Brighton Blues Cartel – 30.09.2022, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Nachdem ich mich beruflich durch eine anstrengende Woche gequält habe, die dazu noch von unangenehmen Rückenschmerzen begleitet wurde, stand ich kurz davor, dem Brighton Blues Cartel-Gig im kleinen urigen topos in Leverkusen, eine Absage zu erteilen.

Da Menschen wie meine Wenigkeit, die quasi ihr ganzes Leben mit Mehrfachbelastungen umgegangen sind, gelernt haben, auch mal auf die Zähne zu beißen, und dazu mein Instinkt, auf den ich mich musikalisch bisher fast immer verlassen konnte, mir gesagt hat, dass ich was besonders Gutes verpassen würde, habe ich mich dann doch auf den Weg gemacht.

Und wieder mal, in der Tat, musste ich mein Kommen nicht bereuen. Ganz im Gegenteil, was die Burschen um Danny Giles, Will Wilde und Steve Brook (dazu kam noch die bärenstark agierende Rhythmussektion mit Alan Taylor und Russel Carr) zum Startschuss ihrer Tour im topos ablieferten, war Blues und Rock vom Feinsten.

Da unsere etatmäßigen Fotografen verhindert waren, übernahm Klemens Kübber, der langjährige ‚Macher‘ des topos diesmal die Knipserei-Tätigkeit. Der schafft es immer wieder, allein, wenn man sich auch das kommende topos-Programm bis Dezember anschaut, solch tolle Acts durch geschickte Termine wie diesen, in die kleine Musikkneipe zu holen.

Gespielt wurde in zwei Sets. Bis zur Pause hatten dann zunächst Giles und dann Wilde Gelegenheit,  für ihre eigenen Projekte Werbung zu machen. Danny Giles spielte im Trio mit Taylor und Carr und ließ beim rockigen Kracher „Leave This Town“ zum Auftakt auf seinem quietsch-grünen Arbeitsgerät, sofort ordentlich ab.

Kein Wunder, dass er aufgrund seines quirligen Spiels (mit manchmal metal-artigem Esprit) zum Teil in Sphären eines Yngwie Malmsteen eingeordnet wird. Für mich eine schöne Zusatzkomponente, die man im Blues Rock eigentlich nicht so oft hört. Auch der engagierter Gesang, die mitnehmende kommunikative Art und seine strammes Erscheinungsbild, hinterließen bei der Audienz mächtig Eindruck.

Mit weiteren Stücken aus dem Album „More Is More“  wie „Won’t Let Love“, „Been There Twice“ (Led Zep-Note), „Hold On“ und dem herrlichen „Don’t Go Messin'“  (da fuchtelte  er beim finalen Solo auf,  über und unter dem Gitarrenhals ganz wild herum) war die erst gute halbe Stunde wie im Fluge herum. Starke Leistung des Briten-Trios.

Im fliegenden Übergang nahmen dann Gitarrist Steve Brook und Fronter Will Wilde seinen Platz auf der kleinen Bühne ein. Wo Cowboys früher ihre Patronengurte trugen, hatte Wilde die Sammlung seiner Mundharmonikas umgehangen. Brook, er und Taylor haben ein neues Band-Projekt mit Namen Bad Luck Friday am Start, aus dem dann Tracks wie „Jealous Woman“, „Take The Best Of Me“, „666 At The Crossroads“, „Dust & Bones“, „Low Down Dirty“ und „Mistress“ präsentiert wurden.

Eigentlich bin ich garnicht der große Fan von Harp-dominanter Blues Rock-Musik, die man hier hätte vermuten können. Will weiß aber sein Paradegerät so nuanciert einzusetzen, dass es nie nervt. Begeisternd vor allem seine Stimme, die immer wieder Assoziationen mit Paul Rodgers aufkommen ließen. Auch der meist posende und mähnenschüttelnde Brook brachte mit seinen eher im Rock-/Melodic Rock-verankerten Soli eine erfrischende Note in das musikalische Treiben des Quartetts. Das Ganze hatte was von Harp-umwehtem Bad Company-Rock.

Nach der Pause wurde es richtig eng auf der Bühne, als dann alle im Quintett, eine schöne Auswahl von unterschiedlichen Coverstücken zum Besten gaben. Das am Anfang performte, durch Whitesnake bekannt gewordene „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ war für mich dabei direkt das Highlight. Als sich Brook und Giles im Twin-Speed-Modus duellierten, schlug das Herz der Southern Rock-Fans ebenso schnell!

„Oh Pretty Woman“ von Gary Moore, der Muddy Waters-Schinken „Hooche Coochie Man“, das toll interpretierte Johnny Guitar Watson-Lied „Three Hours Past Midnight“, und der schunklige Canned Heat-Klassiker „Let’s Work Together“ als Zugabe rundeten einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend der etwas anderen Blues Rock-Musik auf schöne Weise ab.

Am Ende fragte mich Will an der Theke bei einer kurzen Unterhaltung noch, ob ich die neue neue CD der Bad Luck Family reviewen würde. Da musste ich angesichts der guten Leistung natürlich ohne Zögern einwilligen, die Besprechung wird dann demnächst auch hier zu lesen sein.

Auch wenn im wirtschaftlichen Bereich Kartellen zurecht ein negatives Image angelastet wird, darf man diesem musikalischen Zusammenschluss aus dem britischen Seebad, nur beste Hintergedanken attestieren. Wer Zeit und Gelegenheit besitzt, sollte sich die Gigs des  Brighton Blues Cartel auf der jetzt anstehenden Tour auf keinen Fall entgehen lassen. Absoluter Live-Tipp!

Line-up:
Danny Giles (lead vocals, electric guitar)
Will Wilde (lead vocals, harp)
Steve Brook (electric guitar, vocals)
Russel Carr (bass)
Alan Taylor (drums)

Bilder: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Will Wilde
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Danny Giles
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Bad Luck Friday
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topos Leverkusen

Orphan Jon And The Abandoned – Over The Pain – CD-Review

Hinter Orphan Jon And The Abandoned verbirgt sich eine Formation, bei der ihr Frontmann Jon English gute Musiker, im wechselnden Verbund, um sich versammelt. Wenn man auf das Cover der neuen Scheibe „Over The Pain“ und auf seine ganz in schwarz gekleidete Person (mit schwarzer Sonnenbrille und fettem Tattoo auf dem rechten Arm) blickt, ist man ohne Vorwissen zunächst geneigt zu meinen, dass es sich vielleicht um ein Heavy Metal-Werk handeln könnte.

Dem ist allerdings nicht so. Englisch stammt aus Bakersfield in Kalifornien (da wo auch der berühmte Sound herkommt, der die Countrymusik in Teilen mitgeprägt hat) und ist tief in der American Roots- und Blues-/Blues Rock-Musik verwurzelt. Seine Heimat schimmert aber in so manchen typisch rhythmisch groovenden Tracks wie u. a. dem Opener „Tight Dress“, „She“, „Broken Angel“ oder „Livin‘ My Life“ ganz dezent mit durch. Hier leisten Drummer Jason Blakely und Bassist Ray Sadolsky ganze Arbeit.

Englishs engagierter Gesang ist jetzt nicht der vor dem Herrn, macht ihn durch die Omnipräsenz und das überwiegende Songwriting von ihm, allerdings mit zur entscheidenden Persönlichkeit auf der Scheibe. Der heimliche Star ist jedoch der auch uns gut bekannte Musiker Alastair Greene, der hier ein regelrechtes (E-)Gitarrenfeuerwerk in allen Spielarten abliefert und ebenfalls am Songwriting stark beteiligt war.

Der gibt Stücken wie „Going Down To Mobile“ und „Redheaded Woman Blues“ ein tolles Deltablues-Flair und Sachen wie „Somewhere Salvation“, „Everyone Knows“ oder „Memories Of Me And You“ mit Slide- und konventionellen E-Gitarrenspiel, eine unverkennbare Southern Rock-Note. Die fulminanten Soli in allen drei Stücken werden Fans des Genres Tränen in die Augen treiben. Ganz großes Kino! Greene hat das Album auch produziert.

Markante Gastbeteiligungen gibt es noch von Rebecca Aguilar, die beim herrlichen Titelstück „Over The Pain“, einer wunderschöne Ballade, und dem gospelig swingenden Abschlusstrack „There’s No Need“ ihre Backgroundvocals beisteuert. Dazu kommen noch Walter Trout-Drummer Michael Leasure bei „Redheaded Woman Blues“ und Mike Malone (Ryan Bingham, Marc Ford) mit starken Keys (Tracks 3 und 12).

Fazit: Orphan Jon And The Abandoned legen mit „Over The Pain“ ein sehr kurzweiliges und abwechslungsreiches Werk vor, das sowohl in der Blues- als auch Southern Rock-Szene aus besagten Gründen ihre Anhängerschaft finden müsste. Der alles überragende Alastair Greene mit seinen famosen Gitarrenkünsten und der charismatische Fronter Jon English bilden dafür ein hervorragendes Grundgerüst.

Label: Vintage LaNell Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Tight Dress
02. She
03. Over The Pain
04. Got No Name (For Amy Marie)
05. Broken Angel
06. Going Down To Mobile
07. Livin‘ My Life
08. Somewhere Salvation
09. Redheaded Woman Blues (Acoustic)
10. Everone Knows
11. Memories Of Me And You
12. There’s No Need

Orphan Jon And The Abandoned
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Walter Trout – Ride – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Walter Trout, der inzwischen samt Familie seinen Wohnsitz vom sonnigen Kalifornien ins sandige Dänemark verlegt hat, bringt Mitte August sein mittlerweile 30. Soloalbum (!) heraus. Es erscheint bei Provogue Records, nachdem er dort seinen Vertrag verlängert hatte. Den Plattenvertrag dazu bekam der US-Blues-Rock-Gitarrist von seiner Frau und Managerin Marie anlässlich seines 70‘sten Geburtstages geschenkt.

Das Album heißt „Ride“ und ist eine musikalische und auch emotionale Zusammenfassung seines bisherigen, mitunter turbulenten Lebens, nach eigenem Bekunden eine Art von Vergangenheitsbewältigung. Wie viele andere Musiker auch, nutzte Trout die coronabedingte Zwangspause, um neues Material zu sammeln und legte damit den Grundstein für „Ride“, nachdem er zuletzt für sein Vorgängeralbum „Ordinary Madness“ 2020 auf der Bühne gestanden hatte.

Eingespielt wurde das Album in den kalifornischen Kingsize Studios, in denen Trout bereits mehrere Alben aufgenommen hatte. Begleitet wird Trout von seinem langjährigen Schlagzeuger Michael Leasure, dem Keyboarder Teddy „Zig Zag“ Andreadis und dem neuen Bassisten Jamie Hunting, sowie seinem Tourmanager Anthony Grisham, der allerdings nur auf Leave It All Behind“ zu hören ist.

Gleich zu Beginn pustet Trout mit dem gewaltigen Sound von „Ghosts“ die Boxen der HiFi-Anlage frei und stimmt die Zuhörer auf die kommenden 60 Minuten ein. Mit tosenden Gitarrenriffs erzählt er von Erinnerungen und Geistern, die ihn verfolgen, während der Titelsong „Ride“ im stampfenden Rhythmus eines Güterzuges ein Gefühl des amerikanischen Traumes der Freiheit erzeugt, so wie Trout es als kleiner Junge in seinem Elternhaus durch die vorbei rasenden Züge empfand.

