Zu den Klängen von Hans Albers Reeperbahn-Song betritt die Hamburg Blues Band die Bühne mit dem Ton eines Nebelhorns eines Schiffs. Die Band nimmt von da an die Fans auf eine rasante Fahrt mit knackigen Rock- und Blues- Songs. Gert Langes prägnante Stimme bringt den Blues in die Stücke und im zweiten Teil des Konzerts stößt der mittlerweile 84-jährige Chris Farlowe dazu und zeigt, dass er stimmlich noch voll auf der Höhe und dazu noch ein humorvoller Entertainer ist.
Krissy Matthews fegt zuweilen wie ein Irrwisch über die Saiten und setzt mit seinen gold-glitzernden Schuhen für einen schmunzelnden Seitenhieb von Farlowe. Reggie Worthey am Bass und Eddie Filip an den Drums sorgen wie gewohnt für eine fette Rhythmusarbeit. Nach etwa 100 Minuten beendet das Nebelhorn die zuweilen emotionale musikalische Reise der Hamburg Blues Band an diesem Abend.
Neben den eigenen Songs wie „Stony Times“ oder „Try Me Again“ kann Matthews mit „Hairdrying Drummer Man“ einen eigenen Track beisteuern und auch Farlowe bringt mit „I´ll Sing The Blues For You“ und „Shaky Grounds“ eigene Stücke. Stark ist auch, wie die Band, neben einigen eingestreuten Coversongs, den Small Faces-Hit „All Or Nothing“ gewissermaßen wiederbelebt.
Die Fans, die an dem Abend im Piano waren, werden ihr Kommen nicht bereut haben, wer weiß, wie oft man Chris Farlowe noch als Gastmusiker begrüßen darf.
Line-up: Gert Lange (lead vocals, electric guitar) Krissey Matthews (lead guitar, vocals) Reggie Worthey (bass, vocals) Eddie Filip (drums) Special guest: Chris Farlowe (lead vocals)
Kommt Elles nicht zu uns, müssen wir halt zu Elles. Das war so ein wenig das Motto, als wir uns entschlossen, den Gig von Elles Bailey im niederländischen Arnheim zu besuchen. Nicht zuletzt auch wegen der schönen Location, aus der wir ja bereits diverse Male über andere Interpreten wie u. a. Sass Jordan oder KIng King schon berichtet haben.
Unser Weg führte uns aus organisatorischen Gründen durch Nijmegen und besagtes Arnheim und ich muss schon angesichts der Infrastruktur einen gewissen Neid attestieren. Unsere Nachbarn machen sehr vieles richtig, hier sitzen augenscheinlich Menschen mit Visionen in den entsprechenden Gremien.
Tempolimit auf Autobahnen, was ein entspanntes Fahren ermöglicht, futuristische Brücken, die man ohne mulmiges Gefühl unter- beziehungsweise überquert, gleiches gilt für die zentral gelegenen, elektrifizierten Bus-/Bahnhöfe und Parkhäuser, Fahrradwege mit breiten Abständen zum Autoverkehr, keine Schlaglöcher u den Straßen weit und breit, alte Häuser mit neuer Bausubstanz stilvoll vermischt. Eine Freude sich dort zu bewegen, währenddessen man in unseren Gefilden den Eindruck hat, dass in hiesiger Politik und den involvierten Amtsstuben, das einzig visionäre ist, wie man mit geringstem Aufwand und möglichst früh an die üppigen Pensionszahlungen gelangt.
In unserem Lande erreichte die hochtalentierte Protagonistin trotz aller Bemühungen (auch unsererseits) bis dato ein eher überschaubares Publikum, nach unserer Ankunft am Luxor Live mussten wir erkennen, dass für sie momentan auch im bluesbegeisterten Holland noch nicht die Bäume in den Himmel wachsen.
Ich hatte insgeheim auf einen ordentlich besuchten Hauptsaal gehofft, die Realität reichte aber nur für die kleine, aber feine Alternativ-Location, der sogenannte Bovenzaal, den wir zumindest jetzt auch mal kennengelernt haben, und der mit ca. 100 Besuchern, dann auch räumlich optimal, aber angenehm befüllt war.
Der flotte Opener „Enjoy The Ride“ vom aktuellen Album „Beneath The Neon Glow“ kam dann einer Ansage gleich, den Ritt durch ihr Programm samt gut ausgewählter Stücke ihrer bis dato erschienen Studio-Alben, voll zu genießen. Flockig ging es weiter mit „Leave The Light On“ und „Ballad Of A Broken Dream“ (Elles neben ihrem Keyboarder James Graham am Piano). Bei Tracks wie dem Retro-umwehten „1972“ oder dem ersten ruhigeren Track, „Silhouette In A Sunset“, hatte sie sich warm gesungen und legte im weiteren Verlauf eine grandiose Vokal-Performance hin.
Klasse dabei auch die immer wieder die akzentuierte Unterstützung durch die junge Demi Marriner in den Harmoniegesängen. Diese untermalte desweiteren die routinierte Rhythmusgebung des eingespielten Duos mit Matthew Jones an den Drums und Matthew Waer am Bass mit ihrem feinen Akustikgitarrenspiel. Letztgenannter wusste mit seiner Achtziger Kräusel-Haarpracht, Tom Selleck-Gedächtnis-Schnäuzer und rosa lackierten Fingernägeln auch optische Eindrücke zu hinterlassen.
Joe Wilkins, Baileys kongenialer Partner im musikalischen Bereich, brillierte natürlich wieder mit starkem E-Gitarrenspiel, wüste Slideeinlagen (u. a. bei „Hell And High Water“ und „Medicine Man“) und qiurlige Soli inbegriffen. Einfach nur famos die Gesangsvorstellung von Elles beim verzweifelt klingenden „What’s The Matter With You“, in der ihre ganze stimmliche Vehemenz bestens zum Vorschein kam.
Eines meiner Lieblingsstücke des Abends war das flockige „Truth Ain’t Gonna Save Us“, das man damals auch locker auf Fleetwoods Macs Megaseller „Rumors“ hätte packen können. Emotional wurde es bei „Let It Burn“, launig wieder bei „The Game“ und dem Ironischen „If This Is Love“ (mit klasse HT-Piano von Graham), entsprechend ihrer Erklärung, dass dieser Wellenverlauf bei ihren Konzerten ein typisches Merkmal sei.
Und kaum hatte man sich versehen, war mit dem starken „Riding Out The Storm“ samt furiosem Instrumentalausklang schon das Ende des Hauptteils erreicht. Klar, dass die begeisterte Audienz das Sextett nicht ohne Zugaben in den Feierabend schicken wollte.
Der Wunsch einer Zuschauerin den CCR-Klassiker „Long As I Can See The Light“ zu performen, scheiterte am Veto von Elles und ihrem Keyboarder, dafür wurde dann nach dem Gänsehaut erzeugenden atmosphärischen „Turn Off The News“ noch „Perfect Strom“ vom „Wildflower“-Album in einer bärenstarken Version als zusätzlicher Song zwischen den eigentlich nur zwei geplanten Zugaben aus dem Hut gezaubert.
Den herrlichen Rausschmeißer (inklusiv wildem E-Solo von Wilkins) bildete dann „Sunshine City“, wo die Fronterin wie es ja auch schon auf ihrem tollen Live-Album „Live At the Fire Station“ zu hören war, ihrer bis dato starken Mitsängerin Demi Marriner ein kurzes Leadgesangssolo-Intermezzo gewährte.
Aus meiner Sicht ein fulminanter Auftritt von Elles Bailey und ihrer hervorragenden Begleitband. Man kann nur hoffen, dass, auch wenn für sie wohl in unseren Breitengraden trotz überragender Leistungen erstmal weiter musikalisches ‚Klinken putzen‘ angesagt ist, bei diesem Gesangs und Songwriting-Talent der Durchbruch nur noch eine Frage der Zeit ist. Wir denken positiv und prognostizieren, dass beim nächsten Mal in Arnheim, der große Saal zum Zuge kommt.
Insgesamt wieder eine Reise in unser Nachbarland, die sich gelohnt hat, auch wenn wir auf der Rückfahrt kurz nach der Grenze noch das Vergnügen einer nächtlichen Polizeikontrolle über uns ergehen lassen mussten. Passend zu Ihrem aktuellen Bekanntheitsstatus war dann folgender Dialog: Polizist: „Wo kommen Sie her? Wir: „Von einem Elles Bailey-Konzert aus Arnheim. Polizist: „Kenn ich nicht.“
Line-up: Elles Bailey – lead vocals, piano, percussion Joe Wilkins – electric guitar, slide guitar, vocals Matthew Waer – bass, vocals Matthew Jones- drums James Graham – keys Demi Marriner – vocals, acoustic guitar, percussion
Jetzt ist es soweit, Teil 2 des „Dirt On My Diamonds“-Projekts von Kenny Wayne Sheperd steht zum Erwerb für die Blues Rock-Gemeinde an. .Zum ersten Mal in seiner langen Karriere war Shepherd gezwungen, neues Material zurückzuhalten, und er gibt zu, dass es eine Qual war, diese neuen Songs unter Verschluss zu halten. Bei den Proben klangen sie großartig, und wir konnten es kaum erwarten, sie zu spielen“, so der Protagonist.
Und in der Tat, KWS und seine Mannen bieten hier ganz großes Blues Rock-Kino. Acht schnörkellose Tracks, die nur so vor Kraft, Rauheit und Dreck strotzen und einen direkt gefangen nehmen. Allein der Auftakt mit den beiden wuchtigen bläsergetriebenen Nummern „I Got Woman“ und „In The Middle“ ist, in Kombination mit Kennys wüstem E-Gitarrenspiel, wie die Frau im Opener charakterisiert, ‚wild as a hurricane‘, sodass man froh ist, beim tollen Slowblues „My Guitar Is Crying“ (und Kenny lässt hier seine Gitarre im wahrsten Sinne des Wortes weinen) mal kurz ein paar Minuten durchatmen zu können.
Das war es dann aber auch mit Innehalten. Die restlichen fünf Tracks sind ein wahres Fest für Liebhaber des E-Gitarren-basierten Blues Rocks, wobei sich „Never Made It To Memphis“ (hier natürlich auch wieder mit für die Stadt typischen gezielten Bläsersätzen und unwiderstehlichen E-Gitarrensoli), mit den herrlichen Harmony Vocals von Corinna Gill, als mein persönlicher Favorit herauskristallisiert.
Apropos Gesang: Fall ich es richtig eruiert habe, scheinen sich Noah Hunt und Kenny die Lead Vocals im Wechselrhythmus ziemlich brüderlich zu teilen. Klasse gefällt mir auch die textliche Metapher „I hate to see you leavin‘, but I love to watch you go“ im von Noah Hunt gesungenen „Watch You Go“. Als Rausschmeißer gibt es am Ende noch eine schöne Coverversion von ZZ Tops „She Loves My Automobile“.
Fazit: Kenny Wayne Shepherd zaubert auf „Dirt On My Diamonds – Vol. 2“ weitere acht hochkarätige Song-Diamanten aus seiner Kreativschatulle, bearbeitet im bewährten modernen Blues Rock-Schliff, serviert von ihm samt seiner brillanten Mitstreiter und Co-Songwriter wie u. a. Marshall Altman (auch Co-Produzent) , Noah Hunt, Joe Krown, Chris Layton, Kevin McCormick, James LeBlanc, Jace Everett, und vielen mehr. Ein Blues Rock-Must Have!
Provogue Records (2024) Stil: Blues Rock
Tracks: 01. I Got A Woman 02. The Middle 03. My Guitar Is Crying 04. Long Way Down 05. Never Made It To Memphis 06. Watch You Go 07. Pressure 08. She Loves My Automobile
Andreas Diehlmann und seine Band überraschen uns seit 2017 regelmäßig und in schneller Folge mit neuen, starken Blues-Alben aus deutschen Landen. Nach dem Longplayer „Long Way To Go“ aus dem letzten Jahr kommt nun also ihr neuestes Opus „That Old Blues Again“ in die Läden. Und wieder ist dem Trio ein richtig, richtig guter Wurf gelungen, mit neun feinen Eigenkompositionen und einem Coversong von B. B. Arnold („I Wish You Would“). Allerdings ist dieser Song, warum auch immer, leider nur auf der CD-Version, sozusagen als Bonustrack, enthalten.
Das Album startet mit dem gut einminütigen Intro „Whiskey“, das den Hörer sofort in seinen Bann zieht und ihn förmlich die Gluthitze auf einem Kleinstadtbahnhof in den Südstaaten körperlich spüren lässt und anschließend in den hart rockenden und stampfenden Sound von „Whiskey And Women“ mit vielen Slideklängen überleitet.
Sehr fein! Und auch in dem folgenden, leicht funkigen, aber trotzdem vor Schweiß strotzendem „Gypsy Woman“ überzeugt Andreas Diehlmann, wie in den übrigen Tracks auch, mit seiner rauchigen Reibeisenstimme, die ja inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden ist. Richtig schön bluesig wird es mit dem sechsminütigem und Titel stiftenden Song „That Old Blues Again“, ein herrlicher Oldschool-Blues mit jaulenden Gitarrenlicks à la Gary Moore im Mittelteil.
Zur Halbzeit ist dann wieder heftig groovender Southern Rock angesagt. „Make Up Your Way“ kommt mit leichten ZZ Top-Anleihen daher und geht direkt in die Beine, was sich in der noch besser tanzbaren und vorwärts treibenden „Rock‘n‘Roll All Night“-Nummer fortsetzt und seinen vorläufigen Höhepunkt in der Coverversion von „I Wish You Would“ findet.
Eine wohlverdiente Pause können sich die Raver dann bei dem Slowblues „Pictures Of You“ gönnen, bevor Diehlmann und seine Jungens mit dem Southern Rocker „Come Undone“ das Tempo wieder merklich erhöhen. Und auch der letzte Song des Werks geht noch einmal so richtig in die Vollen. Der „Shotgun Wedding Blues“ bietet einen kräftigen und für das Album würdigen Abschluss.
Mit „That Old Blues Again“ beweisen Andreas Diehlmann, Tom Bonn (Drums) und Jörg Sebald (Bass) einmal mehr, dass sie zur Creme de la Creme der deutschen Bluesszene gehören. Die Scheibe hat alle Zutaten, die ein gelungenes Bluesalbum benötigt: authentischen geerdeten Gesang, stampfende Southern-Rhythmen, jaulende Gitarren und mitunter auch Slideklänge.
Dem musikalischen Workaholic Andreas Diehlmann scheinen die Ideen nicht auszugehen, um den Blues am Leben zu halten. Für eine Bluesband aus Deutschland ist das schon mehr als sehr beachtlich. Momentan tourt das Trio in unserer Republik, also stürmt die Venues und kauft Euch die CD. Sie ist es wert! Die Tourdaten stehen natürlich auf der Homepage der Band.
Mountain Meadow Studio (2024) Stil: Blues Rock
Tracks: 01. Whiskey (Intro) 02. Whiskey And Women 03. Gypsy Woman 04. That Old Blues Again 05. Make Up Your Way 06. Rock‘n‘Roll All Night 07. I Wish You Would 08. Pictures Of You 09. Come Undone 10. Shotgun Wedding Blues
Luke Winslow-King hatte 2018 mit seinem Konzert in der Kulturrampe einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Perfekt abgestimmt mit dem Gitarristen Roberto Luti promotete er sein damals aktuelles Album „Blue Mesa“. Seitdem sind ein paar Jahre ins Land gegangen. Er veröffentlichte „If These Walls Could Talk“ (2022) über Ghost River Records und kehrt nun mit seinem aktuellen Longplayer „Flash-A-Magic“ zu Bloodshoot Records zurück.
Die Musik des ausgebildeten Jazz-Gitarristen bewegt sich hauptsächlich zwischen Blues, Rock und Americana. Auf „Flash-A-Magic“ schmuggelt sich aber mit „Black Eyed Gypsy“ eine Art Calypso dazwischen. Dem Titelsong selbst gibt Winslow-King eine Soul-Note mit. Das Hauptaugenmerk der legt er aber auf dem Blues Rock, wie das vorab ausgekoppelte „If I Where You“ bereits andeutet – ein Song über besserwisserische Ratschläge, auf die man gerne verzichtet.
Mit „Everywhere You Go There You Are“ steigt der Longplayer ein. Die swampige Bluesrock-Nummer wird auf Konzerten sicher das Publikum mitnehmen. In eine ähnliche Kerbe schlägt „Ave (Steel Rail Angel)“. Hier greift Winslow-King, der seine Wahlheimat in New Orleans gefunden hat, auf die Begleitung durch ein Klavier zurück. Ansonsten dominieren die Gitarren, die beispielsweise kurz – aber stimmungsvoll – „Best Be Leavin‘“ eröffnen. Auch beim treibenden „Peaches“ überzeugt die Gitarrenarbeit.
Winslow-King legt die Songs unterschiedlich an und gestaltet sie dann an einigen Stellen mit feinen Ideen aus, ohne dass sie ihre Struktur verlieren. So integriert er ein Slide-Solo in die Americana-Ballade „How Could I Forget“. Der Song hätte sich auch auf „Blue Mesa” nahtlos eingefügt. Der reduzierteste Track ist „Good Morning“ – ein ruhiger und sanfter Abschluss eines eher rockig gehaltenen Longplayers.
Luke Winslow-King legt bei „Flash-A-Magic“ einen Schwerpunkt auf den Blues Rock, der durch ein paar Balladen angereichert wird. In seinem melodiösen Songmaterial variiert er den Sound und flechtet kurze, abwechslungsreiche Instrumentalpassagen ein, sodass das Album an keiner Stelle langweilig wird.
Bloodshot Records (2024) Stil: Blues Rock and more
Tracks: 01. Everywhere You Go There You Are 02. Flash-A-Magic 03. If I Where You 04. Black Eyed Gypsy 05. Peaches 06. Ave (Steel Rail Angel) 07. How Could I Forget 08. Best Be Leavin’ 09. Good Morning
Im zumindest ansehnlich gefüllten Musiktheater Piano eröffnen The Cold Stares die Spätsommer- und Herbstkonzerte in Lütgendortmund. Im Vergleich zum letzten Auftritt wird damit die Besucherzahl mehr als verdoppelt und auch die Band hat sich verändert. Aus dem Powerduo ist jetzt ein Powertrio geworden, was den Songs noch einmal ein größeres Volumen verleiht.
Im Gepäck haben die Amerikaner das in wenigen Tagen herauskommende tolle Album „The Southern“ (Review folgt zeitnah), das sie mit vier Songs auf der Setlist auch promoteten und den Fans vorab schon einmal auf der Tour anbieten können. Was die Drei dann zeigen, ist beachtlich. Im Vordergrund steht Chris Tapp mit seiner markanten und ausdrucksstarken Stimme, der durch den Bassisten noch mehr Möglichkeiten im Gitarrenspiel hinzugewonnen hat.
Dabei spielt er seine Soli auf den Punkt, von knallhart bis hin zu gefühlvoll, wobei die ruhigen Passagen an dem Abend eher die Ausnahme bildeten. Getrieben von der Rhythmussektion Bryce Klueh am Bass und Brian Mullins an den Drums fegt die Band eher mit knallharten Rock mit einigen Blues- und Southern-Einflüssen durchs Piano und sorgt für beste Stimmung im Laden.
Da ist es klar, dass es sich die drei Musiker nicht nehmen lassen sich, schon wenige Minuten nach der Show, am Merchandising-Stand einzufinden, um von den Fans gekaufte Alben mit ihrer Unterschrift zu veredeln und für Smalltalk und Erinnerungsfotos zur Verfügung zu stehen.
So endet ein toller Konzertabend, an dem The Cold Stares Werbung in eigener Sache gemacht haben und bei der Stimmung unter den Fans mit Sicherheit gerne wieder ins Piano zurückkehren.
Line-up: Chris Tapp – vocals, guitar Brian Mullins – drums Bryce Klueh – bass, keyboards
Ihre britische Kollegin Adele tritt dieser Tage zehn Mal in einem für 80.000 Zuschauer ausgelegten, eigens konstruierten Stadion in München auf, vermutlich alle samt ausverkauft. Was für einen Wahnsinn lässt sich die Menschheit zur Bespaßung der Leute eigentlich noch alles einfallen? Aber so funktioniert unser System nun mal, wo eine Nachfrage existiert, wird diese auch in der Regel gewinnbringend bedient.
In Falle unserer Protagonistin Elles Bailey frage ich mich allerdings schon seit geraumer Zeit, was besagte Adele in Wirklichkeit dieser eigentlich so viel voraus hat, außer dass sie schon ein paar Jährchen länger im Geschäft ist und scheinbar bessere Verbindungen besitzt.
Womit wir dann beim neuen Werk „Beneath The Neon Glow“ wären, ihr nunmehr viertes Studioalbum, in dem sie sich mit den Tiefen des Herzschmerzes, der Widerstandsfähigkeit der Freundschaft und der anhaltenden Kraft der Liebe, die ein ganzes Leben währt, thematisch auseinandersetzt.
Musikalisch umspannt die Engländerin mit ihrer variablen rauchigen Stimme im Stile einer Bonnie Raitt den Bogen wieder von Rock, Pop, Soul, Country bis hin zu Southern Rock-Elementen. Schon beim flotten, souligen Countryrocker als Opener „Enjoy The Ride“ gibt sie die Marschrichtung vor.
Mit den beiden folgenden Ohrwürmern „Ballad Of A Broken Dream“ und „Leave The Light On“ offeriert sie ihr fantastisches Songwriting-Potential, Das southern-trächtige E-Gitarren-Solo von Joe Wilkins bei letztgenanntem Track, ist das krönende Tüpfelchen meines persönlichen Favoriten dieses Longplayers.
Besonders gut gelungen ist diesmal auch der schöne Wechsel zwischen flockigen Nummern wie das herrlich groovende „1972“, das treibende „Truth Ain’t Gonna Save Us“, „If This Is Love“ (da kommt auch ihr britischer Humor bestens durch: „If This Is Love, I don’t wanna love anymore!“) oder das von coolen E-Piano-Klängen, Akustik-Gitarren und gospeligen Background Vocals getragene, soulig groovende „Love Yourself“ und dem gegenüberstehend die sehr atmosphärisch, zum Teil Gänsehaut erzeugenden Lieder wie „Silhouette In A Sunset“ (ganz großartig!), „Let It Burn“ sowie das abschließende, mit molligen Piano-Tönen untermalte, dezent düstere „Turn Off The News“ als beeindruckender Abschluss des von Dan Weller (Enter Shikari) produzierten Silberlings.
„Ich mag für einige Leute neu sein, aber ich bin schon eine ganze Weile dabei. Ich bin nicht hier, um ein kurzes Strohfeuer zu entfachen. Ich will eine langfristige Karriere in der Musik. Ich liebe, was ich tue. Ich liebe es, dass ich es in die ganze Welt tragen kann. Wenn ich also damit weitermachen kann und einfach vor einem größeren Publikum spielen und weiter wachsen kann, dann ist es genau das, was ich tun werde“, so die sympathische Britin über sich selbst.“
Auch wenn es sicher nicht zu den anfangs erwähnten Dimensionen für Elles Bailey reichen wird, mit dem bis dato stärksten Album ihrer Karriere „Beneath The Neon Glow“ hat sie wieder mal unseren Geschmack eindrucksvoll getroffen und sich die nächste Lobeshymne in unserem Magazin gesichert. Und in diesem wichtigen Punkt ist sie Adele dann auf jeden Fall um Längen voraus…
Cooking Vinyl Records (2024) Stil: Rock/Country/Roots/Southern (Pop)
01. Enjoy The Ride 02. Ballad Of A Broken Dream 03. Leave The Light On 04. 1972 05. Silhouette In A Sunset 06. Truth Ain’t Gonna Save Us 07. If This Is Love 08. Let It Burn 09. Love Yourself 10. Turn Off The News
Die Scott Weis Band sahnte selbst zu meiner eigenen Überraschung im letzten Jahr unseren Titel des‘ Interpreten des Jahres‘ ab. Ein tolles Studioalbum und ein sehens- und natürlich besonders hörenswerter Gig im Dortmunder Blue Notez Club gaben dafür den Ausschlag.
Während der Tour in unseren Sphären wurde, wie sich jetzt herausstellte, fleißig mitgeschnitten. Allerdings nicht mit den aufwendigen Mitteln, die üblicherweise bei der Erstellung eines Live-Albums verwendet werden, sondern lediglich mit vier Mikrophonen und einem 2 Track Board Mixer.
Da sie von vielen Fans gespiegelt bekommen hatten, dass ein Live-Werk ’ne tolle Sache wäre, hatte man sich dann am Ende zur Veröffentlichung einer CD mit Bootleg-Charme früherer Zeiten mit dem Titel „Live In Europe“ entschieden. Auch wenn ich nicht unbedingt ein Freund solcher Produkte bin, so hat sie doch, aufgrund der Tatsache, dass auch zwei Tracks aus dem Blue Notez enthält, (das fulminat rockende „Right Where It Belongs“ und herrliche Cover „Have You Ever Loved A Woman“ mit herrlicher Harpeinlage von Scott) einen ungeahnten Wiedererkennungswert für mich persönlich, der dem Gig leibhaftig beigewohnt hat.
Ansonsten erhält die Scheibe noch Aufnahmen aus der Tenne in Oederan,, dem Raven in Straubing und dem Kultur-Bahnhof in Olsberg. Auch wenn die Abmischung nicht die tollste ist, Weis‘ eigentlich kräftige Stimme, wirkt hier bis auf wenige Ausnahmen sehr hintergrundlastig, bekommt man ganz schnell ein gutes Abbild der ungemeinen Spiel- und Gesangsfreude (Im Blue Notez war er sogar von einer Erkältung mitgenommen) des Fronters, und der Schlagkräftigkeit seiner Rhythmusfraktion, bestehend aus Robert Kopec am Bass und Roger Voss m Schlagzeug.
Allein die grandiose Adaption von Chris Stapletons „Tennessee Whiskey“ und der wunderbare Schwofer „Something Is Wrong With My Baby“ sind schon den Kauf der Scheibe wert. ZZ Top kann das Trio auch, wie es „Jesus Just Left Chicago“ eindrucksvoll im vorderen Teil offenbart.
Leute mit einem Faible für launig gespielten Blues Rock mit viel Southern-Esprit und unendlich vielen quirligen E-Gitarren-Soli, die es gerne authentisch haben und nicht die Ultra-Sound-Fetischisten sind, werden die Scheibe genießen. Und für diejenigen, die bei den Gigs dabei waren, stellt sie in jedem Fall eine schöne Erinnerung dar, mit der man die Band auch weiterhin unterstützt.
Eigenproduktion (2024) Stil: Blues Rock
Tracks: 01. Raise Your Hands 02. All Over Again 03. Jesus Just Left Chicago 04. Tennessee Whiskey 05. Simmer Me Down 06. Pride And Soul 07. Mindless 08. Into Your Eyes 09. Something Is Wrong With My Baby 10. Motherless Child 11. Bitch Please 12. Right Where It Belongs 13. Promise Land 14. Have You Ever Loved A Woman
Seit 2003 hat Dennis Jones, der schon für Johnny Winter, Buddy Guy, George Thorogood und Tinsley Ellis als Opener aufgetreten ist, insgesamt sieben erfolgreiche CDs und eine DVD auf seinem eigenen Label Blue Rock Records veröffentlicht. Und nun hat er sein neuestes Werk „About Time“ am Start, seit dem 28. Juni steht es in den Regalen.
Musikalisch ist Dennis Jones fest im Blues Rock der 70ger Jahre verankert, was man den zehn Songs dieses Longplayers auch deutlich anhört. All seine Mitstreiter auf „About Time“ sind namhafte Größen aus der Blues- und Rock Szene. So sind z. B. Paulie Cerra am Saxophon (Joe Bonsmassa, Keb‘ Mo‘) und Robert McDonald am Bass (u. a. Johnny Guitar Watson) mit dabei.
Dennis Jones liefert wilde Gitarrensoli sowie sägende und jaulende Gitarrenriffs, teilweise gepaart mit starken Saxophoneinlagen von Paulie Cerra und dezenten Background Vocals von der Sängerin Nio Wilson und dem Bassisten Robert McDonald. Jones‘ kräftiger aber auch gefühlvoller Gesang ist dabei immer präsent und besticht durch seine manchmal aufblitzende stimmliche Nähe zu Jimi Hendrix. Bis auf „Mother Earth“ (im Original von Memphis Slim) hat Jones alle Songs des Albums selbst geschrieben.
Dies ist auch neben dem leicht balladesken „More Time“ das einzige, etwas ruhigere Stück auf der Scheibe. Die übrigen Songs gehen ziemlich straight vorwärts und bewegen sich nur selten im gemäßigten Midtempo Bereich. „Too High To Fly“ ist ein schönes Beispiel dafür. Ein Chicagoblues mit Hintergrundchor und Keyboardunterstützung. Etwas heraus ragt ebenfalls auch „Just Like You“. Die Nummer kommt als flotter Shuffle mit Boogie-Attitude daher.
Für Freunde der härteren Gangart mit Hang zu Hendrix und Co. ist Dennis Jones‘ neue Scheibe „About Time“ sicherlich ein Must-Have. Alle anderen Musikfreunde sind möglicherweise von den derart vielen und geballt auftretenden wilden Gitarrenriffs bereits nach einmaligem Hören genervt. Leute mit einer Affinität zu wildem Hard Rock werden allerdings die CD als Glücksfall sehen und sie begeistert in ihre Sammlung einreihen.
Blue Rock Records (2024) Stil: Blues Rock
Tracks: 01. Condition Blue 02. Don‘t Stop 03. You‘re Killing Me 04. Mother Earth 05. Too High To Fly 06. Just Like You 07. Always The Same 08. Hell 09. More Time 10. Six Feet Off The Ground
Einmal im kultigen Hollywood Bowl aufzutreten, ist nach eigenem Bekennen schon immer der Traum von Joe Bonamassa gewesen. Letztes Jahr im August hat er ihn sich dann erfüllt und ist dort mitsamt Orchester zu Gast gewesen. Das gesamte Konzert wurde nicht nur aufgenommen, sondern auch als Video mitgeschnitten und erscheint nun mit etwas Verschiebung (ursprünglich war der 17. Mai als VÖ geplant) als CD/DVD bzw. CD/BluRay und Doppel-LP (Vinyl, 180-Gramm) sowie in anderen digitalen Formaten.
Mit dem Live-Album liefert Joe Bonamassa eine unvergleichliche Mischung aus Blues, Rock und Klassik ab. Die orchestrale Unterstützung aus 40 Musikern, darunter so namhafte Hollywoodmusiker wie z. B. David Campbell, Trevor Rabin und Jeff Bova, sorgt auf jeden Fall für einen satten, vollen Sound, bei dem alle Instrumente, nicht nur die des Orchesters, klar identifizierbar sind.
Fast alle der insgesamt elf Titel sind mindestens 7 Minuten lang, was genügend Raum für grandiose Orchesterarrangements lässt und die Songs für seine Fangemeinde neu erlebbar macht. So ist z. B. der „24 Hour Blues“ eine absolut elektrisierende Live-Version des Bobby „Blue“ Bland Klassikers, der auch auf Bonamassa’s aktuellem Studioalbum „Blues Deluxe Volume 2“ vertreten ist.
In der Vergangenheit gab es bislang nur, abgesehen von einzelnen Jazz-Rock-Gruppen wie die legendären „Blood, Sweat And Tears“, wohl nur zwei echte Rockbands, die Rock und Klassik kombiniert haben. Und das ist schon verdammt lang her. Da waren Deep Purple mit ihrem Live-Album „Concerto For Group And Orchestra with The Royal Philharmonic Orchestra“ (1969) und die Progressive-Rock-Band The Nice, insbesondere auf ihrem 1968‘er Studioalbum „Ars Longa, Vita Brevis“. Viele solcher Ansätze hat es bis dato also nicht gegeben. Insofern kann „Live At The Hollywood Bowl with Orchestra“ mit Recht als weiterer Meilenstein in der Karriere von, und dieses Wortspiel sei hier erlaubt, Tausendsassa Bonamassa betrachtet werden.
Obwohl das Album musikalisch eine absolute Perle ist, werden eingefahrene Hardcore-Bluespuristen aller Voraussicht nach eher nicht zum Kauf schreiten.
Für Bonamassa-Fans sowie alle, die bereit sind etwas über den Tellerrand des Blues (Rocks) hinauszuschauen, wird es allerdings mit Sicherheit eine kleine Offenbarung sein.
Eine Genuss ist auch der einer auf BluRay-Disc veröffentlichte Konzertmitschnitt. Diesen gibt es zusammen mit einem wertigen, 20-seitigen Booklet und einer CD in einem nett gestalteten Schuber. Die BluRay-Disc startet obendrein mit einem sehr schönen Klassikintro und ist optisch sowie klanglich ein Leckerbissen, der die tolle Live-Atmosphäre in der Hollywood-Bowl und natürlich auch Bonamassas Gesang und seine Gitarre kraftvoll rüberbringt. Daher: volle Punktzahl für eine Kaufempfehlung!
Provogue Records/Mascot Label Group (2024) Stil: Blues
Tracks: 01. One Door Overture 02. Curtain Call 03. Self Inflicted Wounds 04. No Good Place 05. Ball Peen Hammer 06. The Last Matador 07. Prisoner 08. Heartaches 09. John Henry 10. 24 Hour Blues 11. Sloe Gin