The Moss Brothers Band – Royal Orleans – CD-Review

Moss

‚Ohne Moss nix los‘, wird sich der gute Billy gedacht haben, als er vor kurzem eine Rückkehr seiner Rebel Storm-Truppe angedroht hat. In der Tat ist man heutzutage in Southern Rock-Kreisen froh um jeden Strohhalm, an den man sich klammern kann, nachdem die Bands der ersten Garde ihrem intensiven Leben immer stärker Tribut zollen, und sich deswegen wohl recht lange Auszeiten gönnen (müssen). Da gibt man sich dann auch schon mal mit dem berühmten Sturm im Whiskey-, ähm Wasserglas zufrieden.

Wie man CD-technisch mit relativ begrenzten finanziellen Mitteln glänzen kann, legen ihm jetzt seine beiden Brüder, die Herren Jeff und Troy Moss, mit ihrem Debüt „Royal Orleans“, einer schmucken Eigenproduktion, recht beeindruckend dar. Zwar waren die auch ein wenig mit Rebel Storm verbunden (Troy – Gitarrist, Jeff – Co-Songwriting), schienen mit ihrer Rolle im Hintergrund aber wohl doch nicht so ganz zufrieden gewesen zu sein.

Wie dem auch sei, in der neuen Kombination als ‚geteilte‘ bzw. ‚doppelte‘ Frontmänner scheint die Geschichte blendend zu funktionieren. Verstärkt werden sie übrigens durch Bassist Kevin Dale und Drummer Dave Smith sowie durch einzelne Gastmusiker (u. a. Bruder Billy beim Rebel Storm-Stück “ A Little Lovin'“und Tony Hauenstein am Piano). Joe Riggio, der auch bei Rebel Storm involviert war, hat sich produktionstechnisch enorm weiterentwickelt, und sorgte diesmal für ein glasklar und modern klingendes Resultat, und steuerte bei „Cajun Waltz“ dazu eine filigrane Akustikgitarrenmeisterleistung bei.

Warum gefallen mir die Moss Brothers um Längen besser als Rebel Storm? Zum einen haben beide eine wesentlich besser klingende Stimme. Der eine erinnert zum Teil an Jon Bon Jovi (ich vermute Jeff), der andere an eine Mischung aus Donnie Van Zant und Ronnie Hammond (wahrscheinlich Troy – die Zuordnung geht aus den Liner-Notes leider nicht hervor, sollte es nicht so sein, nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil…).

Zweitens sind sie augenscheinlich die besseren Songwriter, d.h. sie verbinden recht emotionale, aber angenehm gehaltene Texte, (es geht im Großen und Ganzen um das Thema Verbundenheit mit New Orleans – die CD ist auch den Opfern der Hurrikan-Katastrophe gewidmet), mit instrumentalen Finessen (besonders das an Ed King erinnernde Stratocaster-Spiel weiß zu gefallen), ohne sich aber in selbstverliebte Frickeleien zu verwurschteln. Somit behalten die eine unheimliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlenden Stücke einen hohen Wiedererkennungswert. Drittens, durch die Einflechtung von Mandoline und Dobro werden Countryelemente und Southern-Rock harmonisch verschachtelt, was mir persönlich schon immer besondere Freude bereitet hat.

Highlights sind in einem mit neun Stücken (Spielzeit 36 Minuten) recht knapp, aber sehr gut durchstrukturiertem und ausgeglichenen Werk vielleicht der Opener „Cottonmouth Country“ (mit klasse E-Slide-Spiel – erinnert dezent an „Voodoo Lake“ von Lynyrd Skynyrd), der bluesige Southern-Stampfer „Southern Boys“ oder „Plantation“, dass nach trockener ersten Hälfte durch Einbindung vom Piano eine boogieartige Wendung nimmt, um am Ende aber doch beim Ursprung seinen Abschluss zu finden.

Insgesamt ein starke, sehr saubere Leistung. Es wird sich in sehr angenehmer, dezenter Art an den großen Bands der Zunft (frühe 38 Special, Atlanta Rhythm Section oder Lynyrd Skynyrd) orientiert, aber durchaus immer der eigene Stempel aufgedrückt. Das optimal passende Ambiente zum Hören der Moss Brothers Band wird dann leider nur im Cover-Inlay mitgeliefert. Eine säulenverzierte Prachtvilla auf einem gediegenen Südstaatenanwesen im Grünen. So ließe es sich mit Sicherheit blendend aushalten…!

Eigenproduktion (2006)
Stil: Singer/Songwriter

01. Cottonmouth Country
02. Red Clay Road
03. Southern Son
04. A Little Lovin‘
05. Harper’s Creek
06. Plantation
07. Royal Street
08. Cajun Waltz
09. Collard Greens

The Moss Brothers Band
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Bärchen Records