Robben Ford & The Blue Line – Live At Montreux 1993 – CD/DVD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das traditionsreiche Musikfestival von Montreux hat in seiner mittlerweile fast 60-jährigen Historie immer wieder legendäre Konzertereignisse veranstaltet. Die nachträgliche Veröffentlichung von Aufnahmen für das breite Publikum wurde leider oft erst viel später ermöglicht. Der Auftritt von Robben Ford & The Blue Line, der mittlerweile über 30 Jahre zurückliegt, ist nun von Repertoire Records als CD-/DVD-Package aufgelegt worden. Neben Ford sind Roscoe Beck am Bass und Tom Brechtlein, Drums, mit von der Partie. Die Tracklist der CD- und DVD-Versionen unterscheidet sich nicht.

Die Setlist beginnt mit “I Don’t Play”, einem von Willie Dixon komponierten Little Walter-Klassiker (1960), der durch das Guitar-Masterclass-Niveau elegant von rund zwei Originalminuten auf begeisternde neun angehoben wird – eine Mindblowing-Soloarbeit von Robben Ford, der auch heute immer noch zu den leider weniger bekannten E-Gitarristen zählt. Gleich zu Anfang wird deutlich: eine außerordentliche Virtuosität und ein geniales Improvisationstalent bestimmen die Richtung. Die alte Cream-Nr. “Politician” (Jack Bruce) in der 68er “Wheels of Fire” Aufnahme mit Clapton Overdubs versehen, bekommt bei Fords Live-Version eine brillant-kreative und erfrischende Guitar-Linie. Eine ebenso eigenständige Interpretation und insoweit nur eingeschränkt als Cover zu bezeichnen, ist der 3. Titel “Worried Life Blues”. Einer der am meisten “gecoverten” Blues-Titel (ursprünglich “Someday Baby Blues” (1935) von Sleepy John Estes) entwickelt sich auch in der Montreux-Fassung zum beeindruckenden Robben Ford-Klassiker, einem “Schatzkästchen” Blues-Track mit preziös-artigen Solopassagen.

Bereits in jungen Jahren durfte der heute 73-jährige in der Band von Jimmy Witherspoon auftreten, George Harrison auf der US-Tour 1974 begleiten, Alben von u. a. Joni Mitchell, Little Feat und Bob Dylan tragen auch seine musikalische Handschrift. Insofern gehört Songwriting zum Selbstverständnis des veritablen Musik-Theoretikers und Sängers (Buchtitel “Blues Guitar Phrasing Mastery”). Die 3 Eigenkompositionen im Mittelteil des Konzertes (“You Put Me To The Bone”, “Step On It” und “Busted Up”) sprechen für sich und werden so zur Blues, Rock, Fusion, Jam Vorzeige-Performance der exzellenten Guitar-Kunst ausgebaut. Als weiterer, absoluter Höhepunkt des Auftritts folgt J. B. Lenoirs “Mama Talk To Your Daughter” aus dem Jahre 1954. Die alte Blues-Nummer ist breit angelegt und bietet neben den Soli von Ford aber vor allem Roscoe Beck am 6-saitigen Bass die Zeit, einen ausschweifenden Part zu absolvieren. Die Zugabe bringt mit “Tell Me I’m Your Man” zum Abschluss noch einen schönen Blues Rock aus eigener Feder und beendet nach rund 55 Minuten die etwas kurze Lehrstunde in Sachen Blues.

Die Scheibe „Live At Montreux 1993“ von Robben Ford & The Blue Line ist ein musikalisches Blues-Highlight – als DVD wird sie zudem zu einem visuellen Genuss, der die virtuose Brillanz dieser Performance eindrucksvoll in Szene setzt. Robben Ford, der 2016 nochmals für einen weitaus längeren Auftritt nach Montreux eingeladen wurde, spielt vor seiner Australien-Tournee übrigens im Februar erneut ein seltenes Big Band Konzert beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt.

Repertoire (2024)
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. I Don’t Play
02. Politician
03. Worried Life Blues
04. You Cut Me To The Bone
05. Step On It
06. Busted Up
07. Mama Talk To Your Daughter
08. Tell Me I’m Your Man

Robben Ford
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Repertoire Entertainment

Andreas Diehlmann Band – 10.01.2025, Café Steinbruch, Duisburg – Konzertbericht

Fünf Jahre sind tatsächlich  schon wieder vergangen seitdem ich den Protagonisten des Abends, Andreas Diehlmann, samt seiner beiden Mitstreiter (an diesem Abend assistierten ihm Bassist Jörg Sebald und der ehemalige Drummer der Klaus Lage Band, Dieter Steinmann) an genau gleicher Stelle, dem Cafe Steinbruch in Duisburg live erlebt hatte.

Dort und auch in der gesamten Zwischenzeit danach hat er sich als fleißiger und konstant liefernder Blues Rock-Interpret. einen renommierten Ruf von internationalem Format erarbeitet. Gerade, was sein exzellentes Gitarrenspiel in allen erdenklichen Tempi und Varianten  betrifft, braucht er sicherlich mittlerweile keinen Vergleich mehr zu scheuen.

Zunächst hatten wir schon vor dem Gig wieder das Vergnügen. mit ihm ein paar Worte zu wechseln, als auch das obligatorische VIP-Bild mit dem nunmehr aktualisierten Logo machen zu dürfen.

Der Ort des Geschehens war proppevoll, irgendwie hatte ich das Gefühl, als wenn mich eine Zeitmaschine zurück gebeamt hätte und genau die gleichen Leute wie damals anwesend gewesen wären, die blues-typisch, inklusive uns, zu gut 95 Prozent wieder aus der zahlungskräftigen Babyboomer+-Generation bestand, nur um fünf Jahre würdevoll gealtert.

Ich denke mal bezüglich seiner Klientel ist es zwar um den Nachwuchs im Publikum ziemlich schlecht bestellt, zumindest aber, was die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre betrifft, trotzdem eine gute musikalische Investition von Andreas, Fremdgehen ist da in der Regel nicht mehr (einmal Blues, immer Blues!). Wo  Anders hat man in der freien Wirtschaft heutzutage noch solch eine Planungssicherheit? Danach dürfte er dann wohl eh auch in Rente sein.

Das Konzert begann mit der berühmten akademischen Viertelstunde Verspätung um 20:15 Uhr und Diehlmann wählte mit dem zünftig stampfenden, ZZ Top-umwehten „Head Down Low“ einen guten Einstand, um auch die Leute im Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen.

Apropos ZZ Top: Der Blues Rock-Stil der Texaner ist in Diehlmanns DNA sowohl stimmlich (irgendwo zwischen Gibbons und Hill), im knarzigen und slidenden E-Gitarrenspiel, als auch bezüglich seines Songwritings, ganz tief verankert. So dominierte dieser Einfluss auch den überwiegenden Teil der unterhaltsamen Show, die zusätzlich auch von der sympathischen und kommunikativen Art des Fronters, der sich mehrfach sowohl als absoluter Beziehungsexperte (u. a. „Long Forgotten Nightmare“, „Rita“) wie auch höchst-geschulter Psychologe („Bad Luck“) offenbarte.

So präsentierte er im ersten Set (vorwiegend auf seiner abgewetzten Stratocaster) Tracks wie „Pretty Baby“ (Boogie), die ruhigeren „Gypsy Woman“ (vom aktuellen Album „That Old Blues Again„, mit tollem psychedelischen Part), „Got To Get Over It“ (ZZ Top-Flair) und griff zum Ende beim von Howlin Wolf inspirierten „Nothing But The Blues“ zur Cigar Box-Gitarre (inklusiv kleiner Story dazu vor Songbeginn), wobei er offenbarte, dass man auch auf drei Saiten fulminant wirbeln kann.

Nach der Pause diente der Texas Rocker „Gonna Raise Hell“ als idealer Wachrüttler, „Hard Times“, „Way To Hell“ (samt kleiner Instrumentalschlacht mit seinen beiden Kollegen), der tolle Slowblues „Broken“ , Whiskey And Women“ (wieder mit Cigar Box-Gitarre) und „Boogie Woogie Rock’N’Roll (Diehlmann zum Abschluss jetzt auf der Les Paul mit fetzigen Soli unterwegs) bildeten das Gerüst in Set 2.

