Rascal Flatts – Still Feels Good – CD-Review

Rascal Flatts mit ihrem fünften Studioalbum und neuem Elan! Mit ihrem Debüt aus dem Jahr 2000 leiteten Rascal Flatts eine Karriere ein, die ihres Gleichen sucht. Der Erstling und „Melt“ erreichten Doppel Platin-Status, die folgenden Alben „Feels Like Today“ und „Me And My Gang“ schafften dieses Kunststück sogar vierfach. Dazu räumte die Band 2006 gleich bei allen drei Countryinstitutionen (CMT, ACM, CMA) den Award für die beste Gruppe ab (neben noch einigen anderen Auszeichnungen mehr), und „on Top“ gab es für den Song „Bless The Broken Road“ als Zugabe sogar noch einen Grammy. Damit hingen die Trauben für ihr neustes Werk „Still Feels Good“ einmal mehr extrem hoch. Wie der Titel schon verlauten lässt, scheinen Gary Levox, Jay DeMarcus und Joe Don Rooney trotz der enormen Erwartungshaltung ihren Erfolg eher zu genießen, als damit irgendeinen Stress zu verbinden.

Auch diesmal attestieren wir erneut beste Aussichten, in allen Belangen des New Country-Pop (und darüber hinaus) gehörig mitzumischen. Das beweist allein schon wieder die aktuelle Single „Take Me There“ (schöne countrypoppige Power-Ballade im gewohnten RF-Format, bei der übrigens Kenny Chesney als Co-Writer fungierte), die sich sofort auf Platz 1 der Billboard Country-Singles-Charts eingenistet hat. Das Album wird sicherlich in den nächsten Tagen nachziehen. Von daher war die Entscheidung, nicht großartig herum zu experimentieren, erneut richtig. Die CD lehnt sich verständlicherweise vom Gesamtkonzept sehr stark an den mega erfolgreichen Vorgänger „Me And My Gang“ an und variiert nur in Nuancen: Gleicher Produzent mit Dann Huff, Cover-Art, die Anzahl der Stücke (dreizehn), die Musikerbesetzung (Dann Huff, Tom Bukovac, Chris Mc Hugh, Jonathan Judkin, Gordon Mote) als auch die Songwriterauswahl (u. a. Jeffrey Steele, Steve Robson, Wendell Mobley, Neil Thrasher) sind nahezu identisch.

Die Stücke bewegen sich naturgemäß durchgehend auf gewohnt ansprechendem Niveau, Levox holt stimmlich vielleicht noch ein Tüpfelchen mehr aus sich heraus als bisher, auch die kompositorische Mitwirkung bei fünf Stücken wirkt ein wenig ausgefeilter als früher. Nach dem bereits erwähnten Opener folgt mit „Here“ ein weiterer Song, der in den Strophen recht ruhig ist, im Refrain jedoch dann deutlich an Kraft und Emotion gewinnt. Davon gibt es eine ganze Reihe. Auffällig und neu ist, dass trotz aller poppiger Grundstrukturen, dank toller Gitarrenarbeit von Huff, Bukovac und Rooney, immer wieder auch eine gewisse rockige Note eingeflochten wird. Bestes Beispiel ist das ein wenig aus dem Rahmen fallende „Bob That Head“, das sich am Big & Rich-Erfolgsrezept orientiert, wobei hipper Sprechgesang mit swampig-funkigem Country (klasse E-Gitarren-Parts) gemixt werden. Dezentes Siebziger-Retro Pop-Flair nach dem Motto „Dr. Hook goes Country“ verbreitet das herrlich entspannte und überaus melodische „Winner At A Losing Game“.

Eine Premiere stellt „She Goes All The Way“ dar: Das erste Duett auf einer Rascal Flatts-CD. Gary Levox wird dabei von seinem Langzeit Musiker-Freund Jamie Foxx unterstützt. Co-Writer des Trios bei diesem Lied ist Monty Powell (war beim Vorgänger auch involviert), der hier ein sehr melodiöses Stück kreiert hat, wie man es von seinem „Spezi“ Chris Cagle auch schon öfters präsentiert bekommen hat. Das Steel-betonte „How Strong Are You Now“ erinnert ein wenig an Sachen, die man von Lonestar kennt. Zum Abschluss gibt es dann einen vom Text her eher traurigen Song („It’s Not Supposed Like That“), akustisch untermalt (dazu Steel-Fills), an dem der auch bei uns sehr geschätzte Musiker und Songwriter Bobby Pinson kompositorisch beteiligt ist. Insgesamt ist Rascal Flatts wieder ein richtig saftig und flockig durchzuhörendes, modernes Album gelungen, das sicher wieder alle Erwartungen ihrer großen Fangemeinde zur vollsten Zufriedenheit erfüllen wird. Somit werden sie auch mit „Still Feels Good“ in Sachen Mainstream New Country-Pop einmal mehr unangefochten die Nummer Eins auf dem Erfolgs-Thron bleiben!

Lyric Street Records (2007)
Stil: New Country

01. Take Me There
02. Here
03. Bob That Head
04. Help Me Remember
05. Still Feels Good
06. Winner At A Losing Game
07. No Reins
08. Every Day
09. Secret Smile
10. Better Now
11. She Goes All The Way
12. How Strong Are You Now
13. It’s Not Supposed To Go Like That

Rascal Flatts
Rascal Flatts bei Facebook
Bärchen Records

Hootie & The Blowfish – Live In Charleston – The Homegrown Concert Event – DVD-Review

Hootie_300

Wie groß war die Erleichterung, als sich Hootie & The Blowfish im letzten Jahr, nach einigen eher durchwachsenen Werken, mit ihrem glänzenden Album „Looking For Lucky“ wieder so eindrucksvoll zurückgemeldet hatten. Die Last und der Erfolgsdruck ihres megaerfolgreichen Debütwerkes „Cracked Rear View“ schien sich, abgesehen von den finanziellen Aspekten, eher zum Fluch zu entwickeln, so dass man lange den Eindruck hatte, das Ende des Quartetts sei nur eine Frage der Zeit. Soloversuche von Mark Bryan und Darius Rucker brachten ebenfalls keine erwähnenswerten Fortschritte, und so versuchten die vier Musiker noch mal einen „Neuanfang“ auf einem eigenen Label mit angeschlossenem Independant-Vertrieb.

