Blake Shelton – Fully Loaded: God’s Country – CD-Review

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Obwohl ich Blake Shelton seit Beginn seiner Karriere 2001 immer auf dem Radar habe (sein früher Song „Heavy Liftin'“ zählt immer noch zu einem meiner Alltime-Favorites), habe ich ihn seit dem letzten Review 2014 zu „Bringing Back The Sunshine“ doch ein wenig aus den Augen, beziehungsweise den Gehörgängen verloren.

Mir sind dabei natürlich seine Awards-Erfolge, Grammy-Nominierungen, die Präsenz bei TV-Formaten wie ‚Nashville Star‘ oder ‚The Voice‘ und auch seine medienträchtigen (Ehe)-Partnerinnenwechsel von Jugendfreundin Kaynette Gern, über Miranda Lambert zu aktuell Gwen Stefani, nicht verborgen geblieben.

Allerdings dafür seine letzten beiden Alben „Texoma Shore“ und „If I’m Honest“. Von daher stellt sein neuer Silberling „Fully Loaded: God’s Country“ für mich persönlich, auf dem sich sieben Tracks besagter Werke, plus fünf neue befinden, kein Problem dar. Wie Leute die Geschichte sehen, die diese schon besitzen, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Immerhin beinhaltet die aktuelle CD an neuen Sachen die frisch gekürte Single des Jahres bei den CMA-Awards „God’s Country“. Ein Pathos-getränkter, mit Kirchengeläut hinterlegter starker Southern-Stampfer mit den an guten alten Charlie Daniels reminiszierenden Zeilen „… the devil went down to Georgia, but he didn’t stick around, this is god’s country…“. Gott geht bei den Amis immer, von daher ist der Erfolg kein Wunder. Ehrlich gesagt, wirklich auch aus atheistischer Sicht ein starker Song!

Das folgende „Hellride“ mit typisch brummigem Sprechgesang von Trace Adkins und stadiontauglichem Mitsing-Refrain (schönes Skynyrd-Kurz-Gitarren-Bridge) macht ebenfalls Laune.

Mit dem Schmacht-Duett „Nobody But You“, stimmlich versüßt durch seine  Flamme Gwen Stefani, wird der Katalog der Hochzeitslieder um einen weiteren potentiellen Kandidaten erweitert.

Danach gibt es dann sieben Mal am Stück recht gut ausgewählte Lieder der besagten beiden Voralben, wovon mir das flockige „I’ll Name The Dogs“ (klasse Mandolinenfills), die melancholische Countryballade „I Lived It“ und das herrlich atmosphärisch groovende „Turnin‘ Me On“ (wunderbare Stratocaster-Begleitung) besonders gefallen.

Am Ende gibt es mit „Jesus Got A Tight Grip“ (nochmals ein launiges Bekenntnis für die christliche Fangemeinde) und der Neuversion des Bobby Bare-Tex-Mex-Mitsing-Schunklers „Tequila Sheila“ neuen Shelton-Stoff (natürlich wieder 1a eingesungen und eingespielt sowie sauber produziert von Langzeitweggefährte Scott Hendricks).

Blake Sheltons „Fully Loaded: God’s Country“ erweist sich für Leute wie mich, die seine letzten beiden Alben nicht haben, wie aus einem Guss. Für alle anderen hat die Scheibe, gerade im Hinblick auf solch einen Superstar mit Majorlabel im Rücken, ein dezentes ‚Geschmäckle‘. Da wäre ein komplett neues Album sicherlich die sauberere Variante gewesen…

Warner Bros. (2019)
Stil: New Country

01. God’s Country
02. Hell Right (feat. Trace Adkins)
03. Nobody But You (Duet with Gwen Stefani)
04. Came Here To Forget
05. She’s Got A Way With Words
06. A Guy With A Girl
07. Every Time I Hear That Song
08. I’ll Name The Dogs
09. I Lived It
10. Turnin‘ Me On
11. Jesus Got A Tight Grip
12. Tequila Sheila

Blake Shelton
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Oktober Promotion

Buddy Jewell – Same – CD-Review

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Die ultimative Steigerung der mittlerweile auch in unseren Landen unerträglich um sich greifenden Horror-Casting-Shows wäre sicherlich ‚Deutschland sucht den Volksmusikstar‘. Im übertragenen Sinne wäre Buddy Jewell hier das amerikanische Pendant dazu, denn er ist Sieger von ‚Nashville Star‘, aber Gott sei Dank haben die Amis ja ein etwas anderes Verständnis, was Musik aus ihrer Heimat anbelangt. Und so hat dort auch ein 42-jähriger gestandener Cowboy das Rennen gemacht.

