Victoria Ginty – Unfinished Business – CD-Review

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Zunächst möchte ich mal meine Freude zuteil werden lassen, dass sich unsere engagierte Arbeit scheinbar auch in den Staaten rum zu sprechen scheint. Als aktuelles Beispiel möchte ich hier eine Dame namens Victoria Ginty aus Tampa Bay, Florida, anführen, deren Management mir jetzt ihren neuen Lonplayer „Unfinished Business“ ohne jeden vorherigen Kontakt zugeschickt hat.

Die mir bis dato völlig unbekannte Künstlerin ist seit 2015 im Sunshine-State musikalisch präsent und auch schon in Nashville unter Vertrag gewesen. Nach einer Live-Scheibe, gilt es vermutlich jetzt, den Karriereverlauf mit eigens kreiertem Material unter Studiobedingungen zu unterfüttern.

Die größtenteils von Victoria mit diversen Co-Writern (den Löwenanteil hat ein gewisser Mike Ivey beigetragen) unter den Umständen einer beendeten und neu gefundenen Liebesbeziehung komponierten Tracks, wurden mit ihrer, sie aktuell begleitenden Tourband namens Ladyhawke (J. Livington – bass; G. Lougen – guitar; R. English – piano; B. Decker – organ; J. English – drums; G. Castillo – Percussion; J. Diggs – bgv; E. Wozniak – sax; C. Weierich – trumpet; J. Cheslak – trombone) eingespielt.

Die allesamt recht swampig und soulig, instrumentell meist sehr schön ausgefeilten Blues-Tracks (da bleibt kaum ein Stück unter 4 Minuten), erinnern mich aufgrund der Bläser-Präsenz an den Sound, den man aus den Muscle Shoals-Umfeld oder zum Teil auch aus New Orleans kennt. Die Ginty hat eine energische, dazu gut passende Stimme, durchaus mit der Ausstrahlung einer ‚Grande Dame‘.

Als markanteste Songs würde ich das retro-bluesig swingende Titelstück „Unfinished Business“ (hier als Clip in einer Live-Version), die allmaneske Ballade „Hard To Move On“, der 81/2 Minuten währende Slow Blues „Every Night, Every Day“, der atmosphärische Schwofer „Water“ (mein Lieblingsstück des Werkes, tolle E-Gitarre, Harmonies, herrlich quäkende Bläser-/E-Gitarren-Solo-Kombination) und das gelungene Terence Trent D’Arby-Cover von „Sign Your Name“ (mit schönem Latin-Vibe) anführen.

Fazit: Victoria Ginty bietet mit ihrem Studio-Debüt „Unfinished Business“ einen musikalisch sehr reifen Einstieg in die Blues-Szene. Hier hat alles Hand und Fuß. Als Referenzgrößen würde ich Damen wie Bekka Bramlett, Dusty Springfield, Eve Selis, Big Mama & The Cool ungefähr benennen, vom Spielstil ihrer Begleiter her kommen mir Acts wie Delta Moon oder The Radiators spontan in den Sinn. Ihre Biografie, bzw. ihr Business wird unter diesen Voraussetzungen in Zukunft sicherlich weiter mit Leben gefüllt werden.

Blue Door Records (2018)
Stil: Blues, Soul, R&B

01. Unfinished Business
02. Take Me Down
03. Hard To Move On
04. You Don’t Love Me No More
05. Every Night, Every Day
06. Give It Up
07. Water
08. Sign Your Name
09. Lyin‘ (In Each Others Arms)
10. Do Me Right
11. The Blues Found Me

Victoria Ginty
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Theo Lawrence & The Hearts – Homemade Lemonade – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Dass Theo Lawrence als Kind von den White Stripes besessen war, hört man seinem ersten Studioalbum nicht unbedingt an. Harte Gitarrenriffs und wild trommelnde Schlagzeugbeats eines „Seven Nation Army“ sucht man auf „Homemade Lemonade“ vergebens, denn diesen Musikstil vermeidet Lawrence mit seiner vier Mann starken Begleitband „The Hearts“ und lässt lieber seine einnehmende Stimme sprechen.

Der 22-jährige Franzose kanadischer Herkunft singt im akzentfreien Englisch und dirigiert „The Hearts“ mal zu Soul und R&B, wie im Opener „Heaven To Me“ oder Soul-Country, der Roy Orbison und Elvis Presley als Vorbild hat in „Who I Was“. Auf dem Montreal Jazz Festival (Kanada), das international als eines der renommiertesten Musikfestivals angesehen wird, durften Theo Lawrence und die Band, bestehend aus Louis Marin Renaud an der Gitarre, Olivier Viscat am Bass, Keyboarder Nevil Bernard und Schlagzeuger Thibault Lecocq, bereits auftreten.

Der Versuch, das Album musikalisch einzuordnen, stellt eine Herausforderung dar. Die jungen Franzosen lassen sich halt in kein Korsett zwängen. „Never Let It Go“ ist feinster Modern-Pop-Soul-Sound, „A House But Not A Home“ hingegen beginnt mit einem 60er Beat-Riff, das auch von den Hollies stammen könnte und geht dann über in einen schnörkellosen Country-Rhythmus. Zartes Grillengezirpe hört man am Anfang von „Shanghai Lady“ bis dieses durch eine dumpfe Akustik-Gitarre überdeckt wird und in einen herrlichen Country Rock-Song übergeht. Ein gefühlvolles Duett rundet dieses hervorragende Lied ab.

