Wishbone Ash – 11.02.2025 – Musiktheater Piano, Dortmund – Interview und Konzertnachlese

Nach Kontaktaufnahme mit Jill Kremer von a.s.s.concerts in Hamburg war das Interview mit Andy Powell schnell und problemlos organisiert. Wie immer war die Zusammenarbeit mit Jenny Dore vom PIANO perfekt.
Nach unserer Begegnung begaben sich ein äußerst freundlicher Andy Powell, Gernot Mangold und Andre Wittebroek backstage, für das Interview mit Andy Powell.

Interview:
– Wishbone Ash wurde 1969 gegründet und existiert noch immer, wobei sie volle Säle füllen. Gibt es dafür einen bestimmten Grund, wie macht ihr das?
Andy Powell: Das liegt daran, dass wir doch einen einzigartigen Sound mit unseren Doppelgitarren haben. Wir sind auch eine echte Live-Band und haben immer einen guten Kontakt zu den Fans, die für uns am wichtigsten sind. Ohne Fans würden wir nicht existieren. Unser Herz steckt in unserer Musik, und daher entsteht immer eine hervorragende Chemie zwischen Band und Fans. Die Resonanz bei Auftritten ist stets großartig, wir genießen das ungemein, und dafür machen wir es.
– In den 55 Jahren gab es natürlich Besetzungswechsel, und du bist das einzige Originalmitglied. Ist es schwierig, adäquate Ersatzleute zu finden, und wie findest du sie?
Andy Powell: Auf Tour trifft man viele Musiker und sieht Leute, die definitiv für die Band geeignet wären. So habe ich zum Beispiel Ben Granfelt entdeckt, einen wahnsinnig guten Gitarristen, der wirklich alles spielen kann und einmal mit den Leningrad Cowboys für uns eröffnete. Er hat vier Jahre bei uns gespielt. Ich mag keine Auditions; meistens melden sich die Leute bei uns, ob sie einmal mitspielen dürfen, wenn es einen Platz gibt. Aber wir haben schon seit geraumer Zeit eine feste Band. Bassist Bob Skeat ist bereits seit 1998 dabei und Gitarrist Mark Abrahams auch schon seit Jahren.
– Du bist bekannt für deine Gitarre, die Flying V. Du spielst sie von Anfang an. Gibt es dafür einen besonderen Grund?
Andy Powell: : Es begann so: Ich war in einem Gitarrenladen und sah Flying Vs. Ich nahm eine von der Wand, schloss sie an, und sie klang fantastisch – seitdem bin ich dabei geblieben. Die Gibson Firebird ist meine Gitarre. Das gesamte Argus-Album habe ich damit eingespielt, und dieses Album ist auch unser erfolgreichstes und wurde zum Best British Album Of The Year gewählt. Mit dieser Gitarre hatte ich nie Probleme, warum also ändern? Sie hat einen charakteristischen Klang, der zu Wishbone Ash gehört, und Argus ist das beste Beispiel dafür. Sie ist auch so etwas wie ein Symbol für Wishbone Ash. Sie war außerdem ein Vorbild für andere Gitarristen, wie zum Beispiel Michael Schenker.
– Albert King war ebenfalls für seine Flying V bekannt. Ein Vorbild für dich?
Andy Powell: Natürlich, ich bin ein großer Fan von ihm. Von Peter Green auch, und von Richard Thompson. Außerdem natürlich Stevie Ray Vaughan. Ein fantastisches Album ist In Session von diesen beiden. B.B. King, Sonny Landreth mit seinem Slidespiel und eigentlich alle klassischen Bluesmusiker – besonders wenn man jung ist und anfängt zu spielen, wird man von solchen Vorbildern beeinflusst. Wenn man dann seinen eigenen Stil entwickelt, hat man einen eigenen Sound und unterscheidet sich vom Rest. Ein Ton und man weiß, es ist B.B. King. Großartig!
– Das Markenzeichen von Wishbone Ash ist der doppelte Gitarrensound. Immer in derselben Besetzung gespielt – keine Orgel, keine Bläser, keine Backgroundsängerinnen. Man sieht zum Beispiel, dass Joe Bonamassa oder Danny Bryant das später machen, ihr aber nicht. Ihr wart doch auch ein Vorbild für andere Bands mit diesen zwei Leadgitarren.
Andy Powell: Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Ich habe in der Band Dekois begonnen, die ebenfalls zwei Leadgitarren hatte. Und damals war es zu teuer, eine Orgel mitzuschleppen, ebenso Bläser. Wir versuchten, das Fehlen einer Orgel durch einen Gitarrensound zu kompensieren. In jener Zeit hörte ich viel Soul, wie Sam and Dave, Otis Redding, Motown – in dieser Musik stecken viele coole Riffs, die ich dann verwendete, zum Beispiel in „Blind Eye“. Ich würde unsere Musik als bluesigen, kraftvollen, melodischen Rock beschreiben, mit etwas Psychedelic und Jazz, meist in längeren Songs umgesetzt. Die Texte, die ich schreibe, handeln von allem Möglichen, vom Leben, und sind manchmal etwas philosophisch und offen. Keine Liebeslieder mit Texten wie: „Ich bleibe dir treu mit deinen so blauen Augen“ usw. Ich bin ein Beobachter und sehr an Geschichte interessiert, etwa dem Zweiten Weltkrieg oder dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Ich reise gerne, und meine Erfahrungen sowie das Philosophische, die Hintergründe, fließen oft in meine Texte ein.
Wie du sagst, haben wir ganz sicher andere Bands beeinflusst. Lynyrd Skynyrd sahen uns in Südamerika und waren sehr beeindruckt. Ihr Klassiker „Freebird“ ist eng verwandt mit unserem Song „Phoenix“. Thin Lizzys „The Boys Are Back In Town“ und Steely Dans „Reelin’ In The Years“ sind ebenfalls mit einem unserer Songs verwandt. Iron Maiden sah uns auch als Vorbild. Thin Lizzy sah uns bei einem Auftritt in Irland, und Phil Lynott sagte zu uns: „Wir brauchen diesen Sound auch!“ Darauf sind wir sehr stolz.
– Was hältst du von der aktuellen Musikszene? Es ändert sich viel.
Andy Powell: Trotzdem großartig. Durch die modernen Medien hat man jetzt Zugang zu viel mehr Musik. Es ist ein riesiger Markt geworden. Veränderungen gab es schon immer: als die elektrische Gitarre kam, der Aufstieg der House-Musik, R&B. Als Band muss man heutzutage von Live-Auftritten und dem dazugehörigen Merchandise leben. Zum Glück sind wir eine echte Live-Band, haben viele Auftritte, und dann läuft es. Deshalb sind Vertrauen und eine gute Beziehung zum Publikum sehr wichtig. Wie hier im PIANO – wir kommen seit Jahren jedes Jahr im Januar oder Februar hierher, immer ausverkauft. Wir geben immer alles; die Leute wissen, was sie erwarten können: eine Band, die Vollgas gibt und Spaß hat, und das überträgt sich aufs Publikum. Eine perfekte Symbiose!
– War es in eurer Anfangszeit schwierig, an einen Plattenvertrag zu kommen, wo es doch so viele aufstrebende Bands gab?
Andy Powell: : Da gehört oft eine Portion Glück dazu, eine Art Sprungbrett. Bei uns passierte Folgendes: Wir hatten einen Auftritt mit Deep Purple. Ritchie Blackmore spielte sich gerade ein, und ich stand hinter ihm und spielte mich auch auf meiner eigenen Ausrüstung ein. Er spielte etwas, und ich spielte mit, ohne dass er wusste, dass ich da war. Wir fingen an zu jammen. Ritchie war beeindruckt und fragte, ob wir einen Plattenvertrag hätten. Den hatten wir nicht. Daraufhin sagte er, er kenne jemanden bei MCA International Records in Los Angeles, und so bekamen wir dort einen erstklassigen Deal. Das war für das Marketing großartig, denn da wir in Amerika unter Vertrag waren, konnten wir weltweit promotet werden und überall auftreten. Die meisten britischen Bands hatten einen Vertrag in Europa, und das verlief viel zäher. Leider hat unser damaliger Manager die Rechte an unserer Musik an MCA verkauft, und wir verdienen heute fast nichts mehr daran.
– Machst du neben Wishbone Ash noch andere Dinge?
Andy Powell: Vor Kurzem noch mit einer Band aus der Bretagne, die keltische Musik macht. Wir haben in der Die Kantine in Köln eine DVD und CD aufgenommen, mit akustischer Musik, Geige, Mandoline, Gitarre – etwas ganz anderes.
– Ich las, dass eine Box mit 11 CDs herauskommt, samt einem 72-seitigen Buch. Alles Aufnahmen von der BBC. Stimmt das?
Andy Powell: Ja, sicher. Alle Aufnahmen sind perfekt bearbeitet und die Qualität ist hervorragend. Es werden nur 1500 Exemplare auf den Markt kommen, und sie kosten, glaube ich, 1500 Pfund. Ein Muss für den Liebhaber und Sammler.
– Letzte Frage, denn du musst zum Soundcheck – sie haben schon angefangen. Diese Tour heißt „The Wish List Tour“. Fans konnten Songs einschicken, die sie gerne hören wollten. Gab es da Reaktionen?
Andy Powell: : Auf jeden Fall, wir spielen also nicht immer dieselben Songs. Wir haben so viele Alben gemacht, es gibt eine riesige Auswahl, aber einige Klassiker wollen die Leute natürlich immer hören.
– Dürfen wir dir ganz herzlich für dieses sehr angenehme Gespräch danken.
Andy Powell: Gerne, und wenn das Interview fertig ist, schick es mir bitte zu. Und danke für den JB-Wein!!
– Mach ich, ich lass dich wissen, wann es veröffentlicht wird.

