Garrett Bradford – Honkiest Of Tonkers – Part 1 – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Hype um die Fernsehserie „Yellowstone“ kommt auch jüngeren Country-Musikern zugute. In der dritten Staffel ist Garrett Bradfords „This Way Of Life“ zu hören und so stieg der Song in die einschlägigen Charts ein. Von Kindesbeinen an mit der Musik verwurzelt zieht Bradford mit „Honkiest Of Tonkers“ eine erste Zwischenbilanz seines musikalischen Schaffens. Das Werk umfasst neben älteren Songs auch neue Tracks und wird in zwei Schritten veröffentlicht. „Honkiest Of Tonkers – Part 1“ steht ab dem 21. Februar zur Verfügung, „Part 2“, auf dem der Beitrag zum „Yelllowstone“-Soundtrack vertreten sein wird, folgt am 11. April.

Bradford ist in Texas aufgewachsen mit Pferden, Vieh, Rodeos, Angeln, Jagen und Country Music. Den Lebensstil des modernen Cowboys hat er inhaliert und internalisiert. Dies zeigt sich in seinem musikalischen Output. Er macht Country in einer puren Form, wie man ihn in dieser Konsequenz heute kaum noch produziert. Dabei geht Bradford mit den Traditionen des Genres souverän um. Am Country der 1950er orientiert er sich bei „Honky Tonk Devil“. Die in den Siebzigern populären Trucker-Songs belebt er mit „Keep On Drivin‘“ und „Peterbilt Pipe Dream“ wieder. Der Sound von „Bad Girl Good“ lehnt sich am Country der letzten beiden Dekaden des vergangenen Jahrhunderts an, bei denen George Strait, Brooks & Dunn oder Dwight Yoakam mitmischten.

„Honkiest Of Tonkers – Part 1“ innoviert nicht die Country-Welt, aber das will Bradford mit seinem Album auch nicht. Er feiert das Genre mit den ihm eigenen Mitteln. Das richtige Maß an Slide bei der gefühlvollen Ballade „Do You (I Do)“ oder etwas Twang bei dem galoppierenden „50 In The Fast Lane“ dienen dafür als Beispiele. Zum letztgenannten Track stellt Bradford, der mittlerweile auf über 600 Konzerte zurückblickt, nicht ohne Stolz fest, dass er stets eine positive Resonanz bei den Auftritten erzeugt. Das Stück gehört neben dem Titelsong auch zu meinen Favoriten. Auf „Honkiest Of Tonkers“ treten rockige Elemente zutage, ohne dass dieser tatsächlich den Schritt in Richtung Country Rock vollzieht.

Abgesehen davon, dass Bier und Whiskey keine Rolle spielen, folgen die Themen der Texte tradierten Pfaden. Das Leben der hart arbeitenden, ländlichen Bevölkerung kommt beispielsweise bei „Bulletproof“ zur Sprache. Mit dem Song würdigt Bradford seinen Vater, der eine wichtige Rolle dabei spielte, dass er den Weg zur Musik gefunden hat. Die Titel der Scheibe wurden von Bradford alleine oder in Kollaboration mit anderen Musikern verfasst. Mehrmals treten Greg Manuel und Gregory Allen als Co-Autoren auf.

„Honkiest Of Tonkers – Part 1“ wendet sich an die Traditionalisten der Country-Gemeinde. Der auf einer Ranch aufgewachsene Garrett Bradford bedient sich bei unterschiedlichen Richtungen des Genres. Von Balladen bis hin zu Trucker-Songs fängt er Facetten des Landlebens ein. Die Stücke des Albums revolutionieren den Country nicht, aber sie wirken authentisch und das ist letztlich das, was Country ausmacht.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Neo-traditional Country

Tracks:
01. Honkiest Of Tonkers
02. Bad Girl Good
03. Keep On Drivin’
04. Do You (I Do)
05. Watching You Burn
06. 50 In The Fast Lane
07. Peterbilt Pipe Dream
08. Bulletproof
09. Honky Tonk Devil

Garrett Bradford
AristoPR

Garrett Bradford – Honkiest Of Tonkers – Part 2 – CD-Review

Review: Michael Segets

Sechs Wochen nach dem ersten Album lässt Garrett Bradford nun „Honkiest Of Tonkers – Part 2“ folgen. Der Grund für die seltsame Veröffentlichungspolitik liegt vermutlich in Bradfords künstlerischem Anspruch, zwei Seiten seines Songwritings klar voneinander abzugrenzen. Den einen Teil widmet er dem Country, wie er ihn mit Tennessee verbindet, den anderen verortet er in Texas. Von der Spielzeit hätten beide zusammen locker auf eine CD und wahrscheinlich sogar auf eine LP gepasst. Aber wer denkt in Zeiten des Streamings noch in diesen Kategorien?

Auf der aktuellen Veröffentlichung gewinnt Bradford deutlich an Profil als Songwriter. Trucker-Songs lässt er weg. Wohl streut er wie auf dem Vorgänger einen Track ein, der ganz in der Tradition des Country aus den 1950ern steht („Just A Little“). Thematisch greift er nochmal eine Reminiszenz an seinen Vater auf, der die musikalische Entwicklung von Bradford förderte. „Give Dad A Call“ ist ein ruhiges, nur mit akustischer Gitarre begleitetes Stück, dessen Inhalt wohl jeder nachvollziehen kann, der seinen Vater verloren hat.

Die tiefe Verbundenheit mit seiner Herkunft kommt bei einigen Titeln zum Ausdruck. Sein Hit aus dem Yellowstone-Soundtrack „This Way Of Life“ eröffnet in diesem Sinne das Werk. Bei „Firefly“ reflektiert er die Veränderungen, die in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten erfolgten – mit den entsprechenden ökologischen Nebenfolgen. Den Native Americans zollt Bradford seinen Respekt mit „Commanche Moon”. Die eingängige Up-Tempo-Nummer wird durch ein stimmungsvolles Intro eingeleitet und sticht unter den Beiträgen heraus.

Das Album ist also thematisch vielfältig. Dabei fehlen natürlich nicht die Beziehungsgeschichten. Auf „One Two Step“ nimmt ein langjähriges Paar nochmal einen Anlauf, die früheren, glücklicheren Zeiten wiederzubeleben. Pessimistischer schaut die Protagonistin von „She Loves Horses“ in die Zukunft. Von Männern enttäuscht, widmet sie sich ganz ihren Pferden, die treuer sind und weniger lügen. Bradford verpackt aus dem Leben gegriffene Stories in seine Songs. Etwas weiter weg vom realen Leben erscheint „Trouble In The Pines“. Durch den Rhythmus des Schlagzeugs bekommt die Rachegeschichte mehr Dynamik als die reduzierten Balladen, die insgesamt den Longplayer prägen. Der Track stellt letztlich das absolute Highlight des Werks dar, auf dem sich aber auch darüber hinaus beachtenswerte Titel finden.

Wer einen Faible für authentischen Country hat, liegt mit „Honkiest Of Tonkers – Part 1“ genau richtig. Für diejenigen, die an Stories und ruhigeren Americana-Songs ihre Freude haben, ist der zweite Teil der Album-Dublette die erste Wahl. Wie dem auch sei, Garrett Bradford zeigt, dass man ihn als Country-Musiker und Songwriter auf dem Schirm behalten sollte.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Neo-traditional Country, Americana

Tracks:
01. This Way Of Life
02. Commanche Moon
03. Firefly
04. One Two Step
05. She Loves Horses
06. Just A Little
07. Trouble In The Pines
08. Give Dad A Call

Garrett Bradford
AristoPR

Rev. Peyton’s Big Damn Band – Honeysuckle – CD-Review

Da hat Pati DeVries und ihre Devious Planet Promotion Agentur aus Los Angeles, die uns nun schon seit Jahren regelmäßig mit tollen Scheiben, meist aus der US-Blues-Szene versorgt, zum Start des neuen Jahres mir direkt eine echte Aufgabe auferlegt.

Es handelt sich um die neue CD von Rev. Peyton’s Big Damn Band mit dem Titel „Honeysuckle“, die in den nächsten Tagen auf den Markt kommen wird. Peyton und seine beiden derzeitigen Mitstreiter, Ehefrau ‚Washboard Breezy‘ Peyton und Jacob ‚The Snakob‘ Powell genießen in den Staaten medienübergreifend ein sehr hohes Ansehen, die neue Scheibe ist die nunmehr die elfte Veröffentlichung.

Die maßgeblich vom Reverent  auf einer National Guitar überaus fingerfertig eingespielten und mit einer kreischenden und keifenden Stimme eingesungenen zwölf Tracks (hinzukommen noch vereinzelnd dezente Perkussionsklänge, mal eine Fiddle, ein Banjo oder eine Harp) sind nicht für den Mainstream ausgelegt und verlangen schon ein sehr country-bluesig geschultes Gehör, meine Frau würde mich beispielsweise, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche,  aller spätestens nach Ende des zweiten Tracks auf die Verwendung von Kopfhörern hinweisen.

Für Insider sind hier sicherlich die in ihren Bereichen prominenten Gäste der edle Messwein im musikalischen Gesamt-Kelch. Da wären die auch bei vielen Interpreten, im New Countrybereich vertretenen McCrary Sisters, die „Looking For A Manger“ mit tollen gospeligen Backingvocals veredeln, der Blues Music Hall of Famer und Grammy-nominierte Mundharmonica-Spieler Billy Branch, der auf dem Blind Lemon Jefferson-Song “Nell (Prison Cell Blues)“ nölt, der Grammy Award-Gewinner Michael Cleveland, mit einem furiosen Speed-Gefiddel in Kombination mit Peytons flinkem Saitenspiel bei dem, unserer Klientel vermutlich gut bekannten „Freeborn Man“ (vom legendären Outlaws-Live-Album) sowie Colton Crawford von The Dead South, der mit dem Banjo bei “The Good Die Young“ untermalt.

Textlich wissen viele Stücke mit doppeldeutigem Humor zu punkten (u. a. besonders das finale „Mama Do“. Die jederzeit spürbare Authentizität ist ein weiterer Sympathiepunkt. Produziert  hat diese. für eher zünftige Feste oder ‚dreckige‘ Honkytonks geeignete Musik der Reverent himself, gemixt hat das Ganze der sechsfache Grammy-Gewinner Vance Powell (Chris Stapleton, Jack White).

Mein Rat selbst an den gediegenen Countryblues-Nachtfalter wäre, in Rev. Peyton’s Big Damn Band „Honeysuckle“ zunächst mal reinzuschnuppern, der Gang durch diese zwölf Tracks ist sicherlich kein übliches musikalisches Zuckerschlecken!

Family Owned Records (2025)
Stil: Country Blues

Tracks:
01. Honeysuckle
02. If I Had Possession Over Judgement Day
03. Looking For A Manger (feat. The Mc Crary Sisters)
04. Like A Treasure
05. One Dime Blues
06. Nell (feat. Billy Branch)
07. Freeborn Man (feat. Michael Cleveland)
08. I Can’t Sleep
09. Let Go
10. The Good Die Young (feat. Colton Crawford of the Dead South)
11. Keep Your Lamp Trimmed And Burning
12. Mama Do

Rev. Peyton’s Big Damn Band
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Danny Bryant Bigband – 25.01.2025 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Ein an einem Sonntag Abend anständig gefülltes Musiktheater Piano bildet einen Rahmen für einen ganz besonderen Konzertabend. Im gedämmten Licht betritt die Band unter dem Applaus der Fans die Bühne und als das Frontlicht angeht, sieht man eine nahezu rundum erneuerte Band. Danny Bryant scheint nach gesundheitlichen Problemen in den letzten Jahren die Kurve gekriegt zu haben und wirkt agil wie schon lange nicht mehr.

Was er in etwa 100 Minuten mit seiner Bigband präsentiert ist ein fettes Brett und zeigt die spielerische Vielfalt Bryants und seiner Mitstreiter. Neben rockigen Bluesnummern streift er mit „Prisoner Of The Blues“ den Southern Rock, wobei er das Publikum mit seinem zweiten Gitarristen Marc Rahner mit stilistisch entsprechenden Soli begeistert.

In einem instrumentalen mehrminütigen verträumten Intermezzo könnte man glauben, man wäre bei Pink Floyd gelandet, woran Keyboarder Jamie Pipe einen gewaltigen Anteil hat. Er unterlegt die Songs entweder mit progressiven Klangteppichen oder würzt diese mit zuweilen rasanten Soli. Drummer Alexander Hinz und Bassist Artjom Feldtser sorgen gut dosiert für den entsprechenden druckvollen Rhythmus bei den meisten Songs, die durch die dreiköpfige Bläsersektion eine besondere Note bekommen.

Emotionaler Höhepunkt ist das zunächst balladeske „Painkiller“, am Anfang geprägt durch das melodische Keyboardspiel von Pipe und die akustische Gitarre Rahners sowie Bryants ausdrucksstarke Stimme. Während eines Keyboardsolos wechselt Rahner die Gitarre, Hinz drischt plötzlich auf die Drums ein, sodass die Fans regelrecht aus den Träümen gerissen werden und es folgt ein fast episches Gitarrensolo von Bryant, zu dem Rahner twinmäßig seinen Teil beisteuert. Ganz großes Kino im Musiktheater Piano!

Nur wenige Minuten nach dem letzten Song findet sich Bryant mit seiner Band am Merchandising-Stand ein und es ist ihm anzusehen, dass er auch diese Zugabe nach dem Konzert genießt. Von Danny Bryant ist in dieser bestechendden Form in den nächsten Jahren noch einiges zu erwarten.

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Marc Rahner (electric & acoustic guitar)
Ardjom Feldster (bass)
Alexander Hinz (drums)
Jamie Pipe (keys, vocals)
Niko Halfmann (saxophone)
Jacob Karg (trumpet)
Uli Binetsch (Posaune)
Text und Bilder Gernot Mangold

Danny Bryant
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Musiktheater Piano
3dog-Entertainment

Gary Louris – Dark Country – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach eigener Aussage ist „Dark Country“ ein Liebesbrief an seine Frau und sein bislang persönlichstes Werk. Der Frontmann von The Jayhawks wandelt auf seiner dritten Solo-Veröffentlichung auf Singer/Songwriter-Pfaden und legt ein reduziert instrumentalisiertes Werk vor, bei dem die poppigen Elemente, die zuletzt auf „XOXO“ (2020) der Jayhawks deutlich hervortraten, keinen Platz finden. In Gänze wirkt das neue Album deutlich dunkler, als man es von einer Liebeserklärung erwarten würde. Inhaltlich drehen sich die Songs um Beziehungen und deren Krisen. „Dark Country“ erscheint dabei weniger eingängig als das vorangegangene Solo-Werk „Jump For Joy“ (2021).

Die akustische Gitarre ist das bevorzugte Instrument, mit dem Louris seine Songs begleitet („Redefining Love“, „Better To Walk Than To Run“). Manche Titel sind etwas sperrig („Dead Porcupine”). Bei anderen zeigt sich Louris von einer sanfteren Seite („Living On My Phone“, „Listening To Bobby Charles”, „Helping Hand“). Insgesamt verläuft das Album in ruhigen Bahnen, wobei nur vereinzelt – wie bei „Two Birds“ – etwas mehr Schwung hineinkommt.

Der in Ohio aufgewachsene und mittlerweile in der Nähe von Montreal lebende Songwriter läuft zur Hochform auf, wenn er Klavier und Mundharmonika einsetzt. Das erste Highlight „Getting Older“ eröffnet den Longplayer. Die Single erinnert stellenweise an Neil Young zu „Harvest“-Zeiten. Diese Assoziation kommt auch später bei „Blow’ Em Away” auf. Das zweite Highlight stellt „By Your Side” dar. Hier gelingt es Louris, viel Gefühl zu transportieren, was durch das Streicher-Arrangement von Eleanor Whitmore (The Mastersons) unterstützt wird. Hingegen sind die Streicher auf dem von Pathos getragenen Abschluss des Albums „Perfect Day“ für meine Verhältnisse zu dominant.

Louris hat sich in den letzten Jahrzehnten ein beachtliches Renommee als Songwriter – sei es mit den Jayhawks, mit Golden Smog oder auch solo – erarbeitet. Er schrieb Stücke für The Chicks und die Tedeschi Trucks Band und kollaborierte mit einer Vielzahl von Musikerinnen und Musikern. Das aktuelle Werk ist stringenter als seine letzte Arbeit mit den Jayhawks, reicht aber an sein vorheriges, hoch gelobtes Solo-Werk nicht heran.

Auf „Dark Country“ gibt es ein paar Titel, die das Ansehen, das Gary Louris als Songwriter genießt, rechtfertigen. Nach mehrmaligem Hören des Gesamtwerks springt der Funke aber nicht durchgängig über. Die meisten Titel bleiben nicht länger im Gedächtnis. Das Album bietet sich dafür an, die Sahnehäubchen herauszupicken.

Sham – Thirty Tigers/Membran (2025)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. Getting Older
02. Couldnt Live A Day Without You
03. Dead Porcupine
04. By Your Side
05. Living On My Phone
06. Blow’ Em Away
07. Redefining Love
08. Better To Walk Than To Run
09. Listening To Bobby Charles
10. Two Birds
11. Helping Hand
12. Perfect Day

Gary Louris
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Joe Ely – Love And Freedom – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Joe Ely hat für sein neues Soloalbum „Love and Freedom“ einen vergrabenen Schatz gehoben. Die dreizehn Tracks des Albums (neun Eigenkompositionen und vier Coverversionen), die sich mit Einwanderung, Armut, Krieg, Gerechtigkeit, Liebe, Freiheit und anderen sozialen Themen beschäftigen, hatte Ely bereits vor Jahrzehnten aufgenommen und gespeichert. Leider waren sie dann in Vergessenheit geraten, bis Ely sie im letzten Jahr zufällig wiederentdeckte.

Sie wieder zu beleben erschien als eine Herausforderung, weil Teile der Mehrspuraufnahmen schlichtweg verschwunden waren. Die Restaurierung gelang dann schließlich mit Hilfe von Lloyd Maines, einem Freund und Produzenten, der den Stücken u. a. Akustik-, Slide-Gitarre und Bass hinzufügte. Letztendlich ist eine bemerkenswerte und authentische CD entstanden, welches sich als neunundzwanzigstes Album perfekt in die lange Liste der Vorgängeralben einreiht.

Der Opener „Shake ´Em Up“ ist auch gleichzeitig die erste Singleauskopplung aus „Love And Freedom“. Sie kommt recht schwungvoll mit leichten Americanaanleihen rüber und mutet wie eine Ode an die Würfelspiele im Wilden Westen an. „Adios Sweet Marie“ startet mit ungewöhnlichen Akkordeonklängen, die an volkstümliche Musik aus Österreich erinnern, tatsächlich aber von den Problemen an der Grenze zwischen Texas und Mexiko handelt. „Magdalene“ ist dann die erste Coverversion des Albums. Eine ruhige Ballade, die ursprünglich von Guy Clark stammt.

Ruhig geht es dann auch mit dem Woody-Guthrie-Klassiker „Deportee“ (Plane Wreck at Los Gatos)“ weiter, bei dem der Singer-Songwriter Ryan Bingham mit seiner leicht rauen Stimme den Gesangspart übernimmt und mit Townes Van Zandts Song „Waiting Around To Die“ liefert Ely einen weiteren schmissigen Song mit Tanzpotential ab. Eine weitere schöne Country-Ballade ist „Sergeant Baylock“ (sie erinnert streckenweise an Lou Reeds „Take A Walk On The Wild Side“), in der Ely mit einem Polizeibeamten in Lubbock abrechnet, der ihn unerbittlich schikanierte.

Zum Dahinschmelzen schön ist der bedächtige Americana-Song „Sake of the Song“ und in „Here’s to the Brave“ besingt Joe Ely die amerikanischen Ureinwohner. Kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September besuchte er den Ground Zero. Unter dem Eindruck des Gesehenen entstand dann der Song „No One Wins“. Abgerundet wird das Album durch schwungvolle Songs über soziale Gerechtigkeit: „Today It Did“, „Band of Angels“, „What Kind of War“ und „Surrender to the West“.

In Summe ist „Love And Freedom“ ein überzeugendes und äußerst abwechslungsreiches Opus, welches stark durch Country- und Americana-Einflüsse geprägt ist. Mir hat es wahnsinnig gut gefallen und ich denke, dass es viele Anhänger finden wird.

Label: Rack ´Em Records / Thirty Tigers
Stil: Blues

Tracks:
01. Shake ´em Up
02. Adios Sweet Dreams
03. Magdalene
04. Deportee
05. Waiting Around To Die
06. Sgt. Baylock
07. Today I Did
08. Band Of Angels
09. Sake Of The Song
10. Here‘s To The Brave
11. What Kind Of War
12. No One Wins
13. Surrender To The West

Joe Ely
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Ana Popovic – 18.01.2025 – Musiktheater Piano, Dortmund, Konzertnachlese

Ana Popovic sorgt mit ihrer Band für ein ausverkauftes Musiktheater Piano und einem starken Auftritt für beste Stimmung. Sie lässt mit ihren Musikern Blues, Jazz und Funk miteinander verschmelzen und gibt allen Bandmitgliedern einen großen Freiraum, sich mit Soloparts in den Vordergrund zu spielen, wofür es vielfach Szenenapplaus gibt.

Die Rhythmussektion um Bassist Cory Burns und Drummer Jerry Kelly sorgt für eine groovige Grundlage der Sounds und unterstützt mit starken Backgroundgesang. Die Italofraktion um Keyboarder Michele Papadia und die beiden Bläser Claudio Giavagnola und Davide Ghidoni treibt Popovic zuweilen regelrecht an, als sie sich mit ihr die Noten hin- und herschmissen.

Die stimmlich bestens aufgelegte Serbin, die in vielen Gitarrensoli ihre Qualität zeigt, beendet mit einem Slowdance ein furioses Konzert und bedankt sich sichtlich gerührt von den Fans, die animiert von der Musik, eine tolle Atmosphäre ins Musiktheater gebracht haben.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, electric guitar)
Cory Burns (bass, vocals)
Jerry Kelley (drums)
Michele Papadia (keys, vocals)
Claudio Giovagnoli (saxophone)
Davide Ghidoni (trumpet)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ana Popovic
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Musiktheater Piano
3dog-Entertainment

Larkin Poe – Bloom – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Verleihung des Grammy Awards für “Blood Harmony” 2024 haben Larkin Poe nur als kurze Auszeit genutzt. Das neue Studiowerk “Bloom” war damals bereits in der Mache. Gemeinsam mit Co-Produzent Tyler Bryant haben sie erstmals alle Stücke geschrieben. Die Inspiration für den neuen Longplayer ist geprägt durch die familiäre Synergie-Atmosphäre und Erfahrungen der letzten Jahre, also weit über eine nur musikalische Partnerschaft hinaus.

Mit dem ersten Song “Mockingbird” beginnt gleich der blues-rockige Teil einer insgesamt sehr vielfältigen Produktion. Nachdenkliche Lyrics über Wendungen im Leben und die Reflexionen bis hin zum Wechsel von Perspektiven bestimmen den Titel. Die Leichtigkeit der Komposition fließt bei “Easy Love Pt. 1” zwischen Southern- und Blues Rock sowie Rebeccas elektrisierender Voice-Power. “Pt. 2” des Tracks folgt erst mit Abstand und in Balladenform. Meghans Guitarwork und der zarte Refrain “You make it easy” verleihen dem Liebeslied nun einen grundlegend anderen Charakter.

Eine betont ruhigere Klangfülle bringt auch “Little Bit” in die Songliste. Zuversicht und Verbundenheit strahlen im swingenden Country-Southern-Style. Erneut ein lyrisches Kleinod, das teils härtere Soundelemente mit schönen Storytelling verbindet. Kein Geheimnis machen die Lovell Sisters aus den frühen Einflüssen ihrer Musik. Neben typischem Bluegrass Folk war Southern Rock der Allmans, aber ebenso geradliniger Fleetwood Mac-Sound u. a. je ein Baustein. Bei “Bluephoria” treffen Freude und Leid aufeinander, werden musikalisch rifflastig verwoben und psychedelisch klingende Passagen bestimmen die Komposition. Die Lead-Single erinnert trotz hartem Rock’n’Roll Outfit, lyrisch inspiriert, an die Memphis Blues Legende Furry Lewis. Schnelle Blues Rock-Vibes treibt “Nowhere Fast” vor sich her. Ein krachendes Solo lässt den Wüstensand förmlich aus den Boxen rieseln und Billy Gibbons gibt seinen Segen.

Ein erstaunlich erfrischender Ideenreichtum lässt “If God Is A Woman” im Masterpiece-Format entstehen. Das elektrisch ausgerichtete Delta Blues-Stück konkurriert im Ohr mit dem nachfolgenden “Pearls”: düster und heavy treibende Gitarrenriffs und Rebeccas Stimme verursachen eindeutig Herzschlag-Blues. Als Slide-Topper und Highway-Country Song zugleich bringt “Fool Outta Me” die big wheels in Bewegung, ein altes Blues-Rock-Herz geht auf und relaxed beim wunderbar melodiösen “You Are The River”. Ein Eagles-/Poco-Country Rock schlingert in zeitgemäßer Interpretation vorbei und beruhigt die Anspannung. Diese Dramaturgie einer gesundheitsfördernden Cool-down Übung übernimmt zum Schluss “Bloom Again”. Meghan beschreibt die Idee des langjährigen Tom Petty-Weggefährten und Larkin Poe Freundes Mike Campbell: Er schlug vor, einen Song zu schreiben, der im Stile der Everly Brothers unsere Geschwister-Harmonie präsentiert. Ein modernes Country-Rock/Folk-Finale, das auch von Emmylou Harris stammen könnte, und ein Gänsehaut-Solo als “Zugabe” setzen den Schlussakkord.

Die ehemals “kleinen” Schwestern der Allman Brothers haben sich längst vom Adjektiv befreit und mit dem Album “Bloom” deutlich die Avantgarde-Rolle in der amerikanischen Roots-Musik übernommen. Selten klang eine Eigenproduktion Genre übergreifender dirty Southern- und raw Blues-Rock Tracks mit Country- Anleihen so tiefgreifend überzeugend. In diesem Jahr feiern Larkin Poe das 15-jährige Bestehen. Der nächste Grammy ist nur eine Frage der Zeit.

Tricki-Woo (2025)
Stil: Roots Rock, Blues, Blues Rock, Southern Rock

Tracks:
01. Mockingbird
02. Easy Love Pt. 1
03. Little Bit
04. Bluephoria
05. Easy Love Pt. 2
06. Nowhere Fast
07. If God Is A Woman
08. Pearls
09. Fool Outta Me
10. You Are The River
11. Bloom Again

Larkin Poe
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Another Dimension

We Mavericks – Heart Of Silver – CD-Review

Review: Michael Segets

We Mavericks sollten nicht mit The Mavericks verwechselt werden. Das können sie auch nicht, wenn man sich die Musik anhört. We Mavericks sind ein aufstrebendes Duo aus Down Under, genauer gesagt stammt die Sängerin und Gitarristin Victoria Vigenser aus Neuseeland, während Multiinstrumentalist Lindsay Martin aus Australien kommt. Als Folk-Musiker können sie schon auf einige Erfolge in ihren Heimatstaaten zurückblicken und haben eine Auszeichnung von den australischen Troubadour Awards im Gepäck Bis Mitte Februar sind We Mavericks auf Europatour in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei stellen sie ihr zweites Album „Heart Of Silver“ dem Publikum vor. Erschienen ist der Longplayer mit zehn Eigenkompositionen bereits im Oktober letzten Jahres.

Die ersten Tracks der CD nehmen mich direkt mit. Der Titeltrack, das countryfizierte „All This Noise“ oder auch das mit mehreren Spannungsbögen versehene „The Bed You Made“ sind klasse Stücke, an deren Songwriting und Arrangements nichts auszusetzen gibt. Auch später findet sich auf dem Silberling mit „Wildfire“ ein weiterer Titel mit hervorragendem Drive, der von Julia Day (Schlagzeug) und Matt Nightingale (Bass) vorangetrieben wird. Die Songs bewegen sich zwischen Folk und Americana. Bei „Carefree“ mischen sich nochmal Country-Anleihen hinein.

Im Mittelteil des Albums tendieren die Tracks eher in Richtung Modern Folk, wobei der Sopran von Vigenser und Streichinstrumente sehr präsent sind. Rachel Johnston sowie Trent Arkleysmith an ihren Cellos und Marin an der Violine schaffen einen vollen Sound. Martin spielt neben Geige auch Gitarre, Mandoline („Paper Darts“) und Piano („Ballad Of A Firefly“). Die Tracks weisen oft mehrstimmige Passagen auf, bei denen Ruby und Lindsay Martin die Lead-Sängerin, die eine enorme Varianz in ihrer Performance beweist, begleiten. Bevor der Longplayer mit einem knapp zweiminütigen Instrumental („The Outro“) ausklingt, übernimmt allerdings Lindsay Martin bei „Hold Me“ einmal den vorderen Platz am Mikro.

We Mavericks verstehen sich in erster Linie als Folk-Duo. Dafür entwickeln einige Songs, die überwiegend am Anfang der CD versammelt sind, eine beeindruckende Dynamik. Victoria Vigenser setzt mit ihren variablen Gesang dabei besondere Akzente. Wenn sich in der laufenden Tour nicht mehr die Gelegenheit ergibt, eines der Konzerte zu besuchen, so garantiert „Heart Of Silver“ zumindest zuhause schöne Momente des Hörgenusses.

Eigenproduktion (2024)
Stil: Folk/Americana

Tracks:
01. Heart Of Silver
02. All This Noise
03. The Bed You Made
04. Carefree
05. Paper Darts
06. Bllad Of A Firefly
07. Balm In Gilead
08. Wildfire
09. Hold Me
10. The Outro

We Mavericks
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Rola Music

Robben Ford & The Blue Line – Live At Montreux 1993 – CD/DVD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das traditionsreiche Musikfestival von Montreux hat in seiner mittlerweile fast 60-jährigen Historie immer wieder legendäre Konzertereignisse veranstaltet. Die nachträgliche Veröffentlichung von Aufnahmen für das breite Publikum wurde leider oft erst viel später ermöglicht. Der Auftritt von Robben Ford & The Blue Line, der mittlerweile über 30 Jahre zurückliegt, ist nun von Repertoire Records als CD-/DVD-Package aufgelegt worden. Neben Ford sind Roscoe Beck am Bass und Tom Brechtlein, Drums, mit von der Partie. Die Tracklist der CD- und DVD-Versionen unterscheidet sich nicht.

Die Setlist beginnt mit “I Don’t Play”, einem von Willie Dixon komponierten Little Walter-Klassiker (1960), der durch das Guitar-Masterclass-Niveau elegant von rund zwei Originalminuten auf begeisternde neun angehoben wird – eine Mindblowing-Soloarbeit von Robben Ford, der auch heute immer noch zu den leider weniger bekannten E-Gitarristen zählt. Gleich zu Anfang wird deutlich: eine außerordentliche Virtuosität und ein geniales Improvisationstalent bestimmen die Richtung. Die alte Cream-Nr. “Politician” (Jack Bruce) in der 68er “Wheels of Fire” Aufnahme mit Clapton Overdubs versehen, bekommt bei Fords Live-Version eine brillant-kreative und erfrischende Guitar-Linie. Eine ebenso eigenständige Interpretation und insoweit nur eingeschränkt als Cover zu bezeichnen, ist der 3. Titel “Worried Life Blues”. Einer der am meisten “gecoverten” Blues-Titel (ursprünglich “Someday Baby Blues” (1935) von Sleepy John Estes) entwickelt sich auch in der Montreux-Fassung zum beeindruckenden Robben Ford-Klassiker, einem “Schatzkästchen” Blues-Track mit preziös-artigen Solopassagen.

Bereits in jungen Jahren durfte der heute 73-jährige in der Band von Jimmy Witherspoon auftreten, George Harrison auf der US-Tour 1974 begleiten, Alben von u. a. Joni Mitchell, Little Feat und Bob Dylan tragen auch seine musikalische Handschrift. Insofern gehört Songwriting zum Selbstverständnis des veritablen Musik-Theoretikers und Sängers (Buchtitel “Blues Guitar Phrasing Mastery”). Die 3 Eigenkompositionen im Mittelteil des Konzertes (“You Put Me To The Bone”, “Step On It” und “Busted Up”) sprechen für sich und werden so zur Blues, Rock, Fusion, Jam Vorzeige-Performance der exzellenten Guitar-Kunst ausgebaut. Als weiterer, absoluter Höhepunkt des Auftritts folgt J. B. Lenoirs “Mama Talk To Your Daughter” aus dem Jahre 1954. Die alte Blues-Nummer ist breit angelegt und bietet neben den Soli von Ford aber vor allem Roscoe Beck am 6-saitigen Bass die Zeit, einen ausschweifenden Part zu absolvieren. Die Zugabe bringt mit “Tell Me I’m Your Man” zum Abschluss noch einen schönen Blues Rock aus eigener Feder und beendet nach rund 55 Minuten die etwas kurze Lehrstunde in Sachen Blues.

Die Scheibe „Live At Montreux 1993“ von Robben Ford & The Blue Line ist ein musikalisches Blues-Highlight – als DVD wird sie zudem zu einem visuellen Genuss, der die virtuose Brillanz dieser Performance eindrucksvoll in Szene setzt. Robben Ford, der 2016 nochmals für einen weitaus längeren Auftritt nach Montreux eingeladen wurde, spielt vor seiner Australien-Tournee übrigens im Februar erneut ein seltenes Big Band Konzert beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt.

Repertoire (2024)
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. I Don’t Play
02. Politician
03. Worried Life Blues
04. You Cut Me To The Bone
05. Step On It
06. Busted Up
07. Mama Talk To Your Daughter
08. Tell Me I’m Your Man

Robben Ford
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Repertoire Entertainment