The Dead South – Support: Rob Heron & The Tea Pad Orchestra – 27.07.2025, KUNST!RASEN, Bonn – Konzertnachlese

Zunächst legt der Brite Rob Heron mit seinen Mannen einen engagierten Auftritt auf die Bühne und sorgt mit Rock´n´Roll, Rockabilly, Blues und Swing schon für eine gute Stimmung bei den Fans auf dem Kunst!Rasen in den Bonner Rheinauen und hat mit Sicherheit den einen oder anderen Fan hinzugewonnen. Hartz Promotion ist es mit der Band gelungen, einen Opener zu verpflichten, der Spaß gemacht hat und so einen gewinnbringenden Anteil an dem Konzertabend hatte.

Line-up Rob Heron & The Tea Pad Orchestra:
Rob Heron (vocals, guitar)
Tom Cronin (mandolin, harmonica, guitar)
Ben Bowling (saxophone, clarinet)
Adam Richards (double bass, electric bass)
Paul Archibals (drums)

Um 20 Uhr ist es dann soweit und The Dead South betreten die Bühne, deren Hintergrund die Fassade einer Kirche aus den Weiten Kanadas darstellt. Hinter der Bühne bilden drohende Regenwolken eine düstere Kulisse, weshalb die Mikrofone weit vom Bühnenrand stehen, um geschützt vom möglichen Regen zu sein.

Auf der Bühne stehen dekorativ einige Whiskeyfässer. Die Musiker mit ihren schwarzen Hosen mit breiten schwarzen Hosenträgern, weißen Hemden und zum Teil mit breitkrempigen Hüten könnten auch auf dem Weg zur Arbeit auf der Farm oder als Schreiner sein, wenn man sich gedanklich in den „Wilden Westen“ oder zu den Amisch People begibt.

Von Beginn an begeistern die Kanadier mit ihrem elektrisierenden Mix aus Bluegrass, Country und düster daherkommenden Folk. Nathaniel Hits, der charismatische Sänger erzählt mit seiner kräftigen resonanzreichen Stimme Geschichten, die das Leben aus den Weiten der Prärien beschreiben. Colton Crawford setzt das Banjo zuweilen perkussionsartig ein und sorgt mit der vor ihm stehend Bassdrum für den nötigen Druck in den Songs.

Scott Pringle gibt vielen Songs mit der Mandoline ein folkiges Flair und Danny Kenyon legt mit dem Cello starke Basslinien, um es, wenn er es mit dem Geigenbogen bespielt, psychedelisch und mystisch jaulen zu lassen. Unterstützt werden die Themen der Songs durch das Bühnenlicht, die das Bild der Fassade mal in einem wohligen Sonnenlicht erscheinen lässt, um kurz danach eine mystisch gespenstige Stimmung zu erzeugen.

So vergehen etwa 100 Minuten wie im Fluge, in denen die Fans bei bestens ausgesteuertem Sound von The Dead South in eine traumhafte Welt der Prärie entführt worden sind, wobei Ironie und Humor nicht zu kurz gekommen sind. Das der Wettergott an diesem Abend ein Freund der Musikfans ist, zeigt sich dadurch, dass er erst nach dem musikalischen Gewitter von The Dead South den Wolken die Freigabe gibt, sich zu entleeren.

E.L.Hartz hat mit The Dead South einen weiteren Spielstein in der musikalischen Vielfalt auf den Kunst!Rasen geholt, der weitaus mehr Besucher verdient gehabt hätte. Die anwesenden Fans, die den vorderen Bereich gut gefüllt haben, sorgten aber für eine besondere Stimmung, die sichtbar auch die Band zu einer Glanzleistung animierte.

Line-up The Dead South:
Nathaniel Hilts (lead vocals, guitar, mandoline)
Scott Pringle (guitar, mandoline)
Colton Crawford (banjo)
Danny Kenyon (cello)

Text & Bilder: Gernot Mangold

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E.L. Hartz Promotion
KUNST!RASEN, Bonn

Sunny Sweeney – Rhinestone Requiem – CD-Review

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Eigentlich bin ich ja bekannter Weise nicht so der ganz große bekennende Fan des Traditional Country. Ich habe es in Sachen Country ja eher mehr mit dem ‚New‘ davor. Sunny Sweeney ist eine der wenigen Ausnahmen. Sie hat bewiesen, dass sie beides kann und ihr Schwenk zum texanisch Outlaw-infizierten Honkytonk-Country kommt dermaßen authentisch, frisch, frech und witzig rüber, dass man sich dem nicht entziehen kann.

Hatte ich ihr Vorgängerwerk „Married Alone“ bereits in höchsten Tönen über den grünen Klee gelobt, blüht die Amerikanerin, mittlerweile geschieden und in Hendersonville, Tennessee, ansässig, im Rahmen ihrer auch im Leben neu gewonnenen Unabhängigkeit, noch mehr auf.

„Rhinestone Requiem“ ist ihr sechstes Werk, das sie in  im Cherry Ridge Studio in Texas aufgenommen hat und zusammen mit ihrem Langzeit-Gitarristen Harley Husbands produziert hat.

Es enthält  neben diversen Eigenkreationen, Kompositions-Kollaborationen mit Leuten wie Brennen Leigh and Ben Chapman und eine herrliche Honkytonk-Coverversion von Kasey Chambers „Last Hard Bible“.

Das Werk gefällt erneut durch den selbstironischen Humor und bissigen Wortwitz in den Songtexten, der immer wieder auch von Abrechnungen mit dem Vorleben gekennzeichnet ist. Da werden dann gerne gegen den Ex, verschmähte Lover, aber auch das alte Label („As Long As There’s A Honky Tonk“) Spitzen geschossen.

Überwiegend gibt es launig instrumentierte HT-Schunkler (quirlige Bariton-E-Gitarre, Fiddle, leiernde Steel, nöhlende Harp und viel Klimperpiano) und ein paar melancholische Storytelling-Stücke („Traveling On“, „Houston Belongs To Me“, „Half Lit An 3/4 Time“) in Loretta Lynn-Manier.

Man sieht sich vorm geistigen Auge in einem typischen Club sitzen und bei reichlich Biergenuss, entweder den Fuß wippen oder auch das Tanzbein schwingen. Besonders Line-Dancer-Clubs dürften in „Rhinestone Requiem“ sehr viel Stoff und Inspiration für neue Choreografien finden.

Und wenn die Protagonistin mit rotzig frecher Stimme ihr „I Drink Well With Others“ intoniert, möchte man am Liebsten freudig das Bierglas in ihre Richtung erheben. In diesem Sinne: „Prost Sunny!“

Aunt Daddy Records (2025)
Stil: Country

01. Find It Where I Can
02. Diamonds And Divorce Decrees
03. Traveling On
04. As Long As There’s A Honky Tonk
05. Houston Belongs To Me
06. Last Hard Bible
07. Waiting For A Reason To Stay
08. Is Tonight The Night (I Make You A Memory)
09. I Drink Well With Others
10. Half Lit An 3/4 Time

Sunny Sweeney
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Oktober Promotion

Ipach Maibaum – Finding Places – CD-Review

Frank Ipach und ich kennen uns jetzt schon fast seit knapp 25 Jahren. Es begann mit dem Besuch eines Craving Hands-Konzert in Duisburg, danach folgte eine gemeinsame Zeit als Redakteure eines Online-Rockmusikmagazins (relativ zu Beginn des Internet-Zeitalters).

Nach Auflösung des Mags trennten sich zwar die Wege, der lose Kontakt als Schreibkollegen, sei es durch Treffen bei Konzerten oder über die heute üblichen digitalen Kanäle blieb bis zum heutigen Tage bestehen.

So war es dann auch nicht verwunderlich, dass Frank mich um die Beurteilung seiner neuen CD „Finding Places“ gebeten hat, die er in Kooperation mit dem Multiinstrumentalisten Rolf Maibaum realisiert hat.

Rolf Maibaum kenne ich bis dato zwar nicht, aber allein der Blick auf sein Bild sagt einem schon, dass er vermutlich ähnlich wie sein hier vertretener Kompagnon geerdet ist. Involviert auf dem Werk als Mitmusiker sind u. a. natürlich auch Franks langjährige Weggefährten von den Craving Hands.

Die textliche Inspiration holte sich Fronter Ipach zum Teil in Silvia Rüthers Rock’n’Roll Romanze „Rock This Way“ (briefgestoeber.de), ergänzt um Thematiken wie Obdachlosigkeit (‚Somewhere‘), Verlustängste (‚Falling Through‘) und Politikverdrossenheit (‚Leaving The Country‘) sowie Großvaterfreuden (Grandpa’s Advice‘), deren Verarbeitung ihm selbst auf der Seele brannte.

Auf der musikalischen Seite reicht das Einflussspektrum von den Siebziger- bis in die Neunziger Jahre, die ich auch als Hochphase der musikalischen Sozialisation von Leuten unserer Generation bezeichnen würde.

So startet der Silberling mit dem, durch ein Akustikgitarrenintro vorangestellten fluffigen Opener „Falling Through“, im Verlauf ein schöner Westcoast-Rocker mit markantem Country-/Southern-Einschlag im gelungenen E-Solo-Gitarrenpart, in dem Maibaum bereits seine spielerischen Qualitäten offenbart. Könnte von der Machart her fast aus dem Repertoire von Nashville Country Acts der 90er wie Brooks & Dunn, Little Texas, Restless Heart & Co. stammen, aber auch von Rock-Acts wie Del Amitri oder Journey, für mich das Highlight des Werks!

Auch das folgende „Cedar Lake“ macht richtig Spaß. Der Song hätte durchaus auf Pocos „Rose Of Cimarron“ eine gute Figur abgegeben. Lediglich die inkludierten Synthie-Strings hätte ich weggelassen. „Grandpa’s Advice“ mit leichtem Steely Dan-Touch und Southern-E-Parts oder auch der grassige Titelsong „Finding Places“ (mit Banjo, Mandoline und Fiddle) wissen in der ersten Hälfte zu gefallen.

Im zweiten Part kann der Longplayer das überwiegend hohe Niveau nicht mehr ganz halten, auch wenn die Intention einer anspruchsvollen instrumentellen Gestaltung der Tracks weiterhin stets spürbar bleibt. Teilweise manchmal mir fast zu ambitioniert (z. B. im Programming besonders bei den mehr poppigeren Tracks).

„All The Ending Roads“ mit ein wenig Del Amitri-Flair und „Ghost Of The Highway“ wieder mit dezentem Southern-Touch in den Gitarren stehen dabei auf der Haben-Seite. Das zurückgenommene „Sally Reed“ (nur Gesang und Resonator-Gitarren-Klänge) hätte ich vielleicht eher als Abschluss des Albums gewählt.

Am Ende bleibt eine unterhaltsame Ipach Maibaum-CD von zwei gereiften Musikern, die sich für ein Projekt zusammengefunden haben und frei von Zwängen ihre musikalischen Passionen samt eigener Ideen (voller melodischer Stücke mit einprägsamen Refrains, markanten Hooks und verspielten Soli) verwirklicht haben. Auch alle anderen involvierten Leute bis hin zur Covergestaltung leisten dazu ebenfalls ihren geschmackvollen Beitrag.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Pop, Rock, Country

Tracks:
01. Falling Through
02. Cedar Lake
03. Grandpa’s Advice
04. Somewhere
05. Finding Places
06. Safe And Sound
07. All The Ending Roads
08. Sally Reed
09. Ghost Of The Highway
10. Used To Bad News
11. Fool’s Heaven
12. Leaving The Country

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North Mississippi Allstars – Still Shakin‘ – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Im Vorgriff auf das 30-jährige Bestehen der Band im kommenden Jahr haben North Mississippi Allstars das Album “Still Shakin’” mit Südstaaten-Klassikern konzipiert, das gleichzeitig auch dem Debut “Shake Hands With Shorty” aus dem Jahre 2000 zum Geburtstag gratuliert. Gegründet von den Brüdern Luther und Cody Dickinson, ist die Formation eine Art Kollektiv-Gemeinschaft, überwiegend von Musikern aus dem Norden ihrer Heimat.

Die bekannten Allstars Begleiter reichen über die Jahre von R.L. Burnside, Junior Kimbrough bis hin zu Berry Oakley, Oteil Burbridge (beide Allman Brothers Band) und aktuell Joey Williams (Blind Boys of Alabama) und “Ray Ray” Holloman (Gitarrist von Eminem und Ne-Yo). Die Erfolge sind neben dem Debut Werk (Living Blues Award 2001) und “Electric Blue Watermelon” (2005 die Nr. 1 der Billboard Blues Charts), sowie mehreren Grammy Nominierungen sprechen für sich (siehe ebenso SoS-Review zum Album “Up And Rolling” – 2019).

Die neue Eigenproduktion bringt großteils moderne, teilweise jedoch etwas außergewöhnliche, aber letztlich überzeugende Versionen bekannter Titel. Den schnellen Einstieg macht der „Preachin‘ Blues” von Robert Johnson aus den 30ern – als funkige Eröffnung eine durchaus überraschende Variante im Stil der 1960er Dynamik. Unweigerlich zurück zu den Wurzeln ihrer Tradition kommen die Allstars mit dem folgenden Junior Kimbrough Stücken “Stay All Night” und “My Mind Is Ramblin’”, wobei der erstere im souligen Duett und schönen E-Solos abgefeiert wird und der zweite Track mit fast ungewohnten, aber unwiderstehlichen Drum-Beats gospeliges Flair verbreitet.

Das Blind Boys of Alabama Cover “Pray For Peace” verstärkt diese Stilrichtung südstaatlich groovender Blues-Gospel Rhythmen und lässt auch hier dem Bewegungsdrang keine Alternative. Der historische Folk-Song “K.C. Jones” – ungefähr 1910 – erfährt in ähnlicher Weise eine fast futuristische Country-Rockfassung und leitet über in den etwas experimentell anmutenden, eigenen Titel-Track, der als psychedelischer Jam im Mississippi Hill Country seinen Platz findet.

Weitere, moderne Interpretationen ursprünglicher Südstaaten-Klassiker sind zweifelsohne das eher seltene “Don’t Let The Devil Ride” (im Original von Brother Joe May) und der unverwüstliche Folk-Titel “John Henry”, der in pulsierender Country-Rock Ausgabe kaum wieder zu erkennen ist. Wieso eines der elegantesten Stücke, die wunderbare Fred McDowell Komposition “Write Me A Few Lines” nur als CD-Bonus erhältlich ist, bleibt in Vinyl verwöhnten Zeiten ungewöhnlich.

Mit “Still Shakin’” ist für unsere musikalischen Breiten ein herausforderndes Hörerlebnis und ein in großen Teilen hypnotischer Country-Folk-Blues und Rock-Longplayer entstanden, den die North Mississippi Allstars mit spürbarer Begeisterung und Gästen einer jungen Musikergeneration in ihrem Homestudio aufgenommen haben. Insofern ist ein entwicklungsweisendes Album erschienen, das aufzeigt, wie die Band über die Jahrzehnte gewachsen ist.

New West Records (2025)
Stil: Blues, Country, Folk

Tracks:
01. Preachin‘ Blues
02. Stay All Night (feat. Robert Kimbrough, Joey Williams)
03. My Mind Is Ramblin‘
04. Pray for Peace (feat. Joey Williams)
05. K.C. Jones, Part 2 (feat. Jojo Herman and Grahame Lesh)
06. Still Shakin‘
07. Poor Boy (feat. Duwayne Burnside)
08. Don’t Let the Devil Ride (feat. Joey Williams)
09. Write Me a Few Lines
10. John Henry
11. Monomyth (Folk Hero’s Last Ride)

North Mississippi Allstars
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V2 Records

Cat Lion – On My Cloud – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Kinderträume sind manchmal Antriebsfedern, die ihre Schwungkraft auch viel später nicht verlieren. Ihre frühkindlichen Erinnerungen vom Cowgirl Outfit und Country Sound haben die Sängerin Clara Löw aka Cat Lion im Jahr 2022 dazu verleitet, mit ihrer eigenen Band eine musikalische Karriere anzugehen. Nach ersten Erfolgen auf verschiedenen Trucker- und Country-Festivals und einem Auftritt bei den International Country Music Awards in Houston, Texas, war Nashville eine spannende Erfahrung für die Songwriterin aus Österreich.

Anfang 2024 entstand in den renommierten Sound Emporium Studios das Debütalbum “On My Cloud”. 11 neue Songs, davon 10 im Co-writing konnte Cat Lion mit namhaften Session-Musikern, wie den Gitarristen Dan Dugmore (u. a. Linda Ronstadt), Tim Galloway (u.a. Keith Urban), Jon Conlay (u.a. Johnny Cash), dem Pianisten Michael Rojas (u. a. Lady A), Drummer Matt King (u. a. Brothers Osborne), sowie Bassist Lex Price (u.a. Miranda Lambert) formvollendet einspielen. Die magische Zusammenarbeit war eine unglaubliche Inspiration, so Cat Lion, und lobte die harmonische Atmosphäre der Produktion.

Die erste Vorab Single “Two Lives“ bringt ein frisch stompenden Track und eröffnet damit die Scheibe, einen Reigen aus teils traditionellen und teils poppig angehauchten Titeln. Die sehr gelungene Mischung vereint auffallend überwiegend temporeiche Aufnahmen (z. B. “Upside Down”, “Inside Out”, “Pin Me Up” oder “Pretty Baby”) mit ansprechenden, balladenartigen Kompositionen (z. B. “‘Cause Memories”, “They Last“ und “Out Of My Heart”), sowie mid-tempo Rock (“This Ain’t Love”) zum abwechslungsreichen Longplayer. Die gute Inszenierung lässt einen ebensolchen Titel-Song natürlich nicht aus und begeistert bis zum Schluss mit dem gleichermaßen radiotauglichen “Not Too Late”.

In einer Szene, in der sich Innovation oft nur in Nuancen zeigt, hebt sich Cat Lion durch eine entschlossene Ausrichtung und ein feines Gespür für Songstruktur und Produktion ab. Die Aufnahmen sind für ein Debutalbum weit ausgereift, ohne dabei überproduziert zu wirken. Inhaltlich zeigt sich die Künstlerin thematisch fokussiert – persönliche Erfahrungen und Reflexionen stehen im Zentrum der Songs. Insgesamt handelt es sich um ein Debut mit hohem Wiedererkennungswert, das Cat Lion innerhalb eines nach wie vor wachsenden europäischen Genres positioniert und Newcomer-Qualitäten erkennen lässt.

My Redemption Records (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. Two Lives
02. Upside Down, Inside Out
03. Stop!
04. Cause Memories, They Last
05. The Drizzle
06. Pin Me Up
07. Pretty Baby
08. Out Of My Heart
09. This Ain’t Love
10. My Cloud
11. Not Too Late

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Another Dimension

Turnpike Troubadours – The Price Of Admission – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

Pünktlich zum zwanzigsten Jahrestags ihres Debüts überraschen die Turnpike Troubadours mit einem neuen Studioalbum. Seit letzter Woche ist „The Price Of Admission“ digital erhältlich. Die Veröffentlichung als CD und LP soll folgen. Ihr Abtauchen in 2019 hat der Popularität der aus Oklahoma stammenden Band keinen Abbruch getan. Ausgiebige Touren mit vollen Häusern waren den Turnpike Troubadours auch rund um ihr Wiederauftauchen mit „A Cat In The Rain“ (2023) gewiss.

Auch in diesem Jahr sind sie quasi im Dauereinsatz. Vier aufeinanderfolgende Abende im Boone Pickens Stadium in Stillwater sind bereits absolviert. Von ihrem Heimatstaat geht es dann für zwei Gigs nach Colorado ins Red Rocks Amphitheatre, von dem sich zuletzt Ryan Bingham mit einem Livealbum meldete. Sie nehmen an Willie Nelsons Jubiläumstour des Outlaw Music Festivals zusammen mit Bob Dylan, Sheryl Crow und The Red Clay Strays teil. Zwischendurch machen sie einen Abstecher nach Großbritannien. Dort sind sie mit Zach Bryan unter anderem im BST Hyde Park unterwegs. Die Turnpike Troubadours, mittlerweile in die Oklahoma Music Hall of Fame aufgenommen, sind von klangvollen Namen umgeben und spielen ausverkaufte Shows an ehrwürdigen Orte. Sie können damit zu den Institutionen der Country- beziehungsweise Roots-Music-Szene gezählt werden.

„The Price Of Admission“ dürfte ihre Fans nicht enttäuschen. Der Longplayer bietet erneut souverän dargebotenen Country mit einer Prise Red Dirt. Sänger und Songwriter Evan Felker schrieb alle Songs mit Ausnahme des abschließenden „Nothing You Can Do“, das vom Geigenspieler der Band Kyle Nix stammt. Beim Verfassen einiger Stücke kooperierte Felker mit John Fullbright („Searching For A Light“), Dave Simonett („Leaving Town“) oder Lance Roark („Ruby Ann“).

Mit seinem Troubadour-Kollegen Nix komponierte Felker „The Devil Piles His Trade“. Dank der aufgekratzten Geige erhält der erste Uptempo-Track in der Mitte des Albums einen keltischen Einschlag. Dieser tritt bereits zuvor „Be Here“ noch deutlicher hervor. Sehr stimmungsvoll ist dabei das Zusammenspiel von Felker und dem Chor im call and response. Da ich einen Faible für irisch angehauchten Folkrock habe, punktet das Sextett mit diesen Titeln bei mir.

In der ersten Hälfte des Albums gehen es die Turnpike Troubadurs ruhig an. Hervorzuheben ist dort der Opener „On The Red River“. Die atmosphärische Ballade schrieb Felker zusammen mit Ketch Secor (Old Crow Medicine Show). Durch seinen hervorragenden Refrain verdient „Heaven Passing Trough” ebenfalls besondere Erwähnung. Der Song wäre meine Single-Empfehlung. Der zweite Teil des Longplayers zieht das Tempo etwas an. Die Songs sind mit dem richtigen Maß an Twang versehen und durchweg in einem positiven Sinne eingängig. Hier gehören „What Was Advertised“ und „Nothing You Can Do“ zu meinen Anspieltipps.

Das siebte Studioalbum der Turnpike Troubadours ist erneut ein gutes geworden. „The Price Of Admission“ hält schöne Balladen, eingängige Midtempo-Nummern und ein paar galoppierende Songs bereit. Die Troubadoure sitzen dabei stets fest im Sattel.

Bossier City Records – Thirty Tigers (2025)
Stil: Country

Tracks:
01. On The Red River
02. Searching For A Light
03. Forgiving You
04. Be Here
05. Heaven Passing Through
06. The Devil Piles His Trade
07. A Lie Agreed Upon
08. Ruby Ann
09. What We Advertised
10. Leaving Town
11. Nothing You Can Do

Turnpike Troubadours
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

She Brought Me Gasoline – Songs From The Cliff – CD-Review

Review: Michael Segets

Die Pandemie machte so manchen Musikern einen Strich durch die Rechnung, so auch der kroatischen Band She Brought Me Gasoline, die pünktlich zu deren Beginn ihr erstes Album veröffentlichten. Der auf dem italienischen Go Country Label erschienene Longplayer „On Values And Trash“ (2020) erhielt zwar in der regionalen Fachpresse durchaus positive Resonanz, der Lockdown verhinderte aber eine weitere Promotion und so hält sich der internationale Bekanntheitsgrad der Band in Grenzen. Davon nicht entmutigt brachte She Brought Me Gasoline den Nachfolger „There Were Times“ (2022) und jetzt auch ihr drittes Album „Songs From The Cliff“ in Eigenregie heraus.

Neben der Bluesrockerin Vanja Sky findet sich nun auch eine Band mit kroatischen Wurzeln in der Interpretenskala von SoS. Das Quartett bestehend aus Songwriter und Sänger Kristijan Kevešević, Željko Platužić (Gitarre), Zlatko Ivanović (Schlagzeug) und Ivan Martinčić (Bass, Keyboard) kennzeichnet ihren Stil als eine Mischung von Blues, Americana, Country gepaart mit einem Underground-Flair. Falsch liegen die Jungs damit nicht. Der Sound der Scheibe ist auf jeden Fall erdig.

Mit dem Opener „Swirling Leaves” steigt das Album sehr stark ein. Gitarren, die die einen vom Mittelmeerraum direkt in den mittleren Westen der USA versetzt, bereiten den druckvollen Einsatz der Rhythmusgruppe vor. Die Rhythmus-Section leistet auch beim bluesrockigen „Sister“ ganze Arbeit. Keveševićs Gesang ist hier relativ gleichmäßig ohne große Varianz in Höhen und Tiefen, was aber der Anlage des Songs entspricht. Auch wenn man Kevešević vielleicht keinen außergewöhnlichen Stimmumfang zuschreiben kann, gefällt mir der Gesang des Leadsängers, der den Stücken einen besonderen Charakter verleiht. So bewahrt er beispielsweise „In The End“ davor, zu süßlich zu wirken.

Mit der Video-Auskopplung „The Last Rocket“ zeigt sich die Band von ihrer bluesigen Seite, wobei sich Kevešević an der Harp betätigt. Auf „Sugar“ greift er zum Banjo, was den Track in Richtung Bluegrass schiebt. Bei der sanften Ballade „Long Rivers“ und „Field Of Roses“ – eine runde Nummer im Midtempo – setzt She Brought Me Gasoline auf Country klassischer Machart. In der Gesamtschau deckt das Quartett also tatsächlich eine stilistische Bandbreite zwischen Blues, Country und Americana ab. Neben dem Auftakt und dem mittig platzierten, schön rumpligen „Poverty“ gibt es zum Abschluss ein weiteres Highlight des Werks. „Do We Still Feel Proud?“ ist eine semi-akustische Ballade, bei der Kevešević nochmal Gefühl in seiner Stimme legt.

Die Texte verbreiten eine gewisse Endzeitstimmung, die ja auch im Titel und dem Cover-Artwork durchscheint. „The Last Rocket“, eine moderne Arche Noah, empfiehlt beispielsweise, keine Menschen mit auf die Reise zu nehmen. „Sugar“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. Mit Zucker kann man sich das Leben versüßen und über Katastrophen in der Welt hinwegsehen – solange es ihn gibt. Musik kann ebenfalls über schwere Zeiten hinwegtrösten und mit Blick auf die weltweiten Krisen durchaus eine Verbindung über Landesgrenzen hinweg schaffen. So gibt es auch in Sachen Roots Music nicht ausschließlich Amerika, was She Brought Me Gasoline mit „Songs From The Cliff“ belegen.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Americana/Blues/Country

Tracks:
01. Swirling Leaves
02. The Last Rocket
03.Sugar
04. Sister
05. Poverty
06. A Field Of Roses
07. In The End
08. Long Rivers
09. Row, Row, Row
10. De We Still Feel Proud?

She Brought Me Gasoline
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Rev. Peyton’s Big Damn Band – Honeysuckle – CD-Review

Da hat Pati DeVries und ihre Devious Planet Promotion Agentur aus Los Angeles, die uns nun schon seit Jahren regelmäßig mit tollen Scheiben, meist aus der US-Blues-Szene versorgt, zum Start des neuen Jahres mir direkt eine echte Aufgabe auferlegt.

Es handelt sich um die neue CD von Rev. Peyton’s Big Damn Band mit dem Titel „Honeysuckle“, die in den nächsten Tagen auf den Markt kommen wird. Peyton und seine beiden derzeitigen Mitstreiter, Ehefrau ‚Washboard Breezy‘ Peyton und Jacob ‚The Snakob‘ Powell genießen in den Staaten medienübergreifend ein sehr hohes Ansehen, die neue Scheibe ist die nunmehr die elfte Veröffentlichung.

Die maßgeblich vom Reverent  auf einer National Guitar überaus fingerfertig eingespielten und mit einer kreischenden und keifenden Stimme eingesungenen zwölf Tracks (hinzukommen noch vereinzelnd dezente Perkussionsklänge, mal eine Fiddle, ein Banjo oder eine Harp) sind nicht für den Mainstream ausgelegt und verlangen schon ein sehr country-bluesig geschultes Gehör, meine Frau würde mich beispielsweise, und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche,  aller spätestens nach Ende des zweiten Tracks auf die Verwendung von Kopfhörern hinweisen.

Für Insider sind hier sicherlich die in ihren Bereichen prominenten Gäste der edle Messwein im musikalischen Gesamt-Kelch. Da wären die auch bei vielen Interpreten, im New Countrybereich vertretenen McCrary Sisters, die „Looking For A Manger“ mit tollen gospeligen Backingvocals veredeln, der Blues Music Hall of Famer und Grammy-nominierte Mundharmonica-Spieler Billy Branch, der auf dem Blind Lemon Jefferson-Song “Nell (Prison Cell Blues)“ nölt, der Grammy Award-Gewinner Michael Cleveland, mit einem furiosen Speed-Gefiddel in Kombination mit Peytons flinkem Saitenspiel bei dem, unserer Klientel vermutlich gut bekannten „Freeborn Man“ (vom legendären Outlaws-Live-Album) sowie Colton Crawford von The Dead South, der mit dem Banjo bei “The Good Die Young“ untermalt.

Textlich wissen viele Stücke mit doppeldeutigem Humor zu punkten (u. a. besonders das finale „Mama Do“. Die jederzeit spürbare Authentizität ist ein weiterer Sympathiepunkt. Produziert  hat diese. für eher zünftige Feste oder ‚dreckige‘ Honkytonks geeignete Musik der Reverent himself, gemixt hat das Ganze der sechsfache Grammy-Gewinner Vance Powell (Chris Stapleton, Jack White).

Mein Rat selbst an den gediegenen Countryblues-Nachtfalter wäre, in Rev. Peyton’s Big Damn Band „Honeysuckle“ zunächst mal reinzuschnuppern, der Gang durch diese zwölf Tracks ist sicherlich kein übliches musikalisches Zuckerschlecken!

Family Owned Records (2025)
Stil: Country Blues

Tracks:
01. Honeysuckle
02. If I Had Possession Over Judgement Day
03. Looking For A Manger (feat. The Mc Crary Sisters)
04. Like A Treasure
05. One Dime Blues
06. Nell (feat. Billy Branch)
07. Freeborn Man (feat. Michael Cleveland)
08. I Can’t Sleep
09. Let Go
10. The Good Die Young (feat. Colton Crawford of the Dead South)
11. Keep Your Lamp Trimmed And Burning
12. Mama Do

Rev. Peyton’s Big Damn Band
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Lone Justice – Viva Lone Justice – CD-Review

Review: Michael Segets

Die etwas ruhigere Zeit um den Jahreswechsel nutze ich meist, um nochmal einen Blick zurück zu werfen auf das, was so in den letzten Monaten liegengeblieben ist. Mitte 2024 erschien bereits „Viva Lone Justice“. Lone Justice hat sich fast vierzig Jahre nach Bandauflösung die Zeit genommen, um in den Archiven zu stöbern. Dabei wurden zehn Songs zutage gefördert und neu überarbeitet. Nahezu alle Instrumente wurden mit Overdubs versehen. Die einzige Ausnahme ist das Schlagzeug, das in Erinnerung an den verstorbenen Drummer Don Heffington unverändert blieb. „Viva Lone Justice“ ist daher kein frisches Album der Band, sondern poliert deren Vergangenheit auf.

Außer „You Possess Me“, das vom Bassisten Marvin Etzioni geschrieben wurde, sind alle anderen Tracks Coverversionen, drei davon Traditionals. Die Country-Nummer „Jenny Jenkins“ wird von Maria McKee und Ryan Hedgecock im Duett gesungen. Die Band nimmt sich weiterhin dem Bluegrass „Rattlesnake Mama“ und dem vielfach interpretierten Gospel „Wade In The Water“ an. Die anderen Songs bewegen sich meist in klassischen Country-Gefilden. Tammy Rogers unterstützt die Band einige Male an der Geige und arrangiert die Streicher. Benmont Tench (Tom Petty And The Heartbreakers) ist als Gastmusiker auf drei Tracks vertreten.

Die CD verläuft überwiegend in ruhigen Bahnen, wobei McKees Stimme und Gesang, die Lone Justice stets eine besondere Note verliehen, auch hier wieder eine tragende Rolle spielt. Bemerkenswert ist die reduziert arrangierte Version von „I Will Always Love You“, die im extremen Kontrast zur Bombast-Interpretation von Whitney Houston steht. Der Song stammt übrigens aus der Feder von Dolly Parton. Aus dem Rahmen fällt die Single „Teenage Kicks“. Bei dem Cover von The Undertones zeigt sich Lone Justice von ihrer punkigen Seite. Ansonsten findet sich mit „Sister Anne“ nur noch ein Uptempo-Titel auf der Scheibe. Dieser fängt gut an, endet aber mit einem gewöhnungsbedürftigen Bläser-Outro.

Lone Justice schaut auf nur zwei reguläre Longplayer in ihrer kurzen Karriere zurück. Das selbstbetitelte Debüt wurde von Jimmy Iovine produziert und brachte 1985 frischen Wind und eine neue, markante Stimme in die Country Rock-Szene. Ein Jahr später folgte das deutlich schwächere, mit mehr Pop-Anteilen versehene „Shelter“, bei dem Little Steven bei der Produktion mitmischte. Danach kam es zur Auflösung der Band. Im Nachgang erschienen noch Live-CDs und ein paar Compilations mit bis dato unveröffentlichte Aufnahmen. „Viva Lone Justice“ reiht sich dort ein, auch wenn sich für die Neubearbeitung der Songs die noch lebenden Bandmitglieder nochmal zusammengefunden haben.

Lone Justice schuf seinerzeit mit ihrem Debüt ein Album, dass die Zeit überdauerte und auch heute noch hörenswert ist. „Viva Lone Justice“ ist ein Abgesang auf diese glorreichen Tage. Die Neubearbeitung von altem Material, das sich fast ausschließlich aus Coverstücken zusammensetzt, zeigt an einigen Stellen, was aus Lone Justice hätte werden können. Es zeigt auch, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt. Letztlich bleibt es ein rückwärtsgewandtes Album, das die Hoffnung auf eine späte Wiederbelebung der Band nicht einlöst.

Afar Records – Cargo (2024)
Stil: Country

Tracks:
01. You Possess Me
02. Jenny Jenkins
03. Rattlesnake Mama
04. Teenage Kicks
05. Wade In The Water
06. Nothing Can Stop Me Loving You
07. Skull And Cross Bones
08. Alabama Baby
09. I Will Always Love You
10. Sister Anne

Cargo Records

The Doohickeys – All Hat No Cattle – CD-Review

Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit mit traditioneller Country-Musik nur wenig anfangen konnte, besonders was die Zeiten betraf, bevor Garth Brooks So Glanzvoll in Erscheinung trat. Das hat sich mit fortschreitenden Jahren deutlich geändert, wobei ich mich frage, ob ich mittlerweile tatsächlich alt geworden bin.

In Wahrheit liegt es aber daran , dass viele Scheiben und Produktionen heute nicht mehr so altbacken klingen und die instrumentelle Umsetzung sowie die federführenden Interpreten deutlich eingängiger daherkommen. Ein gutes Beispiel dafür sind The Doohickeys. Hinter dem Namen verbirgt sich ein medienerprobtes Duo, bestehend aus Haley Spence Brown und Jack Hackett, das sich bei Arbeiten für das TV-Satire-Magazin der University Of California kennengelernt hatte und auf einer Halloween Party seine gemeinsamen musikalischen Interessen entdeckt hatte.

Mit “All Hat, No Cattle” bringen sie jetzt ihr Debütalbum heraus, nachdem sie mit Songs wie dem country-rockigen Opener “Rein It In Cowboy”, dem Titelsong und „This Town Sucks“ sowohl bei Auftritten, social media-mäßig, als auch in Kontest-Hinsichten, bereits großes Aufsehen erregt hatten.

Und auch meine Wenigkeit attestiert ihnen ein großartiges Erstwerk, das von Anfang bis Ende einen Hörgenuss mit viel Spaß (klasse Texte, schade, dass es nicht noch für ein kleines Steckfaltblatt im DigiPak gereicht hat), stimmlicher und musikalischer Abwechslung sowie instrumenteller Feinheiten bietet. Da sind zum einen der Wechsel von weiblichen und männlichen Leadgesang in allen Variationen (dazu in klasse Harmoniegesänge mündend), als auch die wunderbar satirischen, kritischen, oft auch mit sympathischer Selbstironie angelegten Texte, wie man es auch schon bei vielen Titeln wie „Too Ugly To HItchhike“, “All Hat, No Cattle” oder „I Wish My Truck Was Bigger“ direkt erahnen kann.

Letztgenannter Track beschreibt schön einen gewissen Neid, den man in unseren Sphären gewissen männlichen SUV-Fahrern zuschreibt, die beiden gehen hier sogar noch etwas weiter, was die Art des Fahrzeugs betrifft, in Amerika denkt man ja schon seit je her etwas größer… Klasse auch, wie im abschließenden „City Folk“, gemeine Städter humorvoll mit ihren Countrywurzeln in Einklang gebracht werden.

Ganz stark auf dem von Eric Corne produzierten Werk sind vor allem die vielen instrumentellen Feinheiten (Fiddle, viel weinende und leiernde Steel, klare Akustik- und E-Gitarren) der involvierten Musiker (u. a. Adam Arcos, Matt, Tecu, Jordan Bush, Aubrey Richmond, Eugen Edwars), die sehr modern und transparent zum Vorschein kommen.  So erhält man am Ende einen sehr abwechslungsreichen Mix aus Country-rockigen, zum Teil mit dezenten Southern Rock-Anleihen, flotten Bakersfield- als auch typischem Storytelling-Country.

Am Ende ist es den Doohickeys mit ihrem Debüt „All Hat, No Cattle“ eindrucksvoll gelungen, mit traditionell gehaltenem Country, den reviewenden Stadtmenschen hier, der bis dato Rinder nur vom Sehen und auf dem Teller kennt, den imaginären (Cowboy-) Hut ehrfurchtsvoll ziehen zu lassen. Eine tolle Überraschungsscheibe am Ende des Jahres, die als klarer Kauftipp attestiert wird!

Forty Delow Records (2024)
Stil: Country

01. Rein It In Cowboy
02. Can’t Beat My Ol‘ Beater
03. This Town Sucks
04. I Don’t Give A Damn About Football
05. I Wish My Truck Was Bigger
06. Farm Lawyer
07. Mr. Fix It
08. Too Ugly To HItchhike
09. All Hat, No Cattle
10. Please Tell Me You’re Sleepin‘
11. You Can’t Dance
12. City Folk

The Doohickeys
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