Billy Currington – We Are Tonight – CD-Review

5. Album von Billy Currington und erneut ein richtig starkes! Die zweite Jahreshälfte 2013 scheint im Moment so ein wenig im Fokus der Neo-Traditionalisten (Blake Shelton, Luke Bryan, Chris Young, Justin Moore) zu stehen, die in Sachen Neuveröffentlichungen stark den Ton angeben. Logisch, dass da auch ein Billy Currington nicht fehlen will, der seit dem Beginn seiner Karriere mit kontinuierlicher und solider Arbeit seinen Platz in den Gefilden der Major-protegierten Künstler zurecht etabliert hat. Sechs Nr. 1-Hits, was Singles betrifft, und dreimal haarscharf mit seinen letzten drei Alben an der Pole-Position vorbeigeschrammt sprechen eine deutliche Sprache.

Er ist einfach ein guter Sänger mit dem Gespür für die richtigen Songs, hinzu kommt sein blendendes Aussehen (er ist ohne Zweifel ein Frauentyp) und somit vermutlich deswegen auch in der weiblichen New Country-Klientel ein äußerst beliebter Performer. Mit seinem neuen Werk „We Are Tonight“ setzt er auch einen kleinen Trend fort, der bei den größeren Plattenfirmen in Mode gekommen zu sein scheint. Weg von einem alleinigen Produzenten zu gleich mehreren, in diesem Fall Carson Chamberlain, Dann Huff und Shy Carter, die dann auch hier mit unterschiedlichen Musikerteams (natürlich sind wieder fast nur klingende Namen der Studio-Szene involviert) an die von ihnen betreuten Stücke herantraten.

Auch wenn hier diesmal die unterschiedlichen Handschriften deutlich erkennbar sind, passt die Zusammenstellung der Tracks letztendlich äußerst gut. Grund hierfür ist die hohe Authentizität der Stücke, obwohl Billy kompositorisch nicht involviert wurde (allesamt Fremkompositionen). Sie wirken von der Thematik (Frauen, Beziehungen, Easy-Life) und auch der angenehmen musikalischen Umsetzung wie für Currington auf den Leib geschrieben. Durch die unterschiedlichen Inszenierungen entwickeln sich die zehn Lieder zu einer sehr kurzweiligen und unterhaltsamen Geschichte.

Die von Huff angeführten Tracks bieten wuchtigen, modernen New Country, getragen von satten Drums und powernden E-Gitarren (Dan selbst an vorderster Front z. T. mit tollen Soli dabei) mit viel Chartpotential. So ist der tolle Opener „Hey Girl“ bereits mit stetig steigender Tendenz in die Top-Ten geklettert. Wunderbar auch das folgende “Wingman“, das souligen Rhythm’n’ Blues im Countrygewand bietet. Ja, wenn heute noch mal ein Sequel des Blues Brothers-Films gedreht werden würde, wäre dieses Stück wohl zweifelsfrei ein heißer Kandidat für den Soundtrack. Auch der von rhytmischen Heartland-E-Gitarren getragene Titelsong mit seinem flotten Refrain, den “Ohohoh“-Harmonie-Gesängen, hat ganz klar das Zeug zum Chartbreaker. Carson Chamberlain bedient dafür die etwas traditioneller pepolte Klientel Curringtons und hat mit sechs Songs den Löwenanteil übernommen.

Hier klingt alles wesentlich entspannter, den guten Musikern (u.a. Biff Watson, Brent Mason, JT Corenflos, Gary Prim, Paul Franklin) wird viel Raum für ihr instrumentelles Können gelassen und die bedanken sich dafür mit vielen kleinen Feinheiten. Zudem gibt es die eine oder andere sehr humorvollen Nummer wie etwa „One Way Ticket“ (erinnert von der Thematik und lässigen Umsetzung an Darryl Worleys „Living In The Here And Now“), „Hard To Be A Hippie“ (mit einem klasse Gastauftritt von Willie Nelson – wer wäre da wohl auch besser geeignet?) und dem launigen Cover von Jack Johnsons „Banana Pancake“ (mit kurzer Rap-Einlage). Herrlich auch das mega-entspannt groovende „Closer Tonight“, mit 5 Minuten Spielzeit der längste Track der CD. Hat so ein wenig was vom Eagles-Klassiker „New Kid In Town“, nur mehr auf Country getrimmt.

Stark auch das balladesk bluesige und sicher bei den Damen gut ankommende „Another Day Without You“. Famos hier das Zusammenspiel von JT Corenflos’ Stratocaster (in Clapton-Manier) und Gary Prims Tastenarbeit. Den Abschluss und einzigen von Shy Carter gemanagten Titel „Hallelujah“ (geschrieben von ihm und den auch ebenfalls musikalisch involvierten Warren Brothers) verleiht dem Ganzen am Ende noch einen dezenten gospeligen/spirituellen Touch, auch wieder mit einem Warren Brothers-typisch unverkennbarem Augenzwinkern. Ein launiges Finale.

Billy Currington hat mit „We Are Tonight“ ein weiteres, ganz großartiges Werk abgeliefert, das seinen Status Quo als einen der tonangebenden Neo-Tradionalisten der heutigen Zeit in Nashville weiter festigen, wenn nicht sogar ausbauen wird. Klasse, der Mann!

Mercury Nashville (2013)
Stil:  New Country

01. Hey Girl
02. Wingman
03. One Way Ticket
04. 23 Degrees And South
05. We Are Tonight
06. Hard To Be A Hippie
07. Closer Tonight
08. Another Day Without You
09. Banana Pancakes
10. Hallelujah

Billy Currington
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Eli Young Band – Jet Black & Jealous – CD-Review

Ein von traumhaft schönen Melodien und wundervollen Songs geprägtes Werk an der Kreuzung Rootsrock/-pop, Americana, „Red Dirt“-Countryrock, New Country und modernem American Mainstream Top 40-Rock/-Pop! Die Eli Young Band beginnt in den USA endlich (im übrigen vollkommen zu Recht) auch außerhalb von Texas für Furore zu sogen. Ohne uns selbst auf die Schultern klopfen zu wollen, haben wir schon seit langem ein relativ verlässliches Gespür dafür entwickelt, in welche Richtung die Reise für diverse Bands oder Interpreten gehen wird. Auch bei der Eli Young Band mutmaßten wir schon bei ihrem Vorgänger, dem grandiosen Live-Werk „Live At The Jelly Fox„, dass der fällige Major-Kontrakt nur noch eine Frage der Zeit sein wird.

Und tatsächlich, mit Universal South Records scheint die Eli Young Band nun die erforderlichen Möglichkeiten zu haben, ihren kontinuierlichen, in wohldosierten Schritten begonnenen, langjährigen texanischen Erfolgsweg auch landesweit und vielleicht sogar über die Staaten hinaus, fortzuführen. Das neue Album „Jet Black & Jealous“ ist dazu genau das richtige Argument, denn die Band war nie stärker! Produziert hat diesmal der Multiinstrumentalist Mike Wrucke. Der Opener „When it Rains“, von ihrem Independent-Debüt „Level“, schon lange ein Dauerbrenner im Radio, wurde von Wrucke in Zusammenarbeit mit den früheren Produzenten Erik Herbst und JJ Lester (The Great Divide) nochmal mit etwas ein paar Orgel-, Steel- und Banjoelementen aufgepeppt und bietet einen wundervollen Einstieg ins Geschehen.

