Kamchatka – Support: Jail Job Eve – 23.06.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach mehreren Verschiebungen bedingt durch die Coronapandemie konnte das schwedische Powertrio Kamchatka endlich das aktuelle Album „Hoodoo Lightning“ promoten.

Als Support gaben sie der Osnabrücker Band Jail Job Eve die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Dies gelang den jungen Musikern, welche mit ihrer kraftvollen Mischung aus Blues-, Hard- und Melodic Rock beeindrucken konnten. Im Vordergrund stand die Fronterin Victoria Semel mit ihrer starken Rock- und Bluesstimme. Da es sich aber um eine Band handelt, hatten auch die anderen Musiker die Möglichkeit ihre spielerischen Qualitäten unter Beweis zu stellen.

Benedikt Schlereth lieferte harte Gitarrenriffs, konnte aber auch gefühlvolle Soli, zuweilen sogar mit einem Southernflair oder slidend beisteuern. Auch Jens Niemann an den Keyboards legte einige feine Soli hin und unterlegte die Songs mit Soundteppichen.

Stark auch die Rhythmussektion um Drummer Josef Röhner, der die richtige Mischung aus powervollen Drumming und gefühlvoller Zurückhaltung bei den ruhigeren Nummern zeigte und Laurenz Gust der mit einem klar differenzierten Bassspiel mit einigen feinen Läufen überzeugen konnte.

Bei Ihren Songs nahmen die Musiker auch zum aktuellen Tagesgeschehen Stellung, wie bei „No Means No“, wo es um Gewaltsituationen geht, oder beim Titel „Lost“, wo es Sängerin Victoria Semmel gelang, das Publikum zum Mitsingen zu animieren und die Botschaft an die Frauen gesendet wird, sich auf die Bühnen der Rockmusik zu trauen und dass sie dort auch anerkannt werden. Im letzten Song „Riot“ zollte man noch Tribut für die russische Rockband Pussy Riot, die wegen ihrer zurecht kritischen Haltung zur Politik in Russland politisch verfolgt wird, was bis zur Inhaftierung der Musikerinnen führte.

Nach etwa 45 Minuten verließ die Band unter dem Applaus der Besucher die Bühne. In der Form ist von den jungen Musikern aus Osnabrück noch einiges in der Zukunft zu erwarten.

Line-up Jail Job Eve:

Victoria Semel – vocals
Benedikt Schlereth – guitar
Jens Niemann – Hammond Orgel
Laurenz Gust – bass
Josef Röhner – drums

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann soweit und die drei Musiker von Kamchatka betraten die Bühne und präsentierten einen Querschnitt von Songs von ihren Anfangszeiten bis zum letzten Album „Hoodoo Lightning“.
Krachend  begann das Trio mit „Perfect“ vom 2011er Album „Bury Your Roots“, um dann mit „Seed“ einen bluesgetünchten Song aus ihrem Debutalbum nachzulegen.

Thomas Juneor Andersson zeigte in diesen beiden Stücken seine Vielseitigkeit an der Gitarre, welche von knallharten Rockriffs, bis hin zur Rhythmusarbeit in Richtung ZZ Top ging. Bei den Soli, in denen er Elemente verschiedenster Musikstile miteinander verschmelzen ließ, spielte er sich zuweilen in einen Rausch, um dann aber wieder punktgenau in den jeweiligen Songs wieder anzukommen. Im Gesang wechselte er sich mit Bassist Per Wiberg ab, der insbesondere bei den stark bluesigen Stücken mit seiner etwas rauheren Stimmlage überzeugen konnte.

Dabei legte er fette Bassläufe hin, welche absolut differenziert erkennbar waren. Hier schon ein Lob an Harro Kleffmann, dem es gelang den gewaltigen Sound ins Piano zu zaubern, dass es auch trotz der Lautstärke sehr klar war.
Mit „Auto Mowton/Spacegirl Blues“, auch vom ersten Album, ging es im Hard Rock der 70er Jahre im Stile von Bands wie Mountain weiter, und es kam immer wieder zu jammenden Einlagen.

Hier ist auch Drummer Tobias Strandvik hervorzuheben, der an den Drums zuweilen ein Tempo vorlegte, dass die Drumsticks nur so durch die Luft wirbelten. Vom aktuellen Album präsentierten die Schweden das rockige „Rainbow Ridge“, „Blues Science“ mit Heavy-Elementen in Part I („Thunder Rise“), während der musikalisch sehr heterogene Part II („Hoodoo Lightning“) wieder die gesamte Bandbreite vom Blues bis zum Hard- oder Heavy Rock widerspiegelte.

Mit zwei Songs vom 2015er Album „Long Road Made Of Gold“ beendete die Band das Set krachend mit bluesigen Hard Rock. Stark der klare Gesang bei „Get Your Name On“ mit stakkatoartigem Gitarrenspiel von Andersson und der etwas rauhere Gesang von Wiberg bei „Human Dynamo“.

Nach lautstarken Zugabeforderungen legte die Band mit „TV Blues“ noch eine harte Tex-Bluesnummer nach, um mit dem jammenden „No“ ein klasse Konzert, welches die Fans nicht nur durch die Außentemperaturen zum Schwitzen brachte, zu beenden. Schon wenige Minuten nach dem Konzert fanden sich die drei Musiker am Merchandisingstand ein und nahmen sich reichlich Zeit für Gespräche und zum Signieren von Fanartikeln. So konnten die drei sympathischen Skandinavier neben der starken Musik weitere Pluspunkte bei den Fans verbuchen.

Line-up Kamchatka:
Thomas Juneor Andersson – vocals, guitar
Per Wiberg – bass
Tobias Strandvik – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Whitesnake – Support: Europe – 27.05.2022 – Rudolf-Weber-ARENA, Oberhausen – Konzertbericht

Wenn ich meine mittlerweile unzähligen Konzertbesuche resümiere, muss ich feststellen, dass die Sparte der klassischen Hard Rock-Acts dabei eigentlich sträflich vernachlässigt wurde. Bei intensivem Überlegen komme ich vielleicht mit Bands wie u. a. Rose Tattoo, Thunder, UFO, Great White, Bruce Dickinson, Gary Moore oder Heart und ein paar anderen, vielleicht gerade mal auf etwas über zwei Hände voll.

Da war es natürlich an der Zeit, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wenn sich eine Kulttruppe wie Whitesnake im nahegelegenen Oberhausen in der Rudolf-Weber-ARENA angesagt hat. Die Spanne, solche Bands, mit denen man von frühester Jugend an sozialisiert wurde, zu erleben, wird ja auch nicht mehr gerade größer…

Und für Whitesnake steht natürlich ein Name, nämlich das Hard Rock-Urgestein David Coverdale. Seine lange Karriere wurde abgesehen von seinem Projekt mit Jimmy Page durch zwei große Phasen vornehmlich geprägt, die mit Deep Purple von 1973 bis 1977, und halt seine 1978 gestartete, bis in die heutigen Tage währende Whitesnake-Ära. Mir persönlich stand, bei allem Respekt vor Deep Purple, immer sein zweites Parade-Projekt musikalisch näher.

Den Auftakt an diesem Abend bildete jedoch eine Band, die sich 1986 mit einer hymnischen Key-Synthie-Hook und der simplen Refrainzeile „It’s the final countdown, the final countdown“ in das Langzeit-Gedächtnis, ich behaupte mal einfach, eines jeden Musikhörers, eingenistet hat. Man möge zu dem Lied stehen, wie man will, ich nenne es große Songwriting-Momente.

Europe nur auf dieses Stück zu reduzieren, würde dem skandinavischen Quintett gegenüber aber nicht gerecht. Die Band ist immerhin auch schon seit 1979 im Geschäft, hat elf Alben produziert und wurde auch bei ihrem knapp 60-minütigen, beherzten Auftritt vom Publikum ordentlich mitgetragen.

Ihr Fronter Joey Tempest erwies sich dabei vokal als auch bewegungsmäßig in Bestform. Auffälligster Akteur neben ihm war bei Songs wie u. a. „Walk The Earth“, der schönen Ballade „Carrie“, „Heart Of Stone“, „Last Look At Eden“, „Ready Or Not“, „Superstitious“ oder „Cherokee“, Gitarrist John Norum, der mit vielen quirligen Soli auf den unterschiedlichsten E-Gitarren (oft mit einer Flying-V) zu überzeugen wusste.

Paradoxerweise empfand ich den Megahit „The Final Countdown“ zum Abschluss, trotz riesiger Stimmung in der ARENA, als schwächstes Lied der Europe-Setliste, in einer ansonsten starken und zurecht mit viel Stimmung und Applaus honorierten Vorstellung.

Line-up Europe:
Joey Tempest: lead vocals, guitar
John Norum: Guitars, bgv
John Leven: bass
Ian Haugland: drums, bgv
Mic Michaeli: keys, bgv

Erfahrene Profis wie David Coverdale und seine Begleiter wissen solche atmosphärischen Begebenheiten natürlich zu ‚lesen‘ und gaben, nach ca. 30 Minuten Umbaupause und dem The Who-Einspieler „My Generation“ von Anfang an Gas. „Bad Boys“ und „Slide It In“ rockten unter dem Antrieb des wie entfesselt trommelnden Tommy Aldridge sofort heftig los, bis es bei „Love Ain’t No Stranger“ die ersten Gänsehautmomente zu vermerken gab.

Mit „Hey You (You Make Me Rock)“ kam dann das einzige Stück des momentan aktuellen Studiolongplayers „Flesh & Blood“. „Slow An‘ Easy“, „Ain’t No Love In The Heart Of The City“ und der Opener „Fool For Your Loving“ von ihrem wohl stärksten Album „Ready An‘ Willing“ (für mich persönlich jedenfalls), ließen kaum Zeit durchzuatmen.

Apropos Durchatmen: Der nun bereits 70-jährige Fronter nahm sich ab diesem Zeitpunkt spürbar seine kurzen Zwischenpausen, was ich allerdings für völlig legitim halte. So eine Hard Rock-Shouter Performance, und das über zig Dekaden und so einem Alter, vornehmlich in den großen Arenen der Welt, ist nun mal kein gemütlicher Singer-Songwriter-Abend.

Und so rückten seine Bandmitglieder Reb Beach (mit amerikanisch-typisch lässiger, aber technisch brillanter E-Gitarre), Dino Jelusić (mit Synthie-Umhängekeyboard, das er zum Teil in Hendrix-Manier rückseitig auf den Schultern bearbeitete) und Joel Hoekstra (viel in kniender Poser-Haltung bei seinen Einlagen) mit einem Instrumental-Intermezzo stärker in den Fokus.

Nach dem fantastischen „Crying In The Rain“ (einer meiner Favoriten des Gigs) ging es fließend in ein Drumsolo von Tommy Aldridge über, das sich noch wilder als seine wüste Lockenmähne auf dem Haupte entpuppte. Das toppte die ohnehin schon eingebrachte Energie bei den Liedern nochmals. Unglaublich was sich da an Kraft und Koordinationsfähigkeiten mit Sticks (die dann irgendwann ins Publikum flogen) und Händen (damit machte er dann unvermindert weiter) an dynamischer Energie entlud.

Es kam zur Vorstellung der Band, in der David jeden einzelnen (inklusiv der attraktiv anzusehenden Bassistin Tanya O’Callaghan) zu sich nach vorne nahm, und ein paar kurze, würdigende Worte zu deren Background verlor. Die Chemie innerhalb des Kollektivs scheint zu stimmen. Der Ohrwurm „Is This Love“ war danach gut gewählt und über das wieder rockige „Give Me All Your Love“ ging es dann zum Whitesnake-Klassiker schlechthin, „Here I Go Again“, über, das von Band und Publikum zugleich vokal zelebriert wurde. Tolle Momente im Rund der ARENA!

Wer geglaubt hatte, dass es das jetzt gewesen sei, wurde eines Besseren belehrt. Mit einer furiosen Version von „Still Of The Night“ folgte noch weiteres Highlight der Show. Dem nicht genug. Coverdale spannte mit „Burn“ dem gleichnamigen Titelstück des 1974 erschienenen Werks, den Bogen zurück zu seiner alten Band Deep Purple und fackelte samt seiner Mitstreiter die Rudolf-Weber-ARENA regelrecht ab, wobei sich auch der zweite Keyboarder Michele Lupi dann mit einem Jon Lord-Gedächtnis-Orgel-Solo expliziter ‚zeigen‘ konnte.

Fazit: Insgesamt ein unterhaltsamer kurzweiliger Gig mit zwei spielfreudigen und starken Hard Rock Bands, die auch nach all den Jahren nichts von ihrer Anziehung verloren haben. Von daher mein beeindruckter Appell in Richtung Coverdale & Co., frei nach einem berühmten Woody Allen-Film: Play it again, David!

Line-up Whitesnake:
David Coverdale: lead vocals
Reb Beach: electric guitar, bgv
Joel Hoekstra: electric guitar, bgv
Michele Lupi: keys, bgv
Dino Jelusić: keys, bgv
Tanya O’Callaghan: bass, bgv
Tommy Aldridge: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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FM – Support: Edge Of Forever, 10.05.2022, Resonanzwerk, Oberhausen – Konzertbericht

Im Prinzip stehen die Leute (uns eingeschlossen), die Konzerte besuchen, über die wir in der Regel berichten wie Southern- oder Blues Rock (abgesehen von der New Country-Sparte), der Urne mittlerweile näher als der eigentlichen Blütezeit ihres Lebens. Bei FM hätte ich das, ehrlich gesagt, auch ähnlich vermutet, da die Band ja auch sehr lange Zeit im Geschäft ist und aus Musikern besteht, die sich in unserer Altersklasse bewegen.

Aber weit gefehlt, das deutete sich schon an, als vor dem Eintritt in das Resonanzwerk in Oberhausen, zwei wildmähnige junge Mädels in knappen Fummel vor uns in Richtung Location stolzierten, die problemlos als Enkelinnen von Tom Kiefer und Brett Michaels durchgehen würden. Als die Location ihre endgültige Besucherzahl erreicht hatte (leider nur knapp 100), fühlte man sich angesichts der bunten Mischung aus Hard Rockern, Glam-Sleaze-/Melodic Rock-Fans und sonstigen Musikliebhabern fast wie in seine einstige Jugendtage zurückversetzt. Gernot und ich sind ja Kinder der Mucke von Mitte 70er bis Mitte der 90er Jahre. 

Als Vorgruppe betraten die italienischen Jungs von Edge Of Forever um 20:00 Uhr pünktlich die schön erhöhte Bühne des Resonanzwerks. Sie erspielten sich mit Songs wie „Get Up On Your Feet Again“, „Native Soul“, „Edge Of Life“, „Shift The Paradigm“, „Calling“, „Breath Of Life“, „Prisoner“, „Promised Land“ und „Feeding The Fire“ aus ihrer gesamten Bandhistorie und vom aktuellen Album „Seminole“ mit einem engagierten (Melodic) Hard Rock-Auftritt viele Sympathien. Liebhaber von Musik zwischen Bon Jovi, Survivor, Def Leppard, Thunder und House Of Lords & Co. werden ihre Freude gehabt haben.

Nach einer halben Stunde Umbaupause betrat der Hauptgrund unserer Anreise die Bühne. Trotz meiner eigentlichen Passionen zählte alles, was sich um Steve Overland und FM bisher abspielte (also z. B.  auch seine Seitenprojekte wie Shadowman, The Ladder oder Overland) schon immer zu einer meiner vielen Vorlieben. Zu diesen Projekten habe ich auch in früheren Magazinen einige Reviews verfasst, hier bei uns ist noch ein Interview zu finden, das ich mal im Rahmen einer The Ladder-CD, mit seinem zu dieser Zeit aktiven Gitarristen Gerhard Pichler gemacht habe.

Steve Overland gehört für mich neben Paul Rodgers und Danny Bowes zu den großen Dreien der britischen Rocksängerzunft. Und auch an diesem Abend offerierte er mit seinem variablen Gesang und seiner sympathischen Aura, dass er immer noch in bestechender vokaler Form ist.

Er und seine hervorragenden langjährigen Bandkollegen Pete Jupp und Merv Goldsworthy, sowie Jem Davis und Jim Kirkpatrick, der noch vor kurzem bei Band Of Friends bewies, dass er nicht nur einen begnadeten Melodic Rock-Gitarrist abgibt, sondern auch im Blues Rock-Genre an den Saiten sowie gesanglich, einiges zu bieten hat, wurden sofort vom Publikum enthusiastisch aufgenommen.

Overland und Co. eröffneten mit „Synchronized“ den Reigen ihres unterhaltsamen Programms, dass von toller Stimmung, tänzerischem Mitgehen der vielen ansehnlichen Mädels und diversen Mitsinginteraktionen gekennzeichnet war. Die Atmosphäre war prächtig.

So verging die Zeit mit Krachern wie „Bad Luck“, „Don’t Stop“, „Crosstown Train“, der herrlichen Ballade „Long Road Home“ (vom aktuellen Album „Thirteen“), dem Hit „Killed By Love“ und weiteren unterhaltsamen Tracks wie „Frozen Heart“, „Let Love Be The Leader“, „Tough It Out“, „I Belong To The Night“, „Metropolis“ (herrliche E-Gitarre Kirkpatrick) als Into zu „Over You“ bis zum rockigen Abschluss des Hauptteils „Turn The Car Around“, wie im Fluge. Mein Southern Rock-Herz wurde zwischenzeitlich aktiviert, wenn Kirkpatrick und Overland mit einigen Twin-Passagen an ihren E-Gitarren zu brillieren wussten.

Bei den Zugabestücken  „Story Of My Life“ und Other Side Of Midnight“, bei denen Overland aus Solidarität mit einem Ukraine-T-Shirt auch politische Stellung bezog, gab es unter den Anwesenden längst kein Halten mehr.  Das Kult-Quintett wurde zurecht am Ende stürmisch gefeiert.

Für mich persönlich kam es dann bei unserem Logobild im Anschluss an den Gig mit einem meiner absoluten Lieblingssänger zum krönenden Abschluss. Ein toller Abend, der an die guten alte Zeiten meiner Jugend erinnerte. Einen ähnlichen illustren Mix an jungen, alten und skurrilen Leuten im Publikum würde man sich übrigens bei allen Konzerten wünschen. Ein herzlicher Dank auch an KL concerts + promotion für die unkomplizierte Akkreditierung!

Line-up FM:
Steve Overland – Lead vocals, electric guitar
Jim Kirkpatrick – Eletric guitar, vocals
Pete Jupp – Drums
Merv Goldsworthy – Bass, vocals
Jem Davis – Keys, vocals

Line-up Edge Of Forever:
Alessandro Del Vecchio – Lead Vocals, keys
Nik Mazzucconi – Bass
Marco Di Salvia – Drums
Aldo Lonobile – Electric guitar

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Resonanzwerk, Oberhausen

Michael Schenker – Support: Everdawn, 04.05.2022, Zeche, Bochum – Konzertbericht

Etwa drei Jahre liegt der letzte Auftritt von Michael Schenker in NRW mittlerweile zurück. Damals war es ein Gastspiel mit dem Michael Schenker Fest mit vier verschiedenen Sängern. Diesmal war die Besetzung an den Vocals geringer und Robin McAuley, der auch beim Fest dabei war, war einziger Frontmann.

Ansonsten war sonst nur Steve Mann, der aber auch zuvor in der Vergangenheit öfter mit Schenker zusammengearbeitet hatte, als zweiter Gitarrist und Keyboarder übrig geblieben. Die Rhythmussektion ersetzte Schenker mit Barend Corbois am Bass und Bodo Schopf an den Drums, der den verstorbenen Ted McKenna schon bei den letzten Konzerten ersetzt hatte.

Nachdem die Tore der Zeche ab 19:00 Uhr geöffnet wurden tröpfelten die Besucher zunächst eher in die Halle, dass sich um 19:30 etwa 40–50 Gäste im Konzertsaal befanden. Dann änderte sich ab 20:30 schlagartig, als um 20:00 Uhr  die aus New Jersey kommende Band Everdawn die Bühne betrat.

Etwa 40 Minuten präsentierten die Amerikaner um Frontfrau Alina Gavrilenko und den Gitarristen Richard Fischer Songs, die sie selber als Ultra Melodic Metal bezeichnen. Harte Gitarrenriffs, stampfende Bass- und Drum-Rhythmen verschmelzen dabei mit der sehr hohen Stimme der Fronterin und dem Keyboardspiel, das den Songs zuweilen eine gewisse Milde einhauchte. Es gelang ihnen, den Besuchern, die vor allem wegen Schenker gekommen waren, die Wartezeit zu verkürzen, was sich auch an dem Applaus der Zuschauer zeigte.

Um 21.00 Uhr betrat Michael Schenker nach einer relativ kurzen Umbaupause mit seinen Instrumentalisten die Bühne. In einer Ansage sagte Schenker, dass das folgende „Ascention“ seinem leider zu früh verstorbenen Drummer Ted McKenna gewidmet ist. Erst nach diesem instrumentalen Feuerwerk kam auch Sänger Robin McAuley suf die Bühne. Und es sollte in dem knapp 120 Minuten dauernden Konzert ein bunter Mix aus Songs folgen, an denen Michael Schenker in seiner mittlerweile 50 Jahre dauernden Karriere beteiligt war.

Schnell war der Funke auf das begeisternd mitgehende Publikum übergesprungen und es entwickelte sich ein toller Hard Rock-Abend. An den Gesichtern der Musiker konnte man erkennen, mit welcher Freude sie die Tracks spielten, und wie sie es genossen, die Resonanz der Zuschauer zu bekommen.

Dem „Cry For The Nations“ folgenden „Doctor Doctor“, der ersten UFO-Darbietung, konnte man etliche Besucher mitsingen sehen. McAuley ist gesanglich noch absolut auf der Höhe und hatte, wie auch im weiteren Konzert mit dem einen oder anderen Fan Augenflirts. Schön war, dass Schenker den anderen Musikern immer wieder die Möglichkeit gab, sich in der Frontline zu präsentieren und nicht irgendwo im Bühnenhintergrund ein Schattendasein zu fristen.

Dies lag aber auch an der geschickten, meist ausgewogenen Bühnenausleuchtung, wo Schenker nur bei einigen seiner von filigran bis brachialen Soloarbeit mit Spots klar in den Vordergrund gestellt wurde. Vor dem Licht steht eigentlich der Sound, der so abgemischt war, dass die Instrumente eindeutig zu identifizieren waren und auch so ausgesteuert waren, dass McAuleys Gesang in der Wucht, insbesondere der Drums und des Basses ,nicht unterging.

Nach einigen MSG-Stücken, wie „Warrior“ oder „Arena“ durfte sich mit „In Search Of Peace Of Mind“ auch ein alter Scorpions-Track (vermutlich sogar der erste, den er als Teenager selbst schrieb) aus den relativ kurzen Phasen seiner Anfangsband einreihen, aus der er ausstieg, um danach in der erfolgreichsten UFO-Zeit mitzuwirken.

Mit „Lights Out“ brachte die Band den Saal zum Kochen. Corbois bewies, dass er nicht nur ein begnadeter Bassist ist, sondern auch durch sein Auftreten und Posen dazu beiträgt, visuell die Fans aufzupuschen. Überhaupt muss gesagt werden, dass Corbois und Drummer Bodo Schopf einen stampfenden Sound vorlegten, der durch den Gitarristen und Keyboarder Steve Mann noch verfeinert wurde. 

Nach „Lights Out“ verließ McAuley für einen Song die Bühne und überließ Michael Voss das Mikro, der dann das sehr melodische, eher ruhige „After The Rain“ sang. Nachdem die Fans für einen Song lang etwas heruntergekühlt wurden, gab es kein Halten mehr. Ein famoser Hard Rock_Kracher jagte regelrecht den anderen und Schenker baute mit dem wieder etwas ruhigeren „A King Has Gone“, das Ende des Monats auf dem neuen Album erscheinen wird, ein Stück aus der Zukunft ein, was beim Publikum sehr gut ankam.

Als die ersten Töne von „Rock Bottom“ erklangen, brandete Applaus durch die Halle und Schenker zeigte in minutenlanger Soloarbeit, was so alles aus einer Gitarre zu entlocken ist. Dabei offerierte er seine gesamte spielerische Bandbreite, die weit über den Hardrock hinausgeht und zuweilen auch klassische Elemente beinhaltet.

Wer gedacht hätte, nach diesem fast schon monomentalen Song könne nichts mehr kommen, wurde eines Besseren belehrt. Praktisch ohne große Pausen folgten „Shoot Shoot“, “Let It Roll“, „Natural Thing“, „Too Hot To Handle“ und „Only You Can Rock Me“, bei denen sich die Musiker scheinbar in einen Rausch spielten und es auch die Besucher auf der kleinen Tribüne nicht mehr auf den Sitzen hielt.

Zum Ende des Fegers schnappte Schenker sich sein Handy und knipste ins Publikum, um deutlich zu machen, dass dieser Abend auch für die Band etwas Besonderes war. Ein besonderer Dank geht neben dem an die Band für die tolle Musik auch an  a.s.s.concerts & Promotion und an die wie immer sehr freundlichen Mitarbeiter der Zeche.

Line-up MSG:
Michael Schenker – Guitars, Backing Vocals
Robin McAuley – Lead Vocals
Bodo Schopf – Drums
Barend Courbois – Bass, Backing Vocals
Steve Mann – Guitars, Keyboard, Backing Vocals

Line-up Everdawn:
Alina Gavrilenko – Lead Vocals
Mike LePond – Bass
Dan Prestup – Drums
Boris Zaks – Keyboards
Richard Fischer – Guitars, Vocals

Text und Bilder: Gernot Mangold

Michael Schenker
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Everdawn
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a.s.s. concerts & promotion gmbh
Zeche, Bochum

Beth Hart – A Tribute To Led Zeppelin – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Beth Hart fügt sich mit dem Album „A Tribute To Led Zeppelin“ in die Reihe der Musiker ein, die in den letzten Jahren Werke „alter“ Künstler wieder aufleben ließen. Dass Beth Hart ein Faible für Led Zeppelin hat, zeigt sich auch dadurch, dass „Whole Lotta Love“ immer wieder Bestandteil ihrer Konzerte ist.

Der Ursprung zu dem Coverwerk ist aber bei den Aufnahmen zu ihrem letzten Longplayer „War In My Mind“ 2019 zu sehen, wo sie während der Aufnahmesessions eine improvisierte Version von „Whole Lotta Love“ sang. Dies beeindruckte den Produzenten Rob Cavallo so, dass er Hart vorschlug, ein Led Zeppelin-Tribute Album aufzunehmen. Damals sagte Sie noch ab, da sie sich nicht bereit dafür fühlte und ihr die, wie sie sagte, nötige Wut für die Led Zep-Songs fehle. Diese schäumte dann im Laufe der Corona-Pandemie in ihr hoch und Hart ließ sich vorgesehenen Songs zuschicken.

Die Tracks sind so geschickt gewählt, dass die gesamte musikalische Bandbreite, die Led Zeppelin nutzte, abgebildet ist. Diese sind von den beteiligten Musikern so hervorragend eingespielt,  dass Beth Hart ihre Stimme sozusagen fast nur noch als I-Tüpfelchen izur Geltung bringen musste.

Krachend beginnt das Album mit besagten Hit „Whole Lotta Love“, um den Zuhörer dann mit dem psychedelisch angehauchten „Kashmir“ gedanklich in eine Reise in den Orient zu entführen. Geschickt wird diese Stimmungslage in der Zusammenstellung der Songs genutzt, um das fast verträumt wirkende „Stairway To Heaven“ nachzulegen, wo Hart stimmlich ihre zarte Seite zeigt.

Schon mit den ersten Tönen von „The Crunge“ wird der Hörer wieder aus den Träumen gerissen und Beth Hart hüllt den Song in ein peppiges funkiges soul-umhauchtes Gewand. Im Medley „Dancing Days / When The Levee Breaks“ kommt Harts kraftvolle Stimme gut zur Geltung und das psychedelische orientalisch angehauchte Flair der ursprünglichen Songs wird so mit neuem Leben gefüllt. Hier sorgen, wie bei anderen Stücken auch, die orchestralen Arrangements für eine enorme Sounddichte.

In „Black Dog“ offeriertt Hart, dass sie stimmlich Robert Plant in den hohen Tönen sehr nahe kommen kann. Furios in diesem Song auch das Gitarrenspiel und die treibende Rhythmusfraktion. Mit dem zweiten Medley „No Quarter / Babe I’m Gonna Leave You Now“ kehrt vom Tempo her zunächst wieder etwas Ruhe ein.

Psychedelisches Gitarrenspiel, unterstützt vom entsprechenden Gesang Harts, lädt wieder zum Träumen ein. Toll arrangiert sind dabei die verschiedenen Instrumente, die klar differenziert die Komplexität der alten Zeppelin-Klassiker zum Ausdruck bringen.

„Good Times Bad Times“ scheint für Beth Hart nicht nur stilistisch maßgeschneidert zu sein, es spiegelt gewissermaßen auch die Höhen und Tiefen wieder, die sie selbst durchgemacht hat. Zuweilen hört man dort die Anfangs angesprochene Wut nicht nur in der Stimme, sondern auch im Spiel der Gitarre.

Im „The Rain Song“ zeigt sich Hart wieder stimmlich sehr gefühlvoll und mit diesen psychedelisch klasse arrangierten Song wird ein starkes Album abgerundet, in dem eine würdige Hommage an eine der populärsten und kreativsten Rockbands gesetzt wird und in dem, sowohl Hart, wie auch die anderen Musiker, viel ihrer eigenen Kreativität einfließen lassen. 

Interessant wird sein, ob Hart in der für den Herbst angesagten Deutschlandtour zumindest Teile dieses starken Albums in das Programm einfließen lässt. Wenn ja, kann dieses Werk die Zeit bis dahin verkürzen und dem Rockfan schon vorher das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.

Band:
Beth Hart – Gesang
Rob Cavallo – Gitarre
Tim Pierce – Gitarre
Chris Chaney – Bass
Jamie Muhoberac – Keyboards
Dorian Crozier – Schlagzeug
Matt Laug – Schlagzeug
David Campbell – orchestrale Arrangements

Provogue Records, Mascot Label Group (2022)
Stil: Hard Rock, Psychedelic Rock

Tracklist:
01. Whole Lotta Love
02. Kashmir
03. Stairway To Heaven
04. The Crunge
05. Dancing Days / When The Levee Breaks
06. Black Dog
07. No Quarter / Babe I`m Gonna Leave You now
08. Good Times Bad Times
09. The Rain Song

Beth Hart
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Mascot Label Group

Grande Revival – Liberty Station – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Grande Revival ist amerikanische Westküsten-Newcomer Band, bestehend aus „Dirty“ Dave Osti und Craig Ericson (beide Gitarre und Gesang), Anthony James (Bass) sowie Cosmo Benz (Drums). Mit „Liberty Station“ legen die vier ihr Debutalbum auf Grooveyard Records vor, einem Indie-Label, das sich ganz und gar dem Old-School-Rock, inspiriert von den Gitarrengrößen der 70‘er Jahre, verschrieben hat, alles getreu dem Motto „Keep the rock alive“. Und damit ist auch klar, was der Hörer von dieser Scheibe erwarten darf: klassischen, bluesbasierten Hard Rock mit melodiösen Einflüssen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die zehn Songs des Albums sind ohne Wenn und Aber gute, rockige Hausmannskost, wie sie so oder so ähnlich vielfach, zumeist in den frühen 70‘ern, gespielt wurde. Besonders deutlich wird dies in dem straighten und energiegeladenen Opener „Scars On The Road“, an das sich das etwas ruhigere und melodiösere „She‘s My Angel“ mit schöner Old-School Leadgitarre anschließt. „Brave The Storm“ kommt dem Opener recht nahe, ist aber etwas ruhiger arrangiert und in dem leicht country-beeinflussten „Cabin In The Country“ blitzen immer wieder Slideelemente auf.

Der Titelsong „Liberty Station“ und „Gypsy Southern Highway“ besitzen einen balladesken Anstrich, auch wiederum eingebettet in den typischen 70‘er Jahre Gitarrensound. Mit „Heal The Hurt“ und „Good Time“ schließen sich dann zwei weitere fette Hard Rock-Stücke an und bei „Sweet Comfort Of Love“ kommen tatsächlich auch zarte Southern-Gefühle auf.

Zum guten Schluss endet das Album mit dem abwechslungsreichen Track „Big River Moon“. Der Song beginnt mit einem ruhigen Akustik-Part, entwickelt sich dann aber zu einem gemächlichen Hard Rock Song mit teilweise sphärisch klingender Gitarre im Mittelteil und endet schließlich wieder als ruhiges Akustikstück.

Zwar trifft Grande Revival mit ihrem neuen Album „Liberty Station“ nicht unbedingt die eigentliche Zielgruppe von Sounds Of South, dennoch ist die Scheibe nicht zuletzt durch die grundsolide Musikalität der vier Bandmitglieder eventuell auch für unsere Leserschaft interessant. Vielleicht ist ja auch noch der / die Eine oder Andere ein wenig mit dem Rocksound von vor 50 Jahren verhaftet. Dann kommen die zehn durchaus starken und teils auch bombastisch klingenden Songs der Scheibe sicherlich gut an.

Label: Grooveyard Records (2022)
Stil: Rock, Hard Rock

Tracks:
01. Scars On The Road
02. She‘s My Angel
03. Brave The Storm
04. Cabin In The Country
05. Liberty Station
06. Gypsy Southern Highway
07. Heal The Hurt
08. Good Time
09. Sweet Comfort Of Love
10. Big River Moon

Grande Revival bei Grooveyard Records

The Cold Stares – 28.10.2021, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Die aus den Staaten kommenden The Cold Stares sind erstmals auf Europatour und machten auch im Dortmunder Musiktheater Piano Halt. Dass Newcomer oft einen schweren Stand haben, zeigte sich an der Besucherzahl, die ziemlich übersichtlich war und erhebliche Lücken im Publikum offenbarte, was wieder das Risiko der Veranstalter, aber auch der Künstler gerade in der jetzigen Zeit zeigt, wo vielen das Infektionsrisiko bei Veranstaltungen noch immer zu groß ist.

Umso beachtlicher, dass das Musiktheater Piano und 3Dog Entertainment dennoch wagten, die hierzulande noch recht unbekannte Band zu engagieren, was sich aus musikalischer Sicht auf jedem Fall gelohnt hat. Als das Duo die Bühne betrat, mag so mancher, der ohne Vorwissen das Piano besucht hatte, sich erst einmal die Augen gerieben haben.

Der untere Teil der Bühne gehörte dem Sänger und Gitarristen Chris Tapp und der erhöhte Teil dem Drummer Brian Mullins. Nachdem Chris Tapp die Band kurz vorgestellt hatte und zum Ausdruck brachte, wie sie sich freuen, in dieser schönen Location bei ihrer ersten Europatour zu spielen, jagten die Zwei über knapp 70 Minuten von Song zu Song.

Der Großteil der Songs kam von den eigenen mittlerweile drei Alben inklusiv ihres aktuellen Werkes „Heavy Shoes“ und wenigen, eingestreuten Coverstücken, wie z. B. das legendäre „Whipping Post“, was die beiden in einer straighten schnörkellosen Hard Rock-Nummer präsentierten.

Beeindruckend war, mit welcher Dynamik und welchem Soundvolumen das neu renovierte altehrwürdige Musiktheater Piano beschallt wurde, was von der Klasse der Musiker zeugt. Chris Tapps kraftvoller Gesang erinnerte zuweilen an Phil Lynott, genau wie auch das Gitarrenspiel bei manchen Sogs auch zu Thin Lizzy gepasst hätte. Einige eher getragene hart rockende Songs erinnerten an düstere Phasen von Black Sabbath und Brian Mullins hämmerte bei vielen Songs so auf die Drums ein, dass man glauben konnte, eine Reinkarnation von John Bonham würde hinter den Drums sitzen.

Nach etwa 65 Minuten Spielzeit legte das Duo mit „Mojo Hand“ ihren vermutlich bekanntesten Song als Zugabe nach, welcher auch der Trailer des Videogames „Cyberpunk 2077“ ist und über 10 Mio. Streams auf Youtube hat. Trotz der hierzulande einer mit 70 Minuten eher kurzen Spielzeit, gab es nur zufriedene Gesichter im Publikum, da diese auf der Überholspur ohne Schnörkel bestritten wurde. Nach der Show nahmen sich die beiden Musiker noch ausgiebig Zeit für die Fans am Merchandisingstand, aber auch auf der Bühne, wo Tapp einem Fan seine Gitarre in die Hand gab und mit diesem darüber plauderte.

Von The Cold Stares wird in Zukunft, wenn sie ihre rohe dynamische Art beibehalten, noch Einiges zu erwarten sein, nicht umsonst hat mit der Mascot Label Group ein Schwergewicht die Band in diesem Jahr unter Vertrag genommen. Der Auftritt des Abends im Piano wird vermutlich nicht der letzte dort gewesen sein und mit der Werbung, die die Band für sich gemacht hat und dem großen Label im Rücken, ist zu erwarten, dass dann auch die Zuschauerzahl um einiges höher sein wird.

Line-up:
Chris Tapp – vocals, guitar
Brian Mullins – drums

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

The Cold Stares
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Little Caesar, 24.09.2021, Schlachtgarten, Krefeld – Konzertbilder

Zum Abschluss der drei Konzerte in NRW (zuvor in Köln und Dortmund) rockten Little Caesar jetzt den Schlachtgarten in Krefeld. Bei sommerlich milden Temperaturen hatten etwa 100 Besucher den Weg in die fast schon heimelig wirkende Openair-Location gefunden.

An der Stimmung der Fans konnte man erkennen, dass keiner den Weg an diesem Abend bereut hatte. Neben dem furiosen Auftritt, wie bei den vorherigen Gigs, war diesmal auch das klangliche Erlebnis einwandfrei und die Instrumente waren klar differenziert herauszuhören und auch der Gesang konnte sich, wenn auch manchmal mit Mühe, gegen die Lautstärke der Drums und Gitarren behaupten.

Nun ist die Openair-Saison der Kulturrampe und des Schlachtgartens fast abgeschlossen und am nächsten Mittwoch werden Robert Jon & The Wreck die letzte Woche eines gelungenen Kultursommers in dieser feinen Location einläuten.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Teenage Head Music
Kulturrampe, Krefeld
Schlachtgarten, Krefeld

Little Caesar, 14.09.2021, Open Air Bühne (Freideck), Kantine, Köln – Konzertbericht

Deutschland-Auftakt der Europa-Tournee von Little Caesar. Zum ersten Mal gab das Quintett um Bandleader Ron Young sein Stelldichein im Kölner Kantinen-Areal, sprich der dort anliegenden Open Air Bühne am sogenannten Freideck. Ich persönlich habe die Truppe aus Los Angeles bis jetzt zwar einige Male live gesehen, aber immer nur in der kleinen Krefelder Kulturrampe, die soundtechnisch aufgrund der Lautstärke dabei jedes mal so ziemlich an ihre Grenzen gebracht wurde. Deshalb war ich sehr gespannt, wie die Musik diesmal auf dem weitläufigen Gelände rüberkommen würde.

Der Wettergott kam der Bitte vom Klassiker ihres ersten Albums „I Wish It Would Rain“ nur eine knappe halbe Stunde vor Konzertbeginn auf der Hinfahrt von Rheinberg nach Köln nach, während des gut 90 Minuten währenden Gigs durfte man sich über trockene Verhältnisse bei sehr angenehmen Temperaturen freuen. Auch die gute Besucherzahl (Kantinenmacher Marcus Neu hatte da im Vorfeld etwas Bedenken) trug von daher zu besten Voraussetzungen bei.

Pünktlich um 19:30 Uhr betraten Ron Young, Mark Tremalgia, Pharao Barrett, Loren Moulinare und Brian Irving (der etatmäßige Drummer Tom Morris musste aus familiären Gründen passen) die große Bühne und legten mit „Drive It Home“, wie bei Little Caesar gewohnt, direkt einen ordentlichen Hard Rock-Drive vor.

Auch an diesem Abend zeigte sich, welch hohe Bedeutung das damals umjubelte Major-Debüt von 1990 und zugegebener Maßen immer noch beste Werk, für die Setlist der Band spielt. „Rock-N-Roll State Of Mind“, „Hard Times“, „Wrong Side Of The Tracks“, „Chain Of Fools“, besagtes „I Wish It Would Rain“, „Down-N-Dirty“ und „In Your Arms“ bildeten das starke Grundgerüst, um die Fangemeinde mit dem typischen Wechsel aus launig hart rockenden Nummern und den eingestreuten schmalzfreien Balladen, in beste Stimmung zu versetzen.

Highlights bis dahin sicherlich der Zwischenschrei von Ron Young beim Aretha Franklin-Cover „Chain Of Fools“, als Beweis für die immer noch starke Stimme des Bandleaders, an dem ein Joe Cocker sicherlich seine Freude gehabt hätte. Schön auch, als bei „Down-N-Dirty“ im Bridge die ja eigentlich vom Sänger gepachteten „Can’t you see, Can’t you see“-Zeilen von einem Zuschauer spontan übernommen wurden, was alle Anwesenden (inklusiv Band) sichtlich amüsierte und so zur lockeren Gesamtatmosphäre beitrug.

Young gab sich wie gewohnt kommunikativ (vielleicht schon etwas zu überdreht an diesem Abend), die Pfunde, die beim eh schon spindeldürren Wirbelwind Loren Moulinare (der wieder mit seiner durchgeknallten Mimik und Agilität ein absoluter Aktivposten) verlorengegangen zu sein schienen, hatten sich wohl bei Bassist Pharoah Barrett angesiedelt, der mit pumpenden Bassläufen, guten Harmoniegesängen und auch einem Leadvocal-Einsatz bei der zweiten Zugabe „Every Picture Tells A Story Happy“ mittlerweile eine gewichtige Rolle, nicht nur von der imposanten Statur her, im LC-Line-up einnimmt.

Mark Tremalgia spielte die meisten Soli auf seiner Les Paul (leider nicht immer transparent rauszuhören), Ersatz-Drummer Brian Irving fügte sich mit wuchtigem Spiel ganz flüssig ein, als wäre er schon immer dabei gewesen.

„Mama Tried“ vom momentan aktuellen Album „8“ finalisierte den Hauptteil, zwei Zugaben holte die mittlerweile stehende Audienz noch raus. Vor dem launigen „Vegas“ (klasse die Zeilen „Too stupid for New York, Too ugly for Hollywood) als erster Zugabe, ebenfalls auf „8“ vertreten, verteilte Ron wie gewohnt (siehe dazu auch unser Interview von 2016), Spitzen gegen das eigene Land, in dem er auf die immer noch weit verbreitete Bildungsarmut hinwies.

Hier führte er an, dass es in den Staaten ernsthaft sehr viele Menschen gibt, die New York für das Ende der Welt halten. Ok, wenn es statt geografisch, metaphorisch gemeint wäre, könnte man es auch als scharf skizzierte Ironie interpretieren (angesichts dessen, was diese Beton-Megastädten an Negativem um den ganzen Globus verbreiten), aber in der Tat scheint es sich wohl um ersteren Sachverhalt zu handeln…

Wie dem auch sei, der Little Caesar-Gig bot insgesamt 1 1/2 Stunden beste Hard Rock-Unterhaltung, wenn es jetzt noch gelingen würde, den Sound mal einwandfrei hinzukriegen, dann können sich alle, die die nächsten Stationen besuchen, auf eine tolle Show freuen.

Line-up:
Ron Young (lead vocals)
Mark Tremalgia (electric guitar, vocals)
Pharoah Barrett (bass, vocals)
Brian Irving (drums)
Loren Moulinare (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kantine Köln

D-A-D – Support: Bonsai Kitten, 15.08.2021 , Dubois Arena, Essen – Konzertbericht

Weil sich Indoorveranstaltungen weiterhin problematisch gestalten, ergab sich für den Essener Hard Rock-Tempel Turock die Möglichkeit, einige Konzerte open air in der Dubois Arena in Essen-Borbeck zu veranstalten. Die ursprünglich als Boxarena in den 50er-Jahren wie ein Amphitheater gebaute Location gab einen schönen äußeren Rahmen, wobei der einzige kleine Nachteil die Bühne war, die ebenerdig ist, sodass die Zahl der Sitzmöglichkeiten im inneren Raum aufgrund von Sichtbeeinträchtigungen nur sehr begrenzt war.

Dafür war auf den relativ steilen Rängen genügend Platz, um das Konzert zu verfolgen. Pünktlich um 19:00 Uhr betraten die aus Berlin kommenden Bonsai Kitten die Bühne und legten direkt rockig los. Im Mittelpunkt standen die Sängerin Tiger Lilly Marleen, die mit ihrer extrovertierten Art mit glitzernden Outfit schnell den Zugang zum Publikum fand und Gitarrist Andre „Wally“ Wahlhäuser mit einigen rockenden Soli.

Bassist Spoxx und Drummer Marc Reign sorgten für die nötige Rhythmusgrundlage in dem etwa 40-minütigen Auftritt, in dem die Band zum Großteil Songs des aktuellen Albums „Love And Let Die“ präsentierten. Zum Ende des D-A-D-Konzertes stand die ganze Band geduldig und gut gelaunt noch den Besuchern für Smalltalk, Fotos oder das Zeichnen von Fanartikeln zur Verfügung. Sehr sympathisch und fanfreundlich war dabei beim Verkauf der Vinylalben der Hinweis, dass die fürs Auge schönen, aber etwas teureren farbigen Vinyls in der Soundqualität schlechter wären, als die klassisch schwarze Pressung.

Nach einer etwa 40 minütigen Umbaupause betraten dann die vier Dänen unter dem Applaus der Fans die Bühne. Nach einer kurzen Begrüßung durch Fronter Jesper Binzer, in der er zum Ausdruck brachte, dass er froh sei, das erste Konzert im Ausland seit Beginn von Corona zu haben, legten D-A-D direkt los wie Danish Dynamite.

Den relativ weiten Abstand von der Bühne zum Publikumsbereich überbrückten die Binzer-Brüder immer wieder, indem sie die Bühne verließen und direkt vor den Zuschauern spielten, was natürlich von den Fans dankbar aufgenommen wurde. Jesper Binzer trug eine, einer Paradeuniform ähnelnde, blaue Jacke mit gelben Ornaten und bildete so mit seiner Gibson Flying V einen optischen Blickfang und brachte mit seiner symphatischen Art und teilweise deutschen Ansagen direkt das Publikum hinter sich.

Sein Bruder Jacob, ganz in schwarz gekleidet und seinem markanten Hut, glänzte mit vielen Soli und seiner fast schon stoischen Ruhe, mit welcher er seine verschiedenen Gitarren, meist eine Gibson Les Paul, bearbeitete. Stig Pedersen war wie so oft natürlich ein optisches Highlight. Eine enge rote Hose, Plateau-Stiefel, die in noch einmal um etwa 10 cm größer machten, eine schwarze Jacke, die statt eines Kragens wild nach oben stehende Federn hatte und dazu natürlich die selbstgebauten zweiseitigen Tieftöner, wobei er sich diesmal auf nur fünf Varianten beschränkte.

Wie so meist begann er mit dem Bass mit Plexiglascorpus, um nach einigen Songs auf den oberen Teil des hinteren Kotflügel eines Oldtimers mit Rückbeleuchtung zu wechseln. Später durfte dann noch der Bass, wo Korpus und Kopf der Gitarre vertauscht waren, bestaunt werden und zum Abschluss gab es den legendären Raketenbass, diesmal leider ohne pyrotechnische Effekte. Erstaunlich war, mit welcher Sicherheit sich Stig auf seinen Stiefeln auf der Bühne bewegte und dabei nicht an Posen sparte.

Laust Sonne, wie gewohnt mit einem Anzug, beackerte die Drums, welche er im späteren Verlauf trotz Aufforderung Jesper Binzers nicht zerstörte.D-A-D gestalteten die Setlist so, dass nahezu alle Schaffensphasen der Band sich wieder fanden. Schon früh im Programm wurden die Besucher mit „Jihad“ auf Betriebstemperatur gebracht und auch das wieder ins Programm aufgenommene „Helpyourselfish“ begeisterte die Anwesenden. Passend dazu trug Pedersen einen Gitarrengurt mit den legendären Fischgräten, welche aus dem D-A-D Emblem, dem Büffelkopf, gebildet ist.

Das bluesige „A Prayer For The Loud“ vom gleichnamigen aktuellen Album zeigte, dass D-A-D auch dieses Genre beherrscht, wobei Jesper Binzer dies optisch fast wie ein Gebet zelebrierte. Danach gab sich ein Klassiker nach dem anderen die Hand und sorgte dafür, dass die Stimmung nicht abflaute. Ob „Riding With Sue“ oder das psychedelische „Monster Philosophy“ und die den Hauptteil abschließenden hardrockenden Nummern „Rim Of Hell“, „Bad Craziness“ und „Evil Twin“: Alle zeigten, warum D-A-D seit Jahrzehnten eine treue Fangemeinde haben, denen manchmal auch eine Anfahrt von über 600 km nicht zu weit ist.

Nach lautstarken Zugabeforderungen ließen die vier Dänen die Fans nicht lange warten und legten noch drei furiose Zugaben nach, wobei, wie nicht anders zu erwarten, der ‚motherfuckende‘ Tag danach („Sleeping My Day Away“) und das abschließende „It’s After Dark“ den krönenden Abschluss bildeten. Bei „Sleeping My Day Away“ konnte Jesper Binzer noch einmal mit famosen Gitarreneinlagen glänzen und bei „It`s After Dark“ zeigt Stig Pedersen, dass er auch gesanglich einiges zu bieten hat. Beide verabschiedeten sich im passenden dunkelblauen Licht sich dann abwechselnd vom Publikum.

Es gab danach noch einige weitere Zugabeforderungen, aber jedem müsste klar sein, dass nach „It’s After Dark“ nichts mehr kommen kann und darf. Dieser Song ist schon gleich einem Ritual der Abgesang auf jedem Konzert von D-A-D, und das darf nach etwa 100 Minuten Vollgas auch so sein!

Manch einer wartete vergeblich auf „Laugh And A Half“ oder „Grow Or Pay“ oder „I Won`t Cut My Hair“ und was da noch alles hätte kommen können. Aber ist es nicht viel schöner, wenn nicht immer dieselben Songs gespielt werden, sondern innerhalb des Repertoires mal getauscht wird, sodass nicht, wie bei einigen Bands, über Jahrzehnte praktisch das gleiche Konzert gespielt wird.

Fazit: Der Liebe Gott hatte vermutlich das Gebet zum Lautsein zu Beginn des Konzertes erhört und dafür gesorgt, dass das Wetter bis nach dem Konzert sommerlich warm geblieben ist, und ich die ersten Regentropfen erst auf der Windschutzscheibe hatte, als ich das Stadtgebiet von Essen verlassen hatte.

So ergab sich für die Fans ein rundum gelungener Konzertabend, in einer netten Location, in der auch für das leibliche Wohl gesorgt wurde, mit zwei Bands, die einfach Bock machen und selbst auch Freude haben, ihre Songs präsentieren zu dürfen.

Ein besonderer Dank gilt neben den Musikern und den Technikern für Sound und Licht dem Team des Turock für den reibungslosen und entspannten Ablauf, sowie Dragon Productions, hier besonders an Jörg Düsedau, für die wie immer problemlose Korrespondenz vor dem Konzert bezüglich einer Fotoerlaubnis, aber auch während des ganzen Abends (in dem Sinne Moin nach Hamburg, bis zum nächsten Mal).

Line-up D-A-D:
Jesper Binzer – lead vocals, guitar
Jacob Binzer – guitars, vocals
Stig Pedersen – bass, vocals
Laust Sonne – drums, vocals

Line-up: Bonsai Kitten
Tiger Lilly Marleen – lead vocals
Andre „Wally“ Wahlhäuser – guitars, vocals
Spoxx – bass, vocals
Marc Reign – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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DRAGON Productions