Rob Baird – Wrong Side Of The River – CD-Review

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Drittes, wundervolles, ja geradezu umwerfendes Album des aus Memphis stammenden, heute aber in Texas lebenden Rob Baird. Welch eine Wonne! Hinreißender, genauso prächtig groovender, wie traumhaft melodischer Red Dirt Roots-, Americana- und Countryrock, der zu dem besten gehört, was das Genre zu bieten hat. Die Songs sind fantastisch! Vier Jahre war Rob Baird in sich gekehrt, um sich in seiner typischen Art mit aktuellen Dingen des Lebens wie Trubel, Ausdauer, Einsamkeit, Zurückweisung oder Depression thematisch in seinen neuen Songs auseinander zu setzen und betrieb damit auch ein wenig Selbstfindung in eigener Sache.

„Wrong Side Of The River“ heißt seine neue Scheibe und führt den Weg seiner beiden schon extrem starken Vorgänger konsequent fort. Das Album ist erneut ein zehn Stücke umfassendes, kleines Meisterwerk geworden, das einen von vorne bis hinten mit seiner Magie gefangen hält. Baird hat die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Scott Davis beendet und in Brian Douglas Philipps, einen neuen Multi-Instrumentalisten (guitars, keys, pedal steel, harmony vocals) als kongenialen Partner an seiner Seite gewonnen, der als Mitspieler, Songwriter und Produzent einen erheblichen Beitrag zu dem herausragenden Gesamtergebnis geleistet hat.

Die Musikerriege wurde zu früher komplett ausgetauscht und bewegt sich diesmal mit Jacob Hilddebrand (guitars, banjo), Z Lynch (bass, harmony vocals), Fred Mandujano (drums, percussion) und Jamie Harris (harmony vocals) in einem recht überschaubaren, aber umso kompetenteren Rahmen. Beim Songwriting ist aus älteren Tagen nur Rick Brantley als Co-Writer bei einem bärenstarken „Oklahoma“ übrig geblieben (unglaublich melodischer, dennoch herrlich „gritty“ und mit einem von effektvollen Gitarren- und Keyboard-Klängen und einem tollen Drive nach vorn getriebener, flüssiger Red Dirt Country-/Americana-Rocker), ansonsten assistierten Douglas Philipps und Leute wie Ruston Kelly und Ben Danaher.

Am typischen Rob Baird-Stil, einer dezent melancholisch und introvertiert klingenden Melange aus Country, Red Dirt, Americana und Roots Rock, wurde aber so gut wie nichts verändert. Gut so! Schon das Auftaktstück „Ain’t Nobody Got A Hold On Me“ (unterkühlte Retro Bariton-E-Gitarre, tolles Solo, hallende Orgel-Untermalung) mit seinen atmosphärischen Stimmungs- und Tempowechseln (starker Powerrefrain) lassen einen tief in Bairds Seelenleben eintauchen. Hat irgendwie den Vibe eines jungen Rodney Crowell. Ganz toller Song! Danach „bettelt“ Rob (immer noch so ein bisschen wie ‚Schwiegermutters Liebling‘ aussehend) in der, mit wundervoller Steelguitar verzierten, flockig, flotten Countryrocknummer „Mercy Me“ hingebungsvoll um Verzeihung (tolles Steel-/Bariton-Gitarren-Zusammenspiel, traumhafte Melodie).

Einer der wichtigsten Co-Writer dieses Albums ist der texanische Songwriter Mando Saenz. Der liefert in seiner extravaganten, rootsigen Manier die Ideen und Texte sowohl für das brillante, dezent Rockabilly-umwehte „Pocket Change“ als auch für die edle, ruhige, staubige, dabei wunderschöne Americana-Ballade „Horses“ (tolle Akustikgitarre). Zwei absolute Highlights! Herrlich auch die wunderbare, reduzierte Ballade „Run Of Good Luck“, bei dem sich die Instrumente wie Piano, Steel und Akustikgitarre sehr erhaben miteinander verbinden. Großartig hier zudem der Baird assistierende, texanisch gefärbte Harmonie-Gesang von Jamie Harris.

Der Titeltrack „Wrong Side Of The River“ begeistert mit leicht psychedelischem Teint, in einem klasse, ein wenig an Jason Isbell erinnernden Rootsrock-Ambiente mit kernigen Gitarren und Robs exzellenter Gesangsleistung. Das eingängige, mit einem sehr melodischen Refrain ausgestattete „Mississippi Moon“ wäre wohl eine potentielle Cover-Option für die Eli Young Band. Am Ende sinniert Baird voller Melancholie in „When I Go“, was wohl passieren würde, wenn er fortgeht. Die dritte Fremdkomposition des Werkes „Cowboy Cliche“ (Orgel, E-Gitarren-Fills, dezente Bläser), von dem bei Carnival Music unter Vertrag stehenden Songwriter Peter Hultquist, räumt mit Cowboy-Klischees auf und beendet sehr atmosphärisch und ruhig ein weiteres hervorragendes Baird-Exemplar.

„Wrong Side Of The Rive“ ist eine erneute absolute Glanzleistung des Protagonisten. Möge Rob Baird sich vielleicht in seinem Gefühlsleben auf der ‚falschen Seite des Flusses‘ wähnen, so hat der Texas-Troubadour musikalisch längst den richtigen Weg eingeschlagen. Welch ein beeindruckendes Teil.

Hard Luck Recording Co. (2016)
Stil: Country / Roots Rock

01. Ain’t Nobody Got A Hold On Me
02. Mercy Me
03. Pocket Change
04. Run Of Good Luck
05. Wrong Side Of The River
06. Oklahoma
07. Horses
08. Mississippi Moon
09. When I Go
10. Cowboy Cliche

Rob Baird
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Bärchen Records

Sweetkiss Momma, 24.03.2016, Kulturrampe, Krefeld, Konzertbericht

Die Southern Roots Rocker Sweetkiss Momma im Rahmen ihrer Europatournee zum zweiten Mal in Krefeld in der Kulturrampe! Das Quintett brachte ihre brandneue EP „What You’ve Got“ mit, leider aber nicht die bei uns auch hoch angesehenen und besprochenen Moss Brothers, die ja bei der Einspielung des Werkes tatkräftig mitgewirkt hatten. Bandleader Jeff Hamel (lead vocals, guitar, harp) hatte aber mit Paul Beadry (bass), Kevin ‚Kubby‘ White (drums), Skylar Mehal (lead guitar) und Keyboarder Ray Hayden, noch rechtzeitig zur Tour, adäquaten Ersatz gefunden.