Toller Countryrock, der sich wohlig in unsere Gehörgänge schraubt. Spuren von Sister Hazel und Henry Pauls BlackHawk vermischen sich mit dem flockigen Rhythmen früherer Eagles (zu deren besten Zeiten). Mit dem herrlich melodischen „Always The Love Songs“ (aus der Feder vom bewährten Songwriter-Duo David Lee Murphy und George Ducas), das vor allem vom Intro her dezente Ähnlichkeiten zu „6th Avenue Heartache“ von den Wallflowers aufweist, beginnt ein Reigen von hochmelodiösen, famos instrumentierten Stücken (tolle Gitarrenarbeit von James Young), die dank Mike Elis großartiger Stimme (erinnert zuweilen ein wenig an Sister Hazels Ken Block) einen extrem hochprozentigen Wohlfühlfaktor beinhalten. „Radio Waves“ (deutet vom Titel schon einen gewissen Airplay-Anspruch an, mit flockigem Rhythmus, Slide-Fills, schönes E-Gitarren-Solo) und „Enough Is Enough“ (mit wunderbarer Emotionalität, filigrane Mandoline, Orgeltupfer, E-Gitarren-Solo) zeigen, dass die Eli Young Band in jedem Tempo ihre eingängigen Strophen und Refrains zu präsentieren weiß.

Das klingt alles so traumhaft leichtfüßig und unbeschwert. „Famous“ bietet flotten, poppig angehauchten, schnörkellosen Rootsrock vom Feinsten. An den Titelsong vom letzten Studioalbum „Level“ scheint das schöne „Throw And Go“ anzuknüpfen, mit seinem leicht psychedelischen Ambiente, wobei James Young mit seinem E-Gitarrenspiel dem Song klar den Stempel aufdrückt (er ist ja ein glühender Verehrer klassischer Saitenzauberer wie Stevie Ray Vaughan oder Jimmy Page). „Guinevere“ (balladeske Strophen, Powerrefrain), „Mystery In The Making“ (herrrlicher Slow-Country, mitkomponiert durch Singer/Songwriterin und Wrucke’s Gattin, Natalie Hemby – erinnert ein wenig an Keith Urbans „By The Grace Of God“) und das abschließende „Home“ (sehr atmosphärisch, tolle Steel, feine Orgel, klasse E-Gitarren-Solo) bestechen durch diese so schlicht schöne und fein instrumentierte Melodik mit enorm hohen Widererkennungswert, bei der man sich wunderbar entspannen kann.

Zwischendurch wird dann aber auch immer wieder das Tempo angezogen („Get In The Car And Drive“ – poppiger Rhythmus, dynamischer Refrain; „Jet Black & Jealous“ – flotter, gut tanzbarer, abgehender Roots-/Countryfeger mit Harpeinlagen; „How Should I Know“ – stampfender Pop Rock mit röhrendem E-Gitarrenrhythmus), was dem Silberling durchgehend einen spannenden Abwechslungsreichtum beschert. Die Eli Young Band hat mit „Jet Black & Jealous“, das im Ganzen in etwa wie eine herrliche Synthese aus Wade Bowen und Sister Hazel daher kommt, ihr bisher unangefochten stärkstes Werk hingelegt, wobei man sich fragt, ob hier für die Zukunft weiterer Spielraum nach Oben überhaupt noch gegeben ist. Doch erneut mutmaßen wir einfach mal, dass diese so in sich verschworene Eli Young-Truppe auch beim nächsten Mal wieder einen Menge neuer Song-Trümpfe aus dem Ärmel ziehen wird. Diese Jungs sind einfach eine Klasse für sich!

Universal South Records (2008)
Stil:  Red Dirt

01. When It Rains
02. Always The Love Songs
03. Radio Waves
04. Enough Is Enough
05. Famous
06. Throw And Go
07. Guinevere
08. Get In The Car And Drive
09. Jet Black And Jealous
10. Mystery In The Making
11. How Should I Know
12. Home

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Eli Young Band – Life At Best – CD-Review

Die Eli Young Band hat sich mit ihrem vierten Studio-Album „Life At Best“ endgültig auch in Nashville fest etabliert. Mit einem Einstieg direkt auf Platz 3 der Billboard Coutry Album-Charts, hat das aus Denton/Texas stammende Quartett, bestehend aus Mike Eli (voc, guitars), James Young (guitars, harmonica), Chris Thompson (drums) und Jon Jones (bass) nahezu einen Traumstart hingelegt. Auch die herrlich melodische Single „Crazy Girl“ (wunderbare Gitarrenuntermalung, atmosphärische Steel, klasse Slidearbeit gegen Ende) klettert immer weiter nach oben. Im Prinzip hat man diesmal gegenüber „Jet Black & Jealous“ nur nuanciell etwas geändert.

Mike Wrucke und Frank Lidell haben erneut das Werk begleitet (produziert), von den Gastmusikern, den Co-Writern bis zu den Autoren der Fremdkompositionen wurde nur vereinzelt, aber sehr gezielt variiert. Insgesamt wirkt „Life At Best“ in der Breite noch ausgeglichener und somit noch homogener als der Vorgänger. Zum Auftakt gibt es mit „Even If It Breaks Your Heart“ gleich eine faustdicke Überraschung. Der Song von Will Hoge aus seinem großartigem Album „The Wreckage“ ist ja noch gar nicht mal so alt. Auch der Eli Young Band scheint dieses tolle Lied in Stile von Tom Petty zu seiner absoluten Höchstzeit (verströmt so ein wenig „Into The Great Wide Open“-Flair) auf dem Leib geschnitten zu sein.

Klasse Umsetzung! Nach der bereits erwähnten Single (co-komponiert übrigens vom ebenfalls richtig guten Nashville-Künstler Lee Brice, der vor geraumer Zeit auch ein klasse Debüt abgeliefert hat) folgt mit „Every Other Memory“ ein angenehmer New Country-Song, wie man ihn beispielsweise von Tim McGraw des öfteren geboten bekommt. Ganz hervorragend auch „On My Way“. Was für ein unterschwelliger Groove. Herrlich das Zusammenspiel von Steel- und E-Gitarre! Überhaupt sticht die recht häufige, aber trotzdem nicht überdosierte Einbindung der Steelgitarre (gespielt durch Mike Wrucke, Russ Pahl und Greg Leisz) diesmal als eine der Hauptinnovationen des Werkes heraus.

