Lauren Anderson – Burn It All Down – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach ihrem von der Kritik gefeierten Vorgängeralbum „Love On The Rocks“ bringt Lauren Anderson nun am 9. September ihre dritte, wiederum selbst produzierte, Scheibe „Burn It All Down“ in die Läden. Und auch diesmal ist prominente Unterstützung in Form von Albert Castiglia und John Salaway (hat mit Peter Frampton, Zach Williams, The Zombies und vielen anderen gespielt) mit an Bord.

Während „Love On The Rocks“ noch fast ausschließlich auf ruhige und nachdenkliche Töne gesetzt hat, geht ihre neue Scheibe wesentlich härter zur Sache und dürfte daher vor allem die Freunde eines eher rockig orientierten Blues ansprechen, obwohl ihre musikalische Bandbreite auf dieser Scheibe auch schöne Bluesnummern mit leichtem Americanaeinfluss („I Know“ und „Still Here“) und sogar einen fast radiotauglichen, leichtfüßigen Midtempo-Popsong („Never Too Late“) beinhaltet.

Zunächst aber beginnt die Scheibe mit dem Titelsong „Burn It Down“ ziemlich wild, ein rockiger Sound mit einem Pianogehämmer, das den Song schweißtreibend förmlich nach vorne peitscht. Und das hart rockende „Soul Is Mine“ mit Anderson‘s megaphonartigem Gesang erinnert stilistisch an längst vergangene Led Zeppelin-Zeiten. Ganz anders hingegen, aber nicht weniger fetzig, kommt der Boogie-Woogie „Zombie Blues“ mit Albert Castaglia als Gastgitarrist daher. Mit den nachfolgenden Tracks geht es dann etwas weniger rockig, aber immer noch flott, zu. Den Auftakt dazu macht der melodiöse und zum Tanzen einladende Americana-Shuffle „Lose My Head“, gefolgt von dem Midtempo-Blues „Tell Me Baby“.

Bevor sich Lauren Anderson auf ihrer neuen Scheibe schließlich mit dem bereits erwähnten, bittersüßen „Still Here“, der Bluesballade „Fool“ und dem traurigen Slowblues „Rain Down On Me“ dem reinen Blues zuwendet, ist John Salaway als weiterer Gastgitarrist in dem harten Chicagorocker (starke Basslinie!) zu hören. Mit dem kräftig stampfenden und von sägenden Gitarrenriffs begleiteten „Like A Woman“ endet das Album schließlich.

Mit „Burn It All Down“ hat Lauren Anderson ein energiegeladenes, rockiges (und abwechslungsreiches) Album herausgebracht, welches stilistisch komplett anders ist als das ruhigere Vorgängeralbum „Love On The Rocks“. Aber wie sagt sie selbst so treffend: „Willst Du ein neues Haus bauen, musst Du das alte vorher abrennen.“ Die einzige Konstante dabei ist nur ihre, mitunter leicht rau klingende und mitunter an Joplin erinnernde, kräftige Altstimme, die den Songs eine besondere Note und Tiefe verleiht.

Label: Independent
Stil: Blues, Americana

Tracks:
01. Burn It All Down
02. Soul Is Mine
03. Zombie Blues
04. Lose My Head
05. Tell Me Baby
06. I Know
07. Never Too Late
08. Hit The Spot
09. Still Here
10. Fool
11. Rain Down On Me
12. Like A Woman

Lauren Anderson
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Jade MacRae & Mahalia Barnes – Support: Bywater Call – 26.08.2022 – Schlachtgarten Krefeld – Konzertbericht

Für das Konzert der beiden stimmgewaltigen Australierinnen Jade MacRae und Mahalia Barnes (Tochter von Jimmy Barnes) zeigte sich der Schlachtgarten in Krefeld von seiner besten Seite. Wo sich bei unserem letzten Besuch noch feinsteiniger Untergrund als Zuschauerfläche im Biergarten befand, war jetzt eine schöne Holzterrasse samt eines Gestells mit einer ausfahrbaren Dachkonstruktion darauf, sodass man für etwaige Regenfälle blitzschnell gewappnet ist.

Wir hatten die beiden Protagonistinnen zuvor bisher einige Male in Köln, bzw. in Düsseldorf ’nur‘ als Backgroundsängerinnen bei Joe Bonamassa erlebt (wo man ihr vokales Potential natürlich schon erkennen konnte), jetzt bot sich aber die Gelegenheit, sie auch mal hautnah an der Front begutachten zu können.

Ein großer Beweis der Hochachtung vor den Damen war, dass der Autor dieser Zeilen, einen der wichtigsten, an diesem Abend parallel stattfindenden, gesamtdeutschen Fußballklassiker zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC Erzgebirge Aue, dafür sausen ließ.