So gerne, wie ich immer wieder in die Kulturrampe gehe, als Rezensent und Fotograf in einer Person, sind gerade bei ausverkaufter Hütte, die beengten Gegebenheiten und schwierig abzubildenden Lichtverhältnisse (dazu kommt dann noch immer auch noch schöner Dampf aus einer Rauchmaschine…), bei Bands, die man eher nur oberflächlich kennt, Stress pur. So richtig vom Konzert hat man da leider als Berichterstatter eher weniger was. Von Sweetkiss Momma besitze ich nur das Erstwerk, in die Soundfiles ihrer neuen EP hatte ich zur Vorbereitung zumindest mal reingeschnuppert.

Als sie um ca. 21:15 Uhr mit dem krachenden „Hot Mess“ aus diesem Werk loslegten, wurde auch schon klar die musikalische Richtung des Abends vorgegeben. Es wurde eher Seattle-mäßig abgerockt, als zu den Temperaturen im Raume passend, schwülen Südstaaten-Groove mit seinen musikalischen Facetten in den Fokus zu rücken. Lead-Gitarrist Skylar Mehal gab sich zwar mit einigen quirligen Soli ordentlich Mühe, aber das typische Südstaaten-Flair, wie es die Moss Brothers sicher eingeflochten hätten, wurde eher nur marginal verbreitet. Auch die typischen Twin-Einlagen waren eher rar gesät. Es ging doch recht konstant in die Vollen, Zeit zum Durchatmen gab es, soweit ich mich erinnere, kaum. Die Leute, hatten zur Freude der Band, aber viel Spaß am Gebotenen. Die Stimmung war von vorne bis hinten prächtig.

Aufgrund o. a. Gegebenheiten, hatten für mich persönlich natürlich Stücke wie „Ready To Go“, „Son Of The Mountain“ und „Rocket Ride“
den höchsten Wiedererkennungswert. Wenn mich nicht alles täuscht, wurde aber auch das neue Werk (besteht ja auch nur aus fünf Titeln) komplett ‚abgearbeitet‘, „Like You Mean It“ inklusiv einer Basseinlage von Beadry. Frontmann Hamel ist mit seinem Rauschebart, der kräftigen Statur, seinem barschen Stimmorgan und Art zu Performen, durchaus ein gewisses Charisma zu attestieren. Er steuerte sein frisch aufgestelltes Quintett bis zum, den Hauptteil abschließenden „Mercy Love“, sicher durch den Abend. Ach ja eine „Another Brick In The Wall“-Einlage gab es kurz zuvor auch noch, muss ich bei solchen Bands aber eigentlich nicht haben. Den Leuten gefiel es.

Die stürmischen Zugabeforderungen wurden dann aufgrund der guten Stimmung nochmal mit vollem Einsatz befriedigt. „Dirty Uncle Deezer“, ein instrumentales „La Grange“-Intermezzo (damit Hamel noch schnell an der Theke hinten ein Bierchen trinken konnte), das endlich mal ruhige „Same Old Stories“ und eine recht gelungene Version vom Stones-Klassiker „Gimme Shelter“ (mit schönem Slide Solo von Mehal) machten dann satte zwei Stunden mit Sweetkiss Momma-Musik ‚voll‘.
Fazit: Ein launiger Abend mit einer sympathischen Truppe, bei dem der Southern Rock, wie ich ihn liebe, aufgrund der kurzfristigen Personal-Rochaden, verständlicherweise etwas zu kurz kam. Trotzdem eine Band, die man bei Auftritten hier in unserem Land immer unterstützen sollte.

SweetKiss Momma
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Kulturrampe
Black Pike Favorites

Blackfoot Gypsies – Handle It – CD-Review

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Junge, Junge. Eigentlich bin ich ja von Interpreten aus Nashville recht feinfühlige, in der Regel perfekt eingespielte und produzierte Kost gewöhnt. Aber wie die Blackfoot Gypsies einem ihren brachialen Sound regelrecht um die Ohren plästern, sucht in Music City wohl seines Gleichen. Die Insassen irgendeines berüchtigten Südstaaten-Gefängnisses kriegen bei der Essensausgabe ihren Haferschleim vermutlich deutlich liebevoller vor den Latz geknallt!

Der Vierer, bestehend aus den, lange im Duo aufgetretenen Bandleadern Matthew Page (Lead vocals, guitars) und Zack Murphy (Drums), sowie den jetzt mit integrierten Dylan Whitlow (Bass) und Ollie Dogg (Harmonica), stellt den gediegenen Hörer wie mich, auf ihrem aktuellen Werk „Handle It“ auf eine harte Probe.

Ihr Stil ist recht schwierig zu charakterisieren. Eine Mischung aus klassischem Rock’n’Roll, gepaart mit Country-, Roots- und Southern Rock-Zutaten sowie Punk- und psychedelischen Eingaben der Seventies dürfte das Ganze einigermaßen annähernd beschreiben.

Pages anhaltend kreischende, rotzige Stimme, die mich ganz entfernt an die von Gordy Quist (The Band Of Heathens) erinnert (sorry Gordy…), sein meist schrammliges und surrendes (wenn der Bottleneck übergestreift wurde) E-Gitarrenspiel und Doggs quäkende Mundharmonika sind dabei in der Regel die Ton angebenden Elemente. Whitlow und Murphy entfachen mit pumpenden Bass und polternden Drums fast immer einen in Richtung Punk gehenden Rhythmusteppich.

Aus meinem Spektrum fallen mir als Vergleichsgrößen im weitesten Sinne Acts wie Delta Saints, die Black Crowes, Sachen aus dem Dan Baird-Dunstkreis („Pork Rind“ mal als Beispiel-Clip) oder Jackson Taylor & The Sinners & Co. ein. Am besten gefällt es mir, wenn wie bei „Spent All My Money“ (mit Akustikgitarre und Fiddle) oder „Dead On The Road“ so ein Hauch von Country durchschimmert.

Die meisten Stücke sind für jemanden meines Alters in den heimischen vier Wänden, angesichts des im trashigen Garagensound produzierten Ganzen und der fortwährenden ‚Wibbligkeit‘, doch ziemlich nervenzehrend, gipfelnd in dem wild zusammen geschusterten Abschlusstrack „Call Me After Midnight“. Lobenswert, die durchgehend vermittelte Authentizität, der selbstironische Teint und das gnadenlose Durchziehen ihres Konzeptes ohne kommerzielle Hintergedanken – für Nashville purer Horror.

