Rick Huckaby – Portrait

Der Sohn der Basketball-Trainer-Legende Rick Huckabay Sr. zeigt den Major-Companies in Nashville die kalte Schulter und verfolgt konsequent seinen eigenen Weg auf eigenem Label. Dem hochtalentierten Musiker, Singer/Songwriter sollte trotzdem nach drei starken CDs bald der große Durchbruch gelingen. Auch bei uns in Good Ol‘ Germany ist er noch ein unbeschriebenes Blatt, das es zu entdecken gilt.

Um direkt auf den Punkt zu kommen: Rick Huckaby zählt schon jetzt für mich zu meinen persönlichen Neuentdeckungen des noch nicht mal zur Hälfte vergangenen Jahres, auch wenn er 2015 bisher keine Neuveröffentlichung herausgebracht hat und dies vermutlich nicht tun wird. Und selbst der erfahrene Musikfreund wird sicherlich fragen: Rick Huckaby? Wer ist denn das schon wieder?
Den ganz aufmerksamen Klienten unseres Magazins könnte der Name allerdings schon mal begegnet sein. Und zwar in meinem Review zur Scheibe „Raise A Little Hell von Her & Kings County, wo Rick mit der rassigen Frontfrau, Monique Staffile, auf „My Heart Can’t Take Anymore“ ein schönes Duett, als Dank für eine schon länger bestehende Freundschaft, beigesteuert hat.

Ein paar Wochen später fing ich mal, aus einer Laune heraus, ein bisschen über besagten Künstler auf den üblichen Wegen zu recherchieren. Und siehe da, der Bursche hat bereits drei CDs herausgebracht, wobei die letzte „Pistols & Diamonds“ allerdings aus 2014 stammt. Ich entschied, ihn trotzdem mal bezüglich eines Reviews des Silberlings anzumailen. Prompt lagen vierzehn Tage später alle seine bisherigen Werke, handsigniert, in meinem Briefkasten. Das nenne ich mal einen Interpreten, der auf Zack ist und mitdenkt!

Da bot sich dann ja förmlich ein Komplett-Portrait an. Zur Person: Rick Huckaby wurde in Baton Rouge, Louisiana geboren. Sein Vater, Rick Huckabay Sr. (Rick hat das zweite ‚a‘ in seinem Künstlernamen zwecks Vermeidung von Verwechslungen weggelassen) war ein, in den Staaten, bekannter und sehr erfolgreicher Basketball-Coach. Der junge, zwar ebenfalls Basketball liebende Rick (heute passionierter Golfer, wie er mir berichtete), fühlte sich aus seinem Innersten aber doch eher zur Musik hingezogen. Er bediente auf der High School zunächst in diversen Bands das Schlagzeug, lernte dann Gitarre zu spielen, schrieb die ersten Songs und gewann mit seiner Band Front Page den ‚Jimmy Dean True Value Hardware Store Regional Talent-Wettbewerb‘.

1996 entschied er sich nach Nashville zu gehen und verdiente seine Lorbeeren zunächst mit ‚weltlicher‘ Arbeit in einem Konstruktionsbüro einer Asphaltfirma. Schon bald wurde er aber von Tracy Lawrence als Bandgitarrist verpflichtet, den er dann auch für fünf Jahre begleitete. 2002 unterzeichnete er bei Warner Brothers einen Major Deal, wurde dort aber vier Jahre lang quasi ‚auf Eis gelegt‘. Rick stieg auf eigenen Wunsch aus und gründete mit seinem Bruder Andy, in Gedenken an seinen zwischenzeitlich an Krebs verstorbenen Vater, das in Eigenregie geführte Label HeadCoach Music, auf dem folgende drei Alben veröffentlicht wurden:

„Call Me Huck“:

Im Jahre 2008 war es endlich so weit. Rick brachte sein Debüt „Call Me Huck“ heraus., aufgenommen im Studio ‚The Ridge‘ in Brentwood, Tennessee, in der Nähe von Nashville gelegen, unter der Regie vom in Music City bestens bekannten Studio-Drummer Lonnie Wilson, der direkt seine Star-Kollegen wie Dan Dugmore, Glenn Worf, Tony Harrell und Jimmy Nichols um Rick versammelte. Ein mit elf Stücken und einer Spielzeit von nur 38 Minuten noch recht knapp bemessenes Werk, das aber dafür ohne jeden Hänger daherkommt.

Der Opener „I Got You Covered“ wie auch das abschließende Titelstück kommen mit einem herrlich lässigen Groove, wie ihn auch zur gleichen Zeit ein gewisser James Otto auf Stücken wie „Just Got Started Lovin‘ You“ oder „These Are The Good Old Days“ praktizierte. Immer wieder grandios, wie sich meist gluckerndes E-Piano sowie gurgelnde Orgel mit den versiert gespielten E-/Akustik- und Steel-Gitarrenparts (grandios Dan Dugmore) auf dem von Wilson und Worf entfachten Rhythmusteppich ausbreiten.

Ricks Stimme erweist sich als durchaus facettenreich und bewegt sich bei Country-lastigeren Tracks („She Takes Me High“, „Diggin‘ At My Scars“) in Sphären von Herren wie Travis Tritt oder Andy Griggs, weiß aber auch bei soulig angehauchten Sachen („Sing It To You“, das Lounge-taugliche „City Life“) mit dem wohligen Stimmesprit eines Randy Travis oder Tracy Lawrence zu überzeugen. Mit „Ain’t Enough Blacktop“ und „Never Needed A Woman“ gibt es zwei wunderbar warmherzige Balladen zum Relaxen. Southern Rock-Liebhaber dürfen sich an, in Richtung Montgomery Gentry zeigenden, Stücken der Marke „My Bad“, „Mash The Gas“ oder „Can’t Miss Kid“ erfreuen, wobei das Musiker Star-Ensemble teilweise einen unfassbar geilen Groove vom Stapel lässt, der einem regelrecht die Spucke weglässt. Einfach famos! Alles in Allem ein vorzüglicher Erstling, der zu Recht blendende Kritiken erhielt!

„Hittin‘ My Stride“:

Nur ein Jahr später schon folgt mit „Hittin‘ My Stride“ Ricks Paradealbum. Im Großen und Ganzen unter ähnlichen Bedingungen, wurde nur ganz marginal in Nuancen gefeilt. Zugunsten einer etwas rockigeren Ausrichtung wurde auf Steel-Parts verzichtet und mit Kenny Greenberg (in blendender Form) sowie Todd Woolsey noch zwei weitere exzellente Saitenkönner aus der Nashville-Garde hinzugenommen. Orgel und Piano bedienten diesmal die zwei, nicht weniger als ihre Vorgänger bekannten John Jarvis und Mike Rojas. Auch Huckabys bewährte Co-Songwriter wie u. a. J. P. Pennington, Paul Nelson, Jeff Anders oder Michael White durften sich erneut kreativ einbringen.

Das Aufttaktstück „Broken Promisland“ groovt, getrieben von klasse E-Gitarren und einem filigranen E-Piano, direkt, was das Zeug hält. Es erinnert ein wenig an Sachen von Ronnie Milsap („Stranger In My House“). Wunderbar auch das folgende, klasse verschachtelte „Devil On A Good Day“, mit ein wenig Bottle Rockets-Flair. Hucks Stimme weilt, wie auch bei einigen anderen Liedern, in ähnlichen Vokallagen wie Brian Henneman, Pat Green oder Jack Ingram. Unfassbar gut: bluesig-soulig und auch rockig angehauchte Tracks wie „Nothing But A Thing“, „Down From Under You“ oder „Steady Peace“. Den satten Groove, den die Musiker mit rassigen E-Gitarren-Licks, -Fills und -Soli hier erneut fabrizieren, ist atemberaubend, ja absolutes Weltklasse-Niveau.

