The Gaslight Anthem – History Books – CD-Review

Review: Michael Segets

Nachdem Brian Fallon auf Solopfaden wandelte, blieb lange Zeit unklar, ob und wie es mit The Gaslight Anthem weitergeht. „History Books“ beantwortet nun diese Fragen. Fallon trommelte Alex Roamilia (Gitarre), Benny Horowitz (Schlagzeug) und Alex Levine (Bass) wieder zusammen, um da weiterzumachen, wo The Gaslight Anthem mit „Get Hurt“ (2014) vorerst aufhörten. Trotz der langen Pause zeigt sich eine Kontinuität des Sounds, die durchaus beabsichtigt ist. Das Quintett wollte sich nicht neu erfinden und das ist gut so.

The Gaslight Anthem steht für einen eigen Klang, der irgendwo zwischen Heartland und Punk Rock angesiedelt ist. Das Zusammenspiel zwischen härteren Riffs und leiseren Tönen sind dabei ein Markenzeichen der Band. Vor allem Fallons Gesang verbindet oftmals in seiner eigenen Art Aggressivität mit Sensibilität, wodurch er Gänsehautmomente erzeugt. Diese stellen sich auf dem neuen Album insgesamt seltener ein. Die Intensität von Fallons Gesang reicht nach dem Eindruck der ersten Durchläufe nicht ganz an die früherer Songs heran.

Diese Kritik soll aber über das Niveau der aktuellen Scheibe nicht hinwegtäuschen. Sie mag auch verzerrt sein, da sich vor allem „Keepsake“ und „Too Much Blood“ als Vergleichspunkte bei mir eingebrannt haben. Die beiden Songs tönen seit elf Jahren mehr oder minder regelmäßig durch meine Lautsprecher. Sie stammen von „Handwritten“, auf dem sich die beiden starken Stücke „Spider Bites“ und „I Live In The Room Above“ gut integriert hätten. Die Titel zeigen, dass The Gaslight Anthem den Wechsel von brachialen Gitarren und gefühlvollen Passagen immer noch perfekt beherrschen. Obwohl die Songs um die vier Minuten kreisen, gelingt das Spiel mit der Dynamik erneut hervorragend.

Die bisherigen Singles spiegeln die aggressive Seite des Albums wieder. So gehen „Positive Charge“ und „Little Fires“, bei dem Stefan Babcock (PUP) mit von der Partie ist, ohne Kompromisse straight forward. Auch der bereits herausgegebene Titelsong „History Books“ rockt mit straffen Rhythmus. Bruce Springsteen tritt hier als Duett-Partner von Fallon auf. Die beiden fühlen sich schon längere Zeit verbunden – nicht nur aufgrund der gemeinsamen Herkunft aus New Jersey. Die Anregung für die Zusammenarbeit stammt vom Boss und Fallon ergriff die Chance, dass einer seiner musikalischen Heroen einem selbstgeschriebenen seine Stimme leiht.

Die Auswahl der Singles ist nicht repräsentativ für den Longplayer. Bei fast der Hälfte der Songs schlägt die Band gemäßigte Töne an. „Michigan, 1975“ sowie das von Keys dominierte „Empires“ sind sanfte, aber intensive Balladen. Auch mit „Autumn“, bei dem ein leicht keltischen Einschlag durchscheint, gelingt der Band eine runde Sache. „The Weatherman“ sticht unter den melodiösen Beiträgen hervor und stellt meinen Favoriten auf der Scheibe dar. Der Track lässt ebenso wie das abschließende „A Lifetime Of Preludes“ Verbindungslinien zu „Local Honey“ (2020), dem – lässt man seine Weihnachtsplatte unberücksichtigt – letzten Soloalbum von Fallon, aufblitzen.

Protest und Widerstand bleiben weiterhin Bestandteile der greifbaren Poesie in den Texten. Der Titel „History Books” umschreibt die thematische Ausrichtung des Albums. Die Auseinandersetzung mit vergangene Kapiteln des Lebens an dem Punkt abzuschließen, an dem es zur Belastung wird, an ihr festzuhalten, mag sich als essentielle Empfehlung herauskristallisieren. Dass Fallon und Co. das Kapitel der gemeinsamen Geschichte noch nicht beendet haben, sondern die Vergangenheit aufleben lassen, stellt für die Hörer einen Glücksfall dar.