Als Opener traten aber zunächst Bywater Call auf, die schon vor wenigen Monaten mit einem Gig in der benachbarten Kulturrampe vorstellig gewesen waren und sich diesmal mit einer reduzierten Spielzeit von gut einer Stunde präsentieren konnten.

Diese erledigten sie mit Stücken wie u. a. „Bring it Back / Ties That Bind“, dem Stephen Stills-Cover „Love The One You’re With“, „Lover Down Slow“, „Forgiveness“ in bekannter Weise mit charismatischem Gesang ihrer Fronterin Meghan Parnell und diversen jammingen Passagen, die mit viel Slide von Gitarrist Dave Barnes und den beiden Bläsern Stephen Dyte und Julian Nalli in der Tradition von Acts wie der Tedeschi Trucks Band oder den Allman Brothers zum Besten gegeben wurden. Eine gelungene Einstimmung für den Auftritt der beiden Gesangsröhren MacRae und Barnes.

Recht geben muss ich Markus ‚Pille‘ Peerlings zu seinem Eingangsstatement bei der Ansage, dass eigentlich 500.000 Leute (statt tatsächlich um die 150) bei so einem Event teilhaben müssten und alle, die nicht aus wirklich vertretbaren Gründen anwesend wären, einfach nur doof sind. Ein paar der üblichen Quasselköppe waren natürlich auch wieder mal dabei, die solch eine tolle Performance in den ruhigen Momenten, leider nicht zu schätzen wussten.

Ansonsten passte aber alles. MacRae und Barnes samt ihrer starken Begleitband machten von der ersten Sekunde des Openers „Nobody But You“ an klar, dass es im folgenden Verlauf heiß zur Sache gehen würde. Beide teilten sich die Leadvocals im Groben und Ganzen recht schwesterlich, wobei Jade aufgrund ihrer etwas temperamentvolleren und emotionaleren Art, gefühlt etwas die Oberhand inne hatte.

Beide boten dann im weiteren Verlauf das ganz große Einmaleins der Gesangeskunst, sei es im Lead-, aber auch in den Harmoniegesängen. Da gibt es im Blues-, Soul- oder Funkbereich wohl kaum was Besseres am Mikro zu bieten. Die Hintergrundsektion mit Hamish Stuart und Mike Haselwood agierte routiniert, das andere Duo ‚Ben & Ben‘ alias Ben Rodgers an der Stratocaster und Ben Forrester an der Gibson ES, der uns auch vor geraumer Zeit mit der Allen- Forrester Band in der Rampe bereits sehr positiv aufgefallen ist, lieferte immer wieder punktuell filigrane E-Soli ab.

Schöne Akzente setzte auch Keyboarder Aron Ottignon, der sehr variabel agierte (E- und HT-Piano, Organ) und mit seinen Synthie-Einlagen im Stile von Steve Winwood, sporadisch die 80er Jahre dezent aufleben ließ.

Ausrufezeichen habe ich bei meinen Notizen an Songs wie „No Matter What I Do“, „How Can We Live“ oder dem Joe South-Evergreen „Games People Play“ gemacht, nett war die Geste, Bywater Call-Sängerin Meghan Parnell zum letzten Track des Hauptteils, dem gelungenen CCR-Cover „Proud Mary“, quasi als Junior-Partner, mit auf die Bühne zu holen.

Den Höhepunkt erreichte der Gig dann allerdings mit den beiden Zugaben der herrlichen Ballade „Handle With Care“ (gesungen von Jade) und dem E-Piano unterlegten Schunkler „Meltdown“ (im Parallel-Duett-Gesang beider), wo noch mal so richtig ’shaky‘ gegroovt wurde. Ein Hammerabschluss.

Unser Dank gilt Menschen wie Eva Forrester von EBF Music, Kolja Amend vom Schlachtgarten und Markus ‚Pille‘ Peerlings von der Kulturrampe, die mit ihrem unbändigen Einsatz und Optimismus es immer wieder schaffen, musikbegeisterten Leuten, diese wunderbaren Momente zu ermöglichen. 

Line-up Bywater Call:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
John Kervin (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Line-up Jade MacRae & Mahalia Barnes:
Jade MacRae (lead vocals, bgv, percussion)
Mahalia Barnes (lead vocals, bgv, percussion)
Ben Forrester (electric guitar)
Ben Rodgers (electric guitar, bgv)
Aron Ottignon (keys, bgv)
Mike Haselwood (bass, bgv)
Hamish Stuart (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Jade MacRae
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Bywater Call
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EBF Music
Teenage Head Music
Schlachtgarten Krefeld
Kulturrampe Krefeld

Tedeschi Trucks Band – I Am The Moon: IV. Farewell – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seit Anfang Juni veröffentlicht die Tedeschi Trucks Band in regelmäßigen Abständen die einzelnen Episoden-Teile ihres Mammut-Projektes “I Am The Moon”. Mit dem letzten Chapter “Farewell” liegen das genreübergreifende Gesamtwerk und seine 24 Songs nun in voller Länge vor. Die Eigenproduktion, die in ihrer lyrischen Background-Handlung ein alt-persisches Liebes-Epos teilweise nachempfindet, vermittelt über die vier Alben eine außergewöhnliche Rock’n’Roll-Erfahrung.

Der unvergleichlich intensiv-warme und einfühlsame Sound setzt sich auch im “Farewell”-Opener “Last Night In The Train” beispiellos fort. Ein straight forward Song im souligen Outfit, der Susan Tedeschis starke Vocals mit unverkennbaren Arrangements der Beatles-Ära umgibt. Als Erinnerung an den verstorbenen, brillianten Keyboarder Kofi Burbridge (aus Derek Trucks Solo-Band) wird “Soul Sweet Song” zur Tribute-Hymne mit swingendem Gospel-Chorus, die auf einem Guitar-/Piano-Teppich entschwebt.

Auch der nachfolgende Track “D’Gary” ist in besonderer Weise eine Hommage an einen besonderen Musiker. Der aus Madagaskar stammende (überwiegend) Acoustic-Gitarrist D’Gary wird durch Susans klaren Gesangsstil und Dereks meisterliche Variation – versehen mit durchaus überraschend afrikanischen Einflüssen – verdientermaßen in den Fokus der Öffentlichkeit gehoben.

“Farewell” ist der kürzeste Teil (ca. 26 Minuten) der 4-fachen Werkschau und hat mit dem Mike Mattison-Song “Where Are My Friends” einen weiteren Top-Track zu bieten. Mattison, ein herausragender Sänger, Songwriter und Co-Autor, der in einer ganzen Reihe von Songs bei “I Am The Moon” mit ausdrucksvoller Blues-Stimme auftritt, gilt als Multiinstrumentalist; sein würdevoller Rückblick auf die Jahre mit der Allman Brothers Band hinterlässt in Trucks Solo-Einlagen die typischen Southern Rock Eindrücke und Sound-Spuren des unvergessenen Bandgründers Duane Allman.

Eine zärtlich-akustische “Auszeit” bringt das Duett “I Can Feel You Smiling”, das Susan und Derek gemeinsam interpretieren – eine liebevoll lyrisch-musikalische Songperle vom Feinsten! Das hoffnungsvolle “Farewell”-Abschiedslied “Another Day” kennzeichnet zum Schluß noch einmal das großartige Soundgefüge des gesamten Ensembles in einem beschwingten Lebewohl-Rhythmus, dessen übermächtige Anziehungskraft immer wieder verstärkt durch Trucks Solo-Spielweise ausgeübt wird.

Die Tedeschi Trucks Band hat mit “I Am The Moon” insgesamt eine grandiose Studioproduktion geschaffen, die ihre einmalige, musikalisch-multikulturelle Songfolge als eine epische Reise durch die Einflüsse einer alten Liebeserzählung und die Reflektion sehr unterschiedlicher Sound-Stilrichtungen versteht. Eine bandeigene Gabe hieraus Jam, Blues, Southern Soul, Gospel, Jazz und weitere Elemente zu kombinieren und eine musikalische Vision zu entwickeln, bildet die Basis des in diesem Umfang unvergleichbaren Songwritings- und Albumkonzeptes. Die Formation hat nochmal an Größe und Ausstrahlung zugelegt und gehört ohne Zweifel zu den powerful breathtaking US-Rock’n’Roll Big Bands.

Fantasy Records (2022)
Stil: Blues Rock, Southern Soul

Tracks:
01. Last Night In The Train
02. Soul Sweet Song
03. D’Gary
04. Where Are My Friends?
05. I Can Feel You Smiling
06. Another Day

Tedeschi Trucks Band
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Oktober Promotion

Jeff Dale And The South Woodlawners – Blood Red Moon – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Blood Red Moon“ ist das neue Album des vom Chicagoblues geprägten Musikers Jeff Dale mit den South Woodlawners, der bereits in 2019 mit seinem Album „Blues Power“ Eingang in die Annalen von Sounds Of South gefunden hat. In seiner 40-jährigen Laufbahn stand Dale mit zahlreichen Größen des Bluesbiz gemeinsam auf der Bühne. In seiner Heimat zählt er daher schon zu den lebenden Blueslegenden.

„Blood Red Moon“ könnte man vorschnell als Bluesscheibe charakterisieren. Damit würde man aber Dales Musik nicht gerecht werden, da die Songs auf dem Album zu viele Einflüsse aus anderen Musikrichtungen enthalten (Jazz, R&B, Rock’n’Roll und ansatzweise auch Funk) und sich so zu einer eigenwilligen Melange vereinigen. Deutlich wird dies auch an den normalerweise nicht zur Standardinstrumentierung gehörenden Tenor- und Altsaxophonen, Hawaigitarre (Lap Steel Guitar), Sitar und Cello.

Der spaßige Shuffle „You Made Your Own Bed“ mit Slidegitarre und den zu den Gitarrenriffs passenden Backgroundvocals eröffnet das Album. Mit einem jazzigen Bass- und Saxophonintro beginnt „Cicero“. Zusammen mit Jeffs beschwörendem Gesang entwickelt sich der Song zu einem gefühlvollen Slowblues. Auch das ruhige und sparsam instrumentierte „Autumn Blues“, ebenfalls mit Saxophonbegleitung, ist stark vom Jazz beeinflusst.

Ähnlich auch der langsam vor sich hin groovende Titelsong „Blood Red Moon“ mit eingängiger Gitarrenhookline, Cello und stimmig beigesteuerten Refrains der Sängerin Elizabeth Hangan, deren gesanglicher Beitrag auf dem Album insgesamt nicht hoch genug bewertet werden kann. Insbesondere gilt dies auch für „Push Comes To Shove“, wo ihr Gesang einen starken Kontrast zu Dales dunkler Stimme bildet.

Bei den Boogie Woogie-Rhythmen von „She Wouldn‘t Leave Chicago“ möchte der Hörer dann aber endlich wieder die Tanzfläche stürmen, um anschließend bei dem weichen von Bläsern und einer Lap Steel Guitar getragenen Song „The Dirty Jacks“ dahin zu schmelzen und bei „That Ain’t Love“ zu Tenorsaxophon und süßen Backgroundvocals weiter zu träumen. Wenn danach „Trouble Know Where I Live“ ertönt, hat es sich allerdings wieder ausgeträumt. Der Song startet funkig-flott und geht in eine richtig gute Rock‘n‘Roll Nummer über. Schließlich endet das Album mit den sehr eingängigen R&B-Rhythmen von „Things‘ll Get Worse“.

Unter dem Strich ist „Blood Red Moon“ durch die Einflüsse zahlreicher Musikstile stilistisch mehr als eine reine Bluesscheibe. Daran haben sicherlich die smoothen Saxophonklänge, die Lap Steel-, Slideguitar- und Celloeinlagen zusammen mit den Sangeskünsten der bereits gelobten Backgroundsängerin einen nicht unerheblichen Anteil. Und letztendlich drückt Jeff Dale der Platte einen durch seinen, sagen wir mal Gesangsstil mit hohem Wiedererkennungswert, zusätzlich einen weiteren Stempel auf.

Mit „Blood Red Moon“ liefern Jeff Dale und die South Woodlawners eine erfrischend andere und neue Interpretation des Blues ab, die richtig viel Spaß macht, weil sie fest eingetretene Bluespfade verlässt und neue Hörwelten erschließt. Für Bluesfeinschmecker ist die Platte absolut empfehlenswert.

Label: Pro Sho Bidness
Stil: Blues

Tracks:
01. You Made Your Own Bed
02. Cicero
03. Blood Red Moon
04. At The Wolf’s Door
05. Autumn Blues
06. She Would’t Leave Chicago
07. The Dirty Jacks
08. That Ain’t Love
09. Trouble Know Where I Live
10. Push Comes To Shove
11. Things’ll Get Worse

Jeff Dale
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Walter Trout – Ride – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Walter Trout, der inzwischen samt Familie seinen Wohnsitz vom sonnigen Kalifornien ins sandige Dänemark verlegt hat, bringt Mitte August sein mittlerweile 30. Soloalbum (!) heraus. Es erscheint bei Provogue Records, nachdem er dort seinen Vertrag verlängert hatte. Den Plattenvertrag dazu bekam der US-Blues-Rock-Gitarrist von seiner Frau und Managerin Marie anlässlich seines 70‘sten Geburtstages geschenkt.

Das Album heißt „Ride“ und ist eine musikalische und auch emotionale Zusammenfassung seines bisherigen, mitunter turbulenten Lebens, nach eigenem Bekunden eine Art von Vergangenheitsbewältigung. Wie viele andere Musiker auch, nutzte Trout die coronabedingte Zwangspause, um neues Material zu sammeln und legte damit den Grundstein für „Ride“, nachdem er zuletzt für sein Vorgängeralbum „Ordinary Madness“ 2020 auf der Bühne gestanden hatte.

Eingespielt wurde das Album in den kalifornischen Kingsize Studios, in denen Trout bereits mehrere Alben aufgenommen hatte. Begleitet wird Trout von seinem langjährigen Schlagzeuger Michael Leasure, dem Keyboarder Teddy „Zig Zag“ Andreadis und dem neuen Bassisten Jamie Hunting, sowie seinem Tourmanager Anthony Grisham, der allerdings nur auf Leave It All Behind“ zu hören ist.

Gleich zu Beginn pustet Trout mit dem gewaltigen Sound von „Ghosts“ die Boxen der HiFi-Anlage frei und stimmt die Zuhörer auf die kommenden 60 Minuten ein. Mit tosenden Gitarrenriffs erzählt er von Erinnerungen und Geistern, die ihn verfolgen, während der Titelsong „Ride“ im stampfenden Rhythmus eines Güterzuges ein Gefühl des amerikanischen Traumes der Freiheit erzeugt, so wie Trout es als kleiner Junge in seinem Elternhaus durch die vorbei rasenden Züge empfand.

Ganz anders hingegen das emotionale, melodiöse „Follow You Back Home“, in dem Trout die schwere Zeit einer zeitweiligen Trennung von seiner Frau verarbeitet. Das Besondere an diesem Song ist, dass er hier zum allerersten Mal überhaupt eine Streichergruppe zur Untermalung einsetzt.

Angesichts 400.000 Covid-Toter in den USA groovt „So Many Sad Goodbyes“ leicht düster vor sich hin und in dem wunderschön-traurigen Slowblues „Waiting For The Dawn“ mit teils sphärischen kristallklaren Gitarrenklängen kann Trout mit schwerem Herzen kaum die Morgendämmerung erwarten. Danach geht er im verzweifelt klingenden „Better Days Ahead“ mit harten Riffs der Frage nach dem Sinn des Lebens auf den Grund und in „High Is Low“ krächzt sich der Kalifornier, unterstützt von einer rauen Bluesharp, die Stimme aus dem Leib. Die Lyrics zu diesem Song hat übrigens Walters Ehefrau Marie beigesteuert.

Gemessen an Trouts bekanntem Gitarrenstil nimmt das leichtfüßige „Fertile Soil“ dann schon fast eine Sonderstellung ein. Es kommt ungemein countrymäßig mit Americana-Elementen daher und erinnert an den fruchtbaren Boden seiner Jugendzeit, als er in einer Schülerband mitspielte.

Das folgende Stück „I Worry Too Much“ wartet dann wieder mit einem typischen Trout-Sound mit treibenden Gitarrenriffs auf, während „Leave It All Behind“ eine flotte Rock‘n‘Roll-Tanz-Nummer mit Bläserunterstützung im Stile von Chuck Berry ist, auf der Anthony Grisham die Rhythmusgitarre spielt, da Trout wegen seines gebrochenen kleinen Fingers, nicht den richtigen Chuck Berry-Klang hinbekommen kann.

Ruhiger geht‘s dann mit dem etwas elegischen „Hey Mama“ weiter. Hier verarbeitet er sein nicht ganz ungetrübtes Verhältnis zu seiner Mutter, die ihn nicht hinreichend vor seinem Stiefvater schützen konnte. Allerdings ist Walter Trouts Gedankenwelt nicht nur negativ eingestellt. Es gab auch gute Momente in seinem Leben, z. B. als er seine Frau Marie auf einem Bluesfestival kennenlernte. Davon erzählt schließlich der wunderschöne Hendrix-artige Blues „Destiny“.

Mit „Ride“ ist Walter Trout nach seinem 2015‘er Album „Battle Scars“ sicherlich sein persönlichstes Werk geglückt. Es ist äußerst dynamisch und abwechslungsreich und bietet mit neuen Facetten seiner Musikalität absoluten Hörgenuss. Man spürt seine ungebrochene Spielfreude und den Willen, das Leben zu genießen. Für seine Fans ist die Scheibe, nicht zuletzt auch wegen der sehr persönliche Texte, daher ein unbedingtes ‚Must Have‘. Ich jedenfalls habe die Scheibe in Dauerschleife rauf und runter gehört und bin sie immer noch nicht leid.

Label: Provogue Records
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. Ghosts
02. Ride
03. Follow You Back Home
04. So Many Sad Goodbyes
05. High Is Low
06. Waiting For The Dawn
07. Better Days Ahead
08. The Fertile Soil
09. I Worry Too Much
10. Leave It All Behind
11. Hey Mama
12. Destiny

Walter Trout
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Emanuel Casablanca – Blood On My Hands – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Emanuel Casablanca, ein in Brooklyn lebender Gitarrist, der bisher immer „nur“ als Begleitmusiker zahlreicher bekannter Künstler in Erscheinung getreten ist, veröffentlicht nunmehr sein erstes eigenes Album „Blood On My Hands“, allerdings mit Unterstützung anderer namhafter Gitarristen (Eric Gales, Albert Castaglia, Paul Gilbert), der Sängerin Kat Riggins und des Saxophonisten Jimmy Carpenter.

Man hätte also durchaus ein abwechslungsreiches, interessantes Album erwarten können. Typisch für den Sound auf Casablancas Erstlingswerk sind allerdings das überwiegend in schwarz gehaltene Cover sowie die Titel vieler Songs, in denen immer wieder Blut auftaucht („Afraid Of Blood“, In Blood“, „Blood On My Hands“, „Bloodshot Eyes“, „Thicker Than Blood“, „Devils Blood“ und „Blood Money“).

Eine kurze, knappe Beschreibung des Albums könnte also lauten: „Heavy und düster, so wie es Cover und Songtitel vermuten lassen“. Lediglich der wirklich melodiöse Slowblues „Like A Pulse“ mit Casablancas und Kat Riggins einfühlsamen Gesängen, „Bloodshot Eyes“ (sehr schön mit Albert Castaglia an der Gitarre), das Slidestück „Nashville“ und der von Jimmy Carpenter am Saxophon untermalte Blues „Anna Lee“ stechen aus den 16 Tracks des Albums wohltuend hervor. Allenfalls auch noch der sehr harte Boogie „Testify“.

Die restlichen Songs hören sich für mich ziemlich morbide an, wie unter dem Einfluss schlechter Drogen eingespielt. Man muss diesen Sound schon mögen und sicherlich wird es auch eine Hardcore-Fraktion geben, der es gefällt. Letztendlich alles eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Vorlieben jedes Einzelnen.

Emanuel Casablanca selbst sagt über seine Musik, dass es ihm um Emotionen gehe und seine Gefühle die Führung übernähmen und dass er Ihnen dann musikalisch folge. Wenn dem so ist, lebt er in einer ziemlich schwarzen und bedrückenden Welt.

Label: Kings County Blues (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Afraid Of Blood
02. In Blood (feat. Paul Gilbert)
03. Blood On My Hands (feat. Eric Gales)
04. Like A Pulse (feat. Kat Riggins & Sanca Of The Valley)
05. Bloodshot Eyes (feat. Albert Castiglia)
06. Nashville (Feat. Felix Slim)
07. Sunday Talks
08. Thicker Than Blood
09. Anna Lee (feat. Jimmy Carpenter)
10. Testify (feat. Brother Dave)
11. Devil‘s Blood (feat. Felix Slim)
12. Blood Money
13. Fantasies
14. My Nerves
15. Shaky Tables
16. Rottenpockets

Emanuel Casablanca
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Tedeschi Trucks Band – III., The Fall – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Als Fortsetzung ihrer beiden Longplayer “I., Crescent” und “II., Ascension” veröffentlicht die Tedeschi Trucks Band das Album “III., The Fall”, den 3. Teil ihres monumentalen Studio-Projektes “I Am The Moon”. Den gemeinsamen Rahmen der musikalischen Tetralogie bildet die märchenhafte, orientalische Liebeserzählung Layla & Majnun (12. Jhrd.), deren Einfluss auf die Songs von “The Fall” nicht nur lyrisch zu spüren ist, sondern bei verschiedenen Bandmitgliedern wieder leidenschaftliches Songwriting ausgelöst hat.

Entsprechend wirkt der erste Titel “Somehow” als starker Blues Rock-Song, der das Herzensthema (“written in the heart”) fast dahinschwindend, jedoch gefühlvoll durch Trucks Saitenspiel interpretiert, von Tedeschis souligen Lead-Vocals immer dynamisch begleitet. Bei “None Above” wird dieser warme Sound in Form eines 2-minütigen “Zwischentracks” hautnah an “Yes We Will” (einer Tedeschi Eigenkomposition) weitergegeben: der Gospel-beeinflusste Shuffle brilliert mit Vocal-Parts, die zwischen Aretha Franklin und Janis Joplin Eindrücken angesiedelt sind, sowie einem E-Solo, das den Song als bühnenreifen “Showstopper” abheben läßt.

Die grenzüberschreitende Schaffenskraft der Blues-Rock-Soul und Jam Big-Band findet ihre konzeptionelle Vielseitigkeit und individuelle Klasse ebenfalls in den Kompositionen einzelner Musiker; z.B. im Song von Keyboarder Gabe Dixon, der seine Lead-Vocals auf “Gravity” gegen Little Feat-infusede Guitar und Brass- Rhythmen eindrucksvoll aufbietet. Background-Sänger Mike Mattison (Co-Writer der Piano-getriebenen Melodie von “Emmaline“) vermittelt seine ebenso starken Gesangsparts, ganz ohne Solo-Guitar-Work, in einem 60er Jahre Retro-Track. Eine abschließende Southern-Soul Ballade (“Take Me As I Am”), gesungen im Duett von Susan Tedeschi und Mark Rivers, kennzeichnet das gesamte Bandkollektiv als Gemeinschaft, die das Thema des Longplayers zum Schluß wiederum variiert und musikalisch ausbreitet.

Auch mit der dritten Episode “III., The Fall” erfüllt die Tedeschi Trucks Band die hohen Erwartungen der Fans an das inzwischen bereits hochgelobte 4-teilige Projekt “I Am The Moon” und liefert erneut eine besonders empfehlenswerte Scheibe ab. Die Grammy-prämierte Band wird die gespannt erwartete letzte Album-Folge “IV., Farewell” Ende August in die Läden bringen und Anfang September vier individuelle Vinyl-LPs auflegen.

Fantasy Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Somehow
02. None Above
03. Yes We Will
04. Gravity
05. Emmaline
06. Take Me As I Am

Tedeschi Trucks Band
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Oktober Promotion

Dennis Johnson – Revelation – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach „Slide Avenue“, „Slide Show“ und „Rhythmland“ bringt der autodidaktische Gitarrist Dennis Johnson dieser Tage wieder ein musikalisch fettes Album mit zehn Klassesongs heraus, die seinen Ruf als Weltklasse-Slide-Gitarrist eindringlich untermauern. Unterstützt wird er dabei u. a. von dem bekannten Jazz- und Rock-Schlagzeuger Anton Fig (Joe Bonamassa) und dem unglaublich guten Pianisten Bob Fridzema (Walter Trout, Joanna Shaw Taylor, Robert Jon & The Wreck). Außerdem ist noch der Bassist Jonathan Stoyanoff (u. a. Robert Cray, B.B. King, Marceo Parker) mit von der Partie.

Herausgekommen ist eine großartige Scheibe mit lauter Blues-Rockern und Roots-Rhythmen, beides oft angereicht Gospel- und Countryelementen. Alles natürlich mit Slidegiuitar-Klängen ohne Ende.

Das Album startet mit einer sehr hörenswerten Coverversion des Freddie King-Blues-Klassikers „Going Down“, von dem es auch wohlbekannte Interpretationen von Joe Bonamassa und Jeff Beck gibt, gefolgt von dem furios treibenden Slidestück „Talk To You“. Mit „Revelation“ schließt sich ein Americana beeinflusster Slow-Blues als Instrumentalstück an und Gospeleinflüsse wiederum finden sich nach einem kurzen Countryintro in dem lebensfrohen „Salvation Bound“, sowie in der äußerst schwungvollen Nummer „Two Lights“. Auch „Please Don‘t Go“ wartet mit leichter Countrystimmung auf.

Bei den übrigen Stücken „32-20 Blues“, „Don‘t Owe You A Thing“ und „Ramblin“ handelt es sich um zum Abtanzen einladende, flotte Shuffle. Wobei letztgenannter Song durch seine markante Hookline durchaus Ohrwurmqualitäten besitzt.

„Revelation“ ist insgesamt ein durchweg gute Laune verbreitendes Album, das so richtig gut zum derzeitigen Sommerwetter passt. Es hat tolle Grooves, wunderbare Slidegitarrenklänge und ist wohl arrangiert. Ein tipptopp Album also, das in keiner gut sortierten Plattensammlung fehlen sollte.

Label: Booda Lee Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Going Down
02. Talk To You
03. Revelation
04. Salvation Bound
05. 32-20 Blues
06. Please Don‘t Go
07. Lonesome Valley
08. Ramblin
09. Two Lights
10. Don‘t Owe You A Thing

Dennis Johnson
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StratCat Willie & The Strays – On A Hot Tin Roof – CD-Review

Review: Jörg Schneider

StratCat Willie Hayes hat in seiner mehr als einem halben Jahrhundert andauernden und u. a. von B. B. King, T-Bone Walker und Johnny Winter beeinflussten Blueserkarriere mit zahlreichen Größen des Bluesbiz, vornehmlich in den Staaten, gemeinsam auf der Bühne gestanden. In 2020 nahm er sein erstes Album „On The Prowl“ auf, eingespielt mit seiner Band The Strays. Und nun, zwei Jahre später, folgt sein zweiter Longplayer „On A Hot Tin Roof“, ebenfalls aufgenommen mit den Strays.

Allein das Betrachten des witzig gestalteten Covers bringt schon jede Menge Vorfreude und macht äußerst neugierig auf die Tunes des Albums. Irgendwie kommen einem da sofort die Straycats in den Sinn, mit denen die Mucke stilistisch sogar einige Gemeinsamkeiten hat. Die zwölf flotten Lieder der CD sind allesamt Eigenkompositionen und absolut vielfältig. Sie pendeln zwischen Rockabilly und Blues und bringen viel Spaß.

Der fröhlich swingende Opener „Have A Blues Party“, sozusagen ein „After-Pandemie-Song“ mit Gebläseunterstutzung, macht richtig gute Laune und animiert zum Tanzen, ein echter Partykracher. Nicht minder schmissig kommt der fetzige Titelsong „Hot Tin Roof“ daher, eine Mischung aus Rockabilly und Blues.

Bluesrockig mit viel Brass wird‘s dann mit der Aufforderung zum Tanz „Let‘s Dance“ und auch die wilde Rockabilly-Nummer „Way Too Fast“ juckt kräftig in Beinen und Füßen. „Redneck Woman“ und „In The End“ sind mit ihren jaulenden Gitarrenriffs wiederum mehr durch Blueselemente geprägt. Ausruhen kann sich der geneigte Zuhören schließlich mit den nachfolgenden Stücken „Guilty“ und „Cryin‘“, letzterer ein Slowblues im Stil von Gary Moore.

Mit „My One True Love“ und „Together“ geht es dann wieder rockabillymässig zurück auf die Tanzfläche, wobei das sich anschließende Instrumentalstück „Mezcal“ frappierend an den Texmexrocker „Tequila“ erinnert. Mit dem Fetzer „Runnin‘ With The Strays“ geht die Scheibe dann nach zwölf überaus lebenslustigen Tracks viel zu früh zu Ende.

„On A Hot Tin Roof“ ist definitiv nichts für Tanzmuffel, alle Anderen werden an der Scheibe ihre helle Freude haben. Sie bietet flotte, optimistische Mucke und gute Laune im Überfluss. Für mich ist sie eine der besten Scheiben, die ich dieses Jahr besprechen konnte, glatte fünf ***** für dieses Teil! Kaufen könnt ihr sie übrigens seit Mitte Juni.

Label: Independent
Stil: Blues, Rockabilly

Tracks:
01. Have A Blues Party
02. Hot Tin Roof
03. Let‘s Dance
04. Way Too Fast
05. Redneck Woman
06. In The End
07. Guilty
08. Cryin‘
09. My One True Love
10. Together
11. Mezcal
12. Runnin‘ With The Strays

StratCat Willie
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Kat Riggins – Progeny – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach ihrem 2020‘er Album „Cry Out“ kommt nun am 24. Juni ihr neuestes Werk in die Läden. Dabei hat der Titel des Albums für die Sängerin durchaus eine symbolische Bedeutung. Mit „Progeny“, übersetzt „Nachkommenschaft“, möchte Kat Riggins ihren Eltern Anerkennung zollen und sie für die Werte und Erziehung, die sie ihr mit auf den Weg gegeben haben, ehren. Es ist ein Album mit zwölf sehr persönlichen Songs über Stärke, Freude, Frieden und auch Gott geworden.

Erscheinen wird das Werk wieder bei Mike Zitos Gulf Coast Records. Und natürlich ist er auch diesmal als Gitarrist mit dabei. Zur weiteren Unterstützung für Kat Riggins’ musikalisches Vorhaben kommen außerdem zahlreiche von Mike Zito handverlesene Musiker hinzu: Albert Castaglia als weiterer Gitarrist, der Rapper Busta Free, Matthew Johnson am Schlagzeug (u. a. Hadden Sayers, Sari Schorr, Vanja Sky), Doug Byrkit (Bassist bei Odds Lane), der Keyboarder Lewis Stephens (Mike Zito and Friends) und die Chicagoer Bluesgitarristin Melody Angel.

Die meisten Titel auf dem Album bewegen sich zwischen souligen Bluesballaden („Got To Be God“, „Cross The Line“ und „Sinkin‘ Low“), harten Bluesrock Krachern („Walk On“, „Warriors“, „Espresso“, „Promised Land“) und groovigen Fetzern („My City“und „40 25:40“), allesamt richtig gut.

Herausragend sind für mich persönlich allerdings drei andere Songs. „In My Blood“ ist ein radiotauglicher und fröhlich-schmissiger Shuffle mit Rock‘n‘Roll Attitude und hebt sich dadurch auffallend von den übrigen Nummern ab. Auch das Gospel-Zwischenspiel „Walk With Me Lord“, A-capella vorgetragen und mit Vogelgezwitscher garniert, ist wohltuend anders und regt zum Nachdenken an. Als dritter Titel im Bunde ist dann noch das langsame im Chicagostil gespielte „Woahman“ mit der noch jungen Bluesgitarristin Angel Melody, von der künftig bestimmt noch viel zu hören sein wird.

„Progeny“ ist also gelungenes, starkes Album auf dem Kat Riggins mit ihrer kraftvollen Stimme, begleitet von wunderbaren Musikern, Elemente des Blues, des Rock und auch des Soul mit einander verbindet und so ihren eigenen Stil vertieft und gekonnt weiterentwickelt. Mit „Progeny“ dürfte sich Kat Riggins endgültig einen Platz unter den besten zeitgenössischen Bluessängerinnen verdient haben.

Label: Gulf Coast Records
Stil: Blues, Rock

Tracks:
01. Walk On
02. Sinkin‘ Low
03. Espresso
04. Got To Be God
05. Warriors
06. In My Blood
07. Walk With Me Lord (Interlude)
08. Promised Land
09. My City (Feat. Busta Free & Albert Castigliani)
10. Cross The Line
11. Woahman (Feat. Melody Angel)
12. Mama
13. 40 25:40

Kat Riggins
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