Chris Cagle – Anywhere But Here – CD-Review

„Anywhere But Here“ heißt Chris Cagles neues Album, sein mittlerweile Drittes, seit er 2001 mit seinem Debüt „Play It Loud“ die Country-/New Country-Szene in Nashville „heimsuchte“! Seine Ausbildung an der klassischen Gitarre in frühester Jugend brach er einst frustriert ab, lernte Piano-Spielen, bekam Jahre später an den 6 Saiten dann aber doch noch die Kurve, nachdem er eine E-Gitarre geschenkt bekam. Wie viele der meisten Solo-Performer war sein Gang nach Nashville zunächst nicht auf Rosen gebettet.

Die Wende kam er erst durch das Kennenlernen von Donna Duarte, die Cagle mit Produzent und Virgin Records Nashville Präsident Scott Hendricks (Trace Adkins) zusammenbrachte. Der wiederum erkannte Cagles Potential und vermittelte ihn zum Major-Label Capital Records, das Chris seitdem betreut. Der Titel des neuen Werkes entspricht, bildhaft gesehen, im Prinzip auch dem, was einen auf der CD erwartet. Neuerungen darf man überall suchen, aber nicht hier bei Chris Cagle. Warum auch? Seine musikalische Rezeptur kommt beim Großteil der New Country-Gemeinde bestens an!

Wie auf seinen beiden anderen Alben, vor allem dem Vorgänger, gibt es jede Menge melodische New Country-Musik, mal leicht poppig (aber immer country-rooted) und mal im balladesken Gewand, sowie, konträr dazu, einige Songs, bei denen richtig die Post ab geht, und die als nicht wegzudenkendes Stilmittel zu Eckpfeilern von Cagles energiegeladenen Live-Shows geworden sind. Produziert hat, wie auf den anderen beiden Silberlingen auch, wieder Robert Wright, der zudem einen Teil der Instrumente bedient. Auch beim Songwriting vertraute Chris wieder auf die Zusammenarbeit mit seinem Partner Monty Powell, diesmal allerdings nicht in so hohem Maße wie beim Zweitwerk. Vier Songs, ein gutes Drittel, aus der Feder der beiden, that’s it!

Den Rest bilden Fremdkompositionen, die aber dem Hauptakteur auf den Leib geschnitten sind, wobei der in letzter Zeit sehr umtriebig agierende Brett James mit drei Songs explizit hervorzuheben ist. Eine Coverversion gibt es zudem zu bewundern, und zwar die von Bon Jovis altem Klassiker „Dead Or Alive“, wobei es immer wieder ein Genuss ist, wenn die Studioasse Nashvilles mit ihrem filigranen Können andeuten, was man aus solchen Songs herausholen kann. Starke Nummer mit genialem, sauberem Akustikgitarrenspiel von John Willis und fetten, schwerem E-Gitarren-Solo!

Der absolute Höhepunkt allerdings ist der Opener „You Might Want To Think About It“. Da geht es direkt im Stil von „Country By The Grace Of God“ oder „The Chicks Dig It“ in die Vollen! Herrliche, leicht Southern-inspirierte Power, diese Cagle-typische, funkige Würze, die aufheulenden Fiddle-Fills, eine prima Orgel, sowie ein klasse E-Gitarren-Solo hinterher! Stark! Der dritte Reißer auf dem Album des bekennenden Lynyrd Skynyrd-Fans („Free Bird“ war sein erster Song, den er auf einem Instrument spielen lernte) heißt „Hey Ya’ll“, auf dem seine Lieblingsband auch eine kleine Widmung im Refrain erhält. Knackiges Drum-Intro, dann ein den Song begleitendes E-Riff, das sich verdächtig an AC/DC anlehnt, knackige Fiddleparts sowie Party- und Live-tauglicher Text zum Mitgrölen!

Der komplette Rest bewegt sich im sehr radiofreundlichen Balladen- oder Midtempobereich. So auch die ausgekoppelte Single „Miss Me Baby“, die recht bedächtig anfängt, dann aber durch Cagles sich emotional steigernde Gesangs-Performance, dem Streicherarrangement (verantwortlich Jonathan Yudkin) und den dezenten Synthie-Loops zunehmend an Substanz gewinnt. All diese Songs bestechen durch ihre guten Melodien und die vielen kleinen, eingestreuten Instrumentalfinessen (Fiddle, Mandoline, Akustik-, E-Gitarren, glasklares Piano, schöne Organ-Fills und zum Teil auch Steel-Passagen). Im Prinzip kann man, ohne Gefahr zu laufen „sich in die Nesseln zu setzen“, behaupten, dass der, dem Chris Cagles gleichnamig benanntes Vorwerk gut gefiel, auch hier wieder bedenkenlos  zugreifen kann. Und für die anderen gilte es, ihn zu entdecken! Ein bunt bebildertes Booklet mit allen Texten ist auch dabei!

Und so schließen wir uns dem auf dem Rücken seines schwarzen T-Shirt aufgedruckten Slogan einvernehmlich an (siehe Back-Cover), auf dem es heißt:  „Freedom, Peace, Love, Rock’N’ Roll“, und addieren einfach noch „New Country“ hinzu! Prima Job, Mr. Cagle!

Capitol Records Nashville (2005)
Stil:  New Country

01. You Might Want To Think About It
02. Wal-Mart Parking Lot
03. Miss Me Baby
04. Maria
05. Anywhere But Here
06. You Still Do That To Me
07. Hey Ya’ll
08. I Was Made For You
09. Wanted Dead Or Alive
10. When I Get There
11. I’d Find You

Chris Cagle
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Bärchen Records

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