Brian McComas – Same – CD-Review

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Und da haben wir schon wieder eines dieser vielen Talente, die augenblicklich in der New-Country-Szene immer noch wie Pilze aus dem Boden zu schießen scheinen.

Brian McComas hat sein Debütwerk allerdings (unverständlicherweise) dem langen Atem seines Labels zu verdanken, denn die Scheibe stand nach zwei von mäßigem Erfolg gekrönten Singleauskoppelungen zunächst auf der Kippe. Doch das Auftaktstück „99.9% Sure“ mit seinen knackigen Gitarren und schönen Banjoeinlagen traf genau den Zahn der Zeit und katapultierte in die Top Ten der Billboard Charts.

Ein Glück, denn das Album, das Brian McComas abliefert, ist nicht von schlechten Eltern. Es enthält obendrein alles, was das New-Country-Herz begehrt: Fiddles, tolle Steel- und E-Gitarren, Slides, Dobros, Mandolinen, Banjos, Hammondklänge, soweit das Ohr lauschen kann. McComas‘ angenehme Stimme und Dan Dugmore als überragender Musiker stechen besonders hervor. Bei vier Songs beweist der Hauptdarsteller, dass er sich auch mit seinen Eigenkompositionen nicht zu verstecken braucht.

Meine Favoriten: Das bereits erwähnte „99.9 % Sure“; „Sixteen Again“ klingt nach einem Mix aus Bruce Hornsby und Jackson Browne; „Baby Let Me Be Your Man“, eine herrlich relaxte Ballade um Ausspannen, die brillanten Uptemponummern „Never Meant A Thing“ und „Straight To You“; die Powerballade „I Could Never Love You Enough“.

Vielleicht besitzt Brian McComas noch nicht ganz die Reife von Leuten wie Mark McGuinn, Keith Urban oder Chris Cagle, die ich hier als Vergleichsmusiker heranziehen würde, denn man hat trotz einer insgesamt guten Leistung das Gefühl, dass noch nicht alles bis zum letzten ausgereizt ist. Der Junge kann sicher noch mehr. Man kann nur hoffen, dass seine Company auch weiterhin einen kühlen Kopf behält. Ich bin jedenfalls auf seine weitere Entwicklung sehr gespannt. 100% gute Musik!

Lyric Street Records (2003)
Stil: New Country

01. 99.9% Sure (I’ve Never Been Here Before)
02. Come With Me
03. Night Disappear With You
04. You’d Have Never Said Goodbye
05. Sixteen Again
06. You’re In My Head
07. Baby Let Me Be Your Man
08. Never Meant A Thing
09. Straight To You
10. I Could Never Love You Enough
11. I’ll Always Be There For You

Brian McComas bei Facebook
Bärchen Records

Brian McComas – Back Up Again – CD-Review

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Dass ein Wechsel von einem Major- zu einem unabhängigen Label nicht unbedingt von Nachteil sein muss, vor allem, was die musikalische Qualität betrifft, sieht man einmal mehr überdeutlich am Beispiel von Brian McComas. Trotz eines recht erfolgreichen Debüts bei Lyric Street Records, immerhin mit vier Songs, die unter den Top-40 landeten und mit „99,9% Sure (I’ve Never Been Here Before“ sogar einer unter den besten zehn, schien der in den Ozark Mountains aufgewachsene McComas nicht mehr zur strategischen Ausrichtung des Labels zu passen. Nach einer Periode intensiven Tourens (u.a. mit den Rascal Flatts und Chris Cagle) nahm er sich erstmal eine Auszeit und wartete einfach ab, wie lange er es wohl ohne Musik aushalten würde. Knapp ein Jahr später merkte er, dass es ‚Ohne‘ einfach nicht ging und die Arbeit an einem neuen Album begann.

Das Resultat liegt nun vor und zeigt McComas voller Aufbruchstimmung in einer exzellenten Verfassung! War das Debut schon klasse, so setzt er nun nochmal einen drauf! Knackiger, schnörkelloser, satt produzierter, saftiger, melodischer New Country in bester Tradition solcher Kollegen wie Brooks & Dunn, David Lee Murphy & Co.! „Back Up Again“, der Titelsong und Opener, kündigt nicht nur mittels des Textes eine Rückkehr, die es in sich hat an, nein, das wird auch musikalisch mit sprühender Eneregie perfekt umgesetzt. Ein toller, peppiger Countryrock-Song mit viel Drive, der einen enorm frisch wirkenden McComas präsentiert, der allen Ballast der Vergangenheit abgeschüttelt zu haben scheint. Unterstützt wird Brian von einem kleinen, aber umso exklusiveren Kreis erstklassiger Nashville-Studiogrößen, die einmal mehr ihr großes Können demonstrieren: Shannon Forrest – Drums, Biff Watson – Acoustic guitar, Tom Bukovac – Electric guitar, Jimmie Lee Sloas – Bass, Tim Akers – Keyboards, Dan Dugmore – Steel guitar, Wes Hightower – Background vocals. Produziert hat das Album McComas höchst selbst.

Ebenso hat er, bis auf einen (eine „scharfe“, abgehende, voller Pfeffer steckende, die Cowboys unweigerlich auf die Tanzfläche ziehende Version des alten Everly Brothers-Heulers „Wake Up Little Susie“) sämtliche Songs selbst komponiert. Dabei beträgt das Verhältnis der forschen Uptemponummern zu den etwas ruhigeren, balladesken Stücken beträgt bei insgesamt elf Songs, 7:4, wobei die Anordnung der Tracks klug ausgewählt wurde. „I’ll Believe It When I See It“ fängt zunächst recht relaxt und lässig an, entwickelt dann aber im Verlauf des Stückes einen herrlichen Groove und eine enorme Kraft. Als Sahnehäubchen gibt es ein klasse-E-Gitarren-Solo von Tom Bukovac. Die entspannteren Nummern geben dem Hörer geschickt Zeit zum Durchatmen, und bestechen erneut, wie schon auf dem Vorgängeralbum, mit großartigen Melodien.

Highlights sind hier zum einen „Off My Mind“, mit klarer Akustikgitarre untermalt und mit jeder Menge kleiner Tupfer der anderen Instrumentalisten sehr atmosphärisch in Szene gesetzt (McComas erinnert hier vokal stark an Ronnie Dunn von Brooks & Dunn), das feine „Too Far Gone“, bei dem, was man auch nicht alle Tage erlebt, Gitarrist Tom Bukovac mit im Songwriting involviert ist (der zieht aber hier nur im Hintergrund die Strippen und lässt weitgehend den Herren Dugmore und Akers mit grandiosem Steel- und Orgelspiel den Vorzug), und vor allen Dingen das überragende, von einer wunderschönen Melodie und einer entspannten, klaren Instrumentierung getragene, nachdenkliche und gleichermaßen engagierte „All Comes Floodin‘ Down“! Im Uptempobereich sind neben dem bereits erwähnten Titelsong vor allem die erste Single „Good, Good Lovin’“, sowie „Let Love Lead The Way“, (beides schön rhythmische, knackige Gute Laune Songs, garniert mit vielen countrytypischen Zutaten), das pfiffige „It’ll Be Alright“ und das abschließende, herrlich rockig und mit viel Power in Szene gesetzte “Addicted To You” mit seinem dezentem Southern-Touch zu erwähnen.

Die rund 3-jährige Pause zwischen seinem Debut und „Back Up Again“ hat Brian McComas sichtlich gut getan. Er ist zurück, und zwar mit einem fetten, musikalischen Ausrufezeichen! So klingt peppiger New Country! Extrem guter Job, Brian! Eine beeindruckende Rückkehr des Mannes aus dem Herzen der Ozarks!

Katapult Records (2006)
Stil: New Country

01. Back Up Again
02. I’ll Believe It When I See It
03. Off My Mind
04. Good, Good Lovin‘
05. Let Love Lead The Way
06. All Comes Floodin‘ – Down
07. It’ll Be Alright
08. That Won’t Ever Change
09. Wake Up Little Susie
10. Too Far Gone
11. Addicted To You

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