Auf dem fluffigen „Skeletons“ beweist Co-Leader James Young seine Fähigkeiten als Harpspieler, und auch die eingebundene Mandoline als rhythmusunterstützendes Instrument zu den Gitarren macht hier großen Spaß. Die nicht ganz so im Rampenlicht des Quartetts stehenden Jon Jones und Chris Thompson zeigen bei „I Love You“ (eine wunderschöne, völlig kitschfreie Liebesballade mit einem langgezogenen Refrain, bestehend nur aus diesen drei Worten, ganz klasse gesungen von Mike Eli) auch ihr Songwritertalent (unter Assistenz des bereits erwähnten Lee Brice und Kyle Jacobs).

Eine weitere kleine, gelungene Neuerung, die das Bandgefüge noch weiter zusammenschweißen wird. Und so reichen sich temporeichere Stücke wie „The Fight“ (mit einem Hauch von Roy Orbinson), „Recover“ (poppiger Refrain), „The Falling“ (komponiert von Mike Eli mit einem weiteren gern gesehen Künstler, Ryan James; schönes, poltriges Drumming von Chris Thompson) und „How Quickly You Forget“ (mit Ruf- und Antwortgesang, schön swampige Note mittels Orgel und starker E-Gitarre) mit eher ruhigen, sehr atmosphärisch gespielten Geschichten wie „My Old Man’s Son“ (feine Bariton E-Gitarren-Klänge), „War On A Desperate Man“ (Steel-betonte Countryballade), „Say Goodnight“ (ein Gute-Nacht-Song der sehr angenehmen Art, involviert als Co-Writerin Katrina Elam) die Klinke in die Hand.

Das abschließende Titelstück „Life At Best“ wurde dann zur Chefsache erklärt. Mike Eli und James Young kreierten am Ende noch mal einen richtig gut abgehenden „Red Dirt“-Rocker (kräftige Drums, Orgel, Mandoline, starkes E-Gitarren-Solo), der mit abrupten Schluss dem Hörer nochmal einen unerwarteten, kleinen Kick beschert. Die Band knüpft mit „Life At Best“ somit nahtlos an ihr großartiges Vorgängeralbum an. Traumhaft melodischer, lockerer New Country, Countryrock, Country-Roots-Pop mit einem Hauch von „Red Dirt“. Eine Formel, die den Texanern mittlerweile den erwähnten großen Erfolg nicht nur in Texas, sondern auch in Nashville beschert.

Der Vierer erinnert im übrigen immer mal wieder an eine Country-orientiertere Ausgabe von Sister Hazel, zumal auch Mike Eli’s fantastischer Gesang dem von Ken Block recht ähnlich ist. Was sind das für wunderbare Ohrwürmer! Die Eli Young Band auf dem Weg ganz nach oben. Auf die einfache Formel gebracht. Life at best = Eli Young Band at (it’s) best! Mit diesen starken Songs im Köcher dürfen sich die Fans in den USA natürlich auch auf ihr kommendes Live-Programm freuen (in unserem Lande wird man die Truppe wohl kaum bewundern können). Eine längst überfällige Live-DVD als nächster Schritt käme da als folgerichtige Konsequenz gerade richtig. Vielleicht wird’s ja was! Jetzt erst einmal begeistern wir uns an dieser Traum-CD! Herrlich!

Universal South Records (2011)
Stil:  Red Dirt

01. Even If It Breaks Your Heart
02. Crazy Girl [Single Version]
03. Every Other Memory
04. On My Way
05. Skeletons
06. I Love You
07. The Fight
08. My Old Man’s Son
09. Recover
10. The Falling
11. War On A Desperate Man
12. Say Goodnight
13. How Quickly You Forget
14. Life At Best

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Eli Young Band – Live At The Jelly Fox – CD-Review

Die Eli Young Band-ist für ihre umtriebige Live-Tätigkeit mit bis zu fünf Gigs pro Woche bekannt. Ein wunderbares Zeugnis dessen liefern sie jetzt mit ihrer neuen CD „Live At The Jolly Fox“ ab, mit der sie all die überaus positiven Eindrücke, die ihre Studioalben hinterlassen und die man über ihre Live-Auftritte hört, eindrucksvoll bestätigen. Ein sehr aktuelles Konzert, denn der hier mitgeschnittene Gig im „Jolly Fox“-Club von Huntsville/Texas ist gerade mal ein halbes Jahr her (4. Mai 2006).

Frei nach dem Motto „Viel Training macht den Meister“ erleben wir eine äußerst reife, homogene, blind eingespielte Band, mit Blu Sanders (Acoustic guitar/Background Vocals) und Allen Huff (Hammond B3 Organ/Keyboards) ergänzt um die zwei harmonisch eingebundene Gast-Musiker, die von der ersten bis zur letzten Minute ihrer zweiten Zugabe einen bärenstarken Eindruck hinterlässt. Dargeboten wurde quasi ein „Best-Of“-Potpourri ihrer beiden bisher relevanten Alben mit insgesamt 16 Stücken. Einfach herrlich, diesen höchst melodischen Songs, bestehend aus einer unwiderstehlichen Mixtur von würzigen Rootsrock-/-pop, Countryrock-, „Red-Dirt“-, Heartland-Rock und hitverdächtigen American Mainstream Rock-Elementen, beiwohnen zu dürfen.

Ja man kann schon fast sagen, dass hier so etwas wie Neid aufkommt, solche hochtalentierten Bands nicht einmal in unseren Breitengraden in natura begrüßen zu dürfen – diese Chance geht sicher stark gegen Null. Es erscheint fast unfair aus dem Repertoire der hier dargebotenen Songs explizit einzelne herauszuheben, denn jedes Stück weiß für sich, auf seine Art und Weise zu glänzen. Mike Elis Stimme hat diese sanft kratzige, leicht durch die Nase gesungene, angenehme Ausstrahlung (erinnert zuweilen etwas an Sister Hazels Ken Block), Basser Jon Jones und Drummer Chris Thompson sorgen für einen satten, kräftigen Rhythmus-Background, während es Lead-Gitarrist James Young und Keyboarder Allen Huff mit ihrem filigranen, auf den Punkt gebrachten Spiel vorbehalten bleibt, für die endgültige Veredelung der Stücke zu sorgen.

„When You Come Down My Way“ (Drum-Intro, rootsiges E-Gitarren-Riff, sehr melodisch, ausgedehntes E-Gitarren-Solo, dezente Orgel), „Level“ (überaus kraftvoller, etwas psychedelischanmutender Rootsrock mit rauen E-Gitarren Verzerrungen wie es einst Peter Frampton praktizierte, toller Rhythmuswechsel), „So Close Now“ (ein absoluter Ohrwurm der Marke Sister Hazel), „Highways And Broken Hearts“ (viel kräftiger als in der Studioversion, herrlich „schmalzige“ Country-/Americana-Ballade mit „Feuerzeuge anzünden“-Garantie, tolles southern-mäßiges E-Gitarren-Solo am Ende), das über sieben Minuten währende, fantastische „Small Town Kid“ (inklusive Bandvorstellung, Publikum singt begeistert mit), oder das abschließende „Here’s To You“ (rockiger Beginn, klasse Tempowechsel zwischen Strophen und Refrain, tolle E-Gitarren-Passagen) sind alleine schon „die halbe Miete“ für diese großartige Live-Performance, finden aber mit sämtlichen Restsongs absolut adäquate Begleiter in einem hervorragend aufeinander abgestimmten Programm.

