Buddy Jewell – Same – CD-Review

Die ultimative Steigerung der mittlerweile auch in unseren Landen unerträglich um sich greifenden Horror-Casting-Shows wäre sicherlich ‚Deutschland sucht den Volksmusikstar‘. Im übertragenen Sinne wäre Buddy Jewell hier das amerikanische Pendant dazu, denn er ist Sieger von ‚Nashville Star‘, aber Gott sei Dank haben die Amis ja ein etwas anderes Verständnis, was Musik aus ihrer Heimat anbelangt. Und so hat dort auch ein 42-jähriger gestandener Cowboy das Rennen gemacht.

Sony ließ im Zuge des zu erwartenden Erfolges natürlich nichts anbrennen und stellte Buddy Jewell für seine Debüt-CD das Star-Ensemble der Studiomusiker – von meinen Kollegen so liebevoll als Nashville-Mafia bezeichnet – an die Seite. Und die glänzenden Kritiken aus allen Himmelsrichtungen scheinen auf eine späte, aber sehr aussichtsreiche Karriere hinzudeuten.

Mein Gesamteindruck des Werkes ist mit einigen Abstrichen verbunden, aber im Groben und Ganzen auch postiv. Mit „I Wanna Thank Everyone“ scheint Buddy noch mal einen Diener vor allen Beteiligten, die seinen Erfolg ermöglichten, zu machen. Toller rhythmischer Honkytonk-Kracher mit klirrendem Piano und tollen E-Gitarren, wie er flockiger nicht sein könnte. Auch „Sweet Southern Comfort“ ist ein Stück der Extraklasse. Eine typische Südstaatenhymne, mit viel Atmosphäre und starkem Text vorgetragen, die unter die Haut geht. Wunderbare Banjo- und Harmonikaklänge, sowie Buddies einfühlsame Stimme machen diesen Song zum Klassiker, auch Südstaatenrockfans sollten sich das Lied mal reinziehen.

Klasse die Uptemponummern „Abilene On Her Mind“ und „One Step At A Time“, die ziemlich flott an einem vorbeiziehen. Auch das Stück von Produzent Clint Black setzt der CD noch mal seinen Stempel auf. Endlich können sich die Mafiosis, …äh, Studiomusiker mal ausleben. Ein regelrechter Schlagabtausch zwischen E-Gitarre, Fiddel, Piano und Steelgitarre. Geht sehr gut ab.
Das Werk enthält aber auch einige recht langweilige Balladen und Heuler. Bei „Today I Started Loving You Again“, einem Duett mit Miranda Lambert, einer weiteren 19-jährigen Wettbewerbsteilnehmerin, verfolgt einen der Refrain lange über das Ende des Albums hinaus. Der ist so kitschig und schnulzig, bohrt sich aber ins Gehirn wie eine Made in den Speck, so dass ich mich schon morgens im Auto dabei ertappte, wie ich ihn vor mich hinträllerte.

„O’Reilly Luck“ klingt ein wenig nach Charlie Daniels zu „Simple Man“-Zeiten mit keltisch angehauchtem Lalala-Chorus, den ich recht nervtötend finde. Ziemlich überflüssig die Nummer „Why We Said Goodbye“, die Tim McGraw schon vor zwei Jahren auf „Set This Circus Down“ interpretiert hat und mit genau so wenig Überraschungen vor sich her trottet.

Überhaupt wirkt das Album auf mich wie eine kleine Kampfansage an den zuletzt erwähnten Kollegen. Ich denke allerdings, noch etwas verfrüht, denn der gute Tim kommt irgendwie peppiger und rockiger daher, auch wenn er vielleicht nicht ganz die stimmlichen Qualitäten von Buddy besitzt. Jewell’s CD ist mir insgesamt etwas zu traditionell gehalten, vor allem das oftmals in den Vordergrund tretende Gefiddel törnt eher ab. Wenn man einen so versierten Gitarristen wie Brent Mason zur Verfügung hat, muss der auch mal öfter losgelassen werden. Letztendlich aber ein durchaus gelungenes, sympathisches Erstwerk, das sicher keine Eintagsfliege bleiben wird. Ich würde sagen: Noch weiter ausbaufähig.

Sony Nashville (2003)
Stil: New Country

01. I Wanna Thank Everyone
02. Help Pour Out The Rain (Lacey’s Song)
03. Sweet Southern Comfort
04. Today I Started Loving You Again
05. Abilene On Her Mind
06. One In A Row
07. O’Reilly Luck
08. Why We Said Goodbye
09. One Step At A Time
10. I Can’t Get By
11. You Know How Women Are

Buddy Jewell
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Bärchen Records

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