Andreas Diehlmann Band – ADB Album Classics – CD-Review

Andreas Diehlm

Review: Hans-Joachim Kästle

Wir wollen uns ja nicht mit fremden Federn schmücken. Aber wenn etwas zutrifft, kann man gern wiederholen, was an anderer Stelle so ähnlich schon mal stand: Die Mannen der Andreas Diehlmann Band sind die besten Texas-Blues-Rocker, die nicht aus Texas kommen.

Nun hat Diehlmann die ersten drei Alben, die zwischen 2017 und 2019 erschienen sind, remastered, mit ausführlichem Booklet, fünf Bonustracks und einer Gesamtlaufzeit von 146 Minuten und 40 Sekunden neu aufgelegt. Natürlich kann man Vergleiche zu ZZ Top, Stevie Ray Vaughan oder Freddie King ziehen, aber eigentlich bedarf es keiner Vergleiche. Zu Diehlmanns Stärken gehört, dass er mit wenigen Ausnahmen nur Eigenkompositionen präsentiert.

„Way Down South“, der Eröffnungssong der ersten CD, beginnt mit einem Slide-Intro. Dann geht’s in die Sümpfe Louisianas, dort, wo der Swamp Rock zu Hause ist. Erinnerungen werden wach an Billy C. Farlow (falls den noch einer kennt), der als Mitglied von Commander Cody and his Lost Planet Airmen in den Siebzigern den Hit „Hot Rod Lincoln“ feiern konnte. Es folgt Peter Greens unverwüstliches „Oh Well“, bei dem die Band unterstreicht, dass in der Tat nicht mehr als drei Musiker für einen satten Sound nötig sind: Andreas Diehlmanns Gitarrenarbeit und sein markant-rauchiger Gesang, Volker Zellers brodelnder Bass und Tom Bonns treibendes Schlagzeug.

„Come On And Get It“ ist danach ein fulminanter Blues Rock. Mit „Hard Times“ schließt sich ein astreiner Blues an. Mit diesen vier Songs ist eigentlich schon alles über die musikalische Bandbreite der gesamten drei CDs gesagt: Kein Stück hört sich wie das andere an.

Zwei von insgesamt acht Fremdkompositionen gilt es noch zu nennen: Da ist zum einen Jimi Hendrix’ „Little Wing“ als Instrumentalstück und „Soulshine“, im Original von den Allman Brothers (der besten Band, die je aus den USA gekommen ist – so, das musste einfach mal gesagt werden).
Darauf einen Whiskey – oder auch zwei!

Mountain Meadow Studio (mms) (2026)
Stil: Blues Rock

CD 1 ADB
01. Way Down South
02. Oh Well
03. Come On And Get It
04. Hard Times
05. Opposites Attract
06. Rock Me Baby
07. Full Grown Man
08. Gonna Raise Hell
09. Gone
10. Rita
11. Hey Baby (Bonustrack)
12. Backdoor Santa (Bonustrack)

CD 2 Your Blues Ain’t Mine
01. Come On Into My Kitchen
02. Your Blues Ain’t Mine
03. I Don’t Wanna Lose You
04. I Don’t Know
05. Head Down Low
06. Little Wing
07. Going Home
08. Soulshine
09. Fucking Happy Blues
10. When I’m Gone (Bonustrack)

CD 3 Point Of No Return
01. You Are My Woman
02. Point Of No Return
03. Don’t Go
04. Long Forgotten Nightmare
05. Sweet Mama
06. Nothing But The Blues
07. King Bee
08. Deadman Walking
09. Here Comes The Rain
10. Nothing But The Blues (Bonustrack, Cigarbox Version 2025)

Andreas Diehlmann Band
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M2 Music

Jay Buchanan – Weapons Of Beauty – CD-Review

Review: Michael Segets

„Weapons Of Beauty” ist das Solodebüt von Jay Buchanan. Als Frontmann von Rival Sons dürfte er bekannt sein. Zuletzt trat er als Leader der Stone-Pony-Band im Film „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ in Erscheinung. Die Schauspielerei und das Showbusiness führten zu neuen Erfahrung und neuen Freunden.

Für das Schreiben der Songs zog sich Buchanan allerdings für drei Monate in die Abgeschiedenheit der Mojave-Wüste zurück. In einem Bunker ohne Tageslicht konzentrierte er sich ausschließlich auf seine Musik. Ryan Bingham handhabte es beispielsweise ähnlich mit seinem Ausflug in die Abgeschiedenheit („Watch Out For The Wolf“). Der Rückzug in die Einsamkeit und das Zurückgeworfensein auf sich selbst beflügelt ja zuweilen die Kreativität.

Entsprechend den Entstehungsbedingungen bleibt also kein Rockalbum zu erwarten. Die zehn Stücke sind zur Hälfte Balladen. Den anderen gibt Buchanan etwas mehr Tempo mit, ohne in die rockigen Sphären der Rival Sons hinüberzugleiten. Die Anordnung der Beiträge auf dem Longplayer überließ er dem Regisseur Scott Cooper, den er bei der Arbeit zum Springsteen-Film kennen und schätzen gelernt hatte. So ist ein Werk entstanden, dass tendenziell in eher ruhigen Bahnen verläuft, dennoch mit dynamischen Intermezzi eine gewisse Dramaturgie aufweist.

