Ally Venable – Real Gone – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die ungebrochene Dominanz männlicher Musiker hat im rauen Texas-Blues-Rock die musikalische Stilrichtung über Jahrzehnte hinweg geprägt. Heavy und Powerful, die Sounds des Genres wurden unwillkürlich mit ZZ Top, Stevie Ray Vaughan oder Albert Collins in Verbindung gebracht. Dass auch seit einiger Zeit talentierte, weibliche Interpreten in diesen Southern-Rock-Gefilden eine starke Rolle spielen, beweist u.a. die Texanerin Ally Venable. Die erst 23-jährige Gitarristin, Songwriterin und Sängerin hat mit ihrem neuen Longplayer “Real Gone” ein packendes Album vorgelegt.

Die Scheibe beeindruckt von Beginn an (Titeltrack “Real Gone”) mit ausgefeilten, natürlich gitarrenlastigen Stücken. Straight-up Rock-Songs, Mid-Tempo und Slow-Blues Nummern wechseln die Blues-Farbe und den traditionellen Rhythmus, lassen aber keinen Zweifel aufkommen: die American-Texas-Blues Produktion ist Venables bisher bestes Studio-Album. Verantwortlich zeichnet Tom Hambridge, Produzent, Co-Writer und Schlagzeuger der Sessions. Der Grammy-Winner Hambridge (u. a. Buddy Guy, Susan Tedeschi) hat die ungeschliffen wirkenden Recordings erneut perfekt arrangiert.

Als hätte Ally Venable nicht ohnehin genug neue Titel zur Verfügung, folgt dabei ein herausragender Song auf den anderen und die Playlist der “Highlights” registriert nur einen kleinen Teil der technisch versierten Passagen der jungen Texanerin. So z. B. beim Slow-Blues “Broken And Blue” feat. Joe Bonamassa, Venables soulful voice und die extra Solo-Time für den Guitar-Hero bieten eine ebenso extravagante wie elegante Interpretation. Mit dem ruppig, funkigen “Don’t Lose Me” folgt ein bassgetriebener Gegensatz, der das Rhythmusgefühl intensiv herausfordert und die Saitenenergie der Gibson Les Paul massiv zu strapazieren scheint.

Dass auch ein 60er Jahre Soul Blues mit “Old-Style Vocals” und weichen Gitarrenakzenten modern getragen werden kann, wird bei “Any Fool Should Know” formschön und originell vorgeführt: immer wieder ein Anspieltipp. Dies gilt umso mehr für die erste Single des Longplayers, den Southern Blues Rock “Texas Louisiana”. Während des Duetts mit dem 86-jährigen Blues-Urgestein Buddy Guy kommt ein Gefühl früherer blues-rockiger Jahre auf und begeistert in seiner Ausgelassenheit und ungestümen Vitalität.

Ebenso rau im Text wie im Sound verbreitet “Kick Your Ass” als Südstaaten-Kracher jedoch eine deutliche Verehrungssympathie für das ausdrucksstarke Guitar-Play von Stevie Ray Vaughan. Einflussreiche Vorbilder, z. . Buddy Guy, SRV oder Bonnie Raitt, kennzeichnen die dynamische Spielweise von Ally Venable, die ihre Leidenschaft für die unterschiedlichen Stilrichtungen auch songtechnisch gerne betont. Mit dem am Dobro Sound orientierten Track “Blues Is My Best Friend” zelebriert die junge Musikerin nicht nur im besten Wortsinn eine Rückkehr zu ursprünglichen Blues-Jam Passagen, sondern findet intuitiv ebenso die passende Stimmlage zum komplexen Thema. Das Album schließt, wie es begonnen hat, mit einem starken Texas Blues. “Two Wrongs” hinterlässt noch einmal – vielleicht etwas zu kurz geraten – den bleibenden Eindruck einer herausragenden Studio Produktion.

Mit “Real Gone”, ihrem 5. Solo Album, ist es Ally Venable erneut offenbar mühelos gelungen, modernen Texas-Blues-Rock mit traditionellen Einflüssen zu verbinden. Die authentische Aufnahme-Session wird ihre Wirkung in der Roots-Szene nicht verfehlen und die inzwischen tournee-erfahrene Musikerin weiter motivieren. Mit dem Blues Caravan ist Ally Venable in Kürze auch bei uns im SoS-Sektor wieder unterwegs.

Ruf Records (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Real Gone
02. Going Home
03. Justifyin’
04. Broken & Blue (feat. Joe Bonamassa)
05. Don’t Lose Me
06. Any Fool Should Know
07. Texas Louisiana (feat. Buddy Guy)
08. Kick Your Ass
09. Blues Is My Best Friend
10. Gone So Long
11. Hold My Ground
12. Two Wrongs

Ally Venable
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Ruf Records

Marcus King – 16.03.2023 – Carlswerk Victoria, Köln – Konzertbericht

Um 20:00 Uhr beginnt Leah Blevins den Support für Marcus King mit seiner Band. In einem 30-minütigen Auftritt verkürzt die aus Sandy Hook, Kentucky, stammende, nun in Nashville lebende Sängerin die Wartezeit zum Topact. Mit ihrem Auftritt, den sie solo nur mit der Akustikgitarre spielt, kommt sie beim Publikum gut an, was sich am Applaus nach den Countrysongs zeigt.

