Deana Carter – The Chain – CD-Review

Deana Carter, Tochter des berühmten Gitarristen Jeff Carter jr., die nach einigen privaten und beruflichen Turbolenzen mittlerweile bei Vanguard Records eine feste Heimat gefunden hat, beglückt uns mit einem neuen Album, das aus reinen Covernummern besteht, die es aber nicht nur aufgrund einer äußerst prominenten Besetzung allesamt in sich haben. Das Werk ist ihrem Vater gewidmet, der ja in seiner langen Karriere mit fast allen Größen des amerikanischen Country (u.a. Willie Nelson, Dolly Parton, Kris Kristofferson, Waylon Jennings), Rock- und Pop-Business (Roy Orbison, Dr. Hook, Bob Dylan, Neil Young etc.) zusammengearbeitet hat.

Das interessante an der Geschichte ist, das es Deana gelungen ist, für die ausgewählten Klassiker (an denen ihr Vater damals im Original beteiligt war) viele der alten Recken oder zum Teil schon deren Nachfahren für ihre neuen Interpretationen zu gewinnen, wobei ihr Daddy natürlich bei der Gitarrenarbeit ebenfalls stark eingebunden wurde. Zum anderen wurden die Stücke durch eine eigenwillige, moderne Einspielung (zum Teil mit einigen wohl dosierten technischen Effekten) und eine sehr knackige Produktion aufgepeppt, und erhalten obendrein durch Deana’s nicht alltägliche Stimme einen besonderen Reiz.

So stechen neben einigen Songs, die von Deana allein am Mikro mit einigen auserwählten Musikern (Kyle Woodring, Glenn Worf, Jeff Carter, Andrea Zonn und die exzellenten Randy Leago und Dan Dugmore) performt werden (u.a. „Crying“ von Roy Orbison, „Lay Lady Lay“ von Bob Dylan, „TheWeight“ von The Band oder „Old Man“ von Neil Young) besonders eine ganze Reihe von Duetten hervor. Mit Jessi Colter („I’m Not Lisa“) und Dolly Parton („Love Is Like A Butterfly“) wird sich schon fast in elfenartiger Manier harmonisch ineinandergreifend durch die Lieder gesungen.

Bei Sachen, die sie mit gestandenen Ikonen der Countryszene, wie Kris Kristofferson („Help Me Make It Through The Night“), Willie Nelson („On The Road Again“) und George Jones („He Thinks I Still Care“) vorträgt, bildet ihr hell klingendes Stimmorgan ein interessanten Counterpart. Klasse auch die von John Anderson stammende und zusammen mit ihm gesungene Fassung von „Swinging“, die bluesig in Verbindung mit countrytypischen Honkytonkpiano und starken Harmonies cool und rhythmisch abrockt. Bei „Good Hearted Woman“ springt Shooter Jennings für seinen verschiedenen Vater Waylon in fast ebenbürtiger Art in die Bresche.

Das wohl markanteste Stück des Albums ist der Simon & Garfunkel-Welthit „The Boxer“, bei dem einst Vater Jeff gitarrentechnisch mitwirkte. Paul Simon spielte nun den Ball zurück, zupfte diesmal hier die Akustik-Gitarre und brachte direkt Sohnemann Harper mit ins Boot, der sowohl die E-Gitarre übernimmt, wie auch mit fast heiser wirkender Stimme ein interessantes Doppel mit Deana bildet. Eine schöne Akkordeon-ähnliche Synthie-Einlage und feine Steelguitar-Parts von Dan Dugmore verleihen dem Stück zusätzliches Flair.

Insgesamt hat Deana Carter mit „The Chain“ eine Kette von unvergessenen, großen Klassikern in einem sehr gelungenen „Modern Country-Pop“-Gewand aneinander gereiht, denen, auch Dank der starken Musiker und dem wunderbar knackig produzierten Sound (die Produktion hat Deana höchst selbst übernommen), auf angenehme Weise neues Leben eingehaucht wird! Prima Idee, prima umgesetzt!

Vanguard Records (2007)
Stil: New Country

01. Crying
02. Help Me Make It Through The Night
03. Love Is Like A Butterfly
04. The Boxer
05. Lay Lady Lay
06. The Weight
07. I’m Not Lisa
08. Swingin’
09. On The Road Again
10. Good Hearted Woman
11. He Still Thinks I Care
12. Old Man

Deana Carter
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Bärchen Records

The Whiskey Sisters – Same – CD-Review

Großartiges, weibliches Power-Duo aus Austin, Texas! Genauer gesagt: „The Whiskey Sisters are a Powerhouse, harmony-driven, Rocking Country, six piece Badass band from Austin Texas, with 2 chicks“ – so jedenfalls steht es in der offiziellen Produktinfo zum vorliegenden Debutalbum – und diese Aussage trifft es ziemlich genau. Diese Mädels, ihre Band und ihr tolles Debut sind mit ihrem durchaus traditionsbehafteten, herrlich unbeschwerten, zwanglosen, schön erdigen, rootsigen Texas-Countryrock und Americana, gepaart mit einem Schuß Roadhouse-, Outlaw-, Honky Tonk-, Southern- und Red Dirt-Feeling eine wahre Freude für die vielen Genre-Liebhaber. Teal Collins, einstige Sängerin der Mother Truckers und Barbara Nesbitt, die Bandmitglied bei dem legendären kalifornischen Musiker und Baseballspieler/-Coach Tim Flannery (& The Lunatic Fringe) gewesen ist, beschlossen bei einem Gig befreundeter Musiker in Austin fortan gemeinsam ihren Weg zu gehen, nachdem man bei zwei zusammen gesungenen Stücken eine vielversprechende Basis gefunden zu haben schien.