Fragen: André Wittebroek (Blues Magazine)
Fotos: Gernot Mangold (Sounds Of South)

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Konzertnachlese:
Im ausverkauften Musiktheater Piano überrascht Wisbone Ash auf ihrer „The Wish List“ Tour mit einer Setlist, die auch abseits der Top-Hits einige Songs beinhaltet, die fast in Vergessenheit geraten sind.

Mit dem Instrumental „Real Guitars Have Wings“ zelebrieren Andy Powell und Mark Abrahams direkt den Gedanken der Twin Guitars. Über „Outward Bound“, „(In All Of My Dreams) You Rescue Me“ und „Runaway“ geht es zu den Klassikern „The King Will Come“ und „Throw Down The Sword“, die in einer seltenen Härte gespielt werden, ohne dabei ihre bekannte melodische Struktur zu verlieren und sorgen sofort für eine begeisternde Stimmung.

Nach einem starken Intermezzo von „In The Skin“ und „In Crisis“ folgt einer der Höhepunkte des Abends. In einer 11-minütigen Version von „F.U.B.B.“, in der Andy Powell, den entfesselnd aufspielenden Mark Abrahams sprichwörtlich von der Leine lässt, sodass sich der Song  zu einem regelrechten Gitarrengewitter entwickelt, steuern Bob Skeat am Bass und Mike Truscott an den Drums einen stampfenden Rhythmus bei.

Nach „Jailbait“ und dem live nicht so oft gespielten „Standing In The Rain“ beendet die Band mit „Blowing Free“ zunächst das Set, um noch drei Zugaben nachzulegen, die man nicht unbedingt auf der Liste hat. „Way Of The World“, Living Proof“ und „Peace“ runden einen ganz starken Gig von Wishbone Ash ab.

Im Vergleich zu den letzten Jahren wurde noch mehr Augenmerk auf jammende Phasen gelegt, in denen sich Powell und Abrahams gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln. Es ist erstaunlich, wie erfrischend die Musiker, insbesondere Andy Powell und Bob Skeat aufspielen, da Powell noch Anfang des Monats, wegen eines Infekts, einige Konzerte absagen musste.

Line-up:
Andy Powell – guitar, vocals
Bob Skeat – bass,vocals
Mark Abrahams – guitar
Mike Truscott – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Wishbone Ash – 20.01.2024, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Waren es die beiden kleinen Jungen (vielleicht maximal 10 Jahre alt), die direkt neben mir am Bühnenrand standen (ihre Eltern hatten für Ohrenstöpsel gesorgt), die Andy Powell ein durchgehendes Strahlen in sein seit Jahren unverändert scheinendes Antlitz trieben? Von wegen gelungener frühzeitlicher Musikerziehung in Deutschland oder so, oder war es am Ende dann doch die Publikums-Empathie und Gastfreundlichkeit, die ihm und seinen Mannen Jahr für Jahr immer wider im meist ausverkauften Dortmunder Musiktheater Piano entgegengebracht werden?

Fakt war, dass durch die beiden kleinen Burschen, wenn man sich nach hinten ins prall gefüllte Auditorium umdrehte, eher der Altersdurchschnitt der Besucher knapp unter 60 gedrückt wurde. Und die Antwort gab Andy dann auch während des Gigs, als er betonte, dass er sich schon seit drei Wochen auf das Konzert in dieser schönen und angenehmen Location  gefreut hatte.

Betonen muss man, dass Wishbone Ash im Gegensatz zu vielen vermeintlichen Acts der damaligen Zeit auch nach 50 Jahren immer noch kreativ zu Gange ist, wie man es auf ihrem Album „Coat Of Arms“ vor vier Jahren hören konnte. Zwischenzeitlich erfindet man für die Touren dann neue Aufhänger, was auch legitim ist. So stellte man letztes Jahr ihr wohl bekanntestes Studiowerk „Argus“ in den Mittelpunkt, diesmal war es ihr berühmtes Live-Album „Live-Dates“, das damals einen Meilenstein unter den Live-Doppel-LPs darstellte. Dieses wurde jetzt im Vorfeld nochmals live neu eingespielt und war natürlich auch vor Ort als CD erwerbbar.

Das Quartett präsentierte sich gewohnt professionell und spielfreudig. Der kauzige Bob Skeat pumpte, groovte und unterstützte Powell mit Harmoniegesängen, Schlagzeugkollege Mike Trusscott sorgte für den kraftvollen Drive im Hintergrund für die beiden E-Gitarren-Protagonisten, die unzählige Soli ablieferten und sich immer wieder auch für ihre typischen Twins zusammenfanden.