Buchanan verfügt über eine klare, kräftige Stimme, die vielleicht nicht besonders warm erscheint, mit der er jedoch in der Lage ist, Gefühl zu transportieren. Wenn er seinen Gesang langzieht, bekommen die Songs melodramatische Anflüge. Sie erinnern dann an Evergreens aus längst vergangenen Tagen wie die erste Auskopplung „Caroline“. Die Balladen wirken daher meist opulent und zeitlos. Buchanan arrangiert sie dabei aber durchaus unterschiedlich. Er arbeitet gelegentlich mit Slide („High And Lonesone“) oder unterfüttert sie mit Keys („Shower Of Roses“). Das mit einem Piano begleiteten Titelstück gehört dabei zu den besonders gefühlvollen Beiträgen.

Die Resultate überzeugen zumeist auch, wenn Buchanan das Tempo anzieht. „The Great Divine“ entwickelt beispielsweise einen schönen Drive. Höhepunkt des Longplayers ist in meinen Ohren „True Black“, das beinahe als Gospel durchgeht, auch wenn es ohne Chor auskommt. „Deep Swimming“ hat anfänglich etwas von Paul Simon. Bei „Dance Me Till The End Of Love“ legt Buchanan viel Soul in seine Stimme. Der Titel erscheint damit leichter als die anderen.

In den Texten geht es oft um eine Reflexion auf die Vergangenheit, Beziehungen, Verlust, Abschied und Weitermachen. Kreative Metaphern reichern die Lyrics an. Ein schönes sprachliches Bild findet sich auf „Tumbleweed“, den aus Westernfilmen bekannten, durch die Landschaft wehenden Steppenläufern. Eine Portion melancholischer Romantik schwingt nicht nur bei dem von Jeremy Lipkin gemalte Cover, sondern ebenso bei seinen Songs durchaus mit.

Beim ersten Hören hatte ich an manchen Stellen leichte Anlaufschwierigkeiten mit dem langgezogen Gesang. Je öfter die Scheibe durchgelaufen ist, desto mehr freundete ich mich auch mit diesen Passagen an. Insgesamt legt Jay Buchanan mit „Weapons Of Beauty“ ein überzeugendes Solodebüt als Songwriter vor, mit dem er einen anderen Weg einschlägt als mit seiner Band Rival Sons.

Sacred Tongue Records – Thirty Tigers (2026)
Stil: Americana

Tracks:
01. Caroline
02. High And Lonesome
03. True Black
04. Tumbleweeds
05. Shower Of Roses
06. Deep Swimming
07. Sway
08. The Great Divide
09. Dance Me To The End Of Love
10. Weapons Of Beauty

Jay Buchanan
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Marc Broussard – SOS V: Songs Of The 50’s – CD Review

Review: Hans-Joachim Kästle

So kann man natürlich auch ins Musikgeschäft einsteigen: Marc Broussards Vater Ted war Gitarrist der Fabulous Boogie Kings und ließ seinen Sprössling im zarten Alter von fünf Jahren mit seiner Band den Chuck-Berry-Klassiker „Johnny B. Goode“ singen. Und falls diese Geschichte nicht stimmen sollte, ist sie zumindest gut erfunden…

Der heute 42-jährige Marc, aufgewachsen in Louisiana, begann 2002 mit seiner Solokarriere, die bislang zwölf Studio-Alben umfasst, von denen immerhin vier in die Billboard Top 200 kamen. Seine musikalische Grundlage sind der klassische Rhythm & Blues und Soul, gewürzt mit Zugaben wie Rock ‚n‘ Roll und Blues – und seine dynamische Stimme.

Nun veröffentlicht er das fünfte Album der Benefiz-Reihe „Save our souls“ und das 13. Insgesamt. „Ich begann mit Coveralben, nachdem ich meinen ersten Major-Label-Vertrag beendet hatte. Als unabhängiger Künstler wollte ich Musik machen, die Gutes bewirkt“, erklärt Broussard seine Beweggründe. Bislang unterstützte er unter anderem ein Frauen- und Kinderschutzhaus oder ein Kinderkrankenhaus in Baton Rouge, Louisiana.

Die elf Tracks von „SOS V“ umfassen Songs aus den Fünfzigern – wie es der Titel schon sagt – und frühen Sechzigern und ein Original. Los geht’s mit „Halleluja I Love Her So“, dem Soul-Klassiker von Ray Charles von 1957, den Broussard so richtig zum Schwingen bringt. Genau das ist es ja, was die Interpretation dieser zeitlosen Oldies ausmacht, die schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben: Es muss zeitgemäß und modern klingen und einerseits Hörer ansprechen, die das Original kennen, und anderseits auch solche, die es vielleicht noch nie gehört haben.

