Gwyn Ashton & The Born-Again Sinners – 28.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Ashton_Haupt

Der im Ruhrgebiet scheinbar eher unbekannte Gwyn Ashton machte im leider wenig besuchten Musiktheater Piano Halt, um sein aktuelles Album „Solo Electric“ vorzustellen. Dabei ist der in Wales geborene, schon in der Kindheit nach Australien ausgewanderte Ashton, kein Newcomer im Musikgeschäft. In den 80er Jahren spielte er im Vorprogramm von Rory Gallagher, dessen Wege er später auch immer wieder kreuzte. So spielte er 2001 in der Band of Friends zum Gedenken an den leider zu früh verstorbenen Iren.

Daraus entstand auch eine Zusammenarbeit auf Ashtons Longplayer „Fang it“, wo ihn Gary McAvoy am Bass und Brendan O’Neill an den Drums begleiteten beide uns bestens bekannt durch ihren Auftritt im Schwarzen Adler vor geraumer Zeit. Auf weiteren Platten spielten Musikgrößen wie Ted McKenna oder auch Don Airey als Studiomusiker mit, was auf die Qualität Ashtons schließen lässt.

Pünktlich um 20:30 betrat Ashton alleine die Bühne, um nur mit einer Bassdrum und verschiedensten Gitarren, Nomen est Omen, die aktuelle Platte „Solo Electric“ in einem etwa 45-minütigen Set vorzustellen. Sehr schnell sprang der Funke des gut gelaunten Ashton, der sich nicht von der geringen Resonanz beirren ließ, auf die Besucher über. Er zeigte seine spielerische Bandbreite mal slidend, mal bluesig oder rockend.

Mit einem Augenzwinkern sagte er, dass er gezwungen wäre, jede Gitarre zu benutzen, da diese sonst beleidigt wären. Dies wurde dann auch in die Tat umgesetzt. Somit zeigte er nicht nur, welche Gitarren er besitzt, sondern bewies auch, dass er jede einzelne bespielen kann. Das Reißen einer Seite (verbunden mit dem Einspannen einer neuen), nutzte er um die Zuschauer kurzweilig zu unterhalten.

Nach einer etwa 15-minütigen Pause betrat Ashton dann, begleitet von seiner Band Chris Sharley an den Drums und Peter ‚Boom Boom‘ Beulke am Bass, die den ersten Set aus dem Publikum betrachtet hatten, die Bühne, um für noch einmal knapp 75 Minuten, seinen Powerblues hinzulegen. Dabei gab er seinen beiden Mitstreitern, wie es bei den guten alten Rockbands Gang und Gebe ist, die Möglichkeit, ihre spielerische Klasse in längeren Soli zu beweisen.

Neben Eigenkompositionen der letzten Jahre streute er auch einige Coverstücke ein. Wie schon im Vorfeld beschrieben, war fast durchgehend der Bluesstil der Generation Gallagher zu spüren und die Stimmung im Publikum war bestens, da sie große Gitarrenkunst geboten bekamen. Der auf einem großen Bild neben der Bühne hängende Jimi Hendrix, hätte mit Sicherheit auch seine Freude an dem Treiben auf der Bühne gehabt.

Wer Spaß an bluesrockender Gitarrenspielkunst hat, dem sei der Besuch bei einem der Konzerte von Gwyn Ashton angeraten. Es bleibt zu hoffen, dass Ashton, wenn er noch einmal im Musiktheater Piano auftritt, von mehr Livemusikliebhabern empfangen wird. Er aber auch das Piano, das als Veranstalter wie immer ein guter Gastgeber war, hätten es mit Sicherheit verdient. Noch einmal herzlichen Dank an Jenny Dore für die Akkreditierung und an alle wie immer freundlichen Mitarbeiter.

Line-up:
Gwyn Ashton (lead vocals, electric guitar)
Peter ‚Boom Boom‘ Beulke (bass, vocals)
Chris Sharley (drums, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Gwyn Ashton
Gwyn Ashton bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Sari Schorr & The Engine Room, 22.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Schorr_haupt

Schade, obwohl Sari Schorr und ihre Begleitband The Engine Room vor gut einem Jahr an gleicher Stelle hier im Musiktheater Piano zu Dortmund einen tollen Gig hingelegt hatten, war auch diesmal das Zuschauerinteresse deutlich steigerungsfähig. An der geänderten Besetzung ihrer Mitstreiter wird es wohl kaum gelegen haben.

Auch wenn Gitarrenhexer Ines Sibun samt der anderen Kollegen komplett nicht mehr vertreten war, hatte sich das New Yorker ‚Cowgirl‘, wie sie sich vor „Oklahoma“ selbst betitulierte, mit Bassist Mat Beable (Stevie Nimmo, Ben Poole), Drummer Roy Martin (Snowy White, Robert Palmer, Jimmy Barnes, Patricia Kaas), Singer/Songwriter/Gitarrist Ash Wilson und Ex-King King-Keyboarder Bob Fridzema, ebenbürtige Manpower als Ersatz in den ‚Maschinenraum‘ geholt.

Aber zunächst sah es so aus, als wenn Piano-Chefin Jenny Dore einen großen Coup gelandet hätte, als zwei Musiker schon um 19:15 Uhr, sich auf den beiden bereitgestellten Stühlen niedergelassen hatten. Waren Justin Timberlake (schien maskenbildnerisch, um vermutlich nicht gleich erkannt zu werden, alterstechnisch etwas modifiziert) und Chris Stapleton extra nach Dortmund gereist, um ihren aktuellen Megahit „Say Something“ im Piano zu performen?

Na ja, ganz so war es dann doch nicht, Spaß beiseite, es handelte sich um die beiden Bremer Blues-Musikanten Frank Rihm (Gesang und Harp) und den rauschebärtigen Michael Dühnfort (E-Gitarre), die in der Tradition des einstigen US-Harmonika-Spezialisten Little Walter, für knapp 20 Minuten, Stücke wie u. a. „Just Your Fool“ zum Besten gaben und somit die Wartedauer zwischen Einlasszeit und Beginn des Schorr-Gigs kurzweilig verminderten.