Diese Band wird sicherlich in Zukunft zu den ganz Großen im texanischen Music-Circuit zählen. Mit Interpreten wie Cross Canadian Ragweed (auch wenn die Eli Young Band längst nicht so dreckig agiert) oder der Randy Rogers Band liegt man mittlerweile durchaus auf Augenhöhe. Also scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis ein Major-Label auch an die Tür der Eli Young Band klopfen wird. Mitproduziert (satter, sehr klarer Sound) hat übrigens, wie auch schon bei ihrer letzten CD „Level“, Eric Herbst! Als Vorgeschmack auf das nächste Studiowerk gibt es zum Abschluß der Scheibe noch einen brandneuen Studio-Track. „Lonely All The Time“ aus der Feder von Reckless Kellys Willy Braun, was dem Song naturgemäß unweigerlich einen gewissen RK-Countryrock-Touch auferlegt. Pumpender Bass zu Beginn, heulende Orgel, stampfendes Gitarrenspiel, tolle Tempobreaks, glänzende E-Gitarren-Läufe treiben die Vorfreude auf den nächsten Studio-Streich der Truppe in erwartungsvolle Höhen.

Fazit. Eine tolle, über 73-minütige Live-CD (schade, das es nicht gleichzeitig auch noch eine DVD davon gibt), die in jeder Sammlung texanisch infizierter Rootsrock-/-pop-/Countryrock-Liebhaber ihren Platz finden sollte. Wie gesagt, diese Eli Young Band hat sicher eine große Zukunft vor sich! Großartig!

Universal Republic (2009)
Stil:  Red Dirt

01. That’s The Way
02. Drive Away
03. Girl In Red
04. When You Come Down My Way
05. Level
06. So Close Now
07. Highways And Broken Hearts
08. Bottom Line
09. When It Rains
10. Show You How To Love Again
11. Everything Is You
12. When We Were Innocent
13. Guardian Angel
14. Small Town Kid
15. I Call The Tune
16. Here’s To You
17. Lonely All The Time (Studio Track)

Eli Young Band
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Will Hoge – Never Give In – CD-Review

Will Hoge erneut in bestechender Form! Der in Nashville beheimatete Singer/Songwriter scheint sich in kreativer Hinsicht auf einem absoluten Höhenflug zu befinden. Verweilte er noch vor nicht allzu langer Zeit mit seiner EP „Modern American Protest Music“ mit eigens konzipierten Protestsongs auf den Spuren von einem seiner großen Vorbilder, Bob Dylan, holt er jetzt mit seinem neuen, fantastischen Album „Never Give In“ zu einem weiteren ganz großen Wurf aus.

Der Titel, wie auch das damit verbundene Titelstück (tolle Melodie, klasse Gitarrenarbeit inkl. würzigem Slide/ E-Solo), stehen auch so ein bisschen für Hoges Stehauf-Mentalität (er hat ja schon so einiges in Sachen Band-/Labelwechsel bis hin zu seinem furchtbaren Unfall, bei dem er schwer verletzt nur hauchdünn am Tod vorbeigeschrammt ist, mitgemacht), ein Mann der nie auf-/nachgegeben hat und sich heute musikalisch stärker denn je präsentiert.

„It encompasses a lot of things. The song is really based on a relationship between a man and a woman that has weathered hard times and fought to grow. There’s some truth in that with my wife which I really appreciate. On a larger note, it’s about the mentality of this whole organization. The roller coaster ride I’ve been through musically, emotionally, professionally, and physically with labels and without labels changing bands and managers, we’re here. We started our own label and we’re having more success than ever. That’s all due to the fact we’ve never stopped and we never give in.“ so Will selbst in einem Interview zum zentralen Thema/Lied seines neuen Werkes.

Und In der Tat, läuft es für Hoge in letzter Zeit wie am „Schnürchen“. Hatte vor geraumer Zeit die Eli Young Band mit dem von ihm gecoverten „Even If It Breaks Your Heart“ einen Nr. 1-Hit erzielt (auch das hier enthaltene, herrlich melodische „Goodbye Ain’t Always Gone“ wäre wieder wie für sie prädestiniert), so dürfte Will auch mit der abschließenden starken, voller Pathos steckenden Americana-/Countryhymne „Strong“ (wie der Titel es schon andeutet), der als Begleitmusik für die Chevrolet Silverado Truck-Werbung ausgewählt wurde, weitere enorme nationale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch der Rest der Scheibe bietet typischen Hoge-Stoff (variabel, sehr melodisch, zwischen Country- und knackigem, zuweilen zünftigem, erdigem Roots-/Americana-Rock pendelnd, garniert mit einigen kraftvollen Heartland-RockEinlagen, in allen Tempi, mit intelligenten, immer ein wenig nach innen gekehrten Texten) auf absolutem Spitzenniveau.

Selbstredend, dass hier natürlich auch Topmusiker wie Kenny Greenberg, Tom Bukovac (beide wieder mit exzellenter Saitenarbeit), Tony Harrell, Adam Beard, Nick Buda, John Deaderick, und einige starke Backsinger wie die wunderbare Ashley Monroe, Jon Randall, Jessi Alexander, Maureen Murphy, oder Harmonie Reddick zur Einspielung mit von der Partie waren. Die beiden letztgenannten Sängerinnen liefern beispielsweise furiose Backs beim flotten Opener, dem knackigen, zündenden, schön angerauten Rootsrocker „A Different Man“. Der Silberling enthält natürlich auch wieder viele Querverweise zu musikalischen Größen, deren Glanz aber im Vergleich mit Will mittlerweile fast schon zu verblassen droht.

Das bereits erwähnte Titelstück mit seinem frappierenden „Into The Great Wide Open“-Flair, erinnert unweigerlich an Tom Pettys Parade-Zeiten, die grandios bluesig/dezent gospelig gesungene Ballade „This Time Around“ lässt sogar fast einen Otis Redding wieder aufleben. Ein Hammersong! Das schön gewählte Wortspiel bei dem famosen „Home Is Where The Heart Breaks“ ist der Aufhänger für ein herrlich rockendes Stück in der Tradition von Bob Seger (hat ein wenig was von „Rock’n‘ Roll Never Forgets“), „Pale September“ macht John Mellencamp alle Ehre und das ebenfalls straight rockende „Bad Old Days“ beinhaltet einige Reminiszenzen in die Zeit, als Will noch mit seinem alten Kumpel Dan Baird musizierte (durchaus auch Georgia Satellites-tauglich). Kurz vor Ende begibt sich Hoge in seiner eigenwilligen Art mit dem schön erzählten „Damn Spotlight (Julias Song)“ samt eines Hauchs von „The Boxer“ sogar in Simon & Garfunkel-ähnliche Gefilde (allerdings gänzlich ohne deren Schmachtfaktor), bevor der bereits oben angeführte Track „Strong“ (als Bonustrack) den glänzenden Abschluss eines immens starken Longplayers abgibt.

„I never really saw a dividing line between rock and country“ teilte Hoge kürzlich in einem Statement mit, und genaus das präsentiert er hier eindrucksvoll. Es gibt keine Trennung zwischen Rock und Country, sondern eine geradezu untrennbare Verbindung in seiner wunderbaren Musik. In einem U.S.-Review heisst es dazu treffend. Hoges music is a compelling mix of classic rock riffs, a Springsteen-styled way with charismatic storytelling and some rowdy roadhouse country twang“. Perfekt ausgedrückt, zusätzlich zu erwähnen sind eben nur noch diese hinreissenden Melodien.

Will Hoge präsentiert sich mit „Never Give In“ abermals in absolut blendender (auch stimmlich) Verfassung. Er zählt mittlerweile zu den wohl maßgebendsten Singer/Songwritern des Country-/Americana-/Rootsrock-Genres der Neuzeit. Die starken Texte zu seinen Tracks sind natürlich im eingesteckten Booklet des DigiPaks nachzulesen. Was für ein Pracht-Album! Wir werden nicht nachgeben, diesen begabten Songwriter/Musiker zu lieben und anzupreisen! Er hat es definitiv verdient! Einfach klasse dieser Mann!

Cumberland Recordings (2013)
Stil:  Country- / Roots Rock

01. A Different Man
02. Goodbye Ain’t Always Gone
03. Never Give In
04. This Time Around
05. Still Got You On My Mind
06. Home Is Where The Heart Breaks
07. Daddy Was A Gambling Man
08. Pale September
09. Bad Old Days
10. Damn Spotlight (Julia’s Song)
11. Strong

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Will Hoge – Number Seven – CD-Review

Der Singer/Songwriter aus Nashville mit einem meisterhaften, neuen Album. Will Hoge, der ja bei den Aufnahmen zu seinem letzten Werk „The Wreckage“ nochmal so gerade „dem Tod von der Schüppe gesprungen“ war (er wurde auf seinem Roller von einem Van angefahren und schwer verletzt) ist mittlerweile gesundheitlich wieder voll genesen und steht auch musikalisch „voll im Saft“. Mit seinem schlicht „Numer Seven“ betitelten, neuen Longplayer präsentiert er sich in blendender Verfassung, ja, man kann fast behaupten, auf dem Höhepunkt seiner musikalischen Schaffensphase.

Erneut versteht er es wie kaum ein anderer Musiker der heutigen Zeit, unbequeme Wahrheiten in seine anspruchsvollen Texte einzubringen und mit der dazu passenden Musik stilvoll in Einklang zu bringen. Fast eine Art Bob Dylan der Neuzeit, nur mit einer anderen Stimme und seinen wunderbar melodischen Americana-Songs. Das Album beginnt in der Tradition seiner letzten Werke. „Fools Gonna Fly“, ein Stück, in dem er dem guten Lyriker Shakespeare den Sinn für die Realität recht humorvoll abspricht, kommt in einer gediegenen Mischung aus Tom Petty- und Bob Seger-Einflüssen daher, wobei Hoge die beiden in kreativer Hinsicht längst ein- bzw. überholt hat. Klasse hier die Mundharmonika-, Slidegitarrenkombination (Hoge/Pat Buchanan) im Soloteil.

„Too Old To Die Young“ wurde mit dem dem Titel entsprechenden Elan kraftvoll umgesetzt. Klasse hier die surrenden Slidegitarren. Am stärksten erscheint Hoge auf diesem Longplayer, wenn er seinem Zorn über das heutige Amerika in Songs wie „Goddam California“ (toller Steelguitar-getränkter Alternate Country, herrlich wie er im Refrain „…Goddam California, oh I miss my Tennessee…“ förmlich herausfleht), „American Dream“ (schonungslose Abrechnung mit den Zuständen seines Landes, dazu passend eine wunderbar traurig gespielte Steelgitarre) oder „The Illegal Line“ (die Geschichte eines illegalen Einwanderes im Grenzgebiet Mexiko/Texas wird plakativ aufgearbeitet, stark hier die eine gewisse Dramatik einbringenden psychedlischen E-Gitarrenparts im Stile von Neil Young’s Crazy Horse) seinen freien Lauf lässt.

Grandios „Silver Chain“ . Hier grummelt Hoge zunächst akustisch begleitet in grimmiger Dylan-Erzähl-Manier, schreit dann seine Gefühle in einem kräftigen Refrain regelrecht heraus (tolle E-Gitarrenarbeit von Kenny Vaughan). Roots Rock in Perfektion! Für die fröhlicheren Momente des Albums sorgen komischerweise Songs wie „Gone“ oder „Nothing To Lose“, obwohl sie thematisch (es geht um das Ende von Beziehungen) ebenfalls nicht gerade auf Frohsinn gepolt sind.

Mit „No Man’s Land“ haut Hoge dann sogar einen echten Mitgröl-Country-Gassenhauer raus, der am Ende passend mit ausgelassenen „Crowd“-Gesängen begleitet wird. Zum Schluss gibt es dann nochmals zwei Tracks zum „Zungeschnalzen“. Zunächst die herrlich einfühlsame, pianounterlegte Ballade „Trying To Be A Man“, die von Gastmusiker Vince Gill immer wieder mit filligraner Akustikgitarre ergänzt wird. Und ganz am Ende die voller Otis Redding-Flair befindliche, bluesig-soulige Nummer „When I Get My Wings“ (zugleich auch erste Single). Toll hier die Bläsereinsätze in bester Memphis-Tradition und ein unwiederstehliches E-Gitarren-Solo von Kenny Greenberg, einem der Star-Gitarristen der Nashville-Szene.

Musikalisch assistieren Hoge auf dieser von ihm selbst produzierten Scheibe seine Tourmusiker Adam Beard, Sigdur Birkis und Adam Ollendorf, aber auch Wegefährten früherer Tage wie Devin Mallone oder Ken Coomer und eine ganze Reihe von edlen Gitarristen wie die bereits genannten Pat Buchanan, Kenny Vaughan, Vince Gill, Kenny Greenberg, sowie Tom Bukovac oder der exzellente Keith Gatis. Dazu kommt ein wunderbar geschmackvoll schlicht in Rot, Weiß und Schwarz gestaltetes Digipack, dessen eingestecktes Booklett alle (lesenswerten) Texte beeinhaltet. Will Hoges „Number Seven“ ist somit erneut ein absoluter Garant für allerfeinsten Roots-/Heartland-/Alternate Country-/Americana-Rock geworden, zuweilen mit einem Hauch von Southern-Feeling! Bestnote dafür von uns!

