Henrik Freischlader Band – Hands On The Puzzle – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Wuppertaler Henrik Freischlader bringt mit „Hands On The Puzzle“ sein 15. Album auf den Markt. Begleitet wird er auf dem Longplayer von der neu formierten Henrik Freischlader Band. Der Blues-Gitarrist und -Sänger nennt als musikalische Vorbilder neben Stevie Ray Vaughan und Jimi Hendrix auch Gary Moore, dem er 2017 mit „Blues For Gary“ ein Tribute-Werk widmete.

Das Album “Hands On The Puzzle” steigt entspannt mit „Community Immunity“, „Love Straight“ und „Those Strings“ ein. Erstes Highlight ist die Uptempo-Nummer „Winding Stair“. Hier rockt die Henrik Freischlader Band den Blues. Am Ende des Songs lässt Roman Babik ausgiebig seine Finger über die Tasten des Keyboards gleiten und sorgt für einen sanften Ausklang des Stücks. Noch einen Deut stärker ist der zweite schnelle Song „Stand Up, Little Brother“. Unter den Mitempo-Stücken gehört „Share Your Money“ zu meinen Favoriten. Saxophon und Keys erzeugen dort eine gehörige Portion Swing.

Moritz Meinschäfer am Schlagzeug und Armin Alic am Bass geben den Rhythmus, vor dessen Hintergrund die Soli von Gitarre, Saxophon oder Keys zur Geltung kommen. Die Bandmitglieder nehmen sich den Raum, ihre Fähigkeiten an ihren Instrumenten mit viel Spielfreude auszuleben. So kratzt beispielsweise „Where Do We Go“ an der acht Minuten Marke und „Animal Torture“ überschreitet sie sogar. Die erstgenannte Ballade wird von Marco Zügner mit seinem Saxophon stimmungsvoll begleitet.

Freischlader steuert hier ebenso wie auf „Rat Race Carousel“ gelungene Gitarrenpassagen bei. Eingängig und unaufgeregt ist „I Don’t Work“. Das langsam beginnende „Mournful Melody“ kehrt nach einem dramatischen Zwischenspiel mit langen Gitarrensoli wieder in sanfte Gefilde zurück. Freischladers Gitarre erinnert dabei durchaus an die von Gary Moore.

Die ausgeprägten Instrumentalanteile bei „Creactivity“ rücke ich bereits in Jazz-Nähe. Nach einer Ausblendung legt die Band nochmal los und ich vermute mal, dass es sich dabei nicht um eine Fortführung des Stücks, sondern um einen Hidden Track handelt, da die Texte nicht in dem Booklet aufgeführt sind. Wie dem auch sei: Die Scheibe überrascht zum Abschluss mit einem Gastauftritt von Helge Schneider, der unnachahmliche Shouter-Qualitäten offenbart.

Die CD ist sehr schön aufgemacht und erscheint auf Freischladers eigenem Label Cable Car Records. Ihr liegt ein haptisch ansprechendes Booklet aus dickem Papier bei, in dem die Texte abgedruckt sind. Aufgenommen wurden die Tracks in den Arnsberger Megaphon Tonstudios, in denen auch Chris Kramers aktuelles Werk entstand.

Die Henrik Freischlader Band agiert technisch sicherlich auf einem hohen Niveau. Die Musik ist handgemacht und kommt ohne technische Effekte aus. Die Verspieltheit der Truppe – hier ein Saxophon-Sprengsel und da noch eine Keyboard-Einlage – geht für mein Empfinden etwas auf Kosten des Blues-Feelings.

Ich bin in musikalischer Hinsicht aber eher einfach gestrickt und gradlinige Stücke sprechen mich mehr an als verschachtelte Kompositionen oder gar Improvisationen, wie sie im Jazz vorkommen. Für den, der da aufgeschlossener ist, kann die Auslegung des Blues auf „Hands On The Puzzle“ durchaus eine lohnende Entdeckung sein.

Cable Car Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Community Immunity
02. Love Straight
03. Those Strings
04. Winding Stair
05. Rat Race Carousel
06. Where Do We Go
07. Stand Up, Little Brother
08. Share Your Money
09. Animal Torture
10. I Don’t Work
11. Mournful Melody
12. Creactivity (+ Hidden Track)

Henrik Freischlader
Florence Miller Agency
Cable Car Records

Marc Broussard – Easy To Love – CD-Review

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Mit Marc Broussard kam ich vor vielen Jahren durch einen Bekannten aus Österreich in Berührung, der mir u. a. seine Alben „Carencro“ (Marcs Heimatstadt, in der er immer noch mit seiner Familie wohnt) und „Keep Coming Back“ nahe brachte. Irgendwann hatte ich mir auch noch das 2015er-Werk „A Life Worth Living“ zugelegt.

Im gleichen Jahr nutze ich die Gelegenheit, ihn mir im Dortmunder Musiktheater Piano live anzuschauen. Die Kulisse war allerdings ziemlich spärlich, er ist in  unseren Gefilden – ich vermute auch heute leider immer noch – eher mit Insiderstatus bedacht.

Dabei hat der Mann neben seiner wunderbaren Stimme, ein tolles ‚Händchen‘ für das Schreiben von herrlich melodischen, sauber und stilvoll instrumentierten Liedern, die, der Herkunft Louisianas entsprechend, im südstaatlich soulig-bluesigen Pop- und Rockmusik-Bereich ansiedelt sind.

Auch auf „Easy To Love“ bekommt man wieder 14 hochklassig arrangierte Tracks geboten. Klare Akustik- und knarzige Bariton-E-Gitarren, gluckerndes E-Piano, hallende Orgel, gospelige weibliche Harmoniegesänge, ab und zu eine fiepende Steel-Gitarre, mischen sich samt Rhythmus-Sektion aus Bass und Drums unter seinen formidablen inbrünstigen Gesang (zum Teil an Malford Miligan erinnernd). Dabei gelingt es Broussard, diesen typischen ‚Louisiana-Sound‘, auch ohne Einsatz von Bläser-Sektionen, zu suggerieren.

