Steve Broderick & The 100 Watts Suns – Same – EP-Review

Der New Yorker Musiker Steve Broderick ist 2007 erstmals als Solokünstler mit einem nach sich selbst betitelten Album in Erscheinung getreten. Zuvor war er mal Bestandteil des hier in unserem Magazin hochgelobten Trans-Siberian Orchestras, bei dem für ihn mit einem ausverkauften Gig im Madison Square Garden ein Traum in Erfüllung ging.

Jetzt versucht er mit einer EP und neuer Begleitcombo, den The 100 Watt Suns, bestehend aus Dan Watson (guitar, bgv), Bill Light (guitar, bgv), Don Culps (drums) und Marty Maroney (bass) an sein Debüt anzuknüpfen. Fünf Stücke in knapp 16 Minuten, nach dem Motto ‚in der Kürze liegt die Würze‘.

Seine Musik ist als bodenständige, gradlinige und ehrliche Rockmusik zu bezeichnen, die ihre Inspiration aus den Siebzigern zu schöpfen scheint, allerdings ohne die zeitgenössischen experimentellen Ausschweifungen. Schon der Opener „You Can’t Hide“ pendelt irgendwo zwischen „Wild Wild Angels“ von Smokie und dem Eagles-Klassiker „Lyin‘ Eyes“. Stimmlich bewegt sich Broderick ungefähr in Sphären von Chris Norman und Dan Baird.

Auch die folgenden Stücke rocken sehr melodisch vor sich hin (ein Hauch der Stones ist auch immer irgendwie dabei), wobei oftmals E-Slidegitarren surren. Zusatzakzente setzen mal eine verspielte, mandolinenartige Akustikgitarre beim an die Hooters erinnernden „A Little Caffeine“, eine Southern Rock-verdächtige E-Gitarre auf „Couldn’t Hold A Candle“ oder eine dezente Harp beim bereits erwähnten Auftaktstück. Klasse Tempowechsel enthält die Neuversion von „Fifty Fifty“, das schon auf dem Debüt präsent war.

Zum Abschluss gibt es mit dem orgelunterlegten „Round The Bend“ (klammerbluestauglich) einen soulig balladesken Schwofer mit schönen E-Fills und einem Slide-Solo zum Ausklang. Dieses kurze knappe Werk macht Lust auf mehr für Leute, die sich gerne im Dunstkreis von Interpreten wie Smokie, Quireboys, Georgia Satellites oder Dirty Guv’nahs & Co. bewegen. Musik nicht mehr für die großen Bühnen der Welt, aber für kleine verräucherte Clubs, bei denen man Live-Atmosphäre von Angesicht zu Angesicht noch richtig ‚einatmen‘ und genießen kann. Fazit: Kurz und gut!

Eigenprodution (2013)
Stil: Rock & More

01. You Can’t Hide
02. Couldn’t Hold A Candle
03. A Little Caffeine
04. Fifty Fifty
05. Round The Bend

The 100 Watt Suns
Steve Broderick & The 100 Watt Suns
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Hemifran

Bottle Rockets / LIVE In Heilbronn – CD-Review

Ich war eigentlich nie so ein ganz großer Fan von Live-CDs, und im Prinzip halte ich sie im Zeitalter der DVD mittlerweile auch für ziemlich überholt. Klar, sicherlich kommt es auch immer auf das Budget an, nicht bei jeder Band kann oder wird da aus dem Vollen geschöpft. Irgendwo ist es aber schon eine andere Geschichte, von einem Event auch die Bilder gleich mit dazu geliefert zu bekommen, als wenn nur (sei es auch gute) Musik, ein paar Ansagen des Frontinterpreten und der gezollte Beifall aus den Boxen entgegengerauscht kommen. Die DVD hat einfach den Vorteil, dass man so ein Ereignis atmosphärisch besser nachvollziehen kann. Ideal natürlich, wenn man direkt live dabei gewesen ist, dann erfüllt für den Einzelnen auch die CD-Version sicherlich ihren Sinn.

Im Falle der Bottle Rockets hat ‚Blue Rose‘ einen ganz akzeptablen Mittelweg gefunden, zumal vermutlich hier auch die rechtlichen Bindungen der Band eine Rolle gespielt haben. Eine liebevoll gestaltete Doppel-CD, randvoll mit dem kompletten Konzert, ergänzt mit zwei Videos der Songs „Get Down River“ (voller Country-Flair) und „Nancy Sinatra“ (klasse Rhythmuswechsel), die einen Nichtbesucher wie mich, dann doch schon im Nachhinein ein wenig neidisch zurücklassen. Wer dieses Konzert mit Leib und Seele live erlebt hat, darf sich wohl glücklich schätzen. Die Truppe um die Urmitglieder Brian Henneman und Mark Ortmann hat an diesem Abend zweifellos ihr Können bis aufs Maximum ausgereizt. Schade, dass solche Bands zumeist nur in südlichen Gefilden ihre Aufwartung machen, der Westen ist und bleibt wohl in Sachen Americana, Roots und Country Rock weiter Entwicklungsland.

Das Bürgerhaus Böckingen in Heilbronn ist so was wie der Heimspielort von ‚Blue Rose Records‘, von daher kann man nachvollziehen, dass Label-Chef Edgar Heckmann diese Location für solch ein einzigartiges Ereignis ausgewählt hatte, zumal es die Bottle Rockets live bis dato noch nicht auf Tonträger gab. Zudem hatte Leader Brian Henneman an diesem Abend Geburtstag, was sich natürlich noch zusätzlich positiv auf das Stimmungsbarometer auswirkte. Und so gab es zu Beginn direkt das obligatorische Ständchen des gut aufgelegten Publikums.

Danach startet mit dem polternden „Trailer Mama“ bis zur letzten Zugabe, dem 12-minütigen Neil Young-Cover „Cortez The Killer“ mit seinen endlos erscheinenden E-Soli, eine Demonstration in Sachen Americana, Roots-Country-Southern-Rock, wie man sie an Intensität und Spielfreunde wohl nur selten erleben kann. So konstatiert Brian immer wieder zwischendurch „I’m sweating my ass off“, was durch den auf CD2 beigefügten Videobeweis nachhaltig untermauert wird. Adrenalin pur! Furioses, variables, meist rauhes Zusammenwirken (mal retro, mal psychedelisch, mal slide-mäßig, mal southern) an den Gitarren von Henneman und James Horton (der vielen im Zusammenhang mit Jay Farrars Son Volt bekannt sein wird), dazu das powernde Bass-Spiel des zweiten Neulings Steve Voegele, und natürlich das kraftvolle, effektive Gehämmere von Mark Ortmann am Schlagzeug, das manchen der vielen Uptemposongs sogar zum Teil dezent-punkige Anstriche („Gotta Get Up“) verleiht.

