Pat Green – What I’m For – CD-Review

Klasse neues Album von Pat Green – eine deutliche Steigerung zum Vorgänger, da trotz aller Radiotauglichkeit wieder etwas erdiger, herzhafter, würziger und Gitarren orientierter! Green war einer der ersten, der sich frühzeitig aus der Riege der jungen Wilden der texanischen Red-Dirt-Szene gelöst hatte und sich quasi in die Höhle des Löwen nach Nashville wagte. Damit hatte er so etwas wie eine Vorreiterrolle inne. Acts wie die Randy Rogers Band, Wade Bowen und die Eli Young Band folgten seinen Spuren. Pat hat sich mit seinem 5. Major-Album „What I’m For“ mittlerweile fest in „Music City“ etabliert und ist dort eine nicht mehr wegzudenkende Größe.

Green’s Hauptintention, seine Alben im ganzen Land präsent zu haben, ist voll aufgegangen. Er füllt, natürlich auch dank seiner energiegeladenen Live-Shows und einer schon immer hinter ihm stehenden, kontinuierlich gewachsenen Fanbase, mittlerweile Stadien auf kompletter nationaler Ebene (sogar in New York!). Nach drei von Don Gehman (John Mellencamp, Hootie & The Blowfish) produzierten Werken, hat Green auf eigenen Wunsch eine neue Phase seiner Karriere eingeläutet und die Zusammenarbeit mit Dann Huff ersucht, um seinen Songs vor allem eine etwas gitarrenlastigere Note zu vermitteln.

Und das ist richtig gut gelungen. Huff, der natürlich auch selbst Hand anlegte, verpflichtete mit J.T Corenflos, Brett Danaher, Jerry McPherson, Adam Shoefeld (Big & Rich’s begnadeter Haus-Gitarrist), Chris Skrobot und Ilya Toshinsky gleich eine ganze Armada von Klasse-Gitarristen, die den Sound des neuen Green-Silberlings entscheidend mitprägen. Auch bei der Besetzung der anderen Instrumente wurde geklotzt und nicht gekleckert. Klingende Namen wie Tim Akers, Jay De Marcus (Rascal Flatts), Jimmy Lee Sloas, GlennWorf, Chad Cromwell, Shannon Forrest, Chris McHugh, Joanthan Yudkin, Eric Darken, Dan Dugmore oder Paul Franklin sind jedem in der Szene bekannt und eine Qualitätsgarantie.

Gegenüber dem Vorgänger „Cannonball“ wurde von Huff ein etwas kompakteres Paket geschnürt, das es aber dafür um so mehr in sich hat. Mit „Footsteps Of Our Fathers“ startet der „Hans Dampf in allen Gassen“ Pat Green direkt furios durch. Ein knackiger, sehr moderner Countrysong, der ein wenig Heartland-Atmosphäre mit einem satten Gitarrenrhythmus verbindet, wie man ihn bei Keith Urban oft erlebt, gespickt mit kleinen Mandolinentupfern und einem herrlichen E-Gitarren-Solo. Ein toller Auftakt. Vom Inhalt einer der wenigen Fremdkompositionen, „What I Am For“ (Marc Beeson/Allen Shamblin) war Pat so fasziniert, dass er ihn direkt zum Titelsong beförderte, laut eigener Aussage vor allem wegen des hohen Identifikationsgrades zum Text dieses emotional im Storytelling-Stil vorgetragenen Country-Stückes (inkl. Fiddle-, Steel- und Akkordeonakzenten).

Schön auch immer wieder, wenn Musiker als Co-Autoren beim Songwriting ihren typischen Stempel aufsetzen, auch wenn sie musikalisch gar nicht beteiligt sind. Bobby Pinson ist so einer, der so eine gewisses Flair verbreitet. Green und er schrieben „Feeling Pretty Good Tonight“ in einer überaus feucht-fröhlichen Nacht im Hermitage Hotel in Nashville (Zitat Pat Green), dessen Launigkeit sich sprichwörtlich auf den Text und die instrumentelle Umsetzung übertrug. Auch „Lucky“, das Pat mit seinen Schreibpartnern aus früheren Tagen, Patrick Davis und Justin Andrew Pollard komponierte, geht eindeutig in die Rubrik Gute Laune-Songs und könnte zum weiteren potentiellen Hit dieses Werkes avancieren.

Etwas ruhiger, fast schon mit etwas Bluegrass-Teint und recht emotional, gibt sich Green bei „In This World“ (schöne Akustikgitarre, Mandoline). Launig und mit vielen benannten Größen der Nashville-Szene im Text geht es bei „Country Star“ zu. „Let Me“, die erste Single, ist dann eine auf jeglichen Schmalz verzichtende Powerballade a là James Otto. Toll hier das typische Dann Huff E-Gitarren-Solo. Der wohl rockigste und herrlich abgehende Track ist „In It For The Money“. Toller Text, spielerische Feinheiten (Mandoline, Orgel, Slide-Passage), dazu eine gehörige Portion Dramatik, ein absolutes Highlight!

Mit „Carry On“ wurde ein Klassiker aus Green’s Repertoire (vom legendären „Three Days„-Album) in einer etwas poppigerer Manier neu aufgelegt. „In The Middle Of The Night“ beendet dann Pat’s großartiges Album in ruhiger Keith Urban-Manier. Das Lied pendelt irgendwo in Sphären von Urban’s „You’ll Think Of Me“ und „Raining On Sunday“, und schließt das Album atmosphärisch ab. Pat Green hat mit „What I’m For“ wieder hochkarätige Kost abgeliefert, die seinen Status in Nashville vermutlich nochmals steigern wird. Völlig zu Recht! Denn Pat Green steht einfach für klasse Musik!

BNA Records (2009)
Stil:  Country Rock

01. Footsteps Of Our Fathers
02. What I’m For
03. Feeling Pretty Good Tonight
04. Lucky
05. In This World
06. Country Star
07. Let Me
08. In It For The Money
09. Carry On
10. In The Middle Of The Night

Pat Green
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Bärchen Records

Pat Green – Cannonball – CD-Review

4. Major-Album von Pat Green, sein erstes allerdings für sein neues Label. Der aus Waco kommende Texaner, bekannt für seine energiegeladenen Live-Shows, dürfte mit seinem neuen Werk „Cannonball“ gerade in Nashville die letzten Barrieren freigesprengt haben, um sich unter den absoluten Top-Stars zu etablieren. Bereits auf seinem letzten Album „Lucky Ones“ hat er, wie auch jetzt, den Spagatschritt zu mehr radiofreundlicheren, Country-Mekka-kompatiblen Songs, ohne dabei seine texanische Ursprünglichkeit zu verlieren, glänzend gemeistert.

Diesmal hat Produzent Don Gehman (u.a. Hootie & The Blowfish) den pop-rockigen Anteil noch einmal etwas angezogen, wobei die erfahrenen, exzellenten Nashville-Studiomusiker wie Greg Morrow (Drums), die hier überragenden Gitarristen J. T. Corenflos, Kenny Greenberg (E-guitar), Biff Watson, John Willis (Acoustic guitar), Jonathan Yudkin (Violin, strings), Michael Daly (Steel guitar), Michael Rhodes (Bass) und John Hobbs (Keyboards), den Countryanteil stets präsent gehalten haben.

Das Titelstück „Cannonball“, eine durchschlagskräftige, sehr melodische Uptemponummer, wird von schwungvollem Upbeat-Drumming und brillant gespielten Rhythmus- und E-Gitarren dominiert. Gut passende, dezente Harmoniegesänge im Refrain, sowie eine kleines, filigranes Slide-/E-Gitarrenduell machen den Song zur Klassenummer. Überhaupt startet das neue Werk gleich ziemlich forsch durch. Das dem Titeltrack folgende „Way Back Texas“ (hier fegt der Green-typische, texanische Wind mal so richtig durch den southern-mäßig dahin groovenden Song) und „Love Like That“ (rhythmisch stampfend, tolles Mandolinenspiel in Kombination mit klasse E-Gitarren, Orgel-, Steelguitar-Fills) sind weitere ordentlich abgehende Tracks, die jede Cabrio-Fahrt zum Vergnügen werden lassen.

Bei „Dixie Lullaby“ wird dann zunächst mal das Bremspedal bedient. Das Lied ist eine schöne, traurige Hommage an seinen verstorbenen Vater. Mit „Missing Me“ (dezent keltisch angehaucht) und dem abschließenden Country-Schwofer „Sleeping With The Lights On“ (dem Titel konform mit absoluter Feuerzeugeinschaltgarantie bei Live-Konzerten) wird der balladeske Anteil insgesamt jedoch recht sparsam gehalten. Auch recht entspannt, aber doch schon ziemlich peppig dargeboten ist „Finder’s Keepers“, ein Duett mit der großartigen Sara Evans, die sich vokal blendend mit Green ergänzt. Klasse Nummer mit leichtem Retro-Flair der Marke „Roy Orbinson meets Mary Chapin Carpenter„!

Im übrigen Verlauf setzt Pat weiter auf die seinem Naturell eher entsprechenden, tempoträchtigeren Songs, wie den ersten Hit „Feels Just Like It Should“ (bereits Nr. 13 in den Billboard Country Singles Chatrs – Tendenz steigend!) und „Lost Without You“, bei dem sich kompositorisch mit Brett James ein Erfolgsgarant in dieser Hinsicht an seiner Seite befand. „Won’t Let Love“ mit seinen „Na-Na-Na“-Gesängen am Ende erinnert gar ein wenig an eine Countryvariante des Bryan Adams-Hits „Cuts Like A Knife“.

Überhaupt scheint immer mal wieder ein ganz dezenter „BryanAdams-Gute-Laune-Rock-Faktor“, allerdings ohne dominant zu erscheinen, durch die eine oder andere Nummer zu blinzeln, wie auch bei „Learn How To Live“. Mit „I’m Trying To Find It“ und „“Love Had Something To Say“ huldigt Pat Green dann mit zwei Covernummern noch zwei seiner Songwriter-Seelenverwandten. Erstgenanntes Stück aus der Feder von Jeffrey Steele (und Tom Hambridge), auch auf Jeffrey Steeles brandaktuellem, starken „Hell On Wheels“-Album enthalten, hier von Green etwas mainstreamiger dargeboten, zweites vom immer wieder hochverehrten Radney Foster von seinem Klassewerk „Another Way To Go“ aus dem Jahr 2002, diesmal weniger introvertiert gehalten.

„Cannonball“ von Pat Green ist insgesamt ein klasse, abwechslungsreiches, sehr kräftiges und mit 14 Liedern (fast 55 Minuten) recht umfangreiches, melodisch-modernes Werk; eine Art Karriere-Album, bei dem er seine texanischen Roots etwas mehr im Hintergrund hält, das aber in Nashville sicherlich einschlagen wird wie eine „Kanone“.

Sony Music (2006)
Stil:  Country Rock

01. Cannonball
02. Way Back Texas
03. Love Like That
04. Dixie Lullaby
05. Feels Like Just It Should
06. Missing Me
07. Virginia Bell
08. Finder’s Keepers (feat. Sara Evans)
09. Won’t Let Love
10. Lost Without You
11. I’m Trying To Find It
12. Love Hd Something To Say
13. Learn How To Live
14. Sleeping With The Lights On

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The Great Divide – Remain – CD-Review

Wie lautet die Schnittmenge zwischen (New) Country, Westcoast, Desert- und Southern-Rock? Die schlichtweg einfache Antwort lautet The Great Divide! Hätte es damals ähnliche, aus dem Leben gegriffene und nachvollziehbare Beispiele in der Mathematik gegeben, wäre mir wohl die Ehrenrunde auf dem Weg zu meinem schwer erkämpften Abitur erspart geblieben…

Nach „The Afterglow (The Will Rodgers Sessions)“ liegt mit „Remain“ das zweite Werk der jungen Band in meinem Player. Die Boys aus Oklahoma bleiben ihrer Linie treu: Kurze, präzise Songs mit schönen Melodien, von der Sparsamkeit her an den ebenfalls aus der Region stammenden J.J. Cale erinnernd, die man irgendwann schon einmal gehört zu haben glaubt und die doch beim intensiven Lauschgang ihr eigenes Flair entwickeln.

Den Stempel drückt ihnen Frontmann und Leadgitarrist Mike McClure (von ihm gibt es auch ein relativ aktuelles Soloalbum) auf. Ausgestattet mit einer Stimme, die ich mit einem von der Heiserkeit geplagten Glenn Frey assoziiere, verleiht er den Liedern diesen kratzig rootsigen Beigeschmack. Dazu kommt sein southernverwandtes Gitarrenspiel und die staubtrockenen Drums seines Kollegen J.J. Lester im Hintergrund.

Eagles, Poco, Greyhound Soul, Rambler, Steve Earle, Sister Hazel und Cross Canadian Ragweed sind Interpreten, zu denen meiner Ansicht nach Querverbindungen existieren.

„Fly On“ (mit treibendem rockigem Rhythmus und starker Slidebegleitung), „Lost In The Night“ (wunderschöne Midtempoballade mit zwei tollen Gitarrensoli), der Titelsong „Remain“ ( mit gekonntem Wechselspiel zwischen akustischen und elektrischen Elementen), „Gypsy Steel“ (eine rockige Boogienummer), „Bummin‘ Around“ (das mich stark an Van Morrisons Nummer „Tupelo Honey“, auch gecovert von Blackfoot, erinnert) oder „Mary Hold On“ ( mit dem tollen Gitarrenspiel am Ende) sind Songs, die mir persönlich am besten gefallen.

Der Hiddentrack (eine Unplugged-Nummer) kommt zwar schon nach wenigen Sekunden, ist aber eigentlich, wie so oft, überflüssig. Die Zeit beim Hören der Stücke vergeht in Windeseile, mir gefällt’s und dabei bleibt’s. Punkt. Ende. Aus!

Pacific Music Group (2002)
Stil: Country Rock

01: Fly On
02: Lost In The Night
03: Remain
04: Gypsy Steel
05: Other Side Of Midnight
06: Bummin‘ Around
07: Moon Is Always Full
08: If You Want It That Much
09: Mary Hold On
10: If Not For You

The Great Divide
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Bärchen Records

Pat Green – Three Days – CD-Review

Schon der Blick aufs Titelbild des Booklets von Pat Greens aktueller CD „Three Days“, auf der ein zerrissener, ausgelatschter Cowboystiefel verlassen am Pfahl eines Stacheldrahtzaunes hängt, lässt erahnen, dass es bei dieser Scheibe heiß zur Sache gegangen sein muss. Und in der Tat, hier wurde ordentlich gehobelt, hier sind jede Menge Späne gefallen.

13 fantastische Songs, ohne jeden Aussetzer, mit unheimlich viel Dampf und superklarem Sound, so ein wenig im Stil der Bottle Rockets zu „24-Hours-A-Day“-Zeiten gespielt, machen die CD zu einem kurzweiligen Ereignis. Für mich persönlich ein Highlight des Jahres!

Jede Menge satter Gitarren, viel Gefiddel, aber so dosiert, dass es nie nervig wirkt, dazu Pat Greens passende Stimme, mich sehr an die von Brian Henneman erinnernd, bestimmen dieses abwechslungsreiche Werk fast ohne jeden Blick auf Kommerzialität. So erscheint es mir zumindest.

Zu verdanken sei das stimmige Ergebnis, laut Greens eigener Aussage, auch der außerordentlich guten Zusammenarbeit mit seinem Label Republic/Universal Records, das keinen Druck ausübte und ihn absolut freizügig agieren ließ.

Ein echtes Malocheralbum, bei dem Pat Green zum Einen mit neun selbstgeschriebenen Liedern echte Songwriterqualitäten unter Beweis stellt, zum Anderen auch wunderbar zeigt, wie man traditionelle Countrymusikelemente mit viel Pepp und sehr aktuell darbieten kann.

Mir gefallen besonders, auf einer durchgehend guten Scheibe, das druckvolle Auftaktstück „Carry On“, mit Ex-Storyville David Grissom an der Gitarre, die Uptempo-Balladen „Whiskey“ und „Crazy“, sowie das southern-rockige „Southbound 35“ „Three Days“, ein echter Kracher, der nicht nur in die Sammlung eines bekennenden Countryfans gehört. Einfach herrlich, kaufen und genießen!

Universal Music (2001)
Stil:  Country Rock

01. Carry On
02. Threadbare Gypsy Soul
03. Three Days
04. Who’s To Say
05. Galleywinter
06. Wrong Side Of Town
07. We’ve All Got Our Reasons
08. Whiskey
09. Crazy
10. Take Me Out To A Dancehall
11. Count Your Blessings
12. Southbound 35
13. Texas On My Mind

Pat Green
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Hootie & The Blowfish – Looking For Lucky – CD-Review

Hootie & The Blowfish haben mich zu Beginn ihrer CD-Veröffentlichungen regelrecht begeistert. Ihr Debüt „Cracked Rear View“ verkaufte sich über 16 Millionen Mal und übte natürlich auf den Nachfolger „Fairwheather Johnson“ einen immensen Erfolgsdruck aus. Obwohl mir dieses Album eigentlich sogar noch besser gefiel, blieb die kommerzielle Resonanz zwar beachtlich, konnte von den Zahlen her „CRV“ aber in keinster Weise das Wasser reichen. In Europa hingegen fand die Truppe um Darius Rucker leider kaum Beachtung. Es folgte ein drittes Werk „Musical Chairs“, dass auch von der musikalischen Qualität her, ganz erheblich nachließ. Zu diesem Zeitpunkt erlosch ebenfalls mein Interesse am Quartett aus South Carolina. Die Band brachte ein weiteres Studiowerk (mit B-Seiten) heraus, eine obligatorische „Best Of“, Gitarrist Mark Bryan und Frontmann Darius Rucker versuchten sich auf Solopfaden, ohne aber ihren Anfangselan jemals auch nur annähernd zu erreichen.

Plötzlich bei einem Review von Trick Ponies aktueller Scheibe „R.I.D.E.“ tauchte der Name Darius Rucker wieder aus meiner inneren Versenkung. Der lieh für das Duett mit TP-Bassist Ira Dean bei „Sad City“ seine Stimme. Und kurze Zeit später erschien jetzt ihr neuer Silberling „Looking For Lucky“. Mittlerweile bei einem Independant-Label untergekommen, scheint der Ballast – immer wieder an Zahlen gemessen worden zu sein – förmlich von den Schultern zu fallen.

Da sind sie wieder, diese unbeschwerten, lockeren Hootie-Songs, mit ihren tollen Melodien, ihrer klasse Instrumentierung, Bryan’s blendendendes Gitarren- und Mandolinenspiel, Darius‘ unverwechselbare kräftige, immer mit einem Hauch Melancholie unterlegte Charakterstimme, die soviel Wärme ausstrahlt, die knackige Rhythmushälfte in Form und Person von Bassist Dean Felber und Drummer Jim Sonefeld. Auch ihr Produzent aus den Anfangstagen, Don Gehman ist wieder mit an Bord.

Die Opener „State Your Peace“ (mit klasse Double-Leads-Passagen) und „Hey Sister Pretty“ preschen, wie beim Debüt, mit leicht zu merkenden Refrainzeilen melodisch voran, bis mit „Killing Stone“ die erste balladeske Nummer Zeit zum Durchatmen gewährt.

Der Song ist dank brillanter Gitarrenarbeit von Mark Bryan leicht psychedelisch angehaucht, ein toller politischer Text, das herrlich inbrünstige Stimmorgan Rucker’s und die angenehmen Backs von Gastmusikerin Matraca Berg veredeln dieses erste Super-Highlight des Albums zusätzlich. „Get Out Of My Mind“, „A Smile“ und „Free To Everyone“ bilden den Nachschlag für die Vertreter der mehr Pop-Rock-orientierten Spaßfraktion, während „One Love“ (wieder starke Akustik- und E-Arbeit von Bryan), das auch als Single ausgekoppelt wurde, das Herz von Balladenfreunden wie mir erwärmt.

Eine ganze Reihe von Nummern wie „Can I See You“, „Leaving“, „Autumn Jones“ oder „Waltz Into Me“ untermauern, dass Hootie & The Blowfish durchaus auch auf dem Country-/Bluegrass-Terrain eine gute Figur abgeben. Hier zeigt Mark Bryan, wie filigran er die Mandoline zu bedienen weiß (herrliches Gezirpe), hier und da erhält auch die Fiddle mal sporadisch Einzug. Insgesamt besticht „Looking For Lucky“ durch seine Ausgeglichenheit in der Songqualität, im Prinzip gibt es überhaupt keinen Ausfall.

Ich persönlich hätte vielleicht nicht direkt vier Killernummern an den Anfang platziert, sondern versucht, hier noch ein Stück der mehr Country-lastigeren Zweithälfte zu integrieren. Aber egal, letztendlich überwiegt die Freude, dass die Band zu alten Stärken zurück gefunden hat, und es bleibt der Versuch im Rahmen unserer Möglichkeiten einen kleinen Beitrag zu leisten, die Popularität von Hootie & The Blowfish in unseren Breitengraden etwas anzukurbeln.

Vanguard Records (2005)
Stil:  Country Rock

01. State Your Peace
02. Hey Sister Pretty
03. The Killing Stone
04. Get Out Of My Mind
05. Another Year’s Gone By
06. Can I See You
07. A Smile
08. One Love
09. Leaving
10. Autumn Jones
11. Free To Everyone
12. Waltz Into Me

Hootie & The Blowfish
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Bärchen Records

Hands On The Wheel – River Of Time – CD-Review

Mein Review zur Neuauflage des Albums „Restless Heart“ von Ende 2009 endete mit der hypothetisch gestellten Frage, ob Tom Ripphahn nicht Lust hätte, mal wieder neues Hands On The Wheel-Material zu kreieren. Ob dies der Stein des Anstoßes war, lass ich mal dahingestellt, Fakt ist aber, dass mit „River Of Time“ jetzt knapp anderthalb Jahre später ein neuer Hands On The Wheel-Silberling vorliegt.

Ein schönes Album, ich mag einfach diese entspannte, melodische amerikanisch angehauchte, filigran gespielte Musik, ich mag Tom Ripphahns Stimme. Zudem stammt er aus der gleichen Altersriege und seine Texte und Biografie beinhalten diverse Ähnlichkeiten (zu Erlebtem in meiner sportlichen Vergangenheit). Im Prinzip reflektiert er exakt die Erfahrungen, Weltanschauungen, Probleme und Freuden von Leuten wie mir, die voll im Leben stehen und jetzt stramm auf die Fünfzig zugehen. Im Groben und Ganzen entdecke ich fast so was wie eine weitläufige Seelenverwandtschaft.

„River Of Time“ beinhaltet acht neue Tracks, ein recht gelungenes Neil Young-Cover („Don’t Let It Bring You Down“ von „After The Goldrush“ mit sehr schönen Kontrasten zwischen akustischen und heftigen elektrischen Parts) und eine hauptsächlich akustisch gehaltene Neuauflage von „Face The Music“ (mit ganz dezenten E-Gitarrentupfern, Toms Gesang kommt dafür besser zur Geltung), wobei mir aber die ‚Voll‘-Version auf „The Seed“ letztendlich doch besser gefällt (nicht zuletzt auch wegen den weiblichen Backs und der schwungvolleren Note). Beim Vergleich der Lieder und Zuhilfenahme des Booklets fiel mir übrigens zu meiner eigenen großen Überraschung auf, dass Tom auf diesem Werk damals zwei Stücke mit dem von mir ebenfalls sehr geschätzten Steve Azar komponiert hatte. Das war mir bisher völlig durchgegangen.

Die neuen Nummern halten alle das gewohnte gute Hands On The Wheel-Niveau vergangener Tage, wobei Tom sich nicht den Gegebenheiten der heutigen Zeit angepasst und sämtliche Songs völlig ‚organisch‘ belassen hat, was bedeutet, dass nicht am PC nachbearbeitet wurde. Für zwei Kompositionen ist wieder sein alter Weggefährte Dave Meaney (mit-) verantwortlich (der Opener „Make It Home“, ein entspannter Midtempotrack und das am Ende recht anklagende, z.T. psychedelisch gestaltete „Justice“). Den Löwenanteil hat Ripphahn mit dem bei Blue Rose unter Vertrag stehenden Musiker Markus Rill ins Leben gerufen. Rill steuert ansonsten nur einmal Harmoniegesänge auf „Way Down At The End Of The Hall“ bei (ein recht grimmig, mit leicht verfremdeter Stimme gesungener Song, der mich ein wenig an die Bottle Rockets erinnert).

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen das lebensbilanzierende, nachdenklich dahinströmende Titelstück „River Of Time“, das mit Dobro und Pump Organ verzierte, herrlich relaxte „With Every Passing Day“ (fast wie eine HOTW-Interpretation von Dire Straits‘ Brothers In Arms, wunderbar hier, wie auch bei einigen anderen Tracks, Ripphahns einfühlsames Mundharmonikaspiel), das sehr klug gestrickte „Kiss & Run“ (leider das einzige Lied mit weiblichen Backs, schönes E-Solo) und das atmosphärische „Last Ride Home“ mit seinem wunderschönen folkig angehauchten Refrain als absolutes Highlight. Toll vor allem, wie hier im Text eine Liebesgeschichte mit unterschwelliger Gesellschaftskritik verschachtelt wurde. Ein Kandidat für meinen Song des Jahres 2011. Klasse!

Mit „River Of Time“ ist Tom Ripphahn, alias Hands On The Wheel, wieder ein starkes Werk gelungen. Wer die früheren Outputs mochte, wird auch dieses Album mit Genuss aufsaugen, auch wenn es unter anderen Vorzeichen kreiert wurde. Man merkt Ripphahn mittlerweile den Musiker an, der, frei von Zwängen (mit eigenem Studio, Label und Vertrieb), mit sich ins Reine gekommen ist. Das spürt man durch jede Faser dieser CD. Wie gewohnt, gibt auch die äußerliche Aufmachung was her (Super Jewel Box, mehrseitiges Booklet mit allen Texten, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt und vielen Bildern, mit der einzigem kleinen Unstimmigkeit, dass man den zweiten Part der ‚Words‘ von „River Of Time“ auf den oberen Teil der folgenden Seite hätte packen können…).

Fotografiert hat übrigens der von Tom mittlerweile produzierte, Ex-Fury In The Slaughterhouse-Sänger Thorsten Wingenfelder. Ein sehr empfehlenswertes Gesamtprodukt, das Tom Ripphahn auch im Rahmen seiner anstehenden Live-Auftritte (allein oder zu zweit) intensiv präsentieren wird!

analoghaus (2011)
Stil:  Americana

01. Make It Home
02. Jenny & Johnny (Shelter From The Cold)
03. River Of Time
04. Way Down At The End Of The Hall
05. With Every Passing Day
06. Kiss & Run
07. Don’t Let It Bring You Down
08. Face The Music
09. Last Ride Home
10. Justice

analoghaus

Hands On The Wheel – Restless Heart – CD-Review

Es scheint wirklich wahr zu sein. Oft regeln sich Dinge im Leben von alleine, man muss halt nur lange genug warten können. Da ich aber gewöhnlich einem irdischem Dasein fröne und (leider) in die Hektik und den Stress der heutigen Zeit voll eingebunden bin, ist diese wohl eher auf Musiker übertragbare Lebensphilosophie relativ untypisch für mich (auch wenn ein nicht unerheblicher Teil meiner Zeit in Musik investiert wird). Ein Review über eine Scheibe von Hands On The Wheel hatte ich schon länger geplant (insgeheim dabei aber immer auf eine neue Comeback-CD gehofft), der aber kontinuierliche Wust an zu besprechenden aktuellen Sachen ließ dieses Vorhaben bis auf Weiteres auf sich beruhen.

Für unsere traditionelle Weihnachtsaktion (da besprechen wir ja meist ältere Kamellen – bei den meisten Kollegen ‚Klassiker‘ genannt, die dann ihren fortwährenden Nostalgie-Wahn offiziell mal so richtig ausleben können… – vornehmlich verdienter Bands, die es, aus welchen Gründen auch immer, bisher nicht in unserem Künstlerindex geschafft haben) kamen Hands On The Wheel aus meiner Sicht noch nicht in Frage, zum einen ist das ‚Verfallsdatum‘ ihrer Scheiben nicht lange genug abgelaufen, zum anderen klingt die Band trotz der vergangenen Jahre meines Erachtens auch heute noch zu frisch, um sich da in die Riege mancher Dinos einzureihen.

Kommen wir aber zu meinem Intro. Da schneit vor einigen Tagen dann doch tatsächlich aus dem Nichts eine vom Mastermind Tom Ripphahn persönlich geschickte Hands On The Wheel-Scheibe in unser Hauptquartier zur Besprechung herein. Es ist zwar ’nur‘ ein remastertes Teil ihrer eigentlichen Debüt-CD „Restless Heart“, die schon im meinem Besitz ist (wie alle ihrer anderen Werke auch), aufgewertet allerdings durch ein paar Bonustracks, inkl. zweier unveröffentlichter Stücke und, wie ich mittlerweile vor mir sehe, auch mit dem für die Band bei allen anderen Werken üblichen, ausführlichen und meist klasse gestalteten Cover/Booklet versehen (was bei der Independent-Veröffentlichung naturgemäß aus Budget-Gründen damals vermutlich nicht der Fall war).

Hands On The Wheel nahmen Mitte der neunziger Jahre bei mir persönlich die Stellung ein, die heute die Band Of Heathens inne hat. Die Band hatte in ihren Songs von allem so ein bisschen, was bei mir oben in der Geschmacks-Prioritätenliste angeführt war und mit kleinen Ergänzungen auch bis zum heutigen Tage weiterhin zu den Präferenzen zählt. Immer fein instrumentierte Melodien, eine extravagante Charakterstimme (Ripphahns von scheinbar chronischer Heiserkeit geplagtes Vokalorgan, sein wie kaum bei einer anderen deutschen Band so authentisch amerikanisch klingender Gesang), die letztendlich in einer Mischung aus rootsigem Rock, Southern Rock – klasse fand ich immer, dass sie oft weibliche Backs mit einbanden -, Country – Dobro-, Mandolinenbeteiligung – und dezenten, aber immer niveauvollen Pop mündeten, was heute unter dem Oberbegriff ‚Americana‘ eingeordnet werden kann (mittlerweile kommen in meinem Fall, wie bekannt, der New Country und vor allem noch der Red Dirt hinzu).

Kommen wir zu „Restless Heart“. In meinem persönlichen HOTW-Ranking, stand sie bisher, ehrlich gesagt, aufgrund der Kürze, der spärlichen Covergestaltung, und des Umstandes, dass ich sie mir als letztes zugelegt hatte (dadurch kannte ich einige Songs auch schon) an letzter Stelle, ohne dabei allerdings von der musikalische Qualität zu enttäuschen. Mein Lieblingswerk ist und bleibt ihre letzte Scheibe „Promised Land“ (1996) und als Titel, das darauf befindliche, grandiose „Get Where You’re Going“. Ihren kommerziellen Höhepunkt (zu dieser Zeit mit Major-Label im Rücken) erlebte die Band allerdings mit „The Seed“ (von 1994 – tolle Covergestaltung!), der Supports für keine geringeren Interpreten als Joe Cocker, Bob Dylan, Huey Lewis oder Nils Lofgren zur Folge hatte.

Die Stammsongs von „Restless Heart“ wirken durch das jetzige Remastering, rein subjektiv betrachtet, dezent frischer und zeigen sich vom klanglichen Gefühl her etwas klarer und voluminöser. Die als Bonus beigefügten, modifizierten Einspielungen bereits bekannter Songs sind als gelungen zu betrachten. Die ergänzten weiblichen Backs bei „Rainy Town“ und „Ghost Train“ gefallen mir dabei besonders. Die unveröffentlichten „Going Through A Hard Time“ (flockiger, dezent Country-infizierter Rock mit Akustikgitarrenuntermalung, E-Fils, Organ, klasse Backs und Harmonies) und das gitarrenlastige, entspannte Instrumental „The Desert“ sind angenehme Zubrote in gewohnter Qualität. In dieser Form ist das Werk jetzt in jedem Fall eine Empfehlung wert.

Bandleader Tom Ripphahn verbringt heute vornehmlich seine Zeit damit, im eigenen Studio andere Interpreten zu produzieren (u.a. Ex-Fury In The Slaughterhouse Thorsten Wingenfelder, I Saw Elvis, Abi Wallenstein, Anne Haigis) und dazu zum Teil mit einigen seiner neuen Songkreationen zu bedienen. Er spielt aber öfter auch noch solo oder im Duo in kleineren Clubs, wo dann einige Hands On The Wheel-Songs mit im Programm integriert sind. Ich persönlich hätte mittlerweile aber auch nichts gegen eine ‚richtige‘ Hands On The Wheel-Reunion mit dem dazu gehörigen neuen Output. Kein Bock, Tom?

analoghaus (2009), Roving Records (1991)
Stil:  Americana

01. Gotta Get Away
02. Still Waters Run Deep
03. Restless Heart
04. Ghost Train
05. In Your Eyes
06. Here And Now
07. For Your Love Part I
08. For Your Love Part II
09. Never Going Home

Bonus Tracks: 
10. Rainy Town
11. Going Through A Hard Time
12. Back To The Wall Of History
13. Don’t Want To Be Your Lover Anymore
14. Ghost Train
15. The Desert

analoghaus

JB And The Moonshine Band – Beer For Breakfast – CD-Review

Da die meisten Musikredakteure, die ich kenne, wie auch meine Wenigkeit durchaus als trinkfreudige, Gerstensaft liebende Gesellen eingestuft werden dürfen (wie schon das eine oder andere Treffen mit solchen Menschen eindrucksvoll bewies), liefert JB (Patterson) und seine Moonshine Band mit „Beer For Breakfast“ musikalische Unterhaltung und Humor, die auch in unseren Kreisen ihre Freunde finden dürfte. Und irgendwie sagt man ja auch, dass man nach durchzechter Nacht immer mit dem Getränk weiter machen sollte, mit dem man am Vorabend aufgehört hat…

Der aus Texas stammende Frontmann, früher mal ein Werbemensch, und seine Langzeitfreunde Gabe Guevara (drums), Hayden McMullen (lead guitar) und Chris Flores (bass) präsentieren auf ihrem zweiten Silberling eine hochwertige Mischung aus Red Dirt, Southern Rock und New Country und erscheinen mir bereits jetzt schon, ähnlich wie die Randy Rogers Band, Wade Bowen oder auch Eli Young Band, als ganz heiße Kandidaten für einen künftigen Major-Deal.

Die Songs sind allesamt melodisch und eingängig, abwechslungsreich, was Stil und Tempo angeht, authentisch und teilweise auch witzig, sprich, hier steckt ein immenses Potential an Massenkompatibilität dahinter, ohne dass man Angst haben müsste, dass sich die Burschen selbst unter diesen Bedingungen allzu sehr verbiegen lassen würden. Dass dieser JB Patterson den Schalk im Nacken sitzen hat und auch mit einer genüsslichen Portion Selbstironie an die Sache geht (irgendwie hat man bei ihm das Gefühl, ein Augenzwinkern ist immer mit dabei), was mir übrigens sehr gefällt und nahe kommt, darüber kann man sich in vielen Youtube-Clips ein Bild machen.

Der Opener und Titelsong mit seinem kurzen knappen wie präzisen Statement im Refrain „Down here in Texas is beer for breakfast“ prescht launig im Uptempo durch die Boxen und findet bereits die verdiente Aufmerksamkeit in den dortigen Music Charts. Voll ins Herz trifft Patterson bei mir als Besitzer eines (ich denke, mich auch recht stark liebenden) Labradors bei Track 5, wenn er singt „why can’t she be more like my dog?“ (eine humorvolle Hommage an die Herrchen dieser Welt und ihre allseits bekannten, mannestypischen Eigenheiten). Ob der Text bei meiner Frau ebenfalls so gut ankommt, steht dabei allerdings auf einem anderen Blatt Papier…

Auch das mit Ex-Shooter Jennings-Gitarrist Leroy Powell zusammen komponierte „Hell To Pay“, ein zwischen Molly Hatchet und Lynyrd Skynyrd zu deren Bestzeiten pendelnder, deftig stampfender, gitarrenlastiger Southern Rocker, besticht mit seiner klaren Ansage „you better give me my money or you got hell to pay“. Satte E-guitar-getränkte Stücke wie „Ride“ oder das mit Redneck-Flair behaftete „Yes“ dürften Liebhabern des Genres ebenfalls einen Mordsspaß bereiten.

Toll dazu passend die Gastmusiker Shawn Fichter (percussion), Fiddle-Artist Rob Hajacos und Steel-Schwergewicht Mike Johnson, die dem Sound des Vierers mit filigranem und nie aufdringlichem Spiel viel Zusatzwürze verleihen. Am Ende gibt es mit dem ganz dezent Hip Hop-umwobenen „I’m Down“ und „Perfect Girl“ zwei voller Hitpotential steckende Bonustracks, die einmal mehr den angenehmen Humor von Patterson & Co. reflektieren.

Mit „Beer For Breakfast“ sind JB & The Moonshine Band vierzehn frisch gezapfte Songs gelungen, die in musikalischer Hinsicht, wie auch dem ganzen Drumherum (auch das Cover mit dem angedeuteten, verkatert wirkenden Patterson samt dickem Humpen vor Eier & Speck-Sandwich passt vorzüglich) voll überzeugen und Durst nach Mehr machen. Ich persönlich habe diesen fröhlichen Frühschoppen jedenfalls mit großer Wonne mitgenommen. Und ganz nebenbei – eigentlich ist es bei diesem schönen Wetter doch schon irgendwie wieder Zeit für ein Bierchen, oder nicht?

Average Joes Entertainment (2012)
Stil:  Red Dirt

01. Beer For Breakfast
02. Kiss Me That Way
03. No Better Than This
04. Edge Of The Road
05. More Like My Dog
06. Hell To Pay
07. Smith County Line
08. Ride
09. The Only Drug
10. Black And White
11. I Don’t Care
12. Yes

Bonus Tracks:
13. I’m Down
14. Perfect Girl

David Grissom
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Bärchen Records

Blue Dogs – Live At Workplay – CD-Review

Wem die großartige Live-DVD der Blue Dogs, eingespielt im House of Blues (übrigens im Vorprogramm von Edwin McCain), doch ein wenig zu kurz geraten war, der (und natürlich auch alle anderen) darf und wird sich nun mit der neuen, fantastischen Live-Scheibe über reichhaltigen Nachschlag von der aktuellen „Halos and good buys“-Tour freuen.

Wunderbares Konzert der Truppe aus Charleston/South Carolina, bestehend aus den Gründungsmitgliedern Bobby Houck (Lead Vocals, Acoustic guitar) und Hank Futch (Bass, lead vocals, acoustic guitar), sowie den ebenfalls schon recht lange zum Line-Up zählenden Greg Walker (Drums, percussion) und David Stewart (Electric Guitar), aufgenommen am 21. Januar 2005 im Workplay Theatre von Birmingham/Alabama, die die Genre-Fans mit ihrem exzellenten, spieltechnisch brillanten, dabei genauso knackig wie entspannt und locker rüberkommenden, herrlichen Rootsrock-/Americana-Rock/Countryrock-Auftritt wieder einmal vollends begeistern. Unglaublich gut produzierter, trockener, sauberer Sound!

Eindrucksvoll erbringen sie wieder einmal den Beweis, zu welch herausragenden Leistungen sie auch auf der Bühne in der Lage sind. Siebzehn, durchweg großartige Songs (über 70 Minuten Spielzeit), wobei die Zeit wie im Fluge zu vergehen scheint! Den Auftakt bilden die beiden auch schon auf der DVD vertretenden Nummern „Cosmic Cowboy“ (schöner Countryrock-Twang-Song mit dezentem Southern-Flair, erinnert zuweilen gar etwas an die frühen Outlwas) und „The Way Back! (rhythmisches Sprechgesangstück mit Endloscharakter).

Einen Hauch texanischer Note versprüht im Anschluss das starke „Sister“ (irgendwo zwischen Django Walker und Pat Green). Danach wird eine wunderbar melodischer Rootsrock-(Pop)-Abschnitt eingeläutet (herausragend, wie die Blue Dogs in der Lage sind radiofreundliche Melodienbögen und erdioge Rootsrock-Ursprünglichkeit zu vereinen), wobei mit dem flotten, flockigen, countryrockigen „Missed It By A Mile“ (klasse Akusik-/E-Gitarren-Schlagabtausch) und „I’m All About You“ zwei bisher unveröffentlichte Stücke Einzug erhalten. Ab dem wunderschönen „Half Of My Mistakes“ (geschrieben von Bobby Houck zusammen mit Radney Foster; Bobby tritt nicht nur hier, neben seinen immensen Fähigkeiten als Songwriter und Sänger, den Beweis an, welch starker Akustikgitarrist er ist), vom grandiosen „Halos And Good Buys“-Album, folgt eine vier Songs umfassende, akustische Solo-Einlage der beiden Gründungsmitglieder, wobei Hank Futch mit drei recht traditionell anmutenden, textlich amüsanten Country-Liedern den Schwerpunkt bildet.

Auch danach jagt weiterhin ein Knaller den anderen. Das countryfizierte Paradestück der Band „Make Your Mama Proud“ mit seinen wunderbaren, melodischen Tempobreaks (tolle Gesangsleistung von Bobby), das grandiose Lyle-Lovett-Cover „LA County“ von dessen legendärem 88iger „Pontiac“-Album (wieder herrliches Texas-Flair“), „Isabelle“ (bärenstarke Duo-Vorstellung der Gitarristen Houck und Stewart), das leicht poppige „Sweet Love“, und zu guter Letzt eine gut fünf-minütige, saustarke, knackige Version der von Cary Hudson und Laurie Stirratt gechriebenen Blue-Mountain-Nummer „Blue Canoe“, die zudem den Hang der Blue Dogs zum Southern Rock, wen wundert dies bei ihrer Herkunft, eindrucksvoll demonstriert (traumhafte Mischung aus countryorientierterem Allman Brother-mäßigem und flottem Marshall-Tucker-inspiriertem Sound, mit furiosem Gitarrenfinish)!

Bobby Houcks Stimme klingt stark wie nie, die restlichen Bandmitglieder harmonieren gewohnt mit blindem Verständnis. David Stewart’s auf den Punkt gebrachten Stratocaster-Demonstrationen suchen ihresgleichen. Dreckiger, kraftvoller, aber immer wundervoll melodischer Rootsrock, dezentes Southern- und Texas-Flair, sowie schöne Country-Songs werden zu einer abwechslungsreichen und äußerst hingebungsvollen, sympathischen Performance vereint.

Ein tolles, überaus niveauvolles, handwerklich perfektes Live-Album mit allen Finessen, Genre-übergreifend, für die Fans ein Muß und darüber hinaus kompatibel für jeden, der sich einmal an die beschriebenen Stilarten herantrauen möchte. Die Blue Dogs in Bestform! Die Vorfreude auf einen hoffentlich bald folgendes Studio-Meisterwerk steigt immens. Kommt im Digi-Pack mit eingelegtem, vierseitigem Booklet, das alle wichtigen Infos enthält!

Black River Records (2006)
Stil:  Country Rock

01. Cosmic Cowboy
02. The Way Back
03. Sister
04. Missed It By A Mile
05. My Forever You
06. I’m All About You
07. Always As We Know It
08. Bill Bill
09. Half Of My Mistakes
10. Children Go Where I Send Thee
11. Conversation With A Mule
12. Baby’s Coming Home
13. Make Your Mama Proud
14. La County
15. Isabelle
16. Your Sweet Love
17. Blue Canoe

Blue Dogs
Bärchen Records

Jack Ingram – This Is It – CD-Review

Brandneues, großartiges Studio-Album von Jack Ingram! Seit seinem Wechsel zu Scott Borchettas „Big Machine Records“-Label im Jahre 2005 läuft es bei Jack Ingram „wie der Teufel“. Sein künstlerisches und musikalisches Potential war eigentlich von jeher unbestritten. Den Labels zuvor gelang es aber nicht (aus welchen schleierhaften Gründen auch immer), Ingram einem größeren Publikum transparent zu machen als seiner eher regional orientierten, texanischen Fangemeinde.

Das sollte sich jedoch mit seinem letzten Live-Album und den dort beinhalteten Studio-Tracks „Wherever You Are“ und „Love You“ vehement ändern, denn beide schlugen in Nashville wie eine Bombe ein und katapultierten sich nacheinander auf die Nummer 1 der Billboard Country Singles-Charts! (Übrigens sind diese Nummern auch hier noch einmal enthalten, -eine tolle Sache für alle, die auf das Live-Album verzichtet haben-, zusätzlich sogar auch noch als Videoclips, -das starke „Love You“ mit seiner humorvollen Pointe ist absolut sehenswert!)

So macht „This is it“ prinzipiell genau da weiter, wo die beiden letzten Studiotracks des Live-Albums aufgehört haben. Knackiger, angerockter New Country voller Energie und Biß! Klar, die Tendenz zu etwas Mainstream-haltigeren und Radio-freundlicheren Stücken ist unverkennbar, trotzdem lässt Jack seinen ursprünglichen, trockenen texanischen Charme niemals aussen vor. Zudem baut er einmal mehr auf vorzügliches Songmaterial! So werden „die Fans der ersten Stunde“ mit dem Resultat sicher sehr gut leben können.

Jack Ingram hat den Spagat vom rootsigen Texas-Countryrock zum Mainstream Nashville New Country prima hinbekommen. Die CD legt direkt mit drei „Knallern“ am Stück los: Der von Radney Foster (Jack ist ein großer Fan von ihm) mitkomponierte, melodische, knackig kernige Heartland-Countryrocker „Measure Of A Man“ besticht durch seine klasse Tempobreaks und die schönen, saftigen E-Gitarren in Verbindung mit tollen Manolinen-/Steelguitar- und Orgel-Ergänzungen.

Das ebenfalls recht kraftvolle „Hold On“ bekommt durch die im zweiten Abschnitt von Sheryl Crow eingeflochtenen Harmonies seine prägnante Note, und mit „Lips Of An Angel“ setzt Ingram dem Song der in den Staaten recht angesagten Modern Rock-Truppe „Hinder“ seinen eigenen Stempel auf. Diese fette Power-Ballade ist gleichzeitig die erste Single und schon wieder auf dem Weg Richtung Spitzer der Charts! Toll hier einmal mehr die Steel- und Orgel-Arbeit. Die Fiddle- und Streicherpassagen verleihen dem Song gegen Ende einen angenehmen, aber nicht nerviges, poppiges Ambiente.

In Zusammenarbeit mit Toddd Snider entstand das rootsige, trockene „Easy As 1, 2,3 (part II)“, ein von Akustik-, Steel- und E-Gitarren dominierter Song (Refrain Richtung Tom Petty) mit knackigem Verlauf. „Ava Adele“ ist ein seiner Tochter in recht intimer emotional warmer Art gewidmetes Stück. Weitere Highlights sind das großartige „Make A Wish (Coming Home Again)“ eine würzige New Country-Nummer mit John Mellencamp’schem Heartland-Flair, der furiose an Chris Knight erinnernde Countryrocker „The Great Divide“ (starker Text, das Lied steigert sich kontinuierlich in seiner Ausdruckskraft, klasse das emotionale Break und die vorzügliche Slidegitarrenarbeit), wie auch das in der frechen, unbekümmerten Art der Warren Brothers abgelieferte „Maybe She’ll Get Lonely“ (klasse E-Gitarre, Steel-Fills und schöne Harmonies).

Zum Abschluss präsentiert Ingram mit „All I Can Do“ in „rauchiger“, erdiger Stimmlage noch eine sehr starke, ein dezentes Westcoast-Feeling vermittelnde New Country-/Americana-Nummer mit angenehmen Piano und Akustikgitarre-Klängen, die durch eine plötzlich und recht überraschend integrierte Horn-Section mächtig Volumen gewinnt, um am Ende aber wieder entspannt und locker auszuklingen. Alles in allem ist „This Is It“ ein durch und durch in sich stimmiges, klasse Werk geworden, das der Intention Jack Ingram einem größeren Publikum vorzustellen, voll und ganz gerecht wird. Die Türen in Nashville sind geöffnet! Wir konstatieren deshalb in anerkennender Zustimmung: „Yes Jack, that is it“!

Big Machine Records (2007)
Stil: Country Rock

01. Measure Of A Man
02. Hold On
03. Lips Of An Angel
04. Wherever You Are
05. Love You
06. Easy As 1, 2, 3 (Part II)
07. Ave Adele
08. Make A Wish (Coming Home Again)
09. Great Divide
10. Don’t Want To Hurt
11. Maybe She’ll Get Lonely
12. All I Can Do

Jack Ingram
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Bärchen Records