Hannah Aldridge – Razor Wire – CD-Review

Ein weiteres gutes Beispiel als Beleg für die Richtigkeit von Georg Mendels ürsprünglichen Theorien über die Weitergabe von Erbanlagen ist die 26-jährige Hannah Aldridge, Tochter von Muscle Shoals-Musiker-Legende, Produzent und Songwriter Walt Aldridge (mit Stern auf dem Walk Of Fame in Alabama). Wo andere Mädchen während ihrer Kindheit Barbie-Puppen kämmten und Meerschweinchen streichelten, wird diese vermutlich vornehmlich eher an diversen Instrumenten und den Reglerköpfen von Papas Mischpult rumgegefummelt haben.

Die sich rein äußerlich auf dem Coverart ihres Debütalbums „Razor Wire“ als wasserstoff-blond gefärbte, divenhafte Mischung aus Marylin Monroe, Madonna und Jerry Hall gebende Singer/Songwriterin (zur Ihrer Beruhigung. Aber nur hier!), lässt vom herrlich flockigen, slide-getränkten Opener „You Ain’t Worth The Fight“ (ziemlich rockig) bis zum abschließenden Hidden track (der Akustikversion des Titelliedes) keinen Zweifel daran aufkommen, dass man es hier mit einem außergewöhnlichen musikalischen Talent zu tun hat, das in Zukunft den Americana-Sektor noch öfter gehörig aufwirbeln wird.

Wow, wenn man sich die jungen Dinger von heute bei uns so ansieht, muss man sich echt fragen, wo Hannah Aldridge diese musikalische Reife schon jetzt hernimmt. Ok, sicherlich sind wir da wieder beim Anfangsthema, aber auch in ihren bisherigen persönlichen Lebenserfahrungen sind da wohl einige Antworten zu finden. Sie ist (wie ihre Eltern) geschieden, besitzt dazu eine unehliche Tochter und ist alleinerziehend. All diese eher nicht so schönen Erlebnisse werden zum Beispiel im Titellied „Razor Wire“ (hier erzählt sie, wie sie einst ihren Ehering zu einem Leihhaus brachte und sich danach mit einem wildfremden Mann in einer Bar betrank) voller Hingabe reflektiert.
Hannah ist übrigens trotzdem eher ein musikalischer Spätzünder. Zwar hatte sie bereits im Alter von sechs Jahren eine klassische Klavierausbildung genossen, Songs schrieb sie aber erst mit 21. Entdeckt wurde sie in Nashvilles legendärem Bluebird Cafe, als sie von Studenten dafür ausgewählt wurde, ihre Middle Tennessee State Universität bei einem TV-Sender zu repräsentieren. Zwei Jahre später wurde ihr Song „Lonesome“ (hier als wunderbare glasklare, stark gesungene Akustiknummer zum Abschluss des offiziellen Teils) für die TV-Serie „Hart Of Dixie“ genommen.

Der Rest des Werkes nimmt einen mit auf eine sehr clever gestrikte, manchmal etwas fröstelnde, sehr authentisch wirkende Reise durch das Americana-Genre mit all seinen anliegenden Facetten (Country, Blues, Rock). Mein persönliches Lieblingslied ist das herrliche „Old Ghost“, das in einer Art Retro-Ambiente vorgetragen wird und mittels einer grandiosen Orgel-/E-Gitarren-Solo-Kombination seinen absoluten Höhepunkt erreicht.

Hier darf man die hervorragenden Musiker einfach nicht vergessen zu erwähnen, die dieses stolze Produkt endgültig veredeln. Brad Pemperton (hauptsächlich bekannt aus Ryan Adams Band The Cardinals) an den Drums und Lane Baker am Bass, sowie der überragend agierende Andrew Highley (keys) und der fantastisch auftrumpfende Saitenkünstler Andrew Sovine (E-/Akustik-Gitarren/Lap steel). Dazu kommen noch schillernde Leute wie Dylan und James LeBlanc (ebenfalls wie Vater Walt Muscle Shoals-Session-Musiker) auf „Lie Like You Love Me“ und „Razor Wire“.

Sensationell auch die Version von Jason Isbells „Try“, das dann auch mit seiner Begleitband The 400 Unit eingespielt wurde (besonders toll hier die krachenden E-Gitarrenparts von Sadler Vaden). Sehr schön transparent produziert hat übrigens Chris Mara.

Ein Bild davon, was die junge Dame (mit Faible für hochgezogenen Lidstrich) für ein energisches Temperament hat (nicht zu vergessen ihr durchdringender Blick), kann man sich beim Southern Rock-umwobenen „Howlin‘ Bones“ auf YouTube machen. Ebenfalls ein absoluter Kracher (im wahrsten Sinne des Wortes). Aber gerade die immer wieder eingestreuten, mit einer dezenten Kühle, aber auch von viel Melancholie geprägten typischen Americana-Balladen, die sie oft im Stil einer Country-Chanteuse vorträgt, ziehen den Hörer regelrecht in den Bann. Hier stehen Tracks wie „Strand Of Pearls“ (Bariton-E-Klänge, klasse Slide, psychedelisch anmutendes Synthie-Fiepen), das Piano-lastige „Parchman (Steel-Tupfer, Slide-Solo) sowie das durch ihrem Sohn Jackson – benannt nach Hannahs Hero Jackson Browne – inspirierte „Black And White“ (Highleys Orgelsolo mit Gänsehaut-Garantie) zu Buche.

Fazit:  Die mir bis dato völlig unbekannte Hannah Aldridge legt mit ihrem Erstling „Razor Wire“ auf dem Americana-Sektor direkt ein richtiges Pfund hin. Eine junge Dame schon jetzt mit dem Potential von etablierten Künstlerinnen dieser Sparte wie Lucinda Williams, Rosanne Cash, Patty Griffin, Lori McKenna, Tift Merritt & Co. Für mich persönlich als altem Recken gilt erst mal, die Liebe zur Musik dieser jungen Frau entdeckt zu haben…! Absolute Kaufempfehlung!!!

TroddenBlack Entertainment (2014)
Stil:  Americana

01. You Ain’t Worth The Fight
02. Old Ghost
03. Strand Of Pearls
04. Razor Wire
05. Parchman
06. Howlin‘ Bones
07. Try
08. Black And White
09. Lie Like You Love Me
10. Lonesome
11. Razor Wire (Acoustic – Hidden track)

Hannah Aldridge
Hannah Aldridge bei Facebook

Bon Jovi – Lost Highway: The Concert – DVD-Review

Ich hatte ja bereits das Vergnügen die CD zu reviewen, die mir ehrlich gesagt schon zu jener Zeit gut gefallen hatte. Aus meiner Sicht war Lost Highway das Album, das mir von Bon Jovi in ihrer fast 25 Jahre währenden Karriere sogar mit am meisten zugesagt hat. Schön, dass ich jetzt auch die Gelegenheit habe, die hinterhergelegte Live-DVD beleuchten zu dürfen.

Zunächst fällt bei dieser limitierten Auflage erst mal die interessante Buch-Optik, mit der das Teil aufgemacht wurde, in den Blick. Beim Öffnen fliegen einem dann direkt fünf schön fotografierte Hochglanz-Postkarten (mit Motiven aus dem eingeklebten Booklet) in einer Banderole entgegen. Eigentlich viel zu schade um sie zu verschicken, wird wohl, vermute ich mal, auch keiner tun.

Positiv ist zu Beginn direkt zu vermerken, das der Gig in Chicago in einem recht überschaubaren Ambiente stattfand (400 Leute). Nicht alltäglich, wie ich finde, ist, dass das Konzert in der exakten CD Track-Reihenfolge abgearbeitet wurde. So entwickelt sich statt der bei Superbands so oft nervenden, überdrehten Massenhysterie, eine sehr entspannte, freundliche, aber natürlich auch begeisterte Atmosphäre, wie sie eigentlich bei Countrykonzerten auf gehobenem Niveau in kleineren Locations auch immer Gang und Gebe ist.

Das Bon Jovi-Standard Line-up mit Jon, Richie Sambora, David Bryan und Tico Torres wurde um ihren etatmäßigen Bassisten Hugh McDonald, den Zusatz-Gitarristen Bobby Bandiera (sporadisch mit toller Ganjo-Arbeit), dem Multiinstrumentalisten Kurt Johnston (Pedal Steel) und die in ihrem knappen, schwarzen Outfit recht nett anzuschauende Violinistin und Backgroundsängerin Lorenza Ponce, in eine countrykompatible Form aufgestockt. Vielleicht wäre es noch nett gewesen, die Duett-Partner der CD, Big & Rich und LeAnn Rimes mit einzubinden, was leider nicht geschah, aber auch letztendlich nur Insidern auffallen würde.

Gefilmt wurde mit dreizehn Kameras, so dass man einen recht umfassenden Einblick ins Geschehen des Abends erhält. Vor allem die Soundqualität in wahlweise Stereo oder Dolby-Surround ist exzellent. Die Antwort auf die Frage, ob man diese DVD braucht, wenn man die CD schon besitzt, ist schnell beantwortet. Ja! Sämtliche Songs wirken live doch wesentlich countrylastiger und die ganzen gut aufgelegten Musiker (auch Richie Sambora, der in letzter Zeit ja mal des öfteren daneben hing) lassen sie in der audiovisuellen Form viel natürlicher zur Geltung kommen. Man hat fast das Gefühl, live mit dabei zu sein.

Auch wenn letztendlich zwar die sichtlich vergnügten Jon (als absoluter Profi-Frontmann) und Richie (viele Klasse-E-Soli auf diversesten Gitarren) hier den Ton angeben, wurde doch eine erstaunlich gute Team-Leistung erbracht. Stellvertretend hierfür vielleicht der überragende Song des Abends „Any Other Day“ in einer annähernd acht-minütigen Version, bei der sich fast alle Musiker mit ausgedehnten Soli einbringen dürfen.

Und da eine Band wie Bon Jovi nach nur zwölf Stücken nicht so einfach aufhört, wurden dann mit „It’s My Life“ (trotz starker, rockiger Version hier im Gesamtkontext eher ein Fremdkörper), „Wanted Dead Or Alive“ (Richie mit kurzer Gesangspassage) und „Who Says You Can’t Go Home“ (stimmungsreich, mit wunderbarem Countryflair, Einbindung des Publikums) noch drei Klassiker der Truppe als Zugabe eingestreut.

Als Bonusmaterial gibt es noch mal eine Akustik-Session, die aber bis auf die Coverversion von Leonard Cohens „Hallelujah“ eher überflüssig ist, da die fünf anderen Stücke identisch zum Konzert ausgewählt wurden. Weiterhin jeweils ein Interview mit allen vier Bon Jovi-Musikern (deutsche Untertitel im Setup einstellbar), sowie ein paar Blickwinkel-Skizzen der Location, wohl als Grundlage für die diversen Kamerapositionierungen.

Alles in allem ist Bon Jovis „Lost Highway. The Concert“ ein Teil, das von der ersten Minute an Spaß bereitet und bei dem bis auf die meiner Ansicht nach überflüssige Songdoppelung im Bonusteil auch alles stimmt. Ein perfektes Weihnachtsgeschenk nicht nur für Bon Jovi-Anhänger, sondern auch für Musikfreunde, die sich mit dezent countryinfizierten Rocktönen anfreunden möchten. Absolute Kaufempfehlung!

Universal Music (2007)
Stil:  New Country / Rock

01. Lost Highway
02. Summertime
03. (You Want To) Make A Memory
04. Whole Lot Of Leavin
05. We Got it Going On
06. Any Other Day
07. Seat Next To You
08. Everbody’s Broken
09. Till We Ain’t Strangers Anymore
10. The Last Night
11. One Step Closer
12. I Love This Town
13. It’s My Life
14. Wanted Dead Or Alive
15. Who Says You Can’t Go Home

Bon Jovi
Bon Jovi bei Facebook
Universal Music

Bon Jovi – Lost Highway – CD-Review

Ich muss gestehen, dass ich noch nie ein sonderlicher Freund von Bon Jovi-Werken gewesen bin, auch wenn (meist über Umwege) immer wieder ein paar ihrer Silberlinge den Weg in meine Sammlung gefunden haben. Die letzte CD „Have A Nice Day“ fand ich beispielsweise total enttäuschend. Als ich jetzt allerdings vernahm, dass er und seine Kumpels sich mal außer der Reihe spaßeshalber dem New-Country-Genre anzunähern versuchen, dies dazu noch unter der Regie von Klasse-Produzenten wie John Shanks und Dann Huff, wurde meine Neugier aber dann doch geweckt.

Da ich mich schon ein wenig mit New-Country in meinem Leben beschäftigt habe, war mir entgegengesetzt zu vielen anderen eigentlich schon von vorne herein klar, dass Shanks und Huff aus Jon Bon Jovi und Richie Sambora keine Alan Jacksons und George Straits zaubern würden. Schließlich waren beide sehr gute E-Gitarristen, haben selber ihre Banderfahrungen in eher rockig orientierten Bands gesammelt, und auch in diesem Bereich doch immer wieder Interpreten produziert, die durchaus mit anderen, New-Country-übergreifenden, Sparten harmonierten. So war der Weg in Sphären von Keith Urban eigentlich vorprogrammiert, und ich denke, dass dies auch die richtige Entscheidung gewesen ist.

Interessant war sicher, die beiden Hauptprotagonisten mit einigen arrivierten Nashville-Songwritern wie Brett James, Hillary Lindsay oder Gordie Sampson zusammenzubringen, aber anhand der Namen erkennt man auch hier, dass diese eigentlich Garanten für leicht ins Ohr gehende Songs abgeben würden. Für Spannung sorgten die darstellerische Kombination mit dem Spaß-Duo Big & Rich, sowie das Duett mit LeAnn Rimes. Dazu offeriert das Booklet noch jede Menge Nashville-Studio-Prominenz in Sachen Ergänzungsmusiker (Paul Franklin, Dan Dugmore, Steve Nathan, Jonathan Yudkin, Greg Leisz), die aber, um es vorwegzunehmen, allesamt recht sparsam, jedoch gut im Hintergrund mitwirken.

Und so beinhaltet „Lost Highway“ einen gut gewählten Mix aus flotten, sehr melodischen Mainstream-Rockern, meist mit ein wenig Heartland-Flair, die wesentlich höheren Wiedererkennungswert haben als der Vorgänger, und drei sehr dynamischen Power-Balladen („(You Want To) Make A Memory“, „Seat Next To You“ und „Till We Ain’t Strangers Anymore“). Bei letztgenanntem Lied beließ es Huff bei einer recht braven Performance von LeAnn Rimes, sich wohl noch gut daran erinnernd, wie die vormalige Bon Jovi-Duettpartnerin Jennifer Nettles von Sugarland den guten Jon vor einiger Zeit an die Wand gesungen hatte.

Trotzdem, gerade die rockigen Nummern gehen recht flockig von der Sohle, angenehm, dass tunlichst vermieden wurde, Jon Bon Jovi wie so oft zuvor in den Refrains in regelrechte Kreischorgien zu verwickeln. Stücke wie „We Got It Going On“ (mit Big & Rich, die hier ein wenig auf gewohnte Weise mitkaspern…), „Everybody’s Broken“ oder das abschließende „I Love This Town“ sind Gute-Laune-Kracher, genau richtig für die hoffentlich bald anstehenden warmen Tage, und dürften auf Parties den einen oder anderen Mitgröler produzieren. Sambora spielt übrigens sehr wohl dosierte und saubere Soli, da haben die beiden Produzenten sicher ihren Einfluss geltend gemacht. Hier und da verlieren sich zu den von satten Drums, Akustik- und E-Gitarren vorgegebenen Rhythmen mal ein Mandolinchen, Piano, Organ, eine Fiddle und eine Steel-Gitarrchen, ganz dezent mal Streicher, aber das war es dann auch an Nashville-Flair.

Fazit. Bon Jovi haben ein sehr schönes, melodisches Mainstream-Rock-Werk mit einer leichten Brise New-Country geschaffen, das dank guter Produzenten (Huff und Shanks je sechs Stücke), Co-Songwritern und Musikern zu ihren besten zählen dürfte. Wer hier auf staubigen Traditions-Country oder gar harten Country-Rock gehofft hat, sollte keinen Gedanken an einen Kauf verschwenden. Alle anderen werden mit einem sommerlichen Gute-Laune-Rock-Album der besseren Sorte belohnt. Geliefert wird der Silberling mit einem reichhaltig bebilderten Booklet, mit allen Texten in einer optisch ansprechenden Super-Jewel-Box. Zurecht Platz 1 in den CD-Charts!

Mercury/Island Records (2007)
Stil:  New Country / Rock

01. Lost Highway
02. Summertime
03. (You Want To) Make A Memory
04. Whole Lot Of Leavin‘
05. We Got It Going On
06. Any Other Day
07. Seat Next To You
08. Everybody’s Broken
09. Till We Ain’t Strangers Anymore
10. The Last Night
11. One Step Closer
12. I Love This Town

Bon Jovi
Bon Jovi bei Facebook

Blue County – Same – CD-Review

Zwölf knackige, jeweils single-taugliche New-Country-Songs, so ein richtiger Vorgeschmack auf den kommenden Sommer, das fällt mir spontan zum Debüt von Blue County.
Hinter Blue County verbergen sich zwei aus dem Schauspielfach stammende, wie Blutsbrüder wirkende, junge blonde Burschen, namens Scott Reeves und Aaron Benward, die sich beim Dreh eines Musikvideoclips kennengelernt haben und seitdem unzertrennlich ihrem bereits vorhandenen Faible für Countrymusik nachgehen. Beide sehen blendend aus und werden in Zukunft wohl so manches Damenherz zum Zerbrechen bringen.

Schauspieler und Musik, da ist man ja zunächst einmal skeptisch gestimmt. Aber keine Sorge, hier merkt man von der ersten bis zur letzten Note, dass die Jungs was drauf haben. Und da man bei Curb-Records eh keine halben Sachen macht, hat man natürlich Star-Producer Dann Huff und eine ganze Horde von Klasse-Musikern eingebunden, die dem Duo tatkräftige Unterstützung gewähren.

Die beiden Protagonisten selbst glänzen durch spürbaren Enthusiasmus, der das gesamte Werk in erfrischender Weise begleitet, angenehme Stimmen, toll abgestimmte Harmoniegesänge, vorzügliches Akustikgitarrenspiel, sowie auch kompositorische Fähigkeiten.

Zu meinen nur schwer explizit herausnehmbaren Favoriten zählt u.a. der fetzige Gute-Laune-Kracher „Good Little Girls“ mit seinen pulsierenden Drums, heulenden Fiddeln und seinem starken Steel-/E-Gitarren-Duell, der sich bereits zum Chart-Breaker entwickelt hat.

„Hollywood California“ erinnert nicht nur vom Titel her an den Eagles-Klassiker „Hotel California“. Ein ähnlich atmosphärischer Aufbau, eine ähnliche Melodie und klasse E-Gitarren nehmen einen ebenso gefangen wie das Stück von einst.

Stück 5 entpuppt sich als humorvolle Hommage an die Gemeinde der Mercedes-Benz-Fahrer mit Hut auf dem Kopf, die vor allem von uns Berufsvielfahrern ja so innig geliebt wird (hier ein paar Fragmente. ‚…There’s an angry crowd behind us and I be his guardian angel for a while, he’s a Sunday, Sunday driver, in the middle of my Thursday afternoon…‘). Lustiger Text, herrlich überdrehte Instrumentierung passend zur Thematik. Stark gemacht!

Das fröhliche energiegeladene „What’s Not To Love“ kommt im Stile der Hooters rüber. „Nothin‘ But Cowboy Boots“ besticht mit solch einer Dynamik, dass einem fast der Hut wegfliegt. Eine typische Dampfnummer, wie sie beispielsweise Travis Tritt, Blake Shelton oder Chris Cagle schon mal zum Besten geben.

Die abschließende Ballade „Walk On Water“ sorgt für ein harmonisches Ende. Klingt wie langsamere Sachen von Billy Ray Cyrus oder Sons Of The Desert. Apropos Sons of the Desert. Wer schon lange auf ein Nachfolgewerk ihrer sensationellen CD „Change“ wartet, sollte hier zugreifen. Vieles geht auf diesem Album in diese Richtung, auch Fans von Keith Urban machen hier nichts falsch.

Ein umfangreich bebildertes Booklet (für die Mädels…) in matter Jeansoptik sorgt für den letzten Pfiff. Dicke Konkurrenz für die etablierten Leistungsträger des Genres. Die Namen Aaron Benward und Scott Reeves alias Blue County wird man zukünftig in Nashville auf der Rechnung haben müssen.
Coole Scheibe Jungs!

Curb Records (2004)
Stil:  New Country

01. Good Little Girls
02. That Summer Song
03. That’s Cool
04. Hollywood, California
05. Sunday Driver
06. What’s Not To Love
07. Sounds Like Home
08. Nothin‘ But Cowboy Boots
09. Time Well Spent
10. Ride On
11. Losing At Loving
12. Walk On Water

Bärchen Records

Blackhawk – Spirit Dancer – CD-Review

Our hearts weren’t
Ready to let him go
To this is our way
To let him know
That we miss him
And our love for
Him will never die…
Spirit Dancer

Diese Zeilen sagen im Moment so ziemlich alles aus, worum es bei der neuen Blackhawk-CD geht. Sie steht ganz im Zeichen der Verarbeitung des Todes von Van Stephenson, dem langjährigen musikalischen Weggefährten von Henry Paul und Dave Robbins. Fest stand seit längerem, dass die beiden weitermachen würden, die Frage war nur mit wem, und in welche Richtung es gehen würde.

Um es vorwegzunehmen, es hat sich nicht viel getan. Man arbeitet zunächst weiter als Duo, hat allerdings klasse Musiker für die Studioproduktion verpflichtet; auch dem Stil bleiben sie weiter treu, ein Schwenk wieder mehr zum Südstaaten-Rock blieb aus. Der Schmerz scheint noch zu präsent zu sein.

Ihre Musik fügt sich nahtlos an die vier Vorgänger an, allerdings aus gegebenem Anlass mit viel Emotion angereichert. So auch der einzige Southern-Tupfer „Brothers Of The Southland„; eine Hommage an verstorbene Größen des Genres, wie die Caldwell Brüder, Ronnie Van Zant oder Berry Oakley.

Der Song allein ist schon das Geld für die CD wert, und man erinnert sich wehmütig an alte Henry Paul Band-Tage, zumal auch der frühere Gitarrist Billy Crain für den Song mit ins Boot genommen wurde. Ansonsten wohl bewusst das bewährte Rezept. Henry Pauls dominierende Stimme, schöne Melodien, Harmoniegesang, nett anzuhörende Mandolinen und wohl klingende Akustikgitarren, das eine oder andere Leadsolo. In kleinen Portionen immer wieder schön zu genießen, am Stück leider ab einer gewissen Zeit etwas nervig.

Aber was spielt das in dieser Phase der Band auch für eine Rolle? Ein guter Freund ist für immer dahin gegangen, da wird der musikalische Grad dann auch schon mal zur Nebensache.

Sony Music Nashville (2002)
Stil:  New Country

01. One Love
02. One Night In New Orleans
03. Days Of America
04. Spirit Dancer
05. I Will
06. Brothers Of The Southland
07. Gloryland
08. Forgivness
09. Faith Is The Light
10. I’ll Always Love You
11. Leavin‘ The Land Of The Broken Hearted

Blackhawk
Blackhawk bei Facebook
Bärchen Records

Carol Chase – Blue Highway – CD-Review

Welche andere Band als Lynyrd Skynyrd verfügt schon über einen derartigen Luxus, zwei so klasse Background-Sängerinnen wie Dale Krantz Rossington und Carol Chase in seinen Reihen zu haben? Erstgenannte hat schon zur Rossington Collins/Rossington Band-Phase ihre Frontfrau-Qualitäten bewiesen, bei Carol Chase hat man diese längst vermutet. Eine kleine Kostprobe erhielt man bereits auf dem letzten Laidlaw-Album, als sie das grandiose „Never Been A Reason“ im Duett mit Joey Pantera zum Besten gab.
Den nachhaltigen Beweis tritt sie jetzt mit ihrer in Eigenregie entstandenen CD „Blue Highway“ an.

Schon beim Blick auf das in grauen, bläulich-violetten und rötlichen Farbtönen geschmackvoll gestaltete Cover, das alle Texte und ein paar Fotos der hübschen Künstlerin beinhaltet, breitet sich ein gewisses Wohlgefühl aus, dass auch beim Durchhören des Werkes erhalten bleibt. Von den Musikern die an dem Projekt beteiligt sind, dürften höchsten Ex-Lynyrd Skynyrd-Drummer Owen Hale und eventuell Gitarrist George Marinelli (Bonnie Raitt) in diesen Breitengraden ein Begriff sein.

Der Silberling beginnt mit dem tollen „Back To The Well“, das mich ein wenig an den Stil der Van Zant-Alben erinnert. Ich höre da Ähnlichkeiten zu „I’m A Want You Kinda Man“ heraus. Starker Einstieg! Beim anschließenden „I’m The Blues“ spricht der Titel für sich. Den einzigen Song, an dem Carol nicht federführend beteiligt war („Gotta Serve Somebody“-Dylan-Cover), lässt sie in funkig-bluesiger Bonnie-Raitt-Manier dahingleiten.

„Let Go“ eignet sich um mal kurz die Augen zu schließen und sich besinnlich an der schönen ruhigen Melodie, sowie dem vorzüglichen Akustikgitarrenspiel zu erfreuen. „Tears In Heaven“ von Eric Clapton, allerdings mit einer anderen Thematik (es geht um eine gerade zu Ende gehende Beziehung), fällt mir spontan dazu ein.
Einen Hauch von Country gibt es beim Titelstück „Blue Highway“. Allerdings entpuppt es sich dann im weitesten Sinn als Mix aus Chris Isaak-, Bob Seger-(„Against The Wind“, wegen dem Piano) und Dusty Springfield-Einflüssen.

Überhaupt hatte ich eigentlich ein in Nashville produziertes Soloalbum von Carol Chase eher im New-Country-Genre erwartet, zumal sie sich größtenteils auch im Mekka dieser Musikart aufhält. Aber wenn man mit dem Zeug tagtäglich konfrontiert ist, wird einem das wahrscheinlich irgendwann aus den Ohren heraushängen. Deshalb wohl auch ihr Hang zum Rhythm & Blues, und so verwundert es nicht, dass „Tough Enough“ in diese Bresche schlägt. Ziemlich rau und rockig. „In Your Life“ ist wieder eine, von leisen Tönen getragene, entspannende Nummer, bei der man Carols Stimme einfach wirken lässt.

Danach für mich das Highlight. „Said A Little Prayer“ kommt daher wie damals „One Good Man“ oder „Misery Loves Company“ von der Rossington Collins Band. Klasse kratziger Gesang und starke Gitarren lassen Southern-Rock-Feeling aufkommen. Van Zant-Charakter hat dann wieder „The Sun’s Gonna Shine Again“, auffallend wieder die starke Gitarrenarbeit. Mainsteam-Rock der Marke Kim Carnes regiert bei „I’m Gettin‘ Stronger“. Nette Pianobegleitung, schöne Melodie, klasse E-Solo; leichte- und gut verdauliche Kost. Der Blues-Rocker „A Woman That Perfect“ rundet ein nettes und sympathisches Album ab, das sich in keiner Rockmusik-Sammlung verstecken braucht und auf jeden Fall noch des öfteren in meinem Player landen wird.

Vielleich fehlt der ganz große Hit, aber insgesamt ein Werk, das meine schon längst gestellte Forderung unterstreicht, Carol und Dale auch aktiv an der Front bei Skynyrd-Konzerten einzubinden, um mal etwas Leben ins abgedroschene und leicht vorhersehbare Programm zu bringen. Dem Bekanntheitsgrad von Carol Chase würde es sicherlich auch nicht schaden, so dass der Traum einer Solo-Karriere vergleichbar ihrer Vorbilder wie Melissa Etheridge, Bonnie Raitt oder Sheryl Crow einmal Realität werden könnte. Besser aussehen als diese tut sie alle Male, das musikalische Potential ist ohne Zweifel vorhanden. Meinen Segen hat sie!

Malycon Music (2004)
Stil:  Rock & More

01. Back To The Well
02. I’m The Blues
03. Gotta Serve Somebody
04. Let Go
05. Blue Highway
06. Tough Enough
07. In Your Life
08. Said A Little Prayer
09. The Sun’s Gonna Shine Again
10. I’m Getting‘ Stronger
11. A Woman That Perfect

Carol Chase

Kim Carnes – Chasin‘ Wild Trains – CD-Review

Kim Carnes zählt zu den Interpretinnen, die in der breiten Öffentlichkeit meist über einen großen Hit definiert werden, ähnlich wie John Miles mit „Music“, Marc Cohn mit „Walking In Memphis“ oder Robin Beck mit „First Time“, um hier ein paar weitere Beispiele anzuführen. In ihrem Fall war „Bette Davies Eyes“ der Knaller, mit dem sie in den Achtziger Jahren großen Bekanntheitsgrad erlangte, und auch Grammies abräumte.

Und so würde ich einiges darauf verwetten, dass selbst viele meiner Bekannten, die ohne Zweifel allesamt einen recht hohes Musik-Allgemeinwissen besitzen, mit kaum mehr als zwei bis drei weiteren Carnes-Songs spontan aufwarten können, wenn überhaupt.

Schade eigentlich, denn die gute Kim, wie auch natürlich die anderen o. a. Künstler, hat viele tolle Lieder in ihrem Repertoire, wie auch ihr damaliges Greatest-Hits-Album von 1993 eindeutig beweist. Man erinnert sich an starke Stücke wie „Gypsy Honeymoon“, „I’ll Be There Where The Heart Is“, „It Hurts So Bad“ (immer noch mein persönliches Lieblingsstück), „Crazy In The Night“ oder auch an „Still Hold On“. Southern-Rock-Freunden wird vielleicht noch die grandiose Coverversion von Johnny Van Zant auf seinem Album „The Last Of The Wild Ones“ im Gedächtnis hängen geblieben sein.

Zwölf Jahre sind seit dieser Kompilation vergangen, dass letzte richtige Album „Checkin‘ Out The Ghosts“ liegt sogar noch zwei weitere Jahre zurück, und wurde zudem nur in Japan veröffentlicht. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Kim ist natürlich weiterhin live aufgetreten, und hat sich nach ihrem Umzug nach Nashville 1994 mehr dem Songwriting für andere Interpreten wie u. a. Sawyer Brown, Suzy Bogguss, Pam Tillis, Carolyn Dawn Johnson oder Tanya Tucker gewidmet, oder verlieh ihre phantastische Stimme im Background für Leute wie Deana Carter oder Tim McGraw.

Schön dass es jetzt wieder mit einem neuen Silberling geklappt hat. „Chasin‘ Wild Trains“ läuft seit Tagen in meinem Player rauf und runter. Ein Klasse-Album! Zwölf neue Stücke mit wunderschönem melodisch zeitlosen Charakter. Die Dame mit der blonden Mähne und ihrer unnachahmlich rauchigen Reibeisen-Stimme in Bestform! Und bei einem Umzug nach Music City bietet es sich natürlich an, namhafte Klassemusiker der dortigen Szene für ein solches Projekt einzubinden.

Naturgemäß tauchen dann auch so bekannte Instrumentalisten wie Greg Morrow, Billy Panda, Tim Lauer, Richard Bennett, Tom Bukovac oder Jeffrey Steele im Booklet auf, die aus dem von mir so geliebten New-Country-Geschehen allseits geläufig sind. Aber auch Typen wie Angelo, Jeff Hanna (Nitty Gritty Dirt Band) oder Chuck Prophet, den ich live auf dem letzten Blue Highways Festival in Utrecht erleben durfte, fügen sich mit starken Leistungen in das Gesamtgeschehen ein.

Als Single wurde die entspannte Ballade „One Beat At A Time“ ausgekoppelt, die ein tolles Slide-Solo enthält und ihren Anspruch in Kims genialem weich-kratzigem Gesang und Tim Lauers unaufdringlichem, aber starken Keyboardspiel begründet. Meine persönlichen Favs aber sind die rhythmisch flotten „Just To See You Smile“ und „All About Time“ die von knackigem Akustikgitarrenspiel getragen werden, die herrliche Ballade „Goodnight Angel“ (klasse Harmonie-Vocals vom Kings Of Leon Produzenten Angelo, starke Gitarrenarbeit/-Solo Tom Bukovac) und das von einem leichten County-Flair umgarnte Midtempostück „Lucid Dreams“, wobei Chuck Prophet ebenfalls Harmonies beisteuert, aber auch an der Telecaster im Wechselspiel zu Angelos Dire-Straits-mäßigen Stratocaster-Fills zu glänzen weiß.

Wohltuend neben der, ich möchte es auch an dieser Stelle nochmals erwähnen, sensationellen Gesangsperformance von Frau Carnes auch, dass diesmal auf der CD, wie es noch in den Achtzigern ja leider Gottes so üblich war, auf Synthesizereinlagen komplett verzichtet wurde. Insgesamt ein lang ersehntes starkes Comeback von Kim Carnes, das nach etwas zeitnaheren Nachfolgewerken schreit…

CoraZong Records (2005)
Stil:  Rock & More

01. One Beat At A Time
02. Just To See You Smile
03. Where Is The Boy (Chris‘ Song)
04. Goodnight Angel
05. Lucid Dreams
06. All About Time
07. Runaway
08. You Made My Skin Burn
09. Still Warmed By The Thrill
10. If I Was An Angel
11. Too Far Gone
12. Stepped Right In

Kim Carnes
Kim Carnes bei Facebook

Solomon Burke – Nashville – CD-Review

Solbur_300

Solomon Burke zählt seit den Sechziger Jahren zu den unumstrittenen Größen des Blues und Soul. Trotz nicht gerade überragender Erfolge am Fließband und vielen persönlichen musikalischen Auszeiten durfte er sich ohne Widerspruch mit dem Beinamen ‚King‘ schmücken. Eigentlich eher  ein klarer Fall für Blues-Freunde , aber da es sich diesmal um ein Countryalbum handelt, womit sich der zeugungsfreudige Mitt-Sechziger (21 Kinder!!!) , der parallel immer noch als Bestattungsunternehmer tätig ist (und wahrscheinlich viele Leute unter sich hat…), einen Herzenswunsch erfüllt hat („Nashville is an experience that every musician should have“ – teilweise sicher richtig, aber bitte nicht alle Musiker…), kommt dann Cowboy ‚Dangerous Dan‘ Daus ins Spiel.

Tom Waits sagte mal über Burke. »He is Solomon the resonator. The golden voice of heart, wisdom, soul and experience. He’s one of the architects of American music«. Mag alles stimmen, aber auf dem Countrysektor ist der King erst mal ein unbeschriebenes Blatt. Aber nach recht vielen Hördurchgängen muss ich zweifellos anerkennen, dass der Altmeister durchaus ein Terrain betreten hat, dass ihm keine Probleme bereitet. Zudem hat er mit Buddy Miller einen sich in Music City bestens auskennenden Produzenten (Steve Earle/Emmylou Harris, ebenfalls aber auch Musiker und Songwriter) angeheuert, der ein gewisses Gespür dafür hat, welche Songs für so eine Konstellation geeignet sind.

Und so schimmern natürlich immer wieder Blues, leicht soulige Elemente und gospelartige Backgrounds durch die Stücke hindurch, wobei Burkes charismatisches Stimmorgan eine unverkennbare schwarze Note in die Lieder einfließen lässt, was im Countrybereich ja auch eher selten ist, zumindest im Frontbereich. Trotzdem Hut ab, dass passt alles hervorragend zusammen, nicht zuletzt aufgrund der guten Musiker, die sämtliche Zutaten mit den genretypischen Instrumenten (Fiddle, Mandoline, Steel, Dobro, Banjo) geschickt in ein Country-Gewand verpackt haben. Farbtupfer wurden sicher auch durch die allesamt recht gut mit Burke harmonierenden weiblichen Gesangspartner wie Dolly Parton, Gillian Welch, Patty Griffin, Emmylou Harris und Patty Loveless gesetzt, wobei gerade Letztgenannte den König bei einem der überragenden Songs des Werkes, „You’re The Kind Of Trouble“ (southern-angehauchter Country-Stomper), mit ihrer Röhre doch ordentlich ins Schwitzen bringt.

Weitere Highlights sind der lässige Opener „That’s How I Got To Memphis“ (toll hier der Gesang bei ausschließlicher Akustikgitarrenbegleitung), die flotte Uptemponummer „Seems You’re Gonna Take Me Back“ (klasse Drumming, tolle E-Gitarre, Organ-Fills, Steeleinlagen, schöne weilbliche Harmonies), das in der grantigen Art eines Van Morrisons gesungene balladeske „Valley Of Tears“ (schöne Akustikgitarren-/Mandolinenbegleitung) oder das J. J. Cale-mäßige „Honey Where’s The Money Gone“ (cooler Akustikrhythmus, schönes E-Piano, sirenenartige Harp, E-Fills, weibliche Harmonies). Einziger Schwachpunkt am Ende vielleicht das an eine Mischung aus Tom Waits , Johnny Cash und Frank Sinatra erinnernde „‚Til I Get It Right“, das so ein wenig auf „New York, New York“ in Country-Manier macht, besonders schrecklich hier die nervigen Streicher-Arrangements.

Ansonsten aber ist „Nashville“ von Solomon Burke ein in sich stimmiges Album mit überragender Gesangperformance des Meisters, das man sich mal gut zum Entspannen anhören kann. Besser wäre es allerdings, man würde als passendes Ambiente eine ehrwürdige Südstaatenvilla (mir fällt da gerade spontan so das Cover vom Dickey Betts & Great Southern-Debütwerk ein…) zur Verfügung stehen haben, und sich das Ganze in der Abenddämmerung bei einem leckeren Gläschen Whiskey auf der Veranda genehmigen. Da es soweit leider noch nicht gekommen ist, zumindest von meinen Gartenstuhl auf meiner Terrasse in Rheinberg aus. Ein Prost dem King!

SPV, Snapper (2006)
Stil:  Country

01. That’s How I Got To Memphis
02. Seems Like You’re Gonna Take Me Back
03. Tomorrow Is Forever
04. Ain’t Got You
05. Valley Of Tears
06. Honey Where’s The Money Gone
07. Atta Way To Go
08. Millionaire
09. Up The Mountain
10. Does My Ring Finger Burn You
11. Vicious Circle
12. We’re Gonna Hold You
13. You’re The Kind Of Trouble
14. ‚Til I Get It Right

Solomon Burke bei Facebook

Luke Bryan – Spring Break… Here To Party – CD-Review

Just in dem Moment, wo sich nach gefühlt mehrmonatigem wettertechnischen Trübsal hier im Rheinland die ersten Sonnenstrahlen mal wieder blicken ließen (mittlerweile fliegen allerdings schon wieder die Schneeflocken umher), erreichte mich die neue Scheibe von Luke Bryan. Der aus Leesburg, Georgia stammende, 1976 unter dem Namen Thomas Luther Bryan geborene Musiker, posiert auf dem Cover in einem knallgelben offenen Geländewagen vor strahlend blauem Himmel. Und auch der Innenteil mit Fotos eines seiner Konzerte samt Beach-Kulisse sowie der Titel „Spring Break… Here To Party“ lassen auf ein launiges Hörvergnügen schließen.

Luke Bryan hatte seinen Durchbruch mit der letzten Scheibe aus dem Jahr 2011 „Tailgates & Tanlines“ geschafft, die in den Billboard-Country-Album-Charts nur ganz knapp den Spitzenplatz verpasst hatte, sich aber zur Zeit immer noch unter den oberen Top-20 bewegt.

Mit seinem jetzt insgesamt vierten Longplayer knüpft der Inhaber eines Major Contracts (Capitol Records Nashville) nahtlos an den Vorgänger an und präsentiert satte vierzehn, größtenteils launige Tracks, die man auf jeder Grill-/Strandparty laufen lassen kann, sofern man was mit New Country-Musik und ihren angrenzenden Bereichen wie Pop, Rock und Southern Rock am Hut hat. Mit Spring Break sind ja die amerikanischen Frühlingssemester-Ferien gemeint, die von den College-Studenten ganz gerne genutzt werden, um in den wärmeren Gefilden der Staaten, dann mal ‚die Sau rauszulassen‘.

Luke Bryans Songs von diesem Album dürften bestens als passendes Ambiente geeignet sein. Meist von einem groovigen Rhythmus getragen, laden die leicht zu merkenden Refrains in ordentlichem Maße zum Mitsingen und auch, bei erhöhtem Alkoholpegel, sicherlich zum Mitgrölen ein. Als gutes Beispiel unter vielen dient hier „Shore Thing“, bei dem dann am Schluss die obligatorischen Crowd-Gesänge mit angebunden wurden.

Das hört sich zunächst banal an, ist es aber letztendlich überhaupt nicht. Zum einen hat Bryan alle Lieder in Zusammenarbeit mit namhaften Songwritern der Szene (Dallas Davidson, Rhett Akins, Ben Hayslip, Ashley Gorley, Michael Carter, Craig Wiseman) die schon für ein gewisses Niveau garantieren, durchaus humorvoll komponiert, zum anderen sorgen die exzellenten Musiker mit vielen instrumentellen Feinheiten dafür, dass es bei genauerem Hinhören viel zu entdecken gibt.

Für die (Schaum-) Krone sorgen vor allem die grandiosen E-Gitarristen. Mit JT Corenflos, Kenny Greenberg, Michael Payne, Pat Buchanan, Brent Mason, Jeff King, Troy Lancaster, Adam Shoenveld und John Willis ist bis auf Tom Bukovac und Dann Huff eigentlich das Who is Who der Edelspieler des Genres vertreten und die bieten von der Rhythmus-, Fill- bis zur Soloarbeit wirklich feinsten Genuss. Das tolle dieser Musiker ist, dass da nicht selbstherrlich gefrickelt, sondern alles kurz und knapp gehalten wird und man trotzdem genau weiß, dass hier alles auf den Punkt gebracht ist. So weht auch immer eine unterschwellige Portion Southern Rock in den Songs mit. Ganz vorzüglich auch Ilya Toshinskys Banjo-Darbietung in „A Little Bit Later On“. Mit dem ruhigen „Buzzkill“ (klasse Slide-Solo) und dem relaxt groovenden „Shake The Sand“ (Orgeltupfer, Bariton-E-Solo) gibt es lediglich zwei Durchatmer, ansonsten wird das Laune-Barometer bis zum abschließenden „Take My Drunk A** Home“, einem stampfenden Fiddle-lastigen Countryheuler durchgehend im nicht mehr fahrtauglichen Promillebereich gehalten.

Mit „Spring Break… Here To Party“ legt Luke Bryan ein spaßiges (vor allem sich selbst nicht zu Ernst nehmendes) Album nach, dass jede Menge Hitpotential beinhaltet. Leute, die gerne den höheren Temperaturen frönen, dabei leidenschaftliches Grillen ihre Passion nennen und kühlem Biergenuss nicht abgeneigt sind (also im Prinzip dem Profil des klassischen RockTimers in hohem Maße entsprechen…), kann diese Scheibe ans Herz gelegt werden. Typen, die unbedingten intellektuellen Anspruch an Musik hegen, und Spaßbremsen aller Art sollten sich halt weiter anderen Dingen zuwenden!

Capitol Records Nashville (2013)
Stil:  New Country

01. Suntan City
02. Just A Sip
03. Buzzkill
04. If You Ain’t Here To Party
05. Little Bit Later On
06. In Love With The Girl
07. Shore Thing
08. Sorority Girl
09. Shake The Sand
10. Love In A College Town
11. Wild Weekend
12. Cold Beer Drinker
13. Spring Break-Up
14. Take My Drunk A** Home

Luke Bryan
Luke Bryan bei Facebook
Bärchen Records

Brothers Of The Southland – Same – CD-Review

BOTSL_300

Irgendwie holt die Vergangenheit einen immer wieder ein. Nein, ich rede jetzt nicht vom erneuten Abstieg meines Graupenvereins Rot-Weiss Essen in die Viertklassigkeit (demnächst Spiele gegen SV Lotte und Wehen 2…), sondern diesmal auch in musikalischer Hinsicht. Philippe Archambeau, Betreiber der sehr schönen französischen Southern Rock-Seite ‚Road To Jacksonville‘ mailte mich an, ob ich in Besitz von Live-Material der einstigen Newcomer-Band Street Survivors wäre, die ja aus meiner Heimatstadt entstammte und für die ich einst den gleichnamigen Bandsong auf ihrem teilweise sehr gelobten Debütalbum „Southern Rock Will Never Die“ getextet hatte. Vermittelt hatte den Kontakt wohl kein Geringerer als die allwissende, journalistische deutsche Stimme des Southern Rocks, mein alter, langjähriger ‚Home-Of-Rock‘-Ex-Kollege Fred Schmidtlein.

Wie es so ist, wurde damals beim ersten Street Survivors-Gig in Rheinberg 1993 (anwesend und mitwirkend Debbie Bailey, frühere Backgroundsängerin von Lynyrd Skynyrd!) alles auf VHS aufgenommen und Kopien an einige auserwählte Leute verteilt. Das Teil lag natürlich seit Jahren in der Schublade einer Kommode meines Arbeitszimmers und ist seitdem nie wieder angeschaut worden. Street Survivors verschwanden dann übrigens, nachdem man einige Konzerte als Vorgruppe für u.a. Molly Hatchet und Wishbone Ash gespielt hatte, ziemlich flugs wieder in der Versenkung und man trennte sich nach internem Streit. Viel graue Haare später und 20 Kilo schwerer fand ich, dank heutiger technischer Möglichkeiten, schnell jemanden, der mir das Band auf DVD umwandelte. Und so schickte ich das Teil umgehend an den erwartungsvollen Philippe. Also, wenn das nicht mal ein schöner Beweis für die gelebte deutsch-französische Freundschaft ist…

Warum erzähl ich das alles eigentlich überhaupt? Auch der gute Philippe ließ sich natürlich nicht lumpen und sendete mir als Dank ein Exemplar der Brothers Of The Southland zu (leider ohne Cover), eine Allstar-Band mit hochkarätigen Namen an Bord (u.a. Henry Paul – Outlaws, Henry Paul Band, Blackhawk, Jimmy Hall – Wet Willie, Steve Grisham – Outlaws, Ghost Riders, Dan Toler – Allman Brothers, Reese Wynans, Mike Brignardello – beides Nashville Studiogrößen, Steve Gorman – Black Crowes, Bo Bice – American Idol-Finalist), die eine Art Tributalbum zu Ehren des kürzlich verstorbenen George McCorkle (Marshall Tucker Band) eingespielt haben. Vorweggenommen sei, dass das Werk zur Zeit nur als Internet-Download zu erwerben ist.

Die Scheibe macht aus mehreren Gründen Spaß. Zum einen, weil es nicht ein abgedroschenes Coveralbum (mit „Can’t You See“ und „Dreams“ nur zwei Klassikerversionen, beide von Bo Bice gesungen; „Brothers Of The Southland“/ Blackhawk und „Dixie Highway“/ Iron Horse zwei Neuversionen von nicht so ganz populären und bekannten Liedern) geworden ist und durchgehend gut mit vielen neuen Songs bestückt wurde. Diese wurden in instrumenteller Hinsicht natürlich hochwertig ausgeführt und auch die Produktion von D. Scott Miller ist glasklar und sehr knackig ausgefallen. Die von Henry Paul (eher southern/countryesk) und Jimmy Hall (oftmals recht soulig/bluesig/rockig mit Bläsern und Harp) fast brüderlich geteilt gesungen Stücke bilden einen herrlichen Kontrast und versprühen pure Nostalgie, ohne aber zu langweilen.

Grandios die Version von „Brothers Of The Southland“, die durch ein herrliches Instrumentalfinish mit Twin-Gitarren erheblich aufgewertet wurde. Wunderschön der Opener „Love Don’t Care (Where You Come From)“, durch den ein angenehmes MTB-Flair strömt, so wie es sicher auch in George McCorkles Sinn gewesen wäre. Die Fassung von „Can’t You See“ (mit 7. 32 Min. längstes Stück) ist nicht von schlechtesten Eltern (klasse Organ, Double Leads, Tempowechsel, fette Drums). „Dreams“ bleibt in seiner Art eher im Allman-Bereich, hier ist aus meiner Sicht aber die Version vom Molly Hatchet-Debüt unerreicht.

Insgesamt eine Scheibe, die einerseits dazu anregt, in Erinnerungen zu schwelgen, aber auch als Beweis für die aktuell immer noch gute Form alter Southern-Strategen wie Henry Paul und Jimmy Hall dient.

Zoho Music (2009)
Stil:  Southern Rock

01. Love Don’t Care (Where You Come From)
02. Brothers Of The Southland
03. Can’t You See
04. Rock’n’Roll Survivor
05. Dixie Highway
06. Travelin‘ Light
07. Blue Sunrise
08. Pray For Me
09. Dreams
10. Change A’Comin‘
11. Back In The Days
12. Long Goodbye

Bärchen Records