Tedeschi Trucks Band and Leon Russell – Mad Dogs & Englishmen Revisited Live at Lockn‘ – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das Locknʼ Festival in Arrington, Virginia, zählte fast 10 Jahre zu den namhaften Konzertveranstaltungen. Es war insbesondere bekannt für die vielen, großartigen Kollaborationen aus der Southern-, Country-, Americana-, Blues-, Soul-Szene, die in Jam Sessions und einmaligen Gastauftritten Seltenheitswert erlangten und immer wieder spannende Raritäten hervorbrachten. Zu diesen ausschließlich für Locknʼ konzipierten Performances zählte 2015 die Neu-Inszenierung von “Mad Dogs & Englishmen”, dem 1970er Joe Cocker US-Tournee-Album.

Die Tedeschi Trucks Band brachte für das sogenannte “Revisited”-Konzert eine Reihe prominenter Gäste, wie u. a. Warren Haynes (Gov’t Mule), Chris Robinson (The Black Crowes), Anders Osborne (North Mississippi Allstars) auf die Bühne. Von den ursprünglichen 70er Tournee-Akteuren waren z. B. Chris Stainton, Rita Coolidge und natürlich Altmeister Leon Russell – damals Bandleader, Arrangeur, Songwriter und Multiinstrumentalist – mit dabei. Die Konzertaufnahme “Mad Dogs & Englishmen Revisited Live at Locknʼ” ist nun über Fantasy Records offiziell erhältlich, wobei sich die Auswahl der neu interpretierten Titel nicht nur auf das 70er Album erstreckt, sondern auch Songs der 2005er Deluxe Edition einbezieht. Cockers Klassiker “The Letter” startet den umwerfenden Big Band Rausch mit Susan Tedeschi als Soul-Diva. Der geniale Lovin’ Spoonful Hit “Darling Be Home Soon” endlich in außergewöhnlicher 6-Minuten Version: Tedeschis Vocals und Doyle Bramhalls Solo-Saiten, ein weiteres Highlight gleich zum Auftakt der Setlist.

Bob Dylans “Girl From The North Country” war damals wie heute einer der Höhepunkte der Aufnahmen – jeweils unter phänomenaler Beteiligung von Soulsängerin Claudia Lennear, die bei “The Weight”, wie im Original, wieder zusammen mit Rita Coolidge und zusätzlich Susan Tedeschi im großen Bandgefüge zur grandiosen Werkschau beiträgt. Auch hier verkraftet der alte The Band Titel das umfangreiche, “orchestrale” Arrangement vom klassischen Americana-Rock zum Gospel-Soul-Schwergewicht. Joe Cockers Tournee-Marathon durch über 40 US-Städte – mit 20 köpfiger Band – brachte den Longplayer bis auf Platz 2 der US-Charts und dem englischen Sänger mit den leidenschaftlichen Bühnen-Gesten den Ruf ein, Teil der 2. britischen Rock- Invasion zu sein, die Ende der 60er die US-Hitparaden überrollte.

Auf seiner Tour-Setlist markierten immerhin drei Beatles-Songs, ein Stones-Titel und das unverwüstliche „Feelin‘ Alright“ (in Lockn‘ gesungen vom Songwriter Dave Mason himself) den UK-Schwerpunkt. Beim “Revisited”-Konzert gehören die Lennon/McCartney Klassiker “She Came Through The Bathroom Window” (ft. Warren Hayes) und “With A Little Help From My Friends” (ft. u.a. Chris Robinson) wieder zu den herausragenden Interpretationen, die ihren zeitlosen Charme im Mega-Sound von rund 20 Akteuren ausbreiten. Hierbei leistet der leider ein Jahr später verstorbene Leon Russell nochmal inspirationale Klanggestaltung und instrumentale Choreographie, um mit seiner Schlußballade von “Mad Dogs & Englishmen” die “Wiedergeburt” des Rock-geschichtlichen Vorbilds gebührend zu feiern.

Mit der einmaligen/legendären Produktion “Mad Dogs & Englishmen Revisited Live at Locknʼ” haben die Tedeschi Trucks Band und Leon Russell ein musikhistorisches Live-Album wieder in Erinnerung gerufen. Entstanden ist eine magisch-lebhafte Hommage an ein legendäres Konzert-Ereignis, dessen einzigartige Verbindung aus Blues, Rock, Jazz, R&B und Soul anhand von ikonischen Musikstücken – auch für eine neue Generation – kongenial konzipiert wurde.

Fantasy Records (2025)
Stil: Blues, Rock, Soul

Tracks:
01. The Letter ft. Susan Tedeschi
02. Darling Be Home Soon ft. Susan Tedeschi & Doyle Bramhall II
03. Dixie Lullaby ft. Doyle Bramhall II
04. Sticks And Stones ft. Chris Robinson
05. Girl From The North Country ft. Claudia Lennear
06. Let’s Go Get Stoned ft. Susan Tedeschi
07. Feelin‘ Alright ft. Dave Mason & Anders Osborne
08. She Came In Through the Bathroom Window ft. Warren Haynes
09. Bird On The Wire ft. Rita Coolidge & Doyle Bramhall II
10. The Weight
11. Delta Lady ft. John Bell
12. Space Captain ft. Susan Tedeschi & Chris Robinson
13. With A Little Help From My Friends ft. Chris Robinson, Susan Tedeschi
14. The Ballad Of Mad Dogs And Englishmen

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BB & The Bullets – High Tide – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Blues Rock aus Neuseeland? Warum denn nicht! Schließlich gibt es dort auch Eishockey, womit ebenfalls nicht unbedingt zu rechnen ist. Zugegeben, der Vergleich hinkt. Denn während der Kufensport nicht gerade höheren Ansprüchen gerecht wird, gibt es eine durchaus attraktive Rockszene in Neuseeland. Da kommen einem doch sofort die Namen Split Enz oder Crowded House („Don’t Dream It’s Over“) in den Sinn, die international Erfolg hatten. Auch die Szene mit dem „Blues“ im Namen davor ist äußert lebendig, selbst wenn die Interpreten außerhalb der Landesgrenzen wohl kaum einer kennt. Das könnte sich mit BB & The Bullets ändern.

Die Band besteht in klassischer Triobesetzung aus Brian Baker (Gitarre, Gesang), Stu „The Glue“ Duncan (Bass) und Brad McMillan (Schlagzeug), alle erfahrene Musiker. Baker ist ein Veteran, der schon als Produzent tätig war, CDs veröffentlichte, Filmmusiken oder Werbejingles komponiert und in Australien mit Eddie Rayner (Split Enz, Crowded House) zusammengearbeitet hat.

Nun also legt das Trio seine Debüt-CD „High Tide“ vor. Bei einem Erstlingswerk von zumindest hierzulande unbekannten Musikern weiß man ja nie. Doch schon die ersten Töne lassen alle Zweifel verfliegen. „Something in the water“, gleichzeitig die Debüt-Single, ist ein satter, gut abgehangener Gitarren-Blues-Rock der alten Schule. Beim Titelsong „High Tide“ steuert Eddie Rayner die Orgel bei. Mit Brian’s Boogie“ gibt’s zur Abwechslung mal ein Instrumentalstück mit Gitarre satt.

Neben sieben Originalsongs finden sich auch fünf Cover. Die Frage, ist natürlich: Braucht es noch eine Version von „Walking the dog“, mit dem Rufus Thomas 1963 seinen größten Hit hatte? Ein Jahr später coverten die Stones den Song auf ihrer Debüt-CD. Weitere Interpreten waren unter anderem Aerosmith oder Mitch Ryder. Das Gleiche gilt für „Born Under Aa Bad Sign“, das sicherlich zu den meist gecoverten Stücken der Rock-Ära zählt. Der von Booker T. Jones und William Bell geschriebene Klassiker weist unter anderem Albert King, Cream oder Joe Bonamassa als Interpreten auf.

Weitere Cover sind „The Thrill Is Gone“ (B.B. King), das zur Gattung „klassischer Blues“ gehört und 1970 bis auf Platz 15 der Billboard Hot 100 kam, „I Can Tell“ (Bo Diddley) und „I Want You/She’s So Heavy“ von den Beatles.

Nun, machen wir’s kurz: Das Rad haben BB und seine Kumpel natürlich nicht neu erfunden. Neue Facetten gibt es nicht zu entdecken. Das Wichtigste aber: Basierend auf Brian Bakers Gitarre sind die Klassiker nach wie vor hörenswert. Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen, der sie noch gar nicht kennt. Also, reinhören lohnt sich.

Dixiefrog Records (2025)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Somethin In The Water
02. Born Under A Bad Sign
03. High Tide
04. I Can Tell
05. Seven Ways To Sin
06. Walking The Dog
07. Little Fishies
08. I Want You / She’s So Heavy
09. Letting Go
10. The Thrill Is Gone
11. Brians’s Boogie
12. Big Boot Running

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Josh Ritter – I Believe In You, My Honeydew – CD-Review

Review: Michael Segets

Josh Ritter bringt seit über fünfundzwanzig Jahren Musik heraus. Bislang hatte ich zwei Berührungspunkte mit seinem Output: Das starke Album „Fever Breaks“ (2019), das in Kollaboration mit Jason Isbell & The 400 Unit entstand, sowie das enttäuschende „Spectral Lines“ (2023). Der neue Longplayer „I Believe In You, My Honeydew“ reicht zwar nicht an die Scheibe aus dem Jahr 2019 heran, überflügelt aber „Spectral Lines“ um Längen.

Der Opener „You Won’t Dig My Grave“ hätte gut auf „Fever Breaks“ gepasst. Der Chor mit seinem Gospel-Einschlag gibt dem starke Stück eine besondere Atmosphäre, die den Textinhalt – eine selbstbewusste Abrechnung mit Widersachern – nochmal unterstützt. Unter der Leitung von David Coleman liefern die Background-Sänger*innen Nicole Herring, Crystal Dixon und George Furtado bei anderen Tracks („Noah’s Children“, „Wild Ways“) gleichfalls eine hervorragende Leistung ab.

Sie begleiten ebenso „Kudzu Vines“. Der Song ist durch den Wechsel von solo-vokalen Passagen und kräftigem Schlagzeug mit härteren Gitarrenriffs geprägt. Das Gitarrensolo gegen Ende des Titels setzt diesem nochmal ein Sahnehäubchen auf. Dieser Beitrag, der auf meiner Bestenliste der diesjährigen Veröffentlichungen steht, rechtfertigt zusammen mit dem Opener schon den Kauf des Albums.

