Todd Thibaud – 27.03.2009, Karo, Wesel – Konzertbericht

Einen Tag zuvor bei Steve Lukathers Gitarrenkünsten auf Weltniveau in Bochum, bei prall gefüllter Location auf mittelgroßer Ebene noch beigewohnt, galt es am darauf folgenden Abend den inneren musikalischen Hebel wieder umzuschalten. Angesagt war eine Mischung aus Singer/Songwriter-Stoff und melodischem Roots Rock in intimer Wohnzimmeratmosphäre.

Einer meiner Lieblingskünstler auf dem Gebiet war einmal mehr in Wesel zu Gast, Todd Thibaud. Der hatte seine vor geraumer Zeit erschienene und von mir beleuchtete CD „Broken“ mit im Gepäck, die es hier und heuer vorzustellen galt. Es ist meine bis dato vierte Live-Begegnung mit dem sympathischen Songwriter (einmal als Part von Hardpan, einmal mit Joseph Parsons im Duo, zweimal mit Begleitband) und, um es vorwegzunehmen, es sollte die eindeutig stärkste Vorstellung werden. Der gewichtstechnisch im Vergleich zu den Vorjahren etwas ‚robuster‘ wirkende Thibaud (mit Pepita-Hütchen als Kopfverzierung), kam nach meinem subjektivem Empfinden vom Wesen und seiner Körpersprache deutlich lockerer rüber als bei den erlebten Vorveranstaltungen, da konnte er den Hauch des dezent introvertierten nachdenklichen Intellektuellen nie so ganz abstreifen (was aber seine sympathische Note nie übertünchte).

Vermutlich lag es an seinen Mitstreitern (scherzhaft von Todd bei der Vorstellung als ‚Sleeping Dogs‘ betituliert, also aus seiner Sicht Todd Thibaud & The Sleeping Dogs), die gut gelaunt und spielfreudig ihren Frontmann zu Bestleistungen animierten. Thibauds samtweiches, glasklares Stimmorgan verströmte eine einzigartige, wohlige Wärme, sein präzises Akustikgitarrenspiel gab den Takt vor; der wie eine tapezierte Fahrradspeiche anmutende, hagere Sean Staples und der Holzfäller-Typ, Thomas Juliano (von Seven Mary Three), zeigten sich für die solistischen Glanzlichter verantwortlich. Erstgenannter ließ wieder ein Mandolinengezwitscher vom feinsten vom Staples, ähm vom Stapel, das ihn in freier Natur vermutlich ins Fadenkreuz so manches Ornithologen geraten lassen würde, Juliano beeindruckte mit variabler E-Gitarrenkunst. Und er war es auch der diesen Thibaud-Auftritt zu meinem Favorit werden ließ.

Die Brandbreite reichte vom sattem Rhythmusspiel, über klassische E-Soli bis zu atmosphärischen Bariton-Klängen, sowie letztendlich einer surrenden Slide-Performance beim den Hauptset abschließenden „You & Me“. Sprich, Thomas Juliano machte den Unterschied! Der in drei Teile gesplittete Abend (Set 1 von 21:15 – 22:00 Uhr, Set 2 22:20 – 23:10 Uhr, Zugaben 23:15 – 23:30 Uhr) umfasste 25 Stücke, die im Großen und Ganzen ein Best Of seiner vier Studioalben „Little Mystery“ (u.a. großartig das Titelstück und das mandolinenverzierte „Anywhere“), „Squash“ (u.a. „Is It Love?“, das flockig dargebotene „St. Cecilia“), „Northern Skies“ (u.a. mein Thibaud-Lieblingsstück „Louisiana“, das rockige „Three Words“, das rhythmische „On My Own Again“ mit fetzigem E-Solo) und dem aktuellen Silberling „Broken“, der natürlich den Schwerpunkt bildete (bis auf vier Tracks alles, wobei das atmosphärische „Simple Man“, die countryeske Ballade „Man That I Am“, das mit Honkytonk-Flair behaftete „Stone I Can’t Roll“ und das Slide-trächtige „You & Me“ besonders zu gefallen wussten). Drei Stücke (enthalten auf einem Blue-Rose-Bootleg: „Give Back My Heart“, „That Wasn’t Me“ und „Sweet Destiny“) waren mir bisher nicht bekannt, überzeugten aber allesamt.

Der vom recht sachlichen Publikum eingeforderte Zugabenteil umfasste insgesamt fünf Songs. Darunter ein balladeskes Tom Waits-Cover und „Johanna’s Dreams“, das Todd recht intim, solo, und mit eigens gespielter Harp-Ergänzung performte. Das am Ende noch mal richtig mit kompletter Band abrockende „Finding Out“ von Thibauds damaligem Debüt beendete einen starken, intensiven, instrumentell anspruchsvollen und sehr melodiebetonten Abend. Todd Thibaud & Band sind von daher immer einen Konzertbesuch wert. Auch beim nächsten Mal werde ich sicherlich wieder mit von der Partie sein. Großartiger Live-Stoff!

Todd Thibaud
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Blue Rose Records
Karo Wesel

Chely Wright – 21.07.2006, Knust, Hamburg – Konzertbericht

Da muss man doch glatt wieder 400 km runterreißen, um mal ein New-Country-Konzert hier in Deutschland erleben zu können. Chely Wright spielte ihr einziges Konzert in Hamburg, was blieb einem da übrig? Meine Frau und ich hatten uns gemeinsam diesen Event im Zuge unserer kurz aufeinender folgenden Geburtstage geschenkt. So reisten wir schon Freitag früh morgens an und machten uns zunächst einen schönen Tag in der norddeutschen Metropole.

Danach zurück zum Hotel, duschen und mit der U-Bahn ab zum Knust. Eine wirklich feine Location: Ein mit Hohlzbohlen belegter, mittelgroßer, einladend wirkender Vorplatz, dann links seitlich gelegen die gemütliche Kneipe, vor der ein Grill aufgebaut war und auf dem für die wartende New-Countryklientel (einige Leute mit typischen Outfit) die Würstchen bruzzelten. Innen drin, eine Bullenhitze, der Bierdurst meldete sich unvermittelt.
Der Konzertsaal ähnelte von seiner Art und Größe dem Schwarzen Adler in meiner Heimatstadt, nur dass man hier noch die Möglichkeit hatte in eine höher gelegene Etage emporzusteigen, so dass man sich ein wunderschönes, logen-ähnliches Plätzchen mit optimalem Ausblick sichern konnte. Einziger Nachteil: Der unumgängliche Weg zur Theke wurde etwas erschwert, dafür lagen aber die Toiletten auf dem Weg…

Gegen 20.30 Uhr legte sie mit „C’est La Vie (You Never Can Tell)“ dem alten Chuck Berry-Klassiker von ihrem noch aktuellen Album „The Metropolitan Hotel„, das ich bei Erscheinen für meinen anderen Partner Bärchen Records reviewt habe, los wie die Feuerwehr. Das Publikum ging sofort begeistert mit. Tränen des Schweißes und der Freude, wie man sie sonst nur im Fußball bei einem Spiel von Rot-Weiss Essen erlebt, liefen direkt über die Wangen. Ein gelungener Start! Chely Wright entpuppte sich im weiteren Verlauf als kleine Quasselstrippe und suchte fast vor jedem weiteren Stück den Dialog zu den Leuten.

„She Went Out For Cigarettes“ und „It Was“ waren die Highlights der guten, und abwechslungsreichen ersten Stunde, gespickt mit ein paar Weltpremieren, in der vor allem auch ihre hervorragende und sympathisch wirkende Begleittruppe instrumentaltechnisch zu gefallen wusste. Danach folgte ein Akustikset, bei dem sie auch ihre Spielkunst an der Gitarre unter Beweis stellte. „The River“ mein persönliches Lieblingsstück der noch aktuellen, bereits o.a. CD, leitete dann eine recht interessante Schlussphase an.

Gespannt war ich, ob und wie sie ihren pro-amerikanischen Irak-Kriegssong „The Bumper Of My S.U.V.“ verkaufen würde (es geht um einem Autoaufkleber, den ihr Bruder ihr aus dem Golf-Krieg zugeschickt hat und der jetzt an ihrem Wagen klebt). Sie tat es, auch wenn sie sichtlich nervös in ihrer Ansage wirkte, wohl wissend, dass sie sich in Good Ole Germany unter Umständen auf sensiblen Parkett bewegen könnte. Höflich, wie Cowboys nun mal sind, lies man sie ihr Liedchen ohne kritische Zwischenrufe vortragen und gut war es.

Ihr Smash-Hit „Single White Female“, ein wunderbarer, rhythmischer Country-Rock-Song bildete den Abschluss, des Hauptprogramms, wo selbst meine Frau, die ja eigentlich für das Fotografieren zuständig ist, mir vor Begeisterung beim Mitklatschen den Schreiber für meine Notizen aus der Hand schlug, und der prompt über das Geländer in die unteren Stehränge flog. Oder war es doch eine Folge des sich verändernden Reaktionsvermögens meinerseits, nachdem ich den enormen Flüssigkeitsverlust mit einer recht üppigen Menge dieser lecker schmeckenden 0,33l-Jever-Fläschchen auszugleichen versucht hatte…?!

Die stürmisch eingeforderten Zugaben wurden mit drei weiteren Songs belohnt und Chely betonte, in jedem Fall im nächsten Jahr hier wieder auftreten zu wollen, wenn man sie lassen würde. Klar doch Mrs. Wright , wer sollte was dagegen haben? Am Schluss wurde noch mal einer der glänzend aussehenden, deutschen Cowboys auf die Bühne geholt, Chely gratulierte zum Geburtstag. Nach zwei Stunden war ein schweißtreibender, stimmungsgeladener Gig in super angenehmer Atmosphäre zu Ende gegangen.

Doch nicht genug. Im Anschluss gab die Hauptakteurin bereitwillig noch eine gute Stunde Autogramme, plauderte mit jedem ein paar Sekunden und bedankte sich höflich per Handschlag für das Kommen. Ich wies sie kurz auf unser Magazin hin, und bat sie, in ihren Kreisen mal die Werbetrommel in Sachen New-Country und Deutschland zu rühren. Vielleicht muss ich ja mal irgendwann nicht mehr soweit reisen…

Alles in Allem eine wirklich positive Publicity in Sachen New-Country. Danke Chely Wright !

Chely Wright
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Knust Hamburg

King King – 11.09.2015, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Manch einer unserer Leser mag sich fragen, was eine britische Blues Rock-Formation in einem Magazin zu suchen hat, das mit seinem Namen eine Affinität zu Südstaaten Rock-Musik aus den Staaten proklamiert. Sicherlich berechtigt solcher Gedanke, aber ich bin durchaus der Meinung, dass Alan Nimmo aufgrund seines hervorragenden und variablen E-Gitarrenspiels (auch auf der Southern-typischen Gibson Les Paul) durchaus in unseren Kreisen von vielen Sympathisanten wohlwollend akzeptiert werden wird. Außerdem begibt er sich, besonders, wenn er mit seinem Bruder Stevie als die Nimmo Brothers firmiert, mit so mancher Cover-Nummer (u.a. furiose Version von „One Way Out“) gerne auch mal in diese Gefilde. Alan ist also zweifelsfrei einer von ‚Uns‘.

Der Auftritt von King King im Yard Club trug dann auch zu einem rundum gelungenen Abend bei. Endlich mal kein Stau auf der Fahrt von Essen in die Domstadt, der aufmerksame Parkplatzwächter sorgte mit scharfem Augenmaß dafür, dass auf dem kleinen Parkplatz ein Optimum an Ausnutzung erreicht werden konnte (er hatte vermutlich Lineal und Wasserwaage zu Hause liegen lassen…). Unproblematischer Einlass (danke an Dani von Goodtime Booking und Marcus vom Club) und mit kleiner Verspätung läutete Alan Nimmo (Lead vocals, guitar) und seine Mitstreiter Lindsay Coulson (bass), Wayne Proctor (Drums, vocals) und Bob Fridzema (Keys, vocals) einen schweißtreibenden, aber vor allem hervorragenden Gig ein.

Nach der starken Eröffnung mit „Lose Control“ vom Debüt wurde natürlich das neue brandaktuelle Album „Reaching For The Light“ mit Nummern wie u. a. dem groovigen “Waking Up“, meinem Lieblingslied “You Stopped The Rain“ (mit saustarken E-Soli), dem in Bad Co.-Style rockenden “Hurricane“ oder dem Whitesnake-angelehnten “Stranger To Love“ ausgiebig beackert. Grandios auch Stücke wie “More Than I Can Take“ oder das herrlich shufflige “Let Love In“ (klasse der cool pumpende Bass vom im Gentleman-Manier zupfenden Lindsey Coulson, dazu gab es ein stimmungsvolles Bridge, bei dem das Publikum Mitsinggelegenheit erhielt).

Was wären King King ohne ihre unter die Haut gehenden Balladen? Auf “Long History Of Love“, sowie dem Frankie Miller-Cover “Jealousy“ geizte der Schotte (Nimmo stammt ja aus Glasgow) weder mit einfühlsamen Soli noch ließ er es sich nehmen, sein gewaltiges Stimmpotential (für mich einer der besten Blues Sänger der heutigen Zeit – auch wenn in diesem Genre m. A. n. schon immer eine chronische Vokalschwäche herrschte…) zur Freude aller Besucher (der Club war ziemlich gut gefüllt) zu präsentieren. Auch Bob Fridzema nutze die Gelegenheit immer wieder, seine schon antik anmutende Hammond-Orgel gurgeln zu lassen.

Alles mündete dann mit der letzten Zugabe in das Paradestück des Vierers, “Old Love“, bekannter Maßen aus der Feder von Eric Clapton. Der traditionell im Kilt performende Nimmo holte noch mal alles aus seiner Kehle und der geschulterten Stratocaster heraus, ergreifend natürlich die leise, ’stromlose‘ Passage im langen Solo-Teil, bei der man im Auditorium eine Stecknadel hätte fallen hören. Schön, dass hier das fachkundige Publikum (überraschender Weise auch viele sehr junge Mädels und Burschen dabei) fast ehrfürchtig und respektvoll lauschte, statt ,wie so oft üblich, sich zu (Rein-) Quatschereien hinreißen ließ. Der krönende Höhepunkt zum Abschluss des knapp zweistündigen King King-Auftritts, der allseits zufriedene Gesichter zurück ließ.

King King alias Alan Nimmo & Co. sollte auf jeder Agenda (Präferenzen hin oder her) eines Rockmusik-begeisterten Konzertbesuchers stehen. Hier bekommt man für überschaubares Geld ehrliche, sympathische und hochqualitative Blues Rock-Kost geboten. Schade und typisch , dass bis jetzt dieser Sparte zugeneigte Locations wie der ABC-Keller oder der Schwarze Adler in meiner Gegend dieses famose Quartett bisher noch nicht auf ihrem Schirm hatten. In Köln auf jeden Fall ein grandioser Abend!

Line-up:
Alan Nimmo (Lead vocals, electric guitar)
Lindsay Coulson (Bass)
Wayne Proctor (Drums, backing vocals)
Bob Fridzema (Keys, backing vocals)

King King
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Yard Club Köln
Goodtime Booking

Band Of Heathens – 13.02.2009, Karo, Wesel – Konzertbericht

Das ist mal wieder typisch. Da freut man sich seit Wochen auf die texanische Newcomertruppe Band Of Heathens und just an dem Tag, als es soweit ist, ereilt einen eine schwere Bronchitis. Aber da Typen meines Schlages sich von solchen Dingen normalerweise nicht zurückwerfen lassen, hieß es angesichts dieses zu erwartenden Genusses auf die Zähne zu beißen. Also ein paar lindernde Medikamente eingeworfen, zweimal inhaliert, ein ausgedehntes Mittagsschläfchen nach der Arbeit und ab zum immer wieder gern besuchten Karo nach Wesel.

Gerade angekommen, gab es schon die erste Überraschung. Der frühere RockTimes-Kollege Mike war von einem Bekannten kurzfristig überredet worden und ebenfalls angereist. Diesmal auch vertreten, mein befreundeter und musikbegeisterter Fußballbekannter Happo, genau wie wir ein mit viel Liebe führender Homepagebetreiber der Uralt-Ultras) von Rot-Weiss Essen, der mit großer Gefolgschaft und lockerer, Ruhrpott-typischer Zunge angereist war.

Als erster bekam dies der Musiker und Leiter des Karos, Mathias Schüller zu spüren, der kurzfristig für die eigentlich als Vorband geplante Weseler Schülercombo Without Wax eingesprungen war (dem Sänger mussten die Mandeln rausoperiert werden) und nur mit der Akustikklampfe behangen ca. 30 Minuten aus dem Programm seiner bisher drei veröffentlichten CDs, Songs mit deutschen Texten präsentierte. Als er vor dem letzten Stück ein wenig selbstironisch (bezeichnete sich als die zweite große Weseler Musikhoffnung) seine Silberlinge zu einem deutlich günstiger werdenden Staffelpreis beim Gesamtpaket zum Verkauf anpries, bekam er direkt die Breitseite, dass er da aber ein schlechter Geschäftsmann sei. Mit einem Lächeln aber auch etwas bedröppelt wirkend, verwies er entschuldigend auf seine sozialpädagogischen Wurzeln.

Also die Stimmung war von Anfang an gut im immer voller werdenden Karo. 21.15 Uhr betraten dann die in der Realität doch sehr jung wirkenden Musiker (mit einer augenscheinlichen Vorliebe für Rotwein) der Band Of Heathens die Bühne. Jeder der gleichberechtigt agierenden Frontmänner (Gordy Quist, Ed Jurdi und Colin Brooks) übernahm dann direkt für einen Song das Mikro, wobei das von Brooks gesungene „Hallelujah“ direkt zu einem der vielen Höhepunkte des Abends avancierte. Und so gab es in der ersten Stunde ein munteres Wechselspiel beim Front- (auch innerhalb der Stücke), Harmoniegesang und an den einzelnen Instrumenten, sowie in der abwechslungsreichen Mixtur aus Roots-, Country- und Southern Rock.

Mein Freund Happo, der die Band im Vorfeld um Filmerlaubnis für einen Song gebeten hatte (und auch genehmigt bekam) bediente die Kamera in der Manier eines Sönke Wortmann (der von ihm ausgewählte Song kann hier angesehen werden). Nach einer zwanzigminütigen Pause ging es so richtig in die Vollen, ein genialer Song löste den nächsten ab: Die mit Little Feat-Flair behafteteten „One More Step“ und „Unsleeping Eye“, mein persönlicher Lieblingssong der Band, das rockige „Heart On My Sleeve“, das mit einer grandiosen Hamonika-Passage von Ed Jurdi endende „Don’t Call On Me“ und der herrlich relaxte Delta-Blues „Chippin'“ (tolles Akustik-Slidespiel von Brooks).

Das Karo stand regelrecht Kopf, die anwesenden Zuschauer wippten, klatschten rhythmisch, zollten stürmische Begeisterung und avisierten die Zahlung von Höchstpreisen, falls die Band sich bald wieder bei uns blicken lässt. Die jungen Burschen von Band Of Heathens zeigten sich sichtlich beeindruckt von der fulminanten (fast Hafenstraßen-ähnlichen) Stimmung und gaben noch mal alles.

Mit dem souligen „Ain’t No More Cain“, bei dem dann der sich bis dato im Hintergrund haltende Bassist Seth Whitney noch eine Strophe zum Besten geben durfte und frenetisch dafür bejubelt wurde, schien um 23.50 Uhr dann Schicht zu sein. Angesichts des anhaltenden Applauses aber legten die Jungs nochmals zwei Lieder oben drauf. Zum einen das balladeske „Quaters And Dime“, zum endgültigen Abschluss eine ca. zehn Minuten währende Fassung von „Still Love Me ‚Til The Sun Shines“ mit einer fantastischen, retro-psychedelisch anmutenden und kräftezehrenden Gitarrenpassage am Ende. Grandios!

Um 0:10 Uhr, nach knapp drei Stunden, verließen nur glückliche und zufriedene Gesichter das Karo. The Band Of Heathens war den Vorschusslorbeeren mehr als gerecht geworden und hatten ein regelrechtes Feuerwerk an Americana vom Feinsten abgeliefert. Einziges kleines Manko ist vielleicht noch der recht verhalten kommunikativ wirkende Übergang zwischen den einzelnen Stücken, da hätte man sich durchaus das Vorstellen der Bandmitglieder oder einzelner Songs gewünscht. Aber die Burschen haben ja noch eine Menge Zeit. Für mich steht fest, dass ich auch beim nächsten Mal versuche dabei zu sein, egal ob man mich kerngesund, von der Intensivstation, aus der Leichenhalle oder sonst wo her ankarren müsste…

Danke an Blue-Rose für die, wie immer, unproblematische Akkreditierung.

Line-up:
Ed Jurdi (vocals, guitars, keyboard)
Gordy Quist (vocals, guitars)
Colin Brooks (vocals, guitars, dobro)
Seth Whitney (bass, vocals)
John Chipman (drums, backing vocals)

The Band Of Heathens
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Blue Rose Records
Karo Wesel

Marc Broussard – 02.04.2015, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Man sagt ‚Viele Wege führen nach Rom‘, ähm bzw., auf den heutigen Abend bezogen, nach Dortmund. So ähnlich erging es mir mit Marc Broussard, auf den ich vor Jahren auf eher ungewöhnliche Weise gestoßen bin. Auslöser war eine britische Melodic Rock-Band namens The Ladder, deren Musik eigentlich recht wenig Gemeinsamkeiten mit der, des aus Carencro, Louisiana stammenden Singer/Songwriters aufweist.

Das im Rahmen der CD „Sacred“ geführte Interview mit deren Gitarristen Gerhard Pichler und der anschließende, nette Kontakt zu ihm mündete in eine weitere Bekanntschaft mit einem Freund Gerhards, namens Martin Büchele, der in Wien neben einem Creativ-Studio u. a. eine Homepage in Sachen Westcoast/AOR-Musik betrieb. Unser reger Musikaustausch führte irgendwann dazu, dass er mir einen gewissen Marc Broussard näher brachte, von dem ich mir dann auch ein paar Alben zulegte, natürlich im Vorfeld des Konzertes auch seinen schönen aktuellen Silberling „A Life Worth Living“.

Ja, so kann es gehen. Und am Abend des 02. April stehe ich nun an einem Tisch vor der Bühne des mit knapp 70 Zuschauern dünn besiedelten Dortmunder Pianos (danke übrigens auch noch mal an Jenny von 3Dog Entertainment für die nette und kooperative Zusammenarbeit), um ihn das erste Mal live zu begutachten. Vor einigen Wochen hatte er ja bereits als Support des unwiderstehlichen JJ Grey, der letztes Jahr diese Location (da fast ausverkauft) zum Kochen gebracht hatte, ein bisschen germanische Luft schnuppern dürfen (u. a. Im Rahmen des Rockpalasts). Erfreulich ist, dass solch tolle Musiker mittlerweile – in den Staaten oft vor großer Kulisse spielend -, Deutschland als interessanten (Zweit-)Markt vernommen haben, wobei aller Anfang, was Zuschauerpräsenz angeht, nicht so einfach ist. Der gemeine deutsche Michel verprasst seine Moneten halt erst mal lieber für billige Amateur-Cover-Bands oder die entrückten Stars der Musikbranche, so abgehalftert sie auch sein mögen…

Marc Broussard eröffnete mit seinen beiden Mitstreitern Chad Gilmore (Drums) und Pierangelo Crescenzio (Bass – was für ein klingender Name) um 20:15 Uhr den Reigen seiner Stücke mit „Paradis“, einem ruhigen Midtempotrack. Er hatte zunächst die akustische Gitarre geschultert. Ab dem funkigen „Try Me“ streifte er dann die elektrische über. „Love And Happiness“ (mit Gospelpassage) und das leicht angejazzte „Come In From The Cold“ folgten.

Nach kurzer Akquise fürs aktuelle Album gab es mit dem cool groovenden „Weight Of The World“ auch das erste Lied aus diesem Werk zu hören. Auf Wunsch wurde dann das für einen aus Musiker Louisiana zum Stammrepertoire gehörende, launige „Mardi Gras“ eingestreut. Gänsehaut erzeugte dann die geniale Southern Soul-Ballade „Lonely Night in Georgia“, ein Hammersong! Mit dem, nach ruhigem Beginn, schön Fahrt aufnehmenden „Shine“ sowie dem melodischen „Hurricane Heart“ legte Marc nochmal zwei aktuelle Nummern nach.

Anschließend wurde der Bill Withers-Klassiker „Lovely Day“ schön mit „Saturday“ vom „Carencro“-Album als Mini-Medley in Einklang gebracht. Die einzige Single-Nr. 1 von Marc Broussard in Deutschland folgte auf dem Fuße. Sie wurde jedoch nicht von ihm selbst erzielt. Der kürzlich leider verstorbene Joe Cocker nahm den Song „Hard Knocks“ auf und heimste die Lorbeeren ein. Immerhin eine schöne Geste, eher nur Insidern bekannten Leuten wie Marc Broussard, damit in Sachen Bekanntheitsgrad und vermutlich, was Tantiemen betrifft, ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

Das für Broussard eher unüblich hart rockende „Dyin‘ Man“ und das sich in einen fast psychedelischen Rausch steigernde „Home“ beendeten einen feinen Hauptteil. Marc ließ sich nicht lange um die vehement geforderten Zugaben bitten. Der als absoluter Familienmensch bekannte Musiker (Vater von vier Kindern) performte die Songs für seine Söhne Gibb und Gavin im Alleingang (mit Akustikklampfe). Als Rausschmeißer wurde dann wieder im Trio mit Bob Marleys „Waiting In Vain“ ein relaxtes Reggae-Feeling verströmt.

Fazit: Ein schönes Konzert mit noch Luft nach oben. Mir fehlte in jedem Fall an diesem Abend im Piano paradoxer Weise ein Klavier und Backgroundsängerinnen sowie optional noch Blasinstrumentalisten. Die würden der Musik sicherlich noch viel mehr Volumen und Intensität verabreichen. Aber klar, dass angesichts des noch nicht so erheblichen momentanen Bekanntheitsgrades und der ersten Solotour hier noch nicht das große Besteck aufgelegt wurde. Kann ja noch kommen…

Ach so. Da gab es noch ein paar junge Leute, die den ganzen Abend nichts anderes zu tun haben zu schienen, als einen Song namens „Cruel“ zu fordern. Der Protagonist hatte bereits relativ am Anfang des Gigs vermerkt, dass er das Lied nicht spielen kann, ja, sich nicht mal an seinen Text erinnern kann. Dazu quatschten sie noch despektierlich während der ruhigen Lieder. Manchmal kann auch so eine Veranstaltung wirklich grausam sein… Die Nervensägen gaben aber selbst nach dem Konzert keine Ruhe: Sie kreisten Marc ein, ein Bursche schnappte sich die Akustikgitarre und spielte ihm die Melodie vor. Der konnte sich dann tatsächlich auf ein paar Textzeilen zurückbesinnen und sang kurz mit. Anders herum somit wieder eine schöne Szene, die es wohl nur auf intimen Konzerten dieser Art zu erleben gibt.

Und dann war da noch die sympathische musik-begeisterte junge Dame aus Meerbusch, die den ganzen Gig neben mir verbracht hatte. Die angehende studierte Eventmanagerin (möchte sie zumindest laut eigener Aussage gerne werden), die den MB-Auftritt tags zuvor in Düsseldorf schon besucht hatte, tauschte sich rege mit mir über die Arbeit als Rockmusikredakteur aus und erhielt natürlich auch den einen oder anderen Interpretentipp von mir. Sie kaufte das einzig angebotene T-Shirt des Künstlers und konnte es kaum erwarten, sich das Hemd signieren zulassen. Ein Foto von ihr und Marc war natürlich ebenfalls Pflicht. Auch wenn wir gemeinsam feststellten, dass das graue Teil nicht zu den schönsten seiner Art zählt und der Verwendungszweck demnach noch offen erschien, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie es nach dem ersten hochsensiblen Waschgang in ihrem heimischen Bett tragen wird und selig darin von der Musik des Marc Broussards träumen wird…

Line-up:
Marc Broussard (vocals, guitars)
Pierangelo Crescenzio (bass, backing vocals)
Chad Gilmore (drums, backing vocals)

Marc Broussard
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Grainne Duffy – 27.10.2015, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Normalerweise hat mich die Stadt Leverkusen in meinem bisherigen Leben nur zu Spielen meiner geliebten Versagertruppe Rot-Weiss Essen gegen die heimische Werkself (wohlbemerkt natürlich nur gegen deren Amateurvertretung…) begrüßen dürfen. Obwohl ich ja fast Zeit meines Lebens auch im Rheinland wohne, fühlte ich mich eigentlich, nicht nur wegen meiner genetisch bedingten Fußballabnormität, doch eher zum Ruhrgebiet hingezogen. Nun fuhr ich an diesem herbstlichen Dienstagabend zum ersten Mal in musikalischer Angelegenheit in das aus vier Ortschaften zusammengewürfelte Pillendorf und mischte mich in der urigen und geschichtsumwobenen Kneipe topos zum Grainne Duffy-Gig unter die gleichgesinnten, überwiegenden rheinischen Frohnaturen.

Das topos ist ein ganz kleiner Raum, muss man fast schon sagen, bei dem der Thekenbereich auch noch fast die Hälfte der Örtlichkeit einnimmt. Wenn hier 80 Leute drin sind, kommt man sich vermutlich wie in einem indischen Überlandbus vor. An diesem Abend waren dann, inklusive mir, so ca. 30 Leute zugegen. Die sollten ihr Kommen auch nicht bereuen, denn sie erlebten einen tollen stimmungsvollen Gig, mit einer irischen Band, die sich voller Spielfreude und in Bestform präsentierte. Bandleaderin Grainne Duffy (lead vocals, guitars) und ihre Jungs (Paul Sherry – guitars, vocals; Eamon Ferris – drums; Paul McCabe – bass) spielten den Blues Rock ganz nach meiner Façon: Überwiegend modern und melodisch rockig, dazu immer mal wieder mit einem dezent unterschwelligen Country- und Southern Rock-Touch. Dazu kommt die tolle Stimme der hübschen Frontdame, ein Umstand, den ich bei den meisten Vertretern der Zunft oft vermisse.

Die zeigte sich vokal extrem variabel in Sphären von einer Sheryl Crow bis hin zu einer Röhre Marke Sass Jordan. Klasse! Was mir besonders gefiel, war das ebenfalls breit gefächerte Zusammenspiel sowie das Kombinieren von Paul Sherrys Stratocaster und Grainnes Gibson Les Paul. Dazu wechselten beide manchmal je nach Bedarf zur Akustikgitarre. Die Band präsentierte neben ein paar anderen Sachen natürlich so einige Stücke vom aktuellen „Live“-Album, hängen blieben vor allem die beiden fulminanten ‚Slow Bluese‘ „Good Love Had To Die“ und ihr unter die Haut gehendes Paradelied, das Etta James-Cover „I’d Rather Go Blind“, sowie das herrlich rhythmisch shuffelnde „Mountain To Climb“ (mein Favorit des Abends). Als Country- und Southern Rock- Fan kamen mir natürlich Tracks wie „Test Of Time“ und das fantastische „Time Is Not Enough“ bestens entgegen, gerade beim letztgenannten Lied kam man sich vor wie zur einstigen Rossington Collins Band-Zeit.

Angenehm auch das mit einem Reggae-Teint versehene „Sweet Sweet Baby“, knochentrocken dahin gerockt gegen Ende des zweiten Sets „Bad To Worse“. Der zierliche und schon doch ein wenig betagt wirkende topos-Besitzer Wolfgang Orth (eine echte Legende und Institution im Ort, wie ich aus Zeitungsberichten an der Außenwand-Vitrine des Gebäudes vernehmen konnte), war nach dem Ende des Hauptteils von Grainnes Performance so angetan, dass er sich bei Grainne mit einer Schar von Handküssen bedankte und auf die Bühne trat, um die Zuschauer zu noch stärkeren Zugabe-Rufen zu animieren. Fast völlig außer Kontrolle geraten, offenbarte er seine anhaltende Gänsehaut und geriet dabei so ins Schwärmen, dass sein Atem immer schwerer wurde. Man muss da fast von Glück sprechen, dass da gerade keine Viagra in unmittelbarer Griffbereitschaft lagen, aber seine geliebte Frau Ingrid war ja letztendlich auch noch zugegen… So blieb es dann doch nur bei einem liebevollen Zitieren der Protagonistin auf die Bühne.

Der ausgiebige Zugabenteil bestand dann u. a. aus einer interessanten Interpretation von Bob Dylans „I Shall Be Released“ und einer brandneuen rockigen Nummer namens „Black And White“. Nach über zwei Stunden Spielzeit ging ein begeisternder Gig zu Ende (übrigens auch bei toll und genau richtig abgemischten Sound), bei dem nur restlos zufriedene Zuschauer zurückblieben, die es sich danach natürlich nicht nehmen ließen, sich mit den mitgebrachten Merchandise-Artikeln einzudecken und diese von Grainne signieren zu lassen. Ich hatte dann noch die Gelegenheit, bei einem Bierchen an der Theke, ein paar Worte mit Paul Sherry zu wechseln.

Fazit: Das Grainne Duffy-Konzert an diesem Abend in Wohnzimmeratmosphäre zählt neben dem King King-Auftritt im Yard Club eindeutig zu meinen persönlichen Highlights des Jahres 2015. Diese sympathische Dame und ihre tolle Band werde ich sicherlich nicht zum letzten Mal live gesehen haben!

Grainne Duffy
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Topos Leverkusen

The Freeway Revival – 12.12.2015, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Manchmal hat man halt so seine Eingebungen. Eigentlich hatte ich nur mal auf der Homepage der Kulturrampe geschaut, was so läuft und wurde auf die mir bis dato unbekannte Band The Freeway Revival aus North Carolina aufmerksam. Als ‚Cool Organic Hippie Rock‘ mit Bezügen zum Southern Rock wurde ihr Stil beschrieben, also live zumindest für mich durchaus interessant. Ich hörte dann mal kurz in Soundfiles ihrer beiden bisher veröffentlichten CDs „Songs From Home“ und „Over The Mountain“ hinein und war mir immer noch unsicher, da mir die Stimme ihres Sängers Adam Clayton doch etwas zu dünn ausfiel. Der Umstand meiner positiven Entscheidung ihres Besuchs wurde jedoch durch mein neues Auto beeinflusst, das mich so ein wenig in die musikalische Neuzeit hineinkatapultiert hat.  The Freeway Revival – 12.12.2015, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht weiterlesen

Cameran Nelson – Good Thing Going – CD-Review

Nelon

Tolle Vorstellung von Cameran Nelson, der mit seinem zweiten Album „Good Thing Going“ eine deutliche Weiterentwicklung zu seinem Debüt vor zwei Jahren erkennen lässt. Er zählt zur Zeit sicher zu den größten Talenten der texanischen Musikszene. Sein Erstling „Happy To Beer“ hatte ihm bei den dortigen Awards gleich drei Nominierungen in den Sparten ‚Male Vocalist‘, ‚Rising Star‘ und ‚Record of the Year‘ eingebracht. Also kein schlechter Karrierestart! Und mit dem Song „35 Runs Both Ways“ gab es auch direkt den ersten Nr. 1-Hit in den Texas Music Charts. Sein neues Werk spannt den Bogen direkt weiter.  Cameran Nelson – Good Thing Going – CD-Review weiterlesen

Cam – Untamed – CD-Review

Cam

Tolles Major-Debütalbum der aus Kalifornien stammenden Cameron Ochs, die aber unter ihrem schlichten Künstlernamen Cam firmiert. Fünf Jahre hat die hübsche, quirlig-gelockte Blondine laut eigener Aussage an Zeit in ihre elf Songs investiert. Und ‚Gut Ding braucht Weile‘ heißt es ja auch im Volksmund, was hier absolut zutrifft. „Untamed“ heißt ihr Erstwerk und ist unter der Regie der in Countrykreisen nicht so geläufigen Tyler Johnson und dem eher in Pop-Gefilden bekannten Jeff Bhasker (Beyonce, Bruno Mars) entstanden.

Die talentierte 32-jährige hat sämtliche Stücke in Zusammenarbeit mit verschiedenen, z. t. namhaften Co-Autoren wie Casey Beathard, Jeremy Spillman, Phil Vassar oder Luke Laird kreiert, aber auch mit vielen, in Nashville eher nicht so gängigen Mitschreibern, wie Zachary Werner, Anders Mouridsen, David Manzoor und Nathalie Murphy, wobei natürlich auch Tyler Johnson (fast alle Lieder) und Jeff Bhasker (2 Songs) stark involviert waren. Übrigens ist Mrs. Ochs keine Unbekannte auf dem Gebiet. Sie hat früher schon Künstlerinnen wie Maggie Rose und Miley Cyrus mit Stücken versorgt. Auch bei den Musikern macht es die Mischung. Die eine Hälfte bildete die erlesene Nashville-Studio-Elite mit Koryphäen wie Tom Bukovac, Glen Duncan, Tony Lucido, Russ Pahl, der Rest setzt sich vorwiegend aus weniger frequentierten Musikern wie u. a. Dan Needham, Joeie Canaday, Kris Donegan, Douglas Charles Stowalker, Anders Mouridsen oder Alex Salbian zusammen, wobei natürlich auch hier Johnson und Bhasker eine ebenfalls tragende Rolle spielten.

Das lässt die Musik von Cam insgesamt sehr frisch und spürbar unverbraucht klingen. Der eröffnende Titelsong „Untamed“ startet mit Grillenzirpen und einer, einen heranrauschenden Zug simulierenden Harpeinlage, die dann in einen mit Banjo-Rhythmus (dazu viel Mundharmonika) unterlegten, knackigen New Country-Feger mündet. Die Nummer macht direkt Laune und ist hitverdächtig. Dies gilt aber auch für fast alle anderen Tracks, wobei hier aber auf die in Nashville zur Zeit üblichen effekthascherischen Pop-Anbiederungen fast gänzlich verzichtet wurde, wie zum Beispiel das folgende „Hangover On Heartache“ mit seiner markanten Refraintitelzeile und das atmosphärische „Mayday“.

Ausgewählt als Single wurde das großartige, aber eher Single-untypische „Burning House“, das sehr zurückgenommen (eine klare Akustikgitarre dominiert) und mit herrlichen Violinen- und Celli-Klängen instrumentiert wurde. Ein, ohne jeglichen Anflugs von Kitsch, unter die Haut gehender Song. Klasse! Belohnt direkt mit Platz 4 in den Billboard Country Single-Charts. Geht doch, Nashville, möchte man da fast sagen!

Das, wie der Titel es schon suggeriert, unterkühlt wirkende „Cold In California“ überrascht mit einem kurzen Bass-Solo, statt der sonst hierfür vorgesehenen Instrumente wie E-Gitarre, Fiddle oder Steel. „My Mistake“, ein flottes, tanzbares Countrystück (schöne leierige Steelfills, klasse Bouzouki-Spiel von Glen Duncan) und das frech gesungene, gypsy-folkige „Runaway Train“ lassen das Tempo wieder anziehen. Herrlich das Honky Tonk-Piano-Intro zu „Half Broke Heart“, das als cool groovender, sehr melodischer Banjo-Countryshaker weiterverläuft.

Auch das von Claps und ansteckenden Harmoniegesängen bestimmte „I Want It All“ ist ein potentieller Hitkandidat, der auch bei ihren Konzerten aufgrund des leicht merkbaren Chorus zum Mitsingen animieren wird. Macht unglaublich Laune! Beim mit typisch coolem Erzählgesang von Statten gehenden „Country Ain’t Never Been Pretty“ (herrliche Retro E-Gitarren-Fills) sieht man vorm geistigen Auge, wie sich „die Ochs“ sexy und lasziv auf der Bühne bewegt (hat ein bisschen countryeskes „Leave Your Hat On“-Flair). Darüber hinaus eine schöne, textlich augenzwinkernde Nummer!

Den tollen Abschluss bildet das grandiose „Village“, das im Singer-Songwriter-Stil der Extra-Klasse dargeboten wird und einen wieder absolut gefangen nimmt. Stark. Erinnert an Großtaten von Lori McKenna. Cam, alias Cameron Ochs überzeugt mit ihrem Debüt „Untamed“ auf ganzer Linie. Die Dame vereint in sich sowohl das Talent von poppigeren Interpretinnen wie Carrie Underwood, LeAnn Rimes und Kellie Pickler, als auch tiefgründigerer Musikerinnen der Marke Carolyn Dawn Johnson, Allison Moorer oder besagter Lori McKenna. Die Musik und der klare, transparente Sound wirken frisch und unverbraucht, ja ansteckend. Einer der vielversprechendsten Einstiege des Jahres 2015 in Nashville. Wir ziehen den Hut und konstatieren: Yes, we Cam!

RCA / Arista Records (2015)
Stil: New Country

01. Untamed
02. Hungover On Heartache
03. Mayday
04. Burning House
05. Cold In California
06. My Mistake
07. Runaway Train
08. Half Broke Heart
09. Want It All
10. Country Ain’t Never Been Pretty
11. Village

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