen äußerst persönlichen Bezug zwischen Songauswahl und Künstler offenbaren. Jede Menge nachdenkliche Nummern, im balladesken bis midtempoträchtigen Bereich, die aber dann durch eine knappe Handvoll temperamentvoller Lieder aufgelockert werden. Der eröffnende, bedächtige, aber sehr melodische Titelsong „The Road And The Radio“ erinnert ein wenig an die Umsetzungen eines Tim McGraw, ohne dessen in letzter Zeit allzu sehr offenbarte, emotionale Note. Ein Stück zum Genießen!

Könnte die Nachfolge-Single vom ebenfalls sehr relaxt und ernst rüberkommenden „Who You’d Be Today“ werden. Dieser Stil scheint bei seinen Fans, und nicht nur dort, bestens anzukommen. Platz zwei in den Billboard-Singles-Charts spricht da bereits eine deutliche Sprache. Der absolute Knüller allerdings ist die roostig, verträumte Kleinstadt-Homage „In A Small Town“, im besten John-Mellenkamp-Stil. Klare Akustikgitarrenund am Synthesizer simulierte, täuschend ähnlich klingende Akkordeonunterlaung, werden nur durch Kenny’s bedächtigen Gesang und die tollen E-Gitarren-Fills unterbrochen. Wunderbarer Song zum Entspannen!

Ein wenig Karibikflair gibt es dann mit „Tequila Loves Me“ doch noch. Sämtliche flotteren Sachen wie „Living In Fast Forward“ (erinnert an die Gute-Laune-Nummern eines Billy Ray Cyrus), „Summertime“ (wahrscheinlich die dritte Single, wenn es wieder wärmer wird) und auch das aus der Feder von Radney Foster und Randy Rogers (was deren Bekanntheitsgrad hoffentlich etwas puscht) stammende „Somebody Take Me Home“ sind allesamt potentielle, spaßmachende Live-Kracher.

Bleibt noch das autobiografisch anmutende „Like Me“, das man im weitesten Sinne als eine countrytypische Antwort auf Bob Segers „Against The Wind“ interpretieren kann. Herrlich diese warm dahinfließende Untermalung aus Akustik- und akkordeonähnlichen Tönen, dazwischen das klare E-Piano mit schönem Solo. Wenn dann im abschließenden behutsamen Instrumental-Finish noch die southern-typischen E-Double-Leads gefühlvoll eingestreut werden, erfreut man sich genußvoll an einem würdigen Abschluß dieses klasse Albums und lehnt sich zufrieden zurück! „The Road And The Radio“ haben Kenny Chesney wieder, und zwar stärker denn je!

BNA Records (2005)
Stil:  New Country

01. The Road And The Radio
02. Living In Fast Forward
03. Who You’d Be Today
04. You Save Me
05. Summertime
06. In A Small Town
07. Beer In Mexico
08. Freedom
09. Tequila Loves Me
10. Somebody Take Me Home
11. Like Me

Kenny Chesney
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Kenny Chesney – Live: Live Those Songs Again – CD-Review

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Kenny Chesney zählt schon seit geraumer Zeit zu den unbestrittenen Superstars der New Country-Szene. Er ist mit Charisma ausgestattet, hat ein Händchen für die zu ihm passenden Songs, und ist wegen seiner energiegeladenen Live Shows ein Entertainer, der es, ähnlich wie Garth Brooks zu seinen Glanzzeiten, versteht, die Massen in seinen Bann zu ziehen. Nach seinem zuletzt wieder prächtig eingeschlagenem Studio-Album „The Road And The Radio“ hat sich Kenny nun zu einem Live-Album entschlossen, das seine letzten Karriere-Jahre in den fast immer prall gefüllten Arenen (hier an fünf verschiedenen Orten. Knoxville, Pittsburgh, Nassau, Nashville und Los Angeles) reflektiert.

Ein echtes, typisch amerikanisches Stadion-Konzert-Spektakel, das in seiner Emotionalität unweigerlich Reminiszenzen an Garth Brooks legendäres „Double-Live“-Werk aufkommen lässt. Ein enthusiastisches Publikum, das vor, teilweise während und nach jedem Stück in euphorischem Gekreische ausbricht und jede Gelegenheit nutzt, wohl bekannte Textpassagen im Kollektiv mitzsingen, sobald der Meister die Gelegenheit dazu nur im Ansatz offenbart. Natürlich versteht es Chesney exzellent, genau die Lieder zu performen, die für solche Anlässe wie gemacht sind, doch das sind sehr viele seines Repertoires.

So reihen sich vom einleitenden Song „Live Those Songs“ bis zum abschließenden Powerstück „She Thinks My Tractor’s Sexy“, ein prächtig mitsingbarer Hit nach dem anderen aneinander, wobei der (im positiven Sinne) sehr routiniert wirkende Kenny immer wieder geschickt zwischen den Temperamenten der einzelnen Lieder variiert. Verlassen kann er sich dabei auf eine furios aufspielende Begleitband, in der der sehr starke Drummer Sean Paddock (äußerst kraftvoll) und der filigrane Lead-Gitarrist Clayton Mitchell (viele southern-inspirierte Soli) immer wieder den Ton angeben. Bis zum ersten Durchatmer „What I Need To Know“ (wunderschöne, melodische Country-Ballade, inkl. Bandvorstellung) geht es zunächst mit fünf New-Country-/Arena-Rockern in die Vollen (u. a. „Young“, „Beer In Mexico“, „Keg In The Closet“), welche die Massen zurecht in Wallung treiben und diese wohl nur in amerikanischen Arenen aufkommende Gänsehaut-Atmosphäre auslösen.

Klasse auch das unweigerlich Urlaubsstimmung auslösende „When The Sun Goes Down“ mit herrlichen, karibisch anmutenden Steel-Drums, ebenfalls dargeboten, wie schon seinerzeit in der Studiofassung, im Duett mit „Spaßkanone“ Uncle Kracker. Weiterer Höhepunkt sind das Midtempostück „Anything But Mine“ mit seiner schönen Akustikgitarren-Untermalung, den angenehmen Orgelparts und den großartigen Southern-E-Gitarren-Passagen des bereits erwähnten Clayton Mitchell, sowie die tolle Gute Laune-Nummer „How Forever Feels“ (klasse Drum-/Bass Intro, knackiges Piano, feine Steel und Fiddle-Fills).

Kenny Chesney ist es auf seinen Live-Album prächtig gelungen eine Energie geladene Synthese aus Arena-Rock und New Country (wobei die Basis, so kraftvoll und rockig die Performance auch sein mag, von Chesneys Anlagen und seiner Art des Auftretens her immer eindeutig „country“ ist) zu schaffen und einen tollen musikalischen Einblick in die wohl entscheidende Phase seiner Laufbahn zu gewähren.

Die CD kommt mit einem richtig dicken, 24-seitigen, reichhaltig bebildertem Booklet, in dem Kenny mittels diverser Statements viele ihn bewegende, detaillierte Eindrücke vermittelt und sich bei all seinen Förderern, Fans und Bekannten ausgiebig bedankt. Schade eigentlich nur, dass in der heutigen Zeit nicht so etwas direkt auch als DVD auf den Markt gebracht wird, aber vielleicht kommt das ja eines Tages. Bis es soweit ist, ist diese Kenny Chesney-Live-CD aber in jedem Fall ein „Muß“! Jawohl, lasst uns diese tollen Songs noch einmal erleben. Klasse Live-Stoff, nicht nur für New Country- und Chesney-Anhänger!

BNA Records (2006)
Stil:  New Country

01. Live Those Songs
02. Young
03. Never Gonna Feel Like That Again
04. Beer In Mexico
05. Keg In The Closet
06. What I Need To Do
07. I Go Back
08. When The Sun Goes Down
09. On The Coast Of Somewhere Beautiful
10. Anything But Mine
11. Back Where I Come From
12. Don’t Happen Twice
13. How Forever Feels
14. She Thinks My Tractor’s Sexy

Kenny Chesney
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Big & Rich – Hillbilly Jedi – CD-Review

Big & Rich are back! Fast fünf Jahre sind seit ihrem letzten Album „Between Raising Hell And Amazing Grace“ vergangen. Die beiden hatten sich eine Auszeit genommen, um einerseits zu regenerieren, andererseits aber auch die Arbeit an ihren Solo-Projekten voranzutreiben. Zwar war der eine oder andere sporadische Erfolg mit dabei (zum Beispiel John Richs fabelhaftes Album „Son Of A Preacher Man“ mit der herausragenden Single „Shuttin‘ Detroit Down“), aber so richtig erfolgreich und gut sind John Rich und Big Kenny, wenn man ehrlich ist, eigentlich nur im gemeinsamen Verbund.

Das demonstrieren sie aufs Neue sehr eindrucksvoll auf ihrem branaktuellen Werk „Hillbilly Jedi“, auf dem sie wieder ein absolutes Feuerwerk an hitträchtiger New Country-„Comedy“ entfachen (mit „Comedy“ meinen wir die typischen, wunderbar „verrückten“ Einfälle, die sie immer wieder mal in ihre großartigen Songs einbauen) und mit genauso rockigem, wie auch balladesken, immer melodischem Liedgut überzeugen. Stärker waren sie seit ihrem Debüt in 2004 wohl nie.

Allein schon das aufwendige, mehrfach aufklappbare Coverartwork (mit allen Texten), das diese beiden abgefahrenen „Hillbilly Jedis“ vor galaktischer Cowboykulisse in herrlich durchgeknallten Posen porträtiert, ist schon eine dicke Würdigung wert. Ein echter Hingucker! Und auch die Musik knüpft nahtlos an die etwas verrückt klingende Thematik an. So sind sie halt, ohne Spaß gäbe es dieses Duo wohl nicht. Die CD beginnt direkt mit einem „Hammer“. Jon Bon Jovi und Richie Sambora werfen beim Opener „Born Again“ den Ball zurück, den Big & Rich ihnen auf ihrem damaligen „Lost Highway“-Album zugespielt hatten (da hatten die Vier „We Got It Going On“ gemeinsam komponiert und Big & Rick auch tatkräftig gesangstechnisch mitgewirkt). Wieder hören wir eine gemeinsame Kreation, bei der Jon eine Strophe singt und Richie ein baumstarkes E-Gitarren-Solo abliefert. Rockt richtig fett!

Auch das später folgende, sehr melodische „Can’t Be Satisfied“ stammt aus der gemeinsamen Feder. Wie richtige Cowboys ordentlich feiern, zeigt dann das folgende „Party Like Cowboys“, ein typischer, abgefahrener Countrystampfer mit der für sie typischen, kleinen Rap-Einlage im Bridge. Gleiches gilt für Tracks wie „Rock The Boat“ und „Get Your Game On“, bei denen der sich schon immer in Big & Rich-Dunstkreis befindliche Cowboy Troy seine Sprecheinlagen zum Besten gibt. Alles Stücke, die mächtig Dampf entfachen und jede Menge gute Laune verbreiten. Zudem wurde das Material von Produzent Dann Huff (auch an den Keyboards und der E-Gitarre mit teilweise grandiosen Soli vertreten) und den vielen Klassemusikern (u. a. Chris McHugh, Greg Morrow, Jimmie Sloas, Mark Hill, Danny Rader, Adam Shoenveld, Tom Bukovac, Jonathan Yudkin, Paul Franklin, Eric Darken, Charlie Judge) absolut anspruchsvoll und kraftvoll in Szene gesetzt.

Aber auch die ruhigere Seite des Duos birgt ihre Reize – und zwar sehr eindrucksvoll. Stücke wie „That’s Why I Pray“ (unwiderstehlich und auffallend stark hier ihr unverwechselbarer, zweistimmiger Lead-Gesang), der ersten Single „Lay It All On Me“ (kletterte bereits hoch in die Billboard Country Singles-Charts), „Last Words“, „Cheat On You“ (starke Powerballade) oder der schon fast mit Roy Orbinson-Flair umgarnte Schwofer „Never Far Away“ bieten feinste Melodik pur. Trotzdem hat man immer irgendwie das Gefühl, hier wären Wölfe im Schafspelz zugange. Irgendwann bricht dann doch wieder ihre Power, die Dynamik und der Hang zum ausgelassenen Abfeiern durch.

Und wenn die beiden dann mit „Cause I Play Guitar“ einen Honkytonk-trächtigen (klasse Piano von Charlie Judge) Southern Rocker vom Stapel lassen (herrliche E-Gitarrenarbeit von Adam Shoenveld, Tom Bukovac und Dann Huff – letzgenannter mit großartigem Solo), fällt einem „glatt die Kinnlade runter“. Saustark! Ganz verrückt wird es am Ende, wenn die Herren den Titeltrack in einem Medley zelebrieren. Das ist dann der reinste Klamauk. Der erste Teil bietet Musik schon fast im Stil der Comedian Harmonists (auf dem Countrytrip) und geht dann fließend über in Dixieland-Jazz-artige Sphären (mit Klarinette, Posaune und Trompete) – Big & Rich in ihrem Element. Völlig unberechenbar.

Mit „Hillbilly Jedi“ (Jon Bon Jovi, auf den Albuntitel angesprochen, sagt. „Hillbilly Jedis? That’s it. I’d buy that shirt!“) kehren Big Kenny & John Rich nach längerer Pause mit Vehemenz auf die New Country-Bühne zurück. Das Werk bietet sowohl Spaß als auch Einkehr mit reichhaltiger Abwechslung und Kurzweiligkeit auf höchstem musikalischen Niveau. Big & Richs „Hillbilly Jedi“ – das ist galaktisch starker New Country ohne jeden Durchhänger!

