Craig Finn– Always Been – CD-Review

Review: Michael Segets

In der Literaturtheorie gibt es flache Figuren, die eindimensional, ohne tiefere Charakterzüge dargestellt werden und lediglich einer erzähltechnische Funktion haben. Das Problem ist, dass diese flachen Figuren nicht nur in fiktiven Erzählungen auftreten, sondern einem auch in der Realität begegnen. Dieses Problem potenziert sich, sobald man ihnen nicht wirklich aus dem Weg gehen kann. Es ist daher durchaus nachzuvollziehen, wenn Craig Finn in seiner vorab ausgekoppelten Single „People Of Substance“ feststellt, dass er zu viel Zeit mit Leuten ohne Substanz verbracht hat.

Die Songtexte von Finn durchziehen tatsächlich Figuren, die durchaus komplexere Charakterzüge und Gedankengänge aufweisen. Das Storytelling ist die Stärke von Craig Finn. Nicht umsonst veröffentlichte er bereits eine Sammlung seiner Texte als Buch. Es sind Gedichte, die über ihre lyrische Qualitäten hinaus Geschichten erzählen. Mit „Always Been“ legt er nun ein Konzeptalbum vor, dessen Kern sich letztlich um Glaube, Liebe, Hoffnung dreht.

Widersprüchlichkeiten in ihrem Verhältnis zum Glauben und zur Kirche durchleben die Figuren in einigen Texten. So identifizieren sich die ehemaligen Priester bei „Bethany“ und „The Man I’ve Always Been“) nicht mehr mit ihrem Glauben und ihrem früheren Leben. Andere Scheitern an der Liebe wie das entfremdete Paar in „Luke & Leanna“ oder die Protagonisten, die ihren Verflossenen nachtrauert („I Walk With A Cane“, „Clayton“ „Postcards“). In anderen Lyrics („A Man Needs A Vocation“) scheint etwas Hoffnung durch, die trotz eigentlich verzweifelter Lebenslagen nicht vollständig aufgegeben wird. Diese kommt auch in einem wiederholten Vers in „Crumbs“ zum Ausdruck: „We’ll never win this war but maybe we can wait it out“.

Die insgesamt eher düsteren Texte kleidet Finn vor allem in der ersten Hälfte des Albums in rockige Arrangements. Mit „People Of Substance“, „Crumbs“ und „Luke & Leanna“ sind dort ganz starke Titel vertreten. In der zweiten Hälfte geht er mit „A Man Needs A Vocation“ und „Postcards“ erneut in den Uptempo-Bereich. An manchen Stellen ist eine Nähe zu Joe Grushecky festzustellen. Bei „Clayton“, einem der langsameren Tracks, können gar Parallelen zu Bruce Springsteen gezogen werden.

Insgesamt bietet der Longplayer eine ausgeglichene Mischung zwischen Rock und Balladen. Finn arbeitet wenig mit Refrains oder wiederkehrenden Textpassagen, was die Eingängigkeit der Songs nicht unbedingt fördert, aber auf den Stellenwert der Texte hinweist. Mit Ausnahme von „Fletcher’s“, bei dem er einen fast sechsminütigen Sprechgesang zelebriert, können alle Tracks auf der Habenseite verbucht werden.

Der Frontmann von The Hold Steady holte sich für seinen sechsten Longplayer unter seinem Namen neben Jonathan Low (Taylor Swift) am Mischpult einen weiteren Grammy-Gewinner ins Studio. Adam Granduciel produzierte das Werk und begleitete Finn beim Einspielen der Songs zusammen mit Mitgliedern seiner Band The War On Drugs. Finn geht im April auf eine ausgiebige Promotion-Tour durch die USA, bei der er Bob Mould supportet.

Craig Finn lotet die Ambivalenzen des Lebens und des Glaubens mit seinem hervorragenden Storytelling aus. Obwohl Finn bei der Hälfte der Songs seinem Rockerherz freie Bahn lässt, ist „Always Been“ eher eine Scheibe zum Hinhören und weniger zum Mitsingen. Dennoch kann auch in musikalischer Hinsicht eine Empfehlung mit gutem Gewissen ausgesprochen werden.

Tamarac Recordings – Thirty Tigers/Membran (2025)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Bethany
02. People Of Substance
03. Crumbs
04. Luke & Leanna
05. The Man I’ve Always Been
06. Fletcher’s
07. A Man Needs A Vocation
08. I Walk With A Cane
09. Clayton
10. Postcards
11. Shamrock

Craig Finn
Craig Finn bei Facebook
Thirty Tigers
Oktober Promotion

She Brought Me Gasoline – Songs From The Cliff – CD-Review

Review: Michael Segets

Die Pandemie machte so manchen Musikern einen Strich durch die Rechnung, so auch der kroatischen Band She Brought Me Gasoline, die pünktlich zu deren Beginn ihr erstes Album veröffentlichten. Der auf dem italienischen Go Country Label erschienene Longplayer „On Values And Trash“ (2020) erhielt zwar in der regionalen Fachpresse durchaus positive Resonanz, der Lockdown verhinderte aber eine weitere Promotion und so hält sich der internationale Bekanntheitsgrad der Band in Grenzen. Davon nicht entmutigt brachte She Brought Me Gasoline den Nachfolger „There Were Times“ (2022) und jetzt auch ihr drittes Album „Songs From The Cliff“ in Eigenregie heraus.

Neben der Bluesrockerin Vanja Sky findet sich nun auch eine Band mit kroatischen Wurzeln in der Interpretenskala von SoS. Das Quartett bestehend aus Songwriter und Sänger Kristijan Kevešević, Željko Platužić (Gitarre), Zlatko Ivanović (Schlagzeug) und Ivan Martinčić (Bass, Keyboard) kennzeichnet ihren Stil als eine Mischung von Blues, Americana, Country gepaart mit einem Underground-Flair. Falsch liegen die Jungs damit nicht. Der Sound der Scheibe ist auf jeden Fall erdig.

Mit dem Opener „Swirling Leaves” steigt das Album sehr stark ein. Gitarren, die die einen vom Mittelmeerraum direkt in den mittleren Westen der USA versetzt, bereiten den druckvollen Einsatz der Rhythmusgruppe vor. Die Rhythmus-Section leistet auch beim bluesrockigen „Sister“ ganze Arbeit. Keveševićs Gesang ist hier relativ gleichmäßig ohne große Varianz in Höhen und Tiefen, was aber der Anlage des Songs entspricht. Auch wenn man Kevešević vielleicht keinen außergewöhnlichen Stimmumfang zuschreiben kann, gefällt mir der Gesang des Leadsängers, der den Stücken einen besonderen Charakter verleiht. So bewahrt er beispielsweise „In The End“ davor, zu süßlich zu wirken.

Mit der Video-Auskopplung „The Last Rocket“ zeigt sich die Band von ihrer bluesigen Seite, wobei sich Kevešević an der Harp betätigt. Auf „Sugar“ greift er zum Banjo, was den Track in Richtung Bluegrass schiebt. Bei der sanften Ballade „Long Rivers“ und „Field Of Roses“ – eine runde Nummer im Midtempo – setzt She Brought Me Gasoline auf Country klassischer Machart. In der Gesamtschau deckt das Quartett also tatsächlich eine stilistische Bandbreite zwischen Blues, Country und Americana ab. Neben dem Auftakt und dem mittig platzierten, schön rumpligen „Poverty“ gibt es zum Abschluss ein weiteres Highlight des Werks. „Do We Still Feel Proud?“ ist eine semi-akustische Ballade, bei der Kevešević nochmal Gefühl in seiner Stimme legt.

Die Texte verbreiten eine gewisse Endzeitstimmung, die ja auch im Titel und dem Cover-Artwork durchscheint. „The Last Rocket“, eine moderne Arche Noah, empfiehlt beispielsweise, keine Menschen mit auf die Reise zu nehmen. „Sugar“ schlägt in eine ähnliche Kerbe. Mit Zucker kann man sich das Leben versüßen und über Katastrophen in der Welt hinwegsehen – solange es ihn gibt. Musik kann ebenfalls über schwere Zeiten hinwegtrösten und mit Blick auf die weltweiten Krisen durchaus eine Verbindung über Landesgrenzen hinweg schaffen. So gibt es auch in Sachen Roots Music nicht ausschließlich Amerika, was She Brought Me Gasoline mit „Songs From The Cliff“ belegen.

Eigenproduktion (2025)
Stil: Americana/Blues/Country

Tracks:
01. Swirling Leaves
02. The Last Rocket
03.Sugar
04. Sister
05. Poverty
06. A Field Of Roses
07. In The End
08. Long Rivers
09. Row, Row, Row
10. De We Still Feel Proud?

She Brought Me Gasoline
She Brought Me Gasoline bei Facebook

Chris Kramer & Paddy Boy Zimmermann – Tales Of Tampa – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

In Memoriam of Tampa Red (1904 – 1981) steht auf dem Back-Cover der neuen Scheibe von Chris Kramer (Vocals & Harp) und Paddy Boy Zimmermann (Guitar, Bass, Percussion & Vocals). Ihr erstes gemeinsames Werk “Tales Of Tampa” ist dem US-Bluesmusiker Hudson Whittaker a.k.a. Tampa Red gewidmet, der bei uns leider kaum bekannt geworden ist.

Die 13 Songs sind eine kleine aber feine Auswahl aus dem sehr umfangreichen Repertoire des Songwriters, Gitarristen und Sängers. Whittaker kam Mitte der 1920er Jahre von Tampa, Fl. nach Chicago, verdiente seinen Lebensunterhalt als Straßenmusiker und wurde bald Studiogitarrist für bekannte Bluesgrößen der Zeit. Seine Spieltechnik war dermaßen ausgefeilt, dass Tampa Red als erster Schwarzer Bluesman eine National Steel Resonator Guitar erhielt und den Ruf eines Slide Saiten- Zauberers festigte.

Weit über 100 Singles und mehrere Longplayer hat er in seiner 40-jährigen Karriere veröffentlicht. Sein Haus in Chicago galt in den 30er und 40er Jahren als Zentrum der dortigen Blues-Community aus dem Mississippi Delta. Der einzigartige Slide Guitar Style Whittakers beeinflusste Muddy Waters, Big Bill Broonzy, Elmore James und viele andere Musiker. Selbst einige R&B-Erfolge (u.a. “When Things Go Wrong With You”), sowie viele Coverversionen seiner Songs von berühmten Kollegen, wie B.B.King, Chicken Shack und Bob Dylan u.a., konnten seine finanzielle Altersnotlage nicht verhindern. 1981, im Jahr seines Todes, wurde Tampa Red in die Blues Hall of Fame aufgenommen.

Mit “Tales Of Tampa” erinnern Chris Kramer und Paddy Boy Zimmermann an die Blues-Roots Legende. Überwiegend klassische Erfolge, wie die wunderbar interpretierten Stücke “So Crazy About You Baby” (rec. 1953) oder “Crying Won’t Help You” aus 1928 bilden den Grundstock der traditionellen Nummern. Auch “Black Angel Blues” (1930), der in 2. Version 1934 wegen des Unwortes “Black” als “Sweet Little Angel” neu aufgenommen wurde oder “Love With A Feeling” (Original-Titel aus 1938), der von Bob Dylan auf seiner 1978er Tournee regelmäßig gespielt wurde, sind bekanntere Tampa Red Kompositionen.