Highlights aus meiner Sicht sind das grandiose Frankie Miller-Cover „Baton Rouge“, das dezent Steely Dan-umwehte „Anybody Out There“ und das mit einem herrlichen E-Slide-Solo bestückte „Don’t Be Afraid To Call Me“. Im hinteren Bereich der CD wird die Instrumentierung ein wenig sparsamer gehalten, und der Fokus mehr auf seine ausdrucksvolle Stimme gerichtet.

Marc Broussard legt erneut eine starke kreative Leistung hin.  Er macht es einem somit ziemlich leicht, sein neues Werk „Easy To Love“ zu lieben. Es wird von daher interessant sein, wie die Stücke im Rahmen seiner Anfang Oktober stattfindenden Europa-Tournee (auch mit einigen Deutschland-Terminen – wir werden am 12.10. in Düsseldorf zugegen sein), auf der Bühne zur Geltung kommen. Hingehen lohnt sich garantiert!

Big Lake Music
Stil: Soul Blues/Pop/Rock

Tracks:
01. Leave A Light On
02. Baton Rouge
03. Please Please Please
04. Rosé All Day
05. Easy To Love
06. Memory Of You
07. Stand By You
08. Anybody out There
09. Wounded Hearts
10. Don’t Be Afraid To Call Me
11. I Miss You
12. Send Me A Sign
13. Mercy Mercy Me
14. Gavin’s Song

Marc Broussard
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Music Matters

Little Steven And The Disciples Of Soul – Soulfire Live – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach langer Pause veröffentlichte Little Steven 2017 sein Album „Soulfire“ und nutzte die Gunst der Stunde, um mit großer Band – den Disciples Of Soul – auf Tour zu gehen. Eine Bilanz seiner Konzerte hat er nun auf dem Box-Set „Soulfire Live“ mit drei fast randvollen CDs festgehalten.

Für alle Little Steven-Fans und Besucher der Live-Auftritte ist der Kauf sowieso Pflichtsache. Für alle anderen stellt das Set eine gute Gelegenheit dar, mit ihm eine Reise durch die Karriere von Steven van Zandt und der Musikgeschichte des Rock ’n Roll zu unternehmen. Stilecht wird er dann auch von Ikone Mike Stoller angekündigt.

Alle Titel von „Soulfire“ sind auf den ersten beiden Scheiben vertreten, die vorab bereits als Downloads verfügbar waren. Oftmals werden sie von einem Intro eingeleitet, bei dem Little Steven einige Worte zum Hintergrund der Stücke verliert. Gut ist, dass die Einführungen auf den CDs einzeln anzuwählen oder gegebenenfalls auch zu überspringen sind. Weitere Informationen zu den Titeln liefert das umfangreiche und mit vielen Bildern aufgepeppte Booklet. Für die Abmischung konnte Little Steven Bob Clearmountain (Bruce Springsteen, The Rolling Stones, Bryan Adams, Bon Jovi, Sheryl Crow) gewinnen, der es verstand, die Live-Atmosphäre einzufangen.

Seit seinem zweiten Album „Voice Of America“ (1984) versah Little Steven seine Texte meist mit einer politischen Aussage. In dem Intro zu „Until The Good Is Gone“, das zwar als Download zur Verfügung steht, aber aus Platzgründen keine Aufnahme auf die CDs gefunden hat, stellt er das Programm seiner Auftritte vor. Er will nicht die Politik thematisieren, sondern die ‚verrückten Zeiten‘ außen vor dem Konzertsaal lassen und stattdessen die Menschen durch die Begeisterung für handgemachte Live-Musik verbinden. In seinen über zweieinhalb stündigen Konzerten gelingt ihm das auch, wie ich im Frankfurter Batschkapp letztes Jahr miterleben durfte.

Dies ändert natürlich nichts daran, dass Little Stevens ältere Stücke dennoch politische Themen aufgreifen. Vor allem auf der zweiten CD des Sets sind diese durch ein Reggae-Intermezzo („Solidarity“, „Leonard Peltier“, „I’m A Patriot“), „Checkpoint Charlie“ und „Bitter Fruit“ vertreten.

Neben den eingängigen Rockstücken „Angel Eyes“, „Forever“ und „Out Of The Darkness“ spielt der Protagonist auch den wunderschönen Lovesong „Princess Of Little Italy“, der zu meinen absoluten Lieblingstiteln gehört. Mit „Salvation“ von seinem Album „Born Again Savage“ (1999) sorgt Little Steven dafür, dass von jedem seiner bisherigen Alben mindestens ein Titel auf seiner Live-CD erscheint.

Während bislang das Standardrepertoire seiner Setlist während der 2017er-Tour aufgenommen wurde, versammelt der dritte Silberling seltener gespielte Titel und Auftritte einiger Gastmusiker. Außer „Time Of My Life“, dem Soundtrack zu „Nine Month“, und einer alternativen Version von „I Don’t Wanna Go Home“ handelt es sich durchweg um Cover-Versionen.

„Can I Get A Witness” findet sich bereits auf Little Stevens Rockpalast-DVD. Auf der neuen Version steht Richie Sambora mit auf der Bühne. „Even The Loosers“, „Working Class Hero”, „You Shook Me All Night Long” sind Verneigungen vor Tom Petty, John Lennon und Malcom Young (AC/DC). „Tenth Avenue Freeze-Out“ performt er zusammen mit seinem Freund Bruce Springsteen.

Den Sounds-Of-South-Fans wird „It’s Not My Cross To Bear“ von Greg Allman gefallen. Die sechziger Jahre lässt Little Steven bei „Can’t Be So Bad“ (mit Jerry Miller) von Moby Grape, „We Gotta Get Out Of This Place“ von The Animals und „Freeze Frame“ (mit Peter Wolf) von der J. Geils Band aufleben. Als Abschluss gibt es „Merry Christmas (I Don’t Wanna Fight Tonight)” der Ramones.