Rykodisc Records (2011)
Stil:  Country-/Roots Rock

01. Fool’s Gonna Fly
02. Too Old To Die Young
03. Goddam California
04. American Dream
05. Gone
06. The Illegal Line
07. Silver Chain
08. Nothing To Lose
09. No Man’s Land
10. Trying To Be A Man
11. When I Get My Wings

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Will Hoge – The Wreckage – CD-Review

Baumstarkes, neues Album von Will Hoge! Roots-/Heartland-/Americana-Rock „with a southern croon“ vom Allerfeinsten! Der in Nashville lebende, amerikanische Songwriter hatte ja bereits mit dem Vorgängerwerk „Draw The Curtains„, wie auch mit seinen übrigen Veröffentlichungen schon ganz exzellente Kost serviert und ist von uns und den Kritikerscharen zurecht mit Lobeshymnen überschüttet worden. Also beste Vorraussetzungen, um sich mit einem weiteren Silberling in der ganz oberen Riege seiner amerikanischen Kollegen zu etablieren.

Doch leider sollte zunächst ein persönlicher Schicksalsschlag Hoge übel mitspielen. Während der Aufnahmen zu seinem neuen Album fuhr Hoge nach getaner Arbeit abends mit seinem Roller nach Hause und wurde von einem Van, der seine Bahn kreuzte, „volle Kanne“ erfasst. Schwer blutend, mit mehreren Knochenbrüchen und zeitweise erblindet musste sich Hoge einem mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt unterziehen. Die Rehamaßnahmen dauern bis zum heutigen Tage an. Damit hatte es sich mit „The Wreckage“ (der Titel entstand in Anlehnung an seinen Unfall) erst einmal erledigt. Die Arbeiten waren zu diesem Zeitpunkt gerade zur Hälfte abgeschlossen.

Dieses Ereignes bescherte Hoge, laut eigener Aussage, eine vllkommen veränderte Lebenseinstellung. Es setzte ein regelrechter Lernprozess ein. Für ihn, der eigentlich in achtzehn Jahren keinen Tag ohne Musik verbracht hatte, lag jetzt der Fokus komplett auf der persönlichen Genesung und dem Wohlbefinden seiner Familie. Acht Monate nach dem Unfall jedoch ging es dann, mental gestärkt, endlich zurück ins Studio, um das begonnene Werk zu vollenden. Und es ist ein absoluter Knaller geworden. Im Vergleich zum erfolgreichen Vorgänger wurde zwar personell nur marginal geändert (Ken Croomer und Charlie Brosco, die auch das kürzlich erschienene, klasse Album der Southern Rocker SwamDaWamp produzierten, sassen erneut an den Reglern; die meisten Musiker, wie u.a. Pat Buchanan, Ban Baird, Ken Croomer, Tim Marks, sind abermals mit von der Partie), das Ergebnis aber gestaltet sich noch einen Tick stärker als zuletzt und dank Hoges, aus besagten Gründen sehr emotionaler Hingabe, um ein Vielfaches intensiver.

Das ist schon eine Pracht-Leistung, die er hier abliefert. Tolles Songmaterial, mit saftigen, Gitarren-orientierten Arrangements, zumeist voller Kraft und mit gutem Drive, unterbrochen von der ein oder anderen Ballade, alles ungemein melodisch. Das Album startet mit dem flockig, aber knackig instrumentierten „Hard To Love“, ein Stück in bester Bob Seger-Tradition im gehobenen Midtempo, mit einer klasse Pianountermalung, toller Melodieführung und einem starken Bariton-E-Gitarren-Solo. Weiter geht es in deftiger John Mellencamp-Manier mit dem schroffen, geradlinigen, einen tollen Drive aufbauenden, gnadenlos starken Roots-Rocker „Long Gone“ (fettes Drumming, kreischiges E-Gitarren-Solo), der einmal mehr die ungeheure Vielseitigkeit Hoge’s beweist. Hier geht’s richtig zur Sache!

Im Titelsong „The Wreckage“ entladen sich dann alle erlebten Geschehnisse auf beeindruckende Weise, ohne dabei textlich auf das Vorgefallene einzugehen. Selten hat man Hoge so intensiv, introvertiert, emotional und doch voller kühler Melancholie singen gehört (ein wenig an Radney Foster und Kevn Kinney erinnernd), wie bei diesem Track. Eine dumpfe Akustikgitarre, ein dezentes Piano und eine kalt hallende Steelgitarre erzeugen eine ganz besondere, regelrecht mitfühlende Atmosphäre. Das ist große und bewegend performte Musik.

Mit „Favorite Waste Of Time“, „Even If It Brakes Your Heart“ (mit dezentem Petty’schen „Into The Great Wide Open“-Flair) und „Highway Wings“ bewegt sich Will in luftig instrumentierten, genauso knackigen, wie melodischen, rootsigen Mellencamp-/Chris Knight-Gefilden. Das atmosphärische „What Could I Do“ steckt wieder voller eigenwilliger Melancholie, die von Jen Gunderman beigesteuerten Mellotron-Töne erzeugen Gänsehaut.

Zusammen mit der bezaubernden Ashley Monroe (singt im Stile einer jungen Dolly Parton) präsentiert Hoge im Duett bei der wundervollen Ballade „Goodnight / Goodbye“ entspannte, sehr melodische, großartige (Alternate)Countrymusic. Sein alter Weggefährte Dan Baird zupft hier die High String Guitar. Diese etwas besinnlichere Phase wird dann mittels „Just Like Me“, einem forschen Rootsrocker an der Schnittstelle zwischen Neil Young und John Mellencamp, wieder abgelöst.

Klasse hier das psychedelisch angehauchte, raue E-Gitarren-Solo von Pat Buchanan. Nach dem entspannten, wunderschönen „Where Do We Go From Now“, kommt das wieder voller Atmosphäre steckende, balladeske „Too Late Too Soon“, eindrucksvoll mit Gitarren (Southern Rock-kompatibles E-Gitarren-Solo), dumpfen Cello- und Bläsertönen in Szene gesetzt, sogar mit ein wenig Black Crowes-Flair rüber. Ein hervorragendes Album-Finale! Eigentlich ist Will Hoges neues Werk angesichts der Vorgeschichte als reinstes Wunder zu bezeichnen.

Woher dieser Musiker, der scheinbar wirklich am Rande des Ablebens taumelte, innerhalb so kurzer Zeit wieder die Kraft und Ideen zu solch einem starken Album schöpfte, verdient höchste Anerkennung und uneingeschränkten Respekt. Will Hoge hat sich mit diesem Werk endgültig in die Regionen der hier beschriebenen Bezugsgrößen katapultiert. Dieser Singer/Songwriter kann dem Vergleich mit den Mellencamps, Pettys, Chris Knights, Bob Segers, Dan Bairds & Co. locker standhalten.

Wir ziehen den Hut vor dieser Leistung und wünschen Will Hoge, auch wenn es sich im Fall von „The Wreckage“ (das Wrack) schon fast makaber anhört, für seine zukünftige Entwicklung musikalisch weiterhin „Hals- und Beinbruch“. Aber es wird schwer, dieses Werk zu toppen. Die Messlatte liegt verdammt hoch. Exzellenter Rootsrock-/Heartland-Rock-/rockin‘ Americana-Stoff (roadside Americana with the glory of Rock’n Roll“, wie es ein U.S.-Kritiker nennt) zum Genießen, aufgemacht im feinen Digipack inkl. eingelegtem Faltblatt mit allen Texten und Infos! Brillant!