Das Comeback von The Gaslight Anthem knüpft nahtlos an die früheren Alben an. Rockige Nummern mit einer gewissen Punk-Attitüde wechseln sich mit ruhigen Stücken ab. Selbst bei den leiseren Beiträgen versprühen Brian Fallon und seine Mitstreiter immer noch die Energie, für die die Band bekannt ist.

Rich Mahogany Recordings – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Rock

Tracks:
01. Spider Bites
02. History Books (feat. Bruce Springsteen)
03. Autumn
04. Positive Charge
05. Michigan, 1975
06. Little Fires (feat. Stefan Babcock)
07. The Weatherman
08. Empires
09. I Live In The Room Above
10. A Lifetime Of Preludes

The Gaslight Anthem
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

King Tree And The Earthmothers – 20.10.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Nachdem Henry James vor einigen Wochen noch mit Robert Jon And The Wreck in der Kulturrampe gespielt hat, ist er an einem Freitag Abend mit seiner Band King Tree And The Earthmothers in der Kulturrampe am Krefelder Großmarkt. In der gut gefüllten Location präsentierte er den Fans das nach zwei EPs erst im Juli erschienene Album „Modern Tense“. Dabei findet an dem Abend jeder neue Song seinen Platz auf der Setlist.

Mit seinem Freund aus Schulzeiten, dem Bassisten Adam Ditt und Drummer Derek Eglit hat er zwei kongeniale Partner an seiner Seite, mit denen er im Stile eines Powertrios eine psychedelischen Hard Rock auf die Bühne bringt.
Anfangs scheint James noch leicht nervös, anders als bei Robert Jon steht er hier alleine in vorderster Front, doch im Laufe des Konzertes ist zu merken, wie er sich unterstützt durch die starke Rhythmusarbeit von seinen beiden Kollegen regelrecht frei spielt und zeigt, dass er ein Klasse-Gitarrist ist, der den Songs mit seinem Arbeitsgerät einen psychedelisch Touch geben kann.

In einigen Phasen kommt auch ein Southern- oder Blues-Touch in die Stücke, die Grundlage bleibt aber eher ein spaciger Hard Rock mit einigen jammenden Elementen, die bei den Fans für Szenenapplaus sorgen.
Spätestens mit Beginn des zweiten Sets haben James, Ditt und Derek Eglit die Fans voll hinter sich gebracht und bringen richtig Stimmung in die Bude. Anerkennenswert ist, dass er nicht den erfolgreichen Stil von RJTW kopiert, sondern mit diesem Soloprojekt einen anderen Weg einschlägt.

Line-up:
Henry James (guitar, lead vocals)
Adam Ditt (bass)
Derek Eglit (drums)

Text & Bilder: Gernot Mangold

King Three And The Earthmothers
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Kulturrampe
Teenage Head Music

Saga – 16.10.2023 – Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

Saga, die mittlerweile auf eine 46 jährige Bandgeschichte zurückschauen kann sorgen dafür, dass das im hinteren Bereich abgehängte Carlswerk ordentlich gefüllt ist. Passend zum Bandnamen ist als Bühnenbild eine Szenerie gewählt, die scheinbar geprägt ist, von antiken Säulen, die sich bei genauen Betrachten als futuristische Hochhäuser, die aus einer City herausragen, verwandeln, was je nach Beleuchtung der Bühne einen mystischen Eindruck macht.

Im etwa 100-minütigen Konzert greifen die Musiker weit in die Vergangenheit und Songs aus der erfolgreichsten Zeit der Band zwischen 1978 und 1983 stehen im Mittelpunkt des Konzerts. Vom ersten Stück „No Stranger“ an hat Fronter Michael Sadler alles im Griff und zeigt sich auch als guter Entertainer. Dabei zeigt er sich stimmlich absolut auf der Höhe und spielt zunächst auch den Bass, während er im späteren Verlauf des Konzertes als Keyboarder, zusammen mit Jan Gilmour (auch schon seit 44 Jahren bei Saga), der neben dem Keyboard auch bei einigen Songs den Leadgesang beisteuert, für den Saga-typischen Sound sorgt.

Ian Crichton, das einzige beständige Mitglied des Quintetts, steht neben Sadler visuell des öfteren im Vordergrund. Mit teilweise harten rockigen Riffs und Soli hat er einen erheblichen Anteil, dass sich über weite Strecken ein sehr rockiges Konzert entwickelt, in dem die Musiker offerieren, dass Saga den komplexen Sound der Alben auch live in Szene setzen kann.

