Steve Broderick & The 100 Watts Suns – Same – EP-Review

Der New Yorker Musiker Steve Broderick ist 2007 erstmals als Solokünstler mit einem nach sich selbst betitelten Album in Erscheinung getreten. Zuvor war er mal Bestandteil des hier in unserem Magazin hochgelobten Trans-Siberian Orchestras, bei dem für ihn mit einem ausverkauften Gig im Madison Square Garden ein Traum in Erfüllung ging.

Jetzt versucht er mit einer EP und neuer Begleitcombo, den The 100 Watt Suns, bestehend aus Dan Watson (guitar, bgv), Bill Light (guitar, bgv), Don Culps (drums) und Marty Maroney (bass) an sein Debüt anzuknüpfen. Fünf Stücke in knapp 16 Minuten, nach dem Motto ‚in der Kürze liegt die Würze‘.

Seine Musik ist als bodenständige, gradlinige und ehrliche Rockmusik zu bezeichnen, die ihre Inspiration aus den Siebzigern zu schöpfen scheint, allerdings ohne die zeitgenössischen experimentellen Ausschweifungen. Schon der Opener „You Can’t Hide“ pendelt irgendwo zwischen „Wild Wild Angels“ von Smokie und dem Eagles-Klassiker „Lyin‘ Eyes“. Stimmlich bewegt sich Broderick ungefähr in Sphären von Chris Norman und Dan Baird.

Auch die folgenden Stücke rocken sehr melodisch vor sich hin (ein Hauch der Stones ist auch immer irgendwie dabei), wobei oftmals E-Slidegitarren surren. Zusatzakzente setzen mal eine verspielte, mandolinenartige Akustikgitarre beim an die Hooters erinnernden „A Little Caffeine“, eine Southern Rock-verdächtige E-Gitarre auf „Couldn’t Hold A Candle“ oder eine dezente Harp beim bereits erwähnten Auftaktstück. Klasse Tempowechsel enthält die Neuversion von „Fifty Fifty“, das schon auf dem Debüt präsent war.

Zum Abschluss gibt es mit dem orgelunterlegten „Round The Bend“ (klammerbluestauglich) einen soulig balladesken Schwofer mit schönen E-Fills und einem Slide-Solo zum Ausklang. Dieses kurze knappe Werk macht Lust auf mehr für Leute, die sich gerne im Dunstkreis von Interpreten wie Smokie, Quireboys, Georgia Satellites oder Dirty Guv’nahs & Co. bewegen. Musik nicht mehr für die großen Bühnen der Welt, aber für kleine verräucherte Clubs, bei denen man Live-Atmosphäre von Angesicht zu Angesicht noch richtig ‚einatmen‘ und genießen kann. Fazit: Kurz und gut!

Eigenprodution (2013)
Stil: Rock & More

01. You Can’t Hide
02. Couldn’t Hold A Candle
03. A Little Caffeine
04. Fifty Fifty
05. Round The Bend

The 100 Watt Suns
Steve Broderick & The 100 Watt Suns
Steve Broderick & The 100 Watt Suns bei Facebook
Hemifran

The Band Of Heathens – One Foot In The Ether – CD-Review

Zweites Album der texanischen Jung-Shooting-Stars! Nachdem sich das Quintett um die drei Bandleader Ed Jurdi, Gordy Quist und Colin Brooks (ergänzt durch Bassist Seth Whitney und Drummer John Chipman) mit ihrem starken Debüt und vielen Auftritten bei uns in die Herzen der Americana-Gemeinde gespielt hatte (mittlerweile sogar dokumentiert durch schon ein deutsches Fanforum -Deutsches Band Of Heathens-Forum) legen sie jetzt mit „One Foot In The Ether“ den heiß erwarteten Nachkömmling hinterher.
Und das in Zusammenarbeit mit Mark Addison produzierte Zweitwerk wird der hohen Erwartungshaltung voll und ganz gerecht. Obwohl wieder zwar recht ähnlich das übliche Feld auf Grundlage bekannter Relevanzgrößen beackert wurde, muss man bei „One Step In The Ether“ bereits einen deutlichen Reifeprozess attestieren, was sich vor allem wesentlich in den ausgefeilteren und spieltechnisch frischer klingenden Kompositionen niederschlägt.

Sämtliche Songs bis auf eine Ausnahme (das durch ihre Auftritte bereits bekannte, herrlich balladesk-rootsige Gillian Welch/David Rawlings-Stück „Look At Miss Ohio“ – klasse hier die kurzen, an Pink Floyd erinnernden atmosphärischen Zwischeninstrumentalpassagen), stammen aus der Feder des Dreigestirns Jurdi/Quist/Brooks. Obwohl ich persönlich gar nicht so ein Freund von wechselnden Sängern innerhalb eines Bandgefüges bin, muss bei der Band Of Heathens gerade dieses Stilmittel trotz ihrer recht unterschiedlichen Gesangscharaktere besonders hervorgehoben werden.

Die Jungs schaffen es immer wieder, punktgenau den richtigen Sänger für den richtigen Song einzusetzen. So ist es Jurdi vorbehalten, den etwas soulig angehauchten Stücken (das supermelodische „Say“, das lässig stampfende „Talking Out Loud“) seinen Stempel aufzusetzen, während Quist eher den im rootsigen Singer/Songwriter-Umfeld befindlichen Stücken (das Delta-bluesige „Golden Calf“, das mandolinenbetonte „What’s This World“, „Look At Miss Ohio“, mit klasse Southern-E-Solo) vorsteht und Brooks den überwiegend Country-/Blues-lastigeren Part übernimmt (das gospelige „Shine A Light“ mit herrlichem E-Slide in Landreth-Manier, das groovige „Somebody Tell The Truth“ mit starken E-Parts, oder „Hey Rider“, das wie ein modernes Update von Gregg Allmans legendärem „Midnight Rider“ erscheint).

Und wenn ein Song eine gemeinsame Schnittmenge erkennen lässt, beginnt eben ein munteres Wechselspiel beim Frontgesang in den Strophen, ergänzt durch hervorragende eingeflochtene Harmoniegesänge im Refrain („You’re Gonna Miss Me“/“Right Here With Me“), die sich natürlich auch wie ein roter Faden durch die bereits vorher zitierten Lieder ziehen. Dass die Burschen zudem noch Instrumenten-technisch äußerst beschlagen sind, haben sie bei ihren zahlreichen Auftritten untermauert, so auch hier natürlich, wobei Brooks‘ formidable Dobroeinlagen besondere Freude erzeugen. Ein besonderes Lob gilt auch der hervorragenden Piano-/Organ-Arbeit von Gastmusiker Trevor Nealon, der vielen Songs ein spezielle Würze vermittelt.

The Band Of Heathens haben mit „One Foot In The Ether“ einen erneuten Schritt nach vorne gemacht. Man darf sich schon jetzt auf die Präsentation der Songs in den demnächst anstehenden Konzerten freuen (siehe unsere Tourtermine). Die CD kommt im Digi-Pack mit eingestecktem Booklet, das alle Songtexte beinhaltet. Absolute Kaufempfehlung, nicht nur für BOH-Fans!

Blue Rose Records (2009)
Stil:  Americana / Roots / Country Rock

01. L.A. County Blues
02. Say
03. Shine A Light
04. Golden Calf
05. What’s This World
06. You’re Gonna Miss Me
07. Right Here With You
08. Let Your Heart Not Be Troubled
09. Somebody Tell The Truth
10. Look At Miss Ohio
11. Talking Out Loud
12. Hey Rider

The Band Of Heathens
The Band Of Heathens bei Facebook
Blue Rose Records

Bottle Rockets / LIVE In Heilbronn – CD-Review

Ich war eigentlich nie so ein ganz großer Fan von Live-CDs, und im Prinzip halte ich sie im Zeitalter der DVD mittlerweile auch für ziemlich überholt. Klar, sicherlich kommt es auch immer auf das Budget an, nicht bei jeder Band kann oder wird da aus dem Vollen geschöpft. Irgendwo ist es aber schon eine andere Geschichte, von einem Event auch die Bilder gleich mit dazu geliefert zu bekommen, als wenn nur (sei es auch gute) Musik, ein paar Ansagen des Frontinterpreten und der gezollte Beifall aus den Boxen entgegengerauscht kommen. Die DVD hat einfach den Vorteil, dass man so ein Ereignis atmosphärisch besser nachvollziehen kann. Ideal natürlich, wenn man direkt live dabei gewesen ist, dann erfüllt für den Einzelnen auch die CD-Version sicherlich ihren Sinn.

Im Falle der Bottle Rockets hat ‚Blue Rose‘ einen ganz akzeptablen Mittelweg gefunden, zumal vermutlich hier auch die rechtlichen Bindungen der Band eine Rolle gespielt haben. Eine liebevoll gestaltete Doppel-CD, randvoll mit dem kompletten Konzert, ergänzt mit zwei Videos der Songs „Get Down River“ (voller Country-Flair) und „Nancy Sinatra“ (klasse Rhythmuswechsel), die einen Nichtbesucher wie mich, dann doch schon im Nachhinein ein wenig neidisch zurücklassen. Wer dieses Konzert mit Leib und Seele live erlebt hat, darf sich wohl glücklich schätzen. Die Truppe um die Urmitglieder Brian Henneman und Mark Ortmann hat an diesem Abend zweifellos ihr Können bis aufs Maximum ausgereizt. Schade, dass solche Bands zumeist nur in südlichen Gefilden ihre Aufwartung machen, der Westen ist und bleibt wohl in Sachen Americana, Roots und Country Rock weiter Entwicklungsland.

Das Bürgerhaus Böckingen in Heilbronn ist so was wie der Heimspielort von ‚Blue Rose Records‘, von daher kann man nachvollziehen, dass Label-Chef Edgar Heckmann diese Location für solch ein einzigartiges Ereignis ausgewählt hatte, zumal es die Bottle Rockets live bis dato noch nicht auf Tonträger gab. Zudem hatte Leader Brian Henneman an diesem Abend Geburtstag, was sich natürlich noch zusätzlich positiv auf das Stimmungsbarometer auswirkte. Und so gab es zu Beginn direkt das obligatorische Ständchen des gut aufgelegten Publikums.

Danach startet mit dem polternden „Trailer Mama“ bis zur letzten Zugabe, dem 12-minütigen Neil Young-Cover „Cortez The Killer“ mit seinen endlos erscheinenden E-Soli, eine Demonstration in Sachen Americana, Roots-Country-Southern-Rock, wie man sie an Intensität und Spielfreunde wohl nur selten erleben kann. So konstatiert Brian immer wieder zwischendurch „I’m sweating my ass off“, was durch den auf CD2 beigefügten Videobeweis nachhaltig untermauert wird. Adrenalin pur! Furioses, variables, meist rauhes Zusammenwirken (mal retro, mal psychedelisch, mal slide-mäßig, mal southern) an den Gitarren von Henneman und James Horton (der vielen im Zusammenhang mit Jay Farrars Son Volt bekannt sein wird), dazu das powernde Bass-Spiel des zweiten Neulings Steve Voegele, und natürlich das kraftvolle, effektive Gehämmere von Mark Ortmann am Schlagzeug, das manchen der vielen Uptemposongs sogar zum Teil dezent-punkige Anstriche („Gotta Get Up“) verleiht.