Powell beackerte seine drei Flying V-Gitarren (schwarz-silber, rot-weiß und marmoriert), während Wizard Mark Abrahams seine rot-schwarze Gibson Les Paul passend zum seinem bordeaux-farbendem, blumenbestückten Hemd unter Dauerbelastung setzte. Er bewies seine ganze spielerische Bandbreite, auch als er bei „Rock ’n Roll Widow“ auf der Lap Steel slidete.

Für mich persönlich standen die Stücke wie „Ballad Of The Beacon“, „Baby What You Want Me To Do“ (wo sie den Blues-Fans mal zeigten, wo der Hammer hängt), das verschachtelte „The Pilgrim“, als auch das starke „Lady Whiskey“ besonders im Fokus, da der Rest ja eigentlich zum obligatorischen Portfolio gehört, das fast immer gespielt wird. Natürlich zählten die Versionen von „Blowin‘ Free“ und besonders „Phoenix“ in einer Killerversion, das im Rahmen der „Argus“-Tour letztes Jahr bei „F.U.B.B“ nur kurz inkludiert wurde, mit zu den absoluten Highlights.

Dennoch gelang der Band bei der Zugabe, die zuvor von der stark mitgehenden Audienz fulminant eingefordert worden war, wo der überragende Mark Abrahams, der diesmal von Powell erstaunlich viel Spielraum erhielt, zwei furiose Soli abließ, mit dem bärenstarken „Living Proof“ am Ende ein grandioser Rausschmeißer. Somit darf man gespannt sein, was sich Wishbone Ash für 2025 wieder einfallen lassen.

Line-up:
Andy Powell (lead vocals, electric guitar)
Mark Abrahams (electric guitar, lap steel)
Bob Skeat (bass, vocals)
Mike Trusscott (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Nazareth – Support: Rook Road & Surrender The Crown – 05.12.2023 – Zeche, Bochum – Konzertbericht

Pünktlich um 18:30 Uhr öffnen sich die Pforten der Zeche in Bochum und gegen 19:30 eröffnet der erste Support, die seit über 10 Jahren bestehenden Surrender The Crown den Konzertabend. Mit ihrem etwa 40-minütigen Auftritt gelingt es der Band schon Stimmung in die Zeche zu bringen. Der zweite Gitarrist Mathias Sander sowie Bassist Oliver Quinten und Drummer Matthias Schmidt. sorgen für den nötigen Druck für den klassischen Hard Rock der Band, in den Gitarrist Patrick Meyer einige starke Soli einbaut und Sänger Matthias Braun stimmlich einen guten Shouter abgibt. So haben die Fünf mit Sicherheit einige neue Fans dazugewonnen.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es mit den etwa drei Jahren bestehenden Rook Road weiter. Die Band aus dem Saarland erhält nicht umsonst mehr als einmal Szenenapplaus. Sie lassen Blues, Classik Rock und Hard Rock in ihren Songs verschmelzen, wo Bassist Sebastian Mitzel und Drummer Thomas Luther den Rythmus vorgeben. Hannes Luy setzt mit der Hammond und den Keys zuweilen fast klassische Akzente. Im Mitelpunkt stehen auch visuell Gitarrist Uwe Angel, der neben seinen Spielkünsten und krachenden Soli auch einige posende Akzente setzt und der charismatische Sänger Patrick Jost, der vom Aussehen her auch vor Dekaden bei Bands wie den Black Crowes hätte mitspielen können. In der Form kann man von dem Quintett noch einiges erwarten. So ist für das nächste Jahr das zweite Album der Band geplant.

Um 21:40 Uhr wird es in der Halle düster und „Lust For Life“ von Iggy Pop ertönt aus den Boxen. Zu einem schottischen Song mit Dudelsack betreten dann die Musiker von Nazareth die Bühne, um mit den Hard Rock-Krachern „Miss Misery“ und „Razamanaz“ direkt Stimmung in die Zeche zu bringen. 

Dabei tut es der Stimmung keinen Abbruch, dass mit Pete Agnew nur noch ein Gründungsmitglied dabei ist. Spätestens nach dem gesundheitlich bedingten Ausstieg von Dan McCafferty 2013 sahen viele Fans das Ende der Band gekommen. Nach einem kurzen Intermezzo mit Linton Osborne als Sänger stieß dann 2015 Carl Sentance zur Band, der in der Zeche unter Beweis stellt, dass er mehr als nur ein Ersatz McCaffertys ist.

Stimmlich bestens aufgelegt haucht er den Songs neues Leben ein und versucht dabei nicht McCafferty zu immitieren. Zudem zeigt er eine Bühnenpräsenz, die der Band gut tut und ist immer wieder in Kontakt mit den Fans. Hemdsärmlig mit löchriger Hose und Kajal um die Augen passt er auch stilisch in die Zeiten, als die Schotten ihre größten Erfolge hatten. Dies spiegelt sich auch in der Setlist, die Songs aus der Zeit von 1971 bis 1982 umfasst.

Jimmy Murrison, der seit 1994 Leadgitarrist ist, überzeugt mit seinem gradlinigen Spiel ohne übermäßige Effekte und zeigt, dass er nicht nur die harten Gitarrenriffs beherrscht, sondern bei den Balladen gefühlvoll über die Saiten huscht. Dabei hat er den Kopf meist etwas gesenkt, dass sein Gesicht von den Haaren verdeckt ist.

Über „Shanghai’d in Shanghai“ und „Love Leads to Madness“ kommt es dann zu einem ersten emotionalen Highlight. Sentance beginnt zunächst alleine mit Akustik Gitarre das verträumte „Sunshine“, in das die anderen Musiker dann später mit einsteigen. Nach dem ruhigen Moment wird dann wieder etwas aufs Gaspedal getreten. „Holiday“, eine rockige Version des JJ Cale-Klassikers „Cocaine“, läuten vier Songs aus der harten Phase von Nazareth ein. „Turn On Your Receiver“, „Beggars Day“, „Changin‘ Times“ und „Hair Of The Dog“ werden druckvoll mit Heavy-Einschlägen gespielt, wo Murrison mit einigen Soli glänzen kann.

Da kommt das sentimentale „Love Hurts“ gerade richtig, um den Puls wieder herunter zu fahren. Nicht wenige der meist älteren Fans verdrückten hier so manche Träne zum schmachtenden Gesang von Sentance. Als letzten Song spielen die Schotten dann mit „Morning Dew“ das älteste Stück der Set List; 52 Jahre ist die Veröffentlichung her, da waren eventuell noch nicht einmal die Eltern der jüngsten Fans geboren, die heute auch dabei sind.

Hier schlägt die Stunde der Familie Agnew. Vater Pete am Bass, ihm sah man das ganze Konzert an, mit welchem Spaß er die Songs vorträgt, und Sohn Lee an den Drums halten über Minuten den treibenden Rhythmus des Songs, in den später Murrison zunächst mit kurzen psychedelischen Klängen an der Gitarre und dann auch Sentance stimmlich einsteigen.