Warner Bros. Records (2012)
Stil:  New Country

01. Born Again
02. Party Like Cowboyz
03. That’s Why I Pray
04. Lay It All On Me
05. Last Words
06. Rock The Boat
07. Can’t Be Satisfied
08. Get Your Game On
09. ‚Cause I Play Guitar
10. Cheat On You
11. Never Far Away
12. M-E-D-L-E-Y Of The Hillbilly Jedi

Big & Rich
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Big & Rich – Comin’ To Your City – CD-Review

Die Party geht weiter! Nachdem Ex-Lonestar-Bassist und -Sänger John Rich und Big Kenny (richtiger Name Kenny Alphin) mit ihrem Debütalbum „Horse Of A Different Colour“ bereits den New Country-Circus gehörig, und vor allem sehr erfolgreich, durcheinander gewirbelt hatten (das Werk ist immer noch in den Top-25 der Country-Billboard-Album-Charts!), folgt jetzt mit „Comin’ To Your City“ der zweite Streich. Und sie knüpfen natürlich nahtlos dort an, wo sie mit ihrem Erstling aufgehört haben.

Das Intro „The Freak Parade“ startet als Unterhaltung zweier nicht ganz nüchtern wirkender Hauptakteure und endet als eine Art durchgeknallter Hi-Speed-Kneipengassenhauer (wie „Hans Albers auf Dope“ – vielleicht wurde Big Kenny ja, der im Booklet sogar ein „St. Pauli“-Shirt trägt, bei ihrem letzjährigen Showcase in Hamburg vom „blonden Hans“ inspiriert…), bevor dann die ersten rockigen Töne aus den Boxen zum Titelsong „Comin’ To Your City“ krachen. So ein richtig schwer stampfender Southern-Country-Blues mit jede Menge E-Gitarren-Riffs, schroffer Banjo-Untermalung, Fiddle-Fills und leicht Hip-Hop-angehauchten, integrierten Sprechpassagen. Tolle fetzige Nummer, die auch den neuen Spot ihres just an Land gezogenen Werbepartners „Chevrolet“ unterlegen wird.

Das folgende „Soul Shaker“ schlägt im Prinzip in die gleich Kerbe und wird jeden Saloon in einen kochenden Tanztempel umwandeln. Ihr anderes Gesicht zeigen die beiden dann bei Songs wie „Never Mind Me“, „I Pray For You“ oder „Slow Motion“, wo aus den beiden wilden Partyanheizern gefühlvolle Balladen-Songwriter werden. Besonders der erst genannte Titel glänzt durch ein wunderbar leichtes Westcoast-Flair. Die schönen eingeflochtenen Harmoniegesänge hätten auch die Eagles nicht besser hinbekommen. „Caught Up In The Moment“ fesselt nicht nur durch seinen amüsanten Text, sondern auch durch diesen unkonventionell dargebotenen, aber gut verträglichen Feier-Country-Hip-Hop, vor allem dank der tollen Instrumentalleistungen der beteiligten Musiker, die auch schon fast ausnahmslos beim Debüt mitgewirkt hatten.

Besonders E-Gitarrist Adam Shoenvelt, Multikönner Jonathan Yudkin (Banjo, Mandoline, Fiddle und Strings) und Mike Johnson (Steel) setzen dem eigenwilligen Sound des Duos ihren Stempel auf. „Faithly Rich“, eine Mischung aus Barroom-Heuler und jazziger Good-Time-Musik mit 30er-Jahre-Flair (tolles Sax-Solo), lässt sich ebenso wenig in ein festgelegtes Konzept einordnen, wie die beiden, mit Tex-Mex-Einfluss versehenen Nummern „Jalapeno“ (wieder sehr rockig) und „“20 Margaritas“ (mehr spaßig, wie ’12 kleine Jägermeister auf Country’). Völlig konträr dann dazu plötzlich wieder „8th Of November“, ein von Kris Kristoffersen eingeleiteter, nachdenklicher Anti-Kriegs-Song, sowie die, trotz der Beteiligung von Gretchen Wilson und Cowboy Troy, vielleicht etwas nervig arrangierte Hymne „Our America“ als Bonus-Track, die das absolut ansprechende Gesamtbild aber nicht abschwächt.