Meine Favoriten. Die beiden knochentrocken gespielten, bekannten Hits „Alone In Bad Company“ und „24 Hours A Day“ oder das superfetzige „Gravity Fails“, die aber trotz allen Drives in melodischen Sphären dahinbretterten. Herrlich die Durchatmer, wie das traumhaft, entspannte „Kerosene“ (schöne E-Fills, langes E-Solo), das Doug Sahm-Stück „At The Crossroads“ (Southern-Flair – ABB meets MTB), oder das mit einem wunderbar kratzigen, aber sehr angenehmen Gitarrenrhythmus durchzogene, balladeske „Pot Of Gold“.

Nicht zuletzt wegen der zwei Neil Young-Cover zu empfehlen für Freunde der Kooperation Young & Crazy Horse, auch John Hiatt- und Dan Baird-Sympathisanten bis zu Jack Ingram-Anhängern kann dieses wirklich bärenstarke Konzert empfohlen werden. Eigentlich jeder, der sich für reife niveauvolle, gelebte Rockmusik interessiert, sollte seine CD-Sammlung mit diesem Doppel-Silberling bereichern. Mir bleibt als neidischem Rezensenten abschließend nur noch der verzweifelte Versuch des Appells an die Herren Henneman und Heckmann. Auch im Westen wird solch herrliche Musik gerne live gehört, und, wenn es irgendwie machbar sein sollte, bitte gleich eine DVD eines so denkwürdigen Ereignisses.

Blue Rose Records (2006)
Stil:  Country Rock

CD 1:
01. Intro Happy Birthday
02. Trailer Mama
03. I Wanna Come Home
04. Alone In Bad Company
05. Slo Toms
06. Get Down River
07. I’ll Be Coming Around
08. 1000 Dollar Car
09. Blue Sky
10. Nancy Sinatra
11. When I Was Dumb
12. 24 Hours A Day
13. Waitin‘ On A Train
14. Gas Girl
15. Cartoon Wisdom
16. Sometimes Found
17. Gravity Fails
18. Kerosene
19. Love Like A Truck
20. Indianapolis
21. Gotta Get Up
22. At The Crossroads

CD 2:
01. Welfare Music
02. Hey Hey, My My (Into The Black)
03. Pot Of Gold
04. Lonely Cowboy
05. She’s About A Mover
06. Cortez The Killer

Extras: 
07. Get Down River (Video)
08. Nancy Sinatra (Video)

Bottle Rockets
Bottle Rockets bei Facebook
Blue Rose Records

Bon Jovi – Lost Highway: The Concert – DVD-Review

Ich hatte ja bereits das Vergnügen die CD zu reviewen, die mir ehrlich gesagt schon zu jener Zeit gut gefallen hatte. Aus meiner Sicht war Lost Highway das Album, das mir von Bon Jovi in ihrer fast 25 Jahre währenden Karriere sogar mit am meisten zugesagt hat. Schön, dass ich jetzt auch die Gelegenheit habe, die hinterhergelegte Live-DVD beleuchten zu dürfen.

Zunächst fällt bei dieser limitierten Auflage erst mal die interessante Buch-Optik, mit der das Teil aufgemacht wurde, in den Blick. Beim Öffnen fliegen einem dann direkt fünf schön fotografierte Hochglanz-Postkarten (mit Motiven aus dem eingeklebten Booklet) in einer Banderole entgegen. Eigentlich viel zu schade um sie zu verschicken, wird wohl, vermute ich mal, auch keiner tun.

Positiv ist zu Beginn direkt zu vermerken, das der Gig in Chicago in einem recht überschaubaren Ambiente stattfand (400 Leute). Nicht alltäglich, wie ich finde, ist, dass das Konzert in der exakten CD Track-Reihenfolge abgearbeitet wurde. So entwickelt sich statt der bei Superbands so oft nervenden, überdrehten Massenhysterie, eine sehr entspannte, freundliche, aber natürlich auch begeisterte Atmosphäre, wie sie eigentlich bei Countrykonzerten auf gehobenem Niveau in kleineren Locations auch immer Gang und Gebe ist.

Das Bon Jovi-Standard Line-up mit Jon, Richie Sambora, David Bryan und Tico Torres wurde um ihren etatmäßigen Bassisten Hugh McDonald, den Zusatz-Gitarristen Bobby Bandiera (sporadisch mit toller Ganjo-Arbeit), dem Multiinstrumentalisten Kurt Johnston (Pedal Steel) und die in ihrem knappen, schwarzen Outfit recht nett anzuschauende Violinistin und Backgroundsängerin Lorenza Ponce, in eine countrykompatible Form aufgestockt. Vielleicht wäre es noch nett gewesen, die Duett-Partner der CD, Big & Rich und LeAnn Rimes mit einzubinden, was leider nicht geschah, aber auch letztendlich nur Insidern auffallen würde.

Gefilmt wurde mit dreizehn Kameras, so dass man einen recht umfassenden Einblick ins Geschehen des Abends erhält. Vor allem die Soundqualität in wahlweise Stereo oder Dolby-Surround ist exzellent. Die Antwort auf die Frage, ob man diese DVD braucht, wenn man die CD schon besitzt, ist schnell beantwortet. Ja! Sämtliche Songs wirken live doch wesentlich countrylastiger und die ganzen gut aufgelegten Musiker (auch Richie Sambora, der in letzter Zeit ja mal des öfteren daneben hing) lassen sie in der audiovisuellen Form viel natürlicher zur Geltung kommen. Man hat fast das Gefühl, live mit dabei zu sein.

Auch wenn letztendlich zwar die sichtlich vergnügten Jon (als absoluter Profi-Frontmann) und Richie (viele Klasse-E-Soli auf diversesten Gitarren) hier den Ton angeben, wurde doch eine erstaunlich gute Team-Leistung erbracht. Stellvertretend hierfür vielleicht der überragende Song des Abends „Any Other Day“ in einer annähernd acht-minütigen Version, bei der sich fast alle Musiker mit ausgedehnten Soli einbringen dürfen.

