The Bluesanovas – 02.02.2024, blues, Rhede – Konzertnachlese

Mit den Bluesanovas spielt eine aufstrebende deutsche Bband im blues Rhede. Leider ist der Besuch am Freitag Abend sehr überschaubar, obwohl das Quitett in den letzten Jahren doch einige Auszeichnungen gesammelt hat.

Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich das Gesicht der Band verändert. Der bisherige Sänger Melvin Schulz ist zum Ende des Jahres ausgestiegen und wurde durch Till Seidel ersetzt. Der Qualität hat dies an diesem Abend nicht geschadet. Die Stimme ist vielleicht nicht ganz so prägnant, ich rede hier von Jammern auf hohem Niveau, dafür bringt er aber als zweiter Gitarrist, auch mit vielen Solo-Parts, noch mehr Drive in die Songs, die dadurch rockiger erscheinen. Im Mittelpunkt des Gigs steht das aktuelle Album „Big Love“, was bei den Fans sehr gut ankommt und so schnell eine entsprechende Stimmung im blues herrscht, die gefühlt die Besucherzahl verdoppelt.

In den knapp zweistündigen Auftritt lassen die jungen Münsteraner Blues, Rockabilly, Rock´n´Roll und Soul gekonnt ineinander verschmelzen. Neben dem charismatischen Seidel setzen insbesondere Nico Dreier an den Keyboards mit teilweise furiosen Soli und Filipe de la Torre mit feinen auf den Punkt gespielte Gitarren-Einlagen besondere Akzente. Dabei können sie sich voll auf die Rhythmusfraktion um Philipp Dreier an den Drums und Nikolas Karolewics am E-Bass und Kontrabass verlassen.

So vergehen knapp zwei Stunden Musik wie im Fluge, in denen die Bluesanovas zeigen, dass sie nicht umsonst in den letzten Jahren einige Awards abgeräumt haben und in der Zukunft durchaus eine gewichtige Rolle zumindest in Deutschland und den umliegenden Ländern spielen können.

Ein Dank geht auch an das blues für den netten Empfang und die Möglichkeit auch aus der eigentlich geschlossenen Empore zu fotografieren. Rhede war somit an dem Abend eine Reise Wert und es lohnt sich einmal auf die Webseite zu schauen, es finden öfter gute Acts den Weg in den kleinen, aber mit viel Liebe geführten Club.

Line-up:
Till Seidel – vocals, guitar
Nico Dreier – keyboards
Filipe de la Torre – lguitar
Nikolas Karolewicz – bass
Philipp Dreier – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

The Bluesanovas
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blues Rhede

Jennifer Porter – Yes, I Do! – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach ihrem Debüt im Jahr 1998 wurde es erst einmal still um Jennifer Porter. Mit dem Soundtrack zu dem preisgekrönten Film „40 West“, bei dem sie mitspielte und zudem das Drehbuch verfasste, meldete sie sich 2012 zurück. Danach veröffentlichte das Multitalent aus Massachusetts zunächst Jazz-Alben und einen weiteren Soundtrack („Mr. Barrington“). Für SoS-Leser dürften vor allem ihre beiden letzten Longplayer „These Years“ (2018) sowie „Sun Come And Shine“ (2022) interessant sein, auf denen sie sich dem Americana und Blues zuwendet. „Yes, I Do!“ stellt nun den neunten musikalischen Output von Jennifer Porter dar.

Mit „Don’t Worry No More“ sowie den beiden Covern „How Long“ und „Good Ol‘ Wagon“ widmet sich Porter auf ihrem aktuellen Werk erneut dem Blues. Das von ihr geschriebene Stück steht den beiden Klassikern aus den 1920er Jahren – von Stuart Balcom und Bessie Smith beziehungsweise von Leroy Carr stammend – in nichts nach. Besonders die Gitarre von George Naha (Wilson Pickett, Aretha Franklin) kommt hier zur Geltung. Fast alle Songs haben einen Retro-Flair. Dieser scheint bei dem traditionell gehaltenen Swing „Lucky Dust (Shining Through)” oder dem an die Frühzeit des Rock ’n Roll erinnernden „All I Needed Was You“ besonders deutlich durch.

Porter kann ihrer Stimme einen warmen Klang mitgeben. Ihr Sopran trägt aber auch in den höheren Passagen. Die von ihr gespielten Tasteninstrumente Piano, Wurlitzer und Hammond B3 sind auf den Stücken stets präsent. Die heimlichen Stars sind aber häufig die Horns. Für die Bläsersektion konnte sie Steve Jankowski (Chicago), Doug DeHays (Southside Johnny) sowie Randy Andros (The O’Jays) gewinnen. Sie geben beispielsweise dem Opener „Before We Call It A Day“ zusätzlich Drive. Außerdem sind sie für den souligen Einschlag des Titeltracks mitverantwortlich. Das entspannte „Yes, I Do“ besticht ebenso wie das sehr ruhige „Over You“ durch seinen eingängigen Refrain. Die beiden Songs stellen für mich die besten Beiträge des Longplayers dar, was sicherlich daran liegt, dass sie in Richtung Americana gehen.

