The Electric Alley – Get Electrified! – CD-Review

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Hard Rock aus Spanien ist hierzulande eher eine Randerscheinung. Die Heroes del Silencio hatten in den späten 80er und frühen 90er Jahren des letzten Jahrtausends einige beachtliche Rock-Disko-kompatible Songs herausgebracht, die aber eher eine Mischung aus (Hard) Rock und Independent darstellten.

Mit Electric Alley, 2012 im spanischen Cadiz gegründet, macht sich eine Band auf dem Weg, diese Lücke zu schließen. Stilistisch ist die Band eher den Hard Rock-Bands aus den 90er Jahren zuzuordnen, was sich auch an der Besetzung  mit Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug zeigt. Das bedeutet aber nicht, dass Electric Alley nicht ihren eigenen Charakter gefunden hat und nur ein Abklatsch alter erfolgreicher Bands aus dem Genre wären.

Der Titelsong „Get Electrified!“, eine Uptemponummer, erinnert insbesondere vom Gitarrensound her, an gute alte Guns’n’Roses-Stücke. Bei „Last Letter“ übernimmt Jaime Moreno, ähnlich wie Alice Cooper, zunächst den Part eines Erzählers, ehe der Track Fahrt aufnimmt. Das monumentale „Can We Have Some Love Between Us“ ist eine Ballade mit typischen Midtempo-Gitarrensolo. Der Gesang erinnert in manchen Passagen an Steven Tyler von Aerosmith oder auch Jon Bon Jovi. „Searchin For The Truth“ könnte auch auf mancher Southern Rock- Scheibe seinen Platz finden.

„Eagles Fly Solo“ wird Hörer erneut erfreuen, die auf Balladen à la Aerosmith stehen. Mit „Free My Soul“, „No Reservations“ und „Go“ nimmt die Platte wieder Fahrt auf und man befindet sich wieder in den Gefilden zwischen Guns’n’Roses und Acts wie Cinderella. „Live While You’re Alive“ und „A Lonely Sun Story“, zwei starke, eher dem Genre Southern Rock zuzuordnende Songs, beschließen das Album, wobei beim letztgenanntem Lied gesanglich wieder eine Nähe zu Steven Tyler/Jon Bon Jovi zu erkennen ist.

Insgesamt ist „Get Electrified!“ von Electric Alley eine abwechslungsreiche Platte, die aufgrund der verschiedenen stilistischen Einflüsse nie langweilig wird und mit Sicherheit auch die Basis für energiegeladene Konzerte abgibt.  Freunde des Hard- und Southern Rocks im Rahmen der bereits erwähnten Interpreten wie Aerosmith, Guns’n’Roses, Bon Jovi und Cinderella oder der neuen Generation von Bands wie Robert Jon And The Wreck oder Stolen Rhodes werden hier bestens angesprochen.

Line Up:
Nando Perfumo – Electric Guitars, Acoustic Guitars, Background Vocals
Jaime Moreno – Vocals, Electric Guitars, Acoustic Guitars
Sergio Reyes Gamaza – Bass, Background Vocals
Rafa Gonzales – Drums, Percussion

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El Hard Rock de Espańa es en este pais un fenōmeno secundario. Entre finales de los 80 y principios des los 90, Heroes del Silencio sacaron al mercado canciones compatibles con la Radiofōrmula y las discotecas, las cuales representabas nás bien una mezcla de (Hard)Rock y Rock independiente.

Con “The Electric Alley”, fundada en 2012 en la ciudad espańola de Cádiz, una banda se encamina a cerrar ese hueco. Estilisticamente se podria clasificar como una de aquellas bandas de los 90, que se presenta en las filas con voz, dos guitarras, un bajo y bacteria. Claramente eso no significa que “The Electric Alley” no hayan encontrado su propio carácter y sean solamente una copia de Viejas y exitosas bandas del género.

La cancion que da titolo al disco “Get Electrified!”, de ritmo rápido y energético, recverda con sus guitarras especialmente a antiguas y buenas piezas de Guns`N`Roses. En “Last Letter” adopta Jaime Moreno el papel de un narrador, con aires a lo Alice Cooper, antes de que la cancion se ponga en marcha. La monumental “Can We Have Some Love Between Us” es una balada a medio tiempo con solos de guitarra. El Cantante recuerda en varios pasajes a Steven Tyler de Aerosmith o también a Jon Bon Jovi. “Searching For The Truth” es bien una cancion que tendria su hueco en algunos discos de Rock sureno.

En “Eagles Fly Solo” disfrutarán todos aquellos oyentes de baladas a la Aerosmith. Con “Free My Soul”, “No Reservations” y “Go” coge el disco de nuevo ritmo y volvemos al terreno entre Guns`N`Roses y las actuaciones de Cinderella. “Live While You`re Alive” y “A Lonely Sun Story” son las dos canciones que cierran el disco, mas en el estilo del “Rock Sureno” que las antres mencionadas. En “Lonely Sun Story” podemos reconocer en la voz y en el estilo a Steven Tyler/Jon Bon Jovi.

En conjunto es el “Get Electrified!” de “The Electric Aley” un álbum muy variado, que gracias a sus diversas influencia no será aburrido de escuchar y con seguridad, es una base que traerá conciertas dinámicos. Los amigos del Hard Rock y el Rock sureńo, sobretodo de los ya mencianndos come Aerosmith, Guns`N`Roses, Bon Jovi y Cinderella o de la nueva generacion de bandas como Robert Jon And The Wreck o Stolen Rhodes se sentirán como en casa.

Review: Gernot Mangold

Teenage Head Music (2015)
Stil: Rock

01. Get Electrified!
02. Last Letter
03. Can We Have Some Love Between Us?
04. Searching for the Truth
05. Eagles Fly Solo
06. Free My Soul
07. No Reservations
08. Go
09. Live While You’re Alive
10. A Lonely Sun Story

The Electric Alley
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Teenage Head Music

Southern Drawl Band – Elixir – CD-Review

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Die Southern Drawl Band, eine Mischung von Musikern aus Knoxville und Nashville, mit ihrem bereits 4. Album. Das mit diversen regionalen und nationalen Awards bedachte Quintett, das schon mit vielen prominenten Acts und Interpreten wie u. a. Lynyrd Skynyrd,  der Charlie Daniels Band, Jimmy Buffett, Brantley Gilbert, Blackberry Smoke und Justin Moore die Bühne geteilt hat, beschert uns mit „Elixir“ ein herrliches Gebräu aus Country- und Southern Rock-Zutaten vom Feinsten.

Der Fünfer um die beiden Köpfe Mike Nash (lead vocals, guitar) und Jo Edge (lead vocals, fiddle) sowie ihre Mitstreiter David Crow (lead guitar), Paul Wray (bass) und Larry Dunsmore (drums) spielt seit 2012 zusammen und hat mit seiner ‚Southern Rockin‘ Country music with a twist of lime distilled in the backwoods of Tennessee‘ ein Karriere-Highlight abgeliefert. Das Album überzeugt mit seiner variablen kurzweiligen Mischung von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Tragischer Weise verstarb ihr brillanter Lead-Gitarrist David Crow nach Beendigung der Aufnahmen, als ein vom Sekundenschlaf übermannter Autofahrer frontal in sein Motorrad fuhr. Ihm ist auf der Innenseite der CD ein emotionales Gedicht („As The Crow Flies“) von einem der Mitkomponisten der Band, Mike Kuhl, gewidmet.

Der Auftakt mit dem Titel  „Damn Sure Comin‘ From Dixie“ lässt auch musikalisch keinen Zweifel an ihrer Herkunft. Ein typischer Stampfer an der Schnittstelle zwischen Montgomery Gentry, Travis Tritt sowie der Charlie Daniels Band und Lynyrd Skynyrd, wobei starke E-Gitarren und Jo Edges markantes Fiddle-Spiel auch im weiteren Verlauf  des Albums immer wieder als Trademarks herausstechen.

Stücke wie „Ghosts Of „New Orleans“, „Somewhere Down The Road“, „Tennessee Line“ oder das finale „You’ll Never Leave Harlan Alive“ (wie eine Bluegrass-Version vom Animals-Hit „Hose Of The Rising Sun“) dienen als Blaupause für die countryeske, rurale, ja grassige Seite der Musiker. Alles wunderbare hoch-melodische, mit viel Liebe zu instrumentellen Details  gestaltete, flockig ins Ohr gehende Songs, wie man sie von Acts wie der Pure Prairie League, Pirates Of The Mississippi oder SR-Bands a la Marshall Tucker Band, CDB oder den Outlaws kennt. Hier schlägt dann auch häufig die Stunde er einzelnen versierten Gäste wie Andy Wood (mandolin), Doyle Grisham (pedal steel) oder Travis Toy (Dobro).

Nash, der sich als Hauptsongwriter für den Großteil des Gesangs verantwortlich zeigt (seine Stimme ähnelt Leuten wie Eddie Montgomery, Travis Tritt oder Bruce Brookshire) und Jo Edge (klingt Eric Church zum Verwechseln ähnlich) ergänzen sich am Mikro vorzüglich (auch mit Harmoniegesängen).

Edges großer Moment ist auf der furios rockigen Cover-Darbietung von Skynyrds einstigem „Mississsippi Kid“, die Ronnie Van Zant sicherlich mit viel Freude und Stolz  im Southern Heaven vernehmen wird. Nash besingt dafür mit der  launigen Uptemponummer  „Rocky Top“ den ‚Hit‘ der Band, der als Video bei einem Football Match im ausverkauften Neyland Stadium in Knoxville vor 102.000 Zuschauern seine Premiere feierte und seitdem bei Spielen in dieser Sportart auch mit viel TV-Präsenz (u. a. bei NBC) gewürdigt wird.

Wenn sich schon Experten wie Lorren Cornelius (früherer Geffen Records Promotions-Chef) und Dermott McCormack (Sony/Viacom Programming) zu Statements wie „Southern Drawl Band is one of the Nation’s hottest emerging bands, ranking top among the best live performances to come along in decades“ und „a must see, swampy grit of modern country combined with a rockin‘ your face off stage performance reminiscent of the days when bands knew how to put on a show“ hinreißen lassen, weiß man, dass man es mit ganz besonderem Stoff zu tun hat.

Auch wir schließen uns dem, mit unserer Begeisterung in Sachen „Elixir“, restlos an und geben die uneingeschränkte Empfehlung: ‚Get’cha some great music‘ von der Southern Drawl Band! Herrliche Musik!

Down Home Records (2016)
Stil: Southern Rock

01. Damn Sure Comin‘ From Dixie
02. Ghosts Of New Orleans
03. Mississippi Kid
04. One Hell Of A Ride
05. Rocky Top
06. She’s My Angel
07. Somewhere Down The Road
08. Tattoo
09. Tennessee Line
10. When Did I Stop Growing Up
11. You’ll Never Leave Harlan Alive

Southern Drawl Band
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Bärchen Records

Vanessa Collier – Meeting My Shadow – CD-Review

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Die aus Maryland, USA, stammende Vanessa Collier mit ihrem 2. Album. Nach ihrem Debüt im Jahre 2014 haben sich die Dinge schlagartig für die einstige Berklee-Musikstudentin entwickelt. Eine Tour mit Blues-Legende Joe Louis Walker, Best Of 2014 Blues Breaker, Besuch in Dan Akroyds House Of Blues Radio Show, Top 3-Finalistin in John Lennons Songwriting-Wettbewerb, Teilnehmerin bei der International Blues Challenge2016 in Memphis, weitere Auftritte als Support von Stars wie Annie Lennox und Willie Nelson, sind hier als ein paar rasante Highlights anzuführen.

In Zusammenarbeit mit Kevin Houston als Co-Produzent und einem Kreis von guten Musikern (u. a. TK Jackson, Daniel McKee, Laura Chavez, Charles Hodges, Marc Franklin, Josh Roberts) präsentiert sie den Blues in „Meeting My Shadow“ auf äußerst facettenartige Weise.

Es bluest, groovt, shuffelt und gospelt an allen Ecken und Enden. Vanessa variiert stimmlich perfekt zu den diversen Präsentationsformen der Stücke. Die Songs von 3-7 „When It Don’t Come Easy“ (das swampige Slide erinnert an die große Bonnie Raitt), das flotte, tanzbare „Two Parts Sugar, One Part Lime“ mit der herrlichen HT-Piano-Einlage, das in Wynonna-Manier gebrachte „When Love Comes To Town“ (mit Allmaneskem Slide-Solo), der slow-bluesige Schwofer „You’re Gonna Make Me Cry“ und das shufflige „Whiskey And Women“ (E-Gitarren-/Sax-Solo) erweisen sich für unser Magazin als die signifikantesten. Bei den meisten Tracks spielt natürlich aber Colliers Saxofon eine mehr als tragende Rolle.

Sie sieht es quasi als Erweiterung ihrer Stimme an. „Mit ihm kann ich jammern, knurren und weinen. Ich kann ein Lied vorantreiben, mit einem starken, nervösen und entfesselten Angriff. Ich kann subtil und schön sein, aber auch stark und mächtig“, so Vanessa in einem Statement. Und in der Tat bläst die Protagonistin für ihr junges Alter schon absolut leidenschaftlich, was ihr Paradeinstrument betrifft.

„In „Meeting My Shadow“ treffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeienander. Eine Hommage an den Geist der Blues Tradition, eine Reflexion unserer jetzigen Kultur und ein hoffnungsvoller Wunsch nach Wachstum, Verständnis und Integration, dass wir uns gemeinsam weiterentwickeln. Es ist auch eine Geschichte von Beharrlichkeit und Bemächtigung, die dazu bestimmt ist, Kraft zu teilen und eine erhobene Botschaft zu liefern“, lautet weiter ihre höchstpersönliche Zusammenfassung bezüglich des neuen Werkes.

In unseren Augen entpuppt sich „Meeting My Shadow“ von Vanessa Collier als ein fein entworfenes Kollier mit einigen echten und  noch rohen Diamanten, an denen in Zukunft vermutlich noch weiter fleißig geschliffen wird.

Eine starke, variable und  ausdrucksvolle Stimme, dazu ein erstaunlich versiertes Saxophonspiel, sowie kompositorisches Können, lassen auf eine große Zukunft der jungen Blues-Künstlerin schließen. Wer sich gerne mit Damen wie Bonnie Raitt, Dusty Springfield, Sass Jordan, Beth Hart, Wynonna oder Kim Carnes befasst, dürfte sich auch bei Vanessa Collier gut aufgehoben fühlen und das heißt doch schon was, oder?

Ruf Records (2017)
Stil: Blues & More

01. Poisoned The Well
02. Dig A Little Deeper
03. When It Don’t Come Easy
04. Two Parts Sugar, One Part Lime
05. When Love Comes To Town
06. You’re Gonna Make Me Cry
07. Whiskey And Women
08. Meet Me Where I’m At
09. Cry Out
10. Up Above My Head, I Hear Music In The Air
11. Devil’s On The Downslide

Vanessa Collier
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Ruf Records

Little Big Town – The Breaker – CD-Review

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Nach der, wie ich meine, ziemlich daneben gegangenen Zusammenarbeit mit Pharrell Williams auf „Wanderlust“, kehren Little Big Town mit ihrem achten Album „The Breaker“ in die Spur ihrer ausnahmslos sonstigen schönen Veröffentlichungen zurück.

Jay Joyce hat wieder das Kommando übernommen und das ist auch gut so. Bei den zwölf neuen Stücken wurde in Sachen Songwriting neben eigenen Ideen schwerpunktmäßig auf die Dienste, von für Qualität bürgende Koryphäen wie Hillary Lindsay, Liz Rose und Lori McKenna (es sind natürlich auch noch andere namhafte Leute beteiligt), zurückgegriffen.

Der ganz besondere Moment dieses Werkes kam allerdings durch Megastar Taylor Swift zustande. Die schrieb nämlich das tolle „Better Man“ und hatte schon beim Komponieren des Stückes sofort die Intention, es nicht für sich selbst, sondern, der Harmoniegesänge wegen, an Little Big Town zu vergeben. Der Song ist dann auch wirklich wie für LBT auf den Leib geschnitten und natürlich zum Nr. 1-Hit avanciert. Absolut starke Nummer. Aber auch der Rest der Tracks kann sich natürlich absolut sehen lassen, inklusiv, wie gewohnt, toller Instrumentierung, wechselnder Leadgesänge und traumhaft sitzender Vokalharmonien.

Der im Stile einer Sheryl Crow groovende fröhliche Opener „Happy People“, das wie eine Mischung aus U2 und Fleetwood Mac klingende „Night On Our Side“ (mit schönem Slide-Solo), das atmosphärische, am Ende sogar fast hypnotische „Lost In California“ (starke E-Gitarre von Jedd Hughes), das beschwingte „We Went To The Beach“, ebenso wie das flower-poppige „Don’t Die Young, Don’t Get Old“ sowie die abschließenden „When Someone Stops Loving You“ (in Eagles-Manier gebrachter Schmachtfetzen) und „The Breaker“ (schöne zurückgenommene, folkige Instrumentierung), beide von Westbrook gesungen, stechen dabei besonders heraus.

Mein persönliches Highlight ist allerdings das von Nathalie Hemby, Philip Sweet und Jimi Westbrook kreierte, herrlich rockende und stampfende „Rollin‘“, das besonders live sicher gut abgehen wird. Little Big Town ist mit „The Breaker“, wie man im Tennis sagen würde, nach einem zwischenzeitlichen Durchhänger, ein entscheidendes Break geglückt. Das gemischte, Grammy-dekorierte (doppelte) Doppel um Kimberly Roads, Karen Fairchild, Jimi Westbrook und Philip Sweet hat zu alter Stärke zurückgefunden und wird für dieses gelungene Werk vermutlich wieder den gebührenden Lohn einheimsen. Tolle Platte! Am Ende somit Spiel, Satz und Sieg Little Big Town!

Capitol Nashville (2017)
Stil: New Country

01. Happy People
02. Night On Our Side
03. Lost In California
04. Free
05. Drivin‘ Around
06. We Went To The Beach
07. Better Man
08. Rollin‘
09. Don’t Die Young, Don’t Get Old
10. Beat Up The Bible
11. When Someone Stops Loving You
12. The Breaker

Little Big Town
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Universal Music

Brett Young – Same – CD-Review

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Mit dem 35-jährigen, ursprünglich aus Anaheim, Orange County, stammenden Brett Young feiert ein weiterer talentierter Künstler Album-Premiere in Nashville. Dabei sah es eigentlich zunächst so aus, als ob ihm ein vielversprechende Baseball-Karriere bevor stünde. Eine Verletzung am Ellbogen beendete allerdings seine Träume in dieser Hinsicht und ließ den Burschen sich zurückbesinnen, dass er schon mal auf der High School für einen verhinderten Sänger  bei einer Band eingesprungen war.

Er begann Songs zu schreiben. Nach dem er längere Zeit in Los Angeles gelebt hatte, beschloss er letztendlich, sein Glück in Nashville zu versuchen. Der Mut wurde schließlich belohnt, Young ergatterte beim potenten Big Machine Records Label einen Vertrag und durfte jetzt unter der Regie von keinem geringeren als Star-Producer Dan Huff sein Album-Debüt veröffentlichen.

Brett ist in elf der insgesamt  zwölf Tracks kompositorisch involviert. Nicht nur von seiner Vita her sind Parallelen zu David Nail evident (der kam ja ebenfalls durch den Abbruch seiner Sportlerlaufbahn zum New Country). Auch Youngs Stücke werden mit einem wunderbarem Schmelz in der Stimme vorgetragen, die in erster Linie Frauenherzen zum Dahinfließen bringen wird. Er bildet hier einen deutlichen Kontrast zu den jungen Wilden a la Jason Aldean, Brantley Gilbert & Co.

Die melodische, sehr flockige Single und zugleich der Opener dieses Werkes, „Sleep Without You“, hat es direkt in die Top-3 der Country-Charts geschafft. Auch der toll instrumentierte melancholische Nachfolger „In Case You Didn’t Know“ befindet sich bereits auf dem Weg in höchste Regionen. Fast schon Hochzeitslied-tauglich!

Der Rest der Lieder ist ähnlich wie die angeführten strukturiert, wir bewegen uns im ausnahmslos hittauglichen Mainstream-Segment, die countrytypischen Akzente (z. B. Steel-, Slide-Gitarren – toll das Solo bei „Left Side Of Leavin'“) werden meist punktuell, aber durchaus effektiv gesetzt. Es wird sich nicht wie bei so manchen Kollegen in letzter Zeit  so aufdringlich dem Pop angebiedert, um möglichst zweigleisig fahren zu können. Der Star ist aber hier eindeutig die Stimme, eine, fast schon mit sowas, wie einem Alleinstellungsmerkmal.

Mit Brett Young hat ein weiterer hochtalentierter Typ die Bühne in Music City betreten. Die Szene darf dazu einen neuen Frauenschwarm in seinen Reihen begrüßen. Sehr angenehme Musik, bei der eine markante Stimme und schöne Melodien im Vordergrund stehen.

Leute, die auf Interpreten wie der bereits erwähnte David Nail, Kristian Bush, Charles Kelley oder auch Bands wie Rascal Flatts und die Eli Young Band stehen, werden ihre helle Freude haben. Brett Young hat zum Karrierestart ein echtes ‚Brett‘ in der Mainstream-Sparte hingelegt! Ideal für Männer, die ab und zu mal mit weicher Schale über ihrem harten Kern bei Frauen punkten möchten…

Big Machine Records (2017)
Stil: New Country

01. Sleep Without You
02. Close Enough
03. Like I Loved You
04. In Case You Didn’t Know
05. Olivia Mae
06. Left Side Of Leavin‘
07. You Ain’t Here To Kiss Me
08. Back On The Wagon
09. Makin‘ Me Say
10. Memory Won’t Let Me
11. Beautiful Believer
12. Mercy

Brett Young
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Universal Music

Ben Poole – 18.02.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Ich muss gestehen, dass ich immer noch richtig baff bin, von dem, was Ben Poole und seine britischen Kumpanen Tom Swann, Ben Matthews und Joe Mac gestern Abend im Schwarzen Adler in Vierbaum abgelieferten.

Es war ein einziges Feuerwerk in Sachen modern und variabel gespieltem Blues Rock, das selbst ein gestandener Musik-Redakteur und Viel-Konzertbesucher wie ich, vor allem, was dieses Genre betrifft,  schon lange, in solcher Intensität und Wucht, nicht mehr erlebt hat. Das war echt beeindruckend, was die vier jungen Engländer da abgefackelt haben.

Mit einer Verspätung von knapp 25 Minuten stieg die Band mit dem rhythmisch groovenden „Let’s Go Upstairs“ in den zweigeteilten Gig ein. Sinnbildlich steht der Titel auch für den Weg des Protagonisten. Er will steil nach oben und angesichts dieser Leistung, klingt das alles anders als unrealistisch. Beim folgenden Stampfer „Win You Over“ stellte Ben im Bridge seine Mitstreiter erstmals vor.

Das herrlich soulig groovende „Love Nobody No More“ stellte einen ersten Höhepunkt in Teil 1 da, dem Ben (hatte sich eine Gibson Les Paul gegriffen)  mit einer saustarken und eigenwilligen Cover-Fassung vom Freddie King-Klassiker „Have You Ever Loved A Woman“ (bekannt geworden eher durch Eric Clapton) noch Einen drauf setzte. Pooles begeisterndes E-Gitarren-Solo konnte man durchaus als Southern Rock-tauglich einstufen. Das rockige „Lying To Me“ glänzte mit dezentem Bad Co.-Flair. Mit dem erneut, mit viel souligem Feeling bestückten „The Question Why“ ging es in die Pause.

Das starke „Someday You’ll Have Your Own“ eröffnete den Reigen der Tracks des 2. Sets. Mark Knopflers geschriebenes, auch von Jeff Healey übernommenes „I Think I Love You Too Much“ beinhaltete ein erstes schönes Duell von Poole und Keyboarder Joe Mac (viele tolle Hammond-Einsätze), das auch später beim shuffligen „Stay At Mine“ in noch intensiverer und improvisiert anmutender Form wiederholt wurde.

Davor gab es aber mit einem von Bens Lieblingsstücken, „Longing For A Woman“, ein weiteres Highlight, gerade auch, was unser Magazin angeht. Das atmosphärische E-Gitarren-Solo erinnerte nämlich ganz stark an die Künste von Marshall Tuckers Toy Caldwell bei Tracks wie „Can’t You See“ & Co. Kraftpaket Ben Matthews an den Drums musste hier und diverse weitere Male  Schwerstarbeit leisten. Das furiose, im Stile von Gary Moores „Still Got The Blues“ servierte slow-bluesige „Time Might Never Come“ war der krönende Abschluss des Hauptteils.

Im frentisch eingeforderten Zugabenteil durfte man dann noch Pooles versierte Fingerfertigkeit auf der Akustikklampfe als Solo-Artist bestaunen. Tony Joe Whites „As The Crow Flies“, ein unglaublich gespieltes Instrumental (teilweise mit furiosen Flamenco-Klängen) und das finale, fantastische „Hanging In The Balance“ versetzten alle im Saal, regelrecht in Ekstase.

Bei letztgenanntem Stück war wieder die komplette Band zugegen, wurde im Bridge inklusiv ihres väterlichen Roadies nochmals vorgestellt und bekam den, sich redlich erarbeiteten Applaus. Währenddessen hatte sich Ben nochmal eine abgewetzte Telecaster mit Funksteuerung übergestreift, um beim Southern-trächtigen Schluss-Solo (wieder in Marshall Tucker-/Allman Brothers-Tradition) durch das Publikum zu stolzieren und gleichzeitig das Bad in der Menge zu genießen. Kam natürlich super bei den Anwesenden an.

Fazit: Ein famoser Abend mit der Ben Poole Band. Besser und energiegeladener kann man heutigen Blues Rock kaum performen. Poole braucht sich hinter Kollegen wie Aynsley Lister, Davy Knowles, Quinn Sullivan, Devon Allman, Ryan McGarvey & Co. wahrlich nicht mehr zu verstecken. Eine neue junge Generation rückt dem ‚Noch-Platzhirsch‘ Joe Bonamassa mittlerweile ganz schön dicht auf die Pelle. Um vor lauter Begeisterung und überschwänglichem Lob, Ben Poole und seine Jungs am Ende dann aber doch ein wenig einzunorden, empfehle ich, vielleicht noch ein wenig an der Pünktlichkeit zu feilen. Ansonsten schon ganz nah am vermeintlichen Superlativ des Genres. Vielen Dank an Ernst Barten vom Adler für die spontane Akkreditierung und das fulminante Konzert.

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, guitars)
Tom Swann (bass, bgv)
Ben Matthews (drums)
Joe Mac (Keys, bgv)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Poole
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Schwarzer Adler

Ben Granfelt Band – 17.02.2017, Blues, Rhede – Konzertbericht

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Big Ben Time im Sounds Of South! An diesem Wochenende haben wir uns mit der Ben Granfelt Band sowie Ben Poole gleich zwei ‚Benjamine‘ vorgenommen, wobei die Finnen um ihren Chef Ben Granfelt im schönen Blues in Rhede den Anfang machten.

Ben Granfelt hat als Musiker und Mitglied von Bands wie Gringos Locos, den berühmten Lenningrad Cowboys, Guitar Slingers und der Kultband Wishbone Ash schon einige interessante Stationen in seiner Karriere durchlaufen. Mein einziger Berührungspunkt mit ihm war bisher sein Doppelalbum, das er mit den Guitar Slingers kurz vor der Jahrtausendwende eingespielt hat und ihn zumindest ansatzweise mit dem Southern Rock einte.

Nebenher hatte Ben auch immer sein Solo-Projekt gepflegt. Diesmal ist er mit seinen finnischen Kumpanen Miri Miettinen und John „Groovemeister“ Vihervä im Rahmen seines neuen Albums „Another Day“ auf Europa-Tournee unterwegs. Schmunzeln musste ich sofort, als ich bei Vihervä, der in seinen bunt verzierten Klamotten wie ein Überbleibsel aus der Hippie-Generation-Ära anmutete, ein Motiv auf seinem T-Shirt erblickte (siehe Bildergalerie), das ich mal vor einigen Jahren in stattlicher Größe für mein Wohnzimmer gemalt hatte. Zufälle gibt es!

Aber kommen wir zum Wesentlichen. Die drei Finnen legten pünktlich um 21:00 Uhr mit einem Instrumental los, bei dem Ben die Drähte seiner blau-weißen Stratocaster erstmals mit filigranem Spiel anwärmte. Im ersten von zwei Sets präsentierten die Drei mit dem unter Wah-Wah-Klängen dahinstampfenden „Too Many Gods“ und dem ordentlich groovenden „Confession Time“ zunächst zwei Stücke aus Granfelts 2006er Werk „The Sum Of Memories“.

„Another Day“ (mit teilweise Fusion-mäßiger E-Gitarrenarbeit), das atmosphärische  „Shine Like The Sun Over Me“ und das – nomen est omen – rockige „Rocking The Boat“ (ZZ Top-Flair) rückten dann sein aktuelles Werk stark in den Fokus. Mit dem Melodic Blues „Falling For You Again“ von 2001 (zwei sehr schöne E-Soli von Ben – am Ende mit kurzem Pink Floyd-Intermezzo) wurde nach der Länge einer Fußballhälfte die Pause eingeläutet.

Im zweiten Set ging es mit „Hangman’s Tree“, „Wayward Child“ (grandioses E-Solo am Ende), dem psychedelisch angehauchten „Open Road, Open Book“ von der neuen CD weiter, Granfelt wechselte bei diesen Tracks zur Gibson Les Paul. „Endless“ widmete Ben einem seiner Heroes, Jeff Beck, mit „Breathe“ (Pink Floyd) wurde dann die große Cover-Phase eingeläutet.

Hier wurden bekannte Stücke, wie u. a. Deep Purples „Space Truckin'“, „Woman From Tokyo“ und „Hush“ (mit kurzem Gesang), Creams „White Room“, Hendrix‘ „Third Stone From The Sun“ und Derek And The Dominos‘ berühmtes „Layla“ in anspruchsvoll gestaltete Intrumentalversionen als Medley gekleidet. Zwischendrin konnten sich Vihervä und Miettinen noch mit Soli kurz austoben.

Mein Highlight war das schon fast in Melodic Rock-Manier performte „Going Home“ als erste Zugabe, bei dem Ben nochmals alles aus seiner Strat herausholte. Herrlicher Song! Der tollen Stimmung im Blues geschuldet, ließen sich die drei Musiker, die der anstrengenden Tour, kräftemäßig gegen Ende, doch ein wenig Tribut zollen mussten, noch zu einem weiteren Nachschlag bewegen. Hier verwandelte  Granfelt „Little Wing“ instrumentell in ein eigenwilliges Konglomerat aus Hendrix-, Beck- und Black Sabbath-Ingredienzien und ließ ein weiteres Mal seine technische Brillanz in Sachen E-Gitarrenspiel aufblitzen.

Ben Granfelt kehrte an an diesem Abend mit seinen Leuten ins Blues zurück, wo mit seinem Auftritt 2009, die Geschichte dieser ansprechenden Location im westlichen Münsterland begann und diese hoffentlich noch lange mit solchem Engagement weitergeführt wird. Sounds Of South bedankt sich für die unkomplizierte Akkreditierung.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, guitars)
John „Groovemeister“ Vihervä (bass, bgv)
Miri Miettinen (drums, bgv)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Granfelt Band
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Blues Rhede

Phil Hamilton – Brazos Wind – CD-Review

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Starker Nachfolger von Phil Hamilton. Der mittlerweile mit einem stattlichen Rauschebart gezierte Texaner hatte sich ja 2012 von seiner Begleitband The Backroad Drifters losgelöst, um ganz auf eigenen musikalischen Pfaden zu agieren und mit „Renegade Rock N Roll“ eine famose Solo-Scheibe herausgebracht.

Vier Jahre später legt Phil mit „Brazos Wind“ sein nächstes Prachtstück vor. Es steht diesmal auch im Zeichen eines sehr persönlichen Wandels. So spielt hier die Hochzeit mit der texanischen Singer/Songwriterin Erica Perry, die auch im Background mitwirkt, sowie die Geburt ihrer ersten Tochter June, der der Abschlusstrack gewidmet ist, eine tragende Rolle.

Hamilton hat den Rock-Drive aus seinen Stücken dezent (der blitzt natürlich aber immer auch wieder bei diversen Stücken auf), aber sehr gekonnt, zurückgenommen und bewegt sich diesmal etwas mehr country-orientiert im Singer/Songwriter-Milieu. Sein Gespür für tolle Melodien, gehaltvolle Texte und exzellente Instrumentierung, bleibt omnipräsent, man kann sogar behaupten, dass seine rau-warme Stimme sich auf diesem Terrain noch besser entfalten kann.

Den Auftakt macht das herrlich atmosphärische, mit markantem Bariton-Gitarrenspiel ausgeschmückte, so ein wenig an Chris Isaaks berühmtes „Wicked Game“ erinnernde „Same Ol‘ Me“. Ebenfalls sehr in sich gekehrt ist das nachfolgende „Difference In Opinions“, stark hier die ’sanften‘ Harmonies von Gattin Erica und das verspielte E-Gitarren-Solo zum Ausklang.

Die „Big News Small Town“ klingen, als wenn Tom Petty sich in Country-Gefilde begeben würde. Markant das surrende E-Slide-Solo. Im akustisch gehaltenen „Handle On You“ mimt Phil fast einen Countrybarden alter Schule. Das dem Business in Music City kritisch zugewandte „Big Hole in Nashville“ groovt schön bluesig vor sich hin. Klasse hier die E-Gitarrenarbeit (tolles Solo in Anlehnung an Leute wie John Fogerty, Eric Clapton oder J.J. Cale).

Der Ohrwurm des Albums ist das herrlich melodische „Forever With You“, bei dem das Ehepaar Hamilton in Sachen Harmoniegesängen erneut brilliert. Die Zeiten mit den Backroad Drifters scheinen dann aber doch nicht so ganz aus dem Sinn zu sein. „You Think You Know Me“ ist der rockigste Track des Silberlings, ein wuchtiger Stampfer mit starken Slide-Gitarren.

Mit dem typisch texanisch geprägten Duett „The Room“ (Erica und Phil teilen sich die Lead vocals), dem atmosphärischen Titelsong in Erzählmanier und dem eingangs erwähnten Lied voller Vaterstolz für Tochter June (Zusammenspiel von Gesang, Akustikgitarre und blecherne Dobro) klingt das Werk nach hinten recht besinnlich aus, ohne aber wirklich langweilig zu werden.

Phil Hamilton hat auf „Brazos Wind“ die nachhaltigen Erlebnisse der vergangenen Jahre vornehmlich im Singer/Songwriter-Stil verarbeitet. Der Wind hat sich in diesem Fall mehr von rockigen Tönen weg zum Storyteller-Country hin gedreht. Konstant geblieben ist eigentlich nur sein Label Winding Road Music, das ihn seit Anfangstagen schon begleitet und, nach wie vor, weiß, was es an ihm hat. Phil Hamiltons bisher reifstes und persönlichstes Werk mit Prädikat ‚wertvoll‘.

Winding Road Music (2016)
Stil: Country & More

01. Same Ol‘ Me
02. Difference In Opinions
03. Big News Small Town
04. Handle On You
05. Big Hole In Nashville
06. Forever With You
07. You Think You Know Me
08. The Room
09. Brazos Wind
10. June

Phil Hamilton
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Bärchen Records

Eric Gales – Middle Of The Road – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Eric Gales, obwohl ich bekennender Blues und Bluesrock-Fan bin, bislang nicht auf dem Schirm hatte. Dabei ist „Middle Of The Road“ sein inzwischen 15. Studioalbum. Und was für eins es ist! Nicht umsonst wird der afro-amerikanische Ausnahmegitarrist aus Memphis in einem Atemzug mit Jimi Hendrix genannt. Und als Linkshänder spielt er seine Gitarre daher nicht nur im übertragenen Sinne mit links. Herausgekommen ist ein vielschichtiges Bluesalbum mit Anleihen aus Gospel, Swing, Soul, Reggae und sogar Jazz, immer gepaart mit quäkenden oder verzerrten Gitarrenklängen. Genau diese Mischung macht das Werk so faszinierend und spannend.

Produziert wurde die Scheibe von Fabrizio Grossi, der bereits mit solchen Größen wie Alice Cooper, Joe Bonamassa, Walter Trout oder Lance Lopez zusammen gearbeitet hat. Musikalisch unterstützt wird Gales auf dem Album von dem kalifornischen Drummer Aaron Haggerty, von Dylan Wiggins an der Orgel, von LaDonna Gales mit Backgroundgesang und von Maxwell “Wizard” Drummey am Melotron. Gales selbst bedient neben dem Bass auch seine zahlreichen Gitarren. So ganz nebenbei steuert er auch den Leadgesang bei.

Gleich der Opener „Good Time“ geht mit seinem Gospel- oder Spirituell-betonten Gesang von LaDonna Gales mächtig in die Beine, versprüht Lebensfreude und macht Lust auf mehr, wobei sich das Rhythmus-Intro von Eric Gales treibend durch die gesamte Komposition zieht und dabei auch noch Anleihen aus dem Funk aufgreift. Toll gemacht!

„Change In Me“, der zweite Song auf der Scheibe, ist da mit dem streckenweise an Gary Moore erinnernden Gitarrenspiel schon wesentlich bluesiger. Schön auch hier wieder der als Refrain sehr soulig gesungene Titel des Songs. Weiter geht’s dann mit dem etwas betulicheren, ruhigen „Carry Yourself“, einem Stück mit schönen melodiösen E-Gitarreneinlagen. Bei „Boogie Man“ wird Eric Gales von dem jungen, aus Austin/Texas stammenden Gitarristen Gary Clark jr. unterstützt, der einem größeren Publikum erstmals 2010 bekannt wurde, als er auf dem Crossroads Guitar Festival u. a. mit Eric Clapton, Jeff Beck, B. B. King und Buddy Guy spielte. Sein vom Jazz beeinflusster Stil, Gitarre zu spielen und Gales soulige Stimme, geben diesem Song seinen besonderen Reiz.

Mit „Been So Long“ liefert Eric Gales einen weiteren Beweis für seine musikalische Vielfältigkeit. Der Song besticht durch seinen ins Ohr gehenden Reggae-Rhythmus und den dazu passenden Leadgesang. Der Track hat durchaus Ohrwurmqualitäten und zeigt, wie sich Elemente aus Blues und Reggae zu etwas wunderbar Neuem verschmelzen lassen. „How, how, how Help Yourself“ hat gesanglich, zumindest stellenweise, gewisse Ähnlichkeiten mit dem großen John Lee Hooker. Zum Sound dieses Songs hat als weiterer Gastmusiker der 18-jährige Christone „Kingfish“ Ingram maßgeblich beigetragen. Er ist ein Multiinstrumentalist, im Delta aufgewachsen und er hat den Blues mit der Muttermilch aufgesogen. Von ihm wird in Zukunft sicherlich noch viel zu hören sein! Der Song selbst ist sehr rhythmisch angelegt und wird hauptsächlich von klaren Gitarrenriffs und dezenten Harpeinlagen getragen.
Wesentlich rauer und mit verzerrten Spiel à la Hendrix kommt „I’ve Been Deceived“ daher, wobei Erics megaphonartig verfremdete, klagende Stimme in einem spannenden Kontrast zu den Background vocals steht.

Im folgenden Song „Repetition“ ist Eric Gales‘ großer Bruder Eugene, dessen musikalische Vorbilder u. a. Muddy Waters, Albert King und Jimi Hendrix sind, mit von der Partie. Er ist auch der Mentor und Lehrmeister seines jüngeren Bruders Eric. Mit ihm zusammen gründete er die ursprüngliche Eric Gales Band. Heute spielt Eugene mit seiner eigenen Band „The Eugene Gales Project“. „Repetiton“ ist, bis auf die Gitarrensoli von Eugene, eher zurückhaltend instrumentiert und mutet ansonsten leicht Jazz-beeinfusst an, wobei sich das Grundmotiv dem Titel entsprechend immer wieder wiederholt.

Im Gegensatz zu den anderen Stücken dieses Albums ist „Help Let Me Go“ sehr melodiös, ruhig und besinnlich strukturiert, ein sehr schönes Stück also für die stillen Momente im Leben. „I Don’t Know“ beginnt mit einem Scat-Gesang, welcher auch immer wieder im Verlauf des Stückes auftaucht und sich mit dem souligen Hintergrundgesang abwechselt. Dann noch ein quitschiges E-Gitarrensolo dazu und fertig ist der Song, ohne aber weitere besonders hervorstechende Eigenschaften zu besitzen. Aus Sicht des Rezenten ist es der schwächste Titel des Albums.

Den Abschluss bildet Swamp, ein schlagzeuggetriebenes Instrumentalstück, quirlig wie ein Mückenschwarm in den Sümpfen, schweißtreibend und fordernd, mit dem Potential den Zuhörer durchaus in Trance versetzen zu können. Insgesamt ist das Album also eine recht abwechslungsreiche, aber keine Delta Blues-typische Scheibe, wie sich aufgrund von Erics Herkunft vielleicht vermuten ließe. Roots Blues-Elemente tauchen allenfalls nur hier und da mal auf. Eher schon sind da Spielweisen aus dem Chicago Blues erkennbar.

Eric selbst sagt über sein Album, dass sich der Titel „Middle Of The Road“ wie ein roter Faden durch das gesamte Werk zieht. Sein Credo: Für deinen Weg ist es das Beste, wenn du dich absolut fokussiert und mit dir selbst im Reinen in der Mitte, also „On the middle of the road“ befindest. Insofern spiegelt die CD sicherlich die momentanen Befindlichkeiten von Eric wieder. Er hat sich gefunden und nimmt sich die Freiheit, Musik zu machen, so wie sie ihm gefällt. Und herausgekommen ist dabei beileibe kein Mittelmaß, sondern ein kaufenswerter Silberling, mit „Good Time“, „Been So Long“ und „Swamp“ als absolute Highlights dieses Albums.

Mascot Label Group (2017)
Stil: Blues Rock

01. Good Time
02. Change In Me (The Rebirth)
03. Carry Yourself
04. Boogie Man (feat. Gary Clark Jr.)
05. Been So Long
06. Help Yourself (feat. Christone „Kingfish“ Ingram)
07. I’ve Been Deceived
08. Repetition (feat. Eugene Gales)
09. Help Me Let Go
10. I Don’t Know
11. Swamp

Eric Gales
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Mascot Records
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Chuck Prophet & The Mission Express – 12.02.2017, Wesel, Karo – Konzertbericht

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Ich möchte zunächst mal ein Kompliment an den Karo-Chef Mathias Schüller aussprechen. Er schafft es, nicht nur zur Freude meinerseits,  seit vielen Jahren immer wieder tolle musikalische Acts in sein ‚Wohnzimmer‘ zu holen. Mit der Rockmusiklegende Chuck Prophet samt The Mission Expresss ist ihm ein weiterer echter Husarenstreich für kleines Eintrittsgeld gelungen.

Das fachkundige Publikum dankte es ihm mit einer nahezu ausverkauften Location und einem rundem Abend, bei dem sämtliche Anwesenden ihren Spaß hatten. Es lag natürlich auch am bestens aufgelegten und sympathischen Protagonisten, der sich trotz seiner beeindruckenden musikalischen Vita, von der spartanischen Räumlichkeit mit seinem Probenraum-Charakter, für seine Verhältnisse unbeeindruckt zeigte, ja sogar samt seiner Mitstreiter offensichtlich richtig ‚Bock‘ hatte, ordentlich Gas zu geben.

Für mich war es die zweite Begegnung mit dem einstigen Green On Red-Mitglied. Ich hatte ihn mal 2006 beim Blue Highways-Festival, damals im großen Saal des Utrechter Musiekcentrum Vredenburg vor größerer Kulisse erlebt. Nicht nur der vergangenen Zeit geschuldet, war dieser Abend im Vergleich natürlich an Intensität nicht zu toppen, hier in Wesel konnte man dem Musiker ja quasi fast beim Spielen auf die Schulter klopfen. Das ist dann ja auch immer der Reiz, die solche Orte wie das Karo ausmachen.

Als Support hatte noch für eine halbe Stunde der Singer/Songwriter Max Gomez mit seiner Akustikgitarre den Alleinunterhalter gegeben. Der Bursche aus New Mexico erinnerte mich irgendwie an einen akustisch agierenden John Mayer. Er spielte typischen Stoff in der Tradition von Leuten wie Townes Van Zant & Co., was ihm am Ende viel Applaus und eine Zugabe einbrachte.

Chuck und seine Mitspieler Stephanie Finch, James DePrato, Vicente Rodriguez und Kevin White stiegen mit dem melodisch flockigen Titelstück ihrer brandneuen CD „Bobby Fuller Died For Your Sins“ ein, das dann im weiteren Verlauf mit Songs wie dem pettyesken „Bad Year For Rock And Roll“, dem rockigen „Alex Nieto“ (Finch mit schönem HT-Piano), „Jesus Was A Social Drinker“ (Chuck erstmals mit Akustikgitarre), dem Alan Vega gewidmeten „In The Mausoleum“, dem Stampfer „Coming Out in Code“ und der Ballade „We Got Up and Played“ sehr umfangreich vorgestellt wurde.

Mit dem Chuck Berry-Track „Ramona Say Yes“ und der ersten Interaktion mit dem Karo-Publikum „Temple Beautiful“ hatte das Quintett bereits zu Anfang Stimmung in die Bude gebracht. Prophet führte ganz im Stil eines großen charismatischen Bandchefs, das Publikum wie auch seine Mitspieler durch das Programm. Er weiß genau, wie man eine kollektiv gute Chemie erzeugt und aufbaut.

Das atmosphärische „You Did (Bomp Shooby Dooby Bomp)“ mit grandiosem Prophet E-Solo war mein persönliches Highlight im ersten Abschnitt. Über das stoneske „Ford Ecoline“, dem emotionalen Leonard Cohen-Cover „Iodine“ ging es mit „Summertime Thing“ (mit einem an Marshall Tuckers „Can’t You See“ erinnernden Schlussteil), „Countrified Inner City Technological Man“ (klirrendes Slide-Solo vom stark spielenden DePrato), dem abermals launigen „Wish Me Luck“ (wieder grandioses Prophet E-Solo) und „Willie Mays Is Up At Bat“ (Chuck und James mit Twin-Zusammenspiel) zum Abschluss des Hauptteils in musikalische Regionen, die in unserem Magazin natürlich gerne gehört werden.

Der zu dem Zeitpunkt schon fast euphorisiert wirkende Bandlleader holte zum stürmisch eingeforderten Nachschlag dann o. a. Max Gomez als schöne Geste zur Unterstützung mit auf die Bühne. Mit „Let Her Dance“, dem The Fall-Cover „Mr. Pharmacist“ und „You And Me Baby (Holding On)“ gab es dann noch mal satte drei Zugaben.

Chuck Prophet und sein Mission Express sorgten mit ihrer gut gelaunt und lebensnah performten Mischung aus Rock, Pop, Punk (dezent), Country- und Southern Rock für zwei Stunden beste Unterhaltung. Auf bessere Art und Weise kann man ein Wochenende eigentlich nicht ausklingen lassen (wenn Montags die Arbeit nur nicht wär…) Ein wunderschöner Abend im Karo, an dem es am Ende eigentlich nur Gewinner gab. Danke nochmals an Mathias für die Akkreditierung.

Line-up:
Chuck Prophet (lead vocals, guitars)
Stephanie Finch (keys, percussion, bgv)
James DePrato (guitar, bass, bgv)
Vicente Rodriguez (drums, , keys, bgv)
Kevin White: (bass guitar)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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