60er & 70er Jahre-Soul gibt es auf „Heaven To Me“ zu hören, aber die Ausgestaltung des Tracks weist auch frische Akzente eines Michael Buble auf. Swamp-Rock, der einem CCR-Rhythmus, wie bei „Green River“ folgt, ist auf „Chew Me Up“ auszumachen. Bei „Sucker For Love“ denkt man unweigerlich, dass hier möglicherweise Mark Ronson produktionstechnisch unter die Arme gegriffen haben könnte, so klar klingt Amy Winehouse hervor: ein starkes Stück!

Der letzte Song „Count Me In Tomorrow“ deutet dezent auf Jim Reeves Evergreen „Distant Drums“. Die Vielseitigkeit dieser Produktion knüpft bei Nathaniel Rateliff an, der zu Beginn seiner Karriere noch die Singer/Songwriter-Schiene befahren hat, aber in den letzten Jahren das Rhythm & Blues-Feuer mit Country und Soul Einflüssen neu entfachte. Etwas Vergleichbares kann man nur Theo Lawrence wünschen.

Das Album „Homemade Lemonade„ von Theo Lawrence & The Hearts vermittelt eine außerordentliche Souveränität und lebt von der wandlungsfähigen Stimme des Bandleaders, die mal soulig ist, dann wieder in einen Country-Jargon übergeht und schließlich noch rauchig und kräftig die Songs vorantreibt.

BMG (2018)
Stil: Soul-Rock, Rhythm & Blues, Country

01. Heaven To Me
02. Never Let It Go
03. Chew Me Up
04. Search Your Heart
05. My Sunshine Is Dead
06. A House But Not A Home
07. Sucker For Love
08. Who I Was
09. Shanghai Lady
10. Count Me In Tomorrow

Theo Lawrence & The Hearts
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Oktober Promotion

Gregg Allman – Southern Blood (Deluxe Edition) – CD-Review

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Ich muss ja schon sagen, dass es mich unheimlich gefuchst hat, dass wir Gregg Allmans letztes Werk „Southern Blood“ nicht zum Besprechen erhalten haben. Gerne hätte ich zum aktuellen Zeitpunkt noch ein paar würdigende Worte über ihn verfasst, zumal sich vorher in unserem, noch jungen Online-Medium keine Gelegenheit ergab, mal eine Rezension über ihn zu verfassen. Und was ist schon ein echtes Southern Rock-Magazin ohne ein solch musikalisches Schwergewicht im Künstlerindex?

Nun gut, wenn auch etwas verspätet, ist sein finales Album „Southern Blood“ doch auf Umwegen in meinem CD-Player gelandet. Aber von vorne. Gregg Allman ist natürlich ein Musiker und charismatischer Frontmann, der meinen musikalischen Weg seit frühster Jugend, mehr als nachhaltig begleitet hat. So war beispielsweise die Allman Brothers-LP „Brothers & Sisters“ mein allererster, mit eigenem Geld gekaufter Tonträger. Viele weitere im Dunstkreis der Allmans folgten im Verlaufe der Zeit.

Amüsant war damals seine Kurzehe mit Cher, ich meine mich an ein Zitat von ihr zu erinnern: „Für Gregg Allman sind Frauen nur für zwei Dinge gut: Die Betten zu machen, um sich anschließend wieder reinzulegen…“. Toll fand ich damals ihren gemeinsamen Song „Can You Fool“.

Live habe ich seine charismatische Ausstrahlung zweimal im Rahmen der Allman Brothers Band bewundern können. Einmal in der damals 1980 ausverkauften Kölner Sporthalle und später 1991 noch mal im E-Werk, ebenfalls in der Domstadt.

Aus seinen Solophasen befinden sich auch diverse Tonträger in meinem Besitz. Seine letzte in den Fame Studios in Muscle Shoals aufgenommene Veröffentlichung nun, mit dem plakativen Titel „Southern Blood“, wenn auch überwiegend mit Covernummern bestückt, bildet trotzdem einen würdigen und runden Abschluss seines beachtlichen Lebenswerkes.

Vermutlich war es für alle Involvierten keine einfache Sache, diese Songs im Angesicht des Todes und der damit verbundenen körperlichen Konstitution dieses Ausnahmemusikers, überhaupt zustande zu bringen. Ich gehe von einer unheimlich psychischen Belastung aus, zumal die Lieder teilweise auch textlich zur bedrückenden Situation passen.

Gar nicht wissen möchte man, wie es Gregg persönlich innerlich dabei ging, es heißt, dass er oft nur wenige Stunden im Studio präsent sein konnte und teilweise immer wieder unterbrochen werden musste. Alles in Allem hat Produzent Don Was am Ende ein einfühlsames Ganzes hinbekommen, das in Deluxe-Version noch um zwei Live-Tracks erweitert ist.

Im Großen und Ganzen wurden hier Greggs musikalische Vorlieben in seiner Karriere weitestgehend umrissen. Die bis auf ganz wenige Ausnahmen meist balladesk gehaltenen Songs beinhalten, naturgemäß bluesige Southern Rock- und Country-Einflüsse. Was vielleicht neu anmutet, ist die hier relativ omnipräsente Einbindung einer Bläserfraktion in jedes Stück, als auch die gospeligen Harmoniegesänge (verkörpert durch die McCrary Sisters) und somit ein verstärktes souliges Flair. Auch die Percussion-Unterstützung und viele Steel-Gitarren-Einlagen verbindet man jetzt nicht unbedingt mit seinem Namen.

Gänsehaut bekommt man sofort beim Opener „My Only True Friend“, eine der beiden neuen Kompositionen auf dieser Scheibe, die Gregg mit seinem Gitarristen und musikalischen Direktor Scott Sharrad kreiert hat. Sharrad hat im Text quasi den schon lange verstorbenen Bruder Duane zu Gregg sprechen lassen. Toller Einstieg in das Album!

Ein weiterer bewegender Moment ist für mich ist „I Love The Life I Live“, weil er das southern bluesige Terrain beschreitet, auf dem sich Gregg am pudelwohlsten fühlte und wohl auch sein Lebensmotto wiederspiegelt. Beim Hören spürt man, wie sich der Protagonist hier mit letzten Kräften, nochmals vokal so richtig reinhängt. Am Ende beim von Jackson Browne geschriebenen und unterstützten  „Song For Adam“ (mit (Harmoniegesängen), merkt und fühlt man ebenfalls förmlich am eigenen Leibe, dass hier der Kampf eines großen Künstlers zu Ende ging.

Mit Gregg Allman verliert die Southern Rock-Gemeinde eine weitere und mit eine ihrer letzten wahren Ikonen. Auch wenn er zeitlebens kein Engel war („I’m No Angel“) verabschiedet er sich mit „Southern Blood“ würdevoll in den Southern Rock And Roll Heaven und befindet sich jetzt hoffentlich wieder im illustren Kreise von Duane und seiner Brüder im Geiste wie Butch Trucks, Ronnie Van Zant, Toy Caldwell, Hughie Thomasson und Co. Mach et jut, Midnight Rider!

Concord Records (2017)
Stil: Southern Blues Rock

01. My Only True Friend
02. Once I Was
03. Going Going Gone
04. Black Muddy River
05. Love The Life I Live
06. Willin‘
07. Blind Bats And Swamp Rats
08. Out Of Left Field
09. Love Like Kerosene
10. Song For Adam (feat. Jackson Browne)
11. Love The Life I Live (Live)
12. Love Like Kerosene (Live)

Gregg Allman
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Beth Hart & Joe Bonamassa – Black Coffee – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Schwarzer Kaffee ist sicherlich nicht das typische Getränk, das man mit Rockmusik in Verbindung bringt. Vom Geschmack her sehr kraftvoll, kann schwarzer Kaffee gleichzeitig mit seinem unverfälschten Aroma überzeugen. Nein, das hier soll kein Bericht über eine Kaffeeverköstigung werden, aber das neue Album von Beth Hart und Joe Bonamassa, „Black Coffee“, wird mit diesen Attributen vortrefflich beschrieben: kraftvoll und unverfälscht.

Wenn der Scheinwerfer auf Joe Bonamassa gerichtet wird, sind Superlativen unvermeidbar. Das Wort „Gitarrenikone“ fällt in diesem Zusammenhang und seine Konzerte werden als „Guitar Event of the Year“ angekündigt. Seit den letzten Jahren hat er den Status als unangefochtene Zugspitze des jungen, modernen Bluesrock inne. Von daher ist eine Albumveröffentlichung des US-Amerikaners ein künstlerisches Großereignis.

Aber es steht halt nicht nur Joe Bonamassa auf dem Cover, sondern auch wieder Beth Hart. Die schrille und extravagante Bluesrockerin singt bereits zum dritten Mal an seiner Seite. Zwei Studioalben „Seesaw“ (2013) und „Don’t Explain“ (2011) und ein furioses Livealbum aus Amsterdam (2014) haben beide bereits zusammen aufgenommen. Auf „Black Coffee“ setzen sie Bewährtes gut fort. Zum einen wieder mit Kevin Shirley (u.a. Led Zeppelin, Iron Maiden, Aerosmith, Black Crowes) als Produzenten, der sich im Hard- und Bluesrock-Genre wohl fühlt. Zum anderen mit alten und neuen musikalischen Schätzen, die sie sich unnachgiebig und explosiv einverleiben.

Der kraftvolle Hard Rock Opener „Give It Everything You Got“ besticht mit voluminösem Sound, Joes ausgiebigem Solo und schönen Bläsersätzen. Auf „Damn Your Eyes“ glänzt Reese Wynans mit feiner Keyboarduntermalung. Den Titelsong „Black Coffee“, ein Ike und Tina Turner Cover, begleitet ein charismatischer Background Gesang in Motown Soul-Manier. Das langsame soul-jazzige „Lullaby Of Leaves“ beginnt sehr eintönig, rettet sich dann aber doch noch furios, mit einem 2-minütigen Gitarrensolo.

Eher swing-jazzige Töne gibt es auf Joe McCoys „Why Don’t You Do It Right“ von 1941 zu hören. Die 45-järige Beth Hart singt darauf rotzig und frech, erinnert dabei ein wenig an Amy Winehouse und man sieht sie schon förmlich vor sich mit dem Zeigefinger mahnend „„Why Don’t You Do It Right“, so intensiv kommt ihre Stimme rüber. „Saved“ ist eine schmissige Rhythm & Blues Nummer: mitreißend und tanzbar! „Sitting On Top Of The World“, ein typischer Blues-Rocker mit erneuter Bläseruntermalung, wurde bereits von Blues Größen wie Howlin‘ Wolf, B.B. King, Cream und Grateful Dead eingespielt. Dennoch schaffen es Beth und Joe dem Track, durch diese Big Band-Version wieder ihren unnachahmlichen Stil zu geben.

