The Georgia Thunderbolts – Rise Above It All – CD-Review

Die Georgia Thunderbolts zählen zweifellos zu den großen Nachwuchshoffnungen des Southern Rocks. Das hatten nicht nur wir schon ganz frühzeitig erkannt, als die Band noch eher ein Insidertipp gewesen ist, sondern dann irgendwann auch die namhafte Mascot Label Group.

Nach dem Debütalbum „Can We Get A Witness“ unter ihrer Fahne aus dem Jahr 2021 liefert der Georgia-Fünfer, bestehend aus TJ Lyle (Gesang, Mundharmonika), Zach Everett (Bass, klassische Gitarre, Harmoniegesang), Bristol Perry (Schlagzeug), Logan Tolbert (Gitarre) und Riley Couzzourt (Gitarre) mit „Rise Above It All“ nun den heiß ersehnten Nachfolger, der satte elf neue Tracks enthält sowie mit „Ain’t Got No Money“ eine klasse Bob Seger-Adaption und eine Neueinspielung von „It Ain’t Easy“.

Mit ihrem Fronter TJ Lyle, mit dem wir 2022 im Vorfeld ihres Gigs im Kölner E-Werk als Support von Black Stone Cherry 2022 ein Interview führen konnten, haben die talentierten Burschen, ein echt stimmliches Schwergewicht in ihren Reihen. Damals brachte er mit seinem T-Shirt und auch während des Gesprächs seine große Bewunderung für eines seiner großen Vorbilder, Paul Rodgers, zum Ausdruck.

Und die schlägt sich auch stärker denn je in dem neuen Silberling wieder, eine ganze Reihe der Songs wie u. a. „Rock And Roll Record“ oder „Moonlight Play“ tragen nicht nur einen klar erkennbaren, stimmlichen Bezug zur britischen Gesangsikone sondern auch zum Musizierstil von Bad Company.

„Wir haben eine Menge von unseren Helden gelernt. Das Spielen mit diesen Bands hat uns zu besseren Musikern gemacht“, sagt TJ. „Außerdem eröffnet es dir als Songwriter eine neue Perspektive, wenn du die Welt siehst – du triffst Menschen aus allen Schichten des Lebens“, so der TGT-Fronter.

Auch Bristol Perry dürfte sich auf der Support-Tour das Eine oder andere von Black Stone Cherry-Drummer John Fred Young mitgenommen haben, sein typisch kraftvolles Poltern verleiht vielen Nummern eine ordentliche Härte und Dynamik.

Aber auch Anhänger des klassischen psychedelischen Rocks der Marke Led Zeppelin, werden In Liedern wie dem Titelstück „Rise Above It All“, „She’s Gonna Get It“ oder „Stand Up“ ihre Deja Vus erleben.

Molly Hatchet lassen bei den abschließenden „Whiskey Talkin'“ und „Pricetag“ grüßen. Als der einzig so richtig Southern Rock-kompatible Track entpuppt sich der herrliche Opener „Gonna Shine“ sowie die hier etwas ruhigeren Sachen wie „Wait“ (mit schöner Akustikgitarre) und „Crawling My Way Back To You“.

Mit „“Rise Above It All“ untermauern The Georgia Thunderbolts ihren Anspruch als einer der ‚Rising Acts‘ der Szene. Zur Veröffentlichung des Werkes sind sie hier die Tage in Europa präsent, leider nicht im Westen, was ich als sehr schade empfinde, da sich besonders die Präsenz im Kölner Raum (siehe Blackberry Smoke) als äußerst wichtig für die Verbesserung des Bekanntheitsgrades in unserem Land erwiesen hat.

Nichtsdestotrotz bemühen wir uns gerade, den Gig im niederländischen Ede realisieren zu können. Das Album ist natürlich ein klares ‚Must Have‘!

Mascot Label Group (2024)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Gonna Shine
02. Rock And Roll Record
03. Rise Above It All
04. Moonlight Play
05. Ain’t Got No Money
06. Wait
07. Crawling My Way Back To You
08. She’s Gonna Get It
09. Little Jim
10. It Ain’t Easy
11. Stand Up
12. Whiskey Talkin‘
13. Pricetag

The Georgia Thunderbolts
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Mascot Label Group
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49 Winchester – Leavin‘ This Holler – CD-Review

Das große musikalische Potential von 49 Winchester hatte Stephan Skolarski ja bereits in seinem Review zum hochgelobten Vorgängerwerk “Fortune Favors The Bold” erkannt. Der Longplayer erbrachte ihnen sogar  eine Nominierung in der Kategorie „Best Duo or Group“ bei den Americana Music Awards des letzten Jahres ein. In der Zwischenzeit hatten auch der Kollege Mangold und meine Wenigkeit das Vergnügen, sich davon bei ihrem bärenstarken Gig am 21.05.24 in der Kölner Kantine zu überzeugen.

Dort hatten sie bereits einige der Tracks („Yearnin’ For You“, „Leavin’ This Holler“, „Make It Count“, „Tulsa“, „Hillbilly Happy“ als Zugabe) ihres jetzt, am 02.08.2024 erscheinenden neuen, von Stewart Myers produzierten Nachfolgewerks „Leavin‘ This Holler“ mit ‚breiter Brust‘ vorgestellt.