Zur Recht! Die beiden haben dann mit ihren energiegeladenen Stimmen auch sehr schnell in ganz Texas für Furore gesorgt. Collins brachte von den Mother Truckers Ehemann Josh Zee (guitars) direkt mit, dazu gesellten sich hochkarätige weitere Musiker wie Lonnie Trevino jr. (The South Austin Moonlighters) am Bass, Cari Hutson-Keyboarder Michael Davids und der Drummer von Monte Montgomery, Phil Bass. Binnen weniger Monate begeisterte das Sextett derartig , dass es im legendären Continental Club in Austin einen Vertrag für regelmäßige Auftritte, quasi als Hausclub, ergatterte. In ebenso kurzer Zeit war dann auch das Material für ihr Debütalbum zusammengestellt, dass wir, auch wenn es schon im Jahre 2012 erschienen ist, jetz in unser Programm aufnehmen mussten. Da kamen wir aufgrund seiner Klasse und Qualität einfach nicht drum herum.

Was für eine erfrischende „Americana/Countryrock-„Mugge“! Es hagelte umgehend zahlreiche Nominierungen bei den berühmten Austin Music Awards, wofür Nesbitt mit trockenem Humor die logische Erklärung ablieferte. „Wir hatten Sex mit dem Ausschuss“! Locker, schrill, frech, spontan, kraftvoll und angriffslustig sind dann auch die Attribute, die man für ihre Art, Musik zu performen, hinzufügt. Das 12 Stücke umfassende Werk sprudelt nur so vor Energie und kommt quasi genau so „bunt“ wie das knallige Coverartwork rüber. Teal Collins, die den Hauptanteil der Lead vocals inne hat, liegt von der Bandbreite irgendwo zwischen Sheryl Crow und Heart-Fronterin Ann Wilson (manchmal, wenn sie richtig keift sogar ein bischen Janis Joplin), während Barbara Nesbitt den etwas gemäßigteren Part im Stile einer Bonnie Bishop belegt. Beide finden sich durchgehend kongenial in überaus markanten, wundervollen Harmoniegesängen zusammen, die dann auch mit eines der Hauptrademarks der Band darstellen.

Die Rhythmusfraktion Trevino und Bass liefert einen kräftigen Antrieb und Teppich, auf dem sich der unglaublich versiert und rau E-Gitarren-spielende Josh Zee (sehr Southern Rock-typisch, klasse Slidearbeit) und der herrlich klimpernde Michael Davids (Orgel, Honky Tonk-Piano, E-Piano) ihre instrumentellen Highlights setzen können. Genial, wie die beiden sich vor allem in ihren Soloparts präsentieren bzw. ergänzen. Das ist Musik für die verräucherten Honkytonk Clubs oder feuchtfröhliche Open Air Events im Lonestar State. Bei der Musik sieht man vorm geistigen Auge das Duo wie auf den Coverbildern mit ihren schrill bunten, kurzen Kleidern und ebenso buntbestickten Cowboystiefeln vor einer biertrinkenden Redneckhorde abrocken, bis die Location aus allen Fugen kracht. Da wird jedes Konzert zu einer Riesenparty. Die Songs dazu sind ein Konglomerat aus rauen nach vorne preschenden Country- bzw. Southern Rock Stücken texanischer Prägung, und rockigem Outlaw-Country, gepaart mit dezentem, psychedelischem Seventies-Flowerpower-Flair .

Eine Art Mixtur aus ZZ Top, Lynyrd Skynyrd, Billy Joe Shaver, auch das Ein Album-Wunder The Motherstation, Stacie Collins, Gretchen Wilson und die von Mike McClure vor einiger Zeit produzierten ShutDownTown sowie partiell der Roadhouse Rock einer Eve Selis kommen spontan in den Sinn. Die meisten Nummern verlaufen im Uptempostil, lediglich „I Take It Back“ und „Fool“ wurden als bluesige, Nostalgie-behaftete Schwofer zum Durchatmen eingeflochten. Centersongs sind der herrlich verschachtelte Opener „So Close To The Sun“ mit seinen kreischenden Vokalharmonien, der hinreissend melodische, flockige, dabei aber auch schön knackige, wie Öl runtergehende Countryrocker „All I can do“, das Slide-durchtränkte, in Skynyrd-Manier gebrachte „Wait A Lifetime“ (herrliches E-Gitarren-Solo), das an ZZ Top angelehnte, rau stampfende „Home On The Highway“ (typisches Billy Gibbons E-Solo) oder das Roadhouse Rock-trächtige „Good Girl Down“ (satte Honky Tonk-Piano/E-Solo-Kombination), das lässig groovende „Don’t Trust My Heart“ (Sheryl Crow-/Bonnie Bishop-Flair) und der fulminante „Whiskey Song“, der nochmal schroff rockt und poltert, was das Zeug hält.

Und wenn die beiden Frontdamen aus ihren heiser gesungenen Kehlen „All I need – is the whiskey“ intonieren, konstatiert ihnen wohl auch der letzte Zuhörer: „All we need are The Whiskey Sisters“! Tolle Scheibe! Ein Sahne-Geheimtipp, wie er nur aus Texas kommen kann. Zugreifen!

World Records (2013)
Stil: Country Rock

01. So Close To The Sun
02. All I Can Do
03. Talk It Out
04. Wait A Lifetime
05. I Take It Back
06. I’m Gone
07. Home On The Highway
08. Fool
09. Good Girl Down
10. Dont Trust My Heart
11. The Whiskey Song
12. Let’s Drink

The Whiskey Sisters
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Sundy Best – Door Without A Screen – Deluxe Edition – CD-Review

Ganz starkes Debüt zweier Burschen aus Prestonburg, Kentucky, die eine nicht alltägliche, aber ganz wundervolle, herrlich melodische Musik an der Schnittstelle zwischen Country und Americana spielen. Hinter Sundy Best stehen die beiden Freunde (seit fühester Schulzeit), hochtalentierten Musiker und Songwriter Nick Jamerson und Kris Bentley. Wie so oft bei derartigen Acts begann es mit dem gemeinsamen Musizieren erst einmal auf Parties im Bekanntenkreis. Es folgten unendlich viele Auftritte in Restaurants und kleineren Clubs.