Sony ließ im Zuge des zu erwartenden Erfolges natürlich nichts anbrennen und stellte Buddy Jewell für seine Debüt-CD das Star-Ensemble der Studiomusiker – von meinen Kollegen so liebevoll als Nashville-Mafia bezeichnet – an die Seite. Und die glänzenden Kritiken aus allen Himmelsrichtungen scheinen auf eine späte, aber sehr aussichtsreiche Karriere hinzudeuten.

Mein Gesamteindruck des Werkes ist mit einigen Abstrichen verbunden, aber im Groben und Ganzen auch postiv. Mit „I Wanna Thank Everyone“ scheint Buddy noch mal einen Diener vor allen Beteiligten, die seinen Erfolg ermöglichten, zu machen. Toller rhythmischer Honkytonk-Kracher mit klirrendem Piano und tollen E-Gitarren, wie er flockiger nicht sein könnte. Auch „Sweet Southern Comfort“ ist ein Stück der Extraklasse. Eine typische Südstaatenhymne, mit viel Atmosphäre und starkem Text vorgetragen, die unter die Haut geht. Wunderbare Banjo- und Harmonikaklänge, sowie Buddies einfühlsame Stimme machen diesen Song zum Klassiker, auch Südstaatenrockfans sollten sich das Lied mal reinziehen.

Klasse die Uptemponummern „Abilene On Her Mind“ und „One Step At A Time“, die ziemlich flott an einem vorbeiziehen. Auch das Stück von Produzent Clint Black setzt der CD noch mal seinen Stempel auf. Endlich können sich die Mafiosis, …äh, Studiomusiker mal ausleben. Ein regelrechter Schlagabtausch zwischen E-Gitarre, Fiddel, Piano und Steelgitarre. Geht sehr gut ab.
Das Werk enthält aber auch einige recht langweilige Balladen und Heuler. Bei „Today I Started Loving You Again“, einem Duett mit Miranda Lambert, einer weiteren 19-jährigen Wettbewerbsteilnehmerin, verfolgt einen der Refrain lange über das Ende des Albums hinaus. Der ist so kitschig und schnulzig, bohrt sich aber ins Gehirn wie eine Made in den Speck, so dass ich mich schon morgens im Auto dabei ertappte, wie ich ihn vor mich hinträllerte.

„O’Reilly Luck“ klingt ein wenig nach Charlie Daniels zu „Simple Man“-Zeiten mit keltisch angehauchtem Lalala-Chorus, den ich recht nervtötend finde. Ziemlich überflüssig die Nummer „Why We Said Goodbye“, die Tim McGraw schon vor zwei Jahren auf „Set This Circus Down“ interpretiert hat und mit genau so wenig Überraschungen vor sich her trottet.

Überhaupt wirkt das Album auf mich wie eine kleine Kampfansage an den zuletzt erwähnten Kollegen. Ich denke allerdings, noch etwas verfrüht, denn der gute Tim kommt irgendwie peppiger und rockiger daher, auch wenn er vielleicht nicht ganz die stimmlichen Qualitäten von Buddy besitzt. Jewell’s CD ist mir insgesamt etwas zu traditionell gehalten, vor allem das oftmals in den Vordergrund tretende Gefiddel törnt eher ab. Wenn man einen so versierten Gitarristen wie Brent Mason zur Verfügung hat, muss der auch mal öfter losgelassen werden. Letztendlich aber ein durchaus gelungenes, sympathisches Erstwerk, das sicher keine Eintagsfliege bleiben wird. Ich würde sagen: Noch weiter ausbaufähig.