Little Steven hat den Kraftakt vollbracht, seine vierzehnköpfige Begleitband so lange zusammenzuhalten, um in eine zweite Konzert-Runde zu gehen. Als Lehrmeister des Rock ’n Roll promotet er 2018 sein erstes Live-Album mit der Teachrock-Tour. Lehrer konnten sich für einen Workshop anmelden, der die Anregung vermittelte, jungen Menschen die Wurzeln der Musik, die sie hören, näher zu bringen.

Little Steven schöpft aus der Rockgeschichte und spürt damit seinen eigenen musikalischen Wurzeln nach. Mit den Disciples Of Soul im Rücken, erzeugt er einen kraftvollen Sound, der sich an der frühen Phase des Rock ’n Roll orientiert und sich dem derzeitigen Mainstream entgegenstellt. Er zaubert ganz verschiedene Stimmungen – „magical vibrations“ –, die viel Soul transportieren. Dies gelingt ihm, ob er nun im Rock, Blues oder Funk unterwegs ist.

Little Steven And The Disciples Of Soul sind ein grandioser Live-Act, was auch das Album einfängt. Von ihren Live-Qualitäten kann man sich ebenfalls auf WDR 4 überzeugen, der Ausschnitte des Auftritts im Kölner E-Werk Anfang Juli – bei dem ich sie erneut bejubeln durfte – am 11.10.2018 sendet.

Neben „Plain Spoken – From The Chicago Theatre ” von John Mellencamp ist „Soulfire – Live” das zweite herausragende Live-Dokument dieses Jahres, das in keiner Rock-Sammlung fehlen sollte.

Wicked Cool Records/UMG/Universal Music (2018)
Stil: Rock and more

Disk: 1
01. Mike Stoller Intro
02. Soulfire
03. I’m Coming Back
04. Blues Is My Business (Intro)
05. Blues In My Business
06. Love On The Wrong Side Of Town
07. Until The Good Is Gone
08. Angel Eyes
09. Some Things Just Don’t Change
10. Saint Valentine’s Day (Intro)
11. Saint Valentine’s Day
12. Standing In The Line Of Fire (Intro)
13. Standing In The Line Of Fire
14. I Saw The Light
15. Salvation
16. The City Weeps Tonight (Intro)
17. The City Weeps Tonight

Disk: 2
01. Down And Out In New York City
02. Princess Of Little Italy (Intro)
03. Princess Of Little Italy
04. Solidarity
05. Leonard Peltier
06. I Am A Patriot
07. Groovin‘ Is Easy
08. Ride The Night Away (Intro)
09. Ride The Night Away
10. Bitter Fruit
11. Forever
12. Checkpoint Charlie (Intro)
13. Checkpoint Charlie
14. I Don’t Want To Go Home
15. Out Of The Darkness (Intro)
16. Out Of The Darkness

Disk: 3
01. Even The Losers
02. Can’t Be So Bad (featuring Jerry Miller)
03. You Shook Me All Night Long
04. Working Class Hero
05. We Gotta Get Out Of This Place
06. Can I Get A Witness (featuring Richie Sambora)
07. It’s Not My Cross To Bear (Intro)
08. It’s Not My Cross To Bear
09. Freeze Frame (featuring Peter Wolf)
10. The Time Of Your Life
11. Tenth Avenue Freeze-Out (featuring Bruce Springsteen)
12. I Don’t Want To Go Home (featuring Bruce Springsteen)
13. Merry Christmas (I Don’t Want To Fight Tonight)

Little Steven
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Devon Allman Project – 23.08.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Devon_Haupt

Die Vorfreude war natürlich riesengroß! Dass es Jenny Dore gelungen war, die beiden Sprösslinge der berühmten einstigen Allman Brothers-Protagonisten, Devon und Duane, im Rahmen des Devon Allman Projects vereint ins Musiktheater Piano zu lotsen, kam ja fast einer kleinen Sensation gleich.

Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass doch ziemlich viele Southern Rock-Sympathisanten an einem Donnerstag-Abend den Weg in die schöne, Jugendstil-verzierte Dortmunder Location gefunden hatten, zumal auch einige vermutlich noch die starke Leistung von Devon Allman vor gut zwei Jahren an gleicher Stelle in Erinnerung hatten.

Auch wir hatten schon vorher die Werbetrommel gerührt und ich war doch überrascht, so manchen unserer Leser, im Publikum zu erkennen.  Pünktlich um 20:00 Uhr betrat zunächst Dickey Betts-Sohnemann Duane mit seinem starken Co-Gitarristen Johnny Stachela, dem agilen Bass-Spieler Justin Corgan und dem Kraftbündel John Lum am Schlagzeug die Bühne, um mit „Downtown Run Around“, im Rahmen eines 40-minütigen Gigs, loszulegen.

Als meine Favoriten entpuppten sich dabei das mit einer Eagles-Note versehene „Ride It Out“ und die furiose Version des legendären, von seinem Daddy geschriebenen Allman-Jams „In Memory Of Elizabeth Reed“ (mein Gott, ging da in Sachen E-Gitarren und Rhtythmus-Sektion die Lutzi ab). Der Gesang von Duane weißt vielleicht noch nicht ganz die Markanz seines Vaters Dickey auf (vermutlich dem noch jungen Alter und dem deutlich gesünderen Lebenswandel geschuldet), aber im Gitarrespielen steht der Bursche ihm in nichts nach. Trotzdem eine immens starke Vorstellung von Betts & Co.!

Nach einer Pause, die zum Lüften des brütend warmen Pianos und zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlust genutzt wurde, schob Devon, begleitet zunächst von Tyler Jackson Stokes als zweitem Gitarristen, mit „Mahalo“ noch ein Instrumental hinterher.  Im Gegensatz zu dem eher introvertierten Betts-Jüngling, brachte dieser mit seiner impulsiven Art sofort Stimmung in die Bude.

Mit dem souligen, herrlich groovenden Spinners-Song „I’ll Be Around“ aus dem Jahre 1972 wurde so richtig Schwung in die Beine der Besucher gebracht, auch Devon und die beiden Gitarristen hatten mit ein paar einstudierten synchronen Seitschritten ihren Spaß. Wunderbar dann das folgende „Left My Heart In Memphis“ bei dem der kauzige Nicholas David mit Bruce Hornsby-ähnlicher Piano-Einlage glänzte.

Für den ABB-Klassiker „Blue Sky“ war Duane Betts am Mikro wieder zur Stelle, die beiden grandiosen E-Gitarren-Soli im langen Instrumentalteil des Liedes von Stachela und ihm waren Weltklasse.

Zum countryesken „Friend Of The Devil“ (mit schönem Solo von Stokes) wurden Hocker auf der Bühne platziert. Das anschließende, von Gregg für Devons Mutter geschriebene „Multi Colored Lady“ offerierte die sanfte und melancholische Seite des Haupt-Protagonisten. Melodie-verliebte Leute wie mich fixte dann das wunderbare „Live From The Heart“ natürlich besonders an.

Beim gospeligen Bill Withers-Klassiker „Lean On Me“ hatte erneut Nicholas David seinen Auftritt, diesmal sogar mit tiefer Stimme am Frontmikro. Das Piano glich, nicht nur der heißen Temperaturen wegen, einer Südstaaten-Kapelle. Mit „Hot ‚Lanta“ wurde zum Abschluss des Hauptteils nochmals kräftig gejammt und der legendären Band der Väter Ehre erwiesen.

Zum heftig eingeforderten Zugabenteil stand dann alles was Spielen konnte auf der Bühne. Mit dem Don Henley-Stück „The Boys Of Summer“ und dem „Midnight Rider“ (nochmal für Vater Gregg) wurde ein vermutlich denkwürdiger Abend für hiesige Verhältnisse unter frenetischem Applaus beendet.

Im Anschluss gaben sich die Akteure publikumsnah und unterzeichneten wohl-gelaunt am Merchandising-Stand die diversen Kauf-Utensilien und hatten auch noch ganz relaxt Zeit für Fotos, was wir natürlich für unser Bild für die VIP-Galerie nutzten. Unser Dank gilt wie immer Jenny Dore und Thomas Falke vom Piano, die sich, wie immer, als tolle Gastgeber mit viel Musik-Sachverstand präsentierten.

Line-up:
Devon Allman (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Duane Betts (lead vocals, electric guitar)
Tyler Jackson Stokes (electric guitar, vocals)
Johnny Stachela (electric guitar, slide guitar, vocals)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)
Nicholas David (keys, vocals)
R. Scott Bryan (percussion, acoustic guitar, keys, vocals)

Bilder: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Devon Allman
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Duane Betts
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Sister Hazel – Wind – EP-Review

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Die in unseren Gefilden immer noch eher als Insider-Tipp geltenden Sister Hazel hatte ich sofort in mein Herz geschlossen, als ich vor Ende der Jahrtausendwende ihr „All For You“ in einem hiesigen Radiosender per Zufall zu hören bekam. Seitdem habe ich eigentlich so gut wie alle ihrer essentiellen Tonträger in meiner Sammlung.

Die Band um ihre Mitglieder Ken Block, Andrew Copeland, Mark Trojanowski, Ryan Newell, Jett Beres und Dave LaGrande steht musikalisch für Maximen, denen auch ich mich eigentlich Zeit meines Lebens verschrieben habe: Fleiß, Kontinuität, Verlässlichkeit, allesamt verbunden mit einem ‚gesunden‘ Qualitäts- und Leistungsanspruch.

Bei Sister Hazel weiß man schon vor dem Hören eines Werkes, dass man nicht die berühmte ‚Katze im Sack‘ kauft, sondern überwiegend selbst kreierte, mit viel liebevollem Feingefühl arrangierte melodische Stücke (oft mit Ohrwurm-Charakter) serviert bekommen wird, wobei der markante genäselte Gesang von Ken Block als eines der Haupt-Trademarks gilt.

Und mindestens auch ein am Frontmikro performter Song von Andrew Copeland, mit seiner ebenfalls angenehmen Stimme, wird vermutlich wieder eines der tragenden Elemente des Tonträgers abgeben.

Apropos Elemente: Nach ihrer zu Beginn des Jahres erschienenen EP „Water“, kommt jetzt Anfang September mit „Wind“ ein weiterer thematisch bedachter Silberling unter die Leute.

Und was soll man sagen – nach einem verspielten kurzen Intro, weht einem mit „Come A Day“, direkt ein rhythmischer, wunderbar melodischer, viel positive Energie verströmender Track entgegen, wie man ihn vom Florida-Sextett schon so oft zu schätzen gelernt hat. Blocks Stimme, feine Orgel- und Piano-Tupfer, perfekt sitzende Harmoniegsänge, der Powerrefrain und Newells southern-umwehtes Gitarrenspiel (inkl. Solo) machen sofort Lust auf mehr.

Das von einer markante E-Gitarrenhook bestimmte „Small Town Living„, das Fußwippen-entfachende, Slide-trächtige „Whirlwind Girl„, die von Copeland  gesungene, unter die Haut gehende Herz-Schmerz-Ballade (schöne Akustikgitarre, Piano-Moll-Töne, weibliche Harmonies, Streicher), der flockige, dezent countryeske Gute-Laune Song „You’ll Be Safe Here“ (Banjo-Untermalung, freudige Ooohoh-Gesänge, klasse Slide-E-Gitarre) und der überragende, atmosphärische Ohrwurm „Midnight Again“ bieten allesamt Stoff am oberen schöpferischen Limit der Musiker. Am Ende wird mit „Elements Part II (I’m Free)“ noch ein kurzer knackiger Southern-Kurzrocker rausghauen.