Big & Rich haben mit „Comin’ To Your City“ an ihrem Erfolgskonzept festgehalten und einen gleichstarken Nachfolger auf den Weg gebracht. Wer es gerne mal etwas verrückter hat, und trotzdem die Countrypfade nicht verlassen möchte, ist bei dem Duo auch weiter an der richtigen Adresse!

Warner Bros. Records (2005)
Stil:  New Country

01. The Freak Parade
02. Comin’ To Your City
03. Soul Shaker
04. Never Mind Me
05. Caught Up In The Moment
06. Leap Of Faith
07. I Pray For You
08. Japaleno
09. 20 Margaritas
10. Blow My Mind
11. Slow Motion
12. 8th Of November
13. Our America (Bonustrack)

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Vince Gill – Next Big Thing – CD-Review

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Dieser Mann ist einer der großen Sympathieträger der New-Country-Szene! Nicht zuletzt sein nettes und freundlich humorvolles Wesen, das sich auch immer wieder in seiner Art zu musizieren widerspiegelt, ließ ihn als Moderator der jährlichen Country Music Awards zur großen Bereicherung der Veranstaltung werden.

Meine ersten Berührungspunkte entstanden durch einen Sampler. Auf ihm der Song „Never Alone“, der mich sofort in den Bann zog. Leicht dahinrauschend wie ein klarer Gebirgsbach, faszinierte mich die schöne Melodie und die perfekten Gitarreneinlagen. Dies hatte zur Folge, dass ich mir seine CD „High Lonesome Sound“ zulegte, die mit der Ballade „Worlds Apart“ (toll auch das Video dazu; sollte sich ein gewisser Herr Bush mal zu Gemüte führen) auch einen echten Knaller beinhaltete. Allerdings hielt sich meine Begeisterung insgesamt in Grenzen. Die sehr rootsigen, rauen Songs passten meiner Ansicht nach nicht optimal zur sehr hellen Stimme des Künstlers.

So ging ich an sein neustes Werk „Next Big Thing“ eher mit gemischten Gefühlen. Die CD mit 17 Stücken fürs Genre recht reichhaltig bestückt, ist diesmal besser auf die Person Vince Gill zugeschnitten. Es geht los mit dem knackigen Honkytonk-Titelstück, gefolgt der von Killer-Midtemponummer „She Never Makes Me Cry“. Dieser Song, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wird auf jeden Fall in meinen Top-10-Liste des Jahres landen. Wieder diese Leichtigkeit, die tolle Melodie, die klare angenehme Stimme und die zwei perfekten Gitarrensoli. Ein prächtiger Hörgenuss.

Der Rest der Lieder ist bunt gemischt. Viele traditionelle Elemente; da fühl ich mich teilweise in „Highway Call“-Zeiten eines Dickey Betts zurückversetzt; drei Traumballaden namens „Young Man’s Town“, „From Where I Stand“ und „In These Last Few Days“; dazu immer wieder fröhlich dahinrockende Stücke a là „The Sun’s Gonna Shine On You“, „You Ain’t Foolin‘ Nobody“ oder „Old Time Fiddle“.

Highlights besonders dann, wenn Mr. Gill mal richtig in die Saiten greift und den Beweis antritt, welch ausserordentlicher Gitarrist dieser Mann sein kann.
Insgesamt ein sehr zufriedenstellendes Album, das auch für die Fangemeinden von Sonny Landreth oder Mark Knopfler interessant sein könnte.

MCA Nashville (2003)
Stil:  Country Rock

01. Next Big Thing
02. She Never Makes Me Cry
03. Don’t Let Her Get Away
04. Someday
05. These Broken Hearts
06. We Had It All
07. Young Man’s Town
08. Real Mean Bottle Whippoowill River
09. Whippoowill River
10. The Sun’s Gonna Shine On You
11. From Where I Stand
12. You Ain’t Foolin‘ Nobody
13. Old Time Fiddle
14. Without You
15. Two Hearts
16. This Old Guitar And Me
17. In These Last Few Days

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Josh Gracin – Same – CD-Review

Wer auf den alten Haudegen des New-Country-Business Garth Brooks steht, sollte dem Debütwerk des jungen Josh Gracin mal eine Chance gewähren, denn dieser scheint von dessen musikalischen Leistungen stark geprägt zu sein. Der Viertplazierte des American Idol 2 gewann schon nicht von ungefähr seinen aller ersten Talentwettbewerb, als er mit einer Version „Standing Outside The Fire“ zu begeistern wusste.

