Tim McGraw – Let It Go – CD-Review

Drei Jahre mussten seine Fans warten, jetzt ist es endlich soweit, das neue Album „Let It Go“ von Superstar Tim McGraw ist da! Zu seinen expliziten Stärken gehörte es immer, klug und geschickt die für ihn maßgeschneiderten Songs auszuwählen. Das ist nun mal die bequeme Lage eines Megastars, denn die etablierten Songwriter „bombadieren“ ihn regelrecht mit interessanten Songs. Allerdings sollte auch der hohe Erfolgs-Druck nicht unerwähnt bleiben, denn von einem Tim McGraw erwartet man einfach immer eine starke Leistung. Doch alles kein Problem, das kriegt er auch diesmal wieder bestens hin.

Das Material ist sehr ausgewogen. Viele Balladen, doch eigentlich ist für jeden, der sich in der Countrymusic, welcher Couleur auch immer, heimisch fühlt, etwas dabei. McGraw ist ein Künstler, der immer wieder aufs neue das richtige Gespür für der Geschmack seiner großen Fangemeinde entwickelt, und dies auf höchstem musikalischen Niveau umsetzt. Die Zusammenarbeit mit seiner Liveband, den Dancehall Doctors, hat sich bei den letzten Alben auch im Studio sehr bewährt, was zur Folge hat, daß die Jungs auch diesmal wiede zum Zuge kommen. Man spürt keinerlei Unterschied zu den sonst Nashville-Kreisen involvierten klasse Studio-Musikern. McGraws Band spielt ungemein stark auf.

Lediglich der Langzeit-Weggefährte und Produzent Byron Gallimore, Ehefrau Faith Hill und ein paar arrivierte Backgroundsänger (Wes Hightower, Russell Terrell, Greg Barnhill) bilden dezente Ergänzungen zum exzellent eingespielten Bandgefüge. Die CD startet direkt mit der ersten Single „Last Dollar (Fly Away)“ aus der Feder von Big Kenny (vom ebenfalls angesagten Star-Duo Big & Rich), ein „familienfreundlicher“, melodischer und moderner Midtempo-„Gute Laune-Country-Pop“-Song mit feinem Accapella-Intro und einem lustigen Kinderchor am Schluss, der sich auch schon wieder auf Platz 2 der Billboard Country-Single-Charts positioniert hat und ungeduldig darauf wartet den Thron zu besteigen. „I’m Workin’“ (schöne Komposition vom Singer/Songwriter-Gespann Lori McKenna und Darrell Scott) und der Titelsong „Let It Go“ sind zwei, mit typisch McGraw’scher emotionaler Wärme ausgestattete „Mitfühl“-Songs.

Dass Tim durchaus auch auf traditionellem Countryparkett eine gute Figur abgibt, beweist er bei dem starken „Whiskey And You“ (eine herrliche „Cryin’ in my Beer“-Ballade mit klasse Telecaster-Spiel und hohem Steel-Anteil), „Kristofferson“ (da sagt der Titel eigentlich schon alles – im Stil der großen Country-Ikonen dargeboten) und das abschließende, kräftige „Shotgun Rider“ (sehr interessantes Songwriter-Trio mit Sherrie Austin, Anthony Smith und Jeffrey Steele), bei dem Gattin Faith Hill in bester Dolly Parton-Manier die Harmoniegesänge beisteuert. Hill ist übrigens auch beim „Liebes-Duett“ „I Need You“ in einer Strophe an vorderster Gesangs-Front mit von der Partie.

Interessant auch die nicht so ganz countrytypischen Stücke, wie das soulig, entspannte „Suspicions“ (McGraw singt fast so introvertiert wie einst Robert Palmer, die instrumentelle Note erinnert, wegen des Klasse-E-Spiels am Ende, sogar dezent an Santana) und das folkig angehauchte, großartige „Comin’ Home“, die allerdings trotzdem, vor allem durch die Einbindung von Fiddle und Steelguitar harmonisch im Gesamtbild des Albums ihr Plätzchen finden. Die beiden vielleicht besten Nummern des Albums ergeben sich durch die mittlerweile auch schon obligatorische Zusammenarbeit mit den Warren Brothers.

Zum einen covert McGraw „Between The River And Me“ von deren letztem Werk „Well-Deserved Obscurity“ in ähnlich brillanter, rockiger Form (toll hier die Kombination von Mandoline und satten E-Gitarren-Riffs), zum anderen präsentiert er den voller Outlaw-Flair steckende Country-Southern-Rocksong „Train #10“, den er zusammen mit den beiden Brüdern geschrieben hat. Stark! Fazit:  Tim McGraw (in bestechend guter Gesangsform) und seine prächtig aufspielenden Dancehall Doctors haben mit „Let It Go“ das nächste Hit-Album geschaffen. Garantiert! Qualität und Erfolg stehen hier in einem angemessenen Einklang! Moderne Country-/New Countrymusik der absoluten Spitzenklasse!

Curb Records (2007)
Stil:  New Country

01. Last Dollar (Fly Away)
02. I’m Workin‘
03. Let It Go
04. Whiskey and You
05. Suspicions
06. Kristofferson
07. Put Your Lovin‘ On Me
08. Nothin‘ to Die For
09. Between The River and Me
10. Train #10
11. I Need You (mit Faith Hill)
12. Comin‘ Home
13. Shotgun Rider

Tim McGraw
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Cory Morrow – Ten Years – CD-Review

Cory Morrow, einer der wohl beliebtesten und mit immenser Fanbase ausgestatteten Künstler der texanischen Country-/Alternate Country-/Countryrock-Szene, feiert in 2007 sein „offizielles“ zehn-jähriges „Recording artist“-Jubiläum. Anlässlich dazu gönnt er sich und seinen Anhängern mit “Ten Years“ ein, mit natürlich 10 Titeln bestücktes, prächtiges Album, das sowohl seine Vergangenheit reflektiert (acht ausgewählte Songs vergangener Alben werden in einem vollkommen neu arrangierten, alternativen Gewand präsentiert), als auch sein „aktuelles Doing“ widerspiegelt (mit zwei brandneuen Stücken)! Und diese neuen Arrangements haben es in sich, denn sie weichen stark von den Erstaufnahmen ab. „We had a lot of fun thinking up new ways to play old songs“, sagt Morrow!