Rykodisc Records (2009)
Stil:  Country-/Roots Rock

01. Hard To Love
02. Long Gone
03. The Wreckage
04. Favorite Waste Of Time
05. Even If It Breaks Your Heart
06. What Could I Do
07. Goodnight/Goodbye
08. Just Like Me
09. Highway Wings
10. Where Do We Go from Down
11. Too Late Too Soon

Will Hoge
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Bärchen Records

Jason Michael Carroll – What Color Is Your Sky – CD-Review

Der Mann aus North Carolina, der uns vor 4 Jahren mit seinem Riesenhit „Alyssa Lies“ begeisterte und der danach noch einige weitere Top 20-Hits folgen ließ, kommt mit einem wunderbaren, neuen Album. „What Color Is Your Sky“ lautet der Titel und beinhaltet 15 brandneue Tracks, wobei die letzten drei Stücke „Here With Me“, „Painting Pictures“ und „Waste Their Life“ (als Demo Version), allesamt in melodischem Midtempo gehalten, eigentlich nur für sein Live-Programm gedacht sind auf Wunsch seiner Fangemeinde noch als Bonus auf diesem Album mitberücksichtigt wurden. Eine schöne Geste.

Carroll eröffnet sein mit recht schmalem Budget ausgestattetes und selbst produziertes Werk (er hat ja mittlerweile nur noch ein Independant-Label im Rücken, was sich aber absolut positiv auf seine Leistung ausgewirkt hat) mit dem herrlich flockigen, von Cowboylagerfeuerromantik umwehten „All I’m Drinking ‚Bout“, das man aufgrund des eingängigen Refrains und den folkig anmutenden ‘Whistles‘ (man ertappt sich nach einer gewissen Zeit förmlich beim Mitpfeifen) kaum noch aus dem Kopf bekommt. Ganz klasse hier auch, neben der schönen Fill-Arbeit mit Bariton-E-Gitarre, Piano- und Orgeltupfern, die plötzlich unvermittelt einsetzende E-Gitarrenpassage. Ein großartiger Auftakt.

Die folgende Single „God Only Knows“ erinnert vom Stil an Sachen von Jason Aldean, Brantley Gilbert & Co., ebenso wie auch später das heftig rockende „‚Til The Speakers Blow“ (ähnelt „My Kinda Party“) und die Powerballade „We Ride“, wobei immer wieder die tolle E-Gitarrenarbeit (inkl. starker Soli) zu überzeugen weiß. Das atmosphärische Titellied „What Color Is Your Sky“ lässt ein wenig den New Country der 90er Jahre aufleben: ruhiger melodischer Strophengesang, der dann in einen harmoniegesungenen Refrain à la Diamond Rio oder Little Texas mündet. Auffallend auch, dass Jason Michael seine Vocals, die auf seinem letzten Silberling „Numbers“ noch eher kräftiger/dominanter in Richtung Blake Shelton ausgelegt waren, ein wenig ‘weicher‘ in Sphären eines Tracy Lawrence und Konsorten ausgesteuert hat.

Weitere Nummern mit 90er-Flair „Love Like July“ (stadiontaugliches E-Gitarren-Solo) und „Civil War“ (markante Pianountermalung). Ganz großes Kino ist das bestens zum Feiern geeignete, in „Take It Easy“-Manier fröhlich beschwingt dahinschunkelnde „Here‘s To“, eine herrlich sympathische, zum Mitsingen geeignete Hommage an die angenehmen Sachen des Lebens wie das Biertrinken , schöne Frauen etc., die den anstrengenden Alltag mal für eine gewisse Zeit vergessen lassen. Schön authentisch hier die kurz simulierte ‘Crowd‘-Harmoniegesangs-Passage, die schon mal andeutet, wie es bei dem Song live zugehen wird. Ein echtes Stimmungshighlight und toller Ohrwurm zugleich!

Das Schöne an der möglichen Eigenständigkeit im Independant-Bereich sind dann auch die Überraschungen und Freiheiten, die ein Künstler sich dann zwischendurch auch mal gönnen darf. So hätte es die tollen Knopfler-typischen Dire Straits Stratocaster-Einlagen bei „Does He Know“ wie auch das fast schon im Southern Melodic Rock verwurzelte „Urgency“ (Billy Crain-mäßiges Strat-Solo) auf einem Majorwerk wohl kaum gegeben. Die schöne Ballade „Blown Away“ (dezenter „Free Bird“-Unterton bei den Keyboards) und das bardenhaft vorgetragene countryeske „Close Enough“ (schön klare Akustikgitarre, Steel, Fiddle) runden ein äußerst unterhaltsames und abwechslungsreiches Werk ab, (Texte zu diesen 12 Liedern sind im Booklet enthalten), bevor die eingangs erwähnten Zusatztracks einsetzen.

Auch wenn er seinen Major-Vertrag los ist, seine lockere Country-/New Country-Musik ist über jeden Zweifel erhaben und „better than ever“. Herrliche, flockige Songs mit tollen Melodien, großartige Stimme und „not one bad song or any filler on this album“, wie es ein begeisterter U.S.-Fan ausdrückt. Keine Ahnung, warum die Bosse der großen Labels diesen Burschen nicht mehr unter Vertrag haben, aber vielleicht ist das auch gut so. So kann er zwanglos spielen, was er will – und das macht sich auf positivste Art und Weise bemerkbar. Sehr starke Vorstellung!

Malaco Records (2015)
Stil: New Country

01. All I’m Drinking ‚Bout
02. God Only Knows
03. What Color Is Your Sky
04. Here’s To
05. Love Like July
06. Does He Know
07. Til the Speakers Blow
08. Civil War
09. Urgency
10. Blown Away
11. We Ride
12. Close Enough
13. Here With Me
14. Painting Pictures
15. Waste Their Life (Demo Version)

Jason Michael Carroll
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Bärchen Records

Billy Currington – Same – CD-Review

Ein weiterer vielversprechender Künstler, der auf dem Endlos-Highway des New Country aufgetaucht ist, heißt Billy Currington. Der aus Rincon, Georgia stammende, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Billy, entdeckte durch seinen alkoholsüchtigen Stiefvater seine Liebe zur Countrymusik. Namen wie Alabama, Keith Withley oder George Strait ermunterten ihn schon frühzeitig, sich auch mit dem Songwriting zu beschäftigen.

Der irgendwann fällige Umzug nach Nashville gestaltete sich karrieretechnisch zunächst etwas behäbig, der entscheidende Impuls kam dann aber über Mark Wills, der einen Song von Currington für sich haben wollte, und den Kontakt zu Produzent Carson Chaimberlain herstellte. Dieser wiederum machte dann den Deal mit Mercury Records perfekt.

Ein lohnenswertes Arrangement für beide Seiten, denke ich. Denn Billys Debüt erscheint massenkompatibel (sämtliche Songs eigenen sich zur Singleauskopplung), und ist dank hervorragender Musiker auch äußerst anspruchsvoll eingespielt. Was die Achse Mason-Franklin-Duncan-Bayers-Willis so aus dem Armel zaubert, ist schon erste Sahne.

Die Nummern sind zwar kurz und kompakt, bieten aber allesamt Improvisationsspielraum für ihre Live-Darbietung. Lieder wie „Off My Rocker“, „Where The Girls Are“ oder „Growin‘ Up Down There“ leben von ihrem flotten Rhythmus und den kurzweiligen Instrumentalduellen (meist Steel/Fiddle/E-Gitarre) der Nashville-Profis, die sichtlich Spaß zu haben scheinen.

Aber auch Ohrwürmer wie „I Got A Feelin'“ (davon gab es in der letzten Ausgabe von „Country-Roads“ einen Clip mit einer recht nett anzuschauenden Blondine, die den guten Billy gehörig ins Schwitzen bringt), „Close To Me“ (Richtung Lonestar) oder das abschließende „Ain’t What It Used To Be“ (Marke Blake Shelton) machen richtig Laune.

Natürlich gibt es auch drei vier Balladen, die recht unspektakulär, aber auch nicht großartig störend im Gesamtbild präsent sind.
Aufgrund der Leichtigkeit des Werkes mein Tipp für den kommenden Sommer. Grill anschmeißen, ’ne Currywurst auf den Tisch und Currington auf den (Platten-)Teller!

Mercury Nashville (2003)
Stil:  New Country

01. I Got A Feelin‘
02. That’s Just Me
03. Hangin‘ Around
04. Off My Rocker
05. Walk A Little Straighter
06. Where The Girls Are
07. Time With You
08. When She Gets Close To Me
09. Growin‘ Up Down There
10. Next Time
11. Ain’t What It Used To Be

Billy Currington
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Bärchen Records

Billy Ray Cyrus – Time Flies – CD-Review

„Time Flies“ ist von den vier CDs, die ich von Billy Ray Cyrus mittlerweile kenne, eindeutig die beste. 15 Songs innerhalb einer knappen Stunde fliegen an einem regelrecht vorüber, ohne dass man merkt, wie die Zeit vergangen ist. Es liegt an der Vielseitigkeit der Lieder und einem Sänger, der unheimlich frisch und kämpferisch wirkt. Ein Grund dafür wahrscheinlich die Querelen im Vorfeld der Veröffentlichung, auf die ich noch am Ende zu sprechen kommen werde.

Das Werk, im Konsens gesehen, ist eigentlich gar nicht new-country-typisch. Ich würde es eher als äußerst variables Rockalbum einstufen, das sich harmonisch der einen oder anderen Strömung bedient, aber nie Gefahr läuft, seine Linie zu verlieren.

So ist das Titelstück eine wunderschön relaxte Westcoastballade, getragen von einer lockeren Akustikgitarre, herrlichem Slidespiel und dezent eingebrachten E-Gitarren im Hintergrund. Poco hätte das nicht besser bringen können. In die gleiche Kerbe schlägt „Tell Me“. Man könnte meinen, Glenn Frey und Don Henley hätten mal wieder einen Schlichtungsversuch für ein Eagles-Comeback hinter sich.

Da gibt es zwei so unwiderstehliche Honkytonkrocknummern wie „I Luv Ya“ (über Frauen, die jeder mag, aber die soviel Herzschmerz verursachen; Cindy Crawford und Julia Roberts werden als Lehrbeispiele angeführt) und „Hard To Leave“, der vielleicht legitime Nachfolger seines größten Hits. Klingt wie eine Mischung aus „Achy Breaky Heart“ und der Chuck Berry-Nummer „C’est la vie“. Ein toller Rocker, der sich zur Endlos-Abfeier-Live-Nummer bestens eignet, mit herrlichem Pianogeklimper a là Billy Powell im Mittelteil.

Wer Southern Rock nicht unbedingt mit Gitarren-Soli-Orgien verbindet, wird auch bei einigen Liedern auf seine Kosten kommen. Eine ganze Reihe von Songs bieten genretypische Stilelemente, allerdings immer relativ wohl dosiert. In manchen ‚weich‘ gesungenen Strophen ist Billy Rays Stimme mit der von Johnny Van Zant vergleichbar, zahlreiche Slide- und E-Gitarrenparts sind unverkennbar Südstaaten-Rock-orientiert („Bread Alone“, „The Way It Is“, „I Still Believe“ – sehr 38 Special-ähnlich vom Grundmuster her).

Dazu gesellen sich natürlich auch die eine oder andere Ballade, mal stärker („What Else Is There“ und die Akustikversion von „Some Gave All“, das dank frischer Stimme – es wird nicht so rumgeknödelt wie beim Original – und kraftvoller Akustikgitarre irgendwie moderner und peppiger rüber kommt), mal etwas schwächer, weil ein wenig schmalzig („Nobody“/“Without You“).

Zwei richtige straighte Rocker lassen gegen Ende erneut die Lucie richtig abgehen. „Close To Gone“ könnte die Bottle Rockets und The Beatfarmers als Inspirationsquelle gehabt haben; „Stand Still“ erinnert mit seinen treibenden Pianopassagen an „The Fire Inside“ von Bob Seger.

Ach ja, wo bleiben eigentlich die Country-Elemente? Am ehesten noch beim Auftaktstück „What Else Is There“ die dezenten Steeleinlagen oder die Fiddelbegleitung bei „Back To Memphis“, eine Art Heartlandballade, keltisch angehaucht, Gesang wieder JVZ-ähnlich, „Tomorrow’s Goodbye“ von Skynyrds „Edge Of Forever“ Album kommt mir dabei melodiemäßig in den Sinn.

Insgesamt ein tolles Album, das jedoch auch wieder einmal die Schattenseiten des Business offenbart. BRC ist für mich neben Garth Brooks nach wie vor einer der Initialzünder eines mittlerweile millionenschweren Musikindustriezweiges, vergleichbar eventuell mit einem Boris Becker im Tennissport. Und dass ein Künstler, der eigentlich bis jetzt immer durch solide Arbeit geglänzt hat, von Sony auf ein No-Name-Label verbannt wurde, ja sogar um die Veröffentlichung lange Zeit zittern musste, ist schon der blanke Hohn.

Der Gipfel von allem ist das lieblose Ein-Blatt-Cover, mit Angabe der Songtitel als einziger Info. So was hat ein Billy Ray Cyrus ganz sicher nicht verdient. Aber Kopf hoch. Leistung hat sich im Groben und Ganzen immer am Ende durchgesetzt und es gibt ohne Zweifel auch andere Firmen, die einen längeren Atem besitzen, und nicht nur auf den schnellen Dollar fixiert sind…

Sony Music, Madacy Label Group (2003)
Stil:  New Country

01. What Else Is There
02. Bread Alone
03. The Way It IS
04. She Don’t Love Me
05. Time Flies
06. I Luv Ya
07. I Still Believe
08. Without You
09. Hard To Leave
10. Nobody
11. Tell Me
12. Close To Gone
13. Stand Still
14. Back To Memphis
15. Some Gave All (Acoustic version)

Billy RayCyrus
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