Das Album wurde von Porters Ehemann Dana Packard produziert, der auch am Schlagzeug sitzt. Die Gäste Cindy Cashdollar (Pedal Steel) und C. J. Chenier (Akkordeon), die bereits auf der vorangegangenen Veröffentlichung mit von der Partie waren, integrieren sich in den Sound der ohnehin relativ großen Band ohne Probleme. Die einzelnen Musiker bekommen ihre Parts auch mal mit kurzen Soli, insgesamt bieten die Songs aber wenig überraschende Momente. Entsprechend dem Konzept des Albums wird die konventionell gehaltene Linie durchgehalten. Obwohl Jennifer Porter einige Musikstile aufgreift, gibt es keinen Bruch auf „Yes, I Do!“. Die Verbindung schafft Porter einerseits durch ihre Präsenz am Mikro, andererseits erscheinen die Songs zeitlich entrückt oder – wenn man so will – zeitlos.

Cougar Moon Music (2023/2024)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. Before We Call It A Day
02. Yes, I Do
03. Over You
04. All I Needed Was You
05. Don’t Worry No More
06. How Long
07. Lucky Dust (Shining Through)
08. Good Ol’ Wagon

Jennifer Porter
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Soul Thrivers – Morning Glory – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Die Britin Dvora Davis und der Pole Adam Sikora bilden das Berliner Duo Soul Thrivers. Zusammen mit weiteren Musikern haben die beiden nun am 15. September nach ihrem 2021‘er Debutalbum „You Better Watch“ ihr zweites Werk mit dem Titel „Morning Glory“ veröffentlicht. Während Dvora Davis sich mit ihren jamaikanischen Wurzeln auf dem Album als überzeugende Singer-Songwriterin präsentiert, kommt ihr Mitstreiter Adam Sikora als wahrer Multiinstrumentalist (Mundharmonika, Schlagzeug, Querflöte) daher.

Aber auch die übrigen Gastmusiker verstehen ihr Handwerk aufs Feinste. Nick Morrison liefert ekstatische, manchmal spacig-psychodelische Gitarrenklänge, während Frederico Corazzini (Schlagzeug) und Giggi De Cicco (Bass) für den nötigen Rhythmus sorgen. Und natürlich nicht zu vergessen die talentierte Onyi Macjossi als Hintergrundsängerin. Herausgekommen ist eine feine Mischung aus Blues, Roots und Gospel.

Gleich der Opener des Albums „Everythings Changed“ gehört in diese Kategorie. Ein Song mit einem gospeligen, nahezu a capella gesungenen Intro zu dem sich im weiteren Verlauf Bluesharp und Slidegitarre gesellen. Auch das folgende „Lord Have Mercy“ kommt als schöner, leicht gospeliger Blues daher.

Hervorzuheben sind auch die Nummern „Right Track“ und „Baby Boy“. Ersterer ist härter arrangiert und auffallend rhythmisch, ein flotter Song, bei dem Dvora Davis‘ Stimme nicht so prägnant im Vordergrund steht. Und auch „Baby Boy“ ist ein fröhlicher, lebensfroher Shuffle. Die übrigen Tracks bewegen sich alle zwischen wohlklingenden Bluesnummern (z. B. „Save Your Love For Me“) und dem Slowblues „River Of My Love“.

Insgesamt wird das Album von Dvora Davis‘ warmen und fast immer im Vordergrund stehenden Altstimme und Adam Sikoras Mundharmonikaspiel getragen. Es ist sicherlich eine Scheibe für die man sich zum Anhören Zeit und Muße nehmen sollte, zumal sonst auch die hörenswerten Songtexte und die damit erzählten Geschichten untergehen würden, was sehr schade wäre. Musikalisch und vom Songwriting her überzeugt das Album auf ganzer Linie. Die Truppe ist richtig, richtig gut. Aus meiner Sicht eine absolute Kaufempfehlung und ein Top-Weihnachtsgeschenk!

Timezone Records (2023)
Stil: Blues, Roots

Tracks:
01. Everythings Changed
02. Lord Have Mercy
03. Morning Glory
04. Chain Of Fools
05. Watching Over Me
06. Right Track
07. It Doesn‘t Matter
08. River Of My Love
09. Baby Boy
10. Save Your Love For Me

Soul Thrivers
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Todd Snider – Crank It, We’re Doomed – CD-Review

Review: Michael Segets

Todd Snider veröffentlicht mit „Crank It, We’re Doomed” kein neues Album, sondern ein altes, das seinerzeit nie den Weg in die Verkaufsregale gefunden hatte. 2007 überkam Snider ein kreativer Overflow. Die Songs sprudelten und ein Doppelalbum wurde in Angriff genommen. Snider kam zu einem Punkt, an dem das Konzept des Albums verschwamm: Er hatte politisch motivierte Lieder und andere; Er bediente sich seiner Empfindung nach zu vieler Stilrichtungen. Eine durchgängige Linie war verloren und so verschwand das Album schließlich in der Versenkung.

Völlig vergebens war die investierte Arbeit jedoch nicht. Auf seinen nächsten Studioalben erschienen fünf Songs – zum Teil mit anderen Titeln – und sechs als neue Einspielungen. Neben den sechs ursprünglichen Versionen gibt es also vier weitere Stücke auf „Crank It, We’re Doomed”, die so noch nie gehört wurden. Die Entscheidung, das Album nun doch noch herauszubringen, lag vor allem daran, dass Snider nun den roten Faden des Werks erkannte: Es geht um einen Mann, der den Verstand verliert.

Die stilistische Vielfalt störte den Künstler schließlich nicht mehr. Tatsächlich bedient sich Snider mehrmals beim Blues wie beim Opener „From A Dying Rose“ oder bei „Doll Face“, das durch seinen Sprechgesang geprägt ist. Den Sprechgesang treibt Snider bei „What Make You Do It“ auf die Spitze. Der Track wird fast a cappella performt, lediglich im Hintergrund ist entfernt die Rhythmussection zu hören. Einen Wechsel zum Bluesrock vollzieht „Slim Chance Is Still A Chance“. Hier tritt ein kräftiger Backgroundgesang hinzu, der auch „Mission Accomplished“ Drive gibt.

Die Single „Juice“ scheppert schön und weist schon in Richtung Roots Rock, der mit „Handleman’s Revange“ auf dem Longplayer vertreten ist. Die andere Seite der Fahnenstange bilden dann „The War On Terror“, das mit akustischer Gitarre und dezenter Mundharmonika in der Folk-Tradition steht, oder das sanfte „Mercer’s Folly“.

„America’s Favorite Pastime“ bringt mit Geige und Orgel, die auch bei „The Last Laugh“ auffällt, nochmal neue Klänge auf die Scheibe. Das Stück findet sich bereits auf „The Excitement Plan“ (2009) und rangiert neben dem zwischen Folk und Country stehenden „West Nashville Grand Ballroom Gown“ auf den Spitzenplätzen der Titel. In die Kategorie alternative Country fallen „But Seriously Folks“ und der lockere Roadhouse-Schwofer „Don’t Tempt Me“ mit Loretta Lynn, die zudem an dem zuerst 2009 veröffentlichten Song mitschrieb. Ein weiterer prominenter Gastmusiker ist Kris Kristofferson auf dem abschließenden „Good Fortune“.

Dass seit dem Entstehen bereits sechzehn Jahre vergangen sind, merkt man dem Album nicht an. Die stilistische Bandbreite auf „Crank It, We’re Doomed”, die seinerzeit ein Grund dafür war, dass Todd Snider das Album auf Eis legte, wirkt nicht störend. Wie bei anderen Werken greift er auch hier in mehrere Schubladen, was quasi zwangsläufig dazu führt, dass nicht jedes Stück begeistert. Aber es finden sich wie üblich außergewöhnlich gute Songs auf der Scheibe. Die Veröffentlichung hat musikalisch etwas zu bieten und richtet sich nicht nur an historisch interessierte Fans.

Aimless Records – Thirty Tigers/Membran (2023)
Stil: Americana, Blues and more

Tracks:
01. From A Dying Rose
02. Juice
03. Handleman’s Revenge
04. Dpn’t Tempt Me
05. The War On Terror
06. America’s Favorite Pastime
07. Doll Face
08. But Seriously Folks
09. West Nashville Grand Ballroom Gown
10. Mercer’s Folly
11. What Made You Do It
12. The Last Laugh
13. Mission Accomplished
14. Slim Chance Is Still A Chance
15. Good Fortune

Todd Snider
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Henrik Freischlader – 11.10.2023 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Mit dem 2022 erschienenen Album „Recorded By Martin Meinschäfer II“ kehrte Henrik Freischlader wieder zurück zum rauheren rockigen Blues und spielte erst kürlich ein Livealbum „Studio Live Sessions“ als Quartett ein. Schon beim instrumentalen Intro wird deutlich, dass Freischlader und seine Band wieder beim schnörkellosen Blues angekommen sind. Dass Freischlader zur Spitze der Bluesmusiker in Deutschland gehört, beweist er eindrucksvoll beim etwa 120 minütigen Konzert im gut gefüllten Musiktheater Piano.

So ist es wenig überraschend, dass von Beginn an eine super Stimmung herrscht, die sichtbar von den Musikern aufgesogen wird. Dies macht sich auch bei den Ansagen zu den Stücken bemerkbar, wo Freischlader über die Entstehung von Songs redet, z. B., dass ein Beziehungsende die Grundlage für „Disappointed Woman“ war. Ansonsten lässt er seine Gitarren reden, flechtet starke Soli in die Stückes ein und lässt seinen Musikern in einigen jammenden Phasen auch genug Spielraum, ihre Klasse zu offerieren.

Neben Freischlader ist Keyboarder Moritz Furhop auf dem unteren Teil der Bühne platziert und zeigt bei einigen Soli seine Klasse. Stark, wie er sich bei mehreren Songs, mit Freischlader die Noten wechselweise zuspielt, ansonsten aber für einen vollen Sound mit seiner Hammond Orgel sorgt.

Im hinteren, erhöhten Teil der Bühne steht die Rhythmusfraktion mit Armin Alic am Bass und Hardy Fischötter an den Drums, die gewissermaßen die beiden anderen durch ihren vorgebenden Takt vorantreiben. Bei einem Solopart, den zunächst Alic und Fischötter gemeinsam beginnen, können Freischlader und Furhop neben der Bühne ein paar Minuten Pause machen, später gesellt sich auch Alic dazu, als Fischötter alleine den Saal zum Mitklatschen bringt.

Auch die neuen Tracks wie „Free“, das direkt nach dem Intro gespielt wird und „The Question“ kommen beim Publikum sehr gut an, wobei Freischlader aber auch einiges aus älteren Zeiten spielt, wie das bereits angeführte „Disappointed Woman“ oder die Zugabe „Bad Dreams“.

Knapp zwei Stunden vergehen so wie im Fluge und Freischlader hat seinen Fans das gegeben, was sie haben wollten; einen Klasse Blues-Abend, an dem auch Markuz Wallach seinen Anteil hatte, der in einem etwa 30 minütigen Support mit Akustikgitarre, Mundharmonika und Loopstation verdientermaßen weitaus mehr als einen höflichen Applaus einheimste.

Wer Henrik Freischlader in Dortmund nicht sehen konnte, kann ihn am 04.11. im Rahmen der Leverkusener Jazztage mit Beth Hart nochmals bewundern.

Line-up:
Henrik Freischlader– lead vocals, guitars
Moritz Furhop– hammond organ
Armin Alic – bass
Hardy Fischötter – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Musiktheater Piano

The Groove Krewe featuring Jonathon Boogie Long – Blues From The Bayou – EP-Review

 

Eine Portion swampig groovender Blues Rock gefällig? Dann ist der geneigte SoS-Leser bei der Groove Krewe an der richtigen Stelle. Hinter dieser Formation verbirgt sich das Songwriter-, Produzenten- und Musiker-Trio Rex Pearce, Nelson Blanchard und Dale Murray.  Zahlreiche ihrer Songs wurden schon im nationalen Fernsehen als auch im Radio gespielt, in den Mardi Gras-Clubs in New Orleans nannte man sie schlicht die ‚Krewes‘.

Mittlerweile ist daraus das The Groove Krewe-Projekt entstanden. Für ihre Studio-Werke hat man es nun zur Gewohnheit gemacht, für die kreierten Tracks einen passenden Fronter anzuheuern. In diesem Fall hat man sich für den uns,  von seinen beiden Werken „Same“ und „Parabels Of A Southern Man“ bestens bekannten Jonathon ‚Boogie‘ Long entschieden. um das aktuelle Werk „Blues From The Bayou“ einzuspielen.

Das passende sumpfige Cover Artwork hat Diane Millsap illustriert. in einer guten Viertelstunde bekommt fünf sehr schön divers gestaltete Blues Rock-Tracks geboten, die die Spielmentalität in dieser Region hervorragend wiedergeben. Treibende groovende Bläsersätze sind genau so Bestandteil wie unzählige quirlige E-Gitarrensoli, die vornehmlich von Jonathon erledigt werden. An den Drums ist u. a. der bekannte Nashville-Musiker Eddie Bayers mit zu Gange.

Auch Longs Stimme, die mich zum Teil an den einstigen Molly Hatchet-Sänger Jimmy Farrar erinnert, verleiht den Song teilweise den nötigen Drive. Bestes Beispiel ist hier das abschließende „Eclipsed By Love„, das auch wunderbar auf die damalige legendäre „Beatin‘ The Odds“-Scheibe gepasst hätte. Mein Favorit ist allerdings das atmosphärisch stampfende und groovende, ein wenig an Sachen von Peter Green erinnernde  „Lightnin‘ Don’t Struck Again„.

Keyboarder Nelson Blanchard hat seine starken Szenen beim sexy-hüftschwingenden „Dangerous Curves“ (auch mit klasse Background vocals) mit tollem Gurgel-Orgel-Solo und beim Retro-Schunkler „Empty Pocket Blues“ (HT-Hintergrund-Geklimper), Rex Pearce spielt ergänzende Gitarrenparts und hält mit anderen Kollegen Long den Rücken frei, während sich Dale Murray  mit nur einer Percussionbeteiligung beim finalen „Eclipsed By Love“ instrumentell eher im Hintergrund befindet.

Insgesamt ist The Groove Krewe ein klasse Projekt, dass natürlich immer von der Art der Musik und eben dem gewählten Fronter/in abhängen wird. Hier auf „Blues From The Bayou“ passt alles perfekt zusammen. Man darf gespannt sein, was von dem Trio noch zukünftig so alles ausgeheckt wird. Diese Teil ist auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung. The Groove Krewe groovt!

Sound Business Services (2023)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Ain’t No If About It
02. Lightnin‘ Don’t Struck Again
03. Dangerous Curves
04. Empty Pocket Blues
05. Eclipsed By Love

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Jonathon Boogie Long
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Steve Baker – Too Much Is Never Enough – CD-Review

Review: Michael Segets

Steve Baker gilt als einer der führenden Spezialisten in Sachen Mundharmonika. Nicht nur als Musiker sondern auch als Dozent und Fachbuchautor ist er aktiv. Seit fast einem halben Jahrhundert arbeitete er als Studiomusiker an unzähligen Aufnahmen mit und steuerte die Untermalung zu einigen Fernseh- und Filmproduktionen – wie dem „Tatort“ und „Soul Kitchen“ – bei. Vor allem in Zusammenarbeit mit Chris Jones und Abi Wallenstein veröffentlichte er mehrere CDs. In den letzten Jahren brachte Baker die Silberlinge „Perfect Getaway“ (2018) und „The Great Divine“ (2020) unter eigener Regie heraus. Sein drittes Soloalbum „Too Much Is Never Enough“ steht seit Ende August in den Regalen.

Baker lässt sich nicht auf eine musikalische Richtung festlegen, wobei der Blues schon zu seinem Schwerpunkt zählt. So finden sich auch entsprechende Titel auf dem Album, mal in der getragenen Spielart („Bad Blood“), mal in der flotteren („Terminal Road“). Insgesamt lässt es Baker eher ruhig auf der aktuellen Scheibe angehen. Das klagende „Poison Chalice“ macht den Aufschlag. Die mehrstimmigen Harmoniegesänge bringen hier ebenso wie bei „Charles Delondes Ghost“ zusätzliche Tiefe in die Songs. Die beiden Tracks zählen neben dem bluesigen „Fools Pardise“ zu den Highlights des Albums.

Ebenso gelungen ist „Distant Shore“, bei dem Baker längere Intermezzos mit seiner Mundharmonika einfügt. Das Harpspiel von Baker bleibt durchweg melodiös. Schrillere Töne, wie sie mit dem Instrument beispielsweise im Rock verbunden werden, vermeidet er. So wirken „I Dreamed I Saw St. Augustine“ und „Too Broken To Mend“ sehr sanft. Ebenso zeigt sich „Gina`s Lullaby“ unaufgeregt, was für ein Schlaflied ja auch angemessen erscheint. Von den anderen Titeln der CD, die zwischen Blues und Americana diffundieren, hebt sich „Take Me For A Fool“ ab. Hier mischt sich ein Reggae-Rhythmus hinein. Diese Abwechslung tut dem Longplayer nicht zuletzt aufgrund der mittigen Platzierung gut.

In der Gesamtschau legt Baker wenig emotionale Variation in seinen Gesang. Vielleicht wäre an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Expressivität vorstellbar gewesen, aber so ist der Longplayer nicht konzipiert. Der Star des Albums bleibt der Klang der Mundharmonika. Dass das Instrument Songs tragen kann und nicht bloß für einen kurzen Effekt dienen muss, beweist Baker eindrucksvoll.