Über Hits wie „On The Loose“, „Humble Stance“, mit abschließenden Drumsolo von Mike Thorne, „Scatching The Surface“, „You`re Not Alone“ geht es zu „Don`t Be Late“ als letzten Song des Sets, und das über die gesamte Show bestens mitgehende Publikum sorgt mit vehementen Zugabeforderungen dafür, dass die Musiker noch einmal auf der Bühne erscheinen.

Mit den obligatorischen „Wind Him Up“, gefolgt von „The Flyer“ beendet Saga eine Reise in die Vergangenheit. Die drei Urgesteine, unterstützt vom Drummer Mike Thorne, der seit 2012 dabei ist und ‚Jungspund‘ Dusty Chesterfield, der neben den Keyboards auch bei einigen Stücken am Bass aktiv ist, stellen dabei klar, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Line-up:
Michael Sadler – Vocals. Keyboards, Bass
Ian Crichton – Guitars
Jim Gilmour – Keyboards, Vocals
Dusty Chesterfield – Keyboards, Bass
Mike Thorne – Drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Saga
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Carlswerk Victoria
3Dog Entertainment

Skinny Lister – Shanty Punk – CD-Review

Review: Michael Segets

Woody Allen lässt eine seiner Filmfiguren mal sinnieren, dass sie gestern noch glücklich war, dies aber nicht wusste. Das zu genießen, was man hat und die vergönnten Augenblicke zu leben, ist die zentrale Massage von „Mantra“, der zweiten Singleauskopplung von Skinny Listers „Shanty Punk“. Lorna Thomas singt diesen lockeren, sofort ins Tanzbein gehenden Country-Song in Verneigung vor Dolly Parton. Mit seiner entspannten Wohlfühlatmosphäre schert er aus der Riege der anderen Tracks aus. Diese folgen dem durch den Albumtitel abgesteckten Spannungsfeld von Shanty und Punk.

Die Kombination aus Irish Folk mit Rock- oder Punkelementen funktioniert bei Skinny Lister hervorragend, zumal die Band einen variantenreiche Mix vorstellt. Da sind auf der einen Seite die Seemannslieder: Bei „Haul & Bale“ stimmt Frontmann Daniel Heptinstall einen Wechselgesang mit dem Chor an; bei „13 Miles“ gibt es nur Rhythmus und die Stimmen der Seebären. Man möchte spontan auf einem Kahn anheuern und zu den Tauen greifen.

Auf der anderen Seite stehen die Nummern, die eine Verbindung zum Punkrock nicht verleugnen können: „Down On The Barrier“, „Arm Wrestling In Dresden“ und – wiederrum mit den Lead Vocals von Lorna Thomas – „Pittburgh Punch Up“. Insgesamt präsentiert sich Skinny Lister in dieser Hinsicht aber etwas gemäßigter als die ebenfalls aus London stammende Band The Lagan, die kürzlich in der Kulturrampe gastierte.

Beim Celtic Punk drängt sich natürlich ein Vergleich mit The Pogues auf. Die Nähe zu der Band um Shane MacGowan zeigt sich bei der ersten Single „Company Of The Bar“ und noch deutlicher bei dem galoppierenden „Unto The Breach“. Im Gegensatz zu den Dropkick Murphys oder Flogging Molly bleibt Skinny Lister auf „Shanty Punk“ tendentiell näher am Folk. Dies belegen „Forge On George“ und vor allem der Song um den kriminellen Lebemann „William Harker“.

„Shanty Punk“ birgt viele Augenblicke, die es zu genießen lohnt. Angefangen bei „Haul & Bale“ über „Unto The Breach“, „Mantra“ und „Pittburgh Punch Up“ bis hin zur abschließenden, kraftvollen Ballade „Broken, Bruised And Battered“, bei der nochmals Thomas am vorderen Mikro steht, finden sich gelungene Titel aus Shanty, Rock, Country, Punk und Folk. Mit Ausnahme des Country-Stücks verbindet alle der eigene Klang der keltischen Musik mit Fidel und mehrstimmigen Gesängen.

„Shanty Punk“ ist eine abwechslungsreiche Sache, nicht zuletzt durch die wechselnden Lead Vocals von Daniel Heptinstall und Lorna Thomas. Skinny Lister versprühen mit ihrem keltischen Folk-Rock Energie, egal ob sie sich am Shanty, Punk oder gar Country bedienen.