Diese neue Art die alten Songs zu spielen, zeigt einen bestens aufgelegten Morrow, der das Material nun in einem noch raueren, kantigeren und rootsigeren Ambiente präsentiert als zuvor, ohne dabei auf einen sehr transparenten, erstklassigen Sound und eine großartige Melodik zu verzichten. Beim klasse 2005er Werk „Nothing Left To Hide“ saß erstmals der großartige Gitarrist (u.a. Dwight Yoakam Band), Songwriter und Produzent Keith Gattis an den Reglerknöpfen. Diese äußerst „fruchtbare“ Zusammenarbeit wurde jetzt auch auf „Ten Years“ weiter fortgesetzt. Alles klingt herrlich erdig, trocken, würzig, unbekümmert, ja manchmal gar rotzig, strahlt viel Energie und ein feines Retro-Feeling aus, lässt dabei aber auch zu keiner Sekunde pfiffige, angesagte und sehr zeitgemäße, intelligente Klangstrukturen vermissen.

Sehr stark beispielsweise das gut abgehende, ordentlich Staub aufwirbelnde, rootsige „Nothing Better“ mit seinem straighten 70iger Retro-Countryrock-Flair (furioses, nach vorn gehendes Drumming, röhrendes Telecaster-Spiel, kreischige Electric-/Slide-Fills), der famose, kraftvoll stampfende Outlaw-Countryrocker „Preacher“ (wieder röhrende E-Gitarre, feiner Storytelling-Gesangstil, sägende Fiddle) die ruhige, entspannte, wunderbar melodische Americana-/Alternate Country-Ballade „Always And Forever“, die bislang lediglich in einer Live-Fassung veröffentlicht wurde (wunderbares Akustikgitarrenspiel, klasse Dobro-Ergänzungen), der knackige, an einen „Tom Petty goes Texas Country“-erinnernde Ohrwurm „Beat Of Your Heart“, der, ein gewisses Bakersfield-feeling versprühende, Roadhouse-/Honky Tonk-Feger ”21 Days” (herrlicher E-Gitarren-/Fiddle-Schlagabtausch), oder die grandiose, von herrlich angerauten Tempo- und Rhythmuswechseln geprägte neue Fassung des von den Fans so heiß geliebten, kultigen Countryrockers „Big City Stripper“, der als eine Art Mischung aus Jack Ingram und Dan Baird dahingroovt (inkl. Mundorgel- und toller, staubtrockener Banjo-Bridge) und die mit stimmungsträchtigen „Handclaps“, Glasklirren und lautem, feucht-fröhlichem Gegröle ausgelassen abgeschlossen wird.

Die beiden tollen, brandneuen Stücke „Spinning Around The Moon“ (dezent bluesig, eigenwillige E-Gitarre, klasse Orgeleinsätze, wechselnde Stimmungen in Strophe und Refrain, sehr melodisch, leicht introvertiert, Marke Radney Foster) und der rasante Countryheuler „I Don’t Want To Get Up“ (wie eine spontane Session, bestehend aus Dwight Yoakam, den Kentucky Headhunters und den Georgia Satellites, herrliches Gibson-/Telecaster-Wechselspiel mit halsbrecherichem Picking von Keith Gattis, unterschwelliges Rockabilly-Flair, klasse Drive zum Mitwippen) zeigen, dass Cory sich momentan wirklich „im vollen Saft“ befindet und weiter unbeirrt seinen Weg geht.

Tolle Standortortbestimmung von Cory Morrow, die seinen bisherigen Fans die alten Erinnerungen auf eine großartige Art und Weise neu auffrischt und aufpeppt, und vielleicht auch so manchem Morrow-Neueinsteigern (Leute, es lohnt sich) als idealer „Schnupperkurs“ dienen könnte. „This album is our way to say ‚Thank you'“, führt Morrow aus! Doch auch wir bedanken uns für Corys tolle Mucke und prosten dem Künstler mit dem ‚lausbubenhaften‘ Charme daher zu seinem gelungenen Jubiläum anerkennend zu. Auf die nächsten zehn Jahre, Cory!

Sustain Records (2007)
Stil: Country Rock

01. Spinning Around the Moon
02. Nothing Better
03. I Don’t Want to Get Up
04. Preacher
05. Always and Forever
06. Beat of Your Heart
07. Drinkin‘ Alone
08. More Than Perfect
09. 21 Days
10. Big City Stripper

Cory Morrow
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Blake Shelton – Blake Shelton’s Barn & Grill – CD-Review

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Dritter Volltreffer des introvertierten „Boy from Oklahoma“ mit dem freundlichen Lächeln! Die großen Akteure des Country-/New Country-Genres leben in der Regel neben ihrer persönlichen Ausstrahlung von ihrer Beständigkeit und dem Gespür für die Sehnsüchte ihres Publikums – und das auf hohem Niveau! Da wird bedingungslos professionell an den eigenen Stärken gefeilt und nicht wie wild herumexperimentiert. Gut so! Für eine solche Arbeit ist Blake Shelton ein Musterbeispiel! Wo Kritiker längst den Einbruch erwarten, wird, oft zur Überraschung vieler, eben noch mal eine Schüppe draufgepackt.

Und so machen das Team um Shooting-Star Blake Shelton und sein Produzent Bobby Braddock mit dem neuen Album „Blake Shelton’s Barn & Grill“ konsequent da weiter, wo sie beim Debütwerk angefangen und dessen Nachfolger „The Dreamer“ aufgehört haben. Sämtliche mit Bedacht ausgewählte Stücke sind Blake wie auf den Leib geschnitten. Er fühlt sich bei deren Performance spürbar wohl. Moderne und Tradition halten mal wieder perfekt die Balance. Während es auf „The Dreamer“ mit „Heavy Liftin’“ noch direkt in die Vollen ging, startet er diesmal mit einem fröhlichen Sommersong mit leicht mexikanischem, bzw. karibischem Flair, der locker dahinrauscht, wie ein relaxter Strandspaziergang, wo einem heiße Senoritas mit langen schwarzen Haaren und kühlen Margheritas entgegen lächeln.

„Some Beach“, so heißt diese Nummer, hat als erste Singleauskoppelung bereits Platz 16 in den Country Billboard Charts erklommen, mit Drang nach oben, und es bedarf keiner prophetischer Eingebungen, dass das Album nicht nur wegen dieses Tracks wohl wieder ein Verkaufsschlager wird. „Nobody But Me“ („The Weight“ von The Band oder „Love Of A Woman“ von Travis Tritt könnten hier Pate gestanden haben), „Love Gets In The Way“ (wunderbare Banjo-Unterlegung), „Goodbye Time“ (mit herrlichem Akustik-Piano) und „When Somebody Knows You Well“ (nette Akustik-Gitarren, dezent Streicher-unterlegt) sind alles kraftvolle Balladen, auf denen Blake in seiner unnachahmlichen Art aus sich herausgehen kann.

Dabei wirkt seine Stimme frischer und kräftiger denn je. Die Musiker wie Brent Rowan, Shannon Forrest, Gordon Mote, Mike Rojas, Paul Franklin oder Jonathan Yudkin, um nur einige zu nennen, leisten Schwerstarbeit, harmonieren aber famos! Für zusätzlichen Pep sorgen die schwungvollen Stücke wie „Good Old Boy, Bad Old Boyfriend“ (der leicht bluesige Country-Rock’N’Roller aus der Feder von Bobby Braddock klingt wie ein Song eines gedopten J. J. Cale) oder „Cotton Pickin’ Time“, einn knackiger, traditioneller Country“rock“-Song mit Slide-Gitarren, tollem Fiddle-Solo, klimperndem Piano und kessen Mundorgel-Einlagen. Da wippt jeder Cowboystiefel unweigerlich mit und jede Country-Kneipe wird zum Tollhaus.

Apropos Country-Kneipe: Die beiden Abschlussstücke „The Bartender“ und „I Drink“ sind echte Barroom-Songs, in denen Blake mit hingebungsvollem Gesang für entsprechende Stimmung sorgt. Zudem zeigt das Booklet ein typisches Lokal dieser Art, wo in neonleuchtender Schrift ein Schild mit der Aufschrift „Blake Shelton’s Barn & Grill“ hinter der Theke zu sehen ist, entsprechend dem Schriftzug auf dem Frontcover. Ob man ihm eventuell zur Neueröffnung seiner eigenen Kneipe beglückwünschen darf, konnte die Recherche nicht klären, doch zu einem weiteren Spitzen-Album kann und muß man es auf jeden Fall! In diesem Sinne: Prost Blake!

Warner Bros. (2004)
Stil: New Country

01. Some Beach
02. Nobody But Me
03. Good Old Boy, Bad Old Boyfriend
04. Love Gets In The Way
05. Goodbye Time
06. Cotton Pickin‘ Time
07. What’s On My Mind
08. When Somebody Knows You That Well
09. On A Good Day
10. The Bartender
11. I Drink

Blake Shelton
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Blake Shelton – The Dreamer – CD-Review

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Blake Shelton macht einem das Leben als Rezensent von „The Dreamer“ aus zwei Gründen nicht gerade einfach: Zum einen setzte er durch sein hervorragendes Debütalbum, mit dem er zweifelsohne in die erste New-Country-Liga aufgestiegen ist, die Erwartungshaltung relativ hoch, zum anderen startet sein Zweitwerk mit dem Auftaktlied „Heavy Liftin'“ derart furios, dass man sich unweigerlich fragt, ob nachfolgend überhaupt noch was annäherndes kommen mag. Temperamentvoller Gesang, rockig stampfender Rhythmus, kreischende Gitarren, dass es einem den Cowboyhut wegfetzt; dieser Song kann nur das Highlight des Jahres werden! Wow! Brent Rowan an den Saiten in Höchstform; der reine Wahnsinn.

Im Sport zeigt sich oft, dass bei vielen Aufsteigern das zweite Jahr das wesentlich Schwierigere darstellt. Nach einer Anfangseuphorie entpuppt sich der Wechsel vom Senkrechtstarter zur Kontinuität meistens als ziemlich problematisch. Auch Blake Shelton tritt nach diesem Anfangsspurt deutlich aufs Bremspedal. Im Laufe der restlichen neun Songs dominiert dann doch der Balladenanteil bis Midtempobereich. Allerdings bewältigt er diese Strecke mit einer unnachahmlichen Art zwischen gesungenem und gefühltem Herzblut („The Baby“, „Asphalt Cowboy“, „The Dreamer“) und einer ganz speziellen Coolness („Georgia In A Jug“, „Playboys Of The Southwestern World“), wie sie auch Dwight Yoakam als Stilmittel öfter anwendet, gemixt mit mexikanischen Elementen, die auch Brooks & Dunn auf ihrem letzten Album schon mal in die Waagschale geworfen haben.

Rockiger wird es dann noch mal bei „My Neck Of The Woods“, auch eine Klassenummer. Insgesamt betrachtet ein recht kurzes, aber gelungenes Werk, bei dem ich jedoch unter Umständen eine etwas andere Reihenfolge der Songs gewählt hätte. Etabliert hat sich Blake Shelton mit einer soliden Leistung im Oberhaus des des Genres damit alle Male. Ich würde sagen: Klassenerhalt sicher geschafft.

Warner Bros. (2003)
Stil: New Country

01. Heavy Liftin‘
02. The Baby
03. Asphalt Cowboy
04. In My Heaven
05. The Dreamer
06. My Neck Of The Woods
07. Underneath The Same Moon
08. Georgia In A Jug
09. Playboys Of The Southwestern World
10. Someday

Blake Shelton
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Blake Shelton – Pure BS – CD-Review

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2,5 Millionen Mal gingen seine ersten drei Klasse-Alben „über die Ladentheke“, jetzt gibt es mit dem neuen Werk „Pure BS“ weiteren Nachschlag von Blake Shelton. Als er im Jahre 2001 mit „Austin“ (seinerzeit war er der erste Countrysänger überhaupt, der mit einer Debütsingle sofort auf Platz 1 der Billboard-Charts schaffte) und seinem ersten Album (auch direkt Platz 3) katapultartig die Szene enterte, mutmaßten wir bereits, dass Blake es sehr schnell in die Riege der ganz Erfolgreichen in Nashville schaffen würde. Seine folgenden, ebenfalls hervorragenden Silberlinge „The Dreamer“ und „Blake Shelton’s Barn & Grill“ untermauerten unsere Voraussage schließlich nachhaltig.

Mit Produzent Bobby Braddock, der von Anfang an an der Reglern saß, und Blake Shelton schien sich ein perfekt harmonierendes und überaus erfolgreiches Duo für knackigen, genauso traditionell verbundenen wie modernen, zeitgemäßen New Country gefunden zu haben. Keiner hätte es Shelton verdenken können, wenn er weiter, wie viele andere Künstler seines Kalibers, konsequent und ohne größeres Risiko den einmal eingeschlagenen Weg weitergegangen wäre. Nicht so jedoch der Neo-Honky Tonker aus Oklahoma. Nachdem in sein Privatleben nach einigen Turbolenzen (Scheidung von seiner Frau) mittlerweile wieder Ruhe eingekehrt ist, entschied er sich mit Brent Rowan und dem „alten Hasen“ Paul Worley neben Braddock zwei weitere Produzenten anzuheuern.

Shelton (auch mit neuer Frisur) spürte laut eigener Aussage, dass etwas passieren musste, auf der anderen Seite aber wollte er das Bewährte nicht völlig in Frage stellen. Dies alles ist absolut nachvollziehbar! Entstanden ist nun mit „Pure BS“ eine clevere und erstklassig umgesetzte Kompromisslösung, die einen Blake Shelton offenbart, dem man durchaus eine gewisse „neue Frische“ und fast noch stärkere stimmliche Ausdruckskraft bescheinigen kann, als dies ohnehin schon der Fall war. Sämtliche Fremdkompositionen (natürlich aus den Federn angesagter Songwriter wie Tom Douglas, Dave Berg, David Lee Murphy, Casey Beathard) sind wie immer mit viel Gespür für Sheltons Persönlichkeit ausgewählt worden, aber auch Blake selbst (mittlerweile Jury-Mitglied bei „Nashville Star“) glänzt wieder mit drei Eigenkompositionen.

Jeder der beteiligten Produzenten beanspruchte für seine Songs einen expliziten Musikerkreis (dadurch agieren zum Beispiel drei verschiedene Drummer, alle restlichen Instrumentalisten in jedem Team gehören ebenfalls zu 1A-Garde von Music City), wobei Braddock Brent Rowan bei seiner Mannschaft als Gitarrist mit integrierte.

Worley betreute beispielsweise den furiosen Opener „This Can’t Be Good“ (Toller, etwas southern-inspirierter, kraftvoller New Countryrock der Marke Trace Adkins), das piano-lastige, ruhigere „Bad There Again“ und das introvertierte „What I Wouldn’t Give“ im Midtempobereich; Rowan setzte mit der sich bereits auf dem Vormarsch in obere Chart-Regionen befindenden Single „Don’t Make Me“ (sehr melodisch, schöne Mandoline, tolle Harmonies) und dem Gute Laune-Saloon-Song „The More I Drink“, dem dezent keltisch angerauten „She Don’t Love Me“ (ist auch auf dem letzten Album von Billy Ray Cyrus vertreten), und dem mit texanischem Roots-Flair behafteten Chris Knight-Cover „It Ain’t Easy Bein‘ Me“ (grandios mit Slide, Mandoline, Steel und Akustikgitarre instrumentiert) vielleicht die stärksten und aufsehenerregendsten Akzente.

Braddock produzierte die schöne Ballade „I Don’t Care“, die in bester „Austin“-Manier daherkommt, sowie die zwei wunderbar melodische Stücke mit Retrotouch („I Have Been Lonely“ – recht rockig, tolle Harmonies von Rachel Proctor, die das Lied mit Blake zusammen komponiert hat; „She Can’t Get That“ – eher relaxt, mit deneznten Westcoast und bluesigen Einlagen, klasse E-Gitarren-Spiel von Rowan), und den exzellenten, honky-tonkigen Rausschmeißer am Ende, „The Last Country Song“, bei dem die Country-Ikonen George Jones und Jon Anderson stimmlich mit eingebunden sind. Da wird kräftig zusammen gegrölt und geklatscht. Ein herrlicher Abschluss!

Blake Shelton hat mit „Pure BS“ wieder alles richtig gemacht und vielleicht sein bislang bestes Album abgeliefert. Er wirkt sehr frisch, befreit, ist vokal in blendender Verfassung und seine Arbeit mit dem Produzenten-Drei-Gestirn Bobby Braddock, Brent Rowan und Paul Worley funktioniert hervorragend. Ein glänzendes Werk, das qualitativ und verkaufstechnisch vollkommen zu Recht seinen Charts-Spitzenplatz-Anspruch in den kommenden Wochen geltend machen wird. Jawohl, diese klasse Musik ist „Pure Blake Shelton“!

Warner Bros. (2007)
Stil: New Country

01. Can’t Be Good
02. Don’t Make Me
03. The More I Drink
04. I Don’t Care
05. She Don’t Love Me
06. Back There Again
07. It Ain’t Easy Bein‘ Me
08. What I Wouldn’t Give
09. I Have Been Lonely
10. She Can’t Get That
11. The Last Country Song

Blake Shelton
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Montgomery Gentry – Folks Like Us – CD-Review

Die „rockin‘ Southern Country-Recken“ endlich mit einem neuen Album! „Folks Like Us“ ist das nunmehr 8. Studiowerk des beliebten Duos Troy Gentry und Eddie Montgomery, und, wow, was hat diese Scheibe für eine Power, was rocken die los. Countryrock-Dampf pur! Erneut ist es die beeindruckende Konstanz in der Qualität ihrer Leistungen, die auch diesen Longplayer auszeichnet. Es gibt nir wenige Interpreten in der Szene, die über so viele Jahre konsequent ihren Stil durchziehen und ein Album nach dem nächsten, ohne einen einzigen Hänger, auf höchstem Level abliefern.

Auch auf „Folks Like Us“ bleiben sich die beiden, ursprünglich aus Kentucky stammenden Freunde treu und scheren sich einen Kehricht um die aktuellen, kommerziellen Trends in Music City. Sie machen einfach da weiter, wo sie vor vier Jahren mit „Rebels On The Run“ aufgehört haben und ziehen ihren auf unterschiedlichen Gesangscharakteren aufgebauten Southern Country Rock ohne Kompromisse durch.

Produziert hat wieder Michael Knox, bekannt vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Jason Aldean. Mit Rich Redmond (Drums), Tully Kennedy (Bass) und Kurt Allison (Electric guitar) ist gleich auch Aldeans Begleitband mit am Start, unterstützt von weiteren Klassemusikern wie Adam Shoenveld (Electric guitar), Mike Johnson (Steel), Tony Harrell (Keyboards), Danny Radar (Acoustic guitar, Banjo), John Willis (Acoustic guitar, Bouzouki, Banjo) und den Backgroundsängern/-innen Perry Coleman, Tania Hancheroff und Shalacy Griffin.

Wie so oft, ist mit Chris Robertson, Frontmann der Rockband Black Stone Cherry, ein prominenter Gast an Bord, der auf dem großartigen, swampigen, genauso harten, wie melodischen „Back On A Dirt Road“ einen furiosen (Gesangs-) Dreier mit den beiden Hauptprotagonisten hinlegt. Beeindruckend ist die unglaubliche Wucht, die Knox diesmal in die Produktion gelegt hat, mit der das Duo aber erstaunlich gut klar kommt.

Der Sound bleibt trotz der fetten Drums-/Bass-Power von Redmond und Tully sowie den furios aufspielenden E-Gitarristen Allison und Shoenveld (fette Rhythmusarbeit, klasse Fills, tolle Soli) immer transparent und klar. Dadurch sind die vielen feinen Ergänzungstupfer mittels Orgel und Saiteninstrumenten sowie Akustikgitarre, Banjo und Bouzouki jederzeit deutlich wahrnehmbar. Es lässt die Musik von Montgomery Gentry, auch ohne große neuzeitliche Effekte, noch frischer und moderner wirken. Ganz starker Job von Knox!

Erwähnenswert natürlich auch wieder die gute Songauswahl (kreiert durch alles, was Rang und Namen in Nashvilles Songwriter-Riege hat – u. a.Wendell Mobley, Brett James, Jeffrey Steele, Brett Beavers, Chris Stapleton, David Lee Murphy, Russ Copperman), die dem Duo wie auf den Leib geschnitten erscheint.

Vom Opener „We Were Here“ (Power-Midtempostück mit dezenter Heartland-Note), über das in Aldean-Manier gebrachte „Headlights“, der schönen, richtig knackigen, southern-mässigen Country (Rock) Ballade „In A Small Town“ (herrliche Slide guitar, echter Ohrwurm), bis zum finalen „That’s Just Living“ (ein Song über die Höhen und Tiefen des Lebens – und gerade Eddie Montgomery kann nach überstandenem Prostata-Krebs, Scheidung seiner Ehe und der abrupten Schließung seiner Restaurants ein Lied davon singen…), bekommt man im Prinzip genau den Stoff, den man beim Erwerb eines MG-Albums auch erwartet.

Das wundervolle „Two Old Friends“, der southern-rockige Titelsong „Folks Like Us!“, das nachdenkliche, aber mit positiver Energie gebrachte „Pain“, sowie das flippige, Big & Rich-typische „Hillbilly Hippies“, und auch das wunderbar atmosphärische „Better For It“ (klasse Stimmungs- und Tempovariation, herrlicher Orgelhall, Steeltupfer, Harmoniegesänge, bluesiges E-Gitarren-Solo) überzeugen auf ganzer Linie. In der Regel werden bei den meisten Tracks die Strophen von Bariton Eddie Montgomery übernommen, während Tenor Troy Gentry vornehmlich in den Powerrefrains seine Akzente setzt. Das passt immer wieder gut zusammen und ist sicher auch ein Grundbaustein ihres Erfolges.

Montgomery Gentry präsentieren sich auch auf ihrem achten Werk „Folks Like Us“ in überragender Form und bleiben wohl seit dem Ende von Brooks & Dunn auf diesem Sektor weiter unangefochten die Nr. 1 in Nashville. Producer Michael Knox und die starken Musiker geben dem Duo diesmal dabei einen noch markanteren, entscheidenden Kick (nach vorne). Absolut begeisternder Stoff! Montgomery Gentry at their best!

Blaster Records (2015)
Stil: New Country

01. We Were Here
02. Headlights
03. In A Small Town
04. Back On A Dirt Road
05. Two Old Friends
06. Folks Like Us
07. Pain
08. Hillbilly Hippies
09. Better For It
10. That’s Just Living

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Shannon Brown – Corn Fed – CD-Review

Damen-Power an der New Country-Front! Shannon Brown wuchs in Spirit Lake, Iowa, einer wunderschönen, ländlichen Gegend auf, als Tochter musikbegeisterter Eltern, die in ihrer Heimatstadt und deren Umgebung auch einige Clubs besitzen. Ihr Vater, Gitarrist und Bandleader, entdeckte das Gesangstalent seiner Tochter erst im Alter von 17 Jahren, als sie an Karaoke-Abenden das Publikum regelmäßig in Hochstimmung versetzte. Fortan wurde an der Karriere Shannons fleißig gebastelt, teils mit über 180 Auftritten im Jahr. 1994 ging sie nach Nashville, sang bei Songwriter-Demos, und 1997 schien schon der große Durchbruch geschafft zu sein.

Der bereits unterzeichnete Platten-Deal mit der RCA Label Group scheiterte jedoch an diversen Umstrukturierungsmaßnahmen. Der endgültige Start ihrer Karriere begann dann aber 2004, als sie und ihr Ehemann bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung mit John Rich, vom mittlerweile mega-angesagten Duo Big & Rich, zufällig an einem Tisch saßen. Die musikalische Chemie stimmte sofort, und man produzierte zusammen ein 3-Stücke-Demo, das Warner Brothers Chef Paul Worley unmittelbar zum Vertragsabschluss veranlasste. Kein schlechter Einstieg, direkt mit einem Major Label-Deal, aber zurecht, wie der Verlauf ihres großartigen Debütalbums verdeutlicht.

Rein äußerlich, wie auch der Titel „Corn Fed“ (Mais-genährt) wohl metaphorisch andeutet, verkörpert die hübsche Shannon Brown das naturverbundene Cowgirl, eine Art Terri Clark, nur ohne den obligatorischen Cowboyhut und in blond. Musikalisch, und das dürfte sicher auch ein Verdienst John Richs, der das Album produzierte, sein, bietet sie dank ihrer sehr variablen Stimme ein facettenreiches, modernes Werk, fernab allzu traditioneller Nashville-Standards, ohne aber je einen Zweifel aufkommen zu lassen, was der Hauptfokus ihrer Musik ist, nämlich ganz klar „Country“! An gut der Hälfte der Songs war sie selbst beim Songwriting beteiligt.

Die beiden Eröffnungsstücke „Corn Fed“ und „Big Man“ tragen sofort die Handschrift von John Rich, der direkt den kraftvollen, rockig-hippen Sound, bespickt mit Effekten (u.a. sogar wiehernde Pferde), auf die Songs überträgt, wunderbar in Szene gesetzt mit Power-Drummer Brian Barnett, dem Klasse E-Gitarristen Adam Shoenveld und den beiden Star-Instrumentalisten Mike Johnson (Steel) und Jonathan Yudkin (Fiddle, Madoline, Banjo, Strings), die ja auch auf den Big & Rich-Werken bereits kräftig mitgemischt haben. Shannon überzeugt sofort mit ihrer leicht angerauten, kratzig-heiseren Stimme, die ein wenig Kolleginnen wie Shelly Fairchild, Gretchen Wilson oder auch Eve Selis zu ähneln scheint.

Vereinzelt erinnert ihr Vibe zudem an eine energische Martina McBride! Das sehr melodische und textlich mit vielen prominenten Namen bestückte „High Horses“ beinhaltet die Message, dass bei aller Konkurrenz im Business, man auch in Nashville in einem Boot sitzt, und von daher zusammenrücken sollte. Das Shannon auch im Balladenbereich den großen Damen ihrer Zunft, wie Faith Hill oder Martina McBride, in nichts nachsteht, beweist sie nicht nur bei „Turn To Me“, einer richtigen Power-Ballade, bei der sie voluminös im Refrain zu glänzen weiß. Toller Song! Co-Writerin des Liedes ist übrigens Gretchen Wilson!

Herrlich rhythmisch und recht poppig gut gelaunt geht’s bei „Can I Get An Amen“ zu. Dann wieder so ein typisches Break der Marke Rich. „Good Ole Days“ kommt als abgefahrene, funkige Nummer mit Discogroove daher, erzeugt aber durch eine heulende Steelgitarre ein Flair, als wenn ein weiblicher James Brown plötzlich die Countrymusik für sich entdeckt hätte. So ein richtig swingender Barroom-Retro-Heuler ist „I Love ‚Em All“, technisch prächtig mit Dobro, Fiddle und typischem Honkytonk-Piano umgesetzt. Faith Hill lässt wieder ein wenig bei „Why“ (bombastische Ballade mit Streichern) und dem emotional poppigen, mit Mandolinen verzierten „Pearls“ grüßen.

Ein erneutes stilistisches Break könnte man mit „She Brings The Lightning Down“ assoziieren, aber auch hier schafft es John Rich meisterhaft, bluesige Memphis-Atmosphäre und Countryklänge harmonisch miteinander zu vereinen. Den Abschluss bildet das autobiografische „Small Town Girl“, das Shannon’s ländliche Roots textlich wie auch instrumentell (klasse Mandoline und Dobro) entspannt reflektiert.

„Corn Fed“ ist eine insgesamt sehr abwechslungsreiche CD geworden. Shannon Brown besitzt nicht nur viel künstlerisches Potential, hier könnte ohne Übertreibung ein weiterer, großer weiblicher Top-Act vom Kaliber Shania Twain, Faith Hill, Gretchen Wilson oder Martina McBride in den Startlöchern stehen. Der Anfang ist mit einer Klasse-Leistung jedenfalls vollbracht!

Warner Bros. (2006)
Stil: New Country

01. AM Radio
02. Corn Fed
03. Big Man
04. High Horses
05Turn To Me
06. Can I Get An Amen
07. Something Good
08. Good Ole Days
09. I Love ‘Em All
10. Why
11. Pearls
12. She brings The Lightning Down
13. Small Town Girl

Shannon Brown
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Burns & Poe – Same – CD-Review

2 CD-Set! Neues, gemischtes, saustarkes, in Nashville ansässiges Duo mit einem tollem Debüt, gleich als Doppel-CD! Burns & Poe, alias Keith Burns und Michelle Poe sind allerdings alles andere als Unbekannten in der Country-/New Country-Szene. Keith Burns war einst Part des mega-erfolgreichen, Grammy-nominierten und mehrfach Awards-belohnten Trios Trick Pony und hat sich auch als Songwriter für besagte Band sowie jede Menge weitere, namhafte Interpreten wie beispielsweise Joe Diffie, Hootie & The Blowfish, Sammy Kershaw und Anita Cochran einen großen Namen gemacht.

Michelle Poe ist gelernte Bassistin und wurde immerhin schon für die Tourbands solcher Top-Acts wie Dierks Bentley oder Hank Williams jr. angeheuert. Nachdem Heidi Newfield beschlossen hatte, Trick Pony zugunsten ihrer Solo-Karriere zu verlassen, war Poe bereits als Nachfolgerin auserkoren worden. Letztendlich wurde es dann aber mit der Weiterführung von Trick Pony doch nichts und so beschlossen Keith und Michelle kurzerhand als Duo zusammenzuarbeiten.

Ein Entschluss, den sie wahrlich nicht zu bereuen brauchen, wie ihr 14 Stücke umfassendes Pracht-Debüt eindrucksvoll beweist (eigentlich sind es sogar 16 Songs – der letzte Track besteht aus einem drei Lieder umfassenden, klasse Unplugged-Live-Medley, in dem sie berühmten Duos wie Kenny Rogers/Dolly Parton, David Frizell/Shelly West und Sony & Cher die Ehre erweisen, aber auch direkt deutlich machen, dass jenen „das Wasser problemlos gereicht werden kann“ – großartig vor allem die Performance von „Islands In The Stream“). Mit der Produktion wurde Mark Oliverius betreut, der dazu mit starken Piano-/Keyboardleistungen (neben einigen bekannten Musikern wie u.a. Chris Leuzinger, Lonnie Wilson und Jimmy Carter) aufwartet und auch den Opener und die erste Single des Werkes, „“Don’t Get No Better Than This“ (einen flotten, kraftvollen, modernen New Country-Feger in bester Trick Pony-Tradition mit launigem Sprechgesang) mitkomponiert hat.

Keith Burns ist bis auf eine Ausnahme und den Medley-Tracks in allen Liedern kompositorisch involviert, Michelle Poe kann immerhin auf fünf Song-Beteiligungen verweisen. Die CD 1 legt den Fokus mehr auf den Lead-Gesang eines der beiden Protagonisten, wobei der Partner jeweils großartige Background- oder Harmoniegesänge beisteuert, die CD2 dagegen besteht hauptsächlich aus Duetten.

Die Stimme des smarten, gepflegten Drei-Tage-Bart-Trägers Keith Burns versprüht ein wohliges, sehr erwärmendes Don Henley-Espirit, was dem einen oder anderen Song damit durchaus ein unterschwelliges Eagles-Ambiente (z.B. „How Long Is Long Enough“, die zweite ausgekoppelte Single mit tollen Harmonies von Burns, der schöne Countryschwofer „Slow & Easy“, bei dem der Titel eigentlich schon alles sagt, sowie dem ein wenig an „Tequila Sunrise“ erinnernden „Baby Can I Do It Again“) verleiht.

Michelle Poe klingt im Vergleich zu Heidi Newfield weniger frech und angriffslustig, setzt mehr die Akzente in den klassischen Tonlagen der Diven wie Martina McBride, Patty Loveless & Co. (grandios vor allem ihre Leistung bei der herrliches Southern-Flair versprühenden Ballade „Is This Lonely“), kann aber je nach Art und Tempo der Stücke auch mal die „Krallen ausfahren“ (so beispielsweise beim Line Dance-tauglichen „Life’s Too Short“, „Big Truck“ oder dem treibenden, von fetten E-Gitarren dominierten Rocker „Gone As All Got Out“). Ähnlich wie beim stetigen Gesangswechsel der beiden Akteure wurde auch bei der Tempi-Gestaltung und Songanordnung immer auf große Variabilität Wert gelegt, wodurch ein äußerst kurzweiliges, knackiges und jederzeit melodisches Gesamtergebnis erzielt wurde, das letztendlich durch o.a. Medley zusätzlich noch aufgewertet wird.

Eine klasse Sache und äußerst gelungener Einstieg für die beiden Protagonisten. Trick Pony war gestern, Burns & Poe sind heute! Eine tolle Alternative und starke Konkurrenz für die aktuellen „Marktführer“ und ähnlich ausgerichtete, wieblich/männlich gemischte Acts wie Sugarland, Lady Antebellum, Little Big Town, Gloriana, Thompson Square, Steel Magnolia & Co. Unser größter Respekt für diesen fulminanten Einstieg. Weiter so, Burns & Poe!

MRI (2011)
Stil:  New Country

Disc 1
01. Don’t Get No Better Than That
02. How Long Is Long Enough
03. Ain’t It Amazing
04. Big Truck
05. Is This Lonely
06. Life’s Too Short
07. Gone As All Get Out

Disc 2
01. Second Chance
02. Slow & Easy
03. It’s Always A Woman
04. Move On
05. Baby Can You Do It Again
06. Macon, GA
07. Live Acoustic Medley:
Islands In The Stream/You’re The Reason God Made

Bärchen Records

Shawn Camp – Fireball – CD-Review

Drittes Studioalbum des aus Perryville, Arkansas stammenden, in Nashville ungemein viel ansehen genießenden Singer/Songwriters, Gitarristen und Multiinstrumentalisten Shawn Camp! Camps Karriere als Profi-Musiker begann 1987, als der Sohn zweier musikbegeisterter Eltern im Alter von zwanzig Jahren nach Nashville umzog. Er spielte zunächst Gitarre in den Touring-Bands von Alan Jackson, Shelby Lynne und Trisha Yearwood. Als er Yearwood 1991 verließ, begann er sich auf seine Solokarriere zu konzentrieren.

Nach zwei Top 40-Single-Erfolgen erschien 1993 sein erstes Album. Der bereits eingespielte Nachfolger wurde vom Label gestoppt. Shawn arbeitete fortan als Session-Musiker, und war auf Werken von Nanci Griffith, John Prine und Guy Clark mit von der Partie. Mittlerweile wurden viele namhafte Interpreten auch auf seine Songwriter-Qualitäten aufmerksam. Für Garth Brooks landete er mit „Two Pina Coladas“ und für Brooks & Dunn mit „How Long Gone“ jeweils Nr. 1 Hits, was ihn in die bequeme Lage versetzte, sein eigenes Label „Skeeterbit Records“ gründen zu können. Für „Fireball“ hat er diesmal viele langjährige Freunde wie Mark D. Sanders, John Scott Sherrill, Billy Burnette, Phillip White, Pat Mclaughlin um sich versammelt, und sowohl kompositorisch wie auch instrumentell eingebunden.

Herausgekommen ist ein klasse, recht traditionell gehaltenes Country-/New Country-Werk, das eine höchst interessante Ansammlung sehr variantenreicher, teils angenehm abseits vom allzu glatten Mainstream angesiedelter, überwiegend schön flott gehaltener, reiner Countrynummern besteht, deren Bandbreite vom Bakersfield-Sound eines Dwight Yoakam, dezenten Rockabilly-Anlagen, staubigem Texas Outlaw-Singer/Songwriter-Country, bis hin zu, vor allem gegen Ende des Albums, ein paar sehr schön arrangierten, semi-akutsischen, bluegrassig angehauchten, voller Appalachian-Flair steckenden Songs reicht.

Die einzige Ballade, „Love Ain’t Leavin’“ glänzt durch atmosphärisches Dobro- und Harmonika-Spiel – wunderbar dabei der weibliche Background-Gesang von Amber White. Alle anderen Stücke bestechen durch kraftvolles Drumming (u.a. Chad Cromwell, Kenny Malone), ebenso flotte Bassläufe, klares Akustikgitarrenspiel, dumpfes E-Piano, pfeifende B-3 Organ, reichhaltige Steel-und Fiddle-Einlagen, und immer wieder die klug eingebrachte E-Gitarrenarbeit von Mr. Camp selbst. Camps individueller, charmant „kauziger“ Gesangstil passt zu seinen interessanten, musikalischen Kreationen optimal.

Highlights in einem durchweg auf hohem spielerischen Niveau stehenden Silberling sind der großartige Title-Track „Fireball“, ein knackiger Honkytonk-Countryheuler an der Schnittstelle eines fetzigen, frühen Vince Gill und Dwight Yoakam liegend, mit hervorragend integriertem Lap Steel-Spiel (Dan Dugmore); das an fröhliche Zigeuner Lagerfeuer-Romantik erinnernde „Love Crazy“; das rhythmisch stampfende, rootsige, Outlaw-mäßige „Waitin’ For The Day To Break“ (schönes E-Gitarren-Solo, unterschwelliges J.J. Cale-Flair), das ungemein druckvolle „Hotwired“, und das mit Liebe zum Detail ausgestattete, herrliche, frische Bluegrass-/Acoustic Country-Stück „Would You Go With Me“. Hier beweist Shawn auch sein filigranes Können an der Mandoline, ebenso stark hier die knackige Banjo-Performance von Scott Vestal! „Beagle Hound“, mit Spielereien wie eröffnendem Hundegeheul, und das abschließende, feucht-fröhliche „Drank“ mit Korken-Knallen und Flaschen-Gluckern können unter der Rubrik „Songs mit Gute-Laune-Faktor“ verbucht werden und zeigen zudem Shawn’s Sinn für Humor.

Der Vollblut-Musiker Shawn Camp beweist mit „Fireball“ einmal mehr, welches vielseitige Talent in ihm steckt. Dabei zeigt er auch, dass man mit recht unkonventionell gestalteter Countrymusik absolut hochqualitative und sehr interessante Ergebnisse zustande bringen kann. Auf Insider und Shawn-Kenner wird der „Feuerball“ die gewohnte Camp-typische Anziehungskraft ausüben, für Leute, die mal einen Blick über den Nashville-Standard-Tellerrand werfen möchten, ein ganz heißer Geheimtipp!

Skeeterbit Records (2006)
Stil:  Country Rock

01. Fireball
02. Tulsa Sounds Like Trouble To Me
03. Love Crazy
04. The Way It Is
05. Fallin’ For You
06. Waitin’ For The Day To Break
07. Hotwired
08. Beagle Hound
09. Would You Go With Me
10. Love Ain’t Leavin’
11. Nothin’ To Do With You
12. Just As Dead Today
13. Drank

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Tammy Cochran – Where I Am – CD-Review

Neues Album der sympathischen, ausdrucksstarken Sängerin aus Nashville! Tammy Cochrans Leben war bis jetzt immer wieder von „Ups and Downs“ geprägt. So musste Sie beispielsweise den Verlust ihrer beiden Brüder durch eine unheilbare Krankheit, wie auch eine gescheiterte Ehe verkraften.

Ihre musikalische Karriere startete vor einigen Jahren mit der Single „Angels In Waiting“ (die den Tod ihrer Brüder behandelt) von ihrem Debütwerk wie ein Paukenschlag, doch nach dem unverständlicherweise mäßigen kommerziellen Erfolg ihres nachfolgenden Albums „Life Happened„, wurde ihr damaliger Major Label-Vertrag schnell wieder aufgekündigt. Mittlerweile ist die auch sozial stark engagierte, attraktive Blondine bei einem kleinem Independent-Label gelandet und präsentiert uns jetzt mit „Where I Am“ quasi eine Bestandsaufnahme ihrer aktuellen Schaffensphase.

Musikalisch gesehen ist ihre neue CD nicht so weit weg vom Vorgänger, das heißt feiner, von viel Gefühl geprägter, emotionaler New Country-/Country-Pop! Tammy, das ist ein Novum und unterstreicht auch diesbezüglich ihr Talent, ist diesmal kompositorisch komplett in alle Songs involviert (mit diversen Co-Writern wie Patricia Gray, Tommy Polk, Verlon Thompson und Steve Bogard) und reflektiert naturgemäß viel Persönliches in ihren, wie immer intelligent strukturierten Texten.

„This Is the album I always wanted to do, where I could share things about myself that I never get to when I’m onstage entertaining. I have always gotten a huge positive reaction during my shows to songs that I have written myself, and the tunes here are an extension of that. I put a lot of personal feelings and real life experiences into these songs“, so die kurze Analyse der Künstlerin selbst.

Die Stücke bewegen sich fast alle im entspannten Midtempo- und Balladen-Bereich, sind wunderbar mit allen Country-typischen Zutaten (u. a. viel Steelguitar, Mandoline, Banjo und schöne, klare Piano-Untermalung) versehen, wobei die beiden Produzenten Mark Thompson und Anita Cochran (nicht mit Tammy verwandt) neben ein paar prominenten Musikern, wie Steve Turner (Drums), der brillant spielende Tony Harrell (Piano, Organ) und Mike Johnson (Steel) auch den Löwenanteil der instrumentellen Arbeit übernommen haben.

Ein wenig vom Leitfaden des Albums abdriftend sind vielleicht die etwas poppig angehauchten Nummern wie der Opener „So Long“ (erinnert stark an Chely Wright-Stücke), „And More“ (gute Slide E-Gitarren-Arbeit, schönes E-Gitarren-Solo) und das abschließende, flockige, herrlich melodische „Chemistry“ (lockere E-Gitarre a la Vince Gill, glasklare Piano-/Orgel-Begleitung, Steel-Tupfer), das fröhliche, frische „The Ride Of Your Life“ (klasse Steel-, Banjoarbeit, starkes Baritone-E-Gitarren-Spiel) und das bluesige „As Soon As I’m Over You“ im leichten Bonnie Raitt-/Wynonna-Ambiente (sehr kräftige Gesangs-Performance von Tammy).

Center des Werkes ist natürlich der autobiografische Titeltrack „Where I Am“, ein traditioneller Countrysong mit recht emotional vorgetragenem Feeling, der auch als einzigster mit Text abgedruckt ist. Tammy Cochran hat sich mit „Where I Am“ in recht persönlicher Art und Weise zurückgemeldet. Ein schön instrumentiertes Album, das vom Zuhörer immer die ihm gebührende Aufmerksamkeit abfordert und dementsprechend einen tiefen Eindruck hinterlässt. Bester Stoff für die Anhänger ausdrucksstarker Interpretinnen wie Chely Wright, Martina McBride (ihre balladeske Seite), Reba McEntire, Wynonna, LeAnn Rimes & Co.!

Shanachie Records (2007)
Stil:  New Country

01. So Long
02. And More
03. Nobodies Home
04. Gone
05. The Ride Of Your Life
06. Where I Am
07. On My Side Of The World
08. As Soon As I’m Over You
09. In Our House
10. High Wire
11. Long Way Down
12. Chemistry

Tammy Cochran
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