Ohne Zugabe wäre nach dieser starken Leistung und der guten Stimmung im Cafe Steinbruch ein ‚No-Go‘ gewesen und so gab es dann noch mit dem Fan-Favoriten „Price To Pay“, einer Gänsehautversion von „Purple Rain“ und dem Hendrix-Cover (Andreas‘ zweite Passion) „Little Wing“ (am Ende wieder auf der Strat) ein tolles Triple, das dann wirklich keine Wünsche mehr offen ließ.

Die Andreas Diehlmann Band überzeugte die Anwesenden und mich an diesem Abend in Duisburg wieder restlos, sodass ich mir durchaus vorstellen kann, bis zum nächsten Aufeinandertreffen nicht mehr fünf Jahre verstreichen zu lassen. Und sicher ist sicher…!

Line-up:
Andreas Diehlmann (lead vocals, electric guitars)
Jörg Sebald (bass)
Dieter Steinmann (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Andreas Diehlmann Band
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Café Steinbruch Duisburg

Walk That Walk – Red Devil Lye – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Poppa C. DeSnyder, Fronter von Walk That Walk, hat einmal gesagt: „Wenn man bei seinem Auftritt nicht voller Leidenschaft und Energie auftritt, laufen die Leute zu den Ausgängen…“ und dies lässt sich auch auf die aktuelle Scheibe der Band übertragen.

Die CD strotzt vor Spielfreude und Energie. Sie besteht zwar leider nur aus acht Tracks, aber die haben es in sich. Sie offenbaren mitreißende Rhythmen mit kräftigem Roots-Einschlag oder rocken einfach nur. Aber immer verbreiten die Songs ein Gute-Laune-Feeling.

In die erste Kategorie gehören „The Daydream“, „Put A Hump In Your Back“, „You Don‘t Love Me“ und „She Says She Can Do Better“. Allesamt flott, beschwingt und unter dem Einfluss von Bluegrass- und Countryelementen. Echte, gute Rootsmucke also mit Gute-Laune-Faktor.

Aus der Schublade mit den rockigen Rhythmen stammen die Songs „Heavy Music“, im Original von Bob Seger, „Hard Again“ und „Shake You With This Rock‘n‘Roll“. Vorwärts treibende Rhythmen, denen Poppa C. Snyders sonore Gesangsstimme zu noch mehr Kraft und Eindrücklichkeit verhilft.

Als Rausschmeißer gibt‘s zum Schluss den „Canned Heat“-Klassiker „On The Road Again“, ohne allerdings zu sehr vom Original abzuweichen.

Mit ihrem neuen Album beweist die Trupper um Fronter Poppa C. DeSnyder einmal mehr, dass sie nicht nur zu den Besten der Bostoner Bluesszene gehören, sondern auch darüber hinaus zur Creme de la Creme aller Blueser zählen. Walk That Walk ist daher immer gut für eine Kaufempfehlung.

Eigenproduktion (2024)
Stil: Blues, Roots

Tracks:
01. The Daydream
02. Put A Hump In Your Back
03. Heavy Music
04. Hard Again
05. Shake You With This Rock’n’Roll
06. You Don’t Love Me
07. She Says She Can Do Better
08. On The Road Again

Walk That Walk
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Ben Poole – 24.11.2024 – blues, Rhede – Konzertnachlese

Ben Poole beendet, wie schon in den letzten Jahren traditionell, seine Herbst Tour im blues im beschaulichen Rhede und hat als Gast seinen brüderlichen Freund Guy Smeets dabei. Etwas später als geplant betritt Poole gegen 19:30 Uhr die Bühne im gut gefüllten blues und es folgen über zwei Stunden Blues Rock der härteren Gangart mit vielen jammenden Passagen und starken Gitarrensoli, an denen auch der Niederländer Smeets einen gehörigen Anteil hat.

In die vorrangig eigenen Songs baut Poole auch einige Coverversionen ein, von denen die knapp 15-minütige Zugabe von „Fire & Water“ von Free eines der Highlights des Abends ist. Das vom Publikum gefeierte „Dont´t Cry For Me“ beginnt nicht mit einem Keyboard-Intro, den Part übernimmt Amadeo mit einem gefühlvollen Bassintro, bevor der Rest der Band, zunächst balladesk einsteigt, um mit einem explosiven Zwischenteil die Decke im blues abheben zu lassen. Dabei jagt eine Solopassage von Poole die folgende von Smeets.

Schon während des Konzerts beginnt die Band das Ende der Tour gebührend zu feiern, als Ben seinen Tourmanager mit auf die Bühne holt und alle gemeinsam erst mal gemeinsam mit einem Pinecken anstoßen, um danach direkt wieder wie entfesselt weiterzumachen.

Zwei Stunden krachender Blues Rock vergehen so im Fluge und an den Gesichtern der Fans lässt sich ablesen, dass es ein besonderer Abend war. Von Beginn an war der Funke von der Bühne aufs Publikum übergesprungen, was neben der musikalischen Leistung auch am sympathischen Auftreten der Band lag, in deren Gesichtern sich die Spielfreude widerspiegelte.

Das ausgewogene Licht und der transparente Sound hatten einen nicht unerheblichen Anteil an dem gelungenen Abend, dass zu erwarten ist, dass im November 2025 auch die Ansage folgen könnte „Same Procedere As Every Year“, mit dem einen oder anderen Erfrischungsgetränk während der Show.

Line-up:
Ben Poole – vocals, guitars
Steve Amadeo – bass
Ollie Dixon – drums, backing vocals
Special Guest:
Guy Smeets – guitar, backing vocals

Text & Bilder: Gernot Mangold

Ben Poole
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blues Rhede

DeWolff – Muscle Shoals – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Nach über 15 erfolgreichen Bandjahren hat sich die niederländische Gruppe DeWolff einen Trip in die USA gegönnt, um in den legendären Fame und Muscle Shoals Sound Studios in Alabama das neue Album aufzunehmen. Unter dem Titel “Muscle Shoals” ist eine (fast) klassische Scheibe entstanden, gefüllt mit grandiosen Tracks, individuellen Klangfarben und der staubigen Tradition der alten Recording-Räume, ein ausgesprochener Retro-Southern-, Blues Rock, Psychedelic- und Soul-Longplayer.

Schon der Opener “In Love” verbreitet ein ungezwungenes Upbeat-Flair der 60er/70er, angenehme Hammond-Sounds und knarzige Guitar-Parts bereiten den Weg für “Natural Woman”, der ersten Single, einem temporeichen, teils jazzigen Track. Ein souveräner Beginn der Scheibe, die einem auch bei “Out On The Town” voll mitnimmt und frühe, aufgefrischte Allmans “undercover” präsentiert. “Let’s Stay Together” kommt als feine Soul-Ballade vollendet rüber und serviert schöne alte Song-Schule in junger Dynamik.

Und gerade für solche Stücke bieten die Vintage-Studios eine scheinbar unvergleichliche Atmosphäre, eine Klangwelt, die in den Anfangsjahren z. B. Etta James, Aretha Franklin oder Arthur Conley ebenso nutzten, wie Duane Allman, Stones oder Bob Dylan. Lynyrd Skynyrds Titel “Sweet Home Alabama” setzte sogar ein musikalisches Denkmal. Kein Wunder also, dass DeWolff für den neuen Longplayer eine ganze Reihe Songs geschrieben haben, die im außergewöhnlichen Studio-Umfeld und mit Hilfe von Produzent Ben Tenner die unbändige Spielfreude der Formation reflektieren.

So klingt “Ophelia” im Orgelsound nach mitreißender Purple-Magie, die ein breites hemdsärmliges E-Solo sehr gut verträgt. Der Boogie “Truce” ist insgeheim vielleicht der beste Track der Scheibe und fügt sich nahtlos in das gesamte Erscheinungsbild Retro-soundiger Arrangements ein. Die Stilrichtung einer eleganten Vintage-Renaissance beflügelt “Book Of Life” vom Boogie-Woogie zum Gospel-Soul und zeigt den stilsicheren Variantenreichtum der Band, durch Rhythmus- und Stimmungswechsel permanent Medley-artige Verbindungen zu schaffen.

Mit “Winner”, “Fools & Horses” und dem mächtigen “Snowbird” (über 8 Minuten) werden noch einmal alle Register gezogen und Southern-, Psychedelic-. bis Blues-rockige und experimentelle Reminiszenzen an The Doors aufgeboten. Wenn dann zum eigentlichen Schlusstrack noch Singer/Songwriter Dylan LeBlanc seinen persönlichen Beitrag im Studio einbringt, wird die Ballade ”Ships In The Night” zum großartigen “Muscle Shoals” Schlussakkord, dessen Abschiedsrefrain “Take It Easy” unvermittelt mitgesungen wird.

Die im deutschsprachigen Raum bisher leider wenig beachteten DeWolff haben nach dem NL-Nr. 1 Vorgänger “Love, Death & In Between“ (2023) ein weiteres überragendes Studiowerk in den Startlöchern. “Muscle Shoals” verbindet großartiges, eigenständiges Songwriting mit leidenschaftlicher Spielkunst. Die geschichtsträchtige niederländische Blues/Rock-Musik (z.B. Cuby & The Blizzards) wird hier traditionsbewusst fortgeführt. Wer Gelegenheit hat, DeWolff mit “Muscle Shoals” auf der bevorstehenden großen Europatour zu erleben, sollte die Möglichkeit unbedingt nutzen.

Mascot Records (2024)
Stil: Blues, Southern, Blues Rock

Tracks:
01. In Love
02. Natural Woman
03. Out On The Town
04. Let’s Stay Together
05. Ophelia
06. Truce
07. Hard To Make A Buck
08. Book Of Life
09. Winner (When It Comes To Losing)
10. Fools & Horses
11. Snowbird
12. Ships In The Night
13. Cicada Serenada

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Beth Hart – Support: Walter Trout 18.11.2024 – Lanxess Arena, Köln – Konzertbericht

Pünktlich um 20 Uhr betritt Walter Trout mit seiner Band die Bühne, um mit einem kurzen Support von 30 Minuten schon einmal Stimmung in die Lanxess Arena zu bringen. Dabei zeigt er einmal mehr, welch vielseitiger Gitarrist er ist. Unterstützt wird er dabei von Roland Bakker an den Keyboards, John Avila am Bass, Michael Leasure an den Drums sowie Brett Smith Daniels als zweiter Gitarrist. Das Highligt seines fünf Songs umfassenden Sets ist „Say Goodbye To The Blues“, was er John Mayall widmet und mit Standing Ovations für seine starkes Solo belont wird. Auch wenn der Auftritt mit 30 Minuten sehr kurz ist, sieht man den Musikern an, mit welchem Spaß sie die Stücke darbieten und die gute Stimmung in der Arena regelrecht aufsaugen.

Eine knappe halbe Stunde dauert die Umbaupause und das Licht in der Halle wird runtergefahren. Vom Band läuft „Ace Of Spades“ von Motörhead und im Dämmerlicht ist auf einmal Bewegung auf der Bühne zu erkennen. Im Rot-Gelben Scheinwerferlicht spielt die Band ein kurzes Intro um langsam in „Broken & Ugly“ überzugehen. Ein Spot ist in den hinteren Teil der Halle gerichtet, als Beth Hart mit den Vocals einsetzt. Unter dem Jubel der Fans bahnt sie sich, begleitet von ihrem Ehemann, den Weg durch die Sitzreihen, um angekommen am Bühnenrand, sich in der ersten Reihe auf einen der Stühle zu stellen und den Song mit einem Strahlen im Gesicht bis fast zum Ende in einer Traube von Fans zu singen. Zum Ende des Stückes geht sie auf die Bühne, wo sie noch einmal ihre Musiker freundschaftlich begrüßt. Schon zu diesem Zeitpunkt hat Beth Hart die Herzen der Fans erobert und es folgt ein emotionales Konzert von etwa zwei Stunden, in dem eine sehr vitale Hart ihre Extraklasse zeigt.

Dabei baut sie sieben Songs des erst vor wenigen Wochen erschienenen neuen Albums „You Still Got Me“ in die Setlist ein. So promoted man ein aktuelles Album und bietet den Fans im Vergleich zur vorherigen Tour ein besonderes Konzerterlebnis. Stark das groovende „Suga N My Bowl“ und bei „Machine Gun Vibrato“ zeigt sie eindrucksvoll ihre variable Stimme und wechselt zwischen gehauchten Gesang bis zu sirenenartigen Gesangspassagen. Als sie den Applaus am Ende des Songs scheinbar zu genießen scheint, ist ihr anzumerken, was es für sie bedeutet, das auch die neuen Songs beim enthusiastisch mitgehenden Publikum so gut ankommen, da alle Stücke für sie besondere Momente ihres Lebens beschreiben.

So auch „Drunk On Valentine“, was sie für ihren Mann geschrieben hat, der für sie auch in Zeiten, wo es ihr mental nicht gut ging, eine große Stütze war und auch ist. Das danach direkt „War In My Mind“ gespielt wird, spiegelt die Zerrissenheit Harts wider. Nur von Tom Lilly am Kontrabass begleitet schwankt sie am Klavier spielend zwischen melodiösen, melancholischen Passagen und Phasen, die gesanglich diabolisch herkommen. Da passt es sehr gut, dass sie nur mit Klavierbegleitung als Stimmungsaufheller eine wunderbare Version von „Mechanical Heart“ nachlegt, was eine fast träumerische und positive Aura in die Halle bringt.

Ein absolutes Highlight ist das direkt folgende „Sugar Shack“, wo sie und die Band am Bühnenrand sitzen. Tom Lilly wieder mit Kontrabass, Jon Nichols mit akustischer Gitarre und der eigentliche Star des Songs, Drummer Bill Ransom der ein minutenlanges Percussionsolo hinlegt, wofür es Standing Ovations gibt. Die starken Gesangspassagen von Beth Hart runden den Song ab.

Mit „Wanna Be Big Bad Johnny Cash“ bringt sie etwas CountryFlair in die Lanxess Arena und zeigt sich noch einmal extrem publikumsnah, indem sie die Bühne verlässt und wieder singend und tanzend, begleitet von ihrem Mann durch den vorderen Teil des Innenraums geht, um danach wieder auf der Bühne stehend und sitzend mit „You Still Got Me“ und „Savior With Razor“ zwei weitere neue Tracks zu spielen und sich mit einer spürbaren Dankbarkeit von den Fans zu verabschieden, die stehend die letzten Stücke verfolgt haben.

Sie lässt die Fans, die lautstark Zugaben fordern, auch nicht lange warten und es folgt das wunderschöne positive „Wonderful World“ vom aktuellen Album, was den ganzen Abend gewissermaßen widerspiegelt. Verabschiedet wird das Publikum, das knapp zwei Stunden Zuvor mit den Klängen von Motörhead begrüßt wurde, dann mit dem Hard Rock-Klassiker „Whole Lotta Love“.

So geht ein ganz besonderer Abend mit einer Beth Hart in absoluter Höchstform zu Ende, bei dem sie sich auch auf ihre langjährige Begleitband verlassen kann, die musikalische Extraklasse in die Lanxess Arena brachte. Eine sehr schöne Bühnenausleuchtung mit drei großen Videoleinwänden sowie ein bestens ausgesteuerter transparenter Sound sind an diesem Abend auch hervorzuheben.

Line-up:
Beth Hart – lead vocals & piano & acoustic guitar
Jon Nichols – guitars, backing vocals
Tom Lilly – bass
Bill Ransom – drums & percussion

Text & Bilder: Gernot Mangold

Beth Hart
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Walter Trout
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3dog entertainment
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Henrik Freischlader – 07.11.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Dass Henrik Freischlader zu den angesagtesten Blues-Musikern Deutschlands gehört, zeigt sich auch dadurch, dass der Schwarze Adler schon einige Wochen vor dem Konzert ausverkauft war.

Pünktlich um 20 Uhr betritt Freischlader mit seinem Bassisten Rene Pütz und Drummer Leon Mucke die Bühne und begrüßt sichtlich gut gelaunt die Fans, die ihn mit Applaus aufnehmen. Passend beginnt er das über zweistündige Konzert mit zwei Sets, indem er mit dem Titelsong „The Blues“ von seinem ersten Album quasi die Überschrift des Abends setzt, um mit „Free“ direkt den Bogen zum letzten Studiowerk zu spannen. Die Songauswahl ist so geschickt gewählt, dass sich die gesamte Energie des Powertrios entladen kann.

Freischlader setzt mit zahlreichen oft minutenlangen Soli Akzente und heimst dafür mehrfach verdienten Szenenapplaus ein. Aber auch seine beiden Bandmitglieder zeigen neben der Rhythmusarbeit in kurzen Soloeinlagen und zum Ende des Konzertes mit einem mehrminütigen Bass- und Drumsolo, wo Freischlader ihnen die Bühne überlässt, das sie ihre Instrumente perfekt einzusetzen wissen.

In einem Konzert ohne Längen, wenn man von den langen aber abwechslungsreichen Gitarrensoli einmal absieht, begeistert die Band mit Tracks wie „Disappointed Woman“, „The Bridge“ oder „The Sky Is Crying“, um mit einer entfesselten Version von „Foxy Lady“ als Zugabe einen hochklassigen Bluesabend unter dem tosendem Applaus der Anwesenden im Schwarzen Adler zu beenden.

Line-up:
Henrik Freischlader – vocals, guitar
Rene Pütz – bass
Leon Mucke – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Schwarzer Adler, Rheinberg

Joe Flip – Old Soul: Live – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Joe Flip, ein mir bis dato mir völlig unbekannter amerikanischer Bluesrocker, dessen Markenzeichen es ist, auf handgefertigten Gitarren aus Ölkanistern zu spielen, stellte Ende September sein drittes Album vor. „Old Soul: Live“ heißt das Werk, auf dem er sich an Blues- und Blues Rock-Klassikern der letzten Jahrzehnte von Stevie Ray Vaughan („Pride and Joy“), Jimi Hendrix („Little Wing“, „Voodoo Child“), Ray Charles („Mess Around“), ZZ Zop („Tube Snake Boogie“, „Tush“, Just Got Paid“, „La Grange“), Freddy King („I‘m Tore Down“), Robert Nighthawk („Anna Lee“), Johnny Otis („Willie and the Hand Jive“) und Elmore James („The Sky Is Crying“) in teils elegischer Breite abarbeitet, alle in einem Club live gespielt und aufgenommen.

Die meisten der Songs kommen schweißtreibend und mit einer ungestümen Spielfreude daher und verleiten unwillkürlich zum Mitzappeln, wobei sie ihre Nähe zum den Originalen nicht verleugnen, aber dennoch Joe Flips Handschrift tragen. Einzig „Anna Lee“, in der Urfassung ein traditioneller Slowblues von Robert Nighthawk aus dem Jahr 1949, verwandelt sich unter den Fingern von Joe Flip in ein wildes und furioses, kaum wieder erkennbares Instrumentalstück. Das absolute Gegenstück dazu ist Elmore James‘ ruhige Komposition „The Sky Is Crying“ von 1960, die Joe Flip in ein modernes Gewand im Stil des Chicagoblues packt.

Die übrigen Tracks sind wie gesagt bekannte Knaller, in den denen der amerikanische Bluesrocker eindrucksvoll beweist, dass er nicht nur auf hohem Niveau Gitarre spielen kann, sondern auch stimmlich überzeugt. Insgesamt ein feines Album für flippige Blues Rock-Aficionados.

Tracks:
01. Pride And Joy
02. Little Wing
03. Mess Around
04. Just Friends
05. Tube Snake Boogie
06. I‘m Tore Down
07. Anna Lee
08. Willie And The Hand Jive
09. The Sky Is Crying
10. Tush
11. Just Got Paid
12. La Grange
13. Voodoo Child (Slight Return)

Joe Flip
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Samantha Fish – 20.10.2024 – Kantine, Köln – Konzertnachlese

Im letzten Jahr brachte Samantha Fish mit Jesse Dayton den „Death Wish Blues“ auf die hiesigen Bühnen. Jetzt geht sie wieder solo auf Tour und macht den Schritt von Clubs auch in größere Locations wie die Kantine in Köln. Kurz nach 20 Uhr betritt Fish mit ihrer Band bei gedämpftem blauen Licht und wabberndem Nebel die Bühne in der Kantine.

Direkt geht das Frontlicht auf Samantha Fish, die mit enger schwarzer Lederhose und Lederweste die Fans charmant begrüßt. Wer sie allerdings auf ihr Outfit reduziert, wird der Musikerin aus Kansas nicht gerecht. Mit einer weißen Gibson SG, die im Kontrast zur schwarzen Kleidung zu glänzen scheint, sorgt mit dem rockigen „Kick Out The Jams“ direkt für beste Stimmung. Der gut abgemischte Sound lässt auch ihre Stimme zur Geltung kommen.

Bassist Ron Johnson und Jamie Douglass an den Drums sorgen für eine fette transparente Rhythmusgrundlage, auf der sich Fish mit diversen staken Soli austoben kann. Mickey Finn an den Keyboards unterlegt die Songs mit einigen Klangteppichen, kann aber auch mit Solopassagen glänzen, wo er sich zuweilen mit Fish die Noten hin und her schmeißt.

Ein Highlight ist „Bulletproof“, wo sie slidend über ihre Zigarrenbox-Gitarre fegt. Einen Kontrast zu den meist härter gespielten Stücken bildet „Need You More“, wo sie zur Akustikgitarre greift und für einen Moment etwas Tempo aus der Show nimmt.

In einer über 10-minütigen Version von „Black Wind Howlin´“, haben alle Musiker in jammenden Phasen die Möglichkeit sich zu ‚zeigen‘ und individuelle ihre Spielstärke in den Vordergrund zu stellen. Fish fegt auch hier zeitweise slidend über die Saiten ihrer Supro Belmont Red. So beendet Samantha Fish mit ihrer Band unter frenetischem Applaus zunächst den Gig. Lautstarke Zugabeforderungen sorgen dann dafür, dass die Band schnell wieder auf die Bühne kommt.

Mit dem rockigen „Goin´Down South“ beendet Fish das Konzert, wie sie es begonnen hat, mit der weißen Gibson SG. Der angedeutete Blitz auf dem schwarzen Gitarrengurt kann symbolisch dafür gesehen werden, dass sie mit ihrer Band wie ein Gewitter über die Kölner Kantine gezogen ist und so in der Domstadt Werbung in eigener Sache gemacht hat, sodass sich beim nächsten Mal aus einer ansehnlich gefüllten Kantine eine proppevolle Kantine entwickeln wird. Dieser engagierte Auftritt hätte das auch schon verdient gehabt.

Line-up:
Samantha Fish – guitars, vocals
Ron Johnson – bass
Jamie Douglass – drums
Mickey Finn – keyboards

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Samantha Fish
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3Dog Entertainment
Kantine Köln

Julian Sas – 19.10.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertnachlese

Julian Sas sorgt im Schwarzen Adler in Rheinberg für ein ausverkauftes Haus. Der Opener „Home Feelin´“ ist gut gewählt und vom ersten Moment ist zu sehen, dass die Bühne für Julian quasi das Wohnzimmer ist, in dem er alles tut, seine Gästen etwas zu bieten. Dabei ist der Schwarze Adler für ihn etwas wie ein Heimspiel. Mit seiner Band kehrt er zu seinem 30-jährigen Bühnenjubiläum musikalisch wieder zu seinen Wurzeln als Powertrio zurück.

Mit Edwin van Huik am Bass und Lars-Erik van Elzakker an den Drums hat er kongeniale Mitmusiker, die auf der Bühne zu einer Einheit verschmelzen und bei vielen jammenden Phasen auf den Punkt wieder in den eigentlichen Song zurückfinden. Die Energie auf der Bühne springt sofort auf das begeistert mitgehende Publikum über, was die Niederländer scheinbar nochmals anzustacheln scheint.

Die rasante Fahrt wird nur einmal kurz vom melancholischen „Fallin´From The Edge“ unterbrochen, was seinem ehemaligen Bassisten gewidmet ist. Selbst dieser auf dem letzten Album leicht balladeske, noch mit Keyboards eingespielte Song, bekommt in der neuen Besetzung der Band einen raueren Charakter.

In einem abwechslungsreichen Konzert in zwei Sets mit über zwei Stunden Dauer, kommt durch die Variabilität der Songs keine Langeweile auf. Es geht vom Blues über Boogie zu Hard Rock und selbst Southern-stylische Soli entlockt er seinen Gitarren. Mit einer Extended-Version von „Hey Joe“, den hard rockigen „The Devil Got My Number“ und dem legendären „Bullfrog Blues“ beendet er mit einem finale furioso einen starken, schweißtreibenden Blues Rock-Abend im Schwarzen Adler.

Sas kündigte während des Konzerts schon an, dass man sich nächstes Jahr wiedersehen werde. Dann wird er ein neues Album, das erste, das er in der aktuellen Besetzung eingespielt hat, dabei haben. Wie gewohnt ließen es sich Julian und seine Band nicht nehmen, ausgiebig für die Fans nach dem Konzert für Smalltalk und Fotos bereit zu stehen.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric guitar)
Edwin Van Huik (bass)
Lars Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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On Stage Group
Schwarzer Adler, Vierbaum