Auch das schwer unter Slide- und Orgeldampf in Allman-Manier schnaufende „Friendly Advice“ dürfte Southern Rock Freaks derbe Laune machen. „Saving Savannah“ ist die emotionsgeladene Südstaatenballade Marke „Atlanta’s Burning Down“, während das progressiv gestimmte „Tell Me Again“ auch von Mike & The Mechanics stammen könnte. Hier hat Rick fast den sanften Schmelz eines Paul Carrack in seiner Stimme.

„Lies Little Lies“ rockt in Honkytonk-Tempo (klasse hier das typische Piano) jeden Saloon und das bluesig-rotzige „Traveling Light“ hat wieder viel Bottle Rockets-/John Hiatt-Flair. Großartig. Toll auch der mit filigraner Akustikgitarre bestückte Titeltrack, der sich als wunderbar eingängiges Country-Lied mit Bruce Hornsby-Gedächtnis-Piano und ABB-mäßiger E-Gitarrenarbeit entpuppt. Das finale „I’ll Look For You“ gehört ganz und gar dem Hauptprotagonisten, ein kammermusikartig gespielter Countryabgesang, nur mit Akustikgitarre und ein paar Claps an den Holzkorpus rhythmisch begleitet. Es bildet die Brücke zu Ricks drittem und bisher letztem Werk.

“Pistols & Diamonds“:

Nach vier Jahren Pause, zumindest was, eigene Musik betrifft (Rick tourte sehr intensiv und schrieb parallel auch weiter fleißig Stücke, wie unter anderem, das hier enthaltene „Muddy Water“ für Trace Adkins), sollte auf „Pistols & Diamonds“ vieles anders als bisher sein. Rick entschloss sich für sein drittes Werk, elektrische Komponenten weitestgehend außen vor zu lassen (nur Bass und Piano blieben verschont) und den Fokus auf eine eher akustisch gehaltene Performance (auch auf großen Wunsch seiner Fans), vor allem, was die Gitarren angeht, zu legen.
Aufgenommen wurde in Tracy Lawrences LMG-Studios direkt in Nashville, mit an den Reglerknöpfen und den Tasten saß diesmal Flip Anderson, Huckabys langjähriger Freund und Songwriter-Kollege. Auch mit Nir Z, Mark Loudermilk gab es Neubesetzungen, lediglich Glenn Worf zupfte zum dritten Mal auf bewährte Art und Weise den Viersaiter. Der musikalischen Qualität tat dies natürlich keinen Abbruch, auch hier ist ebenfalls ein Könner-Ensemble am Werk. Der Titeltrack zum Auftakt, ein echter New Country-Ohrwurm (vielleicht auf dem nächsten Silberling in einer ‚Full-Version‘ als Bonus-Track?) und das herrlich zu Rotwein-Ambiente bei Kerzenlicht dahinschwofende „Closer To You“ lassen den ’stilistischen‘ Bruch trotz der fehlenden E-Gitarren noch kaum spüren.

Das freche „Gasoline Shoes“ beweist, dass man auch mit Akustikgitarren eine tolle bluesige Atmosphäre erzeugen kann (klasse Loudermilks Slide-Solo). „In My Room“ mit zwinkerndem Text und „Rubbin‘ It In“ laden zu Zweisamkeit auf der Couch ein. Ich muss mich immer wieder über meine 22-jährige Kenwood-Anlage wundern. Der Uralt-CD-Player gibt (auch wenn er bei manchen Silberlingen, was das Abspielen angeht, schon mal rumzickt) dank der herrlich transparenten Aufnahme so einen grandiosen Klang ab, dass man meint, Rick und seine Mitmusiker direkt im Wohnzimmer mit von der Partie zu haben. Der „James Taylor Song“ huldigt ehrfürchtig die mehrfach Grammy-belohnte Singer/Songwriter-Legende in Randy Travis-Manier, während das bluesige „Last One To Leave“ eine Paradegesangsvorstellung von Rick offenbart.

„Some Place In The Sun“, „Mountains On My Mind“ und „Sharp Edges“ verbreiten unter minimalistischen Bedingungen melodisch-simples Country-Wohlfühlambiente. „Undedefeated“ groovt nochmal schön bluesig im Southern-Gewand (großartiger variabler Gesang von Huck), bevor das anfangs angesprochene „Muddy Water“ den Schlusspunkt setzt. Ein Album vornehmlich zum gemütlichen Abschalten vom hektischen Alltagsgeschehen, alternativ zum Näherkommen (beim ersten Date) oder auch als Hintergrundmusik für die große Abendmahltafel mit Freunden im Garten oder auf der Veranda. Insgesamt genau so faszinierend und gut wie die beiden anderen Werke, trotz der der auf Reduktion basierenden Instrumentierung.

Fazit: Es ist immer wieder erstaunlich, welch tolle Interpreten in den Staaten im Nashville-Dunstkreis (oder auch anderen Szenen wie z. B. im Red Dirt) aktiv sind, von denen man in unseren Breitengraden nichts erahnt, ja oft nur träumen kann. Rick Huckaby ist wieder so ein Paradebeispiel dafür. Man kann regelrecht froh sein, dass in diesem Fall, anstatt des genetisch wahrscheinlicheren Basketballs, doch eine Gitarre und ein Mikro in seine Hände gefunden haben. Ein neues Album ist übrigens noch nicht direkt in Planung, soll aber laut Rick dann wieder in einer ‚Normal‘-Version erscheinen und mit mehr Rock- und Blues-Einflüssen versehen werden. Man darf gespannt sein! Liebe Leute, gebt solch tollen Musiker mal eine Chance, die es abseits des, bei uns üblichen, 08/15-Kommerz zu entdecken gilt. Man wird mit ausnahmslos toller Musik belohnt, versprochen! Rick Huckabys Alben können über seine Homepage bestellt werden. Traut euch, noch ist er hier ein echter Geheimtipp! Mit mir hat der imaginäre Rick Huckaby-Fanclub Deutschland jedenfalls sein erstes Mitglied…!

Line-up „Call Me Huck“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar, electric guitar)
  • Dan Dugmore (electric guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • Lonnie Wilson (drums, percussion, background vocals)
  • Tony Harrell (keyboards)
  • Jimmy Nichols (keyboards)

HeadCoach Music (2008)
Stil: New Country

01. I Got You Covered
02. She Gets Me High
03. Sing It To You
04. Ain’t Enough Blacktop
05. City Life
06. My Bad
07. Diggin’ At My Scars
08. Mash The Gas
09. Never Needed A Woman
10. Can’t Miss Kid
11. Call Me Huck

Line-up „Hittin’ My Stride“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar, electric guitar)
  • Dan Dugmore (electric guitar)
  • Kenny Greenberg (electric guitar)
  • Todd Woolsey (electric guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • David Hungate (bass)
  • Lonnie Wilson (drums, percussion, background vocals)
  • Mike Rojas (keyboards)
  • John Jarvis (keyboards)

HeadCoach Music (2009)
Stil: New Country

01. Broken Promiseland
02. Devil On A Good Day
03. Nothing But A Thing
04. Saving Savannah
05. Out From Under You
06. Lies Little Lies
07. Friendly Advice
08. Tell Me Again
09. Steady Peace
10. Traveling Light
11. Hittin’ My Stride
12. I’ll Look For You

Line-up „Pistols & Diamonds“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar)
  • Mike Loudermilk (acoustic guitar, slide guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • Nir Z (drums, percussion)
  • Flip Anderson (keyboards)

HeadCoach Music, Lawrence Music Group (2014)
Stil: Acoustic New Country

01. Pistols & Diamonds
02. Closer To You
03. Gasoline Shoes
04. In My Room
05. Rubbin’ It In
06. James Taylor Song
07. Last One To Leave
08. Some Place In The Sun
09. Mountains On My Mind
10. Sharp Edges
11. Undefeated
12. Muddy Water

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Lawrence Music Group

 

 

Tracy Byrd – Greatest Hits – CD-Review

Tracy Byrd ist jetzt seit 1993 im Country-Geschäft und wird zurecht zu den großen Neo-Traditionalisten der Zunft gezählt, auch wenn ihm bisher nie so richtig die ganz große öffentliche Akzeptanz von Künstlern, beispielsweise wie Alan Jackson, zuteil wurde. Mit „Greatest Hits“ präsentiert er nun schon sein elftes Album, wie immer in gewohnt guter Qualität, und dazu noch mit zwei brandaktuellen, neuen Stücken, sowie drei Neuaufnahmen älterer Byrd-Klassiker!

Für Leute, die bisher noch nichts von ihm in der Sammlung haben, oder ihn nur oberflächlich kennen, ist die CD sicherlich eine gelungene Zusammenstellung seiner erfolgreichsten Nummern (vier Balladen, der Rest schwungvolle Mid-, und Uptemponummern), darunter unter anderem „The Truth About Men“ mit Andy Griggs, Montgomery Gentry und Blake Shelton, das überragende, southern-lastige „A Good Way To Get On My Bad Side“ im Duett mit Mark Chesnutt, oder das wunderbar melodische, Steel-getränkte „Tiny Town“.

Aber auch für die richtigen Tracy Byrd-Hardliner wird etwas geboten, denn die bekommen immerhin drei der bereits bekannten Stücke, nämlich „Watermelon Crawl“, „“Keeper Of The Stars“ und „I’m From The Country“ in einem neuen Gewand dargeboten, ebenso wie die zwei bereits erwähnten neuen Stücke „Johnny Cash“ und „Revenge Of A Middle-Aged Woman“! Beide Lieder sind sehr flott geraten und zeigen einen Tracy Byrd in Hochform.

Erstgenanntes, etwas kratziger und mehr rockig, dank toller E-Gitarre und heulenden Fiddeln (ein leicht mitzugrölendes „Ooh-Ooh“ im Refrain dürfte gerade bei Live-Konzerten zur Stimmung beitragen) – vielleicht mit einem dezenten Blake Shelton-Charakter, mit dem Tracy übrigens auch gut befreundet ist, das zweite Stück erinnert ein wenig an Gretchen Wilsons Abräumer „Redneck Woman“. Ist eine astreine Foot-Stomping-Honkytonknummer voller Drive, mit glasklarem Akustik-Piano von John Jarvis und einem schönen Steel- und Fiddel-Schlagabtausch. Ein richtiger Saloon-Feger!

Mit dabei so klingende Namen wie Greg Morrow, Pat Buchanan, Brent Mason, Paul Franklin und Aubrey Haynie. Das Ganze ist sehr knackig produziert von Billy Joe Walker jr.! Tracy Byrd zeigt wieder eindrucksvoll, dass man ihn auch weiterhin in Nashville auf dem Notizzettel haben muss!

BNA Entertainment (2005)
Stil:  New Country

01. The Truth About Men
02. Just Let Me Be In Love
03. Drinkin’ Bone
04. Watermelon Crawl
05. Keeper Of The Stars
06. A Good Way To Get On My Bad Side (feat. Mark Chesnutt)
07. Ten Rounds With Jose Cuervo
08. Put Your Hand In Mine
09. I’m From The Country
10. Tiny Town
11. Johnny Cash
12. Revenge Of A Middle-Aged Woman

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Blackberry Smoke – Little Piece Of Dixie – CD-Review

Boah, Blackberry Smokes zweiter Longplayer ist ein Hammer! Geradezu ein Quantensprung im Vergleich zu ihrem doch noch recht rüpelhaften klingenden Erstling. Der Atlanta-Vierer um Bandchef Charlie Starr (dazu kommen noch Paul Jackson, Richard Turner und Artimus Pyle-Double Brit Turner) hat sich ähnlich wie Rebel Pride nach ihrem Debüt erheblich weiterentwickelt und in allen Belangen (Songwriting, Auswahl der Fremdkompositionen, instrumentelle Darbietung, Produktion) deutlich verbessert.

Vermutlich auch ein Verdienst der beiden Nashville-Star-Produzenten Dann Huff (Keith Urban, Rascal Flatts) und Justin Niebank (Taylor Swift, Faith Hill), welche die Brechstange aus Anfangstagen erstmal in die Kiste weggelegt und BBS das große Southern Rock-Einmaleins mit ein wenig ergänzendem Countryflair eingebläut haben. Das bekamen Montgomery Gentry und die Van Zant-Brüder ja bereits recht gut hin und auch hier könnte das Konzept aufgehen. Wer angesichts der oben aufgeführten Namen etwas Angst bekommen sollte, darf äußerst entspannt bleiben, die Herren Huff und Niebank haben einen absolut glänzenden Job hingelegt und nirgendwo Glattpolitur aufgetragen.

Das Album zählt neben Rebel Prides All Points In Between“ und Holman Autry BandsSweet Southern Wind“ (eine ebenfalls tolle junge Band aus Georgia) vermutlich zu den drei Top-Veröffentlichungen dieses Jahres und wird von Skynyrds heiß erwartetem „Gods & Guns„-Silberling nur schwerlich zu übertreffen sein. Rotziger Gesang, surrendes Slide, Twin Gitarren, Soli en masse, mal viel Drive, etwas bluesiger Rock, dann mal entspannte swampige Country-Einflechtungen, ein bisschen Redneck-Attitüde, all das bietet „Little Piece Of Dixie“ in Hülle und Fülle, versprochen. Ronnie Van Zant hätte dieses Album vermutlich geliebt.

Zu den Highlights des durchgehend starken Werkes zählt der Opener „Good One Coming On“, der schon mal von Trent Willmon performt wurde (cooler Gesang, surrende Slides inkl. tollem Solo), das bluesig-rockige „Like I Am“ (dezent ZZ Top, heulende Twin-Gitarren), das an „Voodoo Lake“ erinnernde „Bottom Of This“ (schön swampig), das trocken dahin geraspelte „Who Invented The Wheel“ (gibt es in einer ähnlich starken Version vom Komponisten diese Liedes, Anthony Smith), die leicht boogie-bestückten „Up In Smoke“, „Restless“ und „Shake your Magnolia“ (jeweils mit fetten E-Gitarreneinlagen) und der abschließende „Freedom Song“ (Marke Montgomery Gentry, Andy Griggs mit ausgedehnter Gitarrenpassage am Ende), der wieder ein wenig lang vermisstes Southern-Hymnen-Feeling aufkommen lässt.

Skynyrd, Hatchet, 38 Special, Allman Brothers (zu ihren Anfangstagen), ein wenig ZZ Top, Georgia Satellites, Black Crowes, Bottle Rockets auf der Southern Rock-Seite, Montgomery Gentry, Van Zant, Travis Tritt, Hilljack, Andy Griggs und James Otto aus dem New-Country-Regal bilden die wohl schmeckenden Zutaten für den süffigen Southern-Cocktail mit dem Namen Blackberry Smoke. Das Quartett hat entgegen dem aus meiner Sicht viel zu bescheiden gewählten Titel „Little Piece Of Dixie“ ein großes Southern Rock-Album hingelegt. Zugreifen und genießen!

Big Karma Records (2009)
Stil: Southern Rock

01. Good One Coming On
02. Like I Am
03. Bottom Of This
04. Up In Smoke
05. Sanctified Woman
06. Who Invented The Wheel
07. I’d Be Lyin‘
08. Prayer For The Little Man
09. Restless
10. Shake Your Magnolia
11. Freedom Song

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Kip Moore – Wild Ones – CD-Review

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Zweites Studioalbum des aus Tifton, Georgia stammenden Country-Singer/Songwriters! Nachdem Kip Moore mit seinem Debüt „Up All Night“ einen sensationell guten Einstand in Nashville gefeiert hatte (Album Platz 3, die Single „Somethin‘ ‚Bout A Truck“ sein erster Nr.1-Hit, „Beer Money“ und „Hey Pretty Girl“ jeweils nochmal unter den Top-10), folgt jetzt mit „Wild Ones“ der bereits heiß erwartete Nachfolger (wieder bei MCA Nashville), nachdem er zwischenzeitlich mit „Young Love“ und „Dirt Road“ bereits zwei Singles auf den Markt „geworfen“ hatte. Das damit schon unter beträchtlichem Erfolgsdruck stehende Werk stellt eine behutsame und gut durchdachte Verifikation des Vorgängers dar, also quasi ein Upgrade, bei dem an den bewährten Stärken festgehalten wurde und in vereinzelten Fällen ein wenig gefeilt und geändert wurde. Im Wesentlichen ist hier die etwas stärkere Rockausrichtung zu erwähnen.

Besonders hervorzuheben ist, dass Kip, wie schon zuvor, wieder konsequent sämtliche dreizehn Lieder (mit einigen bewährten und ein paar neuen Co-Writern) kreiert hat, was in diesen Künstlersphären nicht alltäglich ist (viele wählen sich ja meist bequem auf sie zugeschnittenes Fremdmaterial aus). Hut ab dafür. Geblieben ist angesichts der begonnenen Erfolgsstory natürlich seine Kooperation in Sachen Produktion mit Hitschreiber Brett James, der auch zwei Stücke kompositorisch begleitet und bei ein paar Background Vocals beigesteuert hat. Lediglich beim Opener und zugleich dem Titelstück „Wild Ones“, ein Percussion- und Basslinien-betonter Midtempotrack mit einem euphorisch gesungenen Refrain, hat der sich ebenfalls gut im Geschäft befindliche Chris DeStefano an den Reglerknöpfen mitgewirkt. Das folgende, sehr flockig und poppig ins Ohr gehende „Come And Get It“ überrascht am Ende mit einem überaus intensiven, E-Gitarren-dominierten Instrumentalfinish.

Für einige hitverdächtige Momente des Silberlings sorgen wieder die eingespielten Erfolgsautoren Troy Verges und Blair Daily („Beer Money“), die auf Sachen wie „Girl Of The Summer“ (heartlandträchtige Power-Ballade), „What Ya Got On Tonight“ (markante E-Gitarrenlinie, energiegeladener Refrain/Rhythmus) und dem, mit dezent keltischem Flair behafteten „Running For You“ (klasse E-Gitarren-Solo) eindrucksvoll demonstrieren, wie man in Nashville den Nerv der Zeit trifft. Klasse auch das mit Westin Davis und Dan Couch atmosphärisch konstruierte „That Was Us“, bei dem die in Axel Rose-/Kid Rock-Manier gebrachten Refrains/Harmoniegesänge schöne Farbtupfer abgeben. Zu einem Favoriten bei Kips Live-Konzerten (zur Zeit ist er ja mit Dierks Bentley und Canaan Smith groß auf Tour) dürfte im patriotisch geprägten „Amiland“ das heroische „Lipstick“ (‚Hey‘- Schlachtgesänge, ein wenig John Farnham-90er Stadion-Flair) avancieren, in dem Kip in so ziemlich allen bekannten Regionen der Staaten den Lippenstift seiner Liebsten küssen möchte. Sehr schön und im Refrain mitsingbar das ebenfalls Heartland-gefärbte „Heart’s Desire“.

Textlich überzeugt „Complicated“, wo mit starken Zeilen wie „All I know sometimes you love it, sometimes you hate it, but what good’s love if it ain’t a little complicated? No it don’t always go like you always hoped it would, but sometimes complicated is pretty damn good“” proklamiert wird, dass echte Liebe nicht immer nur „Friede, Freude Eierkuchen“ bedeuten muss. Banjo und E-Gitarren führen den wohl Country-behaftesten Song „I’m To Blame“. Das Stück klettert als erste Single gerade in den Charts nach oben. Steve Millers „The Joker“ dürfte bei „That’s Alright With Me“ Pate gestanden haben. Ein lustiger Text und eine typisch coole Gesangsperformance von Kip runden diesen launigen Track ab. Das Piano-betonte „Comeback Kid“ überzeugt in dezent pathetischer Weise im Stile großer zeitgenössischer, amerikanischer Songwriter wie z. B. Will Hoge und legt noch ein paar persönliche Seiten des Protagonisten offen. Ein recht emotional und autobiografisch gefärbter, starker Abschluss.

Kip Moore hat mit „Wild Ones“ dem Druck des erfolgreichen Vorgängers problemlos standgehalten, was, wie beschrieben, umso mehr zu würdigen ist, da es sich hier um Kompositionen handelt, in die er sich ausschließlich selbst miteingebracht hat. Das Album wird sicherlich einige Hits hervorbringen und vielleicht auch Chancen für diverse Nominierungen bei den anstehenden Awards in der einen oder anderen Sparte haben. Dazu muss man Kip eine deutlich spürbarere Reife und Weiterentwicklung attestieren. Bester Stoff für Liebhaber auf der Höhe von jungen Wilden wie Eric Church, Keith Urban, Tyler Farr & Co.! Dickes Kompliment dafür!

MCA Nashville (2015)
Stil: New Country

01. Wild Ones
02. Come And Get It
03. Girl Of The Summer
04. Magic
05. That Was Us
06. Lipstick
07. What Ya Got On Tonight
08. Heart’s Desire
09. Complicated
10. I’m To Blame
11. That’s Alright With Me
12. Running For You
13. Comeback Kid

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Chris Cagle – My Life’s Been A Country Song – CD-Review

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Chris Cagle zählt zu den New Country-Interpreten, die mittlerweile seit vielen Jahren mit konstant guten Leistungen und einer stetig wachsenden Fan-Basis ihren Status als Major-Kontraktinhaber wahren konnten. Selbst das Tal, das er mit einigen privaten Turbolenzen und auch gesundheitlichen (Stimm-) Problemen zu durchschreiten hatte, wurde mit dem guten 2005er-Album „Anywhere But Here“ ohne spürbare Qualitätsverluste gemeistert. Nun legt er jetzt mit „My Life’s Been A Country Song“ seinen nunmehr vierten Silberling vor, und auch der weiß wieder voll zu überzeugen. Vom musikalischen Stil her ist eigentlich, wie bei den erfolgreichen Vorgängern, alles beim Alten geblieben (warum auch nicht!).

Dennoch fallen einige markante Punkte auf, die dann doch ein wenig überraschen: Zum einen wurde Cagles Langzeitproduzent Robert Wright durch seinen Spezi und Förderer aus frühen Virgin-Tagen, Scott Hendricks, ausgewechselt, zum anderen hat sich die Musikermannschaft bis auf ganz wenige Ausnahmen komplett verändert und auch auf Kompositionen aus der eigenen Feder (zusammen mit seinem etatmäßigen Co-Writer Monty Powell) wurde diesmal komplett verzichtet. Trotzdem hat Capitol Records dafür mit Tom Bukovac, Kenny Greenberg, Troy Lancaster, Jonathan Yudkin, Greg Morrow, Jimmie Lee Sloas, B. James Lowry, Mike Johnson, Eric Darken und Gordon Mote, sowie diversen einschlägig bekannten Backgroundsängern und -sängerinnen ein Musiker-Starensemble aufgeboten, das seines Gleichen sucht.

Auch mit den Nashville-Paradeschreibern wie u.a. Brett James, Dave Berg, Craig Wiseman, Neil Thrasher, Tom Shapiro, George Teren, Monty Criswell wurde mal wieder „an nichts gespart“. Diese Qualität spürt man natürlich über die gesamte Distanz des Werkes. Die CD startet mit der ausgekoppelten Single „What Kinda Gone“ (schön rockig), die mit geflügelten Worten recht humorvoll und auch musikalisch recht frech, flott und spritzig dargeboten wird. Sie ist bereits mit stetigem Aufwärtstrend in Richtung Top-Ten der Billboard-Charts unterwegs. Nach dem im relaxten Sprechgesang dargebotenen, luftigen „No Love Songs“ folgt mit „Never Ever Gone“ ein erster Kracher, bei dem Chris in bewährt dynamischer Manier schön knackig aus sich herausgeht (auf einer Ebene mit Top-Nummern wie „Country By The Grace Of God“, „The Chicks Dig It“ oder „Hey Ya’ll“). Das Stück stammt übrigens aus der Feder von Andy Childs und Steve Mandile, Mitglieder einer in den Staaten mit viel Lob überschütteten Band namens Sixwire. Toller southern-infizierter Countryrock vom Feinsten.

Im weiteren Verlauf bietet der wie eh und je smart und cool wirkende Cagle dann den bewährten Mix aus sehr melodischen New Country-Songs, wobei das Pendel mal in Richtung Ballade („I Don’t Wanna Live“, „Keep Me From Loving You“) oder auch konträr in knackiges Midtempo („If It Isn’t One Thing“, „Little Sundress“) ausschlägt. Auffallend ist die gute E-Gitarren-Arbeit der beteiligten Gitarristen. Fast in jedem Stück wird neben toller Rhythmus- und Fill-Arbeit ein auf den Punkt gebrachtes, kleines Solo eingestreut.

Gegen Ende gibt es dann mit „My Heart Move On“ noch einen satten „Stampfer“ mit ganz dezentem Tex-Mex-Flair. Beim Titelsong schließlich wird sehr tief in die „emotionale Klamottenkiste“ gegriffen: Ein Stück voller country-typischer Begriffe, Zitate, Songtitel und Klischees, trotzdem wunderbar instrumentiert und von einem Cagle in Bestform dargeboten. Eines der absoluten Höhepunkte des Albums! Zum Abschluss serviert der Texaner dann mit „Change Me“ noch eine sehr modern strukturierte Power-Ballade, wie man sie beispielsweise auch von Rascal Flatts her kennt.

Fazit: Chris Cagle weiß auch mit „My Life’s Been A Countrysong“ wieder auf die bewährte Art und Weise voll und ganz zu überzeugen. Wo Cagle drauf steht, ist auch Cagle drin. Mit seinem vierten Album wird er sich unter den Ton angebenden Namen wie Tim McGraw, Kenny Chesney & Co. weiter etablieren. New-Country-Stoff in Top-Qualität.

Capitol Nashville (2008)
Stil: New Country

01. What Kinda Gone
02. No Love Songs
03. It’s Good To Be Back
04. I Don’t Wanna Live
05. Never Ever Gone
06. If It Isn’t One Thing
07. Keep Me From Loving You
08. Little Sundress
09. My Heart Move On
10. My Life’s Been A Country Song
11. Change Me

Chris Cagle
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Brian McComas – Back Up Again – CD-Review

Coma

Dass ein Wechsel von einem Major- zu einem unabhängigen Label nicht unbedingt von Nachteil sein muss, vor allem, was die musikalische Qualität betrifft, sieht man einmal mehr überdeutlich am Beispiel von Brian McComas. Trotz eines recht erfolgreichen Debüts bei Lyric Street Records, immerhin mit vier Songs, die unter den Top-40 landeten und mit „99,9% Sure (I’ve Never Been Here Before“ sogar einer unter den besten zehn, schien der in den Ozark Mountains aufgewachsene McComas nicht mehr zur strategischen Ausrichtung des Labels zu passen. Nach einer Periode intensiven Tourens (u.a. mit den Rascal Flatts und Chris Cagle) nahm er sich erstmal eine Auszeit und wartete einfach ab, wie lange er es wohl ohne Musik aushalten würde. Knapp ein Jahr später merkte er, dass es ‚Ohne‘ einfach nicht ging und die Arbeit an einem neuen Album begann.

Das Resultat liegt nun vor und zeigt McComas voller Aufbruchstimmung in einer exzellenten Verfassung! War das Debut schon klasse, so setzt er nun nochmal einen drauf! Knackiger, schnörkelloser, satt produzierter, saftiger, melodischer New Country in bester Tradition solcher Kollegen wie Brooks & Dunn, David Lee Murphy & Co.! „Back Up Again“, der Titelsong und Opener, kündigt nicht nur mittels des Textes eine Rückkehr, die es in sich hat an, nein, das wird auch musikalisch mit sprühender Eneregie perfekt umgesetzt. Ein toller, peppiger Countryrock-Song mit viel Drive, der einen enorm frisch wirkenden McComas präsentiert, der allen Ballast der Vergangenheit abgeschüttelt zu haben scheint. Unterstützt wird Brian von einem kleinen, aber umso exklusiveren Kreis erstklassiger Nashville-Studiogrößen, die einmal mehr ihr großes Können demonstrieren: Shannon Forrest – Drums, Biff Watson – Acoustic guitar, Tom Bukovac – Electric guitar, Jimmie Lee Sloas – Bass, Tim Akers – Keyboards, Dan Dugmore – Steel guitar, Wes Hightower – Background vocals. Produziert hat das Album McComas höchst selbst.

Ebenso hat er, bis auf einen (eine „scharfe“, abgehende, voller Pfeffer steckende, die Cowboys unweigerlich auf die Tanzfläche ziehende Version des alten Everly Brothers-Heulers „Wake Up Little Susie“) sämtliche Songs selbst komponiert. Dabei beträgt das Verhältnis der forschen Uptemponummern zu den etwas ruhigeren, balladesken Stücken beträgt bei insgesamt elf Songs, 7:4, wobei die Anordnung der Tracks klug ausgewählt wurde. „I’ll Believe It When I See It“ fängt zunächst recht relaxt und lässig an, entwickelt dann aber im Verlauf des Stückes einen herrlichen Groove und eine enorme Kraft. Als Sahnehäubchen gibt es ein klasse-E-Gitarren-Solo von Tom Bukovac. Die entspannteren Nummern geben dem Hörer geschickt Zeit zum Durchatmen, und bestechen erneut, wie schon auf dem Vorgängeralbum, mit großartigen Melodien.

Highlights sind hier zum einen „Off My Mind“, mit klarer Akustikgitarre untermalt und mit jeder Menge kleiner Tupfer der anderen Instrumentalisten sehr atmosphärisch in Szene gesetzt (McComas erinnert hier vokal stark an Ronnie Dunn von Brooks & Dunn), das feine „Too Far Gone“, bei dem, was man auch nicht alle Tage erlebt, Gitarrist Tom Bukovac mit im Songwriting involviert ist (der zieht aber hier nur im Hintergrund die Strippen und lässt weitgehend den Herren Dugmore und Akers mit grandiosem Steel- und Orgelspiel den Vorzug), und vor allen Dingen das überragende, von einer wunderschönen Melodie und einer entspannten, klaren Instrumentierung getragene, nachdenkliche und gleichermaßen engagierte „All Comes Floodin‘ Down“! Im Uptempobereich sind neben dem bereits erwähnten Titelsong vor allem die erste Single „Good, Good Lovin’“, sowie „Let Love Lead The Way“, (beides schön rhythmische, knackige Gute Laune Songs, garniert mit vielen countrytypischen Zutaten), das pfiffige „It’ll Be Alright“ und das abschließende, herrlich rockig und mit viel Power in Szene gesetzte “Addicted To You” mit seinem dezentem Southern-Touch zu erwähnen.

Die rund 3-jährige Pause zwischen seinem Debut und „Back Up Again“ hat Brian McComas sichtlich gut getan. Er ist zurück, und zwar mit einem fetten, musikalischen Ausrufezeichen! So klingt peppiger New Country! Extrem guter Job, Brian! Eine beeindruckende Rückkehr des Mannes aus dem Herzen der Ozarks!

Katapult Records (2006)
Stil: New Country

01. Back Up Again
02. I’ll Believe It When I See It
03. Off My Mind
04. Good, Good Lovin‘
05. Let Love Lead The Way
06. All Comes Floodin‘ – Down
07. It’ll Be Alright
08. That Won’t Ever Change
09. Wake Up Little Susie
10. Too Far Gone
11. Addicted To You

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Bärchen Records

Brett Eldredge – Illinois – CD-Review

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Der „CMA New Artist Of The Year 2014“ mit seinem zweiten Album! Brett Eldredge hatte schon mit seinem Debütwerk „Bring You Back“ einen Traumstart in die Karriere hingelegt. Der Silberling erreichte Platz 2 der Country Billboard-Charts und verpasste nur knapp die Pole-Position. Zusätzlich gab es mit drei Singles unter den Top 10 (parallel auch Nr. 1 in den Airplay-Charts) weitere, große Erfolge. Das weckt, in Bezug auf den Nachfolger, natürlich Begehrlichkeiten. Was ihm beim Vorgänger um Haaresbreite verwehrt blieb, ist ihm jetzt mit seinem brandneuen Silberling „Illinois“ gelungen. Es ist amtlich: Brett Eldredge hat sein erstes Nr. 1 Album in den Billboard Country-Charts und on top noch Platz 3 in der genreübergreifenden Top 200-Notierung der Billboard Album-Charts erreicht.

Eldredge ist somit im Kreise der großen US-Künstler bereits frühzeitig angekommen. Denn ähnlich wie Luke Bryan (im Gegensatz zu ihm, dessen Gesang eigentlich immer recht „hölzern“ wirkt, kann Brett dazu noch mit einer „Mords“-Stimme aufwarten) und Taylor Swift zuvor, folgte der aus Paris, Illinois stammende Cousin von Chris Eldredge (The Grascals) dem derzeitigen Trend in Nashville, die Musik möglichst „zweigleisig“ anzulegen, d. h. auch über den Countrymarkt hinaus kompatibel zu gestalten. So verschwimmen auch auf „Illinois“ New Country- und Pop/Rock-Elemente fließend ineinander. Mitverantwortlich hierfür natürlich der für seine modernen Produktionen bekannte Russ Copperman, für den sich Brett jetzt schwerpunktmäßig entschieden hat, nachdem es beim Vorgänger noch einen Konglomerat aus verschiedensten Produzenten gegeben hatte. Vermutlich auch, weil zwischen beiden die Chemie beim Songwriting (sie haben den Großteil der Stücke geschrieben, Eldredge war sogar in allen Tracks kompositorisch involviert!) zu stimmen scheint.

Dementsprechend hat auch die erste Single des Albums, „Lose My Mind“ (schöne, markante Slide Gitarren-Führungslinie, rhythmischer Powersong) schon die Charts geentert und ist in die Top 10 eingestiegen. Tendenz Richtung Spitze! Die CD startet jedoch mit dem ruppigen Countryrocker „Fire“ (tolle Tempowechsel, starke E-Gitarren) fast in der Manier eines Pat Green. Ein starker Auftakt! Es folgt mit „You Can’t Stop Me“ ein grooviger, soulig angehauchter R&B-Track, den Brett im Duett mit Thomas Rhett performt, der in diesen Tagen auch sein neues Album „Tangled Up“ auf den Markt bringt. Beide werden auch zusammen in Kürze ihre „Suits & Boots“-Tour jeweils als Co-Headliner (Opening Act: Danielle Bradbery) in Angriff nehmen. Auf der ein wenig mit Will Hoge-Flair bedachten Ballade „Wanna Be That Song“ kann Brett dann seine stimmlichen Qualitäten (er „hängt“ sich spürbar immer richtig rein und geht nicht zu Unrecht so ein bisschen als der „Ray Charles des Country“ durch) richtig ausspielen. Klasse hier auch die Harmonie-Vocals gegen Ende von Stephanie Chapman.

Gute Laune verbreitet der Beach-taugliche Abhäng-Track „Time Well Spent“, gefolgt vom melodischen Countrypoplied „If You Were My Girl“. Centersong des Werkes ist das Piano-trächtige, mit einer schönen Southern-Brise umwehte Titelstück „Illinois“, zugleich eine Hommage an seinen Heimatstaat, aber auch vielleicht so etwas wie der legitime Nachfolger von Marc Cohns „Walking In Memphis“. Wunderbar! Geschrieben mit Brad Crisler, der hier, wie auch beim schönen „Lose It All“ (Akustikgitarre, Steeltupfer, kurzes E-Gitarren-Solo) mit an den Reglerknöpfen saß (bei allen anderen Tracks dann Russ Copperman).

Das ein wenig an Marc Broussard erinnernde, atmosphärische „Just A Taste“ und das mit Akkordeon- und Mandolinentupfern bestückte „Drunk On Your Love“ warten ebenfalls mit klaren Chart-Ambitionen auf. Auf „Shadow“ zeigt sich Brett Eldredge recht experimentierfreudig und mutig zugleich. Ein rockiges, sehr „asymmetrisch“ strukturiertes Stück, das ziemlich polarisieren dürfte und man eher im Repertoire von Bands wie Nickelback, Hinder & Co erwarten würde. Ein Klasselied, aber in diesen Sphären doch sehr ungewöhnlich. Dafür wird man zum Schluss mit dem flockigen, eingängigen New Country-Stück „Going Away For A While“ mit einem launigen „Sing-A-Long“-Refrain zurück in die Spur gebracht.

Fazit: „Illinois“ ist bester, moderner New Country mit leichten Pop-Tendenzen, wie er momentan in Nashville richtig angesagt ist. Eingespielt natürlich vom Who-Is Who der Nashville Garde-Studio-Musiker. Brett Eldredge ist nicht zuletzt dank seiner enormen Charakterstimme und dem Gespür für die richtigen Songs vollkommen zu Recht zur richtigen Zeit im Reigen der momentan populären US-Interpreten (aller Genres) angekommen. Chapeau Mr. Eldredge!

Atlantic Records (2015)
Stil: New Country

01. Fire
02. You Can’t Stop Me (feat. Thomas Rhett)
03. Lose My Mind
04. Wanna Be That Song
05. Time Well Spent
06. If You Were My Girl
07. Illinois
08. Just A Taste
09. Drunk On Your Love
10. Lose It All
11. Shadow
12. Going Away For A While

Brett Eldredge
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Bärchen Records

Alabama – Southern Drawl – CD-Review

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Jawohl! Da sind sie wieder! Endlich ein brandneues Album von Alabama! Ganze 14 Jahre hat sich das beliebte Trio, bestehend aus Leader Randy Owen, Teddy Gentry und Jeff Cook seit ihrer letzten ‚echten‘ Studioveröffentlichung „When It All Goes South“ Zeit gelassen, ihre immer noch immens große Fan-Schar, mit neuem Songmaterial zu beglücken. Wer befürchtet, dass die Herren Rost angesetzt haben oder mit dem Zug der Zeit nicht mehr standhalten können, dem sei versichert, dass hier genau das Gegenteil der Fall ist. Mit ihrem neuen Werk „Southern Drawl“ beweisen die drei Recken vorzüglich, wie man sich zeitgenössisch geben kann, ohne dabei in die eigene musikalische DNA allzu stark einzugreifen. Die legendäre, mega-erfolgreiche Band (41 Nr. 1- Hits, unzählige Auszeichnungen, über 65 Millionen verkaufte Tonträger!) beeindruckt mit 13 neuen Songs, die, wie man es von früher kennt, zum Teil gut rocken und zum Teil in wunderbaren Balladen vorgetragen werden. Alles kommt, wie der Titel der CD es schon suggeriert, mit viel Southern-Esprit rüber!

Herrlich, wie die exzellenten E-Gitarristen der Nashville-Studiomusiker-Garde (Danny Radar, Adam Shoenveld, JT Corenflos, Tom Bukovac, Kenny Greenberg, Charles English), direkt beim eröffnenden Titelstück die Slide-Gitarre raunen lassen , um dann, nach Owens brunftartigem Eingangs-Statement „Life gets better with a Southern drawl“, in einen schwer stampfenden Southern Countryrock-Swamper im Stile von Montgomery Gentry zu münden. Sofort eine bärenstarke Nummer, klasse vor allem das E-Gitarren-Solo und das Honky Tonk-Piano-Geklimper von dem auch insgesamt überragend agierenden Gordon Mote (Piano, Wurlitzer, B3). Das Alabama auch wegen ihrer, immer wieder mit tollen Harmoniegesängen bestückten Balladen geliebt werden, ist kein wohl behütetes Geheimnis mehr. Mit „Wasn’t Through Lovin‘ You Yet“ (tolles Bruce Hornsby-mäßiges Piano, starkes E-Gitarren Kurz-Solo), „This Ain’t Just A Song“ (klasse Harmonies und feines Violinenspiel von Gaststar Alison Krauss) und „As Long As There’s Love“ (mit orchestralen Streicher- und Crowd Gesangs-Passagen) bekommt man anschließend gleich drei hochemotionale Musterbeispiele dafür serviert (z. T. bitte die „Tempos“ in Griffweite halten – kleiner Scherz am Rande).

Vor allem beim später folgenden Liebeslied „One On One“, wo Randy das Intro sprechend, mit belegter Stimme und voller Pathos dahinseufzt, muss man ganz tief durchatmen. Dank der tollen Musiker und ihrer vielen, instrumentell eingestreuten Feinheiten, sowie der perfekt sitzenden Harmoniegesänge, driften diese allerdings nie wirklich in den Kitsch ab. Zudem werden sie meist zum richtigen Zeitpunkt von satt rocken Southern Country-Tracks abgelöst, die jede aufkommende Melancholie wieder in südstaatliche Musikfreude umschlagen lassen. Herrlich das mit „Ghost Riders In The Sky“-Western-Flair umwobene „Back To The Country“ (großartige Banjo-, Dobro-, Fiddle-Einlagen) oder das mit launigem Text und viel Southern Blues/Soul versehene „Hillbilly Wins The Lotto Money“, das aufgrund der fulminanten Orgel, den prickelnden E-Gitarren sowohl der Skynyrd-/Montgomery Gentry-Klientel, als auch, dank der von Charlie Judge simulierten, deftigen Bläsereinsätze, Freunden der legendären Blues Brothers große Freude bereiten würde.

Grandios auch das von einer interessant zusammengesetzten Armada von Songschreibern und arrivierten Interpreten/Musikern (Django Walker, James Slater, Ray Johnston, Patrick Davis, James Otto, Jeff Cook, der dieses Stück auch singt) kreierte „No Bad Days“ (das Original dieser tollen Nummer findet sich im übrigen auf dem gleichnamigen, bärenstarken Album der texanischen Ray Johnston Band), das wunderbar soulig wärmend dahin groovt. Man merkt, dass hier ein James Otto, dem das Stück auch auf den Leib geschrieben wäre, mit bei der Komposition involviert ist. Typische Alabama-Country Rock-Nummern wie das patriotische „American Farmer“ (Heartland-mäßige E-Gitarrenführung) und der Mitgröl-taugliche, dem Titel alle Ehre machende Stampfer „Footstompin‘ Music“ (fettes Drumpoltern von Greg Morrow, klasse Rede-/Antwort-Gesang im Refrain, furioses Fiddle-Finale im Stile von Charlie Daniels‘ „Orange Blossom Special“) dürften vor allem im Live-Programm so richtig gefeiert werden.

Famos auch das fast schon episch/progressiv und sehr atmosphärisch anmutende „It’s About Time“ (klasse die markante E-Gitarrenlinie von Charles English und wieder mal das feinfühlige Pianospiel von Mote), das man von Alabama so nicht erwartet hätte, aber für ihre Flexibilität spricht. Am Ende ziehen Owen, Gentry und Cook mit dem kammermusikartigen „I Wanna Be There“ nochmals voller Inbrunst alle Balladenregister und beenden ein hochunterhaltsames, instrumentell versiertes und eingängiges Musikerlebnis (fast alle Tracks bleiben schon nach einem Hördurchgang im Gedächtnis hängen). Sie haben wirklich nichts von ihrer Klasse eingebüßt – im Gegenteil. Alabama präsentieren sich auf der Höhe der Zeit. Bester Country Alabama-Style! Absolut kein Zweifel: „Life gets better – with their ‚Southern Drawl'“! Große Klasse!

BMG (2015)
Stil: Country Rock

01. Southern Drawl
02. Wasn’t Through Lovin‘ You Yet
03. This Ain’t Just A Song
04. As Long As There’s Love
05. Back To The Country
06. Hillbilly Wins The Lotto Money
07. Come Find Me
08. No Bad Days
09. One On One
10. American Farmer
11. It’s About Time
12. Footstompin‘ Music
13. I Wanna Be There

Alabama
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Bärchen Records

Thomas Rhett – Tangled Up – CD-Review

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Zweites Album von einem der neuen, jungen Stars in Nashville, Thomas Rhett, dem Sohn von Rhett Akins. Thomas Rhett hatte bereits auf seinem Debüt „It Goes Like This“ angedeutet, was für ein immenses Potential in ihm steckt. Die eigenen Fähigkeiten, ein starkes, zahlungskräftiges Label und dazu noch die Erfahrung seines Vaters (auch als Berater und Mitkomponist) im Rücken, sind beste Voraussetzungen, um mit seinem neuen Album „Tangled Up“ zum großen Wurf auszuholen. Und so folgt auch Thomas Rhett dem aktuellen Trend in Nashville konsequent, seine Musik auf eine duale Basis zu stellen, um eine möglichst große Käuferschicht zu animieren.

Wie schon bei Taylor Swift, die diesen Trend förmlich einleitete, Lee Brice, Luke Bryan oder auch Brett Eldredge zuvor, mit dem er nicht rein zufällig in den nächsten Tagen eine große Tour beginnt, hat Rhett den Country-Anteil zugunsten eines breitgefächerten Spektrums an Musikstilen (vor allem im Vergleich zum Vorgänger) deutlich zurückgefahren. Auch hier zielt der Blick deutlich in Richtung allgemeine Billboard Charts. Platzierungen in der Countrysparte, wie zum Beispiel die schöne erste Single „Crash And Burn“ (melodischer Countrypop, Platz 2 in den Single-Charts) werden als Synergieeffekte natürlich gerne mitgenommen. Nicht auch zuletzt dank der starken Nashville-Studiomusiker, die immer wieder mal mit klasse gesetzten Banjo-, Mandolinen-, oder Steeltupfern versuchen,’ihr‘ Genre halbwegs präsent halten. Um eines klarzustellen: „Tangled Up“ ist ein großartiges Album geworden, vielleicht sogar eines der besten Pop-Alben der Neuzeit, aber man muss als New Countryfan halt größtmögliche Kompromissbereitschaft zeigen. Das tolle Banjo-Intro zum eröffnenden „Anthem“ wird ganz schnell von einer hymnischen Powerpopnummer (toller Refrain) übertüncht.

„South Side“ wird mit seinem „shaky“ Soul Groove eher die Hüften so mancher dunkelhäutigen Schönheit zum Kreisen , als die Cowboystiefel des gemeinen Countryverfechters zum Wippen zu bringen. Trotzdem ist auch das wieder eine sau-cooles Stück. Mit „Die A Happy Man“ gibt es zum ersten Mal Versöhnliches für den geneigten Countryfan. Eine wunderbare, melodische Countryballade mit viel Southern Soul-Flair und herrlicher E-Gitarrenbegleitung (inkl. Solo). Gänsehautgarantie! „Vacation“ funkt und soult in einem Tempo, dass einem regelrecht schwindelig wird, die New Country Powerballade „Like It’s The Last Time“ im Stile von Jason Aldean (für den Thomas ja schon zu früheren Zeiten Songs komponiert hatte) gibt Gelegenheit zum Durchatmen.

„T-Shirt“ ist dann auch wieder so ein toller Popsong, mit einem herrlich rhythmischen E-Gitarrengroove, der durch Mark und Bein geht, dürfte live von Tanzeinlagen begleitet werden. Das folgende „Single Girl“ kommt im Stile der 90er New Countryballaden daher, tolles E-Gitarren-Solo von Dann Huff. Apropos Dann Huff: Der hat dieses Werk zu Großteilen mit Dan Frasure produziert, lediglich die letzten drei Tracks wurden durch Chris DeStefanno als auch Joe London begleitet. Das wohl Country-konformste Stück des Silberlings ist „The Day You Stopped Lookin‘ Back“ (mit schöner Akustikgitarre) aus der Feder von Cadillac Three-Frontmann Jaren Johnston und Saitenvirtuose Luke Laird. Klasse hier das schöne E-Gitarren-Slide-Solo.

Das erneut soulig groovende Titelstück „Tangled“ würde man eher im Repetoire von den Commodors erwarten, als eigentlich auf der Scheibe eines aufstrebenden New Country-Künstlers, aber so ist halt die aktuelle Zeit. Getoppt wird das Ganze noch durch „I Feel Good“, bei dem sogar der Rapper Lunchmoney Lewis, eine Sprecheinlage abliefern darf. Die Blockbuster-taugliche Ballade “ Playing With Fire“ würde sich als Titellied einer Titanic-Fortsetzung bestens eignen. Diese wickelt Thomas im Duett mit der vorzüglich singenden Jordin Sparks ab. Absolute Hitgarantie!

Das melodische „Heard It From The Radio“ (dezente Steel-Einlagen), eines von ein paar Liedern, das in Kooperation mit Papa Akins entstand, lässt ein Album ausklingen, das ausnahmslos tolle, abwechslungsreiche Musik bietet (wie bereits erwähnt, die grandios aufspielenden Nashville-Musiker sind allein das Geld wert), allerdings das Countryfeuer auf niedriger Flamme hält.

Thomas Rhett folgt mit „Tangled Up“ dem aktuellen Trend (möge der nicht noch weiter ausufern…), nicht nur von der Countryklientel wahrgenommen zu werden, sondern eine möglichst breite Schicht an Hörerschaft zu gewinnen. Insgesamt ein richtig starkes (Country) Pop-Album, der gemeine New Countryfan muss allerdings ein Höchstmaß an Toleranz mitbringen. Wer mit den letzten Sachen von Sam Hunt, Canaan Smith, Chase Rice, Brett Eldredge & Co. klarkommt, ist hier an der richtigen Stelle.

Valory Records (2015)
Stil: New Country / Pop

01. Anthem
02. Crash And Burn
03. South Side
04. Die A Happy Man
05. Vacation
06. Like It’s The Last Time
07. T-Shirt
08. Single Girl
09. The Day You Stop Lookin‘ Back
10. Tangled
11. Playing With Fire (feat. Jordin Sparks)
12. I Feel Good (feat. LunchMoney Lewis)
13. Learned It From The Radio

Thomas Rhett
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Bärchen Records

Toby Keith – 35 Mph Town – CD-Review

Toby

„35 Mph Town“ heißt das neue Album des Country-Superstars – und es ist wieder ein klasse Teil geworden! Man kann zu Toby Keiths Musik und seiner darin enthaltenen Botschaften stehen, wie man will, fest steht aber, dass der Mann sich niemals zugunsten irgendwelcher zeitgenössischer Trends verbiegen lassen würde, wie es in Nashville bei vielen Interpreten zur Unsitte geworden ist. Und so zieht er mit seinem mittlerweile 18. Album „35 Mph Town“ auch konsequent wieder ’sein Ding‘ durch. Ehrlicher New Country, mit einigen trinkfreudigen, patriotischen und aus seiner Sicht lebensnahen Statements, produziert von ihm selbst zusammen mit Bobby Pinson (ein Song mit Mac McAnally), fein eingespielt von Nashvilles Top-Studiomusikern (u. a. Chad Cromwell, Ilya Toshinsky, Kenny Greenberg, Brent Mason, Eric Darken, Danny Rader, Steve Nathan, Russ Pahl).

Und so hat das Werk auch nur ganz knapp die Pole-Position der Billboard Album Charts verpasst, trotzdem mit Platz 2 wieder eine beachtliche Platzierung erreicht. Keith startet seine neue CD mit dem versöhnlich anmutenden „Drunk Americans“, ein patriotisches Lied aus der Feder von Brandy Clark, Bob DiPiero und Shane McAnally, die einzige Komposition, an der Toby nicht beteiligt war (der fast komplette Rest stammt von ihm und Bobby Pinson). Wenn betrunkene Menschen zusammen singen, ist es, auf die einfache Formel gebracht, egal, ob sie Malocher, Manager, Cowboys oder Rothaut, Prom Queen oder Stripperin, Demokraten oder Republikaner sind. Klasse dann der von einer satten Horn Section unterstützte Uptempo Country Rocker „Good Gets Here“. Das zu einem späteren Zeitpunkt folgende „10 Foot Pole“ schlägt mit ein bisschen polterndem Lynyrd Skynyrd-Flair in eine ähnliche Kerbe. Der Titelsong beschreibt (Tobys Gesang voller Pathos) die sich immer mehr zum Negativen verändernden Zeiten in Amerikas Kleinstädten, übrig geblieben sei meist nur noch das Tempolimit von 35 mph.

Ein wunderbarer relaxter Track ist „Rum Is The Reason“, das, von Steel Drums unterlegt (klasse gespielt von Robert Greenidge), dezentes Calypso Feeling vermittelt. Bizarr die Aussage, dass, wenn Stalin und Hitler, statt Wodka und Bier, Rum getrunken hätten, wäre der Menschheit ihre Schreckensherrschaft wohl erspart geblieben, denn Piraten haben ja aufgrund ihres Rum-Konsums auch nie die Welt regiert. Politikgeschehen aus der vereinfachten Sicht eines Toby Keith, trotzdem ein herrliches Stück! Mit „What She Left Behind“ folgt eine eingängige und sehr melodische Countryballade über das Verlassenwerden. Großartig auch das in ‚Crying In My Beer‘-Tradition gebrachte „Haggard, Hank & Her“. Zu tollen Akustik- und Bariton-E-Gitarrenklängen, hallender Orgel und weinender Steel, wird Whisky-besäuselt an der Theke über das verpatzte Leben sinniert. Klasse hier auch die dezenten Harmonies von der guten Mica Roberts.

Beim etwas wehmütig und melancholisch (wunderbare Akkordeon-Unterlegung) rüber kommenden „Sailboat For Sail“ geben sich Toby und Jimmy Buffett gegenseitig die Ehre. Der etwas augenzwinkernde und selbstironische ‚One Night Stand‘-Song „Every Time I Drink I Fell In Love“ drückt dann noch mal auf die Tube und beweist, dass sich Toby durchaus auch selbst auf die Schippe nehmen kann. Launiger, in Bakersfield-Manier gespielter Country Rock mit feinem Gitarren- /Banjo-Arrangement und kleinem Instrumental-Ausklang. Am Ende überrascht der 320 Millionen Dollar schwere Country-Entertainer mit einem echten Streicher-untermalten Schmachtfetzen: „Beautiful Stranger“. Das ist dann doch sehr gewöhnungsbedürftig für ein musikalisches Raubein, das sich eigentlich lieber über ‚Drinking Beer‘ und ‚Kicking Ass‘ auslässt. Trotzdem insgesamt eine schöne Herz-Schmerzballade.

Toby Keith lässt mit seinem aktuellen Werk „35 Mph Town“ wieder nichts anbrennen. Man bekommt, wo Toby Keith drauf steht, auch den authentischen Toby Keith geboten. Und wenn man sein typisch selbstgefälliges, zufriedenes Grinsen auf dem Backcover (alle Songtexte sind übrigens im beigefügten Booklet enthalten) sieht, weiß man, genauso wie er, dass die Toby Keith-(New)Country-Welt nach wie vor noch im Lot ist. Sehr gute Leistung! „Classic Toby at his best“!

Show Dog/Universal Music (2015)
Stil:  New Country

01. Drunk Americans
02. Good Gets Here
03. 35 Mph Town
04. Rum Is The Reason
05. What She Left Behind
06. 10 Foot Pole
07. Haggard, Hank & Her
08. Sailboat For Sale (feat. Jimmy Buffett)
09. Every Time I Drink I Fall In Love
10. Beautiful Stranger

Toby Keith
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