Auf „Looking For Lucky“ schien dann auch der gesamte Ballast, die ganze Verklemmung von den Schultern der Akteure gefallen zu sein. Endlich sprudelten aus ihnen wieder diese lockeren, unverwechselbaren Songs wie zu ihren Anfangstagen heraus. Sie waren wieder die alten! Konsequenterweise gab es zu diesem Album natürlich auch eine Tour, die am 12. August 2005 mit dem Auftritt im ausverkauften „Family Circle Tennis Center Stadium“ ihrer Heimatstadt Charleston/South Carolina, einer altehrwürdigen Südstaaten-Metropole, einen ihrer Höhepunkte erlebte. Die brillant gefilmte DVD dieser Show, in ganz fantastischer Dolby-Surround 5.1-Qualität (auch in Stereo 2.0), beschränkt sich, nachdem es ein paar kurze Impressionen von Charleston und dem Geschehen vor Konzertbeginn gab, ausschließlich auf den Gig selbst!

So darf man sich über satte zwanzig Stücke freuen, die Hootie & The Blowfish im „vollen Saft“ präsentiert, ja man muss sogar konstatieren, dass die Truppe mit den beiden zusätzlichen Gastmusikern Gary Green, Percussion und Peter Holsapple (ex dB’s und Continental Drifters), Guitars, Mandoline und Keyboards, live sogar noch mehr an Substanz und musikalischer Vielfalt zu bieten hat, als im Studio. Der Fokus des Songrepertoires lag schwerpunktmäßig auf ihrem Hitalbum „Cracked Rear View“, mit acht Songs vertreten („Time“, „Hannah Jane“, „Running From An Angel“, „Look Away“, „Let Her Cry“ – bärenstarke Version-, „Drowning“, „Hold My Hand“ und „Only Wanna Be With You“- letzte Zugabe) und, wie man es bei vielen Bands nicht so oft präsentiert bekommt, recht selbstbewusst auf dem aktuellen Werk, mit sechs Stücken („State Your Peace“, „Hey Sister Pretty“, „One Love“ – der absolute Ohrwurm der CD -, „Leaving“, „Get Out Of My Mind“ und „The Killing Stone“ – die 2. Zugabe).

Auch die restlichen Alben werden, zumindest mit einem Song, gestreift. Somit erhalten selbst nicht ganz so „Hootie-feste“ Betrachter einen recht umfangreichen Gesamt-Überblick. Stark auch die herrlich entspannte Coverversion von Tom Waits großartigem „I Hope That I Don’t Fall In Love With You“! Insgesamt ein brillanter Streifzug durch wunderschöne Rock-, Countryrock- und Rootsrock/-pop-Gefilde der nicht alltäglichen Art. Dean Felber am Tieftöner, Jim Sonefeld an den Drums (sporadisch auch an der Gitarre) und Gary Greene, mit diversesten Percussion-Instrumenten geben den Rhythmus vor, während Rucker mit seiner einzigartigen, zwischen Introvertiertheit, unterschwelliger Aggressivität und wundervoller Melodik hin und her pendelnder Stimme das zentrale Element der Show darstellt. Für die Feinheiten sind dann allerdings Co-Leader Mark Bryan (mit recht vielen Ansagen zwischen den Stücken), der ein ums andere Mal mit tollem Solospiel auf diversen (Gibson-E- und Akustik-) Gitarren glänzt, wie auch der anfangs erwähnte Peter Holsapple, der an der (E-) Mandoline, der Lap Steel-Gitarre (ganz toll bei „Desert Mountain Showdown“) und der Orgel für jede Menge spannende Akzente sorgt.

Er ist vielleicht so etwas wie der „heimliche Star im Hintergrund“. Auf höchsten Niveau liegend auch die immer wieder eingestreuten, zu Ruckers toller Stimme einen schönen Kontrast bildendenden Harmoniegesänge! Das sehr angenehme Publikum kitzelte am Ende schließlich drei Zugaben heraus, wobei das recht funkige „Go And Tell Him (Soup Song)“ live wesentlich besser zur Geltung kommt als in der Studioversion.

Um noch ein wenig den Spannungsbogen zu erhalten, möchte man eigentlich gar nicht mehr verraten. Ganz sicher aber ist, dass die Genre-Liebhaber und die Fans der Band mit Hooties „Homegrown Concert Event“ eine fantastische Live-DVD geliefert bekommt, die eindrucksvoll beweist wie lebendig, ja wie frisch Hootie & The Blowfish heutzutage (wieder) sind! Herrlich! Die DVD ist „code free“ und somit auf jedem DVD-Spieler abspielbar!

Sneaky Long (2006)
Stil: Country Rock

01. State Your Peace
02. Time
03. Space
04. Hannah Jane
05. Hey Sister Pretty
06. Running From An Angel
07. One Love
08. Look Away
09. Leaving
10. I Hope That I Don’t Fall In Love
11. Desert Mountain Showdown
12. Let Her Cry
13. I Go Blind
14. Old Man And Me
15. Drowning
16. Get Out Of My Mind
17. Hold My Hand
18. Go And Tell Him (Soup Song)
19. The Killing Stone
20. Only Want To Be With You

Hootie & The Blowfish
Hootie & The Blowfish bei Facebook
Bärchen Records

Hootie & The Blowfish – Looking For Lucky – CD-Review

Hootie & The Blowfish haben mich zu Beginn ihrer CD-Veröffentlichungen regelrecht begeistert. Ihr Debüt „Cracked Rear View“ verkaufte sich über 16 Millionen Mal und übte natürlich auf den Nachfolger „Fairwheather Johnson“ einen immensen Erfolgsdruck aus. Obwohl mir dieses Album eigentlich sogar noch besser gefiel, blieb die kommerzielle Resonanz zwar beachtlich, konnte von den Zahlen her „CRV“ aber in keinster Weise das Wasser reichen. In Europa hingegen fand die Truppe um Darius Rucker leider kaum Beachtung. Es folgte ein drittes Werk „Musical Chairs“, dass auch von der musikalischen Qualität her, ganz erheblich nachließ. Zu diesem Zeitpunkt erlosch ebenfalls mein Interesse am Quartett aus South Carolina. Die Band brachte ein weiteres Studiowerk (mit B-Seiten) heraus, eine obligatorische „Best Of“, Gitarrist Mark Bryan und Frontmann Darius Rucker versuchten sich auf Solopfaden, ohne aber ihren Anfangselan jemals auch nur annähernd zu erreichen.

Plötzlich bei einem Review von Trick Ponies aktueller Scheibe „R.I.D.E.“ tauchte der Name Darius Rucker wieder aus meiner inneren Versenkung. Der lieh für das Duett mit TP-Bassist Ira Dean bei „Sad City“ seine Stimme. Und kurze Zeit später erschien jetzt ihr neuer Silberling „Looking For Lucky“. Mittlerweile bei einem Independant-Label untergekommen, scheint der Ballast – immer wieder an Zahlen gemessen worden zu sein – förmlich von den Schultern zu fallen.

Da sind sie wieder, diese unbeschwerten, lockeren Hootie-Songs, mit ihren tollen Melodien, ihrer klasse Instrumentierung, Bryan’s blendendendes Gitarren- und Mandolinenspiel, Darius‘ unverwechselbare kräftige, immer mit einem Hauch Melancholie unterlegte Charakterstimme, die soviel Wärme ausstrahlt, die knackige Rhythmushälfte in Form und Person von Bassist Dean Felber und Drummer Jim Sonefeld. Auch ihr Produzent aus den Anfangstagen, Don Gehman ist wieder mit an Bord.

Die Opener „State Your Peace“ (mit klasse Double-Leads-Passagen) und „Hey Sister Pretty“ preschen, wie beim Debüt, mit leicht zu merkenden Refrainzeilen melodisch voran, bis mit „Killing Stone“ die erste balladeske Nummer Zeit zum Durchatmen gewährt.

Der Song ist dank brillanter Gitarrenarbeit von Mark Bryan leicht psychedelisch angehaucht, ein toller politischer Text, das herrlich inbrünstige Stimmorgan Rucker’s und die angenehmen Backs von Gastmusikerin Matraca Berg veredeln dieses erste Super-Highlight des Albums zusätzlich. „Get Out Of My Mind“, „A Smile“ und „Free To Everyone“ bilden den Nachschlag für die Vertreter der mehr Pop-Rock-orientierten Spaßfraktion, während „One Love“ (wieder starke Akustik- und E-Arbeit von Bryan), das auch als Single ausgekoppelt wurde, das Herz von Balladenfreunden wie mir erwärmt.

Eine ganze Reihe von Nummern wie „Can I See You“, „Leaving“, „Autumn Jones“ oder „Waltz Into Me“ untermauern, dass Hootie & The Blowfish durchaus auch auf dem Country-/Bluegrass-Terrain eine gute Figur abgeben. Hier zeigt Mark Bryan, wie filigran er die Mandoline zu bedienen weiß (herrliches Gezirpe), hier und da erhält auch die Fiddle mal sporadisch Einzug. Insgesamt besticht „Looking For Lucky“ durch seine Ausgeglichenheit in der Songqualität, im Prinzip gibt es überhaupt keinen Ausfall.

Ich persönlich hätte vielleicht nicht direkt vier Killernummern an den Anfang platziert, sondern versucht, hier noch ein Stück der mehr Country-lastigeren Zweithälfte zu integrieren. Aber egal, letztendlich überwiegt die Freude, dass die Band zu alten Stärken zurück gefunden hat, und es bleibt der Versuch im Rahmen unserer Möglichkeiten einen kleinen Beitrag zu leisten, die Popularität von Hootie & The Blowfish in unseren Breitengraden etwas anzukurbeln.

Vanguard Records (2005)
Stil:  Country Rock

01. State Your Peace
02. Hey Sister Pretty
03. The Killing Stone
04. Get Out Of My Mind
05. Another Year’s Gone By
06. Can I See You
07. A Smile
08. One Love
09. Leaving
10. Autumn Jones
11. Free To Everyone
12. Waltz Into Me

Hootie & The Blowfish
Hootie & The Blowfish bei Facebook
Bärchen Records

Will Hoge – Draw The Curtains – CD-Review

Es gibt Künstler, die im Musikbusiness trotz hervorragender Outputs und eines enormen Potentials immer noch eine Art ‚gut behütetes Geheimnis‘ darstellen. Musiker, mit denen man dann aber, sobald sie mal im heimischen Player gelandet sind, sofort warm wird und für deren Biographie/Diskographie man sich postwendend zu interessieren beginnt. Mir fallen da spontan Leute wie Neal Casal, John Kilzer, Troy Newman, Danny Tate, Edwin McCain oder Billy Coulter ein. Will Hoge ist auch so ein typischer Fall.

Aufmerksam wurde ich auf ihn durch seine CD „Blackbird On A Lonely Wire“ aus dem Jahr 2003, ein schönes melodisches Rockalbum mit Major-Kontrakt und von daher mit jeder Menge radiofreundlicher Songs bestückt. Hoge verließ danach das Label aber auf eigenen Wunsch, um auf der Independent-Schiene wieder größeren Gestaltungsraum für sich in Anspruch nehmen zu können. Dazu hat Will noch einige Live-Scheiben erzeugt, die als authentischer Beweis seines unermüdlichen Schaffens auf der Bühne herhalten (bis zu 300 Gigs im Jahr). Das aktuelle Werk „Draw The Curtains“ ist mittlerweile sein vierter Studioplayer.

Der neue Silberling startet direkt mit einem wunderschönen, balladesk angehauchten Song über eine zerbrochene Beziehung („When I Can Afford To Lose“), der von Hoge emotional, aber nicht auf die Tränedrüse drückend, besungen wird. Ein klasse Piano, wunderbare E- und Akustikgitarrentupfer, dezentes Cello und eine herrlich trauriges Harp (inkl. Solo) verleihen dem Stück die passende Atmosphäre.

Das Schöne an Hoge ist zweifelsohne seine Vielseitigkeit. Ähnlich wie Bob Seger weiß er immer genau, wann es nach wohlig klingenden Ohrwürmern (hier noch „Dirty Little War“, „I’m Sorry Now“, „Draw the Curtains“) wieder Zeit ist, das Gaspedal zu drücken oder den Stil seiner Songs zu verändern. „These Were The Days“ ist ein flotter Rootsrocker , der auf Augenhöhe mit John Mellencamp und Bruce Springsteen in ihren besten Tagen mithalten kann.

Auch „Sex, Lies And Money“ ist ein rauer, slide-trächtiger Roadhouse-Rocker, der von Leuten wie Lance Keltner oder Dan Baird stammen könnte. Dan Baird ist übrigens ein Tour-Weggefährte aus Hoges Solo-Anfangstagen und spielt hier beim herrlich bluesig-souligen „Washed By The Water“ (mit gospelmäßigen weiblichen Backs) in Otis Redding-/Joe Cocker-Manier die dritte Gitarre neben Will und Nashville-Könner Pat Buchanan.

Wunderbar sind Stücke wie „Silver Or Gold“ mit bluesigem Barroom-Flair (herrlich gurgelndes B3 von Reese Wynans, tolle E-Arbeit von Adam Fluhrer aus Hoges Tourband), das flottere, im Storyteller-Stil vorgetragene „Midnight Parade“ (wieder mit schönem Slide) oder das abschließende Countrystück „The Highway’s Gone“ (mit typischen Steel-Einlagen), das Elemente von Hank Williams, Neal Casal oder Jackson Browne geschickt kombiniert.

Fazit:  Will Hoge hat zehn handverlesene Edelperlen auf eine Kette zu einem attraktiven und wertvollen Musik-Schmuckstück gefädelt. Tolle Instrumentalisten aus seiner Tourband (aktuell und ehemalig), aus der Nashville-Studioszene, dazu noch Gäste wie Dan Baird oder Rami Jaffee (The Wallflowers) und natürlich Hoge selbst, haben exzellente Arbeit geleistet. Die Produktion von Ken Cooner (Ex-Wilco) und Charlie Brocco ist glasklar auf den Punkt gebracht. Ich habe voller Begeisterung auf meinem, ein Review immer begleitenden Notizzettel, hinter jedem der zehn Songs ein ‚HL‘ (= Highlight) gesetzt, also rundum ein Hammerwerk!

Rykodisc Records (2007)
Stil:  Country-/Roots Rock

01. When I Can Afford To Lose
02. These Were The Days
03. Dirty Little War
04. Silver Or Gold
05. Sex, Lies And Money
06. I’m Sorry Now
07. Midnight Parade
08. Draw The Curtains
09. Washed By The Water
10. The Highway’s Home

Will Hoge
Will Hoge bei Facebook
Bärchen Records

Faith Hill – When The Lights Go Down – DVD-Review

Ich war zugegebenermaßen relativ enttäuscht, als ich mir vor einiger Zeit ihre CD „There You’ll Be“ zugelegt habe. Von New Country keine Spur, die Produktion empfand ich trotz hochkarätiger Musikerbesetzung ein wenig blass und langweilig. So ging ich an diese Thanksgiving-Fernsehproduktion mit eher gemischten, ja sogar ein weinig skeptischen Gefühlen heran, zumal fünf Stücke des o.a. Werkes hier ebenfalls eingebunden wurden, allerdings in überarbeiteter Form, wie sich im Verlauf herausstellen sollte.

Und, um es vorwegzunehmen, ich habe bisher keine Sekunde dieser DVD bereut. Wirklich sehr unterhaltsam und angenehm gemacht. Bei einer so schönen Frau wie Faith Hill hört das Auge eben mit. So zum Beispiel beim Auftakt-Smash-Hit „When The Lights Go Down“. Faith im schwarzen, langen, tief ausgeschnittenen Glitzerkleid, braungebrannt, zart geschminkt, mit lockig nach hinten toupiertem blondem Haar, umringt von einem großen Orchester und ihren Musikern in einem mit Holzfußboden bestücktem, großen Studio in Los Angeles, im dezenten Lichtspiel mit an der Decke hängenden Reflektoren in atmosphärische Bilder gesetzt.  Ihre Stimme kann sich in der prächtigen Akustik richtig ausleben, Gitarrist Dann Huff setzt mit einem tollen Kurz-Solo ein erstes Zeichen. Eine Delikatesse für Auge und Ohr!

Sollte man meinen, dass so eine Geschichte völlig auf den Hauptakteur fokussiert ist, so wird man angenehm überrascht. Zweifelsohne dreht es sich um Faith Hill, aber die Künstlerin bettet sich durch ihr unaufdringliches Verhalten – von Arroganz oder Affektiertheit keine Spur – in ein perfektes Gesamtkonzept fließend ein. Man spürt, dass sie das starke Fundament, auf dem sie steht, zu schätzen weiß.

Wie sagte mal ein Fußballtrainer, ich meine es war Huub Stevens, damals noch tätig bei einem Essener Vorstadt-Klub: „Der Star ist die Mannschaft.“ In diesem Fall würde ich es so formulieren: Der Star ist die Band, und Faith ein sicherlich nicht unwichtiger Teil davon. Da wären Drummer Vinnie Colaiuta, der seine Trommeln nicht erbarmungslos, sondern mit viel Gefühl bearbeitet oder der mit einer viel zu großen Schlägerkappe bedeckte Bassist Paul Bushnell, der mit groovenden Kopfbewegungen den Rhythmus der Songs lebt und mitgestaltet. Der vollbärtige Keyboarder Greg Matheison, mit seinem zum Zopf nach hinten gebundenem grauem Haar, der bei der Neukonzeption von „Let Me Let Go“, auf Zuruf von Faith, um dem Song einen Gospeltouch zu verpassen, mal so eben spontan die Hammond Orgel dazwischen streut.

Nicht zu schweigen von den beiden Gitarristen. Wunderbar filigrane Arbeit von Michael Thompson und Musikkoordinator Dann Huff an den Akustik-, Rhythmus- und Leadgitarren, einfach Weltklasse. Man höre sich „Breathe“ an. Dafür wurde Carlos Santana verpflichtet. Ziemlich niedlich, wie Faith ihn ehrfürchtig in seinem Zimmer besucht, um den Song durchzusprechen und außer Fassung vor Glück zu sein scheint, mit einer solchen Legende arbeiten zu dürfen. Dabei ist sie doch längst selbst ein großer Star, der sich hinter niemandem verstecken braucht.

Und so sitzen dann Faith, Carlos, Michael und Dann auf Barhockern in diesem anfangs erwähnten, großen Studio. Die beiden letztgenannten liefern mit ihrem akustischem Spiel ein fulminanten Teppich für Carlos typisch eingeworfene E-Gitarren-Riffs und Mrs. Hills klare Stimme. Als das Stück zu Ende ist pustet Faith ihre überwältigten Gefühle mit einem lauten Uuh heraus und das kann man nachempfinden. Wow, das war Gänsehaut pur! Nicht zu vergessen auch die drei Backgroundsänger Perry Coleman, Lisa Cochran und Bekka Bramlett. Letztere ein Energiebündel und blonder Irrwisch, die ihresgleichen sucht. Sie hat ebenfalls locker das Zeug zur Frontfrau.

So passt einfach, ob live oder im Studio eingespielt, ein Mosaiksteinchen ins andere. Wirklich mal eine lohnenswerte Alternative zum stümperhaften Bildmaterial, was man von unseren Musikfernsehsendern tagtäglich bis zum erbrechen vorgesetzt bekommt. Die live gespielten Lieder sind alle in einem kleinen Klub aufgenommen. Die Band ungezwungen und hautnah auf der Bühne. Da kann man richtig neidisch werden, hier in unserem Land leider undenkbar.

Die Musik hat sicherlich nichts mehr mit New Country zu tun, auch wenn sämtliche Akteure hauptsächlich im Genre beschäftigt sind, stört in diesem Fall aber nicht großartig. Es geht alles mehr in Richtung, wie Joe Cocker, Rod Stewart oder Tina Turner ihre Performances zu geben pflegen. Melodischer Pop-Rock würde ich sagen. Sämtliche Songs sind zwischen Midtempobereich und Powerballaden anzusiedeln.

Die Spielfreude steht einfach im Mittelpunkt. Da kriegt wohl selbst so ein alter Hase wie Dann Huff nostalgische Gefühle, in Erinnerung wohl an zurückliegende Giant-Zeiten, und zaubert bei „Back To You“ ein heavy-melodic-artiges Solo in den Song. Stark auch das funkig-dynamisch dahinrockende „Free“. Da kommt selbst der letzte Tanzmuffel aus den Hufen.

Interessant auch mal zu sehen, wie so ein Videoclip entsteht. Faith in Mitte von drei durchsichtigen weißen Leinwänden, auf denen nett anzusehende Mädels mit schrillen Plastikkopfbedeckungen ihre tänzerischen Fähigkeiten zum Besten geben. Durch Wandlungsfähigkeit besticht die Gute, ähnlich wie Shania Twain, beim „Pearl Harbor“-Titelstück „There You’ll Be“, wieder mit pompöser orchestraler Begleitung, das sie als Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere bezeichnet, bei dem sie äußerlich ein wenig Julia Roberts nahe kommt, oder richtig jugendlich mit glattem Haar und Mittelscheitel wirkend, bei der rockig aufgepeppten Version von „This Kiss“.

So richtig nett wird es dann für das männliche Auge beim angehängten Fotospezial. Ja, Gatte und ebenso Superstar Tim McGraw hat auch hier viel Feingefühl bewiesen. Ich kann mich zwar ebenfalls glücklich schätzen, eine attraktive Dame an meiner Seite zu wissen, aber wie fordert der Kollege Schneider doch immer so oft, auch den Blick mal über den Tellerrand zu werfen. In diesem Fall tat ich es sogar sehr gerne. Bildqualität und Sound sind sehr gut.

Warner Music Vision (2003)
Stil: New Country

01. When The Lights Go Down
02. The Way You Love Me
03. Free
04. Let Me Let Go
05. Cry
06. One
07. There You’ll Be
08. This Kiss
09. Breath
10. If You’re Gonna Fly Away

Bonus Tracks:
11. Stronger
12. Back To You

Faith Hill
Faith Hill bei Facebook
Baerchen Records

Jennifer Hanson – Same – CD-Review

Kann es sein, dass auf dem nordamerikanischen Kontinent die Leute schon mit einer Gitarre in den Händen zur Welt kommen? Während unsereiner in seiner Kindheit nicht schnell genug nach draußen kam, um eine Lederpille durch die Gegend zu bolzen, dem sonntäglichen Gang auf den Sportplatz entgegenfieberte, um anschließend möglichst noch mal die entscheidenden Szenen nachzuspielen, scheint bei unseren Freunden das Zupfen an einer Klampfe oder das Mitmischen in einem Gospelchor beim Kirchgang oberste Priorität in jungen Jahren zu genießen.

Anders kann ich mir die Anzahl qualitativ hochbegabter Musiker eigentlich nicht erklären. Ein erneutes Paradebeispiel ist die 29 Jahre junge Jennifer Hanson, die in diesem Jahr ihre erste CD ablieferte.

Geboren in La Habra im Süden von Los Angeles, einer nicht sonderlich betuchten Gegend mit überwiegend farbiger Bevölkerung, durchlebte sie als Kind zweier Musiker eine relativ harte Jugend. Scheidung der Eltern, erste musikalische Erfahrungen, 1995 Umzug nach Nashville auf Rat des Vaters, der inzwischen als Gitarrist für die Righthouse Brothers und die nicht nur in Countrykreisen bekannte Band Alabama gearbeitet hatte.

Sie lernt den Songwriter Mark Nesler kennen, der u.a. den Tim McGraw-Hit „Just To See You Smile“ schrieb. Die beiden heiraten und Jennifer ergattert einen Plattendeal mit Capitol Records, die dem Newcomer gestatten, ihre Ideen relativ freizügig umzusetzen. Als Resultat ist ein wunderschönes Album herausgekommen.

Der Opener und Single der Scheibe, „Beautiful Goodbye“, ist direkt ein Killersong mit herrlicher Melodie, knackigen Gitarrenriffs und einer einmalig frischen Stimme. Ja, der Gesang dieser Lady ist wirklich traumhaft. Das Statement ‚… mit der Seele einer Songwriterin und der Stimme eines Engels…‘ bringt die Sache auf den Punkt.

So Lieder wie die recht langweiligen Barroomballaden „This Far Gone“ oder „Simply Yours“, wo ich normalerweise unweigerlich den Drang verspüre, die Vorlauftaste zu betätigen, halten einen gefangen bis zum letzten Ton. Der musikalische Rest liegt irgendwo im rootsigen Bereich zwischen einer gut aufgelegten Mary Chapin Carpenter und Sheryl Crow, im eher poprockorientierten Teil bei den Bangles, versehen mit leichtem Countrytouch (Nr. 2, 3, 5). Immer wieder schöne Gitarreneinlagen, zum Teil werden eigene Erfahrungen in ihren Texten reflektiert („Travis“).

Alles sehr knackig und modern, wobei Jenni nicht nur die meisten Songs mitgeschrieben hat, sondern auch neben Greg Droman an den Reglerknöpfen gesessen hat.  Und wenn die junge Dame das auf dem Cover getragene Alabama-Fan-Shirt gegen entsprechende Klamotten tauschen täte, würde die Gute sicher auch auf dem Modelsektor eine vorzügliche Figur abgeben Von diesem Multi-Talent werden wir noch einiges hören, darauf verwette ich mein letztes Hemd…

Capitol Records Nashville (2004)
Stil: New Country

01: Beautiful Goodbye
02: Just One Of Those Days
03: Half A Heart Tattoo
04: This Far Gone
05: Get Yourself Back
06: All Those Yesterdays
07: Travis
08: One Little Word
09: It Isn’t Just Raining
10: Baby I Was Wrong
11: Simply Yours

Jennifer Hanson
Jennifer Hanson bei Facebook
Baerchen Records

David Grissom – How It Feels To Fly – CD-Review

Als großer Verehrer von David Grissoms Gitarrenkünsten bei Storyville und seinen vielfältigen Saiteninputs bei diversen anderen Künstlern (z. B. auf Bonnie Bishops herrlichem „Soft To The Touch“ und auch bei so einigen Interpreten in meiner geliebten Nashville-Zunft), bin ich natürlich nicht darum herum gekommen, auch seinen Weg als Solo-Künstler zu begleiten.

So bin ich dann auch im Besitz seiner beiden ersten Longplayer. „Loud Music“ und „10,000 Feet“. Jetzt bot sich günstige die Gelegenheit, sein neustes Werk „How It Feels To Fly“ mal zu beleuchten, das Grissom zum ersten Mal unter der Flagge des immer mehr expandierenden Blue Rose-Labels präsentiert.

David setzt dabei seinen von Anfang an beschrittenen Weg kompromisslos fort, eine Mischung aus besungenen Liedern und anspruchsvoll und filigran gestalteten Instrumentalstücken, bei denen natürlich seine famosen Saitenkünste im Vordergrund stehen, markant in Szene zu setzen…

Neu ist hier allerdings und das ist vor allem aufgrund seiner anstehenden Live-Auftritte in unseren Gefilden (sh. unsere Tourtermine – leider kein einziger im westlichen Ruhrgebiet, grrr!) interessant, dass noch zu den acht neuen Studio-Tracks vier Live-Stücke, aufgenommen in Davids Heimat (The Saxon Pub, Austin), dazu gepackt wurden. So erhält man schon mal einen schönen Vorgeschmack auf das, was einen zu erwarten hat.

Hier werden mit „Jessica“ (Allman Brothers) und dem fett abrockenden „Nasty Dogs And Funky Kings“ (ZZ Top, hier in einer furiosen Version) zwei Klassiker geboten, bei denen es Grissom locker mit den Urgesteinen in seiner eigenen Interpretation aufnimmt. Die beiden anderen Sachen sind das intelligent verschachtelte Instrumental „Flim Flam“ (teilweise grandioses Zusammenspiel von E-Gitarre und Orgel) und das Titelstück seiner zwischenzeitlich eingeschobenen EP „Way Down Deep“.

Seine drei Mitstreiter Stefano Intelisano (keyboards), Scott Nelson (bass) und Bryan Austin (drums) wurden (mit einigen wenigen Gästen) auch für die acht Studio-Nummern involviert. Der starke bluesrockige Opener „Bringin‘ Sunday Mornin‘ To Saturday Night“ ruft direkt wehmütig alte Storyville-Zeiten in Erinnerung.

Ich ertappe mich immer wieder – auch bei einigen anderen Stücken („How It Feels To Fly“, „Gift Of Desperation“) – wie ich mir innerlich ausmale, wie die Songs wohl geklungen hätten, wenn hier Grissoms charismatischer früherer Bandkollege Malford Milligan am Mikro gestanden hätte. Denn hier kommen wir zum einzigen, allerdings nicht unerheblichen Manko. Grissoms dünner, eher introvertierter und wenig emotionaler Gesang will mich – im Gegensatz zu seinen unglaublichen Gitarrenkünsten – wie auch schon auf seinen Alben zuvor, irgendwie nicht begeistern.

Es ist natürlich legitim, vor allem, wenn er Spaß daran hat, seine selbst kreierten Sachen auch selber zu singen, aber, aus meiner Sicht, wären da andere Leute wesentlich prädestinierter. Irgendwie ist es hier doch dann wie bei dem Spruch vom Schuster und seinen Leisten. Das spürt man vor allem, wenn die beiden Gastsängerinnen Candi Sanders (beim Opener) und Kacy Crowley (bei „Overnight“ und „Satisfied“), mal ihre Stimmorgane mit in die Waagschale werfen.

Ein weiterer von mir verehrter Gastsänger, Drew Womack (solo, Sons Of The Desert), ist beim melodischen Midtempo-Roots-Lied „Georgia Girl“ leider nur marginal in den Harmonies zu vernehmen. So entpuppt sich auch in dieser Reihe das Instrumental „Way Jose“ als der große Höhepunkt. Hier meint man teilweise Gov’t Mule und Santanas Rhythmus-Section hätten sich mit Grissom zu einer Jam-Session versammelt. Instrumentalkost vom Feinsten. Eine wunderschöne Stelle auf dem Werk ist auch, wenn bei „Satisfied“ Davids Akustikgitarrengezwirbel fließend in ein Allman-umwehtes E-Solo übergeht.

David Grissoms „How It Feels To Fly“ beschert dem Hörer erneut instrumentelle Raffinessen en masse. Er entlockt seinem PRS-Gitarrenmodel mal wieder Töne zum Dahinschweben. Toll strukturierte Musik mit viel Substanz und Saitenkünsten mit fast schon himmlischen Zügen. Und das, ohne wirklich ganz dick aufzutragen. Großartig! Lediglich der eher unspektakuläre brave Gesang des Texaners sorgt dafür, doch eine gewisse Bodenhaftung zu bewahren.

Blue Rose Records (2014)
Stil:  (Texas) Blues Rock

01. Bringin‘ Sunday Mornin‘ To Saturday Night
02. How It Feels To Fly
03. Georgia Girl
04. Never Came Easy To Me
05. Way Jose
06. Overnight
07. Gift Of Desperation
08. Satisfied
09. Jessica (Live)
10. Way Down Deep (Live)
11. Flim Flam (Live)
12. Nasty Dogs And Funky Kings (Live)

David Grissom
David Grissom bei Facebook
Blue Rose Records

Terri Clark – Pain To Kill – CD-Review

Eine begrüßenswerte und medienwirksame Unterstützung erhielt die New-Country-Musik in letzter Zeit durch Deutschlands immer noch beliebteste Unterhaltungssendung ‚Wetten Dass‘. Shania Twain, Faith Hill und die Dixie Chicks gaben sich in den letzten drei Shows die Klinke in die Hand und leisteten erste Schritte, dieses hierzulande immer noch schlummernde Genre ein wenig populärer zu machen.

Also, lieber Tommy, vielen Dank von meiner Seite und weiter so! Sollten dir und deinen Leuten im Hintergrund die Ideen ausgehen, schaut doch in Zukunft ab und zu hier in Magazinen wie Sounds of South vorbei, da gibt es jede Menge Nachschub an potentiellen Kandidaten.

Eine Dame, die sich zum Beispiel nahtlos in die Reihe der oben erwähnten einfügen würde, ist die 1968 gebürtige Kanadierin Terri Clark. Musikalisch vorbelastet (Großeltern waren Countrystars und die Mutter Folksängerin) zieht es sie 1987 nach Nashville. Nach einigen Jobs und einer Anstellung als feste Clubsängerin erhält sie endlich 1994 einen Kontrakt von Mercury Records.

Nun stellt sie mit „Pain To Kill“ ihr bereits neuntes Werk vor. Ich habe früher von ihr schon einige Videoclips gesehen, aber der Funke wollte nie so richtig überspringen. Schön, dass ich jetzt von unserem Partner Bärchen Records regelrecht zu meinem Glück ‚gezwungen‘ wurde. Zwölf wohltuende, angenehm ineinanderfließende Lieder, in einer Dreiviertelstunde kompakt durch das Who-Is-Who der Nashville- Studiomusiker dargeboten, bieten New-Country-Feeling vom Allerfeinsten. Terris Stimme ist unaufdringlich und strotzt trotzdem vor Frische. Bonuspunkte gibt es auch für ihre Beteiligung am Songwriting.

Zwölf wohltuende, angenehm ineinanderfließende Lieder, in einer Dreiviertelstunde kompakt durch das Who-Is-Who der Nashville- Studiomusiker dargeboten, bieten New-Country-Feeling vom Allerfeinsten. Terris Stimme ist unaufdringlich und strotzt trotzdem vor Frische. Bonuspunkte gibt es auch für ihre Beteiligung am Songwriting.
Spaß bereiten rockige Stücke wie „Pain To Kill“ und „I Wanna Do It All“. Chartskompatibel sind sicher die beiden Anfangsstücke „I Just Wanna Be Mad“ und „Three Mississippi“. Aber auch die langsameren Sachen wie „I Just Call To Say Goodbye“, „Almost Gone“, und „God And Me“ sind peppig dargeboten.

Ein Werk, das irgendwo zwischen Kathy Mattea, Patty Loveless und einer Mary Chapin Carpenter problemlos Anspruch auf einen festen Platz in einer New-Country-Sammlung hat.
Dazu kommt eine äußerst ansprechende Optik bei Begutachtung des Booklets. Also, insgesamt eine runde Angelegenheit. Mir bleibt deshalb die Feststellung. Terri, this album kills, without any pain!

Mercury Nashville (2003)
Stil:  New Country

01. I Just Wanna Be Mad
02. Three Mississippi
03. Pain To Kill
04. I Just Call To Say Goodbye
05. I Wanna Do It All
06. The One You Love
07. Almost Gone
08. Working Girl
09. Better Than You
10. Not A Bad Thing
11. The First To Fall
12. God And Me

Terri Clark
Terri Clark bei Facebook
Bärchen Records

Hal Ketchum – Lucky Man – CD-Review

Für Hal Ketchum mag der Titel seiner neuen CD „Lucky Man“ eine zutreffende Zustandsbeschreibung seiner persönlichen Situation sein; ich schätze mich sehr glücklich, auf die Musik eines Mannes gestoßen zu sein, der mir bisher leider nur namentlich bekannt gewesen ist.

Der als ‚Hofdichter der Countrymusik‘ bezeichnete Künstler, hat aus einem, laut eigener Aussage, Mega-Eigen-Repertoire von fast 600 Stücken sieben klasse Songs in Verbindung mit fünf Fremdkompositionen von Leuten, wie z. B. Produzent Rodney Crowell, ausgewählt, die ihm musikalisch sehr nahe stehen und auch bei ihrer Darbietung mitwirken. Die Lieder fliegen mit der Leichtigkeit einer sommerlichen Brise an einem vorbei; die Instrumentierung ist wunderschön auf die Thematik der Songs abgestimmt. Ketchum’s angenehme Stimme passt sich in beeindruckender Weise dem Stil und dem Tempo der Stücke optimal an.

Die CD beinhaltet zwei Duetts (mit Dolly Parton und Lisa Brokop), lebhafte Uptemponummern mit erfrischend gespielten Akustik- und E-Gitarrenelementen („(She’s Something) Your’re Everything“, „You Can’t Go Back“), einen Hauch von Rockabilly („Don’t Let Go“, mit den Musikern von Richochet im Background), dazu einen leichten Elvis-/Chris-Isaak-Touch („Loving You Makes Me A Better Man“, „Dreams Of Martina“).

Highlights auf einer ausgereiften Produktion sind für mich das herrlich dahin wippende „Livin‘ Life Lovin‘ You“, die Uptempoballade „Richest Man In Texas“ in Trace Adkins-Manier und das seiner Frau gewidmete und mit viel Gefühl dargebotene „She Is“, bei der Hal eine Kostprobe der Variabilität und Bandbreite seiner Stimme abliefert, sowie einer Wahnsinns-Gitarrenhintergrundarbeit von Brent Mason, als auch tolle Background-Vocals von Bekka Bramlett.

Dazu gibt es ein farblich harmonisches und geschmackvoll gestaltetes Cover mit schönen Fotos vom Interpreten, mich irgendwie an einen der vier Musketiere erinnernd, passend in ein gut gewähltes und umgesetztes Gesamtkonzept. Thank you, lucky Man!

Curb Records (2001)
Stil: New Country

01. (She’s Something) You’re Everything
02. You Can’t Go Back
03. That’s How Much You Mean To Me
04. Loving You Makes Me A Better Man
05. Don’t Let Go
06. Dreams Of Martina
07. She’s Still In Dallas
08. Two Of The Lucky Ones
09. Richest Man In Texas
10. Livin‘ Life Lovin‘ You
11. Keep Mom And Dad In Love
12. She Is

Hal Ketchum
Hal Ketchum bei Facebook
Bärchen Records

Buddy Jewell – Same – CD-Review

Die ultimative Steigerung der mittlerweile auch in unseren Landen unerträglich um sich greifenden Horror-Casting-Shows wäre sicherlich ‚Deutschland sucht den Volksmusikstar‘. Im übertragenen Sinne wäre Buddy Jewell hier das amerikanische Pendant dazu, denn er ist Sieger von ‚Nashville Star‘, aber Gott sei Dank haben die Amis ja ein etwas anderes Verständnis, was Musik aus ihrer Heimat anbelangt. Und so hat dort auch ein 42-jähriger gestandener Cowboy das Rennen gemacht.

Sony ließ im Zuge des zu erwartenden Erfolges natürlich nichts anbrennen und stellte Buddy Jewell für seine Debüt-CD das Star-Ensemble der Studiomusiker – von meinen Kollegen so liebevoll als Nashville-Mafia bezeichnet – an die Seite. Und die glänzenden Kritiken aus allen Himmelsrichtungen scheinen auf eine späte, aber sehr aussichtsreiche Karriere hinzudeuten.

Mein Gesamteindruck des Werkes ist mit einigen Abstrichen verbunden, aber im Groben und Ganzen auch postiv. Mit „I Wanna Thank Everyone“ scheint Buddy noch mal einen Diener vor allen Beteiligten, die seinen Erfolg ermöglichten, zu machen. Toller rhythmischer Honkytonk-Kracher mit klirrendem Piano und tollen E-Gitarren, wie er flockiger nicht sein könnte. Auch „Sweet Southern Comfort“ ist ein Stück der Extraklasse. Eine typische Südstaatenhymne, mit viel Atmosphäre und starkem Text vorgetragen, die unter die Haut geht. Wunderbare Banjo- und Harmonikaklänge, sowie Buddies einfühlsame Stimme machen diesen Song zum Klassiker, auch Südstaatenrockfans sollten sich das Lied mal reinziehen.

Klasse die Uptemponummern „Abilene On Her Mind“ und „One Step At A Time“, die ziemlich flott an einem vorbeiziehen. Auch das Stück von Produzent Clint Black setzt der CD noch mal seinen Stempel auf. Endlich können sich die Mafiosis, …äh, Studiomusiker mal ausleben. Ein regelrechter Schlagabtausch zwischen E-Gitarre, Fiddel, Piano und Steelgitarre. Geht sehr gut ab.
Das Werk enthält aber auch einige recht langweilige Balladen und Heuler. Bei „Today I Started Loving You Again“, einem Duett mit Miranda Lambert, einer weiteren 19-jährigen Wettbewerbsteilnehmerin, verfolgt einen der Refrain lange über das Ende des Albums hinaus. Der ist so kitschig und schnulzig, bohrt sich aber ins Gehirn wie eine Made in den Speck, so dass ich mich schon morgens im Auto dabei ertappte, wie ich ihn vor mich hinträllerte.

„O’Reilly Luck“ klingt ein wenig nach Charlie Daniels zu „Simple Man“-Zeiten mit keltisch angehauchtem Lalala-Chorus, den ich recht nervtötend finde. Ziemlich überflüssig die Nummer „Why We Said Goodbye“, die Tim McGraw schon vor zwei Jahren auf „Set This Circus Down“ interpretiert hat und mit genau so wenig Überraschungen vor sich her trottet.

Überhaupt wirkt das Album auf mich wie eine kleine Kampfansage an den zuletzt erwähnten Kollegen. Ich denke allerdings, noch etwas verfrüht, denn der gute Tim kommt irgendwie peppiger und rockiger daher, auch wenn er vielleicht nicht ganz die stimmlichen Qualitäten von Buddy besitzt. Jewell’s CD ist mir insgesamt etwas zu traditionell gehalten, vor allem das oftmals in den Vordergrund tretende Gefiddel törnt eher ab. Wenn man einen so versierten Gitarristen wie Brent Mason zur Verfügung hat, muss der auch mal öfter losgelassen werden. Letztendlich aber ein durchaus gelungenes, sympathisches Erstwerk, das sicher keine Eintagsfliege bleiben wird. Ich würde sagen: Noch weiter ausbaufähig.

Sony Nashville (2003)
Stil: New Country

01. I Wanna Thank Everyone
02. Help Pour Out The Rain (Lacey’s Song)
03. Sweet Southern Comfort
04. Today I Started Loving You Again
05. Abilene On Her Mind
06. One In A Row
07. O’Reilly Luck
08. Why We Said Goodbye
09. One Step At A Time
10. I Can’t Get By
11. You Know How Women Are

Buddy Jewell
Buddy Jewell bei Facebook
Bärchen Records