Und da eine Band wie Bon Jovi nach nur zwölf Stücken nicht so einfach aufhört, wurden dann mit „It’s My Life“ (trotz starker, rockiger Version hier im Gesamtkontext eher ein Fremdkörper), „Wanted Dead Or Alive“ (Richie mit kurzer Gesangspassage) und „Who Says You Can’t Go Home“ (stimmungsreich, mit wunderbarem Countryflair, Einbindung des Publikums) noch drei Klassiker der Truppe als Zugabe eingestreut.

Als Bonusmaterial gibt es noch mal eine Akustik-Session, die aber bis auf die Coverversion von Leonard Cohens „Hallelujah“ eher überflüssig ist, da die fünf anderen Stücke identisch zum Konzert ausgewählt wurden. Weiterhin jeweils ein Interview mit allen vier Bon Jovi-Musikern (deutsche Untertitel im Setup einstellbar), sowie ein paar Blickwinkel-Skizzen der Location, wohl als Grundlage für die diversen Kamerapositionierungen.

Alles in allem ist Bon Jovis „Lost Highway. The Concert“ ein Teil, das von der ersten Minute an Spaß bereitet und bei dem bis auf die meiner Ansicht nach überflüssige Songdoppelung im Bonusteil auch alles stimmt. Ein perfektes Weihnachtsgeschenk nicht nur für Bon Jovi-Anhänger, sondern auch für Musikfreunde, die sich mit dezent countryinfizierten Rocktönen anfreunden möchten. Absolute Kaufempfehlung!

Universal Music (2007)
Stil:  New Country / Rock

01. Lost Highway
02. Summertime
03. (You Want To) Make A Memory
04. Whole Lot Of Leavin
05. We Got it Going On
06. Any Other Day
07. Seat Next To You
08. Everbody’s Broken
09. Till We Ain’t Strangers Anymore
10. The Last Night
11. One Step Closer
12. I Love This Town
13. It’s My Life
14. Wanted Dead Or Alive
15. Who Says You Can’t Go Home

Bon Jovi
Bon Jovi bei Facebook
Universal Music

Bon Jovi – Lost Highway – CD-Review

Ich muss gestehen, dass ich noch nie ein sonderlicher Freund von Bon Jovi-Werken gewesen bin, auch wenn (meist über Umwege) immer wieder ein paar ihrer Silberlinge den Weg in meine Sammlung gefunden haben. Die letzte CD „Have A Nice Day“ fand ich beispielsweise total enttäuschend. Als ich jetzt allerdings vernahm, dass er und seine Kumpels sich mal außer der Reihe spaßeshalber dem New-Country-Genre anzunähern versuchen, dies dazu noch unter der Regie von Klasse-Produzenten wie John Shanks und Dann Huff, wurde meine Neugier aber dann doch geweckt.

Da ich mich schon ein wenig mit New-Country in meinem Leben beschäftigt habe, war mir entgegengesetzt zu vielen anderen eigentlich schon von vorne herein klar, dass Shanks und Huff aus Jon Bon Jovi und Richie Sambora keine Alan Jacksons und George Straits zaubern würden. Schließlich waren beide sehr gute E-Gitarristen, haben selber ihre Banderfahrungen in eher rockig orientierten Bands gesammelt, und auch in diesem Bereich doch immer wieder Interpreten produziert, die durchaus mit anderen, New-Country-übergreifenden, Sparten harmonierten. So war der Weg in Sphären von Keith Urban eigentlich vorprogrammiert, und ich denke, dass dies auch die richtige Entscheidung gewesen ist.

Interessant war sicher, die beiden Hauptprotagonisten mit einigen arrivierten Nashville-Songwritern wie Brett James, Hillary Lindsay oder Gordie Sampson zusammenzubringen, aber anhand der Namen erkennt man auch hier, dass diese eigentlich Garanten für leicht ins Ohr gehende Songs abgeben würden. Für Spannung sorgten die darstellerische Kombination mit dem Spaß-Duo Big & Rich, sowie das Duett mit LeAnn Rimes. Dazu offeriert das Booklet noch jede Menge Nashville-Studio-Prominenz in Sachen Ergänzungsmusiker (Paul Franklin, Dan Dugmore, Steve Nathan, Jonathan Yudkin, Greg Leisz), die aber, um es vorwegzunehmen, allesamt recht sparsam, jedoch gut im Hintergrund mitwirken.

Und so beinhaltet „Lost Highway“ einen gut gewählten Mix aus flotten, sehr melodischen Mainstream-Rockern, meist mit ein wenig Heartland-Flair, die wesentlich höheren Wiedererkennungswert haben als der Vorgänger, und drei sehr dynamischen Power-Balladen („(You Want To) Make A Memory“, „Seat Next To You“ und „Till We Ain’t Strangers Anymore“). Bei letztgenanntem Lied beließ es Huff bei einer recht braven Performance von LeAnn Rimes, sich wohl noch gut daran erinnernd, wie die vormalige Bon Jovi-Duettpartnerin Jennifer Nettles von Sugarland den guten Jon vor einiger Zeit an die Wand gesungen hatte.

Trotzdem, gerade die rockigen Nummern gehen recht flockig von der Sohle, angenehm, dass tunlichst vermieden wurde, Jon Bon Jovi wie so oft zuvor in den Refrains in regelrechte Kreischorgien zu verwickeln. Stücke wie „We Got It Going On“ (mit Big & Rich, die hier ein wenig auf gewohnte Weise mitkaspern…), „Everybody’s Broken“ oder das abschließende „I Love This Town“ sind Gute-Laune-Kracher, genau richtig für die hoffentlich bald anstehenden warmen Tage, und dürften auf Parties den einen oder anderen Mitgröler produzieren. Sambora spielt übrigens sehr wohl dosierte und saubere Soli, da haben die beiden Produzenten sicher ihren Einfluss geltend gemacht. Hier und da verlieren sich zu den von satten Drums, Akustik- und E-Gitarren vorgegebenen Rhythmen mal ein Mandolinchen, Piano, Organ, eine Fiddle und eine Steel-Gitarrchen, ganz dezent mal Streicher, aber das war es dann auch an Nashville-Flair.

Fazit. Bon Jovi haben ein sehr schönes, melodisches Mainstream-Rock-Werk mit einer leichten Brise New-Country geschaffen, das dank guter Produzenten (Huff und Shanks je sechs Stücke), Co-Songwritern und Musikern zu ihren besten zählen dürfte. Wer hier auf staubigen Traditions-Country oder gar harten Country-Rock gehofft hat, sollte keinen Gedanken an einen Kauf verschwenden. Alle anderen werden mit einem sommerlichen Gute-Laune-Rock-Album der besseren Sorte belohnt. Geliefert wird der Silberling mit einem reichhaltig bebilderten Booklet, mit allen Texten in einer optisch ansprechenden Super-Jewel-Box. Zurecht Platz 1 in den CD-Charts!

Mercury/Island Records (2007)
Stil:  New Country / Rock

01. Lost Highway
02. Summertime
03. (You Want To) Make A Memory
04. Whole Lot Of Leavin‘
05. We Got It Going On
06. Any Other Day
07. Seat Next To You
08. Everybody’s Broken
09. Till We Ain’t Strangers Anymore
10. The Last Night
11. One Step Closer
12. I Love This Town

Bon Jovi
Bon Jovi bei Facebook

The Bluefields – Pure – CD-Review

Wenn sich drei potenzielle Platzhirsche zusammenfinden, ist das ja immer so eine Sache, besonders in den oft von Egoismus, Neid und Eifersüchteleien geprägten Künstlerkreisen. Wie so was trotzdem gut funktionieren kann, haben neulich Snakecharmer vorgemacht. Auch der Zusammenschluss von Dan Baird (Georgia Satellites), Warner E. Hodges (Jason & The Scorchers) und Joe Blanton (Royal Court Of China) als The Bluefields mit ‚Firmenadresse‘ in Nashville, Tennessee erweist sich als absolut erfreuliches Beispiel der Zunft.

Baird und Hodges haben ja bereits in Dan Bairds Homemade Sin-Projekt zusammengewirkt, Hodges und Blanton hatten zwar über zehn Jahre keinen Kontakt mehr, kannten sich aber aus der damaligen Cow Punk-Szene Nashvilles. Hodges brachte die drei dann endgültig zusammen und man begab sich für erste Songwriting-Sessions in Blantons eigenes Aufnahmestudio (wo das Werk letztendlich auch eingespielt und produziert wurde). Dort sprudelten nach eigener Aussage die Ideen nur so aus ihnen heraus und das tolle Ergebnis ist anhand ihres letztjährigen Debütalbums „Pure“ erwerbbar.

Joe Blanton hat den Großteil der Lead Vocals übernommen, Baird singt sporadisch, aber dann immer unverkennbar, bringt sein an Keith Richards-angelehntes E-Gitarrenspiel sowie dezente Keys ein, zupft dazu den Bass. Hodges konzentrierte sich auf sein umfassendes und variabel gestricktes Saitenkönnen. Als einzige Gäste liefern Michael Webb eine schöne B3 bei der schönen, atmosphärischen Ballade „Belong“ ab und Ex-Black Crowes-Mitglied Steve Gorman poltert kraftvoll in John Bonham-Gedächtnismanier auf seinem Schlagzeug herum.

Herrlich schon direkt der atmosphärisch und zart psychedelisch angehauchte Opener „What You Won’t Do“, der sich wie ein Konglomerat aus Great White, Led Zeppelin und Bad Co. schön introvertiert daher schleppt. Apropos Led Zeppelin. Reminiszenzen schimmern immer wieder durch, ganz offensichtlich in Stücken wie „Repair My Soul“ oder „She’s So Sick“ (mit geschickt getimtem Übergang in das countrybluesige „100 Watt Girl“).

Georgia Satellites-Anhänger bekommen ihre Dosis mittels des mit deren typischem E-Gitarren-Fuß-Wipp-Rhythmus versehenen „Bad Old Days“ und „If Not Now When“ sowie den von Baird eingesungenen herrlichen Balladen „Belong“ und „Lay It On The Line“ (inklusiv grandioser E-Soli).

Weitere Highlights in einer durchgehend guten Scheibe sind der herrlich dreckig polternde, kompakte Boogie „Flat Out Gone“ (sattes Speed-Drumming von Gorman, Twin-Spiel der Gitarristen) und das mit einem markanten Mandolinenriff geführte „Trainwreck“. Bei Letztgenanntem mit seiner eingängigen Refrainzeile sieht man die drei vorm geistigen Auge förmlich mit ihren Klampfen bei kühlem Biergenuss auf der Veranda in der schwülwarmen abendlichen Dämmerung der Südstaaten fröhlich dahinmusizieren und singen. Klasse!

Mit „Pure“ bescheren uns die ‚Blaufelds‘ wirklich ein pures Musikvergnügen. Das Schöne daran ist, dass dieses beeindruckende Projekt keine Eintagsfliege bleiben wird. In Kürze legen The Bluefields alias Joe Blanton, Dan Baird, Warner E. Hodges mit Brad Pemberton (Ryan Adams, Iodine) als neuem festen Drummer mit dem bereits eingespielten Nachfolger „Ramshackle“ das hoffentlich genauso gute Zweitwerk direkt hinterher. Stoff für Fans der o. a. Bands sowie ergänzend noch der Bottle Rockets, Blackberry Smoke oder Cold Truth. Großartig!

Underground Treehouse Records (2012)
Stil:  Country Rock

01. What You Won’t Do
02. Bad Old Days
03. Don’t Let Me Fall
04. Nobody Loves You
05. Belong
06. Repair My Soul
07. If Not Now When
08. Lay It On The Line
09. Flat Out Gone
10. Trainwreck
11. She’s So Thick/100 Watt Girl
12. Ain’t Nothin‘ Wrong
13. Done

The Bluefields
The Bluefields bei Facebook
Bärchen Records

Blue County – Same – CD-Review

Zwölf knackige, jeweils single-taugliche New-Country-Songs, so ein richtiger Vorgeschmack auf den kommenden Sommer, das fällt mir spontan zum Debüt von Blue County.
Hinter Blue County verbergen sich zwei aus dem Schauspielfach stammende, wie Blutsbrüder wirkende, junge blonde Burschen, namens Scott Reeves und Aaron Benward, die sich beim Dreh eines Musikvideoclips kennengelernt haben und seitdem unzertrennlich ihrem bereits vorhandenen Faible für Countrymusik nachgehen. Beide sehen blendend aus und werden in Zukunft wohl so manches Damenherz zum Zerbrechen bringen.

Schauspieler und Musik, da ist man ja zunächst einmal skeptisch gestimmt. Aber keine Sorge, hier merkt man von der ersten bis zur letzten Note, dass die Jungs was drauf haben. Und da man bei Curb-Records eh keine halben Sachen macht, hat man natürlich Star-Producer Dann Huff und eine ganze Horde von Klasse-Musikern eingebunden, die dem Duo tatkräftige Unterstützung gewähren.

Die beiden Protagonisten selbst glänzen durch spürbaren Enthusiasmus, der das gesamte Werk in erfrischender Weise begleitet, angenehme Stimmen, toll abgestimmte Harmoniegesänge, vorzügliches Akustikgitarrenspiel, sowie auch kompositorische Fähigkeiten.

Zu meinen nur schwer explizit herausnehmbaren Favoriten zählt u.a. der fetzige Gute-Laune-Kracher „Good Little Girls“ mit seinen pulsierenden Drums, heulenden Fiddeln und seinem starken Steel-/E-Gitarren-Duell, der sich bereits zum Chart-Breaker entwickelt hat.

„Hollywood California“ erinnert nicht nur vom Titel her an den Eagles-Klassiker „Hotel California“. Ein ähnlich atmosphärischer Aufbau, eine ähnliche Melodie und klasse E-Gitarren nehmen einen ebenso gefangen wie das Stück von einst.

Stück 5 entpuppt sich als humorvolle Hommage an die Gemeinde der Mercedes-Benz-Fahrer mit Hut auf dem Kopf, die vor allem von uns Berufsvielfahrern ja so innig geliebt wird (hier ein paar Fragmente. ‚…There’s an angry crowd behind us and I be his guardian angel for a while, he’s a Sunday, Sunday driver, in the middle of my Thursday afternoon…‘). Lustiger Text, herrlich überdrehte Instrumentierung passend zur Thematik. Stark gemacht!

Das fröhliche energiegeladene „What’s Not To Love“ kommt im Stile der Hooters rüber. „Nothin‘ But Cowboy Boots“ besticht mit solch einer Dynamik, dass einem fast der Hut wegfliegt. Eine typische Dampfnummer, wie sie beispielsweise Travis Tritt, Blake Shelton oder Chris Cagle schon mal zum Besten geben.

Die abschließende Ballade „Walk On Water“ sorgt für ein harmonisches Ende. Klingt wie langsamere Sachen von Billy Ray Cyrus oder Sons Of The Desert. Apropos Sons of the Desert. Wer schon lange auf ein Nachfolgewerk ihrer sensationellen CD „Change“ wartet, sollte hier zugreifen. Vieles geht auf diesem Album in diese Richtung, auch Fans von Keith Urban machen hier nichts falsch.

Ein umfangreich bebildertes Booklet (für die Mädels…) in matter Jeansoptik sorgt für den letzten Pfiff. Dicke Konkurrenz für die etablierten Leistungsträger des Genres. Die Namen Aaron Benward und Scott Reeves alias Blue County wird man zukünftig in Nashville auf der Rechnung haben müssen.
Coole Scheibe Jungs!

Curb Records (2004)
Stil:  New Country

01. Good Little Girls
02. That Summer Song
03. That’s Cool
04. Hollywood, California
05. Sunday Driver
06. What’s Not To Love
07. Sounds Like Home
08. Nothin‘ But Cowboy Boots
09. Time Well Spent
10. Ride On
11. Losing At Loving
12. Walk On Water

Bärchen Records

Shy Blakeman – Long Distance Man – CD-Review

Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht, aber bei mir persönlich gibt es Interpreten, die man schon nach wenigen Tönen in sein Herz geschlossen hat und die einen dann auch fortan mit weiter begleiten, sofern sie etwas neues auf den Markt bringen. So ging es mir mit Shy Blakeman, als ich sein herrliches Vorgängerwerk Southern Roots Revival zum ersten Mal im Player liegen hatte, das er zu dem Zeitpunkt noch mit der Whiskey Fever Band eingespielt hatte, einer Truppe mit u.a. seinem Vater Skip und zwei Onkeln, mit denen Shy viele Jahre zusammen getourt hatte.

Die Whiskey Fever Band ist zunächst mal Schnee von gestern, zumindest was sein neues Album „Long Distance Man“ angeht, da hat er sich mit Shooter Jennings-Bassist Ted Russell Kemp zusammengetan, mit dem er mittlerweile richtig dick befreundet ist und der diese Scheibe produziert, viele Songs aus der eigenen Feder beigetragen und auch eine stattliche Anzahl von Instrumenten bedient hat. Ein wirklich gut harmonierendes Team!

Blakeman hat für seine knapp dreißig Jahre schon eine recht bewegte Vergangenheit. Aufgewachsen in Nord-Kalifornien, zogen die Eltern nach Texas, als er vierzehn war. Mit Zwanzig lebte er kurz in Queens, New York und versuchte sich zunächst in Stilen wie Punk, Ska und Funk Rock, bis er nach Texas zurückkehrte und sich so langsam seiner wahren musikalischen Berufung näherte.

2006 nahm er an der vierten Staffel von ‚Nashville Star‘ teil und belegte einen respektablen neunten Platz, konnte daraus im Gegensatz zu Sieger Chris Young aber keinen kommerziellen Nutzen ziehen. Seine Tätigkeiten als DJ, Print-Model, professioneller Skater und seine Schussverletzungen im Gesicht, die er sich im Zuge eines Raubes, in den er zufällig vor einem Musikclub in Dallas involviert wurde, zuzog, dienen als weitere Randnotizen zu einer interessanten Persönlichkeit.

Der eröffnende Titelsong seines aktuellen Albums „Long Distance Man“ lässt dann den Southern-Liebhaber direkt frohlocken. Nachdem er die Refrainzeile laut im Alleingang kurz proklamiert hat, gesellen sich ein gluckerndes E-Piano und kurz plusternde Bläser rhythmisch hinzu, wie man es früher auch von J.J. Cale des Öfteren kannte, allerdings hier wesentlich kräftiger. Mit Hinzunahme der E-Gitarren (u.a. von Marc Ford/Black Crowes und Kenny Vaughan gespielt) und den obligatorischen weiblichen Backing-Uuhs und -Aaahs der vorzüglich (auch im weiteren Verlauf der CD) harmoniesingenden Gia Ciambotti, sowie einer Orgel-/E-Solo-Kombi ist das coole, dezent swampige Gebräu perfekt.

Ganz stark auch das folgende „So Many Honky Tonks“ (»…so little time« – herrliche Gesangszeile!) bei dem beim E- und HT-Piano ein wenig Atlanta Rhythm Section-Feeling aufkommt. Surrende Slide Gitarren, klirrendes HT-Piano dominieren „Don’t It Make You Wanna Dance“, das phasenweise an die Quireboys erinnert. Lediglich „Dragon Fly“, bei dem Banjo, Dobro und Akustikgitarre eine tragende Rolle spielen, wird etwas auf die Bremse getreten, ein süffiges Gemisch aus Country, Cajun und Deltablues mit Band Of Heathens-Flair. „Swamp Water Whiskey“ (Skynyrd-/Allman Brothers-Bezüge) und ein Cover der Warren Brothers (auch ein äußerst empfehlenswertes Duo!) „Quarter To Three“ (mit Black Crowes-Touch) bringen satten, gitarrenbetonten Southern Rock. Klasse auch immer wieder das fette, poltrige Drumming von Jason Sutter.

Im zweiten Part (die Trackliste auf der Rückseite ist übrigens wie zu LP-Zeiten in A und B eingeteilt) kann Blakeman dem ersten, komplett überragenden Teil nicht mehr so ganz Stand halten. Hier verzettelt er sich dann ein wenig darin, dass er zu viele unterschiedliche Stile, in den für sich genommenen, eigentlich trotzdem guten Songs, aufeinander folgen lässt und den rot-(blau-weiß)en Faden von zuvor ein wenig verliert.

„Cannon Ball“ geht in die Singer/Sonwriter-Richtung (der Refrain mit seinem ‚Ladada-dadada‘ hat schon fast was von Simon & Garfunkel), „Old Folks Blues“ frönt sogar dem Dixieland Jazz (mit typischer Klarinette), „Easy Goin‘ Woman“ bewegt sich auf der Americana-Welle der Pettys und Mellencamps dieser Welt. Lediglich bei „Livin‘ Proof“ (Orgel/Slidegitarren) und dem Willis Alan Ramsey-Song „Satin Sheets“ (ich kenn das Lied nur von den legendären Bellamy Brothers) findet er wieder zu seinem swampigen Southern-Groove zurück. Das finale „Save A Little Room“ hat dann sowas wie folkigen Heartland-Charakter, hier lassen die Hooters grüßen.

Ingesamt ist „Long Distance Man“ aber wieder ein gutes, eigenwilliges Werk (auch mit viel Retro-Flair) eines jungen Wilden der Southern-Szene. Das Digipack kommt mit einem eingesteckten Vierseiter mit diversen Infos zum Album. Die Song-Texte können auf seiner Homepage nachgelesen werden. Das Covertitelbild mit ihm als Rennfahrer-Sonnenbrillentragender Ken Hutch-Verschnitt am Steuer eines Oldtimers, wo er sich lässig nach dem Motto ‚Zu mir oder zu dir, Baby?‘ nach hinten dreht, ist visuell amüsant in Szene gesetzt. Eine junge, coole Socke dieser Shy Blakeman, dazu noch musikalisch hochbegabt!

Winding Road Music (2010)
Stil:  Southern Rock & More

01. Long Distance Man
02. So Many Honky Tonks
03. Don’t It Make You Wanna Dance
04. Dragon Fly
05. Late Night Early Morning
06. Swamp Water Whiskey
07. A Quarter To Three
08. Cannon Ball
09. Old Folks Blues
10. Easy Goin‘ Woman
11. Livin‘ Proof
12. Satin Sheets
13. Save A Little Room

Shy Blakeman
Shy Blakeman bei Facebook
Bärchen Records

Blackhawk – Spirit Dancer – CD-Review

Our hearts weren’t
Ready to let him go
To this is our way
To let him know
That we miss him
And our love for
Him will never die…
Spirit Dancer

Diese Zeilen sagen im Moment so ziemlich alles aus, worum es bei der neuen Blackhawk-CD geht. Sie steht ganz im Zeichen der Verarbeitung des Todes von Van Stephenson, dem langjährigen musikalischen Weggefährten von Henry Paul und Dave Robbins. Fest stand seit längerem, dass die beiden weitermachen würden, die Frage war nur mit wem, und in welche Richtung es gehen würde.

Um es vorwegzunehmen, es hat sich nicht viel getan. Man arbeitet zunächst weiter als Duo, hat allerdings klasse Musiker für die Studioproduktion verpflichtet; auch dem Stil bleiben sie weiter treu, ein Schwenk wieder mehr zum Südstaaten-Rock blieb aus. Der Schmerz scheint noch zu präsent zu sein.

Ihre Musik fügt sich nahtlos an die vier Vorgänger an, allerdings aus gegebenem Anlass mit viel Emotion angereichert. So auch der einzige Southern-Tupfer „Brothers Of The Southland„; eine Hommage an verstorbene Größen des Genres, wie die Caldwell Brüder, Ronnie Van Zant oder Berry Oakley.

Der Song allein ist schon das Geld für die CD wert, und man erinnert sich wehmütig an alte Henry Paul Band-Tage, zumal auch der frühere Gitarrist Billy Crain für den Song mit ins Boot genommen wurde. Ansonsten wohl bewusst das bewährte Rezept. Henry Pauls dominierende Stimme, schöne Melodien, Harmoniegesang, nett anzuhörende Mandolinen und wohl klingende Akustikgitarren, das eine oder andere Leadsolo. In kleinen Portionen immer wieder schön zu genießen, am Stück leider ab einer gewissen Zeit etwas nervig.

Aber was spielt das in dieser Phase der Band auch für eine Rolle? Ein guter Freund ist für immer dahin gegangen, da wird der musikalische Grad dann auch schon mal zur Nebensache.

Sony Music Nashville (2002)
Stil:  New Country

01. One Love
02. One Night In New Orleans
03. Days Of America
04. Spirit Dancer
05. I Will
06. Brothers Of The Southland
07. Gloryland
08. Forgivness
09. Faith Is The Light
10. I’ll Always Love You
11. Leavin‘ The Land Of The Broken Hearted

Blackhawk
Blackhawk bei Facebook
Bärchen Records

The Bois D’Arcs – Same – CD-Review

The Bois D’Arcs sind ein Quartett aus dem texanischen Örtchen Muenster. Die Stadt wurde einst von deutschen Siedlern gegründet, und viel westfälische Tradition, von der religiösen Gesinnung bis zu den Essgewohnheiten, wurde über den großen Teich hinüber transportiert und bis heute erhalten. Ob es auch noch Parallelen zum hiesigen studentischen Treiben und der begeisterten Fahrradaktivität gibt oder ein ähnlich schlechter Soccer-Club namens SC Preussen Muenster existiert, konnte die Recherche nicht endgültig klären. Sicher ist, dass dort neben einem Weihnachtsmarkt ein sogenanntes ‚Germanfest‘ etabliert ist, auf dem richtig gute Musik geboten wird. Hier sind die Jungs natürlich auch längst aufgetreten, Bilder davon kann man sich auf deren Homepage (s. unten) ansehen.

Kommen wir aber zum Album. Den furiosen Auftakt macht „Dead & Gone“, ein stampfender Southern-Rocker der Extraklasse, bei dem die herrliche Gitarrenarbeit von Chris Stewart und der rotzig dreckige und hochgradig charismatische Gesang von Bandleader Shayne Wimmer (kein Nachfahre von Hacki Wimmer) herausragen. Vielleicht so was wie die etwas verspätete texanische Antwort auf Skynyrds „Gimme Three Steps“.

Neben einigen melodischen Midtempo-Songs mit viel Southern Flair („Sick Of It All“, „Feel Alright“, „Better Off Tonight“), gibt es auch richtig schön flott dargebotene, Steel-getränkte Countryheuler („Wasted“ – mit fast heiseren Harmoniegesängen, die zum Mitgrölen anregen, „Take Me As I Am“ und „Give It One More Chance“- beide mit Retro-Touch), die das Tanzbein und die Feierlaune im Manne animieren. Ganz hervorragend kommt das mit Mandoline und filigranem Dobro-Spiel verzierte und herrlich entspannte „Backroads To Texas“ (an der Grenze zum Bluegrass, Richtung Pat Green, Django Walker), bei dem Gastmusiker Milo Deering großartige Akzente zu setzen vermag.

Wer bei den balladesken Songs mit wunderbarem Akustik- und E-Gitarrenspiel wie „You’ll Feel Better“ oder „I’ll Be The One“ nicht unweigerlich eine Gänsehaut bekommt (grandiose Gesangsvorstellung von Wimmer), dem muss ich attestieren, dass die sich in unserer Gesellschaft rasant verbreitende innerliche Verrohung der Menschen auch auf ihn bereits übertragen hat. Da kann dann nur noch eine ganz gezielte Musiktherapie mittels des hier federführenden SoS-Psychologen helfen.

Als Rausschmeißer lassen Wimmer & Co. mit dem Psychedelic-Rocker „The Day“ am Schluss noch mal richtig Dampf ab, und beenden ein super-starkes Werk, bei dem man Schwachstellen wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen kann.

The Bois D’Arcs haben mit ihrem zweiten, nach sich selbst betiteltem Album (produziert hat übrigens der umtriebige Alles-Könner Erik Herbst, der u. a. auch die recht ähnlich veranlagte Eli Young Band schon betreute) eine brillante Mischung aus Country, Rock, Southern Rock, Red Dirt, Blues, Honky-Tonk und dezenten Bluegrass-Elementen hingelegt, so dass ihr wohl auch nur in Insiderkreisen bekanntes Debütalbum „Horseapple Pie & Lemonade“ schon ganz oben auf der Liste meiner künftigen CD-Besorgungen notiert ist.

Eigenprodution (2006)
Stil:  Red Dirt

01. Dead & Gone
02. Sick Of It All
03. Wasted
04. Feel All Right
05. Better Off Tonight
06. Backroads Of Texas
07. Take Me As I Am
08. You’ll Feel Better
09. I’ll Be The One
10. Give It One More Chance
11. The Day

The Bois D’Arcs
The Bois D’Arcs bei Facebook
Bärchen Records