Andreas Diehlmann Band – Your Blues Ain’t Mine – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Der Kasseler Andreas Diehlmann macht seit seiner frühen Jugend Musik. Mit bereits elf Jahren spielte er Gitarre und studierte später die klassische Variante dieses Instruments an der dortigen Musikakademie. Seit 1993 arbeitet Diehlmann als freiberuflicher Livemusiker, Gitarrenlehrer, Komponist und tourte mehrere Jahre mit der amerikanischen Bluessängerin Sydney Ellis durch Europa.

2016 war der Startschuss für die Andreas Diehlmann Band, bestehend aus ihm (Gesang, Gitarre), Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an den Drums. Folgerichtig erschien dann in 2017 das erste, vielbeachtete Album „ADB“ des Kasseler Powertrios.

Und nun das Nachfolgewerk „Your Blues Ain’t Mine“. Auch hier bietet Diehlmann einige Coverversionen klassischer Bluesnummern, aber auch spannende Eigenkompositionen.

Gleich mit dem Opener, dem Robert Johnson-Klassiker „Come On Into My Kitchen“, den u. a. auch schon die Allman Brothers und Eric Clapton auf ihrer Setliste hatten, bietet Diehlmann kraftvollen Deltablues der Extraklasse.

Die Coverversion von Hendrixs „Little Wing“ überrascht als pure Instrumentalversion, die sich im Intro und am Ende des Tracks am 1967’er Original orientiert, im Mittelteil aber viel Spielraum für Diehlmanns eigene Interpretationen lässt.

Auch  „Soulshine“, ursprünglich von dem langjährigen Gitarristen der Allman Brothers Band Warren Haynes komponiert und gesungen, verleiht der Kasseler Blueser in der vorliegenden Fassung seinen eigenen Charme. Wirklich hörenswert.

Die restlichen sechs Tracks des Albums sind kraftvolle Eigenkompositionen, die durch Diehlmanns außergewöhnliches Gitarrenspiel und seine markante, raue Stimme getragen werden.

Insgesamt liefern er und seine beiden Mitstreiter mit ihrem zweiten Silberling ein grandioses, Hendrix-, Freddie King- und ZZ Top-beeinflusstes Blues-Opus ab, wie ich es von einem deutschen Blues-Musiker an sich nicht erwartet hätte.

Schon jetzt spielen Diehlmann, Zeller und Bonn in der absoluten Blues-Elite-Liga. In Zukunft werden wir hoffentlich noch viel mehr von dieser Truppe zu hören bekommen. Für die Scheibe gibt es 5 Sterne und eine dicke Kaufempfehlung!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues

Tracks:
01. Come On Into My Kitchen
02. Your Blues Ain’t Mine
03. I Don’t Wonna Loose You
04. I Don’t Know
05. Head Down Low
06. Little Wing
07. Going Home
08. Soulshine
09. F#cking Happy Blues

Andreas Diehlmann Band
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The Bluesbones – 31.10.2018, Meisenfrei, Bremen – Konzertbericht

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Das Motto der belgischen Band „The Bluesbones“ leitet sich vom Namen ab „playing blues that gets into your bones“. Das klingt schon mal gut, aber kann Belgien für großartige Bluesmusik stehen?

Gegründet in 2011, haben die Bluesbones bereits drei Studio- und zwei Livealben veröffentlicht. Darunter ragt „Double Live“, ein mit 15 Songs und über 100 Minuten Spielzeit vollgepacktes Livedokument, heraus. Wer hier reinhört, ist sofort infiziert. Ähnlich überzeugend muss wohl auch ihr Auftritt beim „European Blues Challenge“ gewesen sein. Dort erreichten die Bluesbones 2017 den zweiten Platz. Auch namhafte europäische Festivals haben sie bereits gerockt: „Blues Peer“, Culemborg Blues“, „Swing Wespelaar“ oder „Moulin Blues“ seien hier exemplarisch genannt.

Am Halloweenabend im gemütlichen Bremer Bluesclub „Meisenfrei“ präsentiert das Quintett aus Belgien fast alle Songs ihres aktuellen Albums „Chasing Shadows“, das in den Top 40 Charts der Independent Blues Broadcasters‘ Association (IBBA) die Pole Position als „Most Played Album“ erreichte. Daraus stechen eine Reihe von Songs hervor, darunter das atmosphärisch dichte „Going down“. Der junge Seitenhexer Stef Paglia treibt den Song mit einem markanten Riff an, gleitet dabei gekonnt mit dem Bottleneck über die Gitarrenseiten und lässt sie beim Solo herrlich aufheulen.

Bassist Geert Boeckx legt mit einer butterweichen Bassline das Fundament der funkigen und tanzbaren Nummer „The End“. Den Midtempo-Song „Betrayal“ veredelt Edwin Risbourg mit einem klangvollen Hammond-Solo. Bluesballaden beherrscht das Quintett auch. „Sealed Souls“ ist ein Ohrenschmeichler erster Güte und verzückt das Publikum mit einem satten Refrain. Nicht nur hier entfaltet Sänger Nico de Cock sein kraftvolles Stimmvolumen und beeindruckt als charismatischer Shouter.

Von den übrigen Studioplatten „Saved by the blues“ und „Voodoo Guitar“ intoniert der belgische Fünfer ebenfalls begeisternde Songs. „I Try“ ist so ein Kracher. Dafür streift Stef Paglia einmal mehr die schneeweiße Fender Stratocaster über. Beim ausufernden Solo berührt er die Gitarrenseiten nur ganz leicht und lässt sie so immer leiser erklingen, steigert dann langsam die Lautstärke und löst die aufgebaute Spannung mit einem krachenden Finale. Einmal mehr applaudiert das begeisterte Bremer Publikum für diese glänzende Einzelleistung.

Mit dem treibenden „She’s got the devil in her“ präsentiert das Quintett eine der wenigen Coverversionen. Höhepunkt dieser äußerst gelungenen Darbietung ist das ausgedehnte Solo von Edwin Risbourg. Zum Finale drückt er so intensiv in die Tasten seiner braunen Hammond B 3, dass die Funken regelrecht zu sprühen scheinen.

Das hart rockende „Devil’s Bride“ bringt noch mal richtig Dampf auf den Kessel und beendet zunächst das erstklassige Konzert. Als stürmisch eingeforderte Zugabe folgt der Titeltrack des ersten Albums „Voodoo Guitar“. Im Solopart dieser herrlichen Ballade wechselt der junge Stef Paglia gekonnt zwischen druckvollen und gefühlvollen Passagen und belegt nochmals seine Klasse am Griffbrett. Folglich vergeht das reichlich mit Highlights gespickte zweistündige Konzert wie im Fluge.

Fazit: Obwohl jede Position in der Band mit hervorragenden Einzelkönnern bestückt ist, überzeugt gerade das Kollektiv auf der ganzen Linie. Nicht unerwähnt bleiben darf hier die hervorragend aufspielende Abteilung Rhythmus, bestehend aus Schlagzeuger Koen Mertens und Tieftöner Geert Boeckx.

Angesichts dieses großartigen Konzertes der Bluesbones, kann die eingangs gestellte Frage nur mit einem deutlichen „ja“ beantwortet werden. Zumindest alle anwesenden Musikfreunde dürften die Bluesbones in ihr Herz geschlossen und Belgien künftig auf die Blueslandkarte aufgenommen haben.

(Herzlichen Dank an Uli Witte für das zur Verfügung stellen seiner Fotos!)

Line Up:
Nico de Cock (lead vocals)
Geert Boeckx (bass)
Stef Paglia (electric guitar)
Edwin Risbourg (organ)
Koen Mertens (drums)

Text: Thomas Völge
Bilder: Ulrich Witte

The Bluesbones
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Meisenfrei Bremen
Kingbee Music

The Marcus King Band – Carolina Confessions – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die Marcus King Band legt ein Bekenntnis ab! Musikalisch, dass sie sich voller Hingabe dem Blues und Southern Rock verschrieben hat. Thematisch geht es um Schuld und Vergebung nach dem Ende einer Beziehung. Der 22-jährige Bandleader und Songschreiber Marcus King verarbeitet auf dem dritten Studioalbum den schwierigen Abschied aus seiner Heimat South Carolina.

Produziert wurde „Carolina Confessions“ an der Seite von Grammy Award-winner Dave Cobb (u.a. Chris Stapleton, Jason Isbell, Zac Brown Band, Whiskey Myers und Rival Sons), der sich vor allem im Americana- und Country-Bereich ausgezeichnet hat, im RCA Studio in Nashville, TN.

Sein Mentor, der legendäre Blues-Musiker und das Allman Brothers Band Mitglied Warren Haynes, ebnete King den Weg, indem er ihn 2015 auf seinem Label (Evil Teen Records) unter Vertrag nahm und das zweite Album mit produzierte. Die Einflüsse der Allman Brothers Band sind unverkennbar („8 a.m.“). Aber auch die Dereck Trucks Band oder Gov’t Mule finden sich als musikalische Vorbilder („Goodbye Carolina“, „Autumn Rains“) wieder.

King ist zwar der alleinige Songwriter, legt aber sehr viel Wert darauf, das Album als Bandprojekt zu verstehen: „There’s six of us, and we have our own arbitration process; he [Dave Cobb] was really understanding of the fact that this is a band.“ Wie auf den vorherigen Studioalben „Soul Insight“ (2015) und „The Marcus King Band“ (2016) orientiert man sich am Sound der Vorbilder und Unterstützer, scheut andererseits keine Experimente.

Da wäre zunächst das leicht funkige „Homesick“ zu nennen oder auch „Where I’m Headed“ mit saftiger Bläserbegleitung im Refrain. Die überwältigende und melancholische Southern Rock Ballade „Goodbye Carolina“ ist das beeindruckende Aushängeschild des Albums, was nicht nur am persönlichen Songwriting von King liegt, der hier über den Verlust eines engen Freundes singt. „How Long“ ist hingegen ungewöhnlich experimentell, mit einem schwungvollen Rhythm & Blues Sound versehen, der den aktuellen R&B „Überfliegern“ Nathaniel Rateliff & The Night Sweats in nichts nachsteht.

„Confessions“, der bluesigste Tune der Scheibe, nimmt wie andere Songs, nochmals Bezug auf das LP-Grundthema „Sünde und Verzeihung“ („Forgive me for I have sinned“). Das aktuelle Werk ist für King aber genauso ein Aufbruch zu neuen Ufern, gleichbedeutend mit dem Verlassen seiner Heimat. Dieser Weg ist für ihn verbunden mit Zweifeln und Ängsten, die er auf den Tracks immer wieder zum Ausdruck kommen lässt („Where I’m Headed“).

Abschließend mit dem souligen „Side Door“, dem von der Akustik-Gitarre geprägten „Remember“ und dem harten Stoner Rock Jam-Track „Welcome ʹRound Here“, mag man irgendwie kaum glauben, dass es sich bei „Carolina Confessions“ erst um den dritten gemeinsamen Longplayer handelt, so routiniert spielt die sechs Mann starke Band zusammen.

„Carolina Confessions“ ist ein hingebungsvolles Blues- und Southern Rock-Album und ein Bekenntnis zu den musikalischen Wurzeln. Mit diesem meisterlichen Longplayer wird der erfolgreiche Siegeszug der Marcus King Band fortgesetzt!

Fantasy Records (2018)
Stil: Blues Rock, Southern Rock, Soul

01. Confessions
02. Where I’m Headed
03. Homesick
04. 8 a.m.
05. How Long
06. Remember
07. Side Door
08. Autumn Rains
09. Welcome ’Round Here
10. Goodbye Carolina

The Marcus King Band
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Oktober Promotion

Alastair Greene – Live From The 805 – CD Review

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Review: Jörg Schneider

Kurz nach seinem gefeierten 2017’er Album „Dream Train“ ist nun im August Alastair Greenes neue CD „Live From The 805“ erschienen. Dabei handelt es sich um den Live-Mittschnitt eines Konzertes in seiner Heimatstadt Santa Barbara, Kalifornien. Ähnlich wie bei dem kürzlich besprochenen Doppelalbum der Imperial Crowns beinhaltet auch Greenes Werk 20 Tracks aus seiner 20 jährigen Karriere als Blues- und Rock-Gitarrist.

Die meisten der Songs sind Eigenkompositionen und stammen von seinen bisherigen fünf Studioalben, aber auch einige Coverstücke (Albert King, Amos Blackmore, Jimmy Reed) sind darunter. Alastair Greene, geboren 1971, wird bereits als einer der besten Rockgitarristen seiner Generation gefeiert und braucht, bezüglich der Southern Rock-Kompositionen, Vergleiche mit Gov’t Mule oder ZZ Top nicht zu scheuen.

Musikalisch ist Alastair Greene ein Wanderer zwischen den Blues-, Blues Rock- und Southern Rock-Welten. Seine Stücke weisen durchgehend eingängige und gute Laune verbreitende Rhythmen auf, die direkt unser Belohnungszentrum im Gehirn ansprechen und eine gehörige Portion Dopamin ausschütten lassen. Man möchte einfach mehr hören von diesen schnörkellosen Fetzern.

Gleich der Starter des Doppelalbums, „The Sweetest Honeymoon“, ist eine treibende Rock’n Roll-Nummer gefolgt von einem „hough, hough hough“-mäßigen, straighten Southern Track a la ZZ Top. Überhaupt sind fast alle Kompositionen von Greene stark vom Südstaaten-Rock beeinflusst.

Besonders zu erwähnen sind hier das an Lynyrd Skynyrd erinnernde „Down To Memphis“, das basslastige „Back Where I Belong“ und das wohlige, in Moll arrangierte „T’ Other Way“, sowie der Titelsong „Dream Train“ seines letzten Studioalbums mit stampfendem Bass und Slidegitarre.

Einzig der Bluestitel „Big Boss Man“ kommt etwas betulicher daher. Ansonsten sind natürlich auch mindestens genau so gute Rhythm & Blues-Sachen (z. B. „Trouble At Your Door“, „Love So Strong“, „Lawdy Mama“) auf den beiden CDs eingebrannt, in denen auch schon mal Anleihen der legendären Supergroup Cream („Love You So Bad“) aufblitzen. Den Abschluss des Doppelplayers bildet schließlich die schmissige Boogie-Woogie-Nummer „Walking In Circles“.

An alle Fans guter, handgemachter und kompromissloser Blues- und Rhythm & Blues-Rhythmen mit Südstaateneinfluss: diese Scheibe gehört definitiv in eure Musiksammlung!

Rip Cat Records (2018)
Stil: Blues Rock

CD 1:
01. The Sweetest Honeymoon
02. Big Bad Wolf
03. Trouble At Your Door
04. 3 Bullets
05. Red Wine Woman
06. Say What You Want
07. Love So Strong
08. Down To Memphis
09. Lawdy Mama
10. Lucky 13

CD 2:
01. Dream Train
02. Back Where I Belong
03. T’ other Way
04. Last Train Around The Sun
05. Love You So Bad
06. Rain Stomp
07. Big Boss Man
08. First Born Son
09. Shoe On The Other Foot
10. Walking In Circles

Alastair Greene
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Ryan McGarvey – Live At Swinghouse – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Eine besondere Magie von Blues-Live-Alben besteht häufig darin, dass man ausgiebige Gitarrensoli bewundern kann, die auf Studioproduktionen meistens nur verkürzt zur Verfügung gestellt werden. Als Blues-Musiker mit einer Leidenschaft und Energie zur virtuosen Spielkunst wurde Gitarrist und Sänger Ryan McGarvey in den letzten Jahren mit Auszeichnungen nur so überhäuft.

In allen erdenklichen Kategorien konnte er bereits Preise abräumen: sei es als „bester Gitarrist“ (European Blues Awards 2014 und 2016), als „bester Sänger“ (Albuquerque The Magazine 2011 und 2016) oder als Blues Act Of The Year (The Weekly Alibi 2007-2010).

Drei Studioalben finden sich in der Biographie des 32-jährigen US-Amerikaners. „Live At Swinghouse“ ist somit die erste Live-Scheibe, die er veröffentlicht. Bühnenunterstützung in Los Angeles erfährt er dabei von Carmine Rojas am Bass und Schlagzeuger Logan Miles Nix. Rojas ist als langjähriger Bassist von Joe Bonamassa eine erfahrene Bereicherung und kennt daher die Unterstützung eines dominanten Bandleaders.

Auch hier steht die Solo-Gitarre im Mittelpunkt der gesamten Performance. Die rockigen Starter „Wish I Was Your Man“ und „Texas Special“ bestätigen sofort diesen Eindruck. McGarveys Kunst ist es, ausufernde Stücke nicht langweilig wirken zu lassen, sondern mit sehr viel Power aufzuladen, wie z.B. auf dem 12-Minuten-Track „Prove Myself“. Das raue Desert-Rock Intro zu „Blues Knockin‘ At My Door“ beweist seine unbändige Vielseitigkeit. „Memphis“ ist ein wuchtiger Blues-Song, der Zweifel aufkommen lässt, ob das Gitarrengewitter auf der Bühne tatsächlich nur von einem Gitarristen performt wird.

„Mystic Dream“ ist das absolute Highlight bei den Live-Auftritten des US-Blues-Rockers. Das 20-Minuten Stück vereint seine beispiellose Spielfreude und emotionale Musikalität in brillanter Weise. Auch die Zugabe „Joyride“ vermittelt zum Abschluss nochmals die jederzeitig starke Bühnenpräsenz dieses Musikers.

McGarveys Vorbilder sind dabei von Track zu Track offensichtlich, aber wer kann schon mühelos in die übergroßen Guitar-Footsteps von Blues-Größen, wie Billy F. Gibbons, Joe Bonamassa oder Stevie Ray Vaughan eintreten. Da Ryan Garvey sämtliche Stücke auch durch eigenhändiges Songwriting seinem persönlichen Sound anpassen kann, sind ihm in der Szene mit „Mystic Dream“ und „Memphis“ bereits zwei „Blues-Klassiker“ gelungen.

Die jetzige Live-CD fängt seine Akribie an der Gitarre glänzend ein. „Live At Swinghouse“ ist ein feuriges Blues-Konzert, mit dem Ryan McGarvey sein bisheriges Meisterwerk in der noch jungen Karriere abliefert!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues Rock

01. Wish I Was Your Man
02. Texas Special
03. Prove Myself
04. Blues Knockin‘ At My Door
05. Little Red Riding Hood
06. My Heart To You
07. Memphis
08. Mystic Dream
09. Joyride (encore)

Ryan McGarvey
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Double K Booking

Eric Steckel – 18.10.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Steck-haupt

Der erst 28-jährige Amerikaner Eric Steckel hat bereits eine glänzende Musikerkarriere hinter sich: Seine erste Scheibe brachte er im zarten Alter von 12 Jahren heraus und bereits ein Jahr später durfte mit John Mayall und den Blues Bluesbreakers spielen, was einem musikalischen Ritterschlag gleichkommt.

Jetzt, fünf Jahre und zahlreiche Alben später, stand der junge Ausnahmegitarrist zum ersten Mal auf der Bühne der gut gefüllten Kulturrampe und ich harrte gespannt der Dinge, die da kommen sollten. Mit etwas Verspätung ging’s dann endlich los.

In den folgenden eineinhalb Stunden brannten Steckel und seine beiden niederländischen Begleiter (Schlagzeug und Bass) ein schweißtreibendes und im wahrsten Sinne des Wortes ‚pausenloses Feuerwerk‘ ab. Steckel liebt den Blues nicht nur, er lebt ihn auch.

Während er seine Stromgitarre bearbeitet, meint man zu sehen, wie sein Körper und Geist förmlich mit der Musik verschmelzen, während sein Drummer, angestachelt vom treibenden Bass, sich seine Seele geradezu aus dem Leib trommelt.

Wenn Eric Clapton gemeinhin als Mr. Slowhand bezeichnet wird, dann ist Steckel genau das Gegenteil, er ist Mr. Fasthand: die Finger seiner rechten Hand fliegen geradezu über den Gitarrenhals. So muss sich ‚Satriani auf Speed‘ anhören.

Dem Publikum hat’s gefallen, die Funken sprangen vom ersten Moment an über und nach zehn Songs – gefühlt dauerte ein Stück wohl kaum weniger als zehn Minuten – mussten Steckel und seine Jungs natürlich noch einmal für eine Zugabe ran, bevor sie sich den begeisterten Leuten an Ihrem Merchandise-Stand widmen konnten.

Line up:
Eric Steckel- vocals, guitar
Ruud Gielen – drums
Jos Kamps – bass

Text und Bilder: Jörg Schneider

Eric Steckel
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Kulturrampe Krefeld
Jörg Schneider Webseite

Sean Chambers – Welcome To My Blues – CD-Review

Chambers

Das erste Willkommenserlebnis mit dem Blues von Sean Chambers hatte ich bereits 2017, als sein Album „Trouble & Whiskey“, das eine oder andere Mal, in meinen diversen Playern landete. Es gefiel mir ganz gut, da Chambers seinen gitarrenlastigen Blues Rock mit southern-trächtigen Elementen (Slide guitar) gekonnt kombinierte. Kein Wunder – der Mann kommt ja auch aus Florida. Er erinnerte mich ein wenig an Scotty Bratcher, den ich ja auch sehr mag.

Gut eineinhalb Jahre später heißt es jetzt „Welcome To My Blues“, sein 7. Album, das acht Eigenkreationen und drei neu aufgelegte Fremdkompositionen von Luther Allison („Cherry Red Wine“), T-Bone Walker („All Night Long“) und John Ginty („Boxcar Willie“) enthält. Letztgenannter hat einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen des Werkes, er ist in Sachen Keys, teilweise Percussion und Drums sowie weiterem Songwriting („Black Eyed Susie“ und „Riviera Blue“) involviert. Produziert hat Ben Elliott (u. a. Eric Clapton, Keith Richards, Savoy Brown, Rory Gallagher, Mountain).

Jimmy Bennett setzt als ‚Special guest‘ in Sachen Slide-Gitarre Zusatzakzente, den Rest besorgt die Rhythmusfraktion, bestehend aus Moe Watson (drums, bgv) und Todd Cook (bass). Auf dem aktuellen Longplayer liegt der Fokus diesmal mehr auf dem eher klassischen harten Blues Rock, wie ihn Ikonen früherer Zeiten wie Jimi Hendrix, Johnny Winter, Pat Travers, Stevie Ray Vaughan, Leslie West & Co. zelebrierten.

Vom eröffnenden Titelstück bis zum vorletzten Track „All Night Long“ wird man (wie es auch schon das Coverfrontbild erahnen lässt) vom treibenden Sound und den unendlich vielen quirligen Soli des Protagonisten regelrecht erschlagen, selbst bei vermeintlich ruhigeren Tracks wie „Cherry Red Wine“ oder „Keep Movin‘ On“, lässt einem die unermüdlich eingestreute Fillarbeit, kaum Zeit zum Durchatmen.

Erst beim abschließenden, dezent angejazzten Barroom Blues-Instrumental „Riviera Blue“ darf man sich den Schweiß von der Stirn abputzen und halbwegs relaxt zurück in den Sessel fallen. Wer Spaß an engagiert gespieltem, energiegeladenen E-Gitarrengefrickel in allen Variationen der alten Blues Rock-Schule hat (das britische ‚Guitarist‘-Magazin hat Sean übrigens als ‚One Of The Top 50 Blues Guitarists Of The Last Century‘ bezeichnet), der wird sich auf Sean Chambers‘ „Welcome To My Blues“ absolut willkommen fühlen.

American Showplace Music (2018)
Stil: Blues Rock

01. Welcome To My Blues
02. Black Eyed Susie
03. Cherry Red Wine
04. Boxcar Willie
05. Cry On Me
06. One More Night To Ride
07. Red Hot Mama
08. You Keep Me Satisfied
09. Keep Movin‘ On
10. All Night Long
11. Riviera Blue

Sean Chambers
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VDELLI – 14.10.2018, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

VDELLI_haupt

Kurz nachdem Joe Bonamassa in einem Interview mit dem Magazin Eclipsed den Schwarzen Adler zu seinem persönlichen Lieblingsclub geadelt hatte, war es auch für uns mal wieder Zeit, dem heimischen Blues-Tempel an der Baerler Straße in Vierbaum eine Visite abzustatten. Der australische Blues Rocker Michael Vdelli hatte sich mit Band für Sonntag-Abend zum Wochenausklang angesagt.

Der Termin und wohl auch der Herbstferienanfang schien so einige Leute von einem Besuch abgehalten zu haben, für die, die gekommen waren, sollte es ein lohnenswerter Gig werden. Michael Vdelli und seine beiden deutschen Mitstreiter Michi Weber sowie Björn Hofmann zeigten sich in absolut bester Spiellaune und wurden von den Anwesenden fast so lautstark gefeiert, als wenn die ‚Hütte‘ voll gewesen wäre.

Das Trio präsentierte eine gelungene Mischung aus dem VDELLI-Eigen-Fundus (u. a. „Soon As I Got  Paid“, „Nuff Your Stuff“, „Going Too Hard, „It Could Be Good“) als auch so manche Cover-Version einschlägiger Interpreten wie Tony Joe White / Tina Turner („Steamy Window“ – tolle eigenwillige Umsetzung), Tom Waits („Walking Spanish“), Soundgarden / Johnny Cash („Rusty Cage“), Willie Dixon („Wang Dang Doodle“), Bob Dylan / Jimi Hendrix („All Along The Watchtower“), Muddy Waters („Baby Please Don’t Go“), The Temptations („Papa Was A Rolling Stone“), Elmore James / ZZ Top („Dust My Broom“ mit schönem Slide – 1. Zugabe) oder Robert Johnson („Sweet Home Chicago“ – letzte Zugabe), natürlich in den von ihm etwas härter interpretierten Fassungen.

Björn Hofmann am Schlagzeug, Sohn der Legende (Ecki) Eckart Hofmann, und Michi Weber, der zunächst lange Zeit am Contrabass agierte (wechselte erst im letzten Drittel ab „Green Light Girl“ zum E-Bass) spielten ein schönes Fundament (dazu hatten beide noch ein paar Harmonie-Parts) für den engagiert singenden (Richtung Devon Allman/Mike Zito) und auch in den Ansagen sehr kommunikativen Protagonisten, der natürlich seiner, schon schwer malträtierten Gibson Les Paul Deluxe, wieder unzählige quirlige Soli abverlangte.

Dass Michael als aus Perth stammender australischer Rocker natürlich auch ein wenig AC/DC im Blut hat, zeigte sich unterschwellig in den starken Eigenkompositionen „My Baby Does Better“ und dem, mit furiosem Slide-Finale bestückten „You Aint Bringing Me Down“ als zweite Zugabe.

Nach dem kurzweiligen spielfreudigen Konzert schleppten die Drei schnell ihre Mitbringsel (CDs, T-Shirts, etc.) zum, auf die Schnelle, improvisierten Merchandising-Table und posierten auch noch gut gelaunt mit unserem Logo für die VIP-Galerie. Um es am Ende in Bonamassa-Sprache auszudrücken: Vielen Dank an das Team des weltbesten Blues Clubs für einen sehr gelungenen Abend und die, wie immer, gastfreundliche Aufnahme!

Line-up:
Michael Vdelli (lead vocals, guitars)
Michi Weber (bass, vocals)
Björn Hofmann (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

VDELLI
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Schwarzer Adler

Guitar Heroes Festival – 21.-23.09 2018 – Festivalnachlese

(14) HK - Gerds Ansage mit der Laura Cox Band

Die Entschleunigung rasanter Saitenläufe … oder auch Guitar-Heroes irgendwo im Nirgendwo

Es gibt Leute, die pimpen ihr Auto, fliegen in der Weltgeschichte rum, cruisen durch die Weltmeere oder züchten Büffel.

Der Biobäcker Gerhard Lorenzen, seines Zeichen passionierter ‚Musikverrückter‘, kann über solche Anwandlungen vermutlich nur schmunzeln – und veranstaltet seit 2007 Rock- und Blueskonzerte bei sich Zuhause in Joldelund, einer 715-Seelen Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig Holstein. Drei Bundesstraßen und eine Bahnlinie sind jeweils etwa 10km entfernt … wahrlich eine (rock- und bluesmusikalische) Metropole.

Nein, falsche Fährte, was sich zunächst wie beißender Spott liest, entpuppt sich schnell als der (Noch?)Geheimtipp für alle Anhänger rockiger Bluesmusik oder bluesiger Rockmusik und Artverwandtes.

Genau dies wollten diesen Frühherbst ein Genre-Veteranenquartett aus Oldenburg/Bremen genauer unter die Lupe nehmen und starteten an einem Freitag-Vormittag bei viel Wind und aufgewirbeltem Staub – mit einem kleinen Caravan inklusive Vorzelt im Gepäck – zeitig gen Norden eine Fahrt ins vorfreudige Ungewisse.

Nach 3 ½ Stunden problemloser Fahrt (vom Navi – oder Fahrer mal abgesehen) erreichte der Vierer das Ziel irgendwo im Nirgendwo. Das Headquartier von Gerd – auch liebevoll und augenzwinkernd ’Gerds Juke Joint’ genannt – kam zunächst wenig spektakulär rüber (mit Ausnahme eines durch die Wand geknallten Autos), was sich im Laufe des Wochenendes aber noch gehörig ändern sollte.

Also … wohin mit dem Caravan? Ganz einfach … quasi in Gerds „Garten“ … bloß keine Obstbäume beim rangieren beschädigen! Erste Bullies, Wohnmobile und Caravans waren auch bereits vor Ort. Nun noch schnell vor dem drohenden Regen das rollende Schlafklo vernünftig ausgerichtet, Vorzelt enttüdelt und unfallfrei aufgebaut, die Mistral-Sturmverspannung ob der drohenden Nordwinde angebracht, Stühle und Tische aufgeklappt, den Bluetooth-Krawallmacher in Stellung gebracht und schlussendlich die Kühlbox geöffnet … das Joldelunder Festival der etwas anderen Art konnte beginnen!

Warum der etwas anderen Art?

Weil hier ein funkensprühender, glühender, für die Sache brennender Enthusiast mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten – ohne jegliche kommerzielle Auswüchse(!) – etwas in atemberaubend privater Atmosphäre auf die Beine stellt, was sich grundlegend vom Zeitgeist unterscheidet … und zwar sehr wohltuend. Hier wird noch das Kredo Entschleunigung bei gleichzeitig beschleunigter Saitenarbeit großgeschrieben. Eine wahrhaft nicht alltägliche Konstellation!

Und so begab sich pünktlich um 19.45 Uhr das erwartungsfrohe Quartett auf den ausgebauten Scheunen-Dachboden des Biobäckers Gerd. Nicht ohne auf dem Weg dorthin einem Getränkewagen, einem Frühstücks- und Imbissbereich und einem Festzelt zu begegnen. Oben angekommen war erst recht Staunen angesagt. Sehr viel Holz, tolle Balkenkonstruktionen (fast wie ein Kirchenschiff!), ganz hinten im Raum ein kleiner Tribünen-Loungebereich, in der Mitte ein großzügiges Theken-Sit-in-Konzept, ein vergleichsweise kleines Mischpult, eine kleine Bühne für einen Kameramann, der sich als Bassist von Lake herausstellen sollte und schließlich der recht schmale Raum vor der eigentlichen Konzertbühne auf der Frontseite der Scheune.

Von dieser Bühne aus begrüßte Punkt 20.00 Uhr das Herz dieser Veranstaltung seine Gäste, gab einen kleinen Ausblick auf kommende Veranstaltungen und kündigte den ersten Act an – ein YouTube-Phänomen aus der Region von Paris … die Laura Cox Band, die letztes Jahr ihr Debütalbum veröffentlicht hatten.

Im Kontext des angekündigten Line-Ups hatte sie es nicht leicht, zumal auch der Sound noch nicht der beste war. Aber sie brachte zusammen mit ihren Mitstreitern am Schlagwerk, Bass und zweiter Gitarre als Opener ordentlich Feuer und Stimmung in die Bude. Insgesamt ließ das Line-Up an diesem Wochenende auf recht rockigen Blues schließen, natürlich gemäß des Veranstaltungstitels explizit Guitar-Solo-lastig.

In diesem Zusammenhang geriet der Vortrag der Laura Cox Band eher zu einer Rock-Party, die auch vor Schlachtrössern wie „Foxy Lady“ (weniger gelungen) und „Jumpin’ Jack Flash“ (deutlich mehr gelungen) nicht halt machte. Es war an diesem Wochenende die einzige Band mit zwei Gitarristen und den am wenigsten ausgeprägten Saitensoli, entsprechend zählte die Kompaktheit und das rockige „Los-Geh“- Potential der meisten Songs.

Eine technisch nicht besonders anspruchsvolle Band, die eher das Herz als das Hirn ansprach und folgerichtig als Anheizer gut Dampf auf den Kessel geben konnte. Die sehr lockere, offene, kommunikative Art von Laura Cox kam überdies sehr gut an. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der weitere Weg der Dame gestalten wird.

Nach der Umbaupause enterte dann der Niederländer Julian Sas mit seiner derzeit wahrhaftig formidablen Band die kleine Bühne und … räumte auf ganzer Linie ab! Das Publikum und die Musiker befeuerten sich zunehmend in einen Rausch, Gitarre und Orgel (Roland Bakker) wurde nebeneinander, miteinander und gegeneinander viel Raum gelassen, Rob Heijne (Schlagzeug) und Fotis Anagnostou (Bass) hielten nicht nur den Laden zusammen, sondern setzten virtuos und mit enormem Druck auch eigene Akzente, während ihr Chef traumhaft die Saiten nicht nur glühen, sondern vor allem auch „singen“ ließ. Bluesrock, Classic-Rock, Jam-Rock, Boogie-Rock, Rock’n’Roll … es blieben keine Wünsche offen und entsprechend euphorisiert brachte das Publikum die ebenfalls euphorisierte Band noch zu offensichtlich nicht geplanten Zugaben!

Da hatte es dann das erst weit nach Mitternacht auftretende einstige Gitarren-„Wunderkind“ Eric Steckel doch sehr schwer, das Publikum bei der Stange zu halten, zumal er leider keine Taste an Bord hatte und somit nicht ansatzweise das umsetzen konnte, was insbesondere sein derzeit aktuelles Album „Polyphonic Prayer“ verspricht. Immerhin ist Herr Steckel nicht nur ein Saitenartist, sondern auch außerordentlich versiert auf den Tasten unterwegs.

In Joldelund spielte er allerdings als Power-Trio und zerschredderte konsequent jeglichen Song-Ansatz. Schade, denn er hat selbige eigentlich sehr wohl im Repertoire. Für alle selbst aktiven Gitarristen unter uns gab es sicherlich interessante Erkenntnisse, für alle anderen war es zu fortgeschrittener Stunde eher anstrengend und so leerte sich auch unübersehbar das Auditorium.

Am nächsten Vormittag wurde dann zum Frühstück den Bio-Backwaren (gefühlt 15 verschiedene Sorten!) gehuldigt, die in großen Kisten für einen (sehr!) fairen Betrag zur Verfügung gestellt wurden, einschließlich Bio-Kaffee und Bio-Milch. Derart gestärkt ließ das Genre-Veteranenquartett im trotz teilweise unwirtlichen Wetters gemütlichen Vorzelt den Bluetooth-Speaker qualmen, so dass zumindest das ganze Umfeld auf den aktuellsten Stand der (Blues-)Rock/Classic-Rock/Country-Rock/Americana-Neuveröffentlichungen gebracht wurde.

Zusätzlich musizierten ab 14.00 Uhr insgesamt vier regionale Bands im Festzelt um die Gunst der Aufmerksamkeit, was auch sehr achtbar gelang!

Punkt 20.00 Uhr eröffnete dann die Sean Webster Band (UK/NL) den zweiten Abend … und räumte – von vielen unerwartet – gleich zu Beginn ultimativ ab!
Sean Webster, der „erst“ mit 14 Jahren die Gitarre für sich entdeckte und sich dabei von den drei ’Kings’ (Albert, Freddie, B.B.), Mark Knopfler, Robert Cray, Stevie Ray Vaughan, Gary Moore und vor allem Eric Clapton beeinflussen und inspirieren ließ, bestach umgehend mit einem außerordentlich gefühlvollen, gleichwohl energetischen Saitenspiel wie Gesang und präsentierte hochmelodische Songs bis hin zur fantastisch und geradezu beängstigend intensiv vorgetragenen Cover-Version von „I’d Rather Go Blind“ (Etta James).

Das Genre-Veteranenquartett erkannte hier messerscharf den Saitenartisten alter britischer Schule und erfreute sich zusammen mit dem völlig aus den Häuschen geratenen Publikum über eine singende, seufzende, leidende, jubilierende Saitenarbeit und feierte einen Protagonisten, der zu tollen Songs gesanglich sein Innerstes nach außen kehrte.

Unterstützt wurde er dabei von einer niederländischen Band, wobei Ruud Gielen am Schlagwerk und Floris Poesse am Bass ein wunderbar agiles wie federndes Rückgrat bildeten und Hilbrand Bos an der Taste willkommene Akzente setzte.

Insgesamt ein fulminanter Auftritt voller Leidenschaft, Spielfreude, hinreißender Soli und genauso hinreißendem Gesang. Das anfangs noch zurückhaltende Publikum warf zunehmend jegliche Zurückhaltung über Bord und stachelte den sichtlich freudig überraschten Sean Webster und seine Mannen zu absoluten Höchstleistungen an, die in offensichtlich drei gar nicht geplanten Zugaben gipfelten. Im Anschluss wurde der Merchandise-Stand geradezu gestürmt … und das völlig zu Recht!

Da hatte es der Haupt-Act des Festivals, Ryan McGarvey aus Albuquerque, New Mexico, tatsächlich schwer, trotz seiner unbestreitbar exorbitanten Fähigkeiten an den Saiten, das Publikum für sich zu gewinnen. Zu introvertiert und mit deutlich zu vielen elektronischen Spielereien ließ McGarvey seine musikalischen Inhalte zerfasern – sie rieselten quasi wie Sand durch die Finger. Er beeindruckte zwar insgesamt am Spielgerät, schredderte auch keinesfalls in der Manier eines Steckel, hatte ein solides neues Rhythmus-Fundament im Rücken, verlor sich aber leider im Effekte-Nirvana der unendlichen Möglichkeiten eines Ausnahmetalents.

Da brauchte es dann im Anschluss zur Beruhigung diverser Synapsen Nervennahrung. Auch diesbezüglich hatte Gerd außergewöhnliches zu bieten: Die weltbesten (Bio-)Pommes, Bio-Bratwurst, würziger Nacken im Brötchen und an der Theke mit einer keine Wünsche offen lassender Getränkeauswahl schließlich verboten leckere selbstgebackene Teigtaschen in verschiedenen Ausführungen … jegliche Selbstdisziplinierung zwecklos!

Da konnte dann der letzte Act des Abends kommen … wieder nach Mitternacht und diesmal eine gemeinhin selbst in Genre- und Nerdkreisen völlig unbekannte Band namens Snakewater aus Manchester.Einzige Konstante ist hier Sänger und Gitarrist Bobby Grant, der unverhohlen zugibt, dass sein großes Idol Gary Moore ist.

Vom Bandnamen her könnte ja eher die weiße Schlange als Bezugsgröße vermutet werden, stattdessen ertönte zur vorgerückten Stunde bluesgrundierter Classic-Rock, neben erwähntem Herrn Moore eher an Bad Company und Free gemahnend, wobei Bobby Grant explizit Paul Kossoff als seinen weiteren Helden pries. Aus Sicht des Verfassers dieser Zeilen gab es hier bei allem Rock-Getöse die eine oder andere Songperle (Eigenbau) des gesamten Festivals zu entdecken!

Das „Guitar Heroes Festival“ in Joldelund wäre nicht komplett, gäbe es da nicht das inzwischen wohl legendäre Akustik-Set zum sonntäglichen Frühschoppen. Diesmal hatte Ryan McGarvey solo und ohne doppelten Boden die Ehre und sammelte dann auch prompt mit seiner Akustischen und fulminantem Spiel die Scherben des Vorabends auf, setzte sie wieder zusammen und fand zu seinen Songs zurück. Das anfangs noch ziemlich müde Publikum – diesmal wie in einem kleinen Theater brav sitzend – wachte zunehmend auf, um schließlich aus dem Gestühl zu schießen. Ryan McGarvey sollte zwingend mal eine Unplugged-Platte machen … dieser vormittägliche Auftritt war Dynamit, Weltklasse und bescherte dem Protagonisten dann doch noch verdiente CD-Verkäufe …

… und ließ insgesamt nur einen Schluss zu: Gerd weiß genau, was „seine“ Zielgruppe gerne hören möchte, denn er selbst verkörpert höchstpersönlich selbige geradezu exemplarisch. Ein durch und durch sympathischer Freak, der im Gegensatz zu vielen anderen mit ganz viel Enthusiasmus, Liebe und Engagement etwas aktiv auf die Beine stellt, um den Gegenstand seiner Begeisterung am Leben halten zu können. Nicht verschwiegen sei hierbei, dass dies ohne die Unterstützung seiner Familie und Freunden sicherlich nicht möglich wäre.

Deshalb sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass es von „Guitar Heroes in Joldelund“ sogar ein Independent-Movie in Kinolänge gibt, welches als eine Art Dokumentation wunderbar den Spirit dieser Veranstaltung veranschaulicht. Gerd sucht latent und fortwährend nach Möglichkeiten, diesen Film präsentieren zu können.

Das Genre-Veteranenquartett jedenfalls ruft uneingeschränkt zu jeder möglichen Unterstützung auf!

(Unser Dank gilt besonders auch Gerhard Harder für das zur Verfügung stellen seiner Fotos!)

Text: Olaf Oetken
Fotos: GH (Gerhard Harder) und HK (Henry Klompmaker)

Gerd’s Juke Joint
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John Campbelljohn – 01.10.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Pünktlich um 20:30 betrat der Kanadier John Campbelljohn nach der Anmoderation vom Kulturrampenchef „Pille“ Peerlings zusammen mit seinem langjährigen Schlagzeuger Neil Robertson die dreieckige Bühne der Kulturrampe. Zuletzt war er dort vor ca. vier Jahren zu Gast und muß wohl beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, die Kulturrampe war jedenfalls für einen Montagabend erstaunlich gut gefüllt.

Das Duo benötigte kaum Zeit zum Warmlaufen, die Funken sprangen direkt auf die anwesenden Zuhörer über. Geboten wurde ein kurzweiliger und Dank der Kommunikationsfreudigkeit von John Campbelljohn unterhaltsamer Abend, bestehend aus zwei einstündigen Sets mit kurzer Pause und natürlich einigen Zugaben.

Musikalisch bestachen die beiden durch ihre immense Spielfreude, mit der sie ihre Setlist, gefüllt mit Songs aus den Bereichen Blues, Rock’n’Roll und Blues Rock, zu Gehör brachten. Selbst Klassiker wie „Whole Lotta Love“, „You Can’t Always Get What You Want“, „Hey Joe“ und „Shake Your Moneymaker“ wirkten, im neuen Blues-Gewand und mit Slidegitarre gespielt, erfrischend neu. Dabei produzierten die beiden klanglich erstaunlich viel Druck, und das ganze ohne Verstärkung durch einen Bassisten.

Alles in allem ein tolles Konzert in der Kulturrampe mit vernünftiger Lautstärke, das lange in Erinnerung bleiben wird.

Line-up:
John Cambelljohn (lead vocals, electric guitar, lap steel)
Neil Robertson (drums,vocals)

Text und Bilder: Jörg Schneider

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