Man erspielte sich mit bis zu vierstündigen Auftritten peu à peu eine loyale und nachhaltige Fanbasis, ist im Staate Kentucky mittlerweile so bekannt wie „bunte Hunde“ und füllt dort regelmäßig Clubs und größere Veranstaltungshallen. Wenn man bedenkt, dass Jamerson und Bentley praktisch mit minimalistischem instrumentellen Aufwand (in der Regel gibt es nur Gitarre, Mundharmonkia und Gesang, bei Rhythmusgebung durch eine Trommelkiste, einer sogenannten Cajón), quasi maximale Stimmung erzielen (sie werden bei ihren Konzerten geradezu frenetisch gefeiert), dann ist das schon eine tolle Sache.

Ihre nun veröffentlichte erste CD „Door Without A Screen“ (bei uns gibt es die um 7 Bonustracks erweiterte Deluxe-Ausgabe) erklärt dann auch ganz schnell warum. Die beiden schreiben Songs aus dem wirklichen Leben, mit denen man sich sofort identifiziert, wobei die Melodie, der Wiedererkennungswert der Refrains und Titel, sowie der unwiderstehlich durch Bentley erzeugte Rhythmus sofort mitreißen. Dazu hat Jamerson eine richtig unverbrauchte, teilweise rotzig freche Stimme (on top kann er auch klasse Gitarre und Mundharmonika spielen), die blendend zur gebotenen Musik passt. Für die Studio-Stücke holten sich die beiden dann noch dezente Unterstützung dazu. Zeke Walters ergänzt sein grassiges Banjospiel bei Stücken wie „Kentucky Women“ und „If I See Her“, Lauren Morgan glänzt bei Letztgenanntem mit einigen schön passenden, weiblichen Harmoniegesängen.

Ihr ebenfalls langjähriger Freund und Filmemacher Coleman Saunders, der ihnen auch zum Plattendeal mit dem potenten „Entertainment One“-Label verhalf, ist mit ein paar Pianotupfern, Bass-Linien und Gitarrensoli vertreten und hat dieses Werk auch produziert. Die Musik von Sundy Best ist insgesamt sehr schwierig zu katalogisieren. Es ein ganz eigenwilliger Mix aus diversesten Stilen wie Country, Bluegrass, Rock, Pop, Soul und Rhtythm & Blues, sagen die beiden, wobei die Country- und Americana-Roots eindeutig dominieren. Oft erinnern die beiden bei den flotteren Sachen, wie dem Opener „Kentucky Women“ oder „Drunk Right“ an eine Unplugged-Version von Cross Canadian Ragweed. Manchmal schimmert bei Tracks wie „Rain“ oder „Rowdy Gang“ sogar eine dezent psychedelische Note à la akustischer Led Zeppelin durch.

Stücke mit Harpbeteiligung („Home I Wanna Go Home“, „Summit City Slowdown“) lassen sofort Neil Young in seinen besten Solo-Tagen aufleben. Absolut radiotauglich sind Sachen wie „Lily“, das supermelodische „My Friends And Me“ (ein richtiger Ohrwurm) oder das herrlich soulig groovende „Runnin’“ (mit tollem Bruce Hornsby-Gedächtnis-Piano). Bei solchen Stücken kommt einem vielleicht die Eli Young Band als Vergleich in den Sinn. Wie es bei Ihren Live-Gigs zugeht, davon kann man sich ein Bild bei den beiden Live-Bonustracks „Drunk Right“ (also hier in beiden Versionen enthalten) und dem Medley „My Old Kentucky Home“/“These Days“ machen. Energie pur, Lokalpatriotismus und Spielfreude ohne Ende in Eintracht mit frenetisch mitgehendem und (überwiegend textsicher) mitsingendem Publikum.

Danach enthält diese Deluxe-Ausgabe noch fünf Demo-Tracks, die das Duo in ihrer ganz ursprünglichen Weise und auf sich selbst gestellt präsentiert. Hier wirkt alles noch ein wenig rauer, reduzierter und authentischer. Man meint teilweise, die beiden säßen bei einem mit im Wohnzimmer. Trotzdem klasse gemacht und nie langweilig. Sundy Best alias Nick Jamerson und Chris Bentley beweisen mit ihrem Debütwerk, dass sich da zwei Rohdiamanten in Wartestellung befinden. Zwei klasse Typen, die ganz klar das Potential haben, über den lokalen Status weit hinauszuwachsen.

Wie bereits erwähnt, sehr schwer einzuordnen diese Duo; Rosehill, Morrison Williams oder Antigone Rising (auch wenn es sich hier um eine Frauenband handelt) könnten im weitesten Sinne Richtungsanzeiger bilden. Ihr Album „Door Without A Screen“ jedenfalls ist ein unheimlich tolles, nicht alltägliches, spannendes und sehr abwechslungsreiches Erstwerk geworden, das einen wirklich fasziniert. Diese Burschen haben die Musik im Blut. Man darf gespannt sein, was da noch in Zukunft so alles im Anmarsch sein wird. Momentan gilt schon jetzt: Sundy Best – At their best!

Entertainment One (2013)
Stil: New Country & More

01. Kentucky Women
02. Lily
03. Home (I Wanna Go)
04. Rain
05. Prestonburg
06. Drunk Right
07. Mountain Parkway
08. If I See Her
09. My Friends And Me
10. Runnin‘
11. Rowdy Gang
12. Drunk Right (Live)
13. Ol‘ Kentucky Home/These Days (Live)
14. Car Song (Demo Version)
15. Summit City Slowdown (Demo Version)
16. Holy Ground (Demo Version)
17. Uneven Trade (Demo Version)
18. Distance (Demo Version)

Sundy Best
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Bärchen Records

Tim McGraw – Tim McGraw & The Dancehall Doctors – CD-Review

Nachdem ich den Weihnachtsurlaub und die letzten Wochen dazu genutzt habe, meiner anderen kreativen Ader (nein, es geht nicht um das Analysieren der genialen Spielzüge von Rot-Weiss Essen) in Form der Erstellung eines 2,00 m x 1,30 m großen Gemäldes zu widmen (allerdings inbegriffen einiger Nervenzusammenbrüche nach Fertigstellung, bei der Befestigung in gut 4,50 m Höhe…), als auch den Nachholtermin für unser ausgefallenes Symposium zu organisieren, kam mir der recht dürftige Nachschub an Rezensions-CDs, was meine Richtung betrifft, ganz gelegen.

Da es jedoch mittlerweile wieder kribbelt und ich ein wenig abergläubisch in Sachen erstem Artikel 2003 bin (nachdem die schöne Dreamcatcher-CD einen lebhaften Reigen toller Musik in der abgelaufenen Saison eröffnet hatte), habe ich, um auch auf der sicheren Seite zu stehen, den guten Tim McGraw zum Auftakt auserwählt. Und der aktuell wohl unangefochtene Superstar der New-Countryszene liefert erneut spitzenmäßige Arbeit ab.

Diesmal verzichtete er auf das gewohnte Who-Is-Who der Nashville-Studiomusiker und gab seiner langjährigen Live-Band, den Dancehall Doctors, die Gelegenheit, starke, wie immer, mit viel Feingefühl ausgewählte Lieder zu präsentieren. 15 Songs, mit einer fürs Genre nicht üblichen Spieldauer von 66 Minuten, lassen den McGraw-Fan, wie mich, frohlocken.
Der Opener „Comfort Me“ geht in die gleiche Kerbe wie „The Cowboy In Me“ vom letzten Album „Set This Circus Down“. Danach liefern sich kurzweilige Balladen a là „Tickin‘ Away“, „Red Ragtop“, „That’s Why God Made Mexico“ (mit herrlichem Barroom-Flair), „She’s My Kind Of Rain“, „All We Ever Find“ sowie „I Know To Love You Well“ und rockige Nummern wie „Illegal“ (klasse Southern Gitarren!), „Who Are They“ (aus der Feder von Brad und Brett Warren) oder „Real Good Man“ ein harmonisches Wechselspiel.

Dazwischen einige Midtempostücke wie z.B. „Home“, „Sleep Tonight“ und „Sing Me Home“, das mich stark an Jackson Brownes Running On Empty erinnert. Den Abschluss bildet der witzig gemachte Elton John-Klassiker „Tiny Dancer“, bei dem Tim den Herrn mit den vielen Brillen im Refrain durch Hochziehen der Stimme vortrefflich imitiert. Insgesamt eine wunderbar gelungene CD, die nach wie vor nur von meinem absoluten Favoriten „All I Want“ übertroffen wird
.
Jedenfalls hat Mr. McGraw mit kontinuierlichem Schaffen den Thron von Garth Brooks, der bei mir immer noch Sympathiepunkte aufgrund der geleisteten Pionierarbeit besitzt (immerhin der einzige, der sich mal hier in good ol‘ Germany für Konzerte blicken ließ), endgültig bestiegen.

Tja, mein guter Tim! Wäre es nicht auch mal an der Zeit, Dir die Warren Brothers als Support zu schnappen und endlich hier aufzulaufen? Ich garantiere dir genauso volle Hallen, wenn nicht noch längere LaOlas als bei Garth, und eine Fangemeinde, die dich grenzenlos lieben wird! Bitte glaub es mir…

Curb Records (2002)
Stil: New Country

01. Halo
02. Right Back At Ya
03. One Part Two Part
04. I Will Not Fall Down
05. The One
06. Better Than I Used To Be
07. Touchdown Jesus
08. The One That Got Away
09. Felt Good On My Lips
10. Hey Now
11. Only Human
12. Die By My Own Hand

Tim McGraw
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Bärchen Records

Keith Urban – Same – CD-Review

Eine Frage, die mich schon lange bewegt, ist folgende: Wie würde mein perfektes New-Country-Album aussehen? Welche Voraussetzungen müssten geschaffen sein, um ein Werk zu produzieren, das kommerziell, aber auch in qualitativer Hinsicht höchsten Ansprüchen standhalten kann?

Zunächst suche man sich einen optisch attraktiven Künstler, der eine recht gute Stimme besitzen sollte. Ideal wäre, wenn er Instrumente spielen könnte, noch besser, wenn er dazu auch noch kompositorisches Talent in sich birgt. Man gebe ihm Zeit, einiges an Spielraum, um sich frei zu entfalten, und stelle ihm teilweise erfahrene Co-Writer an die Seite.

Das Ergebnis ergänze man durch ein paar, gut bedachte Fremdkompositionen, so dass eine wohl dosierte Mischung aus peppigen, modernen Uptemponummern und schönen Balladen entsteht, ohne aber auch traditionelle Elemente außer Acht zu lassen.

Zur Einspielung der CD nehme man das Non-Plus-Ultra der Nashville-Studio-Szene und einen gestandenen Musiker als Produzenten.
Unter Abwägung aller Dinge, gelange ich immer wieder an ein Album in meiner Sammlung, nämlich das von Keith Urban.
In Neuseeland geboren, in Australien aufgewachsen, lernt er als siebenjähriger Bub Gitarre zu spielen, beeinflusst durch Songs von Künstlern wie Dolly Parton und Don Williams. Seine Gitarrenspieltechnik prägen Dire Straits-Frontmann Mark Knopfler und Fleetwoord Macs Lindsey Buckingham.

Schon früh ist ihm, trotz erster Erfolge in Down Under, klar, dass sein Weg nach Amerika führen wird. Nach einigen Zwischentrips Ende der Achtziger, einer ersten CD mit einer Band, namens The Ranch, und ersten Gastauftritten als Gitarrist auf Werken von Garth Brooks und den Dixie Chicks, ist es 1999 endlich soweit. Keith veröffentlicht sein erstes Soloalbum, das er als Opener von Stars wie Dwight Yoakam und Tim McGraw/Faith Hill, aber auch schon bald als Headliner dem Publikum vorstellt.

Höhepunkte für mich, in einer durchweg auf hohem Niveau stehenden CD, sind das Gute-Laune-Stück „It’s A Love Thing“, „But For The Grace Of God“ (tolle Performance dieses Liedes auch bei der Abschlussfeier der Paralympics in Sidney), das mich ein wenig an den Siebziger-Jahre-Hit „Seasons In The Sun“ von Terry Jacks erinnert oder das cool-relaxte „A Little Luck Of Your Own“. Eine Kostprobe seiner Fingerfertigkeit auf der Gitarre liefert er beim groovenden Instrumental „Rollercoaster“.

Keith Urban, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wird die Erfolgsleiter emporklettern und schon bald zu den nicht mehr wegzudenkenden Größen in Nashvilles New-Country-Szene gehören.

Capitol Records Nashville (1999)
Stil: New Country

01. It’s A Love Thing
02. Where The Blacktop Ends
03. But For The Grace Of God
04. Your Everything
05. I Wanna Be Your Man (Forever)
06. A Little Luck Of Your Own
07. You’re The Only One
08. If You Wanna Stay
09. Don’t Shut Me Out
10. Out On My Own
11. Rollercoaster
12. I Thought You Knew

Keith Urban
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Keith Urban – Love, Pain & The Whole Crazy World Tour – DVD-Review

Es erfüllt mich schon ein bisschen mit Stolz, dass ich wohl in unseren Gefilden mit einer der ersten war, die das Schaffen von Keith Urban zu einer Zeit beleuchtet haben, als dieser hier noch völlig unbekannt war, und treffsicher seine, wie die Zukunft dann in der Realität auch zeigte, rosigen Aussichten im Musik-Business voraussagte. Mittlerweile ist der mit Nicole Kidman verheiratete Keith Urban einer der ganz großen Stars in Nashville und auch mit einer der wenigen Botschafter des New Country, die sich mal hier in Deutschland blicken lassen.

Grund dafür sicherlich, dass Urban durch den pop-rockigen Touch in seinen Stücken hier einigermaßen gut für den Otto-Normal-Musikhörer in Sachen Mainstream-Rock a là Bon Jovi & Co. vermarktet werden kann, was man in unsäglicher Form mit Europa-tauglichen Versionen seiner letzten CDs schon vorzubereiten gedachte. Da platzt einem New Country-Liebhaber wie mir die Hutschnur und tut einem glänzenden Musiker, der sein instrumentelles Handwerk so virtuos beherrscht wie Keith Urban, großes Unrecht. Schande über diese sogenannten Marketingstrategen! Anders herum ist man froh über jeden Act des Genres, der sich überhaupt hier mal die Ehre gibt.

In Deutschland wird Keith in kleinen Schritten aufgebaut. Zunächst gab es Auftritte in kleinen Locations (u.a. Alter Wartesaal in Köln), dann folgte ein Gastauftritt in „Wetten Dass“, um seine Konzerte bei uns (in mittleren Hallen) im Rahmen seiner hier auf DVD beleuchteten Welttournee zu promoten. Ich hatte das Vergnügen bei seiner überzeugenden Vorstellung im Kölner E-Werk mit dabei zu sein (Backstage-Aufnahmen von Keith hier auch kurz im Bonusmaterial verewigt). Wie wenig Fingerspitzengefühl bei uns im Vorfeld an den Tag gelegt wurde (fast schon eine Art Beleidigung Urbans und der New Country-Fangemeinde), bewies man bereits damit, dass irgend so ein deutscher Pop-Boygroup-Fuzzi als Support gebucht wurde, dem nach seinem schnellen Absturz auf Solopfaden wieder in die Spur geholfen werden sollte. Der machte aber richtigerweise kurz vorher den Rückzieher, wohl wissend, dass er spätestens nach fünf Minuten (oder weniger) vom fachkundigen New Country-Publikum von der Bühne gebuht worden wäre. So ergab es sich, dass die beiden starken Musiker aus Urbans Begleitband, Jerry Flowers (welch eine Röhre) und Chris Rodriguez bei ein paar spontan eingespielten Stücken auch ihr Gesangskönnen aufblitzen lassen konnten.

Relativ schnell, nur wenige Monate später, wurde Urban dann noch für ein paar wenige Konzerte in großen Hallen angekündigt, was aber ohne neue CD (die war ja gerade erst vor der Welttournee erschienen) völliger Schwachsinn gewesen ist und dann natürlich mangels Nachfrage (oder offiziell, aus terminlichen Gründen) wieder gecancelt wurde. Sicherlich die bessere Variante ist, jetzt diese DVD erst mal als eine Art Bewerbungsvideo ins Rennen zu schicken und, wenn ein neues Album erstellt ist, dann den Run ausschließlich auf die großen Hallen zu starten (auch wenn ich ihn lieber wieder im kleineren Rahmen sehen würde).

Kommen wir nun zur DVD. Sie bietet einen grandiosen Querschnitt seines letzten Albums „Love Pain & The Whole Crazy Thing“ sowie einen gut gewählten Auszug seiner Restwerke. Grandiose Filmaufnahmen aus allen nur erdenklichen Winkeln und Perspektiven, tolle Videoeffekte auf einer Riesen-Leinwand hinter der Bühne, ein glänzender Sound, grandios und filigran spielende Begleitmusiker (Chris Rodriguez – Guitars, Bass, Ganjo, Background Vocals; Jerry Flowers – Bass, Guitars, Piano, Background Vocals; Brian Nutter – Guitars, Ganjo, Keys, Background Vocals; Brad Rice – Guitars, Ganjo, Mandolin, Background Vocals; Chris McHugh – Drums) und ein alles gebender, leicht erkältet wirkender Keith Urban als Center, ohne sich aber zu sehr in den Vordergrund zu stellen, bieten alles, was das Herz eines auf Qualität bedachten Musikliebhabers begehrt.

Das macht unheimlich viel Spaß und bietet großes Musikkino fürs heimische Wohnzimmer. Klasse und auch sehr publikumsdienlich gewählt ist der große Laufsteg inmitten der hier für diesen Silberling ausgewählten Halle, der am anderen Ende noch mal zu einem kleineren Rund führte und dort auch für die hinteren Ränge beste Sichtposition für einen eingestreuten Unplugged-Part bot. Ein Augenschmaus ist immer wieder auch den lausbubenhaft wirkenden Chris McHugh trommeln zu sehen, einen der wohl besten Drummer auf dieser Erde, der sich im Rahmen dieses DVD-Projektes auch als musikalischer Direktor betätigte.

Das abschließende „Everybody“ wird dann passender Weise dem Publikum seiner Welttournee gewidmet und am Ende mit einer Weltkugel, die sich auf der Leinwand in ein Herz verwandelt, effektvoll abgeschlossen. Beim Bonusmaterial gibt es kleine Einblicke in das Drumherum nach und vor den Konzerten, am meisten beieindruckend sind die wirklich nicht gekünstelt wirkenden Abschlussbemerkungen eines emotional aufgewühlten und zu Tränen gerührten Keith Urban angesichts des letzten Konzertes der Tour. Eine witzige Idee die als Bühne dargestellte Fotogalerie, bei der die Bilder auf der echten Konzertleinwand eingespielt wurden.

Und wer mal sehen möchte, was für ein fingerfertiger Gitarrist Keith Urban ist, kann sich mit garantiertem Staunen ein paar Lehrminuten in Sachen Saitenakrobatik beim Making Of-Film von „You Look Good In My Shirt“ geben lassen. Insgesamt eine grandiose DVD, die Keith Urban als einen sympathischen und begnadeten Vollblut-Musiker, Songschreiber und Entertainer ausweist, der zu jeder Zeit bereit ist, für sein Publikum eine große und vor allem ehrlich rüberkommende Show abzuliefern. Wer ihn noch nicht live gesehen hat, dem gilt die Empfehlung sich ihn und seine hervorragende Begleitband in den großen Hallen lieber anzuschauen, als zum x-ten Male die arrivierten Acts, die einem mündigen Rockmusikfan eigentlich schon aus den Ohren raushängen müssten. Und ich wette, dass Keith Urban, seine New Country-Roots nicht verleugnen wird, wer immer auch hierzulande wieder seine Geistesblitze marketingtechnisch einzubringen versucht. Absolute Kaufempfehlung für diese DVD, hier passt einfach alles!

Capitol Records Nashville (2008)
Stil:  New Country

01. Once In A Lifetime
02. Where The Blacktop Ends
03. Shine
04. Raining On Sunday
05. Stupid Boy
06. Used To The Pain
07. You’re My Better Half
08. Making Memories Of Us
09. You’ll Think Of Me
10. I Told You So
11. Days Go By
12. You Look Good In My Shirt
13. Tonight I Wanna Cry
14. Who Wouldn’t Wanna Be Me
15. Somebody Like You
16. Got It Right This Time (The Celebration)
17. Better Life
18. Everybody

Features.
19. Making Of The Tour Footage
20. Behind The Scenes Outtakes
21. Photo Gallery
22. Studio Footage of „You Look Good In My Shirt“

Keith Urban
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Keith Urban – Golden Road – CD-Review

Schon als ich das erste Werk von Keith Urban beleuchtete, wusste ich, dass der Blondschopf seinen Weg gehen würde.
Jetzt liegt mir seine zweite Scheibe vor und bestätigt eigentlich meine getätigten Vermutungen. Dem Sonnyboy ist wieder ein Meisterwerk gelungen und sein vielfältiges Talent spielt dabei eine große Rolle. Er hat wieder den Hauptanteil der Songs geschrieben, singt, spielt vorzüglich Gitarre und Banjo, dazu kommt, dass er alle Stücke selbst oder unter Mithilfe von Dann Huff produziert hat.

Seine Lieder versprühen eine jugendliche Frische, die ihres Gleichen sucht; da ist gute Laune und pure Lebensfreude angesagt. Mir fällt spontan – nicht nur des Aussehens wegen – (ja Mädels, ihr bekommt was geboten) der Vergleich der „David Beckham des New-Country“ ein. Ein echter Allroundmusiker. Hören Sie sich die präzisen Gitarrensoli und -riffs an oder sein unverwechselbares unaufdringliches Banjospiel. Spaßfaktor hoch 10!

Zwischen jeder Menge knackiger Uptemponummern steckt immer wieder die eine oder andere Killerballade wie „You’ll Think Of Me“, das mich stark an Vince Gills „World’s Apart“ erinnert und herrlich leicht rüberkommt.

Dann gibt es wieder den Wechsel zum alten David Dundas-Hit Jeans On. Hören Sie sich mal an, wie der Junge den alten Schinken zu neuem Leben erweckt hat. Da schmeißt man sich wirklich am liebsten in die Jeans, brettert zum nächsten Flughafen, sehnsüchtig darauf wartend, im sonnigen Süden das Cabrio zu chartern (Kühltasche mit Sixpacks natürlich an Board), diese knackige CD in den Player zu schieben und einem netten Plätzchen am Meer entgegen zu rauschen.

Ein geiler Song auch „You Look Good In My Shirt“, ein echter Southern-Kracher mit filigranem Gitarrensolo, wo jede Konzerthalle in Wallung geraten wird. Ein leicht zu merkender Refrain, der zum Mitgrölen und Wippen mit den Cowboystiefeln einlädt. Klasse!

Überhaupt, auf diesem Album sucht man Schwächen vergeblich. Für mich eines der Highlights dieses Jahres!
Und Keith, wenn Du mir versprichst, Dich von irgendwelchen Spice Girls fernzuhalten, dann sind Dir meine Sympathien auch in Zukunft sicher…
„Golden Road“ gibt es natürlich bei Bärchen Records.

Capitol Records Nashville (2002)
Stil: New Country

01. Somebody Like You
02. Who Wouldn’t Wanna Be Me
03. Whenever I Run
04. What About Me
05. You’ll Think Of Me
06. Jeans On
07. You Look Good In My Shirt
08. You’re Not Alone Tonight
09. You Won
10. Song For Dad
11. Raining On Sunday
12. You’re Not My God incl. Hidden track

Keith Urban
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Keith Urban – In The Ranch – CD-Review

Nie machte eine Wiederveröffentlichung mehr Sinn als im Fall „Keith Urban In The Ranch“. Was für ein grandioses Album, bei dem man sich als Kenner der Szene spontan fragt, warum KU erst eine Solokarriere starten musste, um letztendlich Anklang bei der Masse der New-Country-Hörerschaft zu finden. Denn er und seine beiden Kumpels Jerry Flowers und Peter Clarke erledigen ihren Job par excellence.

Gut, im Prinzip regiert der Sonnyboy auch dieses Werk an allen Ecken und Enden, und nur in Nuancen kann man Unterschiede zu seinen bisherigen Soloscheiben feststellen. Diese Platte ist ohne Zweifel etwas rootsiger und erdiger, ja sogar etwas rockiger ausgefallen als zum Beispiel „Golden Road„, klingt aber trotzdem ungemein modern und frisch, so dass sie sicherlich auch für Liebhaber von Stilarten in der näheren Umgebung des New-Country interessant sein könnte.

Ergänzt wurde das Original von 1997 um zwei unveröffentlichte Songs: „Billy“, ein bluesiger Countryrocker und eine Coverversion von „Stuck In The Middle With You“. Gerade beim letztgenannten Stück der Herren Egan und Rafferty (Stealers Wheel), das ich eigentlich nie leiden mochte, gelingt es dem Trio in genialer Weise der alten Staubklamotte ein Komplettlifting zu verpassen. Fast so, als wenn man aus Angela Merkel eine Giselle Bündchen zaubern würde! Absolute Klasse!

Dazu kommen zwei Videoclips von „Walkin‘ The Country“ (herrlich flockig rhythmischer Song mit starker Banjo- und E-Gitarrenarbeit) und dem abwechslungsreichen Instrumentalstück „Clutterbilly“, wo KU einmal mehr beweist, welch großartiger Gitarrist in ihm steckt. Den Rest in möchte ich kurzen Stichworten schildern.

Flottere Nummern:
„Homespun Love“ – Semiakustischer Rhythm’N’Blues;
„Some Days You Gotta Dance“ – wie der Titel es bereits andeutet, tanzbares Gute-Laune-Rock’N’Roll-Stück;
„Freedom’s Finally Mine“ – Country-Rocker mit Southern-Flair;
„Hank Don’t Fail Me Now“ – NASCAR-Sampler-tauglicher Boogie mit schönem E-Solo.

Balladen/Midtempo:
„Just Some Love“ – tolle Melodie, kurze E-Gitarren- und Fiddleeinsätze;
„My Last Name“ – erinnert ein wenig an „The Thunder Rolls“ von Garth Brooks, sehr atmosphärisch;
„Desiree“ – starker Text, Tempowechsel beim Refrain, Einsatz von zweiter Gesangstimme, die sich nach Drew Womack von Sons Of The Desert anhört, ist allerdings im Booklet nicht erwähnt, mit überraschendem Mini-Southern-Gitarrenfinish;
„Tangled Up In Love“ – locker, entspannend mit wunderschöner spanischer Akustikgitarre und nettem Harmoniegesang;
„Man Of The House“, „Ghost In The Guitar“ – beide ein wenig westcoastgetränkt, könnten aus dem Eagles-Repertoire stammen, letztgenanntes mit dezentem „Hotel California“-Touch.

So kann man guten Gewissens feststellen, dass Keith Urban mit diesem Album nachhaltig unterstrichen hat, dass er ohne Wenn und Aber zu den ganz Großen der New-Country-Szene gezählt werden muss.

Das gute Teil ist natürlich bei Bärchen Records erhältlich, wie auch eine relativ günstige DVD mit sechs Videoclips von Stücken seiner jeweils letzten zwei Studiowerke, die recht nett anzuschauen sind, allerdings aber schon zum Teil schon in Country-Roads gezeigt wurden.

Capitol Records Nashville (2004)
Stil: New Country

01. Walkin‘ The Country
02. Homespun Love
03. Just Some Love
04. Some Days You Gotta Dance
05. My Last Name
06. Desiree
07. Freedom’s Finally Mine
08. Hank Don’t Fail Me Now
09. Tangled Up In Love
10. Clutterbilly
11. Man Of The House
12. Ghost In The Guitar
13. Stuck In The Middle
14. Billy

Keith Urban
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Bärchen Records

Jason Aldean – Same – CD-Review

Bei Jason Aldean handelt es sich um einen der Shooting-Stars der New Country-Szene des Jahres 2005. Seine hier besprochene CD erschien im Juli des vergangenen Jahres und behauptete sich konstant bis vor wenigen Wochen in den Billboard-Album-Top-25-Charts, und mit diversen Stücken auch im Single-Bereich („Why“ sogar Nr. 1).

Für den aus Macon, Georgia stammenden 29-jährigen war der Weg zum Erfolg allerdings im Vorfeld mit vielen Hindernissen bestückt. So platzten gleich zwei Plattenverträge, bevor er schließlich beim kleinen, aber feinen Independant-Label Broken Bow Records unterkam, das u. a. Künstler wie die vor kurzem ebenfalls recht angesagten Craig Morgan und Lila McCann beherbergt.

Ganz kräftig seine Finger mit im Spiel hat auch hier wieder der umtriebige John Rich, Hälfte der mega-angesagten New Country-Comedians Big & Rich, der nicht nur bei fast der Hälfte aller Songs schreibtechnisch involviert war, sondern auch den superben Haus- und Hofgitarristen des Duos, Adam Schoenfeld, mit ins Spiel brachte. Mit gestandenen Musikern wie David Lee Murphy, Chad Brock, Bobby Pinson und einigen weiteren etatmäßigen Nashville-Songwritern wurde für weitere prominente Unterstützung im kompositorischen Bereich gesorgt.

Aber auch Jason selbst zeigte bei drei Stücken, dass er sich in dieser Hinsicht nicht zu verstecken braucht. Und so kommen wir direkt zur Auflösung des Erfolgsrezeptes dieses Albums. Frecher, jugendlicher Elan, viel gesangliches Talent (im Tenorbereich angesiedelt), Fingerspitzengefühl bei der Liederauswahl, die eine gesunde Mixtur aus traditionellen und modernen New Countryelementen vereint, hervorragende Musiker, und mit Michael Knox ein umsichtiger Produzent, der für einen transparenten und zeitgemäßen Sound gesorgt hat.

„Hicktown“, ein rauer, rockiger, druckvoller Redneck-Countrysong (auch als Videoclip auf dem Silberling), ist der herausragende Knaller, „Why“ und „Even If I Wanted To“ sind als kräftige Power-Balladen (mit tollen Solopassagen) weitere Zugpferde dieses Werkes. Insgesamt eine gesunde Mischung aus Up-, Midtempo-, und langsameren Tracks. Nicht wundern, wenn einige Nummern mittlerweile bereits bekannt erscheinen, zum Teil fanden Sie auch den Weg auf die CDs der Komponisten und anderer Erfolgsinterpreten, beispielsweise „Hicktown“ bei Big & Rich, „Asphalt Cowboy“ bei Blake Shelton und „Good To Go“ bei John Corbett.

Jason Aldeans Debüt macht richtig Lust auf den hoffentlich bald herauskommenden Nachfolger. Stoff für Freunde junger, wilder New Country-Artisten der Marke Blake Shelton, Brian McComas oder Gary Allan.

Broken Bow Records (2006)
Stil: New Country

01. Hicktown
02. Amarillo Sky
03. Why
04. Even If I Wanted To
05. Lonesome U.S.A
06. Asphalt Cowboy
07. I’m Just A Man
08. You’re The Love I Wanna Be In
09. Good To Go
10. I Believe In Ghosts
11. She Loved Me

Jason Aldean
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Jason Aldean – Wide Open Live And More – DVD-Review

Just in dem Moment, als ich mit den Vorbereitungen zu diesem Review begonnen hatte, konnte Jason Aldean mit „Big Green Tractor“ seinen dritten No. 1-Single-Hit in den Billboard Charts verbuchen (kurz zuvor mit „Johnny Cash“), und auch das Album „Wide Open“ (sein bisher 3. Werk), aus dem beide Tracks stammen, hat sich einen festen Platz unter den Top-10 erarbeitet. Auf der Welle dieses Erfolges hat man sich entschlossen, mit „Wide Open Live And More“ parallel eine Live-DVD auf den Markt zu werfen, aufgenommen in Knoxville, Tennessee im prall gefülltem Auditorium im März dieses Jahres, die Aldeans Popularität ohne Zweifel festigen, bzw. vermutlich nochmals erheblich steigern wird.

Der Schlüssel zum Erfolg bei Jason Aldean liegt in seinem hohen Identifikationsgrad. Er stammt aus schwierigen familiären Verhältnissen (die Eltern ließen sich scheiden, als er drei Jahre alt war), hat sich trotz mehrerer Rückschläge am Anfang seines musikalischen Treibens nie selbst aufgegeben, auch die Zeiten nur vor 50 Zuschauern zu spielen durchlebt und sich letztendlich dank seiner Beharrlichkeit durchgeboxt. Er verkörpert schlichtweg mit seiner einfachen, aber dynamischen Art den American Dream des jungen, zukünftig wahrscheinlich immer mehr von Alpträumen und harten Realitäten gebeutelten Durchschnitt-Amerikaners.

Das sieht man auch ganz deutlich, wenn die Ränge des Knoxville Coliseums eingeblendet werden. Überwiegend junge Menschen, vorwiegend weiblicher Natur, die ihrem Vorbild einen fröhlichen, unbeschwerten und stimmungsreichen Abend bescheren und dafür mit einem sehr ansprechenden Konzert belohnt werden. Aldean und seine ebenfalls recht junge Band (Tully Kennedy – Bass, Background Vocals, Rich Redmund – Drums, Kurt Allison – Lead Guitar, Mike Frey – Electric Guitars, Background Vocals) präsentieren ein knackig zusammengestelltes Best Of-Programm (inkl. aller Billboard-Hits wie „Amarillo Sky“ „Why“, „Big Green Tractor“, „She’s Country“, „Laughed Until We Cried“) seiner drei so erfolgreichen Alben, wobei das Hauptaugenmaß auf den aktuellen „Wide Open“ Silberling gelegt wurde.

Dem Quintett gelingt es auch ohne die Country-typischen Instrumente einen recht dynamischen Countryrock zu kredenzen. Aldean dominiert zwar das Geschehen mit einer soliden vokalen Leistung und klischeegetreuen Präsenz (Cowboyhut und Akustikgitarre), lässt aber seinen Bandmitgliedern durchaus etwas selbstdarstellerischen Spielraum. So wurde dem recht engagierten und spaßig agierenden Rich Redmund ein Drum-Solo gewährt und auch beide Gitarristen lassen immer wieder ihr Können aufblitzen.
Den Höhepunkt von Jason’s Performance bildet zweifelsohne die erste Zugabe, wo er bei „Asphalt Cowboy“ (seinem Großvater gewidmet), eine starke emotionale Solovorstellung bietet und zudem einen Hauch von Charisma sowie auch sein gutes, bis dato kaum hörbares Akustikgitarrenspiel andeutet. Das abschließende „Hicktown“ bringt mit einer grandios rockenden Teamleistung die Halle letztmalig zum Kochen. Als Bonus gibt es dann noch den typischen Film mit Impressionen ums Konzert herum und eingeflochtenen persönlichen Statements von Jason.

„Wide Open Live And More“ von Jason Aldean bietet knapp anderthalb Stunden leicht verdauliche und unterhaltsame Werbung in Sachen New Country-/Countryrock. Er und seine Mannen treffen mit sowohl flott rockenden als auch melodiebetonten Songs musikalisch gesehen den Zahn der Zeit. Ein Künstler, der auch in Zukunft dank seines mittlerweile erheblichen Fanpotentials in Nashville und darüber hinaus von sich Reden machen wird. Das Konzert ist recht angenehm gefilmt und kommt soundtechnisch im Dolby Digital Stereoformat am besten zur Geltung.

Eagle Rock Entertainment (2009)
Stil:  New Country

01. Wide Open
02. I Break Everything I Touch
03. Amarillo Sky
04. Why
05. Big Green Tractor
06. On My Highway
07. Drum Solo
08. Johnny Cash
09. Relentless
10. You’re The Love I Wanna Be In
11. Laughed Until We Cried
12. I Use What I Got
13. She’s Country
14. Asphalt Cowboy
15. Hicktown

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