Sony Nashville (2003)
Stil: New Country

01. I Wanna Thank Everyone
02. Help Pour Out The Rain (Lacey’s Song)
03. Sweet Southern Comfort
04. Today I Started Loving You Again
05. Abilene On Her Mind
06. One In A Row
07. O’Reilly Luck
08. Why We Said Goodbye
09. One Step At A Time
10. I Can’t Get By
11. You Know How Women Are

Buddy Jewell
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Bärchen Records

Blake Shelton – Pure BS – CD-Review

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2,5 Millionen Mal gingen seine ersten drei Klasse-Alben „über die Ladentheke“, jetzt gibt es mit dem neuen Werk „Pure BS“ weiteren Nachschlag von Blake Shelton. Als er im Jahre 2001 mit „Austin“ (seinerzeit war er der erste Countrysänger überhaupt, der mit einer Debütsingle sofort auf Platz 1 der Billboard-Charts schaffte) und seinem ersten Album (auch direkt Platz 3) katapultartig die Szene enterte, mutmaßten wir bereits, dass Blake es sehr schnell in die Riege der ganz Erfolgreichen in Nashville schaffen würde. Seine folgenden, ebenfalls hervorragenden Silberlinge „The Dreamer“ und „Blake Shelton’s Barn & Grill“ untermauerten unsere Voraussage schließlich nachhaltig.

Mit Produzent Bobby Braddock, der von Anfang an an der Reglern saß, und Blake Shelton schien sich ein perfekt harmonierendes und überaus erfolgreiches Duo für knackigen, genauso traditionell verbundenen wie modernen, zeitgemäßen New Country gefunden zu haben. Keiner hätte es Shelton verdenken können, wenn er weiter, wie viele andere Künstler seines Kalibers, konsequent und ohne größeres Risiko den einmal eingeschlagenen Weg weitergegangen wäre. Nicht so jedoch der Neo-Honky Tonker aus Oklahoma. Nachdem in sein Privatleben nach einigen Turbolenzen (Scheidung von seiner Frau) mittlerweile wieder Ruhe eingekehrt ist, entschied er sich mit Brent Rowan und dem „alten Hasen“ Paul Worley neben Braddock zwei weitere Produzenten anzuheuern.

Shelton (auch mit neuer Frisur) spürte laut eigener Aussage, dass etwas passieren musste, auf der anderen Seite aber wollte er das Bewährte nicht völlig in Frage stellen. Dies alles ist absolut nachvollziehbar! Entstanden ist nun mit „Pure BS“ eine clevere und erstklassig umgesetzte Kompromisslösung, die einen Blake Shelton offenbart, dem man durchaus eine gewisse „neue Frische“ und fast noch stärkere stimmliche Ausdruckskraft bescheinigen kann, als dies ohnehin schon der Fall war. Sämtliche Fremdkompositionen (natürlich aus den Federn angesagter Songwriter wie Tom Douglas, Dave Berg, David Lee Murphy, Casey Beathard) sind wie immer mit viel Gespür für Sheltons Persönlichkeit ausgewählt worden, aber auch Blake selbst (mittlerweile Jury-Mitglied bei „Nashville Star“) glänzt wieder mit drei Eigenkompositionen.

Jeder der beteiligten Produzenten beanspruchte für seine Songs einen expliziten Musikerkreis (dadurch agieren zum Beispiel drei verschiedene Drummer, alle restlichen Instrumentalisten in jedem Team gehören ebenfalls zu 1A-Garde von Music City), wobei Braddock Brent Rowan bei seiner Mannschaft als Gitarrist mit integrierte.

Worley betreute beispielsweise den furiosen Opener „This Can’t Be Good“ (Toller, etwas southern-inspirierter, kraftvoller New Countryrock der Marke Trace Adkins), das piano-lastige, ruhigere „Bad There Again“ und das introvertierte „What I Wouldn’t Give“ im Midtempobereich; Rowan setzte mit der sich bereits auf dem Vormarsch in obere Chart-Regionen befindenden Single „Don’t Make Me“ (sehr melodisch, schöne Mandoline, tolle Harmonies) und dem Gute Laune-Saloon-Song „The More I Drink“, dem dezent keltisch angerauten „She Don’t Love Me“ (ist auch auf dem letzten Album von Billy Ray Cyrus vertreten), und dem mit texanischem Roots-Flair behafteten Chris Knight-Cover „It Ain’t Easy Bein‘ Me“ (grandios mit Slide, Mandoline, Steel und Akustikgitarre instrumentiert) vielleicht die stärksten und aufsehenerregendsten Akzente.

Braddock produzierte die schöne Ballade „I Don’t Care“, die in bester „Austin“-Manier daherkommt, sowie die zwei wunderbar melodische Stücke mit Retrotouch („I Have Been Lonely“ – recht rockig, tolle Harmonies von Rachel Proctor, die das Lied mit Blake zusammen komponiert hat; „She Can’t Get That“ – eher relaxt, mit deneznten Westcoast und bluesigen Einlagen, klasse E-Gitarren-Spiel von Rowan), und den exzellenten, honky-tonkigen Rausschmeißer am Ende, „The Last Country Song“, bei dem die Country-Ikonen George Jones und Jon Anderson stimmlich mit eingebunden sind. Da wird kräftig zusammen gegrölt und geklatscht. Ein herrlicher Abschluss!

Blake Shelton hat mit „Pure BS“ wieder alles richtig gemacht und vielleicht sein bislang bestes Album abgeliefert. Er wirkt sehr frisch, befreit, ist vokal in blendender Verfassung und seine Arbeit mit dem Produzenten-Drei-Gestirn Bobby Braddock, Brent Rowan und Paul Worley funktioniert hervorragend. Ein glänzendes Werk, das qualitativ und verkaufstechnisch vollkommen zu Recht seinen Charts-Spitzenplatz-Anspruch in den kommenden Wochen geltend machen wird. Jawohl, diese klasse Musik ist „Pure Blake Shelton“!

Warner Bros. (2007)
Stil: New Country

01. Can’t Be Good
02. Don’t Make Me
03. The More I Drink
04. I Don’t Care
05. She Don’t Love Me
06. Back There Again
07. It Ain’t Easy Bein‘ Me
08. What I Wouldn’t Give
09. I Have Been Lonely
10. She Can’t Get That
11. The Last Country Song

Blake Shelton
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Bärchen Records

Buddy Jewell – Times Like These – CD-Review

Bud

Endlich ist es da, das von vielen Countryfreunden heiß ersehnte Nachfolgewerk von Buddy Jewell, nachdem das Vorgängeralbum des „Nashville-Star“-Gewinners von 2003 ja von allen Seiten glänzende Kritiken erfahren hatte und zum Platinerfolg wurde. Auch mit „Times Like These“ hat der in Arkansas aufgewachsene Entertainer einen weiteren großen Schritt nach vorne gemacht. Es ist schon erstaunlich, dass ein Künstler seines Kalibers, ausgestattet mit solch einer wunderbaren Stimme und entsprechendem Charisma, erst im Alter von 43 Jahren den ihm gebührenden Zuspruch erhält.

Nach erfolgreichen Veröffentlichungen, bietet es sich in der Regel an, nicht großartig vom eingeschlagenen Weg abzuweichen, um der damit verbundenen Erwartungshaltung der Käuferschaft ohne großes Risiko gerecht zu werden. Nicht so Buddy Jewell! Er holte diesmal wesentlich mehr Musiker ins Boot, wobei einige klingende Namen wie Brent Mason, Stuart Duncan, Paul und Larry Franklin natürlich auch diesmal ihr Können einbringen durften. Am Mischpult musste Clint Black seinen Platz zugunsten von Garth Fundis räumen, der ja für
seine knackigen, modernen, aber dennoch immer traditionsbewussten Produktionen bekannt ist.

Und so startet die CD auch mit einem herrlich kraftvollen und melodischen Midtempo-Song („Me lovin‘ you“) auf Basis einer peppigen Banjounterlegung, variiert mit Steel-, Fiddle und Dobroeinsätzen, sowie klug arrangierten E-Gitarren-Fills, die einen Hauch von Southern-Feeling erzeugen. Die nachfolgende Single „If She Were Any Other Woman“ ist eine großartige Ballade, die von der dezent druckvollen, aber doch so einfühlsamen Performance her, starke Assoziationen mit Trace Adkins hervorruft. Piano, feines Telecaster-Spiel, Orgel-Tupfer, ein von Steelgitarren begleiteter Refrain, sowie die „zuckersüßen“ Harmoniegesänge von keiner geringeren Person als Vince Gill, dürften dieses traumhaft melodische Lied zum Chartstürmer avancieren lassen.

Eine gelungene Mischung aus Country- und Southern-Elementen wird bei „So Gone“ dargeboten, wie es ähnlich, und mit viel Erfolg von Montgomery Gentry praktiziert wird, wenn auch hier etwas entspannter und traditioneller. Nach dem locker flockigen „You Ain’t Doin’ It Right“ beginnt dann eine Fünf-Stücke-Phase, in der Buddy Jewell bei vier Nummern im Songwriting involviert ist.

„Addicted To Rain“ ist eine erneute Ballade im Stile seines langjährigen Bekannten Trace Adkins , „Dyess Arkansas“, ist ein unaufdringlicher Countrysong mit leichtem 70er-Flair, schöner Harmonika, Fiddle, Steel, unterhaltsamer Percussion und nettem Akustikgitarrensolo (lässt auch dank Jewells variabel gestalteter Vocals Reminiszenzen an Charlie Daniels zu seiner „Simple-Man“-Phase aufkommen), „Glad I’m Gone“ besticht durch eine richtig rhythmisches, aber immer wieder mit interessanten Breaks durchzogenes, tanzbares Gute Laune-Feeling (wer hier nicht mit dem Fuß wippt, leidet eindeutig an Durchblutungsstörungen), das Titelstück „Times Like These“ überzeugt durch knackige Drums und flotte Pianoführung, wobei auch Steel, Fiddle und E-Gitarren eingebunden sind, das relativ ruhige „Run Away Home“ schließlich beendet ein sehr kurzweiliges und eingängiges Album, auf dem Buddy Jewell erneut seine große Klasse als Sänger eindrucksvoll beweist. Dieser Mann hat in Nashville auch mit 43 Jahren noch eine große Zukunft vor sich!

Columbia Records (2005)
Stil: New Country

01. Me Lovin‘ You
02. If She Were Any Other Woman
03. Back To You
04. So Gone
05. You Ain’t Doin‘ It Right
06. Addicted to the Rain
07. I’d Run
08. Dyess Arkansas
09. Glad I’m Gone
10. Times Like These
11. Run Away Home

Buddy Jewell
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Erika Jo – Same – CD-Review

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Debütalbum der Gewinnerin der dritten „Nashville Star“-Staffel! Erika Jo Heriges (so der vollständige Name) ist die erste weibliche Siegerin des Contests (zuvor gewannen Buddy Jewell und George Canyon), doch als reiner Zufall kann dieser Erfolg der gerade mal 18 Lenze zählenden jungen Texanerin wohl kaum abgetan werden, wie ihre erste CD auch eindeutig beweist.

Das Mädel war schon Jahre zuvor mit ihrem Vater und seiner Country Cover Band durch den Süden, Mittelwesten und den Osten der Staaten gereist und hatte fortwährend Gesangspraxis gesammelt. Die damit verbundene Lockerheit und Live-Erfahrung, aber auch eine gewisse Bodenständigkeit (sie wohnt auch nach dem grandiosen Erfolg weiter bei ihren Eltern), ein gewisses Maß an Vernunft („Schule war immer Plan A, Musik Plan B“), und natürlich ihre kräftige, klare Stimme dürften den Ausschlag für die ihr entgegengebrachte Sympathie ihrer amerikanischen Mitbürger gegeben haben.

Neben dem Gewinn eines Chevy Silverado Pickups hat Erika nun auch den von Kindheit an erträumten Platten-Deal (und zwar mit „Universal South“) in der Tasche. Um den optimalen „Erika-Jo-Effekt“ zu erzielen, tischte das Label erst mal dick auf und stellten der jungen Künstlerin folgrichtig bei ihrem Einstieg ein klangvolles und erfahrenes Team an Produzenten (Tim DuBois, Rick Giles, Steve Mandile und Tony Brown), Musikern (u. a. Eddie Bayers, Brent Mason, Paul Franklin, Steve Nathan, Aubrey Haynie) und Songwritern (u. a. Monty Criswell, Aimee Mayo, Tony Martin, Tom Shapiro, Mark Nesler, Katrina Elam) zur Seite.

Auffällig, wie zurückhaltend sich gerade die Instrumentalisten im Hintergrund bewegen, trotz Einstreuung vieler kleiner New Country-typischer Feinheiten. Man bietet dem Nashville-Sternchen die optimale Entfaltungsmöglichkeit für ihre vokale Stärke. Die Stücke sind ein bunter Mix aus flotteren Nummern und traditionelleren Sachen, sowie einigen balladesken Heartbreak-Songs. Die erste Single „I Break Things“ ist eine Fiddle-getränkte Uptempo-Nummer mit knackiger Drum-Unterlegung und dezentem Honkytonk, sowie klasse E-Gitarren-Solo von Brent Mason.

„Who You Are“, „Strong Tonight“ oder „Going ‘Til You’re Gone“ haben alle poppig-rhythmischen Charakter und wurden mit gut aufeinander abgestimmten Harmony-Vocals aufgepeppt. Schön auch das mit einem bluesigem Piano, Mandolinen-Fills, Slide-Guitar-Solo und zarten Orgel-Tupfern bestückte „Good Day For Goodbye“. „There Are No Accidents“, „Go“, „They Say Love Is Blind“ oder das abschließende 70er-Stück „I’m Not Lisa“ aus der Feder von Jessi Colter sind ganz auf Erika’s kräftigen Gesang zugeschnitten, die dann auch voluminös in den Refrains aus sich herausgeht.

Alles in allem ein äußerst gelungener Start für so ein junges Mädchen wie Erika Jo, das sowohl Country-Ikonen wie Reba McEntire (übrigens ihr großes Vorbild) oder Dolly Parton, als auch modernen Interpretinnen wie Jo Dee Messina oder Jessica Andrews ihren Tribut zollt. Hier könnte durchaus eine zweite LeAnn Rimes heranwachsen!

Universal South Records (2005)
Stil: New Country

01. I Break Things
02. Who You Are
03. There Are No Accidents
04. Go
05. Strong Tonight
06. Good Day For Goodbye
07. Wish You Back To Me
08. They Say Love Is Blind
09. Going ‘Til Your’re Gone
10. Love Is
11. I’m Not Lisa

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Chris Young – Same – CD-Review

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Debüt-Album des diesjährigen „Nashville-Star“-Gewinners Chris Young! Anders als in hiesigen Gefilden kann man beim Sieger dieses Wettbewerbs eigentlich blindlings davon ausgehen, dass sich dieser auch über einen längeren Zeitraum im Business rund um Music City etablieren wird. Der Grund dafür ist einfach die entsprechend hohe Qualität, die alle, die sich letztendlich bei diesem Contest durchsetzen, vorweisen können. Zudem können sie meistens auch auf eine fundierte musikalische Ausbildung zurückblicken.

Im Fall von Chris Young gewährten bereits die Eltern ihrem Sprössling jegliche Unterstützung um auf musikalischem Terrain Fuß fassen zu können. Der aus Murfreesboro, Tennessee stammende Sänger und Songwriter absolvierte schon zu Universitätstagen rund 150 Gigs im Jahr und wagte es, irgendwann sogar ein festes Engagement quasi in der „Höhle des Löwen“ anzunehmen, nämlich dem berühmten Honkytonk-Club in Arlington, dort, wo man dem Nashville-Country im Allgemeinen eher distanziert gegenübersteht.

Doch Young schaffte es dort problemlos mit vier wöchentlichen Auftritten sein Publikum regelmäßig zu begeistern. Rein äußerlich an eine Mischung aus Brad Paisley und Chris Cagle erinnernd, setzten Chris und sein Produzent, der erfahrene Buddy Cannon (Kenny Chesney, Sara Evans, John Michael Montgomery etc.) auf eher traditionellen New Country-Werte, die aber von den beteiligten Musikern derartig knackig und fett eingespielt werden, dass es eine wahre Freude ist. Der erst 21-jährige Young versteht es fast wie ein Chamäleon in farblicher Hinsicht, seine Stimme, (meistens im Bariton-Bereich liegend und für sein Alter bereits erstaunlich reif klingend), immer wieder zu verändern und der Stimmung der jeweiligen Stücke optimal anzupassen.

Hier und da hört man mal einen Blake Shelton, Randy Travis, Buddy Jewell oder einen Trace Adkins heraus, ohne das es den Anschein erweckt, Young habe kein eigenes Profil. Gleich das erste Stück wurde von einem überaus prominenten Trio komponiert: Trick Pony-Bassist Ira Dean, Klasse-Musiker und Songwriter David Lee Murphy sowie Hit-Erfolgsgarant Kim Tribble erschufen mit „Beer Or Gasoline“ einen kraftvollen, satten Countryrocker mit stampfendem E-Gitarren-Rhythmus, der mit jeder Menge Liebe zum Detail (integriertes Banjo, Dobro und Mandoline, Soli :Fiddle / Dobro) glänzt. „You’re Gonna Love“, „Drinkin’ Me Lonely“ (der Song, mit dem Young die Herzen des „Nashville Star“-Publikums eroberte – erste Single – übrigens von ihm selbst mitkomponiert), sowie „Flowers“ decken den eher gemäßigteren Teil des Werkes ab. Ansonsten dominiert jedoch bei allen Songs eine sehr zeitgemäße, überaus knackige Performance.

Immer wieder hören wir starke Gitarrenparts von so etablierten Klasse-Leuten wie Kenny Greenberg oder Pat Buchanan, kombiniert mit Fiddle, Honkytonk-Piano, Steelguitar oder Mundharmonika, zum Teil ein wenig funkig-rockig präsentiert wie Chris Cagle das des öfteren tut, oder aber mit coolem „Sprechgesang“ der Marke Trace Adkins modernisiert.

Richtig flott geht es bei den Boogie-mäßigen „White Lighning Hit The Family Tree“ (erinnert vom Flair an den Chuck-Berry-Klassiker „C’est La Vie“) oder „Lay It On Me“ (starkes Piano, krachende Drums, Fiddle-/Harp-/E-Gitarren-Solo) zu, während „I’m Headed Your Way, Jose“ auf humorvolle Weise den Grenzkonflikt USA/Mexico in konträrer Weise auf die Schippe nimmt (…“Here’s the keys to my Chevrolet, you can have the house and bills I pay, welcome to the good ol’ U.S.A, Im headed your way, Jose.“).

Eine passende Baritone-E-Gitarre und typische Trompeten vermitteln hier diese herrliche Border-Atmosphäre. „Who’s Gonna Take Me Home“ schließlich lässt dann mit krachendem Schlagzeug-Tusch am Ende diese Klasse-Albums noch einen tollen, kräftigen Country-Rocker mit coolem Southern-Flair ausklingen!

Insgesamt kann man dem Newcomer ein kurzweiliges, sehr lebhaftes Debüt attestieren. Man merkt förmlich, dass der Junge „heiß“ war, sich auf seiner ersten Scheibe zu präsentieren. Gelingt es Chris Young in Zukunft noch weiter sein Profil zu schärfen, dürfte einem weiteren „jungen Wilden“ in Nashville eine große Karriere bevorstehen.

RCA Int. (Sony Music) (2006)
Stil: New Country

01. Beer Or Gasoline
02. You’re Gonna Love Me
03. Drinkin‘ Me Lonely
04. White Lightning Hit The Family Tree
05. Lay It On Me
06. Burn
07. Small Town Big Time
08. Flowers
09. Center Of My World
10. I’m Headed Your Way, Jose
11. Who’s Gonna Take Me Home

Chris Young
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Chris Young – Neon – CD-Review

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Der ehemalige Nashville Star-Gewinner und im Countrygenre seither sehr beliebte Chris Young gibt sich auch mit dem schwierigen dritten Major-Werk „Neon“ keine Blöße und liefert ein Album voller Chartambitionen ab. Das Werk erscheint in den USA zeitgleich mit „Red River Blue“ des anderen, ebenfalls megaerfolgreichen, noch recht jungen Neo-Traditionalisten Blake Shelton. Man darf gespannt sein, wer von beiden in der Publikumsgunst die Nase vorn haben wird.

Produziert hat wieder, wie schon zuvor „The Man I Want To Be“, Nashville-Veteran James Stroud (u.a. Tim McGraw, Clint Black), das immerhin mit „Gettin’ You Home“, „Voices“ und dem Titeltrack gleich drei Nr.1-Hits abgeworfen hatte. Ein hohe Hürde, die also diesmal mit „Neon“ zu nehmen ist. Young setzt erneut auf sehr melodische Songs mit starkem textlichen Identifikationsgrad, Refrains mit hohem Wiedererkennungswert (die meisten hat er selbst mit diversen Co-Autoren geschrieben, drei Fremdkompositionen, diesmal keine Cover) und auf seine warme, dierer geradezu umschmeichelnde Bariton-Wohlfühlstimme.

Der Bursche kann wirklich singen! “ Can Take It From There“(ein typischer „Wochenend“-Song mit lässigem Rhythmus) eröffnet den Reigen von durchgehend stark instrumentierten Nummern. Kein Wunder, hier wirkt die Creme-de-là-Creme der Nashville-Musikerszene mit Leuten wie Shannon Forrest, Mike Brignardello, Mark Hill, Kenny Greenberg, Brent Mason, Paul Franklin, Aubrey Haynie, Steve Nathan und Wes Hightower mit. Mit „Lost“ (markantes E-Gitarren-Riff, klasse Solo, Steel, Piano, Orgeltupfer, Jason Aldean-Flair) und der ersten Single „Tomorrow“ (geschrieben zusammen mit Frank Myers und Anthony Smith, hat direkt die Top-5 erreicht – emotionale Ballade mit kräftigem Refrain, Fiddle, Steel, Mandoline) folgen sofort zwei potentielle Nr.1-Hits.

In einem insgesamt recht ruhig gehaltenen Werk, sticht „Save Water, Drink Beer“ als einzige wirkliche, ziemlich polternde Uptemponummer deutlich heraus. Fette Drums, heulende Fiddle, ein treibender Rhythmus und eine starke Slide-/Bariton-E-Gitarren-Kombi als Solopart lassen den Laune-Pegel abrupt in die Höhe schießen. Auch das Alan Jackson-/Randy Travis- umwobende Titelstück (dazu dezent unterschwelliges Westcoast-Ambiente Marke Eagles) bietet Relaxatmosphäre pur.

„Old Love Feels New“ und „Flashlight“ reflektieren Vater-Sohn-Beziehungen im Rahmen traditioneller, Familien-angehauchter Countrystimmung, während „You“ (klasse Dobrospiel von Paul Franklin) und „When She’s On“ (Fiddle, surrendes E-Gitarren-Solo, ein wenig retromäßig swingend) wieder peppiger einhergehen. Am Ende wird bei „She’s Got This Thing About Me“ dann ganz großes, kammermusikartiges Gefühlskino geboten. Youngs prägnante Stimme, die sparsame Instrumentierung (fast nur Akustikgitarre und Piano), dazu eine regelrechte Streicherwand, drehen überaus schwer an der Pathos-behafteten Schraube. Da ist ganz tiefes Durchatmen am Ende angesagt. Beeindruckend!

Mit „Neon“ ist Chris Young ein weiteres, starkes Album, in der Tradition so angesagter Kollegen wie Blake Shelton, Luke Bryan, Josh Turner, Justin Moore, Tim McGraw, Billy Currington & Co. gelungen, das Hitsongs an der berühmten Perlenkette beinhaltet. Die Radio-Stationen haben hier wohl demnächst die Qual der Wahl. Chris Young hat das Zeug zu einem kommenden Superstar!

RCA Int. (Sony Music) (2013)
Stil: New Country

01. Aw Naw
02. Hold You To It
03. Lonely Eyes
04. Goodbye
05. A.M.
06. Nothin‘ But The Cooler Left
07. Who I Am With You
08. Text Me Texas
09. We’re Gonna Find It Tonight
10. Forgiveness
11. Lighters In The Air

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