Steve Baker verteidigt mit „Too Much Is Never Enough”, seinen Ruf als Virtuose auf der Mundharmonika. Seine Souveränität auf dem Instrument zeigt sich in dessen unaufdringlichem Einsatz, sodass die zumeist ruhigen Songs zum genauen Mithören einladen.

Der gebürtige Engländer lebt schon lange in seiner Wahlheimat Hamburg. Mitte September stand er auf dem Programm der Freilichtbühne in Mühlheim, die nächsten Termine seiner Tour sind allerdings in nördlichen beziehungsweise östlichen Gefilden vorgesehen, sodass die SoS-Region in absehbarer Zeit wohl nicht mit einem Konzert bedient wird.

Timezone Records (2023)
Stil: Blues, Americana

Tracks:
01. Poison Chalice
02. Bad Blood
03. I Dreamed I Saw St. Augustine
04. Charles Delondes Ghost
05. Take Me For A Fool
06. Distant Shore
07. Too Broke To Mend
08. Fools Paradise
09. Terminal Road
10. Gina’s Lullaby

Steve Baker
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Timezone Records
Two Side Moon Promotions

Dave Keller – It‘s Time To Shine – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Und wieder liegt die CD eines mir – und sicherlich auch hierzulande überhaupt – unbekannten Soul- und Bluesmusikers auf meinem Schreibtisch. Dave Keller wurde bereits dreimal mit Nominierungen für den Blues Music Award für das beste Soul-Blues-Album ausgezeichnet. Ein guter Grund also, sich mit seiner neuen CD „It’s Time To Shine“, die bereits seit Ende August im Handel ist, zu beschäftigen.

Für die Aufnahme des Albums scheuten er und seine Bandmates allerdings die hohen Kosten und den damit verbundenen Zeitdruck professioneller Aufnahmestudios und quartierten sich kurzerhand in einer abgelegenen Berghütte ein, um die Scheibe mit einfacheren Mitteln und ohne zeitliche Nöte aufzunehmen. Geschadet hat es dem Album absolut nicht, die Qualität befindet sich trotz der eingeschränkten Möglichkeiten auf einem sehr hohem Niveau.

Tatsächlich ist es mehr eine Soulscheibe als ein Blueswerk geworden, was auch an vielen bläserunterstützten Songs mit teils wilden Keyboardeinlagen bzw. Untermalungen liegt. Bestes Beispiel dafür ist z. B. das melodiöse „789-0133“ mit einem sehr souligen Saxophon-Intro. Da werden Erinnerungen an die guten, alten Motown-Zeiten wach. Gleiches gilt ebenso für das fröhlich beginnende „I Wonna Go Back To Memphis“ mit einer gut aufgelegten Backgroundsängerin gegen Ende des Stückes. Der Opener „Waiting For The Sunrise“ und das Folgestück „The Truth Of The Blues“ kommen mit reichlicher Keyboarduntermalung recht ähnlich daher, wobei der zweite Song ein wenig härter und fordernder klingt.

Das balladeske „Something ´bout A Sad Song“ sticht allerdings aus den übrigen Nummern hervor. Es ist ein stimmiger mit leichten Americana- bzw. Country-Einflüssen versehener Blues, die zwischendurch immer wieder im Gitarrenspiel aufblitzen. Ansonsten frönt Dave Keller in seinem neuesten Werk seiner offenbaren Leidenschaft für bläsergetragene, soulangereicherte Titel; mal langsamer, mal flotter und treibender, aber immer hörenswert dargeboten.

Mit Bezug auf den Titel seines Albums sagt Keller, dass es nach der düsteren Pandemiezeit endlich wieder soweit ist, sein muss, sich heraus zu trauen, ins Licht zu treten und zu strahlen. Und das ist ihm mit seinem neuen Album sicherlich gelungen. Es steckt voller Lebensfreude und klingt fröhlich und unbeschwert. Auch wenn es kein wirkliches Southern-Rock-Album ist oder zumindest Southernklänge aufweist, es macht Spaß den zwölf Tracks zu lauschen.

Tastee Tone Records (2023)
Stil: Soul, Blues

Tracks:
01. Waiting For The Sunrise
02. The Truth Of The Blues
03. 789-0133
04. My Time To Shine
05. I Wonna Go Back To Memphis
06. The First Time With You
07. Nothing Like Your Love
08. Paint A New Life Together
09. Full Measure Of Pleasure
10. Mayor Of Memory
11. Someting ´bout A Sad Song
12. Hard To Believe

Dave Keller
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Joe Bonamassa – Blues Deluxe 2 – CD Review

Review: Jörg Schneider

Im August 2003 veröffentlichte Joe Bonamassa sein „Blues Deluxe“ Album. Und nun zwanzig Jahre und etliche Werke später erblickt im Oktober der Nachfolger „Blues Deluxe 2“ in den Verkaufsregalen das Licht der Plattenläden. Und genau wie damals enthält die Scheibe nahezu ausschließlich Coverversionen von Songs des „Who is Who“ der Bluesbarden. Nur zwei der insgesamt 10 Tracks stammen aus Bonamassas Feder bzw. der von Josh Smith, der auch auf Bitten von Bonamassa das Album produziert hat.

Beide „Blues Deluxe“-Alben bieten also eine gute Gelegenheit auf die Entwicklung eines stürmischen 26 Jahre alten Bluesgitarristen hin zum einem gereiften Blueser im Alter von 46 Jahren zu blicken. Der „Twenty-Four Hour Blues“ von Bobby “Blue” Bland (übrigens auch als Singleauskopplung erschienen) bildet den fulminanten und auch gesanglich absolut überzeugenden Auftakt der Scheibe und schließt mit einem unglaublichen Gitarrensolo von Bonamassa ab.

Ähnlich mitreißend auch das leicht funkige „It’s Hard But It’s Fair“ von Bobby Parker sowie das mit flotten Bläsersätzen durchsetzte „Well, I Done Got Over It“, im Original von Guitar Slim. Mit dem nächsten Track knöpft sich Bonamassa den Ronnie Earl-Klassiker „I Want To Shout About It“ vor. Hier als beschwingter Gute-Laune-Party-Kracher mit fetzigen Saxophon- und Keyboardeinlagen und einer herzigen Hintergrundsängerin, ein Song zu dem man unweigerlich das Tanzbein schwingen möchte.

„Win-O“ (von Pee Wee Crayton) ist dann die erste zumindest anfangs ruhigere Nummer, die vom Meister gesanglich gefühlvoll und mit einem tollen Gitarrensolo gegen Ende des Songs vorgetragen wird, anfangs begleitet von Pianoklängen im Stil alter Barmusik, die sich aber im Laufe des Songs zu wildem Pianogeklimper aufschaukeln. Das stakkatohafte, hektische und von Bläsern getragene „Hope You Realize It (Goodbye Again)“ stammt schließlich von Bonamassa himself unter Beteiligung von Tom Hambridge, dem auch als weißer Willie Dixon bekannten Bluesmusiker und Produzenten.

Der nächste neu interpretierte Klassiker „Lazy Poker Blues“ wurde ursprünglich von Fleetwood Mac veröffentlicht und taucht hier als schweißtreibende Rock‘n‘Roll Nummer im Boogie-Woogie-Gewand auf mit hämmerndem Piano auf, bevor Albert Kings „You Sure Drive a Hard Bargain“ eine etwas soulig-bluesig Stimmung mit ungewöhnlichem Ausklang aufkommen lässt.

Und auch Kenny Neals’ Song „The Truth Hurts“ wird von Joe Bonamassa deutlich spritziger als das Original adaptiert. Den ruhigen Schlussakkord dieses wahnsinnig guten Albums setzt letztendlich ein Song, den Josh Smith eigens für Bonamassa geschrieben hat. „Is It Safe To Go Home“ ist ein melodiöser Slowblues, der den Protagonisten stimmlich sehr fordert, aber auch äußerst einfühlsam von ihm vorgetragen wird.

Mit Reese Wynans an den Keyboards, Calvin Turner am Bass, Lamar Carter am Schlagzeug, Kirk Fletcher und Josh Smith an den Gitarren ist Joe Bonamassa ein mehr als würdiges Nachfolgealbum zu der „Erstausgabe“ von „Blues Deluxe“ gelungen. Der direkte Vergleich der beiden Blues Deluxe Scheiben zeigt, dass sein Gitarrenstil deutlich tiefergehender und intensiver geworden ist, ebenso wie seine stimmlichen Fähigkeiten auf der neuen Scheibe wesentlich ausdrucksstärker sind als 20 Jahre zuvor.

Was wahrscheinlich gar nicht so auffällt, hört man sich einzelne CDs aus seiner Laufbahn als Bluesgitarrist an, aber der unmittelbare Vergleich bringt es zu Tage: Joe Bonamassa kehrt auf diesem Album gereifter zu den Wurzeln seiner Musik zurück. Es ist ein großartiges Album, das, möchte man es sich kaufen, sicherlich jeden Cent wert ist.

