Allen-Forrester Band – 14.03.2026 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die Allen-Forrester Band verkörpert wie kaum eine andere Gruppe die DNA dieses Magazins. Ehrlicher handgemachter, versiert und engagiert gespielter Southern Rock, der die gute alte Tradition des Genres mit viel zeitgenössischer Kreativität verbindet. Deshalb ist ein Besuch, wenn sie in der Kulturrampe auftreten, in der Regel absolute Pflicht.

Apropos Kulturrampe, die präsentierte sich im Auftrittsbereich in neuem Glanz. Die alte, sich nach links verschmälernde, flache Bühne ist Geschichte und wurde ungefähr zu einem Viertel der rechteckigen Gesamtfläche angepasst und mit einem kleinen Treppenaufstieg erhöht. Der gefühlt fehlende Raum für die Besucher wurde trotzdem so geschickt vermittelt, dass es überhaupt nicht auffällt. Durch die erhöhte Bühne erhält das Publikum auch in den hinteren Reihen einen deutlich besseren Blick auf die Musiker.

Ein schlagkräftiges Argument, das vielfältige und attraktive Angebot der Rampe in Zukunft noch häufiger zu nutzen. Großes Kompliment an Maurice Kamp & Co. – sehr gelungen!

Die Allen-Forrester Band (im bewährten Quartett) spielte, wie gewohnt, zwei Sets. Dabei wurde mit Stücken wie u. a. „Burning Daylight“, „Stand Up“, „Hey Carolina“, „Running For Your Life“ (alle im ersten Set), „Good Situation Gone Bad“, „Knocked Me Down“ (Josh mit Slide), „Soundtrack Of The Summer“ und dem emotionalen „Phases Of The Moon“ (Set 2) Altbewährtes geboten, allerdings  mit einigen neuen Tracks wie „White Picked Fences“ (sehr eingängig und melodisch), dem heiteren „Fivty“ (es geht um Geld, das man schonmal nach dem Waschgang in den Hosentaschen der Jeans unverhofft wiederfindet), „Misery Likes Company“ (mit schönen Tempowechseln), „Little Breathin‘ Reason“ (über den Forrester-Familiennachwuchs), „Sweet Marie“ (mit Gesangsinteraktion am Ende des Liedes), auch schon einen Ausblick auf den neuen, bald kommenden Longplayer „Red Dirt Town“ gewährt, der voraussichtlich im September veröffentlicht wird..

Sehr gefallen hat mir diesmal die Auswahl der Coverstücke. Mit „Poison Whiskey“ (Lynyrd Skynyrd), „No One To Run With“ (Allman Brothers), „Tennessee Mud“ (Trigger Hippy) und „Take The Highway“ (Marshall Tucker Band) als Zugabe, wurden Lieder in ein Allen-Forrester Band-Gewand gebracht, die man in der Regel nicht so inflationär vorgesetzt bekommt. Von daher machte es Spaß, diese mal wieder zu hören. Gerade letztgenanntes „Take The The Highway“ klang deutlich eher nach Led Zeppelin, als nach der guten alten MTB.

Auf dem letzten Gig ihrer Frühjahrstour in der ‚aufgehübschten‘ Kulturrampe präsentierte sich die Allen-Forrester Band von ihrer besten Seite. Man darf schon jetzt gespannt sein, wie die neuen live gespielten Stücke auf dem nächsten Studioalbum zur Geltung kommen werden und was da noch an zusätzlichen Überraschungen auf uns zukommt.

Line-up:
Josh Allen – lead vocals, electric guitar (Fender Stratocaster and Telecaster)
Ben Forrester – electric guitar (Gibson Les Paul)
Hendrik Herder – bass
Matze Böhm – drums

Text und Bilder: Daniel Daus

Allen-Forrester Band
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EBF Music
Kulturrampe, Krefeld

Billy Thompson – This World – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Auch die einflussreiche Los Angeles Times hat die “blazing electric guitar work” von Billy Thompson bereits gewürdigt. Der vielseitige Gitarrist, Sänger und Songschreiber veröffentlicht nun mit “This World” sein insgesamt neuntes Album. Die komplexe Scheibe kombiniert in 14 Songs eine breite Soundwelt. Als renommierter Slide-Spieler ist Thompson tief verwurzelt in einer elektrischen Mischung, deren “Inhalte” Rock, Blues, Funk und Soul bis hin zu Zydeco und New Orleans Second Line integrieren.

Beispielhaft hierfür und für die gesamte Produktion ist die Virtuosität des Titelsongs. Der schweißtreibende Einstieg in das Album, verbunden mit ironischen, teils sarkastischen Texten und starken Rhythmus-Elementen, bestimmt nicht nur symbolisch die Richtung, sondern ist ein Herzstück der Arrangements, wie auch beim folgenden “Downsizing”, einem Stück im Little Feat-Design.

Der robuste Southern-Rocker “For True” und die erdige Country-Blues-Symbiose “Thankful” sind weitere Key-Tracks. Das etwas gelassen wirkende “Every Single Rider” erinnert an den smarten Country-Rock von Poco und die Akustiknummer “Batman & Robin” an die legendäre US-Folk-Song-Tradition. In diesen weit gesteckten Rahmen der Titelliste gehören ohne Frage gospelangehauchter Soul (“Hope, Peace & Joy”) sowie großartiger Blues (“Old Blue”), obwohl die Vielseitigkeit von Billy Thompson eigentlich keine weiteren Beweise benötigt.

Langjährige Bühnenerfahrungen mit den Doobie Brothers und Bill Payne (Little Feat), als Opener für Jimmie Vaughan oder George Thorogood, als Begleiter von Little Milton und Albert King, schließen noch lange nicht den Kreis der ereignisreichen Karrierejahre. Konzerte mit der Zydeco-Legende C.J. Chenier und seine kreative Leitung als Musical Guitar Supervisor für “The Resurrection of Son House” (Südstaaten-Blues-Ikone) gehören untrennbar zum Porträt von “This World” und der American Roots Music von Billy Thompson.

MoMojo Records (2026)
Stil: Blues, Rock, Funk, Soul

Tracks:
01. This World
02. Downsizing 2025
03. Like Rain
04. For True
05. Melia
06. Every Single Rider
07. Thankful
08. Batman & Robin
09. Hope Peace & Joy
10. Old Blue
11. Dinosaur Eggs
12. Monkey Back Guarantee
13. Truth Come To Power
14. Of The Angels

Billy Thompson
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Stefan Hillesheim Band – Live At The Chicago Blues Festival – CD-Review

Stefan Hillesheim, oh, hört sich nach einem deutschen Namen an, dachte ich spontan, als ich auf das Cover seiner Live At The Chicago Blues Festival-CD blickte. In Verbindung mit Bluesmusik noch nie gehört, ein Sohnemann  deutscher Einwanderer in nachfolgender Generation vermutlich.

Aber nein, Stefan Hillesheim stammt tatsächlich direkt aus unserem Lande, ist aber 2014 zunächst nach Los Angeles gegangen, um seinen musikalischen Traum am Musician Institute (GIT) zu verwirklichen. Dort errang er schnell den Titel als ‚Most Improved Student‘. 

Als Session-Musiker und durch Zusammenarbeiten mit Interpreten wie u. a. Bobby Kimball (Toto), Ellis Hall (Tower Of Power), Brent Carter (Average White Band) oder Emerson Cardenas (Santana) verbreite sich sein Name in Kalifornien wie ein Lauffeuer.

2022 ging es dann nach Chicago um seiner wahren Passion, dem Blues nachzugehen. Die dortige Musikerszene nahm den Deutschen mit offenen Armen auf und so konnte Stefan mit Darryl Wright (Bass), Dionte McMusick (Drums) und Sumito ‚Ariyo‘ Ariyoshi (Keys) relativ schnell, eine schlagkräftige Band zusammenstellen.

Ich musste direkt bei der Ansage zum fluffigen Opener „Always Get To Hear From You“ (mit schönem ABB-trächtigen Slide) schmunzeln. Da kündigte die amerikanische Sprecherin des Festivals ihn zur Eröffnung des zweiten Tages mit „Get ready for the Blues with Stefan Hille’sch’eim“, da für sie die Silbentrennung zwischen dem S und dem H ein vermutlich unüberwindbares Hindernis darstellte. 

In der Musik und dem hellen Gesang merkt dem Protagonisten schon seine europäischen Wurzeln an (Richtung Aynsley Lister & Co.), aber ab Stück 5 („It Hurts Me To“ – schöner Text!) kristallisiert sich dank des markanten E-Slide-Gitarrenspiels eine gewisse Affinität für Leute aus dem Allman-Dunstkreis (Duane Allman, Dickey Betts, Warren Haynes oder Derek Trucks) heraus.

Toll hier vor allem das ein wenig an „Blue Sky“ erinnernde „You’re My Family“. Das absolute Highlight in der Track-/Setlist ist allerdings das längste Stück, der atmosphärische Slowblues „Better Man“, mit einem brillanten Piano-Intermezzo von Sumito ‚Ariyo‘ Ariyoshi als auch einem fulminanten Endsolo von Hillesheim auf seiner Les Paul.

Nach dem letzten launigen Schlusslied  „Sick Of Your Love“ stellt dann der Protagonist kurz die Band vor und demonstriert den Amis, wie man seinen Nachnamen (‚Hilles-heim‘  – mit Silbentrennung) richtig ausspricht („My name is Stefan Hilles-heim‘, we love you guys“).

Fazit: Ein neuer Name (für mich) in der Blue Rock-Szene. Bei Stefan Hillesheim und seiner Band ist das Talent und eine gewisse Gier nach Erfolg und Weiterkommen offensichtlich. Die Leute in Los Angeles und Chicago dürfte er jedenfalls schonmal für sich begeistert haben. Man sollte ihn auch bei uns auf dem Schirm haben.

Stella Blue Music (2026)
Stil: Blues Rock

01. Always Get To Hear From You
02. My Poor Heart
03. The Love I Had For You
04. Big Legged Woman
05. It Hurts Me To
06. On Down The Highway
07. You’re My Family
08. When I’m Gone
09. Better Man
10. Sick Of Your Love

Stefan Hillesheim Band
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Muddy What? – Neon Soul – CD-Review

Schönes Wortspiel, dieser Bandname! Muddy What? ist zwar immer mal wieder vor meinen Augen aufgetaucht, aber irgendwie ist die Band des Geschwisterpaars Ina Spang und Fabian Spang bis dato an mir vorüber gegangen.

Dabei zählen die aus Süddeutschland stammenden Protagonisten zu den fleißigsten Live-Acts in diesem Lande und bringen jetzt mit „Neon Soul“ ihr bereits sechstes Album auf den Markt. Das soll sich aber nun mit dieser Besprechung ändern und entweder am 27. März werde ich im urigen Leverkusener topos oder sonntags darauf im Backyard Club in Recklinghausen bei ihren anstehenden Gigs vorstellig werden.

Fabian Spang ist mit seinem kauzigen englischen Lead-Gesang, der die deutsche Abstammung sehr gut verschleiert und an der Rhythmus-Gitarre präsent, während Schwester Ina die saitentechnischen Fäden (Mandoline, Gitarren) in der Hand hält. Unterstützt werden sie von Michi Lang am Bass und Manfred Mildenberger am Schlagzeug.

Sechs durchgängig hörenswerte Eigenkompositionen (besonders stark hier der swampig country-rockig stampfende Titeltrack „Neon Soul“, das mit einem Hauch von „Can’t You See“, gedrückte Atmosphäre verbreitende „Letters On A Line“ und der heimelige Schwofer „Tales Unveiled And Secrets Sealed“) werden durchzogen von drei Fremdadaptionen („The Lonesome Death of Hattie Carroll“ und „Blind Willie McTell, jeweils von Bob Dylan, und „Voodoo Chile“ von Jimi Hendrix).

Das funkig groovende „The Lonesome Death of Hattie Carroll “ ist mit seinen drei quirligen Mandolinenpassagen aus meiner Sicht das absolute Highlight des Werkes, auch die Version des Rassismus, Sklaverei und Leid anprangernden   „Blind Willie McTell „von Dylan wird hier musikalisch sensibel in Szene gesetzt.

Ob die hundertste Fassung von „Voodoo Chile“ sein muss, darüber kann man streiten. Fakt ist, dass Muddy What? auch Psychedelic Rock können. Da der Song auch in der notorisch alternden Blues Rock-Gemeinde immer noch hohes Ansehen besitzt, ist es sicherlich zumindest taktisch nicht unklug, ihn mit ins Portfolio aufzunehmen.

Am Ende lässt das Quartett mit dem Instrumentalstück „Ina’s Lullaby“  samt Akustk- und E-Gitarrenklängen einen insgesamt frisch und unverbraucht klingenden Silberling melancholisch ‚auspendeln‘.

Sehr gefallen hat mir hier auf „Neon Soul“, dass Muddy What? mit den vielen  integrierten Mandolinenpassagen ein nicht alltägliches Merkmal aufweisen kann, welches die Band in der Blues Rock-Szene zu etwas Besonderem macht. Man sieht sich Ende März!

Howlin‘ Who Records (2026)
Stil: Blues Rock

01. Neon Soul
02. The Lonesome Death of Hattie Carroll 
03. Letters On A Line
04. Tales Unveiled And Secrets Sealed
05. Lost Symphony
06. Uncontainable
07. Blind Willie McTell 
08. Voodoo Chile 
09. Ina’s Lullaby

Muddy What?
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Garret T. Willie – Bill’s Cafe – CD-Review

Ein international hochplatziertes und über den grünen Klee gelobtes Debütalbum, mehrere kanadische Musik-Award-Nominierungen, Support für klingende Namen wie Kenny Wayne Shepherd, Joe Bonamassa oder John Fogerty, dazu noch gesegnet mit viel Talent (Gitarrenspiel, Songwriting) und einer mörderisch guten Stimme.

Jetzt bei seinem zweiten Werk „Bill’s Cafe“ bekommt Garret T. Willie (alias Garret Cranmer) auf Mike Zitos Gulf Coast Records-Label auch noch Nashville Star Producer Tom Hambridge und ein Weltklasse-Ensemble an Musikern wie Audley Freed, Kenny Greenberg, Tom MacDonald, Kevin McKendree, Mike Rojas samt Hambridge himself an die Seite gestellt, ein Karriere-Start könnte wahrlich schlechter beginnen. 

Die Frage, die sich für mich persönlich stellt, ist daher die, warum er auf dem Coverbild, für meine Begriffe, angesichts dieser ganzen positiven Dinge und Entwicklungen, so brummig in die Kamera hineinblickt? Aber vielleicht täusche ich mich ja auch, und er ist einfach vor lauter Glücksgefühle nur nachdenklich in sich gekehrt. Ich hab halt nicht Psychologie studiert…

Der Titel bezieht sich auf das Pool Hall Cafe in Alert Bay, British Columbia,  seines Großvaters. Allein schon das energiegeladene E-Gitarrenintro zum Opener „Hypnotist“ wird jedem AC/DC-Fan zu Bon Scott-Zeiten Freudentränen in die Augen treiben, wenn dann noch Skynyrd-/Hatchet (zu Hochzeiten) und ZZ Top-Ingredienzien (im Bridge), dieser tolle wuchtige Gesang und noch ein furioses Gitarrenfinale hinzukommen, bleibt einem glatt die Spucke weg. Was mag da noch bei den restlichen Tracks kommen?

Um es vorweg zu nehmen. Der Rest des Longplayers hält durchweg das hohe Niveau! Hier wird in bester Southern-Manier ‚gebluesrockt‘, der Protagonist und die Nashville-Könner brennen hier ein wahres musikalisches Feuerwerk ab! „Devil Doll“ macht mit furiosem HT-Geklimper und zünftigem Rock weiter, „Going To Toronto“ vereint Stones-und Skynyrd-Einflüsse (herrlich das typische Skynyrd E-Gitarrenaufheulen beim Songabschluss – jeder wird es sofort erkennen).

Das launige „It Won’t Get Done“ empfiehlt die Sachen in die eigenen Hände zu nehmen. Auch in den folgenden Stücken wird dem Blues regelrecht der Marsch geblasen, lediglich beim, mit einer Akustikgitarre verzierten „Golden Highway“ wird es mit Allman Brothers-/Marshall Tucker-Flair etwas ruhiger, um dann ganz spät am Ende des Silberlings mit „I’m Late„, noch mal schroff zu rocken. Wahnsinn diese Scheibe. Ein klarer Kandidat für das Album des Jahres!

Ich hätte mir vielleicht noch ein Stück mehr gewünscht, wäre mit „Devil Doll“ in das Songkonvolut eingestiegen und hätte den überragenden Opener „Hypnotist“ auch wegen des Gitarrenfinishs, nach dem Motto, das Beste am Schluss, ans Ende platziert.

Das Album ist Pflicht für jeden Southern- und Blues Rock-Fan, man fühlt sich fast schon ‚genötigt‘ (in meine Fall zumindest), sich auch noch im Nachgang mit dem Debütwerk zu befassen. Klasse dieser  Garret T. Willie!

Gulf Coast Records (2026)
Stil: (Southern) Blues Rock

Tracks:
01. Hypnotist
02. Devil Doll
03. Going To Toronto
04. It Won’t Get Done
05. Small Town People
06. High Beam Blues
07. Young Country Boy
08. Golden Highway
09. I’m Late

Garret T. Willie
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The Jack Wharff Band – Strange – EP-Review

Endlich mal wieder etwas frisches Blut hier in Sounds Of South und dazu auch noch Genre-kompatibel. Nachdem die ersten zwei Monate dieses Jahres recht Blues Rock-lastig geprägt waren, gibt es jetzt mit der neuen EP „Strange“ der Jack Wharff Band ehrgeizigen, unverbrauchten und sehr bekömmlichen Country-Bluegrass-Americana-Stoff!

Die Jack Wharff Band stammt aus Richmond, Virgina, und besteht aus ihrem Leader Jack Wharff, Drummer Garrett Howell, Bassist Ryan Atchison und Gitarrist Evan Novoa. Die Jungs hatten bereits mit „Richmond’s Most Wanted“ ein Kurzwerk mit sechs Tracks veröffentlicht, jetzt legen sie fünf weitere Stücke unter Majorlabel-Fahne (Big Machine Records) hinterher.

Der Titelsong „Strange“ als Einstieg baut direkt Spannung auf, ein wunderbarer Balanceakt zwischen New Country und Americana, schön atmosphärisch mit Slidegefiepe. Die helle und doch leicht rauchige Stimme Warffs, die mich an Leute wie Jason Isbell oder Ed Sheeran erinnert, verpasst dem Song zusätzlich noch einen leichten Indie-Touch. Klasse hier auch die countryesken Harmoniegesänge.

Die beiden folgenden ‚Virginia‘-Tracks stehen mehr im Zeichen von gut verdaulicher Modern Bluegrass-Musik, nicht zuletzt ein Mitverdienst von Ketch Secor, Mitbegründer sowie Frontmann der Band Old Crow Medicine Show, der „Virginia Can I Stay A While“ mitgeschrieben hat und hier auch vokal partizipiert. Das treibende „Ole Virginia“ hat was von ‚Tom Petty goes Bluegrass‘, auch klasse gemacht.

Der Nashville Singer Songwriter Solon Holt assistiert den Jungs bei „A Month, A Week, A Day“. Mit dem klassischen, lässig samt etwas Melancholie im Gesang dahin-groovenden Americana- Stück „Saved“ (schön klackernde Banjo-Untermalung), ist das rechte kurze Vergnügen schon wieder beendet.

Die Jack Wharff Band wird in den kommenden Tagen bis Mitte März mit Auftritten bei den C2C Festivals in Berlin (6. März), Rotterdam (7. März) und London (15. März) zu sehen sein, dazu/dazwischen kommen noch Headline-Shows in Dublin (9. März) , Manchester (16. März) und Glasgow (18. März). Eine ideale Gelegenheit, den Bekanntheitsgrad in unseren Sphären erheblich zu steigern! Das Talent dazu ist zweifelsfrei vorhanden! Es ‚riecht‘ förmlich nach mehr…!

Big Machine Records (2026)
Stil: Country, Bluegrass Americana

01. Strange
02. Virginia Can I Stay A While (ft. Ketch Secor)
03. Ole Virginia
04. A Month, A Week, A Day (with Solon Holt)
05. Saved

TheJack Wharff Band
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Mike Zito – 25.02.2026, Harmonie, Bonn – Konzertbericht

Pünktlich um 20:00 Uhr verdunkelt sich das Licht in der Harmonie und wie Schatten betreten die Musiker die Bühne. Dann richtet sich ein Spot auf Mike Zito, der bestens gelaunt die Fans begrüßt und sagt, dass er erreichen will, dass diese mit einem besseren Gefühl nach Hause gehen- als sie gekommen sind. Genau dies gelingt Zito an diesem Abend mit seiner Band.

Das Trio zelebriert über zwei Stunden den Blues und sorgt für eine frenetische Stimmung. Zito begeistert mit seinem variablen Gitarrenspiel, seiner markanten Stimme und seinem authentischen Auftreten.

Matthew R. Johnson an den Drums und Terry Dry am Bass sind mehr als Begleitmusiker. Mehrfach zieht sich Zito in den Hintergrund zurück, lässt den beiden Freiräume und richtet zum Publikum die Worte „What A Band!“ und forciert damit den verdienten Szenenapplaus nach ihren Solo-Parts.

Mit „Outside Or The Eastside“, Kiss You All Over“, „Just Like I Treat You“ und Don´t Take Advance Of Me“ überrascht er die Fans mit vier Songs, die auf dem Album „Outside Or The Eastside“ sind, das offiziell erst Ende April erscheinen wird. Für die Fans hat er aber vorab schon Exemplare dabei. So kann man ein Album auch promoten.

Emotional ist der Slowblues „Forever My Love“, der seiner Frau gewidmet ist. Am Ende des über zwei Stunden gehenden Konzerts greift er dann auf etwas ältere Songs zurück. Das krachend-jammende „Judgment Day“, worin er „Kashmir“ und „Whole Lotta Love“ einfließen lässt, schließt die Show ab.

Als Zugabe zum Runterkommen legt er dann noch das ruhige „All Last Night“ nach, dem die Fans gebannt lauschen und in ruhigen Passagen, wo er die Gitarre vom Strom nimmt und ohne Mikro singt, zeigt das Publikum, wie bluesaffin es ist. Man konnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören.

Line-up:
Mike Zito (lead vocals, electric guitar)
Matthew R. Johnson (drums, vocals)
Terry Dry (bass, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Mike Zito
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Harmonie Bonn

The Bros. Landreth – Support: Begonia- 25.02.2026 – Luxor, Köln – Konzertbericht

Kanada-Zeit in Sounds of South. Nachdem ich zuletzt Alben von Crsytal Shawanda und den Sheepdogs reviewt hatte, folgte gestern Abend schon der nächste Act aus diesem Land.

Ich hatte in meinem letzten Jahresrückblick schon angedeutet, dass ich mich in Zukunft, was Konzertberichte betrifft, mehr auf Interpreten fokussieren werde, die im SoS noch nicht so inflationär beleuchtet wurden.

Die Bros- Landreth, alias Joey und Dave Landreth, boten dazu im Kölner Luxor einen guten Anlass, da ich von ihnen zwar Alben besitze, aber sie noch nie live gesehen habe.

Im Schlepptau hatten sie die schillernde Künstlerin Begonia (bürgerlicher Name Alexa Dirks),  ebenfalls aus Kanada kommend. Joey Landreth hat auf ihrem aktuellen Album „Fantasy Life“ bei einem Track an der Gitarre mitgewirkt. Begonien sind ja für ihre Farbvielfalt bekannt, von daher im übertragenen Sinne ein passender Name für die wuchtige schrille Dame.

Sie wurde an den Keys von Graeme Leaver begleitet und gab rein gesangsmäßig Stücke wie „Juniper“, „So High“, „Marigold“, „I Wanna Be Alive With You“, „Butterfly“, „Get To You“ und „Hotter Than The Sun“ aus ihren bisherigen Alben zum Besten.

Sie punktete mit einer schillernden Bühnenpräsenz, ihrer ausdrucksstarken Stimme und humorvollen, zum Teil selbstironischen Texten in ihren Liedern und heimste viel Applaus vom Kölner Publikum ein.

Line-up Begonia:
Begonia (lead vocals)
Graeme Leaver (keys)

Die Bros. Landreth haben sich peu a peu zu einem Geheimtipp in der Americana-Szene und darüber hinaus entwickelt. In Köln hallt ihnen aufgrund  mehrerer Auftritte in der Vergangenheit, ein überaus guten Ruf nach, das Luxor war rappelvoll.

Die Brüder präsentierten sich im klassischen Trio, der dritte im Bunde war Schlagzeuger Roman Clarke. Sie sind wie auch auf ihren Alben keine echten Rampensäue, zeichnen sich aber durch ihre sympathische Art sowie spielerische Finesse und Variabilität aus.

So bekam man ein geschickt ineinander greifendes Konglomerat aus verschiedensten Stilen wie Roots Rock, Americana, Blues, Rock und auch Southern Rock geboten (Joey immer wieder mit viel Slide zwischendurch), Schubladendenken ist hier fehl am Platz.

Mit den eigängigen Tracks „Made Up Minds“ und der Ballade „Our Love“ (Publikum singt mit) wurde ein erstes Stimmungshoch erreicht. Auf ihrem aktuellen Longplayer „Dog Ear“ waltete beim Song „Knuckles“ keine geringere als Bonnie Raitt als Duettpartnerin auf, hier wurde sie samt schöner Geste durch Begonia vertreten.

Mein persönliches Highlight des Abends war allerdings die Coverversion des Muddy Waters-Klassikers „Rollin‘ and Tumblin'“, der durch das Trio regelrecht zerpflückt wurde. Ganz groß, was Joey Landreth hier, im Zusammenspiel mit seiner ebenfalls fulminant agierenden Rhythmusfraktion, an seiner E-Gitarre abließ.

Dave Landreth übernahm die Lead vocals bei „Vincent“. Gegen Ende bei den Stücken „Tell Me Something Good“ (mit Teil-Lead vocals von Roman Clarke) und „Got To Be You“, wurde erneut Begonia eingebunden. Letztgenannter Track, in stampfiger, dezenter Little Feat-Manier vorgetragen, bildete dann das Ende des Hauptteils.

Die stürmisch geforderte Zugabe wurde mit dem soulig-bluesigen „I Can’t Win“ bedient, hier wurden nochmals alle Register in Sachen toller Harmoniegesänge gezogen.

Dieser Auftritt, mit soviel Begeisterung und toller Durchmischung von Jung und Alt im Publikum, gibt Grund zur Hoffnung, was handgemachte  Rockmusik in unserem Lande angeht. Es scheint doch noch nicht ‚Hopfen und Malz‘ in Sachen Geschmack verloren zu sein. Die Bros. Landreth waren ein ermutigendes Beispiel dafür!

Line-up:
Joey Landreth (lead vocals, electric guitar)
Dave Landreth (bass, vocals)
Roman Clarke (drums, vocals)

Text und Bilder: Daniel Daus

The Bros. Landreth
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Begonia
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networking Media
Luxor, Köln

The Sheepdogs – Keep Out Of The Storm – CD-Review

Seit Sheepdogs-Fronter Ewan Currie eine zeitweilige Lebenskrise überwunden hat und seine Band von Majorlabelzwängen befreit ist (man hat mit Right On Records ein eigenes gegründet), trumpfen die Kanadier in ständiger Regelmäßigkeit groß auf.

Wir haben alle ihre letzten EP-Veröffentlichungen („Hell Together“ und „Paradise Alone“ besprochen und dementsprechend gewürdigt, vollends überzeugt hatten sie mich persönlich mit ihrem grandiosen Gig Ende 2024 im Kölner Luxor, eines der besten Southern Rock-Konzerte, das ich je erlebt habe.

Nach einer ausverkauften Arenatournee durch Kanada als Vorgruppe von Bryan Adams, gibt es jetzt mit „Keep Out Of The Storm“ einen neuen Longplayer, der alles in sich vereint, wie man eine Genre-Scheibe dieser Art heutzutage anbieten sollte, um die immer noch bestehende recht große Fan-Gemeinde in ihrer Gesamtheit, aber auch in ihrer Diversität im Rahmen der Ansprüche ‚einzufangen‘.

Ihr langjähriger Schlagzeuger Sam Corbett ist nicht mehr dabei, auf dem Werk wurde er durch eine ganze Reihe von Drummern wie der JUNO nominierte Trevor Falls, Adam Hindle (Dwayne Gretzky, Born Ruffians), Steve Kiely (Golden Feather), Jordan Murphy (Walrus, Adam Bladwin) oder Dani Nash (July Talk) ersetzt.

Die vier Stücke „Nobody But You“ (Platz 17 der Billboard Mainstream Rock-Charts), „Playing All Night. Long“, „All I Wanna Do“ und das abschließende „Out All Night“, bieten klassischen Southern Rock-Stoff der Endsiebziger Jahre (so ein wenig wie 38 Special auf ihren beiden ersten Alben) und werden den Traditionalisten sicherlich am meisten zusagen.

Der Rest macht die Scheibe ‚bunt‘ und spannend. Der Titeltrack „Keep Out Of The Storm“ mit seinen Metal-ähnlichen Riffs im Refrain, „I Do“, als wenn die Rubettes (wer sie noch kennt) auf Southern-Pfade abgebogen wären, „Take A Look At Me Riding“ mit bluesigem JJ Cale-Esprit, „Bad For Your Health“ mit 70er-Psychedelic-Doors-Touch, das luftige „Breezy“ als eine Art Nitty Gritty Dirt Band meets The Allman Brothers“, das proggig-atmosphärische „The Owl“ und das allmaneske Instrumentalstück „The Yellow Line“, allerdings mit integrierten Bläsersätzen als neuer Variante, erzeugen, in der Gesamtschau mit den vier o. a. Tracks, eine stilistische Erweiterung.

Das Album wurde mit dem langjährigen Kollaborateur Thomas D’arcy aufgenommen und von Ewan Currie produziert. JUNO-Award-verdächtig!

Im November 2026 sind die Jungs auch wieder bei uns zu sehen, das sind die Termine:
18.11.26, Köln, Gebäude 9
21.11.26, Hamburg, KENT Club
30.11.26, Berlin, Hole44
01.12.26, München, Technikum

Hingehen ist Pflicht!

Right On Records (2026)
Stil: Southern Rock

Tracklist:
01. Nobody But You
02. Keep Out Of The Storm
03. I Do
04. Playing All Night. Long
05. Take A Look At Me Riding
06. All I Wanna Do
07. Bad For Your Health
08. Breezy
09. The Owl
10. The Yellow Line
11. Out All Night

The Sheepdogs
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Oktober Promotion

Omar Coleman & Igor Prado – Old New Funky -And- Blue – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Für “Old, New, Funky And Blue“, den ersten gemeinsamen Longplayer, waren Omar Coleman und Igor Prado in Sao Paulo im Studio und haben ein klassisch-modernes Soul-Blues-Funk-Album eingespielt. Omar Coleman, Sänger und Harp-Spieler aus West Side Chicago gilt als eine der führenden neuen Stimmen im zeitgenössischen Soul-Blues der Metropole in Illinois. Seine erste Aufnahme machte er bereits 2005, damals jüngster Harp Artist, für die Compilation “Diamonds In The Rough” (Chicago Blues Harmonica Project) und war als Vertreter der dortigen Szene auch hierzulande schon unterwegs.

Igor Prado, brasilianischer Blues-Autodidakt, spielt als Linkshänder die rechtshändige Gitarre “upside down” und wurde 2015 für das Album “Way Down South” und “Bester Neuer Künstler” Award-nominiert. Die Tracks des Longplayers bringen neben eigenen Titeln eine Reihe älterer, weniger bekannter Songs auf die Setlist der Scheibe. Den Einstand macht „I’m Leaving My No Good Woman”, eine Kombination aus Memphis und Chicago-Soul Sound und versprüht seine Energie als eine Art “Wahrzeichen” der weiteren Titel.

Stilistisch “Stomping in” Soul-Blues Tracks, wie “I Only Have Love” und „Cut You Loose” hervorragender Arrangements bringen Stimme, Harp und Guitar Parts sowie die kräftige Horn-Section in die charakteristischen Gefüge der Aufnahmen. Beim rauen Blues Rock “Moving On To Better Days” wird dieser Wunsch auch musikalisch nachdrücklich robuster umgesetzt.

Ebenso spielen Einflüsse eine große Rolle, die Igor Prado z.B. von Albert King über Blind Willie Johnson bis Chuck Berry gerne benennt, während Omar Coleman Künstler der West Side Soul und Blues Szene, wie u.a. Tyron Davis und den inzwischen über 90-jährigen R&B Sänger Bobby Rush als Vorbilder in der “Nachbarschaft” hatte.

Kein Wunder also, dass zwei Titel von Bobby Rush (“I Wanna Do The Do” und “Night Fishin'“) funkige Boogie Versionen bieten. Ähnliche Energie verbreiten die beiden Syl Johnson (ebenso Chicago R&B Icone) Cover “I Let A Good Girl Go” und “Don’t Give It Away” – auch in souliger Balladen-Form – und sowieso als funkiger R&B Nummer. Die sozialkritische Eigenkomposition (u. a. “Brown Nosin‘ Man”) bildet eine wesentliche Substanz der Produktion. Wobei der Abschlusstrack “Blue Line Train In Chicago” mit akustischer Gitarre und Harp nochmal zusätzlich einen Song alter Prägung auf die “Schiene” bringt.

Insofern kann das Album “Old, New, Funky & Blue”, dem ersten gemeinsamen Longplayer von Omar Coleman und Igor Prado, durchaus auch als persönliche Aufarbeitung einer traditionsreichen Musikepoche verstanden werden. Moderne Interpretationen belassen den Covern ihre Ursprünglichkeit, entwickeln eine eigene Identität und die Erwartungshaltung, dass es nicht nur bei der Premiere bleibt.

Nola Blue Records (2026)
Stil: Soul, Funk, Blues Rock

Tracks:
01. I’m Leaving My No Good Woman
02. I Only Have Love
03. Cut You Loose
04. Moving On To Better Days
05. Answer Your Phone
06. I Let A Good Girl Go
07. Brown Nosin‘ Man
08. I Wanna Do The Do
09. Don’t Give It Away
10. Night Fishin
11. Blue Line Train In Chicago

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