The Band Of Heathens – Live Via Satellite – EP-Review

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Review: Michael Segets

The Band Of Heathens ist längst aus dem Status des Geheimtipps in Sachen Americana und Roots Rock herausgewachsen. Vor allem ihre unermüdlichen Touren durch Amerika und Europa haben ihr eine breite Fangemeinde beschert. Daniel zählte ihren Auftritt im Dortmunder Musiktheater Piano ebenfalls zu den Top-Konzerten des letzten Jahres.

Entsprechend der Qualität ihrer Auftritte waren die ersten beiden Veröffentlichungen der Band dann auch Live-Alben. Mittlerweile sind noch zwei weitere offizielle Konzert-Mitschnitte und sechs Studio-CDs dazugekommen. Eine Zwischenstellung nimmt die EP „Live Via Satellite“ ein, die im SiriusXM-Studio zur unmittelbaren Radioübertragung im Outlaw Country Channel eingespielt wurde.

Drei der fünf Tracks bieten neue Varianten von Titeln der aktuellen CD „Duende“. Den Anfang macht „Sugar Queen“. Locker groovend mit mehrstimmigen Background, schönem Einsatz des Keyboards und einem unaufdringlichen E-Gitarren-Solo nimmt der Song direkt den typischen Sound der Band auf. Im Vergleich zum Album erscheint der Gesang etwas heller. Beim folgenden „All I´m Asking“ wirken die Lead Vocals deutlich näher als auf der ursprünglichen Version. Das Stück zaubert sommerliche Westcoast-Gefühle mit seinen Doo Wop, die The Band Of Heathens wie kaum eine andere aktuelle Truppe beherrschen.

Beide Songs stammen aus der Feder von Ed Jurdi und Gordy Quist. Die verbliebenen Gründungsmitglieder zeichnen für die Lead Vocals und die Gitarren verantwortlich. Unterstützt werden sie von Trevor Nealon am Klavier beziehungsweise an den Keys, Scott Davis am Bass sowie Richard Millsap am Schlagzeug, die sich natürlich auch alle beim Harmonie- und Background-Gesang einbringen.

The Band Of Heathens wagt sich an den Klassiker „Alabama“. Das ist mutig, denn an Neil Young mit seiner markanten Stimme kommt so leicht keiner vorbei. Die Jungs machen die Sache aber ordentlich, indem oder obwohl sie sehr nah am Original bleiben. Die Fans von The Band Of Heathens sowie diejenigen, denen die Klangfarbe von Youngs Stimme nicht zusagt, werden ihre Freude an der neuen Interpretation haben.

Auf der Scheibe findet sich mit „Ruby“ ein weiteres Cover. Die ruhige Ballade punktet mit melodischen Gitarrenpassagen und wirkt meines Erachtens ausgewogener als die vormalige Aufnahme der Dave Rawlings Machine.

Zum Abschluss präsentiert The Band Of Heathens den Roots-Rocker „Trouble Came Early“ ihres 2017er Albums. Die fetzige Nummer mit hervorstechendem Honky-Tonk-Piano schrieb Gordy Quist zusammen mit Owen Temple. Sie wurde unlängst vom Rolling Stone unter den zehn besten Country- und Americana-Songs der Woche gelistet – meiner Meinung nach in der falschen Kategorie.

Jedenfalls macht The Band Of Heavens mit „Live Via Satellite“ Werbung für sich. Die EP ist mehr als ein Lückenfüller zwischen zwei Longplayern. Mit den Neueinspielung eigener Songs sowie den beiden Coverstücken stellt sie eine schöne Einstimmung auf hoffentlich kommende, sommerliche Abende dar – vielleicht sogar mit der Band, die zwischen Mai und Juli ausgiebig tourt und dabei auch einige Auftritte in Deutschland plant.

BOH Records (2018)
Stil: Americana/Roots Rock

01. Sugar Queen
02. All I’m Asking
03. Alabama
04. Ruby
05. Trouble Came Early

The Band Of Heathens
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Black Pike Favorites

Reto Burrell- CD-Gewinnspiel

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Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß ‚Eidgenosse‘!

Über eine tolle CD von Reto Burrell darf sich

Tanja Hammerschmidt aus Wernberg-Köblitz,

freuen, der der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

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In Zusammenarbeit mit Greywood Records verlosen wir ein Exemplar der neuen Reto Burrell-CD „Shampoo Or Gasoline„. Starke Scheibe, mitmachen lohnt sich.

Folgende Frage, die sich gewaschen hat, muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie bezeichnet man im allgemeinen Sprachgebrauch auch einen Bürger der Schweiz?

a) Eidgenosse
b) Leidgenosse
c) Zeitgenosse

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 12.04.2018 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Reto Burrell
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Greywood Records

Reto Burrell – Shampoo Or Gasoline – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die Covergestaltung lässt eigentlich ein Live-Album erwarten, stattdessen finden sich zwölf neue Studiotracks auf „Shampoo Or Gasoline“. Die Songs sind allerdings im Zuge der letztjährigen Konzerttournee von Reto Burrell entstanden und bereits live erprobt. Die CD wurde in den Soniccourtyardstudios schön erdig abgemischt, wie es sich für eine Roots-Rock-Scheibe gehört.

Burrell und seine Mannen legen direkt scheppernd los. „Rising To The Bait“ hat einen harmonischen Refrain, in den Strophen ist der Gesang rauer und die kreischende Gitarre sorgt für die richtigen Ecken und Kanten, sodass das Stück nicht glatt geschliffen wirkt. Bei dem Titelsong „Shampoo Or Gasoline“ setzt die Band tempomäßig noch eine Schippe drauf. Fast ungestüm bearbeitet Chris Filter das Schlagzeug und gibt so zusammen mit dem Bassisten Toby Bachmann den treibenden Rhythmus vor. Das Zusammenspiel der beiden elektrischen Gitarren von Burrell und Ewald Heusser bringt gegen Ende nochmal neue Impulse in die schnellste Nummer des Longplayers.

Den Höhepunkt des rockigen Einstiegs bildet aber „On The Top Of The Moon“. Burrell trifft hier genau in mein Heartland-Rock-Herz. Der schnörkellose Song punktet mit eingängigem Chorus, dezentem Orgelsound im Hintergrund und guter Gitarrenarbeit – einschließlich eines kurzen Solos.

Danach wechseln sich langsamere und Uptempo-Stücke ab. Abwechslung bringt auch der Einsatz unterschiedlicher Gitarrensounds. Bei dem getragenen „Carried Away“ dominiert eine Steel-Guitar – ergänzt mit einer ausgiebigen Mundharmonika-Einlage – und bei „Leaving Scars Behind“ wird die Slide-Guitar ausgepackt. Mit den langgezogenen und hohen Textpassagen im Chorus des letztgenannten Songs kann ich mich nicht recht anfreunden. Die anderen Ausflüge Burrells in stimmliche Höhen, wie beispielsweise auf „In A Bucket With A Hole“, liegen hingegen noch im Toleranzbereich.

Die Melodie von „Tell Me Why“ erinnert anfänglich sehr stark an „More Than I Can Say“ von Leo Sayer. Das kraftvolle „Shout It Loud“ weckt in einigen Passagen leichte Assoziationen zu John Mellencamp, welcher ja keine schlechte Referenz ist. Ebenfalls gelungen sind „Where Is Robin Hood?“ mit seinem Country-Rock-Einschlag und „She Says She’s American“, auf dem Thomas Kull am Piano zum Zuge kommt.

Auch wenn das im mittleren Tempo angesiedelte „Blind (Everything Is Fine)“ musikalisch nicht vollständig überzeugt, lohnt sich auf alle Fälle ein Blick in die beigefügten Texte. Burrell zeigt sich als genauer Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen. Er kritisiert das fehlende Bewusstsein für ökologische, politische oder soziale Zusammenhänge und das unreflektierte Hinnehmen von Missständen. Rockmusik hatte immer etwas mit Protest zu tun und Burrell steht diese Attitüde gut.

Reto Burrell hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten nicht nur als Solokünstler einen Namen gemacht und mit der Band C. H. 2011 den Prix Walo in der Kategorie Country eingeheimst, sondern er ist zudem als Musikproduzent aktiv und fördert Newcomer. So hat er beispielsweise mit den Basement Saints zusammen gearbeitet.

Unter dem Aspekt der Nachwuchsförderung kann daher das abschließende „Like Zombies And Toys“ gesehen werden. Maple Tree Circus begleiten hier Burrell über die eineinhalb Minuten des Stücks. Die junge Band aus Luzern, hat sich der Americana-Musik beziehungsweise dem Folk verschrieben, wie die Instrumentalisierung mit Banjo (Sebastian Schwarz), Geige (Lukas Bircher), akustischer Gitarre (Fabio Erni) und Kontrabass (Kevin Emmenegger) bereits vermuten lässt.

Das neue Werk hält mühelos die Qualität der früheren Veröffentlichungen von Reto Burrell, auf denen sich immer wieder Songperlen aus dem Roots-Rock-Genre finden. In der Gesamtschau zählt „Shampoo Or Gasoline“, besonders wenn Burrell den mittleren Tempobereich verlässt, zu seinen besten Alben und übertrifft sogar seinen „Klassiker“ Echopark (2001).

Im April und Mai nimmt sich Reto Burrell die Zeit, um durch Deutschland und Spanien zu touren. Er macht dabei in unserer Region Station, nämlich in Wesel und Mühlheim an der Ruhr. Den Auftritten kann man freudig entgegensehen, denn besonders die Uptempo-Titel auf „Shampoo Or Gasoline“ sind für die Bühne gemacht.

Anmerkung Red.: Wir werden in den nächsten Tagen nach dem Veröffentlichungstermin in Sounds Of South ein Exemplar in einem Gewinnspiel verlosen.

TOURBOmusic (2018)
Stil: Roots Rock / Americana

01. Rising To The Bait
02. Shampoo Or Gasoline
03. On Top Of The Moon
04. Blind (Everything Is Fine)
05. Where Is Robin Hood?
06. In A Bucket With A Hole
07. Shout It Out
08. Tell Me Why
09. She Says She’s American
10. Carried Away
11. Leaving Scars Behind
12. Like Zombies And Toys

Reto Burrell
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Greywood Records

Ben Rogers – The Bloodred Yonder – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das dritte Album von Ben Rogers steht in den Startlöchern. Vor dessen Veröffentlichung geht der Kanadier aber mit seinem Album „The Bloodred Yonder“ auf Tour. Im April und Juni gibt er fast zwanzig Konzerte in Deutschland. Das ist ein guter Grund, sein noch aktuelles Album aus dem Jahr 2015 zu würdigen.

Das Debüt „Lost Stories: Volume I“ (2013) fand begeisterte Aufnahme bei den Kritikern und der Nachfolger „The Bloodred Yonder“ wurde für den Juno Award, ein kanadischer Musikpreis, nominiert. Produziert hat das Album Bens älterer Bruder Matthew Rogers, mit dessen Band The Harpoonist & The Axe Murderer Ben schon einige Male zusammen gearbeitet hat.

Ben Rogers hat sich live schon einige Sporen verdient, so spielte er beispielsweise vor Dwight Yoakam oder Dustin Bentall. „The Bloodred Yonder“ eignet sich nicht nur zur Einstimmung auf die bevorstehende Tour, sondern ist ein hörenswertes Country-Album. Die klasse Stimme sowie das Songwriting von Roberts, der sich an traditionellen Elementen orientiert und diese in eigener Weise verarbeitet, zeichnen es aus.

Der Country-Song „Wild Roses“ entwickelt im oberen Midtempo einen dezenten Twang, der genau das richtige Maß trifft. Rogers tiefe Stimme ist angenehm weich und wird mit der Pedal-Steel von Matt Kelly untermalt. Das anschließende „Wanted“ weckt vom Titel und vom Aufbau des Textes Assoziationen an den Klassiker „Wanted Man“. Eine Bar-Piano-Einlage, ein E-Gitarren-Solo und gelegentliche Kicks in der Stimme bringen Abwechslung in den Track. Beide Stücke erfinden den Country nicht neu, stellen aber sehr gelungene Genrebeiträge dar, die durchaus frisch wirken. Gleiches gilt für „Panhandler“, dem schnellsten Stück auf dem Longplayer.

Danach nimmt Rogers das Tempo mit „Goodbye Rosalie“ und „Sinners“ heraus. Viel Slide erzeugt eine sentimentale Stimmung. Die Balladen werden von Ben Rogers Stimme, die mal samtig, mal rau klingt, vor dem Abgleiten in den Kitsch bewahrt. Nach einem Orgelintro setzt das Schlagzeug ein, das dem Track „River“ deutlich mehr Schwung gibt, als ihn die beiden vorangegangenen Stücke aufweisen. Ein schepperndes Gitarrensolo bildet den krönenden Abschluss des Songs.

Gute Laune versprüht „Don’t Buy Me Roses“, mit dem die CD wieder Tempo aufnimmt. Die Orgel quietscht wie auf einer Kirmes und der Refrain geht direkt ins Ohr. Auf Konzerten lädt die Nummer sicher zum Tanzen ein. Zum Schunkeln und Mitsingen eignet sich das einprägsame „The More I Learn“, bei dem Rogers locker über die üblichen Country-Pfaden rollt. Obwohl die Melodie harmlos und gefällig daherkommt, weist der Text eine gehörige Prise bissigen Humors auf.

Eingängig ist auch „Living Without You“. Eine dunkle Gitarre prägt das Stück, das unaufgeregt ein mittleres Tempo beibehält. In kurzen Passagen ähnelt Rogers´ Intonation der von Bob Dylan, wenn dieser in eine tiefere Stimmlage geht.

Zum Abschluss des Werks setzt Ben Rogers nochmal auf eine Ballade. Anfänglich sehr reduziert begleitet, singt Rogers besonders tief und beinahe sanft. Gegen Ende steigert sich die Instrumentalisierung von „Darling Please“. Insgesamt hätte auf diesem und einigen anderen Titeln die Dominanz der Pedal-Steel- und Slide-Effekte etwas verringert werden können.

Rogers sollte auf seine Stimme vertrauen, die viel Atmosphäre transportiert, und könnte daher zurückhaltender mit dem Wimmern der Instrumente umgehen. Dass dies funktioniert, verdeutlicht die neueste Single „The Highway Of Tears“, die sich vermutlich auf dem kommenden Longplayer finden wird.

Canada FACTOR/Greywood Records (2015)
Stil: Country

01. Wild Roses
02. Wanted
03. Panhandler
04. Goodbye Rosa Lee
05. Sinners
06. River
07. Don’t Buy Me Roses
08. More Than I Learn
09. Living Without You
10. Darling Please

Ben Rogers
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Greywood Records Promotion

US Rails – Support: Mark Olson – 11.03.2018, Wesel, Karo – Konzertbericht

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Wie bei fast jeder Tour der letzten Jahre, war auch 2018 das Jugendzentrum Karo wieder Veranstaltungsort für die US Rails.

Im Vergleich zum letzten Besuch der Truppe hatte sich einiges getan und die gesamten Bühnenwände waren mit schwarzen Theatervorhängen verkleidet, was ich zunächst als sehr positiv empfand. Allerdings hätte dann etwas mehr Beleuchtung gut getan, da die meist spärliche Bühnenausleuchtung so fast vollends geschluckt wurde. Dies war auch der einzige Makel, in einem ansonsten schönen Konzertabend, der mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Besonders hervorzuheben ist, dass es dem Soundmixer gelungen ist, einen wunderbar transparenten Klang in den Ort des Geschehens zu transportieren.

Zu Beginn spielte Mark Olson, bekannt von den Jayhawks zusammen mit Ingunn Ringvold einen etwa 50 minütigen Set, mit meist neuen Sachen und nur zwei alten Jayhawks-Songs, welche aber, in ein neues Gewand gesetzt, kaum als solche erkennbar waren. Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt der von den beiden eingesetzten Instrumente, und der gelungene zweistimmige Gesang, der zum Teil als Kanon eingesetzt wurde

Ingunn Ringvold spielte bei einigen Songs auf einer armenische Harfe, Olson neben seiner Fender E-Gitarre einen Dulcimer, sodass sich ein keltischer, dezent psychedelischer Einschlag, durch den Act zog. Olson moderierte gut gelaunt und humorvoll durch die Stücke und das Publikum lauschte fast staunend den zum Teil unkonventionell eingesetzten Instrumenten.

Auch hier wäre mehr Licht schön gewesen, um die Handarbeit der Künstler besser beobachten zu können. Selbst Ringvold fragte nach etwas mehr Helligkeit, da sie zu wenig sehen würde. Nach einer frenetisch geforderten Zugabe zogen sich die beiden Protagonisten zurück, um den US Rails die Bühne zu übergeben, welche diese, nach einer angenehm kurzen Umbauphase, auch betraten.

Im Gepäck hatte die Band die neue CD „We Have All Been Here Before“, auf der Coversongs von ihnen favorisierter Bands in ein US Rails-Kostüm gesteckt wurden. Diese sorgten, bei dem einen oder anderen Zuhörer, sogar für etwas Wehmut. Unterstützt wurde das Quartett um Tom Gillam, Matt Muir an den Drums, Scott Bricklin (Gitarre und Keyboards) und Ben Arnold (Keyboards und Gitarre) von Cliff Hillis am Bass. Zudem wechselten sich alle vier im Lead-, mehrstimmigen und Background-Gesang ab, was durch die unterschiedlichen Tonlagen, jedem Song einen eigenständigen Charakter gab.

Zum Teil fühlte man sich an die Eagles mit deren Harmoniegesängen erinnert. Schön war, dass alle 4 Hauptprotagonisten gleichberechtigt ihre Anteile sowohl in der Anmoderation, wie auch als Hauptakteur der Songs hatten und so ein etwa zweistündiges, sehr abwechselungsreiches Konzert die Folge war.

Neben den eingestreuten Coversongs „Train in Vain“ von The Clash, „Second Hand News“ der legendären Fleetwood Mac (hier besonders hervorzuheben der mehrstimmige Harmoniegesang, der bewies, dass der Song auch ohne Stevie Nicks funktionieren kann) „Poor Poor Pitiful Me“ von Warren Zevon und „Running On Empty“ von Jackson Browne, spielte die Band eine bunte Mischung von Tracks aus den letzten 8 Jahren.

Besonders hervorzuheben sind dabei „Lucky Stars“ und „Rainwater“ vom 2010er-Album “US Rails”, “Colorado” und „Declaration“ vom 2016er-Werk “Ivy” sowie “Don’t Take Me Now” und der Raußschmeißer “Old Song On The Radio” von “Southern Canon”.

Den gelungenen Konzertabend rundete die Band ab, in dem alle Bandmitglieder sich die Zeit für Autogrammwünsche und Unterhaltungen mit den Fans nahmen. Gillam bat mich, die Fotos doch so auszuwählen, dass er darauf jung aussieht. Wenn man von der erfrischenden Musik auf das Alter der Musiker schließen sollte, hätte sich, meiner Ansicht nach, eine Bearbeitung über Photoshop eh erübrigt.

Wer auf authentische Westcoast-Musik mit inspirierten Akteuren steht, dem sei angeraten, zu schauen, ob die US Rails in der Nähe auftreten. So hat man mit einem Konzertbesuch die Gelegenheit,  sowohl die Liveclubs, als auch die Band zu unterstützen.

Line-up: Mark Olson
Mark Olson (lead vocals, guitars)
Ingunn Ringvold (lead vocals, harp, mellotron, percussion)

Line-up:
Tom Gillam (lead vocals, guitars, bgv)
Ben Arnold (lead vocals, keys, acoustic guitar, bgv)
Scott Bricklin (lead vocals, acoustic and electric guitar, keys, bgv)
Matt Muir (lead vocals, drums, bgv)
Cliff Hillis (bass)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Mark Olson
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US Rails
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Karo Wesel

Grant-Lee Phillips – Widdershins – CD-Review

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Review: Michael Segets

Seit dreißig Jahren veröffentlicht Bryan G. Phillips regelmäßig Longplayer: zunächst mit seiner Band Shiva Burlesque, dann in den neunziger Jahren mit Grant Lee Buffalo und schließlich ab der Jahrtausendwende als Solokünstler unter dem Namen Grant-Lee Phillips. Sein neuntes Soloprojekt trägt den Titel „Widdershins“. Der mittlerweile in Tennessee lebende Kalifornier bewegt sich mit seiner aktuellen Veröffentlichung im Vergleich zu den vorangegangenen Alben stärker in Richtung Roots Rock.

Phillips überrascht gerne musikalisch und inhaltlich. Eingängige Melodien erhalten Brüche und bissige Texte werden in harmlos klingende Songs verpackt. Die CD kann man zwar auch nebenher hören, dann entgeht einem aber die Aussage der sozialkritischen Songs. „Unruly Mobs“ mit schön dreckiger Gitarre thematisiert beispielsweise die Verführbarkeit der Massen. „Liberation“ stellt fest, dass die Geschichte von den Siegern geschrieben wird. Dabei laden die Trommelwirbel eigentlich zum unreflektierten Mitmarschieren ein. Einen Kontrast zum locker rollenden Rhythmus und dem sanften Gesang bildet die Charakterisierung der miesen Ausbeuterin „Miss Betsy“, die Profit aus Kinderarbeit zieht. Bei dem Song unternimmt Phillips einen Ausflug in den Alternative Country.

Die Tracks bewegen sich insgesamt eher im mittleren Tempobereich. „Scared Stiff“ mit pochendem Schlagzeug sowie abwechslungsreicher Gitarrenarbeit von Phillips, der hier zudem eine starke Vibration in seine Stimme legt, ist der aggressivste Song auf der Scheibe. Auch „Walk In Circles“ und „The Wilderness“ weichen im Tempo nach oben ab. Die beiden gradlinig gespielten Rocktitel sind erdig produziert und gehen direkt ins Ohr. Für den nötigen Druck sorgt die Rhythmus-Section mit Jerry Roe am Schlagzeug und Lex Price am Bass. Zum rauen Charme der Songs hat wahrscheinlich auch der Umstand beigetragen, dass das Album live im Studio eingespielt wurde.

Der wiederholt heraus gepresste Refrain, begleitet von energischen Einschlägen auf das Fell der Drums, bleibt bei „Something´s Gotta Give“ im Gedächtnis. Gelungen ist auch „Great Accelation“ mit dominanter, manchmal leicht verzerrter Gitarre. Bei den anderen Stücken fallen die Backgroundstimmen auf, die den streckenweise betont harmonischen Gesang von Phillips begleiten. Nach Aussage von Phillips wollte er bei „Totally You Gunslinger“ einen Sound zwischen Roy Orbison und The Smith erzeugen. Tendenziell hat sich Roy Orbison durchgesetzt. Auf der gefühlvollen Ballade „History Has Their Number“ funktioniert das gut. Zu schwülstig erscheint mir hingegen „King Of Catastrophes“ und das bemühte „Another, Another, Then Boom“. Die Grenze zwischen Gefühl und Schmalz mag aber jeder selbst ziehen und ist vielleicht auch von der Tagesform des Hörers abhängig.

In der Gesamtschau legt Grant-Lee Phillips mit „Widdershins“ ein Werk vor, das musikalisch abwechslungsreicher als die Vorgängeralben ist. Er zeigt eine rockige Seite, die ihm hervorragend steht, und die einzelnen Anleihen beim Country wirken frisch. Bei den getragen Songs spielt Phillips seine Stärke als Sänger aus, wobei nicht alle Titel überzeugen. Die Texte sind inhaltsschwer und viele historische Bezüge gilt es zu entdecken. Trotz aller Sozialkritik scheinen doch ein bitterer Humor und sogar eine Prise Optimismus durch. Für „Widdershins“ sollte man sich Zeit nehmen und in die Weltsicht von Phillips eintauchen, denn seine Musik ist sicherlich ein guter Weg, mit den Trübnissen der Welt umzugehen.

YEP ROC/H’art (2018)
Stil: Roots Rock/Americana

01. Walk In Circles
02. Unruly Mobs
03. King Of Catastrophes
04. Something´s Gotta Give
05. Scared Stiff
06. Miss Betsy
07. The Wilderness
08. Another, Another, Then Boom
09. Totally You Gunslinger
10. History Has Their Number
11. Great Acceleration
12. Liberation

Grant-Lee Phillips
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Hardpan – Same – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

In seiner 2016 veröffentlichten Autobiographie „Born To Run“ schrieb die Heatland Rock Legende Bruce Springsteen: Demokratie in einer Band sei eine tickende Zeitbombe. Diese Prognose kann man für Hardpan nicht unbedingt aufstellen. Die vier begnadeten Singer/Songwriter aus den USA haben nach 16 Jahren ihr zweites Studioalbum aufgenommen und zeigen vor allem: Demokratie in einer Band funktioniert! 12 Songs sind auf dem Album zu finden, von jedem Bandmitglied wurden 3 Songs beigesteuert und von dieser Aufgabenteilung lebt das Album!

Beim ersten Listening entstehen sofort Erinnerungen an CSN&Y und der Vergleich mit der „Supergroup“ aus den 60er Jahren ist nicht zu weit hergeholt. Damals hießen die Protagonisten: David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash und Neil Young. Jetzt heißen sie: Todd Thibaud, Chris Burroughs, Terry Lee Hale und Joseph Parson. Alle sind auch als Solokünstler bereits seit mehreren Jahrzehnten aktiv und haben ihre Musikerfahrung erneut hervorragend vereinigt.

„Can’t Keep Up“, aus der Feder von Todd Thibaud, ist ein eher mittelmäßiger Opener, mit hervorstechender Akustik-Gitarre und regelmäßigen E-Gitarren Akzenten. Aber mit dem beschwingten zweiten Stück „The Hands That Hold The Reins“ nimmt das Album dann erstklassig an Fahrt auf. „Long Tomorrows“ ist ein starker Strukturbruch, vom Soft Rock geht es hier eher in die Richtung Hank Williams und Country Roots Traditional. Das langsame und von düsterer Stimmung getragene „Dust Bowl“ findet seine Stärke im metaphorischen Songwriting von Joseph Parsons: „We drunk enough to sink this boat, bring me more wine“. Im wunderschönen und erfrischenden „Best I Can“ bringt Thibaud die musikalischen Wurzeln mal kurz auf den Punkt: „Spent a little time in Reno, working the bars and casinos. They like to hear „Folsom Prison Blues“, „King Of The Road“, „Blue Suede Shoes“.

Die Lieder sind minimal instrumentalisiert, kommen ohne wuchtigen Drumbeat aus und zeichnen sich vor allem durch den mehrstimmigen Gesang aus. Das unbeschwerte, von Akustik-Gitarre dominierte „Lighthouse“, spielt in den Lyrics wieder mit wirkungsvollen Landschaftsbildern. Auf „Miracle Cure“ kommt eine vertraute „Heart Of Gold“ Mundharmonika zum Einsatz. Das sparsame aber stimmungsvoll effektive „This Place And Time“ geht über in das 7-Minuten Stück „Dangling“, das seine schönste Stelle hat, als eine kurze Mundharmonikauntermalung beginnt. Damit hätten in einigen anderen Songs auch noch gute Akzente gesetzt werden können. Diese kritische Anmerkung ändert letzten Endes aber nichts am tollen Gesamteindruck des Albums.

Was CSN&Y so einzigartig machte, war der Country-Folk-Rock Sound, begleitet vom begeisternden, mehrstimmigen Gesang, gepaart mit exzellentem Songwriting. Und genau das findet sich auch alles auf diesem Longplayer wieder. Eingängige Lieder und tiefsinnige, auf die Sprache fokussierte Tracks erschaffen hier ein musikalisch abwechslungsreiches und von hoher Qualität geprägtes Album. Wer CSN&Y gut findet, wird dieses Album lieben!

Blue Rose Records (2017)
Stil: Americana, Folk-Rock, Country-Rock

01. Can’t Keep Up
02. The Hand That Holds The Reins
03. Long Tomorrows
04. Dust Bowl
05. Best I Can
06. Lighthouse
07. Bombast
08. Miracle Cure
09. Can’t Have It All
10. One Clear Thought
11. This Place And Time
12. Dangling

Hardpan
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Blue Rose Records

The Sideshow Tragedy – The View From Nowhere – CD-Review

SST_300

Review: Michael Segets

In Austin blüht eine lebendige Musikszene, in der das Independent-Duo The Sideshow Tragedy ihre musikalische Heimat hat. Für die Aufnahmen zu „The View From Nowhere“ ging die Band allerdings in das New Yorker Old Souls Studio. Dort produzierte Kenny Siegal das neue Album. Er erweitert das Klangspektrum der Band durch den Einsatz von mehreren Tasteninstrumenten, wie der Hammond B3-Orgel. Dennoch steht auf der neuen Veröffentlichung weiterhin die Resonator Guitar von Nathan Singleton und das Schlagzeug von Jeremy Harrell im Vordergrund.

Nach dem Debüt im Jahr 2010 entschlossen sich Singleton und Harrell, The Sideshow Tragedy zu zweit weiterzuführen und haben seitdem zwei CDs veröffentlicht. Die Konzentration auf das Zusammenspiel von Gitarren und Schlagzeug in Verbindung mit dem Gesang von Singleton führt zu einem erdigen und schnörkellosen Sound, der das Duo kennzeichnet.

Die elf Tracks der CD bewegen sich zwischen Blues und Rock. Da ich eher dem Rock zugeneigt bin, ist „Nobody“ der herausragende Song der Scheibe, zu dem es im Netz ein gutes narratives Video gibt. Cooler Gesang und eingängiger Refrain garantieren, dass er auf die nächste Zusammenstellung für meine Autofahrten kommt. Zum Thema Auto passt auch das scheppernde „Gasoline“. Bei der kratzigen Rock ’n Roll-Nummer, die sich bereits auf dem Album „Persona“ findet, drückt die Band das Gaspedal richtig durch. „Piston Blues“ ist ebenfalls ein knackiger Rocksong. Harrell bearbeitet seine Drums über die knapp drei Minuten mit merkbar viel Spielfreude.

Mehrere Stücke sind durch langsame, fast schon gesprochene Gesangsparts geprägt, so der Opener „Lost Time“, „Afraid To Fall“, „Long Time Coming“ oder „For Your Love“. Der Wechsel von Gesang und Gitarreneinsatz ist für das Duo typisch. Für sich genommen entwickeln die Werke durchaus einen Reiz, insgesamt erscheint der Aufbau der Songs aber sehr ähnlich, sodass sie untereinander wenig unterscheidbar bleiben. Das dem Album den Titel gebende „The View From Nowhere“ hebt sich allerdings ab. In der Blues-angehauchten Ballade singt Singleton mehr als er spricht und wird dabei nur von einem etwas ausgedehnteren Gitarrensolo unterbrochen.

Ebenfalls bemerkenswert ist „Trust“, das leichte Funk-Einflüsse aufweist und mit mehrstimmigem Gesang sehr harmonisch wirkt. Es gehört sicherlich zu den Highlights der Scheibe. Weniger eingängig ist „Time To Taste“. Hier gehen die Funk-Anleihen schon in Richtung Jazz. Der Jam mit Saxophon-Sprengseln von Ben Senterfit ist nicht mein Fall. Mit „The Bet“, dem zweiten Bonus-Track von dem älteren Longplayer „Persona“, legen die Jungs zum Abschluss einen Blues mit gelungener Gitarrenarbeit und passendem Gesang hin.

Wie bereits erwähnt, erscheint das Songwriting nicht außerordentlich komplex und die Stücke sind oft gleichartig aufgebaut. Die Gradlinigkeit vieler Tracks macht andererseits auch deren Stärke aus und sorgt dafür, dass der Wiedererkennungswert von The Sideshow Tragedy gegeben ist. Nathan Singleton setzt bei der überwiegenden Anzahl der Songs auf einen fast gesprochenen Gesang, der zwar interessant, aber auf Dauer wenig abwechslungsreich ist. Wer auf Sprechgesang steht, ist bei der Band also richtig. Dort, wo Singleton etwas mehr Varianz in seinen Gesang bringt, gewinnen nach meiner Ansicht auch die Songs. Vor allem die schnelleren Nummern auf dem Longplayer „The View From Nowhere“ können daher überzeugen.

Dixie Frog/H’Art (2017)
Stil: Indie Blues-Roots-Rock

01. Lost Time
02. Piston Blues
03. Trust
04. Nobody
05. Time To Taste
06. Afraid To Fall
07. Long Time Coming
08. For Your Love
09. The View From Nowhere
10. Gasoline
11. The Bet

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Scott Miller – Ladies Auxiliary – CD-Review

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Review: Michael Segets

Als Sänger der V-Roys trat Scott Miller das erste Mal in Erscheinung. Steve Earle hatte die Roots-Rocker 1996 auf seinem Label unter Vertrag genommen und mit ihnen gemeinsam die EP „Johnny Too Bad” eingespielt. Nachdem sich die Truppe am Ende des Jahrhunderts nach zwei Studio-Alben und einer Live-Veröffentlichung auflöste, startete Miller eine Solo-Karriere, bis 2007 noch mit seiner Begleitband The Commonwealth. Musikalisch entwickelte er sich vom Roots Rock in Richtung Americana und Alternative Country. Nach vier Jahren Funkstille bringt Miller nun sein zehntes Solo-Projekt „Ladies Auxiliary“ raus. Mit dem Titel verbeugt er sich vor der Produzentin Anne McCue sowie den Musikerinnen, die ihn auf der Platte unterstützen.

Das Werk startet mit dem sanften Liebeslied „Epic Love“. Nach akustischem Anfang und Zwischenpassagen, erzeugt der Einsatz des Basses und später der des Schlagzeugs tolle Spannungsbögen. Nach dem schon sehr gelungen Einstieg legt „The River’s Yours/This Valley’s Mine“ an Intensität noch eine Schippe drauf. Der erdige Sound der akustischen Gitarre in Verbindung mit der wimmernden Geige von Rayna Gellert und Millers ausdrucksstarker Gesang versetzen unmittelbar auf die Rinderfarmen des mittleren Westens.

Dazu passt „Ten Miles Down The Nine Mile Road“, das einen leichten Country-Rhythmus aufnimmt und mit Banjo, dezenter Percussion und weiblicher Begleitstimme untermalt ist. Wenn die genannten Songs bereits viel Gefühl transportieren, bildet „Someday/Sometime“ doch den am tiefsten bewegenden Beitrag auf der CD. Ganz im Americana-Stil gehalten, mit weiblichen Harmoniegesängen im Refrain und wiederum sehr schönen Geigen, verarbeitet der Songwriter den Selbstmord einer Mutter. Der Text ist aus der Sicht des hinterbliebenen Vaters, der zu seinem Kind spricht, verfasst. Wenn harte Männer überhaupt eine Gänsehaut bekommen können, dann bei dem Song.

Zwischen die getragenen Tracks sind zwei leichtere Stücke eingeflochten. „Jackie With An Eye“ swingt dank der Bassläufe von Bryn Davies und das Cover „Mother-In-Law“ scheppert mit Barroom-Piano und lustigem Text über eine eher unappetitliche Schwiegermutter.

Das autobiographisch geprägte „Middle Man“ ist eine Americana-Nummer mit viel Slide, die nicht im Gedächtnis bleibt und damit durch den Titel gut charakterisiert wird. Miller erinnert hier zeitweise an Bob Dylan. Deutlicher wird der Bezug noch bei „Los Siento, Spanishburg, WVa“. Nicht nur die politische Aussage des Songs, sondern auch der schnelle – fast schon gesprochene – textlastige Gesang lässt den Vergleich mit dem Altmeister zu.

Das zweite Cover, die irisch angehauchte Ballade „Body And Soul“, wurde ursprünglich von Bill Monroe gesungen. Mit „Get Along Everybody“ folgt der beschwingte Abschluss, der wiederrum mit einem augenzwinkernden Text versehen ist.

Die Kompositionen sind abwechslungsreich, wobei sich die Arrangements auf die Qualität des Songwriters konzentrieren. Miller zeigt sich auf „Ladies Auxiliary“ textlich auf hohem Niveau. Das Album bietet hervorragende Americana-Balladen und mit „Mother-In-Law“ ein Party-taugliches Trinklied. Daher einen Toast auf Scott Miller und seine Damen!

F.a.Y. Recordings (2017)
Stil: Americana

01. Epic Love
02. This River’s Yours
03. Jacki with An Eye
04. Someday Sometime
05. Mother-In-Law
06. Ten Miles Down the Nine Mile Road
07. Middle Man
08. Lo Siento, Spanishburg, Wva
09. With Body and Soul
10. Get Along, Everybody

Scott Miller
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Gil Edwards – Celebrate – CD-Review

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Review: Michael Segets

Gil Edwards feiert sein fünfzigjähriges Jubiläum als Musiker mit der passend betitelten CD „Celebrate“, die Live-Aufnahmen von Konzerten in Deutschland versammelt. Als Krefelder freut es mich, dass vier der neun Tracks im heimischen „Jazzkeller“ mitgeschnitten wurden. Da das Publikum kaum wahrnehmbar ist, handelt es sich bei der Scheibe allerdings nicht um ein Live-Album im üblichen Sinne. Die von Martin Engelien übernommene Produktion fängt den rauen Charme von Gil Edwards Stimme ein.

Die Einschätzung der Platte fällt zwiespältig aus und lässt sich an der Gegenüberstellung von Eigenkompositionen und Covern festmachen. Die fünf Eigenkompositionen überzeugen weitaus mehr als die Interpretation der „Klassiker“.

Das von Edwards geschriebene „Hey, Hey, Hey“ verfügt – wie der Titel bereits vermuten lässt – über einen sehr eingängigen Refrain, den auch „Don’t Wanna Hear About It“ vorzuweisen hat. Die beiden locker drauflos rockenden Stücke machen richtig Spaß und bringen bei Live-Shows das Publikum bestimmt in Wallung. Wie ein alter Bekannter wirkt das emotional bewegende „Lying“. Edwards, der seinen Musikstil auch als Roadhouse bezeichnet, zeigt bei „Turn My Head Around“ seine Affinität zum Blues Rock. Der Blues infiltriert auch „Wishing Well“. Die selbst geschriebenen Titel strotzen zwar nicht vor Originalität, aber sind doch sehr gelungene Genrebeiträge.

Backgroundsängerin Angie Damschen verfügt über eine unglaubliche Stimme und peppt mit ihren Einlagen viele Stücke ungemein auf. Elektrische Gitarrensoli sind fester Bestandteil aller Eigenkompositionen. Edwards überlässt diese Joerg Dudys und Dennis Hormes, die gute Arbeit abliefern.

Ausgeprägte Gitarrenpassagen prägen ebenfalls die vier Coverversionen. So kommen die beiden Stücke von den Rolling Stones jeweils fast an die acht Minuten. Bei „Wild Horses“ – einem meiner Favoriten aus der Feder von Mick Jagger und Keith Richards – will das Gefühl der Ballade nicht richtig überspringen. Aber das mag jeder anders empfinden. In „Paint It Black“ sticht die Percussion von Pitti Hecht heraus. Insgesamt ist die Version sehr verspielt und verliert dadurch etwas an Drive.

Das in meiner Jugendzeit von Kim Wilde performte – vorher von The Supremes und später von Vanilla Fudge aufgenommene – „You Keep Me Hangin´ On“ hat mich nie begeistert. Die Version von Gil Edwards, bei der mich auch der Gesang nicht durchgängig anspricht, ändert daran nichts. Die unaufgeregte Interpretation von Bob Dylans „My Back Pages“ ist das gelungenste Cover und bildet einen schönen Abschluss der CD.

Die Cover funktionieren im Konzertsaal bestimmt, aber ich hätte mir für den Longplayer mehr von Gil Edwards Kompositionen gewünscht. Er schreibt gute Lieder und vielleicht wäre es eine Idee gewesen, bei „Celebration“ auf Songs seiner beiden Alben „Can’t Give Up“ (1999) und „Mayday Situation“ (2004) zurückzugreifen, statt die anderer Künstler aufzunehmen.

A 1 Records/SPV (2017)
Stil: Rock/Roadhouse

01. Hey, Hey, Hey
02. Lying
03. You Keep Me Hangin‘ On
04. Don’t Wanna Hear About It
05. Paint It Black
06. Turn My Head Around
07. Wild Horses
08. Wishing Well
09. My Back Pages

Gil Edwards
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