Das Album lebt von der guten und abwechslungsreichen Auswahl wunderschöner Songwriting-Perlen. Hart und Bonamassa verpassen den Songs dabei einen markanten und unverwechselbaren Sound. Die Arrangements überzeugen auf ganzer Linie und die fantastischen Gitarrenpassagen kommen anziehend intensiv zur Geltung. Kevin Shirley hat aus den gerade mal 5-Tage-Aufnahmesessions eine perfekt ausbalancierte Produktion abgeliefert. Da alle Songs mehr oder weniger live im Studio eingespielt wurden, kommt die Unverfälschtheit und nahbare Spontanität sehr gut zum Ausdruck.

„Joy, joy, joy“ ruft Beth Hart auf dem nächsten Track, der mit seinem unwiderstehlich stampfenden Rhythmus fesselt. Freude kommt bei diesem Album definitiv auf! Das abschließende „Addicted“ passt auf den ersten Blick nicht so recht auf die Liste zwischen 40-60er Jahre Blues, Soul und Jazz Nummern. Dem im Original Trip Hop Lied des österreichischen Elektrotrios Waldeck von 2007, drücken Joe und Beth aber ihren ganz eigenen hippen, musikalischen Stempel auf. „Addicted“ als abschließender Song, passt sehr gut, denn am Ende dieses Albums ist man wortwörtlich tatsächlich „Addicted“. Bitte zurücklehnen, unbedingt laut aufdrehen und genießen, gerne auch bei einem „Black Coffee“.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

01. Give It Everything You Got
02. Damn Your Eyes
03. Black Coffee
04. Lullaby Of The Leaves
05. Why Don’t You Do Right
06. Saved
07. Sitting On Top Of The World
08. Joy
09. Soul On Fire
10. Addicted

Beth Hart & Joe Bonamassa
Beth Hart
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Joe Bonamassa
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Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – Flowers Under The Bridge – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Eine texanische Sängerin und eine niederländische Band nehmen zusammen ein Album auf!? Was zunächst vielleicht nach einer gewagten und ausgefallenen Kombination klingen mag, gelingt musikalisch ausgesprochen gut. Dede Priest bewegt sich in unterschiedlichen Genres. Sie fühlt sich im Bluesrock, Country, Soul und Folk zu Hause und konnte bereits Erfolge in den US- und UK-I-Tunes-Charts (Tangled Eye: „Jesus, I’m Calling You“) feiern. Johnny Clark & The Outlaws vereinen Elemente aus Rock, Blues und Country und bilden das passende Gegenstück zu Priests phänomenaler Stimme.

Auf dem rockigen Opener „You Are Love“ bewegt man sich zwischen Bluesrock und Soul, wobei sich Dedes kraftvoller Gesang und die schrille E-Gitarre ein „Duell“ liefern und den Song wild vorantreiben. „Willie Mae“ überzeugt als erstklassiges Tribute an die US-amerikanische Bluessängerin Big Mama Thornton („They call her Big Mama Thornton“), mit Wah-Wah-Effekt und Geige, die dem Lied einen schönen Country-Roots „Anstrich“ verleiht. Das bluesige „What It Is Ain’t What It Ain’t“ beginnt mit einem intensiven Gitarrenintro und verfällt dann in einen eintönigen, langsamen Rhythmus, der leider 7-Minuten anhält; etwas weniger hätte ausgereicht.

Mit „Strawberry Party“ folgt ein wohltuender Country-Folk Song mit der durchklingenden Geige von Dede Priest, die im Song ein texanisches „Saloon-Feeling“ aufkommen lässt. „Snowy Mountain“ würde sich auch als besinnlicher Song auf jeder Winter Playlist zurecht wiederfinden und kommt als minimalistische Folk-Nummer mit dem Schwerpunkt auf Dede Priests hervorragender Stimme und E-Gitarren Begleitung daher. Die rockigeren Nummern „Won’t Last Long“, „Wanda“ und das einprägsame „Lynched At The Crossroad“, mit typischen Bluesversen, wecken Erinnerungen an den Songwriting-Stil des US-amerikanischen Country-Folk-Rock Musikers James McMurtry.

Dede Priests Stimme, die immer wieder mit Big Mama Thornton, Etta James und Sister Rosetta Tharpe verglichen wird, gibt den Songs einen powervollen Sound, von „Strawberry Party“ im Stile von Dolly Parton bis hin zu „Lynched At The Crossroad“, das vom Gesang eher an Janis Joplin erinnert. Auf der Storyteller Ballade „Alaska“ singt diesmal Bandleader Johnny Clark („Oh Alaska wide open space“), und Dede Priest untermalt den Track mit ihrem beherzten Geigenspiel. Danach folgt der Titelsong des Albums „Flowers Under The Bridge“, der das gesamte Spektrum der Band treffend abbildet. Auf „Helen’s Backyard“ gleitet die texanisch-niederländische Combo in einen groovigen Boogie und abschließend kommt mit „Mister Don’t Lie“, ein schön arrangiertes Cover des Chicagoer Bluesgitarristen Luther „Snake Boy“ Johnson.

Das Album wurde in Utrecht/Niederlanden produziert. Hervorzuheben ist, dass fast alle Songs gemeinsam komponiert, die Texte jedoch alle, bis auf „Alaska“ (Johnny Clark), von Dede Priest geschrieben wurden.

Dede Priest und Johnny Clark & The Outlaws erinnern in ihrer musikalischen Bandbreite an Steve Earle & The Dukes. Sie vermischen Blues, Country, Folk und Soul zu einem außergewöhnlich-interessanten Sound. Dieser selbstbezeichnete „Cross-Over“ Stil überzeugt phasenweise mit harten Gitarrenriffs und Dede Priests eindrucksvollen Geigenpassagen, die vielen Songs einen authentischen, folkigen Touch verleihen. Diese erfolgversprechende texanisch-niederländische Zusammenarbeit hat ein bemerkenswertes Album hervorgebracht, das Genre übergreifend mehr Anerkennung verdient.