Darüber hinaus bietet der Longplayer aber noch weitere Stücke, die lohnenswert sind. Dabei beweist Ritter ein variantenreiches Songwriting sowie abwechslungsreiche Arrangements. Seine Songs changieren irgendwo zwischen denen von Todd Snider, Hayes Carll oder Will Varley. Bei dem ausschließlich mit akustischer Gitarre performten „Truth Is A Dimension (Both Invisible And Blinding)“ bewegt sich Ritter ganz in der Tradition der Folksinger. Sehr stimmungsvoll ist auch „Thunderbird“ mit einer dezenten, aber feinen Instrumentalisierung.

Expressiver wirkt hingegen „Honeydew (No Light)“, bei dem Ritter auf dominante Percussion setzt. Der Song ist nicht so mein Fall. Mit „Wild Ways“ hatte ich meine Anlaufschwierigkeiten. Der zunächst sehr gleichförmig erscheinende Track gewinnt bei mehrmaligen Hören und enthält einige Spannungskurven, sodass er ebenfalls auf der Habenseite zu verbuchen ist wie der Country-Walz „The Wreckage Of One Vision Of You“.

Josh Ritter erweist sich auf „I Believe In You, My Honeydew“ als versierter Songwriter, der zu einem erdigeren Sound zurückfindet. Zwei hervorstechende Songs, mehrheitlich überzeugende Beiträge und nur einzelne Tracks, die mich nicht so ansprechen, führen insgesamt zu einer deutlich positiven Bilanz. Mit dem Album setzt sich der Mann aus Idaho wieder auf die Liste der Musiker, die zukünftig im Auge zu behalten sind.

Phytheas Recordings – Thirty Tigers/Membran (2025)
Stil: Americana

Tracks:
01. You Won’t Dig My Grave
02. Honeydew (No Light)
03. Truth Is A Dimension (Both Invisible And Blinding)
04. Noah’s Children
05. Wild Ways
06. Thunderbird
07. Kudzu Vines
08. I’m Listening
09. The Wreckage Of One Vision Of You
10. The Throne

Josh Ritter
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

FM – Brotherhood – CD-Review

Es dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein, dass FM neben meiner Country- und Southern Rock-Begeisterung und der entsprechenden Thematik in diesem Magazin, zu den Bands zählen, die trotz ihrer eindeutigen Melodic Rock-Affinität, immer auch hier im SoS ihren Platz finden werden.

Hatte ich bereits zu ihrem Vorgänger-Album  das Lobeshymnen-Füllhorn über sie ausgeschüttet, könnte man es sich theoretisch zum Nachfolger „Brotherhood“ relativ einfach machen und einen Siehe-Verweis, nach dem Motto siehe/see „Old Habbits Die Hard“) in Form einer Verlinkung schalten. Denn auch ihr 15. Werk bietet eigentlich wieder alles, was ein Fan von niveauvoller Rockmusik geltend macht!

Allein schon der herrliche Opener „Do You Mean It„, mit einer Art Grundstruktur zwischen Don Henley-/Eagles- und Doobie Brothers-Songs, dazu mit den famosen Backing vocals im Southern Style von Sonia Jones and Jade Morgan,  macht sofort den Mund wässrig. Und wenn sie dann direkt hinterher mit dem dynamischen „Living On The Run“ die Melodic Rock-Überholspur betreten, kann eigentlich schon nichts mehr schief gehen.

Danach folgt dann wie gewohnt die hohe Schule des Genres, tolle Melodien und Hooks und Refrains, die sofort im Oberstübchen hängen bleiben, mit klasse Gesang von Steve Overland, starken variablen Keys von Jem Davis, viele typische E-Soli, zum Teil mit Twins von Overland und Jim Kirkpatrick sowie die treibende Rhythmusarbeit von Pete Jupp, der auch das Recording übernommen hat, und Bassist Merv Goldsworthy,

Man hat diesmal das Gefühl, dass sich Overland dezent, wie auch schon beim Auftaktstück, von früherem Liedgut hat inspirieren lassen, so bekommt man beim beschwingten fröhlichen „Love Comes To All “ sofort „Solsbury Hill“ Assoziationen und bei der folgenden wunderschönen Ballade „Just Walk Away“  ist der Gedankenweg zu Ronan Keatings „When You Say Nothing At All“ auch nicht in allzu weiter Ferne.

Overland dazu: “I am proud of the new album. It is one of our strongest song albums to date. It is another milestone, as it’s FM’s 15th album. It’s very well paced and has great variation in song styles throughout. The album’s big ballad, „Just Walk Away“, is one of our best. I hope our fans feel the same way as we do about „Brotherhood“.”

„Coming For You“, „Raised On The Wrong Side“, „Don’t Call It Love„, „Time Waits For No One“ und „Because Of You“ (hitverdächtig!) bieten den klassischen MR-/AOR, teils hymnischen FM-Stil, der Ausklang mit dem zeitkritischen „Chasing Freedom“ und dem düster-episch anmutenden „The Enemy Within“ (herrliche Hard Rock-mäßige Grummel-E-Gitarren) holt den Hörer dann in packender Art und Weise aus der gewohnten Komfortzone.

Auch wenn Overland in Track 4 „Raised On The Wrong Side“ beklagt, auf der falschen Seite aufgewachsen zu sein, gilt für das erneut grandiose 15. Werk „Brotherhood“ von FM eindeutig: The music comes from the right direction!

Band Line-up:
Steve Overland – Vocals, guitar
Merv Goldsworthy – Bass
Pete Jupp – Drums
Jem Davis – Keyboards
Jim Kirkpatrick – Guitars

Tracks:
01. Do You Mean It 
02. Living On The Run
03. Coming For You
04. Raised On The Wrong Side
05. Love Comes To All
06. Just Walk Away
07. Don’t Call It Love
08. Time Waits For No One
09. Because Of You
10. Chasing Freedom
11. The Enemy Within

FM
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Frontiers Records

Walter Trout – Sign Of The Times – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Nach einem Auftritt mit John Mayall habe ich Walter Trout im Mai 1999 in der Freiburger Blueskneipe „Blue Monday“ (die es leider längst nicht mehr gibt) zum ersten Mal mit eigener Band gesehen – und er hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Dies umso mehr, weil schon der junge Aynsley Lister, damals 22 Jahre alt, weit mehr war als nur ein Support, den man halt aushalten musste. Danach legte Walter Cooper Trout einen explosiven Auftritt hin.

Im Programmheft war der in Ocean City, New Jersey, geborene Gitarrist so angekündigt worden: „Sein Gitarren-Sound kann es problemlos mit dem eines Eric Clapton oder Gary Moore aufnehmen, und seine raue Stimme liefert sich ein hartumkämpftes Duell mit seinem Spiel.“ Auch über ein Vierteljahrhundert später hat sich daran nichts geändert – außer dass jetzt mehr Leute zu seinen Konzerten kommen und die CD-Verkaufszahlen gestiegen sind.

Nun also liegt sein neues Werk „Sign of the times“ vor, auf dem Trout einmal mehr auch seinem Ruf gerecht wird, ein scharfer und kritischer Beobachter eben jener Zeichen der Zeit zu sein, mit denen er gnadenlos abrechnet. „Ich wollte über das nachdenken, was in der Welt vor sich geht. Für mich ist das Schreiben dieser Songs eine Therapie“, sagt der 74-Jährige und fügt an: „Dieses Album ist ziemlich leicht entstanden. Ich hatte so viele Songideen.“ Klar, bei dem ganzen Irrsinn in der Welt.

So wirft er gleich beim ersten Song „Artificial“ einen ebenso satirischen wie verächtlichen Blick auf das, was man unter Künstlicher Intelligenz versteht, und singt von künstlichen Gefühlen, künstlichem Verstand, künstlichem Glück, künstlicher Freundlichkeit und kommt zu dem Schluss: „Ich kann nicht mehr sagen, was echt ist.“ Beim bewusst schon fast experimentellen Titelsong wird’s dann deftig. Er klingt gewollt eher disharmonisch mit düsterem Chorgesang. „Ich wollte, dass es dissonant ist. Dissonanz ist ein Zeichen der Zeit“, erklärt Trout. Sagen wir’s mal so: Das Ding ist leicht gewöhnungsbedürftig.

Zur Abwechslung gibt’s dafür die balladenhafte Akustik-Nummer „Mona Lisa, Smile“ mit Akkordeon, Mandoline und Geige oder „Too Bad“, eine bluesige Hommage an Sonny Terry und Brownie McGhee, bei der die Mundharmonika den Ton angibt. Somit kommt auch die softere Seite des Meisters nicht zu kurz. „I Remember“ geht mehr in Richtung Roots Rock, während „Hurt No More“ ein knochentrockener Rocker ist.

Auf dem letzten der zehn Stücke lässt es der 74-Jährige noch einmal so richtig krachen: „Ich wollte einen Song schreiben, der fast wie The Who klingt, wenn sie Hendrix an der Gitarre hätten.“ Er verabschiedet sich mit Textzeilen wie dieser: „Menschlichkeit und Würde/Ich sitze da und schaue zu, wie sie langsam sterben.“ „Sign Of The Times“ ist ein erneut starkes Statement eines außergewöhnlichen Künstlers!

Label: Provogue Records (2025)
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. Artificial
02. Blood On My Pillow
03. Sign Of The Times
04. Mona Lisa Smile
05. Hurt No More
06. No Strings Attached
07. I Remember
08. Hightech Woman
09. Too Badh
10. Struggle To Believe

Walter Trout
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Netinfect Promotion

The Hens – Hen Sounds – CD-Review

Review: Michael Segets

Tiere als Namensgeber für Bands sind nicht ungewöhnlich: Adler, Krähen, Pferde, Hunde und Hähne sind mühelos zu finden. Manchmal kommt es zu etwas skurrilen Zusammensetzungen wie bei Fried Goat. Bei den Hennen überrascht eher, dass die Truppe aus vier Männern und zwei Frauen besteht. Die Liebe zu dem Federvieh vereint halt und spiegelt sich in dem Artwork der CD ebenso wider. Während erwartungsgemäß ein Huhn das Frontcover ziert, sind die Portraits der Bandmitglieder auf der Rückseite in einem eierförmigen Rahmen gesetzt – ein witziger Einfall. Im Innenteil findet sich noch ein Foto von Teilen der Combo inmitten von Hühnern in Freilandhaltung. Die Gestaltung des Albums ist also konsequent im Hinblick auf den Gruppennamen ausgerichtet.

„Hen Sounds“ ist nach „Chicon“ (2017) der zweite Longplayer der Band. The Hens mit Sitz im texanischen Austin wurden vor circa zehn Jahren von Dave Aaronoff und Gitarrist Tom Umberger ins Leben gerufen. Schnell schloss sich Geigerin Heather Rae Johnson den beiden an. Weiterhin stießen Bassist Ricky Reese und Brother Ethan Shaw (Pedal Steel, Dobro, Banjo) zum Projekt. Zur Band gehört schließlich Schlagzeugerin Maria Mabra, die allerdings laut Credits nicht an der Einspielung der aktuellen Scheibe beteiligt war. Ihren Part übernahm Chris Walther. Am Piano ist zudem Massimo Gerosa zu hören. The Hens verfolgen einen Retro-Sound, der sich am Country traditioneller Prägung orientiert.

Die Songs stammen überwiegend aus der Feder von Aaronoff, aber auch Umberger und Johnson steuern Tracks bei. The Hens covern „Stranger In The House“ von Elvis Costello sowie das mit üppigen Slide versehene „We Must Have Been Out Of Our Minds“ von Melba Montgomery. Ebenso spielen sie „Get Behind Me Satan And Push“, das bereits von Billie Jo Spears gesungen wurde. Der letztgenannte Titel kann seine Nähe zum Rockabilly, dem The Hens ebenfalls auf „Rosemary“ frönen, nicht verleugnen.

Honky Tonk („Washed Up Hony Tonk Troubadour”) und Walzer („Getting Home”) werden dargeboten, so wie es sich für ein Genrealbum gehört. Einen Schritt abseits der Country-Pfade bewegt sich das stimmungsvolle „Smokin‘ Mary Jane“. Das bluesige Stück stammt von Johnson und wird von ihr auch gesungen. Die Beiträge ihrer Kollegen Aaranoff und Umberger atmen stärker die Country-Luft der 1950er und 1960er Jahre. Dabei gelingen ihnen einige runde Nummern mit gehörigem Twang wie „The Key’s Not In The Mailbox“ oder „There’s A Little Devil In Me“. Zu den gelungenen Beiträgen zählt zudem das Duett „Broken“ zwischen Aaranoff und Johnson ganz zu Anfang der Scheibe. Die Texte sind an einigen Stellen mit einem Augenzwinkern versehen und drehen sich oft um Beziehungen oder auch mal um „COVID 19“.

Um den Titel „Nothing Is Surprising Anymore“ aufzugreifen, lässt sich festhalten, dass sich keine großen Überraschungen oder Innovationen auf „Hen Sounds“ finden. The Hens führen den Old-School-Country aber gekonnt und mit Überzeugung fort. Unterm Strich sind dabei die selbstverfassten Songs stärker als die Cover. Trotz nostalgischer Anflüge retten The Hens den Geist der guten alten Zeit in die Gegenwart.

Topless Records (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. Broken
02. Nothing Is Surprising
03. The Key’s Not In The Mailbox
04. We Must Have Been Out Of Our Minds
05. There’s A Little Devil In Me
06. Smokin’ Mary Jane
07. Rosemary
08. Stranger In The House
09. Getting Home
10. Get Behind Me Satan And Push
11. Washed Up Honky-Tonk Troubadour
12. COVID-19

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The Infamous HER – 28.08.2025, Freideck Kantine, Köln – Konzertbericht

Es sind tatsächlich schon wieder sechseinhalb Jahre vergangen, als wir Monique Staffile Sherman & Co. alias The Infamous HER zuletzt  live erlebt haben. Damals noch vor Corona, während eines hier eher seltenen Wintereinbruchs mit ordentlichem Schneefall.

Mittlerweile ist viel Wasser den Rhein heruntergelaufen und Sie und ihr langjähriger Weggefährte Caleb Sherman, der heimliche Leader im Hintergrund des Kollektivs, sind verheiratet.

Angesichts ihres farbenfrohen Erscheinungsbilds auf der  Bühne des Freidecks an der Kantine, musste ich sofort schmunzelnd an ein Buch eines mehrfach prämierten Werbefachmanns und Autors denken, in dem er Anfang der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gegen die damalige, überwiegend von Humorlosigkeit geprägte Damenemanzipationswelt in unserem Lande, provokativ stichelte.

‚Wenn aus bunten Schmetterlingen graue Mäuse werden‘ hieß da ein Kapitel und beleuchtete die Entwicklung des weiblichen Parts vor und nach Eintreten in dieses o. a. Bündnis fürs Leben. In dieser Hinsicht scheint da, wie es dann auch der ‚bunte‘, launige, gewohnt zwischen Chaos, Rebellion und Rock’n’Roll pendelnde Gig offerierte, in Bezug auf die Protagonistin des Abends, erstmal jegliche Gefahr gebannt zu sein.

Die Band trat zum ersten Mal, soweit ich mich erinnere im Quintett auf, die Hinzunahme des zweiten Gitarristen Colton Jones erwies sich als gelungene Belebung. Der spielte nicht nur viele starke konventionelle Soli, sondern bevorzugte, statt des Bottlenecks, für seine Slideeinlagen, ausschließlich eine 0,33 Liter Bierflasche.

Neu war auch die starke Gesangseinbindung der Bandmitglieder, wovon sich der ’neue‘ Drummer Tyler Kloewer besonders im zweiten Part bei einem zünftigen Bluegrass Jam Medley bei den Lead Vocals hervortat. Gatte Caleb Sherman ‚dirigierte‘ die Songs mehr durch Variabilität mit unterschiedlichem Instrumenteneinsatz wie E-Gitarre, Banjo und Akkordeon.

Im Mittelpunkt der beiden Sets stand das neue Album „Untitled“, das mit den gespielten Tracks wie „Roll Back Down“, „Ocean Mary“ (mit Kate Bush-Flair, zusätzliche Gesangsparts von Bassist Stoye und Kloewer) und dem ’straight to the point‘-Kracher „Be My Lover“ (schön rockig mit Slide-Solo), „Tied To The Tracks“ und „Born Outta Step“ im ersten Teil sowie dem countryesken „Burning Down The Garden“, „Hell Accept You“, „Rabbit Hole“ (wie eine Mischung aus AC/DC, Stones, Led Zeppelin und den Kinks) und  dem Schunkler „Rainbow Connection“ (mit Monty Python-Note“) als Zugabe im zweiten Abschnitt, das En gros der Spielzeit einnahm.

Auffällig war diesmal der stark keltische Einschlag der Nummern, man hatte teilweise das Gefühl, im Biergarten eines irischen Pubs zu sitzen. Monique (nach wie vor ein Blickfang – „Ich träume heute Nacht wohl von Spiegeleiern“ konstatierte ein Sitznachbar angesichts der drapierten Stoff-Applikationen auf ihrer teildurchsichtigen Bluse …), überzeugte mit ihrer gewohnt mitnehmenden, sympathischen, engagierten, wibbeligen, frechen und gelenkigen Performance auf der Bühne, als natürlich auch am Mikro.

Die gut hundert Anwesenden ließen The Infamous HER an diesem frohlockenden Freiluftabend (auch der Wettergott spielte trotz dunkel aufziehender Wolken mit) demnach auch nicht ohne Zugaben ins Feierabendbier. Die Band bedankte sich angesichts der guten Stimmung mit gleich drei weiteren Tracks („Fat Bottom Girl“, „Get On Down The Road“ sowie das o. a. „Rainbow Connection“).

Nach dem Konzert gab es noch ein wenig Smalltalk mit Caleb (der fragte sofort nach unserem großen Logo-Schild) und Monique, wobei wir unsere gemeinsame Passion für Haustiere entdeckten, die es nicht so leicht im Leben hatten. Monique drückte mir dann noch ein Exemplar des neuen Werks „Untitled“ in die Hand, dessen Besprechung dann  naturgemäß demnächst im SoS folgen wird. Insgesamt mal wieder ein lohnenswerter Abend. Somit sind The Infamous HER in dieser Hinsicht auch in Zukunft gesetzt, wenn ein Gig in unserem Einzugsgebiet ansteht.

Line-up:
Monique Staffile (lead vocals, acoustic guitar)
Caleb Sherman (electric guitar,banjo, accordion vocals)
Tyler Kloewer (drums, percusssion, vocals)
Colton Jones (electric guitar, banjo, vocals)
Jonathan Stoye (bass, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Infamous HER
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Kantine Köln

Greta Gaines – Bird Before Light – CD-Review

Review: Michael Segets

Die Songwriterin Greta Gaines legt mit „Bird Before Light“ ein interessantes Album vor, das seinen Indie-Einschlag nicht verbirgt. Am deutlichsten wird dieser bei dem rockigen „Harm’s Way“, aber auch bei „Homegrown“ oder „One Eye Open“ scheint er in einigen Passagen durch. Unmittelbar eingängiger ist da „Coming To Fruition“, mit dem Gaines den Longplayer eröffnet. Die Stücke des Longplayers bewegen sich meist im unteren Midtempo, entwickeln aber dennoch einen gewissen Drive.

Die Songs wirken modern, folgen jedoch in ihrer Anlage durchaus traditionellen Mustern des Singer/Songwriter-Genres wie die Single „What Do You Want“. „Moderation“ ist ein ruhiges, melodiöses Stück, das durch die Keys von Eric Fritsch (Marty Stuart) sehr stimmungsvoll begleitet wird. Der Song zählt neben dem dunkleren Abschluss des Albums, der mit „All Yours“ beginnt und bei „Sonic Bloom“ seinen Höhepunkt erreicht, zu den herausragenden Titeln. Der letzte und mit vier Minuten längste Track trägt schon beinahe einen hymnischen Charakter. Gaines baut hier Elemente des Rocks ein, die u. a. mit drei Gitarren und Ken Coomer (Wilco) am Schlagzeug umgesetzt werden.

Bemerkenswert ist zudem „Port-A-Lee“, bei dem eine nautische Note auf das Album gelangt, die etwas aus dem Gesamtwerk herausfällt. Für den Track engagierte Gaines den mit einem Grammy ausgezeichneten Geigenvirtuosen Tim O’Brien. Während dieser Beitrag einen frischen Wind einfängt, erscheint die Kollaboration auf „Tenderhooks“ mit Gastsänger Raul Malo von den Mavericks und Adam Ollendorff (Kacey Musgraves) an der Pedal Steel sehr getragen.

Der Tochter des Autors Charles und der Malerin Patricia Ellisor Gaines ist die kreative Ader quasi in die Wiege gelegt. Für „Bird Before Light“ bewegt sie sich nach eigener Aussage aus ihrer Komfortzone als Songwriterin, indem sie bei vier Tracks die Zusammenarbeit mit Coautoren sucht. Die so entstandenen Stücke – „Moderation“, „Port-A-Lee“ von Dan Bern, „What Do You Want“ von Mondo Saez sowie „All Yours“ von Liam St. John mitgeschrieben – zählen zu den überzeugenden Titeln des Albums.

Gaines, die seit Ende der 1990er Alben herausbringt, holt sich routinierte Musiker in ihre Begleitband. Sie trat bereits gemeinsam mit Sheryl Crow und Sarah McLachlan auf und supportete Alanis Morissette sowie Tori Amos. Aber auch vor ihrer musikalischen Laufbahn machte Gaines auf sich aufmerksam. Sie war wohl die erste Frau, die an offiziellen Snowboard-Wettbewerben teilnahm, und sorgte zudem abseits der Piste für die Popularität dieses Sports – nicht zuletzt durch ihre Moderatoren-Tätigkeit bei MTV.

Von dem designtechnisch fragwürdigen Cover darf man sich nicht abschrecken lassen. Die Songwriterin Greta Gaines nimmt an manchen Stellen Einflüsse aus Rock und Independent Music auf, wodurch ein abwechslungsreiches Angebot entsteht. „Bird Before Light“ ist vielleicht kein völlig stringentes Werk, hält aber auf jeden Fall einige hörenswerte Tracks bereit.

Big Air Records (2025)
Stil: Singer/Songwriter, Independent Music

Tracks:
01. Coming To Fruition
02. Homegrown
03. Moderation
04. Harm’s Way
05. Tenderhooks
06. What Do You Want
07. Port-A-Lee
08. One Eye Open
09. All Yours
10. Sonic Bloom

Greta Gaines
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Devious Planet

Rodney Crowell – Airline Highway – CD-Review

Review: Michael Segets

Auf dem letzten Album „The Chicago Sessions“ (2023) schlug Rodney Crowell einen Bogen zurück zu seinen musikalischen Anfängen und wurde dafür mit einer Grammy-Nominierung belohnt. Nun legt er den Fokus auf den Moment und setzt sich das Ziel, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Dies kann er mit „Airline Highway“ sein. Crowell integriert frisches Blut in seine Produktion, indem er sich Musiker*innen der ihm nachfolgenden Generation ins Boot holt. Wenn man so will, richtet der Fünfundsiebzigjährige damit den Blick auch in die musikalische Zukunft.

Ob nun die Zusammenarbeit mit den jüngeren Musiker*innen als deren Förderung oder als marketingtechnischer Kniff interpretiert werden mag, um den Kreis der Hörerschaft zu erweitern, sei dahingestellt. Crowell ist von den Werken seiner Kolleg*innen begeistert und sagt, dass er eine besondere Verbindung zwischen ihm und den anderen Mitwirkenden während der Kollaboration entstand. Die beteiligten Musiker*innen geben ihrerseits an, dass er einen wichtigen Beitrag zu ihrer Entwicklung leistete.

Crowell begann als Songwriter für andere Country-Größen wie Jerry Jeff Walker, Johnny Cash oder (Willie Nelson, der in diesem Jahr ein Album ausschließlich mit Songs von Crowell herausbrachte. In den 1980ern startete Crowells erfolgreiche Solo-Karriere mit etlichen Hits.

Wie nicht anders zu erwarten, führt die Zusammenarbeit mit Lukas Nelson und Charlie Starr von Blackberry Smoke zu eher rockigen Resultaten. Lukas Nelson verfasste „Rainy Day In California“ mit und singt gemeinsam mit dem Altmeister. Charlie Starr ist bei „Heaven Can You Help“ am Mikro zu hören. Aber auch ohne die Unterstützung der Jungspunde weiß Crowell, wie man Uptempo-Nummern spielt („Don’t Give Up On Me“).

Der Texaner ist ursprünglich in der Country-Ecke beheimatet. Auf „Sometime Thang” frönt er dem Genre ganz Old-School. Der Titel ist rund und melodiös. Mehr Schwung hat „The Twenty-One Song Salute (Owed To G. G. Shinn And Cléoma Falcon)”, bei dem Tyler Bryant mitmischt. Die Schwestern Lovell von Larkin Poe begleiten Crowell auf dem sommerliches Flair versprühende „ Louisiana Sunshine Feeling Okay”. Sehr gefühlvoll ist sein Duett mit Ashley McBryde inklusive einem schönen Gitarrensolo am Ende des Songs. Bei dem Stück passt auch die gesprochene Bridge. Sprechgesang – von dem ich kein großer Freund bin – findet sich bei den Werken von Crowell häufiger. Er erscheint mir auf „Simple (You Wouldn’t Call It Simple)” zu dominant.

Crowell nutzt für seine Texte selbstverständlich seine Lebenserfahrung. Ein Rückblick auf vergangene Liebschaften und Beziehungen zu Frauen nehmen so einen wichtigen Raum ein („Maybe Somewhere Down The Road“, „Some Kind Of Woman“). Dabei räumt er ein, dass manche Gefühle mittlerweile nicht mehr zu vergegenwärtigen sind und Erinnerungen verblassen: Fluch und Segen des fortgeschrittenen Alters.

Für „Airline Highway“ holt sich Rodney Crowell eine Riege namhafter Musiker*innen ins Studio. Mit dem Staraufgebot bestehend aus Lukas Nelson, Larkin Poe, Ashley McBryde, Tyler Bryant und Charlie Starr kann eigentlich nichts schief gehen. So gelingt dem Routinier ein abwechslungsreiches und belebendes Album, das trotz der selbst verschriebenen Verjüngungskur seine Handschrift trägt.

New West Records – Bertus (2025)
Stil: Americana

Tracks:
01. Rainy Day in California (feat. Lukas Nelson)
02. Louisiana Sunshine Feeling Okay (feat. Larkin Poe)
03. Sometime Thang
04. Some Kind Of Woman
05. Taking Flight (feat. Ashley McBryde)
06. Simple (You Wouldn’t Call It Simple)
07. The Twenty-One Song Salute (Owed To G. G. Shinn And Cléoma Falcon) (feat. Tyler Bryant)
08. Don’t Give Up On Me
09. Heaven Can You Help (feat. Charlie Starr)
10. Maybe Somewhere Down The Road

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New West Records
Oktober Promotion

Connor Selby – The Truth Comes Out Eventually – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Mit vier UK Blues-Awards in den Jahren 2020 bis 2025, darunter für Traditional Blues Artist of the Year (2025), ist der englische Singer/Songwriter und Gitarrist Connor Selby eines der vielversprechenden Talente der jungen Musik-Generation. Der inzwischen 26-jährige hatte sein Debut-Album “Made Up My Mind“ ursprünglich schon 2018 veröffentlicht und die selbst betitelte Deluxe-Ausgabe (2023) um vier Bonus-Tracks erweitert. Das insofern eigentlich erst 2. Studio-Werk “The Truth Comes Out Eventually” erscheint nun auf Provogue Records und bringt eine durchaus facettenreiche Palette großartiger Eigenkompositionen.

Der furiose Einstieg in den zum überwiegenden Teil vorherrschenden Big Band Modus gelingt durch “Someone” unwiderstehlich – sicher eine herausragende Live-Nummer. Die mit “All Out Of Luck” folgenden, in gleicher Weise temperamentvoll angetriebenen, in Ansätzen jazzigen Blues-Sounds, klingen in souligen Grooves nach Ray Charles, Frank Sinatra mit B.B.King Solo-Akzenten und umklammern meisterliche Bläser-Arrangements. Bestandteile, die in weiteren Top-Songs (u.a. “(I am) Who I Am”, „I’ll Never Learn” oder auch “It Hurts To Be In Love”) den Bandleader-Status von Connor Selby begründen.

Seine vielseitige Stimme beherrscht die Band-Atmosphäre, die Guitar-Parts absolvieren spielerisch die klassischen Herausforderungen – beides wirkt authentisch und überzeugend. Die Lyrics und musikalischen Arrangements zeichnen das Bild eines jungen Künstlers, der den Titeltrack im typischen Sinatra-Stil interpretiert und dabei klassische wie moderne Elemente einbezieht. Diese großartigen Band-Instrumentierungen werden einfühlsam variiert, erweitert um die feinere Filigranarbeit von “Amelia”, einem Titel, der als emotionales Glanzstück des Albums zeitlose, melancholische Eleganz verkörpert – eine an Nick Drake erinnernde Folk-Ballade.

Grazile Songkunst ähnlicher Güte verbreiten “I Won’t Be Hard To Find” und das finale “Songbird” – zärtlich, folkige Stücke, zerbrechliche Harmonien als Gegensatz zum Blues-Orchester. Seine in jungen Jahren stark wechselnde Lebensumgebung – von Essex nach Connecticut und Dubai – hat Connor Selby dabei sicher ebenfalls beeinflusst, wie seine frühe Vorliebe für American Rootsy Music, die auch den neuen Longplayer vielfach “bewegt”.

Soul-bluesige Traditionselemente infizieren “The Truth Comes Out Eventually” mit einem groovenden Blues-Virus, der im poetischen Storytelling und eingängigen Melodien auflebt. Connor Selby hat ohne Frage ein auffallendes Masterpiece produziert, das die Auszeichnung als UK Traditional Blues Artist of the Year zweifellos rechtfertigt. Für ein exklusives Release Konzert kommt er am 08.11. ins Blue Notez nach Dortmund.

Provogue Records (2025)
Stil: Blues

Tracks:
01. Someone
02. All Out Of Luck
03. The Truth Come Out Eventually
04. (I Am) Who I Am
05. I Won’t Be Hard To Find
06. I’ll Never Learn
07. Amelia
08. It Hurts To Be In Love
09. What Else Is There To Say
10. Songbird

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