Nach dem Stück verlassen die vier kurz die Bühne und kommen nach frenetischen Zugaberufen schnell wieder zurück, um mit „Broken Down Angel“, dem balladesken „Dream On“ und dem stark gespielten „This Flight Tonight“ einen Abend zu beenden, an dem sie gezeigt haben, dass die Band auch durch die aktuelle Besetzung nichts an ihrer alt bekannten Energie verloren hat.

Ein besonderer Dank geht an den Veranstalter Lucky Bob für die kurzfristige Akkreditierung und den freundlichen Empfang sowie die Möglichkeit des uneingeschränkten Fotografierens.

Line-up Nazareth:
Carl Sentance – vocals, acoustic guitar
Jim Murrison – lead guitars
Pete Agnew – bass, backing vocals
Lee Agnew – drums, backing vocals

Line-up Rook Road:
Patrik Jost – vocals
Hannes Luy – hammond & keys
Uwe Angel – guitars
Frank Rummler – Bass
Thomas Luther – drums

Line-up Surrender The Crown:
Mattias Braun – vocals
Patrick Meyer – guitar
Mathias Sander – guitar
Oliver Quinten – Bass
Matthias Schmidt – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Zeche Bochum

L.A. Edwards – Out Of The Heart Of Darkness – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für den Singer/Songwriter und Multi-Instrumentalisten Luke Andrew Ewards waren es nur wenige Jahre, um vom ursprünglichen Folk (Rock) über Americana zum traditionellen US-Hard Rock durchzustarten, denn er hat nun mit “Out Of The Heart Of Darkness” und seiner Band L.A. Edwards ein Power-Album vorgelegt. Bereits 2015 hatte Edwards nach seiner Debut-EP “Secrets We’ll Never Know” die Unterstützung von Ron Blair erhalten.

Blair, ehemaliger Bassist bei Tom Petty And The Heartbreakers, produzierte das Album “True Blue” (2018) mit Folk Rock- und Americana-Glanzstücken, wie “Louisiana” und “Leaving Los Angeles”. Auch auf den folgenden EPs “Blessings From Home Vol. 1 and 2” (2020/21) spielen Blair und Band-Kollege Steve Ferrone bei Tom Petty-soundigen Nummern (z. B. “Trouble” – Vol. 1 und “Saint Augustine” – Vol. 2) einen hervorragenden Part, geleitet von Produzent Ryan Hadlock (u. a. The Lumineers).

Mit dem Longplayer “Out Of The Heart Of Darkness”, wird ein super-grandioses Stück West Coast All American Songbook aufgeschlagen. 10 Songs, alle mit Hitpotential, ein Feuerwerk des Rock’n’Roll! Geschickt eröffnet wird “Little Boy Blue” durch eine 30-Sekunden Kinderstimmen-Sequenz (Spoken Wordline), die in eine US-Heartland Episode überleitet und mit gehörigen Volldampf das Interesse weckt. Springsteen-like ist danach mit “Now You Know” ein ruhigerer Topsong und folkigem Charakter gelungen (das Video-Cover von “My Hometown” könnte dem Boss hierzu sehr gefallen!).

Der schnelle Rockrhythmus von “Let It Out” bietet samt Guitar-Solo das nächste Highlight; ein musikalischer Kontrapunkt ist demgegenüber “Surrender”: das starke Riff überragt den ruhigeren Verse-Teil und beeindruckt durch die griffige Struktur des Tracks. Eine klassische Rockhymne im Stadionsound folgt mit “Time To Go” und bildet aber nur die Einleitung für großformatige Topsongs, die mit “Hi Rite Now” und “Stick To You” nicht lange auf sich warten lassen. Sowohl radiotauglich in ihrer Dynamik als auch für große Bühnen in ihrer ohrwurmmäßigen Ausstrahlung bestens geeignet, gänsehauttaugliche Stimmung ist garantiert.

Weitere Dance Floor-Tracks lassen keine Pause aufkommen und werden am Beispiel von “Already Gone”, der 1. Single, plötzlich mit einem Orgel-Intro fantasievoll eingeleitet und zu einem musikalischen Selbstläufer stilisiert. Bei entsprechender Lautstärke sind es gleichfalls die superfeinen Song-Titel “Peace With You” und die Schluss-Hymne “The Lucky One”, mit ihrem emotional getriebenen Lyrics und den typischen Power-Chords, die es ohne Zweifel in die erste Reihe charismatischer Guitar Rock Tracks schaffen.

Songs, die Springsteen, Coldplay, Tom Petty, Wilco und andere groß gemacht haben. “As a songwriter, you are a craftsman, I want my work to stand the test of time”, so Luke Andrew Edwards in einem Interview, der sämtliche Songs und Texte geschrieben, für den eindringlichen Gesang verantwortlich ist und die Scheibe selbst produziert hat. Gemixt vom Grammy-Award-winning Toningenieur Tom Lord-Alge ist dabei ein mitreißendes Studiowerk entstanden.

Die aus Carlsbad, Kalifornien, stammende Familien-Band L.A. Edwards, in der neben Luke Andrew noch seine Brüder Jesse und Jerry mitwirken, hat mir “Out Of The Heart Of Darkness” ein sehr rockendes, abwechslungsreiches und gleichzeitig liebevolles Album veröffentlicht. Dieser frische Rock mit zeitlosen, kreativen Kompositionen und harmonischen Melodien erobert schon beim ersten Hören das Rhythmusgefühl. L.A. Edwards sind zur Zeit noch als Support mit The White Buffalo auf Tournee in Deutschland und Europa.

Bitchin’ Music Group (2023)
Stil: Classic Rock, Americana, Folk

Tracks:
01. Little Boy Blue
02. Now You Know
03. Let It Out
04. Surrender
05. Time To Go
06. Hi Rite Now!
07. Stick To You
08. Already Gone
09. Peace Be With You
10. The Lucky One

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Branford Hwy – Same – EP-Review

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Review: Michael Segets

In letzter Zeit drehten sich für SoS meist Silberlinge in meinem CD-Player, die einem ruhigeren Gesamtkonzept folgten. Obwohl einige sehr gute Alben darunter waren, wurde es Zeit für etwas Abwechslung. Nun tönt mit der Debüt-EP von Brandford Hwy mal wieder Rock aus meinen Lautsprechern. Das Trio gibt auf den sechs Tracks Gas, was zu der Abkürzung Hwy, die wahrscheinlich für Highway steht, durchaus passt.

Die Schulfreunde Dewayne Hart (Lead Vocals, Guitar) und James Menezez (Bass) stammen aus Branford, Florida. Beide begeistern sich für den Rock der 70er beziehungsweise 80er Jahre und das hört man der EP auch an. Hart und Menezez hatten sich seit ihrer Jugend nie aus den Augen verloren, verfolgten aber unterschiedliche Bandprojekte, die hierzulande weitgehend unbekannt sind.

Allerdings waren sie auch mit Größen wie Godsmack, Dokken, L.A. Guns und Molly Hatchet unterwegs. Nun fanden sich die beiden Musiker zusammen, um die lang geplante gemeinsame Band Branford Hwy zu verwirklichen. Als Schlagzeuger komplettiert der Kalifornier Marc Myers die Truppe.

Branford Hwy haben eine Affinität zum Hard Rock, was „Hometown USA“ sowie manche Gitarrensoli zeigen. Diese halten sich jedoch im Rahmen und die Songs bleiben durchweg melodiös. Die Songstrukturen sind nicht übermäßig komplex, aber die braucht es auch nicht, um Spaß zu machen.

Das Erstlingswerk steigt stark ein. „Boots On The Ground” rockt aggressiv los und besticht durch einen eingängigen Refrain. „While The World Spins Around” kombiniert Southern-Flair mit Hard Rock-Elementen, was ziemlich gut funktioniert.

Mit dem folgenden „Fade Away“ gelingt Branford Hwy ebenfalls eine runde Rocknummer. In der zweiten Hälfte der EP fällt „Just In Time“ im Vergleich zu den anderen Stücken etwas ab. Das hymnenhafte „Legends“ lässt zum Abschluss der Scheibe den Classic Rock der 80er Jahre in seiner Reinform aufleben. Der Titel wird Nostalgiker besonders ansprechen.

Branford Hwy gibt einen Vorgeschmack auf den für Mitte des kommenden Jahres angekündigten Longplayer. Die selbstbetitelte EP bietet schmissigen Rock, der sich bei unterschiedlichen Stilrichtungen bedient. Da sich derzeit wenige Bands der Mischung aus Hard Rock und Southern Rock widmen, darf man gespannt sein, wie das Trio diese Lücke zukünftig ausfüllt.

Sandhill Studio Productions LLC (2020)
Stil: Rock

Tracks:
01. Boots On The Ground
02. While The World Spins Around
03. Fade Away
04. Hometown USA
05. Just In Time
06. Legends

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Wishbone Ash – Coat Of Arms – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Auch im 50. Jahr ihres Bestehens ist Wishbone Ash um Mastermind Andy Powell nicht müde und bringt mit „Coat Of Arms“ ein weiteres Studioalbum auf den Markt. Das dargestellte Cover in edler Hochglanzoptik, passend zum Jubiläum, sagt schon für sich einiges aus, was den Hörer erwarten wird. Den Hintergrund bildet die zum visuellen Markenzeichen gewordene Wünschelrute, vielleicht ein Indiz dafür, dass Wishbone Ash ihre musikalischen Wurzeln weiterverfolgen.

Das viergeteilte Schild vor der Wünschelrute macht dann detailliertere Aussagen. Zwei gekreuzte Gitarren, für die sich durchs Album ziehenden Twinguitars, eine Harfe spielende Meerjungfrau, als Hinweis für manchen verträumten ruhigen Song steht, eine Faust für kraftvolle Musik, eine Weltkugel, als Zeichen, ihrer musikalischen Weltoffenheit, sowie ein Helm und ein Schwert auf dem Schild als Zeichen für die keltischen Akzente in der Musik, die dem Hörer in fast jedem Song begleiten.

„Coat Of Arms“ ist das erste Werk, das von der aktuellen Besetzung eingespielt wurde und es ist erfreulich, dass insbesondere Mark Abrahams bei den meisten Songs im Songwriting mitverantwortlich ist. Lyrics sind natürlich Chefsache und wurden von Andy Powell, seiner Frau oder seinem Sohn geschrieben, der bei einigen Songs auch für das musikalische Arrangement und begleitende Instrumente verantwortlich ist. Diese familiäre Unterstützung gab es aber auch schon auf dem Vorgängeralbum.

Auch auf diesem Opus ziehen sich natürlich die Twinguitars wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk, wobei härtere Riffs immer wieder durch malerisches Gitarrenspiel durchbrochen werden und die Songstruktur sich innerhalb der Songs immer wieder wandelt. Dies ist beim Opener „We Stand Alone“ und im Titelsong „Coat Of Arms“ auch klar zu erkennen, wo sich hardrockende Passagen mit sanften Passagen wechseln, ohne dass dabei eine chaotische Struktur erfolgen würde.

Diese Stücke offenbaren vor allem, dass Andy Powell ein goldenes Händchen besitzt, kongeniale Partner als Gitarristen zu finden, was Mark Abrahams auch in den Liveshows der letzten beiden Jahre hinlänglich bewies.

Besonders stark sind die eher ruhigen, sehr melodiösen Stücke wie „Empty Man“ oder „Floreana“, wo neben dem lieblichen Gitarrenspiel natürlich die angenehme Stimme Powells eine große Rolle spielt. Wie bei Wishbone Ash üblich, stimmt bei der Umsetzung der Songs jeder Ton. Die Rhythmussektion, um die nun schon langjährigen Begleiter Powells, Bob Skeat am Bass und Joe Crabtree an den Drums, leistet hier eine perfekte Arbeit, sodass die Tracks in sich alle sehr homogen rüber kommen. Die eher ruhige fast erzählende Songstruktur setzt sich in den nächsten Stücken fort, bis mit „Too Cool For AC“ wieder Fahrt aufgenommen wird. Schön hier, wie sich Abrahams und Powell im Gitarrenspiel abwechseln.

Mein persönlicher Favorit ist das rockige und treibende „Back In The Day“ mit sehr schönen eingängigen Gitarrenpassagen und Refrains mit hohen Wiedererkennungswert. Bei „Déjà Vu“ fühlt man sich stimmungsmäßig ins Mittelalter zurückversetzt, wo Elemente des keltischen Folkrocks im Vordergrund stehen. „When The Love Is Shared“ erinnert vom Song her an alte Zeiten und im abschließenden “Personal Halloween” finden sich jazzige und swingende Elemente wieder.

Somit ist  Wishbone Ash wieder ein starkes Album geglückt. Es herrscht also immer noch Leben in dieser mittlerweile 50 Jahre alten Band. Dies ist nicht nur im Studio erkennbar, sondern auch auf den jedes Jahr stattfindenden Touren, wo man sich nicht nur auf den alten Lorbeeren ausruht, sondern immer wieder neue Songs ins Programm einbaut. Damit entgeht Wishbone Ash der Gefahr zur eigenen Coverband zu verkommen. Von daher absolute Kaufempfehlung von „Coat Of Arms“ und der Tipp, sich diese Songs nicht entgehen zu lassen, wenn das Quartett auf den Bühnen unserer Regionen wieder präsent sein wird.

Line-up:
Andy Powell – guitars, mandolin, vocals
Mark Abrahams – guitars
Bob Skeat – bass
Joe Crabtree – drums

SPV (2020)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. We Stand As One
02. Coat Of Arms
03. Empty Man
04. Floreana
05. Drive
06. Its Only You I See
07. Too Cool For Ac
08. Back In The Day
09. Déjà Vu
10. When The Love Is Shared
11. Personal Helloween

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SPV Steamhammer

Music & Stories – 29.01.2020 – Dortmund, Warsteiner Music Hall – Festivalbericht

WM-haupt

Der Konzertreihe Music & Stories konnte nichts besseres passieren, dass drei britische Hochkaräter der Rockmusik gleichzeitig ihr 50-jähriges Bandjubiläum feiern. Was lag da näher als Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep gemeinsam zu einem Konzertabend auf die Bühne zu bitten.

In der Dortmunder Warsteiner Music Hall fand diese Reihe mit dem 14. Konzertabend nun ihren Abschluss. Gespannt waren viele auf das Konzept, Livemusik mit Talkelementen zu verknüpfen. Als Moderator führte Andy Scott, bekannt als Gitarrist der legendären Sweet durch den Abend. So standen jeweils zwischen den 60-minütigen Sets (Uriah Heep spielte etwa 80 Minuten), Musiker der Bands auf der Bühne zu einer Gesprächsrunde zur Verfügung.

Dies hatte den Effekt, dass die ohnehin recht kurz gestalteten Umbaupausen, den Besuchern noch einmal durch Anekdoten aus 50 Jahren Musikhistorie, verkürzt wurden, wobei sich Scott als charmanter „Gastgeber“ zeigte und die Musiker mit Humor auf die Vergangenheit zurückblickten. Neben lustigen Sachen, wie ein Sturm von Frisbeescheiben auf die Bühne während eines Gigs, kamen aber auch nachdenkliche Geschichten zum Vorschein.

Genannt sei nur, als Andy Powell anmerkte, dass er auf einer Tour mit Nazareth mal festgestellt hatte, dass Schotten doch die trinkfestesten Briten wären und dabei den Nazareth Basser Pete Agnew ansprach, dieser aber darauf konterte, dass er vor Jahren vor der Entscheidung Trinken oder Leben stand, und seitdem dem Alkohol abgesagt hätte.

Als besonderen Service hatte der Veranstalter eine App zur Verfügung gestellt, in der die Gespräche direkt simultan übersetzt wurden. Dies war für viele jedoch nicht notwendig, da sich die britischen Musiker Mühe gaben, langsam und auch in einem sehr verständlichen Englisch zu sprechen, dass man dem Inhalt gut folgen konnte.

Das Wichtigste für die Besucher waren aber vermutlich die drei Konzerte, wobei Wisbone Ash sehr pünktlich um 19:00 Uhr den Anfang machte, sodass die sehr gut organisierte Veranstaltung an einem Mittwoch Abend bis 23:00 Uhr durchgeführt werden konnte.

WA-Teh

Wishbone Ash legten direkt mit „The King Will Come“, „Warrior“ und „Throw Down The Sword“ los und offerierten, was perfekte Twin-Guitars-Musik ist. Powell und Abrahams lieferten sich Sologefechte, die in sich stimmig und absolut harmonisch waren. Mit diesen drei Klassikern hatten sie direkt den Zugang zum Publikum gefunden und und es folgten weitere 45 Minuten der hohen Gitarrenspielkunst.

Doch auch Joe Crabtree an den Drums und Bob Skeat hatten genug Gelegenheit sich als exzellente Musiker zu präsentieren. Die Spielfreude der Briten war für jeden auch an der Mimik der bestens gelaunten Musiker ersichtlich.

Mit „We Stand As One“ folgte auch ein ganz neuer Song, wodurch auch noch einmal verdeutlicht wurde, dass Wishbone Ash eine Band ist, die sich nicht nur auf alten Werken ausruht. Dies traf aber auch für die beiden anderen Acts des Abends zu.

Mit „Jail Bait“, „Phoenix“ und “Blowin‘ Free“ als Zugabe folgten noch drei weitere Klassiker und 60 Minuten waren wie im Fluge vergangen. Herausragend war natürlich „Phoenix“ mit psychedelischen Soloparts und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Powell fragte, ob es denn auch Besucher gäbe, die das Musiktheater Piano kennen, wo die Band die letzten Jahre immer im Januar auftrat und ihm diese Shows in absolut angenehmer Erinnerung geblieben sind.

Direkt nach dem Gig stand die gesamte Band den Besuchern am Merchandising-Stand zur Verfügung, was noch einmal die Publikumsnähe der Mannen um Powell verdeutlichte, mit der sie sich bestimmtt neue Freunde geschaffen haben.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell – guitar, vocals
Marc Abrahams – gutar
Bob Skeat – Bass, background vocals
Joe Crabtree – Drums

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Mit Nazareth wurde es dann eine Spur härter. Das hart rockende „Miss Misery“ und der folgende Kracher „Razamanaz“ brachten das Publikum direkt auf Betriebstemperatur.

Zum Abkühlen ließen die Schotten eine schöne Version des Joni Mitchel-Covers „This Flight Tonight“ und mit „Dream On“ eine ihrer Parade-Balladen folgen. Carl Sentance, der seit einigen Jahren den Leadgesang inne hat, überzeugte dabei mit einer starken Bühnenpräsenz und war stimmlich absolut auf der Höhe.

Jimmy Murrison, wie immer seine Gitarre ohne Plektron bearbeitend, bewies, dass er spielerisch die Bandbreite von Schmusesongs bis zum Heavy Metal abbilden kann. Father and Son, Pete Agnew am Bass und Lee Agnew am Schlagzeug zeigten, dass Familie auch auf der Bühne gut funktionieren kann. Pete, immer mit einem Lächeln oder schelmischen Grinsen, machte klar, dass er auch mit 73 Jahren, als einziges verbliebenes Gründungsmitglied, ins 51. Jahr der Bandgeschichte zu gehen gedenkt.

Danach wurde es wieder eine Spur härter und die Band mischte unter ältere Songs wie dem Crazy Horse-Cover „Beggars Day“ und „Hair Of The Dog“ mit „Change“, „Changin‘ Times“ und „Tattoed On My Brain“ drei Stücke vom aktuellen Album, die von den Fans auch sehr gut angenommen wurden.

Der Abschluss der Show wurde mit dem bekanntesten Stück von Nazareth, der Everly Brothers-Adaption „Love Hurts“ eingeläutet, wo Sentance mit schmachtenden Gesang für den einen oder anderen melancholischen Moment bei den Besuchern gesorgt haben dürfte. Mit dem Bonnie Dobson-Stück „Morning Dew“ aus der Anfangszeit von Nazareth wurde das Konzert beendet.

Beeindruckend hier der instrumentelle Einstieg in den Song, wo insbesondere Pete Agnew am Bass mit einem donnernden Lauf überzeugte, bis Murrison mit der Gitarre in diesen psychedelischen Song einstieg und Sentance erst nach einigen Minuten gesanglich hinzu stieß.

Nazareth gehören noch lange nicht zum alten Eisen und haben durch die später hinzugekommenen Musiker, immer wieder frischen Wind in die Band bekommen. Nach dem Konzert stand dann Carl Sentance am Mercendisestand für die Fans bereit, Pete hatte keine Zeit, da er für die anschließende Talkrunde bereitstehen musste.

Line-up Nazareth:
Carl Sentance – vocals
Jimmy Murrison -guitars
Pete Agnew – Bass vocals
Lee Agnew – drums

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Nachdem die letzte Gesprächsrunde beendet war, verdunkelte sich die Halle zunächst und in einem folgenden Lichtgewitter begannen die britischen Hardrockveteranen von Uriah Heep mit „Grazed By Heaven“ ihre Show.

Sänger Bernie Shaw überzeugte direkt durch eine entsprechende Hardrockpräsenz mit einigen Posen und perfformte die Songs auch stimmlich gewohnt sicher. Mick Box das verbliebene Gründungsmitglied, das die Band über die Jahre auch zusammengehalten hat, steuerte zu jedem Stück starke Soli bei, wobei er zuweilen so tat, als würde er seine Griffhand wie bei einer Marionette mit der linken Hand steuern.

Mit „Too Scared To Run“, „Take Away My Soul“ ging es hard bis haevy weiter. Drummer Russell Gilbrook schien sich zuweilen die Seele aus dem Leib zu trommeln, Davey Rimmer am Bass posierte über die Bühne und hatte als besonderen visuellen Effekt, zuweilen den Lauf des Basses blau beleuchtet. Phil Lanzon an den Keyboards gab den Stücken die gewohnte Uriah Heep-Fülle.

Das etwas langsamere, aber dennoch hart performte „Rainbow Demon“ wurde mit einem starken Keyboard-Intro durch Lanzon eingeläutet, bis die restliche Band einstieg. Der folgende Klassiker „Gypsy“ brachte die Fans zum Toben und beim anschließenden „Look At Yourself“, bei dem auch die Bandmitglieder vorgestellt wurden, gab es einem furiosen instrumentalen Schlussteil.

Danach folgte einer der absoluten Höhepunkte der Uriah Heep -how. Shaw kündigte einen Song mit langen Intro und langen Outro an. Lanzon stieg zunächst mit der Orgel ein und die Band legte eine sphärische Version der Hymne „July Morning“ auf die Bühne.

Beim vermutlich bekanntesten Stück von Uriah Heep, bei dem zunächst Box mit der Akustikgitarre und Shaw singend alleine auf der Bühne anwesend waren, wurde das Publikum zum Mitsingen eingeladen, dem dieses auch nachhaltig nachkam. Danach läutete der Rest der Band dann das Ende des Konzertabends ein, auf den mit „Sunrise“ und „Easy Livin’“, noch zwei Zugaben folgten.

Herausragend dabei das furios gespielte „Easy Livin’“ als Rausschmeißer, der die Halle noch einmal zum Kochen brachte und einen würdigen Abschluss eines 5-stündigen Konzerts inklusive Talkabend bildete.

Line-up Kenny Wayne Shepherd:
Kenny Wayne Shepherd (electric guitar, vocals, lead vocals)
Noah Hunt (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion)
Bernie Shaw – vocals
Mick Box – guitar, vocals
Davey Rimmer – Bass
Russell Gilbrook – drums
Phil Lanzon – Keyboards

Fazit: Mit Music & Stories hat die PACO Agency eine beeindruckende Konzertreihe durch 14 Städte promotet. Die Kombination aus Livemusik und Talkelementen kann als gelungen angesehen werden, wozu auch die authentische Art von Andy Scott beitrug, der in den Konversationen unaufdringlich und charmant so mache Geschichte aus den Musikern, bzw. alten Freunden und deren gemeinsamer Erlebnisse herauskitzelte.

Über die Qualität der Musik zu reden ist in diesem Fall nicht mehr notwendig, es muss aber erwähnt werden, dass sowohl die Ton- wie auch die Lichttechniker, ganze Arbeit geleistet haben. Auch die gesamte Crew und Security leisteten durch koordinierte Arbeit, ihren Beitrag zu einem harmonischen und absolut runden Abend, der zeigte, dass dieses Konzept auch in Zukunft präsentabel erscheint.

Ein besonderer Dank an Karina Kahl von der PACO Agency für die problemlose Akkreditierung und an Tourmanager Ingo Joa, der den Kontakt hergestellt hat.

Bilder und Bericht: Gernot Mangold

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Music & Stories
PACO Agency
Warsteiner Music Hall

The Demtones – Same – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Nach den jungen schwedischen Hoffnungsträgern von Jetbone, die erst im vergangenen Jahr für Furore sorgten, steht nun mit der Gruppe „The Demtones“ bereits der nächste verheißungsvolle Geheimtipp in den Startlöchern.

Ihr gleichnamiges Debütalbum haben The Demtones noch als 3er-Formation mit Frontman, Sänger, Gitarrist und Songschreiber Oscar Ericsson, Schlagzeuger Martin Behm Stener und Bassist Alfred Andersson kreiert, aber mittlerweile ihren Freund und Produzenten Jokke Pettersson als zweiten Gitarristen zur Verstärkung in die Band aufgenommen.

Das Werk strotzt mit seinen neun leidenschaftlichen Tracks gute 32 Minuten lang im klassischen Power-Rock-Vergnügen und beginnt mit dem mehr als spritzigen Opener „Valerie“, der den rockigen Weg für eine treibende CD ebnet. Die Demtones setzen diesen Power-Stil auf „I Come Around“ exzellent fort. Ein verzehrtes Gitarrengewitter am Beginn von „You Don’t Know“ geht über in ein Heavy-Riff von Ericsson, der sich kreativ spielerisch an seinem „Werkzeug“ austoben kann.

Fast schon Grunge-mäßig im Queens of the Stone Age-Style geht es auf „Sleep“ weiter. Nach eigenen Angaben wurden die jungen Schweden insbesondere von der Heavy Metal und Hard Rock Legende „Black Sabbath“ inspiriert. Einflüsse ihrer Landsmänner von „The Hellacopters“ sind aber ebenso unverkennbar, wie z. B. auf dem Song „Honey“ deutlich wird.

Mit „Make Up Your Mind“ geht es fast schon punkig weiter, bevor bei „Reckless“ wieder der Zeitpunkt für ein ausgiebiges Gitarrensolo gekommen ist. Das letzte Stück „Free“ beginnt mit einem 2-minütigen Accoustic-Guitar Intro und endet in einem melodisch starken, energiegeladenen, psychodelischen Ausklang.

Die Power-Band aus Schweden „reitet“ ein bisschen die Classic Rock-Welle, die vor 2 Jahren in erster Linie durch die US-Amerikaner Greta Van Fleet und ihrem unverkennbaren, an Led Zeppelin orientierten Stil, angestoßen wurde. Der Hinweis auf dem Debüt der „Demtones“ lautet nicht umsonst: „Best Played Loud – With Airguitars“. Diesem Ratschlag sollte man auf jeden Fall folgen, um vom rasanten Vintage-Sound-Longplayer mitgerissen zu werden.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Classic Rock, Rock ’n’ Roll

Tracklist:
01. Valerie
02. I Come Around
03. You Don’t Know
04. Sleep
05. Honey
06. What You Got To Lose
07. Make Up Your Mind
08. Reckless
09. Free

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Wishbone Ash – 06.02.2018, Kulturfabrik, Krefeld – Konzertbericht

WA_Haupt

Bereits Mitte Januar hatte die Truppe um Wishbone Ash-Gründungsmitglied Andy Powell bereits ein gefeiertes Konzert im Dortmunder Musiktheater Piano abgeliefert. Und nun gaben sich die Jungs innerhalb von kaum vier Wochen zum zweiten Mal die Ehre eine Bühne in unseren Gefilden zu betreten. Gastgeber war diesmal die Krefelder Kulturfabrik, nicht zu verwechseln mit der sich in der Nähe befindlichen, urigen Kulturrampe in Krefeld, der hiesigen Lieblingslocation des SoS-Teams.

Mit großer Spielfreude arbeitete die Crew – ohne die sonst übliche Verschnaufpause zur Halbzeit – ihre Setliste virtuos ab, deren Songfolge dem Gig in Dortmund entsprach, also überwiegend Klassiker aus den 70’er Jahren.

Obwohl ich im Vorfeld des Konzertes erfahren hatte, dass drei der Bandmitglieder gesundheitlich etwas angeschlagen gewesen sein sollten, war davon während des Gigs absolut nichts zu spüren. Alle vier bearbeiteten ihre Instrumente hingebungsvoll und meisterhaft. Bewundernswert welche Klangwelten die beiden Leadgitarristen Andy Powell und Mark Abrahams mit den Saiten ihrer Gitarren hervorzurufen in der Lage sind. Stark auch der Einsatz des Bassisten Bob Skeat, insbesondere als F.U.B.B. intoniert wurde.

Zum Abschluss des Konzertes gab es dann noch die beiden Klassiker „Jailbait“ (mein absoluter Lieblingssong von Wishbone Ash) und „Phoenix“ auf die Ohren. Das Publikum bedankte sich für den gelungenen Abend mit reichlich Applaus. Nach der Zugabe „Blowin‘ Free“ ging dann ein wunderbares, gut 100 minütiges, energiegeladenes Konzert in der gut gefüllten Kulturfabrik zu Ende.

Line-up:
Andy Powell (lead vocals, lead guitar, acoustic guitar)
Mark Abrahams (lead guitar, acoustic guitar)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)

Text und Bilder: Jörg Schneider

Wishbone Ash
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Kulturfabrik Krefeld e.V.

Wishbone Ash – Support: Doris Brendel – 27.01.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

WA_Haupt

Ein überragender Abend mit Wishbone Ash und ihrem Support Doris Brendel im Musiktheater Piano in Dortmund, wenn auch zunächst nicht ganz rund verlaufen. Die Bands waren verspätet am Ort des Geschehens eingetroffen und hatten vermutlich auf einen Soundcheck hinter ‚verschlossener Tür‘ bestanden. Das hatte bei einem ausverkauften Haus im Piano zu einer langen dicht gedrängten Warteschlange bis durch die ganze Kneipe geführt. Besitzerin Jenny Dore war die ‚dicke Krawatte‘ angesichts des damit wohl verbundenen Verlust an Getränkeumsatzes förmlich anzumerken.

Hier hätten sich die Akteure eigentlich keinen Zacken aus der (britischen) Krone gebrochen, wenn man die Vorbereitungen unter Anwesenheit des Publikums durchgeführt hätte. Brexit hin oder her, es wären sicherlich keine Staatsgeheimnisse offeriert worden. Immerhin, nach einigem hektischen Treiben, betraten Doris Brendel samt Band und ihren markanten Kostümierungen, kurz nach 20:00 Uhr die Bühne.

Das Quintett präsentierte einen 6-Stücke-Set, wobei das immer noch aktuelle Album „Upside Down World“ mit den Stücken „Slap Me And You Die“, „A Little Act Of Defiance“ und dem schönen „Adored“ das Grundgerüst bildete. Das soundtechnisch noch nicht perfekt funktionierende, proggige „You’re Losing It“ als Opener, „Latest Fantasy“ und das finale, mit  zusätzlichen Trommeln von Gitarrist Lee Dunham und Bassist Lincoln Spalding begleitete „The One“, sorgten für eine kurzweilige Dreiviertelstunde, mit einigen schönen Lichteffekten seitens Brendels (Laserleuchthandsschuhe und -wedel), in Neofolk-, klassisch- und keltisch-umwehten Rock-Ambiente, Richtung Acts wie Runrig & Co. Ein schöner und auch durchaus gut passender Support für Wishbone Ash. Die separate Bildergalerie kann man hier anklicken.

Der Headliner des Abends (übrigens 1980 mein aller erster größerer Gig in meinem damalig noch jungen Leben) inklusiv seines charismatischen Bandleaders Andy Powell, ja quasi ein Urgestein der Rockmusikgeschichte, schien sich, aufgrund der Unannehmlichkeiten, besonders ins Zeug legen zu wollen. Ich habe die Band noch nie so gut gesehen.

Das lag hauptsächlich an der Einbindung des neuen Zweitgitarristen Mark Abrahams, in dem Powell jetzt einen absolut kongenialen Partner gefunden zu haben scheint. Der spielte sich im Gegensatz zum eher introvertierten Vorgänger-Gitarristen Muddy Manninen vor fast einem Jahr an gleicher Stelle, teilweise regelrecht in einen Rausch, lächelte oft ins Publikum und hatte offensichtlich großen Spaß an den deutlich mehr gewährten spielerischen Freiheiten seitens des Bandleaders.

Der hatte ebenfalls sichtliche Freude, hier nochmals so richtig von einem Jungspund gefordert zu werden. Er gab sich natürlich keine Blöße und brillierte ebenfalls. Das obligatorische Instrumental „Bonafide“ als Eröffnung diente zur Abstimmung der Twin-Passagen, das berühmte und kaum jemals in dieser Form von anderen Interpreten übertroffene Markenzeichen und Stilmittel der Kulttruppe, an diesem Abend natürlich wieder reichhaltig praktiziert.

Die starke Rhythmusfraktion aus Drummer Joe Crabtree und dem kauzigen Langzeit-Bassisten Bob Skeat (wieder mit beeindruckend aussehendem Rickenbacher-Viersaiter) bildete das gewohnt kräftige Fundament für die beiden E-Gitarristen (Abrahams überwiegend mit einer Gibson Les Paul und sporadisch einer Stratocaster agierend, Powell größtenteils mit seinen typischen Flying V Gibsons).

Eine nette Geste war es, Doris Brendel und Lee Dunham für einige Stücke wie den Ohrwurm „Way Down South“ und die ‚epische Phase‘ samt Klassikern wie „The King Will Come“ und den ineinander übergehenden „Warrior“ und „Throw Down The Sword“, sowie den beiden finalen großartigen Zugaben, mit als Backgroundsänger einzubinden.

Schön war auch der Akustikteil mit den beiden Tracks „Leaf And Stream“ und dem geschichtsträchtigen „Wings Of Desire“. Bei einem der Highlights des Gesamt-Gigs, dem Instrumental „F.U.B.B.“ zog der fingerfertige Abrahams dann wirklich auch alle Register heutiger soundtechnischer Gitarren-Effekt-Spielereien an seinem Fußboard. Grandios, was hier bei seinen variablen Soli abging.

Die weiteren Klassiker wie das herrlich rockende „Jailbait“ und das ebenfalls furiose WA-Uralt-Paradestück „Phoenix“, sowie die launigen Zugaben „Blowin‘ Free“ und der megastarke Rausschmeißer „Faith, Hope & Love“ (mit Reggae-Touch am Schluss, tolle Hamoniegesänge von Brendel) ließen das proppevolle Musiktheater zu Begeisterungsstürmen avancieren. Als Andy Powell die beeindruckende Performance seiner Band mit dem plakativen Statement „faith, hope and love … is everything you need!“ beendete, gab es kein Halten mehr und das Quartett wurde mit Standing Ovations in den Feierabend verabschiedet.

Line-up Wishbone Ash:
Andy Powell (lead vocals, lead guitar)
Mark Abrahams (lead guitars, vocals)
Bob Skeat (bass, vocals)
Joe Crabtree (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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