Nach einer etwa 30-minütigen Umbaupause ist es soweit. Markus King und seine Musiker betreten unter Applaus die noch abgedunkelte Bühne im Carlswerk, wo sich zwischen 900 und 1000 Besucher in der Halle, in der  das letzte Viertel abgehängt ist, eingefunden haben und so der offene Bereich sehr gut gefüllt ist. Im Vergleich zum letzten King-Konzert ist die Besetzung um einen weiteren Gitarristen und Bläser erweitert, was den Sound noch einmal kraftvoller macht.

Im Zentrum der Bühne steht natürlich der mit Cowboyhut bedeckte King, links von ihm Keyborder und Orgelspieler Mike Runyon, auf der rechten Seite Drew Smithers (Bishop Gun) als zweiter Gitarrist, Bassist Stephen Campbell, während Drummer Jack Ryan und die drei Bläser nach hinten versetzt spielten, wobei die Bläser auf einem Podest stehen und so auch gut zu sehen sind. In dem über zweistündigen Auftritt umspannt King die Bandbreite von Southern Rock, Blues, Country und Soul, sodass den Fans ein sehr abwechslungsreiches Konzert geboten wird.

King zeigt dabei, dass er sowohl ein exzellenter Gitarrist als auch auch ein guter Sänger ist und kann sich bei seiner Soloarbeit voll auf seine Band verlassen, die ihm mit ihrem starken Zusammenspiel den Freiraum gibt, sich zuweilen regelrecht auszutoben. Auch wenn er mittlerweile als Soloartist und nicht mehr als Marcus King Band auftritt, ermöglicht er seinen Musikern genügend Gelegenheiten, in Soloparts ihr Können zu zeigen. Mit Drummer Ryan und Bassist Campbell hat er dabei seine aus der King Band bewährte Rhythmusfraktion dabei, wobei Ryan in einem der letzten Songs mit einem etwa fünfminütigen Drumsolo auf der Bühne allein gelassen wird und dafür Szenenapplaus einheimst.

Mike Runyon sorgt an den Tasten für einen voluminösen Sound, bringt in jammenden Phasen psychedelische Einflüsse und hat in den Songs mehrfach kurze Soloparts. Drew Smithers ist mehr als nur ein zweiter Gitarrist, der insbesondere die Rhythmusarbeit leistet. Einige starke Soli, zum Teil sich mit King duellierend und slidendend, offerieren, dass er eine absolute Bereicherung ist. Die drei Bläser bringen oft souliges Flair in die Tracks und sorgen bei den jammenden Parts für eine besondere Dynamik. In manchen Stücken legen sie aber ihre Blasinstrumente beiseite, um mit verschiedensten Perkussioninstrumenten mit der Rhythmusfraktion für einen gewaltigen Beat zu sorgen. 

Es fällt schwer aus den allesamt starken Songswelche herauszuheben. Ein besonderer Moment war, als die Band „Saturday Night Special“ von Lynyrd Skynyrd ertönen ließ. In den Augen mancher Fans sah man das sprichwörtliche Tränchen im Auge (mit Rossington ist das letzte Alltime-Mitglied der Southern-Legende vor wenigen Tagen verstorben). Dies war dann allerdings ganz schnell Schnee von Gestern, als die Band den Song in die Halle feuert und beweist, dass spätestens jetzt eine neue Epoche im Southern Rock eingeläutet ist, in der Markus King mit Sicherheit eine wichtige Rolle spielen wird. 

Eine schöne Geste ist, als King Leah Blevins auf die Bühne holt und mit ihr einen ruhigen Countrysong im Duett aufführt. Zum Ende des Konzertes bringt King mit dem hymnischen „Oh Carolina“ einen absoluten Höhepunkt, um nach Zugabeforderungen noch einmal nachzulegen. Mit „Coming Home“, das von einem mehrminütigen Mörderintro eingeleitet wird, verabschiedet Marcus King mit seiner Band die Fans gegen 23:10 Uhr von einem großartigen Abend, in dem der Hauch des Südens das Carlswerk erfasst hatte.

Line-up:
Marcus King – guitars & vocals
Stephen Campbell – bass
Jack Ruyan – drums
Mike Runyon – keyboards
Drew Smithers – guitars
Alex Bradley – trumpet
Chris Spies – sax
Kyle Snuffer – trombone

Text & Bilder: Gernot Mangold

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Leah Blevins
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Carlswerk Victoria
Prime Entertainment Promotion

Sari Schorr & Band, 07.03.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nach mehreren coronabedingten Verschiebungen kann Sari Schorr mit ihrer Band endlich die Freedom Tour in Deutschland im Dortmunder Musiktheater Piano starten. In dem knapp 100 minütigen Auftritt zeigt die New Yorkerin, dass sie mit Ihrer Präsenz und gesanglichen Qualitäten mit Sicherheit zu den Top Acts in der Blues Rock-Szene zu zählen ist. Dies hat sich scheinbar auch bei den geneigten Fans herumgesprochen. So ist es ihr gelungen mit über 200 Besuchern gelungen, die Zuschauerzahl im Vergleich zur Tour vor der Corona-Epidemie fast zu verdoppeln.

Die meisten Songs des Sets sind von den beiden letzten Studiowerken, ergänzt um einige bisher noch nicht auf einem Album veröffentlichte Stücke. Mit den vier Engländern hat Sari Schorr eine Band um sich versammelt, die sie selbst als richtige Band beschreibt und nicht nur als angemietete Musiker. Gitarrist Ash Wilson ist dabei der einzige, der sie schon seit Jahren begleitet und fast schon als musikalischer Partner zu sehen ist. Mit seinem Gitarrenspiel, auch in vielen Soli, setzt er den Songs auch eine Stempel auf, den Keyboarder Adrian Gautrey nochmals zum Teil psychedelisch verfeinert.

Mit dem umtriebigen Roger Inniss am Bass, dem man an seinem Dauergrinsen ansieht, mit welcher Freude er live spielt und Ash Wilsons Bruder Phil an den Drums, hat die Band, in der sich Sari als Bestandteil sieht, ein Rhythmusfraktion gefunden, die auf den Punkt, die Grundlage für den fetten bluesigen Sound legt.

Sari selbst zeigt sich stimmlich bestens aufgelegt und trifft mit ihrem emotionalen Auftritt genau den Nerv der Fans und es ist Ihr anzusehen, wie sie die tolle Stimmung im Musiktheater Piano regelrecht aufsaugt und diese Energie auf der Bühne wieder rauslässt.

Aus einer starken Setlist ragten für mich die fast mystische vorgetragene Version von „Black Betty“, das vom Keyboardspiel an Doors aber auch Gregg Allman erinnernde „Oklahoma“, das melancholische „Damn The Reason“ wo sie nur von Ash an der Gitarre begleitet wird und der letzte Song „Beautiful“, den Sie gestenreich den Besuchern widmete.

Gespannt darf man auf die im Herbst erscheinende neue Platte sein, die sie mit Sicherheit nächstes Jahr im Piano präsentieren wird.

Line-up:
Sari Schorr – vocals
Ash Wilson – guitars, backing vocals
Roger Inniss – bass
Adrian Gautrey – keyboards
Phil Wilson – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Sari Schorr
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Connor Selby – Connor Selby – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Connor Selby war mir bis dato völlig unbekannt und ich musste zunächst einmal ein wenig googeln, um etwas über ihn herauszufinden. Also, der Brite ist nicht mit dem viel zu früh verstorbenen Blueser Mark Selby verwandt, wie man eventuell vermuten könnte. Dennoch entpuppt er sich auf der CD als melancholischer Bluesbarde, der in seinem jungen Alter bereits mit einer beeindruckenden Vita aufwarten kann.

Multinational in Essex, Connecticut und Dubai aufgewachsen, wurde er als Teenager von Musikern wie Eric Clapton, Ray Charles, Bill Withers oder Sam Cooke geprägt, entdeckte aber auch seine Liebe zur amerikanischen Rootsmusik und stand 2019 als Twen bereits als Opener für The Who im Wembley Stadium auf der Bühne, gefolgt von Auftritten mit Pearl Jam, den Stereophonics und anderen. Nun hat er sein Erstlingswerk „Connor Selby“ aus dem Jahr 2021, diesmal mit vier zusätzlichen Bonustracks, warum auch immer erneut veröffentlicht.

Vielleicht liegt es an der Auswahl der dem „Sounds Of South“-Magazin für ein Review zur Verfügung gestellten CDs, dass bei dem Rezensenten der Eindruck entstanden ist, viele Bluesmusiker würden zur Zeit ihre Songs sehr soulig und in Bläserarrangements eingehüllt präsentieren. Da macht auch Connor Selbys Wiederveröffentlichung keine Ausnahme. Auch er springt, zumindest teilweise, musikalisch auf diesen „Retrozug“ auf. Was handwerklich und musikalisch auch ziemlich gut gemacht ist. Da gibt es nichts zu kritisieren, aber es bleibt das Gefühl alles irgendwie schon einmal gehört zu haben.

Stilistisch bewegen sich die Tracks zwischen Slow- und Midtempoblues („I Can‘t Let You Go“, „If You’re Gonna Leave Me“, „The Man I Ought To Be“, „Anyhow“, „Starting Again“ und „Love Letter To The Blues“), Singer-Songwriter („Hear My Prayer“, „Waiting On The Day“) und etwas flotteren Nummern („Falling In Love Again“, „Show Me A Sign“, „My Baby Don‘t Dig Me“), allesamt auf eingängigen Melodien basierend und den Gehörgängen schmeichelnd. Mir persönlich hat am besten der Bonustrack „I Shouldn‘t Care“, ein klassischer Chicagoblues, gefallen.

Selbys Songs ziehen Dich nicht unweigerlich auf die Tanzfläche, sind aber für entspannte Abende bestens geeignet oder um sie bei einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden im Hintergrund laufen zu lassen. Sie sind zeitlos melancholisch und irgendwie auch elegant. Und bei genauerem Hinhören entdeckt man bei einigen Stücken sogar dezente Southernanleihen a la Allman Brothers oder Lee Roy Parnell. Als noch junger Bluesmusiker hat Connor Selby sicherlich noch viel Potential, wenn es ihm gelingt, seine Songs mit einem höheren Wiedererkennungswert auszustatten. Ab dem 3. März ist die Scheibe im Handel.

Provogue Records / Mascot Label Group (2023)
Stil: Blues

Tracks:
01. I Can’t Let You Go
02. Falling In Love Again
03. If You’re Gonna Leave Me
04. Emily härter Rhythmus
05. The Man I Ought To Be
06. Hear My Prayer
07. Show Me A Sign
08. Anyhow
09. Waitin’ On The Day
10. Starting Again
11. I Shouldn’t Care (Bonus Track) chicagoblues
12. Love Letter To The Blues (Bonus Track)
13. My Baby Don’t Dig Me (Bonus Track)
14. The Deep End (Bonus Track)

Connor Selby
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Netinfect Promotion

Savoy Brown – Blues All Around – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

“Blues All Around” heißt das neue Album der Band “Savoy Brown” und reflektiert die jahrzehntelange musikalische Lebenseinstellung und Erfahrung von Mastermind und Gitarrist Kim Simmonds. Alle Songs, wieder von Simmonds geschrieben, verbinden in ihrer energiegeladenen Ausstrahlung eine ansteckende Begeisterung mit genialer Spielkunst und setzen von Beginn an das Blues-Rock-Markenzeichen einer Studio-Live-Produktion: vorneweg mit “Black Heart” einer satten Nummer, die mit treibender Kraft die Initiative ergreift, gefolgt von “Going Down South”, angesiedelt in südstaatlichen ZZ Top-Gefilden und passenden Harmonica-Sounds, die Simmonds zu standesgemäßen E-Solo Parts serviert. Die stampfende Blues Power des “Gypsy Healer” verdient ebenso eine Top-Bewertung, wie der darauf folgende eigentliche Titel-Track in feiner Blues-Maßarbeit, eben “Blues All Around”.

Savoy Brown, die von Kim Simmonds 1965 im Alter von 18 Jahren gegründet wurden und bereits damals mit Meilenstein-Alben, wie “Blue Matter” (1969), “A Step Further” (1969) oder “Street Corner Talking” (1971) u.a. Klassiker der Blues-Rock-Szene herausbrachten, haben in stetig wechselnden Besetzungen über 40 Longplayer produziert. Kim Simmonds spielte als ständiges Mitglied seiner Band immer im Spitzenbereich internationaler Blues-Künstler und konnte so auch 2017 mit “Witchy Feelin” ein Nummer 1 Billboard-Album feiern.

Eine ähnliche Einstufung verdienen ebenfalls viele Songs auf “Blues All Around”. Der scheinbar von Stevie Ray Vaughan inspirierte Boogie “Texas Love”, der groovende Shuffle “Winning Hand”, sowie “Hurting Spell” als Best of Blues Rock bewahren ihre Simmonds typische Eigenständigkeit in der Einheit aus Songschreiber, Sänger, Gitarrist und Lebensinhalt: Blues All Around.

So ist auch das letzte Stück des Albums “Falling Through The Cracks” – vielleicht eine Hommage an John Lee Hookers zum Teil traurige Stilelemente – ein “Abschieds-Blues”. Ein musikalisch wieder in jeder Hinsicht ausdrucksstarker, aber im Text pessimistisch wirkender Simmonds: “Time I face the facts, ….it feels like I’m …falling through the cracks”. Das als Intro der Scheibe kurz angespielte Stück offenbart seine vollständige Wahrheit erst am Ende: scheitern und durch alle Raster fallen als Ergebnis aller Bemühungen.

Kim Simmonds ist am 13.12.2022 nach langer Krankheit verstorben. Einer der führenden britischen/US “Old School” Blues Gitarristen, in einer Reihe mit Peter Green, Mick Taylor und Eric Clapton wird in den Credits zum neuen Album zitiert: “Life is energy, Music is energy. I try to …play the music I’ve loved since I was a young teenager”. Ein Lebensmotto, das fast über zwei Generationen Blues-Fans immer neue Lebensfreude bereitet hat, ist auf der LP nochmal komprimiert allen gewidmet.

Das brillante Album “Blues All Around” generiert das breite Songspektrum aus Kim Simmonds leidenschaftlicher Blues-Seele, der seinen Antrieb bis ins hohe Alter und bis an die Grenze der Belastbarkeit schöpferisch ausgiebig nutzte. Als besondere Empfehlung sei auf den legendären “Savoy Brown Boogie” (22 Minuten live in Detroit, 1969) verwiesen, der natürlich nur ein atomares Bruchteil an bleibender Erinnerung ausgleichen kann. Thanks Kim!

Quarto Valley Records (2023)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Falling Through
02. Black Heart
03. Going Down South
04. Gypsy Healer
05. Blues All Around
06. Texas Love
07. Winning Hand
08. Hurting Spell
09. Can’t Go Back To My Hometown
10. California Days Gone By
11. My Baby
12. Falling Through The Cracks

Savoy Brown
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V2 Records Promotion GSA

Bernard Allison – 29.01.2023 – to hoop, Rheinberg – Konzertbericht

Mit Bernard Allison ist es Sami Durak gelungen, zum Jahresauftakt einen Blues-Topact ins to hoop zu holen. Dementsprechend waren die Sitzplätze alle belegt und im hinteren Bereich standen noch einige weitere Fans und sorgten so für ein volles Haus. Der geplante Start der Eddie Kold Band feat. Doc Watkins verzögerte sich allerdings, da Allison mit seiner Band für die Fahrt aus Dänemark, wo sie tags zuvor gespielt hatten, länger als geplant braauchte und so der Soundcheck stattfand, während die Kneipe im to hoop schon rappelvoll war.

Zunächst betrat nur das Trio der Eddie Kold Band die Bühne und eröffnete den Abend mit einem Instrumental. Auch zu Beginn des zweiten Songs legte die Band zunächst ein Intro hin, bis plötzlich aus dem Nichts die Stimme von Larry „Doc“ Watkins zu hören war. Gebückt, auf einen Stock gestützt, bahnte er sich scheinbar blind singend zum „Hoochie Coochie Man“ den Weg durch die Sitzreihen zur Bühne. Die Band spielte gekonnt einige Coversongs, die von den Zuschauern begeistert aufgenommen wurden.

Dafür war aber nicht nur der stimmlich bestens aufgelegte Doc Watkins verantwortlich, sondern auch das Trio der Eddie Kold Band. Eddie legte einige krachende Gitarrensoli, zuweilen durchs Publikum gehend und auf dem Rücken spielend, aufs Parkett, während Klaus Brunschede am Bass und Christian Wübben an den Drums für eine gekonnte Rhythmusgrundlage sorgten. Besonders in Erinnerung blieb eine starke Version von „Sitting On The Dock Of The Bay“, wo Watkins das Geschehene von Georgia nach Virginia verlegte und „Weeping Willow Tree“.

Nach dem etwa 45-minütigen launigen Auftritt blieb den Bluesfans genügend Zeit, den Hunger am Grill zu stillen, bevor Sami Durak Bernard Allison und seine Band ankündigte, die lautstark angefeuert die Bühne betraten. Schon beim Intro „Sooner Or Later“ schaffte es Allison, der anfangs sehr angespannt wirkte, aber sich nach wenigen Minuten regelrecht freispielte, das to hoop in seinen Bann zu ziehen.

Dabei ließ er seine Gibson Les Paul mal mit Wah-Wah aufjaulen oder virtuos klingen, um im nächsten Moment mit krachenden Riffs die Location in seinen Grundfesten erschüttern zu lassen. Ein entspannender Pol war bei dem Feuerwerk, was das Trio abbrannte, der meist tiefenentspannt den Bass spielende George Moye, den Allison später Augenzwinkernd als den Papa der Band vorstellte.

Der gerade erst 19-jährige Drummer Allen Mathew Kimathi versetze die Bluesgemeinde mit seiner energiegeladenen Art in Staunen. Dabei zeigte er, dass er nicht nur schnell und dynamisch spielen kann, sondern auch dezent zurückhaltend Akzente setzen kann. Über „So Exited“, „Night Train“, „Love Was Meant To Be“ ging es bluesig weiter und beim Intro von „Rocket 88“ hatte Keyboarder Eric Robert seinen großen Auftritt.

Erst behutsam leicht psychedelisch angehaucht, läutete er den Song ein, um sich in einen wahren Spielrausch zu steigern, dass man das Gefühl haben konnte, die Tasten des Keyboards würden jeden Moment anfangen zu glühen. Neben dem spielerisch begeisternden Auftritt gelang es der Band auch durch ihren Charme das Publikum regelrecht um den Finger zu wickeln. Nach etwa 50 Minuten gönnte die Band sich und den Fans erst einmal eine verdiente Pause.

Nach etwa 25 Minuten ging es dann mit „Serious“, einem Klassiker seines Vaters, weiter, in dem er nachhaltig bewies, dass er die musikalischen Gene Luthers geerbt hat. Beim folgenden „Bad Love“ animierte er das Publikum zum mitsingen, wobei nicht jeder den richtigen Ton traf, was aber mit Humor hingenommen wurde. „Be Good To Me“ kündigte George Moye augenzwinkernd damit an, dass, wenn das Publikum gut zur Band sei, ist die Band auch gut zum Publikum.

Wenn man die Aussage zu Grunde legt, war das Publikum sehr gut zur Band, denn das Konzert nahm immer mehr Fahrt auf. Abwechslungsreich war, wie Bernard Allison hier mit seiner Gitarre mit den Anwesenden kommunizierte, mit etwas Phantasie könnte man Sätze wie „How Do You Feel“ heraushöhren, während er dabei direkten Augenkontakt mit betreffenden Zuschauern aufnahm. Auf die Art setzte er die Kommunikation mit seinem Bassisten und Keyboarder fort.

Zum Ende des Songs spielte dann nur noch der junge Drummer Allen Mathew Kimathi eher sehr bedächtig und die anderen Musiker verließen die Bühne Richtung Kneipe. Danach folgte ein Drumsolo, bei dem man zuweilen mit dem Auge kaum noch den Drumsticks folgen konnte. Nach einigen Minuten kam dann Moye mit auf die Bühne und stieg mit einem zuweilen funkigen Bassolo mit ein. Als dann Robert fulminant an den Keyboards dazu stieß, war die Band fast wieder komplett.

Bernard gesellte sich dann auch auf die Bühne und wechselte nun erstmals die Gitarre und stieg um auf seine weinrote Gibson SG und kurz danach begann der Gitarre entsprechend eine fetzigede Version von „Voodoo Child“ mit einem Intro von „Purple Haze“ und einem Outro Richtung von „Hey Joe“. Spätestens jetzt hielt es kaum einen der Besucher auf den Sitzen und der Saal bebte. Lautstarke Zugabeforderungen sorgten dann dafür, dass die Band noch ein mehrminütiges Instrumental nachlegte, in dem jeder Musiker seine Soloanteile hatte.

Danach verabschiedete sich ein gut gelaunter Allison von den Fans, um diese direkt zum Merchstand einzuladen, wo die gesamte Band für Fotos, Autogrammwünsche und Smalltalk zur Verfügung stand. Ein bemerkenswerter Abend fand so einen würdigen Abschluss, der bisher als absolutes Highlight in Sachen Blues im to hoop zu sehen ist.

Line-up:
Bernard Allison – guitars, lead vocals
George Moye – bass
Allen Mathew Kimathi – drums
Eric Robert – keyboards

Text und Bilder: Gernot Mangold

Bernard Allison
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to hoop
Ruf Records

AJ Plug – 27.01.2023 – Blues, Rhede – Konzertbericht

Um kurz vor 21 Uhr kündigte André Knoch AJ Plug an und machte noch einmal deutlich, wie froh er ist, dass die aus Katwijk kommende Musikern nach einer schweren Krebserkrankung wieder auf der Bühne steht. Unter Applaus betrat dann die Band die Bühne und eröffnete das Konzert mit „Free At Last“ vom ersten Album „Chew Chew Chew“ aus 2016.

Der Einstieg war durchaus geschickt gewählt, das treibende Intro des Songs brachte die Besucher direkt auf Betriebstemperatur und so wurde AJ gewissermaßen der musikalische Teppich ausgerollt, auf dem sie die Bühne betrat und direkt eindrucksvoll bewies, dass sie stimmlich voll auf der Höhe war. Ähnlich powervoll ging es mit den folgenden Songs „Shine“ und „Better Off“ sowie „Crazy For You“ einem gefühlvollen balladesken Liebeslied vom 2017er Album „Let go … or be dragged“ weiter.

Schon zu diesem Zeitpunkt waren die Rollenverteilungen auf der Bühne klar zu erkennen. Am rechten Rand visuell etwas im Hintergrund legten die erfahreneren Klaas Kuijl an der Rhythmusgitarre und Roelof Klijn am Bass eine Soundgrundlage, die den anderen Musikern alle Spielräume ermöglichten.

In der Rhythmusarbeit wurden sie dabei von Tommy Parker Jr an den Drums unterstützt, der sich zuweilen fast in einen Rausch spielte. Auf der linken Bühnenseite zauberte Axel Zwinselman, der schon neulich in der Sean Webster Band, bei einem Konzert in Oberhausen, eine glänzende Visitenkarte abgegeben hatte, am Keyboard einige furiose Soli hin und gab insbesonders den etwas ruhigeren Stücken schöne melodische Elemente.

Neben ihm sorgte Sebas Fleddermann für einigen Szenenapplaus bei seinen auf den Punkt gespielten Soli. Der Mittelpunkt der voll besetzten Bühne gehörte der zerbrechlich wirkenden AJ Plug, die das Publikum mit ihrer positiven Ausstrahlung schnell auf ihre Seite gezogen hatte, sodass eine eindrucksvolle Atmosphäre im Blues in Rhede entstand, die schon etwas Besonderes hatte.

Richtig emotional wurde es dann, als Plug sich erstmals auf den bereitgestellten Hocker setzte und mit übereinandergeschlagenen Beinen über das letzte Werk „Killer King“ und dessen Hintergrund, die Verarbeitung ihrer Krankheitsphase sprach.in der die letzten Jahre körperlich nicht spurlos an ihr vorbeigegangen sind. Danach folgte mit dem Titelsong ihre Bezeichnung für den Krebs und es sollten im Verlauf des knapp zweistündigen Konzertes über zwei Sets noch alle Songs des Albums wie zunächst „Gimme A Smile“, „River Blue“ und „It Will Be Alright“ folgen.

Mit „Going Under“ vom zweiten Longplayer schickte AJ Plug die Fans dann in die Pause. Wie bei einigen Songs waren hier neben den bluesigen auch Southerrn-Akzente, insbesondere durch das Gitarrenspiel von Fleddermann, zu hören. Nach dem schon sehr guten ersten Set legte AJ Plug mit ihrer Band im zweiten Abschnitt voch eine Schippe drauf. Über die rockigen „Spitting Fire“, „Never Gonna Stop“ und „The Sky Turned Black“ ging es zum eher ruhigen melancholischen „Dream“, zu dem sie die Entstehungsgeschichte erzählte, wie das Leben in letzter Zeitscheinbar wie im Traum an ihr vorbeigezogen ist.

Nach den folgenden „Down On My Knees“, „The Shape I´m In“ und „Trouble“ spielte die Band mit „Dakota“ einen Track, den sie im Rahmen einer Fernsehsendung vorgeführt hatte, den Plug aber direkt als eher untypisch ankündigte. Vom Sound her erinnerte es mich an alte Sachen von Blondie. Danach beendete Plug kurz den zweiten Set, um direkt die Zugabe „Tears Ran Dry“ anzukündigen. Es folgte knallharter Blues Rock, der wohl auch Jimi Hendrix gefallen hätte.

Minutenlange Zugabeforderungen nach dem Stück sorgten dafür, dass die Band noch einmal die Bühne betrat und als Outro gewissermaßen noch einmal eine harte Version des ersten Songs „Free At Last“ hinzulegen und somit ein absolut begeistertes Publikum ins Wochenende zu schicken.

Line-up:
AJ Plug – vocals
Klaas Kuijl – rhythm guitar
Roelof Klijn – bass
Tommy Parker Jr – drums
Axel Zwinselmann – keyboards
Sebas Fleddermann – leadguitar

Text und Bilder Gernot Mangold

AJ Plug
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blues Rhede

Zed Mitchell – 14.01.2023 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Der schon lange in Düsseldorf wohnende Serbe Zed Mitchell sorgte mit seiner Band für einen eindrucksvollen Konzertabend im Dortmunder Musiktheater Piano, der sicher mehr als die etwa 80 Besucher verdient gehabt hätte. Die Anwesenden wurden dafür mit einem abwechslungsreichen, etwa 100 minütigen Konzert belohnt. Dabei lieferte die Band die Bandbreite von langsamen Bluesstücken wie u. a. „Springtime In Paris“, die sogar Pärchen zum Kuschelblues animierten, bis hin zu rockigen Bluesnummern reichte.

Zed Mitchell bewies dabei, dass er ein exzellenter Gitarrist ist und zeigte sich auch stimmlich bestens aufgelegt. Als zweiten Gitarristen hatte er seinen Sohn Todor dabei, wobei dieser aber schon als zweiter Fronter zu sehen war, der nicht nur mit klasse Soli begeisterte, sondern auch bei einigen Songs den Leadgesang übernahm. Tricky war, wie Zed die Riffs von „Smoke On The Water“ ins Piano schoss, um nach diesem Intro mit seinem Sohn abwechselnd den bekannten Beginn des Deep Purple-Klassikers langsam in seine Bestandteile zu zerlegen, um schließlich im eigenen Lied „Like You Do“ zu landen. Während des Stückes gab es dann immer wieder Sequenzen, aus denen die beiden mühelos wieder beim Purple-Song landten.

Bei anderen Tracks begaben sich die beiden fast schon twinguitarsmäßig in die Nähe von Bands wie Wishbone Ash. Unterstützt wurden Zed und Tudor von ihrer jungen Rhythmussektion mit Fabio Cimpeanu am Schlagzeug und Lukas Kaminski am Bass, die beide mit kurzen Soli ihre spielerische Klasse offerieren konnten.

So wie sich die jungen Musiker um das Bluesurgestein Zed Mitchell an diesem Abend präsentierten, muss man sich keine Sorgen um die nächste Generation machen. Wie handgemachte bluesorientierte Musik gemacht wird, offenbarten sie nachhaltig bei der Zugabe „I’m Gonna Keep You Satisfied“, wo sie sich krachend vom Dortmunder Publikum verabschiedeten.

Text und Bilder Gernot Mangold

Line-up:
Zed Mitchell – vocals, guitar
Todor Manojlovic – vocals, guitar
Lukas Kaminski – bass
Fabio Cimpeanu – drums

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Layla Zoe – The World Could Change – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Eine mit 24 Terminen eng gestrickte Tournee quer durch Deutschland und Österreich verspricht für Blues Rock-Fans im Frühjahr 2023 ein echtes Konzerterlebnis: die kanadische Sängerin Layla Zoe – inzwischen in Westeuropa zu Hause – wird ihr neues Album “The World Could Change” live präsentieren. Zoe ist bekannt für ihre leidenschaftlichen und mitreißenden Auftritte. Die vorliegende Scheibe bietet dabei weitaus mehr als nur das notwendige Material für die Bühnen-Performance, sie macht geradezu neugierig auf die Konzert-Präsenz der sehr produktiven Blues-Lady.

Auch dieser 14. Longplayer seit 2006 ist mit 12 neuen Songs und 72 Minuten Spielzeit randvoll gepackt. Die wiederbelebte Kooperation mit dem Wuppertaler Blues Rock-Gitarristen Henrik Freischlader, die bereits 2013 u. a. das Top-Album “The Lily” hervorbrachte, hat sich auch bei “The World Could Change” als äußerst kreativ erwiesen: Poetische Lyrics von Zoe, wie geschaffen für die Musik von Freischlader, der ebenfalls für Gitarre, Bass, Schlagzeug und die Produktion zuständig war, sowie den Orgel-Sound von Moritz Fuhrhop und das technische Fingerspitzengefühl von Toningenieur (und Musiker) Martin Meinschäfer.

Es entstand ein ausgesprochen faszinierendes Studiowerk, maßgeschneidert für die immer elegant, charismatische und alles beherrschende Ausnahmestimme von Layla Zoe. Die in Kombination aus unterschiedlichen Stil-Modulen von Rock und Blues bis Soul und Folk variantenreich komponierten Songs bieten Zoe ausgiebig Gelegenheit, ihre genre-übergreifenden Vocal-Fähigkeiten in unnachahmlicher Perfektion auszugestalten, oft in einer natürlichen Wechselbeziehung mit den feinfühligen Guitar-Reflektionen Freischladers.

Mit dem Opening-Track “Dark Heart“ und einer ausdrucksstarken Blues Rock-Voice beginnt die gebürtige Kanadierin. Die Faszination ihrer Stimmgewalt kennzeichnet und erschließt starke Rock-Nummern, wie bei “Honey Pie”, “Watch What You’re Doing” oder beim explosiv getriebenen Titel “Jasmine”, artikuliert sich gleichermaßen angenehm weich (in der Ballade “Praying Kind”), wunderbar mitfühlend (im herrlichen Song “Brother”) oder feinsinnig ausgeglichen in “Baby Bird”.

Die sanfte Freundlichkeit einer eloquenten Erzählerin kommt bei “We’re All The Same” voll zur Geltung und wird in ihrer stimmlichen Zärtlichkeit beim letzten Titel (“Shine Brightly“) folk-song-artig zur akustischen Gitarre nochmals übertroffen. Aus dem kleinen Kreis brillant-talentierter Blues Rock-Sängerinnen bieten sich von Billie Holiday über Patti Smith oder Beth Hart und natürlich Janis Joplin nur wenige Vergleiche an, die ebenso in ihrer Besonderheit eine individuelle musikalische Identität entwickelten.

Mit ihrem neuen Album “The World Could Change” und dem absolut energiegeladenen Titelsong rechtfertigt Layla Zoe erneut ihre führende Position unter den europäischen Blues-Ladies. In ihrer alten kanadischen Heimat hat die renommierte Toronto Blues Society einen stolzen Beitrag zum Longplayer veröffentlicht. Die Möglichkeit, Layla Zoe und die Songs von “The World Could Change” live zu erleben, wird in Kürze allen Blues Rock-Enthusiasten und solchen, die es werden wollen, auf Konzerten in der SoS-Region geboten.

Cable Car Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Dark Heart
02. Honey Pie
03. Praying Kind
04. The World Could Change
05. The Man Behind The Curtain
06. Brother
07. Watch What You’re Doing
08. The Truth Song
09. Baby Bird
10. Jasmine
11. We’re All The Same
12. Shine Brightly

Lalya Zoe
Cable Car Records

Vanessa Collier – Live At Power Station – CD-Review

Vanessa Collier ist sein Beginn unseres Magazins Dauergast und so ist es nicht verwunderlich, dass ihre neuste CD, wenn auch als Nachzügler, vor einigen Tagen noch zum Jahresende hin, in meinem Briefkasten gelandet ist. Diesmal ist es eine Art, um mal dem zeitgenössischen Sprachgebrauch Tribut zu zollen, ‚hybrider‘ Tonträger, der im berühmten New Yorker Power Station Studio unter Anwesenheit von Verwandten, Freunden und Interessierten live eingespielt eingespielt und gleichzeitig quasi unter Studiobedingungen aufgenommen wurde.

Es wurden dazu Gigs an zwei aufeinander folgen Tagen vollzogen, letztendlich entschied man sich zur Aufnahme und Veröffentlichung des Auftritts vom 22. April diesen Jahres.  Wenn ich in mich gehe, ist Vanessa wirklich die einzige weibliche Saxofonistin, die mir neben der Niederländerin Candy Dulfer (und selbst die ist mir auch nur aufgrund ihres medialen Bekanntheitsgrades präsent), bewusst überhaupt irgendetwas sagt.

Für die Umsetzung der sieben Eigenkompositionen aus ihren bisherigen Werken und drei Coverstücken, das durch Tina Turner 1984 zu neuer Popularität gelangte „I Can’t Stand The Rain“  (in einer furiosen 8 1/2 Minuten-Version), der oft adaptierte Chris Smither-Song „Love Me Like A Man“ (in einer nahezu episch-jammig anmutenden 14 Minuten-Variante) und den im Jahre 1988 durch B. B. King veredelten U2-Bluestrack „When Love Comes To Town“, hat sie sich eine grandios auf einander abgestimmte Band mit dem famos agierenden Rhythmusduo Byron Cage (drums, bgv) und Andrew Cane (bass) sowie dem überragenden Keyboarder William Gorman (keys, bgv) und der, ihrer wuchtigen Statur entsprechend, auch oft vehement agierende E-Gitarristen Laura Chavez, an die Seite geholt. 

Vanessa selbst brilliert mit einer klasse Lead-Stimme und ich möchte nicht wissen, wie anstrengend es ist, dazu solch viele energiegeladene Sax-Soli (auf Alt- und Bariton-Art) abzuplustern. Besonders gefallen mir die beiden Stücke „The Run Around“ und „When It Don’t Come Easy“ aufgrund ihres southern-rockigen Charakters, die hätten gut auch auf Scheiben der Rossington Collins Band gepasst. Ansonsten erhält man einen kurzweiligen Mix (auch wenn die Tracks alles andere als kurz performt werden) aus Blues-, Blues Rock-,  (Texas) Boogie-, Soul- und Funk-umwehten Sachen, bei denen das Wechseln zwischen Gesang, Saxofon, diversen Key-Varianten (u. a. Orgel, E- und HT-Piano) und  starken E-Gitarren (Fills, Soli) im Mittelpunkt steht.

Am Ende ergibt sich ein typischer Gig, bei dem man gerne mit live dabei gewesen wäre. Vanessa Collier, da bin ich mir sicher, wird, ob weiter in Eigenregie oder wie auch immer (ich finde, ein Joe Bonamassa könnte durchaus gerne mal ein Auge als Förderer auf sie werfen), ihren Weg machen. Sie hat eindeutig das Zeug zum Überflieger. Und in Anlehnung an ihr Talent und ihren Song „Icarus“ lautet deshalb auch mein Ratschlag: „Keep dreaming big, fly Vanessa fly!“ Die Absturzgefahr wäre in ihrem Fall sicherlich als äußerst gering einzuschätzen.

Phenix Fire Records/Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues (Rock) & More

Tracklist:
01. The Run Around
02. Whiskey And Women
03. I Can’t Stand The Rain
04. Sweatin‘ Like A Pig, Singin‘ Like An Angel
05. Love Me Like A Man
06. When It Don’t Come Easy
07. Icarus
08. When Love Comes To Town
09. Tongue Tied
10. Two Parts Sugar One Part Lime

Vanessa Collier
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