Also, wie bereits vermutet: Mit „Wind“ erhält man erneut eine frische Brise feinster Sister Hazel-Kompositionen. Und da das Leben ja insgesamt vier Elemente parat hat, darf man im Prinzip voller Vorfreude gespannt sein, was Block, Copeland & Co. demnächst in Sachen ‚Feuer‘ und ‚Erde‘ an musikalischen Einfällen zu bieten haben…

Croakin‘ Poet Records (2018)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Come A Day
02. Small Town Living
03. Whirlwind Girl
04. In Two
05. You’ll Be Safe Here
06. Midnight Again
07. Elements Part II (I’m Free)

Sister Hazel
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Kaylor Girl Promotion

Josh Smith – Burn To Grow – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Nachdem mittlerweile zwei Jahre lang kein neues Material von Josh Smith zu hören war, kommt jetzt nun sein drittes Album „Burn To Grow“ in die Läden. Musikalische Unterstützung hat sich Josh Smith für sein neues Werk bei so namhaften Musikern wie z. B. Carey Frank (Tedeschi Trucks Band), Pete Thomas (Elvis Costello), Lemar Carter (Usher) und Monét Owens (Ed Sheeran, Celine Dion) geholt.

Herausgekommen ist eine Scheibe, die Ihre Wurzeln im Blues hat, aber vielfältig mit Jazz-, Soul- und Funkelementen angereichert ist. So gibt es wunderbar arrangierte und treibende, aber auch melodiös dahinfließende bigbandartige Bläsersätze. Das Ganze wird getragen und begleitet von Josh Smiths markanter Stimme einerseits und seinen exzellenten Gitarrenkünsten andererseits. Aber das i-Tüpfelchen liefert Monét Owens mit ihrer klaren Sopranstimme als Background Sängerin.

Auf dem fröhlich-souligen „Your Love“ liefert sie dann auch noch die Leadvocals. Für mich persönlich das beste Stück des Albums, eine beschwingte Nummer bei der man sofort mittanzen möchte oder zumindest aber die Beine nicht stillhalten kann. Allein schon aufgrund ihrer hellen Sopranstimme unterscheidet sich dieser Song deutlich von den übrigen Titeln der CD und bietet zur „Plattenhalbzeit“ eine willkommene stimmliche Abwechslung.

Im Opener „Half Blues“ ergänzen die wunderbaren Gitarrenriffs vor allem in der zweiten Hälfte des Stücks die dezenten Bläsersätze, während das zweite Stück des Albums „Through The Night“ wiederum durch den bezaubernden Hintergrundgesang von Monét Owens besticht, der wunderbar zu dem gefällig-melodiösem Grundcharakter des Tracks passt.

In Kontrast dazu steht das anschließende „Watching You Go“ mit seinen harten Riffs, die sich mit wilden Gitarreneinlagen abwechseln, um schließlich in harmonische Gesänge von Smith und Owens überzugehen. Auch „That For You Too“ wartet mit einer grandios arrangierten Bläsersektion auf. „Look No Further“ ist etwas nachdenklicher als die bisherigen Stücke, was durch den leicht wabernden refrainartigen Gitarren-Klangteppich im Hintergrund noch verstärkt wird.

Mit „Let Me Take Care Of You“ geht’s dann rockig weiter, ein richtig geradliniger Stampfer. Der einzige Slowblues des Albums ist das traditionell gestrickte „What We Need“ und in „You Never Knew“ erinnern teilweise nicht nur die Bläser dezent an den Sound von Blood, Sweat and Tears.

Auch die Stimme von Josh Smith lässt hier, wie auch im folgenden Track „She Survives“ an David Clayton Thomas denken, ein schönes, ruhig dahinplätscherndes leicht psychedelisch angehauchtes Stück mit dezenten, etwast verstörend wirkenden Gitarrenriffs. Schließlich stampft der Titelsong „Burn To Grow“ dann dem Ende der CD entgegen und reißt den Hörer durch seinen vergleichsweise brachialen Bass und die harten Gitarrenriffs endgültig aus seinen Träumereien.

Auf der vorliegenden Scheibe stellt Josh Smith also wieder einmal seine musikalischen Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis. Exzellente Gitarrenkünste gehen hier Hand in Hand mit ausgeklügelt arrangierten Bläsersätzen und der umwerfenden Stimme von Monét Owens. Und genau hier setzt auch der einzige Kritikpunkt an: das Album ist so perfekt angelegt und abgemischt, dass es eigentlich schon fast zu glatt und flüssig klingt. Aber das ist, wie alles im Leben eine Frage der persönlichen Präferenzen.

Line up:
Josh Smith – guitar, vocals
Travis Carlton – bass on tracks 1, 5, 6, 7, 8, 9, 11
Lemar Carter – drums on tracks 1, 5, 6, 7, 8, 9, 11
Pete Thomas – drums on tracks 2, 3, 4, 10
Davey Faragher – bass on tracks 2, 3, 4, 10
Carey Frank – organ
Monét Owens – lead vocals on track 5, all background vocals
Jamelle Adisa – Tramper, Flugelhorn
Chris Johnson – trombone
J. P. Floyd – trombone
Matthew DeMerritt – tenor saxophone
Dan Boisey – tenor/ baritone saxophone

m2 music . musikverlag dirk osterhaus
Stil: Blues/Soul/Jazz

Tracks:
01. Half Blues
02. Through The Night
03. Watching You Go
04. That For You Too
05. Your Love (Is Making Me Whole)
06. Look No Further
07. Let Me Take Care Of You
08. What We Need
09. You Never Knew
10. She Survives
11. Burn To Grow

Josh Smith
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m2-music

Louderdales – En El Valle De Los Perdidos – CD-Review

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Review: Michael Segets

Kaum aus dem Spanien-Urlaub zurück flattert die neue CD der Louderdales „En El Valle De Los Perdidos“ ins Haus, die auf dem spanischen Label Sleazy Records erschienen ist. Bei ihren Touren durch Europa knüpfte die Aachener Band anscheinend Kontakte zu den Iberern. Aufgenommen wurde das Album allerdings in den Fantasy Island Studios ihrer Heimatstadt.

Das Quintett verschreibt sich konsequent dem bereits auf „Songs Of No Return“ (2015) eingeschlagenen Country-Pfad, wobei die rockigen Anteile gegenüber ihrem Debüt etwas in den Hintergrund treten.

Einen durchweg gelungenen Einstieg bildet „A Bad One“. Joe Da Hoe hat für den staubtrockenen Country-Song die passende Stimme und Tommy Greed lässt diesen mit stimmungsvoller Percussion ausklingen.

Mit „Hard Times“ und „Glory Days“, bei dem Gitarrist Thomas Slowborn die Lead Vocals übernimmt, finden sich schnellere Nummern ebenso auf der Scheibe wie lockere Midtempo-Stücke. Zu diesen zählen „No Need To Complain“ und „Bad News From Home“.

Der genretypische Rhythmus wird von Doc Nic am Upright Bass und Tommy Greed am Schlagzeug beigesteuert. Die Gitarre von Oeli Cave könnte vom Sound auf „Going Home” auch Johnny Cash begleiten. Mit „Gotta Go“ weichen die Louderdales von den klassischen Country-Klängen ab und geben dem Track einen leichten Punk-Anstrich.

Auch die Songs, die sehr gut in das amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet passen, sorgen für Abwechslung auf dem kurzweiligen Album. Hier ist vor allem „Slow Jack Greedo“ hervorzuheben, das mit galoppierendem Rhythmus, klirrender Gitarre und Backgroundgesang den Soundtrack zu einem Italo-Western liefern könnte.

Gleiches gilt für das kurze und knackige Instrumentalstück „Saludos De La Cueva Moca“. Oeli Caves Gitarrenintro leitet das von ihm komponierte Duett „When I Fall Asleep“ ein. Die helle Stimme von Jenny Don’t (Jenny Connors) steht dabei in einem interessanten Kontrast zu der von Joe Da Hoe.

Die überwiegende Zahl der Titel wurde von den Bandmitgliedern verfasst, wobei Thomas Slowborn die meisten Stücke beisteuerte. Die Louderdales covern „Just Like California“ von Old 97’s und Steve Earles „Outlaw’s Honeymoon”. Beim letztgenannten Song packt Joe Da Hoe ebenso wie bei fetzigen „Truckstop Butterfly” seine Mundharmonika aus, was nochmal besondere Akzente setzt.

Country aus deutschen Landen hat ja mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Die Begeisterung der Louderdales für diese Musikrichtung schwappt beim Hören des Longplayers über. Besonders dort, wo die Band Facetten jenseits der gängigen Trucker-Rhythmen zeigt, überzeugt sie. Die Texte drehen sich oft um Outlaws und dem Leben fern von zuhause und greifen damit genretypische Themen auf. Dabei stehen sie den Beiträgen aus dem Heimatland des Country in nichts nach.

Sleazy Records (2018)
Stil: Country

01. A Bad One
02. Hard Times
03. Just Like California
04. Going Home
05. Gotta Go
06. Glory Days
07. Outlaws Honeymoon
08. Slow Jack Greedo
09. When I Fall Asleep
10. No Need To Complain
11. Saludos De La Cueva Moca
12. Bad News From Home
13. Truckstop Butterfly

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Blue Water Highway – Heartbreak City – CD-Review

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Blue Water Highway mit neuem, hoch interessanten Album! Nach der EP 2013 und ihrem saustarken Vorgänger “Things We Carry” von 2015 begibt sich die Band um die Langzeitfreunde und Multi-Instrumentalisten Zack Kibodeaux (vocals, guitars, keys, percussion) und Greg Esington (vocals, guitars, piano, accordion, gryphon, percussion) mit „Heartbreak City“ nun also wieder auf den  Highway der  musikalischen Neuveröffentlichungen.

Apropos Highway: Der Name des mit Zach Landrenau (keys, guitars, gryphon, percussion, horn arrangement), Catherine Clarke (Vocals, keys, percussion), Kyle James Smith (bass, piano, percussion) und Jared G. Wilson (drums, percussion) vervollständigten Line-ups rührt von einer Straße, die ihre Heimatstadt Lake Jackson, Texas mit Galveston verbindet und weitestgehend als Arbeitsweg der dortigen Mittelschicht genutzt wird.

Die besonders auf ihrem letzten Werk für ihre gesanglichen Leistungen gelobte Band (Lloyd Maines: “The Blue Water Highway Band is the best new band that I’ve heard in years. Their vocals are spot on and their writing is smart and thoughtful. They’re very serious and impressive musicians“) überrascht auf “Heartbreak City” mit einem recht krass wirkenden stilistischen Wechsel von ihrem bisherigen countryfizierten Red Dirt-Stoff zu recht geradliniger, dynamischer und jederzeit melodischer amerikanischer Rockmusik mit einigen modernen, radiotauglichen Pop-Attitüden.

Erneut brillieren sie dabei mit ihren grandiosen vokalen Stärken, die sich in den wechselseitigen Leadgesängen der beiden Protagonisten Kibodeaux und Esington (zweimal – bei „King On“ und „Don’t Let Him Call You, Baby“ im Duett – bedient auch Catherine Clarke das Frontmikro) wiederspiegeln sowie in vielen mehrstimmigen Harmoniegesängen zentralisieren.