Meine Favoriten. Die beiden knochentrocken gespielten, bekannten Hits „Alone In Bad Company“ und „24 Hours A Day“ oder das superfetzige „Gravity Fails“, die aber trotz allen Drives in melodischen Sphären dahinbretterten. Herrlich die Durchatmer, wie das traumhaft, entspannte „Kerosene“ (schöne E-Fills, langes E-Solo), das Doug Sahm-Stück „At The Crossroads“ (Southern-Flair – ABB meets MTB), oder das mit einem wunderbar kratzigen, aber sehr angenehmen Gitarrenrhythmus durchzogene, balladeske „Pot Of Gold“.

Nicht zuletzt wegen der zwei Neil Young-Cover zu empfehlen für Freunde der Kooperation Young & Crazy Horse, auch John Hiatt- und Dan Baird-Sympathisanten bis zu Jack Ingram-Anhängern kann dieses wirklich bärenstarke Konzert empfohlen werden. Eigentlich jeder, der sich für reife niveauvolle, gelebte Rockmusik interessiert, sollte seine CD-Sammlung mit diesem Doppel-Silberling bereichern. Mir bleibt als neidischem Rezensenten abschließend nur noch der verzweifelte Versuch des Appells an die Herren Henneman und Heckmann. Auch im Westen wird solch herrliche Musik gerne live gehört, und, wenn es irgendwie machbar sein sollte, bitte gleich eine DVD eines so denkwürdigen Ereignisses.

Blue Rose Records (2006)
Stil:  Country Rock

CD 1:
01. Intro Happy Birthday
02. Trailer Mama
03. I Wanna Come Home
04. Alone In Bad Company
05. Slo Toms
06. Get Down River
07. I’ll Be Coming Around
08. 1000 Dollar Car
09. Blue Sky
10. Nancy Sinatra
11. When I Was Dumb
12. 24 Hours A Day
13. Waitin‘ On A Train
14. Gas Girl
15. Cartoon Wisdom
16. Sometimes Found
17. Gravity Fails
18. Kerosene
19. Love Like A Truck
20. Indianapolis
21. Gotta Get Up
22. At The Crossroads

CD 2:
01. Welfare Music
02. Hey Hey, My My (Into The Black)
03. Pot Of Gold
04. Lonely Cowboy
05. She’s About A Mover
06. Cortez The Killer

Extras: 
07. Get Down River (Video)
08. Nancy Sinatra (Video)

Bottle Rockets
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Blue Rose Records

The Bluefields – Pure – CD-Review

Wenn sich drei potenzielle Platzhirsche zusammenfinden, ist das ja immer so eine Sache, besonders in den oft von Egoismus, Neid und Eifersüchteleien geprägten Künstlerkreisen. Wie so was trotzdem gut funktionieren kann, haben neulich Snakecharmer vorgemacht. Auch der Zusammenschluss von Dan Baird (Georgia Satellites), Warner E. Hodges (Jason & The Scorchers) und Joe Blanton (Royal Court Of China) als The Bluefields mit ‚Firmenadresse‘ in Nashville, Tennessee erweist sich als absolut erfreuliches Beispiel der Zunft.

Baird und Hodges haben ja bereits in Dan Bairds Homemade Sin-Projekt zusammengewirkt, Hodges und Blanton hatten zwar über zehn Jahre keinen Kontakt mehr, kannten sich aber aus der damaligen Cow Punk-Szene Nashvilles. Hodges brachte die drei dann endgültig zusammen und man begab sich für erste Songwriting-Sessions in Blantons eigenes Aufnahmestudio (wo das Werk letztendlich auch eingespielt und produziert wurde). Dort sprudelten nach eigener Aussage die Ideen nur so aus ihnen heraus und das tolle Ergebnis ist anhand ihres letztjährigen Debütalbums „Pure“ erwerbbar.

Joe Blanton hat den Großteil der Lead Vocals übernommen, Baird singt sporadisch, aber dann immer unverkennbar, bringt sein an Keith Richards-angelehntes E-Gitarrenspiel sowie dezente Keys ein, zupft dazu den Bass. Hodges konzentrierte sich auf sein umfassendes und variabel gestricktes Saitenkönnen. Als einzige Gäste liefern Michael Webb eine schöne B3 bei der schönen, atmosphärischen Ballade „Belong“ ab und Ex-Black Crowes-Mitglied Steve Gorman poltert kraftvoll in John Bonham-Gedächtnismanier auf seinem Schlagzeug herum.

Herrlich schon direkt der atmosphärisch und zart psychedelisch angehauchte Opener „What You Won’t Do“, der sich wie ein Konglomerat aus Great White, Led Zeppelin und Bad Co. schön introvertiert daher schleppt. Apropos Led Zeppelin. Reminiszenzen schimmern immer wieder durch, ganz offensichtlich in Stücken wie „Repair My Soul“ oder „She’s So Sick“ (mit geschickt getimtem Übergang in das countrybluesige „100 Watt Girl“).

Georgia Satellites-Anhänger bekommen ihre Dosis mittels des mit deren typischem E-Gitarren-Fuß-Wipp-Rhythmus versehenen „Bad Old Days“ und „If Not Now When“ sowie den von Baird eingesungenen herrlichen Balladen „Belong“ und „Lay It On The Line“ (inklusiv grandioser E-Soli).

Weitere Highlights in einer durchgehend guten Scheibe sind der herrlich dreckig polternde, kompakte Boogie „Flat Out Gone“ (sattes Speed-Drumming von Gorman, Twin-Spiel der Gitarristen) und das mit einem markanten Mandolinenriff geführte „Trainwreck“. Bei Letztgenanntem mit seiner eingängigen Refrainzeile sieht man die drei vorm geistigen Auge förmlich mit ihren Klampfen bei kühlem Biergenuss auf der Veranda in der schwülwarmen abendlichen Dämmerung der Südstaaten fröhlich dahinmusizieren und singen. Klasse!

Mit „Pure“ bescheren uns die ‚Blaufelds‘ wirklich ein pures Musikvergnügen. Das Schöne daran ist, dass dieses beeindruckende Projekt keine Eintagsfliege bleiben wird. In Kürze legen The Bluefields alias Joe Blanton, Dan Baird, Warner E. Hodges mit Brad Pemberton (Ryan Adams, Iodine) als neuem festen Drummer mit dem bereits eingespielten Nachfolger „Ramshackle“ das hoffentlich genauso gute Zweitwerk direkt hinterher. Stoff für Fans der o. a. Bands sowie ergänzend noch der Bottle Rockets, Blackberry Smoke oder Cold Truth. Großartig!

Underground Treehouse Records (2012)
Stil:  Country Rock

01. What You Won’t Do
02. Bad Old Days
03. Don’t Let Me Fall
04. Nobody Loves You
05. Belong
06. Repair My Soul
07. If Not Now When
08. Lay It On The Line
09. Flat Out Gone
10. Trainwreck
11. She’s So Thick/100 Watt Girl
12. Ain’t Nothin‘ Wrong
13. Done

The Bluefields
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Bärchen Records

Shy Blakeman – Long Distance Man – CD-Review

Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht, aber bei mir persönlich gibt es Interpreten, die man schon nach wenigen Tönen in sein Herz geschlossen hat und die einen dann auch fortan mit weiter begleiten, sofern sie etwas neues auf den Markt bringen. So ging es mir mit Shy Blakeman, als ich sein herrliches Vorgängerwerk Southern Roots Revival zum ersten Mal im Player liegen hatte, das er zu dem Zeitpunkt noch mit der Whiskey Fever Band eingespielt hatte, einer Truppe mit u.a. seinem Vater Skip und zwei Onkeln, mit denen Shy viele Jahre zusammen getourt hatte.

Die Whiskey Fever Band ist zunächst mal Schnee von gestern, zumindest was sein neues Album „Long Distance Man“ angeht, da hat er sich mit Shooter Jennings-Bassist Ted Russell Kemp zusammengetan, mit dem er mittlerweile richtig dick befreundet ist und der diese Scheibe produziert, viele Songs aus der eigenen Feder beigetragen und auch eine stattliche Anzahl von Instrumenten bedient hat. Ein wirklich gut harmonierendes Team!

Blakeman hat für seine knapp dreißig Jahre schon eine recht bewegte Vergangenheit. Aufgewachsen in Nord-Kalifornien, zogen die Eltern nach Texas, als er vierzehn war. Mit Zwanzig lebte er kurz in Queens, New York und versuchte sich zunächst in Stilen wie Punk, Ska und Funk Rock, bis er nach Texas zurückkehrte und sich so langsam seiner wahren musikalischen Berufung näherte.

2006 nahm er an der vierten Staffel von ‚Nashville Star‘ teil und belegte einen respektablen neunten Platz, konnte daraus im Gegensatz zu Sieger Chris Young aber keinen kommerziellen Nutzen ziehen. Seine Tätigkeiten als DJ, Print-Model, professioneller Skater und seine Schussverletzungen im Gesicht, die er sich im Zuge eines Raubes, in den er zufällig vor einem Musikclub in Dallas involviert wurde, zuzog, dienen als weitere Randnotizen zu einer interessanten Persönlichkeit.

Der eröffnende Titelsong seines aktuellen Albums „Long Distance Man“ lässt dann den Southern-Liebhaber direkt frohlocken. Nachdem er die Refrainzeile laut im Alleingang kurz proklamiert hat, gesellen sich ein gluckerndes E-Piano und kurz plusternde Bläser rhythmisch hinzu, wie man es früher auch von J.J. Cale des Öfteren kannte, allerdings hier wesentlich kräftiger. Mit Hinzunahme der E-Gitarren (u.a. von Marc Ford/Black Crowes und Kenny Vaughan gespielt) und den obligatorischen weiblichen Backing-Uuhs und -Aaahs der vorzüglich (auch im weiteren Verlauf der CD) harmoniesingenden Gia Ciambotti, sowie einer Orgel-/E-Solo-Kombi ist das coole, dezent swampige Gebräu perfekt.

Ganz stark auch das folgende „So Many Honky Tonks“ (»…so little time« – herrliche Gesangszeile!) bei dem beim E- und HT-Piano ein wenig Atlanta Rhythm Section-Feeling aufkommt. Surrende Slide Gitarren, klirrendes HT-Piano dominieren „Don’t It Make You Wanna Dance“, das phasenweise an die Quireboys erinnert. Lediglich „Dragon Fly“, bei dem Banjo, Dobro und Akustikgitarre eine tragende Rolle spielen, wird etwas auf die Bremse getreten, ein süffiges Gemisch aus Country, Cajun und Deltablues mit Band Of Heathens-Flair. „Swamp Water Whiskey“ (Skynyrd-/Allman Brothers-Bezüge) und ein Cover der Warren Brothers (auch ein äußerst empfehlenswertes Duo!) „Quarter To Three“ (mit Black Crowes-Touch) bringen satten, gitarrenbetonten Southern Rock. Klasse auch immer wieder das fette, poltrige Drumming von Jason Sutter.

Im zweiten Part (die Trackliste auf der Rückseite ist übrigens wie zu LP-Zeiten in A und B eingeteilt) kann Blakeman dem ersten, komplett überragenden Teil nicht mehr so ganz Stand halten. Hier verzettelt er sich dann ein wenig darin, dass er zu viele unterschiedliche Stile, in den für sich genommenen, eigentlich trotzdem guten Songs, aufeinander folgen lässt und den rot-(blau-weiß)en Faden von zuvor ein wenig verliert.

„Cannon Ball“ geht in die Singer/Sonwriter-Richtung (der Refrain mit seinem ‚Ladada-dadada‘ hat schon fast was von Simon & Garfunkel), „Old Folks Blues“ frönt sogar dem Dixieland Jazz (mit typischer Klarinette), „Easy Goin‘ Woman“ bewegt sich auf der Americana-Welle der Pettys und Mellencamps dieser Welt. Lediglich bei „Livin‘ Proof“ (Orgel/Slidegitarren) und dem Willis Alan Ramsey-Song „Satin Sheets“ (ich kenn das Lied nur von den legendären Bellamy Brothers) findet er wieder zu seinem swampigen Southern-Groove zurück. Das finale „Save A Little Room“ hat dann sowas wie folkigen Heartland-Charakter, hier lassen die Hooters grüßen.

Ingesamt ist „Long Distance Man“ aber wieder ein gutes, eigenwilliges Werk (auch mit viel Retro-Flair) eines jungen Wilden der Southern-Szene. Das Digipack kommt mit einem eingesteckten Vierseiter mit diversen Infos zum Album. Die Song-Texte können auf seiner Homepage nachgelesen werden. Das Covertitelbild mit ihm als Rennfahrer-Sonnenbrillentragender Ken Hutch-Verschnitt am Steuer eines Oldtimers, wo er sich lässig nach dem Motto ‚Zu mir oder zu dir, Baby?‘ nach hinten dreht, ist visuell amüsant in Szene gesetzt. Eine junge, coole Socke dieser Shy Blakeman, dazu noch musikalisch hochbegabt!

Winding Road Music (2010)
Stil:  Southern Rock & More

01. Long Distance Man
02. So Many Honky Tonks
03. Don’t It Make You Wanna Dance
04. Dragon Fly
05. Late Night Early Morning
06. Swamp Water Whiskey
07. A Quarter To Three
08. Cannon Ball
09. Old Folks Blues
10. Easy Goin‘ Woman
11. Livin‘ Proof
12. Satin Sheets
13. Save A Little Room

Shy Blakeman
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Bärchen Records

The Bois D’Arcs – Same – CD-Review

The Bois D’Arcs sind ein Quartett aus dem texanischen Örtchen Muenster. Die Stadt wurde einst von deutschen Siedlern gegründet, und viel westfälische Tradition, von der religiösen Gesinnung bis zu den Essgewohnheiten, wurde über den großen Teich hinüber transportiert und bis heute erhalten. Ob es auch noch Parallelen zum hiesigen studentischen Treiben und der begeisterten Fahrradaktivität gibt oder ein ähnlich schlechter Soccer-Club namens SC Preussen Muenster existiert, konnte die Recherche nicht endgültig klären. Sicher ist, dass dort neben einem Weihnachtsmarkt ein sogenanntes ‚Germanfest‘ etabliert ist, auf dem richtig gute Musik geboten wird. Hier sind die Jungs natürlich auch längst aufgetreten, Bilder davon kann man sich auf deren Homepage (s. unten) ansehen.

Kommen wir aber zum Album. Den furiosen Auftakt macht „Dead & Gone“, ein stampfender Southern-Rocker der Extraklasse, bei dem die herrliche Gitarrenarbeit von Chris Stewart und der rotzig dreckige und hochgradig charismatische Gesang von Bandleader Shayne Wimmer (kein Nachfahre von Hacki Wimmer) herausragen. Vielleicht so was wie die etwas verspätete texanische Antwort auf Skynyrds „Gimme Three Steps“.

Neben einigen melodischen Midtempo-Songs mit viel Southern Flair („Sick Of It All“, „Feel Alright“, „Better Off Tonight“), gibt es auch richtig schön flott dargebotene, Steel-getränkte Countryheuler („Wasted“ – mit fast heiseren Harmoniegesängen, die zum Mitgrölen anregen, „Take Me As I Am“ und „Give It One More Chance“- beide mit Retro-Touch), die das Tanzbein und die Feierlaune im Manne animieren. Ganz hervorragend kommt das mit Mandoline und filigranem Dobro-Spiel verzierte und herrlich entspannte „Backroads To Texas“ (an der Grenze zum Bluegrass, Richtung Pat Green, Django Walker), bei dem Gastmusiker Milo Deering großartige Akzente zu setzen vermag.

Wer bei den balladesken Songs mit wunderbarem Akustik- und E-Gitarrenspiel wie „You’ll Feel Better“ oder „I’ll Be The One“ nicht unweigerlich eine Gänsehaut bekommt (grandiose Gesangsvorstellung von Wimmer), dem muss ich attestieren, dass die sich in unserer Gesellschaft rasant verbreitende innerliche Verrohung der Menschen auch auf ihn bereits übertragen hat. Da kann dann nur noch eine ganz gezielte Musiktherapie mittels des hier federführenden SoS-Psychologen helfen.

Als Rausschmeißer lassen Wimmer & Co. mit dem Psychedelic-Rocker „The Day“ am Schluss noch mal richtig Dampf ab, und beenden ein super-starkes Werk, bei dem man Schwachstellen wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen kann.

The Bois D’Arcs haben mit ihrem zweiten, nach sich selbst betiteltem Album (produziert hat übrigens der umtriebige Alles-Könner Erik Herbst, der u. a. auch die recht ähnlich veranlagte Eli Young Band schon betreute) eine brillante Mischung aus Country, Rock, Southern Rock, Red Dirt, Blues, Honky-Tonk und dezenten Bluegrass-Elementen hingelegt, so dass ihr wohl auch nur in Insiderkreisen bekanntes Debütalbum „Horseapple Pie & Lemonade“ schon ganz oben auf der Liste meiner künftigen CD-Besorgungen notiert ist.

Eigenprodution (2006)
Stil:  Red Dirt

01. Dead & Gone
02. Sick Of It All
03. Wasted
04. Feel All Right
05. Better Off Tonight
06. Backroads Of Texas
07. Take Me As I Am
08. You’ll Feel Better
09. I’ll Be The One
10. Give It One More Chance
11. The Day

The Bois D’Arcs
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Bärchen Records

Eric Clapton & Friends – The Breeze – An Application Of JJ Cale – CD-Review

Ich bin mir sicher, dass es vermutlich kaum eine weitere Person so hart getroffen hat wie Eric Clapton, als er im letzten Jahr vom plötzlichen Herzinfarkt-Tod JJ Cales, einem seiner größten musikalischen Einflussgeber, erfahren hatte. Auch ich war natürlich traurig über den Verlust des eigenbrötlerischen Singer/Sonwriters aus Tulsa/Oklahoma, der in meiner Tonträger-Sammlung mit recht vielen Exemplaren vertreten ist.

Zumal mich auch ein besonderes Erlebnis mit ihm verbindet. Ich erinnere mich noch genau, wie ich am Tage meines 18. Geburtstages an einem regnerischen Montagmorgen (es war Rosenmontag) mit ca. 30 Bekannten/Schulkameraden im 16qm großen Raum meines kleinen Appartements im Haus meiner Eltern in einer Kombination aus Geburtstagsfeier und Frühschoppen bei belegten Brötchen und jeder Menge Bier in feucht-fröhlicher Stimmung zusammenhockte. Einer von diesen hatte mir Cales gerade herausgekommene LP „Shades“ geschenkt, die dann natürlich als Kontrast zum Karnevals-Gedudel auch auf den Plattenteller geworfen wurde. Später wurde dann in einer damals legendären Rheinberger Rockkneipe bis in die späten Abendstunden (sofern man noch konnte…) weitergefeiert.

Eric Clapton, der sich mit The Road To Escondido, in Form einer direkten Zusammenarbeit mit Cale, vor einigen Jahren einen großen Wunsch erfüllt hatte, hat jetzt nochmals einen illustren Kreis an Musikern (zum Teil auch aus dem Dunstkreis seiner Crossroads Guitar Festivals) zusammengetragen, um seinem langjährigen Weggefährten post mortem Tribut zu zollen.

Angesichts der unbestrittenen Qualität der mitwirkenden Leute ist letzten Endes auch ein sehr schönes Werk entstanden, das den eigenwilligen Spirit des introvertierten Troubadours schön widerspiegelt. Mr. Slowhand ist bei allen Stücken gitarrentechnisch, sowie in Sachen Lead- oder Backingvocals vertreten. Auf „I’ll Be There (If You Ever Want Me)“ zeigt er, dass er es auch auf der Dobro kann.

Clapton eröffnet dann auch den aus insgesamt 16 Tracks bestehenden Reigen mit einer schönen Version von „Call Me The Breeze“. An diesem Stück hatte sich ja bereits John Mayer auf seinem letzten Werk Paradise Valley ebenfalls sehr gekonnt versucht, der hier auch bei starken Stücken wie „Lies“, „Magnolia“ oder „Don’t Wait“ erheblich mit von der Partie ist.

Eine der großen Überraschungen ist für mich persönlich Tom Petty. Der entpuppt sich auf Songs wie „Rock And Roll Records“ und „I Got The Same Old Blues“ (auch wenn hier Skynyrds legendäre Coverversion unerreicht bleibt) als Meister der Imitation. Er singt hier Cale zum Verwechseln ähnlich, sodass man teilweise meint, JJ hätte selbst vor dem Mikro gestanden.

Ein weiteres Schwergewicht auf diesm Album ist zweifelsohne Mark Knopfler. Traumhaft sein typisches Fingerpicking auf dem herrlich entspannten „Someday“. Da hat man nicht nur Lust, sowohl Cales alte Scheiben rauszukramen, als auch Marks Sologeschichten wie „Road To Philadelphia“ oder „Shangrila“, genau wie die alten Dire Straits-Sachen mal wieder einzuwerfen. Klasse dann vor allem das direkte Zusammentreffen von ihm und Eric auf „Train To Nowhere“, wo beide dann auf ihren Lieblingsgeräten mal richtig zaubern (auf „Someday“ ist es eher eine Knopfler-Solo-Performance).

Einen eher unauffälligen und soliden Gesangs-Part erledigt der mir nicht bekannte Singer/Songwriter Don White („Sensitive Kind“, „I’ll BeThere“ und „Train To Nowhere“). Lediglich Willie Nelson – zwar aufgrund seiner ebenfalls kauzigen Art durchaus mit Cale seelenverwandt – wirkt auf dieser Compilation trotz eigenwilliger Leistung ein wenig wie ein Fremdkörper. Sein durchaus gelungenenes countrylastiges „Songbird“ (klasse Slide von David Lindley, schön quäkige Harp von Michael Raphael), und das wirklich furchtbar schräg dahin genöhlte „Starbound“ wirken im geballten Stratocaster-Aufkommen der restlichen Stücke wie Fremdkörper. Ein Vince Gill wäre hier vielleicht die bessere Alternative gewesen. Weitere markante Gäste sind noch Leute wie Albert Lee, Derek Trucks, Reggie Young, Doyle Bramhall II, Don Preston, sowie die Cale-Veteranen Jim Karstein und Jamie Oldaker.

Am Ende darf man sich dann zusammen mit Eric und JJs langjähriger Begleiterin und Ehefrau Christine Lakeland bei „Crying Eyes“ eine Gedächtnis-Träne für John Weldon Cale alias JJ Cale aus dem Auge drücken. Insgesamt ist Eric Clapton, der mittlerweile ein Großteil seiner Freizeit auf Antigua verbringt (würde mir auch gut zu Gesicht stehen…) mit „The Breeze – An Appreciation Of JJ Cale“ ein sehr feinfühliges Tribut an den Meister der Laid Back-Gesangs- und Gitarrenkunst gelungen. R.I.P. JJ Cale!

Polydor/Universal (2013)
Stil:  Blues Rock / Country Rock

01. Call Me The Breeze (Vocals Eric Clapton)
02. Rock And Roll Records (Vocals Eric Clapton & Tom Petty)
03. Someday (Vocals Mark Knopfler)
04. Lies (Vocals John Mayer & Eric Clapton)
05. Sensitive Kind (Vocals Don White)
06. Cajun Moon (Vocals Eric Clapton)
07. Magnolia (Vocals John Mayer)
08. I Got The Same Old Blues (Vocals Tom Petty & Eric Clapton)
09. Songbird (Vocals Willie Nelson & Eric Clapton)
10. Since You Said Goodbye (Vocals Eric Clapton)
11. I’ll Be There (If You Ever Want Me) (Vocals Don White & Eric Clapton)
12. The Old Man And Me (Vocals Tom Petty)
13. Train To Nowhere (Vocals Mark Knopfler, Don White & Eric Clapton)
14. Starbound (Vocals Willie Nelson)
15. Don’t Wait (Vocals Eric Clapton & John Mayer)
16. Crying Eyes (Vocals Eric Clapton & Christine Lakeland)

Eric Clapton
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J.J. Cale

Melissa Etheridge – This Is M.E. – CD-Review

Da ich Melissa Etheridge nicht persönlich kenne, sind nachführende Ausführungen von mir eher als Mutmaßungen zu betrachten! Ich habe bei ihr immer so das Gefühl, dass neue Alben oft stärker von ihren momentanen Befindlichkeiten geprägt sind, als es oft bei anderen Künstlern ihres Kalibers der Fall ist, von finanziellen Interessen der Plattenfirma oder der reinen Befriedigung des selbstverliebten Egos.

Hatte ich den Eindruck, dass ihr (auch von mir besprochenes), sehr kontrovers aufgenommenes letztes Werk „4th Street Feeling„, noch immer unter den Nachwirkungen ihrer überstandenen Krebserkrankung und mehr denn je in Bezug auf die Scheidung von ihrer zweiten Ehefrau Tammy Lynn Michaels, mit all den vermutlich unerfreulichen Begleiterscheinungen rund um solche Sachen, entstanden war, bin ich nunmehr fest davon überzeugt, dass der neue Longplayer „This Is M.E.“ der mittlerweile 53-jährigen, aus Leavenworth, Kansas stammenden Protagonistin in einer Art ‚emotionalen Hochphase‘ kreiert und eingespielt wurde.

Ein schönes Wortspiel übrigens der Titel mit der Zweideutigkeit ihrer Initialen! Und er impliziert natürlich auch damit, die einzig wahre Melissa Etheridge präsentiert zu bekommen. Die neue CD strotzt nur so von positiver Energie und es macht durchgehend Spaß, Melissas scheinbar neu gewonnenem Lebensmut und dem daraus resultierenden kreativen Tatendrang, Folge zu leisten. Ein Grund dafür ist sicherlich auch ihre erneute, im Juni 2014 geschlossene eheliche Liason mit der Produzentin und Regisseurin Linda Wallem, der sie mit dem Abschluss-Track „Who Are You Waiting For“ eine höchst-sentimentale Ballade widmete und quasi als eine Art Heiratsantrag zum Anlass ihrer Hochzeit vorspielte.

Da sieht man die zweifache Grammy-Gewinnerin und Inhaberin eines Sternes auf dem ‚Hollywood Walk Of Fame‘ auch schon vorm geistigen Auge zum Abschluss ihrer kommenden Live-Konzerte, ähnlich wie damals bei „Please Forgive Me“ von „Skin“ vor dem Piano hocken, und ihrer aktuellen Gefühlswelt freien Lauf und die Eindrücke der jüngsten Vergangenheit Revue passieren lassen.

Auch der Titel des schönen melodischen Openers „I Won’t Be Alone Tonight“ und vor allem, wie die Titelzeile herausschreit, spricht Bände. Hier erscheint es, als wenn sie doch einigen angestauten emotionalen Ballast von sich abgeworfen hätte. Viele Songs von ihr entstanden in Zusammenarbeit mit angesagten Leuten wie Jerrod Bettis (Adel, One Republic, Eric Hutchinson, Gavin DeGraw), Jon Levine (Nelly Furtado, K’Naan, Selena Gomez), dem Rapper RoccStar (der hier aber nur Harmoniegesänge beisteuern darf) oder Jerry Wonda (Fugees, Mary J. Blige, Akon).

So haben sich dadurch einige momentan unabdingbar erscheinende Sachen wie Synthies, Drum-Loops und chorale ‚Ohohoh‘- und ‚Ladidadidei‘-Harmoniegesänge, die mir gerade auch in meiner geliebten Nashville-New Country-Szene z. T. mächtig auf den Keks gehen, eingeschlichen. Sie passen aufgrund ihrer erträglich gehaltenen Dosierung aber hier zur Struktur der Lieder, meist im Stile ihres damals so erfolgreich eingeschlagenen Debütalbums gehalten, trotzdem ganz gut. Und ihre tolle variable Stimme leistet wie immer natürlich auch ein Übriges.

Weitere potentielle Hitkandidaten sind eingängige, zwischen Pop und Rock wandelnde Stücke wie das flockige „Take My Number“ , „A Little Hard Hearted“ (leicht beatleske Note), „Like A Preacher“ (mit schön passenden sakralen Piano- und Orgeltönen) oder das verspielt klingende „A Little Bit Of Me“, allesamt mit von hohem Wiedererkennungswert gekennzeichneten Refrains verziert.

Meine absoluten Favoriten sind allerdings das herrlich lässig, dezent bluesig, groovende „Do It Again“ (schöne Slide- und E-Gitarre), das an ihr „Bring Me Some Water“ erinnernde schroff rockende „Monster“, das cool dahinstampfende „All The Way Home“ (wieder klasse Gitarren, herrlich rotziger Gesang der Etheridge) oder das in der Tradition von Bon Jovis „Dead Or Alive“ gehaltene „Stranger Road“ (z. T. mit Banjo und Harp) mit viel staubigem Outlaw-Country-Flair.

Fazit. Melissa Etheridge legt auf dem deutschen Plattenlabel SPV mit „This Is M.E.“ ein sehr persönliches Album vor, das sie wieder in die Nähe ihrer stärksten Momente, wie beim Erstling oder bei „Skin“, bringt. Erstaunlich, wie gut sie es dabei schafft, moderne Komponenten mit ihrem doch eher sonst spartanisch angelegten Musikstil zu verbinden, ohne sich dabei allzu stark zu verleugnen. Ihre spürbar transportierte Euphorie wirkt dabei teilweise ansteckend und sehr authentisch. Alle Texte (wenn auch in absolut schwer lesbarer Mini-Miniaturschrift) und viele Bilder aus ihrem Musik- und Privatleben sind im beigefügten Booklet enthalten. Ein tolles weiterzuempfehlendes Werk!

SPV (2015)
Stil:  Rock & More

01. I Won’t Be Alone Tonight
02. Take My Number
03. A Little Hard Hearted
04. Do It Again
05. Monster
06. Ain’t That Bad
07. All The Way Home
08. Like A Preacher
09. Stranger Road
10. A Little Bit Of Me
11. Who Are You Waiting For

Melissa Etheridge
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Melissa Etheridge / 4th Street Feeling – Deluxe-Edition – CD-Review

Ich hatte zwar nach meinem ersten Hördurchgang schon eine gewisse Vorahnung, dass Melissa Etheridges neues Werk „4th Street Feeling“ kontroverse Reaktionen bei ihren Fans auslösen würde. Aber dass da dabei fast entweder nur absolut positive Statements oder im anderen Extrem Äußerungen wie »völlig daneben«, »Desaster« (in Anspielung auf Track sieben dieser CD) herauskommen würden, hat mich dann doch etwas überrascht.

Ob es meiner zunehmenden Altersweisheit geschuldet ist (der intensive Zuwachs des Grauanteils in einer Haarpracht in den letzten Jahren könnte ein Indiz dafür sein…), dass meine Beurteilung etwas entspannter und differenzierter ausfällt, lasse ich mal dahin gestellt. Aus meiner Sicht liegt die Wahrheit irgendwo mittendrin.
Obwohl ich zu der Künstlerin nie die ganz große Beziehung entwickelt habe, stelle ich fest, dass ich doch eine stattliche Anzahl ihrer musikalischen Outputs besitze, ihre ersten beiden Werke (aus der Zeit ihres kometenhaften Einstiegs ins Musikbusiness) sogar noch als LP. 1992 (ist das schon wieder so lange her?) nutze ich dann die Gelegenheit nach ihrer starken Scheibe „Skin“, sie mir mal leibhaftig in der Düsseldorfer Philipshalle im Rahmen ihrer „Live And Alone-Tour anzuschauen und war sichtlich beeindruckt von ihrem energiegeladenen und – für eine reine Soloperformance – ziemlich unterhaltsam gestalteten Auftritt.

Ich besorgte mir natürlich die kurz darauf folgende DVD und dann noch ihr „Lucky“-Album (1994), danach habe ich sie musikalisch ein wenig aus den Augen verloren. Ich habe natürlich ihre Krebserkrankung mitbekommen und mich gefreut, dass sie die Sache, so wie es übermittelt wurde, als geheilt geltend, überstanden hat. Sie ist halt eine überaus starke (nach meiner subjektiven Einschätzung aber auch recht schwierige und sehr auf sich fixierte) Persönlichkeit, wie es nicht nur der entschlossene Blick auf dem Cover des neuen Silberlings „4th Street Feeling“ vermuten lässt.

Ich halte die Deluxe-Version in den Händen (ergänzt um drei Bonus-Songs) und bin zunächst von der wuchtigen Aufmachung (inkl. des 28-seitigen eingesteckten Booklets, beindruckt. Sieht schon klasse aus, wenn man das Teil auseinander klappt und Frau Etheridge mit einem Golden Retriever vor einem 88er Delta (mit seiner ganzen Länge) posieren sieht. Das umfangreich bebilderte Heftchen beinhaltet alle Texte und einige handschriftliche Notizen Melissas zum Titeltrack, so dass man nachträglich ein wenig an der Intention und Entstehung des Songs teilhaben kann.

Laut eigener Aussage der 1961 geborenen, in Leavenworth, Kansas, aufgewachsenen Künstlerin, führt das Werk sie zu Ihren Anfängen zurück und arbeitet dabei auch so ein bisschen ihre Jugenderinnerungen auf, eine Phase, in der noch nichts von ihrem späteren Erfolg zu erahnen gewesen sei. Auf der 4th Street, der Hauptader ihres Geburtsorts (heute Highway 7), hing sie in ihrer Jugend mit ihren Bekannten wohl regelmäßig ab. Und so offerieren die beiden eröffnenden, geographisch betitelten, sehr schönen Lieder auch direkt den Bezug zur Intention des Werkes (das eingängige „Kansas City“ mit tollem Harp-Solo). Ein starker Auftakt – die Etheridge, wie man sie kennt und liebt.

Melissa hat übrigens alle Gitarrenparts im Alleingang bewältigt (eine absolut neue Herausforderung für sie) und den Rest durch die Mitglieder ihrer Tourband (Blair Sinta, Brett Simmons, Zac Rae) erledigen lassen. Für „Falling Up“ nutzte sie sogar eine Banjitar (sie hatte sie sich im Gutdünken, ein Banjo erworben zu haben, zugelegt).
Weitere starke Tracks wie „Disaster“, „I Can Wait“ oder „You Will“, die von der Melodik her mit auf „Skin“ hätten ihren Platz finden können, zählen zu meinen Favoriten.

Aber auch Songs wie das dezent Rockabilly-behaftete „Shout Now“, das mit schönen Stimmungswechseln versehene „The Shadow Of A Black Crow“, das cool groovende „Be Real“ oder das rockige „Sympathy“ (stoneskes Riff, hier hätte auch noch ein schönes HT-Piano ganz gut gepasst) sowie der relaxte, textlich toll konzipierte Schwofer „Rock And Roll Me“ wissen zu überzeugen.

Kommen wir zu den Sachen, die vermutlich der Auslöser für die zum Teil überzogene Kritik in negativer Hinsicht verantwortlich sein könnten. Mit „Enough Rain“, „A Sacred Heart“, und am Ende „The Beating Of My Heart“ sowie „Change The World“ (da passt der Refrain aus meiner Sicht so gar nicht zu den Strophen) gibt es hier sehr anstrengende, z. T. aggressiv und ein wenig psychedelisch angehauchte (was ja nicht unbedingt jedermanns Sache ist) und nicht gerade glücklich gewählte Phasen, die den Fluss und den Gesamtkontext des Albums stören.

Ich hätte an Ihrer Stelle im Hinblick auf 15 Songs mich doch eher für gelernte und eine etwas breitgefächerte Anzahl von Studiomusikern entschieden, die dem Werk, deutlich mehr Volumen und Abwechslung gegeben hätten. So ist dem hauptverantwortlichen Produzenten Jacquire King (Kings Of Leon, Norah Jones) zwar eine schön klare und künstlerbezogene (Etheridges einzigartiger Gesang und ihr Gitarrenspiel werden sehr transparent in den Mittelpunkt gestellt, vermutlich war das auch ihr Wunsch), rufen aber trotz der recht unterschiedlich gestalteten Lieder eine gewisse Monotonie (gerade was ihre Gitarrenkünste betrifft – oft sehr gleich klingende Intros) und Langatmigkeit hervor. Ich hätte hier persönlich eher zu einer Umsetzung durch die Nashville–Studiomusiker-Gilde, samt eines ihrer Erfolgsproduzenten, tendiert, die mit ihrem Können und ihrer spielerischen Kreativität für die Ausstaffierung solcher, eher ‚roh‘ klingender Songs prädestiniert gewesen wären.

Aber nichtsdestotrotz stehen auf „4th Street Feeling“ aus meiner Sicht elf gute Tracks vier, nicht ganz so prickelnden Sachen gegenüber, was im Prinzip zu einem überwiegend zufriedenstellenden Gesamtfazit führt. Mir hat die Begegnung mit Melissas Musik jedenfalls mal wieder ganz gut zugesagt. Imposant, wie bereits erwähnt, die tolle visuelle Aufmachung der Scheibe in der Deluxe-Version! Trotzdem bleibt „Skin“ dann doch weiterhin mit Abstand meine Lieblingsplatte von ihr.

Island Records (2012)
Stil:  Rock & More

01. Kansas City
02. 4th Street Feeling
03. Falling Up
04. Shout Now
05. The Shadow Of A Black Crow
06. Be Real
07. A Disaster
08. Sympathy
09. Enough Rain
10. A Sacred Heart
11. I Can Wait
12. Rock And Roll Me
13. You Will
14. The Beating Of Your Heart
15. Change The World

Melissa Etheridge
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Universal Music

John Fogerty – Wrote A Song For Everyone – CD-Review

Creedence Clearwater Revival standen mir von den designierten Supergruppen der siebziger Jahre aufgrund der Einbindung von Country-Elementen in ihren Rocksound immer schon am nächsten. Ihr unbestrittener Leader, John Fogerty, schrieb Lieder für die Ewigkeit und auch seine markante Stimme bleibt bis heute unverkennbar. Was seine Solo-Karriere betrifft, legte ich mir in gefühlt großen Abständen, immer wieder mal Werke von ihm zu. So fanden „Centerfield“ (1985) noch als LP, „Blue Moon Swamp“ (1997) und „Revival“ (2007) letztendlich in meine Sammlung, allesamt ganz ansprechende Scheiben, deren Songs aber die Ausstrahlungskraft, Wirkung und Anerkennung aus den CCR-Tagen (teilweise zu Unrecht) versagt blieben.

Jetzt machte mich sein „Wrote A Song For Everyone“-Projekt wieder neugierig, auf dem er mit vielen arrivierten Künstlerkollegen (zum Großteil aus der von mir so geliebten Nashville-Zunft) seine doch heute mittlerweile etwas angestaubt klingenden (aber immer noch faszinierenden) Hits neu eingespielt hat. Ich war gespannt, was die zum Teil höchstinteressant anmutenden Kombinationen an neuen Interpretationen hervorbringen würden. Und dazu gibt es mit „Mystic Highway“ und „Train Of Fools“ zwei neue Tracks zu begutachten.

Insgesamt ist das Werk auf jeden Fall aufgrund des hohen Abwechslungsreichtums und der durchgehend tollen Einspielungen von enormer Kurzweiligkeit gesegnet. Es macht großen Spaß, die alten Klassiker im neuen Gewand mal wieder aus den Boxen ertönen zu hören. Auch wenn die meisten Sänger gegen Fogerty relativ blass ansingen – lediglich Dave Grohl, Kid Rock und Jennifer Hudson versuchen da mal wirklich Paroli zu bieten – wobei letztgenannte als für mich als größte Überraschung des Albums auf der furiosen Gospel-, Country-, Soul-, Blues-Mix-Variante von „Proud Mary“ sämtliche Kollegen/innen (auch Fogerty) in Grund und Boden singt. Das große Highlight zum Ende der CD!

Katastrophal unglaublicher Weise die Gesangsleistung des ansonsten von mir sehr geschätzten Bob Seger. Mein Gott, was war denn mit dem los (vorm Gang ins Studio ein bisschen zu tief ins Glas geblickt…?) Selten einen Großen der Zunft so schräg nölen gehört. Man atmet regelrecht auf, wenn ihn die weiblichen Backgroundsinger mit Harmoniegesängen auffangen, bzw. Fogerty einsetzt. Dabei hat die Version von „Who’ll Stop The Rain“ mit integriertem „Against The Wind“-Flair trotzdem seine unverkennbare Handschrift. Deplatziert auch das spacig fiepende E-Solo von Rage Against The Machine-Gitarrist Tom Morello im rootsig gehaltenen Titelsong (ganz gute Vokalleistung bei diesem Lied auch von Miranda Lambert).

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen die richtig stark rockende Version von „Fortunate Son“ zum Auftakt mit den Foo Fighters (teilweise sogar richtig southern-rockig), das schön angeraut groovende, mit vielen Gitarrendetails (tolle Slide, starke Soli) gespickte „Lodi“ im Verbund mit seinen Söhnen Shane und Tyler und die herrlich relaxte Nashville-Version von „Have You Ever Seen The Rain“ mit Alan Jackson. Grandios hier die 1A-Garde der dortigen Studiomusiker wie Greg Morrow, Brent Mason, Stuart Duncan, Dan Dugmore & Co. im Hintergrund und vor allem bei der E-Gitarren-/Steel-/Fiddle-Solo-Kombination im Mittelteil des Liedes wirken zu hören. Das erklingt vielleicht zunächst unscheinbar, ist aber bei genauem Hinhören großes New Country-Kino.

Bands wie My Morning Jacket und Dawes bringen mit ihrem Indie-Einschlag zumindest einen ganz interessanten Kontrast in die Sache. Keith Urban (Ganjo, E-Gitarre) und Brad Paisley (Telecaster-Picking) überzeugen mit ihrem gewohnt fingerfertigen Saitenspiel. Die beiden neuen Stücke reihen sich aufgrund ihrer Retro-Note unmerklich in den Reigen der anderen Titel ein. „Mystic Highway“ klingt ein bisschen wie der alte Denver-Gassenhauer „Country Roads“, gebracht in einer Art wie sie wohl auch die Marshall Tucker Band bevorzugen würde. Schön hier die vielen Instrumentalfeinheiten (Mandolinenfills, Tambourine-Shaking) und -passagen (ausgedehntes Ende). Das raue „Train Of Fools“ bringt Fogerty im dezent introvertierten, gleichzeitig aber auch mahnenden Erzählstil von Johnny Cash, stark das markante E-Solo am Ende.

Aufgrund der vielschichtigen Präsentation macht John Fogertys „Wrote A Song For Everyone“ fast durchweg Spaß. Dazu gibt es ein im DigiPak eingelegtes dickes Booklet mit jeder Menge Backgroundinfos zu den Stücken und einigen schönen Fotos – von früher bis heute – von ihm (John sieht, ähnlich wie Willie Nelson mittlerweile fast aus wie ein alter Indianerhäuptling). Die Stücke demonstrieren erneut ihren zeitlosen Charakter und müssten eigentlich allen gefallen, die auf qualitative Rockmusik mit ihren angrenzenden Bereichen stehen. Somit insgesamt eine echte CD für Jedermann!

Vanguard Records, Sony Music (2013)
Stil: Country Rock

01. Fortunate Son (with Foo Fighters)
02. Almost Saturday Night (with Keith Urban)
03. Lodi (with Shane and Tyler Fogerty)
04. Mystic Highway
05. Wrote A Song For Everyone (with Miranda Lambert and Tom Morello)
06. Bad Moon Rising (with Zac Brown Band)
07. Long As I Can See The Light (with My Morning Jacket)
08. Born On The Bayou (with Kid Rock)
09. Train Of Fools
10. Someday Never Comes (with Dawes)
11. Who’ll Stop The Rain (with Bob Seger)
12. Hot Rod Heart (with Brad Paisley)
13. Have You Ever Seen The Rain (with Alan Jackson)
14. Proud Mary (with Jennifer Hudson feat. Allen Toussaint and Rebirth Brass Band)

John Fogerty
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Sony Music

Pat Green – Songs We Wish We’d Written II – CD-Review

Pat Green zählt zu den unbestrittenen Schwergewichten der Red Dirt-Szene und weit darüber hinaus. Der mehrfach Grammy-nominierte Singer/Songwriter bewegte sich seit dem von mir vor elf Jahren besprochenen Three Days beständig auf Major Label-Pfaden und weckte dank seiner mitreißenden Live-Shows und seinem Wechsel 2006 zu BNA auch Nashville-Begehrlichkeiten.

Mittlerweile ist er aber zu seinen Roots zurückgekehrt und frönt auf seinem zehnten Album wieder der Unabhängigkeit bei Sugar Hill Records. Als Einstieg wählte er die Neuauflage einer Cover-Geschichte („Songs We Wish We’d Written II“), die er 2001 mit Cory Morrow (einem weiteren sehr beliebten texanischen Interpreten) in Kooperation begonnen hatte.

Morrow ist hier nur noch sporadisch vertreten, gesanglich zu hören lediglich beim Lyle Lovett-Stück“If I Had A Boat“. Trotzdem hat Pat Green ganze Arbeit geleistet und ein tolles Werk zusammengestellt. Das Schöne daran ist, dass die auserwählten Lieder bis auf Tom Pettys (schön hier als Thomas Earl Petty in den Credits benannt) „Even The Losers“, als sich dynamisch aufbauende, pianoträchtige Powerballade konstruiert, und das von Warren Haynes für die Allman Brothers geschriebene „Soulshine“ (auch für Gov’t Mule verwendet) eher nur Insidern bekannt sein dürften.

Die „Soulshine“-Aufarbeitung von Green (mit dabei Gitarrenvirtuose Monte Montgomery an der Akustikklampfe) ist saustark, verfehlt eine Live-Version, die ich neulich mal von den aktuellen ABB auf YouTube gesehen habe, nur um Haaresbreite. Klasse der Abwechslungsreichtum, was die Art, Umsetzung und auch die hervorragend gewählte Anordnung der Tracks betrifft, die das Ganze zu einer äußerst kurzweiligen Geschichte machen. Die Spielzeit vergeht im Nu.

„All Just To Get To You“ von Texas-Blueser Joe Ely verwandelt Pat in eine für ihn typische Red Dirt-Version (Spaß bereiten hier die Slide-Gitarren). Beim folkigen „Streets Of Galilee“ verhilft er Jungtalent Aaron Lee Tasjan (auch Autor des Songs, gesangs- und spieltechnisch beteiligt) zu etwas Publicity. Shelby Lynnes „Jesus On A Greyhound“ (Mandofills, Slidegitarre) kommt im schönen Country Rock-Gewand daher.

Mein Lieblingsstück ist hier „Austin“ aus der Feder vom ebenfalls in Nashville sehr umtriebigen Songwriter Jon Randall. Eine herrliche HT-Nummer zum Mitwippen, veredelt mit Backing Vocals von Ex-Sons Of The Desert-Frontmann Drew Womack. Herrlich! Wunderbar melancholisch die Ballade „If It Weren’t For You“ (entspanntes E-Solo, traurige Fiddle) ursprünglich vom Songwriter-/Musiker-Duo Walt Wilkins und Liz Rose.

Mit „The World I Know“ knöpft sich Green einen Song einer Band, der jüngeren Generation nahe stehend, vor, nämlich von Collective Soul. Hier nahm er dann auch deren Chef Ed Roland direkt mit ins Boot. Eine power-folkige Meisterleistung garniert mit Banjo, starken Gitarren und atmosphärischem Violinenspiel. Am Ende lässt es Pat nochmal unter der Mithilfe von Jack Ingram beim Todd Snider-Song „I Am Too“ (Drum-Poltern, fette E-Soli) so richtig krachen – der wohl rockigste Track der CD.

„Songs We Wish We’d Written II“ von Pat Green macht richtig Spaß. Ein Silberling, der vom Protagonisten selbst bis hin zu allen restlichen Involvierten, sei es Originalautoren oder umsetzenden Musikern ungemein starkes Niveau vermittelt. Vor allem ein Cover-Album, das sich nicht der sonst üblichen Klischees bedient und von daher uneingeschränkt empfohlen werden kann! Dazu eine schöne Überbrückung bis zu Pats neuem eigenständigen Werk, für das er sich bereits im Songwriting-Prozess befindet und Anfang nächsten Jahres ins Studio gehen wird.

Sugar Hill/Vanguard Records (2012)
Stil:  Country Rock

01. All Just To Get To You
02. Streets Of Galilee
03. Jesus On A Greyhound
04. Even The Losers
05. Austin
06. If It Weren’t For You
07. Soulshine
08. The World I Know
09. If I Had A Boat
10. I Am Too

Pat Green
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Bärchen Records