Konstanz, Ausdauer, Charisma, Gespür für die Zeit und wohl auch die nötige Portion Glück sind wohl die Attribute, die Brooks zu dem machten, wofür ihn die Massen liebten. Ob der talentierte Ex-Marine, der zumindest die Voraussetzungen in sich zu tragen scheint, einen ähnlichen Erfolg haben wird, steht auf einem anderen Blatt.

Was das Songwriting angeht, kann er dem Meister allerdings noch nicht das Wasser reichen, denn sämtliche Lieder stammen aus fremden Federn, hauptsächlich hier Brett James, der den Löwenanteil beigesteuert hat. Aber man hat schon bei Tim McGraw gesehen, dass hier mit einem guten Händchen auch vieles möglich ist.

So setzte Producer Marty Williams das Gesamtwerk überaus knackig in Szene, wobei Joshs Stimme sehr schwungvoll und mit viel Elan rüberkommt. Der Kontakt zwischen beiden wurde übrigens durch die Rascal Flatts hergestellt, die von Joshs Performance ihres Stückes „I’m Moving On“ beim Kontest ziemlich angetan waren.

Meine Anspieltipps. „Nothin‘ To Lose“ mit Brooks-typischen Sprechgesang in den Strophen wie bei „Ain’t Goin‘ Down (Til The Sun Comes Up)“, dabei Wechsel im Refrain zu Blackhawk–artigem Harmoniegesang; „Brass Bed“ mutet leicht keltisch an, begleitet von wunderschönen Mandolinenklängen und ausdrucksvollem Gesang der Marke Brooks/McGraw; „Piece Of Mind“, der absolute Kracher des Albums, ein typischer Song um ganze Stadien in den Bann zu ziehen. Tolle relaxte Melodie, verziert durch sirenenartiges Akkordeon- und Mundharmonikaspiel, als I-Tüpfelchen ein starkes E-Solo; „I Would Look Good With You“ pianogetränkt mit countryuntypischem Supertramp-Flair, allerdings mit glänzender Dobro-Vostellung von Dan Dumore.

Bei „Turn It Up“ sind Parallelen zu Brooks‘ Uptemponummern offensichtlich, das Stück ist allerdings auch ziemlich Southern-inspiriert, rockt zum Teil 38 Special-mäßig. Dazwischen natürlich auch einige Balladen, die phasenweise bombastisch ausufern, wie man es auch bei Jimmy Wayne auf seinem Erstling vorfindet.

Mit dem nötigen Biss, Fingerspitzengefühl und der Geduld seines Labels sollte Josh Gracin in Zukunft noch einiges erreichen können. Lyric Street Records hat hier meines Erachtens einen ganz dicken Fisch an der Angel…

Lyric Street Records (2004)
Stil:  New Country

01. I Want To Live
02. Wheels
03. Nothin‘ To Lose
04. Brass Bed
05. Peace Of Mind
06. Endless Helpless Hoping
07. No One To Share The Blame
08. I Would Look Good With You
09. Turn It Up
10. The Long One
11. The Other Little Soldier

Josh Gracin
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Frankie Ballard – Same – CD-Review

Bärenstarker, rockin‘ Country/New Country voller Kraft, Dynamik und toller Melodien! Der 1983 geborene, aus Battle Creek, Michigan stammende Frankie Ballard ist so was wie ein musikalischer Spätstarter. Sein eigentlicher Traum war es, professioneller Baseballspieler zu werden. Erst mit 18 Jahren schnappte er sich die Akustikgitarre seines Vaters und begann zu üben. Dafür aber um so intensiver. Laut eigener Aussage teilweise 8-10 Stunden am Tag.

Zunächst ging es durch die Bluesschule von Leuten wie Stevie Ray Vaughan, B.B. King, Buddy Guy und Eric Clapton, später mehr country-orientiert anhand von Vorbildern wie Ricky Skaggs, Albert Lee, Roy Nichols und Leuten, die mit Merle Haggard und Carl Perkins zusammenspielten. Aus der heutigen Zeit beeindrucken ihn Gitarristen wie Brad Paisley, Vince Gill von der Traditionalisten-Garde und Keith Urban mit seiner an den Rock’n’Roll-angelehnten Spielart. Frankie selbst sieht seine Berufung eher darin, eine bluesigere Note ins Genre einzubringen, was ihm auf seinem acht Songs umfassenden Mini-Debütalbum, im übrigen direkt unter einer Major-Flagge, eindrucksvoll gelingt.

Gerade auf Major-Alben ist es nicht alltäglich, quasi als „musikalischer Nobody“, angesichts der exquisiten Studiomusiker (hier Alison Prestwood, Jimmy Sloas, Greg Morrow, Tommy Harden, Danny Rader, Mike Johnson, Adam Shoenveld, Tony Harrell und jede Menge Backgroundsänger/-innen wie u.a. Wes Hightower, Lisa Torres, Vicky Hampton, Rachel Proctor) sofort bei fast allen Stücken (gerade mit der wichtigen E-Gitarre) instrumentell involviert zu werden, was eindeutig für Frankie Ballards Talent als Saitenvirtuose spricht. Auch die Buchung für die Grand Ole Opry und als Support von Top-Acts wie Kenny Chesney, Taylor Swift oder Bob Seger gelten als klarer Beleg für viel vorhandenes Potential.

Bei seinem Debüt setzen er und seine Plattenfirma auf Qualität statt Quantität. Die von Michael Knox (Jason Aldean) produzierten acht Tracks sind allesamt kraftvolle, dynamische und jederzeit melodische Klassenummern ohne auch nur einen einzigen Hänger! Das Werk beginnt mit dem, mit einem fluffigen, aber kernigen Gitarrenrhythmus unterlegten, satt dahinrockenden „A Buncha Girls“ (Richtung Brooks & Bunn mit einem würzigen Heartland-Flair ala John Mellencamp), der zweiten Single des Albums (einziger Song, den Frankie mitgeschrieben hat, ansonsten sind so bekannte Songwriter wie Ben Hayslip, Dallas Daidson und Rhett Akins die Zulieferer), nachdem man bereits mit „Tell Me You Get Lonely“ (toller rauchiger Gesang, Orgeltupfer, Klasse E-Gitarren-Solo, Steel-Fills, wunderbare Harmonies, markanter Refrain) einen Achtungseinstieg gefeiert hatte.

Neben seiner Gitarrenfertigkeit muss in jedem Fall auch Frankies hervorragender Gesang herausgestellt werden, der mit seiner leicht angerauten, sehr variablen Art irgendwo zwischen Bobby Pinson, Jeffrey Steele, Eric Church und besagtem John Mellencamp angesiedelt werden kann. Diese leicht „dreckig“ wirkende Röhre sieht man dem sehr juvenil wirkenden Burschen auf den ersten Blick gar nicht an. Ein regelrechter „(Rock-) Wolf im (Country-) Schafspelz“! Toll auch, dass sämtliche Stücke eine omnipräsente Southern-Note aufweisen, sei es durch das Einflechten eines swampigen Banjos wie bei „Single Again“ (klasse Baritone-/E Gitarren-Solo-Kombi, wieder sehr schöne Steel-Fills) und dem stampfenden, treibenden „Get On Down The Road“ (tolle E-Slide-Arbeit) oder einfach mittels der obligatorischen Twin-Gitarren bei „Place To Lay Your Head“.

Ruhepausen gönnt uns Frankie beim bluesigen, mit dezentem „Tuesday’s Gone“-Flair versetzten, in „Cryin‘ in My Beer-Song“-Tradition gebrachten „Sober Me Up“ (markantes Führungsriff, wunderbar pathetischer Gesang) und bei der für Major-Labels fast unumgänglichen, emotionalen Powerballade „Rescue Me“ (wäre durchaus auch Duett-tauglich gewesen, bleibt aber so relativ kitschfrei). Jason Aldean & Co. lassen grüßen. Und wenn Frankie Ballard am Ende nochmals so einen furiosen Southern-Rocker wie „Grandpa’s Farm“ raushaut, dann gibt es kein Halten mehr. Wieder erzeugen das Banjo, das kernig kickende Drumming, Ballards angerauter Gesang, die satten E-Gitarren (inkl. starkem Soli) sowie die berühmten, weiblichen „Oooh-ooh“-Harmonies ein authentisch-swampiges Southern-Ambiente. Ein Song der Marke „My Kinda Party“ von Jason Aldean oder „Kick It In The Sticks“ von Brantley Gilbert aus der jüngeren Vergangenheit. Wow! Ein bärenstarker Abschluss. Da hätte man gerne noch drei, vier Songs mehr gehört.

Ein fulminantes, frisches, unverbrauchtes Debüt. Leute, die Musik an der Schnittstelle der o.a. Interpreten (dazu kommen noch Bands und Interpreten wie Eric Church, Blake Shelton, Chris Young) bevorzugen, werden den Newcomer Frankie Ballard mit offenen Armen in Empfang nehmen. So muss heute moderner rockin‘ Country/New Country klingen. Ein grandioser Einstieg. Bitte mehr davon, Frankie Ballard!

Warner Nashville (2011)
Stil:  New Country

01. A Buncha Girls
02. Single Again
03. Place To Lay Your Head
04. Tell Me You Get Lonely
05. Get On Down The Road
06. Sober Me Up
07. Rescue Me
08. Grandpa’s Farm

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Frankie Ballard – Sunshine & Whiskey – CD-Review

Jetzt startet er richtig durch! Nach seinem klasse Erstling von 2011 folgt nun ein noch stärkeres, zweites Album, das auch gleich den ersten Hit abwirft. „Helluva Life“ (schön instrumentierter, melodischer Goodtime-Country, klasse E-Gitarren-Solo) ist bereits in den Top 15 der Billboard Country Singles-Charts angekommen (zur Zeit Platz 11) und marschiert immer weiter in Richtung Spitze. Der aus Michigan stammende 31-jährige, der 2008 mal Kenny Chesneys ins Leben gerufenen Wettbewerb „Next Big Star“ gewonnen hat, geht unbeirrt seinen Weg weiter.

Schon direkt der euphorisch knackige Opener „Young & Crazy“ offeriert seine absoluten Stärken. Ein Gefühl für den richtig zu ihm passenden Song, seine herrlich rauchige Stimme und auch sein exzellentes und variables Gitarrenspiel (Akustik- und E-Gitarre), das er trotz an seiner Seite stehender Klasseleute wie u.a. Adam Shoenveld, Troy Lancaster und Rob McNelley immer wieder mit einbringt. Der Titelsong „Sunshine & Whiskey“ macht, wie der Titel es schon suggeriert, richtig Laune. Klasse das vom Southern Rock inspirierte E-Gitarren-Solo, auch eines der sich immer wiederholenden Markenzeichen von Frankie Ballard.

Die einzige Komposition aus eigener Feder (zusammen mit Jon Nite), „It Don’t Take Much“, kommt mit einer gewissen Heartland-Attitüde herüber, auch hier wieder mit einem starken Gitarrensolo. Countrybluesig geht es auf „Drinky Drink“ zu, die quäkige Harp, der kräftige Mitgröl-Refrain (Redneck-Flair, Crowd-Harmonies) und das klirrende Banjo-Spiel von Ilya Toshinsky machen richtig „Alarm“. „Tell Me You Get Lonely“ und „Sober Me Up“ kennt man bereits vom Vorgängerwerk. Auch auf „I’m Thinking Country“ (Autoren David Lee Murphy/Marcel Chagnon) wird zu filigranem Banjo-Rhythmus ordentlich Gas gegeben. Der rotzige Powerrefrain lädt zum Mitwippen und -singen ein, toll die von Shoenveld und Frankie eingebrachten Twin-Gitarren.

Herrlich atmosphärisch das ruhig mit Akustik- und E-Gitarren, sowie weinender Steel gespielte „Tip Jar“, das ein grandioses Southern Soul-Feeling versprüht. Ebenfalls ruhig geht es auf „Don’t You Wanna Fall“ zu. Wunderbar die von Jason Mowery gespielte, wie eine Dobro klingende Resonator-Gitarre, die einfühlsamen Harmoniegesänge von Cassandra Lawson und auch das immer wieder mal dazwischen gluckernde E-Piano. Eine Gänsehaut-Ballade, dazu wieder mit fulminantem E-Gitarren-Solo. Am Ende huldigt Frankie mit dem viel gecoverten Country-Oldie „Don’t Tell Mama I Was Drinkin’“ noch seinen Michigan-Wurzeln. Der banausenhafte Gesang in Kid Rock-Manier und das in Bob Seger-Tradition gespielte Piano als Beweis, lassen keinen Zweifel an seiner Herkunft aufkommen.

Frankie begeistert auf „Sunshine & Whiskey“ mit 11 großartigen, melodischen, zumeist recht knackigen, aber auch flockigen Songs, die sehr eingängig wirken, aber auch immer eine erdige Grundnote beibehalten. Das ist zeitgemässer, astreiner, prächtiger New Country vom Allerfeinsten! Frankie Ballard befindet sich unmittelbar auf dem Weg in die oberste Etage der jungen Wilden in Nashville! Bärenstarker Stoff!

Warner Nashville (2014)
Stil:  New Country

01. Young & Crazy
02. Sunshine & Whiskey
03. It Don’t Take Much
04. Helluva Life
05. Drinky Drink
06. Tell Me You Get Lonely
07. Sober Me Up
08. I’m Thinking Country
09. Tip Jar
10. Don’t You Wanna Fall
11. Don’t Tell Mama I Was Drinking

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