Chris Kramer und Paddy Boy Zimmermann konnten eine Reihe kleiner Songperlen “ausgraben”. So haben der “Seminole Blues” (1928), die Single B-Seite “Please Mister Blues” (1931) oder das im Original mit Kazoo, Gitarre und Piano aufgenommene Stück “I’ll Kill Your Soul” aus 1934 im neuen Produktgewand ihre alte Natürlichkeit nicht eingebüßt.

Als ausgesprochen schönes Beispiel für die damals weit verbreitete Stilrichtung des sog. Hokum Blues der 20/30er Jahre, die Tampa Red erfolgreich nutzte, schnelle Songs, tanzbar mit anzüglichen Texten, ist “No Matter How She Done It” inklusive gelungenen Harmoniegesang. Dies gilt in gleicher Weise für die neue Version der 1954er R&B-Nr. “If She Don’t Come Back”, die im Original bereits durch große Bandbegleitung auffällt. Die kleinen alten Masterpieces, ursprünglich meistens zur Gitarre vorgetragen, gewinnen mit den zusätzlichen Harmonica-Parts deutlich an Charakter und klingen insgesamt zeitlos modern, sprudelnd vor Lebensfreude!

Die mitreißende Gute-Laune-Scheibe “Tales Of Tampa” von Chris Kramer und Paddy Boy Zimmermann erinnert in wunderbar liebevollen Auszügen an die traditionelle Blues-Welt des Chicagoer Guitar-Wizard Tampa Red. Eine leidenschaftlich klingende akustische Produktion, die das musikalische Erbe in den Vordergrund stellt und die Songs in ihrer Ursprünglichkeit vor dem Vergessen bewahrt.

Blow ‚Till Midnight (2025)
Stil: Blues / Akustik Folk Blues

Tracks:
01. So Crazy About You Baby
02. Seminole Blues
03. You Rascal You No. 1
04. Black Angel Blues
05. Please Mister Blues
06. I’ll Kill Your Soul
07. Love Her With A Feeling
08. No Matter How She Done It
09. Crying Won’t Help You
10. Kingfish Blues
11. Dead Cat On The Line
12. If She Don’t Come Back
13. The Duck Yas Yas Yas

Chris Kramer & Paddy Boy Zimmermann
Chris Kramer bei Facebook
Paddy Boy Zimmermann bei Facebook
Timezone Records Promotion

Tas Cru – 30.03.2025, to hoop, Rheinberg – Konzertbericht

Ein Sonntag-Abend in Rheinberg. Statt „Tatort“ war diesmal erneut das to hoop der Tatort, nachdem wir bereits am Donnerstag zuvor aus gleicher Location über das proppevolle Band Of FriendsKonzert berichtet hatten. Während des Konzerts hatte Sami Durak der zahlreichen Audienz noch mit Engelszungen die Tas Cru Band für besagten Sonntag angepriesen, die er noch kurzfristig ins Programm genommen hatte und welche ja auch schon bei uns mit einigen CD-Reviews ihre Spuren hinterlassen hatte.

Leider schien der to hoop-Mastermind die BOF-Klientel nicht wirklich erreicht zu haben. Es reichte leider nur für eine äußerst überschaubare Besucheranzahl, sodass der Gig in gefühltem Probenraum- bzw. Wohnzimmer-Ambiente stattfand. Ich finde es immer wieder bedauerlich, wenn Clubbesitzer, die ihr ganzes Herzblut in solch einen Club hineinstecken und, was solche Acts betrifft, einfach mal ins Risiko gehen, dann mit so einer tristen Resonanz belohnt werden. Aber Sami Durak verwies mir gegenüber auf sein im Laufe der Jahrzehnte angelegtes, dickes Fell in der Hinsicht…

Die Band um Leader Tas Cru (ihm assistierten die ebenfalls toll singende Mia Casale sowie die ‚blind‘ eingespielte Rhythmusfraktion mit Tom Terry und Phil Dilorio) nahm es mit Humor und legte die, für sie typische Professionalität an den Tag, bzw. den Abend, und servierte den Anwesenden ein, in zwei Sets aufgeteiltes Programm, als wenn es hier großen Andrang gegeben hätte.

Der technisch versierte Fronter Tas Cru erinnerte mich mit seiner filigranen, punktgenauen Stratocaster-Gitarrenarbeit an die eines Gregg Koch, auch seine gesanglichen Qualitäten ließen nichts zu wünschen übrig. In Sachen Harmoniegesängen konnte er sich auf sein übriges Team verlassen.

Es brauchte naturgemäß ein paar Songs, um sich mit der recht überschaubaren Situation zu arrangieren, aber nach den ersten Tracks, die auch genau der ersten Hälfe seines aktuellen „Live„-Albums entsprachen, war spätestens mit dem ersten Lead-Vocal- Einsatz von Mia Casale bei „Have A Drink“ und der folgenden Hommage an die Stadt Tulsa und deren berühmte Musiker „Take Me Back To Tulsa“ das Eis gebrochen.

Nach zwei Herzenssongs, u. a. dem schönen Slow Blues “ Queen Of Hearts“, wurde mit „Heal My Soul “ und „Drunk Half The Time“ das „Live‘-Album weitergeführt und Set 1 beendet.

In der Pause konnte ich mich dann ein paar Minuten mit Tas über Bluesmusik, als auch den Southern Rock austauschen, er zeigte sich im Gespräch auch recht gut über unser Magazin informiert und war sichtlich überrascht, das dieses so nebenbei der wahren Berufe bewältigt wird.

