Julian Sas – 10.06.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Mit Julian Sas verbindet mich so ein Hauch von Nostalgie in eigener Sache. Er war der allererste Musiker, über dessen Live-Künste ich als Rezensent ein paar Zeilen verfasst habe. Wir schrieben das Jahr 2001 und Sas machte den Support für Roger Chapman in der Rheinberger Stadthalle. Es war die Zeit, als das Internet erst allmählich begann, Fahrt aufzunehmen und wir hatten gerade mit ein paar Typen aus ganz Deutschland, wovon sich niemand gegenseitig kannte, das erste Rockmusik-Online-Magazin gegründet und in die Tat umgesetzt.

Damals schrieb ich über Julian: „… Äußerlich mich an den noch etwas jüngeren Hughie Thomasson (The Outlaws, später Lynyrd Skynyrd) erinnernd, die lange, gelockte Mähne durch ein Stirnband umringt, aber dem mit der Zeit immer breiter werdenden Mittelscheitel hilflos ausgeliefert, ließ er ein Blues’n’Boogie Rock-Gewitter über uns fegen, das sicherlich bei jedem Genre-Fan für eine recht hohe Ausschüttung von Glückshormonen sorgte…“

Seitdem ist viel Wasser den Rhein heruntergelaufen. Viele Veröffentlichungen und unzählige Konzerte auf Seite des Protagonisten und weit über 1000 Reviews und als Inhaber eines noch recht jungen Magazins meinerseits später, nutzen Fotograf Gernot und ich die Gelegenheit, den Holländer samt seiner Mitstreiter Roland Bakker, Fotis Anagnostou und Rob Heijne, im Schwarzen Adler erneut unter die Lupe zu nehmen.

Die Leute und wir beide brauchten unser Kommen in der rappelvollen Vierbaumer Blues-Kult-Kneipe nicht zu bereuen, das Quartett zog alle Register der heutigen Blues Rock-Kunst und überzeugte mit ungeheurer Dynamik, Power und sympathischer Ausstrahlung in zwei ausgiebig ausstaffierten Sets.

Hängen geblieben aus dem ersten Part sind Songs wie das Wah-Wah-begleitete, schön stampfende „Mercy“, die in texanischer Manier zelebrierten Boogies „Jump For Joy“ (Wahnsinns-Power) und „Driftin‘ Boogie (ZZ Top-Flair), sowie der atmosphärische Slow Blues „Fear Of Falling“, die bis dato allesamt von Sas mit einer Stratocaster abgewickelt wurden. Für das Gregg Allman gewidmete, mit passenden ABB-Jam-Anleihen ausgeschmückte „Helping Hand“ zum Ende des ersten Sets und im weiteren Verlauf wechselte der Niederländer dann zu den, auch von Warren Haynes gerne gespielten, Gibson Firebird-Gitarren.

Im zweiten Set legten die vier Musiker in Sachen Intensität und Spielfreude noch einen oben drauf. Als Toptracks hab ich das hymnische, mit ein wenig „Freebird“-Esprit performte „Coming Home“ auf meinem Notizzettel stehen. Herrlich auch das vor Power nur so strotzende Freddie King-Cover „Going Down“ mit launig integriertem E-Gitarren-Hammond-Orgel-Duell zwischen Sas und dem rein äußerlich eher weniger nach Tasten-Virtuose, sondern mehr wie ein schlitzohriger Metzgermeister („…darf es gerne eine Scheibe mehr sein…?“) wirkenden, wuchtigen Roland Bakker (auch mit einigen tollen HT-Piano-Einlagen), das seiner Frau gewidmete „Blues For J“ (mit dezenten Gary Moore-Reminiszenzen) und das rhythmisch rockende „The Devil Got My Number“ zum Ende des musikalischen Hauptteils.

Unter zurecht tosendem Applaus und Zugabe-Gesängen ließ das Quartett es sich nicht nehmen, noch Sas‘ bekannten Rory Gallagher-Präferenzen zu huldigen. Der Bandleader schnappte sich eine Telecaster und slidete zunächst den allseits beliebten „Bullfrog Blues“ in Alleinunterhalter-Manier, bis sich der Rest seiner Kumpanen samt der schwer schuftenden Rhythmusfraktion Anagnostou/Heijne und Bakker (erneut klasse HT-Piano) für ein furioses Finish dazu stießen.

Julian Sas und Band untermauerten nachhaltig, dass ihnen auf europäischen Blues Rock-Parkett nur sehr wenige Acts das Wasser reichen können. So kann ich erneut eine tadellose und vor allem äußerst energiegeladene Leistung im, wieder durch einen klaren und transparenten Sound glänzenden Adler, attestieren.

Besonders gut gefallen hat mir, dass Julian, wie bereits erwähnt, auch diverse Southern Rock-typische Akzente mit in manche Lieder einfließen ließ. Bei schwül-warmen Temperaturen draußen, gab es das fällige Gewitter, allerdings wie damals schon, nur in musikalischer Hinsicht, und zwar innerhalb des Rheinberger Bluestempels. Und ich wette, dass auch diesmal bei Ernst Barten und seinem Adler-Publikum, wieder jede Menge Endorphine freigesetzt wurden…

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric & slide guitar)
Roland Bakker (piano, organ)
Fotis Anagnostou (bass)
Rob Heijne (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Schwarzer Adler

Modern Earl – 07.06.2017, Freilichtbühne, Mülheim an der Ruhr – Konzertbericht

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Ein gutes halbes Jahr, nachdem ich die Southern Rock-Band Modern Earl im Dortmunder Blue Notez Club zum ersten Mal erlebt hatte, stand der hier, in unserem Land, recht umtriebige Vierer aus Tennessee, bestehend aus Bandchef Christopher ‚Earl‘ Hudson, Ethan Schaffner, Ben Hunt und Dan Telander, erneut auf dem Programm, diesmal mit fotografischer Unterstützung von Freund Gernot, für den die Amis absolutes Neuland waren.

Der gemeinnützige Verein Regler-Produktion mit seinem Vorsitzenden Hans-Uwe Koch (mittlerweile dank Spenden und einiger Sponsoren auch in ein paar soziale Projekte involviert), hatte im Rahmen seiner Mittwochs-Reihe, in die, durch ihn betreute, historische Freilichtlichtbühne (errichtet 1936) in Mülheim an der Ruhr, zur Open Air-Southern Rock-Party geladen.

Während des Tages hatte ich angesichts der zwischenzeitlichen Regengüsse und des, für den Abend, angesagten kräftigen Windes noch so meine Befürchtungen, dass der Aufwand für die Veranstaltung, bei freiem Eintritt, finanziell den Beteiligten nicht gerecht würde und unter Umständen in kalte Tristesse münden würde, zumal Modern Earl jetzt auch nicht gerade unbedingt zu den allseits bekannten Helden der Szene zählen.

Aber die geografisch günstige, windgeschützte Lage der kleinen Bühne (etwas erhöht und seitlich gelegen von dem eigentlichen Amphitheater-ähnlichen Hauptschauplatz, umrandet von kleinen Getränke- und Imbissbuden) im ehemaligen Steinbruch und eine auf der Hinfahrt bereits aufkommende Wetterbesserung zerschlugen die Bedenken. Lediglich eine, sich kurz mit ein paar dicken Tropfen meldende, aber dann sofort wieder verziehende Regenwolke im ersten Set, ließ nochmal kurz den Atem anhalten.

Womit ich allerdings überhaupt nicht gerechnet hatte, war schließlich das Besucheraufkommen. Die mir bis dato völlig unbekannte Location scheint im Laufe der Zeit ein treues Stammpublikum aufgebaut zu haben und so umsäumten den Vorbühnenplatz und die anliegende Wiese des Parks innerhalb der Woche fast 500 Zuschauer (!) aus allen Altersschichten, die ihr Kommen dann absolut nicht bereuen sollten. Auch das prima aufspielende Quartett aus dem Süden der USA dürfte sich somit über eine stattliche ‚per Hut rumgehende‘ Gage gefreut haben.

Modern Earl zogen ihr, in zwei Sets geteiltes Programm, ähnlich wie im Blue Notez durch. Im ersten Teil standen Tracks wie „Whiskey On The Table“ (mit schönen Tempowechseln, Marshall Tucker-Flair), das swampig stampfende „Catfish And Titties“, „Rocky Top“ (Gitarrist Ethan Schaffner am Banjo), mein Lieblingsong der Band, das melodische „Blame The Bottle“ (mit kurzem „Can’t You See“-Intermezzo), Coverstücke wie „Angels From Montgomery“ (der vielseitige Schaffner mit Lap Steel-Slide-Einlagen), „I Know You Rider“ und „Young Blood“, sowie die starke, dezent psychedelische Eigenkreation „Devil’s Playhouse“ (klasse Wah-Wah-E-Gitarren-Solo) zu Buche.

Nach zehn-minütiger Pause gaben die Burschen auch in Part 2 weiter unvermindert Gas und zogen die, zum Teil begeistert vor der Bühne tanzenden und mitsingenden Leute, mit Songs wie „Hot Damn“, die ineinander übergehenden „Dixie“ (im Acapella-Stil) und „Hillbilly Band“, dem groovenden „Road Trippin‘“, dem grandiosen hymnischen „Whiskey Sister“ (mit Southern Rock-typischen E-Gitarrenfinale“ – klasse Twins von Leader Christopher Earl Hudson und Schaffner), der Uptemponummer „Backwoods Betty“ (inkl. Mitsing-Interaktion nach vorhergehender Einweisung durch den ‚Earl‘) sowie dem Countryheuler „Bloody Mary Morning“ (kräftiges Drum-Solo von Telander) mit angeschlossenem „T For Texas“ (Schaffner slidet mit einer Bierflasche) endgültig auf ihre Seite.

Klar, dass mit „Gone To The Country“ und “American Band” da noch zwei Zugaben ‚fällig‘ waren. Ein starker Auftritt von Modern Earl, der sicherlich noch für den einen oder anderen Kauf ihrer CDs, darunter natürlich auch der aktuell angepriesene „Loud And Proud“-Live-Silberling, gesorgt haben dürfte.

Insgesamt eine astreine Werbung für eine mit viel Liebe und ehrenamtlicher Leidenschaft gepflegte, wunderschöne Location mit stimmungsvollem und geschichtsträchtigem Ambiente, als auch für den Nashville-Vierer in eigener Sache und den Southern Rock ganz allgemein. Zu solchen herrlichen Anlässen kommen wir in jedem Fall immer gerne wieder!

Line-up:
Christopher ‚Earl‘ Hudson (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Ethan Schaffner (electric guitar, banjo, lap steel, vocals)
Ben Hunt (bass, vocals)
Dan Telander (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Modern Earl
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Regler Produktion e.V.

Mason Rack Band – 02.06.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Das, in zwei Sets geteilte, starke Konzert (z. T. mit Gast Harp-Spieler) dauerte über zwei Stunden, mit vielen eigenen Kompositionen und Coversongs wie „Crawling Kingsnake“, „Goin‘ Out West“ (Tom Waits), „La Grange“, „Who Do You Love“. Dazu ein Medley, bestehend aus bekannten Riffs (ACDC, Led Zeppelin und Cream), gespielt vom Bassisten.

Die obligatorische Percussion-Einlage und der Instrumententausch (Drummer spielt Bass, der Bassmann spielt Lead und Mason am Schlagzeug) brachte zusätzliche Stimmung im, für das Überangebot am Pfingstwochenende und die sommerlichen Temperaturen, gut gefüllten Blue Notez Club.

CD Tipp: „Live in Canada“

Line-up:
Mason Rack (lead vocals, guitars)
Jamie ‚Robo‘ Roberts (bass)
Jules Keshan (drums)
PJ Kevo (harp)

Bilder und Eindrücke: Peter Schepers

Mason Rack Band
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Blue Notez Dortmund

Greasy Tree – Same – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das selbstbetitelte Debüt von Greasy Tree bietet 42 Minuten kraftvollen Blues Rock. Greasy Tree sind Cameron Roberts (guitar, vocals), Dustin ‚Red‘ Dorton (bass, vocals) und Jacob Brumley (drums, vocals). Die jungen Männer aus Jonesboro, Arkansas, haben sich über die Zusammenarbeit mit Teenage Head Music gefunden und sind in den letzten zwei Jahren unter anderem auf diversen Festivals aufgetreten.

Bei ihrem in Memphis eingespielten Album wurden sie von Pete Matthews (Devon Allman, Evanescence, Paul Simon) sowie Toby Vest unterstützt. Die klare Produktion verzichtet auf Spielereien und konzentriert sich stattdessen auf die Qualitäten der Band. Greasy Tree loten die Spannbreite des Blues Rock aus und integrieren unterschiedliche musikalische Stilrichtungen in ihre Songs, ohne dass dies aufgesetzt oder bemüht wirkt. Die Band verarbeitet Einflüsse von Blues, Rock, Funk und Soul eigenständig, sodass ihr insgesamt ein stimmiges Album gelingt. Der Nachteil eines so vielfältigen Angebots liegt naturgemäß darin, dass sich der Hörer je nach musikalischem Geschmack eventuell mehr von dem einen oder weniger von dem anderen Element gewünscht hätte.

Die Gitarrenriffs, die kraftvolle und an den richtigen Stellen raue Stimme von Cameron Robert prägen den Opener „Don’t Worry About Me“. Ein kurzes Gitarrensolo und der mehrstimmige Background-Gesang gegen Ende des Stücks setzen die richtigen Akzente, um auf die nächsten Songs neugierig zu machen. Mit dem treibenden „Let Love Go“ legt die Band einen Zahn zu. Nach einem fast sanften Gitarrenintermezzo setzen die rockigen Riffs wieder ein und Roberts offenbart seine Shouter-Fähigkeiten. Neben dem eingängigen Refrain von „Sweet Sugar“ mischen sich durch die Breaks und das Bassspiel von Dustin ‚Red‘ Dorton Funk-Anleihen in den Song. Auch Schlagzeuger Jacob Brumley dreht bei diesem Song mächtig auf. Abwechslungsreiche Gitarreneinsätze sorgen zusätzlich für überraschende Momente.

Bei „Time, Love and Space“ schalten Greasy Tree einen Gang runter. Spannung erhält die Midtempo-Nummer durch das kraftvolle Schlagzeug und die Intensitätssteigerung des Gesangs.  „Goin‘ Home“ zeigt die Band von ihrer gefühlvollen, Blues-orientieren Seite. Der Refrain wartet mit einem Tempowechsel und stampfendem Rhythmus auf. „Shame (Behind the Bottle)“ ist ein weiterer Blues, bei dem Roberts seine Gefühle über eine unglückliche Kombination von Alkohol und Liebe herauslässt. Beschwingt und lässig wirkt hingegen das Soul-durchtränkte „Love That Lady“, das mit passendem Harmoniegesang gute Laune verströmt. Mit „Wiskey“ ist die Band dann wieder beim Thema Alkohol. Hier wird Dorton Raum gegeben, sein Können am Bass zu zeigen.

Das über sechs Minuten lange „Greasy“ startet mit einem Funk-Einschlag. Den zweiten Teil des Stücks prägt ein ausgiebiges, zunächst getragenes Gitarrensolo, das zum Ende Fahrt aufnimmt und so zum Refrain des Anfangsteils überleitet. Robert legt sich als Sänger und Gitarrist bei „She Wild“, dem knackigen Abschluss der CD, nochmal intensiv ins Zeug.

Der Blues Rock von Greasy Tree, der seine Wurzeln in den 60er und 70er Jahren hat, ist weit davon entfernt, angestaubt zu wirken. Vielleicht bietet die CD keine großen Innovationen, aber das abwechslungsreiche Songwriting, die Musiker, die ihre Instrumente beherrschen, und die passende Stimme von Cameron Roberts hebt die Band deutlich aus dem Mittelmaß heraus. Insgesamt debütiert Greasy Tree mit einem gelungenen Album, das Lust darauf macht, mehr von der Band zu hören.

Teenage Head Music (2016)
Stil: Blues Rock

01. Don’t Worry About Me
02. Let Love Go
03. Sweet Sugar
04. Time, Love, And Space
05. Goin‘ Home
06. Shame (Behind The Bottle)
07. Love That Lady
08. Whiskey
09. Greasy
10. She Wild

Greasy Tree
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Teenage Head Music

Luke Gasser – Mercy On Me – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit längerem dürfte inzwischen bekannt sein, dass die Eidgenossen nicht nur langsam, sondern musikalisch auch richtig rockig und poppig können. Anfang der 80’er Jahre des letzten Jahrhunderts hat es die schweizerische Hardrock Band Krokus mit ihren Anleihen bei AC/DC vorgemacht und 10 Jahre später ein Breakdancer und Musiker namens Peter René Baumann, besser bekannt als DJ BoBo.

Auch dieser Luke Gasser aus Kägiswil im Kanton Obwalden ist ein echtes Multitalent. Er ist nicht nur Rockmusiker, sondern auch gelernter Bildhauer, Autor und Filmemacher, dessen Filme bereits an über 30 internationalen Festivals zu sehen waren. Als Musiker ist er gemeinsam mit der deutschen Rockröhre Doro Pesch aufgetreten und war schon mit Bob Geldof, Status Quo, The Spencer Davis Group und Nazareth, die er selbst, wahrscheinlich um die Seelenverwandtschaft mit der Band zum Ausdruck zu bringen, als Waffenbrüder bezeichnet, unterwegs. Seit 2013 hat Gasser nahezu regelmäßig ein neues (englischsprachiges) Album pro Jahr veröffentlicht. Jetzt Ende Mai 2017 kommt also seine vierte CD „Mercy On Me“ auf den Markt, welche laut seinem Label LuckyBob Records sein bisher kraftvollstes Werk sein soll.

Stilistisch passt das Album an sich gar nicht in die vom Sounds-of-South-Magazin bevorzugte Musikrichtung des Southern Rock. Die Tracks des Albums erinnern teilweise eher an vergangene Punk-Zeiten, sie klingen überwiegend laut und anarchisch, nicht zuletzt wegen Gassers einprägsamer, rauer Stimme. In diese Richtung passen auch die wortgewaltigen Songtexte, die Ereignisse aus Gesellschaft, Politik und persönlichen Lebensbereichen kritisch, aber nicht moralisierend aufgreifen.

Dazu rocken und grooven Lukas Gasser und seine Mitstreiter Zach Prather (Bass) und Rudolf ‚Relli‘ Halter (Drums) was das Zeug hält. Bei fast allen Tracks des Albums handelt es sich um geradlinige und schnörkellose, und wie gesagt teilweise auch punkige, gitarrengetriebene Rocksongs, die unmittelbar ins Blut bzw. die Beine gehen. Ob der geballten Energie, die die Stücke ausstrahlen, dürfte sich aber auch der eine oder andere Southern Rock Fan, zumindest teilweise, von der Scheibe angesprochen fühlen.

Gleich der erste Song des Albums, das wilde „Stellar Queen“, bei dem sich Gasser als Verstärkung Frontmann Mark Fox von Shakra ins Boot geholt hatte, geht mit einem schönen Gitarrenintro so richtig ab und besitzt einen hohen Mitgrölfaktor. Rotzig und durch Background vocals unterstützt geht’s auch mit den nächsten beiden Stücken „Mercy On Me“ und „Cross My Heart“ weiter, immer getrieben von Gassers vorherrschender Leadgitarre. Erst das etwas gemäßigtere „Twinge Of Sadness“ lässt den Hörer etwas zur Ruhe kommen und verschnaufen.

Mit „Ruby MD nimmt die CD dann wieder gehörig an Fahrt auf, um von dem ruhigen und balladesken „Rooster On A Prowl“, einem Stück über die diffusen Ängste und die Unzufriedenheit in der heutigen Gesellschaft, abgelöst zu werden. Schön an diesem Song ist u. a., dass Gassers raue Stimme hier besser zur Geltung kommt und nicht durch laute Gitarrenriffs überlagert wird. Stilistisch ähnlich geht’s anschließend nahezu übergangslos mit „Winter Rest“ weiter.

„Hey Hey Hey“ überzeugt durch ein leicht southernmässig angehauchtes Slide-Intro, um letztendlich in einem zornigen Song über die Schleimer dieser Welt zu enden. Zwei Love-Songs in der Gasser-typischen Art, also etwas ruppig und rau und gar nicht romantisch, sondern eher verzweifelt, sind „Strive“ und „Throw A Light“, wobei letzterer Song im Gitarrenspiel durchaus bluesig rüberkommt. Punkiger und wütender wird’s dann zum Abschluss wieder mit „Smash To Smithers“ und dem letzten Song des Albums „Modesty“.

Für Fans harter, treibender Gitarrenriffs mit punkigen Einflüssen ist „Mercy On Me“ auf jeden Fall ein Kauftipp, die Liebhaber anderer Stilrichtungen werden sich sicherlich auch an einzelnen Songs erfreuen können, wahrscheinlich aber nicht am Komplettgenuss des Albums. Die Tracks sind eben recht ähnlich angelegt oder positiv ausgedrückt, jeder der Songs besitzt stellvertretend für das gesamte Album einen hohen Wiedererkennungswert.

Lucky Bob Records (2017)
Stil: Rock

01. Stellar Queen
02. Cross My Heart (And Hope To Die)
03. Mercy On Me
04. Twinge Of Sadness
05. Ruby, MD
06. Rooster On a Prowl
07. Winter Rest
08. Hey Hey Hey (Pussyfooter)
09. Strive (I225)
10. Throw A Light
11. Smash To Smither
12. Modesty

Luke Gasser
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Brooke Lynn Promotion

Them Dirty Roses – Same / Trouble (Deluxe Edition) – CD-Review

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Die Newcomerband Them Dirty Roses, das sind die Brüder James und Frank Ford sowie deren Freunde Andrew Davis und Ben Crain. Sie alle stammen aus Gadsden, Alabama und leben inzwischen in Nashville, dem Mekka des Country und in letzter Zeit vermehrt auch des Südstaaten Rocks, gemeinsam unter einem Dach, was entweder für hohe Toleranzschwellen der vier Jungs oder für gemeinsame Vorlieben wie Musik, Bier und Whiskey spricht. Immerhin kommen Bier, Whiskey und Kokain in einigen ihrer Songtitel vor… Wobei wir bei ihrem neuen Album angekommen sind.

Es enthält 14 reinrassige Southern Rock-Stücke, die fast ausschließlich von der 2014’er EP und dem 2016’er Album „Trouble“ stammen plus zwei weitere Songs. Es ist also kaum neues Material drauf, was aus hiesiger Sicht nicht weiter tragisch ist, da hierzulande bisher wohl kaum jemand von Band gehört haben dürfte. Aufgrund des einfachen Pappcovers und des fehlenden Booklets drängt sich zunächst auch der Verdacht auf, dass es sich bei dem Album um eine Low-Budget Produktion handelt, es sei denn die zur Rezension vorgelegte Scheibe dient lediglich zu Marketingzwecken und ist so für den Handel nicht vorgesehen.

Ist aber auch egal, denn beim Hören begeistert das Teil sofort und die Songs klingen ganz und gar nicht nach Billigproduktion. Sie haben es allesamt in sich, es sind klassisch schöne Südstaaten-Rock Stücke, wie ihn Redaktion und sicherlich auch die Leser dieses Magazins lieben. Aufgenommen und abgemischt wurde das Album im hauptsächlich analoge Technik bevorzugende ‚Welcome To 1979′-Studio in Nashville.

Mal kommen die Songs hart und rockig daher, wie zum Beispiel das von der Rhythmusgitarre beherrschte und mit Background Vocals zum Mitsingen einladende „What Your Daddy Doesn’t Know“, oder „A Bad Hand“ (eingängig und mit Rock’n‘ Roll Elementen behaftet) oder das kraftvolle „Shake It“ (welches gleich zweimal in leicht unterschiedlichen Versionen auf der Scheibe vertreten ist), ein anderes Mal sind die Stücke zwar auch southernmässig rhythmisch, aber dabei doch wesentlich melodiöser.

So ist der Opener des Albums „Cocaine And Whiskey“ ein mit einer eingängigen Grundmelodie, die sich immer wiederkehrend durch den Song zieht, versehener, recht melodiöser Track, ebenso wie der an Lynyrd Skynyrds „Sweet Home Alabama“ erinnernde Song „Beer Cans And Tire Swings“. Diese Stücke und die etwas ruhiger angelegten Songs wie z. B. „Back Home“ und „Fix You“ dürften sicherlich auch vor den Ohren unserer Herzensdamen Gnade finden. Ein weiteres starkes Highlight dieses Albums ist der Track „Head On“ mit der Country-Sängerin Kirstie Lovelady am Mikrofon und teilweise im Duett mit James Ford.

Alle Songs dieses Them Dirty Roses-Albums sind southern-typisch ehrliche, straighte Stücke, die ohne überflüssigen musikalischen Firlefanz auskommen und trotz ihrer Eigenständigkeit eine gewisse Nähe zu den großartigen Lynyrd Skynyrd erkennen lassen. Teils rockig-melodiös, teils wunderbar relaxt, laden sie förmlich dazu ein, sich mit einem Glas ‚Southern Comfort‘ oder einem ‚Jackie‘ in der Hand, an einem heißen Sommertag, ein schattiges Plätzchen zu suchen, den Alltag zu vergessen und gedankenverloren abzuspannen.

Eine tolle Scheibe von einer klasse Band von der wir hoffentlich in Zukunft noch viel hören werden!

Line-up:
James Ford – guitar, vocals
Andrew Davis – guitar
Ben Crain – bass
Frank Ford – drums

Teenage Head Music (2017)
Stil: Southern Rock

01. Cocaine And Whiskey
02. What Your Daddy Doesn’t Know
03. Whiskey In My Cup
04. Shake It
05. Beer Cans And Tire Swings
06. Songs About You
07. Molly
08. Back Home
09. Trouble
10. Grew Up In The Country
11. Fix You
12. Head On (feat. Kirstie Lovelady)
13. A Bad Hand (live)
14. Shake It (live)

Review: Jörg Schneider

Them Dirty Roses
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Teenage Head Music

Jive Mother Mary – Home Is Where The Heart Is – EP-Review

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Jive Mother Mary können bereits seit 2005 mit Banderfahrung aufwarten. Das von Mason Keck (guitars, vocals) und Seth Aldridge (drums) in Alamance, North Carolina gegründete Projekt, wurde später durch Tyler Schulz (guitars, vocals) und William Sanders (bass, vocals) vervollständigt.

Nach einer EP und zwei Alben, vielen Wohnungswechseln, immensem Touren (u. a. mit The Black Crowes, Jackyl, Blackfoot), steht jetzt seit Ende 2016 mit „Home Is Where The Heart Is“ eine weitere EP auf ihrer Habenseite.

Der Stil der Band wird zwar auf ihrer Webseite mit „Soul ’n Roll from the heart of North Carolina…“ beschrieben, ich würde aber doch eher einen vordergründigen Bezug zum Southern Rock attestieren, gemischt, vermutlich, dank ihrer Aufenthaltszeit in Los Angeles, mit einer angenehmen Brise Westcoast.

Diese kommt vor allem in zwei der insgesamt fünf Stücke zum Tragen. Zum einen beim herrlichen „Great Decline“ mit seinem unterschwellig mitlaufenden „Hotel Cailfornia“-Flair als auch beim folgenden „Planes, Trains, and Automobiles“ mit der Eagles-typischen Melodie und den wunderbaren Harmoniegesängen.

Der Opener „Feelin‘ Fine“ ist typischer junger, frecher Southern Rock à la Whiskey Myers & Co., wie man es am beigefügten unterhaltsamen Videoclip vorgeführt bekommt. Das atmosphärische „The Ride“ ist eine wunderschöne Southern-Ballade und besticht mit schönen schwurbeligen, übereinander gelegten E-Gitarren sowie den Piano- und Orgel-Tupfern von Gastmusiker Rhett Huffman, der sich als absoluter Gewinn erweist.

Am Ende hauen die Burschen mit „The Climb“, dem längsten Track, noch einen echten Kracher mit Southern Rock-typischem Twin-E-Gitarrenfinale heraus. Eine tolle Nummer! Wenn schon ein Musiker wie Josh Smithey (sich nach einem grandiosen Album als Sänger von Darkwater Redemption im musikalischen Ruhestand befindlich) Jive Mother Mary fast schon euphorisch mit „These guys are one of the best bands I’ve heard in a long time!“ lobt, kann das doch wohl nur ein ganz heißer Tipp sein, oder?

Teenage Head Music (2016)
Stil: Southern Rock

01. Feelin‘ Fine
02. The Ride
03. Great Decline
04. Planes, Trains, and Automobiles
05. The Climb

Jive Mother Mary
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Teenage Head Music

Frankie Ballard – 03.05.2017, MTC, Köln – Konzertbericht

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Eine Fahrt zu Konzerten nach Köln mit ihren verkehrstechnischen Besonderheiten (an vielen Stellen darf man z. B. nicht links abbiegen, abenteuerlich anmutende Parkplatzsuche), ist doch immer wieder schön, besonders, wenn man sich zu den, in dichtbesiedelten Wohngebieten liegenden Clubs, wie in diesem Fall, dem MTC, im Studentenviertel der Stadt, begeben darf.

Man mag es eine glückliche Fügung des Schicksals nennen, als nach mehreren vergeblichen Runden durch das Gebiet, sich plötzlich zwei junge Burschen, direkt vor der Nase, in ihr Auto zur Wegfahrt setzten, und der mitgereiste Fotograf Jörg Schneider und meine Wenigkeit sich dann in die enge Parklücke quetschen konnten.

Es war unser/mein erster Besuch im schlauchförmigen MTC-Club, der mich dann irgendwie an eine etwas verengte und etwas düstere Variante des ebenfalls nicht weit weg liegenden Luxors erinnerte. Nach und nach füllte sich die Location und als um 21:00 Uhr etwas unverhofft eine junge hübsche Dame, namens Marla, sich mit ihrer Akustikgitarre auf den bereitstehenden Barhocker vors Publikum setzte, hatten sich für einen Mittwoch in der Woche, geschätzt, gute 150 Zuschauer, für den eigentlichen Hauptact, den New Country Rocker Frankie Ballard, eingefunden.

Das langhaarige Mädel aus dem schönen Heidelberg ‚melancholierte‘ dann eine knappe halbe Stunde englisch gesungene Songs, aber im Stile und mit der Nonchalance einer französischen Liedermacherin/Chanteuse. Da das Anliegen der Reise jedoch nicht ‚Verliebt in Paris‘, sondern eher ‚Hungrig auf Nashville‘ war, ist man dann doch irgendwann froh gewesen, als Frankie Ballard inklusive ’seiner Jungs‘ Eddie Robinson, Travis McNabb und Robbie Harrington, mit dem launigen Opener „Drinky Drink“ die Bude ordentlich in Schwung brachte. Die Stimmung war von Beginn an bis zum Ende prächtig.

Das lag nicht zuletzt an der instrumentellen Qualität der beteiligen Burschen, ihrem agilen Auftreten, dem tollen Songmaterial (plus sehr stark interpretierter Covernummern wie u. a. „Folsom Prison Blues“ – Johnny Cash, „L.A. Woman“ – The Doors, „Hound Dog“ – Elvis, „You’ll Accomp’ny Me“ – Bob Seger) und natürlich auch an der mitnehmenden, freundlichen und humorvollen Führungsqualität des immer noch lausbubig wirkenden Protagonisten samt seiner tollen Stimme.

Frankie präsentierte im weiteren Verlauf unterhaltsame, kurzweilige, immer melodische Stücke aus dem eigenen Fundus seiner drei bisherigen Werke wie „Young & Crazy“, „Little Bit Of Both“, „Tell Me You Get Lonely“, „Wasting Time“, „It All Started With A Beer“ (die beiden letztgenannten Lieder mit Frankie an der Akustikgitarre), „Cigarette“, „Helluva Life“, „Good As Gold“ und „El Camino“, wobei man an der Setlist deutlich sieht, dass man sich naturgemäß vordergründig auf sein aktuelles Album „El Rio“ konzentrierte.

Wie bereits erwähnt, ein tolles Kollektiv dieses Quartett. Ballard überzeugte mit seinem rauchigen Gesang, guter und variabler Gitarrenarbeit sowie seiner aufs Publikum eingehenden und kommunikativen Art. Das kam hervorragend an. Der schlaksige Eddie Robinson beeindruckte mit vielen filigranen Fills und Soli, besonders klasse war’s, wenn er mit seinem Glasröhrchen zum Sliden ansetzte. Herrlich auch immer, wenn sich die beiden Gitarrenkönner zu den Southern Rock-typischen Twins ‚vereinten‘. Die Rhythmusfraktion mit Kraftpaket McNabb und Harrington, polterte, pumpte und groovte, was das Zeug hielt.

Mit der fulminanten, southern-rockigen Version von „Sunshine & Whiskey“ von gleichnamiger CD (erneut grandiose E-Gitarren von Robinson und Ballard) zum Abschluss des Hauptteils und der tosend eingeforderten Zugabe „You Could’ve Loved Me“ (wunderbare semi-akustische Ballade) verabschiedeten sich Ballard & Co. nach tollem Gig, wobei der Protagonist es nicht versäumte, am Ende auch noch ausgiebig Autogramme am Bühnenrand zu verteilen. Insgesamt somit eine fantastische Gesamtleistung von Frankie Ballard und Band! Er hat an diesem Abend hier sicherlich viele Freunde gefunden. Und auch die gute alte Domstadt am Rhein war deshalb mal wieder ihre Reise wert…!

Line-up:
Frankie Ballard (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)
Eddie Robinson (electric guitar, slide guitar, vocals)
Robbie Harington (bass, vocals)
Travis McNabb (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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The Regulators – Same – CD-Review

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1992, als die noch amtierenden bekannten Southern Rock Bands, aus vielerlei Gründen (aufblühende Popularität des Synthesizers, Druck der Plattenfirmen in Richtung Mainstream, aufkommende Konkurrenz-Stile wie u. a. Grunge, Sleaze Rock, personelle Veränderungen)  gehörig daran zu knabbern hatten, ihr Musik-Genre halbwegs gewinnträchtig am Laufen zu halten und dabei ihre Fan-Gemeinschaft nicht vollständig zu vergrätzen, brachte ein Sextett aus Huntington Beach, Süd-Kalifornien, relativ unbemerkt ihr Debüt heraus. Und dies direkt mit einem Major-Kontrakt im Rücken. Ein Grund, die Scheibe wurde zunächst nur für den amerikanischen Markt produziert und war hier damals demnach sehr schwierig zu beziehen.

Die sechs Herren Clifford Smith (lead vocals , harmonica), Jimi Hughes (acoustic and electric guitars, keys, bgv), Johnny Barnes (acoustic and electric guitars, bgv), Bobby Bird (acoustic and electric guitars), Randy Smith (bass, bgv) und Mark Aceves (drums, percussion, bgv) präsentierten sich im südstaatlich klassischen 3er-Gitarren-Line-up und erzielten mit ihrem Erstling einen hochwertigen, launigen Kompromiss, Southern Rock, im Rahmen der damaligen Begebenheiten, eine Frischzellenkur zu verabreichen.

Auch wenn das JFK-Attentat bereits zu diesem Zeitpunkt thematisch ausgelutscht erschien, kann der treibende Opener „Trouble In Dallas“ mit seinen krachenden E-Riffs und schönem Solo musikalisch punkten. „Outskirts“ brodelt und stampft in Skynyrd-mäßiger Tradition. Mit „Let It Ride“ lässt man Marshall Tucker Band-Ingredienzien mit Outlaws-typischen Vokal-Harmonien wie zu besten Zeiten wunderbar verschmelzen, toller Song.

„Good To Go“ versucht ein wenig, sich an ZZ Tops  einstigen „Eliminator“-Erfolgskonzept zu berauschen, klasse hier das Honkytonk-Piano, diesmal in der eher seltenen E-Variante. Überhaupt kommt die Scheibe mit recht wenig Keyboard-Anteilen aus, der ungeliebte Synthesizer bleibt, für ein Major-Projekt in dieser Ära, sogar erfreulicher und erstaunlicher Weise, ganz außen vor.

Hymnen-Charakter hat die Ballade „Last Chance“, die wieder viel Outlaws-Esprit aufweist, Clifford Smiths Gesang erinnert tendenziell an Hughie Thomasson. Hätte man vielleicht mit einem Gitarrenfinish noch ergänzen und am Schluss platzieren können. Das befreiende „Lay Down Your Money“ ist ein shuffliger Gute-Laune-Rocker, bei dem der Titel zum Mitgrölen animiert.

Mit das größte Hitpotential hatte vermutlich der „Texas Lawman“, ein herrliches Duett hier von Smith mit dem raunzenden Gastssänger Marq Torien. Die größte Aufmerksamkeit erzielten aber zwei der folgenden Tracks: Zum einen gelangte „Need For Speed“, bei dem die spielerische Gangart wirklich die Bezeichnung  ‚Nomen est Omen‘ verdient, in den Film „Kuffs“ (Ein Kerl zum Schießen) mit Christin Slater in der Hauptrolle und das groovige, mit einer satten Horn-Section unterstützte „Whiskey Fever“ in den Kinohit „Under Siege“ (Alarmstufe: Rot) mit Steven Seagal.

Das launige, poltrige „The Boys Are Goin‘ Out“ und die Bad Co.-Covernummer „Circles“ zum Ausklang, fallen unter die Rubrik ‚angenehmes Beiwerk‘. Aus meiner Sicht ein tolles, kurzweiliges Album mit jeder Menge filigraner und quirliger E-Gitarren, auch inklusiver Twin-Parts, neben dem einstigen Debüt von Copperhead (mit Neil Carswell) mit die unverhoffte Überraschung des damaligen Jahres.

Nur ein Jahr später, 1993, kam es dann allerdings knüppeldick für die Band. Die beiden markantesten Figuren (auch was das Songwriting anging), Jimi Hughes (bei einer Rauferei vor einem Hotel erschossen) und Clifford Smith (exzessive Lebensweise) verstarben unerwartet. Man versuchte 1998 mit veränderter, teils prominenter Neubesetzung (u. a. Ronnie Farrell und Asphalt Ballet-Fronter Gary Jeffries –  vom Original-Line-up waren nur noch Johnny Barnes und Randy Smith dabei) schlicht unter etwas reduzierter Firmierung ‚Regulators‘ mit dem Album „Bar & Grill“ (später noch mal modifiziert als „Above The Law“ herausgebracht) ein Comeback.

Dies ließ, vom Stil her, den Sound und Spirit der einstigen Truppe durchaus wieder aufleben, enthielt auch mit der Jimi Hughes-Hommage „Sweet Sustain“ eine echte Genre-Hymne (viele SR-Hardliner werden es insgesamt, aufgrund des raueren und weniger kommerziell angelegten Grundschemas, vermutlich sogar besser finden),  konnte, meiner Ansicht nach, aber gesanglich sowie von der Leichtigkeit und Eingängigkeit der Songs, nicht mit dem Erstling mithalten. Die Band (erneut personell verändert) rief sich im neuen Jahrtausend mit ein paar sporadischen Auftritten mal kurzzeitig in Erinnerung, ist aber sonst bis zum heutigen Tage nicht mehr großartig in Erscheinung getreten.

Polydur Records (1992)
Stil: Southern Rock

01. Trouble In Dallas
02. Outskirts
03. Let It Ride
04. Good To Go
05. Last Chance
06. Lay Down Your Money
07. Texas Lawman
08. Need For Speed
09. Boys Are Goin‘ Out
10. Whiskey Fever
11. Circles

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Speedbuggy USA – Kick Out The Twang – CD-Review

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Wie bereits in unserem Konzertbericht zu ihrem Gig in der Krefelder Kulturrampe erwähnt, hatte mir Lead-Sänger Timbo noch ihre neue, brandaktuelle CD „Kick Out The Twang“ anschließend, zwecks eines weiteren Reviews, mit auf den Weg gegeben, dem ich hiermit natürlich gerne nachkomme.

Die Band hatte ja bereits diverse Tracks in ihrer Setliste vorgestellt, so war die Frage, ob die Studioversionen und der unbekannte Rest genau so zünden würden, wie es auf der Bühne der Fall gewesen war.

Zum Live-Line-up, bestehend aus Sänger Timbo, Gitarrist Seth von Paulus und Drummer Jamie Dawson, kommen diesmal der etatmäßige Bassist Brady Sloan und als Ergänzung noch Pedal Steel Guitar-Spieler Gregg McMullen hinzu. Produziert hat das Werk in einem sehr schön transparenten Sound (alle Instrumente sind jederzeit sehr schön heraus zu hören) Seth von Paulus. Aufgemacht ist die Scheibe in einem schlichten, zu ihrer Musik aber passenden, lebhaft gestalteten Digipak, mit einem Bandbild und den relevanten Informationen in kurzer knapper Form.

Die Kalifornier eröffnen den Silberling mit ihrer neuen Interpretation des Monkees-Hits von 1966 „Last Train To Clarksville“, dem sie der damaligen beatlesken Note, mit einer Bakersfield-Sound-umwehten Variante, jetzt ihren eigenen Stempel aufdrücken. Die Band ist ja großer Fan dieses Musikstils. “ Das fetzige „Get Around“ kommt auf der CD natürlich nicht so brachial wie beim Live-Auftritt herüber, geht aber, dank Dawsons poltrigem Drumming, ebenfalls gut ab.

Gleiches gilt in etwa für die weiteren bereits live präsentierten Stücke wie „Hold My Head Up High“, „South Bound“, „Wood, Screws And Nails“ oder „Rodeo Star“ (allesamt aufgrund ihres stimmungsträchtigen Uptempo-Charakters natürlich nicht rein zufällig für ihre Sets ausgewählt) und das durch Joe Cocker so richtig bekannt gewordene „Unchain My Heart“, hier sehr schön atmosphärisch in Szene gesetzt.

Songs, wie das schon fast Waltz-artige „Shaky Town“, das melancholische „Sorry“, der mit einer Akustikgitarre geführte „Honky Tonk Singer“ und das mit einer klirrenden Mandoline geschmückte „The Devil With Me“ (mein Lieblingsstück des Albums), offerieren das ruhigere Wesen der Band und geben Pedal Steel-Spieler McMullen großzügig Raum, sein Instrument, weinen, leiern oder wimmern zu lassen.

Fronter Timbo, der mich vokal irgendwie immer ein wenig an Dan Baird erinnert, beweist, dass er zu jedem Tempo singen kann, Seth von Paulus lässt seine filigranen Künste auf der Telecaster, meist in Bariton-Manier (z. T. schön retro), natürlich zuhauf einfließen. Launig auch noch, das wieder Mandolinen-bestückte, folkige „Long Gone“ und der dezent Southern-rockige Ausklang mit  „Darlin I’m Comin Home“ (Bluefields-, Blackberry Smoke-Flair).

Speedbuggy USA lassen mit ihrem Studio-Album „Kick Out The Twang“ ebenfalls keinen Zweifel daran, dass sie musikalisch gesehen, das Herz auf dem richtigen Fleck sitzen haben. Ein Werk, mit dem man zuhause nach den ersten paar Bierchen, einen gemütlichen Grill-Nachmittag im Garten, in ein launigen Party-Abend verwandeln kann. Authentischer, unterhaltsamer, sehr empfehlenswerter Country Rock-Stoff!

Wagon Wheel Records (2017)
Stil: Country Rock

01. Take The Last Train To Clarksville
02. Get Around
03. Shaky Town
04. Hold My Head Up High
05. South Bound
06. Sorry
07. Wood, Screws And Nails
08. Unchain My Heart
09. Long Gone
10. Honky Tonk Singer
11. Rodeo Star
12. The Devil With Me
13. Darlin I’m Comin Home

Speedbuggy USA
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