Ganz anders hingegen das emotionale, melodiöse „Follow You Back Home“, in dem Trout die schwere Zeit einer zeitweiligen Trennung von seiner Frau verarbeitet. Das Besondere an diesem Song ist, dass er hier zum allerersten Mal überhaupt eine Streichergruppe zur Untermalung einsetzt.

Angesichts 400.000 Covid-Toter in den USA groovt „So Many Sad Goodbyes“ leicht düster vor sich hin und in dem wunderschön-traurigen Slowblues „Waiting For The Dawn“ mit teils sphärischen kristallklaren Gitarrenklängen kann Trout mit schwerem Herzen kaum die Morgendämmerung erwarten. Danach geht er im verzweifelt klingenden „Better Days Ahead“ mit harten Riffs der Frage nach dem Sinn des Lebens auf den Grund und in „High Is Low“ krächzt sich der Kalifornier, unterstützt von einer rauen Bluesharp, die Stimme aus dem Leib. Die Lyrics zu diesem Song hat übrigens Walters Ehefrau Marie beigesteuert.

Gemessen an Trouts bekanntem Gitarrenstil nimmt das leichtfüßige „Fertile Soil“ dann schon fast eine Sonderstellung ein. Es kommt ungemein countrymäßig mit Americana-Elementen daher und erinnert an den fruchtbaren Boden seiner Jugendzeit, als er in einer Schülerband mitspielte.

Das folgende Stück „I Worry Too Much“ wartet dann wieder mit einem typischen Trout-Sound mit treibenden Gitarrenriffs auf, während „Leave It All Behind“ eine flotte Rock‘n‘Roll-Tanz-Nummer mit Bläserunterstützung im Stile von Chuck Berry ist, auf der Anthony Grisham die Rhythmusgitarre spielt, da Trout wegen seines gebrochenen kleinen Fingers, nicht den richtigen Chuck Berry-Klang hinbekommen kann.

Ruhiger geht‘s dann mit dem etwas elegischen „Hey Mama“ weiter. Hier verarbeitet er sein nicht ganz ungetrübtes Verhältnis zu seiner Mutter, die ihn nicht hinreichend vor seinem Stiefvater schützen konnte. Allerdings ist Walter Trouts Gedankenwelt nicht nur negativ eingestellt. Es gab auch gute Momente in seinem Leben, z. B. als er seine Frau Marie auf einem Bluesfestival kennenlernte. Davon erzählt schließlich der wunderschöne Hendrix-artige Blues „Destiny“.

Mit „Ride“ ist Walter Trout nach seinem 2015‘er Album „Battle Scars“ sicherlich sein persönlichstes Werk geglückt. Es ist äußerst dynamisch und abwechslungsreich und bietet mit neuen Facetten seiner Musikalität absoluten Hörgenuss. Man spürt seine ungebrochene Spielfreude und den Willen, das Leben zu genießen. Für seine Fans ist die Scheibe, nicht zuletzt auch wegen der sehr persönliche Texte, daher ein unbedingtes ‚Must Have‘. Ich jedenfalls habe die Scheibe in Dauerschleife rauf und runter gehört und bin sie immer noch nicht leid.

Label: Provogue Records
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. Ghosts
02. Ride
03. Follow You Back Home
04. So Many Sad Goodbyes
05. High Is Low
06. Waiting For The Dawn
07. Better Days Ahead
08. The Fertile Soil
09. I Worry Too Much
10. Leave It All Behind
11. Hey Mama
12. Destiny

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ZZ Top – Raw (‚That Little Ol‘ Band From Texas‘ Original Soundtrack)- CD-Review

ZZ Top kamen in mein musikalisches Leben in der Nacht vom 19. auf den 20. April 1980 um 4:00 Uhr morgens. In den Staaten längst eine gefeierte Band, traten Sie damals zum ersten Mal in Europa und im Fernsehen überhaupt auf. Es war die 6. Rockpalastnacht, in den Stunden vorher hatten Joan Amatrading, The Blues Band und Ian Hunter ihre Visite abgegeben. Damals hatte man bei diesem legendären Event noch regelrecht mitgefiebert.

Gut 1 1/2 Jahre später sah ich sie dann im Rahmen ihrer „El-Loco“-Tour erstmalig leibhaftig in der Düsseldorfer Philipshalle. Vorband waren die Hard Rocker Rose Tattoo. Weitere 5 Jahre danach in der Kölner Sporthalle zu ihrem Album „Afterburner“ mit dem unvergessenen Moment am Anfang, als eine Sphinx ein großes schwarzes Tuch in ihren Mund aufsaugte und ein für damalige Zeiten futuristisches Bühnenambiente offenlegte.

Und es ist tatsächlich schon wieder 20 Jahre her, dass ich sie zum letzten Mal 2002 mit Gary Moore als Support in der Essener Grugahalle live im Beisein meiner Ehefrau erlebt habe. Der kreative und kommerzielle Höhepunkt des texanischen Trios war da mittlerweile schon überschritten.

Seitdem ist viel Wasser den Rhein heruntergelaufen. Es gab noch zwei Alben „Mescalero“ und „La Futura„, die sicherlich gar nicht mal so schlecht waren, aber keineswegs nochmal so einen Hype wie zu „Eliminator“-Zeiten entfachen konnten.

Heute, wo ich diese Zeilen zum Album schreibe, das einen Soundtrack zu einem Film über ZZ Top darstellt, hat es ein einschneidendes Moment im Leben des Trios gegeben. Ihr charismatischer Bassist Dusty Hill, der sich in diesem scheinbar noch bester Gesundheit erfreute, weilt nicht mehr unter den Lebenden.

Der Film zur CD, der vor geraumer Zeit hierzulande in 3sat gezeigt wurde, war in der berühmten Gruene Hall in New Braunsfeld aufgenommen worden, in der die drei ganz alleine ohne Publikum nochmal frei weg von der Seele spielten und jammtenn, wobei sie einen Teil ihrer großen Stücke plus einiger Überraschungen nochmals nach eigenem Dünken ziemlich rau, wie es der Albumtitel schon suggeriert, zum Besten gaben.

Für mich waren dabei der Opener „Brown Sugar“ (mit tollem Intro), „Thunderbird“ und der „Certified Blues“, die Stücke, die ich nicht mehr so bewusst auf dem Schirm hatte, der Rest ist ein Auszug ihrer weltbekannten Hits, allerdings sehr schön, mit Herz und Freude sowie jeden technischen Firlefanz gespielt. Es macht spaß sich das Teil so zwischendurch mal reinzuschmeißen.

Die Frage, die sich allerdings für mich am Ende stellt, ist, ob es nach dieser Zäsur, wirklich Sinn macht, ohne Dusty Hill weiterzuspielen. Ich finde man hätte hier einen würdigen Cut machen, und erhobenen Hauptes die Bühnen und Studios dieser Welt verlassen können. Gelegenheit zu Musizieren hätten Billy F. Gibbons und Frank Beard  sicherlich noch genug (auch separat) für den Rest ihres Lebens.

Eine Antwort darauf haben die beiden allerdings längst gegeben. Angeblich auf Wunsch Hills, geht es mit seinem ehemaligen Gitarrentechniker Elwood Francis am Tieftöner weiter. The show must go on…

Shelter Records/BMG (2022)
Stil: Texas Blues Rock

01. Brown Sugar
02. Just Got Paid
03. Heard It On The X
04. La Grange
05. Tush
06. Thunderbird
07. I’m Bad, I’m Nationwide
08. Legs
09. Gimme All Your Lovin‘
10. Blue Jean Blues
11. Certified Blues
12. Tube Snake Boogie

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George Thorogood & The Destroyers – Support: Eamonn McCormack – 21.07.2022 – Zeche, Bochum

Das einzige NRW Konzert, das coronabedingt mehrfach verschoben werden musste, fand nicht wie ursprünglich geplant in der Westfalenhalle 1, sondern in der Zeche in Bochum statt. Der Grund war einmal mehr, dass die geplanten Ticketverkäufe nicht wie erhofft verliefen und deshalb der Gang in die kleinere Zeche allein aus Kostengründen für den Veranstalter alternativlos war. So war die Zeche zumindest halbwegs gefüllt, wobei die Empore auch aus Produktionsgründen für die aufwendige zusätzliche Beleuchtung für Besucher gesperrt war.

Als Support hatte der irische Bluesmusiker Eamonn McCormack die Möglichkeit, bei einem 30-minütigen Auftritt auf sich aufmerksam zu machen. In diesen 30 Minuten zeigte der Ire mit seinen beiden jungen langjährigen Begleitmusikern, dass es sein letztes Album „Storyteller“ nicht umsonst in mehreren europäischen Bluescharts, bis zur Nr. 1 schaffte. Emotional war dabei seine Ansage zu „Falsely Accused“, einem Song, an dem damals kein geringerer als Rory Gallagher bei den Studioaufnahmen mitwirkte.

Einem bestens aufgelegten McCormack gelang es, dass bei den Thorogood-Fans schon früh eine sehr gute Stimmung aufkam. Seine beiden Mitstreiter Max Jung Poppe an den Drums und Eddy Karg am Bass erhielten bei „That`s Rock`n`Roll“ sogar verdienten Szenenapplaus, als sie die Zeit mit jammenden Improvisationen überbrückten, während McCormack das Gitarrenkabel wechseln musste. Mit „Lady Lindy“, das bei den Fans gut ankam, testete McCormack schon einmal einen unveröffentlichten Songan, der Teil des im Herbst erscheinenden Albums sein wird. Dann wird es auch zu einigen Konzerten zur Promotion kommen, wo er seine gesamte Show präsentieren kann.

Nach einer kurzen Umbaupause betrat dann gegen 21 Uhr ein frenetisch begrüßter George Thorogood mit seinen Destroyers die Bühne. Was dann folgte, war das, was der Titel des ersten Songs „Rock Party“ aussagt. Knapp 100 Minuten Vollgasrock folgten, der die Fans regelrecht mitriss.

Trotz des für Thorogood eigentlich geringen Besuchs war er bestens gelaunt, was sich auch an der Kommunikation zwischen den Songs bemerkbar machte, wo er zuweilen schelmische Ansagen machte und immer ein Lächeln im Gesicht hatte. Daran hatten mit Sicherheit auch die Fans ihren Anteil, die von der ersten Minute an mitgingen, mitsangen und an Applaus nicht sparten. Zuweilen stimmten die Fans zwischen den Stücken Fangesänge an, die man eigentlich nur aus Fußballstadien kennt.

Die Setlist war eine bunte Mischung aus Coversongs, wobei das Bo Diddley Cover „Who Do You Love“, die hart vorgetragene Rock`n`Roll-Nummer „Johnny B. Goode“, inklusive einiger Hüftschwünge Thorogoods und „Tequila“ herausragten. Beim letztgenannten Track ließ er seine Destroyers den Song zunächst einmal allein jammend performen, um irgendwann das ‚Tequila‘ beizusteuern, wobei er natürlich eine stimmgewaltige Unterstützung der Besucher hatte.

Die Höhepunkte waren aber natürlich seine eigenen Klassiker „I Dring Alone“, „Bad To The Bone“, „One Bourbon One Scotch One Beer“ und „Born To Be Bad“, mit welchem er einen begeisternden Konzertabend abschloss, der mit Sicherheit auch eine größere Location verdient gehabt hätte. Thorogood bewies, dass er mit seinen mittlerweile 72 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört und konnte sowohl stimmlich wie auch spielerisch an der Gitarre überzeugen, über deren Saiten er zeitweise nur so hinwegflog.

Unterstützt wurde er von seinen Alltime-Begleitern, den Destroyers, die einen gewaltigen Anteil hatten, dass er sprichwörtlich die Bude einriss. Jeff Simon mit seinem zuweilen treibenden Drums und Bassist Jeff Simon und Rhythmusgitarrist Jim Suhler (auch mit einigen starken Soli) legten eine voluminöse Soundgrundlage, auf der sich Thorogood regelrecht austoben konnte und dazu auch Saxophonist Buddy Leach noch einige feine Soloparts draufpacken konnte.

Der einzige Wermutstropfen, den die Besucher aber nicht direkt mitbekamen war, dass das Konzert für den Veranstalter nicht kostendeckend war, da die erwarteten Besucherzahlen nicht erreicht werden konnten. Wenn die Konzertkultur der kleinen und mittelgroßen Locations so weitergehen soll, kann dies nur geschehen, wenn die Besucherzahlen zumindest annähernd denen der Vor-Corona Zeit gleichen. Die Frage ist, woran die zuweilen schlechten Besuche liegen.

Ist es die Angst vor Infektionen, sind die Preise zu teuer oder ist es einfach gemütlicher auf der Coach? Wenn ich überlege, dass die Rolling Stones ein paar Tage später vor etwa 50.000 Menschen in Gelsenkirchen spielten und die Eintrittspreise um ein Vielfaches höher lagen, scheinen die beiden ersten Gründe eher abwegig zu sein. Musikfans bekommt einfach den Hintern hoch, sonst gibt es irgendwann nur noch Events, bei denen die Musiker mit dem Fernglas gesucht werden müssen und das, was die publikumsnahen Konzerte ausmacht, wo man mit den Musikern fast vis-a-vis steht, wird Geschichte sein…

Line-up: Eamonn McCormack:
Eamonn McCormack – Guitars, vocals
Eddy Karg – Bass
Max Jung Poppe – Drums

Line-up George Thorogood And The Destroyers:
George Thorogood – Guitars, vocals
Jeff Simon – Drums
Bill Blough – Bass
Jim Suhler – Guitars
Buddy Leach – Saxophone

Text und Bilder: Gernot Mangold

George Thorogood
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Eamonn McCormack
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3dog Entertainment

Joanna Connor – 30.06.2022 – to hoop, Rheinberg – Konzertbericht

Sami Durak ist es gelungen mit Joanna Connor ein besonderes Highlight in den Rheinberger Stadtteil Alpsray ins to hoop zu locken. Bei der Ansage war sein Stolz zu spüren, als er daran erinnerte, dass Connor vor etwa 30 Jahren in einer der legendären Rheinberger Blues Nächte mit Canned Heat als Top Act aufgetreten war.

Mit viel Applaus wurde die Band von den etwa 80 Fans begrüßt, die den Weg an einem schwül-warmen Mittwochabend nach Alpsray angetreten hatten. Schon beim Opener, dem Instrumental „Cissy Strut“ konnten alle Musiker der Band ihre Qualität in Soloeinlagen zeigen, was sich auch durch beide Sets des Abends zog. Immer wieder zog sich Connor aus dem Vordergrund zurück und überließ ihrer jungen Begleitband die Bühne um deren Treiben lächelnd und applaudierend zu folgen.

Insbesondere Bassist Shaun Gotti Calloway konnte in mehreren, zum Teil mehrminütigen Soli zur Schau stellen, was so aus einem Bass alles herauszuholen ist. Aber auch der junge Keyboarder Daniel Souvigny zeigte, dass er sowohl an den Keyboard als auch an der Hammond Orgel ein Meister seines Fachs ist, was er einmal mit der Untermalung der Songs und in quirligen Soli zeigte.

Last but not least sein Drummer Jason Jroc Edwards in seinem AC/DC-T-Shirt genannt. Wuchtige Drumarbeit und dezente Begleitung wechselten sich ab und beim Bill Withers-Cover „Ain`t No Sunshine“ übernahm er sogar passend mit seiner weichen Stimme den Leadgesang.

Joanna Connor war trotz der Reisestrapazen mit 4 verschiedenen Fliegern aus den Staaten bestens aufgelegt und offenbarte, warum sie zu den besten Bluesgitarristinnen zählt. In mehreren jammenden Zwischenparts ließ sie ihrer spielerische Vielfalt freien Lauf und war auch stimmlich bestens aufgelegt.

Aus den beiden Sets, wo die eigenen Songs durch feine Coverversionen wie z. B. „Going Down“ oder „I Just Want To Make Love To You“ abgelöst wurden, ragten für mich die harte Bluesnummer „Magic Sam Boogie“,  die irgendwo zwischen Canned Heat und ZZ Top pendelte und die Zugabe „When The Levee Breaks“ heraus, wo sich die Band noch einmal jammend richtig austoben konnte. Unter den stehenden Ovationen wurde das Konzert beendet, welches insbesondere bei den letzten Songs einige Fans zum Mittanzen animierte und damit für eine tolle Stimmung gesorgt wurde.

Im Anschluss betrat ein sichtlich gerührter Sami Durak noch einmal die Bühne und bedankte sich bei der Band aber auch bei den Fans für diesen tollen Musikabend im to hoop und machte schon einige interessante Ankündigungen für den Sommer und Herbst. 

Das einzige, was mich persönlich an dem Abend störte, war das für mich respektlose Verhalten einiger Besucher gegenüber den Musikern, aber auch den anderen Gästen gegenüber, die zuweilen schon fast auf der Bühne stehend, das Handy mit ausgestreckten Arm den Musikern beinahe unter die Nase hielten. Es ist mit Sicherheit auch möglich, dezenter Erinnerungsbilder zu machen.

Line-up:
Joanna Connor – guitars, lead vocals
Shaun Gotti Calloway – bass
Jason Jroc Edwards – drums
Daniel Souvigny – keyboards

Text und Bilder: Gernot Mangold

Joanna Connor
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to hoop

Joanne Shaw Taylor – Blues From The Heart (Live) – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Der Erfolg ihres Longplayers “The Blues Album” (2021) hat die britische Blues-Rock-Gitarristin Joanne Shaw Taylor endlich dazu verleitet, einen Konzert-Mitschnitt auf CD zu veröffentlichen (eine DVD/Blu-ray Version ist ebenfalls erhältlich). “Blues From The Heart” ist eine Aufnahme des Auftritts im Franklin Theater, Franklin, TN, vom 20. Januar 2022 und eine langerwartete Bühnenperformance der UK-Blues-Lady.

Wesentlich getragen von zehn Songs des vorherigen Studioalbums, bietet Joanne Shaw Taylor eine mehr als unterhaltsame Blues Rock-Scheibe und insgesamt 16 Titel, die eine tolle Live-Show mit Gänsehaut-Feeling vermitteln. Die ersten vier Songs vom Vorgänger-Album als Live-Version (u.a. Peter Greens Ausnahme-Titel “Stop Messin’ Round” als Aufschlag-Track), sowie die mitreissenden Interpretationen v on “Keep On Lovin’ Me” und “If You Gotta Make A Fool Of Somebody” (ein Aretha Franklin-Hit), zeigen Taylors Solo-Stärken am “Lieblingswerkzeug” und begeistern explizit durch ihr breites Vokal-Potential. Vom schnellen Blues-Rock bis zum souligen Gospel-Sound, Joanne Shaw Taylor hat ihre Gesangsstile deutlich, herausragend und einfühlsam entwickelt.

Als Ausnahme-Gitarristin können sich ihre fantastischen Fähigkeiten ohnehin mit Saiten-Virtuosen, wie Kenny Wayne Sheperd messen lassen, den sie daher auch im Konzert zu “Can’t You See What You’re Doing To Me” und einem explodierenden Guitar-Duett auf die Bühne bittet (auch hierfür ist die Video-Ausgabe unbedingt zu empfehlen). Weitere Glanznummern sind mit dem Fabulous Thunderbirds-Cover “Two Time My Lovin” (feinster R’n’B) und dem starken Slow-Blues Duett “I Don’t Know What You’ve Got” (featuring Mike Farris) besonders hervorzuheben. Gleiches gilt entsprechend für die alte Don Covey-Nummer “Three Time Looser”, veredelt mit einem herrlich rockenden Keyboard-/Guitar-Solo und den an klassische ZZ Top-Sounds erinnernden Boogie “Dyin’ To Know”, der als erste Single und offizielles Video ausgekoppelt ist.

Die melodisch, powervolle Slow-Blues Ballade “I’ve Been Loving You Too Long” wird mit großartigem Guitar-Intro zum 7-minütigem Paradesong einer stimmgewaltigen Joanne Shaw Taylor, die in der Solo-Passage gegen Ende nochmal alle Register bzw. Saiten zieht. Diese unbändige Energieleistung wird in den letzten drei Songs nochmals beflügelt. Sei es, weil die Begleitung durch Guitar-Hero Joe Bonamassa, der “Blues From The Heart” zusammen mit Josh Smith produziert hat, perse motiviert oder die Songauswahl Joanne zusätzlich begeistert hat, egal, denn mit “Don’t Go Away Mad”, der folgenden berühmten Gershwin-Kompositionen “Summertime” (eine grandiose Blues-Interpretation) und dem übermächtigen Dave Mason-Klassiker “Only You Know And I Know”, wird das Konzert unter tosenden Beifall beendet.

Mit “Blues From The Heart” hat Joanne Shaw Taylor ihr erstes Live-Album mit bärenstarker Songlist, überzeugenden Darbietungen und elektrisierendem Sound aufgelegt. Komplementiert wird das Album durch Gastperformances internationaler Blues-Größen. Als britisches Blues Rock-Phänomen ist die Gitarristin, Songwriterin und Sängerin aus der Blues-Szene längst nicht mehr wegzudenken.

KTBA Records/Rough Trade (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Stop Messin’ Round
02. If That Ain’t A Reason
03. Keep On Lovin’ Me
04. If You Gotta Make A Fool Of Somebody
05. Can’t You See What You’re Doing To Me (feat. Kenny Wayne Shepherd)
06. Let Me Down Easy
07. Two Time My Lovin’
08. I Don’t Know What You’ve Got (feat. Mike Farris)
09. Three Time Loser
10. Dyin’ To Know
11. Just Another Word
12. I’ve Been Loving You Too Long
13. I’m In Chains
14. Don’t Go Away Mad (feat. Joe Bonamassa)
15. Summertime (feat. Joe Bonamassa)
16. Only You Know And I Know (feat. Joe Bonamassa)

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

Joanne Shaw Taylor, Blues From The Heart (Live), Blues-Rock

Sweet Bourbon – Slippery Slopes – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach ihren ersten beiden, mit viel Lob bedachten Alben („Night Turns Into Day“, 2017 und „Born A Rebel“, 2020), bringen die Niederländer von „Sweet Bourbon“ nun ihr erstes, im September letzten Jahres, live eingespieltes Album „Slippery Slopes“ heraus.

Die neun Tracks des Albums sind, von einer Ausnahme abgesehen, bekanntes Material aus den beiden Vorgängeralben, lediglich „Just A Silly Dream“ ist offenbar neu hinzugekommen.

Auch im Line-Up der Band hat sich eigentlich nichts Neues getan, außer dass von den drei Backgroundsängerinnen der „Bourbonnettes“ Laura van der Vange diesmal nicht mit von der Partie ist. Und so spielen sich die sieben Holländer:innen gut gelaunt durch ihr Repertoire, mal mit leicht funkigem Bass („Cool Down“), teils bluesig-jazzig-rockig („Kicked Me Out“) oder fröhlich mit lieblichem Backgroundgesang („Asked You A Question“), aber immer mit einem oft furios agierenden Willem van der Schoof an der Hammondorgel. Ansonsten sei an dieser Stelle auf die eingangs genannten Reviews der Vorgängeralben hingewiesen.

Schade, dass sich bis auf „Just A Silly Dream“, das mit einem leichtfüßigen Akustikgitarrenintro beginnt, keine neuen Songs auf dem Live-Longplayer finden. Und sicherlich hätte es der „Live-Scheibe“ auch gut getan, wäre die Atmosphäre des Livekonzertes tontechnisch besser eingefangen worden. Bis auf die schnell ausgeblendeten Beifallsbekundungen am Schluss der Songs und die Ansagen des Fronters René van Onna ist eigentlich nichts davon zu merken, dass es sich bei der Scheibe tatsächlich um einen Livemitschnitt handelt.

Wer sich lediglich einen Überblick über das Wirken der Truppe verschaffen möchte, ist mit dem Album ganz bestimmt gut bedient. Für diejenigen aber, die bereits eines der beiden Vorgängeralben (oder sogar beide) im Schrank stehen haben, bietet die Scheibe allerdings kaum Neues.

Label: Bourbon Records
Stil: Blues, Bluesrock

Tracks:
01. Kicked Me Out
02. Cool Down
03. 2nd Wallstreet
04. Asked You A Question
05. Muddy Footprints
06. Born A Rebel
07. Swan
08. Just A Silly Dream
09. Texas Woman

Sweet Bourbon
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Tedeschi Trucks Band – I Am The Moon – I. Crescent – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In einem außergewöhnlichen Gesamtkunstwerk aus 4 Studio-Alben mit zugehörigen Begleitfilmen auf dem eigenen You-Tube-Kanal präsentiert die Tedeschi Trucks Band ihr neues Projekt “I Am The Moon”, dessen erster Longplayer “I. Crescent” am 03.06.2022 veröffentlicht wird. Die ungewöhnliche Konzeption, mehrere Alben hintereinander jeweils in 4-wöchigem Abstand zu releasen, wurde von Mike Mattison, dem Sänger der Band, bereits im Mai 2020 initiiert. Die Idee benötigte fast zwei Jahre, einschließlich der filmischen Sequenzen von Regisseur Alex Lambert bis zu den Fans.

Thematisch geprägt ist “I Am The Moon” durch das leidenschaftliche Monumental-Epos “Layla & Majnun” (ca. 100 Seiten) des persischen Poeten Nizame Ganjavi (12. Jahrhundert), der mit seinem Gedicht schon das musikalische Meisterwerk “Layla and Other Assorted Love Songs” von Eric (Derek) Clapton and the Dominos beeinflusste. TTB hatten dieses Masterpiece bereits beim Lockn’ Festival 2020 gecovert und offenbar die dichterische Dynamik von Textinhalten und komplexen Handlungen der Erzählung kennengelernt. Diese moderne Form und musikalische Aufarbeitung ist die Episoden-Folge “I Am The Moon”.

In 24 eigenen Songs hat die Band die mythische Geschichte über ein unglücklich verliebtes Paar in eine neue Perspektive übernommen und im Songwriting interpretiert. Entstanden sind dabei mehr als 2 Stunden Musik, die weit über das bisherige Blues-Rock-Image hinausgehen und im vorliegenden Teil “I. Crescent” den stets brillianten Gibson-Sound und Tedeschis blues-rockige Vocals in eine getragene Soul-Blues-Stimmung verwandeln. Ein Touch New Orleans Jazz wird bei “Fall In” in familiäre Southern-Rock Elemente integriert, sodass eine fröhliche Background “Mardi Gras”-Passage im Kontext des Themas fast orientalisch anmutet.

Neben dem Titelsong bildet “Round The Sun” den Balladen-betonten Teil des Albums, mit starker Horn-Sektion und jammenden Saiteninstrumenten. Das 12-minütige Instrumentalstück “Pasaquan” schließt “Crescent” gebührend ab und beeindruckt durch übermächtige Song-Konturen, die allen Beteiligten ihren Solo-Platz einräumen und den alten Allman Brothers-Spirit wiederbeleben. Mit dem Projekt “I Am The Moon”, aufgeteilt in die 4 Ausgaben “I. Cresent”, (03.06.), “II. Ascension”, (01.07.), “III. The Fall”, (29.07.) und “IV. Farewell”, (26.08.) – mit jeweiligen filmischen Vorab-Inszenierungen – hat die Tedeschi Trucks Band erneut den Versuch unternommen, ein konzeptionelles Gesamtwerk hochambitioniert vorzulegen.

Die eindrucksvolle Kreativität und musikalische Entwicklungsfähigkeit der Tedeschi Trucks Band bestechen in einer spürbar vitalen Intensität der Aufnahmen, sodass der erste Teil “I. Crescent” auch für die folgenden Episoden-Alben eine gespannte Erwartungshaltung uneingeschränkt beibehält.

Fantasy-Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Hear My Dear
02. Fall In
03. I Am The Moon
04. Round The Sun
05. Pasaquan

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Oktober Promotion

 

Allen-Forrester Band – 01.06.2022 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Drei Konzerte innerhalb von sechs Tagen, das war für mich nach der langen Corona-Phase und den dadurch bedingten Entbehrungen samt beruflicher Veränderung, durchaus erstmal eine Herausforderung. Von Whitesnake in einer Arena, ging es über Larkin Poe in einer mittelgroßen Location wieder zurück in die von mir präferierten, kleineren Clubgefilde, diesmal in Sachen der Allen-Forrester Band in die geliebte Kulturrampe zu Krefeld.

Verkehrte Welt, unser Team bestand mit Michael Segets und mir aus zwei Schreiberlingen, die etatmäßigen Fotografen standen nicht zur Verfügung. Und so einigten wir uns im Rahmen unserer mitgeführten Amateurkameras, dass Michael das Knipsen und meine Wenigkeit das Schreiben übernimmt und wir am Ende mal gucken, was so an Bildern herauskommt.

Die Allen-Forrester Band ist ein Rock-, Blues und Southern Rock-Projekt der beiden amerikanischen Musiker Josh Allen und Ben Forrester, das durch die deutsche Rhythmusfraktion Hendrik Herder und Matthias Böhm ergänzt wird, beide übrigens im gesamten Verlauf fulminant mitagierend.

Das Quartett hat aktuell eine Live-CD am Start, aus der dann Tracks wie u. a. „Mr. Boss Man“ (auch an diesem Abend der Opener nach Pilles Ansage), „Say My Name“, „Too Late“, „This Evening“, „Don’t Keep Me Wondering“ und die beiden Skynyrd-Cover „Whiskey Rock-A-Roller“ sowie „Workin‘ For MCA“, ausgiebig vorgestellt wurden.

Die Rollenverteilung ist dabei eindeutig festgelegt, Josh Allen gibt mit seiner hervorragend zur Musik passenden, rau-kratzigen Stimme den Fronter, der dazu im E-Gitarrenbereich (mit Stratocaster und Telecaster) überwiegend den Zuspieler für den filigran auf einer Gibson Les Paul zu Werke gehenden Ben Forrester abgibt, zwischendurch aber auch mit kurzen Twins und Soli sein Können an den Saiten beweist.

Herder und Böhm hatten die Funktion der Treiber inne, ließen in den zwei gespielten Sets dabei immer wieder sowohl kraftvolle Rhythmen los, als auch gefühlvolles Gespür aufblitzen.

Im ersten Part zählten das southern-soulige „Oh Carolina“, die Ballade „Phases Of The Moon“ und das atmosphärische Southern-Stück „Wiser Time“ zu meinen Favoriten. Nach der halbstündigen Pause zur Kompensierung der Flüssigkeitshaushalte, gab es für mich nach rockigem Beginn mit „Don’t Keep Me Wondering“ und „Shake Your Magnolia“ den Höhepunkt in Teil 2 mit „Too Late“, in dem Forrester im Mittelteil ein grandioses ‚Leise‘-Spiel-Solo vom Stapel ließ, bei der man in der Rampe eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Die verzückte Audienz wurde dann aber durch einen krachenden Donnerdrumschlag von Böhm abrupt wieder in die Realität zurückbefördert, wo Allen dann mit Gesang und weiterem E-Solo, den Song ausklingen ließ. Wie im Fluge war dann mit einer dynamischen Cover-Version von „Workin‘ For MCA“ (unter Beteiligung der wie so oft wild vor der Bühne tanzenden ‚Kulturrampettes‘) das Ende des Hauptteils eingeläutet.

Wer das Publikum der Rampe kennt, weiß, dass so eine starke Vorstellung, nicht ohne Zugaben ihr Ende findet. Und so ließen sich Allen, Forrester & Co. nicht lange bitten und gaben mit „Forbidden Fruit“ und extra für den Kollegen und großen Jam-Freund Michael Segets, noch eine Adaption des Allman Brothers-Klassikers „Whipping Post“ zum Besten. Klasse hier wie Forrester mit einem Trommelstock in der linken Hand, Böhm in ABB-Butch Trucks-Manier quasi phasenweise als Zweitdrummer unterstützte.

Auf der Rückfahrt, die drei Gigs Revue passierend, fragte ich mich spontan, warum die Allen-Forrester Band vor nur knapp 40 Zuschauern kämpfen muss und Larkin Poe (und da will ich deren Leistung wirklich nicht schmälern, die war wirklich klasse) unter fast gleicher Quartett-Konstellation, locker mal 1.300 Leute aktivieren kann.

Gut, aus männlicher Sicht bin ich, optisch gesehen, natürlich auf der Seite der Mädels, aber wenn man die reine musikalische Gesamtleistung (Gesang, Songmaterial, spielerische Umsetzung), betrachtet, liegt hier, wenn man ehrlich ist, die Allen-Forrester Band eigentlich ein Stück weit vorne. So kommt man zu später Stunde, wie so oft, zur Einsicht, dass das Leben auf dieser Welt manchmal doch ziemlich ungerecht sein kann…

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar
Ben Forrester – electric guitar, bgv
Hendrik Herder – bass, bgv
Matze Böhm – drums

Bilder: Michael Segets
Text  und Bilder (s/w): Daniel Daus

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