Der zweite Teil stand stärker im Zeichen von Coversongs, neben dem Ray Charles-Track „Unchain My Heart“ (hier wohl  eher bekannt durch die Joe Cocker-Version), wurde der gute alte Bob Dylan mit gleich drei tollen, unter die Haut gehenden Stücken („All Along The Watchtower, Like A Rolling Stone und gegen Ende „I Shall Be Released“) Ehre gezollt.

Wunderbar auch das tolle Instrumental „Déjà Blu“, bei dem Tas nochmal seine außergewöhnliche Fingerfertigkeit als auch sein Feeling für Stimmungen an der E-Gitarre offerierte.

Das nicht nur vom Text her launige „Money Talks“ und „Grizzle N‘ Bone“ mit integriertem Bass-Solo und Witzen über Bassspieler in der Ansage als Zugabe komplettierten einen sehr starken und auch musikalisch  hochwertigen Gig mit Blues-, Rock-, Blues Rock-,  Swing-, Funk und Soul- Anteilen, der aufgrund des fehlenden Keyboarders am Ende naturgemäß deutlich rauer rüber kam als auf der Album-Einspielung.

Am Ende gab es dann noch unser obligatorische VIP-Bild mit der Band, danach zeigte sich der Protagonist auch noch spendabel und schenkte mir eine handsignierte  Vinyl-Version seiner aktuellen und an diesem Abend ausgiebig vorgestellten Live-Scheibe.

Für die Band geht es jetzt noch weiter nach Belgien, man kann nur hoffen, dass unsere Nachbarn in Sachen der Tas Cru Band deutlich mehr Interesse zeigen. Für diesen Abend in Rheinberg-Alpsray im to hoop gilt jedenfalls absolute Bestnote, die hiesigen Bluesfans haben was verpasst!

Line-up:
Tas Cru (lead vocals, electric guitar, vocals)
Mia Casale (lead vocals, vocals)
Tom Terry (bass, vocals)
Phil Dilorio (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tas Cru
Tas Cru bei Facebook
To Hoop

Eilmeldung – Sounds Of South wechselt den Besitzer!

Deal perfekt, die Shanghai Media Group kauft Sounds Of South! Präsident und Direktor Gao Yunfei (siehe mit Hi-Roller-Hut) outete sich dabei als großer Southern- und Country Rock-Fan. Es begann vor einigen Monaten mit einer formlosen Anfrage per Email, ob wir an einer Zusammenarbeit mit Chinas führendem Medienkonzern interessiert seien.

Schnell wurde daraus ein lebhafter Austausch über ‚unsere‘ geliebte Musik, der sich dann auch auf eine persönliche Ebene ausweitete. Yunfei erzählte mir, dass sich im Land des Lächelns gerade Acts wie Lynyrd Skynyrd, Allman Brothers Band, Outlaws, Molly Hatchet, Blackfoot & Co. immer noch ungemeiner Beliebtheit (besonders sogar in der Zielgruppe der 18-30-jährigen!) erfreuen und ihr Songgut mit Hits wie u. a. „Sweet Home Alabama“, „Ramblin‘ Man“ oder „Green Grass & High Tides“, etc. deswegen in Chinas Karaoke-Bars und -clubs quasi zum Standard gehört.

Auch die New Country-Sparte legte in den vergangenen Jahren weiter zu. Trotz des problematischen Verhältnisses zu den USA versucht die immer schon mit dem Wandel der Zeit mitgehende Gruppe, diese Bedürfnisse (mit dem Go der Staatsführung) auch medial stärker zu repräsentieren. Ein fördernder Zusatz-Baustein wäre von daher auch, unser spezialisiertes Magazin zu implementieren.

Nach vielen Mails hin und her, offerierte er uns dann ein derart überraschendes monetäres Angebot, das man unter realistischen Erwägungen, einfach nicht ablehnen konnte. Gernot Mangold, der von dem Deal gar nicht begeistert war (Originalzitat: „Wir verkaufen unsere Seele!“), und ich reisten gut eine Woche später dann zu persönlichen Verhandlungen nach Shanghai. Auch wenn es letztendlich sehr schwer fiel und ein guter Kompromiss gefunden werden konnte, stand zum Schluss dann doch der Verkauf des Magazins fest.

Mir, Daniel Daus, wird weiter ein überwiegendes Stimmrecht gewährt (50+1 Regelung), allerdings ist in naher Zukunft fest geplant, dass Sounds Of South kostenfrei nur unter Zustimmung von Werbeinhalten gelesen werden darf. Unsere bis dato verwöhnten Leserinnen und Leser müssen sich dann demnächst halt auf asien-typisches ‚Blink-Blink‘ einstellen.

Ohne Werbung muss demnächst ein Abonnement für 240.- Euro im Jahr abgeschlossen werden. Allerdings wird auch TikTok offiziell als Verbreitungskanal den bisherigen US-Socialmedia-Partner in wenigen Wochen komplett ersetzen.

Auf dem Bild sind wir beide mit unseren neuen Geschäftsfreunden nach Vertragsunterzeichnung beim obligatorischen Foto auf der Pressekonferenz zu sehen. Als Willkommensgeschenk wurde uns anschließend noch eine handsignierte Stratocaster von Chinas derzeitig populärsten Rockmusik-Gitarristen Cla Peton überreicht. Auf eine tolle und fruchtbare Partnerschaft mit dem neuen Investor!

Phil Lynott – I Am Just A Cowboy – CD-Review & Gewinnspiel

Soweit ich weiß, dürfte jeder Southern Rock-Liebhaber meiner Generation und vermutlich darüber hinaus, auch einen Faible für die Musik von Thin Lizzy besitzen. Jeder davon wird sich vermutlich zumindest ihr legendäres Doppel-Live Album (und natürlich einige der tollen Studiowerke) zugelegt haben.

Ich hatte in der 9. und 10. Klasse des Rheinberger Amplonius Gymnasiums einen Englisch-Lehrer namens Paul Jenkins, der aus Dublin stammte und über ’sieben Ecken‘ mit der Familie Lynott verwandt gewesen ist. Er war es auch, der damals Songbesprechungen bei uns im Unterricht einführte.

Premiere feierte natürlich eine Single von Thin Lizzy aus der „Jailbreak“-Phase. Wir hielten auch nach seiner Rückkehr nach Irland bis zum heutigen Tage losen Kontakt.  Vor gut einem Jahr berichtete er mir, dass er bei einem Umzug einer Lynott-Großnichte geholfen hatte und im Keller in einem Karton eine runde Metall-Schatulle mit der Beschriftung „N.T. ’82“ gesehen hatte.

Die Nichte Rosalie gab im zu verstehen, dass diese samt Inhalt schon viele Jahre lang unbeachtet vor sich hinschlummerte und dass er sie als Dank für seine Hilfe gerne mitnehmen könne. Paul schickte mir, wissend um meine Magazin-Tätigkeit, das inkludierte Tonband, mit dem Vermerk, dass ich es gerne behalten könne. Es war erstmal gar nicht so einfach für mich, überhaupt jemanden zu finden, der das Tape mit einem kompatiblen Gerät noch abspielen konnte.

Nach  der ‚audiophilen Sichtung‘ blieb mir der Mund förmlich offen stehen. Es handelte sich zweifelsfrei um Countrysongs mit der Stimme von Dublins berühmten ‚Sohn‘ Philip Lynott, die sich auch von der musikalischen Qualität her überraschend gut anhörten. Um vermeintlichen rechtlichen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, nahm ich dann über Paul sicherheitshalber Kontakt zur Nichte auf und wir einigten uns auf einen Betrag von 1.500 Euro, mit dem sie mir sämtliche Übertragungsrechte schriftlich zusicherte (Bild-Credit: Danke an den werten Kollegen Jochen von Arnim, aufgenommen neben der Lynott-Statue in Dublin).

Parallel hatte ich Kontakt zu einem bekannten Lynott-Chronisten und auch zu Brian Downey aufgenommen, die mir beide unabhängig von einander bestätigten, dass Phil ein großer Countrymusikfan war und sich in der Zeit vor seinem Tod im Jahr 1986 immer wieder (meist unabgesprochen) für mehrere Wochen nach Nashville begeben hatte, was neben seinen Drogenproblemen zu weiteren Spannungen innerhalb seiner Stamm-Band beitrug.

Zudem hatte er dort wohl ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Johnny Cash (zwei Stücke sind hier von ihm mit Phil zusammen komponiert) samt Gattin June aufgebaut und war einige Male auf dessen Farm zu Gast gewesen (als Beleg kann man hier, den diesen beiden  gewidmeten Track „Johnny The Cash Meets Junnie The Sweet“ hören).

Das Tape offenbarte letztendlich 13 Songs mit diversen Lynott-Kompositionen, inklusiv einiger Countryvariationen von bekannten Thin Lizzy-Klassikern wie „Southbound“, “ That Woman’s Gonna Break Your Heart“ und „Cowboy Song“ sowie eine furiose basslastige Version von Cashs „Folsom Prison Blues“, bei der Johnny gut erkennbar die  Backgroundvocals singt.

Den Recherchen zufolge hatte dieser für Phil wohl auch den Kontakt zum legendären Nashville A-Team mit den Gitarristen Hank Garland, Ray Edenton (dazu hier Mandoline, Ukelele und Banjo), Fred Carter,  Jr., Larrie Londin (Drums), den Keyboardern Floyd Cramer und  Owen Bradley, den Fiddle- und Steel Guitar-Playern Johnny Gimble  und Buddy Emmons hergestellt, das vermutlich, neben dem Protagonisten am Mikro (Phil versprüht auch hier, wie eh und je, sein energiegeladenes stimmliches Charisma) und Bass , für die musikalische Begleitung gesorgt hatte.

Speziell Owen Bradley, der als einer der frühen Architekten des Nashville-Sounds gilt, lieferte mit seinem berühmten Scheunen-Studio (Bradley’s Barn) die Räumlichkeiten und technischen Voraussetzungen zur Umsetzung des Projekts.

Ominös bleibt natürlich die „NT ’82“-Beschriftung der Schatulle (und auch der vergilbte Zettel innerhalb mit den Credits, aus denen man zumindest auf die Songtitel, besagte Musiker und Songwriter Rückschlüsse ziehen konnte), die meiner Ansicht nach als Abkürzung für „Nashville Tapes 1982“ stehen könnte. Ich habe das Band am Ende im Redroom Recording Studio des Rheinberger Musikers und Produzenten Heiko Dürr (u. a. Betontod) professionell digital ver- und nachbearbeiten lassen. Kompliment, was er letztendlich aus dem Band ‚herausgeholt‘ hat. Zu guter Letzt haben wir uns für den Album-Titel „I Am Just A Cowboy“, in Anlehnung an Phils Passion und den auch hier ganz am Ende vertretenen Thin-Lizzy-Klassiker „Cowboy Song“ entschieden.

Aus Kostengründen haben wir die CD in einem einfachen Pappschuber produzieren lassen (auf der Rückseite stehen lediglich die Songtitel), was dem Charme der damaligen Zeit aber eine durchaus gelungene Referenz erweist. Die CD mit einer Auflage von zunächst 1.000 Exemplaren, kann bei uns für 20 Euro (gegen Vorkasse) erworben werden. Bestellungen bitte an unsere SOS-Emailadresse (siehe auch unten beim Gewinnspiel erwähnt).

Ich habe jeweils vorab ein Exemplar an Rosalie und Paul als Dank versendet, die jedenfalls vom Ergebnis her hellauf begeistert waren!

Fazit: Wir meinen, herrlicher Outlaw Country Rock mit der typischen  Power und dem Feeling von Phil Lynott – Hammer!

Wir verlosen natürlich drei Exemplare von „I Am Just A Cowboy“  wieder an unsere treuen Leserinnen und Leser.

Folgende Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Auch wenn der Name Phil Lynott immer mit der Stadt Dublin in Verbindung gebracht wird – in welcher englischen Grafschaft wurde er tatsächlich geboren?

a) Staffordshire
b) Yorkshire
c) Shepherdshire

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 01.04.2025 (vor 24:00 Uhr) an dan@sounds-of-south.de.
Wir losen unter allen richtigen Einsendern drei Gewinner/innen aus, die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert werden,

DanD. Records (2025)
Stil: Outlaw Country (Rock)

Tracklist:
01. Whiskey In The Bar 
02. Tailgate 
03. Emalie
04. Southbound
05. Johnny The Cash Meets Junnie The Sweet
06. Singing In The Sunlight 
07. The Shocker
08. That Woman’s Gonna Break Your Heart
09. Folsom Prison Blues
10. White Rose
11. Sad Situation
12. No More Love With You
13. Cowboy Song

Thin Lizzy
Thin Lizzy bei Facebook

Band Of Friends – 27.03.2025, to hoop, Rheinberg – Konzertbericht

Wenn einer der letzten noch fitten Haudegen der Blues Rock-Musikgeschichte sich die Ehre gibt, mal wieder in Rheinberg aufzutreten, ist ein volles Haus schon fast garantiert. Gerry McAvoy und seine Band Of Friends ließ diesmal im to hoop das Andenken von Rory Gallagher musikalisch wieder aufleben und Location-Inhaber Sami Durak durfte sich über einen zahlreichen Besuch freuen.

Mein Gott waren das Zeiten, als der Ire (samt McAvoy, Lou Martin und Rod De’Ath) damals 1977 (zusammen mit Little Feat und Roger McGuinn’s Thunderbird) den Auftakt der legendären Rockpalast-Nächte in der Essener Grugahalle bestritt, die man damals als Live-Fernsehereignis auch noch viele Jahre später auf dem ‚Dritten‘ gebannt verfolgte.

Viele Leute, bei denen das Quartett damals einen bleibeenden Eindruck hinterlassen hatte, waren vermutlich auch an diesem Abend wieder im to hoop versammelt, Besucherdurchschnittsalter war um die 60 Lenze, der diesmalige Gitarrist und Fronter Stephan Graf, den ich zum ersten Mal im BOF-Bandgefüge erleben konnte, schien der mit Abstand jüngste Vertreter im Saale zu sein.

Komplettiert wurde das Trio von dem arrivierten, ebenfalls äußerst agilen Drummer Brendan O’Neill (was für eine grandiose Power am Schlagzeug!). Um 20:15 Uhr brachten die drei, passend zu Grafs eigentlicher Stammcombo gleichen Namens, mit „Double Vision“ das von überwiegend grauer Haarpracht gezeichnete Publikum direkt in Wallung, Bei Grafs stark strapazierter Stratocaster war zwar sprichwörtlich der Lack ab, was sich aber nur auf die schwarze-weiße (Rest-) Farbe bezog, nicht aber, was seine engagierte und bestens aufgelegte Gesamtleistung anging.

Der machte sowohl gesangstechnisch. als auch im Rahmen seiner unzähligen, quirligen Soli (man kann fast sagen Minium zwei pro Song), einen richtig guten Job, immer getrieben natürlich von der furios aufspielenden Rhythmusfraktion (mit Leitwolf McAvoy) an seiner Seite. Da trägt man nicht nur in Sachen des, über allem schwebenden eigentlichen Protagonisten, eine extrem hohe Bürde.

Gerry McAvoy, der in gesanglicher Hinsicht jetzt natürlich nicht der ‚Burner‘ ist, übernahm vereinzelt auch wieder die Front (u. a. beim schönen „Sense Of Freedom“), ansonsten arbeitete sich das Trio am immensen Backkatalog des 1995 verstorbenen Kult-Musikers hingebungsvoll ab, wobei die üblichen Hits wie u. a. „Moonchild“, „Tattoo’d Lady“, eine sensationelle Fassung von „Bad Penny“ und „Shadow Play“ das to hoop in Begeisterungsstürme versetzte. Letztgenannter Song war als prima gewählter Abschluss des Hauptteils mit einsetzendem Publikumsgesang und integrierter Interaktion mit Gerry sicher der emotionale Höhepunkt des Abends.

Mir gefiel allerdings insgesamt das bis dato noch nicht live gehörte „I Fall Apart“ am besten, nicht zuletzt wegen der lustigen Anekdote von Gerry bei der Ansage („my German is shit, my English is shit“, dann erzählte er auf English was über die Entstehung des Songs und den Beginn der Bekanntschaft mit Gallagher und fragte das Publikum letztendlich „do you understand me?“, wobei ein schlagfertiger Besucher spontan  „very good English!“ antwortete und McAvoy samt Restpublikum ordentlich zum Lachen brachte.

Der fällige Zugabenpart wurde dann mit einer weiteren bärenstarken Version von „Philby“ und dem zu erwartenden Klassiker „Bullfrog Blues“ zur endgültigen Zufriedenheit aller Anwesenden bestens erfüllt. Der heimliche Gewinner des Abends neben allen Beteiligten war allerdings der schlaksige Stephan Graf, der sich den imaginären Titel als bis dato bester Fronter meiner bisherigen BOF-Erlebnisse auf die Fahne schreiben darf (allerdings fehlt da noch Davy Knowles in meiner Sammlung)!

Insgesamt wieder ein mitreißender Rockmusik-Abend im to hoop mit einer toll aufgelegten Band Of Friends-Formation und einem rüstigen Baby-Boomer-Publikum, das McAvoy & Co. sicherlich noch einige Zeit begleiten wird. Rory Gallagher wäre sicherlich stolz über das Geleistete gewesen. Ein Highlight dieses Jahres, das kann man schon jetzt sagen!

Line-up:
Stephan Graf (lead vocals, electric guitar)
Gerry McAvoy (bass, lead vocals)
Brendan O’Neill (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Band Of Friends
Band Of Friends bei Facebook
To Hoop

Fran Drew And The Lucky Strikes – Trial By Fire – CD-Review

Ich bin neulich von einer Dame namens Francis Drew angeschrieben worden, die mich um ein Review bezüglich ihrer aktuellen CD bat. Ich checke in einem solchen Fall natürlich immer erstmal die Musik (hier geht es um retrobehafteten Blues) in Sachen Kompatibilität und Gefallen. Angesichts der Tatsache, dass uns der langjährige Blues-Experte Jörg Schneider aus privaten Gründen leider verlassen hat und dieses Vakuum bis dato noch nicht gefüllt werden konnte, bleiben solche Sachen derzeitig überwiegend bei mir ‚hängen‘.

Meine dezenten Abwehrversuche in der Antwortmail wurden dabei ignoriert und wenige Tage später hatte ich besagtes Werk von Fran Drew And The Lucky Strikes „Trial By Fire“ mit dem Zusatz ‚All Killer – No Filler‘ in meinem Briefkasten. Nun ja, Beharrlichkeit und eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein, haben im Leben – besonders bei Künstlern – noch nie geschadet, dachte ich spontan.

Die Covergestaltung in Anlehnung an die legendäre Zigarettenmarke weiß schonmal zu Gefallen, da bin ich auch als Nichtraucher recht tolerant, es gibt hier also keinen zeittypisch entsetzten Aufschrei meinerseits.

Kommen wir zur Musik. Es scheint sich hierbei um ein Song-Konvolut mit ausschließlich Fremdkompositionen zu handeln, wobei die einzelnen Tracks schon ordentlich Jahre auf dem Buckel zu haben scheinen. Zumindest sind es Blues-Songs, die man nicht alle Nase lang in Cover-Versionen serviert bekommt.

Recht knackig produziert hat das Ganze Dennis Cotton (bedient dazu die Drums), neben der Protagonistin am Mikro, zeichnen sich Musiker wie u. a. Max Samson, Steve Isherwood, Gene Donaldson, Sax Gordon, Jeff Bousfield und Matt Parker für die gekonnte instrumentelle Umsetzung verantwortlich.

Im Prinzip hört sich das bis dato Beschriebene für den geneigten Blues-Fan erstmal recht vielversprechend an, käme jetzt nicht der subjektive Faktor ins Spiel, der so ein Review natürlich immer begleitet.

Ich bin persönlich keine Fan von retrobehaftetem bläserlastigen Blues und mit der kehligen, sehr auftragenden Alt-Stimme (Marke Cher) der Fronterin, kann ich mich auch nicht anfreunden. Das ganze über zwölf Lieder hinweg, artet dann leider in Anstrengung aus, besonders wenn in der Endphase (Tracks 10,11,12) auch noch eine nöhlige Harp (gespielt von Rich Badowski) in Erscheinung tritt.

Richtig gut gefallen mit eigentlich nur die E-Gitarren umwobenen „Breaking Up Somebody’s Home“ und das Texas-bluesige „The Hunter“, das auch auf ein ZZ Top-Album gepasst hätte. Ansonsten weht hier stetig der bluesige Wind der 60er Jahre.

Am Ende steht somit in Sachen Fran Drew And The Lucky Strikes und „Trial By Fire“ bei mir eine gekonnte musikalische Umsetzung und gute Produktion, zwei richtig gute Songs und spürbares Engagement für die Sache, mangelnder Kreativität, einer mir eher nicht besonders gefallenden Musikart und einer, für meine Gehörgänge nicht wohltuenden Stimme gegenüber.

Aus meiner Sicht empfehlenswert daher lediglich für die Retro-Bluesfraktion der 50+-Generation.

Shakey Buddha Records (2025)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. Neighbor Neighbor
02. Breaking Up Somebody’s Home
03. Flaimin‘ Maimie
04. Roll With Me Henry
05. Something You Got
06. Fujiyama Mama
07. I Look Good In Bad
08. Pretty Good Love
09. The Hunter
10. Rock Me Baby
11. You Can Have My Husband
12. Chauffer Blues

Fran Drew And The Lucky Strikes
Fran Drew And The Lucky Strikes bei Facebook

Dudley Taft – The Speed Of Life – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Während kurzer Tournee Pausen hat Dudley Taft bereits die Songs für das aktuelle Studioalbum eingespielt. Der US-Gitarrist und Sänger meisterte das Kunststück, sein damals aktuelles Album “Guitar Kingdom” zu promoten und gleichzeitig 2023 im Svarov Studio in Prag die neuen Titel für “The Speed Of Life” aufzunehmen – auch ein kleines Sinnbild für die rasante Entwicklung und Schnelllebigkeit der Musikbranche.

Für seinen insgesamt 9. Longplayer zeigt Taft ein vielseitiges Spektrum. Die 12 eigenhändig produzierten Titel (auf der Vinylausgabe leider nur 10) starten mit “Wanted Man”, einer erfrischend funkigen Blues Rock-Nummer. Typisch für Dudley Taft, der immer schon den Wert guter Songs erkannte und seine Soli-Elemente zweckdienlich einsetzt.

Das etwas ruhigere “Lebenstempo” wird in “Miles And Miles To Go”, einem eleganten Highway-Reise-Track, avanciert. Übrigens ein Titel der den Raum für Ausdehnung und Entfernung öffnet, aber auch dem danach heftig auftretenden “Work It Out” und dem feurigen Texas Blues “Burn It Down” ausreichend Zeit gibt für die Darstellung ihrer “Speed Of Life”-Anteile.

Die Bewegungsfreiheit für klassische Komponenten nehmen vor allem “Topas Blue” – in einer schweren, bluesrockenden Ausgestaltung und die rasante Hymne “Same Mistakes” für sich in Anspruch und bilden weitere Kernkomponenten der Scheibe.

Dudley Taft, der seit gut 35 Jahren auf der Bühne steht und das Berklee College of Music absolvierte, war durch eine Studio-Begegnung mit Robert Plant zum Blues-Rock ‚konvertiert‘. Eine gute Entscheidung, die mit zahlreichen unterschiedlichen Einflüssen, u.a. von SRV über Joe Bonamassa bis ZZ Top, auch auf dem aktuellen Album den Ton angibt.

Gleichzeitig ist dem bald 60-jährigen Guitar-Individualisten durchaus bewusst, dass ein natürliches Tempo des Lebens ebenso durch gemächliche Geschwindigkeiten getragen wird und bringt mit dem halb-akustischen “The Traveller” eine melodisch schöne Ballade in die Tracklist. Der relaxt rockende Sound treibt bei “Into The Blue” weitere, luftige Westcoast-Blüten, bevor beim letzten Song “No Time Left” noch einmal die beschleunigte Vergänglichkeit des Lebens Fingerfertigkeit beweist.

Das Album “The Speed Of Life” von Dudley Taft ist ein sehr durchgängig groovendes Kraftpaket, das mit zunehmender Lautstärke an Klasse dazu gewinnt. Es lenkt den musikalischen Rhythmus der Lebensfreude gekonnt durch abwechslungsreiche Gefilde. Auf der kommenden Tournee ist Dudley Taft mit Band in unserer Region u.a. in Krefeld und Oberhausen hautnah zu erleben.

Big Woody (2025)
Stil: Blues, Blues Rock

Tracks:
01. Wanted Man
02. Miles And Miles To Go
03. Work It Out
04. Burn It Down
05. Set Me On Fire
06. Pretty Little Thing
07. Topaz Blue
08. Same Mistakes
09. No Yesterday
10. The Traveler
11. Into The Blue
12. No Time Left (Long Live The King)

Dudley Taft
Dudley Taft bei Facebook
m2-music

Popa Chubby & Friends – I Love Freddie King – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Trotz einer seltenen Wirbelsäulenerkrankung meldet sich Popa Chubby mit einer Schar der besten Bluesgittaristen zurück, um gemeinsam mit Ihnen den großen Freddie King zu ehren und zu feiern.

Mit Beiträgen von Joe Bonamassa, Mike Zito, Christone ‘Kingfish’ Ingram, Eric Gales, Albert Castiglia, Arthur Neilson and V.D. King spielte er mit seiner Band (Mike Merrit – Bass, Andrei Koribanics III – Schlagzeug, Mike DiMeo – Keyboards, Harold Horowitz – Trompete, Curbs Hotgrefe – Tenor- und Baritonsaxophone und der Sängerin Eliza Neals) innerhalb von drei Tagen elf der großartigsten Stücke des 1976 viel zu früh verstorbenen Freddie King ein.

Mit dabei sind frühe Werke wie z. B. „Love Her With A Feeling“ von Kings aller erstem Album „Freddie King Sings“ oder mehrere Instrumentals von seinem 1961‘er Album „Let‘s Hide Away And Dance Away With Freddie King“.

Aber auch spätere Titel aus den Jahren 1971 bis 1974 („I‘m Going Down“, „My Credit Didn‘t Go Through“, „Big Legged Woman“, „She’s A Burglar“, „Pack It Up“ und „Same Old Blues“ haben Popa Chubby und seine All-Star-Gastgitarristen zu neuen Ehren verholfen.

Für Popa Chubby ist Freddie King laut eigenem Bekunden seine lebenslange Muse, deren Musik ihn für immer in seinen Bann gezogen hat. Diese Leidenschaft, gepaart mit dem außergewöhnlichen Talent seiner Gastmusiker, ließ so eine großartige Hommage an Freddie King entstehen.

„I Love Freddie King“ ist also ein Muss für alle Blues-Fans und Gitarrenliebhaber oder wie Popa Chubby es zusammenfasst: “I love Freddie King! We all love Freddie King“.

Gulf Coast Records (2025)
Stil: Blues Rock

Tracks:
1. I‘m Going Down feat. Joe Bonamassa
2. Love Her With A feeling feat. Albert Castiglia
3. My Credit Didn‘t Go Through feat. Eric Gales
4. Big legged Woman feat Christone ‚Kingfish‘ Ingram
5. She’s A Burglar feat. Mike Zito
6. Hideaway feat. Arthur Neilson
7. The Stumble feat. Albert Castaglia
8. San Ho Zay feat. Arthur Neilson
9. Pack It Up mit Popa Chubby und The East Band
10. Heads up feat. Arthur Neilson
11. Same Old Blues feat. V.D. King

Popa Chubby
Popa Chubby bei Facebook