Mit Songs wie dem Opener „Groovin’” (fast wie Boston zu “Third Stage”-Zeiten), dem beatlesken “Way Back When”, dem ein in wenig Delta Saints-Flair bedachten “Best Friend“, dem mit viel Seele behafteten „I Believe The Light“ (mit gospeligen Harmoniegesängen), dem shuffligen Titelstück (mit schönem Akkordeon), „Don’t Let Him Call You Baby“ (Duett in Stewart-Lennox-Manier) bis zum finalen „Burn My Heart“ erhält man einen bunten Strauß an erstklassig und spannend, in einem satten, sauberen Sound arrangierten Reminiszenzen aus der Rock- und Pop-Geschichte.

Ihre ganze Energie offerieren Blue Water Highway besonders gegen Ende bei Stücken wie „Ain’t Gonna Give Up“ (mit Bläser-Unterstützung) und „Rebel“, wo es stilistisch in Richtung der Dirty Guv’nahs rockt. Die countryesken Elemente des Vorgängers wurden weitestgehend außen vor gelassen.

Man darf gespannt sein, wie der insgesamt doch recht überraschende, aber konsequent durchgezogene Umschwung auf „Heartbreak City“ von den Fans der Band aufgenommen wird. Die eigentlich einzige Konstante war diesmal die Gestaltung des Cover-Artworks durch die Dodds Sisters in ihrem Backstage Design Studio. Somit bleibt die Entwicklung von Blue Water Highway angesichts ihres ohne Zweifel musikalischen Potentials weiterhin wohl ziemlich aufregend.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Rock/Pop

01. Groovin‘
02. Way Back When
03. Best Friend
04. North Of LA
05. I Believe the Light
06. Heartbreak City
07. Keep On
08. Don’t Let Him Call You Baby
09. Ain’t Gonna Give Up
10. Rebel
11. Burn My Heart

Blue Water Highway
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Bärchen Records

Shooter Jennings – Shooter – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach seinen experimentellen Ausflügen in die Kombination des Country mit Synthesizer-Klängen auf seinem Tribut-Album „Countach“ für Giorgio Moroder wollte Shooter Jennings ein reines Country-Album ohne musikalische Spielereien machen. Dieses Vorhaben löst er nun mit „Shooter“ auf seine eigene Weise ein.

Shooter Jennings verzichtet auf die deutlichen Grenzgänge, die er in früheren Veröffentlichungen immer wieder unternahm. Obwohl er gerade da, wo er seine Flügel in Richtung Rock ausgestreckte, einige tolle Songs geschrieben hat, deren Attitüde mich stellenweise an Kid Rock erinnert. Nun konzentriert er sich auf seine Wurzeln, die nun mal – vielleicht auch erblich bedingt – im Country liegen.

Auf dem Song „Do You Love Texas?“ antwortet ein Chor, für den der Sohn von Waylon Jennings mit Kris Kristofferson ein Country-Urgestein rekrutieren konnte, auf die Frage mit: „Hell yeah!” Fällt die Antwort auf die Frage „Do you love Country?“ genauso aus, dann liegt man bei der Scheibe genau richtig.

Ich bin meist kein Fan von Country-Songs der klassischen Machart. Sie sind mir oft zu monoton und schmalzig. Dies vermeidet Shooter auf seiner aktuellen Scheibe allerdings. Ihm gelingt das Kunststück, traditionellen Country interessant zu verpacken. Einzig „Rhinestone Eyes” steht zeitweise in der Gefahr, in den Kitsch abzugleiten, aber Shooter Jennings rettet den Titel durch seine starke Gesangsleistung.

„Shades & Hues“ ist so ein Stück, das bei mehrmaligen Hören immer nochmal eine neue Facetten enthüllt. Da schleichen sich Blues-Elemente hinein und im Background passiert überraschend viel. Ähnliches gilt für „I’m Wild & My Woman Is Crazy” . Der Song kommt bereits flott mit einigem Twang daher, dann geben die einsetzenden Bläser dem Stück noch zusätzlichen Drive und etwas Soul mit.

Dadurch, dass Jennings unterschiedliche Spielarten des Country verarbeitet, gewinnt die CD ebenfalls an Abwechslung. So folgt auf die mit ausgiebiger Steel Guitar-Begleitung von Fred Nevell versehene Ballade „Living In A Minor Key” „D.R.U.N.K.“ im Trucker-Rhythmus.

Mit schönen instrumentalen Passagen glänzt „Fast Horses & Good Hideouts“, das Jennings zusammen mit dem Schauspieler Randy Quaid und Dave Cobb geschrieben hat. Nach dem Tod von Jon Hensley, dem das Album gewidmet ist, holte Jennigs Dave Cobb (Chris Stapleton, Jason Isbell) als Produzenten wieder ins Boot.

Ganz auf den Rock verzichtet Shooter Jennings allerdings doch nicht. Beim Opener „Bound Ta Git Down” liefert er einen Rock ’n Roll ganz im Stil der guten alten Zeit von Chuck Berry, Jerry Lee Lewis oder Elvis Presley. Auch das abschließende „Denim & Diamonds” ist mehr Rock- als Country-Ballade, passt sich aber nahtlos in das Album ein.

Das Werk macht einen konzeptionell geschlossenen Eindruck mit klarer Linie. Die Songs scheinen schnörkellos, aber so einfach wie sie zunächst wirken, sind sie meist nicht. Jennings baut subtiler als in seiner vorherigen Veröffentlichungen musikalische Elemente ein, die nicht genuin aus dem Country stammen. Shooter Jennings modifiziert und modernisiert den traditionellen Country geschickt, ohne dass man es direkt merkt. Für mich ist „Shooter“ daher ein heißer Anwärter auf das Country-Album des Jahres.

Low Country Sound-Elektra Records/Warner Music (2018)
Stil: Country

01. Bound Ta Git Down
02. Do You Love Texas?
03. Living In A Minor Key
04. D.R.U.N.K.
05. Shades & Hues
06. I’m Wild & My Woman Is Crazy
07. Fast Horses & Good Hideouts
08. Rhinestone Eyes
09. Denim & Diamonds

Shooter Jennings
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Chris Kramer & Beatbox’N’Blues – Way Back Home – CD-Review

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Review: Michael Segets

Bandleader Chris Kramer geht zusammen mit dem zweifachen Deutschen Beatboxmeister Kevin O Neal und dem Gitarristen Sean Athens als Chris Kramer & Beatbox’N’Blues in die zweite Runde. Im letzten Jahr hatte die Band quasi als Vorbereitung ihrer ausgedehnten Tour durch die Vereinigten Staaten das Album „On The Way To Memphis“ herausgebracht. Kaum zurückgekehrt, nahmen die drei Musiker in den Arnsberger Megaphone Studios die fünfzehn Tracks von „Way Back Home“ auf. Die zahlreichen Eindrücke von ihrer Reise auf den Spuren des Blues beschreibt Kramer ausführlich in den Linernotes und kündigt dort einen Dokumentarfilm über die Tour an.

Im Zentrum der Songs steht die Mundharmonika von Chris Kramer, die er meisterhaft beherrscht. Nicht umsonst hat er mit renommierten nationalen und internationalen Musikern wie Helge Schneider, Peter Maffay, Jack Bruce oder Pete York zusammengearbeitet.

Auf der Scheibe zeigen Chris Kramer & Beatbox’N’Blues eine große Bandbreite an Blues-Variationen. Die mal dezenten, mal vordergründigen Beatbox-, Rap- und Hip Hop-Elemente erweitern das musikalische Spektrum und geben der Band einen eigenen Sound. Der entwickelt durchaus seinen Reiz, auch wenn er Blues-Puristen vielleicht nicht anspricht.

„Jukebox“ gibt mit einem Funk-Einschlag und einem Beatbox-Zwischenstück den Startschuss zur CD. Auch bei „Ain’t Nobody At Home“ beatboxt Kevin O Neal, was sich gut in den stampfenden Rhythmus des rockigen Stücks einpasst. O Neals Soundeffekte peppen ebenso den eher traditionellen Boogie „Beatbox’N’Boogie“ auf. Das gleiche Konzept verfolgt die Band auf „Last Man Riding“. Der Song startet in bester ZZ Top-Manier, wofür das Gitarrenspiel von Sean Athens verantwortlich ist, und zählt für mich neben dem eingängigen „Just A Little Boy“, das ohne auffällige Effekte auskommt, zu den Highlights des Albums.

O Neal ergänzt die Vocals von Kramer bei „Happy Birthday“ durch Rap-Einlagen. Der Track erinnert an die der Band Gangstagrass, die durch die Titelmusik der Fernsehserie „Justified“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Die Fusion von Hip Hop und Blues deutet sich schon bei dem Titel „Hippin’N’Hoppin‘ The Blues“ an. Auch hier rappt O Neal nochmal einen Part.

Stärker dem traditionellen Blues verhaftet sind die englischsprachigen Balladen: „Ashes To Ashes“, das von den drei Bandmitgliedern komponiert wurde, und „Lawyer Clark Blues“ von John Estes. Bei der dritten Ballade „Hot Summer Day” kommen wieder mehr Effekte zum Einsatz. Der Akzent liegt jedoch auf dem nachklingenden Gitarrenspiel von Athens, das Assoziationen zu Gary Moore weckt.

Trotz aller Varianz bilden die ersten zwei Drittel des Albums doch eine insgesamt homogene Einheit, die gegen Ende mit drei Instrumentalstücken und zwei auf Deutsch gesungenen Titeln etwas verloren geht.

Bei „Deep In The Ground“ ergänzen sich Mundharmonika und Gitarre sehr schön. Streicher und Soundeffekte laden auf dem sanften „Tallachatchie Flats“ zum Träumen ein. Auf „Go With The Flow“ zeigt Athens nochmal ausgiebig, was er an der Gitarre kann. Mit Vogelgezwitscher und sanften Mundharmonika-Melodien wirkt das fast acht Minuten lange Stück im Vergleich zu den anderen allerdings fast seicht.

Das langsame „Der Wolkenmacher” ist eine wehmütige Reminiszenz Kramers an seinen Vater und das Revier vor dem Strukturwandel. Als Ruhrpottler fehlt natürlich nicht die Begeisterung für den Fußball, die Kramer mit „Erst hatt‘ ich kein Glück“ auf höchst unterhaltsame und witzige Weise zum Ausdruck bringt. Der Text besteht aus bekannten Stilblüten von Fußballspielern und Trainern, die originell zusammengefügt sind. Musikalisch würde das Lied auf Westernhagens „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ passen.

Die Kombination des Blues mit Hip Hop- und Rap-Elementen funktioniert. Sie bricht mit Hörgewohnheiten und erzeugt eine gewisse Spannung, die auch bei mehrmaligen Hören der Stücke aufrecht erhalten bleibt. Dennoch sprechen mich die Songs, auf denen zurückhaltender mit den Soundeffekten umgegangen wird, mehr an. Dies liegt allerdings an meiner musikalischen Sozialisation. Die Variationsbreite auf „Way Back Home“ geht gegen Ende des Albums auf Kosten einer klaren konzeptionellen Linie. Dafür bietet es mit „Erst hatt‘ ich kein Glück“ dort nochmal ein Lied, das in jedem Fall im Gedächtnis bleibt.

Blow ‚Till Midnight Records/Fenn Music (2018)
Stil: Blues/Blues Rock and more

01. Jukebox
02. Ain’t Nobody At Home
03. Beatbox’N’Boogie
04. Ashes To Ashes
05. Lawyer Clark Blues
06. Happy Birthday
07. Just A Little Boy
08. Last Man Riding
09. Hot Summer Day
10. Hippin’N’Hoppin‘ The Blues
11. Deep In The Ground
12. Go With The Flow
13. Erst hatt´ ich kein Glück
14. Der Wolkenmacher
15. Tallahatchie Flats

Chris Kramer
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