Laidlaw – The Foam Box Sessions – CD-Review

Lai

„Öfter mal was Neues“, nach diesem Motto scheint besonders Laidlaw-Führer Craig DeFalco sein musikalisches Leben zu bestreiten. „Revolution Is Coming“ heißt es auf Laidlaws drittem Album „The Foam Box Sessions“, dass unter der Regie von Joe Hardy (ZZ Top, Steve Earle) in Houston, Texas produziert wurde. Die bandinterne Revolution hatte aber wohl bereits im Vorfeld stattgefunden, mit dem Ergebnis, dass nicht wie beim letzten Mal nur der Sänger und Produzent, sowie Entdecker Nikki Six (übrigens Bassist von Mötley Crue) auf der Strecke blieben, sondern diesmal die gesamte restliche Truppe.

Übrig blieb Leader Craig DeFalco. Aber nicht nur personaltechnisch führt die DeFalco-Gefolgschaft ein bewegtes Leben, auch stilistisch hat man sich scheinbar einen ständigen Wandel auf die wehenden Fahnen geschrieben. Beim starken Debüt „First Big Picnic“ hieß noch 1999 die Maxime ‚Southern-orientierter Hard-Rock‘, die beim hervorragenden Nachfolger „Laidlaw“ von 2004 durch ‚Countryfizierten Southern-Rock‘ abgelöst wurde (sh. auch alten Artikel). Mittlerweile hat sich die Band wieder von den etwas ruhigeren Tönen abgewendet, und dem psychedelisch-southern-angehauchtem Retro-Rock zugewendet. So was muss man erst mal hinkriegen, aber hier wurden die stilistischen Übergänge dank hervorragender Musiker wirklich fließend gemeistert.

Das aktuelle Laidlaw-Line-Up gibt sich wie folgt. Robbie Locke – lead vocals; Brian Huffman – guitars, lap steel, mandolin, harp, bouzouki, background vocals; Eric Jarvis – bass, guitars, B-3 Organ, background vocals; Greg Hokanson – drums, background vocals. Ein Verdienst sicher auch von Sänger Robbie Locke, dessen Stimmlage sich von Ex-Frontmann Joey Pantera kaum unterscheidet, und der mit einer ebenso rotzig-dreckigen Röhre den recht aggressiv-kraftvollen Tönen seiner Mitstreiter bestens Paroli bietet. Ein merklicher Gewinn ist sicher Drummer Greg Hokanson, der mit teilweise maschinengewehrartigen Trommelwirbeln dem Sound der Band erheblich mehr Volumen und Power verleiht.

Die beiden Gitarristen setzen diesmal den Schwerpunkt weniger im Solo-Bereich (von denen es natürlich aber auch einige zu bewundern gibt), liefern sich jedoch in der wechselseitigen Untermalung mit psychedelischen-Retro-E-Riffs, wie einst Jimi Hendrix oder Jimmy Page ihre ständigen kleinen Duelle. Dafür präsentieren sie sich dann mal exklusiv an ihren Nebeninstrumenten wie DeFalco an der Dobro bei „Let Your Love Shine“ oder Huffman an der Harmonika beim texas-bluesigen Stomping-Rocker „Austin City Wendy“, beim Bouzouki-Intro von „Down So Long“ oder beim Mandolinen-Break von „Swan Song“. „Over the hills and far away there’s a whole lotta love…“ heißt es hier, und der Song ist wie schon beim letzten Mal bei „Ode To Ronnie (Lynyrd Skynyrd-Tribute)“ als titelbestückte Hommage an eine weitere Band gedacht, die als maßgeblicher Einflussgeber in ihrer Bio benannt ist, nämlich Led Zeppelin.

Weitere Bezugsgrößen gehen in Richtung Black Crowes, vielleicht ein wenig Lenny Kravitz beim recht überdrehten „War Machine“, und die zum Teil meditationsinspirierten Stücke wie „Open Up Your Mind“ und die abschließende sechs-minütige Ballade „A Little Time“ (starkes Mellotron-Intro und emotionale Streicherunterlegung von Joe Hardy), die im weitesten Sinne so ein wenig Flair von „Seagull“, dem Abschlussstück des einstigen Bad Company-Klassikers „Bad Company“ vermitteln.

Der Southern-Rock lebt dann vornehmlich in den melodischen, aber ebenfalls auf recht hohem Tempo beweglichen Songs wie „Sunshine Woman“ (schönes E-Break) oder „Nascar Superstar“ (klasse Slide-Gitarren). Nach einer wirklich sehr powervollen Dreiviertelstunde muss man selbst nach der oben erwähnten Abschluss-Ballade erst mal tief durchatmen, die Band ging wirklich ein enormes Tempo. Die Scheibe bietet höchstes Musikniveau und ist sowohl für die härtere Fraktion als auch für Anhänger klassischer, im Dunstkreis befindlicher o.a. (Retro-)Rock-Bands durchaus als antestenswerte Alternative zu empfehlen.

Der neben Southern Rock schwerpunktmäßig (New-) Country-liebende Autor des Artikels möchte allerdings nicht verheimlichen, dass ihm die zweite Scheibe aufgrund ihrer ruhigeren und insgesamt melodischeren Art nach seiner persönlichen Definition besser gefallen hat als „The Foam Box Sessions“, und er vor allem die bis dato immer verwendeten, tollen weiblichen Backs vermisst. Aber wer weiß, was Craig DeFalco, alias Laidlaw demnächst wieder für Überraschungen in petto hat, die nächste Revolution kommt bestimmt…

Yessir Records (2006)
Stil: Rock / Southern Rock

01. Intro
02. Revolution Is Coming
03. Let Your Love Shine
04. Open Up Your Mind
05. Swan Song (Tribute To Led Zeppelin)
06. War Machine
07. Sunshine Woman
08. Austin City Wendy
09. Nascar Superstar
10. Are You Living Your Dream
11. Down So Long
12. A Little Time

Bärchen Records

The Marshall Tucker Band – The Next Adventure – CD-Review

Die Marshall Tucker Band gibt es nun bereits seit 35 Jahren. Ich habe sie seit frühesten Tagen immer recht gerne gehört, muss allerdings gestehen, ihr Treiben in den vergangenen Jahren fast völlig aus den Augen verloren zu haben. Mein letzter richtiger Berührungspunkt war eigentlich das tolle Debüt-Album ihrer einstigen Mitglieder, Jerry Eubanks und Paul Riddle, die ihre neue musikalische Heimat in einer schon vor einiger Zeit in einer Band namens SevenMoore gefunden haben.

Die Marshall Tucker Band! Jeder weise Rockfan kennt ihre großen Songs wie „Can’t You See“, „Take The Highway“, „24 Hours At A Time“, und wie sie alle heißen. Verbunden hat man mit ihr in erster Linie die beiden Caldwell-Brüder, Toy und Tommy, die leider schon seit längerem nicht mehr unter uns weilen. Ebenfalls seit kurzem verstorben ist ihr damaliger Rhythmus-Gitarrist George McCorkle, der zum aktuellen Werk „The Next Adventure“ noch mal drei Tracks beisteuerte, aber auch schon seit längerem nicht mehr zur Truppe gehörte.

Übrig geblieben ist eigentlich nur noch Sänger Doug Gray, der als letzter im Bunde der Ursprungsmitglieder die Fäden des Bandgefüges mit viel Fingerspitzengefühl zusammenzuhalten scheint. Southern-Fans dürften Drummer B B. Borden aus früherer Molly Hatchet-Zeit und Chris Hicks aus seinen Outlaws-Tagen sicherlich geläufig sein. Stuart Swanlund an der zweiten Gitarre, David Muse an der MTB-markanten Flöten- und Bläser-Position, sowie Pat Ellwood am Bass vervollständigen das Line-up und tragen eindrucksvoll mit dazu bei, dass das musikalische Erbe von Caldwell & Co. lebendig gehalten wird.

Wie schon zu früheren Zeiten haben sich auch für ihre neue CD wieder jede Menge Gastmusiker und Songwriter (u.a. Michael B. Smith, Paul Hornsby, Tony Heatherly) eingefunden, um den traditionell familiären Charakter fast aller MTB-Werke weiter zu pflegen. Bei der Zusammenstellung der Instrumental-Besetzungen der einzelnen Stücke kann man feststellen, dass sich keiner allzu wichtig zu nehmen scheint. Bis auf Chris Hicks gönnen sich alle festen Mitglieder die eine oder andere Auszeit, und lassen sich an ihren Positionen adäquat ersetzen.

Von den insgesamt zehn Songs gefallen mir acht ganz ausgezeichnet, lediglich der steelgetränkte Countryheuler „A Sad Cowboy Song“ und das abschließende „Jesus Never Had A Motorcycle“ fallen ganz dezent ab. Bei den beiden Openern „The Guitar Playing Man“ und „Come Runnin‘ Like A Friend“ mit diesem unnachahmlichen MTB-Flair (herrlich die Flöten-Parts und auch das filigrane Spiel von Hicks an der klassischen Gitarre) fühlt man sich in das Coverbild (ein reitender Cowboy blickt von einem Felsen auf einen See im Sonnenuntergang) regelrecht reinversetzt.

Stark auch das bluesige „Travelin‘ Man“ (Harp- und Slide-Einlagen), das ein wenig im Allman Brothers-Stil präsentiert wird. „Cold Steel“ und „Down This Road Before II“ sind zwei wunderbare gitarrenbetonte, melodische Countryrocker, bei denen Hicks und Borden auch ihre exzellenten Gesangsqualitäten unter Beweis stellen. Schon bald New Country-Charakter weist das im Duett gebrachte „I Love You That Way“ (Chris Hicks und Dougs Tochter Gabrielle Gray) auf. Das Lied wäre durchaus mal für Faith Hill und Tim McGraw als Cover eine Alternative. Eine Nummer aus der Feder von Toy Caldwell „Why Am I Crying?“ (ein dezent angejazzter, entspannter Barroom-Country-Song) sollte nicht unerwähnt bleiben.

Die Marshall Tucker Band fügt mit „The Next Adventure“ ein weiteres schönes Kapitel zu ihrer von guter Atmosphäre und einzigartigem Sound geprägten Bandgeschichte bei. Schöne, instrumental filigran auf den Punkt gestaltete Country-Songs mit den MTB-typischen Zutaten aus Rock, Pop, Jazz und Southern Rock geben Anlass zu großer Freude, lediglich die einst ausgedehnten Improvisationsparts blieben diesmal außen vor. Insgesamt aber eine tolle Team-Leistung! Mögen sie uns weiter noch lange erhalten bleiben!

Ramblin‘ Records (Shout! Factory) (2007)
Stil: Country / Southern Rock

01. The Guitar Playing Man
02. Come Runnin‘ Like A Friend
03. Travelin‘ Man
04. I Love You That Way
05. Cold Steel
06. Why Am I Crying?
07. Down This Road Before II
08. A Sad Cowboy Song
09. Crossroad
10. Jesus Never Had A Motorcycle

The Marshall Tucker Band
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Bärchen Records

Montgomery Gentry – My Town – CD-Review

Was für ein geiles Album! Nur den wenigsten, selbst guten, Bands des Business gelingt es heutzutage, nach zwei sehr guten CDs eine dritte auf gleichem Level nachzulegen. Und was machen Eddie Montgomery und Troy Gentry? Sie toppen noch ihre beiden Vorgänger, die mit so vielen tollen Songs wie „Hillbilly Shoes“, „Lonely And Gone“, „Daddy Won’t Sell The Farm“, „She Couldn’t Change Me“ oder „Cold One Comin‘ On“, nur um einige zu nennen, gespickt waren.

Dabei erfreut, dass man sich zwar aus finanziellen Aspekten weiter in New Country-Gefilden bewegt, aber inoffiziell immer mehr mit dem Southern Rock liebäugelt. Wahrscheinlich auch eine Folge des Wechsels von Producer Joe Scaife zu Blake Chancey, der dem Duo viel frischen Wind eingehaucht zu haben scheint.

So ist der kommerzielle Part mit dem Titelstück schnell abgearbeitet, bei dem aber eigentlich auch nur die „Nananas“ im Refrain nerven.
Danach reiht sich Knüller an Knüller: Ob bei Killerballaden wie „Break My Heart Again“ oder „Speed“, Midtempostücken wie „Scarecrow“ oder „Lie Before You Leave“, dreckigem Honky Tonk bei „Bad For Good“, Skynyrd-angehauchten Songs wie „Hell Yeah“ und „Free Fall“, oder zu Allman Brothers tendierenden Sachen wie „Why Do I Feel Like Running“ und dem Cover „Good Clean Fun“; das Duo verbreitet Southern-Feeling pur.

Die Scheibe besticht durch Ihre Abwechslung, die allein auch durch die unterschiedlichen Stimmcharaktere gewährleistet ist. Alles mit einem perfekten Klang glasklar abgemischt. Ein wahrer Hörgenuss! Die Nische, die bisher von Charlie Daniels oder der Marshall Tucker Band lange Zeit besetzt wurde, hat heute zurecht einen neuen Platzhalter: Montgomery Gentry!

Sony Music (2002)
Stil: New Country

01. My Town – Piano Intro
02. My Town
03. Break My Heart Again
04. Scarecrow
05. Bad For Good
06. Speed
07. Hell Yeah
08. Lonesome
09. Why Do I Feel Like Running
10. Free Fall
11. Lie Before You Leave
12. For The Money
13. Good Clean Fun

Montgomery Gentry
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Preacher Stone – PayDirt – CD-Review

Drittes Album der Southern Rocker aus Charlotte/North Carolina! Preacher Stone haben sich mit ihren beiden Vorgängeralben erhebliche Sympathien in Genre-Kreisen erspielt, ihr ungeschliffener ehrlicher Southern Rock im Stile der großen Vorbilder Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, Blackfoot & Co., aber durchaus mit eigener Note, wird in diesen Kreisen immer noch mit Wohlwollen angenommen, zumal die Band um die Leader Marty Hill und Ronnie Riddle nie auf die großen Budgets irgendwelcher großer Labels zurückgreifen konnte.

Auch ihr Drittwerk ist wieder in Eigenregie entstanden. Mit leicht veränderter Formation (zum Line-up gehören jetzt Michael Gilbert – guitar, slide, dobro; Josh Sanders – bass, vocals; Johnny Webb – keyboards und Mark Hill – drums) ist ihnen jetzt mit „PayDirt“ ihr mit Abstand stärkstes Werk gelungen. Hill und Riddle, die sämtliche Tracks verfasst haben, ist es erstmalig gelungen, eine klare Linie in ihr Gesamtwerk zu bringen, woran es gerade beim Vorgänger „Uncle Buck’s Vittles“, mit doch recht stark variierenden Stilelementen und sehr unruhig wechselnden Songs, noch ein wenig gehapert hatte.

Die Truppe, die sich selber nicht als Southern Rock Band sieht, sondern als Band aus dem Süden, ist ihren Heroen ein wenig dichter in den Nacken gerückt. Obwohl die meisten Basisriffs überaus kraftvoll, kantig und zuweilen sogar ein wenig metallisch kommen, spielt die Band nicht mehr ganz so hart wie bei den Vorgängern, was nicht bedeutet, das sie „weich“ oder gar lasch spielen – im Gegenteil. Die Power und Energie ist stets spürbar, aber alles wirkt etwas lockerer, Song-orientierter, flüssiger. Und das kommt richtig gut.

Klasse direkt der Opener „Day Late“, ein selbstironischer Song über Leute, die bei allen Dingen ewig zu spät im Leben kommen („I’m just a day late and a dollar short, my ship came in, I was standin’ at the airport“ heißt es im Refrain), geht nach ein paar kurzen Beckenschlägen durch Drummer Marty Hill und einem „Hell Yeah“-Ruf von Riddle direkt gitarrentechnisch in „Pearl Jam meets Molly Hatchet“-Manier ordentlich zur Sache. Klasse auch die gurgelnde Orgel von Johnny Webb im Hintergrund, die sich dann im weiteren Verlauf des öfteren von ihrer ganz feinen Seite zeigt.

Mit „Meet My Maker“ wird mit religösem Unterton im atmosphärischen Midtempo weitergemacht. Schön hier das typisch surrende Slide-Solo. Eine kurze Dobroeinlage („Shrevport Stomp“) dient als Vorspiel für den herrlich stimmungsträchtigen Footstomper-Boogie „Louisiana Dog“, der von wunderbar flotten E-Gitarren und klimperndem Honky Tonk-Piano getragen wird und am Ende nochmals eine Temposteigerung erfährt. Ganz starker Song! Das folgende, ebenfalls schön kratzig stampfende „And Then Some“ erinnert so ein wenig an die Zeiten des Copperhead-Debüts. Tolles Zusammenwirken hier von quirlig gespielten E-Gitarren und aufheulender Orgel im Solo-Teil.

Ein Stratocasterintro kombiniert mit dem berühmten Lick von Bon Jovis „Dead Or Alive“ bildet den Pfeiler des tollen „Me And Mine“, einer southern-souligen Midtempoballade mit kräftigem Powerrefrain. Begeisternd die Lynyrd Skynyrd huldigende Solopassage gegen Ende mit eingebauten Double Leads. Ein richtiges Highlight! Ein bisschen in klassischere Rockrichtung a la Bad Company pendelt „Walk It Dry“ (tolles Orgelintro), Riddles Gesang ähnelt hier durchaus dem des großen Paul Rodgers. „Hand On The Bible“ gab es bereits auf dem Vorgänger, hier mit etwas stärker hervorgehobener Akustikgitarre.

Eine schöne melodische Southern-Ballade mit angenehmen Slide-Solo in Skynyrd-Tradition und pathosgetränkten Harmoniegesängen. „Place To Be“ führt einen mit dezent gospeligem Touch in die Hoch-Zeiten von Bands wie Dickey Betts & Great Southern, Charlie Daniels oder der Marshall Tucker Band zurück. Herrlich das Betts-typische Führungs-E-Gitarren-Spiel zum launigen Southern-Groove. Im Soloteil reichen sich E-Gitarren, E-Piano und Orgel die Klinke in die Hand. Lässig rockt „Swimmin’ Hole“ und lässt etwas wehmütig „Flirtin With Disaster“-Zeiten aufkommen.

Klasse hier Webbs gluckerndes E-Piano, dass toll mit den schweren Gitarren-Riffs harmoniert. Mit „All I Know“ folgt dann im Vergleich zum Rest ein recht unspektakulärer, aber schön melodischer Abschluss. Dieser Song hätte vielleicht etwas besser als Füller irgendwo in die Mitte gepasst. Trotzdem angenehm zu hören. Preacher Stone haben sich mit „PayDirt“ wieder ein Stück weiterentwickelt und gehören mittlerweile mit Bands wie Hogjaw, Skinny Molly, SwampDaWamp zum erweiterten Führungszirkel des Genres.

Man darf sich gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn die Band, ähnlich wie Blackberry Smoke, mal ein mutiges Label und einen arrivierten Produzenten Marke Justin Niebank oder Dan Huff als Support bekommen würde… Aber auch gut möglich, dass Hill, Riddle & Co. das auch garnicht wollen. Trotzdem ist das sich stetig steigernder, klassischer Southern Rock auf der Schiene solcher Helden wie The Allman Brothers Band, Lynyrd Skynyrd, Molly Hatchet, Blackfoot, Doc Holliday, 38 Special, und, und, und. Preacher Stone sind und bleiben eine der Bands, die das Erbe der goldenen Southern Rock-Zeit höchst authentisch weiterverfolgen. Klasse Futter für die ewig hungrige Southern Rock-Fraktion! Gut gemacht, Jungs!

Eigenproduktion (2014)
Stil: Southern Rock

01. Day Late
02. Meet My Maker
03. Shreveport Stomp
04. Louisana Dog
05. And Then Some
06. Me and Mine
07. Walk It Dry
08. Hand On The Bible
09. Place To Be
10. Swimmin‘ Hole
11. All You Know

Preacher Stone
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Bärchen Records

Moonshine – Same – CD-Review

moonshine

Southern Rock-Nostalgiker aufgepasst, hier erblickt ein Juwel des Genres nach langer Zeit, das Mond-, ähm bzw. das Tageslicht! Richtig guter Whisky sollte ja so zwischen 12 und 21 Jahren lagern, so sagen es wenigstens Kenner auf diesem Gebiet. Ob das Gleiche auch für Musik gilt – darüber kann man diskutieren – liegt aber wohl, wie auch bei dem berühmten Gerstensaft, letztendlich im subjektiven Empfinden des einzelnen Begutachters.

Das Debütalbum von Moonshine schlummerte jedenfalls satte zwanzig Jahre in den Archiven von Babylon A.D.-Frontmann Derek Davis, bis sein Genuss nun endlich für die Öffentlichkeit zugängig gemacht wurde. Apropos Babylon A.D.. Mit dem Debütalbum dieser Band und anderen Acts wie Little Caesar und Thunder versuchte ich zu seiner Zeit meinen jüngeren Bruder David in Form von Geburtstagsgeschenken musikalisch halbwegs zu missionieren, was aber am Ende doch kläglich gescheitert ist. Vorletztes Wochenende wurde auf seiner ansonsten sehr schönen Hochzeit (u. a. mit vielen illustren Gästen aus unserer Tischtennis-Bundesliga-Vergangenheit) am Ende einer apostolischen Trauungszeremonie dann doch irgendeine schräge Grunge-Ballade als Wunschlied serviert…

Moonshine wurden 1991 in Los Angeles durch Buzzy James und dem uns/mir bestens bekannten Craig deFalco gegründet, die später auch das Grundgerüst der, leider zu Unrecht immer etwas im Schatten anderer Southern Rock-Bands gebliebenen, Formation Laidlaw bildeten. Als Rhythmus-Fraktion gesellten sich White Tiger-Drummer Brian Fox und der Bruder des ehemaligen Kiss-Gitarristen Mark St. John, Michael Norton, am Bass dazu. Die Wahl des Sängers fiel nach dem Testen mehrerer Kandidaten auf besagten Derek Davis. Am Ende wurde noch Mike Malone aus Marc Fords Band für Piano- und Mundharmonika-Parts mit hinzugenommen.

Das zusammengestellte Material wurde dann damals in Eddie Van Halens 5150 Studio unter Mithilfe von dessen Bassisten Michael Anthony (singt hier Background bei „Turn Me Around“), Mike Scott (Produzent) und ein paar Gästen (Jane Child, Kevin Hill, David Lauser) eingespielt. Aufgrund diverser Line-up-Änderungen wurde das fertiggestellte Projekt dann aber auf Eis gelegt. Der Rest ist Geschichte. Lediglich die Alben der neu gegründeten Laidlaw blieben später in Southern Rock-Kreisen hängen.

Die zehn Songs des Moonshine-Tonträgers wurden jetzt auf neustem Stand re-mastered und technisch bearbeitet, trotzdem ist ein gewisser nostalgischer Faktor omnipräsent. Schon der eröffnende Guitar Shuffle mit dazugefügtem Honky-Tonk-Piano-Geklimper und dem einsetzenden schweren Drumpolter-Rhythmus, gepaart mit surrenden Slidegitarren lassen beim Opener „Mississippi Delta Blues“ direkt Erinnerungen an Southern-Boogies aus dem ZZ Top-/Skynyrd-Dunstkreis wach werden. Direkt ein Hammer-Auftakt!

Das schunkelige „Warm Beer Catfish Stew“ (wie das wohl schmecken mag?) mit seinem alkoholgeschwängerten Mitsing-Refrain, kennt man bereits, sofern man im Besitz des Laidlaw-Debütwerks ist, bei dem es am Ende in einer modifizierten Form vertreten ist. In eine ähnliche Kerbe schlägt das später folgende, humorvolle „Mamas Kitchen Brew“. Launiger Stoff, den man auch immer wieder bei den Georgia Satellites oder den heutigen Bluefields serviert bekommt.
Unwiderstehliche Southern-Balladen gibt es mit dem herrlichen „The Devil’s Road“ (klasse hier die rotzigen Hintergrundharmonies von Jane Child), „The Last Song“ (überragend, The Dirty Guv’nahs meets Lynyrd Skynyrd!), „Southern Blood“ (Southern Variante von Bon Jovis „Dead Or Alive“ mit „Can’t You See“-Note) und „Fade Away“ (ebenfalls wunderbares Marshall Tucker-Flair), die alle auch mit einem ganz dezenten Sleaze Rock-Unterton rüberkommen. Toll, wie hier die Southern-typischen Slides, Twins (zudem klasse Dobro-Parts) mit Davis‘ variablen Gesang (Richtung
Ron Keel, Gary Jeffries, Tom Keifer) kombiniert wurden. Die Tracks hätte man sich zum Teil gut auch auf Teslas berühmten MTV-Unplugged-Live-Album vorstellen können.
Das einzige Cover auf dem Werk ist der CCR-Klassiker „Fortunate Son“. Hier versuchen James‘ groß auftrumpfende Slidekünste (auf Sonny Landreth-Niveau) und Malones Harpeinlagen, den von Davis recht guten, an John Fogertys aber nicht ganz heranreichenden Gesang vom Original, auf instrumenteller Ebene wettzumachen. Am Ende auch ganz gut gelungen!

Auf der Zielgraden des Silberlings gibt es mit „Turn Me Around“ und dem Rausschmeißer „The American Train“ noch recht derbe Kost, wobei deFalcos Vorlieben für Led Zeppelin-trächtige psychedelische Momente dezent durchschimmern. Fast alle Stücke stammen übrigens aus der Feder des Trios deFalco, Davis und James, lediglich bei „Fade Away“ gesellte sich noch Mike Malone dazu.

Mit dem lange verschollenen Debüt von Moonshine können sich jetzt gerade die Southern Rock-Fans glücklich schätzen, die als Anhänger der Früh- und Hochzeit des Genres groß geworden sind. Ähnlich wie man es bei einem Selbstgebrannten erwartet, findet man hier ein herbes, kantiges, intensives Konglomerat aus höchstauthentischen Zutaten ohne jeden schnieken Beigeschmack, bei dem man den Eindruck hat, als wäre es fast durchgehend live im Studio (bei Mondlicht?) eingespielt worden. Insgesamt ein tolles Southern Rock-Gebräu irgendwo zwischen den erwähnten Bluefields und Laidlaw. Ein ‚Must-have‘ für jede gut sortierte Sammlung dieser Sparte!

Southern Blood Records (2014)
Stil: Southern Rock

01. Mississippie Delta Blues
02. Warm Beer Catfish Stew
03. The Devil’s Road
04. Fortunate Son
05. The Last Song
06. Mams Kitchen Brew
07. Southern Blood
08. Turn Me Around
09. Fade Away
10. The American Train

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Bärchen Records

The Moss Brothers Band – Royal Orleans – CD-Review

‚Ohne Moss nix los‘, wird sich der gute Billy gedacht haben, als er vor kurzem eine Rückkehr seiner Rebel Storm-Truppe angedroht hat. In der Tat ist man heutzutage in Southern Rock-Kreisen froh um jeden Strohhalm, an den man sich klammern kann, nachdem die Bands der ersten Garde ihrem intensiven Leben immer stärker Tribut zollen, und sich deswegen wohl recht lange Auszeiten gönnen (müssen). Da gibt man sich dann auch schon mal mit dem berühmten Sturm im Whiskey-, ähm Wasserglas zufrieden.

Wie man CD-technisch mit relativ begrenzten finanziellen Mitteln glänzen kann, legen ihm jetzt seine beiden Brüder, die Herren Jeff und Troy Moss, mit ihrem Debüt „Royal Orleans“, einer schmucken Eigenproduktion, recht beeindruckend dar. Zwar waren die auch ein wenig mit Rebel Storm verbunden (Troy – Gitarrist, Jeff – Co-Songwriting), schienen mit ihrer Rolle im Hintergrund aber wohl doch nicht so ganz zufrieden gewesen zu sein.

Wie dem auch sei, in der neuen Kombination als ‚geteilte‘ bzw. ‚doppelte‘ Frontmänner scheint die Geschichte blendend zu funktionieren. Verstärkt werden sie übrigens durch Bassist Kevin Dale und Drummer Dave Smith sowie durch einzelne Gastmusiker (u. a. Bruder Billy beim Rebel Storm-Stück “ A Little Lovin'“und Tony Hauenstein am Piano). Joe Riggio, der auch bei Rebel Storm involviert war, hat sich produktionstechnisch enorm weiterentwickelt, und sorgte diesmal für ein glasklar und modern klingendes Resultat, und steuerte bei „Cajun Waltz“ dazu eine filigrane Akustikgitarrenmeisterleistung bei.

Warum gefallen mir die Moss Brothers um Längen besser als Rebel Storm? Zum einen haben beide eine wesentlich besser klingende Stimme. Der eine erinnert zum Teil an Jon Bon Jovi (ich vermute Jeff), der andere an eine Mischung aus Donnie Van Zant und Ronnie Hammond (wahrscheinlich Troy – die Zuordnung geht aus den Liner-Notes leider nicht hervor, sollte es nicht so sein, nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil…).

Zweitens sind sie augenscheinlich die besseren Songwriter, d.h. sie verbinden recht emotionale, aber angenehm gehaltene Texte, (es geht im Großen und Ganzen um das Thema Verbundenheit mit New Orleans – die CD ist auch den Opfern der Hurrikan-Katastrophe gewidmet), mit instrumentalen Finessen (besonders das an Ed King erinnernde Stratocaster-Spiel weiß zu gefallen), ohne sich aber in selbstverliebte Frickeleien zu verwurschteln. Somit behalten die eine unheimliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlenden Stücke einen hohen Wiedererkennungswert. Drittens, durch die Einflechtung von Mandoline und Dobro werden Countryelemente und Southern-Rock harmonisch verschachtelt, was mir persönlich schon immer besondere Freude bereitet hat.

Highlights sind in einem mit neun Stücken (Spielzeit 36 Minuten) recht knapp, aber sehr gut durchstrukturiertem und ausgeglichenen Werk vielleicht der Opener „Cottonmouth Country“ (mit klasse E-Slide-Spiel – erinnert dezent an „Voodoo Lake“ von Lynyrd Skynyrd), der bluesige Southern-Stampfer „Southern Boys“ oder „Plantation“, dass nach trockener ersten Hälfte durch Einbindung vom Piano eine boogieartige Wendung nimmt, um am Ende aber doch beim Ursprung seinen Abschluss zu finden.

Insgesamt ein starke, sehr saubere Leistung. Es wird sich in sehr angenehmer, dezenter Art an den großen Bands der Zunft (frühe 38 Special, Atlanta Rhythm Section oder Lynyrd Skynyrd) orientiert, aber durchaus immer der eigene Stempel aufgedrückt. Das optimal passende Ambiente zum Hören der Moss Brothers Band wird dann leider nur im Cover-Inlay mitgeliefert. Eine säulenverzierte Prachtvilla auf einem gediegenen Südstaatenanwesen im Grünen. So ließe es sich mit Sicherheit blendend aushalten…!

Eigenproduktion (2006)
Stil: Singer/Songwriter

01. Cottonmouth Country
02. Red Clay Road
03. Southern Son
04. A Little Lovin‘
05. Harper’s Creek
06. Plantation
07. Royal Street
08. Cajun Waltz
09. Collard Greens

The Moss Brothers Band
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Bärchen Records

Outlaws – Hurry Sundown – CD-Review

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Wir schreiben das Jahr 1977. Ein Jahr, das jeden Southern Rock-Liebhaber bis zum heutigen Tage erschaudern lässt. Ich erinnere mich noch genau, wie ich als 14-jähriger Bursche gerade das „Street Survivors“-Album in einer Nachbarstadt (Rheinberg hatte keinen Plattenladen) käuflich erworben hatte und auf der Rückfahrt auf dem Beifahrersitz des DS-Citröens meines Vaters (die Platte auf den Oberschenkeln liegend neugierig studierend) im Radio die Hiobsbotschaft von Skynyrds Flugzeugabsturz auf dem momentanen Zenit ihrer Karriere zur Kenntnis nehmen musste. Es war wie ein Schock.

Noch heute stellt sich mir, wie vielen anderen Southern Rock-Fans vermutlich auch, die hypothetische Frage, wie sich das Genre weiterentwickelt hätte, wäre ein Ronnie Van Zant am Leben geblieben. Wir werden es leider nie erfahren. Kommen wir aber zu einem erfreulichen Ereignis dieses Jahres 1977. Die Outlaws, die durch besagten Ronnie Van Zant einen Plattenvertrag bei Arista Records vermittelt bekommen hatten, befanden sich nach zwei starken Alben in ihrer wohl besten Besetzung aller Zeiten (Hughie Thomasson, Henry Paul, Billy Jones, Harvey Dalton Arnold, Monte Yoho) ebenfalls im Höhenflug und sollten mit „Hurry Sundown“ ihr in Kritikerkreisen meist gelobtes Werk veröffentlichen.

Der zu dieser Zeit schon renommierte Producer Bill Szymczyk (u.a. Eagles, B.B. King, Michael Stanley, J. Geils Band, Elvin Bishop) hatte die von ihm später selbst betitulierte ‚Florida Guitar Army‘ erstmalig unter seine Fittiche genommen. Dank der gesammelten Eagles-Erfahrungen gelang es ihm vor allem in beeindruckender Weise, die vier völlig unterschiedlichen Gesangscharaktere mittels brillant eingestreuter Harmonies zu kollektivieren. Auch das filigrane E-Gitarrenzusammenspiel vom wie aufgedreht wirkenden Stratocaster-Artisten Thomassen in Kombination mit Billy Jones‘ einfühlsamen Les Paul-Künsten, dazu mit Pauls glänzender Akustikklampfenuntermalung, wurde nie wieder besser zur Geltung gebracht. Nicht zu vergessen der knochentrockene Bass von Arnold und Yohos effektives und sehr variables Schlagzeugspiel (herrlich z.B. die tippelnden Becken in der E-Solopassage von „Gunsmoke“).

Das Werk bietet insgesamt eine tolle Mischung aus agilem Southern Rock und gut dazu harmonierenden Country- und Westcoast-Ingredienzen. Höhepunkte. Die gitarrenlastigen „Gunsmoke“ und „Hurry Sundown“, der Countryfeger „So Afraid“ (klasse Banjoarbeit hier von Thomasson), das flotte, treibende „Holiday“ und der schon fast progressiv wirkende Waltz „The Man Of The Hour“ (mit dezenten Steel- und Synthie-Einlagen).

Genau wie Skynyrd sollten danach auch die Outlaws bis zum heutigen Tage nie wieder zur Ruhe kommen. Die fortwährende Hassliebe zwischen Henry Paul und Hughie Thomasson brachte nach „Hurry Sundown“ die erste daraus resultierende, länger währende Trennung (Paul gründete dann die Henry Paul Band). Das folgende Live-Album und das Anfang der achtziger Jahre kommerziell recht erfolgreiche „Ghost Riders In The Sky“ ließen nochmals aufhorchen. Spätestens ab da aber dümpelte die Band in unterschiedlichen Besetzungen vor sich hin. Auf „Soldiers Of Fortune“ taten sich Thomasson und Paul 1986 nochmals zusammen, trennten sich danach aber sofort wieder. Mit dem recht guten „Diablo Canyon“ gab es den letzten kreativen, aber weitestgehend unbeachteten Output dieser Band.

Wie vielen bekannt sein dürfte, nahm sich Billy Jones 1995, von Depressionen und Alkoholsucht gezeichnet, im Alter von 44 Jahren das Leben (das hier auf dem Album befindliche von ihm geschriebene „Night Wines“ wirkt im Nachhinein schon bald wie eine Art Prophezeiung) und auch Bandleader Hughie Thomasson erlag nach vielen Jahren seiner zwischenzeitlichen Skynyrd-Mitgliedschaft überraschend (oder auch weniger) einem Herzinfarkt, als er sich gerade wieder dem Outlaws-Projekt vollständig widmen wollte. Das Erbe der Band wird seitdem wieder von Henry Paul mittels kontinuierlicher Live-Auftritte weitergepflegt (aktuelle Mitglieder. Paul, Chris Anderson, Billy Crain, Jon Coleman, Brett Cartwright und Monte Yoho), ein angekündigtes neues Outlaws-Studioalbum lässt bereits seit längerer Zeit auf sich warten.

Arista Records (1977)
Stil. Southern Rock

01. Gunsmoke
02. Hearin‘ My Heart Talkin‘
03. So Afraid
04. Holiday
05. Hurry Sundown
06. Cold & Lonesome
07. Night Wines
08. Heavenly Blues
09. Man Of The Hour

Outlaws
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Outlaws – Demos – CD-Review

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Mit den einstigen Aushängeschildern der Southern Rock-Szene ist das ja so eine Sache. Viele Bands haben es zwar von den siebziger Jahren bis in die heutige Zeit geschafft durchzuhalten und veröffentlichen dann auch alle Jubeljahre mal eine neue CD (die nach wie vor von der hiesigen Fangemeinde gekauft und anschließend kontrovers diskutiert wird), aber die große Euphorie und das frühere Kribbeln im Bauch ist längst Schnee von gestern. Das liegt natürlich vorwiegend an der überdimensional hohen Sterblichkeitsrate im Genre und dem damit verbundenen Verlust vieler charismatischer Identifikationsfiguren. Und der Zahn der Zeit und der Lebenswandel haben natürlich auch ihre Spuren hinterlassen (aber bei wem eigentlich nicht?).

Viele unserer einstigen Lieblingsgruppen bestehen heute meist noch aus ein bis zwei Personen ihrer Hochphase bzw. Ursprungszeit. So auch die heutigen Outlaws. Die Quote von Zwei aus Fünf in persona von Henry Paul und Monte Yoho liegt da zwar gar nicht mal so schlecht, aber das Problem hier ist, dass man mit dieser Band eigentlich hauptsächlich den Namen Hughie Thomasson verbindet und dieser ist ja leider 2007 verstorben ist (zwei Jahre zuvor die beiden anderen Gründungsmitglieder Frank O’Keefe und Billy Jones).

Kein Geheimnis ist auch die Hassliebe, die Thomasson und Paul über die gesamte gemeinsame musikalische Lebenszeit verband und zu diversen Trennungen und Wiedervereinigungen beitrug. Seit Thomassons Tod hört man von Henry Paul zwar recht reservierte aber doch insgesamt versöhnliche Statements. Letztgenannter hat mittlerweile die absolute Führungsrolle inne und mit Chris Anderson, seinem alten Weggefährten aus der Henry Paul Band-Zeit, Billy Crain, Randy Threet, Monte Yoho und Jon Coleman die neuen Outlaws formiert und gibt mit diesen auch kontinuierlich Konzerte.

Lange stand die Ankündigung einer neuen CD im Raume, aber es verging soviel Zeit, dass man so richtig schon nicht mehr dran glauben mochte (eigentlich guter Stoff für einen unserer berühmten April-Scherze…), zumal Paul ja auch weiter mit dem für ihn sicherlich finanziell interessanteren Blackhawk-Projekt beschäftigt ist. Aber zu meiner eigenen Überraschung haben sie es jetzt geschafft, ein Werk namens „Demos“ herauszubringen, das man über die Outlaws-Homepage für stolze 25 Dollar (+ ca. 10 für den Versand) erwerben kann.

Demos? Aus meiner Sicht ein recht unpassender Titel! Nach Demos klingen die zwölf neuen Tracks nun wirklich nicht, mir ist schleierhaft, was man bei diesen Stücken noch ausfeilen bzw. besser machen könnte. Eine gute Scheibe und auch Produktion insgesamt, die vor allen Dingen deutlich bemüht ist, den Spirit der einstigen Outlaws phasenweise in akzeptabler Form wieder aufleben zu lassen. Zum einen gibt es mit dem Opener „Flame“ (damaliger Spitzname von Hughie Thomasson) eine persönliche Widmung »… the spirit in our songs’s still alive, out of the ashes we ride, a flame never dies…« und beim einen oder anderen Track wurden diverse filigrane Hughie -Gedächtnis-Strat-Soli mit eingeflochten („Nothin‘ Main About Main St.“, „Trouble Rides A Fast Horse“, „Can’t Break Me Up“).

Wie in alten Zeiten bekommt man dazu melodische Lieder zwischen Country- und Southern Rock in Hülle und Fülle, Double Leads-Passagen en masse, tolle E-Soli, Pauls typisch genäselten Gesang (immer noch gut in Form), sein prägnantes Akustikrhythmusgitarrenspiel und jede Menge hochqualitative Harmoniegesänge. Lediglich die Lead vocals von Randy Threet und Chris Anderson auf „Alex’s Song“ bzw. „Train“ wirken im gewohnten Outlaws-Kontext noch etwas befremdlich. Last but not least gelingt mit „It’s About Pride“ eine echte Southern-Hymne mit dem dazugehörigen emotionalen Text und E-Gitarren-Finish. Es gefallen die Pianogeklimper-Reminiszenzen an Billy Powell und, wie bereits erwähnt, eine erneute typische Thomasson-Solo-Passage. Hier wurde aus allen starken Paul-Klassikern wie „Cold Harbour“, „Brothers Of The Southland“, „Grey Ghost“ und „Dixie Highway“ etwas neues zusammenkreiert wurde. Ein grandioser Abschluss.

„Demos“ gehört somit in die Sammlung eines jeden Southern Rock-Fans. Eine durchaus lohnenswerte Anschaffung. Mit die beste Veröffentlichung seit langem im Vergleich mit den alten Urgesteinen der Szene (vielleicht seit „Edge Of Forever“ von Skynyrd). Die Outlaws-Flamme lodert dank Paul & Co. also auch im neuen Jahrtausend weiter!

Eigenproduktion (2010)
Stil: Southern Rock

01. Flame
02. Hidin‘ Out In Tennessee
03. Last Ghost Town
04. Alex’s Song
05. Nothin‘ Main About Main St.
06. Tomorrow’s Another Day
07. Trouble Rides A Fast Horse
08. Never Too Late For Love
09. Train
10. The Good Old Days
11. Can’t Break Me
12. It’s About Pride

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Jim Peterik – Above The Storm – CD-Review

Jim Peterik ist ohne Zweifel das, was man im Musikbusiness als eine echte Persönlichkeit bezeichnen kann, egal ob man sie mag oder nicht. Der erste Gedanke ist immer noch der berühmte Song „Eye Of The Tiger“, der unzertrennbar mit der Band Survivor assoziiert wird, für die Jim Keyboards spielte und deren geistiger Leader er war.

Wie ich bereits in meinem Review der ersten Scheibe von Pride Of Lions erwähnte, hat Peterik auch starken Einfluss auf die Southern-Rock-Szene gehabt – zum Leidwesen der meisten Hardliner – half aber Bands wie 38 Special, Lynyrd Skynyrd oder der Henry Paul Band kommerzielle Erfolge zu landen. Seine letzten Projekte World Stage und Pride Of Lions waren für mich eher ein Grund, sich von seinem musikalischen Input abzuwenden.

Trotzdem hat mich, den Southern-Rock-Liebhaber, bei der Ankündigung seines neuen Solo-Projektes „Above The Storm“ die Involvierung der Van Zant-Brüder doch wieder weichgekocht. Der furiose Auftakt mit den zwei exzellenten Stücken „Live Life“ und „Burning With A Reason“ kommt mir bald schon vor wie eine persönliche Entschuldigung an meine Adresse für die bei Pride Of Lions ertragenen Leiden. Zwei wirklich hervorragende Rocker mit herrlichen Gitarren und richtig Bums wissen absolut zu begeistern. Leider sind auf dem Promo-Exemplar keine Co-Songwriter benannt, aber hier düfte gerade Donnie Van Zant seine Spuren hinterlassen haben, die Songs hätten auch auf einem 38 Special-Album eine gute Figur abgegeben. Gerade beim zweitgenannten Stück ähnelt Peteriks Gesang sehr stark dem Mittleren des berühmten Bruder-Trios. Puh, wenn das so weitergeht, müsste die Scheibe ein Highlight des Jahres 2006 werden.

So stark wie der Anfang, genauso stark dann aber bei den nächsten zwei Stücken der Schwenk wieder in Richtung seines Pride Of Lions-Projektes. Erneut diese schmalzigen, Musical-kompatiblen-Songs, wenn auch instrumentell und durch die hervorragende Background-Sängerin Lisa McClowry perfekt in Szene gesetzt. Meine Gehörgange sind für derartige Schmachtfetzen einfach nicht ausgelegt. Überhaupt, Musicals sind generell ein Grauen für mich, selbst der Besuch unter Androhung von Waffengewalt hätte wahrscheinlich nur die Entscheidung zum Märtyrertod zur Folge. Diese Songs passen mit Ihrer übertriebenen Emotionalität durchaus in diese Schiene. Es sind leider auch nicht die letzten des Werkes…

Kommen wir lieber zu den weiteren guten Nummern. „At This Time Of Night“ mit kratzig-funkigen Gitarrenriffs und klasse Zusammenwirken von Piano, Organ, knackige Drums, toller Gesang von Jim; „Secrets Of A Woman“ erscheint dank der fetten Performance der Horn-Section, den temperamentvollen weiblichen Backs und dem starken E-Solo wie eine Mischung aus Molly Hatchets „Lady Luck“ und 38 Specials „Wild-Eyed Southern Boys“, eine super temperamentvolle Nummer; „Hiding For Yourself“ fand ja schon den Weg auf das letzte 38 Special-Album, ebenfalls auch von Peterik gut interpretiert; und dann kommt sie doch noch, die erste Ballade, die ich aus Jims Feder so richtig gut finde, „Midnight In My Soul“, die ohne den typischen Bombast auskommt, und von den starken E-Gitarrenfills und den Harmonies von Lisa McClowery pure Rock-Atmosphäre eingehaucht bekommt.

So lautet das Gesamtfazit. Sechs wirklich klasse Nummern, stehen sechs aus o.a. Gründen nervigen Songs gegenüber, das Lied „Stand And Be Counted“ (ginge noch so gerade mit viel Wohlwollen als Don-Barnes-Stück auf einem der letzten 38 Special-Albums durch) steht genau in der Mitte der insgesamt 13 Nummern. Instrumental ist natürlich alles perfekt eingespielt, Peteriks Gesang ist nichts, was einen vom Hocker haut, aber auch nicht unangenehm, die Anordnung der Stücke lässt einen ein Wechselbad der Gefühle durchleben.

Jim Peterik hat, und das kann man ihm sicher auch nicht übel nehmen, versucht, es möglichst vielen seiner Fans recht zu machen, für mich allerdings wäre Weniger hier Mehr gewesen. So kann man hier eher von ein paar Wetterkapriolen sprechen, aber ein echter Melodic-Rock-Sturm sieht aus meiner Sicht anders aus. Zum Glück gibt es ja, zumindest für die wirklich gelungenen Stücke, die Programmiertaste am CD-Player.

Frontiers Records (2006)
Stil: Rock

01. Live Life
02. Burning With A Reason
03. Above The Storm
04. In The Days We Have
05. Stand And Be Counted
06. At This Time Of Night
07. A Kiss To Remember You By
08. The God In You
09. Secrets Of A Woman
10. A Talent For Loving You
11. Hiding From Yourself
12. Midnight In My Soul
13. We Believe

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Frontiers Records

Southern Rock Allstars – Trouble’s Coming Live – DVD-Review

trouble

Wenn ich ehrlich bin, muss ich zunächst erst mal von mir geben, dass mich der Name der Band persönlich immer gestört hat. Nicht nur, dass die Leistungen ihrer zwei Alben dieser Bezeichnung schon nicht würdig waren, sondern auch, wenn man sich das augenblickliche Line-Up der Truppe vor Augen führt (Jay Johnson, Charles Hart und Scott Mabrey), fragt man sich gelinde gesagt, welcher der Herren jemals ein Southern Rock-Star war. Allerdings, bei Gründung hatten sich noch diverse andere, wesentlich bekanntere Musiker im Rahmen dieses Projektes die Ehre gegeben, aber auch hier handelte es sich im Groben und Ganzen eher um ein ‚Best Of Molly Hatchet/Blackfoot-Ensemble‘, wie auch das live verwendete Songmaterial schwerpunktmäßig belegt.

Zeit vielleicht, mal ein wenig in Phantasien zu schwelgen. Meine Southern Rock-Traum-Truppe (noch lebender Musiker…) würde sich so zusammensetzten. Gregg Allman – Gesang, Gary Rossington, Hughie Thomasson, Dave Hlubek – Gitarren, Larry Junstrom – Bass, Billy Powell – Piano, Paul Riddle – Drums und Dale Krantz/Carol Chase im Background, wobei auf der Auswechselbank noch Leute wie Bruce Brookshire, Ed King, Johnny und Donnie Van Zant, sowie Jeff Carlisi, Dickey Betts und Warren Haynes Platz nehmen dürften. Na ja, ist wohl ’ne ziemliche Utopie, aber der nächste 1. April kommt ja auch wieder…

Gut, lassen wir das, befassen wir uns mit den eher traurigen Fakten. Die Setlist wurde in mehreren kleinen, meist schwach besuchten Clubs und am Ende sogar in einer Schule eingespielt und gefilmt. Die Besetzungen wechseln vereinzelt, Hauptakteure sind hier noch Jay Johnson, Dave Hlubek (bereits schon wieder ausgeschieden) und Jakson Spires. Der Sound geht gerade noch so eben, die Filmaufnahmen (wohl mit einer Videokamera) sind unter aller Kanone. Trotz aller widrigen Umstände, ich denke da vor allem an Spires und Hlubek (die ja auch schon bessere Zeiten erlebt haben), zeigen sich sämtliche Akteure äußerst motiviert, wobei Jay Johnson scheinbar als treibende und zusammenhaltende Kraft im Vordergrund steht.

Man kann sich gut vorstellen, dass die realen Live-Konzerte in Bierlaune hier mächtig gut abgingen, wobei die SRA-eigenen Stücke durchaus angenehm auffallen. Eine wahre Freude ist es noch immer Dave Hlubeks Wurstfinger über die Saiten flitzen zu sehen. Er scheint übrigens nach wie vor den gleichen Ernährungsberater zu haben wie Jimmy Farrar, der dann bei einigen Molly Hatchet-Klassikern mit immer noch unverkennbarer, aber etwas brüchigerer Stimme zum Einsatz kommt. Der mittlerweile leider verstorbene Jakson Spires legte sich noch mal richtig ins Zeug, als wenn er schon gewusst hätte, dass sein Lebensende nicht mehr weit entfernt war. Ihm wird am Ende unter emotionaler Pianobegleitung noch mal der Abspann gewidmet.

Auch Duane Roland, der ebenfalls vor kurzem von uns gegangen ist, darf dann bei „Train, Train“, „Whiskey Man“ und „Bounty Hunter“ in seiner unnachahmlich ruhigen, stoischen Art bei der Ausübung seines Instrumentes, wohl zum letzten Male bewundert werden. Von daher haben die Mitschnitte sicherlich schon jetzt historischen Charakter.

Die Krönung, aber bald schon wieder irgendwie kultig, sind die Aufnahmen des Kiss-Klassikers „Rock & Roll All Nite“ und von „Highway Song“. Die Band spielt inmitten einer Aula oder Turnhalle der Muscle Shoals High School. Dabei sind ein paar Zuschauer und Schüler und hinter Ihnen steht stocksteif und verkrampft der Schulchor, und wird dann von einer Dirigentin reiferen Alters zu ein paar Harmonies ermuntert. Echt zum Piepen! Dabei rockt die Band gerade beim Blackfoot-Paradestück richtig ab, vor allem das Hlubek-Solo ist wieder erste Sahne. Als Bonus gibt es noch ein paar Interviews, sowie ein paar Impressionen von einer Autofahrt zum Schweden-Rock-Festival und ein Spaßfilmchen.

Alles in allem ist man am Ende traurig, wenn man sieht, wie unsere gefeierten Helden von einst, von der Kreativität und vom Interesse her teilweise vor sich hingammeln, obwohl ihre spielerischen Leistungen überhaupt nichts zu wünschen übrig lassen. Trotzdem, sie haben uns viele schöne und unvergessene Momente beschert, und werden musikalisch immer in unseren Herzen bleiben, wenn auch meist jetzt eher als ‚Southern Rock Oldstars’…

MTM Musics (2006)
Stil: Southern Rock

01. Tough Situation
02. Morning Dew
03. Railroad Man
04. Ghost Of You
05. Run & Hide
06. Stump Jumpin‘
07. Mississippi Queen
08. Beatin‘ The Odds
09. Flirtin‘ With Disaster
10. Mother
11. Trouble’s Comin‘
12. Train Of Sorrow
13. Wishing Well
14. Train Train
15. Whiskey Man
16. Bounty Hunter
17. Fox Chase
18. Rock & Roll All Nite
19. Highway Song

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Bärchen Records