The Band:
Dede Priest: Vocals, Guitar, Violin
Johnny Clark: Vocals, Guitar
Ray Oostenrijk: Bass
Leon Toonen: Drums

Eigenproduktion (2017)
Stil: Rhythm & Blues, Country, Soul

01. You Are Love
02. Willie Mae
03. What It Is Ain’t What It Ain’t
04. Strawberry Party
05. Snowy Mountain
06. Won’t Last Long
07. Wanda
08. Lynched At The Crossroad
09. Alaska
10. Flowers Under The Bridge
11. Helen’s Backyard
12. Mister Don’t Lie

Dede Priest
Johnny Clark & The Outlaws
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Tasha Taylor – 28.11.2017, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Wunderbarer, souliger Blues-Abend mit Tasha Taylor! Trotz vieler Locations, die Gernot und ich in der vergangenen SoS-Zeit (und auch schon zuvor) besucht haben, galt es an diesem Dienstag, beim geschätzten Pädagogen noch eine Bildungslücke zu schließen.

Die aus Dallas, Texas, stammende, mittlerweile in Los Angeles lebende Tasha Taylor, feierte in der urigen Leverkusener Kultkneipe topos ihr Auftrittsdebüt. Auch Gernot hatte diese liebevoll gestaltete, eigenwillige Altbau-Lokalität mit Wohnzimmercharakter, bisher noch nie kennengelernt und kam nach dem Betreten derselben aus dem Staunen erstmal nicht raus, was vermutlich bisher wohl jedem so ergangen ist.

Als die Band zunächst alleine die enge Bühne betrat, um sich mit einem Instrumental kurz warm zu spielen, hatten sich letztendlich um die fünfzig Leute (was mengenmäßig für das kleine topos an so einem Wochentag schon ganz ordentlich ist) eingefunden.

Die hübsche Protagonistin mit den fein geflochtenen langen Haaren, stieß nach Abschluss des Stückes dazu und brachte den Gig des amerikanisch/karibisch/skandinavisch zusammengestellten Kollektivs mit dem souligen Schwofer „I Got Love“ langsam ins Rollen.

Die Tochter des berühmten Stax Records-Künstlers Johnnie Taylor moderierte dann ganz charmant durch den Verlauf des Konzertes, in dem sie fast zu jedem Song eine kleine Anekdote (meist aus ihrem Leben) parat hatte, in denen natürlich auch der Vater seinen Platz hatte und samt seiner Songkreationen wie „Lost Two Dollars“ und dem schön ’shaky‘ vorgetragenen „Who’s Making Love“, das zum Ende in einer wahren Gospel-Orgie endete, gewürdigt wurde.

Tasha und ihr routiniert und perfekt begleitendes Quartett, bestehend aus dem unaufgeregt spielenden und solierenden E-Gitarristen Davide Floreno (auch mit ein paar Harmoniegesängen), der berühmten Bassisten-Koryphäe Roger Inniss (Climax Blues Band, Mick Taylor, Snowy White, Kid Creole, etc. – mit sechsaitigem Tieftöner) sowie Schlagzeuger Oli Ontronen und dem herrlich klimpernden Pianisten Samuli Rautiainen (hatte neulich ja schon Ina Forsman begleitet), boten den Anwesenden einen schönen Reigen aus Soul-, Blues-, Rhythm & Blues und Rock-Ingredienzien, wobei ihre markant kräftige Stimme natürlich im Mittelpunkt stand.

Zwischenzeitlich griff sie bei eigenen Tracks aus ihrem aktuellen Werk „Honey For The Biscuit“ wie „What Difference Does It Make“, „Wedding Bells“ oder „Leave That Dog Alone“ auch mal zur Telecaster oder assistierte ihren Leuten mit dem Tambourine (u. a. bei „Weatherman“).

Amy Winehouse („Valerie“), Otis Redding („Thes Arms Of Mine“), Eddie Floyd („Knock On Wood“), Etta James (I Just Wanna Make Love To You“) und Aretha Franklin („Natural Woman“) wurden als persönliche Vorbilder Tashas mit Coverversionen musikalisch zitiert, mein Highlight des Abends war der Gänsehaut erzeugende melancholische Ohrwurm „There’s A Way“ samt ihrer emotionalen Vokal-Performance. Klasse!

Nachdem Tasha das Publikum bereits beim, den Hauptpart abschließenden Daddy-Track „Who’s Making Love“, in Mitsing-Ekstase versetzt hatte, animierte sie ebenfalls bei der furios abgehenden Etta James-Zugabe „Tell Mama“ (auch durch Janis Joplin bekannt geworden) im Stile einer Hohepriesterin, zum, mit vielen ‚Yeah‘-Rufen gespickten Gospel-Showdown, bei dem das topos fast einer Kirche in Memphis glich.

Nach Ende des wunderbaren Konzertes stand sie in Sachen Merchandising natürlich allen Anwesenden zur Verfügung und erwies sich auch hier als äußerst sympatisches und unkompliziertes ‚Southern Girl‘, das unserer Bitte nach dem obligatorischen Bild für die VIP-Galerie (Gleiches gilt für Roger Inniss) anstandslos nachkam. Solche Dienstage darf es gerne öfter geben. Ein toller Abend mit Tasha Taylor & Co.!

Line-up:
Tasha Taylor (lead vocals, electric guitar, percussion)
Davide Floreno (electric guitar, vocals)
Samuli Rautiainen (keys)
Roger Inniss (bass)
Oli Ontronen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tasha Taylor
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BluesLand Productions
Ruf Records
topos Leverkusen

Ina Forsman – 14.10.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Ina Forsman mit Band im Blue Notez im Rahmen ihrer „Pretty Messed Up“-Tour! Die bezaubernde finnische Frontfrau, die 2014 ihr Heimatland bei der European Blues Challenge vertrat und auch schon mit dem Blues Caravan unterwegs war, ist bekannt für authentische Blues-, Jazz- und Soulmusik, von der es auch an diesem Abend reichhaltige Kostproben gab.

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals)
Jaakko Pöyhönen (drums)
Samuli Rautiainen (keys)
Iiro Kautto (bass)
Davide Floreno (guitars)

Text und Bilder: Peter Schepers

Ina Forsman
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Ruf Records
Blue Notez Dortmund

Andy Frasco And The U.N. – Songs From The Road – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

Andy Frasco bezeichnet seine Musik selbst als „Party Blues“. Er will mit seiner Mucke gute Laune versprühen und dies gelingt ihm bei seinem Open-Air-Konzert in Bamberg auf ganzer Linie. Die Aufnahme der Live-Show vom 13. August 2016 umfasst fünfzehn Songs und zeigt, dass Frasco und seine Band wissen, wie Partystimmung erzeugt wird.

„C Boogie“ eröffnet das Konzert und heizt direkt die Atmosphäre im Publikum auf. Frasco hält es nicht hinter den Keyboards, sondern begibt sich ins Publikum und animiert mit einer eigenwilligen Tanzeinlage. „When You Lonely (Fill You Up)“ nimmt den Schwung mit. Die Bläser um Ernie Chang am Saxophon laufen hier auf Hochtouren. Auch bei dem Soul-durchtränkten „Tie You Up“ sowie dem eingängigen „Make It Worth“ verströmt die Band große Spielfreude, unterstützt durch einen Schluck Jägermeister.

„Mature As Fuck“ startet und endet als Rock-Nummer, die zum Mitgrölen einlädt. Dazwischen liegt ein kurzes Reggae-Intermezzo. Bei „Stop Fucking Around“ bezieht Frasco das Publikum in den Refrain ein. Den Gesangspart bei einer Strophe übernimmt Gitarrist Shawn Eckels. Durch die Vorstellung und Soli der Bandmitglieder kommt „It´s Been A Struggle“ auf über 14 Minuten Spielzeit.

Mit dem Country-Bar-Song „Smokin´ Dope And Rock `N Roll”, das als Medley mit „Purple Rain“ von Prince gespielt wird, zeigen die zehn Musiker weitere Facetten ihrer musikalischen Bandbreite. Das Bluegrass-infiltrierte „Down The Road” schließt die Ausflüge der Band in die Spielarten des Country ab. „Doin´ It” versetzt die Hörer dann beinahe in die Disco-Ära der siebziger Jahre. Dabei klingen die Töne, die Matt Owen seiner Tuba entlockt, fast wie ein funky Keyboard.

Der Blues „Baby Take The Day Of“ findet sich nicht auf der Audio-CD, statt dessen ist dort das beschwingte „Crazy Guy“ aufgenommen, mit dem sie auf 79 Minuten Spielzeit kommt. Frasco zeigt, dass er das Spiel mit dem Publikum beherrscht und lädt es bei „Sunny Day Soldier“ erneut dazu ein, ihn gesanglich zu unterstützen, was dieses gerne wahrnimmt. Schließlich holt Frasco noch einige Kinder auf die Bühne, um mit ihnen zu singen und zu tanzen.

Jugendfrei sind die Anzüglichkeiten während des Konzerts zwar nicht immer, aber Frasco rechnet damit, dass er nicht ganz verstanden wird und wer will das bei so einer Sause schon genau nehmen? Die Tanzparty findet bei „What More Can I Say” ihren Höhepunkt und vorläufigen Abschluss.

Die beiden Zugaben zeigen nochmal andere Seiten von Andy Frasco and the U.N. Die Zugabe beginnt mit dem ruhigen Stück „Main Squeeze“, bei dem sich Frasco stimmungsvoll am Piano begleitet und die Band erst später einsteigt. „Killing In The Name“ von Rage Against The Machine schlägt eine härtere Gangart an und lässt es zum Abschluss richtig krachen.

Die Besucher in Bamberg erlebten ein abwechslungsreiches Konzert mit einer sympathischen, ungestüm aufspielenden Band, die jenseits von stilistischen Einordnungen dazu einlädt, Spaß mit ihr und an ihrer Musik zu haben. Andy Frasco and the U.N. empfehlen sich mit „Songs From The Road“ auf alle Fälle für den Besuch ihrer Konzerte.

Unabhängig von der Musik oder der Show gibt es einen Kritikpunkt an der DVD: Wenn man die Scheibe durchlaufen lässt, unterbrechen fünf ein- bis zweiminütige Impressionen von dem Leben der Band während ihrer Tour den Konzertmitschnitt. Die Kurzfilme zerstückeln das Konzert, was eher störend ist. Man hätte sie auch als Bonus separieren können, aber vielleicht verstehe ich das künstlerische Gesamtkonzept nicht. Gut hingegen ist, dass die einzelnen Songs direkt vom Titelmenü angewählt werden können.

Ruf Records (2017)
Stil: Party Blues & More

DVD:
01. C Boogie
02. When You’re Lonely (Fill You Up)
03. Tie You Up
04. Make It Work
05. Mature As Fuck
06. Stop Fucking Around
07. It’s Been A Struggle
08. Smokin‘ Dope And Rock N‘ Roll
09. Down The Road
10. Doin‘ It
11. Baby Take The Day Off
12. Sunny Day Soldier
13. What More Can I Say
14. Main Squeeze
15. Killing In The Name

CD:
01. C Boogie
02. When You’re Lonely (Fill You Up)
03. Tie You Up
04. Make It Work
05. Mature As Fuck
06. Stop Fucking Around
07. It’s Been A Struggle
08. Smokin‘ Dope And Rock N‘ Roll
09. Crazy Guy
10. Down The Road
11. Doin‘ It
12. Sunny Day Soldier
13. What More Can I Say
14. Main Squeeze
15. Killing In The Name

Andy Frasco And The U.N.
Andy Frasco And The U.N. bei Facebook
Ruf Recordske

Josh Hoyer & Soul Colossal – 31.03.2017, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

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Es wird eigentlich höchste Zeit, dass diese Webseite, ein erträgliches Einkommen abwirft. Wo bleibt endlich mal ein Millionen-schwerer Investor? So kann man jedenfalls als berufstätiger Mensch einfach nicht alles an aktuell guter Musik anschauen, geschweige denn besprechen, was hier so durch die Lande schwirrt. Deshalb hatten Gernot und ich uns den Gig von Josh Hoyer & Soul Colossal zwei Tage zuvor in Krefeld erspart.

Kurz vor unserer Anreise zum Delta Saints-Gig im Oberhausener Zentrum Altenberg checkte ich routinemäßig noch mal die Einlasszeit und zu meiner großen Überraschung, war o. a. Act aus Lincoln, Nebraska scheinbar recht kurzfristig mit auf die musikalische Menükarte des Abends gesetzt worden. Manchmal wird man somit, auch durchaus zu seinem Glück gezwungen.

Denn das tolle Quintett um seinen engagiert auftrumpfenden Leader, wusste auf ganzer Linie zu überzeugen, ja ich lehne mich mal aus dem Fenster, war sogar letztendlich der heimliche Gewinner diese Doppel-Events.

Die Burschen ließen von Anfang an keinen Zweifel, dass sie die wenigen Zuschauer (das Zentrum Altenberg war leider nicht mal zur Hälfte gefüllt), auf eine launige und energiegeladene Reise mit Stax-, Motown-, Muscle Shoals-, New Orleans-, Blues-, Soul-, Funk- und Rock-Hörenswürdigkeiten mitnehmen wollten. Und es gelang ihnen bestens!

Obwohl ich nicht ein Stück der Band bis dato kannte, blieben mir Tracks wie u. a. „Time For Love“ (mit kurz integriertem „Miss You“), „Knockout“ (Wah Wah in Kushners Solo), der Schwofer „Nobody’s Fault But Mine“, „Illusion“, der Otis Clay-Schunkler „Trying To Live My Life Without You“ bis zum finalen „Natural“ (wo so richtig vor der Bühne getanzt und gegroovt wurde) in äußerst angenehmer Erinnerung.

Mein Favorit des Abends war allerdings das herrliche „Just Call Me“, in dem Benjamin Kushner ein herrlich intensives Southern Rock-Gitarren-Solo auf seiner Telecaster abließ. Überragend fand ich auch den schmächtigen Schlagzeuger Larell Ware, der zum Teil mit sehr variablem und überaus kraftvollem Drumming, eine ungemeine Dynamik in die Stücke hineinbrachte.

Fazit: Josh Hoyer & Soul Colossal wussten mit ihrer herzerfrischenden, kommunikativen und launigen Spielweise absolut zu gefallen. Die Band werden wir sicherlich nicht zum letzten Mal aufgesucht haben. Tolle Leistung des gesamten Musiker-Kollektivs!

Line-up:
Josh Hoyer (Lead vocals, keys, percussion)
Mike Dee (sax)
James Fleege (bass)
Benjamin Kushner (guitar)
Larell Ware (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Tedeschi Trucks Band – 22.03.2017, E-Werk, Köln – Konzertbericht

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Puh, ich bin eigentlich jetzt am Tag danach, noch völlig überwältigt, von dem, was ich da gestern im Kölner E-Werk erlebt habe. Die Tedeschi Trucks Band hatte sich in der Domstadt angesagt, ein fantastisches Konzert abgeliefert und am Ende eine restlos begeisterte Audienz (mit dabei auch der kölsche Kultbarde Wolfgang Niedecken,  mit dem sich unser Knipser Gernot Mangold laut eigener Aussage, am Rande  des weitläufigen des Fotograbens für eine Weile ganz nett und unkompliziert unterhalten konnte) in die Nacht, bzw. auf die Heimreise geschickt.

Ich habe ja in letzter Zeit mit JJ Grey & Mofro oder Thorbjørn Risager & The Black Tornado zwei, im weitesten Sinne, vergleichbare und wirklich herzerfrischende Bands zu Gesicht bekommen, aber was das zwölfköpfige Ensemble um ihre beiden Führungspersönlichkeiten Susan Tedeschi und Derek Trucks da gestern abgebrannt hat, das war schon in einer ganz eigenen Liga.

Apropos Führungspersönlichkeiten: Man spürte zwar jeder Zeit, dass die beiden Hauptprotagonisten (insbesondere Susan Tedeschi) auf der Bühne ‚die Hosen an hatten‘, sie repräsentierten diesen Anspruch aber mit solch einer unaufgeregten und lockeren Art und Weise, vor allem mit einer merklichen Empathie für ihre Kollegen, dass man hier schon von absolutem Vorbild-Charakter sprechen kann.

Besonders Derek Trucks scheint eh glücklich und beseelt zu sein, wenn er seinen Glas-Bottleneck über den Finger streifen und seine berühmte Gibson SG filigran beackern darf, sowie sich in jammige Improvisationsläufe mit seiner Rhythmusfraktion und zum Teil auch den restlichen Musikern verstricken kann (z. B. mit Kofi Burbrige an Orgel und Flöte). Fulminante wie gefühlvolle Soli, in Slide- und normaler Spielweise (auf ganz hohem Level), ließ er natürlich in Hülle und Fülle vom Stapel.

Susan Tedeschi sah in ihrem schlichten, aber eleganten rot-braunen Kleid mit dazu getragenen Wildleder-Stiefeletten klasse aus und wusste samt ihrer sympathischen Aura, mit grandiosem Gesang (erinnert mich irgendwie immer an Bonnie Raitt) und partiell auch mit starkem Lead Gitarrenspiel (z. B. bei „I Pity The Fool“) zu beeindrucken.

Muhammad Ali-Double Mike Mattison, konnte bei drei, vier Stücken aus dem Background Trio heraustreten und zeigte mit seinen bluesig-souligen Vocals im Stile von Belushi, Brown & Co. am Haupt-Mikro, dass er auch problemlos zu jeder Zeit, einen packenden Fronter abgeben kann.

Seine zwei Mitstreiter im Background, Alecia Chakour (was für eine wuchtbrummige Röhre!) und Mark Rivers hatten ihre stärkste Szene beim herrlich gospeligen „I Wish I Knew How It Would Feel To Be Free“, als sie ebenfalls kurze Lead Parts übernehmen durften. Auch diese beiden sind für diese Positionen eigentlich fast zu schade, bürgen aber für die immense Qualität und das ungeheure Potential der Gesamtband.

Die Rhythmusleute Tim Lefebvre (ließ seinen Tieftöner ordentlich pumpen) sowie die beiden Drummer J.J. Johnson und Tyler Greenwell (mit glänzendem und atemberaubenden Doppel- Synchron-Solo wie zu besten ABB-Zeiten) verliehen den Songs (oft in Verbindung mit Trucks) immer wieder eine stetig zunehmende Dynamik, die es in sich hatte und avancierten das faszinierte Publikum immer wieder zu Mitwippbewegungen.

Kofi Burbridge hatte mit gurgelnden Orgel- und klimpernden HT-Piano-Eingaben seinen Spaß, ließ aber auch zweimal sein Können an der Querflöte aufblitzen. Last but not least, erfüllte das Bläser-Trio, bestehend aus Elisabeth Lea, Ephraim Owens und Kebbie Williams (der wieder, wie auf der DVD, mit freejazzigem Zappel-Solo, diesmal allerdings bei „Don’t Miss Me (When I’m Gone)“), seine plusternde Funktion zur Soundvolumen-Anreicherung, mit Bravour.

Ach, dann waren da ja auch noch die Songs, die an diesem Abend in einem zweigeteilten Set mit halbstündiger Pause aus dem schier unerschöpflichen Fundus (fast bei jedem Gig in anderer und neuer Zusammenstellung) in reichhaltig ausstaffierten Versionen präsentiert wurden. Lang gespielt, aber immer kurzweilig, variabel und emotional mitreißend performt.

Set 1 enthielt u. a. Tracks wie „Let Me Get By“ (Opener), „Key To The Highway“, „Darling Be Home Soon“, „Rise Up“ und „Right On Time“, Set 2 das Cover zu Ehren des kürzlich verstorbenen Leon Russell  „A Song For You“ (Gänsehaut-Opener, toller Gesang von Susan), „Anyhow“ (Derek mit unterschwelliger „Midnight Rider“ E-Hook), „Get Out Of My Life, Woman“, das großartige rhythmische „Freedom Highway“, das am Ende von Susan mit politsicher Botschaft versehene „I Pity The Fool“ (dazu knarzige E- Gitarre und sensationelle Vocals von ihr), als auch das am Ende eine unglaubliche Wucht und Kraft entwickelnde, fett groovigende „Don’t Know What It Means“.

Als zum Finale bei der weit über zehn Minuten währenden Zugaben-Kombi aus dem jammigen, „I Want More“ und dem Outro von Santanas „Soul Sacrifice“ alle Beteiligten der Tedeschi Trucks Band nochmal richtig Gas gaben, wusste man, das Einem ein Gig in Weltklasse-Sphären zuteil geworden ist.

Mit uns verließen ca. 1.200 Zuschauer  überglücklich und zutiefst beeindruckt das somit gut besuchte E-Werk. Wer noch die Chance hat, sich das Ensemble in unseren Breitengraden anzusehen(es folgen ja noch so einige Termine), sollte die Gelegenheit unbedingt nutzen. Einfach grandios! Einen herzlichen Dank auch an Shooter Promotions für die unkomplizierte und bestens organisierte Akkreditierung unseres immer noch jungen Magazins. War richtig klasse!

Line-up:
Susan Tedeschi (lead vocals, electric guitar, vocals)
Derek Trucks (electric guitar, slide guitar)
Mike Mattison (lead vocals, acoustic guitar, vocals)
Kofi Burbridge (keys, flute)
Tim Lefebvre (bass)
J.J. Johnson (drums)
Tyler Greenwell (drums)
Elisabeth Lea (trombone)
Ephraim Owens (trumpet)
Kebbie Williams (saxophone)
Alecia Chakour (vocals, percussion)
Mark Rivers (vocals, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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