Provogue Records (2023)
Stil: Blues

Tracks:
01. Twenty-Four Hour Blues (Bobby “Blue” Bland*)
02. It’s Hard But It’s Fair (Bobby Parker*)
03. Well, I Done Got Over It (Guitar Slim*)
04. I Want to Shout About It (Ronnie Earle & The Broadcasters*)
05. Win-O (Pee Wee Crayton*)
06. Hope You Realize It (Goodbye Again) (written by Joe Bonamassa & Tom Hambridge)
07. Lazy Poker Blues (Fleetwood Mac*)
08. You Sure Drive a Hard Bargain (Albert King*)
09. The Truth Hurts, feat. Kirk Fletcher and Josh Smith (Kenny Neal*)
10. Is It Safe To Go Home (written by Josh Smith)
* Originalinterpreten

Joe Bonamassa
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Marc Broussard – Support: Ivy Gold – 24.09.2023, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Den Abend im ansehnlich gefüllten Musiktheater Piano beginnen Ivy Gold in kleiner Besetzung. Sängerin Manou und Sebastian Eder präsentieren akustische Versionen von Songs des aktuellen Albums „Broken Silence“, welches mit Tal Bergman an den Drums, Kevin Moore am Bass und Anders Olinder an den Keyboards eingespielt wurde. Mit ihrem knapp 30-minütigen Auftritt verkürzen sie die Wartezeit auf Marc Broussard und heimsen dafür verdienten Applaus nach den Songs ein. Gespannt darf man sein, wenn die Stücke in ihrer Komplexität mit kompletter Band gespielt werden.

Eine kurze Umbaupause genügt und kurz nach 20:00 Uhr betritt die Band von Marc Broussard die Bühne und legt erst einmal ohne den Boss ein kurzes Intro vor. Auf diesem musikalisch ausgerollten Teppich kommt dann auch der aus Louisiana stammende Broussard hinzu und steigt direkt zunächst nur als Sänger mit ein. Später unterstützt er Bobby Schneck jr. als zusätzlicher Gitarrist, was den Songs noch mehr Druck verleiht. Es entsteht direkt ein Flair im Piano, dass man sich in den Süden der Staaten versetzt fühlt. Die Songs lassen Soul, Blues und Rock miteinander verschmelzen und der charismatische Broussard begeistert mit seiner ausdrucksstarken voluminösen Stimme.

Neben eigenen Stücken wie „Paradis“, „The Wanderer“, „Wanna Give You The World“, „Fire“ und Home“ streut er mit seiner Band auch einige starke Coverversionen wie „Baton Rouge“ (Frankie Miller), „I´d Rather Drink Muddy Water“ (Johnnie Taylor) und „Love and Happiness“ (Al Green) in das er noch „Papa Was a Rollin‘ Stone“ einbaut.

Begleitet wird er dabei von einer starken Combo, wo der junge Lead Gitarrist Bobby Schneck jr, auf der rechten Seite der Bühne, sich mit einigen starken Soli in den Vordergrund spielen kann und darf. Einigen der Stammgästen wird er noch bekannt sein, als zweiter Gitarrist bei Devon Allmans Auftritt im Piano vor etwa sechs Jahren.

Auf der anderen Seite der Bühne sorgt Jason Parfait an den Keyboard auch mit einigen Soli für einen vollen, sehr gut abgemischten Sound. Nebenbei setzt er in vielen Songs Akzente mit dem Saxofon, wobei er manchmal beide Instrumente gleichzeitig spielt aber auch für einige Saxofon Soli im Zentrum der Bühne steht. Während der Soloparts seiner beiden Begleiter in der ersten Reihe steht Broussard sichtbar gut gelaunt im Hintergrund der Bühne und beobachtet, wie seine Musiker sich ihren verdienten Szenenapplaus vom begeisterten Publikum abholen.

Im hinteren Teil der Bühne befindet sich die Rhythmusfraktion mit Bassist Devin Kerrigan und Drummer Terry Scott jr, der auch als Background Sänger Akzente setzt, die eine perfekte Grundlage für die Drei im Fokus der Fans stehenden Musiker. Neben dem Hörgenuss wird der Auftritt auch visuell ins richtige Licht gesetzt, sodass es sich um einen rundum gelungenen Abend handelt, bei dem es sich Marc Broussard auch nicht nehmen lässt, sich direkt nach dem Konzert zu den am Merchstandising wartenden Fans zu gesellen.

Dem Piano und 3dog Entertainment ist es wieder einmal gelungen, einen Musiker der Extraklasse nach Dortmund zu holen. Belohnt werden sie dabei durch den Besuch von knapp 300 Zuschauern, nachdem Broussards Konzert vor einigen Jahren von nur knapp 50 Fans besucht wurde.

Line-up:
Marc Broussard – lead vocals, guitars
Bobby Schneck jr. – guitars, backing vocals
Jason Parfait – keyboards, saxophon
Terry Scott jr. – drums, backing vocals
Devin Kerrigan – bass

Text & Bilder Gernot Mangold

Marc Broussard
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Ivy Gold
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment