Luke Winslow-King – Flash-A-Magic – Album-Review

Review: Michael Segets

Luke Winslow-King hatte 2018 mit seinem Konzert in der Kulturrampe einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Perfekt abgestimmt mit dem Gitarristen Roberto Luti promotete er sein damals aktuelles Album „Blue Mesa“. Seitdem sind ein paar Jahre ins Land gegangen. Er veröffentlichte „If These Walls Could Talk“ (2022) über Ghost River Records und kehrt nun mit seinem aktuellen Longplayer „Flash-A-Magic“ zu Bloodshoot Records zurück.

Die Musik des ausgebildeten Jazz-Gitarristen bewegt sich hauptsächlich zwischen Blues, Rock und Americana. Auf „Flash-A-Magic“ schmuggelt sich aber mit „Black Eyed Gypsy“ eine Art Calypso dazwischen. Dem Titelsong selbst gibt Winslow-King eine Soul-Note mit. Das Hauptaugenmerk der legt er aber auf dem Blues Rock, wie das vorab ausgekoppelte „If I Where You“ bereits andeutet – ein Song über besserwisserische Ratschläge, auf die man gerne verzichtet.

Mit „Everywhere You Go There You Are“ steigt der Longplayer ein. Die swampige Bluesrock-Nummer wird auf Konzerten sicher das Publikum mitnehmen. In eine ähnliche Kerbe schlägt „Ave (Steel Rail Angel)“. Hier greift Winslow-King, der seine Wahlheimat in New Orleans gefunden hat, auf die Begleitung durch ein Klavier zurück. Ansonsten dominieren die Gitarren, die beispielsweise kurz – aber stimmungsvoll – „Best Be Leavin‘“ eröffnen. Auch beim treibenden „Peaches“ überzeugt die Gitarrenarbeit.

Winslow-King legt die Songs unterschiedlich an und gestaltet sie dann an einigen Stellen mit feinen Ideen aus, ohne dass sie ihre Struktur verlieren. So integriert er ein Slide-Solo in die Americana-Ballade „How Could I Forget“. Der Song hätte sich auch auf „Blue Mesa” nahtlos eingefügt. Der reduzierteste Track ist „Good Morning“ – ein ruhiger und sanfter Abschluss eines eher rockig gehaltenen Longplayers.

Luke Winslow-King legt bei „Flash-A-Magic“ einen Schwerpunkt auf den Blues Rock, der durch ein paar Balladen angereichert wird. In seinem melodiösen Songmaterial variiert er den Sound und flechtet kurze, abwechslungsreiche Instrumentalpassagen ein, sodass das Album an keiner Stelle langweilig wird.

Bloodshot Records (2024)
Stil: Blues Rock and more

Tracks:
01. Everywhere You Go There You Are
02. Flash-A-Magic
03. If I Where You
04. Black Eyed Gypsy
05. Peaches
06. Ave (Steel Rail Angel)
07. How Could I Forget
08. Best Be Leavin’
09. Good Morning

Luke Winslow-King
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Bloodshot Records
v2 Promotion

The Cold Stares – 29.08.2024, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Im zumindest ansehnlich gefüllten Musiktheater Piano eröffnen The Cold Stares die Spätsommer- und Herbstkonzerte in Lütgendortmund. Im Vergleich zum letzten Auftritt wird damit die Besucherzahl mehr als verdoppelt und auch die Band hat sich verändert. Aus dem Powerduo ist jetzt ein Powertrio geworden, was den Songs noch einmal ein größeres Volumen verleiht.

Im Gepäck haben die Amerikaner das in wenigen Tagen herauskommende tolle Album „The Southern“ (Review folgt zeitnah), das sie mit vier Songs auf der Setlist auch promoteten und den Fans vorab schon einmal auf der Tour anbieten können. Was die Drei dann zeigen, ist beachtlich. Im Vordergrund steht Chris Tapp mit seiner markanten und ausdrucksstarken Stimme, der durch den Bassisten noch mehr Möglichkeiten im Gitarrenspiel hinzugewonnen hat.

Dabei spielt er seine Soli auf den Punkt, von knallhart bis hin zu gefühlvoll, wobei die ruhigen Passagen an dem Abend eher die Ausnahme bildeten. Getrieben von der Rhythmussektion Bryce Klueh am Bass und Brian Mullins an den Drums fegt die Band eher mit knallharten Rock mit einigen Blues- und Southern-Einflüssen durchs Piano und sorgt für beste Stimmung im Laden.

Da ist es klar, dass es sich die drei Musiker nicht nehmen lassen sich, schon wenige Minuten nach der Show, am Merchandising-Stand einzufinden, um von den Fans gekaufte Alben mit ihrer Unterschrift zu veredeln und für Smalltalk und Erinnerungsfotos zur Verfügung zu stehen.

So endet ein toller Konzertabend, an dem The Cold Stares Werbung in eigener Sache gemacht haben und bei der Stimmung unter den Fans mit Sicherheit gerne wieder ins Piano zurückkehren.

Line-up:
Chris Tapp – vocals, guitar
Brian Mullins – drums
Bryce Klueh – bass, keyboards

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

The Cold Stares
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Musiktheater Piano

Elles Bailey – Beneath The Neon Glow – CD-Review

Ihre britische Kollegin Adele tritt dieser Tage zehn Mal in einem für 80.000 Zuschauer ausgelegten, eigens konstruierten Stadion in München auf, vermutlich alle samt ausverkauft. Was für einen Wahnsinn lässt sich die Menschheit zur Bespaßung der Leute eigentlich noch alles einfallen? Aber so funktioniert unser System nun mal, wo eine Nachfrage existiert, wird diese auch in der Regel gewinnbringend bedient.

In Falle unserer Protagonistin Elles Bailey frage ich mich allerdings schon seit geraumer Zeit, was besagte Adele in Wirklichkeit dieser eigentlich so viel voraus hat, außer dass sie schon ein paar Jährchen länger im Geschäft ist und scheinbar bessere Verbindungen besitzt. 

Womit wir dann beim neuen Werk „Beneath The Neon Glow“ wären, ihr nunmehr viertes Studioalbum, in dem sie sich mit den Tiefen des Herzschmerzes, der Widerstandsfähigkeit der Freundschaft und der anhaltenden Kraft der Liebe, die ein ganzes Leben währt, thematisch auseinandersetzt.

Musikalisch umspannt die Engländerin mit ihrer variablen rauchigen Stimme im Stile einer Bonnie Raitt den Bogen wieder von Rock, Pop, Soul, Country bis hin zu Southern Rock-Elementen.  Schon beim flotten,  souligen Countryrocker als Opener „Enjoy The Ride“ gibt sie die Marschrichtung vor.

Mit den beiden folgenden Ohrwürmern „Ballad Of A Broken Dream“ und „Leave The Light On“ offeriert sie ihr fantastisches Songwriting-Potential, Das southern-trächtige E-Gitarren-Solo von Joe Wilkins bei letztgenanntem Track, ist das krönende Tüpfelchen meines persönlichen Favoriten dieses Longplayers.

Besonders gut gelungen ist diesmal auch der schöne Wechsel zwischen  flockigen Nummern wie das herrlich groovende „1972“, das treibende „Truth Ain’t Gonna Save Us“, „If This Is Love“ (da kommt auch ihr britischer Humor bestens durch: „If This Is Love, I don’t wanna love anymore!“) oder das von coolen E-Piano-Klängen, Akustik-Gitarren und gospeligen Background Vocals getragene, soulig groovende „Love Yourself“ und dem gegenüberstehend die sehr atmosphärisch, zum Teil Gänsehaut erzeugenden Lieder wie „Silhouette In A Sunset“ (ganz großartig!), „Let It Burn“ sowie das abschließende, mit molligen Piano-Tönen untermalte, dezent düstere „Turn Off The News“ als beeindruckender Abschluss des von Dan Weller (Enter Shikari) produzierten Silberlings.

„Ich mag für einige Leute neu sein, aber ich bin schon eine ganze Weile dabei. Ich bin nicht hier, um ein kurzes Strohfeuer zu entfachen. Ich will eine langfristige Karriere in der Musik. Ich liebe, was ich tue. Ich liebe es, dass ich es in die ganze Welt tragen kann. Wenn ich also damit weitermachen kann und einfach vor einem größeren Publikum spielen und weiter wachsen kann, dann ist es genau das, was ich tun werde“, so die sympathische Britin über sich selbst.“

Auch wenn es sicher nicht zu den anfangs erwähnten Dimensionen für Elles Bailey reichen wird, mit dem bis dato stärksten Album ihrer Karriere „Beneath The Neon Glow“ hat sie wieder mal unseren Geschmack eindrucksvoll getroffen und sich die nächste Lobeshymne in unserem Magazin gesichert. Und in diesem wichtigen Punkt ist sie Adele dann auf jeden Fall um Längen voraus…

Cooking Vinyl Records (2024)
Stil: Rock/Country/Roots/Southern (Pop)

01. Enjoy The Ride
02. Ballad Of A Broken Dream
03. Leave The Light On
04. 1972
05. Silhouette In A Sunset
06. Truth Ain’t Gonna Save Us
07. If This Is Love
08. Let It Burn
09. Love Yourself
10. Turn Off The News

Elles Bailey
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Oktober Promotion

Scott Weis Band – Live in Europe – CD-Review

Die Scott Weis Band sahnte selbst zu meiner eigenen Überraschung im letzten Jahr unseren Titel des‘ Interpreten des Jahres‘ ab. Ein tolles Studioalbum und ein sehens- und natürlich besonders hörenswerter Gig im Dortmunder Blue Notez Club gaben dafür den Ausschlag.

Während der Tour in unseren Sphären wurde, wie sich jetzt herausstellte, fleißig mitgeschnitten. Allerdings nicht mit den aufwendigen Mitteln, die üblicherweise bei der Erstellung eines Live-Albums verwendet werden, sondern lediglich mit vier Mikrophonen und einem 2 Track Board Mixer.

Da sie von vielen Fans gespiegelt bekommen hatten, dass ein Live-Werk ’ne tolle Sache wäre, hatte man sich dann am Ende zur Veröffentlichung einer CD mit Bootleg-Charme früherer Zeiten mit dem Titel „Live In Europe“ entschieden. Auch wenn ich nicht unbedingt ein Freund solcher Produkte bin, so hat sie doch, aufgrund der Tatsache, dass auch zwei Tracks aus dem Blue Notez enthält, (das fulminat rockende „Right Where It Belongs“ und herrliche Cover „Have You Ever Loved A Woman“ mit herrlicher Harpeinlage von Scott) einen ungeahnten Wiedererkennungswert für mich persönlich, der dem Gig leibhaftig beigewohnt hat. 

Ansonsten erhält die Scheibe noch Aufnahmen aus der Tenne in Oederan,, dem Raven in Straubing und dem Kultur-Bahnhof in Olsberg. Auch wenn die Abmischung nicht die tollste ist, Weis‘ eigentlich kräftige Stimme, wirkt hier bis auf wenige Ausnahmen sehr hintergrundlastig, bekommt man ganz schnell ein gutes Abbild der ungemeinen Spiel- und Gesangsfreude (Im Blue Notez war er sogar von einer Erkältung mitgenommen) des Fronters, und der Schlagkräftigkeit seiner Rhythmusfraktion, bestehend aus Robert Kopec am Bass und Roger Voss m Schlagzeug.

Allein die grandiose Adaption von Chris Stapletons „Tennessee Whiskey“  und der wunderbare Schwofer „Something Is Wrong With My Baby“ sind schon den Kauf der Scheibe wert. ZZ Top kann das Trio auch, wie es „Jesus Just Left Chicago“ eindrucksvoll im vorderen Teil offenbart.

Leute mit einem Faible für launig gespielten Blues Rock mit viel Southern-Esprit und unendlich vielen quirligen E-Gitarren-Soli, die es gerne authentisch haben und nicht die Ultra-Sound-Fetischisten sind, werden die Scheibe genießen. Und für diejenigen, die bei den Gigs dabei waren, stellt sie in jedem Fall eine schöne Erinnerung dar, mit der man die Band auch weiterhin unterstützt.

Eigenproduktion (2024)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Raise Your Hands
02. All Over Again
03. Jesus Just Left Chicago
04. Tennessee Whiskey
05. Simmer Me Down
06. Pride And Soul
07. Mindless
08. Into Your Eyes
09. Something Is Wrong With My Baby
10. Motherless Child
11. Bitch Please
12. Right Where It Belongs
13. Promise Land
14. Have You Ever Loved A Woman

Scott Weis Band
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Dennis Jones – About Time – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Seit 2003 hat Dennis Jones, der schon für Johnny Winter, Buddy Guy, George Thorogood und Tinsley Ellis als Opener aufgetreten ist, insgesamt sieben erfolgreiche CDs und eine DVD auf seinem eigenen Label Blue Rock Records veröffentlicht. Und nun hat er sein neuestes Werk „About Time“ am Start, seit dem 28. Juni steht es in den Regalen.

Musikalisch ist Dennis Jones fest im Blues Rock der 70ger Jahre verankert, was man den zehn Songs dieses Longplayers auch deutlich anhört. All seine Mitstreiter auf „About Time“ sind namhafte Größen aus der Blues- und Rock Szene. So sind z. B. Paulie Cerra am Saxophon (Joe Bonsmassa, Keb‘ Mo‘) und Robert McDonald am Bass (u. a. Johnny Guitar Watson) mit dabei.

Dennis Jones liefert wilde Gitarrensoli sowie sägende und jaulende Gitarrenriffs, teilweise gepaart mit starken Saxophoneinlagen von Paulie Cerra und dezenten Background Vocals von der Sängerin Nio Wilson und dem Bassisten Robert McDonald. Jones‘ kräftiger aber auch gefühlvoller Gesang ist dabei immer präsent und besticht durch seine manchmal aufblitzende stimmliche Nähe zu Jimi Hendrix. Bis auf „Mother Earth“ (im Original von Memphis Slim) hat Jones alle Songs des Albums selbst geschrieben.

Dies ist auch neben dem leicht balladesken „More Time“ das einzige, etwas ruhigere Stück auf der Scheibe. Die übrigen Songs gehen ziemlich straight vorwärts und bewegen sich nur selten im gemäßigten Midtempo Bereich. „Too High To Fly“ ist ein schönes Beispiel dafür. Ein Chicagoblues mit Hintergrundchor und Keyboardunterstützung. Etwas heraus ragt ebenfalls auch „Just Like You“. Die Nummer kommt als flotter Shuffle mit Boogie-Attitude daher.

Für Freunde der härteren Gangart mit Hang zu Hendrix und Co. ist Dennis Jones‘ neue Scheibe „About Time“ sicherlich ein Must-Have. Alle anderen Musikfreunde sind möglicherweise von den derart vielen und geballt auftretenden wilden Gitarrenriffs bereits nach einmaligem Hören genervt. Leute mit einer Affinität zu wildem Hard Rock werden allerdings die CD als Glücksfall sehen und sie begeistert in ihre Sammlung einreihen.

Blue Rock Records (2024)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Condition Blue
02. Don‘t Stop
03. You‘re Killing Me
04. Mother Earth
05. Too High To Fly
06. Just Like You
07. Always The Same
08. Hell
09. More Time
10. Six Feet Off The Ground

Dennis Jones
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Joe Bonamassa – Live At The Hollywood Bowl With Orchestra – BluRay-/CD-Review

Review: Jörg Schneider

Einmal im kultigen Hollywood Bowl aufzutreten, ist nach eigenem Bekennen schon immer der Traum von Joe Bonamassa gewesen. Letztes Jahr im August hat er ihn sich dann erfüllt und ist dort mitsamt Orchester zu Gast gewesen. Das gesamte Konzert wurde nicht nur aufgenommen, sondern auch als Video mitgeschnitten und erscheint nun mit etwas Verschiebung (ursprünglich war der 17. Mai als VÖ geplant) als CD/DVD bzw. CD/BluRay und Doppel-LP (Vinyl, 180-Gramm) sowie in anderen digitalen Formaten.

Mit dem Live-Album liefert Joe Bonamassa eine unvergleichliche Mischung aus Blues, Rock und Klassik ab. Die orchestrale Unterstützung aus 40 Musikern, darunter so namhafte Hollywoodmusiker wie z. B. David Campbell, Trevor Rabin und Jeff Bova, sorgt auf jeden Fall für einen satten, vollen Sound, bei dem alle Instrumente, nicht nur die des Orchesters, klar identifizierbar sind.

Fast alle der insgesamt elf Titel sind mindestens 7 Minuten lang, was genügend Raum für grandiose Orchesterarrangements lässt und die Songs für seine Fangemeinde neu erlebbar macht. So ist z. B. der „24 Hour Blues“ eine absolut elektrisierende Live-Version des Bobby „Blue“ Bland Klassikers, der auch auf Bonamassa’s aktuellem Studioalbum „Blues Deluxe Volume 2“ vertreten ist.

In der Vergangenheit gab es bislang nur, abgesehen von einzelnen Jazz-Rock-Gruppen wie die legendären „Blood, Sweat And Tears“, wohl nur zwei echte Rockbands, die Rock und Klassik kombiniert haben. Und das ist schon verdammt lang her. Da waren Deep Purple mit ihrem Live-Album „Concerto For Group And Orchestra with The Royal Philharmonic Orchestra“ (1969) und die Progressive-Rock-Band The Nice, insbesondere auf ihrem 1968‘er Studioalbum „Ars Longa, Vita Brevis“. Viele solcher Ansätze hat es bis dato also nicht gegeben. Insofern kann „Live At The Hollywood Bowl with Orchestra“ mit Recht als weiterer Meilenstein in der Karriere von, und dieses Wortspiel sei hier erlaubt, Tausendsassa Bonamassa betrachtet werden.

Obwohl das Album musikalisch eine absolute Perle ist, werden eingefahrene Hardcore-Bluespuristen aller Voraussicht nach eher nicht zum Kauf schreiten.

Für Bonamassa-Fans sowie alle, die bereit sind etwas über den Tellerrand des Blues (Rocks) hinauszuschauen, wird es allerdings mit Sicherheit eine kleine Offenbarung sein.

Eine Genuss ist auch der einer auf BluRay-Disc veröffentlichte Konzertmitschnitt. Diesen gibt es zusammen mit einem wertigen, 20-seitigen Booklet und einer CD in einem nett gestalteten Schuber. Die BluRay-Disc startet obendrein mit einem sehr schönen Klassikintro und ist optisch sowie klanglich ein Leckerbissen, der die tolle Live-Atmosphäre in der Hollywood-Bowl und natürlich auch Bonamassas Gesang und seine Gitarre kraftvoll rüberbringt. Daher: volle Punktzahl für eine Kaufempfehlung!

Provogue Records/Mascot Label Group (2024)
Stil: Blues

Tracks:
01. One Door Overture
02. Curtain Call
03. Self Inflicted Wounds
04. No Good Place
05. Ball Peen Hammer
06. The Last Matador
07. Prisoner
08. Heartaches
09. John Henry
10. 24 Hour Blues
11. Sloe Gin

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Black Country Communion – V – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die ruhelose Umtriebigkeit des US-Blues-Rock Gitarristen und Songschreibers Joe Bonamassa hat nach langen Jahren das Bandprojekt Black Country Communion (BCC) wieder ins Studio geholt. Die Reunion bringt mit dem Album “V” die spannende Vitalität der Supergruppe zurück auf den Plattenteller. Zur Erinnerung: BCC wurde 2010 von Joe Bonamassa (Guitar und Vocals), Glenn Hughes (Vocals und Bass), Jason Bonham (Drums) und Derek Sherinian (Keyboards) gegründet. Seitdem sind vier Studio- und ein Live-Album entstanden, sowie die Kompilation “The Story So Far”.

Der mit 72 Jahren unverändert stimmgewaltige Glenn Hughes ist nach einer Interimszeit bei The Dead Daisies (und zwei Longplayern) wieder in die erste Reihe des Rampenlichts zurückgekehrt. Auch Drummer Jason Bonham hat seinen “Ausflug” zur Band von Sammy Hagar ausklingen lassen und Derek Sherinian war mit seinen Projekten (u. a. Sons of Apollo) ausgelastet. Bonamassa konnte derweil mit seinen Solo- und Side-Aktivitäten vier Top 10 Alben in Europa einfahren. Eine größere Zahl von Tournee- und Gastperformances (z. B. mit Beth Hart, Joanne Shaw Taylor, Orianthi), sowie diversen Beschäftigungen als Produzent, Songwriter etc., waren zu bewältigen. “V” musste daher etwas länger warten.

Gelohnt hat es sich jedoch allemal, denn die Lead-Single “Stay Free” erfüllt bereits durchweg die hohen Erwartungen: funkig, bombastisch, guitar-rockin‘ mit der unverwechselbaren Stimme von Glenn Hughes. Anregungen von Led Zeppelin– und Stevie Wonder-Songs finden ihre Reminiszenzen in neuen, kreativen Synergien. Gleichwohl ist “Stay Free” ein authentischer Powerhouse-Track geworden. Diese 70er Jahre Hard-Rock-Energie wird in “Red Sun”, der zweiten Single-Auskopplung, kongenial übergeleitet. Purer Rock-Spirit aus den besagten Gründerjahren, den Glenn Hughes u. a. mit Deep Purple prägte und nun fast Soundgarden-like in moderner Rockperfektion charakterisiert.

Produziert wurde das Ganze übrigens wieder von Kevin Shirley, einem langjährigen Wegbegleiter der Band. In einem kurzen Beitrag bringt Shirley die Begeisterung auf den Punkt: “Sie haben sehr schnell einen einzigartigen Sound gefunden. Diesmal ist er zielgerichteter, die Riffs sind härter, und es gibt Hooks. Es ist das zusammenhängenste Album, voller Seele und Härte, und ich denke, es wird der Maßstab für Black Country Communion sein!” Herausgekommen sind dabei kantig – groovende Songs, z. B. “Enlighten” oder “You’re Not Alone” oder epische Rockballaden, z. B. “Love And Faith” und “Restless”, die ihren Earcatcher-Status im Vergleich zu berühmten 70er Jahre Vorbildern behaupten können. Heimlicher “Hauptdarsteller” der gesamten Tracklist ist dabei Sänger Glenn Hughes, der auch im letzten Stück “The Open Road” den brillanten Bonamassa-Guitar-Parts seine Great Voice of Rock entgegen hält.

Mit unbändiger Dynamik und kompromissloser Verkörperung einer modernen Fusion aus Classic-UK-Hard Rock und US-Blues Rock Elementen haben Black Country Communion beeindruckende Aufnahmen geschaffen. “V” ist ein weiteres bemerkenswertes und wegweisendes Album, das ihre einzigartige Handschrift trägt.

Mascot Label Group/J&R Adventures (2024)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Enlighten
02. Stay Free
03. Red Sun
04. Restless
05. Letting Go
06. Skyway
07. You’re Not Alone
08. Love And Faith
09. Too Far Gone
10. The Open Road

Black Country Communion
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Markey Blue Ric Latina Project – Blue Eyed Soul – CD-Review

Dem Vorgänger-Album „Jumpin‘ The Broom“ des Markey Blue Ric Latina Projects hatte ich ja bereits ausführlich meine Bewunderung gezollt, jetzt liegt mit „Blue Eyed Soul“ der Nachfolger vor. Hinter dem Projekt steht das Ehepaar Jeannette Markey und Eric B. Latina, beides erfahrene Musiker, die sich über diverse andere Projekte kennen- und lieben gelernt haben und schließlich nun schon seit längerem gemeinsam zu Werke schreiten.

Während ich den letzten Longplayer noch im Southern Soul verortet hatte, geht es auf diesem Silberling eher in die klassische Richtung des bluesigen Souls, allerdings in der absoluten ‚Laidback‘-Variante. Tiefenentspannung ist größtenteils angesagt, meistens so sanft und geschmeidig, dass mir die gute Sade mit ihren smoothen Songs auch immer wieder im Kopf herumschwirrt.

Allein sechs der zwölf Tracks haben es auch wieder zu TV-Präsenz geschafft und selbst Stax-Gitarrenlegende Steve Cropper, hätte bei „Baby I’m Crying“ („I couldn’t get the song out of my head“) am liebsten direkt mitgezupft. Das beschriebene Terrain ist natürlich prädestiniert für Markeys tolle Stimme (die kann aber vermutlich wirklich alles singen)…, Latina, lässt dabei in typischer Manier seine transparenten E-Gitarrenklänge, untermalend, füllend oder filigran in Solo-Manier einfließen.

Die anderen Instrumente wie Drums, Bass, BGVs, Horns und Keys sind diesmal durch diverse weitere Musiker mehrfach und somit sehr variabel besetzt, wobei besonders die Keyboarder mit ihrem akzentuierten Spiel, als auch einige Bläserzutaten, ebenfalls einen entscheidenden Beitrag leisten.

Während Markey Blue dazu rät, sich beim Hören der Scheibe ein Glass Wein einzugießen, sich zurückzulehnen und sich von diesen chilligen Soul/Blues-Vibes berieseln zu lassen, würde ich dem eher träumerisch veranlassten Menschen auch den eiskalten Longdrink an Deck eines schönen Boots, das dem stimmungsvollen abendlichen Sonnenuntergang entgegensegelt, als Alternative ins Spiel bringen. Auf jeden Fall tolle höchstmelodische Soul-/Blues-Musik, um, wie auch immer, die Seele einfach mal baumeln zu lassen.

Soul O Sound Records (2024)
Stil: Blues / Soul

Tracks:
01. Crazy Without You
02. Raining Down On Me
03. So Much
04. Baby I’m Crying
05. Yes I Do
06. Set My Heart Free
07. When I Close My Eyes
08. Can’t Let You Go
09. Me Missing You
10. Come On
11. With You
12. What Am I Gonna Do

Markey Blue Ric Latina Project
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Joanne Shaw Taylor – Heavy Soul – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seit 2009 hat die UK-Blues-Rock-Gitarristin Joanne Shaw Taylor mittlerweile ihr 9. Studioalbum aufgelegt: “Heavy Soul” ist ein bluesrockig-souliges Schwergewicht, ein Meisterwerk mit populärmusikalischen Einflüssen. Aufgenommen wurden die 10 neuen Eigenkompositionen wieder in Nashville, dieses Mal in den altehrwürdigen RCA Studios. Gelohnt hat es sich jedenfalls, Toningenieur und Freund Kevin Shirley (u. a. auch Iron Maiden, Aerosmith, The Black Crowes), der bereits 2016 beim Longplayer “Wild” die Regler bediente, wieder ins Boot zu holen.

Die aktuellen Stücke, angeführt vom Top-Blues Rock und musikalischen “Seelenöffner” “Sweet ‚Lil Lies”, besitzen ein energiegeladenes zeitgemäßes „Outfit“, das keine Langeweile aufkommen lässt. Unbändige, über die gesamte Tracklist verbreitete Spielfreude, treibt auch in “Black Magic” den Rhythmus der Boogie Gospel-Nummer kraftvoll voran und durchzieht, wie ein roter Faden den hitverdächtigen, melodischen Ohrwurm “A Good Goodbye”. “Wild Love” bringt in Ansätzen die legendäre, späte Fleetwood Mac-Magie temporeich in den Hörgenuss und begeistert im Titelsong mit großartigen, souligen Blues Rock erster Güte und dem Flair südstaatlich klingender E-Solo-Passagen.

In einem Interview zu ihrem Konzert in Pittsburgh schildert Taylor die Leidenschaft ihres Vaters für die Musik von Charley Patton (verst. 1934), die ihr von Kindesbeinen an den Blues vermittelte. Für die damals 13-jährige war es jedoch die eigene Begeisterung für die Spielweise von Stevie Ray Vaughan und Albert Collins, die bis heute ihre Gitarrenmusik beeinflusst. Bei “Devil In Me” werden diese ausgeprägten Southern-Inspirationen zum Selbstläufer, eine rasante Demonstration für modernen Südstaaten-Rock.

Die ausgewogene Zusammenstellung der Songs lässt auch Balladenliebhaber nicht zurück. “All The Way From America” und “Someone Like You” sind grandiose Beispiele für die Schönheit der Stilrichtung. Zu dieser Spitzenkategorie der auffallenden Titel erwächst “Drowning In The Sea Of Love” als Soul-Blues Rock erster Sahne. Insofern bleiben die powervollen Lyrics und souligen Melodien ebenfalls beim Abschlusstrack “Change Of Heart” auf diesem hohen Niveau und erinnern hier im Gesang etwas an die späte Tina Turner – ein schöner Ausklang der ausgereiften Produktion.

Die über die Jahre mit vielen Auszeichnungen geehrte Joanne Shaw Taylor hat mit “Heavy Soul” eben nicht eine sentimentale Seelenstimmung gemeint, sondern ein lockeres, sprühendes, immer wieder aufweckendes Werk hingelegt, das nun bei Joe Bonamassas Journeyman Records erscheint. Eine Scheibe, nicht nur für soulig geneigte Blues-Fans moderner Interpretationen – ganz im Gegenteil ist “Heavy Soul” für alle ein Must-Have-Album, die musikalische Ideenwelt und kreative Gitarrenkunst auf der Basis von Roots Music lieben.

Journeymen Records (2024)
Stil: Blues Rock, Roots Rock

Tracks:
01. Sweet ‚Lil Lies
02. All The Way From America
03. Black Magic
04. Drowning In A Sea Of Love
05. A Good Goodbye
06. Heavy Soul
07. Wild Love
08. Someone Like You
09. Devil In Me
10. Change Of Heart

Joanne Shaw Taylor
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Another Dimension

Quinn Sullivan – Salvation – CD-Review

Quinn Sullivans Werdegang war nach dem Geschenk der ersten E-Gitarre in ganz jungen Jahren, wie sooft bei Musikern in den Staaten, im Prinzip schon vorprogrammiert, lediglich die Richtung, mutet angesichts der Tatsache, dass sein Vater über 30 Jahre Schlagzeuger in einer Grateful Dead-Coverband war, vielleicht etwas überraschend an.

Hier spielte dann doch der berühmte ‚Kommissar Zufall‘ eine gewisse Rolle, und zwar ein persönliches Treffen, mit Blues-Legende Buddy Guy nach einem Konzert, der den jungen talentierten Burschen fortan unter seine Fittiche nahm und viele Jahre in seine Tournee-Band integrierte.

Mittlerweile wandelt Quinn schon seit Längerem auf eigenen Pfaden und veröffentlicht jetzt mit „Salvation“ seinen bereits fünften Longplayer. Produziert hat der Multiinstrumentalist John Fields (Jonas Brothers, Pink, Har Mar Superstar), das Songwriting teilten sich Sullivan, Fields und Kevin Bowe (Jonny Lang, Kenny Wayne Shepherd, Etta James).

Die Eröffnung mit den beiden starken „Dark Love“ und „Rise Up Children“, die besonders auch Southern Rock-Liebhaber überraschen werden, dem dazwischen platzierten dezent progressiven Titeltrack (mit etwas KWS-Flair) sowie dem treibenden, im Refrain Steely Dan-umwehten „Don’t Wanna Die Today“ (mit grandioser E-Gitarrenpassage) beginnt zunächst fernab aller Radioambitionen.

Erst mit dem folgenden „Once Upon A Lie“ (mit schon fast an Bee Gees erinnernden Falsetto-Gesangsparts), über die die herrlichen „Leave No Love Behind“ und „Eyes On Me“ (beide mit unterschwelligem Eagles-Touch), das an gute alte Stretch-Tage erinnernde, funkige „Nothin‘ Gonna Change My Mind“ bis zum beatlesken „Half My Heart“ weitet Quinn das Spektrum in deutlich kommerziellere Gefilde aus.

Zum Schluss gibt es dann als Zugabe mit „Eyesight Of The Blind“ noch ein Live-Stück, wo der 24-Jährige samt seiner Band nochmals seine Rock-und Gitarren-Qualitäten zelebriert. Mann, was für eine E-Gitarrenpower!

Die Fähigkeit, knackigen Blues Rock mit radiotauglichen Hooklines und vielen filigranen und quirligen E-Soli zu kombinieren, auf der britischen Seite von Acts wie Aynsley Lister, Ben Poole, Laurence Jones vortrefflich repräsentiert, wird auf amerikanischer Ebene von Künstlern wie John Mayer, Kenny Wayne Shepered, Jonny Lang, aber auch jetzt wieder hier durch Quinn Sullivan mittels seines 5. Albums „Salvation“ fast schon lehrbuchmäßig vorgeführt.

Sullivan gelingt es mit Bravour, den Schmerz, verursacht durch den Verlust der Mutter, auf künstlerische Art und Weise zu verarbeiten und in positive Energie umzuwandeln. Dabei lässt er den Hörer an rockigen und melodischen Songs und vor allem an seinem exzellenten E-Gitarrenspiel teilhaben.

Der in New Bedford, Massachusetts, lebende Musiker selbst über sein Werk: „Meine Mutter hat mich bei dieser Platte begleitet. „Ich bin kein religiöser Mensch, aber Erlösung (Salvation) bedeutet für mich, sich selbst vor einer traumatischen Erfahrung zu bewahren. Das ist es, was dieses Album für mich getan hat. Diese Platte hat mich gelehrt, keine Angst davor zu haben, so zu sein, wie ich bin, die Stärke meiner Mutter durchdrang mich und gab mir das Selbstvertrauen, mich hinzusetzen und die beste Platte aufzunehmen, die ich machen konnte.“

Zu erwähnen ist auch das gelungene Cover Artwork des Klapp-Digipaks (samt eingelegtem Steckbooklet mit allen Songtexten) mit tollen Bildern des Protagonisten auf einer Klippe vor malerischer Meeres-Sonnenuntergangskulisse, sowie weiteren starken atmosphärischen Einzel-Aufnahmen des Künstlers.

Mascot Label Group (2024)
Stil: Blues Rock

01. Dark Love
02. Salvation (Make Me Wanna Pray)
03. Rise Up Children
04. Don’t Wanna Die Today
05. Once Upon A Lie
06. Better In Love
07. Leave No Love Behind
08. I Can’t Stay (& You Can’t Go)
09. Nothin‘ Gonna Change My Mind
10. Eyes On Me
11. Half My Heart
12. Eyesight Of The Blind (live)

Quinn Sullivan
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Mascot Records
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