Popa Chubby – Live At G. Bluey’s Juke Joint NYC – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Am 8. September erscheint bei Golf Coast Records Popa Chubby neues Live-Album, aufgenommen im Oktober letzten Jahres vor Publikum im G. Bluey’s Juke Joint (dem Studio des Tontechnikers Glen Forrest aus Papa Chubby’s „Beast From The East“-Zeiten in Long Island City, New York. Deshalb ist natürlich auch seine All-Star-„Beast Band“ (Mike Merrit – Bass, Mike Dimmeo – Keyboards, Stefano Guidici – Drums) dabei, mit der er schon in den 90’ger Jahren auftrat.

Auf dem Album haben die vier nun ein Feuerwerk an „Greatest Hits“ der alten „Beast“-Zeiten abgebrannt, bestehend aus eigenen Songs und Coverversionen u. a. von Neil Young, Billy Roberts, Leonhard Cohen, Tom Waits, Jimmy Cox und Jagger/Richards. In Summe 19 Stücke, gebrannt auf zwei CD’s, kraftvoll, rau und vor Spielfreude strotzend.

An dieser Stelle über die einzelnen Songs zu berichten, hieße sicherlich Eulen nach Athen zu tragen. Nur soviel sei gesagt, dass es der Truppe absolut nicht anzumerken ist, dass seit den „Beat From The East“-Zeiten inzwischen 30 Jahre ins Land gegangen sind. Popa Chubby und seine „biestigen“ Freunde klingen mit ihrer Stilmischung aus den Stooges, Buddy Guy, Motörhead und Jimi Hendrix, immer noch so frisch und frech wie eh und je.

Den Freunden der etwas härteren musikalischen Gangart ist das Werk sicherlich nicht nur aus nostalgischen Gründen zu empfehlen. Die Scheibe anzuhören macht einfach nur Spaß und die Mucke geht direkt in die Beine. Also, CD einwerfen, die Lautstärke bis zum Anschlag und Abfeiern, so muss das sein!

Gulf Coast Records (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks CD 1:
01. Motorcycle Mama
02. Another Ten Years Gone
03. Hey Joe
04. Dirty Lie
05. 69 Dollars
06. Godfather Theme
07. Dirty Diesel
08. Grown Man Crying Bullets
09. Over The Rainbow

Tracks CD 2:
01. It’s A Mighty Hard Road
02. I Don’t ant Nobody
03. I Can’t See The Light Of The Day
04. Embee’s Song
05. Steel Horse Serenade
06. Hallelujah
07. Heart Attack And Wine
08. Sweat
09. Nobody Want’s You When You’re Down
10. Sympathy For The Devil / Chubby’s Story

Popa Chubby
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Robert Jon & The Wreck – 27.08.2023 – Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

Zum ersten Mal tritt die Southern Rock Band Robert Jon & The Wreck im Zentrum Altenberg in Oberhausen auf und sorgt für eine gut gefüllte Location, was auch bei Wolfgang Stolt, den Macher von Impuls Promotion für gute Laune sorgt. Publikumsfreundlich beginnt die Band um 19 Uhr ihren knapp zweistündigen Auftritt und vom ersten Song „Pain No More“ vom neuen Album „Ride Into The Light“ an, brennt die Hütte.

Die Setlist umfasst Songs der letzten acht Jahre und geschickt sind einige der neuen Stücke in bewährtes Material integriert. Bei „Oh Miss Carolina“ zeigt sich das Oberhausener Publikum gesangsfreudig und unterstützt beim Refrain und den Kaliforniern ist anzumerken, wie sie die Stimmung regelrecht aufsaugen um die Energie bei „Cold Night“ den Fans regelrecht zurück zu feuern. Ganz stark hier, wie sich der Wirbelwind an der Gitarre, Henry Schnekluth, und Jake Abernathie sich zum Ende des Songs mit abwechselnden Soli in einen Rausch spielen und die Stimmung den Siedepunkt erreicht.

Schön ist zu sehen, wie sich Robert Jon Burrison, der charismatische Fronter, zuweilen in den hinteren Bereich der Bühne zurückzieht und mit einem Strahlen in den Augen beobachtet, wie die anderen zeigen, was musikalisch in der Band steckt.

Die beiden Energiebündel Sunnyboy Warren Murrel am Bass und Andrew Espantman an den Drums sorgen für den nötigen rhythmischen Druck, dass die Southern Rock Fans mit Sicherheit ein absolutes Highlight erleben dürfen und spätestens seit dem letzten Jahr Robert Jon & The Wreck den Status eines Geheimtipps verloren haben, sondern ein immer größeres Publikum anziehen.

Wer sich in NRW von der Klasse der Band überzeugen will, dem sei angeraten, entweder am 31.08. in der Kantine Köln open Air oder am 03.09. im Musiktheater Piano, Southern Luft zu schnuppern. Die Zeiten, in denen die Band in kleinen Locations wie der Krefelder Kulturrampe aufgetreten sind, scheinen damit nur noch Nostalgie zu sein, an die man sich gerne zurück erinnert. Robert Jon und seine Mannen haben es sich aber absolut verdient.

Ein kleines Highlight neben der Musik ist auch der Merchandisingstand, an dem es jedes mal Shirts mit starken Designs als Andenken für die Shows gibt und dass sich alle Bandmitglieder am Ende der Konzerte Zeit für die Fans nehmen.
Als Fazit des Abends genügt die Aussage eines älteren Musikfans, den ich schon öfters auch im Zentrum Altenberg getroffen habe, der sagte: „So eine Stimmung habe ich hier noch nicht erlebt“. Wer weiß, wie es beim nächsten Auftritt sein mag, da die Band sich jedes Mal kontinuierlich weiterentwickelt.

Line-up:
Robert Jon Burrison – lead vocals, guitar
Hanry James – guitar, vocals
Warren Murrel – bass
Andrew Espantman – drums, vocals
Jake Abernathie – keyboards

Text und Bilder: Gernot Mangold

Robert Jon And The Wreck
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Teenage Head Music
Zentrum Altenberg, Oberhausen

The Delta Saints – 24.08.2023 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Vor über fünf Jahren spielten die Delta Saints das letzte Mal in der Krefelder Kulturrampe. Damals stand im Raum, dass es die letzte Tour der Band sei und zumindest eine Pause eingelegt werden soll. Nachdem die Band jetzt für ein Konzert in Nashville im Frühjahr aufspielte, gelang es Teenage Head Music wieder, die Band für eine kurze Europatournee zu gewinnen. Eine der sieben Stationen ist somit erneut die Krefelder Kulturrampe, in der die Band bereits einige begeisternde Auftritte hatte.

So war es nicht verwunderlich, dass Pille Peerlings die Band vor ausverkauften Haus begrüßen durfte. Es entwickeln sich etwa 100 Minuten, in der die Delta Saints agierten, als hätte es die lange Pause nicht gegeben. Schon vom ersten Song geht das Publikum bei fast tropischen Klimabedingungen frenetisch mit und es entwickelt sich ein unvergesslicher Musikabend und viele Fans fragen sich nach dem Konzert, ob dies eine einmalige kurze Reunion war oder der Beginn eines Neuanfangs.

Neben den stark, auf den Punkt gespielten eigenen Songs, wo „California“, „Heavy Fammer“, „Death Letter Jubilee“ und der Rausschmeißer „A Bird Called Angola“ herausragten, performtet die Band auch eine eindrucksvolle Version des Otis Redding-Klassikers „Hard To Handle“.

Wie in der Kulturrampe üblich, gesellten sie die fünf Musiker nach der Show im Kneipenbereich am Merchandising-Stand unter das Publikum und runden so einen tollen Konzertabend ab, der Lust auf mehr macht oder einfach als sentimentale Erinnerung stehen bleibt. Er hat in jedem Fall  Pille in seinem letzten Jahr als Rampenverantwortlichen, nach dem Konzert sichtlich ein Tränchen der Rührung ins Gesicht getrieben.

Line-up:
Ben Ringel (lead vocals, guitars, percussion)
Dylan Fitch (electric guitar)
David Supica (bass)
Vincent “Footz” Williams (drums)
Nate Kremer (keys, percussion)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe
Teenage Head Music

Turnpike Troubadours – A Cat In The Rain – CD-Review

Review: Michael Segets

Da sind sie wieder! 2019 verschwanden die Turnpike Troubadours von der Bildfläche, vor allem aus den sozialen Medien, in denen sie ihre Accounts löschten. Frontmann Evan Felker hatte sich mehr oder minder ins Privatleben zurückgezogen. Mit dem hervorragenden Song „Borrowed Time“, der in Kooperation mit Charley Crockett entstanden ist, trat er zwischenzeitlich allerdings nochmal in Erscheinung.

Nach der Wiedervereinigung touren die Turnpike Troubadours seit letztem Jahr durch Amerika, zuletzt gaben sie Shows an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Ryman Auditorium, Nashville. Selbst ohne aktuelle Veröffentlichung kann die Band auf ihre treue Fangemeinde zählen. Mit „A Cat In The Rain“ melden sich Evan Felker und seine Mitstreiter nun mit neuem Material zurück, dem ersten Album seit 2017. „Mean Old Sun“ gibt einen Vorgeschmack auf das Werk.

Von den Gründungsmitgliedern der Turnpike Troubadours ist neben Felker noch R. C. Edwards dabei. Früher spielte auch John Fullbright in der Band, der ebenso wie Felker aus Okemah, Oklahoma, stammt. Die schöpferische Pause schadete dem Sextett nicht. „A Cat In The Rain“ hält die Fahne des Red Dirt hoch.

Handgemacht mit einer ausgewogenen Mischung von Fidel, Gitarren, Banjo und Harp erscheint der Longplayer ehrlich und gerade heraus. Im Mittelpunkt stehen stets die Songs, die Felker durch seinen Gesang, der unterschiedliche Stimmungen transportieren kann, veredelt. Die Stücke sind klassisch angelegt und mit eingängigen Melodien versehen, dabei aber nie langweilig. Dazu tragen die eingestreuten Soli der einzelnen Instrumente bei, die genau das richtige Maß treffen. Zudem fügen sich gelegentlich mehrstimmige Background- und Harmoniegesänge passend in die Stücke ein. Durch die Anlage einiger Titel kommt BJ Barham (American Aquarium) als Vergleichspunkt in den Sinn. Felker bewegt sich mit den Turnpike Troubadours also in der obersten Liga seiner Generation von Songwritern.

Insgesamt orientieren sich die Turnpike Troubadours in ihrer Spielart des Country eher am Folk („Three More Days“, „Won’t You Give Me One More Chance”) als am Rock, obwohl das Schlagzeug bei einigen Songs deutlich in Erscheinung tritt. Vor allem dessen trockener Klang bei „Chipping Mill“ verdient der Erwähnung. Neben lockeren Midtempo-Nummern wie dem Titelsong, „East Side Love Song (Bottoms Up)“ oder „Brought Me” finden sich auch dunklere Balladen auf dem Album wie „Lucille“ und „The Rut“, bei denen mit geringen Mitteln eine große Wirkung erzielt wird. Besonders hervorzuheben ist „Black Sky“. Hier verbinden die Turnpike Troubardours Einflüsse des Blues und des Gospel gekonnt miteinander.

Das Comeback der Turnpike Troubadours kann als durchweg gelungen bezeichnet werden. Das Songwriting bewegt sich auf hohem Niveau und die Umsetzung bleibt gewohnt souverän, als wären sie nie weg gewesen. „A Cat In The Rain“ untermauert ihren Anspruch, als eine der führenden Bands im Bereich des Red Dirt zu gelten.

Bossier City Rec. – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Red Dirt

Tracks:
01. Mean Old Sun
02. Brought Me
03. Lucille
04. Chipping Mill
05. The Rut
06. A Cat In The Rain
07. Black Sky
08. East Side Love Song (Bottoms Up)
09. Three More Days
10. Won’t You Give Me One More Chance

Turnpike Troubadours
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

The Lagan – 20.08.2023, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Das Wetter passt nie. Mal ist es zu nass, mal ist es zu warm. War die Kulturrampe zu Beginn des Konzerts noch angenehm temperiert, heizte sie sich sehr schnell auf und der Leadsänger von The Lagan, Brendan O’Prey, versicherte während des Auftritts beinah glaubhaft, dass er noch nie so geschwitzt hätte. Trotz der sommerlichen Temperaturen sind der Einladung zum Tanztee eine Vielzahl von Krefeldern gefolgt, sodass sich Markus und Annette nicht nur über ein gut gefülltes Haus, sondern auch über den Getränkeumsatz freuen durften, zu dem die Bandmitglieder das Ihre beisteuerten.

Kurz nach 17 Uhr versammelten sich die Besucher im Saal und folgten über siebzig Minuten einem temporeichen Set der Band aus London. Zu bemerken ist, dass der übliche Altersschnitt der Rampengänger durch einige junge Besucher, die vernünftigerweise mit Mickey-Maus-Ohrschutz ausgestattet waren, deutlich gesenkt wurde. Der Ohrschutz erwies sich auch als erforderlich, da es The Lagan richtig krachen ließen.

In der Tradition von The Pogues , Shane McGowan & The Popes oder Dropkick Murphys bot das Quintett Celtic Rock in Reinform, gewürzt mit einer Prise Punk. Entsprechend prägten Andrew Stanley mit seiner Geige und Andrew Maclean mit der Tin Whistle den Sound der Band. Sänger O‘Prey verfügt über das passende Organ, wobei von den mehrstimmigen Chorgesängen, die für den irisch angehauchten Rock typisch sind, ausgiebig Gebrauch gemacht wurde.

The Lagan verstehen sich in erster Linie als Liveband, daher schauen sie erst auf zwei Veröffentlichungen zurück. Am Anfang des Konzerts standen einige Stücke ihres Debüts „Where’s Your Messiah Now? (2013) auf dem Programm. Auf meinen Favoriten des Longplayers „Staring The Devil In The Eye“ folgten „Sailin‘ East“ und „Star Of The County Down“. Das den Temperaturen angemessene „Sunny Dry In Southie” und „I’ll Tell Me Ma” standen ebenfalls auf der Setlist.

Im Mittelteil des Auftritts gab es einige Traditionals beziehungsweise Coverversionen wie die von „The Maid Behind The Star Of Munster“, „Fisherman’s Blues“ oder „Hills of Donegal“. Insgesamt hätte das eine oder andere langsamere Stück noch eingefügt werden können, sodass etwas mehr Variation in die Darbietung gekommen wäre. Das Publikum war aber dankbar, dass der Auftritt straight durchgespielt wurde, um so dem Glutofen zu entkommen. O’Prey trat mehrmals mit dem Publikum in direkten Kontakt, wobei der Flüssigkeitsverlust und die Flüssigkeitszufuhr zentrales Thema waren – so wie man es von einer englischen Band, die es mit waschechtem irischen Punk-Rock aufnimmt, erwartet.

Im letzten Teil des Konzerts stellten The Lagan mit „Let’s Do It Again“ und „A Song For Jim“ noch zwei Titel von ihrer EP aus dem Jahr 2018 vor. Den Abschluss des Hauptteils bildete danach die starke Single ihres ersten Albums „Same Shite, Different Night“. Höhepunkt war aber die Zugabe „Home For A Rest“, das mit einem scharfsinnigen Text, der den eigenen Alkoholgenuss reflektiert, punktete.

So neigte sich ein feuchtfröhlicher Nachmittag dem Ende zu. The Lagan können auf ein gelungenes Finish ihrer Europatour zurückblicken. Nachdem die Band den Tour-Bus beladen hatte, gönnte sie sich noch einen Absacker mit dem Publikum, das sicherlich nicht bereute, die dunkle Kulturrampe zeitweise dem schönen Wetter im Freien vorgezogen zu haben.

Wer die eigene Atmosphäre des Tanztees unter der Federführung von Markus und Annette nochmal genießen möchte, hat die Möglichkeit, Bywater Call am 22. Oktober zu besuchen.

The Lagan
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Kulturrampe Krefeld

 

Scott Weis Band – Raise Your Hands – CD-Review

Das letzte Album „Simmer Me Down“ der Scott Weis Band von vor drei Jahren war ja bereits von meinem geschätzten Kollegen Jörg Schneider positiv beleuchtet worden, jetzt stellt das Trio um Leader Scott Weis in bewährter Besetzung (mit Roger Voss (drums) und Robert Kopec (bass) mit „Raise Your Hands“ ihr achtes Werk vor.

Unterstützend tätig sind auch wieder Tastenvirtuose John Ginty, und Bashiri Johnson (percussion) sowie die Backgroundsängerinnen  Cindy Mizelle und Sarah Smith (neu) wieder mit von der Partie. Insgesamt werden neun Eigenkompositionen und zwei Klassiker neu ins Licht gesetzt.

Darüber, ob man eine weitere Version von „With A Little Help From My Friends“ (ohne Cockerschen Urschrei, dafür aber mit schönem Southern Flair) und „Have You Ever Loved A Woman“ (in Heavy-Blues-Manier mit inkludiertem Harp-Solo) haben muss, lässt sich gewiss streiten, fest steht aber, dass die Fassungen der Scott Weis Band sicherlich zu den guten Adaptionen dieser Rock- und Blues-Evergreens gezählt werden kann.

Gerade der Southern Rock-Einfluss, der bei Stücken wie dem Slide-/Organ-trächtigen Opener „Motherless Child“, den Dickey Betts-umwehten „Shine Down“ (Lieder wie „Blue Sky“, „Bougainvillea“ oder „Sail Away“ kommen in den Sinn) und „Stay“ (schöner Southern Soul-Schwofer)  sowie dem im Stil von ZZ Tops „La Grange“ performten „Judgement Day“ zum Ausdruck kommt, macht die CD besonders auch für unsere Klientel interessant. 

Auch das starke stampfende Titelstück „Raise Your Hands“ klingt wie eine Kooperation aus ZZ Top, Mountain und Ted Nugent. Der Rest, teilweise mit psychedelischen („Mindless“) und jammigen  („Bitch Please“, „Have You Ever Loved A Woman“) Akzenten, lässt die Spielfreude der Beteiligten im Studio für den Hörer erahnen.

Am Ende verabschiedet man sich mit einem Veranda-tauglichen Delta-Blues („Bring Me Home“). Die Scott Weis Band weiß, wie guter Blues Rock funktioniert, da hebe ich für „Raise Your Hands“ gerne auch den Daumen ganz weit nach Oben!

Eigenproduktion (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Motherless Child
02. Shine Down
03. Judgement Day
04. Raise Your Hands
05. With A Little Help From My Friends
06. Mindless
07. Bitch Please
08. Lost Myself
09. Stay
10. Have You Ever Loved A Woman
11. Bring Me Home

Scott Weis Band
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Smoking Wolf – Road To Valhalla – CD-Review

Wolfgang Dohr, der Protagonist des Albums, alias Smoking Wolf, und ich wohnen, wie wir beide nach dem Erstkontakt feststellten, nur den berühmten Steinwurf voneinander entfernt. Er in Walsum, meine Wenigkeit in Rheinberg. Der deutsche Meister im Frisbeescheibenweitwurf hätte mir vermutlich seine aktuelle CD „Road To Valhalla“ (bereits schon 2022 erschienen), mal eben schnell zu anderen Rheinseite rüberzirkeln können.

Allerdings war das Teil dann auch mit Hilfe des etatmäßigen deutschen Zustellers am nächsten Tag im Briefkasten. Smoking Wolf hat sich dem ganz dezent südstaatlich umwobenen Blues (Rock) verschrieben. Da er sicherlich erkannt hat, dass an ihm wohl nicht der ganz große Sänger (trotz rauchiger, angenehmer Stimme) und auch Lyriker verloren gegangen ist, hat er seinen Stil richtigerweise am eher kauzigen (Sprech-) Gesang von Künstlern wie Tony Joe White, J.J. Cale, Mark Knopfler & Co. angelehnt, was den Songs auch gut tut.

Seine Stärken liegen ganz klar auf dem E-Gitarrenparkett, da ist es eine wahre Wonne, ihm zuzuhören, wenn er besonders bei den Soli in nahezu jedem Lied ordentlich in die Saiten greift. Tragisch ist, dass der Bassist seiner Rhythmusfraktion (Drummer ist Mathias Knorr), Michael Strohm, während der Aufnahmen zum Album verstorben ist (demnach ist die CD auch ihm gewidmet und enthält aus diesem Grund am Ende nur 8 Tracks).

Dieser zeigt sich für den einzigen deutschen Track, der auf diesem Werk enthalten ist, „Warmes Bier“ verantwortlich, ein schöner launiger Jam, bei dem zwischendurch immer nur die Titelzeile gesungen wird. Ansonsten gibt es leicht swampig angehauchten Blues Rock, klar, dass beim Opener „The Train“ auch der Duisburger Hauptbahnhof namentlich und mittels Hintergrundgeräuschen nicht fehlen darf.

Höhepunkte des Werkes sind für meinen Geschmack die beiden langsameren, atmosphärischen Tracks „Standing In The Rain“ und „Me And My Guitar“. Beide Nummern gewinnen enorm durch die Hinzunahme von Keyboarder Sascha Kühn, der eine klasse Leistung u. a. am E-Piano/Organ abliefert. Erstgenannter Song hinterlässt auch durch die hinzugefügten weiblichen Backgroundvocals von Julie Wnuk beim Southern-Fan Eindruck.

„Me And My Guitar“ entpuppt sich als eine eigenständig zusammenbraute Mischung aus Tracks wie „Blue Jean Blues“ (ZZ Top), „Slabo Day“ (Peter Green) und „While My Guitar Gently Weeps“ (in der Healeyschen Art). Am Ende schickt dann Smoking Wolf seinen schmerzlich vermissten Kumpanen in Form eines Delta Blues auf die „Road To Valhalla“, wo ihm jede Menge ‚kühles Bier‘ vergönnt sein möge.

Wer Spaß an den bereits erwähnten Interpreten hat und im europäischen Bereich mit Acts wie Hank Shizzoe oder der Andreas Diehlmann Band gut leben kann, der wird diese zweite Scheibe von Smoking Wolf ganz schnell in sein Herz schließen.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues Rok

Tracks:
01. The Train
02. Right Time
03. Standing In The Rain
04. Hot Bikes
05. Voodoo Tri
06. Warmes Bier
07. Me And My Guitar
08. Road To Valhalla

Smoking Wolf
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Ryan Bingham – Watch Out For The Wolf – EP-Review

Review: Michael Segets

Ryan Bingham befindet sich zuletzt in einem eher langsamen Veröffentlichungsmodus. Vier Jahre liegen zwischen „Fear And Saturday Night“ (2015) und „American Love Song“ (2019). Nach weiteren vier Jahren meldet er sich nun mit der EP „Watch Out For The Wolf“ zurück. Untätig war er in der Zwischenzeit aber nicht, so spielte er bei der Fernsehserie „Yellowstone“ eine Nebenrolle und steuerte zusammen mit Nikki Lane einen hervorragenden Beitrag zum Tribute für Billy Joe Shaver bei.

Entstanden ist sein aktuelles Werk in der Einsamkeit einer Berghütte in Montana. In diese hatte sich Bingham mit zwei Gitarren, Mandoline und Keyboard zurückgezogen. „Watch Out For The Wolf“ lässt sich als musikalische Version eines Selbstfindungstrip a la „Into The Wild“ verstehen. Zurückgeworfen auf sich allein sind so sieben Songs fernab jeglicher Lagerfeuerromantik entstanden. Bingham spricht davon, in der Abgeschiedenheit der Natur emotionale und spirituelle Erfahrungen gemacht zu haben, die ihn veränderten. Jenseits des persönlichen Wertes eines solchen Experiments, überzeugt auch das musikalische Ergebnis fast durchgängig.

Im Opener „Where My Wild Things Are“ thematisiert er den Rückzug in die Natur, bei dem die Lasten der Vergangenheit zwar mitgetragen werden, aber in weite Ferne rücken. Mit einem gleichmäßigen Rhythmus rollt der Song vor sich hin, getragen von Binghams sonorem Gesang. Dabei entwickelt er eine Aufbruchsstimmung, die langen Autofahrten eigen ist. „Shivers“ erscheint ebenfalls atmosphärisch dicht, nicht zuletzt, weil Bingham hier viel Leid in seine Stimme legt. Es erzielt mit Hilfe des Keyboards eine hypnotische Wirkung und erinnert an die letzten Scheiben von Paul Cauthen. Mit den elektronischen Klängen übertreibt Bingham etwas bei „Automated“. Zwar ähnlich wie die beiden anderen angelegt, spricht der Track mich überhaupt nicht an. Dass der Rhythmus aus der Retorte stammt, fällt bei ihm besonders auf. Ein echtes Schlagzeug hätten den Songs insgesamt sicherlich gut getan. Ob aber Bingham Schlagzeug spielen kann, weiß ich nicht, und zudem wäre es ein logistisches Problem geworden, dieses in die Waldhütte zu schaffen.

Nach dem eher getragenen Einstieg in die EP setzt das rockige „Instrumental“ eine Zäsur. Danach folgen zwei starke Titel, bei denen Bingham zur Mandoline greift. Beim Aufbau des country-rockigen „River Of Love“ kommt Steve Earle als Vergleichspunkt in den Sinn. Während Bingham hier seine elektrische Collins-Gitarre sprechen lässt, steht bei „Devil Stole My Style“ eine alte Gibson im Zentrum der Begleitung. Er setzt bei dem Stück einen Hall-Effekt ein, sodass der Song nicht als rein akustisch gelten kann. Der Hall intensiviert dabei die Wirkung von Binghams ausdrucksstarkem Gesang.

Den Abschluss bildet „This Life“, mit dem „Watch Out For The Wolf” inhaltlich zu einem optimistischen Ende geführt wird. Bingham setzt hier mit seinen Pfeifeinlagen einen Akzent und greift damit ein Element des ersten Song wieder auf. Der Konzeptcharakter der EP wird damit unterstrichen.

Insgesamt kann das Soloprojekt „Watch Out For The Wolf” von Ryan Bingham als ein gelungenes Experiment bezeichnet werden. Mit Gitarren, Mandoline und Keyboard ausgerüstet spielte er im Alleingang in der Abgeschiedenheit einer Waldhütte sieben Songs ein und übernahm auch deren Produktion sowie die Abmischung. Die EP zeigt also Bingham pur, wobei er sich nicht allzu weit von seinen bisherigen Veröffentlichungen entfernt.

The Bingham Recording Company/Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Americana

Tracks:
01. Where My Wild Things Are
02. Automated
03. Shivers
04. Instrumental
05. River Of Love
06. Devil Stole My Style
07. This Life

Ryan Bingham
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Thirty Tigers

Patricia Vonne – 26.07.2023 – Freideck Kantine, Köln – Konzertbericht

In der schönen Open Air Bühne sind nahezu alle Sitzplätze besetzt, als Patricia Vonne mit ihrer Band diese bei Sonnenschein betritt, nachdem der Tag vorher eher verregnet war. Zudem verfolgen nicht wenige Fans das Konzert stehend und zum Teil mittanzend.

In zwei jeweils etwa 50-minütigen Sets zieht die Texanerin mit mexikanischen Wurzeln die Fans mit ihrer Bühnenpräsenz von der ersten Minute an in ihren Bann und es entwickelt sich ein Konzertabend, den die Fans mit Sicherheit lange nicht vergessen werden.

Die Setlist umfasst dabei Songs von ihrem Debutalbum aus dem Jahr 2003 bis zum 2018er Werk „Top Of The Mountain„, wobei der Titelsong eines der Highlights des Abends ist. Zudem präsentiert sie mit „Not Too Late“ einen bisher unveröffentlichten Song, der Lust auf ein neues Album macht.

Bei den meisten Stücken wird das Gaspedal durchgetreten und Robert La Roche legt einige furiose Soli auf seiner Rickenbacker hin. Im Mittelpunkt des Geschehens steht aber weitgehend die Vonne, die nicht nur stimmlich beeindruckt, sondern sich gewissermaßen als Multiinstrumentalistin zeigt. Meist ihre akustische Gibson spielend, aber auch Kastagnetten einsetzend, mit denen sie ein mexikanisches Flair auf die Bühne bringt. Bei einem Stück unterstützt sie dann auch noch Barnhard Weichinger an den Drums. Dass sie dabei einen großen Teil des Konzertes auch noch mehr oder weniger tanzend absolviert, ist ein Beweis für die Fitness der auch schon über 50-jährigen Protagonistin.

Im insgesamt sehr rockigen Konzert wird nur bei den spanisch gesungenen balladesken Songs etwas das Tempo herausgenommen, um anschließend wie nach der Ruhe vor dem Sturm direkt wieder musikalisch über die Bühne zu fegen.

Zwischen den Stücken moderiert sie charmant durch die Show und gibt einiges aus ihrem Leben preis, von ihren Geschwistern, dem Verhältnis zu ihrer Mutter. Aber auch Dinge aus ihrer Karriere, sei es über das Album „Rattle My Cage“, von dem unter anderem den Titelsong spielt, wo sie nicht ohne Stolz erwähnt. dass ein gewisser Doyle Bramhall sen. auch seinen Anteil hatte. Oder über ihre ersten Auftritte in Europa als Musikerin von Tito & Tarantula, wo bei einigen Tracks im Konzert auch eine musikalische Nähe zu hören ist.

Es ist schwer aus einem Gig ohne Längen Songs hervorzuheben, aber „Rebel Bride“ und „Lil Lobo“, bei dem Bassist Harmen de Bresser auch den Part des jaulenden Wolfes übernimmt und dabei vom Publikum lautstark unterstützt wird, sind ein Finale Furioso und bilden gewissermaßen den krönenden Abschluss eines wunderschönen Konzertabends. Im Anschluss begaben sich die Musiker schon wenige Minuten nach Ende an den Merchstand  und nahmen sich alle Zeit für die Fans. Patricia gab sogar Schnellkurse im spielen mit den Kastagnetten.

Ein besonderer Dank geht an Marcus Neu und das Bookerteam der Kantine, denen es immer wieder gelingt, tolle Künstler in die Kantine oder den Yardclub zu holen und die an diesem Abend auch durch den guten Besuch und die phantastische Stimmung belohnt wurden.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Patricia Vonne
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Kantine/Yardclub Köln

Robert Jon & The Wreck – Ride Into The Light – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das Wortspiel vom electrifying “Southern Rock aus Southern California” wird bei SoS-Abonnenten und Genre zugewandten Fans sofort Begeisterung hervorrufen. Viele werden dabei auf Anhieb an Robert Jon & The Wreck denken, der Band aus Orange County, Kalifornien, die sich mittlerweile in die berühmte Musikszene des Countys (u. a. Jackson Browne, Social Distortion, Bad Religion, The Offspring) einreiht. Bereits seit längerer Zeit besteht eine fast freundschaftliche Verbundenheit von SoS mit der 2011 gegründeten Formation (siehe u. a. unser Interview vom 29.05.2016).

Dass damals bereits schon ein ausgesprochen “guter Riecher” die substantielle Energie und zukunftsweisende Spielweise von Robert Jon & The Wreck erkannt hat, zeigen mittlerweile über 10 SoS-Konzertberichte, die mit dem ungebrochen wachsenden Interesse der Fans einhergehen. Die sehr produktiven “native California sons” veröffentlichen derweil ihr neues Studioalbum “Right Into The Light”. Der Longplayer setzt sich zusammen aus den 4 Songs der “One Of A Kind”-EP (2023), die mit den legendären Produzenten Don Was und Dave Cobb eingespielt wurde. Sie enthält neben dem echten Aufreißer-Titel “Pain No More” – bitte passende Lautstärke nicht vergessen – den Country Rocker “Who Can You Love”, der spielerisch an die Eagles erinnert, sowie den klassischen Hard Rock-Track “Come To Me”, und den Titelsong, bei dem es spätestens bei der Live-Performance keinen mehr auf den Sitzen halten dürfte!

Inzwischen hat auch Joe Bonamassa seine Unterstützung für Robert Jon & The Wreck partnerschaftlich eingebracht und produzierte auf seinem Label Journeyman Records zusammen mit Josh Smith den Ohrwurm “West Coast Eyes”, eine Gänsehaut-Hymne inklusive Super-Slide-Charakter. Des weiteren konnten RJ&TW Toningenieur Kevin Shirley für die Aufnahmen begeistern. Mit “Bring Me Back Home Again“ – Southern-Rock vom Feinsten – dem rasanten Country-Rock-Track “Don’t Look Down” und dem midtempo Titelsong “Ride Into The Light” sind drei neue Straightforward Hochkaräter als mitreißende Stücke dabei, die sämtlich zum early, golden Seventies-Sound des Genres im Stil von Lynyrd Skynyrd, den Eagles oder Poco gehören könnten.

Als modernes “Gesicht” der manchmal altehrwürdigen Southern-Rock-Generation spielen Robert Jon & The Wreck inzwischen ihr eigenes volles Spektrum der musikalischen Richtung und verbinden auch auf dem neuen Album “Ride Into The Light” mit breiter Brust den Americana Country, den West Coast Rock mit den urtümlichen Southern Blues Elementen, stets geradlinig, mit Herzblut und Leidenschaft. In den kommenden Wochen sollte man daher auch die Gelegenheit wahrnehmen, Robert Jon und seine Band wieder live auf der Bühne zu erleben.

Journeyman Records (2023)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Pain No More
02. Who Can You Love
03. Come At Me
04. One Of A Kind
05. Bring Me Back Home Again
06. West Coast Eyes
07. Don’t Look Down
08. Ride Into The Light

Robert Jon & The Wreck
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Another Dimension