Mein Herz haben sie dann auch schon direkt mit dem herrlichen, Mandolinen-unterlegten, fluffig ins Ohr gehenden Opener „Favor“ gewonnen, der sich auch direkt als einer der ganz großen Favoriten des Werks entpuppt. Die auf dem Fuße folgende, erfrischende Uptemponummer „Hillbilly Happy“ mit Charlie Daniels-typischem Refrain, wird jeden Southern Rock-Liebhaber glücklich machen. Das countrylastige, schwungvolle   „Yearnin’ For You“ beweist, dass sich 49 Winchester in Sachen Songwriting längst auf Augenhöhe mit den Platzhirschen der Szene wie Luke Combs, Eric Church oder Morgan Wallen befinden.

Ein Schelm ist, wer da denkt, dass mit „Make It Count“ ein Nachfolger für Tracks wie „Sweet Home Alabama“ oder „All Summer Long“ kreiert werden sollte. Überhaupt findet sich bei einigen der nachfolgenden Lieder immer wieder diese rotzige Kid Rock-Attitüde von Fronter und Gitarrist Isaac Gibson wieder.

Ein unbedingt zu erwähnendes Highlight in diesem grandiosen Gesamtwerk ist natürlich auch noch der emotional packende, aus Americana-, Country- und Southern Rock-Versatzstücken zusammengestellte Titelsong „Leavin’ This Holler“, der mit sensationellen Harmoniegesängen von Maggie Antone verziert wurde, und einem nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Ähnliches Esprit verströmen weitere Nummern wie „Fast Asleep“ oder das finale „Anchor“. „Tulsa“ und „Travelling Band“ demonstrieren dann nochmals nachhaltig die Massenkompatibilität des Sextetts aus Virginia.

„It takes not much to make a hillbilly happy“ singt Fronter Isaac Gibson in seiner typischen Art, der Rezensent erfreut sich an dieser brillanten Mischung aus melodischem New Country, emotionalem Americana und zünftigem Southern Rock, die absolut den Nerv der Zeit trifft. 49 Winchester etablieren sich somit in Szene und empfehlen sich ganz stark für die anstehenden SoS-Titel des Jahres 2024.

New West Records (2024)
Stil: Southern Rock, New Country

Tracks:
01. Favor
02. Hillbilly Happy
03. Yearnin’ For You
04. Make It Count
05. Leavin’ This Holler
06. Fast Asleep
07. Tulsa
08. Rest Of My Days
09. Traveling Band
10. Anchor

49 Winchester
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Lime Tree Music

Robert Jon & The Wreck – Support: Dear Robin – 10.07.2024, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Immer wieder Robert Jon & The Wreck! Die Jungs sind, wie bereits beschrieben, nicht zu bremsen. Gerade das neue Album „Red Moon Rising“ am Start, schon geht es nach Europa, dann wieder in die Staaten, und, um es am Ende des Jahres nochmals hier zu promoten.

Diesmal war mal wieder die wunderbare Freibühne vor der Kantine in Köln dran, die sehr gut besucht war. Und auch der Wettergott spielte, sowohl für die fleißige Band, als auch die Besucher mit, es blieb trocken, bei sehr angenehm zu ertragenden Temperaturen.

Und es gab eine Premiere: Zum ersten Mal, seit ich das Quintett gesehen habe, lief ein Supportact mit dem Namen Dear Robin auf, was vermutlich auch dem Ego der Burschen gut tun wird. Sicherlich ein Beweis für die unaufhaltsame Weiterentwicklung der Kalifornier.

Eigentlich bin ja als arbeitender Mensch kein Freund von Vorgruppen mitten in der Woche, zumal auch der merkwürdige Name Rätsel aufgab. Handelt es sich etwa um eine Robin Beck-Covertruppe? Aber nein, hier spielte dann ein sympathisches Ensemble aus Rostock, das sich bodenständiger Rockmusik, wie man sie in unserem Alter kennt (irgendwo zwischen Fleetwood Mac, und Deep Purple, teilweise sogar mit leichtem Southern-Einschlag a la ZZ Top), verschrieben hat und bereits ein Album vorweisen kann, sowie das zweite schon im Köcher hat.

Aus diesen beiden Werken wurden dann auch Stücke performt. Beim  southern-trächtigen Opener „On Our Way“ war es noch Lead-Gitarrist Paul Häcker vorbehalten, sich auch am Frontmikro zu bewähren. Ab Song 2, dem ZZ Top-umwehten Titelstück ihres ersten Albums „Revelation“, übernahm dann Co-Gitarristin Pia Rademann bis zum Ende des etwa 40 Minuten währenden Programms den Leadgesang. Insgesamt ein angenehmer Einstieg in den Abend, der den Hanseaten zurecht viel Applaus einbrachte. Fazit: Bescheuerter Bandname, gute engagierte musikalische Leistung!

Line-up:
Pia Rademann (lead vocals, electric and acoustic guitar, vocals)
Paul Häcker (electric guitar, lead vocals, vocals)
Mathis Marks (bass)
Keylipp Dallmann (drums)
Florian Fischer (keys)

Robert Jon & Co. legten dann kurz nach 20:00 Uhr in gewohnter Manier los. Der Leader traditionell in schwarz gekleidet, mit obligatorischem Hut und Whiskey-Glas in Reichweite, bei Henry James schien die Wolle auf dem Kopf noch ein wenig zugelegt zu haben.

Für mich lag der Reiz eindeutig darin, wie viele Stücke vom neuen Album „Red Moon Rising“ auf die Setliste finden und welche Wirkung sie live entfalten würden. „Hold On“ erwies sich dabei als toller und ordentlich rockender Opener. Mit krawalligen „Trouble“, dem Stampfer „Red Moon Rising“, „Dragging Me Down“, dem herrlich progressiven „Give Love“ (samt ausgiebiger „We could all use a little more love in the world-„Interaktion mit der Audienz ) und dem swampigen „Ballad Of A Broken Hearted Man“, durfte man durchaus zufrieden sein, lediglich den Ohrwurm „Down No More“ gab es leider nicht (vielleicht ja dann im November).

Jon und James geben mittlerweile unangefochten den Ton im Kollektiv an, James brillierte wieder mit unzähligen quirligen Soli. Neben Stücken aus dem etwas älteren Fundus wie u. a. „Ride Into The Light“, „Blame It On The Whiskey“, „High Time“, „Waiting On Your Man“, ging es mit dem Hit „Oh Miss Carolina“, dem bereits erwähnten „Ballad Of A Broken Hearted Man“ schon in die heiße Schlussphase.

Das, was für Lynyrd Skynyrd am Ende mit „Free Bird“ Standard war, scheint sich bei Robert Jon & The Wreck zu „Cold Night“ hin zu entwickeln. Hier schlug dann nochmals die große Stunde von Henry James, der in zwei langen Solopassagen erneut seine ungemeine Fingerfertigkeit zur Schau stellen konnte. Herrlich auch der zwischenzeitlich eingeflochtene Schlagabtausch mit Keyboarder Jake Abernathie.

Nach diesem 20-Minuten-Kracher war eigentlich klar, dass man den krönenden Abschluss hinter sich hatte. Und so war es dann auch. Robert Jon & The Wreck bewiesen an diesem angenehmen Sommerabend wieder, dass der Spitzen-Status, den Blackberry Smoke im Southern Rock (noch) inne hat, eindeutig das anvisierte Ziel ist. Zum x-ten Male ein toller Abend mit den Jungs!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Henry James (electric guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Andrew Espantman (drums, vocals)
Jake Abernathie (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Robert Jon & The Wreck
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Dear Robin
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Teenage Head Music
Kantine Köln

Robert Jon & The Wreck – Red Moon Rising – CD-Review

Über die Erfolgsgeschichte von Robert Jon & The Wreck hatte ich ja bereits anlässlich ihres letzten Auftritts in der Krefelder Kulturrampe ein wenig philosophiert, jetzt liefert das Quintett knapp zehn Monate später schon wieder mit „Red Moon Rising“ den nächsten Studio-Longplayer ab, diesmal sogar mit der für sie recht ungewöhnlich hohen Anzahl von zwölf Tracks.

Und selbstredend, wie kann es anders sein, begleitet von intensivem Touren in Europa, den Staaten und dann wieder in Europa. Ich stelle mir gerade vor, der öffentliche Apparat (bis auf ganz wenige Ausnahmen) in unserem Staate wäre einem so intensiven Arbeitsvolumen ausgesetzt, das ganze Land befände sich vermutlich aufgrund einer Massen-Burnout-Welle in kürzester Zeit verwaltungstechnisch auf dem Niveau von Haiti…

„In Qualität steckt das Wort ‚Qual‘!“ sagte einst Felix Magath, als er seine Schützlinge mit dem Medizinball um die Tartanbahn schickte. Die Promoter/Managements der Band hier in Europa und in den Staaten scheinen trotzdem immer wieder die richtige Balance in Sachen Belastung zu finden, um ihrer weiterhin ungehemmt erscheinenden positiven Kreativität nicht im Wege zustehen.

Beim neuen Album gefallen mir auf den ersten Blick schon das schöne atmosphärische Cover-Artwork, als auch das gelungene Wortspiel, sich vermutlich auf den alten CCR-Klassiker („Bad Moon Rising“) beziehend, auch wenn es laut Band um all den Glauben, die Mythen und Traditionen rund um den Blutmond geht, der Wiedergeburt und Veränderung symbolisiert.

Alles wirkt wieder sehr melodisch, auch bei den flotteren und härteren Sachen („Stone Cold Killer“, „Hold On„). Viele Keys-Varianten von Jake Abernathie, Harmoniegesänge, das auf den Punkt gebrachte E-Solo von Henry James (oft in der Slide-Variante), ab und zu mal Twins mit Leader Robert Jon, der über das gesangliche Zepter seine gewohnte Aura verbreitet, gehören diesmal zum Grundmuster. Dazu kommt der Rhythmus von Andrew Espantman und Warren Murrel auf gewohnt hohem Standard-Niveau.

Die durchgehend guten und abwechslungsreichen Tracks (keine Füller) kommen mir als Verfechter des 4-Minuten-Liedgutes besonders entgegen. Zu meinen Favoriten zählen u. a. das episch anmutende „Ballad Of A Broken Hearted Man„, der groovige Titelsong, der obligatorische Ohrwurm „Down No More“ (dezente Band Of Heathens-Note), die Allman-Brothers-umwehten „Worried Mind“ und „Give Love“ als auch der ‚Ted Nugent meets The Outlaws‚-Track „Rager“.

Produziert hat Kevin Shirley, veröffentlicht wird die Scheibe über Joe Bonamassas Journeyman Records. Man darf sich schon bald auf die Live-Präsentation der neuen Stücke freuen. Der nächste Schritt zu noch mehr Popularität ist gekonnt vollzogen!

Journeyman Records (2024)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Stone Cold Killer
02. Trouble
03. Ballad Of A Broken Hearted Man
04. Red Moon Rising
05. Dragging Me Down
06. Hold On
07. Down No More
08. Help Yourself
09. Worried Mind
10. Give Love
11. Rager (CD Bonus Track)
12. Hate To See You Go (CD Bonus Track)

Robert Jon & The Wreck
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Another Dimension

the lethargics – Southern Living – Digital-EP-Review

Sicherlich eines der ungewöhnlichsten Reviews, die ich bisher vor der Brust hatte. Darral Mendenhall, der Mastermind von the lethargics schrieb mich per Mail an und erfragte ein Review zur aktuellen, aus vier Stücken bestehenden  EP „Southern Living“. 

Nach erster Recherche erwies sich die Musik sofort als Magazin-kompatibel und ich willigte natürlich ein, zumal diese eher unbekannten Sachen ja meist die reizvollsten sind, sowohl für mich persönlich, als auch. als auch unsere Leserschaft.

Mein erster Gedanke war zunächst, warum man sich eines Bandnamens bedient, der von vorne herein mit negativen Assoziationen behaftet ist. Da ich weder Social-Media-Aktivitäten noch Aussagekräftiges auf der Homepage über die Mitglieder finden konnte (der Bandname the lethargics suggeriert zumindest eine Mehrzahl) bat ich Darrel um weitere Infos.

Der sprach in seinen Antworten eher in Rätseln („I am a broken and broke hillbilly from Knoxville TN with a perhaps unusual brain and clear knowledge that The Horseman has chalked my door…“), sodass ich mich hier vermutlich zum Teil im Rahmen von Spekulationen bewege. Mendenhall lebt also in Knoxville, Tennessee. Um 2021 gab es die ersten Veröffentlichungen. Es gibt keine feste Bandstruktur, Leute kommen und gehen mit Ideen, spielen was vor, am Ende setzt der Protagonist, die Musik, in welcher Form auch immer, in die Realität um.

Es gibt keine Schubladen, auch wenn Stilrichtungen wie Rock, Blues, Punk, Country, Folk und Americana wohl den Nährboden bildeten, allerdings befinden sich unter den benannten Einflussgebern Interpreten wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Mark Knopfler, Joe Ely, The Clash, The Replacements oder die Stones. 

Diese EP ist allerdings zum Titel passend klar im Bereich zwischen Southern Rock und Roots Rock mit typischen Gitarrenelementen zu verorten, die prägnante Note ist hier die eigenwillige kauzig-kratzige Stimme Mendenhalls, die dem Ganzen eine Art ‚Tom Waits goes Southern (Rock)‘-Attitüde verpasst.

Den besten Eindruck erhält man tatsächlich, wenn man sich die über Spotify erhältlichen Songs anspielt oder die Videoclips zu anderen Titeln von Vorgängerwerken auf der Homepage anhört/ansieht, die sich durchaus in einem ähnlichen Rahmen bewegen. Mir gefällt das mit Kuhglockendrums vorangetriebene mit einem Stones-E-Gitarren-Touch versehene „Strange Customs“ mit am besten.

Die einfache Produktion beruht sicherlich nicht auf Mitteln, die man aus dem Staate Tennessee kennt, ist aber sehr authentisch, introvertiert, aber keinesfalls lethargisch und mit Herz am rechten Platz umgesetzt, sodass man Mendenhall auf jeden Fall ein hervorragendes Songwritingtalent bestätigen kann. Er stammt aus dem Süden, hat eine große Portion Southern Rock im Blut und kann auf „Southern Living“ somit ein kompetentes musikalisches Urteil über das Leben dort für sich beanspruchen.

Für Southern Rock-Freunde, die stetig auf der Suche nach neuem Stoff sind, sicherlich durchaus ein Geheimtipp!

Eigenproduktion (2024)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Wasteland Of The South
02. Willow Jane
03. Strange Customs
04. Goodbye Is Always Implied

the lethargics

49 Winchester – Support: Drayton Farley – 21.05.2024, Kantine, Köln – Konzertbericht

Toller Konzertabend in der Kölner Kantine! Der Gig von 49 Winchester mit ihrem Support Drayton Farley war im Vorfeld aufgrund der gesteigerten Kartennachfrage vom ursprünglich geplanten Club Volta in die ungefähr etwas mehr als doppelt so große Location im Kölner Norden gelegt worden und die Leute sollten ihr Kommen nicht bereuen.

Zunächst stellte der aus der Nähe von Birmingham in Alabama stammende Singer/Songwriter Drayton Farlowe in einem 45-Minuten Programm, Songs aus seinem eigens Fundus vor. Nur mit Akustikgitarre behangen und seinem bardenhaften Gesang, der mich ein wenig an Jason Isbell erinnerte, an der Front, gelang es ihm mit seiner kommunikativen Art, authentischen Texten und melodischen Tracks wie u. a. „Something Wrong (Inside My Head)“, Stop The Clock“, „Dream Come True“, „Evergreen Eyes“ American Dream (Hard Up) und dem abschließenden „Pitchin Fits“, viele Pluspunkte für sich zu sammeln, als auch den verdienten Applaus einzuheimsen.

Line-up:
Drayton Farley (lead vocals, acoustic guitar)

Nach knapp einer halben Stunde Umbaupause brachte dann 49 Winchester, das 6-köpfige Ensemble aus Castlewood, Virginia, das vor geraumer Zeit bereits als Support-Act von Luke Combs für Furore gesorgt hatte, von der ersten Minute an den ‚Kessel‘ in der Kölner Kantine zum Brodeln, visuell zusätzlich durch permanent wehende Rauchschwaden auf der Bühne untermauert!

Das Sextett, bestehend aus dem herrlich kauzig aussehenden, aber auch zugleich sehr charismatisch auftretenden Fronter Isaac Gibson, der mich an eine Art noch unverbrauchte Mischung aus Charlie Daniels in jungen Jahren, Billy Gibbons und Charlie Starr erinnerte sowie Co-Gitarrist Bus Shelton, Schlagzeuger Justin Louthian, Bassist Chase Chafin, Keyboarder Tim Hall und Pedal Steel Player Noah Patrick, sorgte schon direkt mit dem launigen Opener „Chemistry“ dafür, dass die Chemie zwischen Band und Publikum auf’s Beste funktionieren wird.

Im Mittelpunkt standen im weiteren Verlauf des ca. 1 1/2 stündigen Gigs die Songs ihrer ersten Alben, darunter natürlich auch die vom starken „Fortune Favors The Bold“ (“ u. a. „Annabel“, „All I Need“, „Damn Darlin’“, „Second Chance“, „Last Call“),  sowie ergänzend schon eine Vorschau auf den kommenden, am 03. August 2024 zur Veröffentlichung geplanten Nachfolger mit Tracks wie u. a. „Yearnin‘ For You“, „Make It Count“, Leavin‘ This Holler“, das wir dann zu entsprechender Zeit natürlich auch wieder beleuchten werden.

Highlights unter vielen in dieser höchst abwechslungsreichen Show waren für mich persönlich , der bis dato mit der Truppe noch gar keine Berührungspunkte hatte, u. a. Songs wie das atmosphärisch-bluesig-balladeske „Hays, Kansas“, das im emotionalen Refrain zum Mitsingen infizierende „Russell County Line“ sowie das progressive und mit einem starken Instrumentalteil bedachte „Don’t Speak“ oder auch das brandneue „Tulsa“ mit schöner Red Dirt-Note.

Am Ende wurde die Band vom sehr angenehmen Publikum gebührend gefeiert und natürlich nicht ohne Zugabe entlassen. Gibson bedanke sich für die tolle Kölner Audienz („die ihm noch in 15 Jahre in Erinnerung bleiben wird“ – OT) und sorgte mit seinen Kumpanen dafür, dass alle Anwesenden samt der vertretenden Hillbillies, die Kantine überglücklich verließen (mit „Hillbilly Happy“, ein Stück aus dem kommenden, neuen Album).

Besonders gefreut hat mich auch die unbeschränkte Fotoerlaubnis für den Kollegen Mangold. Hier zeigt sich, wie man vertrauensvoll zwischen Band-Management und Multiplikatoren (Agenturen, Magazinen) völlig entspannt zusammenarbeiten kann, um ein bestmögliches Werbeergebnis für die Protagonisten zu erzielen, wie man es an den tollen Fotos unschwer erkennen kann!

49 Winchester, weiter so! Ein toller aufstrebender neuer Act im New Country-, Country Rock-, und Southern Rock-Genre, von dem noch viel zu hören sein wird. Bestnote von uns für diesen Abend!

Line-up 49 Winchester:
Isaac Gibson (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Tim Hall (keyboards)
Justin Louthian (drums)
Chase Chafin (bass,)
Bus Sheltonon (electric guitar, acoustic guitar)
Noah Patrick (pedal steel)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Lime Tree Music
Semmel Concerts Entertainment GmbH
Kantine, Köln

Dreadful – Soulmates – EP-Review

Review: Stephan Skolarski

Wenn die sympathischen Urschweizer von Dreadful zur Release-Party ihrer neuen EP einladen, bedeutet dies für den Heimatort (ca. 3500 Einwohner) im Kanton Schwyz eine ausverkaufte Location. Die in dieser Gegend, immerhin einer Musikhochburg, nicht unbedingt typischen Southern-, Blues- und Country-Rocker hatten zuletzt das Full-Length-Album “A Damn Good Ride” (2019) vorgelegt. Zum 15-jährigen Geburtstag wurde nun die EP “Soulmates” veröffentlicht und am Konzertabend mit einer Biertaufe gebührend abgefeiert, getreu dem Werbeslogan des Ortes: Muotathal, das Dorf mit der Portion Eigensinn.

Allemal Grund genug, die enge musikalische Seelenverwandtschaft der Bandmates wieder von Beginn an in sechs Eigenkompositionen zu dokumentieren: krachender, heavy, Blues Rock, wie der Opener “One Hell Of A Ride”, lässt die Berg- und Erlebniswelt des Ortes aufhorchen. Ein knallharter, vor Kraft strotzender, mitreißender Guitar-Track, der die Lautstärkeregler von allein zum Anschlag bringt.

Unverändert volle Kraft voraus rockt “Down To The Bone” mit sozialkritischen Lyrics und massiven E-Solo-Breitsaiten durch eine etwas zu kurze Spielzeit, die jedoch auch hier nach Wiederholung verlangt. Mit “Memories Last Forever” folgt als weiteres Highlight eine absolut mächtige Ballade, deren Hymnen-Charakter im Southern-Blues-Rock-Style mit immer wieder starken Vocals und grandiosen Guitar-Parts den Top-Titel wachsen lässt; über sechs Minuten Hörgenuss, die unvermittelt ein “again” verlangen.

Die Kunst des abwechslungsreichen Songwritings beherrschen Dreadful meisterlich und bringen mit dem Heimweh-Titel “Home Sweet Home” eine feine acoustic Country/Folk/Rock-Nummer. Die schöne Banjo-Dominanz verleiht dem Titel zum sehr passenden Text eine magische Ohrwurmresonanz, die an gute, alte und ebenso moderne Country Folk- Zeiten erinnert. Nach diesem einfallsstarken Break-Song noch einmal so richtig voll aufzudrehen und den selbstkreierten Swiss Kick Ass Rock’n’Roll standesgemäß zum Jubiläum zu performen, ist eindeutig Sache der Band. Dies gelingt souverän mit dem rauen Blues Rock-Track “Oh Yeah, Alright” und überragenden Guitar-Passagen, die im abschließenden Texas-Boogie “Shake It” mit Harmonica-Unterstützung zum Tanzen auffordern.

Neben dem nachträglichen Glückwunsch zum Bandgeburtstag gebührt die Gratulation im gleichen Umfang der überaus gelungenen Produktion von “Soulmates”. Mit durchweg starken Songs, die sich nur im seelenverwandten Eigensinn einer Bandgemeinschaft zur Perfektion entwickeln, haben Dreadful erneut bewiesen, dass sie ihren musikalischen Enthusiasmus weit über die schweizer Grenzen hinaus vorzeigen können.

Monobuster Records (2024)
Stil: (Southern) Blues Rock

Tracks:
01. One Hell Of A Ride
02. Down To The Bone
03. Memories Last Forever
04. Home Sweet Home
05. Oh Yeah, Alright
06. Shake It

Dreadful
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T.H. & The Boneshakerz – Last Train To Graceland – CD-Review

2019 hatte Tim Husung bereits ein Album namens „Love, Soul, Rock ‚N‘ Roll“ komplett in Eigenregie veröffentlicht. Für das neue Werk „Last Train To Graceland“ firmiert er (lead vocals/guitars/harp) jetzt mit seinen Kollegen Robin Brieseck (bass, bgv), Daniel Geist (keys) Jan Le Grow (guitar, bgv) und Volker Britz (drums, percussion) als T.H. & The Boneskakerz.

Insgesamt sind es dann letztendlich zehn Stücke geworden, wobei man das ca. einminütige Instrumentalintro abziehen darf. Musikalisch kann man Husungs eigene Einschätzung „echte, handgemachte Rockmusik mit Herz und Eiern“ durchaus teilen, in songtechnischer, instrumenteller und auch aus Produktionssicht, erhält man einen schönen retro-umfärbten, meist härteren Rockmix, der auch dezentes südstaatliches Espirit (Richtung ZZ Top, Molly Hatchet, Raging Slab, The Four Horsemen, etc.) versprüht.

Leider kann der amerikanisch versuchend zu klingende Haupt-Protagonist, wie so oft bei Bands aus unseren Landen, auch in diesem Fall, seine wahre Herkunft gesanglich nicht verbergen. Zumindest in den Refrains, wo es partiell mehr in kreischende Gefilde geht, die man so aus Hard Rock-Kreisen a là Rose, Keifer, Bon Jovi & Co. kennt, und bei denen auch noch Harmoniegesänge zum Teil untergemischt sind, kann man dieses Manko etwas kaschieren.

Instrumentell wird man dafür mit satten E-Gitarren, wummernden Orgeleinlagen, mal einem Harp-Intermezzo und dem kräftigen Drumming von Britz bei sehr klarem Sound ‚entschädigt‘. Die eigens kreierten Songs besitzen auch durchaus ihren Wiedererkennungswert. Das beschriebene kann man stellvertretend im Song „Thunder Road“ begutachten, zu dem die Band einen Videoclip gedreht hat.

Am Ende reicht es sicherlich für geneigte Leute (die dann vielleicht auch nicht ganz so pingelig sind wie ich), um mit den Burschen, besonders live, zwei unterhaltsame Stunden zu erleben. Die Release-Party zur CD (gestaltet als Klappdigipak mit inkludiertem Steckbooklet) wird am 19.04.2024 im Werkhof Hohenlimburg stattfinden.

Timezone Records (2024)
Stil: Hard Rock & More

Tracks:
01. Intro
02. Keep On Moving
03. Let’s Get High
04. Rock’n’Roll Heart
05. Run Baby Run
06. Fly Like An Eagle
07. Thunder Road
08. Last Train To Graceland
09. It’s Alright Mama
10. Fire

T.H. & The Boneshakerz
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Allen-Forrester Band – 06.04.2024 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Dritter Auftritt der Allen-Forrester Band in der beliebten Krefelder Kultlokation, mein erster Besuch in diesem Jahr seit Markus ‚Pille Peerlings das Zepter an die neuen Betreiber Maurice Kamp und Janina Hellmann überreicht hat.

Das Quartett um die beiden amerikanischen Namensgeber Josh Allen und Ben Forrester (der ist den Rampenbesuchern auch noch von diversen anderen Projekten bekannt) sowie den beiden deutschen Rhythmusgebern Hendrik Herder am Bass (sehr agil, zum Teil mit Plektron agierend) und Matze Böhm am Schlagzeug, hat sich mit ihren zuvor engagierten Vorstellungen und einer starken Studioplatte samt einer gerade erschienenen Live-EP im Rücken, zu einem Besuchergaranten entwickelt.

Um kurz nach 21:00 Uhr ging es dann in der bestens gefüllten Rampe los, gespielt wurde in zwei Sets mit einer halbstündigen Pause dazwischen. Im ersten Teil wurde sich gefühlt schwerpunktmäßig auf das noch aktuelle Studiowerk konzentriert.

„Stand Up“ als Opener, „Burning Daylight“, „Hey Carolina“, „Soundtrack Of My Summer“ und das emotionale „Phases Of The Moon“ (über Eva und Ben Forresters anfängliche Fernbeziehung). Höhepunkt für mich war hier jedoch das von Allen geschriebene „This Evening“, dass mit progressiven Zügen (inklusiv toller E-Soli) ein Spektrum von Bad Company, über Pink-Floyd bis zu Lynynrd Skynyrd-Einflüssen abbildete. Apropos Lynyrd Skynyrd: Mit „The Needle And The Spoon“ gab es dazu auch noch ein Coverstück aus der RVZ-Ära, plus „Southbound“ von den Allman Brothers.

Part 2 stand dann nach tollem Auftakt mit den ‚dreckigen‘ Rockern „Steady At The Wheel“ (fast sogar mein persönlicher Favorit des Abends) und „Too Late“ eher im Fokus der Coverstücke, auch wenn mit „Knocked Me Down“, Forbidden Fruit“ (sehr schön atmosphärisch) und „Good Situation Gone Bad“ (in einer Lang-Version mit inkludiertem Drumsolo von Böhm) und „Running For Your Life“ (Abschluss des Hauptgigs) weitere Songs des Debütalbums folgten.

Gefreut habe ich mich vor Allem über „Come And Go Blues von den Allman Brothers, was man eigentlich höchst selten serviert bekommt, und vom Quartett auch mit durchaus vernehmbarer, eigener ‚Handschrift‘ präsentiert wurde. Psychedelic-Jam-Fans durften sich ausgiebig an der AFB-Variante des Black Crowes-Tracks „Mr. Morning Song“ erquicken.

Die Band wurde natürlich nicht ohne Zugabe aus der Rampe entlassen. Allen, Forrester & Co. ließen es dann nochmals mit einer krawalligen Version von Skynyrds „MCA“ ordentlich scheppern. Wer auf handgemachten, sympathischen Southern Rock der guten alten Schule mit unzähligen E-Soli in schweißtreibender Clubatmosphäre steht, bekam mit der Allen-Forrester Band an diesem Samstag-Abend in der Krefelder Kulturrampe die volle Breitseite.

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar (Fender Stratocaster and Telecaster)
Ben Forrester – electric guitar (Gibson Les Paul)
Hendrik Herder – bass
Matze Böhm – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Allen-Forrester Band
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EBF Music
Kulturrampe, Krefeld

Paul Rodgers & The Southern Heartbreakers – Our Hearts Beat Southern – CD-Review & Gewinnspiel

Er gilt auch heute immer noch als einer der besten Sänger der zeitgenössischen Rockmusik. Der in Middlesborough geborene britische Fronter von Acts wie Free, Bad Company, The Firm (mit Jimmy Page), The Law (mit Kenny Jones) oder bei Queen als Freddy Mercury-Nachfolger, Paul Rodgers, wurde damals nach dem Flugzeug-Absturz neben Bob Seger auch als heißester Ersatz für Ronnie Van Zant bei Lynyrd Skynyrd gehandelt.

Ich habe Paul Rodgers tatsächlich vor 8 1/2 Jahren, im Frühsommer (ich erinnere mich auch heute noch genau an den Tag, es war Donnerstag, der 11. Juni 2015), bevor dieses Magazin ins Leben gerufen wurde, am Strand im niederländischen Domburg zufällig kennengelernt. Als ich mich mit unserem, zu dieser Zeit noch lebenden Hund Django von unserer Badehütte aus zum Wasser hinbegab, kam eine anderer Labrador zu ihm angerannt und die beiden Vierbeiner tobten sofort in bester Harmonie zusammen im Meer. Einige Meter dahinter schlenderte ein Mann relaxt durch den feuchten Sand, den ich mit Bermudashorts, Adiletten, bunt-geblümtem Hawaii-Hemd, Sonnenbrille und Strohhut auf dem Kopf, erst garnicht erkannt habe. Er war wirklich gut ‚getarnt‘.

Als dieser mein Lynyrd Skynyrd-T-Shirt sah, fragte er mich mit einem Grinsen im Gesicht „Do you like Southern Rock?“ Da erkannte ich ihn plötzlich und ich erwiderte „Hey man, du bist doch Paul Rodgers, was machst du denn hier in Holland?“ Paul sagte, dass er gerade den letzten Spaziergang seines Kurzurlaubs am Strand machte und in vier Stunden wieder mit dem Privatflieger wegen eines Konzerts am Wochenende nach England zurück müsse.

Während die Hunde miteinander tollten, erzählte er mir, dass sein Skynyrd-Arrangement am massiven Wiederstand des Van Zant-Clans (besonders Witwe Judy Van Zant erteilte ihr Veto) und der Plattenfirma MCA scheiterte, als auch, dass es aber deswegen keinen Streit gab (die derzeitigen Verpflichtungen mit Bad Company hätten sowas eh nicht zugelassen) und er mittlerweile mit Gary Rossington seit über 40 Jahren eng befreundet sei (er ist deshalb wohl auch vor einigen Monaten zu seiner Beerdigung gereist) und er auch schon solo mit Skynyrd auf Tour unterwegs gewesen ist.
Photo credit: Karen Alvarez

Ich erzählte ihm von meinem Faible für Southern Rock und dass ich demnächst ein Online-Magazin mit dieser Thematik gründen werde. Aus Spaß sagte ich noch, dass ich es bei seiner tollen Stimme cool finden würde, wenn er mal ein Southern-Album aufnehmen würde. Mit einem verschmitzten Lächeln und „I will think about it, it was nice to meet you“ verabschiedete er sich und wurde dann schnell mit seiner Hündin Kossie nur noch zu Punkten am Horizont.

Dann vor gut zwei Wochen, öffnete ich ein Kuvert ohne Absender in dem 5 Promo-CDs lagen, auf der oberen klebte ein gelber Post-It-Zettel mit folgenden handgeschriebenen Worten: „Remember Domburg, BR Paul ;-)!“ Ich bedankte mich natürlich via Facebook und Paul erklärte, dass die Scheibe, die ein magisches Erlebnis für ihn gewesen sei, im Laufe des Aprils auf den Markt kommen würde und er sich freuen würde, wenn wir ein wenig Werbung im Vorfeld machen würden. Die Scheibe soll aber bis dahin erstmal noch unter Verschluss bleiben (siehe Anmerkung am Ende *).

Was soll man sagen? In der Tat, ein Hammerteil, alles was noch an großen Stars in der SR-Szene verblieben ist, gab sich die Ehre, selbst für die beiden Bad-Co-Neueinspielungen (witzig, aus „Rock’N‘ Roll Fantasy“ wurde „Southern Rock Fantasy“ gemacht), konnte er seine beiden früheren Weggefährten Mick Ralphs (mittlerweile wieder einigermaßen genesen) und Simon Kirke auch noch hinzugewinnen. Ganz besonders emotional vielleicht das Duett mit Ronnie Hammond Jr., dem Sohn des verstorbenen Atlanta Rhythm Section-Fronters, der seinem Vater hier frappierend ähnlich klingt und den Song mit den gesprochen Worten „You’re so into me, Dad!“ abschließt. Klar natürlich, dass sich ehemalige und aktuelle Mitglieder aus dem Skynyrd-Dunstkreis auch beteiligten.

Rodgers im Promozettel zur weiteren Entstehung des Werkes: „Besonders auf der Beerdigung von Kumpel Gary Rossington wurde mir klar, wie vergänglich die Zeit ist. Ich kam beim anschließenden Trauerkaffee mit Dave Cobb ins Gespräch, der mir spontan anbot, die Produktion der Scheibe in seinem Georgia Mae-Studio in Savannah zu übernehmen und auch für die nötigen Kontakte zu sorgen.

Kurze Zeit später trafen wir uns für zwei Wochen und sämtliche noch verbliebene Größen der Szene (siehe auch Trackliste unten) gaben sich die Klinke in die Hand, es war nahezu magisch, diese zum Teil essentiellen Tracks nochmals neu zu performen. Ich werde diese Tage nie vergessen. Den Rest haben hier instrumentell neben Cobb die Klasse-Studiomusiker aus Nashville wie u. a. Rob McNelley, Kenny Greenberg, Greg Morrow, Steve Mackay und Dave Cohen besorgt.“
Photo credit: Karen Alvarez

Wir können diese Emotionen nach dem Hören nur eindringlich bestätigen. Paul Rodgers und seine Mitstreiter tragen den Southern Rock in ihren Herzen! Herrliche Musik, völlig entstaubt, dazu mit seiner grandiosen Stimme veredelt (inklusiv vieler Duettpartner). Einfach nur wow!!!

Toll fand ich auch, dass Paul mich (quasi als Ideengeber) plus Begleitung zur CD-Release-Party Ende April in einen Club in Nashville eigeladen hat.

Drei Exemplare von „Our Hearts Beat Southern“ verlosen wir an unsere treuen Leserinnen und Leser.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Auf welchem der Bad Company-Album erschienen die beiden neu eingespielten Tracks (damals „Rock’N‘ Roll Fantasy“ – Anmerk. der Red.) und „Oh Atlanta“?
a) Rough Diamonds
b) Desolation Angels
c) Straight Shooter

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 01.04.2024 (vor 24:00 Uhr) an dan@sounds-of-south.de.
Wir losen unter allen richtigen Einsendern drei Gewinner/innen aus, die dann umgehend benachrichtigt mit der CD beliefert werden (* nach VÖ).

Southern Hearts Records – Thirty Tigers/Membran (2024)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Southern Rock Fantasy (feat. Mick Ralphs)
02. I Never Dreamed (feat Johnny Van Zant)
03. Heard It In A Love Song (feat. Doug Gray)
04. Ramblin‘ Man (feat. Dickey Betts)
05. So Into You (feat. Ronnie Hammond jr.)
06. Love Your Man (feat. Dale Krantz-Rossington)
07. Movers And Shakers (feat. Warren Haynes)
08. There Goes Another Love Song (feat. Billy Crain)
09. Cheatin‘ Woman (feat. Artimus Pyle)
10. Whiskey Man (feat. Bobby Ingram)
11. Long Time Gone (feat. Donnie Van Zant)
12. Diary Of A Working Man (feat. Ricky Medlocke)
13. Last Ride (feat. Bruce Brookshire)
14. So Long (feat. Henry Paul)
15. Hold On Loosely (feat. Don Barnes)
16. Oh Atlanta (feat. Simon Kirke, The McCrary Sisters)

Paul Rodgers
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