Janiva Magness – Back For Me – CD-Review

Oh, eine neue Scheibe von Kim Carnes dachte ich scherzhaft, als ich auf das CD-Cover mit der hellmähnigen Dame blickte, die uns unsere amerikanischen Freunde von Devious Planet mal wieder zum Besprechen gesendet hatte. Aber Scherz beiseite, hier handelte es sich natürlich nicht um die Künstlerin, die mit der Adaption von „Bette Davis Eyes“ einen One-Hit Wonder‘ schaffte, sondern um die mir bis dato, Asche auf mein Haupt, nicht bekannte Blues -Sängerin Janiva Magness, die ihr aber durchaus etwas ähnlich sieht und auch dezente stimmliche Parallelen aufweist.

„Back For Me“ heißt das neue Werk, das ausschließlich mit viel Feingefühl ausgesuchte Fremdkompositionen enthält (u. a. von Doyle Bramhall II und Bill Withers). Produziert hat es ihr Langzeitweggefährte Dave Darling, der hier auch Gitarre spielt und sporadisch mit Backing Vocals agiert.

Um sich haben die beiden mit Ian Walker (bass), W.F. Quinn Smith (drums) und Sascha Smith (keys) eine tolle Stammformation versammelt, die mit diversen zum Teil namhaften Gastmusikern veredelt wird.

Die vielfach Award-gekrönte Künstlerin wird direkt schon mit dem von Darling geschriebenen Opener „Masterpiece“ von keinem Geringeren als Joe Bonamassa und seiner Stempel-aufsetzenden E-Gitarren-Arbeit begleitet. „Ich habe schon eine Menge Fehler in meinem Leben gemacht, aber du bist mein Meisterstück“ singt sie hier mit von Selbsterkenntnis umwehter, wütender Stimme im Refrain.

Der direkt folgende Titelsong (mit einem Hauch von  „Purple Rain“-Spirit) ist eine großartige bluesige Ballade, bei der stimmlich Ähnlichkeiten zu Dale Krantz aufkommen, Toll hier die klirrenden E-Fills und das Southern Rock-trächtige Solo.  Gleiches gilt auch für die tolle Version von Doyle Bramhalls II „November“.

Das mit psychedelischer 70er-Note umwitterte „Holes“ enthält mit Sue Foley eine weitere Gitarren-Präsenz. „Southern-Fans dürften Spaß an „I Was Good To You Baby“ haben. Ein tolles HT-Piano Bridge mit Slide Solo und der rotzige wiederum Krantz-ähnliche Gesang lassen Erinnerungen an „One Good Man“ der Rosssington Collins Band aufkommen.

Von weiteren Zitaten und Reminszenzen an frühere Klassiker sind dann noch Tracks wie „Do I Need You“ (I Can’t Stand The Rain“) und das finale „Hittin‘ On Nothin'“ („Hit The Road Jack“) geprägt, letzteres mit Jesse Dayton als weiterem namhaften Gast an der E-Gitarre.

Es ist immer wieder erstaunlich, mit wieviel unbekannter Musik man trotz eines vermeintlich großen Backgrounds, immer wieder konfrontiert wird und positiv überrascht wird. Janiva Magness, die jetzt mit „Back For Me“ ihr bereits 17. Album herausbringt, zählt zweifellos dazu. 

Sollte sich der immense Backkatalog der Protagonistin auf ähnlich hervorragendem Niveau befinden, hat der geneigte Blues Rock-Fan, dem es so wie mir geht, noch ordentlich Recherche-Arbeit vor sich! Für „Back For Me“ gilt jedenfalls schonmal ‚magnessificent music‘!

bluélan Records (2025)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Masterpiece
02. Back For Me
03. The Same Love That Make Me Love
04. November
05. Holes
06. I Was Good To You Baby
07. You Can Bring Me Flowers
08. Down So Low
09. Do I Need You
10. Hittin‘ On Nothin‘

Janiva Magness
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Dean Zucchero – Song For The Sinners – CD-Review

Ich kenne, wenn ich ehrlich bin, eigentlich wenig Bassisten, die als Solokünstler explizit, im Mittelpunkt von Rock- und Bluesmusik-Alben stehen. Spontan fallen mir da Paul McCartney zu seinen Wings-Zeiten, Sting und Jack Bruce ein, aber dann hört es auch schon auf.

Im Fall des hierzu besprechenden Werks von Dean Zucchero ist das zwar offiziell dann so, eigentlich haben wir es mehr mit einem Konzeptalbum zu tun, wo Dean zwar die Musik bestimmt, beziehungsweise die Fäden zieht, aber insgesamt eher eine zurückhaltende Rolle einnimmt. Man kann also sagen, er gibt hier nicht nur an den vier Saiten, sondern auch imaginär den Groove vor.

Der Blues aus dem Süden mit all seinen Facetten ist der gemeinsame Nenner, die bei jedem Lied wechselnden Leadsänger mit ihren unterschiedlichen Stimmen vermitteln weiteren variierenden Unterhaltungswert.  Wenn weiblicher Gesang, ob an der Front oder im Hintergrund, mit integriert ist,  taucht immer wieder der Name Tiffany Pollack auf, die damit auch einen Stempel aufsetzt. Selbstredend, dass Dean auf diesem Werk ausnahmslos klasse-Musiker um sich versammelt hat.

Neben bekannteren Namen wie Victor Wainwright, Little Fredie King, Albert Castiglia ist mit Mike Zito der wohl prominenteste Interpret an Bord, der sich mit dem emotionalen Blues Rocker „Tone Of The City“ auch den besten Track des Werkes herausgepickt hat. Starker unter die Haut gehender Tobak, ist auch das eine wenig an Johnny Cash reminiszierende, unterschwellig countryeske Storytelling-Stück „Suicide For Jesus“, das von Dean (Bass) lediglich mit Ron Hotstream (lead vocals, guitars) in bewusst reduzierter Art performt wurde.

Insgesamt weiß man nach dem Hören der CD gut, woher Dean Zucchero seinen exzellenten Ruf in der Branche her hat. Das Album wäre aus meiner Sicht sehr gut als Soundtrack für einen Krimi oder ein Drama geeignet, das irgendwo rund um New Orleans spielt. Und falls nicht, ist  „Song For The Sinners“ in jedem Fall eine sehr abwechslungsreiche und starke Blues & More-Scheibe, mit der es sich zu beschäftigen lohnt.

Pugnacious Records (2025)
Stil: Blues & More

Tracks:
01. Biting Through
02. South Side
03. Lullaby
04. She’s Saturday Night
05. Crawfish No More
06. Shine
07. Tone Of The City
08. Mama’s Bottle
09. Never Fade Away
10. Cold Shot
11. Suicide For Jesus
12. Fowl Play

Dean Zucchero
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T. G. Copperfield – All In Your Head – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seine drei vorhergehenden Alben („Snakes & Dust“, „Out In The Desert“ und „Steppenwolf„) hatte T. G. Copperfield als staubige Wüstentriologie inszeniert. Nun kehrt er mit “All In Your Head” zur härteren Blues-Rock Gangart zurück, ohne die Southern-Roots Orientierung zu vernachlässigen.

Den Aufschlag für das 10-teilige Set übernimmt der Titel “Mule” und verbreitet einen intensiven Vorgeschmack – ein Heavy-Rock-Stallgeruch, der unter die Haut geht. Sympathische Gitarren zünden ihre Riffs bei “I’m On My Way” und lassen die Handschrift ihres Songwriters aufblitzen. Nach dem ebenso starken “Have Mercy On Me” folgen ohne Mitleid, schweißtreibend und mächtig “Living On A Knife” und “Kicked Down By Love” und übernehmen die Regie über ein bis dahin Track-by-Track groovendes Kraftpaket.

Bevor die noch massivere zweite Hälfte der Scheibe einsetzt, lohnt sich ein Blick auf den Backkatalog der letzten acht Jahre: Elf Soloalben und das vorliegende Werk präsentieren in kurzen Abständen handgemachte Songs aus unterschiedlichen Stilrichtungen – auf einem Terrain, das hierzulande oft als schwierig gilt.

Copperfields beeindruckender Beitrag, sich immer wieder neu zu erfinden und mit propulsiver Kraft durchzustarten, ist rekordverdächtig. Hervorragend unterstützt wurde er auf “All In Your Head” vom Megaphon-Studios-Tonkünstler Martin Meinschäfer (u. a. Henrik Freischlader) sowie seinen Kumpanen von der Electric Band: Michael Hofmann (Drums), Claus Bäcker (Keyboards) und Don Karlos (Bass).

Hohe Ansprüche stellt Copperfield auch an seine Lyrics im Beiheft und befasst sich in den Stories u.a. mit der menschlichen Psyche, komplexen Gedankenspielen und infernaler Katastrophenstimmung. Ebenso anspruchsvoll sind die Themen, die er in leidenschaftliche, teils fast wütende Arrangements verpackt – untermalt von genau der richtigen Portion Gitarrenpower.

Charakteristisch für diese kraftstrotzende Inspiration des 45-jährigen Sängers und Gitarristen sind deutlich die letzten vier Songs der LP. Mit “Redemption Blues” – durchaus als früher CCR-Track geeignet – und “World War III” wird das Finale vorbereitet. Das Interesse daran belohnt allemal der Titeltrack des Albums – ein Southern Blues Rock mit meisterhaften E-Gitarren-Soli. Die Scheibe erfährt ihre abschließende Krönung mit einem Foot-Stomping-Finale, das sprichwörtlich abgerundet wird: “The Needle Hit The Groove” erinnert in klassischer Slow Blues-Interpretation sowie durch die Gitarren- und Piano-Spielweise an historische Fleetwood Mac feat. Otis Spann Aufnahmen – eine brillante Inszenierung mit ‚Wiederhörbedarf‘.

T. G. Copperfield hat es erneut spielend geschafft, die Vielfalt seiner musikalischen Schaffenskraft in einem Longplayer zu vereinen. “All In Your Head” ist ein großzügiges Studiowerk und einmal mehr der Versuch, uns mit seinen musikalischen Wertvorstellungen anzustecken. Längst etabliert, muss er seine Wurzeln auch im Storytelling nicht mehr beweisen – wohl wissend, dass ein rastloses Talent ebenso sein Publikum braucht. Die im März beginnende, ausgedehnte Tournee kommt mit “All In Your Head” am 5. April u. a. nach Köln und bietet dem Publikum ausgiebig Gelegenheit, ihn live zu sehen.

Timezone (2025)
Stil: Blues, Blues Rock, Southern Rock

Tracks:
01. Mule
02. I’m On My Way
03. Not Your Game
04. Have Mercy On Me
05. Living On A Knife
06. Kicked Down By Love
07. Redemption Blues
08. World War III
09. All In Your Head
10. The Needle Hit The Groove

T. G. Copperfield
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Brooke-Lynn Promotion

Danny Bryant Bigband – 25.01.2025 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Ein an einem Sonntag Abend anständig gefülltes Musiktheater Piano bildet einen Rahmen für einen ganz besonderen Konzertabend. Im gedämmten Licht betritt die Band unter dem Applaus der Fans die Bühne und als das Frontlicht angeht, sieht man eine nahezu rundum erneuerte Band. Danny Bryant scheint nach gesundheitlichen Problemen in den letzten Jahren die Kurve gekriegt zu haben und wirkt agil wie schon lange nicht mehr.

Was er in etwa 100 Minuten mit seiner Bigband präsentiert ist ein fettes Brett und zeigt die spielerische Vielfalt Bryants und seiner Mitstreiter. Neben rockigen Bluesnummern streift er mit „Prisoner Of The Blues“ den Southern Rock, wobei er das Publikum mit seinem zweiten Gitarristen Marc Rahner mit stilistisch entsprechenden Soli begeistert.

In einem instrumentalen mehrminütigen verträumten Intermezzo könnte man glauben, man wäre bei Pink Floyd gelandet, woran Keyboarder Jamie Pipe einen gewaltigen Anteil hat. Er unterlegt die Songs entweder mit progressiven Klangteppichen oder würzt diese mit zuweilen rasanten Soli. Drummer Alexander Hinz und Bassist Artjom Feldtser sorgen gut dosiert für den entsprechenden druckvollen Rhythmus bei den meisten Songs, die durch die dreiköpfige Bläsersektion eine besondere Note bekommen.

Emotionaler Höhepunkt ist das zunächst balladeske „Painkiller“, am Anfang geprägt durch das melodische Keyboardspiel von Pipe und die akustische Gitarre Rahners sowie Bryants ausdrucksstarke Stimme. Während eines Keyboardsolos wechselt Rahner die Gitarre, Hinz drischt plötzlich auf die Drums ein, sodass die Fans regelrecht aus den Träümen gerissen werden und es folgt ein fast episches Gitarrensolo von Bryant, zu dem Rahner twinmäßig seinen Teil beisteuert. Ganz großes Kino im Musiktheater Piano!

Nur wenige Minuten nach dem letzten Song findet sich Bryant mit seiner Band am Merchandising-Stand ein und es ist ihm anzusehen, dass er auch diese Zugabe nach dem Konzert genießt. Von Danny Bryant ist in dieser bestechendden Form in den nächsten Jahren noch einiges zu erwarten.

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Marc Rahner (electric & acoustic guitar)
Ardjom Feldster (bass)
Alexander Hinz (drums)
Jamie Pipe (keys, vocals)
Niko Halfmann (saxophone)
Jacob Karg (trumpet)
Uli Binetsch (Posaune)
Text und Bilder Gernot Mangold

Danny Bryant
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Musiktheater Piano
3dog-Entertainment

Ana Popovic – 18.01.2025 – Musiktheater Piano, Dortmund, Konzertnachlese

Ana Popovic sorgt mit ihrer Band für ein ausverkauftes Musiktheater Piano und einem starken Auftritt für beste Stimmung. Sie lässt mit ihren Musikern Blues, Jazz und Funk miteinander verschmelzen und gibt allen Bandmitgliedern einen großen Freiraum, sich mit Soloparts in den Vordergrund zu spielen, wofür es vielfach Szenenapplaus gibt.

Die Rhythmussektion um Bassist Cory Burns und Drummer Jerry Kelly sorgt für eine groovige Grundlage der Sounds und unterstützt mit starken Backgroundgesang. Die Italofraktion um Keyboarder Michele Papadia und die beiden Bläser Claudio Giavagnola und Davide Ghidoni treibt Popovic zuweilen regelrecht an, als sie sich mit ihr die Noten hin- und herschmissen.

Die stimmlich bestens aufgelegte Serbin, die in vielen Gitarrensoli ihre Qualität zeigt, beendet mit einem Slowdance ein furioses Konzert und bedankt sich sichtlich gerührt von den Fans, die animiert von der Musik, eine tolle Atmosphäre ins Musiktheater gebracht haben.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, electric guitar)
Cory Burns (bass, vocals)
Jerry Kelley (drums)
Michele Papadia (keys, vocals)
Claudio Giovagnoli (saxophone)
Davide Ghidoni (trumpet)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ana Popovic
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Musiktheater Piano
3dog-Entertainment

Larkin Poe – Bloom – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Verleihung des Grammy Awards für “Blood Harmony” 2024 haben Larkin Poe nur als kurze Auszeit genutzt. Das neue Studiowerk “Bloom” war damals bereits in der Mache. Gemeinsam mit Co-Produzent Tyler Bryant haben sie erstmals alle Stücke geschrieben. Die Inspiration für den neuen Longplayer ist geprägt durch die familiäre Synergie-Atmosphäre und Erfahrungen der letzten Jahre, also weit über eine nur musikalische Partnerschaft hinaus.

Mit dem ersten Song “Mockingbird” beginnt gleich der blues-rockige Teil einer insgesamt sehr vielfältigen Produktion. Nachdenkliche Lyrics über Wendungen im Leben und die Reflexionen bis hin zum Wechsel von Perspektiven bestimmen den Titel. Die Leichtigkeit der Komposition fließt bei “Easy Love Pt. 1” zwischen Southern- und Blues Rock sowie Rebeccas elektrisierender Voice-Power. “Pt. 2” des Tracks folgt erst mit Abstand und in Balladenform. Meghans Guitarwork und der zarte Refrain “You make it easy” verleihen dem Liebeslied nun einen grundlegend anderen Charakter.

Eine betont ruhigere Klangfülle bringt auch “Little Bit” in die Songliste. Zuversicht und Verbundenheit strahlen im swingenden Country-Southern-Style. Erneut ein lyrisches Kleinod, das teils härtere Soundelemente mit schönen Storytelling verbindet. Kein Geheimnis machen die Lovell Sisters aus den frühen Einflüssen ihrer Musik. Neben typischem Bluegrass Folk war Southern Rock der Allmans, aber ebenso geradliniger Fleetwood Mac-Sound u. a. je ein Baustein. Bei “Bluephoria” treffen Freude und Leid aufeinander, werden musikalisch rifflastig verwoben und psychedelisch klingende Passagen bestimmen die Komposition. Die Lead-Single erinnert trotz hartem Rock’n’Roll Outfit, lyrisch inspiriert, an die Memphis Blues Legende Furry Lewis. Schnelle Blues Rock-Vibes treibt “Nowhere Fast” vor sich her. Ein krachendes Solo lässt den Wüstensand förmlich aus den Boxen rieseln und Billy Gibbons gibt seinen Segen.

Ein erstaunlich erfrischender Ideenreichtum lässt “If God Is A Woman” im Masterpiece-Format entstehen. Das elektrisch ausgerichtete Delta Blues-Stück konkurriert im Ohr mit dem nachfolgenden “Pearls”: düster und heavy treibende Gitarrenriffs und Rebeccas Stimme verursachen eindeutig Herzschlag-Blues. Als Slide-Topper und Highway-Country Song zugleich bringt “Fool Outta Me” die big wheels in Bewegung, ein altes Blues-Rock-Herz geht auf und relaxed beim wunderbar melodiösen “You Are The River”. Ein Eagles-/Poco-Country Rock schlingert in zeitgemäßer Interpretation vorbei und beruhigt die Anspannung. Diese Dramaturgie einer gesundheitsfördernden Cool-down Übung übernimmt zum Schluss “Bloom Again”. Meghan beschreibt die Idee des langjährigen Tom Petty-Weggefährten und Larkin Poe Freundes Mike Campbell: Er schlug vor, einen Song zu schreiben, der im Stile der Everly Brothers unsere Geschwister-Harmonie präsentiert. Ein modernes Country-Rock/Folk-Finale, das auch von Emmylou Harris stammen könnte, und ein Gänsehaut-Solo als “Zugabe” setzen den Schlussakkord.

Die ehemals “kleinen” Schwestern der Allman Brothers haben sich längst vom Adjektiv befreit und mit dem Album “Bloom” deutlich die Avantgarde-Rolle in der amerikanischen Roots-Musik übernommen. Selten klang eine Eigenproduktion Genre übergreifender dirty Southern- und raw Blues-Rock Tracks mit Country- Anleihen so tiefgreifend überzeugend. In diesem Jahr feiern Larkin Poe das 15-jährige Bestehen. Der nächste Grammy ist nur eine Frage der Zeit.

Tricki-Woo (2025)
Stil: Roots Rock, Blues, Blues Rock, Southern Rock

Tracks:
01. Mockingbird
02. Easy Love Pt. 1
03. Little Bit
04. Bluephoria
05. Easy Love Pt. 2
06. Nowhere Fast
07. If God Is A Woman
08. Pearls
09. Fool Outta Me
10. You Are The River
11. Bloom Again

Larkin Poe
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Another Dimension

Robben Ford & The Blue Line – Live At Montreux 1993 – CD/DVD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das traditionsreiche Musikfestival von Montreux hat in seiner mittlerweile fast 60-jährigen Historie immer wieder legendäre Konzertereignisse veranstaltet. Die nachträgliche Veröffentlichung von Aufnahmen für das breite Publikum wurde leider oft erst viel später ermöglicht. Der Auftritt von Robben Ford & The Blue Line, der mittlerweile über 30 Jahre zurückliegt, ist nun von Repertoire Records als CD-/DVD-Package aufgelegt worden. Neben Ford sind Roscoe Beck am Bass und Tom Brechtlein, Drums, mit von der Partie. Die Tracklist der CD- und DVD-Versionen unterscheidet sich nicht.

Die Setlist beginnt mit “I Don’t Play”, einem von Willie Dixon komponierten Little Walter-Klassiker (1960), der durch das Guitar-Masterclass-Niveau elegant von rund zwei Originalminuten auf begeisternde neun angehoben wird – eine Mindblowing-Soloarbeit von Robben Ford, der auch heute immer noch zu den leider weniger bekannten E-Gitarristen zählt. Gleich zu Anfang wird deutlich: eine außerordentliche Virtuosität und ein geniales Improvisationstalent bestimmen die Richtung. Die alte Cream-Nr. “Politician” (Jack Bruce) in der 68er “Wheels of Fire” Aufnahme mit Clapton Overdubs versehen, bekommt bei Fords Live-Version eine brillant-kreative und erfrischende Guitar-Linie. Eine ebenso eigenständige Interpretation und insoweit nur eingeschränkt als Cover zu bezeichnen, ist der 3. Titel “Worried Life Blues”. Einer der am meisten “gecoverten” Blues-Titel (ursprünglich “Someday Baby Blues” (1935) von Sleepy John Estes) entwickelt sich auch in der Montreux-Fassung zum beeindruckenden Robben Ford-Klassiker, einem “Schatzkästchen” Blues-Track mit preziös-artigen Solopassagen.

Bereits in jungen Jahren durfte der heute 73-jährige in der Band von Jimmy Witherspoon auftreten, George Harrison auf der US-Tour 1974 begleiten, Alben von u. a. Joni Mitchell, Little Feat und Bob Dylan tragen auch seine musikalische Handschrift. Insofern gehört Songwriting zum Selbstverständnis des veritablen Musik-Theoretikers und Sängers (Buchtitel “Blues Guitar Phrasing Mastery”). Die 3 Eigenkompositionen im Mittelteil des Konzertes (“You Put Me To The Bone”, “Step On It” und “Busted Up”) sprechen für sich und werden so zur Blues, Rock, Fusion, Jam Vorzeige-Performance der exzellenten Guitar-Kunst ausgebaut. Als weiterer, absoluter Höhepunkt des Auftritts folgt J. B. Lenoirs “Mama Talk To Your Daughter” aus dem Jahre 1954. Die alte Blues-Nummer ist breit angelegt und bietet neben den Soli von Ford aber vor allem Roscoe Beck am 6-saitigen Bass die Zeit, einen ausschweifenden Part zu absolvieren. Die Zugabe bringt mit “Tell Me I’m Your Man” zum Abschluss noch einen schönen Blues Rock aus eigener Feder und beendet nach rund 55 Minuten die etwas kurze Lehrstunde in Sachen Blues.

Die Scheibe „Live At Montreux 1993“ von Robben Ford & The Blue Line ist ein musikalisches Blues-Highlight – als DVD wird sie zudem zu einem visuellen Genuss, der die virtuose Brillanz dieser Performance eindrucksvoll in Szene setzt. Robben Ford, der 2016 nochmals für einen weitaus längeren Auftritt nach Montreux eingeladen wurde, spielt vor seiner Australien-Tournee übrigens im Februar erneut ein seltenes Big Band Konzert beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt.

Repertoire (2024)
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. I Don’t Play
02. Politician
03. Worried Life Blues
04. You Cut Me To The Bone
05. Step On It
06. Busted Up
07. Mama Talk To Your Daughter
08. Tell Me I’m Your Man

Robben Ford
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Repertoire Entertainment

Andreas Diehlmann Band – 10.01.2025, Café Steinbruch, Duisburg – Konzertbericht

Fünf Jahre sind tatsächlich  schon wieder vergangen seitdem ich den Protagonisten des Abends, Andreas Diehlmann, samt seiner beiden Mitstreiter (an diesem Abend assistierten ihm Bassist Jörg Sebald und der ehemalige Drummer der Klaus Lage Band, Dieter Steinmann) an genau gleicher Stelle, dem Cafe Steinbruch in Duisburg live erlebt hatte.

Dort und auch in der gesamten Zwischenzeit danach hat er sich als fleißiger und konstant liefernder Blues Rock-Interpret. einen renommierten Ruf von internationalem Format erarbeitet. Gerade, was sein exzellentes Gitarrenspiel in allen erdenklichen Tempi und Varianten  betrifft, braucht er sicherlich mittlerweile keinen Vergleich mehr zu scheuen.

Zunächst hatten wir schon vor dem Gig wieder das Vergnügen. mit ihm ein paar Worte zu wechseln, als auch das obligatorische VIP-Bild mit dem nunmehr aktualisierten Logo machen zu dürfen.

Der Ort des Geschehens war proppevoll, irgendwie hatte ich das Gefühl, als wenn mich eine Zeitmaschine zurück gebeamt hätte und genau die gleichen Leute wie damals anwesend gewesen wären, die blues-typisch, inklusive uns, zu gut 95 Prozent wieder aus der zahlungskräftigen Babyboomer+-Generation bestand, nur um fünf Jahre würdevoll gealtert.

Ich denke mal bezüglich seiner Klientel ist es zwar um den Nachwuchs im Publikum ziemlich schlecht bestellt, zumindest aber, was die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre betrifft, trotzdem eine gute musikalische Investition von Andreas, Fremdgehen ist da in der Regel nicht mehr (einmal Blues, immer Blues!). Wo  Anders hat man in der freien Wirtschaft heutzutage noch solch eine Planungssicherheit? Danach dürfte er dann wohl eh auch in Rente sein.

Das Konzert begann mit der berühmten akademischen Viertelstunde Verspätung um 20:15 Uhr und Diehlmann wählte mit dem zünftig stampfenden, ZZ Top-umwehten „Head Down Low“ einen guten Einstand, um auch die Leute im Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen.

Apropos ZZ Top: Der Blues Rock-Stil der Texaner ist in Diehlmanns DNA sowohl stimmlich (irgendwo zwischen Gibbons und Hill), im knarzigen und slidenden E-Gitarrenspiel, als auch bezüglich seines Songwritings, ganz tief verankert. So dominierte dieser Einfluss auch den überwiegenden Teil der unterhaltsamen Show, die zusätzlich auch von der sympathischen und kommunikativen Art des Fronters, der sich mehrfach sowohl als absoluter Beziehungsexperte (u. a. „Long Forgotten Nightmare“, „Rita“) wie auch höchst-geschulter Psychologe („Bad Luck“) offenbarte.

So präsentierte er im ersten Set (vorwiegend auf seiner abgewetzten Stratocaster) Tracks wie „Pretty Baby“ (Boogie), die ruhigeren „Gypsy Woman“ (vom aktuellen Album „That Old Blues Again„, mit tollem psychedelischen Part), „Got To Get Over It“ (ZZ Top-Flair) und griff zum Ende beim von Howlin Wolf inspirierten „Nothing But The Blues“ zur Cigar Box-Gitarre (inklusiv kleiner Story dazu vor Songbeginn), wobei er offenbarte, dass man auch auf drei Saiten fulminant wirbeln kann.

Nach der Pause diente der Texas Rocker „Gonna Raise Hell“ als idealer Wachrüttler, „Hard Times“, „Way To Hell“ (samt kleiner Instrumentalschlacht mit seinen beiden Kollegen), der tolle Slowblues „Broken“ , Whiskey And Women“ (wieder mit Cigar Box-Gitarre) und „Boogie Woogie Rock’N’Roll (Diehlmann zum Abschluss jetzt auf der Les Paul mit fetzigen Soli unterwegs) bildeten das Gerüst in Set 2.

Ohne Zugabe wäre nach dieser starken Leistung und der guten Stimmung im Cafe Steinbruch ein ‚No-Go‘ gewesen und so gab es dann noch mit dem Fan-Favoriten „Price To Pay“, einer Gänsehautversion von „Purple Rain“ und dem Hendrix-Cover (Andreas‘ zweite Passion) „Little Wing“ (am Ende wieder auf der Strat) ein tolles Triple, das dann wirklich keine Wünsche mehr offen ließ.

Die Andreas Diehlmann Band überzeugte die Anwesenden und mich an diesem Abend in Duisburg wieder restlos, sodass ich mir durchaus vorstellen kann, bis zum nächsten Aufeinandertreffen nicht mehr fünf Jahre verstreichen zu lassen. Und sicher ist sicher…!

Line-up:
Andreas Diehlmann (lead vocals, electric guitars)
Jörg Sebald (bass)
Dieter Steinmann (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Andreas Diehlmann Band
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Café Steinbruch Duisburg

Walk That Walk – Red Devil Lye – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Poppa C. DeSnyder, Fronter von Walk That Walk, hat einmal gesagt: „Wenn man bei seinem Auftritt nicht voller Leidenschaft und Energie auftritt, laufen die Leute zu den Ausgängen…“ und dies lässt sich auch auf die aktuelle Scheibe der Band übertragen.

Die CD strotzt vor Spielfreude und Energie. Sie besteht zwar leider nur aus acht Tracks, aber die haben es in sich. Sie offenbaren mitreißende Rhythmen mit kräftigem Roots-Einschlag oder rocken einfach nur. Aber immer verbreiten die Songs ein Gute-Laune-Feeling.

In die erste Kategorie gehören „The Daydream“, „Put A Hump In Your Back“, „You Don‘t Love Me“ und „She Says She Can Do Better“. Allesamt flott, beschwingt und unter dem Einfluss von Bluegrass- und Countryelementen. Echte, gute Rootsmucke also mit Gute-Laune-Faktor.

Aus der Schublade mit den rockigen Rhythmen stammen die Songs „Heavy Music“, im Original von Bob Seger, „Hard Again“ und „Shake You With This Rock‘n‘Roll“. Vorwärts treibende Rhythmen, denen Poppa C. Snyders sonore Gesangsstimme zu noch mehr Kraft und Eindrücklichkeit verhilft.

Als Rausschmeißer gibt‘s zum Schluss den „Canned Heat“-Klassiker „On The Road Again“, ohne allerdings zu sehr vom Original abzuweichen.

Mit ihrem neuen Album beweist die Trupper um Fronter Poppa C. DeSnyder einmal mehr, dass sie nicht nur zu den Besten der Bostoner Bluesszene gehören, sondern auch darüber hinaus zur Creme de la Creme aller Blueser zählen. Walk That Walk ist daher immer gut für eine Kaufempfehlung.

Eigenproduktion (2024)
Stil: Blues, Roots

Tracks:
01. The Daydream
02. Put A Hump In Your Back
03. Heavy Music
04. Hard Again
05. Shake You With This Rock’n’Roll
06. You Don’t Love Me
07. She Says She Can Do Better
08. On The Road Again

Walk That Walk
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Ben Poole – 24.11.2024 – blues, Rhede – Konzertnachlese

Ben Poole beendet, wie schon in den letzten Jahren traditionell, seine Herbst Tour im blues im beschaulichen Rhede und hat als Gast seinen brüderlichen Freund Guy Smeets dabei. Etwas später als geplant betritt Poole gegen 19:30 Uhr die Bühne im gut gefüllten blues und es folgen über zwei Stunden Blues Rock der härteren Gangart mit vielen jammenden Passagen und starken Gitarrensoli, an denen auch der Niederländer Smeets einen gehörigen Anteil hat.

In die vorrangig eigenen Songs baut Poole auch einige Coverversionen ein, von denen die knapp 15-minütige Zugabe von „Fire & Water“ von Free eines der Highlights des Abends ist. Das vom Publikum gefeierte „Dont´t Cry For Me“ beginnt nicht mit einem Keyboard-Intro, den Part übernimmt Amadeo mit einem gefühlvollen Bassintro, bevor der Rest der Band, zunächst balladesk einsteigt, um mit einem explosiven Zwischenteil die Decke im blues abheben zu lassen. Dabei jagt eine Solopassage von Poole die folgende von Smeets.

Schon während des Konzerts beginnt die Band das Ende der Tour gebührend zu feiern, als Ben seinen Tourmanager mit auf die Bühne holt und alle gemeinsam erst mal gemeinsam mit einem Pinecken anstoßen, um danach direkt wieder wie entfesselt weiterzumachen.

Zwei Stunden krachender Blues Rock vergehen so im Fluge und an den Gesichtern der Fans lässt sich ablesen, dass es ein besonderer Abend war. Von Beginn an war der Funke von der Bühne aufs Publikum übergesprungen, was neben der musikalischen Leistung auch am sympathischen Auftreten der Band lag, in deren Gesichtern sich die Spielfreude widerspiegelte.

Das ausgewogene Licht und der transparente Sound hatten einen nicht unerheblichen Anteil an dem gelungenen Abend, dass zu erwarten ist, dass im November 2025 auch die Ansage folgen könnte „Same Procedere As Every Year“, mit dem einen oder anderen Erfrischungsgetränk während der Show.

Line-up:
Ben Poole – vocals, guitars
Steve Amadeo – bass
Ollie Dixon – drums, backing vocals
Special Guest:
Guy Smeets – guitar, backing vocals

Text & Bilder: Gernot Mangold

Ben Poole
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blues Rhede