Pünktlich um 20:00 Uhr (vorbildlich, die Zuschauer brauchten erst garnicht, wie bei so manchen anderen Acts, mit den Hufen zu ’schorren’…) fand sich der Hauptact, zunächst ohne Sari, auf der Bühne ein, die dann aber schon kurz danach in schwarzer Rocker-Kluft (ihr darunter liegendes T-Shirt zierten die Worte ‚Lipstick & Diamonds & Champagne & Rock’n’Roll‘), beim starken Opener zur „Revolution“ bat. Ash Wilson führte sich direkt mit einem schönen Southern Rock-mäßigen Solo auf seiner schneeweißen Duesenberg-E-Gitarre ansprechend ein.

Mit dem atmosphärischen „Damn Your Reason“ und dem Blues-Stampfer „Demolition Man“ rückte neben Saris Röhre auch Fridzemas gurgelndes Orgelspiel mehr in den Fokus. Toll die Version des eher durch Bad Company bekannt gewordenen Klassikers „Ready For Love“, bei der die Schorr natürlich ihre vokale Stärke wie einst Paul Rodgers perfekt ausspielen konnte.

Nach bereits angeführtem, groovig-souligen „Oklahoma“ (mit toller Instrumentalpassage und Tanzeinlage von Sari) und dem rockigen Aufguss vom Willie Dixon-Blues-Schinken „I Just Wanna Make Love To You“, konnte Ash Wilson bei „Peace And Love“, neben seinen vielen quirligen und knarzigen Gitarrenkünsten, auch am Front-Mikro überzeugen.

Nicht fehlen im Programm darf natürlich die entschleunigte Version des Ram Jam-One Hit Wonder „Black Betty“. Das kräftige „Kiss Me“, die emotional besungene Barroom-Ballade „Ordinary Life“ und das oft gecoverte „Rock’n’Roll“ von Led Zeppelin (Fridzema mit HT-Piano) hielten den Unterhaltungswert weiter auf hohem Niveau.

Mit dem krawalligen „Maybe I’m Foolin‘“ gab es einen ersten Ausblick auf neues Schorr-Material, ebenso wie bei „I Thank You“ (erinnerte an Sachen von Robin Beck), das als erste Zugabe spontan eingestreut wurde. Zuvor hatte das famose „Ain’t Got No Money“ (samt Vorstellung der Band) den Hauptteil beendet. „Aunt Hazel“ eines der naturgewaltigen Highlights ihres momentan immer noch aktuellen Werkes „A Force Of Nature“ bildete dann das endgültige Finale.

Als sich das Piano zu lichten begann, hatten wir noch kurz die Gelegenheit, mit Bob Fridzema über die Beweggründe seines Ausstiegs bei King King zu sprechen (er möchte in Zukunft zeitlich und musikalisch flexibler agieren können), als auch ihn, Sari, das Bremer Duo und Jenny Dore mit unserem Logo abzulichten. Somit ein runder, musikalisch intensiver und überzeugender Abend mit Sari Schorr & The Engine Room, der wieder jede Menge Spaß gemacht hat. Also, liebe Leute, beim nächsten Mal gibt es absolut keine Ausreden mehr – Hingehen!!!

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Mat Beable (bass)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Bob Fridzema (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
Sari Schorr bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Savoy Brown – 01.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Brown_Haupt

Kein April-Scherz, Savoy Brown um ihren Mastermind und Blues Rock-Urgestein Kim Simmonds, traten gestern Abend am 01.04.2018 wahrhaftig im Dortmunder Musiktheater Piano auf. Dort sind sie schon diverse Male im Laufe der Zeit präsent gewesen, von daher durften sich die Geschäftsführer der Location, Jenny Dore und Thomas Falke, über einen sehr guten Besuch freuen.

Via Ruf Records war mir letztes Jahr ihr aktuelles Album „Witchy Feelin‘‚“ zugesandt worden. Es zählte für mich zu einer der großen positiven Überraschungen in 2017, da ich – Asche auf mein Haupt – die Band zwar kannte, aber nie mal intensive Berührungspunkte mit ihr hatte. Von daher war ich gespannt, wie die Studiosongs live auf der Bühne rüberkommen würden.

Der nach wie vor agile, mittlerweile 70-jährige Bandleader (manchmal ein bisschen sympathisch schusselig wirkend) spielte sich an der Seite seiner starken Mitwirker Pat DeSalvo am Bass und dem Kraftpaket Garnet Grimm am Schlagzeug, zum Einstieg erstmal mit dem Uralt-Instrumental „Getting To The Point“ seine, noch im weiteren Verlaufe, stark beanspruchten Finger ein wenig warm.

Kims Haupt-Arbeitsgerät bei diesem Gig war eine dunkelgrüne DBZ-Gitarre, die einen herrlichen schweren, knarzenden Sound bei seinen unzähligen, filigranen und quirligen Soli hervor brachte.

Mit „Why Did You Hoodoo Me“ und dem swampigen „Livin‘ On The Bayou“ gab es dann die ersten Tracks aus „Witchy Feelin‘, die live ebenfalls ein Genuss waren. Erinnerten mich in ihrer Art an den guten alten Tony Joe White. Mit dem grandiosen „Poor Girl“ (im Instrumentalteil dezent an „Jessica“ von den Allmans erinnernd) vom „Looking In“-Album (1970) ging es weit zurück in die Vergangenheit.

Das Instrumental „Cobra“ von der 2014er Ruf-Scheibe „Goin‘ Down To The Delta“ diente als Vorbote für „A Hard Way To Go“ und „Needle And Spoon“, zwei weitere Klassiker, die Simmonds dem damaligen Ursprungssänger der Stücke, Chris Youlden, widmete.

Leider war der anschließende „Memphis Blues“, bei dem der Protagonist, erstmals seine Slide-Künste offerierte, das einzige weitere neue Lied vom aktuellen Longpayer, der spielstarken Vorstellung des Trios tat es aber keinen Abbruch.

Der claptoneske wunderbare Slowblues „Where Has Your Heart Gone“ würdigte den ebenfalls anwesenden Thomas Ruf und seine  Verdienste um den zeitgenössischen Blues Rock,  bevor der atmosphärisch ratternde „Hellbound Train“ (Kim mit Harp-Einlage), „Wag Dang Doodle“ (launiger Boogie) und der herrliche Countryrock-Schunkler „Tell Mama“ (Simmonds zum einzigen Male eine Gibson Les Paul ‚beslidend‘) den wie im Fluge vergehenden Hauptteil ausklingen ließen.

Im Zugabenteil konnten zunächst vornehmlich DeSalvo und Grimm mit beeindruckenden Soli beim „Louisiana Blues“ (Simmonds guckte sich das Ganze genüsslich auf einem Hocker sitzend an) erneut ihr Können präsentieren, um beim finalen tempogeladenen „Boogie“ nochmals im Kollektiv zu glänzen.

Eine bärenstarke Vorstellung von Savoy Brown im Musiktheater Piano zu Dortmund. Ein krönender Abschluss einer intensiven und erlebnisreichen Woche für uns mit gleich vier Konzerten innerhalb von sechs Tagen!

Line-up:
Kim Simmonds (lead vocals, electric guitar, harp)
Pat DeSalvo (bass, vocals)
Garnet Grimm (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Savoy Brown
Savoy Brown bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment
Ruf Records

John Illsley – 15.03.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Illlsley_Haupt

Das war doch mal eine dicke Überraschung! Als Gernot und ich uns, aus rein nostalgischen Gründen, auf den Weg ins schmucke Musiktheater Piano in Dortmund gemacht hatten, war die Erwartungshaltung bezüglich des anstehenden John Illsley-Konzerts, relativ entspannt, was da wohl auf uns zukommen würde.

Dire Straits, bei denen John ja mit die treibende Kraft neben Mark Knopfler war, haben uns natürlich seit frühster Jugend auf unserem musikalischen Weg begleitet (ihr Debüt kam damals bei meinen LP-Käufen so ziemlich direkt nach der ‚Grundausstattung‘ mit Lynyrd Skynyrd– und Allman Brothers-Scheiben). Wir beide hatten die Briten allerdings nie live erlebt und freuten uns einfach mal, die Songs auf der Bühne leibhaftig präsentiert zu bekommen.

Da Illsley natürlich mit Leuten wie Robbie McIntosh (die McCartneys, Norah Jones, John Mayer), Paul Stacey (Oasis, The Black Crowes), Steve Smith (Robert Plant, Pete Townshend) und Stuart Ross (Mark Owen/Take That, Nik Kershaw), ein Line-up der Extraklasse um sich versammelt hat, war ein schöner Abend auf entsprechend hohem Niveau eigentlich vorprogrammiert.

Pünktlich um kurz nach 20:00 Uhr trat der Protagonist mit seiner charismatisch-sympathischen Erscheinung samt Begleitschaft vor ein dicht gefülltes Auditorium. Von Beginn an, als Steve Smith direkt die Kirmesorgel-Hook zum Opener „Walk Of Life“ ertönen ließ und die Band den Song in ein unterschwellig  countryesk rockendes Gewand geschmückt hatte, war eine angenehm  fröhliche und herzliche, ja, regelrecht begeisterte Stimmung im Saale präsent, die den, in zwei Sets gesplitteten Auftritt, bis zur letzten Zugabe umwehen sollte.

Illsley verstand es blendend, einen unterhaltsamen Mix aus Klassikern (u. a. „Private Investigations“, Romeo And Juliet“, „Sultans Of Swing“, „Calling Elvis“, „Tunnel Of Love“) und  ausnahmslos starken Kreationen aus dem eigenen Fundus (das slide-trächtige „Run For Cover“, „Testing The Water“ mit „Great Gig In The Sky-mäßiger Gesangseinlage von Hannah Robinson, das stoneske „Long Shadow“) in Szene zu setzen, was dem Gig, nicht nur der Unvorhersehbarkeit wegen, spürbar gut tat.

Der Hammer war natürlich besonders das Wirken der beiden Lead-Gitarristen McIntosh und Stacey, sei es individuell, als auch im Zusammenspiel. Ein Gedicht, wie sie die typischen Stratocaster-Klänge produzierten, aber auch immer wieder mit anderen Gitarren Akzente setzten (Robbie zum Beispiel mit Slide auf einer Resonator-Gitarre. Stacey ließ es vor allem in der ‚Gibson Les Paul-Phase‘ („Long Shadow“, „Money For Nothing“ mit den berühmten Kanon-Gesängen gegen Ende) in Set 2 mörderisch raunzen und knarzen.

Auch die vielseitige Gastsängerin Hannah Robinson war nicht nur ein optischer Blickfang, sondern brachte mit ihren weiblichen Harmoniegesängen eine differnzierte Note in die Stücke, besonders was die altbekannten Straits-Sachen anbelangte. Leader John Illsley führte ohne den auf sich selbst fokussierten Leader zu geben, sang vielleicht nicht ganz mit der Markanz in der Stimme eines Mark Knopflers, aber sehr solide, und beackerte seinen Bass noch nach guter alter Zupfart.

Im Zugabenteil gab es mit „Brothers In Arms“, „The Bug“ („Lay Down Sally-Flair“-Flair) und dem überragenden „Where Do You Think You’re Going“ (was für ein grandioses E-Gitarrenfinish von Mc Intosh und Stacey – ich musste mir fast Tränen der Begeisterung wegdrücken) nochmals das volle Dire Straits-Brett.

Nach der Show erfüllte John, in britischer Gentleman-Manier, stoisch sämtliche Autogrammwünsche, bis der letzte Besucher zufrieden gestellt war, durfte sich über viele Tonträger-Käufe freuen und nahm sich auch noch Zeit für ein Bild mit unserem Logo.

Fazit: Ein herrlicher Abend mit John Illsley und Band, der bereits jetzt auf meinem Notizzettel als großes Highlight des Jahres notiert ist. Wer  noch mit dem Gedanken spielt, eines der verbleibenden Konzerte bei uns zu besuchen, sollte nicht zögern, die Hufe zu schwingen. Famose musikalische Unterhaltung ist garantiert. Danke an Jenny Dore  für die, wie immer, freundliche Aufnahme im Piano.

Line-up:
John Illsley (lead vocals, bass)
Robbie McIntosh (electric guitars, vocals)
Paul Stacey (electric guitars)
Steve Smith (keys, vocals)
Stuart Ross (drums)
Hannah Robinson (vocals, acoustic guitar, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

John Illsley
John Illsley bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Aynsley Lister – 25.02.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Musiktheater Piano 2018

Aynsley Lister, der bereits im November letzten Jahres in Deutschland auf Tour war, findet offenbar großen Gefallen am prachtvollen Jugendstil des alten Musiktheaters und vergibt zur Begrüßung strahlend lächelnd das Kompliment: „Cool Venue“, als Ausdruck seiner Wertschätzung gegenüber dem kultigen Veranstaltungssaal. Vier Gitarren hat er mitgebracht und diese Auswahl unterstreicht auch seine künstlerische Vielseitigkeit, die er in den nächsten knapp zwei Stunden darbieten wird.

Das Konzert beginnt mit dem blues-rockigen „All Of Your Love“ vom letzten Studioalbum „Eyes Wide Open“ (2016). Leider lässt sich das Publikum nicht sofort vom dynamischen Lister anstecken. Erst „Hyde 2612“, mit einem intensiven Slide-Gitarren- Solo bringt das Publikum dann zu ausgiebigen Jubelstürmen. Mit „Runnin‘ Out On Me“ kommt eine Nummer, die lange nicht mehr in Listers Setlist dabei war, aber vom hohen Wiedererkennungswert profitiert. Die folgenden „Other Part of Me“ und „Stay“, ebenfalls vom letzten Album, sind zwei eher melodische Blues Rock Songs. „Home“ vom gleichnamigen Longplayer (2013) ist dann wieder ein ruhigeres Lied im Stile des fast gleichaltrigen US-amerikanischen Blues-Gitarristen John Mayer.

Auch ein Blues-Cover von Listers Gitarren-Hero Freddie King darf an diesem Abend natürlich nicht fehlen. Hierfür wählt er den Klassiker “Tore Down“, den er auf fast zehn Minuten ausdehnt, mit einem musikalischen „Zwiegespräch“ zwischen Keyboard und Gitarre. Neben Keyboarder Andrew Price sind auch seine zwei weiteren Bandmitglieder, Steve Amadeo am Bass und Boneto Dryden am Schlagzeug immer voll auf einer Linie mit Listers Tempo- und Rhythmuswechseln.

Die Stärken von Lister sind vor allem die ruhigen Passagen seiner Tracks, in denen er sein Publikum mit feinfühlig, akzentuiertem und leisem Gitarrenspiel, fast schon hypnotisch in seinen Bann zieht. Das Musiktheater bietet Lister hierfür ausreichend Raum seine Virtuosität aufzuzeigen. Er ist aber auch in der Lage Geschichten zu erzählen, denen man gerne zuhört, wie z.B. bei „Other Part Of Me“. Nicht zufällig wurde er bei den „British Blues Awards“ 2014 bereits als „Songwriter of the Year“ ausgezeichnet.

Das Highlight des Abends ist sicherlich das sinnliche und ergreifende Prince Cover „Purple Rain“ mit Listers überragendem, stark an Prince angelehnten Gitarrensolo. Bei diesem Song schafft er es sogar das Publikum zum Mitsingen zu animieren. „Purple Rain“ ist schon seit vielen Jahren ein prägender Song in Listers Setlist, aber es gelingt ihm immer wieder die Ballade mit der notwendigen Emotionalität zu besetzen. Das wilde und explosive „Possession“, setzt dann als vorletztes Stück endlich etwas mehr Bewegung bei den Zuschauern in Gang. Die Zugabe besteht leider nur noch aus dem funkigen „Handful of Doubt“.

Schon über sein letztes Studioalbum „Eyes Wide Open“ hat er gesagt: „Ich wollte die Ungeschliffenheit und Energie beibehalten.“ Genau das gelingt ihm auch heute Abend in Dortmund. Er und seine Begleitmusiker präsentieren zeitgenössischen Blues Rock mit leidenschaftlichen und packenden Solo-Parts. Am Ende des Konzerts folgt noch die erfreuliche Ankündigung, dass Lister im November wieder nach Deutschland kommen wird.

Line-up:
Aynsley Lister (lead vocals, guitar)
Andrew Price (keys)
Steve Amadeo (bass)
Boneto Dryden (drums)

Bilder: Albrecht Schmidt
Text: Stephan Skolarski

Aynsley Lister
Aynsley Lister bei Facebook
Musiktheater Piano
Albrecht Schmidt bei Facebook

Wishbone Ash – Support: Doris Brendel – 27.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

WA_Haupt

Ein überragender Abend mit Wishbone Ash und ihrem Support Doris Brendel im Musiktheater Piano in Dortmund, wenn auch zunächst nicht ganz rund verlaufen. Die Bands waren verspätet am Ort des Geschehens eingetroffen und hatten vermutlich auf einen Soundcheck hinter ‚verschlossener Tür‘ bestanden. Das hatte bei einem ausverkauften Haus im Piano zu einer langen dicht gedrängten Warteschlange bis durch die ganze Kneipe geführt. Besitzerin Jenny Dore war die ‚dicke Krawatte‘ angesichts des damit wohl verbundenen Verlust an Getränkeumsatzes förmlich anzumerken.

Hier hätten sich die Akteure eigentlich keinen Zacken aus der (britischen) Krone gebrochen, wenn man die Vorbereitungen unter Anwesenheit des Publikums durchgeführt hätte. Brexit hin oder her, es wären sicherlich keine Staatsgeheimnisse offeriert worden. Immerhin, nach einigem hektischen Treiben, betraten Doris Brendel samt Band und ihren markanten Kostümierungen, kurz nach 20:00 Uhr die Bühne.

Das Quintett präsentierte einen 6-Stücke-Set, wobei das immer noch aktuelle Album „Upside Down World“ mit den Stücken „Slap Me And You Die“, „A Little Act Of Defiance“ und dem schönen „Adored“ das Grundgerüst bildete. Das soundtechnisch noch nicht perfekt funktionierende, proggige „You’re Losing It“ als Opener, „Latest Fantasy“ und das finale, mit  zusätzlichen Trommeln von Gitarrist Lee Dunham und Bassist Lincoln Spalding begleitete „The One“, sorgten für eine kurzweilige Dreiviertelstunde, mit einigen schönen Lichteffekten seitens Brendels (Laserleuchthandsschuhe und -wedel), in Neofolk-, klassisch- und keltisch-umwehten Rock-Ambiente, Richtung Acts wie Runrig & Co. Ein schöner und auch durchaus gut passender Support für Wishbone Ash. Die separate Bildergalerie kann man hier anklicken.

Der Headliner des Abends (übrigens 1980 mein aller erster größerer Gig in meinem damalig noch jungen Leben) inklusiv seines charismatischen Bandleaders Andy Powell, ja quasi ein Urgestein der Rockmusikgeschichte, schien sich, aufgrund der Unannehmlichkeiten, besonders ins Zeug legen zu wollen. Ich habe die Band noch nie so gut gesehen.

Das lag hauptsächlich an der Einbindung des neuen Zweitgitarristen Mark Abrahams, in dem Powell jetzt einen absolut kongenialen Partner gefunden zu haben scheint. Der spielte sich im Gegensatz zum eher introvertierten Vorgänger-Gitarristen Muddy Manninen vor fast einem Jahr an gleicher Stelle, teilweise regelrecht in einen Rausch, lächelte oft ins Publikum und hatte offensichtlich großen Spaß an den deutlich mehr gewährten spielerischen Freiheiten seitens des Bandleaders.

Der hatte ebenfalls sichtliche Freude, hier nochmals so richtig von einem Jungspund gefordert zu werden. Er gab sich natürlich keine Blöße und brillierte ebenfalls. Das obligatorische Instrumental „Bonafide“ als Eröffnung diente zur Abstimmung der Twin-Passagen, das berühmte und kaum jemals in dieser Form von anderen Interpreten übertroffene Markenzeichen und Stilmittel der Kulttruppe, an diesem Abend natürlich wieder reichhaltig praktiziert.

Die starke Rhythmusfraktion aus Drummer Joe Crabtree und dem kauzigen Langzeit-Bassisten Bob Skeat (wieder mit beeindruckend aussehendem Rickenbacher-Viersaiter) bildete das gewohnt kräftige Fundament für die beiden E-Gitarristen (Abrahams überwiegend mit einer Gibson Les Paul und sporadisch einer Stratocaster agierend, Powell größtenteils mit seinen typischen Flying V Gibsons).

Eine nette Geste war es, Doris Brendel und Lee Dunham für einige Stücke wie den Ohrwurm „Way Down South“ und die ‚epische Phase‘ samt Klassikern wie „The King Will Come“ und den ineinander übergehenden „Warrior“ und „Throw Down The Sword“, sowie den beiden finalen großartigen Zugaben, mit als Backgroundsänger einzubinden.

Schön war auch der Akustikteil mit den beiden Tracks „Leaf And Stream“ und dem geschichtsträchtigen „Wings Of Desire“. Bei einem der Highlights des Gesamt-Gigs, dem Instrumental „F.U.B.B.“ zog der fingerfertige Abrahams dann wirklich auch alle Register heutiger soundtechnischer Gitarren-Effekt-Spielereien an seinem Fußboard. Grandios, was hier bei seinen variablen Soli abging.

Die weiteren Klassiker wie das herrlich rockende „Jailbait“ und das ebenfalls furiose WA-Uralt-Paradestück „Phoenix“, sowie die launigen Zugaben „Blowin‘ Free“ und der megastarke Rausschmeißer „Faith, Hope & Love“ (mit Reggae-Touch am Schluss, tolle Hamoniegesänge von Brendel) ließen das proppevolle Musiktheater zu Begeisterungsstürmen avancieren. Als Andy Powell die beeindruckende Performance seiner Band mit dem plakativen Statement „faith, hope and love … is everything you need!“ beendete, gab es kein Halten mehr und das Quartett wurde mit Standing Ovations in den Feierabend verabschiedet.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell (lead vocals, lead guitar)
Mark Abrahams (lead guitars, vocals)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Wishbone Ash
Wishbone Ash bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Doris Brendel – 27.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

Brendel_Haupt

Das bunt kostümierte Quintett um Bandleaderin und Namensgeberin Doris Brendel präsentierte sich an diesem Abend im Dortmunder Musiktheater Piano als angemessener und auch durchaus gut passender Support für Wishbone Ash.

Line-up Doris Brendel:
Doris Brendel (lead vocals, flute)
Lee Dunham (lead guitars, vocals, percussion)
Lincoln Spalding (bass, vocals, percussion)
Sam White (drums)
Rob Lindop (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Doris Brendel
Doris Brendel bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Blues Caravan – 21.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

BC_Haupt

Was für ein grandioser Abend im Musiktheater Piano in Dortmund! Labelinhaber Thomas Ruf, hat diesmal im Rahmen eines 22 Konzerte umfassenden Blues Caravans durch Deutschland mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei echte Blues-Rock-Schwergewichte auf die Reise geschickt und ihnen mit der Kroatin Vanja Sky noch eine talentierte weibliche Newcomerin in Obhut gegeben, deren neue CD „Bad Penny“ es auch ein wenig bei uns zu promoten galt.

Dem nicht genug. Mit Star-Bassist Roger Inniss, den wir ja neulich schon bei Tasha Taylors Konzert bewundern durften, und dem furiosen Drummer aus der Bernard Allison Band, Mario Dawson, wurde das musikalische Treiben der drei Protagonisten in Sachen Rhythmus-Sektion, mit absoluter Weltklasse unterfüttert.

Auch Bernard Allisons neues Werk „Let It Go“ steht in den Startlöchern, zudem hatte Ruf Records ja noch anlässlich des 20. Todestages seines Vaters Luther im letzten Jahr ein fantastisches, limitiertes LP-Set auf den Markt gebracht, sodass der Geist dieser Blues-Musik-Ikone naturgemäß im Konzert  mitschwebte und auch mit Stücken gehuldigt wurde.

Aber von vorne. Pünktlich um 20:00 Uhr (vorbildlich!), betraten die Musiker samt Label-Chef die Bühne. Blickfang war zunächst natürlich der weibliche Part des Trios, der mit hochhackigen Stiefeletten, einer super-eng anliegenden Leggings und einem Flokati-ähnlichen weißen Überwurf, rein optisch, auch eher anderen Gewerben als dem Blues-Musikertum, hätte zugeordnet werden können. Aber was soll’s, scheiß was auf ‚Haute Couture‘, hier geht’s schließlich um Musik!

Nach Rufs Vorstellung stieg das Quintett mit Luther Allisons „Low Down And Dirty“, dem Stück, mit dem man das Ereignis auch als Trailer beworben hatte, in den Gig ein. Der abwechselnde Gesang der drei Hauptdarsteller und die surrenden E-Gitarren (Bernard mit klasse Slide), samt des damit verbundenen Southern Blues Rock-Flairs, waren natürlich direkt nach unserem Gusto. Stark!

Zu loben ist besonders die kurzweilige Gestaltung des Abends. Im Anschluss hatte jeder der drei Protagonisten Gelegenheit, sich in kleineren Segmenten, in eigener Sache zu präsentieren und zeitweise zu pausieren. Lediglich Inniss und und Dawson mussten richtig schuften, die spielten von Beginn bis Ende durch.

Los ging es mit Vanja Sky, die mit ein paar Stücken aus ihrem neuen Album „Bad Penny“ aufwartete. Ihre gute Stimme, ordentliches Gitarrenhandwerk und Songwriting, geben Hoffnung, in einem, von Damen mittlerweile auch stark frequentierten Genre, demnächst Fuß fassen zu können. Mike Zito kam zur Unterstützung zweimal mit auf die Bühne. Hängen blieb u. a. das Slide-trächtige „Crossroads Of Life“,  die Rory Gallagher-Cover-Nummer „Bad Penny“ und das Rhythm-bluesige, abschließende „Give Me Back My Soul“.

Als nächster war mit Mike Zito, einer meiner persönlichen Lieblings-Blues Rocker, an der Reihe. Mit seiner tollen Stimme, seiner Southern-umwehten Interpretation des Blues Rocks und all seinen ausnahmslos starken Alben, hat er sich schon lange in mein Herz gespielt. Jetzt hatte ich endlich auch mal die Gelegenheit, ihn live zu erleben (übrigens, wie sich nachher am Merchandising- Stand herausstellte, auch ein sehr sympathischer Typ).

„One More Train“, „Keep Coming Back“, das überragende „Gone To Texas“, „Wasted Time“ (mit Stevie Ray Vaughan-Flair) und „Make Blues Not War“, das Titelstück seines aktuellen Albums, und das Southern Rockige „Highway Mama“ hießen die Stationen seiner brillanten ‚Solo‘-Performance. Danach folgte eine viertelstündige Pause.

Der wie ein Rasta-lockiger Mafiosi in Erscheinung tretende Bernard Allison, legte als Spaßmacher im Bunde samt Inniss und Dawson, mit einem fingerfertigen Instrumental los und servierte mit dem Reggae-umgarnten „Love Was Meant To Be“ meinen Favoriten seines Sets nach. Auch seine Version von Hendrix „Voodoo Child“ in einer ‚Extended Version‘ war der Hammer.

Der mit satten vier Stücken gestaltete Zugabenbereich stand dann nochmals mit u. a. „Life Is A Bitch“, bei dem dann alle wieder zugegen waren, im Zeichen von Luther Allison. Am Ende konnten auch Roger Inniss und Mario Dawson mit zwei furiosen Solo-Einlagen auf ihren Arbeitsgeräten glänzen, wobei Letztgenannter auf seinem Schlagzeug (teilweise mit sich überkreuzenden Schlägen) regelrecht wütete.

Nach fast 3 Stunden (inkl. der Pause) ganz großer Blues Rock-Schule ging es anschließend noch am Merchandising-Stand weiter und es durfte sich über reißenden Tonträger-Absatz, den man sich auch redlich verdient hatte, gefreut werden. Sky, Zito und Allison standen am Ende auch noch anstandslos für unser obligatorisches Bild für die VIP-Galerie zur Verfügung.

Fazit: Ein herrlicher Abend mit spielfreudigen und gut gelaunten Akteuren, der keine (Blues Rock)-Wünsche offen ließ. Wer die reichhaltigen Gelegenheiten bei den noch kommenden Konzerten, verstreichen lassen sollte, verpasst wirklich einen musikalischen Genuss. Blues Caravan 2018 – Hingehen Pflicht!

Line-up:
Vanja Sky (lead vocals, electric guitar)
Bernard Allison (lead vocals, electric guitar)
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Roger Inniss (bass, vocals)
Mario Dawson (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Vanja Sky
Vanja Sky bei Facebook
Bernard Allison
Bernard Allison bei Facebook
Mike Zito
Mike Zito bei Facebook
Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Samantha Fish – 12.11.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

_DSC0327

Schöner Sonntag-Abend mit Samantha Fish und ihrem starken Begleit-Ensemble! Die nicht mal 30 Jahre alte Blues Rock-Musikerin hat sich in diesem Jahr mit gleich zwei, recht unterschiedlich gestalteten CD-Veröffentlichungen „Chills & Fever“ und der in den nächsten Tagen auf den Markt kommenden „Belle Of The West“ schon ein Fleißkärtchen verdient. Jetzt auch noch dazu Live-Auftritte – vorbildlich!

Apropos ‚Belle‘: Die Protagonistin gab allein mit ihrem Marilyn Monroe-artigen Frisur- und Schmink-Styling, den hochhackigen, blass-pink-farbigen Pumps (passend zur Lederjacke in gleichem Farbton überm weißen Bauchfrei-Minitop) und der wunderbar eng anliegenden Jeans, schon rein optisch, einen Blickfang. Man hatte den Eindruck, dass Kollegen Schneider, wie auch den anderen anwesenden Fotografen, der Klick auf den Auslöser demnach recht leicht von der Hand ging.

Sounds Of South, das Magazin, das sich aber eigentlich immer ausnahmslos auf die Musik konzentriert, wurde auch in dieser Hinsicht mit einer starken Vorstellung mehr als zufrieden gestellt. Sympatisches Auftreten, tolle abwechslungsreiche, teilweise richtig brodelnde, powernde Songs, spielerische Klasse aller Beteiligten, sorgten für eine Benotung recht weit oben auf der Skala der diesjährigen Konzerte.

Obwohl Samantha natürlich die tonangebende Person auf der Bühne war (mit vielen starken E-Gitarrensoli, aber auch einfühlsamen Akustikgitarrenspiel), machte auch das Team um sie herum (alle sehr schick in dunklen Anzügen), richtig Laune. Die Bläser Levron und Blotzky plusterten meist synchron, wie man es wohl nur im Raume Louisiana lernt, ließen ab und zu auch Einzel-Soli los, der schlaksige Drummer Kenny Tudrick polterte ungemein agil.

Bassist Chris Alexander ließ seien Tieftöner unaufgeregt pumpen und grooven und hatte beim wunderbaren „Go Home“ im Zugabenteil einen schönen Harmoniegesangspart. Wuschelkopf Phil Breen verrichtete unaufgeregt seine immer auf den Punkt gebrachten Piano- und Orgel Einsätze.

Die Band stieg pünktlich um 20:00 Uhr mit  „He Did It“ in den Set ein. Die erste Hälfte des Gigs stand dann ganz im Zeichen von „Chills & Fever“.  Der Titelsong,  „You Can’t Go“, „You’ll Never Change“, „Little Baby“, „Either Way I Lose“ und das jammig psychedelisch gebrachte „Somebody’s Always Trying“ (Pink Floyd-Touch, Samantha mit ausgedehntem E-Gitarrensolo auf den Knien) waren ausnahmslos Stücke aus diesem Werk.

Erst mit dem Griff zur Akustikgitarre und einer Solo-Performance bei „Need You More“ wurde die brandneue CD „Belle Of The West“ gestriffen, es blieb der aber einzige Song. Für den Charley Patton-Track „Jim Lee Blues“ kehrte die Band dann wieder zurück. Ein herrlicher Countryblues. Schön swampig stampfte „Highway’s Holding Me Now“, gefolgt vom geslideten „Blame it On The Moon –  eine mir besonders zusagende Phase des Gigs.

Mit dem heiß brodelnden „It’s Your Voodoo Working“, dem wunderbaren Schwofer „Nearer To You“ und  dem erneut Slide-trächtigen „Crow Jane“ (Samantha effekthascherisch auf Gitarre mit Zigarrenkisten-Korpus) gab es wieder reichlich „Chills & Fever“-Stoff zum Abschluss des Hauptteils. Das begeisterte Publikum ließ das Sextett natürlich nicht ohne Zugaben in den sonntäglichen Feierabend. Das oben erwähnte, traumhafte „Go Home“ erzeugte richtig Gänsehaut, mit „Right Now, Right Now“ (Zuschauereinbindung beim Gesang) wurde nochmals richtig furios und launig abgerockt.

Fazit: Ein Fish namens Samantha und ihre brillante Band sorgen im vollen Dortmunder Musiktheater Piano für einen herrlichen musikalischen Wochenausklang. Tolles Konzert, großes Kompliment!

Line-up:
Samantha Fish (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Phil Breen (keys)
Chris Alexander (bass, vocals)
Kenny Tudrick (drums)
Travis Blotzky (saxophone)
Marc Levron (trumpet)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Samantha Fish
Samantha Fish bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment
Ruf Records
Jörg Schneider Webseite

Skinny Molly – 07.10.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

SKMO_haupt

Dritter Abend unserer Konzerttriologie an diesem Wochende mit Skinny Molly, einer Band, die natürlich, als lupenreiner Southern Rock-Act, am perfektesten in unser eigentliches Anforderungsprofil passt.

Gegründet einst von Mike Estes (Drivin‘ Sideways, zeitweise Lynyrd Skynyrd/Blackfoot) und dem vor kurzem leider verstorbenen Molly Hatchet-Gitarristen Dave Hlubek, sind sie heute im Quartett, bestehend aus Estes, einer weiteren Southern Rock-Legende, dem Kraftpaket Jay Johnson (Blackfoot, Rossington Band), Luke Bradshaw und dem aus Wien stammenden Christoph Ullmann, der auch schon früher für Blackfoot getrommelt hat, unterwegs.

Das anwesende Publikum an diesem Abend im schönen Musiktheater Piano in Dortmund war mit zwischen 70-80 Zuschauern doch recht überschaubar, die Leute hatten sich aber im Raum recht gut verteilt, sodass es überhaupt nicht trist wirkte.

Kleine Randnotiz: Zur Auflockerung der Stimmung trug vor dem Konzert dann noch ein kauziger Besucher bei, der im Vorfeld des Gigs augenscheinlich erheblich zu tief ins Glas geschaut hatte. Der wankte schon leicht angeschlagen, als die Musiker gerade zur Bühne schritten, vor diese, stellte sich dann quasi vors anwesende Plenum und brüllte mit erhobener Flasche, wie auch später immer mal zwischendurch, erstmal ein lautes ‚Yeah‘, heraus. Das kam aber wohl eher aus erheblich ‚beschwingter‘ Freude heraus, nicht aus irgendeinem Geltungsdrang.

Ich hatte Skinny Molly bisher nur ein einziges Mal zuvor live gesehen und das war vor einigen Jahren in Holland, im Rahmen eines Festivals (was ich aber gar nicht so zur Kenntnis genommen hatte, da ich mich ganz spontan, auf die ‚letzte Minute‘ aufgemacht hatte). Da spielte die Band am Ende als Headliner nach zwei langatmigen, mir nicht zusagenden Voracts, erst gegen 1 Uhr nachts und wurde von mir somit nur sehr ermüdet und angenervt aufgenommen, was demnach also nicht ihrer ordentlichen Leistung geschuldet war.

Umso schöner, dass sich jetzt im geliebten Piano bei ‚voller Konzentration‘ im Rahmen ihrer jetzt stattfindenden ‚Southern Fried World Tour 2017‘, nochmals die Gelegenheit ergab, den Vierer zu begutachten. Estes, Johnson und Co. starteten zum Auftakt mit „Here For A Good Time“, von ihrem, immer noch aktuellen, gleichnamigen Album von 2014. Mike riss am Ende des Liedes eine Saite und schwenkte dann im weiteren Verlauf des ersten Sets (die Pause nutzte er dann zur Reparatur), etwas unplanmäßig, zu einer anderen Gibson Les Paul-E-Gitarre.

Über „Too Much“ von ihrem Debüt „No Good Deed“ und dem Stampfer „After You“ sowie dem Skynyrd-trächtigen „I Don’t Care“ vom Nachfolger „Haywire Riot“ wurde der Cover-Reigen mit Steve Earles „Copperhead Road“ in Gang gesetzt, dem im weiteren Verlauf des Abend noch altbekannte Stücke wie „Wishing Well“ (mit integrierter Vorstellung der Band) , „Train, Train“ (Jay bei beiden mit Lead Gesang, Mitsing-Interaktion), „Dead Flowers“ und meine geliebten „Call Me The Breeze“ und „SHA“ (beide jetzt in der gefühlt 1.000sten Variante gehört…, aber natürlich gut gespielt!) folgen sollten.

Das ebenfalls bekannte „Devil In The Bottle“ (hier aber legitim, da von Estes mitgeschrieben),  „When The Goin‘ Gets Tough The Tough Go Fishin'“, „Me And The Devil Himself“ (atmosphärischer Opener des 2. Sets, Erzählgsang), „Snakebit“ (Mike mit Slide und Anschluss von Jay im Solo-Part), „Two Good Wheels“ und das starke „Better Than I Should“ sowie das von Estes mit einer kleinen Träne der Dankbarkeit im Auge (bezüglich der Treue), der Southern Rock-Fan-Gemeinde gewidmete „For Y’all“ (1. Zugabe), waren die selbst-kreierten Stücke, die mir persönlich im Verlauf des Konzerts am meisten Spaß bereiteten.

Am Ende durfte natürlich „Free Bird“ nicht fehlen, das auch in einer starken Version performt wurde. Jay übernahm die berühmten Rossington-Slide-Parts, und lieferte sich mit Mike (Gesang) im berühmten Finish wüste Duelle, um sich auch kurz in Twins zu ‚vereinigen‘. Hier hatte dann auch die insgesamt stark agierende  Rhythmusfraktion ihren Glanzpunkt, die sich mit kräftigen Mitteln, zur Gitarrenpower von Estes und Johnson gesellte (Bradshaw ließ den Bass ganz hart pumpen und stampfte heftig mit den Füßen, dass man fast Angst bekam, dass er den unter Teppichen verborgenen Bühnenholzboden durchtreten könnte; Ullmann mit deftig polterndem Drumming). Gernot wurde sogar gestattet, aus der Bandperspektive vom hinteren Bühnenteil, zu fotografieren.

Am Ende nach dem Gig gab sich das äußerst sympathische und kooperative Quartett sehr publikumsnah, erfüllte jeden Autogrammwunsch und ließ sich ganz locker für die SoS-VIP-Galerie mit unserer Logotafel ablichten. Mit gutem Gelingen in Richtung der vier Musiker für ihre restlichen Auftritte in Spanien, Frankreich und England und herzlichen ‚Handshakes‘ verabschiedeten wir uns dann zur Rückfahrt in die regnerische Nacht. Auch der dritte Konzert-Abend hintereinander mit gut aufgelegten Skinny Molly hatte sich für uns absolut gelohnt! Tolle Musiker!

Line-up:
Mike Estes (lead vocals, lead guitar)
Jay Johnson (lead guitar, lead vocals)
Luke Bradshaw (bass, vocals)
Christoph Ullmann (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Skinny Molly
Skinny Molly bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment