Emerson Drive – What If? – CD-Review

Emer

Zweites Album der kanadischen Newcomerband unter der Regie von 80er-Jahre Mainsteam-Rock-Ikone Richard Marx, der jetzt scheinbar mehr den Fokus auf das Mischpult und das Songwriting für Fremdinterpreten legt, nachdem es um ihn selbst musikalisch doch recht ruhig geworden ist. So hat er auf „What If“ von Emerson Drive das eine oder andere Lied beigesteuert, bei dem sein Einfluss auch unüberhörbar erscheint.

Überragend, „If You Were My Girl“ mit seinem fetzigen Rhythmus der Marke „Means Nothing To You“, sogar von den Gitarren her leicht southern-angehaucht, das mit viel Power in Marx-typischer Art fröhlich dahinrockt. Dazwischen ein nettes kurzes E-Solo und Elektro-Fiddeln, wie sie bei Shania Twain meist eingesetzt werden, und auch bei diversen Stücken immer wieder sporadisch auftauchen. Wohl ein Resultat des intensiven Tourens mit der First Lady des New-Country-Pops, wobei ich mich spontan frage, warum die gute Shania nicht diese talentierten Jungs als Support ins New-Country-Entwickungsland Deutschland mitgenommen hat, sondern uns mit dieser grausigen ABBA-Revival-Band piesacken musste.

Emerson Drive verzichtet fast gänzlich auf das Mitwirken der von meinen Kollegen als Nashville-Mafia liebkosten Studiomusiker. Aus gutem Grund, denn die Kameraden beherrschen ihre Instrumente wie eine Eins. Besonders Gitarrist Danick Dupelle deutet (meist leider nur kurz) an, dass er ein richtig Guter ist, wenn man ihn denn ließe. So drückt doch Sänger Brad Mates dem Werk größten Teils seinen Stempel auf. Seine helle Stimme ist zwar nicht als unangenehm zu bezeichnen, fungiert aber irgendwie als ständiger Weichspüler der Titel, die gerade die Balladen zu reinsten Schmachtfetzen mutieren lässt.

Hier gilt es wie damals als Kind bei der berühmten Zuckerwatte auf der Kirmes. Bei maßvollem Genuss recht lecker, in hohen Dosen mächtige Magenschmerzen garantiert!
Ganz nett sind so Lieder wie das von dynamischen Rhythmus-Gitarren und heulenden Fiddeln geprägte „November“, die peppigen „Fishin‘ In The Dark“ und „Waitin‘ On Me“ mit ihrem Shania-Touch, oder das rockige „Still Got Yesterday“, das ein wenig an „Summer Of 69“ ihres anderen berühmten kanadischen Mitbürgers erinnert.

Trotzdem, so richtig wie damals Emerson Fittipaldi gehen die Burschen nicht ab! Spaß an der Sache haben dürften Käufer, die mit den bereits angesprochenen Künstlern zurecht kommen; Rascal Flatts, Keith Urban oder Rushlow sind weitere Beispiele, bei denen ich einen gemeinsamen Nenner entdecke. Aus meiner Sicht jedoch eher geeignet für die schwärmerische weibliche Klientel oder allerhöchstens was für Jung-Cowboys mit noch ganz wenigen Kerben im Colt…

Dream Works Records Nashville (2004)
Stil:  New Country

01. Last One Standing
02. Lemonade
03. If You Were My Girl
04. What If?
05. I’ll Die Trying
06. November
07. Fishin‘ In The Dark
08. You’re Like Coming Home
09. Take It From Me
10. Waitin‘ On Me
11. Running Back To You
12. Simple Miracles
13. Still Got Yesterday
14. Rescued

Emerson Drive
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Bärchen Records

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