Samantha Martin & Delta Sugar, 05.11.2021, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Was für ein Abend mit Samantha Martin & Delta Sugar in der erstmals seit langem wieder ausverkauften Kulturrampe. Ok, ganz so viele Konzertgelegenheiten hat es seit dem Corna-bedingten Lockdown in der Krefelder Location ja auch noch nicht gegeben. Aber immerhin fand auch parallel zur gleichen Zeit ein Mega-Sport-Event im naheliegenden Mönchengladbach statt (Borussia Mönchengladbach Ü23 – Rot-Weiss Essen 1:2). Wie bekannt, war man ja in den etwas wärmeren Zeiten mit Open-Air-Events in den ebenfalls schönen Schlachtgarten ausgewichen.

Apropos schön, in dieser Phase haben Leute um Pille Peerlings herum, mit viel Engagement der Rampe ein neues Antlitz verpasst, das ich an diesem Abend zum ersten Mal in Augenschein nehmen durfte. Der Outdoor-Bereich wurde relativ unscheinbar aufgewertet, im Großen und Ganzen so belassen, er wirkt aber trotzdem deutlich einladender.

Der entscheidende Durchbruch wurde allerdings durch einen Durchbruch der Wand zwischen dem ‚Kneipenbereich‘ und dem Bühnenareal erreicht, der der Location ein deutlich großzügigeres und ‚luftigeres‘ Ambiente vermittelt. Gemütlichkeit wird durch die vielen schönen Accessoires, die stilvolle Beleuchtung und noch eine rötlich verziegelte Seitenwand vermittelt. Alles in Allem ein echtes Kompliment an die Macher, klasse Arbeit!

Gegen 21:15 Uhr betrat Rampenchef Pille Peerlings wie gewohnt zur Ansage die im bisherigen Format belassene, enge Querbühne und ließ in spitzzüngiger humorvoller Manier seine Begrüßungsworte in Richtung der zahlreich erschienenen Audienz los. Danach folgte dann stante pede die recht klein gewachsene, aber mit umso größerer Stimme gesegnete Kanadierin Samantha Martin und ihr Begleit-Line-up und verwandelte die Rampe in zwei Sets mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Funk, Soul, Blues, Country und Rock, in einen brodelnden Tanzkessel.

Im Fokus stand natürlich ihr neues Album „The Reckless One“ mit vielen Tracks wie u. a, „Love Is All Around“, „Don’t Have To Be“, So I Always Know“, I’ve Got Afeeling“, „Pass Me By“ und „Lovin You Is Easy“, aber auch Sachen des Vorgängers „Run To Me“ wie „Good Trouble“, „You Are The Love“ oder „All Night Long“.

Mein Favorit des ersten Sets war allerdings das swampig-countryeske, an Lucinda Williams erinnernde „Dark Angel“, wo der wieder mit seinem unaufdringlichen, aber sehr quirligen Begleit- und Hintergrund-E-Gitarrenspiel glänzende Curtis Chaffey ein herrliches Solo in bester Southern Rock-Qualität hinlegte.

Auch der rauschebärtige Keyboarder Jeff Heisholt trug ebenso, wie die satt groovende Rhythmusfraktion mit dem starken Drummer Will Fisher und Bassist Ian MacEwan, mit seiner weitgefächerten Tasten-Arbeit (Orgel, E-Piano, HT-Piano) viel zum prallen Gesamtsound der Kanadier bei. Die beiden Backgroundsängerinnen Sherie Marshall (mit beeindruckender Afro-Mähne) und Aisha Jarvis sorgten allein schon durch ihre Präsenz samt ihrer gospeligen-souligen ‚Uuhs‘ und ‚Aahs‘ für weitere vokale Würze zur Stimmgewalt der bestens aufgelegten und energiegeladenen Fronterin.

Grandiose Stimmung (wie heiß es in der Rampe zuging, kann man auch auf der unten anhängenden schönen Bildergalerie des Kollegen Mangold gut nachvollziehen) erzeugten natürlich besonders die gelungenen Coverversionen wie das fröhlich rockende „Happy“ der Stones in Set 2, aber besonders die beiden Zugabennummern am Anfang mit „Proud Mary“, das mit seinem langsameren Beginn (samt Publikumsmitsinginteraktion) und umso temperamentvollen Umschwung in eine Speedversion, am Ende sofort mal die, durch den Durchbruch verursachte Statikveränderung der Rampe auf eine harte Probe stellte. Das Publikum tanzte, tobte und wollte Nachschlag.

Zum Runterkommen gab es dann noch mit „Sweet Love“ von Lucinda Williams eine echte Perle. Samantha fing zunächst alleine mit der Akustikgitarre singend an, dann gesellten sich peu à peu Gitarrist Chaffey (mit gefühlvollem E-Solo), die beiden Backgroundsängerinnen und letztendlich Keyboarder Jeff Heisholt dazu (die Rhythmusfraktion durfte sich schon das Feierabendbier gönnen) und ließen diesen herrlichen Abend, im Country-Ambiente sanft und dennoch stimmungsvoll ausklingen.

Wie schon vor knapp drei Jahren bei ihrem Gig an gleicher Stelle bewiesen Samantha Martin & Delta Sugar, dass ihre Auftritte immer als Pflichttermin eines rockmusikbegeisterten Konzertgängers im Kalender stehen sollten. Kaum war der Gig vorbei, stand die sympathische und lebensfreudige Protagonistin schon wieder am Merchandising-Stand im gemütlichen Thekenbereich zum Signieren und Smalltalk für ihre Fans zur Verfügung. Mit eines der echten Highlights dieses Jahres!

Line-up:
Samantha Martin (lead vocals, acoustic guitar, percussion)
Curtis Chaffey (electric guitar)
Ian MacEwan (bass)
Will Fisher (drums)
Jeff Heisholt (keys)
Sherie Marshall (bgv, percussion)
Aisha Jarvis (bgv, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Samantha Martin & Delta Sugar
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Danny Bryant – The Rage To Survive – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Seit dem 29. Oktober liegt nun Danny Bryants zwölftes Album in den Läden und wartet auf hoffentlich zahlreiche Käufer aus der Blues Rock-Fraktion. Es trägt den Namen „The Rage To Survive“ und kann nach seinem 2019‘er Vor-Corona-Album „Means Of Escape“ durchaus als eine Aufarbeitung der bei Bryant durch die Pandemie hervorgerufenen Emotionen und Erfahrungen verstanden werden, die der Brite in gefühlvollen und nachdenklich stimmenden Texten verarbeitet und zu Gehör bringt. Und selbstverständlich stammen auch alle Melodien und Arrangements aus seiner Feder.

Zudem wurde die Scheibe in den bekannten Chapellier-Studios in Lincolnshire, GB, aufgenommen, wobei es Bryant ein besonderes Anliegen war, die Platte live einzuspielen, um all die in der Corona-Zwangspause aufgestaute Energie zusammen mit seinen Mitstreitern rauszulassen und rüberzubringen. Was den Jungs nach meiner Ansicht auch prima gelungen ist, das Album deckt die gesamte Gefühlsbreite von hoch emotional bis rockig-hart ab.

Der kraftvoll-raue Titeltrack „The Rage To Survive“ mit seinen teilweise sägenden Gitarrenriffs macht sofort unmissverständlich klar, wohin die musikalische Reise dieser CD in weiten Teilen führt. „Trouble With Love“ stampft zwar etwas weniger rockig, besticht aber durch eine harte Basslinie.

Das folgende „Invisible Me“ (6:30 Minuten Spielzeit !) ist ein sehr gefühlvoller, aber tiefschwarzer Blues mit einem feinen Trompetenintro, gefolgt von Pianoklängen und Bryants leicht verhalltem Gesang, an das sich das von Keyboarduntermalung beherrschte Midtempo-Stück „Rescue Me“ anschließt.

Zur Halbzeit nimmt „Falling Tears“ im Vergleich zu den vorherigen Songs eine Sonderstellung ein, handelt es sich doch um einen rein akustisch gespielten, sehr schönen Blues. Mit „Make Me Pay“ gibt‘s dann einen ordentlichen Oldschool-Blues Rock mit wabernden Keys und dezentem Pianogeklimper im Back auf die Ohren, danach lädt „Rain Stopped Play“ zum Relaxen und Träumen ein und das flotte Instrumentalstück „Looking Good“ kommt mit seinen Bläsersätzen leicht jazzig daher. Ein treibender, in die Beine gehender, Rock’n’Roll-Knaller ist dann noch einmal „Till The Bottle Runs Dry“ bevor die Scheibe mit der ruhigen Ballade „Westport“ zu Ende geht.

Mit „The Rage To Survive“ legt Danny Bryant sein wohl persönlichstes und ausdrucksstärkstes Album vor und zeigt einmal mehr seine großen Qualitäten als Gitarrist, aber auch als feinfühliger Texter und Songwriter. Seine raue und teilweise etwas kehlig klingende Stimme passt wunderbar zu seinen ehrlichen Songs und geben ihnen den letzten Schliff. Und letztendlich kommt es ja auch nur auf die Emotionen an.

Wer nun neugierig geworden ist, hat dieses Jahr im November/ Dezember reichlich Gelegenheit Danny Bryant live zu erleben (siehe dazu auch unsere Konzerttipps). 

Jazzhaus Records (2021)
Stil: Rock / Blues

Tracks:
01. The Rage To Survive
02. Trouble With Love
03. Invisible Me
04. Rescue Me
05. Falling Tears
06. Make Me Pay
07. Rain Stopped Play
08. Looking Good
09. Till The Bottle Runs Dry
10. Westport

Danny Bryant
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Another Dimension

Davy Knowles – What Happens Next – CD-Review

Review: Jörg Schneider

In den nächsten Tagen erscheint das neueste Album des in Illinois lebenden Gitarristen Davy Knowles. Mit „What Happens Next“ setzt er nun nach dem 2014 erschienenen Werk „The Outsider“, und dem 2016’er Album „Three Miles From Avalon“, um nur zwei zu nennen, die Reihe seiner erfolgreichen und von den Kritikern hoch gelobten Alben fort.

Das aktuelle Album enthält zwölf schöne, rockige und bluesige Nummern, teilweise garniert mit dezenten Folk-, Americana- und Soul-Einflüssen. Die Scheibe startet dann auch mit dem riffigen Rocker „Light Of The Moon“, umweht von Keyboardklängen wie aus den 60‘ern und einem leicht souligen Gesang und einprägsamen Refrains. Und im Anschluss geht’s rockig, stampfend mit „Heartbreak Or Nothing“ weiter, bevor die bluesige, Americana-beeinflusste Nummer „Roll Me“ mit eingängigen Gesangseinlagen folgt.

Auch im weiteren Verlauf wechseln sich auf der CD rockige und bluesige Songs ab. Da gibt es das fröhlich-fetzige „Get Lucky“, das seinem Titel alle Ehre macht, und mit einem etwas funkigen Intro aufwartet sowie das leicht verhallte Bluesepos „Devil And The Deep Blue Sea“, mit knapp 5 1/2 Minuten Spieldauer der längste Track auf dem Album. Die Titel „One & The Same“ (mit wiederkehrenden rockig-scharfen Riffs) und „Solid Ground“ mit stakkatoartigem Grundthema befriedigen die Bedürfnisse der Liebhaber einer härteren Gangart. „River“ hingegen überzeugt als Blues durch seine Pianobegleitung und den folkbeeinflussten Gesang von Davy Knowles.

Rhythmisch rockig wird‘s dann wieder mit der „Side Show“ (mit wiederkehrendem starken Bassmotiv), während „Wake Me Up When The Nightmare‘s Over“ wesentlich melodiöser ist und leichte Southern-Americana-Einflüsse aufweist. Und zwischen beiden Songs ist das einfühlsame und nachdenklich stimmende „Hell To Pay“ zu hören. Zum Abschluss präsentiert Davy Knowles schließlich sein wohl persönlichstes Stück „If I Ever Meet My Maker“, eine feine Folk-Ballade im Fingerpicking-Stil auf der Akustikgitarre.

Mit „What Happens Next“ beweist Davy Knowles einmal mehr seine Qualitäten als Blues-Rock Gitarrist und Songwriter: kraftvolle und bissige Riffs in den rockigen Titeln und lässig subtile Gitarrenarbeit bei den eher ruhigeren Songs, immer gepaart mit gefühlsbetonten Gesangseinlagen, insbesondere bei den zahlreichen Bluesnummern. Unter dem Strich also ein empfehlenswertes Album für Blues Rock-Enthusiasten.

Provogue Records (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Light Of The Moon
02. Heartbreak Or Nothing
03. Roll Me
04. Get Lucky
05. Devil And The Deep Blue Sea
06. One & The Same
07. Solid Ground
08. River
09. Side Show
10. Hell To Pay
11. Wake Me Up When The Nightmare‘s Over
12. If I Ever Meet My Maker

Davy Knowles
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Lucinda Williams – Bob’s Back Pages: A Night With Bob Dylan Songs – CD-Review

Review: Michael Segets

Lucinda Williams setzt ihr Projekt Lu’s Jukebox mit der zeitgleichen Veröffentlichung von zwei Alben fort: „Bob’s Back Pages: A Night With Bob Dylan Songs“ und „Funny How Time Slips Away: A Night Of 60’s Country Classics”. Nach Tom Petty widmet Williams nun also Bob Dylan einen Platz in ihrer Coverreihe.

Der Nobelpreisträger feierte dieses Jahr seinen achtzigsten Geburtstag. Da liegt eine musikalische Würdigung nahe. Chrissie Hynde machte bereits einen Aufschlag und Williams folgt nun, wobei die Aufnahmen des Albums aus dem letzten Jahr stammen. Tribute-Alben für Bob Dylan stellen keine Seltenheit dar. Joan Osborne und Willie Nile kommen mir spontan in den Sinn, die seine Songs in eigenen Versionen einspielten. Die Besonderheit von dem Werk, das nun Williams vorlegt, besteht in der Songauswahl: Von Dylans bekanntesten Stücken ist keines von ihr berücksichtigt. Der Titel „Bob’s Back Pages“ deutet ja bereits darauf hin, dass eben nicht seine Hits in neues Licht gerückt werden.

Williams nimmt sich in erster Linie fünf Alben des Großmeisters vor, von denen sie fast vergessene Titel interpretiert. Dabei berücksichtigt sie seine Werke von den 1960ern bis in die 1990er. Von dem Klassiker „Highway 61 Revisited“ (1965) stammen „It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry” sowie „Queen Jane Approximately“. Die siebziger Jahre sind mit „Idiot Wind” und „ Meet Me In The Morning“ vertreten – beide auf „Blood On The Tracks“ (1975) erschienen.

„Man Of Peace“ findet sich im Original auf „Infidels“ (1983), meiner Lieblingsscheibe von Dylan. Desweiteren pickt sich Williams noch Songs von „Oh Mercy“ („Everything Is Broken“, „Political World“) sowie „Time Out Of Mind“ („Not Dark Yet”, „Make You Feel My Love“) heraus. Schließlich rundet „Tryin‘ To Get To Heaven“, das auch von Joan Osborne gecovert wurde, den Longplayer ab.

Die Facetten von Williams Gesang, die Eigenwilligkeit ihrer Stimme und den Mut auch mal nölig oder kratzig zu klingen, mag ich sowieso. Bei ihrer Interpretation der Songs von Dylan passt das natürlich hervorragend. Williams verändert das Material in Richtung Blues oder Rock so weit, dass sich die Stücke nicht mehr spontan als Dylan-Titel identifizieren lassen. Durch die Selektion eher selten gehörter Songs wird der Eindruck verstärkt, etwas Neues zu hören.

Lucinda Williams verweigert sich durch die ungewöhnliche Songauswahl auf „Bob’s Back Pages: A Night With Bob Dylan Songs” konsequent dem Mainstream. Sie greift Titel auf, die im Schatten seiner Hits stehen. Mit ihrer Band im Rücken modifiziert sie die Vorlagen in Richtung Blues oder Rock, sodass sie mehr nach einem Williams-Original als nach Bob Dylan klingen. Mit dem Blick durch die Brille von Williams auf die eher unbekannte Seite von Bob Dylan entsteht ein außergewöhnliches Tribute-Album.

Highway 20 – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Rock, Blues and more

Tracks:
01. It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry
02. Everything Is Broken
03. Political World
04. Man Of Peace
05. Not Dark Yet
06. Meet Me In The Morning
07. Blind Willie Mctell
08. Tryin‘ To Get To Heaven
09. Queen Jane Approximately
10. Idiot Wind
11. Make You Feel My Love

Lucinda Williams
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Joanne Shaw Taylor – The Blues Album – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In Sachen Blues-Rock aus Großbritannien ist die Musikerin Joanne Shaw Taylor mittlerweile eine Ausnahmeerscheinung. Die 1986 geborene Singer-Songwriterin veröffentlicht mit „The Blues Album“ nun ihren achten Longplayer seit 2009 und gilt als die erfolgreichste britische Gitarristin des Genres. 2002 von Dave Stewart (Eurythmics) entdeckt, sind Stevie Ray Vaughan, Albert Collins und Jimi Hendrix Taylors musikalische Vorbilder, die erahnen lassen, welche persönliche Dynamik mit vier British Blues Awards belohnt wurde.

Auch Starblueser Joe Bonamassa hat endlich seine offene Bewunderung für die elegante Spielweise der Blues-Lady in einen großartigen Support umgesetzt. Als Mentor und Produzent (hier zusammen mit Josh Smith) steht sein Name direkt auf dem Front-Cover. Aufgenommen in den Oceanway Studios, Nashville, erscheint die Platte auf Bonamassas eigenem Independent Label KTBA Records, eine Auszeichnung der besonderen Art.

Die Scheibe bietet überwiegend zehn seltene Cover-Songs und ein Rock-Jam-Instrumental und interpretiert Blues-Klassiker u.a. von Albert King, Little Richard, Magic Sam und Little Milton, in graziler, aber auch energiegeladener Leichtigkeit. Den Anfang macht der Peter Green Fleetwood Mac Song „Stop Messin‘ Round“, verfeinert durch Reese Wynans Piano-Work, gefolgt vom funkigen Soul-Blues „If That Ain’t A Reason“ (Little Milton).

Die feine Otis-Rush-Nr. „Keep On Lovin ‚Me“ brilliert als powervolles Glanzstück der Scheibe, sicher ein Juwel in seiner vorliegenden Version. Bonamassas Hilfe bei der Auswahl der oft weniger bekannten Songs, wie „If You Gotta Make A Fool of Somebody“ (Ray Clark 1961) oder „Don’t Go Away Mad“ (Little Village), zeigt die herausragende Kenntnis im Umgang mit Songperlen. „Don’t Go Away Mad“ überrascht in einer Duett-Interpretation des eher schnellen Rock-Songs und weckt damit die Aufmerksamkeit für gute, alte Titel im neuen Gewand.

„Wir wollten eine stark Vocal-zentrierte Blues-Platte aufnehmen, die Joannes riesiges Talent vorsichtig in ein anderes Licht rückt“, so Bonamassa. „Joanne ist eine großartige Sängerin“ und er meint damit nicht nur Titel wie „Can’t You See What You’re Doing To Me“ (Albert King), mit leidenschaftlicher E-Gitarre und beeindruckenden Vocals eingespielt. Dies gilt ebenso für „Let Me Down Easy“ (Little Milton), das eine stimmgewaltige Joanne Shaw Taylor – gesanglich nicht weit entfernt von Janis Joplin – und eine ebenso elegante Saitenfertigkeit beinhaltet.

Die Aufforderung zum Tanz kommt beim Shuffle „Two Time My Lovin’“ ebenso wenig zu kurz und wird beim herrlichen Abschlusstrack „Three Time Loser“ mit Honky Tonk Piano nochmals wiederholt. Die Musiker um Joe Bonamassa glänzen in der gesamten Bandbreite der Songpalette und bieten in gewohnter Perfektion eine hervorragende Kooperation mit Joanne Shaw Taylor, die im Übrigen wie selbstverständlich zu den in gewisser Weise neu aufgelegten alten Bluessongs ihre eigene 1966er Esquire Junior Gitarre spielt.

Mit „The Blues Album“ ist es Joanne Shaw Taylor erneut gelungen, eine mitreißende und interessante Platte vorzulegen. Getragen von der Spielfreude, u.a. basierend auf der intuitiven Zusammenarbeit mit Blues-Hero Joe Bonamassa, ist ein herausragender Blues-Sampler entstanden. Joanne Shaw Taylor etabliert sich damit einmal mehr als UK’s Number One Blues-Rock-Lady.

KTBA Records (2021)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Stop Messin‘ Round
02. If That Ain’t A Reason
03. Keep On Lovin‘ Me
04. If You Gotta Make A Fool Of Somebody
05. Don’t Go Away Mad feat. Joe Bonamassa
06. Scraps Vignette
07. Can’t You See What You’re Doing To Me
08. Let Me Down Easy
09. Two Time My Lovin‘
10. I Don’t Know What You’ve Got feat. Mike Farris
11. Three Time Loser

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

Taylor McCall – Black Powder Soul – CD-Review

Review: Michael Segets

Das Cover von Taylor McCalls „Black Powder Soul” mit dem untoten Gunslinger hat mich direkt angesprochen. In einem Interview sagt McCall, dass der Mann auf dem Titelbild sein Inneres visualisiert – jemanden, der seinen Dämonen entgegentritt. Zu erwarten wäre bei der Aufmachung und dem Titel eine Scheibe, die sich einen Schritt neben den üblichen Konventionen des Countrygenres bewegt. Auf seinem Debütalbum zeigt sich McCall musikalisch von mehreren Seiten, wobei der Country entgegen der Vorannahme eine untergeordnete Rolle spielt.

Zum einen bewegen sich seine Songs in Singer/Songwriter-Bahnen. Wie auf „Man Out Of Time“ reicht auch auf „White Wine“ eine reduzierte Begleitung aus, um eine leicht wehmütige Stimmung zu erzeugen. McCalls schön angeraute Stimme kommt bei dem erdigen „So Damn Lucky“ besonders zur Geltung. Dieses Highlight unter den ruhigen Stücken punktet mit einer Mundharmonika-Passage. Eine Orgel untermalt das melodiöse „Wide Open“. Hier mischt sich ein bisschen Country mit hinein. Bereits „Red Handed“ weicht mit seiner expressiven Instrumentaleinlage vom typischen Singer/Songwriter-Stil ab. Erneut überzeugen Stimme und Gesang von McCall.

Die zweite Gruppe von voller instrumentierten Songs ist aggressiver und meist am Rock angelehnt. Beim dunklen Titelstück setzt nach dem Gitarrenintro zuerst der Gesang, dann Percussion und Schlagzeug ein, was eine gelungene Spannungskurve erzeugt. Vor dem stampfenden Rhythmus liegt die mit etwas Hall versehene Stimme von McCall. Der Song gipfelt in einem krachenden Gitarrenpart, der zwar nicht als filigran zu bezeichnen ist, sich aber prima in das Stück einpasst. „Hells Half Acre“ wartet ebenfalls mit härteren Riffs auf, die in einen Call-And-Response-Modus mit dem Gesang treten.

Neben den beiden Stücken gehört das mit gospelmäßigem Chor begleitete „Surrender Blues“ zu den Highlights der CD. Zu diesen ist das – vor allem im Refrain – an Steve Earle erinnernde „Highway Will“ ebenfalls zu zählen. Mit den Lyric-Videos zu „Highway Will“ und „So Damn Lucky“ pickt McCall zwei starke Stücke heraus.

Wurden bislang die Titel, die in der Singer/Songwriter-Tradition stehen, von denen mit breiterer Band im Rücken unterschieden, treten bei den letztgenannten weitere Facetten zutage. „Crooked Lanes“ spiegelt mit seinem fast hecktischen Rhythmus, der von einem trockenen Schlagzeug und Percussion getrieben wird, eine rockige Seite wider, bei „South Of Broadway“ machen sich Einflüsse des Blues bemerkbar. Diese treten im neunminütigen „Lucifer“ noch deutlicher hervor. Das Gesamtwerk entzieht sich so eindeutigen Genrezuordnungen.

Der in South Carolina aufgewachsene McCall brachte sich autodidaktisch das Gitarrenspiel bei, nachdem er mit sieben Jahren sein erstes, von seinem Vater gebaute Instrument bekommen hatte. Der begeisterte Angler machte diese Leidenschaft zwischenzeitlich zum Beruf, bevor er eine Karriere im Musikbusiness anvisierte. Besonders wichtig war es McCall, seinen Großvater auf seinem ersten Longplayer zu ehren. Dieser ist auf dem Gospel „Old Ship Of Zion“ zu hören, der als Prelude und Outro das Album rahmt.

Auf „Black Powder Soul“ von Taylor McCall stehen Americana, Rock und Blues nebeneinander und verschmelzen in einigen Tracks so ineinander, dass ein abwechslungsreiches und originelles Debüt entstanden ist. Die Scheibe hat Tiefe und gewinnt bei jedem Durchlauf weitere Schichten. McCalls Stimme und Songwriting lassen auf weitere Werke hoffen.

Black Powder Soul Music – Thirty Tigers/Membran (2021)
Stil: Americana/Rock and more

Tracks:
01. Old Ship Of Zion Prelude
02. Black Powder Soul
03. Red Handed
04. White Wine
05. Crooked Lanes
06. Hells Half Acre
07. Man Out Of Time
08. Surrender Blues
09. South Of Broadway
10. Wide Open
11. Highway Will
12. So Damn Lucky
13. Lucifer
14. Old Ship Of Zion Outro

Taylor McCall
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Oktober Promotion

The DogRocket Blues Band – Rusty Train – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Was machen eigentlich zwei Flugzeugpiloten, ein Produktingenieur und ein Immobilienverwalter, wenn sie in ihrer Freizeit Langeweile haben? Ganz einfach, sie machen Musik, insbesondere Blues, kommen in einer Band namens „The DogRocket Blues Band“ zusammen und nehmen ein Album auf. Genau das haben Bill Kesel (Pilot, Gründer der Band, Leadsänger und Keyboarder), Joe Custer (Trucker und Pilot im Ruhestand, Bassist), Mike Jacobs (Immobilienverwalter, Gitarrist) und David Matherly (Produktingenieur, Schlagzeuger) gemacht.

„Rusty Train“ ist also das Erstlingswerk dieser vier Männer, obwohl es die Band mit wechselnder Besetzung bereits seit 2008 und mit dem jetzigen Line-up seit 2019 gibt. Als Hobbymusiker hatten sie ihre ersten öffentlichen Auftritte erst kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Da danach nicht mehr an Auftritte zu denken war, ging Kesel mit seinen Leuten in ein Tonstudio und die Truppe jammte drauf los. So entstand das vorliegende, erste Album der Band. Laut Kesel zwar nicht sehr professionell, aber mit wahnsinnig viel Spaß produziert. Mit dem Album wollen die DogRockets nun ihren Bekanntheitsgrad ein wenig steigern und nicht mehr nur für kleinere Events und Privatparties engagiert werden.

Insgesamt enthält die Scheibe zehn Songs, allesamt von Kesel in den letzten 30 Jahren geschrieben und musikalisch vor allem von Junior Brown, einem Country-Gitarristen und von der kalifornischen Alternative-Rockband Cake beeinflusst.

„Press On“ (ein gefälliger Blues) und „In My Heart“ (mit leichten Country-Einflüssen) sind wohl mit die ältesten von Bill Kesel komponierten Stücke. Auch der Slowblues „Only Man“ weist dezente Country-Elemente auf und der Titelsong „Rusty Train“ scheint von Junior Brown inspiriert worden zu sein, während das etwas flottere „Magic Kingdom“ stilistisch eher an Cake erinnert.

Die übrigen Tracks haben alle einen bluesig-funkigen Anstrich, nicht zuletzt durch das oftmals dominante Keyboardspiel des Bandleaders Kesel und kommen daher recht oldschool daher. Insgesamt sind die Songs zwar nicht schlecht, aber für meinen Geschmack alle ein wenig zu clean arrangiert und auch gesanglich ist da sicherlich noch Luft nach oben.

Wäre es die Scheibe einer professionellen Band, würde ich sagen, dass das besser geht. Aber für Amateurmusiker ohne große Live- und Studioerfahrung ist das Album doch erstaunlich gut geraten. Nicht unbedingt ein Must-Have, bei dem es sich lohnt, auf jede Note und jeden Takt zu achten, aber als musikalische Untermalung ist es absolut ok.

Zum Schluss sei noch das Geheimnis um den abstrusen Namen der Band gelüftet. Mitnichten haben die Jungs irgendwelche verbotenen Substanzen geraucht, vielmehr war „DogRocket“ der Spitzname eines von Kesel geflogenen Flugzeuges ….

Label: Dogmatic Studios (2021)
Stil: Blues

Tracks:
01. My Big Man
02. Only Man
03. Press On
04. Rusty Train
05. Psalm Blue
06. What Is A Man
07. Right Thing
08. Magic Kingdom
09. In My Heart
10. Bitter Town Blues

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Eric Bibb – Dear America – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nachdem Eric Bibb auf seinem 2017‘er Album „Migration Blues“ die großen Themen Migration bzw. Einwanderung aufgriff, widmet er sich nach „Global Griot“ (2018) auf seinem neuen Werk „Dear America“ dem Rassismus und den gesellschaftlichen Problemen in den USA der vergangenen Dekaden und der Gegenwart. Sein soziales Engagement, geprägt von der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, an die ihn bereits sein Vater Leon Bibb, der bereits gemeinsam mit Martin Luther King auf die Straßen gegangen war, herangeführt hatte, kommt hier textgewaltig und verpackt in eingängige, teilweise auch melancholische Melodien zum Ausdruck.

Von Bibb mit warmer, ruhiger Stimme auf einer Akustikgitarre im Fingerpicking-Stil vorgetragen, regen sie zum Nachdenken und Reflektieren an, wobei zahlreiche Gastmusiker (u. a. sind Eric Gales, Ladonna Gales, Ron Carter, Steve Jordan und Big Daddy Wilson zu hören), für instrumentelle und gesangliche Abwechslung sorgen.

Eric Bibb spannt den narrativen Bogen über Gewalt gegen Frauen („Born Of A Woman“ – mit schönen Gesangseinlagen von Shaneeka Simon), Depressionen („Whole World‘s Got The Blues“ – mit einem klasse Gitarrensolo von Eric Gales im Mittelteil), Rassentrennung und Diskriminierung („Dear America“, ein eher traditioneller Blues mit Big Daddy Wilson als Hintergrundsänger), Rassenunruhen in Chigaco („Different Picture“ – auch wieder mit toller gesanglicher Unterstützung von Shaneeka Simon) bis hin zu dem Lynchmord an Emmett Till, einem schwarzen Bürgerrechtler (Emmett‘s Ghost“), ein Song der durch den Tod von George Floyd eine neue Aktualität erhält.

Auch Vorurteile gegen Schwarze werden von Eric Bibb in dem Slowblues „White & Black“ thematisiert, genauso wie die Eisenbahn als amerikanisches Symbol der Freiheit, Hoffnung und Sehnsucht („Talkin‘ Bout A Train, Part 1 & Part 2).
Allerdings startet das Album zunächst mit einem melodiösen Roots-Stück („Whole Lotta Lovin‘“), gespielt im Fingerpicking- und Singer-Songwriter-Stil.

Das positive Feeling spiegelt sich auch in „Tell Yourself“ (ein Slowblues über den Glauben an eine bessere Welt) und in „Along The Way“ wider, einem Song, der dazu anregt, sich Zeit zu nehmen, um sich auf die wesentlichen Dinge zu besinnen. Schließlich endet „Dear America“ mit zwei optimistisch stimmenden Liedern über die Kraft der Liebe („Love‘s Kingdom“) und „One-Ness Of Love“, einem gospelig anmutenden Lovesong.

„Dear America“ ist sicherlich ein Album, das man nicht nur so nebenbei hören sollte, da es nicht nur musikalisch, durch ehrliche Arrangements ohne Schnickschnack, oft im Singer-Songwriter-Stil, und Bibbs einfühlsame Stimme besticht. Mindestens genauso beeindruckend sind seine wortgewaltigen Lyrics, mit denen man sich unbedingt auseinandersetzen sollte. Erst so entfaltet das Werk seine volle Kraft. Sehr hilfreich ist dabei, dass alle Songtexte dem Album in einem kleinen Booklet beiliegen.

Label: Provogue (2021)
Stil: Blues

Tracks:
01. Wohle Lotta Lovin‘
02. Born Of A Woman
03. Whole World‘s Got The Blues
04. Dear America
05. Different Picture
06. Tell Yourself
07. Emmett‘s Ghost
08. White & Black
09. Along The Way
10. Talkin‘ ‚Bout A Train, Part 1
11. Talkin‘ ‚Bout A Train, Part 2
12. Love‘s Kingdom
13. One-Ness Of Love

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Samantha Fish – Faster – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Manchmal ist das Streben nach musikalischer Vielseitigkeit eine Verlockung, um die künstlerischen Möglichkeiten bis an die Grenzen des Genres auszudehnen. Diesen Eindruck vermittelt die US-amerikanische Blues-Rockerin Samantha Fish auf ihrem neuen Album „Faster“. Nachdem sie für ihr Debüt „Runaway“ (2012) mit dem Blues-Music Award ausgezeichnet wurde, hat die Musikerin aus Kansas City in den letzten 10 Jahren eine Reihe abwechslungsreicher Longplayer vorgelegt. Die Bandbreite der wesentlich im Blues und Rock’n’Roll beheimateten 32-jährigen Gitarristin, Sängerin und Songschreiberin reichte dabei vom Rhythm and Blues, über Soul, Delta-Country bis zum Blues, wie u. a. auf dem letzten Album aus „Kill Or Be Kind“ (2019).

Die Fortsetzung der Blues-Rock Ambitionen wird auf der neuen Scheibe durch den Titelsong „Faster“ gleich zu Beginn kräftig vorangetrieben. Ein Gitarren-Stück mit groovendem Beat – ein strammer Opener, der anschließend mit „All Ice, No Whiskey“ ohne Abstriche ein funkiges Pendant bekommt. Die in diesem Zuge gleichermaßen bluesrockig nachfolgende Single „Twested Ambition“ reiht sich hervorragend in diesen Abschnitt der LP ein. Überhaupt hat die erstmalige Zusammenarbeit von Samantha Fish und Starproduzent Martin Kierszenbaum (u.a. Lady Gaga, Sting) tiefgreifende Pop-Spuren hinterlassen.

Nach diesem heftigen Einstieg in den Longplayer wird jedoch mit dem vierten Song „Hypnotic“ die weitere Erwartungshaltung arg strapaziert. Dieses funk-orientierte Sound-Experiment markiert offen einen Bruch der bisherigen Stilrichtung, auch getrieben von Samanthas angelehnten Vocals, erinnert an frühere Prince-Klassiker im Pop-Bereich. Die temporeichen Songs „Forever Together“, „Crowd Control“ und „Imaginary War“ können jedoch trotz der stimmlichen Ausdrucksstärke von Samantha Fish und der Guitar-Energie, nur bedingt die Erwartungen erfüllen, die das Vorgänger-Album ausgelöst hat.

Samanthas selbstbewusste Kommentierung „I try to do something different with every album“ wird nicht zuletzt in Form der Guest-Performance von Rapper Tech N9ne beim folgenden Song „Loud“ deutlich. Einer Komposition, die als großartige Mischung von Keyboards und Guitar plus Rapp-Einlage gewertet werden kann. Die reife Blues Rock-Nummer „Better Be Lonely“ und der starke Rock’n’Roll „So Called Lover“ versöhnen Blues-Fans zum Ende hin. Die als Final-Track und Kontrastpunkt zum Albumtitel abschließende Ballade „All The Words“ ist symbolträchtig und grenzüberschreitend: nur Gitarre, Bass und Klavier begleiten Samanthas tiefgründige Interpretation.

Samantha Fish hat in ihrer bisher sehr erfolgreichen Karriere häufig neue Elemente aus Jazz, Country, Soul und Blues in ihre Musik aufgenommen. Sie bewegt sich mit ihrem neuen Longplayer „Faster“ neben altbekannten Stilmotiven aus Blues und Rock teilweise auf dem Terrain von Funk, Dance und Pop ohne ihre eigentliche Herkunft hinter sich zu lassen. „Faster“ ist ein Album, das Intuition, Spielfreude und Vielfalt anzubieten hat und über einen reinen Pop-Entertainment-Charakter weit hinaus geht.

Concord Records (2021)
Stil: Blues Rock and more

Tracks:
01. Faster
02. All Ice No Whiskey
03. Twisted Ambition
04. Hypnotic
05. Forever Together
06. Crowd Control
07. Imaginary War
08. Loud (featuring Tech N9ne)
09. Better Be Lonely
10. So Called Lover
11. Like A Classic
12. All The Words

Samantha Fish
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Oktober Promotion

Lea McIntosh – Blood Cash – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Lea McIntosh wuchs in schwierigen Verhältnissen mit Drogen, Gewalt und kriminellem Chaos auf. Diese Erfahrungen thematisiert sie zwar nicht auf ihrem ersten Blues-Album „Blood Cash“, welches in den nächsten Tagen in den Handel kommt, einen leicht düsteren Einfluss scheinen sie teilweise aber dennoch zu haben. Insgesamt umfasst die Scheibe sieben feine Originalsongs, die sie zusammen mit ihrem Gitarristen Travis Cruse komponiert und geschrieben hat. Unterstützt werden die beiden von Myron Dove (Bass), Deszon Claiborne (Schlagzeug), Eamann Flynn (Keyboards) und Andy Just (Mundharmonika).

Der Titelsong „Blood Cash“ besticht einerseits durch Leas raue und zugleich warme Alt-Stimme, aber ebenso auch durch Travis Cruses rotziges Gitarrenspiel auf der Akustikgitarre. Zusammen mit der frech gespielten Mundharmonika ergibt dies einen schnörkellosen, dreckigen Old-School-Blues-Sound. Ganz anders der folgende, über fünf Minuten lange und Soul beeinflusste Track „Blue Stoned Heart“ der einen tollen, leicht jazzigen Gitarrenpart im Mittelteil enthält.

Bei „Tennessee Hurricane“ handelt es sich um eine melodische, balladeske Bluesnummer, angereichert mit sphärischen, psychedelischen Gitarrenklängen. Auch in „Fantasy Woman“ schimmern soulige Elemente durch, wobei Lea McIntoshs warme Stimme mitunter, besonders am Ende des Songs, einen recht lasziven Eindruck vermittelt, wenn sie nahezu beschwörend den Songtitel refrainartig wiederholt. Der flotte Groove von „Purple Suede Boots“ geht unmittelbar in die Beine, nicht zuletzt auch wegen der von Andy Just furios und treibend gespielten Mundharmonika.

Mit „Soul Stripper“ gibt es dann den einzigen Slowblues auf der Scheibe, sehr melodiös und einmal mehr getragen von Leas kräftiger, aber einfühlsamen Stimme. Das spritzig-funkige „The Fire Is Coming“ beendet schließlich das überaus abwechslungsreiche Debütalbum der aus der Gegend von San Francisco stammenden Sängerin.

Für ein Erstlingswerk ist das Album verdammt gut geraten. Alle Kompositionen überzeugen durch Leas authentische, kräftige und zugleich warme Stimme, aber auch durch das kongeniale Gitarrenspiel von Travis Cruse. Schade nur, dass lediglich sieben Songs den Weg auf die Scheibe gefunden haben. Gerne würde man mehr von ihr hören. Aber da geht in Zukunft bestimmt noch so einiges. Wir dürfen also sehr gespannt sein und freuen uns schon jetzt auf das Nachfolgealbum.

Label: Shark Park Records
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Blood Cash
02. Blue Stoned Heart
03. Tennessee Hurricane
04. Fantasy Women
05. Purple Suede Boots
06. Soul Stripper
07. The Fire Is Coming

Lea McIntosh
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