Wie zum Beispiel das furiose „Lucille“, mit dem Little Richard, ebenfalls 1957, zum Siegeszug des Rock ’n‘ Roll beitrug. An seiner Seite hat Broussard die Southern-Rock-Legende Jimmy Hall (Wet Willie/„Keep On Smiling“), der jüngst mit der Allman Betts Family Revival Tour unterwegs war und auch schon mit Jeff Beck getourt ist. Wichtig natürlich auch: Es muss für musikalische Abwechslung gesorgt sein; es darf sich nicht alles nach Eintopf anhören.

Das ist ebenfalls gelungen. So steht unter anderem der leichtfüßige Nummer-eins-Pophit „Hey Baby“ von Bruce Channel – der Clou dabei: Damals wie heute spielt Delbert McClinton (85) die Mundharmonika – neben dem mit Streichern ausgestatteten unverwüstlichen Evergreen „Unchained Melody“, mit dem vor allem die Righteous Brothers in Verbindung gebracht werden, oder Fats Dominos fetzige Hymne „I’m Walkin’“. Kurz und bündig: Give it a listen!

India Media, Big Lake Music (2026)
Stil: Soul, Pop, Rock

Tracks:
01. Hallelujah I Love Her So
02. Dream Lover
03. Unchained Melody
04. Lucille featuring Jimmy Hall
05. Tell It Like It Is
06. I’m Walkin’
07. Hey Baby featuring Delbert McClinton
08. You Send Me
09. Stagger Lee
10. Baby Girl
11. Smile

Marc Broussard
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JESS!PR

Blues Caravan – 25.01.2026, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Zum 20. Jubiläum schickt Thomas Ruf eine besondere Mischung von aufstrebenden Musikern seines Labels auf die Reise. Das Intro des Abends gestalten zunächst alle gemeinsam. Spannend ist, wie ELISE FRANK, MATTHEW CURRY und LAURA CHAVEZ ihre unterschiedlichen Stile miteinander verschmelzen lassen. Als Begleitband hat Thomas Ruf mit Denis Palatin an den Drums und Tom Germann am Bass zwei bekannte Gesichter und mit Lea Worms an den Keyboards ein neues Gesicht dabei. Am Rande sei erwähnt, dass diese Drei gemeinsam mit Sean Athens, der an dem Abend als Gast unter den Fans weilt, die Begleitband für Mitch Ryder bilden, der demnächst auch wieder auf Tour ist.

Danach kann die junge Französin ELISE FRANK in einem etwa 30-minütigen Set Werbung in eigener Sache zu machen. Unterstützt von Denis Palatin an den Drums, Bassist Tom Germann vergeht das Set wie im Flug. Abwechslungsreich streifen die Songs vom Blues ausgehend auch Folk und Country, insbesondere wenn sie zur akustischen Gitarre greift. Mit ihrem jugendlichen Charme und ihrer kräftigen Stimme nimmt sie von Beginn an die Fans mit. Bei einem Song kommt dann noch Laura Chavez hinzu, die neben Rhythmusarbeit noch ein knackiges Solo einfließen lässt.

Ohne Unterbrechung geht es dann weiter mit MATTHEW CURRY. Harte Gitarren Riffs, knackige Soli und seine hohe kräftige Stimme sorgen für Stimmung in der Bude. Er flechtet in den rockigen Blues nicht wenige Elemente von Americana und Southern Rock ein. Stark ist seine Interpretation von Lynyrd Skynyrds „Whiskey Rock-a-Roller“, wo auch Lea Worms am Piano, die nun auch wieder auf der Bühne steht, jedem Southern Fan das Herz aufgehen lässt. Auch hier sind die etwa 30 Minuten viel zu schnell um und man hätte wie schon bei Elise Frank gerne mehr gehört.

Nach einer kurzen Pause entert dann LAURA CHAVEZ die Bühne. Sie passt von daher in das Konzept, dass sie gerade ihr erstes eigenes Album veröffentlicht hat. Als Begleitmusikerin hat sie sich aber schon lange einen Namen gemacht. Sie zählt zu den besten Bluesgitarristinnen, und hat 2023 den Blues Music Award als beste Instrumentalistin-Guitar gewonnen. Im Gegensatz zu den beiden anderen ist ihr Set instrumental. Sie lässt ihre Gitarre sprechen und singen. Dabei entführt sie die Fans musikalisch vom Blues bis hin zu mexikanisch geprägten Rhythmen. Spannend ist, wie sie vom virtuosen ins rockige wechselt, dabei aber immer melodisch bleibt.

Gemeinsam beenden dann die Drei Musiker plus Begleitband den Abend und begeistern mit CCRs „Born On The Bayou“ mit Leadgesangs von Curry und „Under My Thumb“ gesungen von Frank die Fans. Knackige Soli von Chavez und Curry sorgen dabei für Szenenapplaus. Frenetische Zugabe Forderungen im gut gefüllten Musiktheater Piano sorgen dann noch einmal für weitere Zugaben. Mit einer fast mystischen Version von „Blue Jeans“ geht dann ein besonderer Abend zu Ende, an dem alle drei Musiker sich für weitere Konzerte empfohlen haben. Dass sie schon kurz nach dem Konzert am Merchstand standen und für Fotowünsche, Autogramme und Smalltalk zur Verfügung stehen rundet den harmonischen schönen Abend ab. Es mag das Gefühl des Moments gewesen sein, aber nicht wenige Besucher sind der Meinung, dass es einer der besten Blues Caravans gewesen ist.