Xtra Mile Recordings (2023)
Stil: Folk-Rock, Celtic Punk and more

Tracks:
01. Haul & Bale
02. Unto The Breach
03. Company Of The Bar
04. Mantra
05. 13 Miles
06. Down On The Barrier
07. Arm Wrestling In Dresden
08. Pittburgh Punch Up
09. Forge On George
10. William Harker
11. Broken, Bruised And Battered

Skinny Lister
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Xtra Mile Recordings
Oktober Promotion

Israel Nash – Ozarker – CD-Review

Review: Michael Segets

Mit dem Titel „Ozarker” gibt Israel Nash ein Bekenntnis zu seiner Herkunft ab. Aus Missouri stammend hat er das Lebensgefühl der Menschen im Gebiet der Ozark Mountains verinnerlicht, obwohl er mittlerweile in Texas beheimatet ist. Harte Arbeit, die Familie und Verpflichtungen auf der einen Seite und die Gedanken an einen Aufbruch, einen Neuanfang und die Sehnsucht nach etwas Besserem auf der anderen Seite bilden das thematische Spannungsfeld, in dem sich jeher der Rock aus dem mittleren Westen bedient. An diese Tradition knüpft Nashs „Ozarker“ an.

Die ersten drei Tracks des Albums sind bereits als Singles vorab herausgegeben worden: „Can’t Stop“, „Roman Candle“ sowie das Titelstück. Wenn man möchte, kann man hier durchaus Ähnlichkeiten zu maßgeblichen Werken des Heartland Rock ziehen, die für Nashs frühe musikalische Sozialisation entscheidende Bedeutung hatten. Etwas von Bruce Springsteens „Born In The USA“, von Tom Pettys „Full Moon Fever“ oder von Bob Segers „Night Moves“ schwingt bei den Songs mit. Auch wenn Nash nicht über die markante Stimme seiner Vorbilder verfügt, macht er seine Sache als Sänger gut und tritt als deren Epigone an, die Fahne des Heartland Rocks hochzuhalten.

Inhaltlich wirft Israel Nash, eigentlich Israel Nash Gripka, ebenfalls einen Blick zurück. In den Texten finden sich die Menschen und Erzählungen wieder, die ihn prägten. Seine Mutter notierte ihm Familiengeschichten, mit denen er sich zunächst zurückzog, um daraus die Songs im Alleingang zu entwickeln. So dienen beispielsweise Episoden aus dem Leben seines Urgroßvaters als Vorlage für den Titeltrack. Danach holte er weitere Musiker – Curtis Roush (Gitarre), Patrick Hallahan (Schlagzeug), Seth Kauffmann (Bass) und Eric Swanson (Pedal Steel) – zusammen, um die Stücke instrumental einzuspielen. Schließlich setzte sich Nash mit dem Produzenten Kevin Ratterman hin und fügte seinen Gesang, zusätzliche Gitarren und Synthesizer hinzu.

Am Ende dieses Prozesses stehen nun zehn zeitlose und molodiöse Rocksongs, die mit vollem Sound, hallenden Gitarren und überwiegend voluminösen Klangteppich aus den Lautsprechern schallen. Den hymnischen Charakter des Einstiegs behalten einige langsamere Titel bei. In dieser Kategorie ist besonders das eingängige „Pieces“ hervorzuheben. Nash gibt den Titeln im Schnitt klassische viereinhalb Minuten. Einzig „Going Back“ knackt die Fünf-Minuten-Marke mit Tempowechsel, längerer Bridge und abschließendem Gitarrensolo.

In der zweiten Hälfte versieht Nash die Stücke mit einem etwas erdigeren Sound. Dadurch nimmt einen die sehnsuchtsvolle Ballade „Lost In America“ besonders mit. Auch „Shadowland“, mit punktgenauem E-Gitarreneinsatz, überzeugt durch die intensive Performance. Etwas lockerer geht es Nash mit „Travel On“ an. Die Struktur des Tracks erinnert in manchen Passagen an John Hiatt. Die drei Titel sind jenseits der voluminösen Hymnen die heimlichen Highlights des Albums.

Israel Nash ruft die gute alte Zeit des Heartland Rocks in Erinnerung. Er verordnet dieser Spielart des Rocks eine moderate Verjüngungskur und greift dabei musikalisch und thematisch auf die bekannten Ingredienzien zurück. Nash belegt mit „Ozarker“, dass der Heartland Rock etwas zu bieten hat, das die Seele berührt, und daher noch lange nicht begraben ist.

