Eric Clapton – Life In 12 Bars – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Bei der neuen Doppel-CD von Eric Clapton handelt es sich um kein neues Material, aber auch nicht um eine der, von verschiedensten Interpreten immer wieder auf den Markt geworfenen „Greatest Hits“-Alben, bei denen Künstler mit langen Karrieren, gerne noch mal Kasse machen.

„Life In 12 Bars“ beinhaltet mit Sicherheit auch einige Songs, welche man auf so einer Sampler-Hits Platte erwarten würde, ist aber der Soundtrack zu einem Dokumentarfilm über Eric Clapton und beinhaltet neben seinen eigenen Kompositionen, auch solche der Bands, in denen er wichtiger Bestandteil war, und Stücke anderer Künstler, die Einfluss auf seine Karriere hatten. Aus diesem Grund wird auf die Qualität der Lieder, die musikalisch außer Frage steht und als sehr hochwertig beschrieben werden kann, nicht tiefergründig eingegangen, sondern eher ihren Einfluss auf Claptons Karriere.

So ist es logisch, dass die ersten Tracks von Bluesgrößen wie Big Bill Boozny („Backwater Blues“) und Muddy Waters „(My Life Is Ruined“ und „Got My Mojo Working“) aus den 60er Jahren sind, die für den jungen Clapton wegweisend waren. Dabei kann der erstgenannte Song Waters‘ auch ein wenig als Synonym für die Karriere und das Leben Claptons gesehen werden, das durch Schicksalschläge, welche zum Teil auch zu übermäßigen Drogenkonsum führten, mehrfach kurz vor dem Abgrund stand. Wie die Geschichte zeigt, gelang es Clapton aber immer wieder sich aus dem Sumpf zu ziehen und bis heute mit Erfolg die großen Bühnen der Welt zu füllen.

Die folgenden Songs stammen von den beiden ersten Bands, mit denen Clapton der Einstieg in die internationale Bluesrock Welt gelang. Seine Arbeit bei den Yardbirds und bei John Mayall & The Bluesbreakers brachten Clapton einen Status, der ihm eine Zusammenarbeit mit Jack Bruce und Ginger Baker ermöglichte. Die Zeit mit Cream beherrscht mit 7 Songs den Großteil von CD 1.

Mit diesem Trio war eine der damaligen Supergroupsgeboren, welche prägend für eine ganze Generation von jungen Bluesmusikern war. Besonders hervorzuheben sind dabei „I Feel Free“, „Sunshine Of Your Love“, „White Room“ und eine 17 Minuten-lange Liveversion von „Spoonful“. An dieser Stelle sei schon gesagt, dass ein großer Teil der Klassiker in bisher unveröffentlichten Versionen auf dem Album sind, sodass es einige Überraschungsmomente bei den ansonsten überaus bekannten Songs gibt.

Zwischen die Cream-Sachen haben sich noch mit „Good To Me As I Am To You“ von Aretha Franklin, und „While My Guitar Gently Weeps“ der Beatles eingereiht, bei denen Clapton die E-Gitarre bediente, und seine  Präsenz in dieser Zeit in der Rockmusik demonstrierte. Der letzte Song auf CD 1, „Presence Of The Lord“ von Blind Faith, einer kurzen Zusammenarbeit mit Steve Winwood und Ginger Baker, schließt auch ein wichtiges Kapitel im Leben Claptons, nachdem die Supergruppe Cream zerbrochen war. Dies lag mit Sicherheit auch an dem damaligen Hype, der für Clapton eher unerträglich war.

„Comin‘ Home“ von Delaney & Bonnie & Friends mit Eric Clapton eröffnet den zweiten Silberling, gefolgt von zwei Songs vom 70er Album Eric Clapton. Schön, das von J,J. Cale geschriebene „After Midnight“ und „Let It Rain“ in bisher unveröffentlichten Versionen.

Dieser kurzen Episode, folgte eine sehr kurze, aber prägende Phase in Claptons Karriere, welche von der Zahl her hier  (wie bei Cream sieben Lieder) vermutlich ebenfalls als bedeutungsvoll einzustufen ist. 1970 rief er Derek and The Dominos ins Leben, um sich  von den Cream-Fesseln von Cream zu lösen. Schon nach kurzer Zeit stieß Duanne Allman, ursprünglich nur als Gastmusiker mit dabei, mit zum Line-up, was letztendlich nur etwa 2 Jahre später auf tragische Weise zum Ende der Band führte.

Kurz nach einem tödlichen Motorradunfall Allmans löste Clapton die Band auf und verfiel in eine Phase des ausschweifenden Drogenkonsums, in der für mehrere Jahre keine neuen Songs auf den Markt kamen. Während der Derek and The Dominos-Epoche steuerte Clapton auch die Gitarre zum George Harrison-Klassiker „My Sweet Lord“ bei, mit dem er befreundet war und der natürlich auf diesem biografisch angelegten Album nicht fehlen darf.  „Layla“ mit seiner eindrucksvollen Melodie, die später auch zu Werbezwecken genutzt wurde, war später ein Garant zum Einstieg in Claptons kommerzielle Karriere.

Die letzten vier Tracks sind sind dann aus seiner Solo-Zeit, mit dem schönen Marley Cover „I Shot The Sheriff“ und zum Abschluss dem melancholischen, sehr ruhigen „Tears In Heaven“, in dem Clapton einen seiner schwersten persönlichen Schicksalsschläge, den tragischen Unfalltod seines Sohnes, verarbeitete, um sich sich wieder in ein für ihn normales Leben zurückzufinden.

Mit dem Hintergrund von Claptons Biografie ist „Life in 12 Bars“ eine gelungene Zusammenstellung ihn prägender Songs. Unter diesem Aspekt ist diese Doppel-CD ein mit Sicherheit gelungener Appetizer zur folgenden DVD, bei der die visuelle Verknüpfung von Songs und Geschichte spannend sein wird. Der Zusatz zum Albumtitel „Genius Amplified“ gibt dabei noch einmal die Ausnahmestellung Claptons in der Bluesmusik wieder.

Universal (2018)
Stil:  Blues Rock

CD1:
01. Backwater Blues
02. My Life Is Ruined
03. I’ve Got My Mojo Working (Live At Newport Jazz Festival/1960)
04. I Wish You Would
05. For Your Love
06. Steppin‘ Out
07. All Your Love (Mono)
08. I Feel Free (Mono/Remastered)
09. Strange Brew
10. Sunshine Of Your Love
11. Good To Me As I Am To You
12. Crossroads (Live)
13. While My Guitar Gently Weeps (Remastered 2009)
14. Badge
15. White Room (Live)
16. Spoonful (Live At The LA Forum)
17. Presence Of The Lord

CD2:
01. Comin‘ Home (Live At Fairfield Halls) [feat. Eric Clapton]
02. After Midnight (Eric Clapton Mix)
03. Let It Rain (Eric Clapton Mix)
04. High
05. My Sweet Lord
06. Thorn Tree In The Garden (40th Anniversary Version/2010 Remastered)
07. Nobody Knows You When You’re Down And Out (40th Anniversary Version/2010 Remastered)
08. Bell Bottom Blues (40th Anniversary Version/2010 Remastered)
09. Layla (40th Anniversary Version/2010 Remastered)
10. Little Wing (Live At Fillmore East)
11. Got To Get Better In A Little While (Remixed/40th Anniversary Version/2010 Remastered)
12. I Shot The Sheriff (Full Length Version)
13. Little Queenie (Live At Long Beach Arena)
14. Mainline Florida
15. Tears In Heaven (From Rush Original Motion Picture Soundtrack)

Eric Clapton
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Universal Music

Anderson East – 03.06.2018, Köln, Stadtgarten – Konzertbericht

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Der ursprünglich aus Athens, Alabama, stammende, heute in Nashville ansässige Musiker Anderson East machte mit seinem Ensemble im Rahmen seiner 2018er World Tour jetzt nochmal bei uns einen Stop für zwei Konzerte, unter anderem im Stadtgarten Köln, der an diesem Abend, trotz der sommerlichen Hitze, mit über 300 Zuschauern sehr gut gefüllt war.

Zunächst lieferte ein Künstler namens Sir Pryce auf einem Nord Stage 2 EX-Piano für eine gute halbe Stunde eine One Man Show als Support ab. Der äußerlich, mit buntem Belize-Hemd und teil-gefärbter Irokesen-Frisur, ziemlich exotisch anmutende Solo-Performer, bewies mit Stücken wie „All New“, „Follow Your Light“, „Through My Head“ oder „Pulse“, durchaus ein Gespür für gutes und melodisches Pop- und R&B-Songwriting, wenn mir auch am Ende das Ganze, insgesamt etwas zu sehr synthetisch und monoton rüber kam.

Um 21:00 Uhr stellte Anderson nach einem Einspieler mit seinen Begleitern Scotty und Jonny Murray, Darren Dodd, Philip Towns, Nate Hefron sowie Ben Clark, mit dem kräftigen „Somebody Pick Up My Pieces“ als Opener, sofort die Weichen auf eine begeisternde, schweißtreibende Show, mit überwiegend zünftigem Soul Rock und tollen Balladen samt wohl dosierter Pop-, R&B- und Country-Ingredienzien, die beim Publikum (überwiegend weiblich dominiert), als auch bei uns, bestens ankam.

Der 29-jährige hat eine tolle Stimme, spielt richtig gut Gitarre und kann eine Audienz mitreißen, auch wenn es altersbedingt in charismatischer Hinsicht, vielleicht noch etwas Spielraum nach oben gibt. Er wirkt halt noch sehr jungenhaft. Vom Niveau her, braucht er aber schon jetzt keine Vergleiche mit ähnlichen Acts wie JJ Grey & Mofro oder Thorbjorn Risager und seinen Black Tornados zu scheuen.

Verlassen kann er sich dabei vor allem auf ebenso starke Akteure in seinem ‚Rücken‘. Da wären mit Nate Hefron und Ben Clark eine herrlich, im Dienste der Songs, plusternde Bläserfraktion. Dann mit Darren Dodd ein routinierter und unaufgeregter Drummer, mit Philip Towns ein rasta-gelockter, spielfreudiger Keyboarder und dem, fast wie siamesische Zwillinge, dicht nebeneinander agierenden Murray-Brüderpaar an Bass und E-Gitarre (Scotty auch mit ein paar schönen Steel-ähnlichen Slideeinlagen), Musiker, bei denen ein Rädchen perfekt ins andere passt.

So flog die Setliste, bei der überwiegend natürlich sein aktuelles Major-Album „Encore“ die Hauptrolle spielte (übrigens von Dave Cobb produziert), mit Stücken wie „Satisfy Me“, „Sorry You’re Sick“, „Surrender“, „If You Keep Leaving Me“, „King For A Day“ und dem wunderbar atmosphärischen „Devil In Me“, regelrecht an einem vorbei. Erst ab dem für den Sampler „Southern Family“ kreierten, und am Ende frenetisch gefeierten „Learning“ wurden einige Tracks deutlich länger ausstaffiert.

Den Höhepunkt und zugleich Abschluss des Hautteils markierte die fantastische Southern Soul-Ballade „This Shall Too Last“ mit einem furiosen Instrumentalteil am Ende, in dem die Beteiligten noch mal alle Register zogen. Besonders die E-Gitarrenparts vom kauzigen, zwirbelbärtigen Scotty Murray an der Les Paul (in aller bester Southern Rock-Manier) und von Anderson (an der Stratocaster im Stile von Mark Knopfler), am Ende sogar kurz Twin-mäßig,  hauten mich regelrecht vom Hocker. Einer der besten Songs, die ich live bis jetzt in der ersten Jahreshälfte präsentiert bekommen habe!

Für die Zugaben ließ sich das Septett, angesichts der Begeisterung, nicht lange bitten, und machte mit dem Mariah Carey-Cover „Always Be My Baby“ und der weiteren tollen Ballade „House Is A Building“ (wieder mit furiosem, stimmungsreichen Finale) den ‚Sack‘ endgültig zu. Nach dem Konzert stand der sichtlich ausgepumpte Protagonist dann noch für Selfies und Autogramme geduldig zur Verfügung. Seine Frage, ob unser Bericht denn positiv ausfallen würde, konnte da eigentlich schon zu diesem Zeitpunkt, wie man es jetzt auch nachlesen kann, nur mit einem glasklaren „Yes, of course!“ beantwortet werden!

Line-up:
Anderson East (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Scotty Murray (electric guitar)
Philip Towns (keys)
Jonny Murray (bass)
Darren Dodd (drums)
Nate Hefron (saxophone)
Ben Clark (trumpet)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Anderson East
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Konzertbüro Schoneberg
Stadtgarten Köln

Tas Cru – Memphis Song – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Memphis, Tennessee! Die Stadt am Ostufer des Mississippi gilt für viele als das „Mekka“ des Blues. Nicht zuletzt auch für Tas Cru, der Memphis und der dortigen Blues-Community mit seinem neuen Studioalbum „Memphis Song“ gleich eine ganze LP widmet.

Tas Cru, der eigentlich Richard Bates heißt, hat sein Leben dem Blues verschrieben und die Leidenschaft für das Genre hört man in jedem seiner Songs. Seine bisherigen sieben Studioalben verkörpern ganz unterschiedliche, teils launische Charakterzüge und Themen. Da gibt es „Even Bugs Sing The Blues“ (2015) mit Blues Liedern für Kinder oder das amüsante Hundeliebhaber-Blues-Werk „Doggone Blues“ (2016), wohingegen sein Erfolgsalbum „You Keep The Money“ (2014) eher die ‚gewöhnlichen‘ Blues-Fans anspricht.

Der schnelle Opener „Heal My Soul“ überzeugt durch einen kraftvollen, eingängigen Refrain und zum Ende hin mit einem soliden ‚Room To Move“‘-Mundharmonika-Part. Auf dem ansteckenden Titeltrack „Memphis Song“ wird Cru durch Victor Wainwright am durchdringenden Piano und dem jungen Bluesgitarristen Pat Harrington an der schrillen Slide-Gitarre tatkräftig unterstützt und bringt seine tiefe Verbundenheit mit der Musik-Metropole zum Ausdruck: “I hear you callinʹ, you been too long gone. Come on home and sing your Memphis song“.

Das eigenwillige Funky-Blues-Duett auf „Give A Little Up“ ist in seiner spärlichen Instrumenten-Begleitung der kleine „Star“ des Albums. Funk-Soul-Mundharmonika Sound gibt es auf „One Eyed Jack“ und die Ballade „Queen Of Hearts“ verdeutlicht Crusʹ Talent für ruhige, tiefgreifende Stücke. Der Shuffle-Blues „Feel So Good“ steht für die rockigen Seiten des Longplayers und das starke „Can’t Get Over Blues“ beendet das Werkm phänomenal in typischer Grateful Dead-Jam-Manier.

Die eigentliche, musikalische Karriere des Mitte 60-jährigen Bates startete erst vor einigen Jahren, aber Nominierungen für den Blues Music Award und Auszeichnungen der Blues Foundation beweisen die Strahlkraft, die er sich mittlerweile in der Blues-Szene erarbeitet hat. Cru möchte sein Wissen und seine Fertigkeiten an die nächste Generation weitergeben und verfolgt mit dem ‚Blues Education Programm‘ das Ziel, Kindern und Jugendlichen die Blues Musik intensiv näher zu bringen.

An den wuchtigen Mainstream Blues, der aktuell maßgeblich durch Joe Bonamassa vorgegeben wird, kommt das Album nur ansatzweise heran. Tas Cru bewegt sich hier lieber vor allem auf klassischen, traditionellen, teilweise auch britisch-dominierten Blues-Pfaden.

Die große Stärke von „Memphis Song“ ist dabei die ausgereifte Produktion, die komplett in Eigenregie abgelaufen ist. Tas Cru hat eine aufregende Platte vorgelegt, die zum Teil junge Unbekümmertheit mit erfahrener Gelassenheit vermengt und den Memphis-Blues-Spirit souverän in die Welt trägt.

Subcat Records (2018)
Stil: Blues Rock

01. Heal My Soul
02. Memphis Song
03. Fool For The Blues
04. Give A Little Up
05. Daddy Didn’t Give You Much
06. Have A Drink
07. That Look
08. One Eyed Jack
09. Queen Of Hearts
10. Don’t Lie To That Woman
11. Feel So Good
12. Can’t Get Over Blues

Tas Cru
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Jeff Jensen – Wisdom & Decay – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Das Line-up zu Jeff Jensens neuem Longplayer „Wisdom &Decay“ liest sich fast wie ein kleines „Orchester“. Für die Einspielung hat der US-Bluesrocker zehn Begleitmusiker zusammengetrommelt. Ergänzend kommen auf einigen Tracks noch ein Streicher- sowie ein Gesangsquartett hinzu.

Aufgenommen in vier verschiedenen Studios, u.a. im ruhmreichen ‚Kulttempel‘ von Sam Phillips in Memphis, TN, hat Jensen die Rolle des Produzenten übernommen und hervorragende Arbeit geleistet. Das erhabene Studio an der 639 Madison Avenue in Memphis hat Jensen offenbar nachhaltig inspiriert, da dort viele erfolgreiche Künstler gearbeitet haben (u.a. Elvis Presley, Roy Orbison, Bob Dylan, Johnny Cash, John Prine).

Unter den zehn Songs der LP finden sich neben sieben eigenkomponierten Stücken daher auch drei Coverversionen, die als Neuinterpretationen frisch und modern wirken. Das Little Milton-Stück „I’m Living Off The Love You Give“, als Opener, ein warmer Soul-Blues des alten Stax-Veteranen, verspricht bereits zum Auftakt einen interessanten Querschnitt durch klassische Blues-Gefilde.

Besonders das aus dem Repertoire des experimentierfreudigen US- Singer/Songwriters Tom Waits stammende „Downtown“, vom „Raindogs“-Album (1985),  hat Jensen überzeugend interpretiert. Die dritte Coverversion ist ebenfalls von einem nicht unbedingt dem Blues verbundenen Künstler.

„Tonight I’ll Be Staying Here With You“ von Bob Dylans berühmten „Nashville Skyline“-Album (1969), das er teilweise zusammen mit Johnny Cash eingesungen hat, bewegte sich ursprünglich im Folk-Country-Genre, doch Jensen macht aus diesem Song eine funkig sprühende Bluesnummer.

„2000 Days“ verbreitet im Vergleich zum angenehm Soul fundierten „Good Woman Back Home“ eine relaxte Jazz-Atmosphäre. Jensens Songwriting-Talent wird mit dem, im traditionellen Gospel Blues-Sound performten „Luck Is Gonna Change“ nochmals unter Beweis gestellt. Auf den abschließenden Instrumentalstücken „Something In The Water“, das ein wenig an einen Soundtrack im Stile von Mark Knopflers „Local Hero“ erinnert und „The Water Jam“ läuft die Band erneut zur Höchstform auf und wird von einem Streicherquartett unterstützt.

Jensen ist es mit seinem Album eindrucksvoll gelungen, Tracks aus dem weiten Spektrum des Blues gekonnt zu arrangieren und eigenwillige Aufnahmen abzuliefern. Als Produzent und exzentrischer Interpret, hat er damit ein engagiertes Werk vorgelegt, das ihn in der Reihe der Individualisten unter den modernen Bluesmusikern vorwärts bringen wird.

Jeff Jensen gelingt auf diesem Longplayer der schwierige Spagat, eine große Band passend und zielgenau einzusetzen, ohne die Tracks zu überfrachten. Das ist selbstbewusster und innovativer Blues Rock mit spielerischen Variationen und teilweise auch untypischen Instrumentalisierungen (u.a. Streichern oder Bläsern). „Wisdom & Decay“ ist somit ein bemerkenswertes Werk!

Swingsuit Records (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. I’m Living Off The Love You Give
02. 2000 Days
03. Pretend Forevers
04. Good Woman Back Home
05. Downtown
06. Luck Is Gonna Change
07. What We Used To Be
08. Tonight I’ll Be Staying Here With You
09. Something In The Water
10. The Water Jam/Something In The Water Revised

Jeff Jensen
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Little Caesar, 23.05.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Nach den Delta Saints sorgte Little Caesar innerhalb von zehn Tagen wieder für eine frühzeitig ausverkaufte Kulturrampe. Die Band aus Los Angeles hat sich auf den letzten Touren durch Europa eine solide Fanbasis quer durch alle Altersgruppen erspielt. So freute sich Frontmann Ron Young, dass sehr viele Besucher an dem Abend mit Band-T-Shirt angereist waren.

Der jüngste Fan, der wohl gerade erst als Teenager durchgeht, wurde vom Bandleader standesgemäß mit der Ghetto-Faust begrüßt. Daneben konnten im Publikum sowohl mehrere jüngere Frauen als auch ältere Stammgäste der Rampe ausgemacht werden.

Aufgrund ihrer Auftritte in den vergangenen Jahren sind die Konzerte in Krefeld für Little Caesar fast schon Heimspiele. Mario Scholten kündigte die Band um 20.45 Uhr an und die legte dann richtig los. „Vegas“, „Rock-N-Roll State Of Mine“, „Hard Times“, „Sick And Tired” und „21 Again” wurden ohne Unterbrechung hintereinander weg gespielt. Die Rock-Kracher heizten unmittelbar die Stimmung auf und brachten die Leute in Wallung.

Nach dem rasanten Einstieg richtete Ron Young zur Einstimmung auf „In Your Arms“ einige Worte an den randvollen Saal. Die schöne Ballade wurde von einigen textsicheren Fans komplett mitgesungen. Das starke „Dirty Water“ folgte mit einem gehörigen Blues-Touch, den Youngs technisch verzerrte Stimme zum Einstieg in den Song verstärkte.

Danach ging es mit den von Chuck Berry und Johnny Thunders inspirierten Rock-N-Roll-Stücken „Stand Up“ und „Real Rock Drive“ druckvoll weiter. Dazwischen streute die Band ihren Klassiker „Down And Dirty“ ein. Young animierte die Besucher bei den Songs zum Klatschen und nicht wenige ließen ihre Haare kräftig fliegen oder legten sich mit der Luftgitarre ins Zeug.

Young zelebriert seine Bühnenauftritte und will gemeinsam mit dem Publikum einzigartige Momente erleben. Mit der Aufforderung, den Augenblick zu genießen, leitete der Bandleader die Ballade „Time Enough For That“ von der neuen Scheibe „Eight“ ein. Darauf folgte das obligatorische „Chain Of Fools“ mit mehrstimmigem Gesang. Mark Tremalgia steuerte hier ein ausgiebiges Gitarrensolo bei und wurde dafür frenetisch gefeiert.

Mit Country-Anleihen rockte anschließend „Mama Tried“ – mein Favorit des neuen Albums. Nach einem kurzen Exkurs über durchlebte Exzesse lieferten sich Loren Molinare und Mark Tremalgia ein mitreißendes Gitarrenduell bei „Rum And Coke“. Nach 75 Minuten endete mit „Drive It Home“ das Hauptset.

Der Applaus holte die Band für eine Viertelstunde zurück auf die Bühne. „Cajun Panther“, „Nobody Said“ und das Medley „Every Picture Tells A Story – Happy“ bildeten die Zugabe. Bei dem letztgenannten Titel übernahm Bassist Pharoah Barrett zeitweise die Lead Vocals. Der Hüne mit knallig rot gefärbtem Bart sorgte zusammen mit Tom Morris am Schlagzeugt für den Rhythmus. Mark Tremalgia glänzte bei einigen Gitarrensolos. Loren Molinare sorgte mit seinen Posen für Bewegung auf der Bühne.

Während Ron Young bei seinem letzten Besuch in Krefeld 2016 gesundheitlich angeschlagen war, präsentierte er sich nun wieder stimmlich in Topform und trug wie gewohnt Sonnenbrille und Schlägerkappe. Vielleicht erzählte Young während des Konzerts insgesamt weniger als bei den zuvor besuchten, aber er interagierte gewohnt charismatisch und mit seiner ihm eigenen Begeisterung packte er die Zuschauer auch diesmal.

Mit sieben Titeln ihres Debüt-Albums aus dem Jahr 1990 setzte Little Caesar auf bewährtes. Von dem aktuellen Longplayer wählte die Band die fünf richtigen Stücke aus. Lediglich „Good Times“ habe ich auf der Setlist vermisst. Live gespielt gefiel mir „Time Enough For That“ noch besser als auf der CD. Vielleicht lag das auch daran, dass die Ballade eine der Verschnaufpausen während des temporeichen und ziemlich lauten Auftritts darstellte.

Der gradlinige, ehrliche und erdige Rock-N-Roll von Little Caesar garantiert kurzweilige Konzerte. Teenage Head Music hat mit der Truppe eine klasse Band im Programm, die man mal auf der Bühne gesehen haben sollte.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Tom Morris Williams (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Little Caesar
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Kingsborough – 1544 – CD-Review

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Review: Michael Segets

Der Titel des Albums ist Teil der Adresse, an der sich die vier Musiker von Kingsborough zwei Jahre lang getroffen haben, um gemeinsam an den Songs zu arbeiten. Das Quartett aus Kalifornien unternimmt auf „1544“ mit ihren Eigenkompositionen einen Streifzug durch die Rockgeschichte. Herausgekommen ist dabei eine CD, die vor allem in der ersten Hälfte überzeugt.

Der Longplayer startet mit „Percy“. Der Rocksong hat alles, was einen guten ausmacht: einen treibenden Rhythmus, einen erkennbaren Refrain, eine instrumentale Bridge und ein fulminantes Ende. Ebenso gelungen geht es mit „Low Down“ weiter, das an die siebziger Jahre erinnert. Auf der Grenze zum Hard Rock liegt „Subtle Lies“. Die dunkle, teils kratzige Gitarre mit ein paar Rückkopplungen gegen Schluss prägt das Stück. Der hymnische Song verlangt eigentlich nach einer Stadion-Bühne.

Als Vorgruppe von Joan Jett und ZZ Top sammelten Kingsborough bereits Erfahrungen vor großem Publikum. Die Zeitschrift BAM vergleicht deren Bühnenpräsenz mit der von Bruce Springsteen. Ob dabei gegen das unausgesprochene Gebot verstoßen wurde, den Namen des Bosses nicht unnütz bei Vergleichen im Munde zu führen, kann eventuell im Herbst geprüft werden, wenn die Band nach Europa kommt.

„Right On Time“ groovt und die Stimme von Billy Kingsborough wird mit dezentem Hall versehen, was sich prima in den Sound des Titels einfügt. Ein schrilles Gitarrensolo hebt sich vor dem durchgängigen Rhythmus, den John Whitney am Schlagzeug und Chris Mangione am Bass vorgeben, ab. Die Gitarren werden von dem Bandleader und von Alex Leach gespielt.

Bei „Wild Ones“ rekrutiert die Band Kevin Thomas für die Hammond B3 Orgel. Mit der getragenen, mit etwas Pathos versehenen Ballade zeigt Kingsborough, dass sie auch die ruhigeren Töne beherrschen. Nach diesem Ausflug nimmt die CD wieder Fahrt auf.

„Something Strange“ fängt stark an, versteigt sich dann aber in einen überladenen Zwischenteil, der mit einem abrupten Schnitt abbricht. Danach setzt der Song wieder ein. Zunächst konnte ich mich mit der Struktur nicht anfreunden, nach mehrmaligen Hören gewinnt der Track. Während er dadurch in den Akzeptanzbereich rückt, gelingt dies „Where I Belong“ nicht. Auch das Stück hat sehr gelungene Passagen, aber die gesanglichen Kapriolen von Billy Kingsborough, die dem Hard Rock entlehnt sind, sprechen mich überhaupt nicht an.

Mit den dominierenden Keys kommt „Hard On The Heart“ ziemlich poppig im Stil der achtziger Jahre daher. Gegen Ende steigert sich der Longplayer allerdings wieder. Bei dem erdigen und gitarrenlastigen „No More“ unterstützt Ari Rios die Truppe gesanglich. Auf „Before Long“ lässt es Kingsborough dann erneut scheppern. Billys Stimme wird leicht verzerrt und der Gitarrensound klingt nach dem Rock ’n‘ Roll der fünfziger Jahre.

Die Instrumente sind differenziert ausgesteuert, sodass auch bei den Stücken, bei denen sich die komplette Band ins Zeug legt, kein Soundbrei entsteht. Dies ist sicherlich auch ein Verdienst des Produzenten Damien Lewis, der schon mit The Wood Brothers, Rihanna und Katy Perry zusammenarbeitete.

Das Album „1544“ beginnt stark, schwächelt etwas in der zweiten Hälfte und dreht dann nochmal richtig auf. Kingsborough zeigt sich als Band, die in Richtung Hard Rock tendiert, dabei aber unterschiedliche stilistische Elemente der Rockgeschichte aufnimmt und verarbeitet. Man darf also gespannt sein, welche musikalische Entwicklung die Band zukünftig nimmt.

Kingsborough Music (2017)
Stil: Rock

01. Percy
02. Low Down
03. Subtle Lies
04. Right On Time
05. Wild Ones
06. Something Strange
07. Where I Belong
08. Hard On The Heart
09. No More
10. Before Long

Kingsborough
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Black Pike Favorites

John Mellencamp – Plain Spoken – From The Chicago Theatre – CD/DVD-Review

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Review: Michael Segets

„Die Leute lieben es, von alten Zeiten zu erzählen. Um von ihnen erzählen zu können, muss man allerdings alt sein.“ Mit einem Augenzwinkern leitet John Mellencamp den Schluss seines Konzerts im Chicago Theater ein. Zuvor unternimmt er eine packende Zeitreise zurück zu seinen Anfängen.

Die DVD/Blue-Ray „Plain Spoken – From The Chicago Theatre“ enthält neben dem reinen Mitschnitt eine kommentierte Version des Konzerts aus dem Jahr 2016. Dabei steht der von Mellencamp gesprochene Text im Vordergrund. Die Musik untermalt dort lediglich die gesprochenen Worte.

Die Anekdoten und Gedankensplitter – teils amüsant, teils nachdenklich stimmend – können durchaus literarischen Wert beanspruchen. Der Text ist keine dokumentarische Abarbeitung biographischer Stationen, sondern Mellencamp spürt seinen Wurzeln nach, die ihn zu dem Künstler und Musiker gemacht haben, der er heute ist.

Er gibt Einblicke in prägende Momente seines Lebens, seine subjektive Sichtweise des Musikbusiness und gesteht auch persönliche Unzulänglichkeiten ein. In dem zwanzigseitigen Booklet findet sich der vollständig abgedruckte Text.

Die eingehendere Beschäftigung mit der kommentierten Video-Version lohnt sich und bildet das künstlerische Herzstück der Veröffentlichung. Aber auch das Konzert, das zudem als CD beiliegt, hat es in sich. Hier geht Mellencamp auf einen Streifzug durch sein musikalisches Schaffen der letzten 35 Jahre.

Das ist in etwa der Zeitraum, in dem ich mich für Musik interessiere und in dem mich die Mellencamps stetig begleitete. Anfang und Mitte der 1980er brachte er einige hervorragende gitarrenorientierte Rock-Alben heraus, die in einem Atemzug mit den Werken von Bruce Springsteen oder Tom Petty genannt werden können.

Sein Longplayer „The Lonesome Jubilee“ aus dem Jahr 1987 hat einen festen Platz in meiner persönlichen Top-Ten-Liste. Auf ihm integrierte er auch vermehrt Folk-typische Instrumente wie Geige oder Akkordeon und prägte so einen eigenen, unverwechselbaren Sound. In den folgenden Jahren stellte John Mellencamp manchmal den Rock, manchmal den Folk in das Zentrum seiner Scheiben. In der letzten Dekade nahm er fast ausschließlich den Folk und die Wurzeln der Roots-Musik in den Blick.

John Mellencamp entwickelte sich vom jugendlichen Rockstar hin zum ernsthaften Songwriter und Folk-Rocker, obwohl bereits seine Texte ab den 1980er-Jahren zum Teil gesellschaftliche Themen aufgreifen oder ein politisches Statement enthalten. So unterstützte er den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry und Mellencamps spätere musikalische Kommentare zur Lage der Nation führten zum Boykott seiner Lieder durch konservative Country- und Folksender. Auch im sozialen Bereich engagiert sich Mellencamp: Er initiierte zusammen mit Willie Nelson 1985 die jährliche Konzertreihe Farm Aid.

Seit einem Herzinfarkt Mitte der neunziger Jahre reduzierte Mellencamp seine Konzert-Aktivitäten. Da ich als (fast) alter Mann ja gerne von früher erzähle, sei noch angeführt, dass ich ihn 1992 in Düsseldorf live erlebt habe. Damals noch bemüht, seine Ärmel über die Schultern hochzukrempeln, damit man seine Tätowierung sieht, präsentiert sich Mellencamp auf „Plain Spoken – From The Chicago Theatre“ als gestandener und gereifter Mann im dunklen Jackett. Der Kraft und dem rebellischen Geist seiner Songs, von denen mehr als die Hälfte aus meiner Jugendzeit stammt, tut dies keinen Abbruch.

Die Band, in schwarzen Anzügen gekleidet, bietet ein stimmiges Gesamtbild vor dem edlen Ambiente des Chicago Theaters. Die Aufnahmen sind zumeist in einem stimmungsvollen Sepia-Ton gehalten. Die Kamerafahrten begleiten das Geschehen auf der Bühne und im Publikum ohne hektische Schnitte. Die Komposition der Bilder unterstützt perfekt die Atmosphäre der Musik. „Plain Spoken – From The Chicago Theatre“ ist ein audio-visueller Genuss.

Das Konzerts beginnt mit dem beschwingten „Lawless Time“ und dem folkigen „Troubled Man“ von seiner Studio-CD „Plain Spoken“ (2014). Danach folgen seine beiden Klassiker „Minutes To Memories“ und „Small Town“, die das Publikum vollständig mitnehmen. Der überwiegende Teil der Konzertbesucher dürfte wohl die Erstveröffentlichung der Songs bewusst erlebt haben.

Auf „Stones In My Passway“ legt Mellencamp zunächst einige lässige Tanzschritte aufs Parkett und dann den Blues in seine raue Stimme. Andy York steuert hier starke Slide-Gitarrenpassagen bei. Das anschließende „Pop Singer“ glänzt mit einer Mundharmonika-Einlage von Troye Kinnett. Nach dem zum Träumen einladenden „Check It Out“ erzählt Mellencamp eine nette Episode, die er mit seiner Großmutter erlebte.

Wie andere Zwischenbemerkungen während des Konzerts, ist die Erzählung für die CD herausgeschnitten, die ansonsten die gleiche Setlist aufweist wie die DVD. Die Erinnerung an seine Oma leitet zu dem unglaublich intensiven „Longest Days“ über. Mellencamp greift dabei zur akustischen Gitarre und York unterstützt ihn dezent an der zweiten Gitarre.

„The Full Catastrophe“ versetzt in eine rauchige Blues-Bar. Nur vom Keyboard begleitet, dem Kinnett den Klang eines Klaviers gibt, zelebriert Mellencamp den Song. Auf der DVD gibt der Allround-Künstler einen Einblick in sein schauspielerisches beziehungsweise theatralisches Talent. Im Video erscheint der Song in Schwarz-Weiß, was dessen Spelunken-Stimmung verstärkt.

Nach den instrumental reduzierten Beiträgen ruft John Mellencamp Carlene Carter für „My Soul‘s Got Wings“ auf die Bühne. Mit mehrstimmigem Gesang und einem leicht Country-infizierten Rhythmus feiert die Band zusammen mit dem Publikum das Stück, das ganz in der Tradition von Woody Guthrie steht.

„Overture“ verschafft Mellencamp eine Verschnaufpause. Miriam Sturm an der Geige und Troye Kinnett am Akkordeon performen als Duett den Instrumentaltitel. Beide liefern eine grandiose Leistung während des gesamten Konzerts und zeichnen sich für den typischen Sound von Mellencamps Kompositionen verantwortlich. Aber auch die anderen Bandmitglieder spielen äußerst souverän. Andy York hat bei den kommenden Titeln noch einige hervorzuhebende Momente an der Gitarre. Unauffälliger sind Mellencamps langjähriger Weggefährte Mike Wanchic an einer weiteren Gitarre, John Gunnell am Bass und Dane Clark am Schlagzeug.

Mittlerweile ohne Jackett zündet Mellencamp anschließend ein Feuerwerk seiner Hits. Auf „Rain On The Scarecrow“ folgen „Paper In Fire“ und „Authority Song“. Das Publikum nimmt sie begeistert auf und zeigt eine beeindruckende Textsicherheit. Mit der Ballade „Pink Houses“ und dem lockeren „Cherry Bomb“ geht ein abwechslungsreiches Konzert zu Ende.

John Mellencamp zeigt seine musikalischen Facetten und in den Kommentaren seinen unaufhörlichen Drang, sich künstlerisch auszudrücken. „Every day of my life I create something.“ So beschließt Mellencamp seinen Text auf „Plain Spoken“. Die Art und Weise, wie Mellencamp an seinem Schaffensprozess teilhaben lässt, ist auf der DVD und der CD wunderbar gelöst. Mit meiner vollständigen Begeisterung geht eine uneingeschränkte Kaufempfehlung einher.

Eagle Rock Entertainment hat dem Kleinod mit der sauberen Produktion einen würdigen Rahmen gegeben. Ein persönlicher Dank geht zudem an Universal Music, die das Besprechungsexemplar zur Verfügung stellte.

Eagle Rock Entertainment/Universal Music Group (2018)
Stil: Folk Rock and more

DVD:
01. Lawless Times
02. Troubled Man
03. Minutes To Memories
04. Small Town
05. Stones In My Passway
06. Pop Singer
07. Check It Out
08. Longest Days
09. The Full Catastrophe
10. My Soul’s Got Wings
11. Overture
12. Rain On The Scarecrow
13. Paper In Fire
14. Authority Song
15. Pink Houses
16. Cherry Bomb

CD:
01. Lawless Times
02. Troubled Man
03. Minutes To Memories
04. Small Town
05. Stones In My Passway
06. Pop Singer
07. Check It Out
08. Longest Days
09. The Full Catastrophe
10. My Soul’s Got Wings
11. Overture
12. Rain On The Scarecrow
13. Paper In Fire
14. Authority Song
15. Pink Houses
16. Cherry Bomb

John Mellencamp
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Universal Music

Joe Bonamassa – British Blues Explosion Live – CD-/DVD-Review

Bonamassa_BBEL

Joe Bonamassa goes British! Nachdem er 2015 auf einem seiner letzten Live-Alben (Live At Red Rocks) noch den US-amerikanischen Blues-Größen Muddy Waters und Howlin Wolf Tribut gezollt hat, nimmt er sich jetzt seinen britischen Helden an. Ergebnis ist eine tiefe Verneigung des „Meisterschülers“ vor seinen „Lehrmeistern“, in erster Linie vor den Gitarrenlegenden Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page, die von Bonamassa ausgiebig und meisterlich gewürdigt werden.

Das abwechslungsreiche Konzert-Album wurde 2016 in Greenwich, London, aufgezeichnet und kann nach den visionären Gitarristen im Wesentlichen in drei Abschnitte geteilt werden. Kenntnisreich ausgegrabene englische Bluesklassiker und -Raritäten, mit dem Schwerpunkt in den 1960er und 70er Jahren, spielt Bonamassa hier leidenschaftlich und exzellent, begleitet von einer überragenden Band, die komplettiert wird durch Keyboarder und Rock and Roll Hall of Famer Reese Wynans (u.a. Stevie Ray Vaughan), Michael Rhodes am Bass, Schlagzeuger Anton Fig (u.a. Bob Dylan, B.B. King) und Rhythmusgitarrist Russ Irwin (u.a. Aerosmith, Sting).

Und diese erstklassigen Begleitmusiker muss man einfach auch um sich haben, damit die überragende Qualität der gecoverten Bluesstücke vor dem kritischen, englischen „Expertenpublikum“ mitreißend zur Geltung kommt.

Ohne die nachhaltige Ausstrahlung, Persönlichkeit und Ausdauer seiner britischen Vorbilder, hätte der europäische Blues ab den 1960er Jahren wohl niemals die Brücke zur Rockmusik geschlagen. Besonders die technische Experimentierfreudigkeit der drei Gitarristen (u.a. Fuzz, Feedback) begeisterte Bonamassa. Das Doppelalbum bildet dabei die perfekte Live-Hommage an seine Helden und der Facettenreichtum, den der US-Amerikaner hier in Form eines explosiven Bluesfeuerwerks vorführt, gleicht einer Achterbahnfahrt durch die Gründerepoche der englischen Blues-Rock-Historie.

Aus dem Schaffenswerk von Jeff Beck hat er das legendäre Blues-Rock-Klassik Instrumental „Beck’s Bolero“ (1968), „Rice Pudding“ (1969) und „Plynth (Water Down The Drain)“ (1969) ausgewählt und orientiert sich damit an Becks früher Phase mit der Jeff Beck Group und den Studioalben „Truth“ (1968) und „Beck-Ola“ (1969).

Die Clapton-Sammlung hat Bonamassa breit gefächert durchforstet und „Mainline Florida“ und „Motherless Children“ vom 1974er Album „461 Ocean Boulevard“, „Double Crossing Time“ und „Little Girl“ aus Claptons Bluesbreakers-Zeit (1965/1966), „SWLABR“ aus seiner Cream Phase (1967) und „Pretending“ von „Journeyman“ (1989) herausgepickt.

Dem Led Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page huldigt Bonamassa auf „Boogie With Stu“ (1974), „Tea For One (1976)“, „I Can’t Quit You Baby“ (1969) und mit den berauschenden Schluss-Akkorden von „How Many More Times“ (1969).

Die Songs geben Joe Bonamassa sehr viel Platz für kreativen Gestaltungsspielraum und eigene Interpretationen. Klanglich zelebriert der Gitarrenvirtuose alles was man von ihm bereits gewohnt ist: schnelle Tempowechsel, verschiedene Spielarten, lange Soloparts und genug Freiheiten für seine Begleitmusiker.

In Zeiten eines Blues-Revivals mit vielen jungen, aufstrebenden Musikern in Europa und den USA (u.a. Ben Poole, Ryan McGarvey, Laurence Jones) und ausverkauften Blues-Festivals veröffentlicht Bonamassa mit „British Blues Explosion“ sein persönliches, triumphales Statement. Am Ende des Live-Mitschnitts steht fest, es geht nicht nur um die Performance, sondern auch um die großartige Auswahl der Songs, mit denen er den britischen Blues wieder aufleben lässt und einem jüngeren Publikum zeitgemäß zugänglich macht.

Die DVD-Version von Joe Bonamassas „British Blues Explosion“ ist aufwendig gestaltet und fängt die Live-Atmosphäre vor malerischer und altehrwürdiger Kulisse des Old Royal Naval College in Greenwich, London, bildgewaltig ein. Das opulente Werk beginnt im Gegensatz zur CD mit einem informativen Intro über die British Blues Explosion in Gestalt von Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page in den 1960er Jahren; erzählt von Paul Jones, dem Sänger der „Blues Band“.

Die Songliste ist identisch mit der CD-Ausgabe, eine Extra DVD mit interessanten Live-Mitschnitten Bonamassas aus dem Liverpooler Cavern Club und dem Beatles Cover „Taxman“ ist beigefügt. Hervorzuheben ist die exakt abgestimmte Kameraführung mit häufigen Einblendungen von Bonamassas Gitarrenspielkunst und der ausgelassenen Spielfreude seiner Bandmitglieder.

Der US-Amerikaner trägt wie auf jedem seiner Konzerte einen feinen Anzug und eine dunkle Sonnenbrille. Leider gibt die Aufnahme der Konzert-Location inmitten architektonischer Prachtbauten auch die etwas sterile, altersbedingte Publikumsatmosphäre wieder, die opernhafte Züge nicht verheimlichen kann; dies sollte unter vornehmer englischer Zurückhaltung abgehakt werden.

Worauf Joe Bonamassa schon seit vielen Jahren enormen Wert legt, ist auch die visuelle Veröffentlichung seiner Konzert-CDs. Darüber hinaus achtet er regelmäßig auf interessante Locations für seine Konzertaufnahmen. Das naturprächtige Schauspiel auf der Bühne at Red Rocks, nahe Denver, das Greek Theatre in Los Angeles oder die Carnegie Hall in New York, zeigen seine Wertschätzung für schöne Locations und die persönliche Begeisterung für seine Gitarrenhelden, sieht man seinem Bühnenauftritt in Greenwich bei jedem Song an.

Joe Bonamassas „Explosion-Event“ und seine Rückbesinnung auf die Größen der englischen Blues-Rock-Zeit stehen damit ganz vorne in der Reihe vergleichbarer Produktionen, wie z.B. „The Blues“, der Dokumentation von Martin Scorsese oder auch den „Crossroads Guitar Festivals“ von Eric Clapton.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

CD:

Disc 1:
01. Beck’s Bolero / Rice Pudding
02. Mainline Florida
03. Boogie With Stu
04. Let Me Love You Baby
05. Plyth (Water Down The Drain)
06. Spanish Boots
07. Double Crossing Time
08. Motherless

Disc 2:
01. SWLABR
02. Tea For One / I Can’t Quit You Baby
03. Little Girl
04. Pretending
05. Black Winter / Django
06. How Many More Times

DVD:

Disc 1:
01. British Blues Explosion (Intro)
02. Beck’s Bolero / Rice Pudding
03. Mainline Florida
04. Boogie With Stu
05. Let Me Love You Baby
06. Plyth (Water Down The Drain)
07. Spanish Boots
08. Double Crossing Time
09. Motherless
10. SWLABR
11. Tea For One / I Can’t Quit You Baby
12. Little Girl
13. Pretending
14. Black Winter / Django
15. How Many More Times
16. Credits

Disc 2:
01. Joe Bonamassa – Live At The Cavern Club
02. Taxman – Tribute To The Beatles
03. Fan Footage Of Joe Receiving A “Brick In The Wall” At The Cavern Club
04. Photo Gallery – British Blues Explosion Live UK Tour

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion

Gus G. – 11.05.2018, Essen, Turock – Konzertbilder

Gus_Haupt

Pünktlich um 20:00 Uhr betrat das Trio um Gus G. als Support von Jesper Binzer den gut gefüllten Club, um den Zuschauern mit einem kurzweiligen Hard Rock-Auftritt die Wartezeit zu verkürzen. Der griechische Hard/Heavy Rock-Gitarrist, der über Jahre in der Band von Ozzy Osborne spielte, wurde dabei von Dennis Ward, bekannt als Mitglied von Pink Cream 69 am Bass und den Lead Vocals sowie Will Hunt, welcher schon für Bands wie Black Label Society oder Evanesence die Drums bearbeitete, unterstützt.

Den knapp 45 minütigen Gig nutzte die Band, um dem gut mitgehenden Publikum, Songs des aktuellen Albums „Fearless“ vorzustellen. Für mich war einer der Höhepunkte der Darbietung, eine aufs Nötigste reduzierte Hard Rock-Cover-Version des Dire Straits-Klassikers “Money For Nothing”.

Line-up:
Gus G. (lead vocals, electric guitar)
Dennis Ward (bass, vocals)
Will Hunt (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Gus G.
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Turock Essen

Mike Zito – First Class Life – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Bluesmusiker in den Vereinigten Staaten sein Geld zu verdienen ist aufgrund der Vielzahl hervorragender Künstler nicht leicht. Doch Mike Zito hat es inzwischen geschafft und blickt zufrieden auf das Erreichte: „Ich habe eine wunderbare Familie, ich bin clean und kann von der Musik leben.“ Sein mittlerweile 14. Studioalbum „First Class Life“ spiegelt dabei viele Abschnitte seines künstlerischen Werdegangs wieder.

Wie er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und dank der Musik seine Drogenabhängigkeit überwinden konnte, diese Erlebnisse verarbeitet er u.a. in dem aktuellen Longplayer. Der 47-jährige Texaner wollte eine „richtige Bluesplatte“ einspielen und dieses Vorhaben ist ihm eindrucksvoll gelungen. Das Album wurde in seinem Heimatstaat Texas in wenigen Tagen aufgenommen und beginnt mit einer shakigen und spritzigen Blues-Rock Nummer, die an traditionelle Blues-Wurzeln des Mississippi-Deltas anknüpft. Der  ausdrucksstarke Titelsong „First Class Life“, könnte autobiographischer nicht sein, so deutlich versinnbildlicht er Zitos Aufstieg aus St. Louis zu einem hoch geschätzten Bluesmusiker („I got a second chance and living a first class life“).

Seine Performance bei der Blues-Supergroup „Royal Southern Brotherhood“, deren Mitbegründer er neben Cyrill Neville und Devon Allman war, hat ihm auch über Genre Grenzen hinaus, Erfolg und Anerkennung gebracht. Der Working Class-Slowblues „The World We Live In“ vermittelt seine geradlinigen Singer/Songwriter-Qualitäten und geht über in das amüsante „Mama Don’t Like No Wah Wah“, als Anspielung auf eine Erzählung über die US-amerikanische Bluessängerin Koko Taylor. Eher düsteren Desert-Rock Sound und gleichzeitige Rassismuskritik gibt es mit dem Song „Old Black Graveyard“ auf die Ohren, gefolgt von dem groovigen Blues „Dying Day“.

Zito beschäftigt sich auf seinem Album mit aktuellen Lebenssituationen und transportiert einen sozialkritischen Arbeiterklassen-Ethos. Das gesellschaftsrelevante „The World We Live In“ in seiner Soft Blues-Rock-Melodie oder das Rock ’n‘ Roll-Blues Stück „Trying To Make A Living“ formen ein soziales Gespür für die alltäglichen, existentiellen Fragen und Gedanken der ‚einfachen‘ Bevölkerung. So ist das Album auch eine musikalische Verarbeitung von Mike Zitos Vergangenheit.

Einflüsse von Savoy Brown, den frühen Fleetwood Mac, Stevie Ray Vaughan und auch Joe Bonamassa verbindet Mike Zito mit seinem persönlichen, eleganten Blues-Stil und „jongliert“ gekonnt die unterschiedlichsten Richtungen vom Delta- über den Chicago- bis hin zum Memphis-Blues. Der einzige Wermutstropfen der bleibt, ist leider, dass Zito sein qualitativ hochwertiges Gitarrenspiel und Repertoire nicht vollends darbietet. Die obligatorischen Gitarren-Blues-Riffs sind ein wenig zu kurz und zeigen nicht sein Können, das er bereits auf vorherigen Studioalben oder bei Royal Southern Brotherhood abgerufen hat.

Auf „First Class Life“ fühlt man Zitos Blues-Spirit in beeindruckender Art und Weise. Der Langspieler bietet eine abwechslungsreiche Produktion, die unterschiedliche Blues-Stile gekonnt wiedergibt. Seine Vielseitigkeit und sein zielsicherer Spürsinn, Emotionen eines Bluessongs authentisch hervorzurufen, werden hier perfekt unter Beweis gestellt.

Ruf Records (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. Mississippi Nights
02. Wasted Time
03. First Class Life
04. I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treat Me)
05. The Wolrd We Live In
06. Mama Don’t Like No Wah Wah
07. Old Black Graveyard
08. Dying Day
09. Back Problems
10. Time For A Change
11. Damn Shame
12. Trying To Make A Living

Mike Zito
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Ruf Records