Line-up:
Elise Frank (vocals, guitar)
Matthew Curry (vocals, guitar)
Laura Chavez (guitar)
Tom Germann (bass)
Denis Palatin (drums)
Lea Worms (keyboards)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Matthew Curry
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Elise Frank
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Teresa James & The Rhythm Tramps – Bad At Being Good – CD-Review

Etta James – ja kennt man, mir Blues-Flegel ist sie zumindest vom Namen her geläufig. Bei Teresa James muss ich allerdings bis dato passen. Dabei hat die gebürtige Texanerin bereits ein gutes Dutzend Alben hinter sich und stellt mit „Bad At Being Good“ in Zusammenarbeit mit ihrer Band The Rhythm Tramps ihren nunmehr 14. Longplayer vor.

Wie sooft in den Staaten ist ihr das musikalische Talent durch Vater und Großvater in die Wiege gelegt worden, bereits mit fünf Jahren wurde der Grundstein für ihr fundiertes Pianospiel gelegt.

Seit den 80ern, wo sie sich dann im Umkreis von Los Angeles bewegte, ist sie musikalisch tätig und hat seither mit klingenden Namen wie u. a, Walter Trout, Spencer Davis, Tommy Castro, Stephen Bruton, Randy Newman, LeeRoy Parnell, Neil Diamond, Marcia Ball, Levon Helm, Lloyd Jones, Delbert McClinton, and Eric Burdon & the Animals  im Studio oder live auf der Bühne zusammengearbeitet.

Auch die involvierten Musiker ihrer Rhythm Tramps (u- a.  Dean Parks, Kevin McKendree, Paulie Cerra, Jay Bellerose), können eine edle Liste in Sachen Kooperationen aufweisen:  Joe Bonamassa, Eric Burdon & the Animals, Bonnie Raitt, Delbert McClinton, Jimmy Reed, Lightin’ Hopkins, Jimmy Vaughan, Johnny Nash, Smokey Robinson, Tom Jones oder Tower Of Power, um nur einige zu nennen.

Heimlicher Macher neben der Protagonistin ist Lebenspartner Terry Wilson, der hier als Hauptsongwriter, Bassist, Gitarrist, Backgroundsänger und als Produzent mit zusammen mit John Porter (Buddy Guy, Taj Mahal, Keb‘ Mo‘) maßgeblich die Fäden zieht.

Das neue Werk erfindet die Welt der Bluesmusik nicht neu, kommt aber trotz der Verwurzelung in traditionellen Strukturen mit einer schönen Unbekümmertheit und Schwerelosigkeit herüber. Somit klingt hier nichts altbacken, sondern ganz im Gegenteil, James & Co. stehen für Abwechslungsreichtum und besonders für spürbare spielerische Frische. In Verbindung mit ihrer tollen Stimme sorgt dies für viel Kurzweiligkeit.

Als Keytracks auf einem durchgängig unterhaltsamen Werk ohne Füller habe ich die wunderbare Southern Soul-Ballade „Is Anything Alright“, das stoneske „All About The Benjamins“ (schöner Song über die Gier nach immer Mehr), das Southern Rock-trächtige „Angel On My Shoulder“ (hätte gut auf das damalige Debüt der Rossington Collins Band gepasst), der Titelsong, der von seiner Machart, wie eine Bewerbung für den nächsten James Band-Film daherkommt, und der fluffige abschließende, vom mehrfachen Grammy-Gewinner Gary Nicholson geschriebene Rhythm’n’Blues-Rausschmeißer mit dem passenden Titel „Close Down The Blues Bar“.

Am Ende bleibt nach dem Hören von „Bad At Being Good“ kein Zweifel: Teresa James und ihre Rhythm Tramps sind ‚Good in being good‘! Die CD hört man genau so gerne durch, wie man sich durch das ansprechend dekorierte Getränkesortiment auf dem schönen Coverbild trinken würde…

MoMojo Records (2026)
Stil: Blues, Blues Rock, Southern Soul

Tracks:
01. Love’s A Full Time Job
02. Is Anything Alright
03. I Got This Thing
04. All About The Benjamins
05. Trouble In Paradise
06. Angel On My Shoulder
07. Treat Her Like You Want Her To Tread You
08. Bad At Being Good
09. Say What You Will
10. We Came To Rock
11. Anytime Is Alright
12. Close Down The Blues Bar

Teresa James & The Rhythm Tramps
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CJ Land – Storm Chaser. Nashville EP– EP-Review

Review: Michael Segets

CJ – die Kurzform für Chad Jonathan – Land wuchs in Kalifornien auf und zog dann über Texas nach Nashville, Tennessee. Den Grundstein für seine musikalische Laufbahn legte seine Mutter, die ihm Gesangsunterricht gab und eine alte Gitarre kaufte. In seiner Jugend betätigte sich Land in Heavy-Metal-Bands als Sänger und Gitarrist. Seit 2015 begibt er sich in ruhigere Gefilde. Als Singer/Songwritern nimmt er Einflüsse des Outlaw Country und des Old School Rock’n Roll auf. Er spielte in kleineren Locations und bei größeren Events. Für Devon Allman, für Ted Nugent und – vielleicht etwas überraschend – für Billy Idol eröffnete er Konzerte.

„Storm Chaser. Nashville EP“ ist in seiner Wahlheimat in einem privaten Studio entstanden. Die EP startet mit den beiden ordentlichen County-Balladen „Distance“ und „That’s Just Me“. „Where Has All The Time Gone?“ lässt dann wirklich aufhorchen. Land rockt hier vor einem Teppich von mehreren Gitarren gewürzt mit ein paar Key-Einsprengseln. Das starke Stück passt sich nicht in die Vorstellung des Nashville-Country ein und Land leitet mit ihm eine Wendung seiner EP in Richtung Rock ein. Während „On Downstream“ mit einem galoppierenden Rhythmus noch einen Western vor dem inneren Auge abspielt, kann der Titeltrack „Storm Chaser“ nicht verleugnen, dass Land am Anfang seiner Karriere eher der härteren Spielart des Rocks zugeneigt war. Diese Frühzeit wirkt hier in das Songwriting hinein, wobei der Song durchaus melodiös bleibt.

Bevor die EP mit dem in zwei Minuten knackig durchgetriebenen „Looking Like Trouble“ ihren aufgekratzten Abschluss findet, schiebt Land nochmal eine Country-Ballade zwischen: „I Need Some Time“ knüpft an den Beginn seines Werks an. Den gefühlvollem Song wählte Land als erste Auskopplung. Er wäre auch für mich die erste Wahl unter den langsameren Country-Titeln gewesen und für Nashville sicherlich die richtige Entscheidung.

„Storm Chaser” zeigt CJ Land von zwei Seiten. Auf der einen Seite als Country-Musiker, der sich in balladesken Bahnen bewegt, auf der anderen Seite als Rocker, der lautere Töne anschlägt. Die knapp halbstündige EP erscheint so nicht als in sich geschlossenes Werk, sondern mehr als ein Ausblick auf die Spannweite dessen, was von Land noch zu erwarten ist. „I Need Some Time“ sowie „Where Has All The Times Gone?“ sind die Highlights, auf denen sich die beiden Facetten seiner Musik widerspiegeln.

Ich mag Rock mit Country-Einflüssen ebenso wie rockigen Country. Land bewegt sich in diesem Grenzgebiet und daher darf ich auf seine nächste Veröffentlichung – vielleicht einen Longplayer – gespannt sein.

Eigenproduktion (2026)
Stil: Country, Rock

Tracks:
01. Distance
02. That’s Just Me
03. Where Has All The Times Gone?
04. On Downstream
05. Storm Chaser
06. I Need Some Time
07. Looking Like Trouble

CJ Land
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Danny Bryant – 23.01.2026, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Wenn Danny Bryant mit seiner Band dem Schwarzen Adler in Rheinberg einen Besuch abstattet, ist in der Regel ein volles Haus garantiert. Und so durfte sich Ernst Barten auch diesmal wieder über eine dementsprechende Kulisse erfreuen.

Der mittlerweile 45-jährige Brite hat bedingt durch gesundheitliche Probleme (u. a. Folgen einer Alkoholsucht), seine Lebensgewohnheiten drastisch geändert, besonders gut erkennbar durch den, zu seinem Vorteil statt gefundenen erheblichen Gewichtsverlust.

Diese Phase hat er mit seinem neuen hervorragenden Album „Nothing Left Behind“ aufgearbeitet und ab sofort gilt der Blick nur noch nach Vorne. Wie an diesem Abend überaus deutlich vernehmbar, wirkt er viel agiler und auch irgendwie gelöster und lockerer. „I’m tougher now“ singt er selbstbewusst im Opener des Albums, der dann auch gegen Ende des zweiten Sets, wie auch viele andere Stücke des Werkes, in der Setlist der gerade begonnenen Tour seine Berücksichtigung findet, was mir persönlich ungemein gut gefiel.

Dies positive Energie ist sicherlich auch ein Verdienst seiner ihn umgebenden Mitstreiter Marc Rahner, Jamie Pipe, Ardjom Feldster und ‚Strahlemann‘ Alexander Hinz, die ihm mit viel Spaß und musikalischer Klasse, auf der Bühne den Rücken stärkten.

Gespielt wurde, wie üblich im Adler, in zwei Hälften, wobei schon der erste Teil mit u. a,  dem satten „Swagger“ zum Auftakt, dem Aufheizer „Temperature Rising“, dem furiosen Southern Rock-Slowblues „Guntown“, „Lover Like You“, dem atmosphärisch proggigen „Enemy Inside“ und der Killerballade „Just For You“ (alle drei vom neuen Longplayer), ein extrem hohes Level geboten wurde.

Auch der Auftakt zu Teil 2 stand mit „Three Times As Hard“ und dem eingängigen „Missing You“ (Heartland-Note) sofort wieder im Zeichen des aktuellen Silberlings. Wie so oft, vergeht bei Bryant-Gigs die Zeit wie im Fluge.

Über „The Rage To Survive“, „Unchained“, wo sich alle einzelnen Beteiligten nacheinander mit anspruchsvollen Soli an ihren Instrumenten in den Fokus rückten, „Not Like The Others“, „Tougher Now“, „Redemption“ (alle drei wieder von „Nothing Left Behind“) und dem knackigen Instrumental „Looking Good“ war das Ende des offiziellen Hauptteils schon erreicht, der natürlich von den unzähligen, quirligen und glänzenden E-Gitarren-Soli des Protagonisten auf seiner gold-weißen Stratocaster maßgeblich geprägt wurde.

Das begeisterte Adlerpublikum ‚kitzelte‘ den Quintett noch satte drei Zugaben heraus  (u. a. das Endorphine freisetzende „Painkiller“ und der satte Stampfer „Rise“), sodass am Ende ausnahmslos strahlende Gesichter zu vernehmen waren. Nur wenige Minuten später standen die Musiker schon wieder für die üblichen Merchandising-Aktivitäten (Signieren, Smalltalk, etc.) zur Verfügung.

Wer den ’neuen‘ toughen Danny Bryant mit seinen Jungs noch öfter erleben möchte, kann dies in naher Zukunft bei diesen Terminen in die Tat umsetzen:

25.01.26           Berlin, Frannz Club
27.01.26            Hamburg, Nica Jazz Club (Bigband Show)
28.01.26            Bonn, Harmonie (Bigband Show)
29.01.26            Dortmund, Musiktheater Piano (Bigband Show)
30.01.26            Freudenburg, Ducsaal
31.01.26            AT – Rankweil, Altes Kino
01.02.26            München, Backstage
03.02.26            CH – Lyss, Kufa (Bigband Show)
05.02.26            CH – Aarburg, Musigburg
06.02.26            Burglengenfeld, VAZ
07.02.26            Freiburg, Jazzhaus (Bigband Show)
20.03.26            Siegen, Vortex Surfer Musikclub
21.03.26            Seelow, 13. Bluesrock Fest (Bigband Show)
26.03.26            CH – Rorschach, Industrie 36 (Bigband Show)
27.03.26            Bad Reichenhall, Magazin 3
28.03.26            Neustadt/Orla, Wotufa-Saal (Bigband Show)

Line-up:
Danny Bryant (lead vocals, electric guitar)
Marc Rahner (electric & acoustic guitar)
Ardjom Feldster (bass, bgv)
Alexander Hinz (drums)
Jamie Pipe (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Danny Bryant
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Schwarzer Adler

Danny Bryant – Nothing Left Behind – CD-Review

Das erste CD-Review des neuen Jahres kommt bei mir, obwohl ich eigentlich normaler Weise nicht abergläubisch bin, immer einem Omen für den weiteren Verlauf der nächsten zwölf Monate gleich. Glücklicherweise begann eigentlich jedes der nunmehr zehn Jahre Sounds Of South mit einem starken Werk und es hagelte ganz viel gute Musik hinterher.

Auch diesmal brauche ich mir wohl keine Sorgen zu machen, denn mit Danny Bryant, bestreitet ein bewährter Qualitätsgarant den Auftakt in 2026. Erstaunt muss ich zunächst feststellen, dass ich, review-technisch gesehen, bis dato nur bei Konzerten mit ihm in Berührung gekommen bin. Ich habe in meiner langen ‚Karriere‘ tatsächlich noch nie ein Album von ihm unter die Lupe genommen.

Das ändert sich jetzt jedoch, sein neues Werk „Nothing Left Behind“, das am 23.01.2026 veröffentlicht wird, steht zur Besprechung an. 

„Das Album handelt von meiner Rehabilitation und davon, wie ich mein Leben in positiver Weise verändert habe“, so Bryant, äußerlich allein schon seit geraumer Zeit auch durch seinen erheblichen Gewichtsverlust erkennbar.

Rein Stimmlich, spielerisch und kreativ, sind keine Einbußen zu vermerken, ganz im Gegenteil, das Album strotzt nur so vor Vitalität und auch neuer Ideen. „Tougher Now“ ist nicht nur eine schlagkräftige Zustandsbeschreibung, der shufflige kräftige Opener des neuen Albums (mit herrlich wummernder Orgel) ist aus meiner Sicht auch ein idealer Beginn bei seinen anstehenden Gigs der aktuellen Tour. 

Ähnliches gilt für das treibende, stadiontaugliche „Not Like The Others„, das einen fast in die 90er Jahre der Rockmusik zurückbeamt. Nach soviel Energie und Dynamik zu Beginn ist es folgerichtig, dass Bryant mit der progressiv angehauchten, pianogetränkten Ballade „The Enemy Inside“ (es schimmert sogar ein wenig Genesis-Ambiente durch) erstmal auf das Bremspedal tritt. Herrlich das integrierte hymnische E-Gitarrensolo. Ein Highlight der CD!

Das polternde, texas-blues-rockige „Swagger“ (mit Kuhglockendrums und „Smoke On The Water-verdächtiger Rhythmusgitarre) lässt dann die Southern Rock-Vorliebe des Protagonisten aufblitzen. Atmosphärisch und ruhiger wird es wieder bei „Redemption“, klassischer Stampf-Blues Rock kennzeichnet „Three Times As Hard“.

Dass Danny durchaus auch ‚radiotauglich‘ kann, beweisen die eingängigen und melodischen Songs wie „Nothing Man“ (mit Akustikgitarre und Harmoniegesängen) und „Missing You“ (Bob Seger-Flair).

Stevie Ray Vaughan-Fans werden sich am E-gitarren-lastigen „Lover Like You“ (mit gurgelndem Orgel-Solo) laben. Die Schlussphase des Longplayers wird mit der wunderbaren Killer-Ballade „Just For You“ eingeläutet, Gänsehautmomente garantiert.

Das endgültige Finale wird dann nochmals in progressiver Manier zelebriert. „Heatwave Heartbreak“ ist ein Instrumentalstück irgendwo zwischen Pink Floyd, Santana, Peter Green & Co., bei dem Bryants brillantes E-Gitarrenspiel im Mittelpunkt steht.

„Wir wollten ein Album machen, das wir live spielen können. Mit fünf Leuten auf der Bühne können wir die ganze Klangwelt, die wir im Studio geschaffen haben, tatsächlich reproduzieren und ohne Einbußen live präsentieren.

Ich hoffe, dass das Album neue Hörerinnen und Hörer erreicht und gleichzeitig diejenigen anspricht, die mich schon lange begleiten, wir haben unser Herz hineingelegt – und ich hoffe, man hört das.“

Diesem Statement kann ich am Ende nur voll und ganz zustimmen. Ein tolles, abwechslungsreiches und kurzweiliges Werk, das Danny Bryants internationales Renommee im Blues Rock weiter festigen wird.

Möge „Nothing Left Behind“ sowas wie eine Zäsur, mit reinem Blick auf die Zukunft symbolisieren, meine ich, dass Bryant, trotz aller früherer Umstände, auch stolz auf das bis dato Geleistete zurückblicken kann.

Wir hoffen, dass der Brite, wie oben angedeutet, viele der neuen Tracks live in ‚tougher‘ Manier präsentieren wird. Gelegenheit dies zu überprüfen erhalten wir schon am 23.01.2026, dem Veröffentlichungstag, wenn wir seinen Gig im Schwarzen Adler in Rheinberg besuchen und darüber natürlich berichten werden.

Jazzhaus Records (2026)
Stil: Blues Rock

01. Tougher Now
02. Not Like The Others
03. Enemy Inside
04. Swagger
05. Redemption
06. Three Times As Hard
07. Nothing Man
08. Missing You
09. Lover Like You
10. Just For You
11. Heatwave Heartbreak

Danny Bryant
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Another Dimension

Lucinda Williams – World’s Gone Wrong – CD-Review

Review: Michael Segets

Lucinda Williams legt beständig neues Material vor und dies, obwohl die Folgen eines Schlaganfalls sie daran hindern, weiterhin Gitarre zu spielen. Unbenommen der gesundheitlichen Einschränkung ist ihr unverwechselbarer Gesang ebenso erhalten geblieben wie die Fähigkeit gute Songs zu schreiben. Diesmal gibt Williams ein politisches Statement ab. An wen sich die Kritik des Albums in erster Linie richtet, dürfte klar sein, wenn sie fragt „How Much Did You Get For Your Soul”? Die beschwörende Aufforderung, für Freiheit einzutreten, kommt sehr deutlich auf „Freedom Speaks“ zum Ausdruck. Williams beweist Rückgrat und tut mit ihren Mitteln das, was möglich ist, um auf Fehlentwicklungen in der Welt aufmerksam zu machen.

„World’s Gone Wrong“ ist ein Rockalbum, auch wenn sich gelegentlich Blues, Americana oder sogar Raggae hineinmischen. Die Songs sind diesmal durchgängig gradlinig angelegt. Williams verzichtet weitgehend auf extrem expressive Momente, die in der Vergangenheit mal genial waren, manchmal aber auch tendenziell anstrengend wirkten. Daher ist der neue Longplayer insgesamt in einem positiven Sinne eingängig. Dies bedeutet, dass er an den richtigen Stellen und in einem ausgewogenen Maß die für Williams typischen Ecken und Kanten aufweist.

Die Gitarrenarbeit übernehmen auf „World’s Gone Wrong“ Doug Pettibone und Marc Ford, die auf ganzer Linie überzeugen – beispielsweise auf „Something Gotta Give“, bei dem zudem Britney Spencer im Background zu hören ist. Auch beim Titeltrack wirkt Spencer mit. Marvis Staples singt „So Much Trouble In The World“, das aus der Feder von Bob Marley stammt, zusammen mit Williams. Als weitere prominente Stimme tritt Norah Jones bei „We‘ve Come Too Far To Turn Aróund” in Aktion. Dort sitzt sie ebenfalls am Piano. Ansonsten zeichnen Reese Wynans und Rob Burger für die Keys – Hammond B-3 oder Wurlitzer – verantwortlich.

Neben konsequenten Rockern wie „Sing Unburied Sing“ fügt Williams langsamere Songs ein („Punchline“) oder frönt auch mal dem Blues („Black Tears“). So kommt ein durchaus abwechslungsreiches Album zustande, das seine Linie nicht verliert. Herzblut steckt in der musikalischen Gestaltung der Songs. Durch ihre politischen und sozialkritischen Lyrics beweist Williams, dass sie das Herz am richtigen Fleck hat. „World’s Gone Wrong“ wirft einen ernüchternden, fast schon resignativen Blick auf die Welt. Letztlich bleibt aber die Hoffnung, dass sich das Geschehen in der Welt in Richtung Gerechtigkeit und Menschlichkeit bewegen lässt.

Highway 20 – Thirty Tigers (2025)
Stil: Rock

Tracks:
01. The World’s Gone Wrong
02. Something’s Gotta Give
03. Low Life
04. How Much Did You Get For Your Soul
05. So Much Trouble In The World
06. Sing Unburied Sing
07. Black Tears
08. Punchline
09. Freedom Speaks
10. We’ve Come Too Far To Turn Around

Lucinda Williams
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Elles Bailey – Can’t Take My Story Away – CD-Review

Wenn ich darüber resümiere, welche Künstler im Laufe der letzten zehn Jahre in diesem Magazin einen besonders markanten Eindruck hinterlassen haben, steht die Elles Bailey mit ganz oben in der Liste.

Wir haben die sympathische Britin seit ihrem Debütalbum „Wildfire“ in 2017 hier reviewtechnisch mitbegleitet und sie auch mehrfach live begutachtet, zuletzt noch Ende 2024 beim Gig im kleinen Saal im Luxor Live in Arnheim.

Nach ihrem überragenden Vorgänger „Beneath The Neon Glow“ und dem damit verbundenen, durchaus beachtlichen Erfolg, lag die Messlatte enorm hoch. Meist entscheiden sich Interpreten, auf Nummer sicher zu gehen und nach dem Motto ’never change a winning team‘ auf der ’sicheren Schiene‘ weiterzufahren, um sich weiter in ähnlichem Rahmen zu bewegen.

Nicht so Elles Bailey, die ‚krempelte diesmal alles um. Neuer Produzent (Luke Potashnick), neue Co-Songwriter und Musiker (ihre Liveband blieb völlig außen vor) und auch eine deutlichere Ausrichtung zu soullastigerer Musik, was man bei den beiden Openern „Can’t Take My Story Away“ und dem groovigen  „Growing Roots“ sowie später dem  flotten „Angel“ (Motown-Note) recht eindrucksvoll vor ‚Öhren‘ geführt bekommt, einhergehend mit Bläsersätzen und gospeligen weiblichen Backgroundgesängen.

Erst beim vom leider viel zu früh verstorbenen Catfish-Fronter Matt Long geschriebenen,  herrlich flockigen „Better Days“ tritt  ihre immer wieder in ihre Musik integrierte Country-/Southern Rock-Passion in den Vordergrund, was besonders im Twin-Gitarren simulierenden E-Gitarrensolo deutlich wird.

In den ruhigen Stücken wie u. a. „Blessed“ (mit Piano und Streichern), „Constant Need To Keep Going“, „Dandelion“ (alle mit Pop-Appeal, aber auch unterschwelliger Nashville-Note) und der theatralisch endenden Pianoballade „Starling“  kommt natürlich ihre grandiose, leicht rauchige Stimme besonders gut zur Geltung.

Kommen wir zum Schluss noch zu meinen beiden weiteren Favoriten neben „Better Days“. Da wäre das in Little Feat-/Bonnie Raitt-Manier (E-Slide, HT-Piano, Orgel, Harp BGVs) cool dahinschunkelnde „How Do You Do It“ und der melodische, dezent melancholische und radiotaugliche Ohrwurm „Tightrope“.

Auch wenn „Can’t Take My Story Away“ aus meiner Sicht nicht ganz an den überragenden Vorgänger heranreicht, haben wir es wieder mit einem hervorragenden Werk von Elles Bailey zu tun. Wir werden ihre Geschichte deswegen sicher nicht beiseite schieben, Ganz im Gegenteil, wir werden ihre Entwicklung, wie bisher, weiter mit viel Freude begleiten, dokumentieren und in die Musikwelt hinaus publizieren.

Cooking Vinyl & Outlaw Music (2026)
Stil: Rock/Pop/Soul

01. Can’t Take My Story Away
02. Growing Roots
03. Better Days
04. Blessed
05. Constant Need To Keep Going
06. Take A Step Back
07. How Do You Do It
08. Angel
09. Dandelion
10. Tightrope
11. Starling

Elles Bailey
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