Ich assoziiere bei „Handle It“ der Blackfoot Gypsies z. B. Bier-intensive Männer-Grillabende, um evtl. verhasste Nachbarn zu später Stunde zu ärgern (Polizeibesuch garantiert!) oder trunkenreiche Junggesellenabschiede, also alles Dinge, wo eine gehörige Portion alkoholischer Getränke bedingungslose Begleiterscheinungen sind. Am ehesten dürfte dieser Stoff live in beschriebenem Zustand seine Wirkung entfalten (die Band wird übrigens im Mai/Juni auch in unseren Gefilden auftreten). Wie du dieses Werk letztendlich händelst, steht aber natürlich auf einem anderen Blatt Papier…

Plowboy Records (2015)
Stil: Southern Rock’n’Roll

01. Scream My Name
02. Pork Rind
03. Under My Skin
04. Too Bad
05. Spent All My Money
06. In Your Mind
07. Dead on The Road
08. Snake Charmer
09. So Be It
10. Call Me After Midnight

Blackfoot Gypsies
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Teenage Head Music

Michelle Malone – Debris – CD-Review

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Herrlich! Rauer, dreckiger, aber immer von eingängigen Strukturen geprägter, würziger, von einem leichten Swamp-Feeling durchzogener, facettenreicher Roostrock-/Bluesrock von einer Güte, wie man sie wahrlich nicht alle Tage erlebt! Michelle Malone stammt aus Atlanta, Georgia und ist beileibe kein „Greenhorn“ auf ihrem Gebiet mehr. Die Dame ist schließlich seit fast zwanzig Jahren im Geschäft und präsentiert mit „Debris“ bereits ihr zehntes Album. Die positiven Kritiken zu diesem Werk überschlagen sich regelrecht.

So schreibt der „Atlanta Music Guide“ schon fast euphorisch, dass die vier ersten Tracks von „Debris“ die vielleicht besten Blues (-Rock) Songs sein werden, die wir dieses Jahr zu hören bekommen, wenn nicht sogar die beste Songkombination eines Albums dieser Sparte überhaupt darstellen. Das „Blurt Magazin“ charakterisiert sie sogar als „the sexiest, most swaggering-est gal rocker on the goddam planet right now“.

Und in der Tat, Michelle Malone durchbricht die statischen Sphären eines mittlerweile oft vorhersehbar wirkenden Genres mit hungriger Frische („…like a young Bonnie Raitt bedding down Keith Richard…“), intelligenten Texten, feinfühligem Songwriting, einer extrem wandelbaren Stimme (sie hat das Talent dafür regelrecht in die Wiege gelegt bekommen, denn sowohl Mutter und Großmutter waren professionelle Sängerinnen) und extrem virtuoser Spielfreude (sie beherrscht, neben der Gitarre auch noch Schlagzeug, Saxophon und Mundharmonika), die durch nahezu 200 absolvierte Konzerte pro Jahr ihren Feinschliff erhält. Bestimmt wird das rootsige und ungemein bluesige Material (die Einflüsse von den Rolling Stones, über die Faces, Creedence Clearwater Revival, Janis Joplin, bis hin zu Tom Petty und Bonnie Raitt sind spürbar, werden aber nicht immitiert, sondern zu einer feinen, wunderbar spannenden, eigenen musikalischen Identität verarbeitet) oftmals von feuriger, swampiger Electric Slide Gitarre, die ein prächtiges Southern-Feeling erzeugt. Klar, das muß sein, bei dieser Herkunft!

Betreut hat ihre neue CD Nick Di Dia, der schon mit arrivierten Interpreten wie Bruce Springsteen, The Black Crowes, Pearl Jam, Train oder den Stone Temple Pilots Erfahrungen gesammelt hat. Auch die Musikerauswahl (u.a. Peter Stroud, Phil Skipper, Tony Reyes, Dave Antony, Jonny Daly) erweist sich als exzellent. Kommen wir zu dem eingangs hoch gelobten Songquartett: Der Opener „Feather in A Hurricane“, ein furioser Swamp-Blues-Boogie, beschreibt bildhaft und in treffender Weise die ausweglos erscheinende Situation des Individuums in unseren wirtschaftlich stürmischen Zeiten. Klasse hier Malones angriffslustiger, anklagender, fast schon dreckiger Gesang und ihr wüstes Bottleneck-Slidespiel (inklusive starkem Solo), dass in aggressiver Weise den kritischen Unterton des Songs nochmal angemessen hervorhebt. Ein grandioser Auftakt!

„Yesterday’s Make Up“ groovt flockig und sehr melodisch im würzigen, Stones-riffigen Rootsrock-bereich (Marke erdige Sheryl Crow) und gipfelt in einem eingängigen, gut gelaunt klingenden Refrain. Der Titeltrack „Debris“ beginnt ebenfalls mit einem Stones-kompatiblen Riff und entwickelt sich zu einem prächtigen, bluesigen Rocksong mit leicht britischer Prägung (schönes E-Gitarren-Solo. Stimmlich erinnert Michelle hier fast an eine Chrissie Hynde zu ihren Glanzzeiten und beweist einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit. Toll! Absolut großartig auch das folgende „Untertow“, ein viel Schweiß und Druck versprühender, mit sumpfigem, glühendem Slide-Spiel angerührter, brodelnder Southern-/Roots-/Americana-/Bluesrocker. Also, die vier Eröffnungssongs sind in der tat vier „Knaller“!

Aber es hört danach nicht auf. Nein, es folgen Höhepunkt auf Höhepunkt. Der größte „Ohrwurm“ des Albums ist sicher das schöne „Marked“ das leicht poppig, mit einer unterschwelligen Countrynote, in trockener, lässiger Roots-/Americana-Manier dahinfließt. Ein sommerlicher „Aufmuntersong“. Den Vorteil, unabhängig ein Album für das eigene Label aufnehmen zu können (Malone besitzt seit geraumer Zeit ihr eigenes) wird dann im weiteren Verlauf der Scheibe gut deutlich. Michelle lebt sich hörbar bar frei aus und fühlt sich dabei offenkundig keinerlei starren Strukturen untergeordnet. Während das saustarke „Restraining Order Blues“ in stampfender und shuffelnder Art und Weise seinem Namen alle Ehre macht (wieder mit Malones unwiderstehlichem Slidegezurre), strotzt der herrlich knackige und melodische Rootsrocker „Chattahoochee Boogaloo“ wieder mit wunderbarer, gut gelaunter Südstaaten-Atmosphäre.

„Launig“ bleibt es dann auch beim, mit einem Augenzwinkern in den Rückspiegel blickenden und sehr humoresken „Weed And Wine“. Hier beeindruckt Michelle zudem mit ihren exzellenten Harpspielqualitäten. Gegen Ende verlässt sie dann das Blues Rock-Terrain ein wenig und leistet sich zwei kurze, sehr niveauvoll gestaltete Ausflüge in den poprockigen Indie-Bereich („14th Street And Mars“ und „Sunburn“), um dann mit der gefühlvollen Ballade „Candle For The Lonely“ (vornehmlich mit Cello und Piano instrumentiert) zu einem erneut überraschenden Finale zu kommen.

Michelle Malone hat mit ihrem aktuellen Silberling „Debris“ dem (Damen) Roots-/Blues Rock-Genre eine regelrechte Frischzellenkur verpasst und liefert das bisher wohl unangefochtene Glanzstück ihrer Karriere ab. „This hard-edged album is a winning combination of classic-rock and blues styles, with Malone’s full-bore shouting and singing paired with her own melodic and rocking guitar parts and no-nonsense songwriting, keeping the sound raw and dirty.“ Das unterschreiben wir blind! Famose Roots-/Bluesrock Frauen-Power!

SBS Records (2009)
Stil: Blues-/Roots Rock

01. Feather In A Hurricane
02. Yesterday’s Make Up
03. Debris
04. Undertow
05. Marked
06. Restraining Order Blues
07. Chattahoochee Boogaloo
08. Weed And Wine
09 14th Street And Mars
10. Sunburn
11. Candle For The Lonely

Michelle Malone
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Rob Baird – Blue Eyed Angels – CD-Review

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Erneut ein Klasse-Debüt aus Texas! Erneut eine famose Leistung eines jungen Singer-Songwriters mit einem tollen, Roots-, Americana-, Countryrock-Album voller ins Ohr gehender, wunderschöner Songs! Rob Baird stammt zwar aus Memphis/Tennessee, hatte aber mit dem dort vorherrschenden Soul nie wirklich was am Hut. Trotzdem prägte diese musikverrückte Stadt seine Persönlichkeit und sorgte dafür, dass er schon im frühen Kindesalter begann, Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben. Durch das Leben und Arbeiten auf Farmen fühlte er sich allerdings mehr zum Country hingezogen und nach den ersten musikalischen Gehversuchen, liess ein Treffen mit Chris Knight den Entschluss reifen, sich nach Texas zu begeben, um seiner Passion professionell nachzugehen.

Dank der Bekanntschaft mit Scott Davis (Mitglied der Hayes Carll-Band) wurde Bairds großartiges Debüt in einem schönen Antebellumhaus in Lockhart, Texas eingespielt (Davis hatte sich spontan als Instrumentalist und Produzent zur Verfügung gestellt, und die Mithilfe der übrigen Bandmithlieder angeboten). Zudem übernahm Frank Liddells Carnival Recording Company (Liddell produzierte schon solch namhafte Interpreten wie Chris Knight, Miranda Lambert, Jack Ingram oder die Eli Young Band) die Vermarktung. Frank Liddell und sein Partner Travis Hill waren (im übrigen vollkommen zurecht) sofort Feuer und Flamme und verpflichteten Baird stante pede. Diese Begeisterung kann man nach dem Durchhören des elf Songs umfassenden Werkes „Blue Eyed Angels“ total nachvollziehen. Rob Baird hat ein außergewöhnliches Talent und auch seine Art Musik zu machen ist nicht alltäglich.

Geboten wird eine interessante Mixtur aus Alt Country in der Tradition großer Songwriter wie Steve Earle, Chris Knight oder auch Townes Van Zandt, jedoch verbunden mit den herrlichen, eingängigen Melodien, wie man sie aus der Red Dirt Szene von Acts wie u.a. der Eli Young Band, Wade Bowen oder Honeybrowne gewohnt ist. Dazu viel Countryrock-, Americana-, und eine dezent staubige Roots-Atmosphäre. Bairds Stücke (bis auf eine Ausnahme allesamt von ihm mit ein paar Co-Autoren geschrieben) behandeln im Großen und Ganzen Situationen und Gründe um das Scheitern von Beziehungen herum und sind nicht gerade von Optimismus geprägt. Teilweise sind sie dabei sehr atmosphärisch untermauert mit dunklen E-Bariton-Tönen („Louise“, „Maybe Tonight“) und einer wunderbaren Steelgitarre (klasse z.B. beim Dustin Benthall-Cover „Crash Hard“ oder bei „Say Goodbye“).

Trotz dieser textlich recht bedrückenden Inhalte gelingt es Baird mit seiner angenehmen Stimme (sehr Mike Eli ähnelnd) und den immer wieder eingeflochtenen, flockigeren Stücken („Could Have Been My Baby“ – die erste Single des Albums, „Here Comes The Day“ – Tom Petty-Flair, klasse Slidearbeit/-soli, „Lonely Road“ – knackiger E-Gitarren-Rhythmus, tolle Harmonies im Refrain, „Running away“ – fantastische, viel Rootsflair verbreitende Lap Steel Gitarren-Begleitung, inkl. Solo) das Ganze nicht in Depressivität ausarten zu lassen. Ganz im Gegenteil sogar, er zieht den Hörer regelrecht in seinen Bann und lässt immer wieder eine angenehme, entspannende musikalische Wärme aufkommen.

Nicht zuletzt auch ein Verdienst des durchgehend hohen instrumentellen Niveaus, wobei Ricky Ray Jackson und Scott Davis, die hier so ziemlich alles spielen, was an Saiteninstrumenten im Genre zur Verfügung steht, die meisten Akzente setzen. Der Titelsong „Blue Eyed Angels“ (vor denen Rob im Text eindringlich warnt…) beispielsweise wartet nach einem recht bedrückendem Midtempo-Auftakt mit einem überraschend kräftigen Refrain auf (zwei E-Gitarren-Soli, sich steigernde Orgel), das als Mischung aus ein wenig Folk, dezentem Bluegrass und Country angelegte „Fade Away“ (herrliches Zusammenwirken von Akustikgitarre, Mandoline und Bariton-E-Gitarre) ist einfach umwerfend und „Let Me Down Easy“ (klasse Steel, knackige Drums) will einem mit seiner markanten Refrainzeile nicht mehr aus dem Gehör gehen.

Fazit: Rob Baird ist mit seinem „Blue Eyed Angels“ ein ganz starkes Album geglückt, dass in Sachen Anspruch, musikalischem Niveau und Reifegrad bereits eine ordentliche Pace vorlegt und für jeden Liebhaber texanischer Americana-, Alternate Country-, Roots-, Countryrock-Klänge eine Menge zu bieten hat. Das Digipack ist zudem noch in recht geschmackvoll in Szene gesetzten Blautönen gestaltet (sehr passend zum Titel und der Atmosphäre des Werkes), das eingesteckte Booklet beinhaltet sämtliche, lesenswerte Texte. Rob Baird, ein großartiger, junger Typ – im Moment sicher noch ein Geheimtipp, schon bald aber vielleicht einer der neuen Vorzeige-Künstler aus Texas! Beeindruckend!

Carnival Recording Co. (2010)
Stil: Country / Roots Rock

01. Running Away
02. Could Have Been My Baby
03. Blue Eyed Angels
04. Louise
05. Fade Away
06. Maybe Tonight
07. Here Comes The Day
08. Crash Hard
09. Lonely Road
10. Let Me Down Easy
11. Say Goodbye

Rob Baird
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Sons Of Bill – One Town Away – CD-Review

Eine von großartiger Musikalität und ungemein starkem Songmaterial geprägte, exzellente Mixtur aus genauso würzigen wie wunderbar in unsere Gehörgänge einfliessende Rootsrock-, Americana- und Countryrock-Elementen, mal durchaus entspannt und relaxt, dann wieder schön kraftvoll und Energie geladen, präsentiert von einer noch richtig hungrig und unverbracht wirkenden, erstklassigen jungen Band aus Charlottesville/Virginia. Sons Of Bill sind die Söhne (James, Sam und Abe) eines gewissen Bill Wilson (selbst wohl ein talentierter Countrymusiker), der seine Nachkömmlinge schon sehr frühzeitig mit der „Droge“ Musik infizierte.

Die drei Brüder veröffentlichen jetzt mit ihren beiden Langzeitfreunden Seth Green (Bass) und Brian Caputo (Schlagzeug) ihr zweites, mit einem im Vergleich zum Debüt deutlich größeren Budget ausgestattetes Album, „One Town Away“, produziert von niemand geringerem als Grammygewinner Jim Scott, der bereits mit solch klingenden Namen wie Tom Petty, Wilco oder Whiskeytown zusammenarbeitete. Das passt schon sehr gut, denn Spuren dieser Kollegen sind bei den Sons Of Bill durchaus zu entdecken. Doch am ehesten spielt sich das Geschehen an der Schnittstelle von erdigen Rootsrock-Einflüssen solcher Leute wie Steve Earle, Son Volt und mit Abstrichen auch der Drive-By Truckers, dem magischen Retro Countryrock-Flair eines Gram Parsons und den so wunderbaren, unwiderstehlichen Elementen der texanischen Red Dirt-Clique ala No Justice, Wade Bowen, Stoney LaRue und der Kyle Bennett Band ab. Klar, dass bei dieser Konstellation durch die Stücke auch ein Hauch von Southern-Flair weht.

Die Band hat sämtliche Tracks selbst komponiert (der Löwenanteil stammt dabei aus der Feder von James Wilson) und eingespielt. Lediglich der in der Rootswelt so bekannte Multiinstrumentalist Greg Leisz (Stel, Lap Steel, E-Gitarre) ergänzt als Gastmusiker auf vier Tracks („One Town Away“ -tolle Countryrock-Ballade mit viel Retro Gram Parsons-Feeling, einer durchaus californischen Note und toller Steelguitar-Begleitung-; „Charleston“; „In The Morning“ und „Rock And Roll“ -ein kräftiger, kerniger Rootsrocker, der seinem Namen alle Ehre macht) die Band mit seinem exquisiten Spiel. Trotz der rootsigen Basis wirkt das Material sehr „radiotauglich“ und überaus eingängig, was wir als absolut positiv verstanden haben möchten. Die Songs sind gespickt mit tollen Melodien und bleiben prächtig hängen.

Die beiden das Album eröffnenden Stücke „Joey’s Arm“ und „Broken Bottles“ stehen prinzipiell für das gesamte Konzept des Albums, nämlich die ausgewogene Balance zwischen zwar würzigen, aber entspannt wirkenden Balladen und Midtempo-Nummern und flotten, knackigen Rockern. Erstgenanntes, eine traumhafte, mit herrlichen Gitarren und prächtigem Hammond-Untergrund in Szene gesetzte Roots-/Countryrock-Ballade (schön angerauter, leicht introvertiert klingender, erstklassiger Gesang, ein bis zwei genau auf den Punkt gebrachte Lead-Gitarrenpassagen, eine geradezu Gänsehaut erzeugende Melodie), das zweite (schöne Textzeile: „Hank Williams might have been a love-sick drinker, but being a love-sick drunk don’t make you a Hank“), kommt dann trocken, flott und ordentlich rootsig, wobei einem sowohl die oben genannten Red Dirt-Kollegen, als auch Son Volt, Steve Earle oder gar die Gin Blossoms in Erinnerung kommen.

Auch bei weiteren Stücken blinzelt dann die Earle’sche Songwritingschule hin und wieder durch (z. B. „Western Skies“, „Charleston“). Beim textlich dramatisch und ergreifend dargebotenen „Never Saw it Coming“ (klasse Outlaw-Flair) wurde das im Staate Virginia noch relativ aktuell anmutende Thema Amoklauf in fiktiver Form musikalisch aufgearbeitet. Ein unter die Haut gehender, atmosphärisch, ja in seiner Bedrohlichkeit sehr authentisch wirkender Song. Baumstark auch der prachtvolle, voller texanischem Red Dirt-Feeling und viel Southern Rock-Flair (The Marshall Tucker Band) steckende, kernige, riffige, von satten E-Gitarren durchzogene, gar ein wenig jammig anmutende Roots-/Countryrocker „Going home“ (tolles Gitarrensolo am Ende)! Zum Schluß des Albums wird es dank der recht prägnanten Steel-Arbeit von Greg Leisz noch ein wenig country-infizierter. „Charleston“ entpuppt sich dabei als recht trockener Honky Tonk-Song mit einer spröden Schönheit, wie sie sonst eben nur von einem Steve Earle zelebriert wird.

Gleiches gilt für das finale „The Song Is All That Remains“, bei dem James Wilson sein Lied, nur von einer trockenen Akustikgitarre und einem Hauch von hallenden E-Gitarren Hintergrundklängen begleitet, auf ein Minimum reduziert. Wer auch immer dieser Bill Wilson sein möge, er hat seinen Söhnen jedenfalls eine Menge musikalisches Talent mit in die Wiege gelegt. „One Town Away“ ist ein klasse Album! Die Rootsrock-/Americana-/Countryrock-Gemeinde darf sich auf eine neue,.richtig starke „Kapelle“ freuen, die auf dem besten Weg ist, den Etablierten des Genres „Feuer unterm Hintern“ zu machen. Respekt für diese großartige Leistung!

Gray Fox Records (2009)
Stil: Country- /Roots Rock

01. Joey’s Arm
02. Broken Bottles
03. The Rain
04. One Town Away
05. Going Home
06. Never Saw It Coming
07. Western Skies
08. So Much For The Blues
09. Rock And Roll
10. Charleston
11. In the Morning
12. The Song Is All That Remains

Sons Of Bill
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Bärchen Records

Kevin Costner & Modern West – Turn It On – CD-Review

Wenn Schauspieler ins (Rock-) Musikfach wechseln (vor allem die aus dem vermeintlich glamourösen Stadtteil einer kalifornischen Metropole) gilt das in der Regel als eine weitere Option, ihre Kontostände (die sich eh meist schon jenseits von Gut und Böse befinden) aufzubessern oder ihre vermutlich schon von Geburt an verankerte Profilneurose noch intensiver ausleben zu können. Ein halbwegs positives Beispiel war mal vor einer gefühlten Ewigkeit für kurze Zeit Don Johnson (mittlerweile natürlich auch in der Versenkung verschwunden), der mit seinen zwei Alben „Heartbeat“ und „Let It Roll“ die Gunst der Stunde von Miami Vice nutzen konnte und dabei eine ganz akzeptable Figur abgab. Was viele vielleicht nicht wissen, er ist auch Co-Writer des schönen Dickey Betts & Great Southern-Stückes „Bougainvillea“.

Eine wirklich erfreuliche und sehr ernst zu nehmende Ausnahme bahnt sich hier seit geraumer Zeit auch im Fall von Kevin Costner an. Der scheint auf jeden Fall den Vorteil zu haben, auf eine recht fundierte musikalische Grundausbildung verweisen zu können (er musiziert schon über zwanzig Jahre). Dazu legt er, was seine Person und seine Möglichkeiten betrifft, eine für Schauspieler seines Levels ungewöhnlich gesunde Portion Realismus an den Tag. Mit seinem Debüt „Untold Truth“ verbuchte er bereits viele positive Kritiken und auch die Live-Auftritte mit seiner Band Modern West ernteten Lob von fast allen Seiten.

Sein zweites Werk „Turn It On“ untermauert sein Bestreben, auf musikalischem Terrain kontinuierlich sesshaft zu werden, nachhaltig. Um es vorwegzunehmen. Costner und seine Modern West-Crew (John Coinman, Teddy Morgan, Park Chisolm, Blair Forward, Larry Cobb) haben erneut ein kurzweiliges Americana-Häppchen (von Roots Rock bis New Country sind alle damit verbundenen Ingredienzien verarbeitet) kreiert, das sich vor bereits etablierten Vertretern in diesen Genre-Sphären keineswegs zu verstecken braucht.

Ein gutes Händchen bewies der aus dem beschaulichen Compton stammende Kalifornier bei der Auswahl der Songs, die laut eigener Aussage ohne Rücksicht auf eventuell verletzte Eitelkeiten (auch bei sich selbst) einer strengen Qualitätskontrolle standhalten mussten, um letztendlich den Platz auf dem Silberling zu ergattern. Bis auf ein sehr gelungenes, fetziges Cover des BoDeans-Stückes „Red River“ (mit klasse Fiddle-E-Gitarrenduell) setzten sich, soweit ich es beurteilen kann, ausnahmslos Eigenkompositionen aus dem bandintern geschaffenen Fundus durch.

Produzent und Mitmusiker Teddy Morgan hat gute Arbeit geleistet. Costners angenehmes Stimmorgan mit teilweise recht markantem Timbre wurde optimal mit den klar ausgesteuerten Instrumentalzutaten (E- und Akustikgitarren, Fiddle und dezente Keyboards spielen die zentrale Rolle) in Einklang gebracht, wobei im Aufbau der Tracklist als auch innerhalb der Songs auf Tempovariationen Wert gelegt wurde, was dem Ganzen eine große Portion Kurzweiligkeit beschert. Die knapp 45 Minuten vergehen daher wie im Flug.

Zu meinen Favorites des Albums zählen der flockige Opener „Turn It On“ (Mischung aus Bruce Springsteen und John Hiatt, klasse Slide-Solo), „Ashes Turn To Stone“ (wiehernde Fiddle, kreischendes E-Solo, sehr dynamischer Verlauf), „The Way You Love Me“ (rauchige Stimme Costners, weibliche Harmonies, ruhige Slidepassage, entspannte Atmosphäre) und der Gute Laune-Country-Stomper „Saturday Night“ (Marke Billy Ray Cyrus, wieder recht Slide-betont). Wenn es was zu beanstanden gibt, ist es höchstens das vielleicht etwas statische Drumming von Larry Cobb und ein marginales Absacken des Niveaus gegen Ende.

Insgesamt ist „Turn It On“ von Kevin Costner & Modern West in jedem Fall eine gelungene Sache. Und dann kommt das aber doch noch mit der Popularität. Auch wenn Costner die Gunst seines Bekanntheitsgrades als Support für sein musikalisches Treiben relativiert und auch berechtigt auf seine bisherigen Leistungen verweist, ein Todd Thibaud z.B. kann halt sein neues Album (leider) nicht mal eben in einer bekannten deutschen Fernseh-Unterhaltungsshow vorstellen. Denn dazu erhält der gute Kevin nämlich prompt am kommenden Samstag die Gelegenheit, wenn er seine Single „Let Me Be The One“ (hoffentlich wie hier auf dem Album im Duett mit der vorzüglich singenden Sara Beck) am Samstag präsentieren wird und dazu noch als Wettpate neben unserem allseits bekannten Star-Talkmaster (mit seinem ansonsten fürchterlich klischeehaften Musikgeschmack) auf der Couch Platz nehmen kann…

earMUSIC (Edel) (2010)
Stil:  Country Rock

01. Turn It On
02. Ashes Turn To Stone
03. Moon So High
04. Maria Nay
05. Let Me Be The One
06. Top Down
07. Red River
08. Palisades
09. The Way You Love Me
10. Saturday Night
11. All I Want From You

Kevin Costner & Modern West
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Driveway – Traveling Light – CD-Review

Mit Musik aus Kanada bin ich eigentlich bis jetzt immer gut gefahren. Schöne Beispiele dafür sind Bryan Adams, Shania Twain, die New Country-Senkrechtstarter Doc Walker, Roch Voisine, als auch die vor kurzem von mir beleuchtete Melanie Dekker, die alle hervorragend in mein, von so hoher Flexibilität gekennzeichnetes Geschmacksspektrum passen… Ein weiteres positives Exemplar ist die aus Toronto stammende Band Driveway (gegründet 2002), die sich aus zwei Ex-Mitgliedern einer Truppe mit der merkwürdigen Bezeichnung MadE (Jason Taylor – Vocals, Guitars; Chris Syntnyk – Bass) rekrutierte und mit Robin Mason (Drums) und Corey Matheson (Vocals, Guitars, Pedal Steel, Piano, Organ) ergänzt wurde.

„Traveling Light“ ist ihr zweites Album, das sie jetzt ins Rennen schicken und das ist zum Jahresende hin noch mal so ein richtiger Knaller. Die Band ist von der musikalischen Basis her recht rockig ausgerichtet, kombiniert und verschmelzt dabei mit einer ungemeinen Leichtigkeit Roots-, Country-, Southern Rock- und ganz dezente Westcoast-Ingredienzen zu einer extrem interessanten Mixtur, wobei jederzeit auf ein hohes Maß an Melodik geachtet wurde.

Gesangstechnisch ist man mit den zwei unterschiedlichen Charakteren Taylor (recht kauzig) und Matheson (rauchiger Bariton) sehr variabel aufgestellt (die beiden ergänzen sich trotzdem hervorragend) und hat mit der Gastsängerin Melanie Hilmi noch ein echtes Ass im Ärmel (erinnert mich an Susanna Hoffs von den Bangles), die grandios passende Harmoniegesänge abliefert und zum anderen bei „Since You’ve Been Gone“ im Duett noch beeindruckende Frontqualitäten an den Tag legt. Ein weitere Verstärkung ist James Gray, der sich mit Organ, Mandoline, Akkordeon und Fiddle für die Country-Quote von Driveway verantwortlich zeigt.

Das komplette Album ist wie aus einem Guss und gespickt mit sehr vielen Highlights, Schwachstellen oder Füller sucht man vergebens. Der fetzige Opener „Looks And Money“ klingt wie Steppenwolf meets Cross Canadian Ragweed, das unglaublich Wärme verströmende „Peace Love“ spannt den Bogen von Neil Young bis zu den Eagles, das durch lässig coolen Gesang in Kombination mit herrlichem Slidespiel glänzende „Hollywood“, das entspannte „Wasted Time“ (wirkt, wie wenn sich John Mellencamp oder Chris Knight mal ein wenig an den Southern Rock heranwagen würden) oder das in bester Neal Casal-Manier vorgetragene, balladeske „Fades To Black“ (wunderbares Steel-Heulen) sind Beispiele für exzellentes Songwriting mit auf den Punkt gebrachter Instrumentierung.

An den Reglerknöpfen saß neben Bandleader Jason Taylor noch der kanadische Kultproduzent Lurch. Driveway haben mit „Traveling Light“ eine fulminante Arbeit abgeliefert, ein viel versprechender Anwärter neben Steve Azars „Indianola“ für mein persönliches Album des Jahres 2008. Absolut begeisternder Stoff!

Curv Music (2008)
Stil:  Roots Rock

01. Looks And Money
02. Peace Love
03. Sweet Lorraine
04. Virginia
05. Since You’ve Been Gone
06. Hollywood
07. Wasted Time
08. Collapsing
09. California
10. Baby’s Revolution
11. Higher Ground
12. I Feel Alright
13. Fades To Black

Curv Music

Emory Quinn – The Road Company – CD-Review

Auch wenn die Amis ja nicht viel Gutes auf dieser Welt zustande bringen, eines muss man ihnen aber lassen. Musik machen können sie und der Nachwuchs an wirklich talentierten Interpreten scheint, anders als in unseren Gefilden, schier unerschöpflich zu sein. Fast fragt man sich, ob die meisten Kinder nicht schon im Kreissaal mit einem Saiteninstrument in den Händen aus dem Geburtskanal geschossen kommen…

Auch die in San Antonio, Texas ansässigen Emory Quinn sind wieder so eine Truppe. Dort haben sich drei hochbegabte Multiinstrumentalisten zusammengefunden, die im letzten Jahr ihr zweites Werk, „The Road Company“, in Eigenregie veröffentlicht haben, nachdem bereits ihr Debüt „Letting Go“ die Kritiker beeindrucken konnte. Der Bandname setzt sich aus den Mittelnamen der Herren Nathan (Emory) Rigney und Clint (Quinn) Bracher zusammen. Dazu gesellt sich noch als Dritter im Bunde Case Bell.

Die drei spielen bis aufs Schlagzeug (da sind dann noch Drummer Adam Littman, Ernie Durawa und Dan Dreben mit involviert) auf dem Album eigentlich so alles, womit man im Roots-/Country-Gewerbe genre-typische Klänge erzeugen kann. Clint Bracher, der auch sämtliche Stücke bis auf eines komponiert hat, bedient dazu mit sanft rauer Stimme das Mikro und erinnert an einen Wade Bowen.

Eine wunderbare Synthese aus Country, Rock, Southern Rock und Bluegrass lässt da mal wieder den Oberbegriff Americana durch den Raum schweben. Klasse Texte, grandiose Melodien und eine filigrane instrumentelle Umsetzung lösen unweigerliche Begeisterung aus. Ein entscheidendes Trademark der Band sind dabei die Stück-intern eingeflochtenen Überraschungseffekte und die Vielseitigkeit in der Songpräsentation, ohne aber den berühmten roten Faden auch nur eine Sekunde aus dem Auge zu verlieren.

So bekommt das eigentlich entspannt verlaufende „Highways Of Gold“ plötzlich eine superschnelles Instrumental-Bridge verpasst, „Ships And Planes“ einen Reggae-Rhythmus integriert (dazu noch ein Mandolinen-Solo und eine Organ-Passage) , „Blue Gone“ und das mit Westernflair behaftete „Idabel“ eine Southern Rock-kompatible E-Gitarrenphase (sogar z.T. mit Double-Leads) und „Dear London“, schon dem Titel entsprechend einen britisch anmutenden Ausklang (dezent U2-mäßig). Dazu wurde noch die einzige Fremdkomposition „Phone Went West“ von der amerikanischen Rockband Mr. Morning Jacket in eine höchst unterhaltsame Bluegrass-Fassung der Extraklasse verwandelt (mit Banjo, Fiddle, Mandoline).

Insgesamt gesehen ist „The Road Company“ von Emory Quinn ein Freudenfest für jeden Liebhaber der Roots- und modernen Country-Schiene. Nach The Band Of Heathens und Driveway für mich mit das beste, was so in letzter Zeit in meinen CD-Player gewandert ist. Man fragt sich danach unweigerlich, warum noch keine Plattenfirma ihre Fühler nach dem Trio ausgestreckt hat. Wäre sicherlich ein idealer Übernahmekandidat für ein auf diesem Gebiet in unserem Lande emsiges und beliebtes Label, das nach einer blaufarbigen, dornigen Pflanze benannt ist…

Eigenproduktion (2008)
Stil:  Americana

01. Highway’s Of Gold
02. Dance With Me
03. Straight Through Me
04. No In Between
05. Ships And Planes
06. Blue Gone
07. Magnolia
08. Devil’s Disguise
09. Idabel
10. Better Next Year
11. Dear London
12. Phone Went West

Shannon Curfman
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Bärchen Records

Radney Foster – Revival – CD-Review

Triumphales neues Werk von Radney Foster! Meisterhafter Roost-/Americana-/Alternate Country-Rock – kernig, knackig, trocken und direkt auf den Punkt produziert (Darrell Brown und Radney Foster). Zu jeder Sekunde weht einem der raue, texanische Staub um die Nase. Und diese Melodik, diese Songqualität (aus dem Fundus dieser neuen Songs werden sich sicher wieder einige der großen Nashville-Acts bedienen), diese Arrangements – wunderbar! Ungeachtet seiner bereits erzielten Erfolge mit dem Duo Foster & Lloyd hat Radney Foster sich auch in eigener Person im letzten Jahrzehnt zu einer der nicht mehr wegzudenkenden Größen der texanischen Musikszene und darüber hinaus entwickelt.

Ob als Songlieferant für unzählige Kollegen (u.a. Dixie Chicks, Wade Bowen, Jack Ingram, Keith Urban, Kenny Chesney), als Produzent (er verhalf u.a. der Randy Rogers Band mit ihren beiden letzten Major-Werken zum Einstieg in die Country(rock)-Welt über die texanischen Grenzen hinaus) oder natürlich als Solo-Interpret, wo er in regelmäßigen Abständen exzellente Alben abliefert, hat man bei der Anschaffung von Material mit Foster-Beteiligung immer so etwas wie eine automatische Qualitätsgarantie. Was der Mann anpackt, hat einfach Stil und Klasse.

So natürlich auch sein famoses, neustes Album „Revival“, das er jetzt als Nachfolger des 2006 erschienen, ebenfalls sehr starken „This World We Live In“ präsentiert. Doch Foster hat immer noch neue Trümpfe im Ärmel, steckt voller neuer Songideen und sprüht vor immer währender Frische. Die rockigen Sachen von „Revival“, und davon gibt es eine ganze Menge, strotzen nur so vor Dynamik und grandiosen Melodien. Radney hat das aktuelle Werk, im Unterschied zum letzen Mal, heuer schwerpunktmäßig mit einer etatmässigen Begleitband „The Confessions“ eingespielt (dazu gehören u.a. der Gitarrenvirtuose Eric Borash und die durchaus bekannte und hoch geschätzte Background-Sängerin Georgia Middleman), darüber hinaus aber auch mit Leuten wie Adam Shoenfeld, Craig Kampf, Yonathan Yudkin, Tammy Rogers, Jon Randall, Darius Rucker (Hootie & The Blowfish) und Dierks Bentley noch ein illustres Gästeteam mit an Bord. Als zentrales Moment serviert der aus Del Rio stammende Texaner in leichter Abwandlung zum Albumtitel den Song „A Little Revival“ in gleich zwei Versionen. Zum einen direkt zu Beginn als straight rockenden, dynamischen Uptempo Americana-/Countryrocker (herrlich fett instrumentiert, klasse E-Gitarren-Passagen, knackiges, trockenes Drumming), zum anderen am Ende als um die erste Strophe gekürzte „Reprise“Fassung, die dank der furios agierenden Jon Randall (exquisites Mandolinenspiel, klasse Harmonies) und Tammy Rogers (tolle Fiddleperformance, Background Gesang) einen herrlichen „Bluegrass-Teint“ verpasst bekommt.

Die zum Mitsingen animierenden Refrainzeilen des Songs sind derartig markant, dass man sie noch Tage später mit sich im Gedächtnis herumträgt. Das seinem im letzten Jahr verstorbenem Vater gewidmete Album (besonders dokumentiert in dem sehr bewegend gebrachten „I Know You Can Hear Me“) besticht durch viel Abwechslung. Es gibt auch mal eine spirituelle Note („Shed A Little Light“ – Foster singt im Stile eines Hohenpriesters, Middleman und Co. halten mit Gospel-kompatible „Backs“ dagegen), sowie Fosters typisch introvertiert wirkende Stücke, die mit soviel, Gefühl, Wärme und Harmonie vorgetrahen werden, aber auch voller bewegender Texte stecken („Angel flight“, „Suitcase“, „I made peace with God“ – allesamt sehr fein instrumentiert) und, wie gesagt, eine ordentliche Anzahl abgehender Roots-/Countryrocker (bärenstark beispielsweise das fulminante „Until it’s gone“, das zusammen mit Jack Ingram komponierte „Trouble Tonight“ – sehr rhythmisch, retro, groovig, mit einer Portion Southern-Soul, E-Gitarren- und Pianosolo -, das melodische „Second Chances“ und das sich kernig in unsere Gehörgänge grabende „Life is hard“).

Alles in allem ein Werk von beeindruckender Qualität, ohne jeden Ausfall. Die Aufmachung des Digipacks besticht zudem durch eine sehr gelungene, geschmackvolle und farbenfrohe Gestaltung, inklusive eines schönen, 16-seitigen Booklets mit allen texten und vielen Infos. Foster, der erst vor kurzem 50 geworden ist, liefert mit „Revival“, ohne seine vielen starken Vorgänger entscheidend abwerten zu wollen, sein vielleicht bestes Album der letzten Jahre ab. Texas-Americana-/Roots-/Alternate Country vom Allerfeinsten! „This record is absolutely a triumph“, heißt es in einem U.S.-Review… – wie wahr!

Devil River Records (2009)
Stil:  Country Rock

01. A Little Revival
02. Forgiveness
03. Until It’s Gone
04. Second Chances
05. I Know You Can Hear Me
06. Angel Flight
07. Trouble Tonight
08. Shed A Little Light
09. I Made Peace With God
10. Life Is Hard (Love Is Easy)
11. If You Want To Be Loved
12. Suitcase
13. A Little Revival (Reprise)

Radney Foster
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