Loose Music – Rough Trade (2023)
Stil: Heartland Rock

Tracks:
01. Can’t Stop
02. Roman Candle
03. Ozarker
04. Pieces
05. Going Back
06. Firedance
07. Lost In America
08. Midnight Hour
09. Travel On
10. Shadowland

Israel Nash
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Pias/Rough Trade
Oktober Promotion

Henrik Freischlader – 11.10.2023 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Mit dem 2022 erschienenen Album „Recorded By Martin Meinschäfer II“ kehrte Henrik Freischlader wieder zurück zum rauheren rockigen Blues und spielte erst kürlich ein Livealbum „Studio Live Sessions“ als Quartett ein. Schon beim instrumentalen Intro wird deutlich, dass Freischlader und seine Band wieder beim schnörkellosen Blues angekommen sind. Dass Freischlader zur Spitze der Bluesmusiker in Deutschland gehört, beweist er eindrucksvoll beim etwa 120 minütigen Konzert im gut gefüllten Musiktheater Piano.

So ist es wenig überraschend, dass von Beginn an eine super Stimmung herrscht, die sichtbar von den Musikern aufgesogen wird. Dies macht sich auch bei den Ansagen zu den Stücken bemerkbar, wo Freischlader über die Entstehung von Songs redet, z. B., dass ein Beziehungsende die Grundlage für „Disappointed Woman“ war. Ansonsten lässt er seine Gitarren reden, flechtet starke Soli in die Stückes ein und lässt seinen Musikern in einigen jammenden Phasen auch genug Spielraum, ihre Klasse zu offerieren.

Neben Freischlader ist Keyboarder Moritz Furhop auf dem unteren Teil der Bühne platziert und zeigt bei einigen Soli seine Klasse. Stark, wie er sich bei mehreren Songs, mit Freischlader die Noten wechselweise zuspielt, ansonsten aber für einen vollen Sound mit seiner Hammond Orgel sorgt.

Im hinteren, erhöhten Teil der Bühne steht die Rhythmusfraktion mit Armin Alic am Bass und Hardy Fischötter an den Drums, die gewissermaßen die beiden anderen durch ihren vorgebenden Takt vorantreiben. Bei einem Solopart, den zunächst Alic und Fischötter gemeinsam beginnen, können Freischlader und Furhop neben der Bühne ein paar Minuten Pause machen, später gesellt sich auch Alic dazu, als Fischötter alleine den Saal zum Mitklatschen bringt.

Auch die neuen Tracks wie „Free“, das direkt nach dem Intro gespielt wird und „The Question“ kommen beim Publikum sehr gut an, wobei Freischlader aber auch einiges aus älteren Zeiten spielt, wie das bereits angeführte „Disappointed Woman“ oder die Zugabe „Bad Dreams“.

Knapp zwei Stunden vergehen so wie im Fluge und Freischlader hat seinen Fans das gegeben, was sie haben wollten; einen Klasse Blues-Abend, an dem auch Markuz Wallach seinen Anteil hatte, der in einem etwa 30 minütigen Support mit Akustikgitarre, Mundharmonika und Loopstation verdientermaßen weitaus mehr als einen höflichen Applaus einheimste.

Wer Henrik Freischlader in Dortmund nicht sehen konnte, kann ihn am 04.11. im Rahmen der Leverkusener Jazztage mit Beth Hart nochmals bewundern.

Line-up:
Henrik Freischlader– lead vocals, guitars
Moritz Furhop– hammond organ
Armin Alic – bass
Hardy Fischötter – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Musiktheater Piano

Arena – 08.10.2023 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Im Rahmen einer kurzen Europatour spielt die britische Prog Rock Band ihr einziges Deutschlandkonzert im Dortmunder Musiktheater Piano. Die Setlist des Konzertes umfasst Songs vom ersten Album, das 28 Jahre zurückliegt, bis zum aktuellen Werk „The Theorie Of Molecular Inheritance“. Vom ersten Song „Time Capsule“ an gehen die Fans im gut gefüllten Musiktheater begeistert mit. Im Rhytmus der Musik mitklatschen, Refrains mitsingen und im Takt der Songs mitwippen, ist angesagt.

Das Konzept der Stücke ist wie in der Vergangenheit progressiv mit Klangteppichen, wobei insbesondere durch die neuen Songs auch Elemente des Metal hinzugekommen sind. Dies mag auch Damian Wilson liegen, der erst seit 2020 dabei ist, der gestenreich die Stimmung der Songs untermalt und oft den Kontakt zu den Fans herstellt.

In eher instrumentalen Passagen hält er sich im Hintergrund oder ölt neben der Bühne seine Stimme und überlässt John Mitchel an der Gitarre und Bassist Kylan Amos das Zentrum der Stage. Gerade Mitchel kann mit einigen langen aber variablen Soli begeistern.

Drummer Mick Pointer und Keyboarder Clive Nolan, die beiden einzig verbliebenen Gründungsmiglieder, wobei der seit 1997 mitspieldende Mitchel auch schon zum Inventar gehört, stehen erhöht auf dem Podest in der zweiten Rheihe der Bühne. Dabei bringt insbesondere Nolan an den Keyboards athmpsphärische progressive Elemente in den oft harten und gut abgemischten Sound, während Pointer an den Drums ganz unaufgeregt den Takt vorgibt.

Mit „Crying For Help VII“ endet nach etwa zwei Stunden ein Konzert, bei dem Arena jederzeit für eine ausgesprochen gute Stimmung im Piano gesorgt hat, und das Publikum noch mehrere Male den Refrain singt, während die Musiker schon am Rand der Bühne stehen. Sänger Damion Wilson, der auch bei einem Song durchs Publikum ging, begibt sich direkt an den Ausgang der Kneipe des Piano, um sich mit Handschlag persönlich von den Fans zu verabschieden, was eine enorme Fannähe zeigt, aber auch zum Ausdruck bringt, wie das Publikum an dem Abend auf die Band gewirkt hat.

Ein Dank geht an Wolfgang Stolt von Impuls Promotion für die problemlose Akkreditierung und den netten Empfang, der es mit Sicherheit nicht bereut hat, mit Arena ins Dortmunder Musiktheater Piano zu gehen, das einen ansprechenden Rahmen für das Konzert zur Verfügung gestellt hat.

Line-up:
Damian Wilson – vocals
John Mitchel – guitars
Clive Nolan – Keyboards
Kylan Amos – bass
Mick Pointer – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Arena
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Musiktheater Piano
Impuls Promotion

The Groove Krewe featuring Jonathon Boogie Long – Blues From The Bayou – EP-Review

 

Eine Portion swampig groovender Blues Rock gefällig? Dann ist der geneigte SoS-Leser bei der Groove Krewe an der richtigen Stelle. Hinter dieser Formation verbirgt sich das Songwriter-, Produzenten- und Musiker-Trio Rex Pearce, Nelson Blanchard und Dale Murray.  Zahlreiche ihrer Songs wurden schon im nationalen Fernsehen als auch im Radio gespielt, in den Mardi Gras-Clubs in New Orleans nannte man sie schlicht die ‚Krewes‘.

Mittlerweile ist daraus das The Groove Krewe-Projekt entstanden. Für ihre Studio-Werke hat man es nun zur Gewohnheit gemacht, für die kreierten Tracks einen passenden Fronter anzuheuern. In diesem Fall hat man sich für den uns,  von seinen beiden Werken „Same“ und „Parabels Of A Southern Man“ bestens bekannten Jonathon ‚Boogie‘ Long entschieden. um das aktuelle Werk „Blues From The Bayou“ einzuspielen.

Das passende sumpfige Cover Artwork hat Diane Millsap illustriert. in einer guten Viertelstunde bekommt fünf sehr schön divers gestaltete Blues Rock-Tracks geboten, die die Spielmentalität in dieser Region hervorragend wiedergeben. Treibende groovende Bläsersätze sind genau so Bestandteil wie unzählige quirlige E-Gitarrensoli, die vornehmlich von Jonathon erledigt werden. An den Drums ist u. a. der bekannte Nashville-Musiker Eddie Bayers mit zu Gange.

Auch Longs Stimme, die mich zum Teil an den einstigen Molly Hatchet-Sänger Jimmy Farrar erinnert, verleiht den Song teilweise den nötigen Drive. Bestes Beispiel ist hier das abschließende „Eclipsed By Love„, das auch wunderbar auf die damalige legendäre „Beatin‘ The Odds“-Scheibe gepasst hätte. Mein Favorit ist allerdings das atmosphärisch stampfende und groovende, ein wenig an Sachen von Peter Green erinnernde  „Lightnin‘ Don’t Struck Again„.

Keyboarder Nelson Blanchard hat seine starken Szenen beim sexy-hüftschwingenden „Dangerous Curves“ (auch mit klasse Background vocals) mit tollem Gurgel-Orgel-Solo und beim Retro-Schunkler „Empty Pocket Blues“ (HT-Hintergrund-Geklimper), Rex Pearce spielt ergänzende Gitarrenparts und hält mit anderen Kollegen Long den Rücken frei, während sich Dale Murray  mit nur einer Percussionbeteiligung beim finalen „Eclipsed By Love“ instrumentell eher im Hintergrund befindet.

Insgesamt ist The Groove Krewe ein klasse Projekt, dass natürlich immer von der Art der Musik und eben dem gewählten Fronter/in abhängen wird. Hier auf „Blues From The Bayou“ passt alles perfekt zusammen. Man darf gespannt sein, was von dem Trio noch zukünftig so alles ausgeheckt wird. Diese Teil ist auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung. The Groove Krewe groovt!

Sound Business Services (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Ain’t No If About It
02. Lightnin‘ Don’t Struck Again
03. Dangerous Curves
04. Empty Pocket Blues
05. Eclipsed By Love

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Jonathon Boogie Long
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Vanja Sky – 06.10.2023 – Falkos Butze, Tönisvorst – Konzertbericht

Nachdem Vanja Sky im Sommer ihr drittes Album „Reborn“ veröffentlicht hat, kommt sie mit diesem im Gepäck erstmals in Falkos Butze ins niederrheinische Tönisvorst. Knapp 100 Besucher sorgen dafür, dass die Location optisch ansehnlich gefüllt ist, auch wenn noch einige mehr hineingepasst hätten.

Gegen 20:30 Uhr betritt Vanja mit ihrer Band die Bühne und bringt mit „Rock`n`Roll Train“ und „Bad Penny“ direkt Stimmung ins Publikum. Vor Die Ansage zu „Devil Woman“ nutzt sie dann, um die Besucher, die zuvor etwa zwei bis drei Meter Sicherheitsabstand zur Bühne gewahrt hatten, dazu zu animieren, ruhig näherzukommen, und fügte mit einem Lächeln hinzu, dass sie auch Keinem etwas tun werde.

In der Folge wird dann der Bereich mittig vor der Bühne ohne Sicherheitsabstand genutzt, was die ohnehin gute Stimmung noch einmal anhebt. Dazu gibt es noch eine Anekdote am Rande, wo sich ein Besucher, der scheinbar mit der Theke am Rand des Saals etwa zehn Meter von der Bühne entfernt, verwurzelt war, sich im Laufe des Konzertes beschwert, weil seine uneingeschränkte Sicht gestört ist, wenn sich jemand am Rand der Bühne neben der Box aufhält.

Vor der Bühne war auch noch genügend Platz. Ich warte auf den Moment, wo Konzertbesucher Handtücher vor die Bühne legen und so ihre Plätze zu reservieren. Um keinen Stress zu haben und auch die insgesamt gute Stimmung nicht zu beeinträchtigen, gibt es in einer nicht vollen Lokation ja genug andere Plätze das Konzert zu verfolgen und Hedonisten ihren Raum zu lassen.

Nach „Voodoo Mama“ kommt dann für mich der musikalische Höhepunkt eines ohnehin starken Auftritts. Sky greift zur akustischen Gitarre und es folgt das anfangs balladeske „Run Away“, wozu sie sagt, dass dies der Lieblingssong ihres Vaters auf dem neuen Album ist –  der Mann hat Musikgeschmack. Zur Mitte des Tracks tauscht sie dann die akustische mit der elektrischen Gitarre und es folgt ein instrumentaler Part, in dem sie sich twinguitarmäßig mit ihrem Gitarristen Guenther Haas duelliert und ein Flair von Wishbone Ash aufkommt.

Bei „Trouble Make“ wird es dan noch einmal härter und mit dem Bee Gees-Song „Somebody To Love“ verabschiedet sich die Band in die Pause. Dabei nutzt Vanja eine Phase, wo das Publikum den Gesangspart übernimmt, um sich unter die Fans zu mischen und dem einen oder anderen Besucher mit einer Blume zu überraschen.

Nach etwa 20 Minuten geht es dann weiter und es folgt eine etwa knappe Stunde mit einer Mischung aus Rock- und Blues-Songs. Ganz stark im Dreierpack „Hit Me With The Blues“ mit jammenden Part, „Crossroads Of Life“ und das von Roger Inniss geschriebene „Rusty Fingers“. Wie über das gesamt Konzert zeigt sich auch hier die Klasse ihrer Rhythmus-Sektion.

Artjom Feldtser am Bass legt fette Bassläufe hin und, steuert eine Backing Vocals bei und Drummer Hannes Hoffmann bringt den passenden Groove in die Stücke und zeigt, dass es eine Klasse von guten Drummern ist, sich auch zurückhalten zu können.

Mit „I´d Love To Change The World“, was bei der derzeitigen politischen Weltlage mit Sicherheit eine Alternative wäre, wird es noch einmal etwas bedächtiger, bevor Vanja mit einer krachenden Version eines ihrer Vorbilder, Rory Gallagher, „Shadow Play“ spielt, bei dem die Zuschauer auch den Background-Gesang mit anstimmen, dem als Zugabe noch eine rockige Version von „Louie, Louie“ folgt.

Schon kurz nachdem sich die Band vom begeisternd mitgehenden Publikum verabschiedet hat stehen Sky und die Band im Bereich des Merchandise-Standes für Smalltalk und Erinnerungsfotos parat und runden so einen harmonischen Rockabend in der Butze ab.

Line-up:
Vanja Sky – lead vocals, guitars
Guenther Haas – guitars, backing vocals
Artjom Feldtser– bass, backing vocals
Hannes Hoffmann – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Falkos Butze

Absolva – 30.09.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Kurz vor 21:00 Uhr läutet „Hells Bells“ von AC/DC den Auftritt von Absolva in der ausverkauften Krefelder Kulturrampe ein. Wie gewohnt sagt Pille Peerlings die Band an und sorgt dabei für den ersten großen Applaus, als er verkündet, dass ein Nachfolger für die Rampe gefunden ist, der das bewährte Konzept weiterführt.

Danach folgen etwa 100 Minuten melodischer Hard- und Heavy Rock klassischer britischer Machart. Die Setlist umfasst dabei Songs aus allen Alben der elfjährigen Bandgeschichte. Mit den Titelsongs der ersten drei Alben „Flames Of Justice“, „Anthems To The Dead“ und „Never A Good Day To Die“ geht die Reise zunächst in die Anfangszeiten der Truppe.

Harte Gitarrenriffs der Appleton Brüder fliegen den begeistert mitgehenden Hard Rock-Fans um die Ohren, aber auch starke Soli der beiden zum Teil in Twin Manier begeistern die Zuschauer. Christopher Appleton gelingt es mit seiner Stimme jederzeit gegen das instrumentale Gewitter anzusingen, was auch daran liegt, dass Drummer Martin Mcnee druckvoll, aber mit der nötigen Zurückhaltung die Drumsticks schwingt.

Auch Bassist Karl Schramm legt starke Bassläufe aufs Parkett und zeigt sich fast durchgehend in headbangender Pose, dass es fast verwunderlich ist, dass er das Konzert nicht mit Schleudertrauma beendet. Im weiteren Verlauf des Abends bilden dann Songs des 2022er Albums „Fire In The Sky“ wie der Titelsong, „Stand Your Ground“ oder „Historic Year“ das Skelett der Setlist. Gespickt wird dies mit einigen Stücken von „Deflance“ und „Side By Side“, sodass jedes Album musikalisch erwähnt wird.

Mit „Code Red“ einem Song vom Debüt und „Refuse To Die“ von letzten Wek beendet Absolva unter tosenden Applaus das Konzert, und nach vehementen Zugabeforderungen gehen die vier Briten direkt wieder auf die Bühne. Als Zugaben legt das Quartett noch „From Beyond the Light“, „Who Dares Wins“, What Does God Know?“ und „Burning Star“ nach. Beim letzten Track singt das Publikum im Refrain als Chor mit und beendet, als sich das Quartett verabschiedet, stimmgewaltig einen starken Hard Rock-Abend, den die Jungs von Absolva mit den Fans in der Kneipe der Rampe ausklingen lassen.

Line-up:
Christopher Appleton – vocals, guitar
Luke Appleton – guitars, backing vocals
Karl Schramm – bass, backing vocals
Martin Mcnee – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe