Beth Hart – A Tribute To Led Zeppelin – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Beth Hart fügt sich mit dem Album „A Tribute To Led Zeppelin“ in die Reihe der Musiker ein, die in den letzten Jahren Werke „alter“ Künstler wieder aufleben ließen. Dass Beth Hart ein Faible für Led Zeppelin hat, zeigt sich auch dadurch, dass „Whole Lotta Love“ immer wieder Bestandteil ihrer Konzerte ist.

Der Ursprung zu dem Coverwerk ist aber bei den Aufnahmen zu ihrem letzten Longplayer „War In My Mind“ 2019 zu sehen, wo sie während der Aufnahmesessions eine improvisierte Version von „Whole Lotta Love“ sang. Dies beeindruckte den Produzenten Rob Cavallo so, dass er Hart vorschlug, ein Led Zeppelin-Tribute Album aufzunehmen. Damals sagte Sie noch ab, da sie sich nicht bereit dafür fühlte und ihr die, wie sie sagte, nötige Wut für die Led Zep-Songs fehle. Diese schäumte dann im Laufe der Corona-Pandemie in ihr hoch und Hart ließ sich vorgesehenen Songs zuschicken.

Die Tracks sind so geschickt gewählt, dass die gesamte musikalische Bandbreite, die Led Zeppelin nutzte, abgebildet ist. Diese sind von den beteiligten Musikern so hervorragend eingespielt,  dass Beth Hart ihre Stimme sozusagen fast nur noch als I-Tüpfelchen izur Geltung bringen musste.

Krachend beginnt das Album mit besagten Hit „Whole Lotta Love“, um den Zuhörer dann mit dem psychedelisch angehauchten „Kashmir“ gedanklich in eine Reise in den Orient zu entführen. Geschickt wird diese Stimmungslage in der Zusammenstellung der Songs genutzt, um das fast verträumt wirkende „Stairway To Heaven“ nachzulegen, wo Hart stimmlich ihre zarte Seite zeigt.

Schon mit den ersten Tönen von „The Crunge“ wird der Hörer wieder aus den Träumen gerissen und Beth Hart hüllt den Song in ein peppiges funkiges soul-umhauchtes Gewand. Im Medley „Dancing Days / When The Levee Breaks“ kommt Harts kraftvolle Stimme gut zur Geltung und das psychedelische orientalisch angehauchte Flair der ursprünglichen Songs wird so mit neuem Leben gefüllt. Hier sorgen, wie bei anderen Stücken auch, die orchestralen Arrangements für eine enorme Sounddichte.

In „Black Dog“ offeriertt Hart, dass sie stimmlich Robert Plant in den hohen Tönen sehr nahe kommen kann. Furios in diesem Song auch das Gitarrenspiel und die treibende Rhythmusfraktion. Mit dem zweiten Medley „No Quarter / Babe I’m Gonna Leave You Now“ kehrt vom Tempo her zunächst wieder etwas Ruhe ein.

Psychedelisches Gitarrenspiel, unterstützt vom entsprechenden Gesang Harts, lädt wieder zum Träumen ein. Toll arrangiert sind dabei die verschiedenen Instrumente, die klar differenziert die Komplexität der alten Zeppelin-Klassiker zum Ausdruck bringen.

„Good Times Bad Times“ scheint für Beth Hart nicht nur stilistisch maßgeschneidert zu sein, es spiegelt gewissermaßen auch die Höhen und Tiefen wieder, die sie selbst durchgemacht hat. Zuweilen hört man dort die Anfangs angesprochene Wut nicht nur in der Stimme, sondern auch im Spiel der Gitarre.

Im „The Rain Song“ zeigt sich Hart wieder stimmlich sehr gefühlvoll und mit diesen psychedelisch klasse arrangierten Song wird ein starkes Album abgerundet, in dem eine würdige Hommage an eine der populärsten und kreativsten Rockbands gesetzt wird und in dem, sowohl Hart, wie auch die anderen Musiker, viel ihrer eigenen Kreativität einfließen lassen. 

Interessant wird sein, ob Hart in der für den Herbst angesagten Deutschlandtour zumindest Teile dieses starken Albums in das Programm einfließen lässt. Wenn ja, kann dieses Werk die Zeit bis dahin verkürzen und dem Rockfan schon vorher das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.

Band:
Beth Hart – Gesang
Rob Cavallo – Gitarre
Tim Pierce – Gitarre
Chris Chaney – Bass
Jamie Muhoberac – Keyboards
Dorian Crozier – Schlagzeug
Matt Laug – Schlagzeug
David Campbell – orchestrale Arrangements

Provogue Records, Mascot Label Group (2022)
Stil: Hard Rock, Psychedelic Rock

Tracklist:
01. Whole Lotta Love
02. Kashmir
03. Stairway To Heaven
04. The Crunge
05. Dancing Days / When The Levee Breaks
06. Black Dog
07. No Quarter / Babe I`m Gonna Leave You now
08. Good Times Bad Times
09. The Rain Song

Beth Hart
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Mascot Label Group

Jay Jesse Johnson – Man On A Mission – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Erinnerungen an seine Jugendzeit haben den US-Blues-Rock Gitarristen und Sänger Jay Jesse Johnson offenbar dazu bewogen, seine neue Scheibe „Man On A Mission“ im Vintage-Style der 70er Jahre einzuspielen. Als 18-jähriger war Johnson von Iowa nach New York gezogen, um in Clubs und Studio-Sessions seine Spielkunst anzubieten und professionell durchzustarten.

Beeinflusst von der British Blues Invasion und u.a. Jimi Hendrix, Cream und John Mayall finden sich nun derartige Stilmerkmale eingebettet im eigenen Guitar-Sound wieder und werden mit nordamerikanischen Blues, Boogie und Rockelementen gepaart. Schon der Einsteiger-Track „Got To Burn“ widmet sich nach dem vielversprechenden Intro ausgiebig einer Texas-bluesigen, an ZZ Top-orientierten Spielweise, die mit dem Titel-Song „Man On A Mission“ im feinen Straight-Boogie nochmals intensiv und ansprechend ein Southern-Rock Ausrufezeichen hinterlässt.

Nach fast 50 Jahren im Musik-Business hat JJJ mit seinem 7.Solo-Album 10 eigene Stücke aufgelegt, die den Six-String-Virtuosen in bester Spiellaune zeigen und in wechselnder Eleganz Road-Trip Tracks impulsiv und ausgewogen in Szene setzen. Der inzwischen 66-jährige kann dabei jederzeit auf seinen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Dass die makellose Eigenproduktion (Johnson recorded, mixed and produced himself) im heimatlichen Cotton Run Studio, Hamilton, Ohio natürlich ein Heavy Guitar-Album geworden ist und die starke Präsenz des Protagonisten bei seinem musikalischen Werk keinen Zweifel aufkommen lässt, beweisen auch der weitere Southern Blues-Track „Good As Gone“ und die Slide-Intro geprägte Nummer „One Day At A Time“, die durchaus von Gary Moore intoniert sein könnten.

Diese Art der authentisch eigenen, jedoch artverwandten, geradlinigen Virtuosität ist bei „Rock The Blues“ als unverkennbare Deep Purple-Anspielung erinnerungswürdig instrumentiert und kommt mit „What Ever You Want“ (kein Status Quo Cover!) besonders stark zum Vorschein. Atmosphärisch leicht klingt hingegen der epische Slow-Blues „No Disguise“, der ähnlich, wie das abschließende Instrumental-Stück „Beyond The Horizon“ variantenreiche Solo Parts des Old-School-Guitar Maestros mehr als ausdrucksstark betont.

Für Blues Rock-Fans ist der neue Longplayer „Man On A Mission“ von Jay Jesse Johnson ein „Big Beat“-Album, das den Sound der klassisch-traditionellen Heavy-Rock Power-Jahre wieder einmal verdient zu Ehren kommen lässt.

Grooveyard Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Got To Burn
02. Livin’ On Rock N‘ Roll
03. Man On A Mission
04. Good As Gone
05. No Disguise
06. Whatever You Want
07. One Day At A Time
08. Tearin’ Down The Walls
09. Rock The Blues
10. Beyond The Horizon

Jay Jesse Johnson
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Sonic Mojo Media

Scott Ramminger – Live at 3rd & Lindsley Nashville – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Am 4. Februar hat der Songwriter, Sänger und Saxophonist Scott Ramminger sein nunmehr sechstes Album veröffentlicht. Es ist ein Livewerk, aufgenommen während zweier Gigs im Spätsommer 2021 im berühmten Club „3rd & Lindsley“ in Nashville. Ein Heimspiel sozusagen, stammt Ramminger selbst doch aus dieser Südstaaten-Musikstadt.

„Live at 3rd & Lindsley“ enthält zehn eigene Originalsongs sowie eine Studioaufnahme als Bonustrack.
In den ersten sechs Songs zupft James Pennebaker, der auch schon mit Bonnie Raitt, Willie Nelson, Charlie Daniels und anderen Südstaatengrößen gespielt hat, die Gitarre. In „Walk A Little Straighter“ liefert er z. B. ein tolles Solo ab.

In den folgenden vier Tracks ist anstelle von Pennebaker Joe V. McMahan an der Gitarre, ebenfalls ein Gitarrist mit erstaunlicher Reputation. Die restliche „Besatzung“ besteht in allen Songs aus Ger Hoffman am Bass und Maxwell Schauf an den Drums.

An der Spielfreude, die die Songs auf dem Albums entwickeln, merkt man direkt an, dass Ramminger Liveauftritte liebt. Allerdings kommt die typische Liveathmosphäre auf den Mitschnitten leider nur verhalten zur Geltung.

Schade an sich, da die Mucke echt viel Spaß macht. Vom Stil her sind alle Titel naturgemäß durch Rammingers Saxophonkünste geprägt und kommen daher teilweise jazzig und swingend („Living To Fast“, „Someone New To Disappoint“) oder / und mit Boogieinflüssen („Think About You“, „It‘s Hard To Be Me“) daher.

Lediglich „Lemonade Blues“ und der Bonustrack „Come Valentines‘ Day“ sind echte Bluesstücke, letzterer ein süßer Slowblues. Ein flotter, gute Laune verbreitender Rocker ist schließlich „This Town‘s Seen The Last Of Me“, das mit einem leicht konfusen Schlagzeugintro beginnt.

Jeder Titel des Albums ist für sich gesehen sicherlich ein Hörgenuss, in Summe aber ähneln sich viele der Tracks allerdings ein wenig. Trotzdem ist die Scheibe für Fans dieser Musikrichtung, die mit viel Saxophonbegleitung aufwartet, ganz bestimmt eine Kaufempfehlung wert.

Label: Arbor Lane Music (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Thinking About You
02. Living Too Fast
03. Someone New To Disappoint
04. Daisy
05. Lemonade Blues Blues
06. Walk A Little Straighter
07. I Really Love Your Smile
08. More Than One Flavor
09. It‘s Hard To Be Me
10. This Town‘s Seen The Last Of Me
11. Come Valentines Day (Bonus Studio Track)

Scott Ramminger
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Elles Bailey – Shining In The Half Light – CD-Review

Elles Bailey zählt zu den Künstlerinnen, die bei den Dingen, die wir in ihrer Sache bisher im SoS beleuchtet haben, allesamt restlos überzeugen konnte. Zum einen bei ihren beiden starken Konzerten 2018 und 2019 im heimeligen topos in Leverkusen und auf ihren beiden bis dato veröffentlichten Silberlingen, wobei sie bei ihrem Debüt „Wildfire“ sogar den geschätzten Kollegen Segets begeisterte, der ja für seinen überwiegenden Faible für eher verschrobene Musik bekannt ist.

Am 25. Februar erscheint nun ihr drittes Werk „Shining In The Half Light“, das zum ersten Mal (vermutlich der Pandemie und auch den zu dieser Zeit zu erwartenden Mutterfreuden der Protagonistin geschuldet) komplett in den Middle Farm Studios  im englischen Devon entstanden ist (bei den Vorgängern war Elles ja zum Teil auch nach Nashville gereist).

Assistiert und geholfen haben ihr in Sachen Songwriting Leute wie Ash Tucker, Will Edmunds, Martin Harley, Matt Owens von der Indie-Folk-Band Noah And The Whale, Alex Maile, Tamara Stewart, Brett Boyett sowie ihr sympathischer Gitarrist Joe Wilkins, der sich auch wieder für die formidable Saitenarbeit verantwortlich zeigt. 

Bassist Matthew Waer, Jonny Henderson an den Keys und Drummer Matthew Jones vervollständigten den instrumentellen Teil, Izo Fitzroy, Jade Elliot sowie Andrusilla Mosley sorgten für herrlich gospelige Harmoniegesänge, Dan Weller (Enter Shikari) übernahm die Produktion der Scheibe.

Elles Bailey ist für mich eindeutig die amerikanischste Britin, die ich bisher rezensieren durfte. Nicht nur ihrer Stimme wegen, die mich zu einem großen Teil in ihrer Gewalt und Variabilität an die grandiose Sängerin Wynonna erinnert, sondern vor allem dank des stark südstaatlich geprägten Sounds, der von swampigen Slide-Gitarren, Southern Rock-artigem und countryesken Sound, nicht zu vergessen den weiblichen Backgroundvocals, bestimmt wird.

Gerade die drei ersten Stücke „Cheats And Liars„, „The Game“ und „Stones“ werden unserer Southern Rock-Klientel Freudentränen in die Augen treiben, was aber auch für die ruhigeren Sachen gilt, die nur so vor Southern Soul und Countryfeeling strotzen und bei denen die überragenden Lead vocals von Bailey noch besser zum Tragen kommen.

Klaro, bei Tracks wie dem mit wummernder Orgel und rockigen E-Gitarren angeschobenen „Sunshine City“, das auch gut auf Whitesnakes damaliges „Ready ‚An Willing“ gepasst hätte, oder dem abschließenden Titelsong „Shining In The Half Light“ mit einem unterschwelligen psychedelischen Bad Co.-Flair, blinzelt der britische Ursprung dann auch mal hervor.

Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, weiterhin eher ihrem sparteninternen Insiderstatusleben fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme als der Star aus London verweisen und die bessere Musik, wie es auch „Shining In The Half Light“ wieder beweist, macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

Elles Bailey
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V2 Records & Bertus Musikvertrieb

 

 

 

Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl weiterhin, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, eher ihrem sparteninternen Insiderstatus fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme verweisen und die bessere Musik macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

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Kommen wir am Ende zu den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Während ihrer Landsmännin Adele die Welt stilübergreifend zu zu Füße liegt, vom Finanziellen ganz zu schweigen, wird Elles Bailey wohl weiterhin, trotz einiger Aufseher, wie die Wahl zum ‚UK Blues Artist of the Year 2021‘ oder einer Nominierung zum ‚Artist of the Year‘ bei den UK Americana Awards 2022, eher ihrem sparteninternen Insiderstatus fristen müssen.

Dabei kann sie auf eine mindestens ebenso, wenn nicht sogar  ausdrucksstärkere Stimme verweisen und die bessere Musik macht sie ohnehin schon immer…

Outlaw Music – (2022)
Stil: Blues/(Southern) Rock/Country/Roots

01. Cheats And Liars
02. The Game
03. Stones
04. Colours Start To Run
05. Different Kind Of Love
06. Who’s That
07. Sunshine City
08. Halfway House
09. Riding Out The Storm
10. Shining In The Half Light

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Walk That Walk – You Good.?! – CD-Review

Walk That Walk ist ein Quartett, das sich bis dato einen Namen in der Bostoner Blues-Szene gemacht hat, aber, zumindest auf diesem Album mit dem Titel „You Good.?!“, ihren Blues mit Elementen bereichert, die man eher in südstaatlichen Gefilden wahrnimmt.

Dies kann man schon an den genutzten Instrumenten des Bandleaders, Lead-Vokalisten (tolle raue Stimme irgendwo zwischen Roger Chapman und Billy Gibbons) und auch Produzenten dieses Werks, Chuck ‚Poppa C‘ DeSnyder, erkennen, der sich für Gitarren, Slide und Dobro verantwortlich zeigt, aber auch denen des Gastmusikers Pappy Biondo, der mit Gitarre, Banjo, Fiddle und Dobro eine wichtige Rolle spielt.

Das etatmäßige Line-up wird noch durch Jon ‚Gutlet‘ Reese am Bass, James ‚Stickman‘ Waldron an der Mundharmonika und Alan Waters am Schlagzeug vervollständigt. Weitere recht markante Akzente setzen Rebecca Jean Smith mit schönen weiblichen Harmonyvocals und der überragende Ray Paczkowski, der mit einigen Orgelspielereien und viel Pianogeklimper ebenfalls einen wesentlichen Stempel aufdrückt.

Meine beiden Favoriten der CD sind direkt der Opener „I’m The Man“, der durch seinen „After Midnight“-Groove mit reichlich J.J. Cale-Flair daherkommt und das originell gemachte „All Kinds Of Alcohol“, wo DeSnyder und die weitere Gastsängerin namens Queen E, zu einer bluesigen Untermalung, eine Art  typische Thekenunterhaltung führen und sich ein humorvolles Frage- und Antwortspiel liefern. Klasse gemacht, schön finde ich die Passage, wo er sie fragt: „Whatya think of my singin‘? Sie: „You know what I tell people about your singin‘?“ Er: „Well, what do you say?“ Sie:  I tell ‚em that you are a really good guitar player!“

„Country Boy Strong“ kommt, wie es der Titel vermuten lässt, countrylastig, in „Detroit Rumble“ werden Musiker aus der Region wie u. a. Bob Seger und Mitch Ryder textlich gewürdigt, der Rest ist klasse und authentisch performter Blues, mal rockiger, mal traditioneller, wobei die hier und da eingebrachte quäkige Harp auch für ein wenig Deltaspirit sorgt.

Da ich mal davon ausgehe, dass Walk That Walk in unseren Sphären eine eher unbekannte Variable darstellen, darf man der hiesigen Blues-Interessen-Gemeinde ihr Album „You Good.?!“ guten Gewissens als Tipp empfehlen. Wirklich gut gemacht!

Eigenproduktion (2021)
Stil: Blues & More

Tracklist:
01. I’m The Man
02. You Good.?!
03. Detroit Rumble
04. After Hours
05. The Workin‘ Blues
06. Country Boy Strong
07. Gone Fishin‘
08. All Kinds Of Alcohol
09. It’s Cocktail Time

Walk That Walk
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Amos Lee – Dreamland – CD-Review

Review: Michael Segets

Amos Lee hat in der Vergangenheit einige gute Songs veröffentlicht und mit dem Album „Mission Bell“ (2011) in Amerika eine Top-Platzierung in den Charts eingefahren. Nach „Mountains Of Sorrow, Rivers Of Songs“ (2013) habe ich seinen musikalischen Werdegang nicht weiter verfolgt. Zwei Studioalben und knapp zehn Jahren später bietet „Dreamland“ nun die Gelegenheit, den aktuellen Stand des Singers/Songwriters wieder in den Blick zu nehmen.

„Dreamland“ steht wie viele andere Alben, die in dem letzten Jahr auf den Markt gebracht wurden, unter den Eindrücken, die die Pandemiezeit mit sich brachte. Lee thematisiert Isolation und Ängste auf seinem Werk. Dabei versucht er durchaus Optimismus zu versprühen und sich nach eigener Aussage stärker den Mitmenschen zuzuwenden, als er es bisher als Songwriter getan hat.

Mit dem Produzenten Christian Langdon an seiner Seite entstand ein sorgsam, voll arrangiertes Werk, das teilweise in das Pathetische und Bombastische hinübergleitet. Der titelgebende Opener mit sich einbrennenden Klavierlauf und fast hypnotisch gehauchtem Gesang dient mit seinem dramatischen Refrain als Beispiel dafür. „Seeing Ghosts“ bekommt mit dem Einsatz von Streichern einen orchestralen Einschlag. Bei „It’s Real“ wagt sich Lee in stimmliche Höhen, die den schmachtenden Song nicht aufwerten. Sein Gesang überzeugt mich auf „Invisible Oceans“ ebenfalls nicht.

Bei „Hold You“ wird das Gefühl letztlich durch die opulente Instrumentalisierung erdrückt. „Clean“ hält den schmalen Grat gerade noch. Eine schöne Ballade gelingt Lee allerdings mit „Into The Clearing“, bei dem das Arrangement die Atmosphäre des Songs unterstützt. Den Titel als eine Single auszuwählen, war die richtige Wahl. Das dynamische „How You Run“ ist ebenfalls noch auf der Habenseite zu verbuchen.

Während auf „Mission Bell“ Lucinda Williams und Willie Nelson mitwirkten, gibt Lee an, sich in seiner weiteren musikalischen Entwicklung an Norah Jones orientiert zu haben. Mit diesem Vergleich im Hinterkopf lassen sich durchaus Parallelen herausfiltern. Lee bedient sich beim R&B und Soul, was bei der Single „Worry No More“ und bei „See The Light“ zu hören ist. Mit „Shoulda Known Better“ geht er in Richtung eines leicht angejazzten Pop.

Auf „Dreamland“ blitzen die Qualitäten von Amos Lee als Songwriter auf, werden aber durch die üppigen Arrangements überstrahlt. Die meisten Balladen wirken stellenweise überladen. Lee gibt auf anderen Stücken Elementen von R&B, Soul und Pop einigen Raum, sodass diejenigen, die seine älteren Aufnahmen noch im Ohr haben, ihn kaum wiedererkennen. Unter diesen Songs finden sich eingängige Titel, die aber die SoS-Leserschaft wohl eher nicht als Zielgruppe haben.

Dualtone Records – MNRK/Bertus (2022)
Stil: Singer/Songwriter and more

Tracks:
01. Dreamland
02. Worry No More
03. How You Run
04. Into The Clearing
05. Hold You
06. See The Light
07. It’s Real
08. Seeing Ghosts
09. Shoulda Known Better
10. Clean
11. Invisible Oceans

Amos Lee
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Oktober Promotion

Dustin Lynch – Blue In The Sky – CD-Review

Zehn Jahre sind schon wieder vergangen, seit ich das Debütalbum von Dustin Lynch in höchsten Tönen gelobt hatte. Das erreichte auch prompt Platz 1 in den Country-Billboard-Alben-Charts und die darin enthaltene Single „Cowboys And Angels“ zwar nur Platz 2, aber immerhin Platinstatus. Ein echter Traumstart für einen jungen Künstler also.

Seitdem ist viel Wasser den Tennessee River heruntergeflossen. Sämtliche drei Nachfolgerwerke konnten die Spitze zwar nicht wieder erklimmen, landeten aber alle unter den Top-5, große Touren mit Star-Acts wie Luke Bryan, Florida Georgia Line und Brad Paisley in ausverkauften Stadien und Hallen folgten, seit September 2018 ist Dustin Lynch Mitglied der Grand Ole Opry.

Auf seinem 5. Werk „Blue In The Sky“ unter dem nach wie vor ihn unter Vertrag habenden Broken Bow Records-Label (u. a. Jason Aldean, Lainey Wilson, Craig Morgan), diesmal produziert von Zach Crowell, gibt es wieder flockige, klasse ins Ohr gehende New Countrysongs, teilweise von Dustin mit den üblichen Nashville-Songwritergrößen komponiert.

Was mir besonders neben den allesamt tollen Melodien gefällt ist, dass die Arbeit mit Saiteninstrumenten, sprich Akustik-, klasse E-Gitarren und Dobro  (dazu noch punktuell Banjo, Steel und Fiddle), im Vordergrund steht, und sehr gut mit Lynchs angenehmer Stimme harmoniert. Drei Kollaborationen mit Leuten wie Chris Lane, Riley Green und MacKenzie Porter sorgen für belebende stimmliche Abwechslung, dazu kommen schöne Feiersongs mit einfachen Mitsing-Refrains („Party Mode“, „Stars Like Confetti“, „Break It On A Beach“, „Tequila On A Boat“ – erinnert an Old Dominions „I Was On A Boat That Day“) und „Huntin’ Land“.

Auch der in den Staaten immer wichtige patriotische Bezug ist natürlich reichhaltig vorhanden, wie man es an Titeln wie „Tennessee Trouble“, „Back Road TN“ und „Pasadena“ schon erahnen kann. Und wenn man am Ende dem mit weinender Steel und Fiddle versehenen, pathosgetränkten „Not Every Cowboy“ mitfühlend seine auditorische Ehre erweist, sind knappe 40 unterhaltsame Minuten wie im Fluge vergangen.

Ich glaube, dass ich nicht das Blaue vom Himmel lüge, wenn ich behaupte, dass auch „Blue In The Sky“ von Dustin Lynch wieder ein Topranking belegen wird. Der Protagonist hat vielleicht ein nicht ganz so ein großes Ausrufezeichen wie Morgan Wallen zu Anfang des letzten Jahres gesetzt, aber immerhin eine erste hohe Benchmark aufgelegt. Für mich das bisher beste New Countryalbum in 2022.

Broken Bow Records (2022)
Stil: New Country

01. Party Mode
02. Thinking ‚Bout You (feat. MacKenzie Porter)
03. Stars Like Confetti
04. Somethin’ That Makes You Smile
05. Break It On A Beach
06. Tequila On A Boat (feat. Chris Lane)
07. Tennessee Trouble
08. Summer Never Ended
09. Back Road TN
10. Huntin’ Land (feat. Riley Green)
11. Pasadena
12. Not Every Cowboy

Dustin Lynch
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Lime Tree Music

Grande Revival – Liberty Station – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Grande Revival ist amerikanische Westküsten-Newcomer Band, bestehend aus „Dirty“ Dave Osti und Craig Ericson (beide Gitarre und Gesang), Anthony James (Bass) sowie Cosmo Benz (Drums). Mit „Liberty Station“ legen die vier ihr Debutalbum auf Grooveyard Records vor, einem Indie-Label, das sich ganz und gar dem Old-School-Rock, inspiriert von den Gitarrengrößen der 70‘er Jahre, verschrieben hat, alles getreu dem Motto „Keep the rock alive“. Und damit ist auch klar, was der Hörer von dieser Scheibe erwarten darf: klassischen, bluesbasierten Hard Rock mit melodiösen Einflüssen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die zehn Songs des Albums sind ohne Wenn und Aber gute, rockige Hausmannskost, wie sie so oder so ähnlich vielfach, zumeist in den frühen 70‘ern, gespielt wurde. Besonders deutlich wird dies in dem straighten und energiegeladenen Opener „Scars On The Road“, an das sich das etwas ruhigere und melodiösere „She‘s My Angel“ mit schöner Old-School Leadgitarre anschließt. „Brave The Storm“ kommt dem Opener recht nahe, ist aber etwas ruhiger arrangiert und in dem leicht country-beeinflussten „Cabin In The Country“ blitzen immer wieder Slideelemente auf.

Der Titelsong „Liberty Station“ und „Gypsy Southern Highway“ besitzen einen balladesken Anstrich, auch wiederum eingebettet in den typischen 70‘er Jahre Gitarrensound. Mit „Heal The Hurt“ und „Good Time“ schließen sich dann zwei weitere fette Hard Rock-Stücke an und bei „Sweet Comfort Of Love“ kommen tatsächlich auch zarte Southern-Gefühle auf.

Zum guten Schluss endet das Album mit dem abwechslungsreichen Track „Big River Moon“. Der Song beginnt mit einem ruhigen Akustik-Part, entwickelt sich dann aber zu einem gemächlichen Hard Rock Song mit teilweise sphärisch klingender Gitarre im Mittelteil und endet schließlich wieder als ruhiges Akustikstück.

Zwar trifft Grande Revival mit ihrem neuen Album „Liberty Station“ nicht unbedingt die eigentliche Zielgruppe von Sounds Of South, dennoch ist die Scheibe nicht zuletzt durch die grundsolide Musikalität der vier Bandmitglieder eventuell auch für unsere Leserschaft interessant. Vielleicht ist ja auch noch der / die Eine oder Andere ein wenig mit dem Rocksound von vor 50 Jahren verhaftet. Dann kommen die zehn durchaus starken und teils auch bombastisch klingenden Songs der Scheibe sicherlich gut an.

Label: Grooveyard Records (2022)
Stil: Rock, Hard Rock

Tracks:
01. Scars On The Road
02. She‘s My Angel
03. Brave The Storm
04. Cabin In The Country
05. Liberty Station
06. Gypsy Southern Highway
07. Heal The Hurt
08. Good Time
09. Sweet Comfort Of Love
10. Big River Moon

Grande Revival bei Grooveyard Records

Old Salt – Live In Room 13 – EP-Review

Review: Michael Segets

Sänger Dan Wall kommt aus New York, Violinistin Lotte Remmen und Gitarrist Johannes Wannyn aus Belgien, wo auch der Stammsitz der Band liegt. Die drei bilden den Kern von Old Salt, die sich als internationale Band versteht und sich dem Bluegrass verschreiben hat. Frühere Mitglieder stammen aus Schweden, Schottland und Frankreich, wobei die Band zeitweise auf sieben Musiker anwuchs.

„Live In Room 13“ spielte Old Salt als Quartett mit Lara Rosseel am Double Bass ein. Die EP wurde live aufgenommen. Das auf dem Cover zu sehende Publikum ist allerdings nicht zu hören. Nach ihren beiden Alben „Up River Overseas“ (2016) und „Commons“ (2019) will die mit einem europäischen Bluegrass-Preis ausgezeichnete Band mit ihrer neuen Scheibe auf ausgiebige Tour gehen.

Mit viel Swing performt die Band den fast hundert Jahre alten Klassiker „Nobody Knows You When You’re Down And Out“ von Jimmy Cox. Old Salt reiht sich mit ihrer Version in eine beachtliche Reihe von Musikern ein, wie Eric Clapton und The Allman Brothers Band, die den Song ebenfalls aufnahmen. Von Woody Guthrie stammt „Pastores Of Plenty“, das als Medley mit „Charlie’s Dog“ gespielt wird. Wall komponierte den zweiten Part und beweist Fingerfertigkeit auf seinem Banjo, das zusammen mit Remmens Geige den Track antreibt.

Das Blind Alfred Reeds Stück „Always Lift Him Up And Never Knock Him Down” ist deutlich ruhiger angelegt. Die Americana-Ballade erhält durch den mehrstimmigen Gesang eine besondere Atmosphäre. Ebenso unterstützen die anderen Bandmitglieder Wall bei „St. James Infirmary Blues“ phasenweise am Mikro. Wie beim Opener gibt Old Salt auch dem traditionellen Song gehörig Swing mit.

Durch Intro und ein längeres Intermezzo der Geige sowie einer deutlichen, fast schon ins Hecktische gehenden Temposteigerung kann der Song als auffälligster der EP bezeichnet werden. Die anderen Titel haben nach meiner Einschätzung allerdings die Nase vorn. So vor allem auch der äußerst stimmungsvolle Ausklang „Grey Funnel Line“, der Irish-Folk-Töne anschlägt und a-cappella von der Band gesungen wird.

Old Salt zeigt mit den fünf Tracks der EP „Live In Room 13“ die Möglichkeiten des Bluegrass auf, der sich nicht auf den Country-nahen amerikanischer Spielart reduzieren lässt. Den beherrscht das Quartett auch, aber es gibt ebenso dem keltischen Folk und dem Swing Raum. Die in Belgien angesiedelte Band zeichnet so mit Covern älterer Songs ein buntes Bild einer Musikrichtung, die in Europa wenig etabliert ist.


Eigenproduktion (2022)
Stil: Bluegrass

Tracks:
01. Nobody Knows You When You’re Down And Out
02. Pastures Of Plenty/Charlie’s Dog
03. Always Lift Him Up And Never Knock Him Down
04. St. James Infirmary Blues
05. Grey Funnel Line

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Vanesa Harbek – 29.01.2022, Jazzkeller, Krefeld – Hybrid-Konzertbericht

An was man sich so alles gewöhnen muss in diesen Zeiten. ‚Hybridkonzert‘ ist auch so ein Neubegriff, der aus der aktuellen Not der Clubbetreiber, pandemiebedingt zustande gekommen ist. Gemeint ist ein Gig, der sich zum einen, unter strengen Hygienevorschriften im Rahmen einer kleiner Anzahl von geduldeten Zuschauern, live vor Ort abspielt und gleichzeitig per Livestream im Internet übertragen wird und dort nach dem Hutprinzip auch finanziell gewürdigt werden kann.

Die Digitalisierung macht es möglich und sie ist also auch in der Live-Rockmusik längst angekommen. Die Grenzen wurden, zumindest mir, dann allerdings auch schnell aufgezeigt. Ich kann jedoch nicht beurteilen, ob es nur ein lokales Problem im heimatlichen Rheinberg war, da stürmte es an diesem Abend ziemlich, das irgendwelche Übertragungskomplikationen mit sich brachte.

Die Situation war jedenfalls so: Kollege Gernot war vor Ort im Jazzkeller in Krefeld zum Fotografieren unter den 40 erlaubten Leuten anwesend, ich mit Kuli und Block vor dem heimischen Fernseher sitzend. Im Club selbst verlief laut Gernot alles bestens, toller Sound, spielfreudige Band, mit der gut aufgelegten Fronterin Vanesa Harbek (deren Verwandte in Buenos Aires auch per Livestream dabei waren), Rockmusik-Tausendsassa Martin Engelien und Axxis-Drummer Dirk Brand, die im Trio für gute Stimmung sorgten.

Bei mir sorgten ein durchgehend verschwommenes und von vielen Aussetzern durchzogenes Bild und auch der am Fernseher limitierte und nach 22 Uhr in einem Mietshaus dezibelmäßig eingeschränkte Sound, für ein eher reduziertes Konzertvergnügen.

Das Trio eröffnete zum Aufwärmen der Finger, Hände und Arme, mit dem für Vanesa typischen Freddie King-Instrumental „Hideaway“. Danach stand dann aber das brandaktuelle Album „Visiones“ im Fokus, das, soweit Gernot anmerkte, auch bis auf einziges Stück, komplett vorgestellt wurde, wobei Vanesa bei den auf spanisch vorgetragenen, oft Bolero-artigen Stücken, ihren heimatlichen Wurzeln, immer wieder Tribut zollte oder bei den englischen Tracks dann Blues-rockig ihre Fingerfertigkeit auf der E-Gitarre avisierte.

Als die Harbek nach einer starken Coversion von „Black Magic Woman“, inklusive eines Drumsolos von Brand, die Akustikgitarre für zwei Lieder in die Hand nahm, zwischendurch zu kurzen Trompetenintermezzi wechselte und dabei ihre Multitasking-Fähigkeiten untermauerte, brach bei mir der Livestream komplett ab (Ton und Bild). Als nach einer Viertelstunde zu später Zeit, immer noch nichts ging, endete meine Frustrationstoleranz. Ich hoffe, gerade für den Jazzkeller, der ja einen unheimlichen Aufwand betrieben hat, dass wenigstens alle anderen Stream-Teilnehmer, dem Konzert problemlos folgen konnten.

Von daher geht es jetzt ganz hybrid an Gernot zur Beleuchtung des restlichen Abends weiter.

Hier zeigt sich dann nun mal der Unterschied zwischen live vor Ort und live als Stream, wobei das Netz in Rheinberg auch aus meinen Erfahrungen nicht optimal ist. Vor Ort war der Sound differenziert und klar und trotz der auf 40 Besucher reduzierten Auslastung mit 2G+ war es ein stimmungsvoller Abend.
 
Im ersten, von Daniel beschriebenen Teil ragte für mich das hart gespielte „Trying“ (mit Harmoniegesängen von Engelien) heraus und zum Ende des Konzerts legte Harbek mit ihrer Band, noch drei Klassiker nach, die es in sich hatten.
 
Bei „Oje Como Vas“, bewies Brand noch einmal sein Können am Schlagzeug, „Going Down“ begeisterte mit gejammenten Teilen und das zunächst eher ruhig beginnende „Proud Mary“ entwickelte sich zum Ende hin, zu einem regelrechten Gewitter mit krachendem Gitarrensolo, einem grollenden Basspassage Engeliens und einem wie entfesselt die Drums bearbeitenden Brand.
 
So endete nach etwa zwei Stunden eine gelungene CD-Live-Präsentation der argentinischen Blueserin Vanesa Harbek und ließ total begeisterte Besucher zurück.
 

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, guitars, trumpet)
Martin Engelien (bass, vocals)
Dirk Brand (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Vanesa Harbek
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Jazzkeller, Krefeld