Vanesa Harbek – 27.10.2022 – to hoop, Rheinberg – Konzertnachlese

Im Rahmen der „Visiones“-Tour spielte Vanesa Harbek mit ihrer Band auch im Rheinberg Alpsrayer to hoop vor. Mittlerweile ist es Sami Durak gelungen, das to hoop als Konzertstätte für Bluesmusiker in Rheinberg zu etablieren. 

Die leider zu wenigen Besucher sollten ihr Kommen an dem Abend allerdings nicht bereuen. Immmer noch ist es für Veranstalter in der Region oft schwierig, Zuschauer in die Clubs zu locken, während Konzerte von Harbek in den Tagen zuvor in den Niederlanden recht gut besucht waren.

Mit ihren Begleitmusikern, Martin Engelien am Bass und Thomas Lieven an den Drums, legte sie zwei etwa 50 minütige Sets hin, bei denen ihr aktuelles Album „Visiones“ natürlich im Mittelpunkt stand. Gespickt wurden die eigenen Songs noch durch stark interpretierte Covervisionen wie „Oye Como Va“ oder „Proud Mary“, die zum Ende hin die Fans zu stehenden Ovationen veranlassten.

Neben ihrem Fähigkeiten an der Gitarre zeigte Harbek bei zwei Songs, dass sie auch eine ausgezeichnete Trompeterin ist und so zusätzliche Akzente in die Stücke setzte. Stilistisch bewegte sie sich vom Blues bis hin in Richtung Flamenco, wo auch ihre heimatlichen Wurzeln, insbesondere bei den auf spanisch gesungenen Songs, zum Vorschein kam.

Nach der Tour wird es direkt ins Studio gehen, wo das nächste Album eingespielt wird und man das Motto sehen kann, nach der Tour ist vor der Tour. Man darf gespannt sein, was die Argentinierin im nächsten Jahr präsentieren wird. Nach dieser Vorstellung in Alpsray wird sie bestimmt wieder ein gern gesehener Gast sein.

Es bleibt zu hoffen, dass dann mehr Musikfans den Weg ins to hoop finden werden und die Mühen von Sami Durak belohnt werden, Kultur in Rheinberg zu erhalten. Wer auf Bluesmusik steht, sollte öfters mal auf der Seite des to hoop nachschauen, es wird in den nächsten Monaten einige Überraschungen geben.

Line-up:
Vanesa Harbek – guitars, trumpet, lead vocals
Martin Engelien – bass, vocals
Thomas Lieven – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanesa Harbek
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to hoop

Ally Venable Band – 03.11.2022 – to hoop, Rheinberg – Konzertbericht

Texas Honey‚ Ally Venable zum Auftakt ihrer Europa-Tournee im to hoop in Rheinberg-Alpsray! Besitzer Sami Durak hat ohne Zweifel  das in Rheinberg existierende Blues-Vakuum erkannt und sich hier durch kontinuierliche und gute Arbeit, in letzter Zeit eindeutig die aktuelle Hoheit gesichert.

Und so war das ehemalige Bürgerzentrum für einen Donnerstag Abend auch recht ordentlich gefüllt. Viele Blues-Experten wollten sich das momentane musikalische Treiben, der durch den Rufschen Blues Caravan (wir hatten sie 2019 in Dortmund begutachtet) bekannten Sängerin und Gitarristin aus dem Lonestar-State, nicht entgehen lassen.

Die langhaarige Protagonistin kam nach Samis feuriger Eingangsrede gewohnt hochgestiefelt und in knappem Lederfummel mit ihren beiden Mitstreitern Isaac Pulido (drums) und Elijay Bedford (6-string bass) auf die Bühne und ließ es in Set 1 so richtig abgehen.  Eine knallharte Blues Rock-Performance, wobei das Wort ‚Rock‘, und zwar in der härteren Manier, das Geschehen bestimmte.

Was das Mädel allein schon im Bill Withers-Cover „Use Me“ zum Auftakt an krachenden Riffs und Soli abfeuerte, war schon atemberaubend und richtungsweisend für die ersten 50 Minuten des Gigs. Einen erheblichen Anteil hatte allerdings auch der noch recht jugendlich wirkende Drummer Isaac Pulido, der aber ebenfalls mit vielen deftigen Poltereilagen für viel Dampf im texanischen Blues Rock-Kessel sorgte.

Mit den folgenden Stücken „Hard Change“, „Sad Situation“ und „Heart of Fire“ stand dann ihr aktuelles gleichnamiges Album im Mittelpunkt des Geschehens (zwischendurch gab es noch das von Wah_Wah-Soli durchzogene „Real Gone“), bevor mit der Bessie Smith-Nummer (die Dame ist eines der großen Blues-Vorbilder von Ally)  „Back Water Blues“ (mit tollem Gesangs- und E-Gitarrenintro von Ally) im etwas traditionelleren Stil die Pause eingeläutet wurde.

Dort eilte sie sofort zum CD-/LPs-Verkaufen und -Signieren Teil 1, im zweiten Set ging es mit „Road To Nowhere“, dem herrlichen Slowblues „Comfort in My Sorrows“ und „Bring On The Pain“ doch etwas gemäßigter zu. Der Vorteil war, dass hier dann auch Allys stimmliche Qualitäten mehr in den Vordergrund treten konnten. Eine wirklich gelungene und auch schwungvoll gestaltete Version vom B.B. King-Schinken „The Thrill is Gone“ mit „Miss You“-Kurz-Intermezzo führte schon zum Schlussstück des Hauptteils.

Da wurde dann mit dem Instrumental „Lenny“ einer weiteren texanischen Blues Rock-Größe, Stevie Ray Vaughan, ausgiebig die Ehre erwiesen und alle drei Beteiligten konnte sich an ihren Arbeitsgeräten nochmals ausgiebig ‚zeigen‘. Stark hier vor allem die sphärische Mittelpassage.

Mit frenetischem Applaus wurde mit dem in Blues-Kreisen gern gecoverten „Going Down“ dem Trio dann noch eine furiose Zugabe herausgelockt. Da hielt es die junge Texanerin nicht mehr auf der Bühne und nach Einzelpassagen ihrer Mitstreiter gab es dann noch ein Gitarrensolo im Stile einer Table-Blueserin auf dem Tisch inmitten ihrer begeisterten Audienz. Charmeur Sami half ihr dann ganz gentleman-like wieder herunter zum Boden.

Apropos ‚Texas Honey“: Der Song, einer meiner Lieblingstitel von ihr, war der einzige, der mir an diesem Abend ein wenig gefehlt hatte. Dafür hatte Ally dann aber am Ende auch noch Zeit für das obligatorische SoS-VIP-Bild mit Sami und dem Magazin-Chef persönlich. Insgesamt eine sehr überzeugende Leistung zum Tourstart der Ally Venable Band. Danke, Honey!

Line-up:
Ally Venable – electric guitars, lead vocals
Elijah Bedford  – bass
Isaac Pulido – drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ally Venable
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to hoop
Ruf Records

Joost de Lange Band – Hypnotized – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Die in Antwerpen ansässige Joost de Lange Band bringt mit „Hypnotized“ das mittlerweile sechste Studioalbum heraus. Dabei ist dem Powertrio um Mastermind Joost de Lange ein beachtliches Werk gelungen, das die Bandbreite vom Blues aus der Richtung Rory Gallagher oder Jimmy Hendrix über Rock bis hin zum Hard- und zuweilen Southern Rock umspannt.

Tricky ist der Einstieg in die CD, wo das rockige „I Won’t Follow“ mit einigen Riffs eingeläutet wird, die an das Intro des Golden Earing-Klassikers „Radar Love“ erinnern, um dann in eine schnörkellose Bluesnummer einzumünden, die einen Refrain mit hohen Wiedererkennungswert hat. Schon im ersten Song zeigt sich die Klasse seiner Begleitmusiker Ramses Donvil an den Drums und Mitchell Goor am Bass, die eine groovende Grundlage legen, in die Joost immer wieder feine Gitarrensoli einstreut.

Herausragend ist der Titeltrack „Hypnotized“, mit einem slidenden Intro und Ende des Tracks auf dem Dobro. Prägnant sind dabei neben dem emotionalen, fast melancholischen Gesang der pulsierende Tieftöner.

Neben den meist eher härteren Nummern zeigt er beim balladesken „Love, Fear and Uncertainty“, dass er mit seiner Band auch die eher ruhige Gangart beherrscht, wobei er in den Song ein furioses Solo integriert. Mit dem gradlinigen krachenden „Shout It All Out“ nähert sich Joost de Lange denn dem Hard Rock mit grungigen Einflüssen. Schön ist hier auch das Songwriting mit einem einprägsamen Refrain.

Abgeschlossen wird der durchgängig starke Longplayer mit dem rockigen „Rush“, mit stampfenden Bass, und energievollen, dynamischen Drums, zu denen Joost de Lange gekonnt Akzente mit seiner Gitarre setzt.

Spätestens mit ihrer neuen Scheibe „Hypnotized“ hat sich die Joost de Lange Band  im Bereich des eher harten Blues Rocks etabliert und man darf gespannt sein, wie das Trio die neuen Sachen, die live einige Möglichkeiten zur Improvisation geben, präsentieren wird.

Band:
Joost de Lange – Vocals & Guitars
Mitchell Goor – Bass
Ramses Donvil – Drums

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. I Won`t Follow
02. Mixed Emotions
03. Hypnotized
04. Love, Fear and Uncertainty
05. The Unknown
06. Shout It All Out
07. Take Me Higher
08. Beyond The Horizon
09. Walk The Line
10. Rush

Joost de Lange Band
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Patrik Jansson – Game Changer – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Der Schwede Patrik Jansson legt im Oktober mit „Game Changer“ sein neustes Werk als Soloalbum vor. Er spielt nicht nur sämtliche Instrumente selbst, Jansson hat auch alle zehn Songs selbst geschrieben, aufgenommen und produziert. Es ist also ein Soloalbum im wahrsten Sinne des Wortes. Lediglich Tommy Schneller als Saxophonspieler und Jesper Larsson an der Mundharmonika sind auf zwei Songs als Gastmusiker zu hören. „Game Changer“ ist Teil 1 aus einer Reihe von insgesamt drei Scheiben, die Jansson für die nächste Zeit geplant hat.

Wo Patriks musikalische Wurzeln liegen – er wurde in jungen Jahren durch Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath und anderen Bands dieses Genres musikalisch sozialisiert – offenbart sich in den kraftvoll rockenden Tracks „I Still Want You“, „Show Me Your Love Is Real“ und „Leave Me Alone“.

Sie sprießen nur so vor Hard Rock-Elementen aus den 70’er Jahren. Dass Patrik Jansson aber auch anderen Musikrichtungen gegenüber aufgeschlossen ist, zeigen das wunderbar groovende Reggaestück „Time To Make Some Changes“ mit einer beherrschenden und an „UB 40“ erinnernden Bläsersektion sowie das jazzige und von Weather Report beeinflusste Instrumentalstück „Something‘s Gotta Give“ mit einem Schlagzeugsolo des Schweden und Tommy Schneller am Saxophon.

„A Wonder Of Nature“ wiederum kommt eher fröhlich-poppig daher, verfeinert mit leicht funkigen Motown-Gewürzen. Besonderen Gefallen habe ich beim Hören der Platte allerdings an dem schrammeligen, wild fetzenden „Feel Bad Boogie“ mit treibendem Schlagzeug und Jesper Larsson, der sich an seiner Mundharmonika die Lunge aus dem Leib bläst, gefunden. Eine weitere Reminiszenz an die 70‘er Jahre ist das mit teils verhallter Gitarre eingespielte Instrumentalstück „Rays Of The Sun“. Und mit „Hurts To See Her Go“ und „Know Where I Belong“ kommen auch die reinen Bluesfreunde nicht zu kurz.

Mit seinem neuen Album „Game Changer“ ist Patrik Janson also ein großer, abwechslungsreicher Wurf gelungen, der von den vielfältigen musikalischen Einflüssen in seiner Karriere zeugt. Dem Schweden gelingt es, gewaltig arrangierte Rockstatements, Reggaeelemente, Jazz und etwas Pop zu einer einzigartigen Scheibe zu kombinieren. Von mir daher fünf Sterne für diesen hörenswerten Longplayer. Euer Geld könnt ihr für ihn ab dem 28. Oktober loswerden. Es lohnt sich!

Sneaky Foot Records (2022)
Stil: Blues Rock & More

Tracks:
01. I Still Want You
02. A Wonder Of Nature
03. Feel Bad Boogie
04. Rays Of The Sun
05. Time To Make Some Changes
06. Something‘s Gotta Give
07. Show Me Your Love Is Real
08. Leave Me Alone
09. Got To Take A Stand
10. Hurts To See Her Go
11 . Know Where I Belong

Patrik Jansson
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Erja Lyytinen – 07.10.2022, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertnachlese

Zum Auftakt der „Waiting For The Daylight“-Tour, auf der das gleichnamige Album promotet wird, sollte das Konzert im Zentrum Altenberg um 20:00 Uhr beginnen. Morgens war die Band aus Helsinki mit der Fähre in Deutschland angekommen und auf dem Weg nach Oberhausen machte der Tourbus in der Nähe von Münster schlapp. Aus dem Grund wurde der Einlass zunächst auf 19:30 verschoben und der Konzertbeginn für etwa 20:30 angekündigt.

Mit viel Geduld warteten die Besucher dann in der Halle vor der leeren Bühne und man sah dem Veranstalter an, dass er zunehmend nervöser wurde. Gegen 20:45 gab er dann bekannt, dass es eine Deadline gäbe, sodass der Gig bei Überschreitung dieser abgesagt werden muss, weil das Konzert um 23:00 Uhr beendet sein musste. Etwa eine Minute vor der Deadline sah man die Scheinwerfer eines Gefährts durch die Fenster der Halle. Der Freund eines Freundes des Promoters, aus der Gegend von Münster, hatte mit seinem Bus die Band auf einem Parkplatz dort in der Nähe eingesammelt, das Equipment umgeladen und die Finnen mit wehenden Fahnen nach Oberhausen gebracht.

Was sich dann vor Beginn des Konzertes vor den Augen der Zuschauer abspielte war beeindruckend. In knapp 15 Minuten war die Bühne aufgebaut und die Technik verkabelt. Nach einem kurzen Durchschnaufen der Band, gab es einen etwa fünfminütigen Soundscheck, bevor die Band dann gegen 21:20 Uhr das Konzert klangtechnisch einwandfrei unter dem Applaus der Besucher begann.

Für ein Schmunzeln bei Lyytinen und Lacher im Publikum sorgte ein Insekt, das für eine kurze Verzögerung gesorgt hatte, indem es sich auf einem Schalter ihrer Gitarre gemütlich gemacht hatte und seinen Logenplatz erst nach einer schüttelnden Aufforderung verließ, um einen Platz vor der Bassdrum einzunehmen.

Im Mittelpunkt des etwa 95 minütigen Auftritts stand das neue Album, das fast komplett durchgespielt wurde, wie es sich für eine Promotiontour auch gehört. Daneben griff die Finnin auch auf einige der älteren Songs zurück, wovon der „Wedding Day“ herausragte. Im Vergleich zu den letzten Konzerten spielte die Band weitaus rockiger und gradliniger, dass es für mich persönlich der stärkste Auftritt in den letzten Jahren war. Lyytinen zeigte bei den meisten Songs, dass sie eine Meisterin des Slidens ist und dabei gelang es ihr die Soli auf den Punkt zu setzen, ohne die Harmonie der Tracks zu beeinträchtigen.

Insgesamt kam das neue Material bei den Fans sehr gut an und Erja selbst sagte nach dem Konzert, dass dieses neue Album für sie etwas ganz Besonderes ist, was sich auch an ihrer Spielfreude zeigte, durch die der Stress der Anfahrt scheinbar wie im Fluge vergangen war. Unterstützt wurde sie dabei von Ihrer Band, in der sie den eigentlichen Bassisten Tatu Back, der kurzfristig erkrankt war, durch Heikki Saarenkunnas ersetzen musste, der sich aber nahtlos in die fast wie berauscht spielende Ensemble einfügte, den Keyboarder Kaspar Martenson, der neben der melodischen Klangfülle auch mit feinen Soli glänzen konnte und Drummer Iiro Laitinen, der neben dynamischen Rhythmusvorgaben, auch durch seine zurückhaltende Art bei den ruhigeren Passagen überzeugen konnte.

So bekam das Quartett oft verdienten Szenenapplaus, was Lyytinen zuweilen sichtbar rührte und einer der emotionalsten Höhepunkte der Show war, als sie sich von der Bühne unter die Besucher mischte und dort minutenlang für mehrere Besuchergruppen, kleine Ständchen spielte.

So hatte sich das Warten für alle Beteiligten gelohnt, da Erja Lyytinen mit ihrer Truppe eine starke Leistung hingelegt hatte und nach dem Konzert noch lange zum Klönen und für Schnappschüsse am Merchandisingstand bereitstand, bis sie endlich zum verdienten Ausruhen und Essen in den Backstagebereich ging und nach einem Snack zum Frühstück wieder etwas essen konnte. Die Hauptmahlzeit hatte sie allerdings zuvor schon dem Oberhausener Publikum serviert.

Wer auf bluesorientierte Musik steht, kann getrost ins Programm des Zentrum Altenberg schauen und wird mit Sicherheit fündig.

Line-up:
Erja Lyytinen: Guitars & Vocals
Kaspar Martensen: keyboards
Heikki Saarenkunnas: bass
Iiro Laitinen: drums

Text und Bilder Gernot Mangold

Erja Lyytinen
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Zentrum Altenberg Oberhausen

Bad Luck Friday – Same – CD-Review

Nach dem Konzert des Brighton Blues Cartel im Leverkusener topos, hatte mich Will Wilde, wie bereits beschrieben, gebeten, auch die Debüt-CD seines neuen Projekts Black Luck Friday zu reviewen. Die Scheibe ist schon seit dem 2. September käuflich erwerbbar.

Die Band besteht neben ihm als unbestrittener Mastermind mit den ebenfalls beim Konzert vertretenen Steve Brook, der hier in Sachen Gitarrenparts, Harmoniegesängen, dem überwiegenden Bassanteil, Co-Songwriting der Musik sowie der Co-Produktion, auch ein gewichtiges Wörtchen mitspricht und Drummer Alan Taylor. Der vierte im Bunde ist Jack Turnbull, der hier auf Track 1 und 3 den Tieftöner zupft und demnach nur eine eher marginale Rolle ausübt. Die Texte hat eine Dame namens Sara Starbuck zusammen mit Will kreiert.

Das bandnamensgebende Titelstück „Black Luck Friday“ vereint eigentlich schon alles, was man dann in den nächsten knapp 40 Minuten Spielzeit geboten bekommt. Stark Harp-basierten Blues (Hard) Rock der äußerst dynamischen Art. Krachende, im Hard-/Heavy-/Melodic Rock verwurzelte E-Gitarrenriffs, polternde Drums, starker, zuweilen an Paul Rodgers erinnernder Lead-Gesang und vielseitige Harp Soli – da ist von Fiepen, Plustern, Nöhlen, Klirren, Heulen, etc.  alles mit dabei, was man von diesem Instrument so kennt – die hier fast im Stil einer ersten Leadgitarre auftrumpfen.

Vieles erinnert an die bekannten und beliebten Acts der Rock-/Hard Rock-Szene wie Bad Company, Whitesnake, The Quireboys, Great White, Thin Lizzy, Snakecharmer, Blackwater Conspiracy & Co, wobei man sich allerdings dann immer eine Mundharmonika hinzudenken muss. Einziger ruhigerer und auch harp-freier Track ist hier das atmosphärische, episch-balladesk anmutende „Dust & Bones“, das sich für mich auch am Ende als mein persönlicher Lieblingssong herauskristallisiert. Klasse hier der kanonartige Harmoniegesang von Brook.

Der Rest geht einfach nur gut und kurzweilig ab, Stücke wie das treibende „666 At The Crossroads“, das Black-Crowes-mäßige „Jealous Woman“, „Take The Best Of Me“, „Mistress“ oder der stampfige Heavyblues „Low Down Dirty“ (leichte unterschwellige ZZ Top-Note) haben ihre Livetauglichkeit im topos bereits bewiesen. Die für mich  ’neuen‘ Tracks „Banshee“, „Bonnie To My Clyde“ und der Rausschmeißer „Rebel With A Cause“ stehen dem restlichen Konvolut in ihrer satten Dynamik in Nichts nach und rocken mit Wilde-/Brook-/Taylor-typischem Triple-Wumms.

Bad Luck Friday überzeugen mit ihrem Debüt auf ganzer Linie und finden aufgrund der brookschen Gitarren-Manier und Wildes wild-rockiger Harp so etwas wie eine kleine Nische in der britischen Blues Rock-Szene. Was vom Bandnamen her nach schlechten Vorzeichen klingt, entpuppt sich in Wirklichkeit als ein echter Glücksfall für das Genre!

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues (Hard) Rock, Rock

Tracks:
01. Bad Luck Friday
02. 666 At The Crossroads
03. Banshee
04. Dust & Bones
05. Jealous Woman
06. Take The Best Of Me
07. Mistress
08. Low Down Dirty
09. Bonnie To My Clyde
10. Rebel With A Cause

Bad Luck Friday
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Tommy Castro & The Painkillers – 18.09.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Nach etwa vier Jahren machte Tommy Castro mit seinen Painkillers mal wieder Halt im Lütgendortmunder Musiktheater Piano. Schade war, dass es wie bei einer großen Zahl von Konzerten in vielen Locations in den letzten Monaten, einen eher unbefriedigenden Zuschauerzuspruch gab.

Nichtsdestotrotz betrat Tommy mit seinen Mitstreitern mit einem Lächeln im Gesicht die Bühne des Pianos und legte einen furiosen Auftritt hin, bei dem es ihm gelang, schon vom ersten Song „Night Stomp“ die Besucher mitzunehmen, dass sich eine tolle Stimmung entwickelte, welche auch im Umkehrschluss auf die Band übersprang. Castro, stimmlich bestens aufgelegt, nahm zwischen den Songs immer wieder Kontakt zu den Besuchern auf und machte deutlich, was es für die Band bedeutete, endlich wieder in dieser schönen Location auftreten zu können.

Schön war auch, dass die Setlist im Vergleich zum letzten Konzert, obwohl es schon recht lange zurücklag, mit einigen anderen Songs aufwartete. Dabei mischte die Band einige gekonnt gecoverte Songs wie den Eingangssong „Night Stomp“ von Albert King, „Leaving Trunk“ von Sleepy John Estes, „It Serves You Right To Suffer“ von John Lee Hooker oder „Gimme Some Lovin`“ der Spencer Davis Group, unter die eigenen starken, meist bluesorientierten Songs, oft aber mit einem Einschlag von Rock`n`Roll.

Besonders wussten dabei „When A Bluesman Comes To Town“, „Blues Prisoner“, „Make It Back To Memphis“ und „The Devil You Know“ zu gefallen. Castro glänzte mit etlichen furiosen, aber auch gefühlvollen Soli und einigen gekonnten Slideeinlagen. Verlassen konnte er sich dabei auf seine Rhythmussektion um den fast fortwährend mit einem breiten Grinsen im Gesicht spielenden Drummer Bowen Brown und den quirligen Bassisten Randy McDonald, die eine fette Grundlage für die Songs legten. Keyboarder Mike Emerson versprühte nicht nur eine gewisse Milde auf manche Songs, sondern begeisterte die Fans auch mit der einen oder anderen Soloeinlage, zum Teil mit Honkytonk-Charakter.

Die Zugabe „Gimme Some Lovin’“ war geschickt gewählt und konnte als Beschreibung für das Miteinander dienen, was gerade in der heutigen Zeit so wichtig ist und zumindest für die Dauer des Konzertes bei allen Anwesenden zu spüren war.

Nach dem Konzert nahm sich die Band noch die Zeit für Smalltalk, das Signieren von Fanartikeln oder das eine oder andere Foto als Andenken. Wer mit dafür sorgen will, dass diese Form von Kultur weiterleben kann, sollte überlegen, die gemütliche Coach öfters mal zu verlassen und Konzerte insbesondere bei der kleinen und mittleren Clubszene zu besuchen. „Rock`n`Roll Will Never Die“, um eine Zeile eines Neil Young-Songs zu zitieren, kann es nur heißen, wenn auch die Rockfans dabei mitmachen.

Line-up:
Tommy Castro: guitar, vocals
Randy McDonald: Bass, vocals
Mike Emerson: Keyboards
Bowen Brown: Drums, vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Tommy Castro & The Painkillers
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Musiktheater Piano
On Stage Promotion

Brighton Blues Cartel – 30.09.2022, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Nachdem ich mich beruflich durch eine anstrengende Woche gequält habe, die dazu noch von unangenehmen Rückenschmerzen begleitet wurde, stand ich kurz davor, dem Brighton Blues Cartel-Gig im kleinen urigen topos in Leverkusen, eine Absage zu erteilen.

Da Menschen wie meine Wenigkeit, die quasi ihr ganzes Leben mit Mehrfachbelastungen umgegangen sind, gelernt haben, auch mal auf die Zähne zu beißen, und dazu mein Instinkt, auf den ich mich musikalisch bisher fast immer verlassen konnte, mir gesagt hat, dass ich was besonders Gutes verpassen würde, habe ich mich dann doch auf den Weg gemacht.

Und wieder mal, in der Tat, musste ich mein Kommen nicht bereuen. Ganz im Gegenteil, was die Burschen um Danny Giles, Will Wilde und Steve Brook (dazu kam noch die bärenstark agierende Rhythmussektion mit Alan Taylor und Russel Carr) zum Startschuss ihrer Tour im topos ablieferten, war Blues und Rock vom Feinsten.

Da unsere etatmäßigen Fotografen verhindert waren, übernahm Klemens Kübber, der langjährige ‚Macher‘ des topos diesmal die Knipserei-Tätigkeit. Der schafft es immer wieder, allein, wenn man sich auch das kommende topos-Programm bis Dezember anschaut, solch tolle Acts durch geschickte Termine wie diesen, in die kleine Musikkneipe zu holen.

Gespielt wurde in zwei Sets. Bis zur Pause hatten dann zunächst Giles und dann Wilde Gelegenheit,  für ihre eigenen Projekte Werbung zu machen. Danny Giles spielte im Trio mit Taylor und Carr und ließ beim rockigen Kracher „Leave This Town“ zum Auftakt auf seinem quietsch-grünen Arbeitsgerät, sofort ordentlich ab.

Kein Wunder, dass er aufgrund seines quirligen Spiels (mit manchmal metal-artigem Esprit) zum Teil in Sphären eines Yngwie Malmsteen eingeordnet wird. Für mich eine schöne Zusatzkomponente, die man im Blues Rock eigentlich nicht so oft hört. Auch der engagierter Gesang, die mitnehmende kommunikative Art und seine strammes Erscheinungsbild, hinterließen bei der Audienz mächtig Eindruck.

Mit weiteren Stücken aus dem Album „More Is More“  wie „Won’t Let Love“, „Been There Twice“ (Led Zep-Note), „Hold On“ und dem herrlichen „Don’t Go Messin'“  (da fuchtelte  er beim finalen Solo auf,  über und unter dem Gitarrenhals ganz wild herum) war die erst gute halbe Stunde wie im Fluge herum. Starke Leistung des Briten-Trios.

Im fliegenden Übergang nahmen dann Gitarrist Steve Brook und Fronter Will Wilde seinen Platz auf der kleinen Bühne ein. Wo Cowboys früher ihre Patronengurte trugen, hatte Wilde die Sammlung seiner Mundharmonikas umgehangen. Brook, er und Taylor haben ein neues Band-Projekt mit Namen Bad Luck Friday am Start, aus dem dann Tracks wie „Jealous Woman“, „Take The Best Of Me“, „666 At The Crossroads“, „Dust & Bones“, „Low Down Dirty“ und „Mistress“ präsentiert wurden.

Eigentlich bin ich garnicht der große Fan von Harp-dominanter Blues Rock-Musik, die man hier hätte vermuten können. Will weiß aber sein Paradegerät so nuanciert einzusetzen, dass es nie nervt. Begeisternd vor allem seine Stimme, die immer wieder Assoziationen mit Paul Rodgers aufkommen ließen. Auch der meist posende und mähnenschüttelnde Brook brachte mit seinen eher im Rock-/Melodic Rock-verankerten Soli eine erfrischende Note in das musikalische Treiben des Quartetts. Das Ganze hatte was von Harp-umwehtem Bad Company-Rock.

Nach der Pause wurde es richtig eng auf der Bühne, als dann alle im Quintett, eine schöne Auswahl von unterschiedlichen Coverstücken zum Besten gaben. Das am Anfang performte, durch Whitesnake bekannt gewordene „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ war für mich dabei direkt das Highlight. Als sich Brook und Giles im Twin-Speed-Modus duellierten, schlug das Herz der Southern Rock-Fans ebenso schnell!

„Oh Pretty Woman“ von Gary Moore, der Muddy Waters-Schinken „Hooche Coochie Man“, das toll interpretierte Johnny Guitar Watson-Lied „Three Hours Past Midnight“, und der schunklige Canned Heat-Klassiker „Let’s Work Together“ als Zugabe rundeten einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend der etwas anderen Blues Rock-Musik auf schöne Weise ab.

Am Ende fragte mich Will an der Theke bei einer kurzen Unterhaltung noch, ob ich die neue neue CD der Bad Luck Family reviewen würde. Da musste ich angesichts der guten Leistung natürlich ohne Zögern einwilligen, die Besprechung wird dann demnächst auch hier zu lesen sein.

Auch wenn im wirtschaftlichen Bereich Kartellen zurecht ein negatives Image angelastet wird, darf man diesem musikalischen Zusammenschluss aus dem britischen Seebad, nur beste Hintergedanken attestieren. Wer Zeit und Gelegenheit besitzt, sollte sich die Gigs des  Brighton Blues Cartel auf der jetzt anstehenden Tour auf keinen Fall entgehen lassen. Absoluter Live-Tipp!

Line-up:
Danny Giles (lead vocals, electric guitar)
Will Wilde (lead vocals, harp)
Steve Brook (electric guitar, vocals)
Russel Carr (bass)
Alan Taylor (drums)

Bilder: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Will Wilde
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Danny Giles
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topos Leverkusen

Orphan Jon And The Abandoned – Over The Pain – CD-Review

Hinter Orphan Jon And The Abandoned verbirgt sich eine Formation, bei der ihr Frontmann Jon English gute Musiker, im wechselnden Verbund, um sich versammelt. Wenn man auf das Cover der neuen Scheibe „Over The Pain“ und auf seine ganz in schwarz gekleidete Person (mit schwarzer Sonnenbrille und fettem Tattoo auf dem rechten Arm) blickt, ist man ohne Vorwissen zunächst geneigt zu meinen, dass es sich vielleicht um ein Heavy Metal-Werk handeln könnte.

Dem ist allerdings nicht so. Englisch stammt aus Bakersfield in Kalifornien (da wo auch der berühmte Sound herkommt, der die Countrymusik in Teilen mitgeprägt hat) und ist tief in der American Roots- und Blues-/Blues Rock-Musik verwurzelt. Seine Heimat schimmert aber in so manchen typisch rhythmisch groovenden Tracks wie u. a. dem Opener „Tight Dress“, „She“, „Broken Angel“ oder „Livin‘ My Life“ ganz dezent mit durch. Hier leisten Drummer Jason Blakely und Bassist Ray Sadolsky ganze Arbeit.

Englishs engagierter Gesang ist jetzt nicht der vor dem Herrn, macht ihn durch die Omnipräsenz und das überwiegende Songwriting von ihm, allerdings mit zur entscheidenden Persönlichkeit auf der Scheibe. Der heimliche Star ist jedoch der auch uns gut bekannte Musiker Alastair Greene, der hier ein regelrechtes (E-)Gitarrenfeuerwerk in allen Spielarten abliefert und ebenfalls am Songwriting stark beteiligt war.

Der gibt Stücken wie „Going Down To Mobile“ und „Redheaded Woman Blues“ ein tolles Deltablues-Flair und Sachen wie „Somewhere Salvation“, „Everyone Knows“ oder „Memories Of Me And You“ mit Slide- und konventionellen E-Gitarrenspiel, eine unverkennbare Southern Rock-Note. Die fulminanten Soli in allen drei Stücken werden Fans des Genres Tränen in die Augen treiben. Ganz großes Kino! Greene hat das Album auch produziert.

Markante Gastbeteiligungen gibt es noch von Rebecca Aguilar, die beim herrlichen Titelstück „Over The Pain“, einer wunderschöne Ballade, und dem gospelig swingenden Abschlusstrack „There’s No Need“ ihre Backgroundvocals beisteuert. Dazu kommen noch Walter Trout-Drummer Michael Leasure bei „Redheaded Woman Blues“ und Mike Malone (Ryan Bingham, Marc Ford) mit starken Keys (Tracks 3 und 12).

Fazit: Orphan Jon And The Abandoned legen mit „Over The Pain“ ein sehr kurzweiliges und abwechslungsreiches Werk vor, das sowohl in der Blues- als auch Southern Rock-Szene aus besagten Gründen ihre Anhängerschaft finden müsste. Der alles überragende Alastair Greene mit seinen famosen Gitarrenkünsten und der charismatische Fronter Jon English bilden dafür ein hervorragendes Grundgerüst.

Label: Vintage LaNell Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Tight Dress
02. She
03. Over The Pain
04. Got No Name (For Amy Marie)
05. Broken Angel
06. Going Down To Mobile
07. Livin‘ My Life
08. Somewhere Salvation
09. Redheaded Woman Blues (Acoustic)
10. Everone Knows
11. Memories Of Me And You
12. There’s No Need

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Walter Trout – Ride – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Walter Trout, der inzwischen samt Familie seinen Wohnsitz vom sonnigen Kalifornien ins sandige Dänemark verlegt hat, bringt Mitte August sein mittlerweile 30. Soloalbum (!) heraus. Es erscheint bei Provogue Records, nachdem er dort seinen Vertrag verlängert hatte. Den Plattenvertrag dazu bekam der US-Blues-Rock-Gitarrist von seiner Frau und Managerin Marie anlässlich seines 70‘sten Geburtstages geschenkt.

Das Album heißt „Ride“ und ist eine musikalische und auch emotionale Zusammenfassung seines bisherigen, mitunter turbulenten Lebens, nach eigenem Bekunden eine Art von Vergangenheitsbewältigung. Wie viele andere Musiker auch, nutzte Trout die coronabedingte Zwangspause, um neues Material zu sammeln und legte damit den Grundstein für „Ride“, nachdem er zuletzt für sein Vorgängeralbum „Ordinary Madness“ 2020 auf der Bühne gestanden hatte.

Eingespielt wurde das Album in den kalifornischen Kingsize Studios, in denen Trout bereits mehrere Alben aufgenommen hatte. Begleitet wird Trout von seinem langjährigen Schlagzeuger Michael Leasure, dem Keyboarder Teddy „Zig Zag“ Andreadis und dem neuen Bassisten Jamie Hunting, sowie seinem Tourmanager Anthony Grisham, der allerdings nur auf Leave It All Behind“ zu hören ist.

Gleich zu Beginn pustet Trout mit dem gewaltigen Sound von „Ghosts“ die Boxen der HiFi-Anlage frei und stimmt die Zuhörer auf die kommenden 60 Minuten ein. Mit tosenden Gitarrenriffs erzählt er von Erinnerungen und Geistern, die ihn verfolgen, während der Titelsong „Ride“ im stampfenden Rhythmus eines Güterzuges ein Gefühl des amerikanischen Traumes der Freiheit erzeugt, so wie Trout es als kleiner Junge in seinem Elternhaus durch die vorbei rasenden Züge empfand.

Ganz anders hingegen das emotionale, melodiöse „Follow You Back Home“, in dem Trout die schwere Zeit einer zeitweiligen Trennung von seiner Frau verarbeitet. Das Besondere an diesem Song ist, dass er hier zum allerersten Mal überhaupt eine Streichergruppe zur Untermalung einsetzt.

Angesichts 400.000 Covid-Toter in den USA groovt „So Many Sad Goodbyes“ leicht düster vor sich hin und in dem wunderschön-traurigen Slowblues „Waiting For The Dawn“ mit teils sphärischen kristallklaren Gitarrenklängen kann Trout mit schwerem Herzen kaum die Morgendämmerung erwarten. Danach geht er im verzweifelt klingenden „Better Days Ahead“ mit harten Riffs der Frage nach dem Sinn des Lebens auf den Grund und in „High Is Low“ krächzt sich der Kalifornier, unterstützt von einer rauen Bluesharp, die Stimme aus dem Leib. Die Lyrics zu diesem Song hat übrigens Walters Ehefrau Marie beigesteuert.

Gemessen an Trouts bekanntem Gitarrenstil nimmt das leichtfüßige „Fertile Soil“ dann schon fast eine Sonderstellung ein. Es kommt ungemein countrymäßig mit Americana-Elementen daher und erinnert an den fruchtbaren Boden seiner Jugendzeit, als er in einer Schülerband mitspielte.

Das folgende Stück „I Worry Too Much“ wartet dann wieder mit einem typischen Trout-Sound mit treibenden Gitarrenriffs auf, während „Leave It All Behind“ eine flotte Rock‘n‘Roll-Tanz-Nummer mit Bläserunterstützung im Stile von Chuck Berry ist, auf der Anthony Grisham die Rhythmusgitarre spielt, da Trout wegen seines gebrochenen kleinen Fingers, nicht den richtigen Chuck Berry-Klang hinbekommen kann.

Ruhiger geht‘s dann mit dem etwas elegischen „Hey Mama“ weiter. Hier verarbeitet er sein nicht ganz ungetrübtes Verhältnis zu seiner Mutter, die ihn nicht hinreichend vor seinem Stiefvater schützen konnte. Allerdings ist Walter Trouts Gedankenwelt nicht nur negativ eingestellt. Es gab auch gute Momente in seinem Leben, z. B. als er seine Frau Marie auf einem Bluesfestival kennenlernte. Davon erzählt schließlich der wunderschöne Hendrix-artige Blues „Destiny“.

Mit „Ride“ ist Walter Trout nach seinem 2015‘er Album „Battle Scars“ sicherlich sein persönlichstes Werk geglückt. Es ist äußerst dynamisch und abwechslungsreich und bietet mit neuen Facetten seiner Musikalität absoluten Hörgenuss. Man spürt seine ungebrochene Spielfreude und den Willen, das Leben zu genießen. Für seine Fans ist die Scheibe, nicht zuletzt auch wegen der sehr persönliche Texte, daher ein unbedingtes ‚Must Have‘. Ich jedenfalls habe die Scheibe in Dauerschleife rauf und runter gehört und bin sie immer noch nicht leid.

Label: Provogue Records
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. Ghosts
02. Ride
03. Follow You Back Home
04. So Many Sad Goodbyes
05. High Is Low
06. Waiting For The Dawn
07. Better Days Ahead
08. The Fertile Soil
09. I Worry Too Much
10. Leave It All Behind
11. Hey Mama
12. Destiny

Walter Trout
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