Michael Stanley – The Hang – CD-Review

Ich verfolge die Karriere des aus Cleveland, Ohio stammenden Michael Stanley seit ungefähr der Jahrtausendwende mit Begeisterung und besitze knapp ein Dutzend seiner mittlerweile 25 Tonträger, die er im Laufe der Zeit, sei es mit der Michael Stanley Band (da habe ich mir dann noch was nachbesorgt) oder mit den Resonators, seiner aktuellen Begleitcombo, herausgebracht hat. Seit „Eighteen Down“ bin ich sozusagen kontinuierlich am Ball geblieben und zähle alle ab da veröffentlichten CDs zu meinem Besitz.

Sein neues Werk „The Hang“ knüpft nahtlos an die beiden tollen Vorgänger „Just Another Night“ und „Shadowland“ an. Stanleys Alben aus der Resonator-Phase sind doch sehr ähnlich gestrickt und man könnte hauch hier auf das zu diesen Werken geschriebene verweisen. Dies käme aber einer einzigen Respektlosigkeit einem solch hervorragenden Künstler gegenüber gleich.

Natürlich hat „The Hang“ wieder all‘ die Stanley-typischen Trademarks zu bieten. Diese unaufgeregt dahinfließenden, sich fast sanft in die Gehörgänge einschmeichelnden, voller Melodie strotzenden Storyteller-Stücke, zwischen Ballade, entspanntem Midtempo und dem einen oder anderen etwas rockigeren Song, wie es auch Bob Seger (wenn auch in etwas kräftigerer und letztendlich kommerziell erfolgreicherer Manier) gerne praktizierte. Eine Jennifer Lee, die ihre wie immer auf den Punkt sitzenden und zu Stanley brillant passenden Harmoniegesänge en Masse einbringt sowie Keyboarder Bob Pelander, der Michaels unaufgeregten Gesang und seine einfühlsame Gitarrenarbeit zu Hauf wieder mit seinen wohlsamen Tastenklangteppichen umgarnt. Für den Mix ist wie so oft Legende Bill Szymczyk verantwortlich.

Und trotzdem ist „The Hang“ diesmal ein besonderes Album, zeigt es doch einen Michael Stanley in den schwersten Stunden seines Daseins. Seine geliebte Frau Skinner erlag im letzten Jahr dem Kampf gegen ihr Krebsleiden (von ihr ist auch das einzige Bild auf der Rückseite des eingesteckten Booklet im karg, nur mit einer Mauer und einer sinnbildlich leeren Bank, fotografierten Digipak). So stehen einige Songs dieses Albums offensichtlich im Fokus dieser schweren Zeit. Ganz deutlich u. a. in Textpassagen (alle Texte sind im Booklet abgedruckt) von „Breaking Down“ oder „Fait Accompli“ und auch allein schon an vielen Titeln der Lieder erkennbar.

Die traurigen Violinenklänge bei den kammermusikartig angelegten „Martha“ und „Another New Years Eve“ drücken ebenfalls auf die Stimmung. Coverversionen gibt es von Patty Griffins „“When It Don’t Come Easy“ und Dire Straits‘ „Romeo & Juliet“ (mit Mark Knopfler-Gedächtnis-Strat-Solo). Das gesellschaftskritische „How Many Guitars Do You Need“ erinnert im Refrain“ an eine gedrosselte Abwandlung von Bon Jovis „Keep The Faith“.

Zu den rockigeren Tracks zählen das slidebetonte „A Damn Fine Way To Go“ (starkes E-Solo), das groovige, mit einem bedrohlich wirkenden E-Piano daherkommende „Down In The Suck“, das Heartland-trächtige „Back In The Day“ (Bob Seger-Note) sowie das soulig stampfende Titelstück (polternde Drums, Orgel, klasse Gitarren, Saxophonfills) zum krönenden Abschluss. Ein wenig Countryflair gibt’s beim mit wimmernder Pedal Steel versehenen „Wonder Wheel“.

Michael Stanley hat mit „The Hang“ den wohl intensivsten und düstersten Longplayer (im wahrsten Sinne des Wortes – mit fast 75 Minuten Spielzeit) seiner umfangreichen Karriere vorgelegt, der ganz klar im Zeichen der Verarbeitung des erlebten Verlustes entstanden ist. Es ist ihm gelungen, seine Hörer unaufdringlich, bei gewohnt hochwertiger musikalischer Qualität, daran teilnehmen zu lassen. Ich wünsche herzliches Beileid nachträglich und hoffe, dass das aus den Fugen geratene Leben dieses sympathischen Künstlers möglichst schnell wieder ins Gleichgewicht kommen möge. „The Hang“ dürfte ein erster, wichtiger Schritt dazu gewesen sein!

Line Level Music (2012)
Stil: Rock

01. From Somewhere Else
02. The Last Great Illusion
03. How Many Guitars Do You Need
04. Breaking Down
05. When It Don’t Come Easy
06. Fait Accompli
07. A Damn Fine Way To Go
08. Wonder Wheel
09. Down In The Suck
10. Back In The Day
11. Martha
12. Romeo & Juliet
13. Another New Years Eve
14. The Hang

Michael Stanley
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Line Level Music
Bärchen Records

Greg Trooper – Upside-Down Town – CD-Review

In den Staaten sämtliche gute und hochtalentierte Musiker zu kennen, grenzt an eine so hohe Unwahrscheinlichkeit wie Chinas Reservoir an starken Tischtennisspielern überblicken zu können. Obwohl mein Horizont, ohne mich jetzt selber loben zu wollen, in Sachen Country, New Country, Southern Rock, Red Dirt, Americana und Roots Rock sicher nicht von schlechten Eltern ist, werde ich doch immer noch mit Interpreten überrascht, von denen ich noch nie einen Ton gehört habe (allerdings meistens bei Newcomern).

Der aus New Jersey stammende Greg Trooper ist so ein Fall und dabei scheint er laut seiner Biographie bereits ein alter Hase zu sein, der schon viele Sachen selbst veröffentlicht und bereits auch mit einigen Größen im Business gearbeitet hat und unter den Kollegen auch ein hohes Standing besitzt. Zurecht wie mein Resümee nach dem Hören seiner neuen CD „Upside-Down Town“ nur geschlussfolgert werden kann. Der Mann schreibt richtig gute Songs und weiß diese auch entsprechend in Szene zu setzen.

GT, so wie er in den Credits aufgeführt ist, serviert uns am Anfang ein wenig Blues Rock, dafür aber umso überragender. Der Opener „Nobody In The Whole Wide World“ groovt richtig herrlich und soult auch ganz dezent, Orgel, E-Piano und E-Gitarre (inkl. zweier Soli) geben den Ton an. Dazu kommt Troopers starker Gesang, der auch im weiteren Verlauf besonders durch seine Variabilität beeindruckt. Der Song erinnert mich vom Flair ein wenig an Ronnie Milsaps „Stranger In My House“. Das war es dann aber auch aus dieser Sparte.

Danach bewegt sich Greg ausschließlich in Country-, Roots Rock- und Singer/Songwriter-Gefilden, sprich, alles geht dann doch deutlich gediegener zu. Bob Dylan (ähnlicher Erzählstil – „They Call Me Hank“, „Second Wind“), Johnny Cash („First Time Love“, Everything Will Be Just Fine“),
John Hiatt (kauziger Gesang – „Dreams Like This“, „Bulletproof Heart“), gemäßigte Bottle Rockets („Time For Love“, „Just One Hand“), Van Morrison („Could Have Been You“) sind Musiker, zu denen einem Assoziationen kommen, wenn Trooper seine hochmelodischen und mit sehr guten Musikern (u.a. Kevin McKendree, Kenneth Belvins, Jack Trooper, Stewart Lerman, Michael McAdam, Chip Dolan) eingespielten Stücke leicht rauchig daherraspelt. Die Produktion ist glasklar.

Eine ganz nette Geschichte für die Leute in NRW (und natürlich gerne darüber hinaus). Unter dem Motto ‚Movies & Men‘ präsentiert der Freundeskreis Filmmuseum Düsseldorf e.V. am 16.11.2010 (Beginn 20.00 Uhr) in der Black Box Greg Trooper live in Kombination mit dem Kultfilm „Einer flog übers Kuckucksnest“ (der folgt einen Tag später), wobei Greg sogar auf einen Teil seiner Gage verzichtete und auch bei der Gestaltung der Eintrittspreise für seinen Gig Abstriche machte (beides von daher zusammen für moderate 15 Euro).

Ein toller und angenehmer Zeitgenosse also, dieser Greg Trooper und ein guter Musiker und Singer/Songwriter sowieso. Und ich persönlich habe wieder eine musikalische Wissenslücke geschlossen!

Blue Rose Records (2010)
Stil: Country Rock

01. Nobody In The Whole Wide World
02. Dreams Like This
03. They Call Me Hank
04. Bulletproof Heart
05. We’ve Still Got Time
06. Might Be A Train
07. First True Love
08. Could Have Been You
09. Time For Love
10. Second Wind
11. Just One Hand
12. Everything Will Be Just Fine

Greg Trooper
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Blue Rose Records

Tow Truck Tom & The Roadside Wrecks – Sophomore Slump – CD-Review

Tow

Obwohl ich mich schon seit einigen Jahren mehr zum New Country hingezogen fühle, galt meine Liebe jedoch von Jugend an schon immer dem Southern Rock, dem Musikstil, der im groben und ganzen auch von allen meiner musikalischen Bekannten geschätzt wird. Zu  Reviews meinerseits ist es ist es in letzter Zeit weniger gekommen, weil die Veröffentlichungen in den letzten Jahren ohnehin nicht so in Hülle und Fülle sprudelten. Mit dem Kauf von Tow Truck Tom (And The Roadside Wrecks) möchte ich nun auch mal die Gunst der Stunde nutzen, ein paar Worte in diesem Bereich loszuwerden. Ja, der gute Southern Rock, wo steht er eigentlich heute?

Wenn man ehrlich ist, so sehr die Erkenntnis auch schmerzen mag, ist der einstige Glanz schon lange verschwunden. Man fragt sich verzweifelt, warum selbst die überlebenden Bands bei CD-Verkäufen und Live-Konzerten kaum noch einen Hering vom Teller ziehen, obwohl ihre Klientel doch eigentlich heute in einem Alter ist, wo die finanziellen Mittel da sind und bei guter Leistung auch gerne ausgegeben würden.

Südstaaten Rock hat sich für meine Begriffe immer dadurch ausgezeichnet, dass die Bands der ersten und zweiten Generation einerseits Musiker mit Charisma in ihren Reihen hatten, zum anderen enormes spielerisches Können an den Tag legten und in der Lage waren mehrere Scheiben mit vielen Songs, die so was wie einen gewissen Wiedererkennungswert besaßen, zu kreieren.

Übrig geblieben sind davon 38 Special, deren letztes Werk auch schon wieder fünf Jahre zurück liegt, Molly Hatchet, die mit einer Live-Scheibe, sich an den Strohhalm des Nicht-Vergessens-Werdens, klammern und natürlich Lynyrd Skynyrd. Die Neuen, wie ich sie zu nennen pflege, hatten richtigerweise viele Kräfte gebündelt, vier sehr gute CDs produziert und mit „Edge Of Forever“ eines der stärksten Werke dieses Genres geschaffen. Trotzdem vermisse ich nach wie vor das Bekenntnis zur eigenen Identität, besonders bei Live-Konzerten. Die auch schon wieder recht lange Pause wurde wenigstens durch zwei ganz ordentliche Solo-Scheiben der Van Zant Brüder kompensiert.

Was ist aber mit dem Rest? Atlanta Rhythm Section und Southern Rock Allstars demonstrierten eindrucksvoll, wie man Southern Rock nicht interpretieren sollte, Aufhorcher gelangen Catawompus, Alligator Stew und den Regulators. Das meiste kreative und spielerische Potential entdecke ich eigentlich bei Calibre 12, aber der französische Gesang passt zu dieser Stilart wie das Doppelpassspiel zu unserer deutschen Fußballnationalmannschaft. Unsere zwei deutschen Bands geben sich zwar redlich Mühe, aber das gewisse Etwas fehlt meiner Meinung nach.

Henry Paul hat zumindest erkannt , dass mit Blackhawk im New-Country der Zahn der Zeit eher getroffen wird. Die Band liefert regelmäßig mit Erfolg ihre Alben ab, und bringt auch nach Van Stephensons schmerzlichem Tod demnächst eine neue CD raus. Als Ersatz für ihn transportiert Billy Crain vielleicht wieder ein wenig Southern-Esprit rüber.

Einen Leuchtstreifen am Horizont lassen auf jeden Fall Tow Truck Tom & The Roadside Wrecks aufblitzen, der eigentliche Grund für meine Ausführungen. Die 1998 gegründete Band veröffentlich ihre zweite CD, die sich in keiner Southern Rock- Sammlung verstecken braucht. Traditionelles Line-Up mit drei Lead Gitarren und das Album beinhaltet im Prinzip das gesamte Südstaaten Rock ABC, frisch, abwechslungsreich und unverbraucht dargeboten. Jede Menge Drive und Power, Slide-, Twin-Gitarren und Soli en Masse, eben alles was das Herz des Fans höher schlagen lässt.

Der Gesang ist auch ok. Man merkt, das die Leute nicht mit der Intension ans Werk gegangen sind, irgendwas krampfartig abzuliefern, wie zum Beispiel bei den Southern Rock Allstars. Nein, hier regiert offensichtlich der Spaß und ich vermute, dass die Band ein richtiger Live-Knüller ist. Geboten wird ein bunter Reigen quer durch die Southern Rock-Landschaft von Outlaws, Marshall Tucker, Allman Brothers, Lizard bis zur Southern Highway Band, um einige zu nennen, wobei viele Soli Molly Hatchet mäßig angelegt sind, trotzdem wird so was wie ein eigener Charakter sichtbar. Bis auf das Abschlussstück, das man, wenn überhaupt, besser als Hidden Track hätte bringen sollen, hat jedes Lied seinen eigenen Charme und irgendeines explizit herauszuheben, fällt schwer.

Meine Favoriten sind der Opener „Legacy“ mit seinem Finish, das gitarrenlastig rhythmisch dahinstampfende „Middle Of Nowhere“ und das leicht im Ohr hängen bleibende „Cold Outside“. Vielleicht werden mich jetzt einige selbst ernannte Puristen der Szene zerreißen, und mir nahe legen, ich sollte mich doch lieber der New Country Musik zuwenden, was mir aber relativ egal ist. Ich ziehe jedenfalls meinen Hut vor Tow Truck Tom! So kann Southern Rock weitergehen, Nachzügler sind gern gesehen, vielleicht gibt es dann auch so was, wie eine kleine Renaissance. Zu wünschen wäre es jedenfalls…

P.S.
Die Band hat mittlerweile den Zusatz ‚The Roadside Wrecks‘ aus ihrem Namen gestrichen.

Eigenproduktion (2002)
Stil: Southern Rock

01. Legacy
02. Dawn Breaks
03. Middle Of Nowhere
04. Turn Towards Tomorrow
05. Shake Me Break Me
06. When The Wave Hits The Shore
07. Cold Outside
08. Spanish Fly
09. We Lied
10. Still Be Your Fool
11. Guy In A Bar

Tow Truck Tom
Bärchen Records

Worry Stones – You Don’t Know What You’re In For – CD-Review

Worry

Die CD „You Don’t Know What You’re In For“ der Worry Stones ist zwar schon bereits 2003 erschienen und eine neue soll auch bereits in Planung sein, passt aber ganz gut in die jetzige Jahreszeit, wo die ersten länger währenden Sonnenstrahlen langsam den Trübsinn der kalten verregneten Vormonate aus dem Gedächtnis drängen.

Insgesamt typische Schönwettermusik, aber mit viel Stil, die ich jedem „Oben-Ohne“-Fahrer ans Herz legen möchte, der sich gerne gemütlich im Fahrtwind von der Natur und angenehmer Musik berauschen lässt, also im Prinzip nichts für diejenigen der Zunft, die den kreischenden Kavalierstart vor der örtlichen Eisdiele als höchstes Gut betrachten.

Die Band um Frontmann Tim Metz und dem exzellenten Gitarristen Erich Wildemann, genannt nur Erich, bisher unverständlicherweise ohne Plattendeal, demonstriert die Leichtigkeit des musikalischen Seins in Form von schönen energiegeladenen Uptemponummern, die schlicht weg gute Laune machen.

Dabei bewährt sich ein relativ einfaches und fast durchgehend gleichbleibendes Strickmuster. Ruhiges Intro, dann übernehmen pulsierende Drums und rhythmische E-Gitarren das Ruder. Dazu gesellen sich immer wieder Piano- oder Hammondeinsätze. Die weich kratzige Stimme von Tim Metz passt sich variabel dem Tempo der Stücke an, Kollege Erich lässt in virtuoser Manier das eine oder andere starke, manchmal sogar southernlastige Solo los.

Hier und da werden ein paar karibische und leicht psychedelisch angehauchte Klänge eingeflochten. Vieles erinnert an Sister Hazel, vor allem stimmlich haben Tim Metz und Sister Hazel-Leader Ken Block einiges gemeinsam (Tracks 1,2,5,9), wobei hier aber das eine oder andere kommerziell ausbaufähige Lied a là „All For You“ meines Erachtens fehlt. Del Amitri gegen Ende der Neunziger Jahre (3,7), die rockigeren Stücke von Soulsister (6,7), Venice (4) und Hootie & The Blowfish kann man noch zum Teil als Musterquellen anführen.

Eine Band mit sehr viel Potential, die sich hoffentlich nicht von den Zwängen des Marktes einvernehmen lässt und da locker weitermacht, wo sie mit diesem Album aufgehört hat.

Eigenproduktion (2003)
Stil: Rock

01. Friday Night Fights
02. I Can’t Believe
03. Some Things
04. Dreams
05. I Might
06. Salt Shaker
07. She’s Not Even Done
08. #3
09. Turn Around
10. Land Lover

Bärchen Records

Wrinkle Neck Mules – Apprentice To Ghosts – CD-Review

Wrinkle

Wow, was für ein Kracher! Die neue Scheibe „Apprentice To Ghosts“ von den Wrinkle Neck Mules stellt wirklich all das bisher Geleistete deutlich in den Schatten und dürfte auch im Americana-/Roots Rock-Sektor 2012 generell für Furore sorgen.

Ich besitze aus dem früheren Fundus der Band aus Richmond, Virginia, bisher zwei Werke („Pull The Brake“ und „The Wicks Have Met“), die mir gefallen, mich aber nicht sonderlich tangiert haben. Zwar ist auch hier immer das Potential der Musiker zu erkennen gewesen, aber die Songs waren mir oft doch zu sperrig, staubig und nicht eingängig genug, da ich letztendlich doch eher ein Vertreter harmonischerer Töne bin.

Das hat sich mit „Apprentice To Ghosts“ jedoch grundlegend geändert. Die Band zaubert wie am Schnürchen starke Refrains/Hooklines mit hohem Wiedererkennungswert aus dem Köcher, ohne dabei auch nur im Ansatz mit irgendwelchen kommerziellen Hintergedanken zu kokettieren. Ganz im Gegenteil, die Songs besitzen nach wie vor ihre Ecken und Kanten, packen aber selbst melodieverwöhnte Leute wie mich bei der Seele.

Hinzu kommt, dass die Produktion (wieder unter Mithilfe von Chris Kress) der live im Studio eingespielten Tracks (!), die dazu ohne allzu großen nachträglichen technischen Firlefanz auskommt (kaum Overdubs), erheblich knackiger ausgefallen ist. Ein weiterer Aspekt ist die deutlichere Dominanz der E-Gitarre (auch zahlreiche Soli), die vielen Tracks eine rockigere Note verleiht. Aber auch mit Pedal Steel, Banjo und Mandoline werden wieder genügend genre-typische Akzente eingeflochten.

Selbst wenn die Lead Vocals teilweise freudig hin- und hergereicht werden (die tollen Harmoniegesänge sind natürlich ebenso vertreten), setzt sich hier Andy Stepanian mit seinem kauzigen Organ doch ein wenig von den Kollegen (Mason Brent – lustig. Der WMN-Saitenvirtuose heißt genau anders herum wie Brent Mason, einer meiner Lieblingsgitarristen der Nashville-Studiomusiker-Zunft; dazu kommen noch Brian Gregory, Stuart Gunter, Chase Heard) ab, die sich dafür aber auf der instrumentellen Seite umso mehr ins Zeug legen.

Irgendwelche Stücke hier herauszuheben oder die Lieder umfangreich zu beschreiben, bringt meiner Ansicht nach wenig, das Niveau ist durchgehend stark, die Scheibe kurzweilig und abwechslungsreich.. Ich möchte hier bewusst auch nicht die Spannung vorwegnehmen.

Blue Rose (zum dritten Mal hintereinander Label der WNM) hat hier einen ganz dicken Fisch an der Angel. Kaufen, genießen und sich überraschen lassen! Vertrauen Sie mir! „Apprentice To Ghosts“ der Wrinkle Neck Mules ist Americana/Roots Rock der ganz gehobenen Extraklasse geworden. Alle Texte sind in einem 16-seitigen Booklet mit beigefügt. Bestnote und ein glasklarer Tipp!

Blue Rose Records (2012)
Stil: Americana / Roots Rock

01. When The Wheels Touch Down
02. Stone Above Your Head
03. On Wounded Knee
04. Apprentice To Ghosts
05. Patience In The Shadows
06. Double Blade
07. Parting Of The Clouds
08. Leaving Chattanooga
09. Liberty Bell
10. Banks Of The James
11. Central Daylight Time
12. Dry Your Eyes

Wrinkle Neck Mules
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Blue Rose Records

Brock Zeman – Me Then You – CD-Review

Zeman

Brock Zeman ist wieder mal der eindrucksvolle Beweis für die schöne und spannende Seite des Lebens als Online-Musik-Redakteur. Ich hatte bezüglich seiner CD „Me Then You“ nur kurz und oberflächlich in ein paar Soundfiles reingeschnüffelt und auf Verdacht die Scheibe mal angefordert. Eigentlich hatte ich schon am nächsten Morgen wieder vergessen, was ich getan hatte und harrte einfach der Dinge, die da auf mich zukommen mochten. Auch dies gehört (leider) zum Alltag, wenn man quasi sintflutartig mit Musik konfrontiert wird.

Einige Tage später trudelte das Teil ein und wurde erst mal in die Reihe der noch dringlicher zu besprechenden Sachen hinten angestellt. Irgendwann war es dann soweit. Ich halte eine schlicht, aber schön illustrierte CD in traditioneller Hülle in den Händen, das einliegende vierseitige Klapp-Booklet gibt die nötigsten Informationen her. Ich denke – aha – viele Gitarren (stark. Blair Hogan), Pedal Steel (Anders Drerup) und zwei weibliche Backgroundsängerinnen (Kelly Prescott und Cindy Doire) bei einigen Tracks, das könnte durchaus was für mich sein.

Und so ist es dann auch. Der aus dem kanadischen Carleton Place, Ontario, stammende Brock Zeman liefert auf seinem 9. Werk eine hochmelodische, textlich intelligente und humorvolle sowie mit einiger instrumenteller Finesse ausgestattete Scheibe ab, die richtig Spaß bereitet. Und schon meldet sich stante pede das schlechte Gewissen, diesem Künstler bisher keine Beachtung geschenkt zu haben. Denn sowohl die Eingängigkeit und Struktur seiner Songs als auch seine gesanglichen Fähigkeiten wissen auf ganzer Linie zu überzeugen.

Zeman bietet eine Mischung aus melodischen Rocksongs, die mal geradlinig (Richtung Stones, Casino Steel) durchgezogen werden oder z. T. mit Roots- (Chris Knight & Co.), Country- (Bobby Pinson, The Great Divide / Mike McClure) und auch ganz entfernt mit etwas Rockabilly-Elementen (aber wirklich nur hauchzart, Marke Brian Setzer, typischer Retro-Klang der Gibson-Gitarre bei Stücken wie „Push Them Stones“ oder dem bluesig angehauchten „Claws“) modifiziert werden.

Sein Gesang erinnert mich manchmal auch an den von Mick Jagger, sodass teilweise die o. a. ’stoneske‘ Note ins Spiel kommt. Oft allerdings auch an die kauzige Manier eines Bobby Pinson, einer der gefragtesten Songschreiber in Nashville, der ab und zu auch mal selber musikalisch zulangt. In einem anderen, englischsprachigen Review wird er sogar mit einem jungen Tom Waits verglichen. Mein persönlicher Favorit unter den durchgängig guten Songs ist das wunderbar eingängige und mit vielen schönen Gitarren (herrliches Southern-inspiriertes E-Solo), Piano und Hammond bestückte „Criple Crown“. Ein exzellenter Ohrwurm, Carl Carlton lässt hier grüßen.

Streiten kann man sich vielleicht über den letzten Song „Rain On The Roof“, der hier in zwei Teilen präsentiert wird. Mir persönlich hätte die mit Piano und Pedal Steel verzierte erste Kurzversion gereicht. Die fließend übergehende zweite Fassung in fast epischer Art mit hypnotisch anmutenden Streichern und Trompeten sowie Regen-/Gewittergeräuschen angereichert, wird dann letztendlich mit noch mal fast zehn Minuten on top doch etwas langatmig und bildet zu den ansonsten relativ kompakt gehaltenen Liedern einen zu starken Kontrast. Vornehmlich Musikhörer mit dem Hang zur anschließenden Meditation könnten hier begeistert sein.

Insgesamt liefert Brock Zeman, der auch andere Künstler produziert, mit „Me Then You“ ein sehr überzeugendes und sympathisches Album ab, das eigentlich eine große Zuhörerschaft verdient hätte. Echter, überraschender Qualitätsstoff aus Kanada (wie so oft…). Wieder mal eine kleine Perle und auch einen hochqualifizierten Musiker entdeckt! Gute Wahl, DD!

Mud Records (2012)
Stil: Rock & More

01. Push Them Stones
02. Until It Bleeds
03. Triple Crown
04. Someone For You
05. Light In The Attic
06. Claws
07. End Of The World
08. Season Of Sleep
09. Rain On The Roof #1
10. Rain On The Roof #2

Brock Zeman
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Mike Zito – Greyhound – CD-Review

Zito

Mike Zito zählt für mich persönlich zu den wenigen Blues Rock-Musikern, die ich schon nach wenigen Momenten in mein Herz geschlossen hatte. Steve Schuffert, Davy Knowles oder Mark Selby sind ähnliche Vertreter. Warum? Sie können im Gegensatz zu vielen anderen (meist überbewerteten) Vertretern dieser Zunft recht gut singen, zeichnen sich als veritable Songwriter aus und präsentieren ihren Blues Rock relativ facettenreich und durchweg melodisch.

Der aus St. Louis stammende Mike Zito war lange Zeit ein getriebener Mensch. Hoch talentiert, setzte er sich teilweise in seinem musikalischen Anspruchsdenken zu sehr unter Druck und stand sich dabei oft selbst im Weg. Die Flucht in Drogen tat, wie bei vielen Musikern, ihr Übriges dazu. Erst als ihn Walter Trout nach einem Gig zur Seite nahm und ihm ordentlich den ‚Kopf wusch‘, trat die Kehrtwende zum Positiven ein.

Zito zog nach Texas, lernte seine Frau kennen. Es ging privat wie beruflich wieder bergauf. Der Titelsong seines starken „Pearl River“-Albums von 2009 heimste den Titel ‚Song Of The Year‘ bei den Blues Music Awards ein. Bei Samantha Fishs letzter CD Runaway leitete er sogar die Produktion und sang mit ihr ein schönes Duett. Mittlerweile hat er mit „Greyhound“ einen neuen eigenen Lonplayer am Start, der auch wieder durchweg überzeugt.

Viele Titel des Werkes haben im weitesten Sinne mit den diversen Formen von ‚Bewegung‘ (sei es auf dynamische oder auch statische Weise) zu tun, so dass die Vermutung eines autobiografischen Charakters angesichts Zitos rastloser Vergangenheit nahe liegt.

Produziert hat der vielseitige Singer/Songwriter Anders Osborne (u. a. Tab Benoit), der in Zusammenarbeit mit Leuten wie David Z (Mix), David Farrell (Engineering) und Ray Kennedy (Mastering) für einen schönen klaren, transparenten Sound gesorgt hat. Stücke wie u. a. das eröffnende „Roll On“ (schöner, recht monoton stampfender Rocker), der melodische Titeltrack „Greyhound“ (mit einem Hauch von Frankie Miller-Flair), das mahnende „Judgement Day“ (Mike ‚predigt‘ hier herrlich grimmig im Stlie eines John Lee Hooker, Co-Writer Nashville-Songwriter Gary Nicholson!), das nach psychedelisch-hendrixschem Vorbild gespielte „Show Me The Way“ (mit teilweise hypnotisch wirkendem Refrain), „Motel Blues“ (semiakustischer trauriger Country-Blues) oder der am Ende zum niederknieende Slow Blues „Please Please Please“ bieten einmal mehr hochunterhaltsame, abwechslungsreiche Blues Rock-Kost, deren gemeinsamer Nenner an Zitos vorzüglichem, sehr variabel dargebotenen Slidespiel auszumachen ist.

Mit „Greyhound“ ist Mike Zito ein weiteres tolles Album gelungen. Nach den starken „Today“ und „Pearl River“ schon das dritte richtig gute hintereinander. Die Formkurve zeigt eine mittlerweile erstaunliche Konstanz auf hohem Niveau. Einen ganz dezenten Abzug gibt es nur für die falsche Trackliste auf dem Backcover (die letzten drei Lieder sind falsch nummeriert). Schön wäre es, wenn man mal die Gelegenheit bekäme, ihn hier in unseren näheren Gefilden live begutachten zu können. Alles in allem großes Lob von meiner Seite, Mike Zito!

Eclecto Groove Records (2011)
Stil: Blues Rock

01. Roll On
02. Greyhound
03. Judgement Day
04. Show Me The Way
05. The Hard Way
06. Motel Blues
07. Stay
08. Until The Day I Die
09. Hello Midnight
10. The Southern Side
11. Please Please Please

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Drew Womack – Same – CD-Review

Vorweg eine schlechte Nachricht: Drew Womack hat nach 14-jähriger Tätigkeit seinen Dienst als Frontmann der äußerst beliebten New Country-Truppe Sons Of The Desert eingestellt! Die gute aber lautet – und das ist das entscheidende: Er legt ein wahrhaft meisterliches Solodebut vor, eine nahezu ideale Kombination aus sehr knackigem, frischem, von traumhaften Melodien durchzogenem New Country und Countryrock/-pop zwischen erdiger texanischer Ursprünglichkeit und dem „Glanz“ Nashvilles! Irgendwo war klar, daß ein musikalischer Charakterkopf, wie ihn Sänger, Multiinstrumentalist und Songwriter Drew Womack nun einmal darstellt, nicht weiter untätig bleiben würde, nachdem es schon über zwei Jahre um die „Sons“ recht ruhig geworden war.

Trotz zweier klasse CDs „Whatever Comes First“ (1997) und „Change“ (2000), gelang es der Band aufgrund ständiger Unruhen (Labelwechsel / interne Umstrukturierungen) nicht, aus ihrem ohne Zweifel großen musikalischenPotential die entsprechenden Früchte zu ernten. Nachdem alle rechtlichen Fragen geklärt waren (Drew kann über alle SOD-Songs frei verfügen), ist der Alleingang die wohl logische und begrüßenswerte Konsequenz des Ganzen, zumal das Tuch zwischen ihm und den Ex-Kollegen nicht völlig zerschnitten zu sein scheint. Denn bis auf Drummer Brian Westrum sind alle Mitstreiter vergangener Tage auf seinem Debüt involviert.

Der mittlerweile in Austin, Texas ansässige Singer/Somgwriter sprüht geradezu vor Energie und brennt ein richtiges Feuerwerk an erstklassigen Songs ab, von denen aber auch kein einziger einen Ausfall darstellt. Im Dunstkreis der etablierten Texas-Szene von Leuten wie Radney Foster, Rodney Crowell, Pat Green, Chris Knight & Co. trifft er zielsicher den schmalen Grat zwischen rootsigen Texas „Red Dirt“-Anlagen, Alternate Country, dezent poppigen, manchmal von einem gewissen Wedstcoast-Feeling umhauchten Countryrock-Elementen und radiofreundlichen Nashville-Strömungen nahezu perfekt. Drew Womack hat konstant und spürbar erfolgreich an seiner Weiterentwicklung gearbeitet.

Seine Musik ist ein wenig kratziger, kantiger und auch etwas rockiger geworden, gewinnt an großer Reife, ohne dabei auf ganz wunderbare Melodien zu verzichten. Drews Stimme klingt weiterhin frisch und nach wie vor unverwechselbar. „Premium Gasoline“ beispielsweise könnte mit seinem Speed problemlos auf jeden, in der NASCAR-Rennsportserie so beliebten Sampler gepackt werden, „To Her And Back“ glänzt durch rockige Gitarrenriffs und leichtem 70er Flair, „Fastest Way To Texas“ unterstreicht Womacks Singer-, Songwriterambitionen mit atmosphärischem Touch und roher Darbietung der Marke Ingram & Co, „Fine Art Of Failure“ ist ein rhythmischer Country-Rock’N’Roller mit typischer Gitarre und viel Dampf, wie es etwa bei Pat Green sehr oft zu beobachten ist.

Natürlich gibt es auch jede Menge „Sons Of The Desert“-Feeling: Die aktuelle Single „Hey Daisy“ gleitet mit lockerer Banjountermalung, dezenten Mundharmonikaeinlagen und schönen Harmoniegesängen westcoastmäßig leicht ins Ohr. Gleiches gilt für den Power-Lovesong „That’s Just Me“ und das knackige „Waitin’ On A Bullet“. Stark auch der von Radney Foster mitkomponierte, knacjige, ungemein frische Countryrocker „Any love at all“ mit seiner traumhaften Melodie! Besonderes Bonbon für alle „Sons“-Fans: Das einst sehr pianoträchtige Liebeslied „Leaving October“ von derem ersten Werk „Whatever Comes First“ präsentiert Womack in einer Neueinspielung durch Umwandlung der Tastenparts in Electric-Dobro-Töne und mit dezenten Hammond-Tupfern in einem völlig neuen, aber wunderschönen Gewand. Der Song wirkt dadurch viel ursprünglicher und geht mehr in die Tiefe.

„Melancolic Cafe“ (nur Drew/Gesang und Ex-Sons-Keyboarder Scott Saunders/Akustik-Piano) lässt, wie es der Titel schon ausdrückt, eine knappe Stunde feinster Musik melancholisch ausklingen. Ein geschmackvolles Booklet, inclusive aller Texte, rundet dieses Klasse-Werk zusätzlich positiv ab. Das Teil müsste eigentlich ein Bestseller werden. Verdient hätte er es mit dieser starken Musik auf jeden Fall! Fazit: Die Vergangenheit war Sons Of The Desert, die Zukunft heißt Drew Womack!

Smith Music Group (2004)
Stil: New Country & More

01. Hey Daisy
02. Any Love At All
03. Premium Gasoline
04. That’s Just Me
05. Leaving October
06. To Her And Back
07. Fastest Way To Texas
08. Waitin‘ On A Bullet
09. Devil’s Working Overtime
10. Fine Art Of Failure
11. Tearin‘ It Up Tonight
12. Melancholy Cafe

Drew Womack
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Rambler (Country) – Starting Over – CD-Review

ramb

Man kann schon wirklich neidisch werden, wenn man einmal mehr in der Biographie einer talentierten New-Countrygruppe liest, mit wem sie schon alles als Tour-Support in Amerika unterwegs gewesen ist. Wenn man sich dann vorstellt, was einem in Deutschland so alles an Konzerten verwehrt und in Zukunft wohl auch vorenthalten bleiben wird, kommt noch jede Menge Resignation dazu.

Leider ist unsere Heimat in Sachen New-Country ein Entwicklungsland, so unbefriedigend diese Feststellung auch sein möge. Ein Gig von Garth Brooks vor vielen Jahren in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle, die den Megastar damals enthusiastisch feierte, wird hierzulande mein Highlight bleiben.

Auch Rambler haben bereits mit zahlreichen Größen des Musikgeschäfts, wie z.B. Charlie Daniels, Alabama, Tim McGraw, The Great Divide, Bad Company und natürlich Garth Brooks ein Stelldichein auf der Bühne gehabt. Und wie es ihr Name andeutet (Rambler = Wanderer), kann man ihre neuste CD „Starting Over“ als einen bunten Streifzug durch die moderne und traditionelle Countrymusik und ihre angrenzenden Stile wie Southern Rock, Hillbilly und Americana betrachten. Dabei haben sie viele Einflüsse ihrer Konzertpartner mit in ihre Songs verarbeitet. Der Gesang variiert irgendwo zwischen Great Divide Frontmann Mike McClure und Garth Brooks, manchmal klingt er komischerweise ein wenig nach Mick Jagger.

Rambler gefallen mir am besten, wenn sie locker und flapsig gut gelaunt drauflos spielen, wie beim Opener „Jonny’s Gone“, „Then There Was You“ oder dem Titelstück „Starting Over“. Tolle Rhythmen, Melodien, die sofort im Ohr bleiben, kurze Gitarrensoli, laden einfach herrlich zum Mitwippen ein.

Hervorragend auch „I Ain’t Drinkin‘ Any Less“, bei dem man meinen könnte, Charlie Daniels, Garth Brooks und die Marshall Tucker Band hätten sich zu einer Jam-Session getroffen, um eine neue Version des CDB-Klassikers „Trudy“ einzuspielen; lustiger Text und ein Dreier-Solo-Pack (Honkytonkpiano, Steel- und E-Gitarre) am Ende, wie man es häufiger bei der MTB vorfindet. Balladenfreunde kommen beim Killerstück „Whiskey Song“ auf ihre Kosten, mit klasse Gitarren und wunderschöner Hammond B-3-Begleitung.

Ein paar wenige traditionelle Heuler sind zwar auch auf der Scheibe, aber insgesamt gesehen, sollte sie auf keiner Grillparty beim gemütlichen Plausch als Hintergrundmusik fehlen. JR Ewings verschmitztes Lächeln mit einem Gläschen Whisky in der Hand beim Southfork-Barbecue wäre ihnen jedenfalls sicher gewesen…

Southwest Wholesale Records (2001)
Stil: Country Rock

01. Jonny’s Gone
02. I Ain’t Drinkin‘ Any Less
03. Do You Remember The Good Times
04. It’s Just Fine By Me
05. The Whiskey Song
06. Bottle Of Wine And A Memory
07. Same Old Feelin‘
08. Then There Was You
09. Starting Over
10. Drofter’s Lament
11. You Don’t Love Me Anymore
12. Mexican Stripper
13. No Words

Bärchen Records